EGL074 Leon Theremin: Wie der russische Physiker elektronische Musik und Spionage-Technik revolutionierte

Thinker, Cellist, Soldier, Spy: Lev Termen

Wir beginnen diese Episode im Synthesizer-Museum Berlin und verquatschen uns eine halbe Stunde mit den Veranstalter:innen. Unbedingt hingehen und ansehen! Dann geht’s auf die Straße. Eigentlich kennt jede:r das Theremin – ein Instrument, das man spielt, ohne es zu berühren. Dahinter steckt der Erfinder Lev Termen und seine Geschichte als musikalischer Physiker, Spion, verliebt in die USA und Gefangener in Russland. 1919 baute er das Theremin, 1925 entwickelte er Russlands erstes Fernsehgerät. In den späten 1920ern reiste er durch Europa und die USA, zeigte seine Erfindungen. In den USA lebte er 11 Jahre, ließ sich scheiden, heiratete erneut und erfand das erste elektronische Rhythmusinstrument, das Rhythmicon. Die Weltwirtschaftskrise traf ihn schwer, ebenso Patentklagen, Steuerhinterziehung und seine Unfähigkeit als Geschäftsmann. Das Theremin wurde von anderen Instrumenten verdrängt. 1938 ließ sich Termen durch den KGB aus den USA schmuggeln. Zurück in der Sowjetunion landete er im Gulag. In dieser Zeit arbeitete er als Verurteilter und Gefangener für den Geheimdienst. 1945 baute er ein passives Abhörgerät, versteckt in einer hölzernen Nachbildung des Siegels der Vereinigten Staaten. 1945 wurde es als Geschenk an den US-Botschafter überreicht und blieb bis 1952 unentdeckt. Später kam Termen frei, arbeitete am Konservatorium in Moskau. In den USA dachte man, er sei seit Jahrzehnten tot, bis er nach dem Mauerfall wieder auftauchte – auch, um seine große Liebe von 1938 zu finden.

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:00
Das ist doch blöd.
Florian Clauß
0:00:01–0:00:03
Dann steht es dann nach außen. Wieso denn?
Micz Flor
0:00:03–0:00:05
Okay, whatever you say.
Florian Clauß
0:00:06–0:00:07
You do what I say.
Micz Flor
0:00:08–0:00:09
Du lies.
Florian Clauß
0:00:09–0:00:09
Wollen wir hier rüber?
Micz Flor
0:00:10–0:00:11
Halt kurz klatschen?
Florian Clauß
0:00:11–0:00:12
Ja, klar, immer.
Micz Flor
0:00:15–0:00:17
Willst du hinten über den Zebrastreifen gehen?
Florian Clauß
0:00:17–0:00:19
Nee, wir gehen jetzt über die Pampel.
Micz Flor
0:00:20–0:00:21
Fang schon mal an.
Florian Clauß
0:00:22–0:00:26
Hallo und herzlich willkommen bei eigentlich Podcast Episode 74.
0:00:26–0:00:31
Und heute treffen wir uns wieder, wo wir schon öfters uns getroffen haben,
0:00:32–0:00:33
nämlich direkt am Cottbusser Tor.
0:00:34–0:00:41
Und der Anlass ist, dass Mitch seine Folge auch diesmal in einem Museum begehen möchte.
Micz Flor
0:00:41–0:00:43
Diesmal? Du verweist auf?
Florian Clauß
0:00:43–0:00:44
Ja, sehr gut.
Micz Flor
0:00:44–0:00:45
Auf Zuse oder was?
Florian Clauß
0:00:46–0:00:48
Auf Konrad Zuse, das hatten wir im Technikmuseum.
Micz Flor
0:00:49–0:00:50
Aber wir hatten Voyager auch.
Florian Clauß
0:00:50–0:00:52
Voyager hatten wir auch im Technikmuseum angefangen.
Micz Flor
0:00:52–0:00:56
Ja, und jetzt sind wir im Kotti-Museum. Nein, nicht im Kotti-Museum,
0:00:56–0:00:59
sondern über dem Rewe irgendwo. Wir wissen noch gar nicht.
Florian Clauß
0:00:59–0:00:59
Wie der Eingang ist.
Micz Flor
0:01:00–0:01:04
Vorneweg ist das vielleicht eine der Folgen, wo ich mal wieder schneide,
0:01:04–0:01:06
weil ich ja versuche, nicht mehr zu schneiden.
Florian Clauß
0:01:06–0:01:09
Ich habe immer ein bisschen Angst, auch bei der letzten Folge,
0:01:09–0:01:13
dass du nicht schneidest, weil ich dann versuche, die S zu vermeiden.
0:01:13–0:01:17
Und dann kriege ich noch mehr S rein, weißt du? Das ist wie so...
Micz Flor
0:01:17–0:01:17
Ach so, okay.
Florian Clauß
0:01:17–0:01:21
Wenn man nicht stottern will. Ich will nicht stottern und ich... Ja, genau.
Micz Flor
0:01:21–0:01:26
Gut, dann schneide ich das jetzt raus, aber wir müssen jetzt da hochgehen,
0:01:26–0:01:31
wir haben uns angemeldet, guck mal, hier steht schon was, Synthesizer Museum Berlin,
0:01:32–0:01:36
und zwar geht es diese Folge, machst du ein Foto durch diese Folge,
0:01:36–0:01:42
soll es, was soll es, wird es um Lev Thermen gehen.
Florian Clauß
0:01:43–0:01:45
Müssen wir hier durch den Fotoautomaten?
Micz Flor
0:01:45–0:01:45
Ich weiß es nicht.
0:01:47–0:01:53
Termen, der, ich weiß nicht, wie man genau ausspricht, der aber das Instrument des Termins,
0:01:54–0:01:58
wo der in Russland heißt, es wohl immer noch Termenvox entwickelt hat,
0:01:58–0:02:03
das immer noch angeblich einzige Instrument, das man spielt,
0:02:03–0:02:05
ohne es irgendwie zu berühren.
0:02:06–0:02:08
Okay, hier ist kein Eingang.
0:02:10–0:02:12
Und ich fange einfach mal an zu reden.
Florian Clauß
0:02:12–0:02:13
Wir müssen ein bisschen durch den Rewe gehen.
Micz Flor
0:02:13–0:02:19
Keine Dead Air, wir müssen durch den Rewe, meinst du? Auf jeden Fall wollten
0:02:19–0:02:22
wir anfangen und die haben nämlich auch ein Termin im Synthesizer-Museum,
0:02:22–0:02:24
direkt am Kotti, irgendwo beim Rewe.
0:02:24–0:02:27
Aber wir finden den Eingang gerade nicht.
Florian Clauß
0:02:30–0:02:31
Kann man nicht vorstellen.
Micz Flor
0:02:31–0:02:32
Dass es da drin ist.
Florian Clauß
0:02:32–0:02:32
Hier ist es.
Micz Flor
0:02:33–0:02:34
Ah gut, okay.
0:02:37–0:02:39
Direkt neben dem Rewe. Hast du festgedrückt?
Florian Clauß
0:02:40–0:02:41
Ja, ich habe festgedrückt.
Micz Flor
0:02:42–0:02:45
Man muss feste drücken, wie sie feiern. Nee, feste feiern, wie sie drücken.
0:02:45–0:02:49
Nein, feste Fallen, wie sie feiern, drücken.
0:02:51–0:02:55
Ja, und die haben hier im Synthesizer Museum und sind anscheinend doch nicht gekommen.
0:02:56–0:02:59
Wir haben uns angemeldet gestern per E-Mail.
0:03:00–0:03:02
Aber die, da.
Florian Clauß
0:03:02–0:03:04
Ist ein Telefon. Ich ruf mal an.
Micz Flor
0:03:04–0:03:07
All das könnte man jetzt schneiden oder auch nicht. Mal gucken,
0:03:07–0:03:11
ob ich recht habe oder nicht. Sagt mir denn das Schneidelicht?
0:03:17–0:03:20
Wir wollten ins Museum, ja, okay.
0:03:28–0:03:29
Okay, Treppe hoch.
0:03:36–0:03:39
Doch, da ist eine Tür auf, da geht es wahrscheinlich rein.
0:03:40–0:03:44
Hallo, Mitch und Flo. Wir hatten uns, ich weiß gar nicht, mit wem wir gemailt
0:03:44–0:03:49
hatten, Wir wollten heute einen Podcast machen, aus und über das Museum,
0:03:50–0:03:53
haben aber noch keine Tickets vorgekauft. Okay, ich hole mal meinen Kollegen.
Florian Clauß
0:03:53–0:03:53
Ja.
Micz Flor
0:03:58–0:04:02
Hallo, ich bin Mitch. Ich weiß nicht, hattest du gemailt, geantwortet oder dein
0:04:02–0:04:04
Kollege? Nee, hi, ich bin Andi.
0:04:04–0:04:08
Hast du dich mit dem Urschild telefoniert? Nee, warte mal, musst.
Florian Clauß
0:04:08–0:04:10
Du mal kurz. Okay, ich weiß von euch. Dann klärt mich mal auf.
Micz Flor
0:04:11–0:04:15
Wir wollten einfach zwei Tickets haben und die Erlaubnis hatte ich dann per
0:04:15–0:04:17
Mail angefragt, weil wir machen einen Podcast.
0:04:17–0:04:20
Wer macht das nicht? Wer solltet ihr euren Podcast?
0:04:20–0:04:23
Eigentlich Podcast. Und was für Themen hast du denn zu sagen?
0:04:23–0:04:27
Ich habe auch viel über E-Gitarren, aber jetzt wollte ich über Teramin machen
0:04:27–0:04:29
und ihr meint, ihr habt auch einen Teramin.
0:04:29–0:04:31
Ich habe einen Teramin da, weil nur einen von den digitalen,
0:04:31–0:04:32
einen Teramini habe ich da.
0:04:34–0:04:36
Als Auslöser wollten wir das nehmen, weil wir hatten das irgendwie gesehen auf
0:04:36–0:04:40
rbb, hattest du mir geschickt. Dann habe ich gedacht, es wäre cool, wenn wir hier anfangen.
0:04:42–0:04:45
Wir sind ja sowieso hier, dass man alles ausprobieren kann und alles mögliche.
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Mit Filmen oder Ausnahmen ist es natürlich auch möglich. Wenn ihr vorher angefragt
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habt und ihr habt ihr Erlaubnis bekommen, dann denke ich schon, könnt ihr alles machen.
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Ich weiß noch nicht, ob ihr mit dem Digitaltheramin so klarkommt.
0:04:54–0:04:57
Das richtige Theramin, wenn ihr den Unterschied kennt, ist natürlich schon ein bisschen cooler.
0:04:57–0:05:00
Ich habe auch, ich hatte zum 40. von euch ein Theramin geschenkt bekommen.
0:05:00–0:05:02
Das war von MOOC, glaube ich.
0:05:02–0:05:05
Aber das ist wahrscheinlich das Arduino-basierte, das neue, wenn du sagst Digitale.
0:05:05–0:05:07
Das ist dieses Plastik-Ding.
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Das ist eigentlich auch cool. Das haben MOOC wahrscheinlich auch.
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MOOC bauen, glaube ich, nur noch das, weil nicht mehr das normale Lisa-Reihe.
0:05:14–0:05:17
Aber das ist leichter zu spielen.
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Das hat quasi eine unsichtbare Klaviatur.
Florian Clauß
0:05:22–0:05:24
Das hat hier eine Pitch-Correction.
Micz Flor
0:05:24–0:05:28
Ach, das ist ja lustig. Das gilt als eines der am schwersten zu spielen in den
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Instrumenten überhaupt. Mal gucken, das Volume.
Florian Clauß
0:05:31–0:05:36
Ja, toll, dass du jetzt ein Konzert machen kannst. Darauf warte ich die ganze Zeit.
Micz Flor
0:05:36–0:05:40
Du hast da jetzt zu Hause den Theramin gehabt. Ja, genau. Ich habe es sogar
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schon damit aufgenommen. Wir haben es auf einer Platte auch eingesetzt.
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Aber far from expert.
0:05:50–0:05:54
Also das Theramin, um das nochmal kurz zu erklären, das hat ja eben diese sozusagen
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Glissandro-Effekt, also keine Tastatur.
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Nur die Nähe der Hand zu diesem aufrecht stehenden Antennen-Ding bestimmt halt die Tonhöhe.
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Und habt ihr Metallgegenstände an der Einstärkung?
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Ich muss es mal neu kalibrieren, weil es gerade ein bisschen rumzickt.
0:06:11–0:06:13
Das braucht immer wieder so ein Setup. Gell, Setup.
Florian Clauß
0:06:14–0:06:14
Hallo.
Micz Flor
0:06:14–0:06:15
Master Volume 0,
0:06:30–0:06:35
Wenn die Pitch Correction ganz unten ist, dann hast du nicht die Steps drin. Hier ist Volume.
Florian Clauß
0:06:36–0:06:38
Kann ich Tickets kaufen?
Micz Flor
0:06:38–0:06:39
Hier die Tonhöhe.
0:06:41–0:06:44
Das Ding ist ein bisschen nervig zu spielen.
0:06:46–0:06:48
Ja, das war auch... Und dann hat er noch Presets.
0:06:51–0:06:55
Digitales. Ja, das hat man jetzt...
0:06:55–0:06:57
Presets habe ich eigentlich voll nie benutzt, so groß bei dem Termin.
Florian Clauß
0:06:59–0:06:59
Lost in Fock.
Micz Flor
0:07:00–0:07:01
Und dann der...
0:07:07–0:07:11
Ja, ist lustig, diese ganzen Presets sind Sachen, wie man sich vorstellt, wie es klingen müsste.
0:07:12–0:07:17
Aber eigentlich ist es ja nur dieser Sinuston. Früher in meinem alten Job,
0:07:17–0:07:20
da stand immer noch das andere Moog-Ding dran. Das fand ich schon irgendwie cooler.
0:07:21–0:07:24
Das ging was superfächig auf zu Hause. Vielleicht liegt da eine Lampe.
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Genau, also mir rechts ist...
0:07:27–0:07:30
Dann kann man die Tonhöhe, wenn man rangeht, wird es hoch.
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Und links, links ist lautstärke.
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Und es ist auch so, also ich habe einmal Caroline Eichleis gesehen,
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das ist glaube ich die einzige Charitaministin.
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Aber es gibt uns auch die einzige Person, die jemals praktisch ein Lehrwerk
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geschrieben hat, wie man Charitamin überhaupt spielt. War auch interessant, das Ding gibt.
Florian Clauß
0:07:53–0:07:54
Es ja erst seit 100 Jahren.
Micz Flor
0:07:54–0:07:56
Kein Aß weiß eigentlich, wie man richtig drauf spielt.
Florian Clauß
0:07:57–0:08:01
Bei ihr habe ich gesehen, die hat so eine Technik, die bewegt ihr den Finger
0:08:01–0:08:02
eher noch in so eine Richtung.
Micz Flor
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Es sieht so ein bisschen aus wie Show, aber es ist halt wirklich so,
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dass sie die Hand hinhält.
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Das ist wie so spinnenhaft.
0:08:16–0:08:18
Ich weiß auch, bei dem Konzert damals, kann ich mich erinnern,
0:08:18–0:08:21
das war bei der Soko-Bus auch auf dieser Seebühne, wo sie meinte, oh.
Florian Clauß
0:08:21–0:08:24
Unten drunter ist Wasser und so. Da hat sie gar nicht wirklich gerechnet,
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weil das Ding irgendwie auch anders reagiert. wenn sie einfach auf.
Micz Flor
0:08:26–0:08:32
Diesem Wasser-Ding spielt. Das ist ja voll esoterisch. Alles daran ist total esoterisch.
Florian Clauß
0:08:32–0:08:32
Ich finde,
0:08:35–0:08:38
bei dem echten Moog, wenn es alles so super fließend ineinander übergeht,
0:08:38–0:08:43
da kommt man ja schnell in so ein Good Vibrations-mäßiges Ding rein. Das ist irgendwie cool.
0:08:43–0:08:46
Das ist ein bisschen einfacher zu spielen. Das andere Gerät fand ich eigentlich
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schon ein bisschen besser. Der Aufkleber sagt ja auch, schnell das Laden.
0:08:49–0:08:49
Das haben wir praktisch noch von.
Micz Flor
0:08:49–0:08:50
4 Meter übernommen.
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Ansonsten fand ich auch immer die Geschichte gut. Das war von Leo Theramin.
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Ich glaube, Herr Roster, der wollte eigentlich einen Geigerzähler erfinden.
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Die Vorgeschichte war, dass er so ein Distanzmessgerät hat. Sie hatten halt
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über Kondensatoren versucht, im Raum, also im Feld, Abstände zu messen oder
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Gaszusammenhang zu messen. Und er hat halt die ganze Zeit gemerkt, dass er ein Fehler war.
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Also er hat halt immer, es ging schon um Tonhöhe, aber er hat immer quasi durch
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seine Anwesenheit die Messwerte verändert.
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Und hat dann irgendwann gemerkt, so einen Moment mal, weil er halt auch Cello
0:09:24–0:09:25
gelernt hatte. früher hatte ich gesagt.
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Vielleicht kann man damit ja Musik machen und hat dann parallel zu dieser Entwicklung
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von Distanzmessgeräten und so, ja auch für Banken hat er dann so Einbruchssicherungen,
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die die gleiche Logik hatten, dass wenn jemand reinkommt, dann kann man quasi Signal schicken.
0:09:41–0:09:44
Und er hat dann irgendwie über seinen Cello-Hintergrund, hat später auch versucht
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so ein digitales Cello zu bauen,
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aber hat dann angefangen, das Teramin als Musikinstrument zu entwickeln.
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Und wie so oft in der Entwicklung halt durch einen Fehler, das Problem,
0:09:53–0:09:58
wie kann ich hier genauer messen? Es gab doch nur diese Clara Rockmore, die Amerikanerin.
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Die hat ihn aber doch auch irgendwie getroffen.
0:10:00–0:10:07
Der ist 27, ist der von Russland weggeschickt worden und hat dann quasi eine Tournee gemacht.
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War in Paris, im Opernsaal, bei BBC.
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Und der wurde weggeschickt, einerseits um Geld zu akquirieren für Russland und
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aber auch um die Revolution zu propagieren.
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Also er wollte so beides zeigen.
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Es ist unfassbar. Und da war er dann auch beim BBC, hat er das vorgestellt,
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in Paris in den haag in berlin in rom
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glaube ich weiß gar nicht mehr genau und ist danach nach amerika
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mit einem sechs monats visum und war dann
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aber elf jahre in amerika hat alle sechs monate sind visum erneuert und hat
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dann das patent was er hatte dort an rca die radio corporation of america verkauft
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die sollten das dinge serie für ihn produzieren und verkaufen und da hat er dann eben auch die.
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Du hast den Namen Clara Rockmore.
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Die hat er da kennengelernt, die hat er auch angelernt. In die hat er sich wohl
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auch ein bisschen verknallt.
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In meiner Folklore, ich habe eine Halbwissen, da dachte ich immer so,
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ich wusste, ich habe nur gemerkt, Clara Rockmore war eine Violinistin,
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die aber durch einen Unfall irgendeinen Arm verloren hat oder irgendwas,
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die konnte nicht mehr spielen körperlich und war natürlich total interessiert
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an irgendwas, was man spielen kann, ohne zu berühren.
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Ich dachte dann auch, dann haben sich die beiden noch miteinander verliebt und
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so, das stimmt wahrscheinlich nicht alles.
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Theoretisch ist das eine total niedliche Geschichte. Bei mir ist es,
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weiß ich nicht, was mit ihr die Vorgeschichte war. Die konnte irgendwie nicht mehr spielen.
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Er hat sie auf jeden Fall beigebracht und er hat sich in sie verknallt,
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aber sie hat jemand anders geheiratet. Da hat er dann den Kontakt abgebogen.
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Wir müssen dann einen Film draus machen.
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Das geht ja noch weiter. Das ist ja dann auch Teil quasi von dem,
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was du erzählen wolltest.
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Weil Termin, wie er eigentlich heißt, also Termin war seine französische,
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also als er dann raus ist aus Russland, hat er sich statt Lev Thermen hat er
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sich dann Leon Thermin genannt und wollte, dass es französisch ausgesprochen wird.
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Und Thermin in französischer Aussprache ist wohl Thermin oder so ein bisschen.
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Aber jetzt heißt es halt hier Thermin und in Russland heißt es wohl immer noch,
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Thermenvox, dieses Gerät, weil die Stimme von Thermen war das.
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Jetzt habe ich mal einen Faden verloren. Sag nochmal kurz, wie dein Podcast
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heißt, das will ich mir auch mal anhören.
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Also das ist eigentlich-podcast.de oder eigentlich Podcast.
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Wir machen immer abwechselnd und unser Motto ist, im Laufen reden und laufend reden.
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Also wir sind immer unterwegs.
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Und da wird es dann, das ist jetzt in 74, in drei Folgen. Wir hatten neulich
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erst die Abend Nosterato Abend.
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Ah, okay, ja genau. Nosterato ist auch interessant, weil viel von dem,
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die Clara Rockwell oder wie sie heißt, Rockmore.
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Genau, die hat selber auch versucht, dann möglichst nicht mehr für Filme zu
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spielen, weil sie irgendwann das Gefühl hat, das sind immer so billige Sci-Fi
0:12:55–0:12:58
und Horrorfilme, wo sie gebucht wird.
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Und dann war aber ein Hitchcock-Film, wo sie gebucht werden sollte.
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Und da hatte sie dann aber irgendwie abgesagt. Und jemand anderes,
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es gab nur zwei Leute, die da bei der Music Association Amerika als Teremin-Spieler
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oder Spielerin registriert waren. Und sie hat abgesagt, weil sie gedacht hat,
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bestimmt so ein Horrorstreifen.
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Und dann war es aber ein Hitchcock-Film. Und der hat dann auch wohl irgendwie
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einen Ausgaben bekommen für Beste Musik.
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Welcher Hitchcock-Film hat
0:13:20–0:13:23
denn, ich muss mal hier raus, welcher Hitchcock hat denn denn einen Kerl?
0:13:24–0:13:28
Ich weiß es nicht, das müsste ich noch nachtragen. Aber war das nicht die Vögel oder so?
Florian Clauß
0:13:28–0:13:33
Die Vögel war von Sala, der Trautonium. Trautonium, genau, da war irgendwas.
Micz Flor
0:13:33–0:13:37
Sehr gut, danke sehr. Das war jetzt nur noch, da dachte ich, die Verbindung.
0:13:37–0:13:41
Ich müsste gucken, aber ich könnte jetzt, du hast ja den Podcast schon,
0:13:41–0:13:43
kann ich dir sagen, das muss ich nochmal in die Shownotes packen.
0:13:45–0:13:48
Wir haben... Das hört man immer so oft. Kann man irgendwas mit den Shownotes...
0:13:48–0:13:51
Gibt Sachen und anderes Wort, man kann es immer nur reinpacken.
0:13:51–0:13:52
Man kann es immer reinpacken.
0:13:53–0:13:54
Neudeutsch, man muss es in die Shownotes packen.
Florian Clauß
0:13:57–0:13:57
Anhängen.
Micz Flor
0:13:57–0:14:00
Das ist echt immer so, das hört man immer oft. Pack es in die Shownotes.
0:14:00–0:14:02
Pack es in die Shownotes und dann wirst du es mitbekommen.
0:14:02–0:14:05
Du, ich muss jetzt mal ganz kurz erstens deinen Namen aufschreiben.
0:14:06–0:14:08
Wenn es für dich okay ist, dass du mit drin bist hier.
0:14:09–0:14:12
Du darfst... Wir nehmen ja schon auf... Ich wollte... Was, du nimmst es auch?
0:14:12–0:14:15
Wir nehmen ja, aber deshalb frage ich dich jetzt, ob es für dich okay ist,
0:14:15–0:14:16
dass wir das mit reinnehmen.
0:14:16–0:14:18
Bitte nimmst du mit rein, ja, völlig okay.
0:14:18–0:14:21
Und dann soll ich dich anonym mit reinnehmen oder mit Namen?
0:14:22–0:14:27
Und URL, wenn du willst. Oder Insta-Handle. Nee, nee, musst du nicht.
0:14:28–0:14:33
Mein Spitzname ist praktisch Endai. Das ist mein Spitzname wie Andi. E-N-D-A-I.
0:14:34–0:14:38
Endai, keine Ahnung. Den Namen kannst du ja binden mit Endai vom Synthesizer-Museum.
0:14:38–0:14:41
Okay. Kein Problem. Genau. Da kannst du dir das irgendwie verlinken mit Synthesizer-Museum.
0:14:42–0:14:47
Das sowieso, genau. Und die Idee war, weil du fragst... Du, wir sind Ems unten angemacht.
0:14:49–0:14:51
Du hast ja vorhin schon gesagt, ihr latscht ja auch rum und so.
0:14:51–0:14:53
Ja, genau. Wir gehen einfach laufen.
0:14:53–0:14:56
Und die Idee war, ich hatte vorhin unten schon gesagt, dass wir vielleicht schneiden,
0:14:56–0:14:57
wenn wir nicht wissen, wie es hier ist.
0:14:58–0:15:00
Dass wir einen Schnitt machen und dann draußen weitererzählen.
0:15:00–0:15:03
Aber jetzt ging es los, da habe ich gedacht, ich frage dich einfach nach Erlaubnis.
0:15:03–0:15:05
Ex post factum, würde man sagen.
0:15:06–0:15:09
Und ganz kurz, der Pitch noch für das Synthesizer Museum ist,
0:15:09–0:15:12
also wir stehen hier, direkt Blick auf den Kotti.
0:15:12–0:15:14
Direkt auf Kotti, praktisch, keine Ahnung, wie soll man sagen,
0:15:14–0:15:17
Ort des Elends in Kreuzberg. Kotti.
0:15:18–0:15:20
Ja gut, so kenne ich es noch nicht, aber why not.
0:15:21–0:15:23
Ich meine, das ist schon irre, finde ich, dass man hier, und eigentlich ist
0:15:23–0:15:26
das der beste Blick, den man am Kotti haben kann, und wir haben hier super teure
0:15:26–0:15:28
Synthesizer, also ich meine, diesen Ausblick, ich weiß nicht,
0:15:28–0:15:29
ihr seid wahrscheinlich nicht aus Berlin, oder?
Florian Clauß
0:15:30–0:15:30
Doch.
0:15:33–0:15:34
Monarchies nebenan.
Micz Flor
0:15:34–0:15:35
Ja, das ist alles hier nebenan.
Florian Clauß
0:15:36–0:15:40
Hier war auch mal eine Arztpraxis drin, so eine Radiologie. Genau,
0:15:40–0:15:43
weil die Bar drüben, die heißt noch Fahimi Bar.
Micz Flor
0:15:43–0:15:46
Ich habe im West-Berlin da oben noch live gespielt, vor vielen Jahren,
0:15:46–0:15:48
vor 15 Jahren. Echt, da habe ich auch mal live gespielt. Was hat das denn für
0:15:48–0:15:49
den Bernd vielleicht gehabt?
0:15:49–0:15:53
Das war ich, Solo-Getting-up-every-morning, hieß das. Nein, das hat man leider nicht.
Florian Clauß
0:15:53–0:15:55
Aber das war echt so eine richtige Ranzbude da oben.
Micz Flor
0:15:55–0:15:58
Ja, das war super. Die machen immer noch ein bisschen. Gut, hier ist alles irgendwie
0:15:58–0:16:02
verranzt. Nee, wir brechen jetzt auch mal auf, aber wir zahlen jetzt noch.
Florian Clauß
0:16:02–0:16:04
Ich gehe nochmal auf Toilette. Da ist die Toilette.
Micz Flor
0:16:04–0:16:06
Okay, Toilette, Zahlen und so. Das heißt, jetzt machen wir einen Schnitt.
0:16:07–0:16:10
Jetzt geht das Reden beim Laufen los.
Florian Clauß
0:16:11–0:16:14
Ja, das setze ich jetzt spontan. Das sind die Folgen.
Micz Flor
0:16:14–0:16:18
Ja, dann ist meine Folge jetzt fertig. schalten Sie auch bei Folge 76 wieder
0:16:18–0:16:27
ein, wenn es um Theramin-Telz Neo-Therma geht, beziehungsweise Lev-Therman Ja,
0:16:27–0:16:29
wie komme ich jetzt wieder zurück zum Theramin?
0:16:29–0:16:33
Also das war, wir machen einfach die Tür jetzt zu Ja, dieser Abschluss,
0:16:33–0:16:37
das war das Synthi-Museum, wir beginnen jetzt den GPS-Track,
0:16:37–0:16:43
wir beginnen jetzt die Folge über Lev-Therman oder Leon-Therman oder,
0:16:44–0:16:48
Der Theremin, wie wir ihn in Deutschland nennen, wie das Instrument auch bei ihm heißt.
0:16:53–0:16:58
Und einiges hatten wir jetzt ja schon gesagt. Also die Idee von dem Termin oder
0:16:58–0:17:05
Thermenvox, wie es in Russland heißt, ist eben, du hast zwei Antennen, in Anführungszeichen.
0:17:05–0:17:10
Mit einem kannst du die Tonhöhe ändern und mit dem anderen kannst du die Lautstärke ändern.
0:17:10–0:17:16
Wenn du also dieses Instrument spielen willst und zum Beispiel bei der Lautstärke
0:17:16–0:17:20
fasst du dann oder kommst ganz nah eben an dieser Antenne ran, kommen wir hier raus.
Florian Clauß
0:17:20–0:17:21
Ich hoffe.
Micz Flor
0:17:25–0:17:31
Dann geht das Signal quasi aus. Und wenn du an die andere Antenne dran fasst,
0:17:31–0:17:33
dann wird das Signal quasi ganz hoch.
0:17:33–0:17:35
Beziehungsweise je nachdem es eingestellt ist, geht es dann auch aus,
0:17:35–0:17:37
wenn es ganz nach oben pitcht.
0:17:39–0:17:49
Und entstanden ist das, also den wir Termin nennen, der Termin.
0:17:49–0:17:54
Ich sage jetzt Termen für den Mann und Termin für das Instrument.
0:17:54–0:17:55
Wenn ich die beide verwende, dann kann man das.
Florian Clauß
0:17:55–0:17:56
Irgendwie fest auseinanderhalten.
Micz Flor
0:17:58–0:18:05
Also Termin kommt eher aus einer bürgerlichen Familie, obwohl er dann später
0:18:05–0:18:09
auch Lenin-Fan und Fan der Revolution war.
0:18:13–0:18:18
Hat Cello gelernt und hat dann später Physik studiert und hat sich aber von
0:18:18–0:18:22
vornherein dafür entschieden, experimentelle Physik zu studieren.
0:18:22–0:18:26
Also nicht Theoretisches, sondern Experimentelles, womit man auch wirklich was machen kann.
0:18:27–0:18:31
Man wollte was machen und hat dann angefangen, noch in seinen frühen 20er Jahren
0:18:31–0:18:35
mit diesen Distanzmessungen irgendwie anzufangen,
0:18:35–0:18:39
wo man halt festgestellt hat, man kann halt in so Feldern mit Kondensatoren
0:18:39–0:18:43
und Oszillatoren, konnte man einfach Töne herstellen,
0:18:43–0:18:47
auch die sich verändern, wenn der Körper,
0:18:47–0:18:50
also der Messende, ist ja interessant, ein bisschen so Quantenphysik mäßig,
0:18:51–0:18:53
auch der Messende selbst verändert das Messergebnis,
0:18:54–0:18:55
wenn der sich da drin bewegt.
Florian Clauß
0:18:55–0:18:56
Wie die Katze.
0:18:59–0:19:03
Obwohl, das hat ja Christus in deiner letzten Folge bei Nosferatu angemerkt.
0:19:04–0:19:05
Das fand ich auch eine gute Anmerkung.
Micz Flor
0:19:05–0:19:06
Als Beispiel des Humanismus.
Florian Clauß
0:19:06–0:19:12
Warum muss man denn die Katze umbringen? Das ist Anthropozene, was da drin hängt.
0:19:12–0:19:16
Der Mensch muss gucken, dass die Katze tot ist. Die Katze ist erst tot, wenn der Mensch es lag.
0:19:17–0:19:21
Warum kann denn die Katze für sich entscheiden, wann sie tot ist?
Micz Flor
0:19:22–0:19:26
Aber die Idee ist halt eben natürlich, dass da eben der Beobachter,
0:19:26–0:19:30
Wenn man das jetzt mal weiterspinnt, der Beobachter guckt halt in die Kiste
0:19:30–0:19:31
rein, sieht, ob die Katze tot ist oder nicht.
0:19:32–0:19:36
Und ähnlich ist es halt auch so in dem Moment, wenn dieses, damals konnte ich
0:19:36–0:19:38
ja nicht alles aufzeichnen und nachträglich nochmal gucken.
0:19:38–0:19:42
Das heißt, in dem Moment hat er wirklich versucht, Messungen auch für Gasdichten
0:19:42–0:19:46
und sowas herzustellen, die dann im Endeffekt sich über Töne wiedergespiegelt haben.
0:19:47–0:19:50
Aber wenn du dich an dein eigenes Messgerät bewegt hast, dann veränderte sich
0:19:50–0:19:54
der Ton. Da musste es also quasi einen großen Abstand halten oder kalibrieren,
0:19:55–0:19:57
was der hier jetzt ja auch gemacht hat.
0:19:58–0:20:02
Und da hat dann der gelernte Cellist, also jetzt nicht professionell gelernte,
0:20:02–0:20:03
aber der gute Cellist und sehr
0:20:03–0:20:09
musikalische Ingenieur, hat dann dieses Thermenvox, wie es hieß, gebaut.
0:20:09–0:20:15
Der war noch Anfang 20 und hat gleichzeitig aber auch schon unterrichtet an der Uni.
0:20:15–0:20:21
Und das war dann wohl mit den Studenten auch so absoluter Hammer,
0:20:21–0:20:24
dass halt der eine spielt jetzt, macht jetzt Musik mit der Physik sozusagen.
0:20:24–0:20:28
Das waren halt irgendwie so zwei Dinge, die sich da miteinander verwoben haben.
0:20:31–0:20:35
Und von der Art, wie das halt gemacht wird, der hat dann so ein bisschen rumgebaut
0:20:35–0:20:37
und dann später auch das immer wieder ein bisschen verfeinert,
0:20:39–0:20:44
bis dann die Version, die dann komplett analog bei dem Moog-Ding,
0:20:44–0:20:46
was wir jetzt gespielt haben, Das hat ja scheinbar eine digitale,
0:20:46–0:20:49
zumindest Nachbearbeitung, weil da konntest du ja wirklich auch einstellen,
0:20:50–0:20:51
dass das nur ein Halbtön springt.
Florian Clauß
0:20:52–0:20:53
Das heißt, quantisiert.
Micz Flor
0:20:53–0:20:55
Ja, sozusagen, ja, genau, das waren die Quanten.
Florian Clauß
0:20:56–0:20:59
Quanten-Quinten.
Micz Flor
0:20:59–0:21:02
Der hat das dann so eingestellt, dass letztendlich war es so,
0:21:02–0:21:09
dass eine Frequenz gleichbleibend geschwungen hat in der Maschine und die zweite
0:21:09–0:21:12
Frequenz wurde über die Antenne verändert.
0:21:12–0:21:15
Und die Differenz dieser beiden Frequenzen, das ist dann das,
0:21:15–0:21:18
was hörbar gemacht wurde. Das ist also der Sound, den man gehört hat.
Florian Clauß
0:21:19–0:21:21
Also ich weiß nicht, ob ich mir das eingebildet habe, eben bei dem MOOC,
0:21:22–0:21:26
dass so ein kleines Bitzeln, habe ich den Finger manchmal gespürt.
Micz Flor
0:21:27–0:21:27
Du hast es drangehalten?
Florian Clauß
0:21:28–0:21:30
Nein, auch in dem Feld quasi.
Micz Flor
0:21:30–0:21:31
Das war die Aufregung.
Florian Clauß
0:21:32–0:21:38
Ich glaube schon, dass das Magnetfeld dann relativ stark ist.
0:21:38–0:21:42
Aber es hat sich so ein bisschen wie so ein Bitzeln, so ein elektrisches Bitzeln
0:21:42–0:21:45
angefühlt. Aber vielleicht war es wirklich die Aufregung. Ich will ja nicht übertreiben.
Micz Flor
0:21:46–0:21:50
Es ist natürlich insofern an den Stromgitarrenserien immer so ein bisschen dran.
0:21:51–0:21:53
Wo es da um elektromagnetische Felder ging.
0:21:53–0:21:56
Hier ist es jetzt ein bisschen was anderes. Und vor allen Dingen geht es auch
0:21:56–0:21:57
wieder um den Kondensator.
0:21:57–0:22:00
Über den haben wir auch schon lange gesprochen, als wir darüber gesprochen haben,
0:22:00–0:22:03
wie man die Tonregelung bei Gitarren macht.
0:22:04–0:22:07
Dass der Kondensator quasi die Möglichkeit ist,
0:22:07–0:22:13
obwohl der kein Draht ist, der durchgängig das Signal auf Masse abführt,
0:22:13–0:22:18
aber der Kondensator wie so eine Art Schaukel ist und bestimmte Kondensatorwerte
0:22:18–0:22:21
dann in so einer hochfrequenten Schaukel ermöglichen, Und das ohne,
0:22:21–0:22:22
dass Strom wirklich fließt,
0:22:22–0:22:28
trotzdem Teil der Wechselspannung eben abgeführt wird gegen Masse.
0:22:28–0:22:30
Und so kann man dann im Kondensator die Töne ändern.
0:22:31–0:22:34
Und bei der Arbeit, die Thermin gemacht hat, und das war halt 1919,
0:22:35–0:22:38
hat er die Forschung begonnen, 1920, 21 war dann das erste Thermin gebaut,
0:22:39–0:22:40
hat es dann parallel gemacht.
Florian Clauß
0:22:40–0:22:44
Aber war das jetzt wirklich motiviert aus seiner akademischen Laufbahn heraus
0:22:44–0:22:48
oder hat er dann irgendwann als Zeitprojekt dann quasi für sich entwickelt?
Micz Flor
0:22:49–0:22:53
Er war, also es ist halt so ein absoluter Tinkerer.
0:22:53–0:22:57
Er ist so ein bisschen so ein Bastler einfach gewesen.
0:22:57–0:23:01
Der hat das, glaube ich, einfach parallel weitergemacht und war halt eben praktischer,
0:23:01–0:23:02
experimenteller Physiker.
0:23:03–0:23:06
Und das hat ihn halt alles fasziniert. Er hatte auch wohl diese,
0:23:07–0:23:10
so drüber reflektiert, das mal irgendwo aufgeschrieben, da habe ich die Quelle
0:23:10–0:23:12
jetzt aber nicht gefunden, dass er darüber...
0:23:14–0:23:18
Reflektiert hat, dass das Instrument immer zwischen der Idee der Musik und dann
0:23:18–0:23:21
der finalen Musik steht, also bei seinem Cello auch.
0:23:21–0:23:27
Und dass du natürlich bei allen Instrumenten, Cello und Theramin sind sich insofern
0:23:27–0:23:30
ähnlich, als dass du halt keine Bünde hast oder keine Tasten hast.
0:23:30–0:23:36
Das heißt, du kannst auf dem Cello auch stufenlos, kann sich quasi vergreifen.
0:23:36–0:23:39
Deshalb sagt man auch immer, wer Geige spielt und das nicht gut kann,
0:23:39–0:23:43
das kann auch ganz schön anstrengend sein, dazuzuhören, weil du musst halt wirklich
0:23:43–0:23:44
genau auf den Punkt greifen.
0:23:44–0:23:47
Bei einer Gitarre ist es in der Regel so, gibt es auch Ausnahmen,
0:23:47–0:23:51
aber in der Regel so, du drückst hinter so einem Bund und dieser Metallbund,
0:23:52–0:23:56
der auf den Griffbord eingelassen ist, der sorgt dafür, dass es genau ein Halbton weiter ist.
Florian Clauß
0:23:57–0:23:58
Du musst nicht so eine Finger,
0:24:00–0:24:01
Gedächtnismuskulatur haben.
Micz Flor
0:24:01–0:24:03
Was du Quantisierung nanntest, ist das quasi.
0:24:06–0:24:10
Und er hat so mit seinem Cello-Wissen dann und dieser Erkenntnis,
0:24:10–0:24:13
dass er quasi da ein Musikinstrument macht, ein neuartiges,
0:24:13–0:24:17
hat er angefangen zu basteln und wollte das so ein bisschen überwinden,
0:24:17–0:24:25
dass man dieses Musikinstrument in seiner Materialität und Eigenart so zwischen
0:24:25–0:24:29
die Musik und sich selbst stellt. Im Endeffekt hat er ja auch ein Musikinstrument gebaut.
0:24:29–0:24:33
Eins, was dann teilweise in einer bestimmten Zeit eben auch intensiv eingesetzt
0:24:33–0:24:39
wurde, auch für Orchester eingesetzt wurde, teilweise dann wohl in Amerika auch
0:24:39–0:24:42
bei größeren Orkestern eingesetzt wurde, zumindest bei einem,
0:24:42–0:24:46
um die Kontrabässe ein bisschen stärker zu machen.
0:24:46–0:24:49
Die Tiefenfrequenzen, die sind ja ohne Verstärkung relativ schwach.
0:24:50–0:24:55
Da werden ja dann auch teilweise Räume gebaut, um halt möglichst gut bestimmte
0:24:55–0:25:00
Frequenzen irgendwie nach vorne zu verstärken und so. Und die haben das dann
0:25:00–0:25:03
mit dem Theramin, haben die dann die Kontrabässe gedoppelt sozusagen.
0:25:04–0:25:09
Und dann war aber das Problem teilweise, dass sie keinen Filter hatten für die
0:25:09–0:25:14
ganz tiefen Frequenzen, dass es teilweise den Leuten im Publikum schlecht geworden
0:25:14–0:25:18
ist, weil diese ganz tiefen Frequenzen aus den großen Lautsprechern dann so
0:25:18–0:25:19
in den Magen gehauen haben.
0:25:19–0:25:21
Also ein bisschen Techno-Rave-mäßig.
Florian Clauß
0:25:23–0:25:26
Es ist ein bisschen so ein Mythos wie bei den Lumier-Brüdern,
0:25:26–0:25:31
als die dann den ersten Film von einem Eisenbahn gezeigt haben und alle die
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Leute aus dem Kino gerannt sind, weil die dachten, die Eisenbahn kämen auf sie zu.
0:25:35–0:25:43
Das ist das erste Mal, dass man so tiefe Töne gehört hat und es war jetzt nicht
0:25:43–0:25:47
im Berghain mit dem Function One.
Micz Flor
0:25:48–0:25:52
Aber das war wohl wirklich dann eine Anfrage daran, irgendwie zu arbeiten,
0:25:52–0:25:56
dass man nicht mit dem Theramin diese ganz tiefen Frequenzen auch losstellt.
0:25:57–0:25:59
Es scheint schon eine Vorgabe gegeben zu haben.
0:26:04–0:26:11
Und Thermen wurde dann, also ist geboren Mitte 1890, ich glaube 1895,
0:26:11–0:26:16
laufend Reden, ich habe es jetzt gerade nicht im Kopf, ist fast 100 Jahre alt
0:26:16–0:26:19
geworden, ist in den 1990er Jahren erst gestorben.
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Ich glaube, 95 geboren und 93 gestorben. Also wirklich sehr alt geworden.
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Ich glaube, 97 geworden, nicht 98.
0:26:28–0:26:33
Und wurde dann auch im Ersten Weltkrieg schon eingezogen,
0:26:36–0:26:42
um an die Front zu gehen eigentlich. Aber aufgrund seiner Gabe und seines Wissens
0:26:42–0:26:46
wurde er dann eben zu Radiologen, also nicht Radiologen, die ziehen,
0:26:47–0:26:50
sondern zur Radiotechnik gezogen, weil das war ja auch im Ersten Weltkrieg ganz wichtig.
Florian Clauß
0:26:50–0:26:52
Kommunikation. Ja, Kommunikation.
Micz Flor
0:26:53–0:26:56
Hat er ganz viel aufgebaut und eingebaut während des Krieges.
Florian Clauß
0:26:56–0:26:59
Und dann aber für die Russen. Ja.
Micz Flor
0:27:00–0:27:05
Und während des Krieges schloss er dann auch sein Physikstudium ab und hat gleichzeitig
0:27:05–0:27:07
aber auch ein Musikdiplom noch erworben in der Zeit.
Florian Clauß
0:27:07–0:27:08
Wow, okay.
Micz Flor
0:27:08–0:27:13
Und hat halt eben dieses Musik und Wissenschaft irgendwie immer so miteinander verbunden.
0:27:13–0:27:15
Auch später, da hatte ich vorhin schon erwähnt, da kommen wir noch drauf in
0:27:15–0:27:20
Amerika. Da hat er dann auch das Rhythmikon gebaut und hat ja auch versucht, ein Ding zu bauen,
0:27:20–0:27:25
was nicht nur die Hand und den Sound macht, sondern was dann eine ganze Performance
0:27:25–0:27:28
abbilden könnte, wo dann eine tanzende Frau, die hat nämlich dann auch mal eine
0:27:28–0:27:32
Tänzerin geheiratet als seine zweite Frau,
0:27:34–0:27:38
dass die Tänzerin dann tanzt und er kann dann Licht und Sound generieren aus
0:27:38–0:27:41
den Bewegungen. Aber das hat wohl nicht so geklappt.
Florian Clauß
0:27:41–0:27:46
Das sind quasi die ersten Multimedia-Performances.
Micz Flor
0:27:50–0:27:55
Er hat in Russland als Physiker noch gearbeitet und die Urarbeit war,
0:27:55–0:28:02
dass er quasi Alarmanlagen, also Distanzmesser, Alarmanlagen auch mitentfunden hat.
0:28:03–0:28:09
Wenn also jemand in dieses Feld des Terremins eingetreten ist,
0:28:10–0:28:13
dann wurde ein Alarm ausgelöst.
0:28:13–0:28:18
Und das wurde dann später auch natürlich von Lenin und dann von Stalin auch
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gewollt, um halt bestimmte Sachen zu schützen.
Florian Clauß
0:28:21–0:28:27
Aber kannst du vielleicht nochmal so, ich weiß nicht, ob ich dann vielleicht
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nicht richtig zugehört habe, kann ich mir kaum vorstellen, aber wie das dann
0:28:31–0:28:32
funktioniert überhaupt.
0:28:32–0:28:40
Ob der Körper in einem elektromagnetischen Feld dann eine Reaktion auslösen
0:28:40–0:28:42
kann. Man hat es ein bisschen mit dem Tonabnehmer verglichen.
0:28:42–0:28:47
Aber ich finde das ein plastisches Bild mit der Alarmanlage.
0:28:47–0:28:55
Man stellt sich quasi ein, es ist im Prinzip ein Sender, der dieses elektromagnetische Feld aufbaut.
0:28:55–0:29:02
Und dann kommt ein biodynamisches System in dieses Feld rein. Was passiert?
Micz Flor
0:29:02–0:29:05
Kann alles Mögliche reinkommen in dieses Feld. Also du musst dir ja so vorstellen,
0:29:05–0:29:08
dass du eine Balance herstellst, wie eine Waage.
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Und die Waage schwebt, rechts und links ausgeglichen. Und dann stellst du auf
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einer Seite was drauf und dann kippt diese ganze Sache.
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Das heißt, du hast gleichzeitig eben dieses Feld, was aufgebaut wird über die
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Antennen und misst dieses Feld.
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Und das ist unglaublich sensibel. Würde mich jetzt interessieren,
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weiß ich selber auch nicht, weil es gibt ja jetzt die ersten Quanten,
0:29:33–0:29:38
wie heißt es denn, Quanten, nicht Detektoren, sondern Schalter oder Messer,
0:29:38–0:29:42
Quantenmesser, wo Quantentechnologie eingesetzt wird, um ganz,
0:29:42–0:29:44
ganz, ganz sensible Messungen herzustellen.
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Das war jetzt eine Analogie, die vielleicht gar nicht passt,
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aber so ist es in meiner Vorstellung.
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Dass dieses Feld wird aufgebaut und wenn sich in diesem Feld was gemessen wird,
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das heißt die Kalibrierungen sagen, okay, jetzt ist das Feld fertig, so wie Weißabgleich.
0:29:59–0:30:02
Und in dem Moment, wenn sich dann in dem Feld was bewegt, was ein Mensch sein
0:30:02–0:30:06
kann oder wie er vorhin auch gemeint hat, es gibt eine Deutsche,
0:30:06–0:30:10
die auch noch mit Orchestern sowas auftritt und das Theramin spielt,
0:30:10–0:30:13
die dann wohl gesagt hat, oh shit, unter uns ist ja Wasser.
0:30:15–0:30:19
Das ist einfach schwierig, dann auf dem Wasser zu spielen, weil das vielleicht
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dann auch ein bisschen schwappt und sowas, weil die feinste Messung dann eben das beeinflussen kann.
Florian Clauß
0:30:24–0:30:26
Ja, weil es auch Wellen macht.
Micz Flor
0:30:26–0:30:30
Das was. Genau, das ist einfach dann nicht ein bestimmter Stoff,
0:30:30–0:30:33
sondern einfach die Veränderung des, in Anführungszeichen, Äthers.
Florian Clauß
0:30:33–0:30:37
Ja, stimmt, das ist ja wie so ein Blocker, der dann unten liegt,
0:30:37–0:30:39
der dann wahrscheinlich reflektiert die Wellen.
Micz Flor
0:30:41–0:30:48
Wie wenn du mit Elektrogitarre stehst und nebendran macht einer so eine Kaffeemaschine Mühle an.
0:30:48–0:30:51
Wo dann diese Funken, die dann bei diesem Motor rausspringen,
0:30:52–0:30:54
dann einfach von deiner Gitarre aufgegriffen werden.
0:30:54–0:30:57
Und bei dem Terramine ist es aber halt so, dass es wirklich,
0:30:57–0:31:01
glaube ich, einfach Masse ist. Eine Veränderung in der Massedichte.
0:31:01–0:31:03
Also er hat ja eben auch Gase damit gemessen.
0:31:03–0:31:06
Da müsste ich jetzt aber auch nochmal genauer gucken. Aber so hatte ich das
0:31:06–0:31:10
zumindest verstanden. Das Feld baut sich auf. Das Feld wird dann quasi auf Null
0:31:10–0:31:11
kalibriert wie eine Waage.
0:31:11–0:31:15
Und wenn du dann halt irgendwie eine andere Dichte reinbringst,
0:31:15–0:31:18
ein anderes Dichte-Gas reinbringst, dann kannst du die Veränderung messen.
0:31:18–0:31:22
Und diese Veränderung der Dichte,
0:31:24–0:31:27
War dann natürlich im übertragenen Sinne auch möglich zu messen,
0:31:27–0:31:28
wenn jemand sich nähert.
0:31:29–0:31:32
Also wenn wir uns von dem Termin genähert haben, dann war das auch,
0:31:32–0:31:35
jemand geht darauf zu und das war dann eben der Alarm.
0:31:35–0:31:41
Und damit wollten Leni und Stalin auch Grenzen sichern damit und auch für Bank-Tresors
0:31:41–0:31:44
und sowas wurde das gemacht.
0:31:46–0:31:52
Im Kern da drin geht es halt auch wieder um Kondensator. Superkondensator ist eben dieses Bauteil,
0:31:52–0:31:59
in dem zwei gefaltete oder ineinander gefaltete, aber sich nicht berührende
0:31:59–0:32:03
Flächen in der Lage sind, eine Spannung zu halten.
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Aber da müsste ich jetzt auch passen, das genauer zu erklären.
0:32:08–0:32:12
Wenn es Nachfragen gibt, mache ich nochmal eine eigene Folge dazu und lese mich
0:32:12–0:32:17
da mal so richtig rein. Denn ich wollte jetzt ja mehr über Thermens Leben erzählen,
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weil das so ein paar Wendungen gemacht hat, die wirklich auch jemand im späten 19.
0:32:23–0:32:27
Jahrhundert geboren und dann nach dem Fall der Mauer in den 90er Jahren irgendwie
0:32:27–0:32:29
gestorben, der hat ja ziemlich viel gesehen.
0:32:29–0:32:33
Also nicht nur den Flug,
0:32:33–0:32:37
Flugzeuge, Transatlantik-Flugzeuge, erste Landung auf dem Mond und so weiter
0:32:37–0:32:41
und sofort Atombombe kriegen, sondern auch in der Entwicklung der Musik und
0:32:41–0:32:46
der Sinti-Musik und da wurde er dann irgendwie auch immer wieder so mit reingeholt,
0:32:46–0:32:47
was ich auch vorhin meinte.
0:32:47–0:32:53
Also dieses Rhythmikon, das wurde dann eben auch später einfach so als Meilenstein
0:32:53–0:32:58
der Geschichte der elektronischen Musik dann immer wieder rausgezogen und vorgeführt.
0:32:58–0:33:01
Da hat er eine ganz wichtige, also ähnlich wie Tesla eigentlich.
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So genau so eine Figur. Sieht auch ein bisschen ähnlich aus.
0:33:04–0:33:07
Also ist hübscher als Tesla, hat so einen sehr ebenmäßigen.
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Hat sich auch eben in Amerika dann von seiner ersten Frau scheiden lassen,
0:33:13–0:33:15
um eine schwarze Tänzerin zu heiraten.
0:33:16–0:33:20
Die hieß Lavinia, den Nachnamen weiß ich jetzt gerade nicht.
0:33:20–0:33:27
Für die er dann eben auch dieses Gerät bauen wollte, mit dem man halt ganze
0:33:27–0:33:30
Performances in Töne und Lichter umbauen kann.
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Das war dann auch in den späten 20er und frühen 30er Jahren.
Florian Clauß
0:33:36–0:33:41
Und wo sind wir jetzt gerade? Sind wir jetzt noch in Russland oder in den USA?
Micz Flor
0:33:42–0:33:46
In den 1920er Jahren war Russland.
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Da hat er dann auch eben das Termin entwickelt, hat Lenin selbst auch noch angeleitet.
0:33:53–0:34:00
Er hat das auch Lenin vorgeführt, hat dann auch bei einem Lied Lenins Hand geleitet,
0:34:00–0:34:04
sodass Lenin so ein Gespür dafür kriegt, wie man diese Melodie spielt.
0:34:04–0:34:09
Und dann hat er aber mit Erstaunen festgestellt, dass Lenin das dann auch,
0:34:09–0:34:11
als er losgelassen hat, sehr gut machen konnte.
0:34:11–0:34:14
Also er war sehr begabt, Lenin, was das Termin angeht.
0:34:15–0:34:19
Und das war in den 20er Jahren. Und dann ging es halt damals dann wohl auch
0:34:19–0:34:21
darum, er wurde nämlich auf Tour geschickt.
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1927, 1928 ist er zuerst über Europa, hat gespielt in England,
0:34:31–0:34:35
in Paris, in Den Haag, in Berlin, in Rom, ich weiß nicht genau,
0:34:35–0:34:37
in welchen Städten noch, so aus dem Kopf.
0:34:37–0:34:46
Und ist dann 1928 nach Amerika gekommen, hat dort auch gespielt,
0:34:46–0:34:51
wurde da auch in Anführungszeichen gefeiert.
0:34:51–0:34:55
Und fand ja auch ganz interessant, es gab eine Review davon,
0:34:55–0:35:01
als er wohl mal in Boston gespielt hat, wo jemand sagt, dass halt dieses Termingerät,
0:35:03–0:35:07
So habe ich es zumindest gelesen, es hatte schon fast so eine okkulte Magie.
0:35:08–0:35:12
Es war in einer Zeit, in der diese ganzen Sachen so in der Schwebe waren.
0:35:12–0:35:18
Und das Okkulte und die Technik und die Zukunft, alles auch so.
Florian Clauß
0:35:18–0:35:22
Ja, das hatten wir so ein bisschen, diese Ästhetik hatten wir so ein bisschen aufgegriffen.
0:35:22–0:35:29
Ich muss wieder in der Osferatu-Folge referenzieren, nämlich in diesen Geisterbeschwörungen,
0:35:29–0:35:34
die dann auch in den viktorianischen Gesellschaften so üblich waren.
0:35:34–0:35:38
Da wurde auch viel mit Elektrizität und so weiter, die noch in den Kinderschuhen gesteckt haben.
0:35:38–0:35:42
Wurde ja auch da viel so improvisiert und gemacht.
0:35:42–0:35:45
Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Theramin da...
0:35:45–0:35:47
Heißt es eigentlich der Theramin oder das Theramin?
Micz Flor
0:35:48–0:35:51
Das weiß ich nicht. Ich bleibe bei das Theramin.
Florian Clauß
0:35:51–0:35:56
Das Theramin, dass da auch so eine Lücke füllt, weil es hat irgendwas,
0:35:56–0:36:00
Das haben wir ja auch eben gesagt in dem Synthi-Museum.
0:36:00–0:36:06
Es hat schon was Esoterisches, weil es wirklich eigentlich nur durch Körperpräsenz
0:36:06–0:36:09
und durch Muskeln, also es ist ein komisches Gefühl.
Micz Flor
0:36:10–0:36:14
Ich glaube auch vor allen Dingen diese Sache so, man kann es nur spielen,
0:36:14–0:36:15
wenn man es nicht berührt.
0:36:15–0:36:20
Also es ist halt, es ist quasi so eine Verneinung des Körperlichen auch da drin
0:36:20–0:36:23
und hatte deshalb, glaube ich, so auch ein bisschen eine metaphysische Aura.
0:36:23–0:36:28
In der Zeit, in der man so, ich meine, da war ganz viel Okkultes bis hierhin,
0:36:28–0:36:31
was man dann auch so ein bisschen laienhaft eben über die Nazis weiß,
0:36:31–0:36:37
was da an, sei es nur Hohlwelt oder was auch immer so okkult da so rumging.
0:36:37–0:36:42
Das war, glaube ich, eine Zeit, in der das aufgeladen war und eben genau die Wissenschaft.
0:36:43–0:36:47
Interessanterweise in den 60er Jahren war, ich greife als Fußnote vorweg,
0:36:47–0:36:54
in den 60er Jahren war Lev Termin wieder in Russland und zwischendrin beim KGB,
0:36:54–0:36:55
da komme ich gleich drauf.
0:36:55–0:37:01
Das ist halt eben das verwobene Leben, aber später ist er dann erst im KGB,
0:37:02–0:37:07
raus, ausgestoßen. Ich weiß nicht, du müsstest, also er war nicht mehr dabei
0:37:07–0:37:12
und hatte dann allerdings angeboten, nee, er ist ausgestiegen,
0:37:12–0:37:15
so war es, weil er sollte dann über UFOs,
0:37:16–0:37:19
Telekinetik und so Sachen, Parapsychologie sollte er forschen.
0:37:20–0:37:24
Und das war quasi natürlich so eine Bahn, wenn man sich das vorstellt,
0:37:24–0:37:27
er fängt halt an mit diesem Nicht-Berühren, Schwingung, Welt.
0:37:29–0:37:34
Feldtheorien und so weiter, Elektrizität, bis hin zu 30 Jahre später dann,
0:37:34–0:37:37
ja, jetzt müssen wir hier Telekinese, kann man das auch messen,
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Gehirnströme, das ist auf einmal irgendwie verwandt.
0:37:39–0:37:42
Das ist wie so eine Rampe, die sich da gebaut hat.
Florian Clauß
0:37:42–0:37:48
Ja, und dann auch auf der einen Seite erinnert mich das an den Film Männer,
0:37:48–0:37:53
die auf Ziegen starren, wo dann auch so diese Spezialeinheit vom,
0:37:53–0:37:55
ich weiß nicht, auch Militär ausgebildet wird.
Micz Flor
0:37:55–0:37:59
Genau, mit dem Slogan, be the best soldier you already are.
Florian Clauß
0:38:00–0:38:05
Wo dann auch solche Einsatztechniken, also diese Verwebung von diesen 60er Jahren
0:38:05–0:38:12
Hippietum, Drogenerfahrung hin zu Kriegswaffen oder Kriegseinsatz.
0:38:12–0:38:15
Das ist die eine Geschichte. Die andere Sache, und das möchte ich,
0:38:15–0:38:21
glaube ich, nochmal so hervorheben, nämlich, dass in der Öffentlichkeit noch
0:38:21–0:38:25
nie elektronische Töne, erzeugte Töne so gehört wurden.
0:38:25–0:38:29
Das war ja so die Initiation. Und ich glaube, das ist auch so dieses Mysterium,
0:38:29–0:38:35
um das Gerät Theremin eben auch mal so eine Klangwelt zu erschaffen.
0:38:35–0:38:40
Und natürlich, ähnlich wie es dann halt in der Fotografie dann Skepsis gab,
0:38:40–0:38:45
weil eben Ablichtung und so weiter und mein Porträt ist eingefroren und dann
0:38:45–0:38:47
so eine Geistervorstellung aufkommt.
Micz Flor
0:38:47–0:38:51
Und Geisterbilder auch durchscheinen könnten, ja. Also manchmal im Hintergrund
0:38:51–0:38:54
man was sieht, was dann auch aus einer anderen Dimension reinkommt.
Florian Clauß
0:38:54–0:38:59
Ja, genau. Und dann auch eben bei diesen Tönen, natürlich dann auch so,
0:39:00–0:39:03
kann ich mir vorstellen, dass die dann irgendwelche Geister oder irgendwelche
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nicht anwesenden Personen darin gehört haben oder wie auch immer.
0:39:06–0:39:09
Das war das Tor geöffnet zu einer anderen Dimension.
Micz Flor
0:39:09–0:39:16
Ja, und ich meine, Thermann war da auch nicht so weit weg, weil er war der feste
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Überzeugung, dass man auch Tote wiederbeleben kann. Ja, auch so ein Blick in
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die Elektrizität und die Muskeln von Fröschen, die sich da so bewegen.
0:39:23–0:39:24
Und hatte dann wirklich auch...
Florian Clauß
0:39:24–0:39:25
Ja, das sind wieder das Rückensteine.
Micz Flor
0:39:26–0:39:28
Ja, weil das war wirklich, als Lening gestorben war, hat er wohl,
0:39:28–0:39:33
ist ja hingeeilt und wollte halt schnell dafür sorgen, dass er ihn wiederbeleben könne.
0:39:33–0:39:35
Das war so, war sich da sehr sicher.
0:39:35–0:39:39
Er war sich da sehr sicher, dass er da wirklich hingee...
0:39:40–0:39:43
Und dann hatten die aber sein Hirn schon rausgenommen. Und dadurch war es dann...
Florian Clauß
0:39:43–0:39:48
Ja, das ist auch so ein ähnliches Ding mit Trotzkis hören, Wo dann auch tatsächlich
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Trotzki so zerstört wurde, dass das Gehirn rausgenommen wurde und dann nochmal gewogen wurde.
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Das war nochmal wichtig, um halt die Intelligenz von Trotzki dann halt so zu
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messen. Das war ja auch so ein totaler Mythos.
Micz Flor
0:40:01–0:40:05
Ja, genau. Das heißt, da kommen viele Dinge zusammen.
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Und in diesem einen Artikel ist es wohl so, dass in Boston jemand dann eben
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geschrieben hat, in einer Gegend in Amerika, wo damals vor sozusagen 100 Jahren,
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wenn wir von heute gucken,
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also Ende der 1920er Jahre, dass da die christliche Wissenschaft scheinbar mit verortet war.
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Und der Autor beschrieb,
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dass halt diese leicht metaphysische wissenschaftliche Szene da bei diesen Konzerten
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war und sich da so ein bisschen drum gruppiert hat, dass es halt wirklich eben
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auch was Metaphysisches hat, was da gerade passiert.
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Also diese gefühlte Nähe, die du vorne in den Fingerspitzen hattest,
0:40:44–0:40:48
zu einer Öffnung in eine andere Dimension oder wie auch immer.
0:40:48–0:40:51
Also da schwebte schon was mit, was ja auch interessant ist,
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wenn man überlegt, was kann denn Kunst eigentlich auch?
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Und das kann ja Kunst irgendwie auch.
0:40:58–0:41:03
Was wir bei Lemke ja gesagt haben, die kann ein Gespür herstellen.
0:41:04–0:41:08
Und man verfolgt dann einfach die Geschichte, um zu wissen, ob sein Gespür sich
0:41:08–0:41:09
bewahrheitet oder nicht.
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Und in gewisser Weise kann ich mich damit verbinden, wenn ich an diese Zeit
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denke, wenn ich an Thermen denke, der dieses Gerät so vorführt.
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Und er war dann eben elf Jahre lang, also 1928 kam er nach Amerika und war dann
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auf dem Sechsmonatsvisum.
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Die gab es damals wohl auch schon und war dann elf Jahre lang in Russland,
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Entschuldigung, in Amerika, hat das alle sechs Monate erneuert.
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Hat in der Zeit eben auch sein Patent an die Radio Corporation of America verkauft,
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RCA. hey, die haben dann 500 oder so Geräte für ihn gebaut, aber nur 400 noch was verkauft.
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Das Problem war, dass Thermon kein so guter Geschäftsmann war,
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ein guter Erfinder, der in der Zeit in Amerika auch neue Patente angemeldet hat.
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Zum Beispiel hat er so einen magischen Spiegel gebaut, wo man einen Spiegel
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an- und ausschalten konnte. Keine Ahnung, wie das, technisch weiß ich es nicht.
0:42:06–0:42:10
Aber man hat es dann kombiniert mit seinem Distanzmesser und hatte dann so Schaufenster
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herstellen lassen, wo die Leute, die dann sich auf den Spiegel zubewegen,
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auf einmal der Spiegel abgeschaltet wird und man sieht die Produkte,
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die hinter dem Schaufenster sind. Das war auch interessant.
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Da könnte Christel Lacroix nochmal was machen. Man sieht sein Spiegelbild und
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tritt darauf zu und sieht dann auf einmal die Konsumenten.
Florian Clauß
0:42:25–0:42:30
Ja, im Prinzip ist das nur über Licht. Da kannst du dann halt quasi die spiegelnde
0:42:30–0:42:34
Fläche dann überleuchten, indem du dann hinter dem Schaufenster dann quasi die
0:42:34–0:42:36
Szenerie beleuchtest. In dem Moment, ja, ja.
Micz Flor
0:42:36–0:42:40
Ich weiß nicht genau, ob das vielleicht auch so eine frühe LED-Technik war,
0:42:40–0:42:42
Also ob er da wirklich was verdunkeln konnte und das ging dann auf,
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ich kann es ja nicht sagen.
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Aber der hat ja viel eben mit Elektrizität auch gemacht, kann man sich schon
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vorstellen, dass da auch irgendein Stoff drin war, der sich verändert hat, weiß ich nicht.
0:42:52–0:42:59
Dann hat er eben auch eine Lichtorgel gebaut zu seinem Termin und hatte vorher
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schon in Russland, ist aber später nie wieder aufgegriffen,
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1925 hatte er so ein frühes Fernsehen entwickelt.
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Und das war eine Technologie, die zeitgleich überall so ein bisschen aufgepoppt ist,
0:43:15–0:43:21
aber er hat das wohl eben ohne Input von westlichen WissenschaftlerInnen nochmal
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umgesetzt und hatte ja 1925 eins der ersten Fernsehsysteme, wo man eben,
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das hatte dann Stalin auch schon sehr begeistert, der auch gleich dachte,
0:43:34–0:43:36
cool, da können wir die Grenzen alle überwachen,
0:43:37–0:43:40
überwachen, so zentrale Überwachung dann irgendwie einsetzen.
0:43:40–0:43:45
Was damals noch eben mit so einer sich drehenden Spirallochkamera oder so umgesetzt
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wurde, die Licht aufgenommen hat und das dann Zeile für Zeile weitergegeben hat.
Florian Clauß
0:43:49–0:43:52
Oder so ein Oszillator, war das nicht so ein, ich weiß nicht,
0:43:52–0:43:55
ein punktförmiger Lichtkörper?
Micz Flor
0:43:55–0:43:59
Nee, das war schon ein Bild, was durch Punkte hergestellt ist.
0:43:59–0:44:01
Zumindest das, was ich so gesehen hatte.
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Aber die Technik genau weiß ich nicht. Vielleicht auch noch eine eigene Folge.
Florian Clauß
0:44:04–0:44:10
Die Geschichte Ich darf noch mal, weil wir im Laufenden reden, wie ihr hört.
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Ich möchte noch mal zur Verortung sagen, wir sind aus dem Museum gekommen,
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das war am Cottbusser Tor, und sind dann parallel zur Hermannstraße über die
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Admiralsbrücke, dann jetzt ganz aktuell in der Hasenheide.
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Und hier, wir haben uns zweimal gekreuzt, das will ich auch noch mal nennen.
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Alte Folgen, weißt du noch, wo wir uns gekreuzt haben? Wir haben uns einmal
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dann oben am Cottbusser Tor, hatten wir schon mal angefangen.
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Nämlich das war die Folge über Dogma.
Micz Flor
0:44:38–0:44:42
Dogma, genau. Da hatten wir ja dann auch den Herr Lehmann damals noch hatten,
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da gibt's jetzt gar nicht mehr die, wo an der Ecke wo Lehmann...
Florian Clauß
0:44:46–0:44:50
Genau, richtig. Und hier kreuzen wir uns so ein bisschen tangential.
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Das war eine der frühen Folgen, die aber auch wirklich ein Hit war,
0:44:55–0:45:02
weil daraufhin eine Frau, die auf dieses Thema gestoßen ist,
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Doktorarbeit geschrieben hat, aber sich zumindest dann wissenschaftlich mit
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diesem Thema weiterentwickelt hat. Echt, da sind wir hier langgelaufen? Ja, Encanto.
Micz Flor
0:45:11–0:45:12
Ja, das war Frage 3.
Florian Clauß
0:45:12–0:45:16
Da haben wir hier langgelaufen und wir sind auch dann, man hört glaube ich noch
0:45:16–0:45:22
auf der Spur von diesen ganzen Partys in der Hasenheide, wo so eine Bassspur durchwummert.
0:45:22–0:45:25
Das kann ich mir nicht erinnern, dass das hier war. Das war hier.
0:45:25–0:45:29
Wir sind dann da rüber gelaufen. Okay, so viel zur Verordnung. Weiter geht's.
Micz Flor
0:45:30–0:45:33
Ja, also das waren die Sachen in den 20er Jahren in Russland,
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eben viele Erfindungen.
0:45:35–0:45:39
Mit dem Termin ist er dann über Europa bis nach Amerika, ist dann dort geblieben
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und war dann aber dort auch als Spion tätig.
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Hat sich regelmäßig wohl dann immer mit zwei russischen Spionen in irgendeiner
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Kneipe getroffen, die ihn haben Wodka trinken lassen, damit er ein bisschen,
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um sicherzustellen, das scheint damals eine Wunderdroge gewesen zu sein,
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sicherzustellen, dass auch die Wahrheit sagt.
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Und dann hat er über bestimmte Dinge gesprochen, weil er war schon so ein kleiner Star.
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Und hatte deshalb auch viel Kontakt mit anderen Wissenschaftlern aus der Raumfahrttechnik,
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also Lufttechnik und so.
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Und hat dann da auch als russischer Spion gearbeitet.
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Auf jeden Fall waren das dann so die späten 20er, Anfang 30er Jahre.
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Und Thermann hat sich dann aber so ein bisschen herausgestellt als eben nicht
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erfolgreich, in Anführungszeichen.
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Er hatte eine Firma, aber es gehörten ihm fast keine Anteile mehr an der Firma.
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Selbst wenn die Firma erfolgreich gewesen wäre, hätte er da kaum Geld abschöpfen können.
0:46:35–0:46:42
RCA, die für ihn das Termin gebaut haben, bekam eine Klage von einem anderen Radioproduzenten.
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Also Produktion, die ein Patent
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hatten auf die Verwendung von Vakuumröhren für die Musikherstellung,
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woraufhin dann RCA eine Strafe zahlen musste, das Termin nicht mehr herstellen
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durfte und von den 600, die sie gebaut hatten, oder so nur 400x verkauft und
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dann auch entschieden haben, das Patent nicht mehr zu erneuern.
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Dann stand er auf einmal relativ mittellos da. Vorher hat er sich aber geschieden
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von seiner ersten Frau und hatte die Tänzerin geheiratet und musste dann aber,
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als dann auch noch die Steuer eben auf die Schliche kam,
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dass er eigentlich nie Steuern gezahlt hat auf irgendwas,
0:47:23–0:47:26
musste er Hals über Kopf Amerika verlassen.
Florian Clauß
0:47:26–0:47:27
Okay.
Micz Flor
0:47:27–0:47:32
Und hat es dann wohl mit dem KGB irgendwie so gedeichselt, dass die ihn da rausholen.
0:47:32–0:47:36
Und die hatten ihm wohl auch versprochen, so hat er später berichtet,
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zwei Wochen später seine Frau nachkommt, aber die kam dann nie.
0:47:41–0:47:46
Und seine Frau wusste auch nicht, dass er geht. Das heißt, von jetzt auf gleich war er weg.
0:47:47–0:47:52
Und auch für alle anderen, seine amerikanischen Kollegen und Kolleginnen,
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zum Beispiel Edgar Varese, der Komponist, der hatte für seine Stücke auch einen
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Termin modifizieren wollen, wollte da mit Termen auch drüber sprechen,
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was er da machen könnte und wie das anzusetzen war.
0:48:05–0:48:07
Man hat sich dann doch für ein anderes und parallel in der Zeit kamen einige
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von diesen elektrischen Geräten dann so hoch.
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Und da gab es ein anderes, das ähnlich war, aber eine Tastatur hatte,
0:48:15–0:48:16
konnte man genauer spielen.
0:48:16–0:48:18
Und das hat er dann verwendet für seine Komposition.
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Aber gerade in dem Moment, wo das mit dem Theramin hätte ein bisschen laufen
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können, kam halt erstens die Klage gegen RCA,
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zweitens die Steuerfahndung für Thermen Und drittens aber eben auch die Wirtschaftskrise,
0:48:37–0:48:40
in die er da reinschlitterte. Das heißt, er ist dann zurück nach Russland.
0:48:40–0:48:45
Und in Russland wurde er dann allerdings vor Gericht gestellt und wurde zu neun
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Jahren Straflager verdonnert.
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Und das war eigentlich so ein Todesurteil eigentlich.
0:48:56–0:49:00
Aber da war es so, dass er dann eben, das hatte ich in einem Video gesehen,
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da habe ich jetzt keine historische Quelle für, aber ich finde die Idee so gut,
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dass ich das jetzt unter Vorbehalt hier mit reinnehmen wollte.
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Er war dann in diesem Straflager mit am Arbeiten und hat dann für seinen Squad
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wohl eine Monorail gebaut, sodass man effektiver, könnten dann die Straflager effektiver abbauen.
0:49:18–0:49:21
Das ist dann allerdings den Vorgesetzten auch klar geworden,
0:49:21–0:49:22
dass dieser Mann wertvoll ist.
Florian Clauß
0:49:22–0:49:24
Ja, aber was heißt das? Monorail?
Micz Flor
0:49:24–0:49:27
Er hat irgendwie so ein kleines Eisenbahnsystem eingebaut, damit die dann keine
0:49:27–0:49:31
Ahnung, was sie gemacht haben, das wird dann nicht erklärt, aber dass halt schneller
0:49:31–0:49:33
Sachen an und ab transportiert werden konnten.
0:49:33–0:49:38
Also er hat halt das Straflager dann gleich noch optimiert für die Menschen
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und dadurch kam er dann wieder eher,
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also er war immer noch in Anführungszeichen Gefangener, aber hatte relativ viel
0:49:44–0:49:51
Freigang und konnte dann auch wissenschaftlich wieder arbeiten und wurde dann von,
0:49:51–0:49:56
der Name habe ich jetzt gerade nicht von so einem direkten Vorgesetzten auch beauftragt,
0:49:56–0:49:59
eben auf Auftrag von Stalin auch.
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Und das finde ich jetzt halt die krasseste Geschichte im Leben,
0:50:03–0:50:06
dass er einen Bug, also einen Abhör-Bug.
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Was dann 1945, also nach dem Zweiten Weltkrieg,
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in das Büro des amerikanischen Botschafters in Russland eingeschleust werden
0:50:23–0:50:26
sollte, um abzuhören, was die da besprechen.
0:50:26–0:50:30
Das war der Auftrag an Thermen. Mach uns diese Wanze.
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Und ich erkläre gleich, wie die Wanze funktionierte und wie die dann da angebracht wurde, war,
0:50:38–0:50:46
dass ein paar junge russische Kinder haben den amerikanischen Adler in Holz
0:50:46–0:50:50
geschnitzt, überreicht dem Botschafter, um den doch in sein Zimmer zu hängen.
0:50:50–0:50:51
Und das hat er dann auch reingehängt.
0:50:52–0:50:56
Und dann haben die wohl sicherlich auch hinterher versucht, ob da vielleicht
0:50:56–0:51:00
irgendeine Sendung, ob da gesendet wird, ob das ein Abhörding ist.
0:51:00–0:51:03
Aber es war halt nichts zu messen, es war komplett tot.
0:51:04–0:51:08
Die konnten nichts messen und haben gesagt, nee, es ist einfach nur ein Stück Holz, safe.
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Und von 1945 bis 1952 war diese Abhörding installiert Und ist dann 1952 per
0:51:17–0:51:20
Zufall wohl einem englischen Reporter,
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der auch eben irgendwie für Kameraaufnahmen oder sowas mit Kopfhörern drin war,
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der dann auf einmal gemerkt hat, er hört hier, wie in diesem Raum gesprochen
0:51:29–0:51:31
wird. Er hört das auf einmal über den Kopfhörer.
0:51:32–0:51:35
Und dann haben die erst gemerkt, shit, da ist was drin.
0:51:35–0:51:39
Und dann haben die von diesem Adler vorne halt das Holz auseinandergerissen
0:51:39–0:51:43
und haben dann entdeckt, dass hinter dem Schnabel des Adlers war das Holz so
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dünn und da war so ein Gerät drin. Da war was.
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Und irgendwie hat dieses Gerät scheinbar die Stimmen verstärkt.
0:51:50–0:51:53
Da war keine Batterie, da war nichts. Die konnten das überhaupt nicht verstehen.
0:51:54–0:51:58
Und in den USA konnten sie es nicht entschlüsseln. Und da haben sie dann scheinbar
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in England den MI5 gegeben.
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Und der hat sich dann darum gekümmert, brauchte auch ewig, um zu kapieren, wie das funktioniert.
0:52:05–0:52:10
Und hat dann allerdings den Standard für Abhörwanzen für die nächsten 10, 15 Jahre gesetzt.
Florian Clauß
0:52:11–0:52:15
Mit dieser Technik. Das war ein Prototyp.
Micz Flor
0:52:15–0:52:19
Einzigartig, hat funktioniert und die haben es zuerst gar nicht gecheckt, wie es funktioniert.
Florian Clauß
0:52:19–0:52:20
Das war von Thermen.
Micz Flor
0:52:21–0:52:24
Von Thermen, der hat es entwickelt, während er im Straflager war.
Florian Clauß
0:52:25–0:52:26
Weißt du, wie es funktioniert?
Micz Flor
0:52:27–0:52:31
Ja, man würde heute, würde man sagen, das ist eigentlich ein RFID-Chip.
Florian Clauß
0:52:31–0:52:34
Ja, so dachte ich auch gerade, so ein RFID-Chip, der dann quasi,
0:52:34–0:52:39
sobald er in so ein Feld kommt, dann die Signatur dann quasi perfektiert.
Micz Flor
0:52:39–0:52:46
Das konnte nichts aufzeichnen, aber es konnte eine Übertragung machen.
0:52:46–0:52:51
Und diese Übertragung war dann auch wieder was, was eben über Wellen,
0:52:51–0:52:52
über Strahlung sozusagen geht.
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Die Antenne war in der Länge genau angepasst an bestimmte Frequenzen.
0:52:56–0:53:02
Und wenn du von außen sozusagen mit einem Mikrowellen oder weiß nicht,
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welche Frequenz das war, quasi wie so eine Mikrowelle, hast du das angestrahlt?
0:53:09–0:53:15
Und die Frequenz hat dann, wie beim RFID-Chip, die Frequenz von der Sendung,
0:53:15–0:53:20
die ankam, die hat dann das Ding zum Schwingen gebracht. Dann war es ein Oszillator.
Florian Clauß
0:53:20–0:53:21
Okay, verstehe ich.
Micz Flor
0:53:21–0:53:27
Und das Mikrofon hinter dem Schnabel hat dann eben bestimmte Dinge sozusagen rausgenommen.
0:53:27–0:53:33
Und dann hast du, wie man das auch jetzt macht in so Lichtspektren im Universum,
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wie man die Gase von bestimmten Planeten oder Sonnen, wo man schaut, was fehlt.
0:53:37–0:53:40
Was fehlt in dem Spektrum und ähnlich war das auch,
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du hast es reingeschickt das war einfach nur ein Strahl und zurück kam der Strahl
0:53:46–0:53:50
mit einem Fingerabdruck des Audios was da gesprochen wurde und das war dann
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eben im hörbaren Bereich und das hat in dieser Frequenzhöhe dann irgendwie der
0:53:54–0:53:56
Typ in der Radiofrequenzhöhe dann auf einmal gehört Es.
Florian Clauß
0:53:56–0:54:03
Gibt da so Systeme auch zum Abhören dass du in einem Raum wenn gesprochen wird
0:54:03–0:54:07
dass du quasi die Fensterscheiben dann mit einem Laser ablichtest.
Micz Flor
0:54:08–0:54:13
Termin hat das erfunden nicht mit Laser, den gab es ja noch nicht, aber mit Infrarot.
Florian Clauß
0:54:14–0:54:18
Aber jetzt, das ist auch so eine Abhörung für Arme, dass du halt wirklich so
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einen Laderstrahl draufrichtest und dann halt die Frequenz Schwingung von dem
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reflektierten Strahl dann wieder in Sprache übersetzen kannst.
Micz Flor
0:54:27–0:54:31
Und das hat auch Termin entwickelt als erstes.
0:54:32–0:54:38
Er war wirklich dann eben, er war Gefangener im Straflager, sozusagen im Arbeitslager
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und hat eben diese Abhör-Device für Spezifikationen entwickelt.
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Und als er dann entlassen wurde, auch später, nach seinen acht Jahren war,
0:54:47–0:54:51
glaube ich, die Vorurteilung, da hat sein Chef aus dem Straflager,
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hat ihn dann vorgeschlagen für den Stalin-Orden zweiter Klasse,
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also zweithöchste Auszeichnung.
0:54:57–0:55:00
Und als Stalin hörte, was der da gemacht hat mit der Botschaft,
0:55:00–0:55:02
so hat er dann gleich gesagt, hey, erste Klasse, top.
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Dann hat er den Stalin-Orden erster Klasse bekommen und sein Chef wiederum,
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der Tharmen auch beauftragt hatte, was zu bauen, damit sein Chef Stalin selbst abhören kann.
Florian Clauß
0:55:15–0:55:21
Der hat das nicht überlebt. Der hat den anderen Stalin-Orden bekommen,
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der mit den scharfen Kanten Stalin-Orden.
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Ja, großartig.
Micz Flor
0:55:27–0:55:32
Dann war Thamen eben dann in den 50er Jahren und dann kamen eben die 60er Jahre,
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dann ist er sozusagen ins Zivile übergewandert und hat dann im Konservatorium
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in Moskau, also Musikschule sozusagen, Musik.
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Hat er dann da mit elektronischen Geräten weitergearbeitet, hat dann da auch
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nochmal, glaube ich, die zweite Version von einem Rhythmikon gebaut,
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also die erste Rhythmusmaschine, die 1931 in Amerika gebaut wurde und konnte
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aber Russland nicht verlassen.
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Und erst 1989 dann, Fall der Mauer in der Zeit, da wurde er dann rausgelassen
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und war dann eingeladen bei einem Symposium der UNICEF über elektronische Musik.
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Und da hat er dann auch von Edgar Varese einen Brief, den ihn über 40 Jahre
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nie erreicht hatte, weil der konfisziert wurde, hat er dann erst zu der Zeit
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auch bekommen, wo Edgar Varese sich erkundigt, wie er denn das und das am Termin
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verändern könnte und so.
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Und die Leute in Amerika, die ihn aus den späten 30er-Jahren noch kannten,
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die dachten auch, er ist tot. Und auf einmal ist er wieder aufgetaucht.
Florian Clauß
0:56:33–0:56:34
Ja, Wahnsinn.
Micz Flor
0:56:34–0:56:40
Und er ist dann 1993 gestorben. Da war nicht mehr so viel Lebenszeit.
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Es gibt aber auch noch Videoaufnahmen auf YouTube, die verlinke ich auch,
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wo man ihn als sehr alten Mann noch mal kennt.
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Und was er dann 1991 noch endlich gemacht hat, ist in die Kommunistische Partei einzutreten.
Florian Clauß
0:56:53–0:56:55
Das ist ja später als nie.
Micz Flor
0:56:55–0:56:57
Ja, die Frage von,
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MitstreiterInnen, warum er das denn jetzt so macht, weil er durfte die ganze
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Zeit nicht, weil er ja war Verbrecher sozusagen, dass er gesagt hat,
0:57:09–0:57:11
er hat es Lenin versprochen.
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Das ist schon, finde ich, auch nochmal interessant. Also Lenin,
0:57:15–0:57:18
den er wiederbeleben wollte, den er auch sehr verehrt hat.
0:57:19–0:57:22
Und auf die Frage, was ihn beim ersten Mal, wo er Lenin gesehen hat,
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am meisten beeindruckt hat.
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Er hat ja wohl gesagt, das rote Gesicht, weil das hat man auf den Schwarz-Weiß-Fotos
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nicht gesehen, mit so einem knallroten Kopf.
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Das war dann, 1991 ist er da eingetreten und hat dann auch in der Zeit versucht,
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seine Lavinia, hieß sie glaube ich, die Frau, die er geheiratet hatte,
0:57:39–0:57:44
USA, die immer dachte, er sei tot, nochmal zu kontaktieren.
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Die inzwischen dann noch lebend als Bürgerrechtlerin in Haiti wohl sich stark
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gemacht hat und kurz bevor die sich hätten sehen können oder so,
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wurde sie unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden.
0:57:58–0:58:04
Also Vermutung, Lignar sei ein politisch motivierter Mord gewesen.
0:58:05–0:58:10
Offiziell war es eine Lebensmittelvergiftung oder ein Herzinfarkt.
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Und das war dann die Zeit Anfang 90er oder Ende 80er, Anfang 90er.
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Und in der Zeit lebte er dann auch relativ arm in der Unterkunft mit mehreren Männern zusammen.
0:58:23–0:58:28
Und auf die Frage an die Hausverwaltung der Stadt Moskau, wann er denn mal eine
0:58:28–0:58:32
Einzelwohnung kriegt, haben sie ihm gesagt, ja in fünf bis sechs Jahren.
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Er war ja 91, als sie ihm das gesagt haben. Oder er war schon sehr alt.
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Ja, und dann ist, das ist jetzt das Ende der Geschichte, buchstäblich ist er 1993 gestorben.
Florian Clauß
0:58:52–0:58:58
Ja, Wahnsinn. Ja, Mensch, Mensch, das sind ja wieder so Anekdoten,
0:58:58–0:59:03
die man mit diesem Musikinstrument so überhaupt nicht irgendwie so erwartet.
0:59:03–0:59:07
Und auf einmal kriegt man so ganze Geschichten. Das ist toll. Vielen Dank.
Micz Flor
0:59:07–0:59:11
Nichts zu danken. Ich fand auch eben diese, wenn man Fotos sieht,
0:59:11–0:59:12
wie gesagt, sehr hübscher Mann.
0:59:12–0:59:17
Ich fand diese Verquickung eben so, es ist wirklich so ein Casablanca-Schwarz-Weifel.
0:59:17–0:59:24
Diese Zeit dann mit dem mystisch-mythologischen, mit diesem elektrischen Feld
0:59:24–0:59:30
und dem Sound und die Frauen und das Licht und die Spionage und der Kalte Krieg
0:59:30–0:59:32
und Stalin und Arbeitslager.
0:59:32–0:59:35
Also irgendwie ist da so alles reingepackt, wo man das Gefühl hat,
0:59:36–0:59:42
das muss jetzt nochmal in irgendeiner Miniserie verfilmt werden.
Florian Clauß
0:59:45–0:59:46
Ja, toll. Toll, toll.
Micz Flor
0:59:46–0:59:51
Die Folge ist lustig, weil wir jetzt so viel am Anfang schon im Sinti-Museum
0:59:51–0:59:53
geschoben hatten. Das war so gar nicht so ganz unsers.
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Das ist super, aber jetzt ist dieser Gang fertig und ich habe so das Gefühl,
0:59:56–0:59:59
es geht gerade erst los. Aber wir sind schon wieder durch.
Florian Clauß
0:59:59–1:00:06
Wir sind durch. Wir sind hier am Ende der Hasenheide und am Anfang des Tempelhofer Feldes.
1:00:06–1:00:09
Und ich würde sagen, an dieser Stelle beenden wir auch unsere Episode.
1:00:11–1:00:20
Das war eigentlich Episode 74 und das Ganze könnt ihr auch auf eigentlich-podcast.de
1:00:20–1:00:24
nochmal nachverfolgen, wo wir langgelaufen sind die ganzen Shownotes,
1:00:24–1:00:27
die uns Mitch immer reichhältig verspricht Na gut.
Micz Flor
1:00:28–1:00:31
Also ich meine jetzt für Rocker habe ich ganz schön viel abgeliefert Ja.
Florian Clauß
1:00:31–1:00:39
Ja, unbedingt ja, genau und wir hören uns alle 14 Tage, kommen wir raus Und
1:00:39–1:00:41
dann sage ich Tschüss und bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
1:00:41–1:00:43
Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Tschüss.
Florian Clauß
1:00:46–1:00:49
Sehr schöne Folie. Unerwartet.
1:00:51–1:00:53
Jetzt hast du eine Wendung angenommen.

Noch einmal möchten wir uns für die kongeniale Einleitung zum Theremin im Synthesizer Museum am Kotti bedanken. Und wie persönlich versprochen, lieber Endai, hier die Nachreichung über den Hitchcock Film, in dem das Instrument vorkommt. Es handelt sich um Alfred Hitchcocks Spellbound (1945), für den der Komponist Miklós Rózsa das Instrument einsetzte, um die psychologische Spannung und die inneren Konflikte der Protagonisten musikalisch zu untermalen. Das sirenenhafte Theremin-Motiv und der surreale Sound des Instruments verstärkt die Traumsequenzen des Films, der sich, so Wikipedia, als einer der ersten filmisch mit der Psychoanalyse auseinandersetzte.

Thinker, Cellist, Soldier, Spy: Lev Termen

Episodentitel müssen immer deskriptiv sein. Sonst findet sie keine Suchmaschine, sonst klickt niemand darauf. Deshalb habe ich meinen schöneren Titel ins Episodenbild gebrannt und hier als Zwischenüberschrift genommen.

Lev Thermens Leben ist fast deckungsgleich mit dem 20ten Jahrhundert. Geboren 1896 in Sankt Petersburg, gestorben 1993 in Moskau und dazwischen auf der ganzen Welt als Pionier der Elektrotechnik und elektronischen Musik gefeiert, dann verschollen und schließlich in einer Männer WG in Moskau verstorben, war Leon Theremin ein Mann zwischen den Welten der Musik, der Wissenschaft und der Spionage-Technik.

Geboren in eine Familie mit französischen und deutschen Wurzeln, zeigte er früh eine Begabung für beides: Er studierte Cello am Sankt Petersburger Konservatorium und Physik an der Universität seiner Heimatstadt. Als junger Forscher leitete er ab 1919 das physikalisch-technische Institut in Petrograd und arbeitete mit dem Moskauer Institut für Musikwissenschaften zusammen. In dieser Zeit, genauer gesagt 1919/20, erfand er das Theremin, zunächst noch „Ätherophon“ genannt. Zwei Jahre später präsentierte er es in Moskau – eine Premiere, die so viel Aufsehen erregte, dass er 1921 persönlich zu Lenin in den Kreml gebeten wurde. Theremins Erfindung war eine Sensation für die Musik, geboren jedoch aus seiner elektrotechnischen Wissenschaft. Das Prinzip seines Instruments beruhte auf der Erforschung von Messgeräten für Dichte und Distanzen. Diese sensiblen Geäte, basierend auf Kondensator und Schwingrkreistechnik, reagierten äußerst sensibel auf Veränderungen im Feld, also der näheren Umgebung. Thermen musste dort also die Technik so verfeinern, dass seine Anwesenheit nicht die Messung verfälschte. Im Theremin machte er das Gegenteil: die Veränderung des Feldes durch Nähe und Bewegung bewirkten Tonhöhe, Vibrato und Lautstärke des Instruments.

Mit seiner „Geistermusik“ traf er den okkulten Nerv der 1920er Jahre und „verzauberte“ bald die ganze Welt. 1927 begann er eine internationale Tournee, die ihn ein Jahr später nach New York führte – eine Stadt, die er zu seinem neuen Zuhause machte. Dort arbeitete er eng mit der Musikerin Clara Rockmore zusammen, die das Theremin mit ihren virtuosen Darbietungen und technischen Anregungen weiterentwickelte. Das Instrument wurde in den USA patentiert, RCA übernahm die Produktion, und Leon (oder Leo, wie er sich nun nannte) Theremin baute sich eine neue Existenz auf. In seinem futuristischen Studio beeindruckte er die New Yorker High Society mit technischen Spielereien, während das Theremin parallel zum experimentellen Konzertinstrument avancierte. Dort sorgte es in einem Fall für körperliche Übelkeit des Publikums, durch die wuchtigen, tiefen Frequenzen, die kein akustisches Instrument in der Intensität herstellen konnte.

Durch die Weltwirtschaftskrise gebeutelt, seine eigene betriebswirtschafliche Unfähigkeit benachteiligt und eine Patentklage gehindert, sah sich Theremin gezwungen das Land zu verlassen. Inzwischen hatte er sich scheiden lassen und war mit Lavinia Williams verheiratet, die er nach 1938 nicht mehr wiedersehen würde. In diesem Jahr verschwand Leon Theremin aus New York unter mysteriösen Umständen, angeblich mit Hilfe des KGB. Zurück in der Sowjetunion wurde er verhaftet, offiziell wegen „antisowjetischer Propaganda“, und zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Zunächst verschlug es ihn in den Gulag nach Sibirien, doch schon bald fand er sich an einem anderen, ebenso geheimen Ort wieder: einer Moskauer Akademie für gefangene Wissenschaftler. Statt Musik zu machen, entwickelte er nun Flugzeugtechnik – später, nach der Auflösung der Akademie, wandte er sich der Spionage zu. Seine Erfindung „Das Ding“, eine raffinierte Wanze, die in der Dienstwohnung des US-Botschafters George F. Kennan installiert wurde, bescherte ihm 1952 den Stalinpreis Erster Klasse. Das Gefängnis durfte er nun verlassen, entschied sich jedoch, vorerst in vertrauter Umgebung weiterzuarbeiten – für den sowjetischen Geheimdienst, der seine außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten weiterhin zu schätzen wusste.

1964 tauchte Leon Theremin plötzlich wieder auf – ein Mann, den niemand mehr kannte. Innerhalb wie außerhalb der Sowjetunion war sein Name in Vergessenheit geraten, seine Geschichte ausgelöscht. Der KGB hatte ihm all seine Titel und Auszeichnungen aberkannt, alle Dokumente vernichtet. Selbst das physikalische Institut in Sankt Petersburg, an dem er einst seine bahnbrechende Erfindung gemacht hatte, behauptete noch in den 1990ern, nie von ihm gehört zu haben. Doch Theremin begann, sich sein Terrain zurückzuerobern. Er wurde Direktor der Abteilung für akustische Forschung am Moskauer Konservatorium, später wechselte er an die Physikalische Fakultät der Universität. Mitte der 60er-Jahre arbeitete er wieder mit Ingenieuren und Musikern im Studio für elektronische Musik des Skrjabin-Museums – ein Neubeginn nach Jahrzehnten im Schatten.

Parallel dazu widmete sich Theremin erneut seinen Erfindungen. Am Moskauer Konservatorium entwickelte er weiterführende Varianten seines berühmten Instruments, experimentierte mit neuen Klängen und Technologien. Nebenbei entstanden mehrere Terpsitone – eine tanzgesteuerte Variante des Theremins – sowie ein elektronisches Cello. Er, der einst mit bloßen Händen Musik formte, versuchte sich wieder Gehör zu verschaffen. Doch die Welt hatte sich weitergedreht.

Aus westlicher Sicht seiner Kolleg:innen und Vertrauten, galt er lange Zeit als längst verstorben – ein Phantom, das 1938 spurlos verschwand. Erst in den 1990er Jahren rückte er wieder ins Licht der Öffentlichkeit. 1990, kurz vor dem Zerfall der Sowjetunion, trat er in die KPdSU ein – ein Antrag, der ihm zuvor aus wechselnden Gründen verwehrt worden war. Nun aber wurde er international gewürdigt, reiste zu Ehrungen und Vorführungen seines legendären Instruments. Am 3. November 1993 starb er in Moskau im Alter von 97 Jahren – der „sowjetische Faust“, wie ihn Biograf Bulat Galejew nannte, ein Mann zwischen Wissenschaft und Magie, dessen Erbe noch immer in der Luft liegt.

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