"Die *Vurtuellen* strebten nach Unabhängigkeit. Ein neuralgischer Punkt an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit war die Atmosphäre um Manchester. In dieser Stadt trug sich jener Zwischenfall zu, die als Pollinisierung in die Geschichte einging.

Es ist Frühling in Berlin, alles blüht, und das passt gut, denn wir reden über Pollen! Allerdings nicht über gewöhnlichen Blütenstaub, sondern über den visionären Roman von Jeff Noon, der uns seit den 90ern nicht mehr loslässt. Diesmal laufen wir auf unserer Tour an der Mauer des Krankenhauses Friedrichshain entlang zum Volkspark Friedrichshain und steigen auf einen der ehemaligen Flakturm-Hügel, unter dem noch Stahl und Beton aus der Nazi-Zeit verschüttet liegen und der heute längst zugewachsen ist. Die invasive Natur ist auch ein starkes Bild, das der Roman Pollen aktiviert. Ausgangspunkt für diese Episode ist unsere 100. Folge, in der wir die Idee entwickelt haben, dass die Stadt mit ihren Straßen und Gebäuden als ein Palimpsest aufgefasst werden kann: wie ein mehrfach beschriebenes Pergament, auf dem sich Schichten von Geschichte, Erinnerung und Erfahrung überlagern. Flo hat diese Feder weitergesponnen und ist dabei auf den Science-Fiction-Autor Jeff Noon gestoßen, der 1957 in Manchester geboren wurde. Noon hat mit seinem Vurt-Zyklus – Vurt (1993), Pollen (1995), Automated Alice (1996) und Nymphomation (1997) – den transluzenten SciFi-Spirit der 90er Jahre eingefangen und ein literarisches Universum geschaffen, das unsere heutige Realität in der Virtualität teilweise vorweggenommen hat. Zum Vurt-Worldbuilding liest Flo die ersten Seiten der deutschen Übersetzung vor: eine Welt, in der Träume auf biomechanischen Federn gespeichert und konsumiert werden, in der das Virtuelle, das „Vurt", ein Eigenleben entwickelt und schließlich einen Spiegelkrieg zwischen Traum und Wirklichkeit auslöst. Wir diskutieren, wie Noons Ideen sich in unserer Gegenwart materialisiert haben: Die X-Cab-Taxis des Romans, die durch ihre Fahrten den Stadtplan von Manchester erst erzeugen, sind im Grunde Uber inklusive algorithmischer Preisgestaltung und dem Ausnutzen prekärer Arbeitsverhältnisse. Macht und Meinung, die den Raum des Virtuellen dominiert und über die Sozialen Medien so Diskursbestimmend wird, dass wir an der Schwelle zu einem 3. Weltkrieg stehen. Zombies, die im Vurt hängenbleiben, körperlich anwesend, aber geistig abwesend, sehen wir täglich in der S-Bahn beim TikTok-Swipen. Und der Pollen selbst, der Manchester überschwemmt und die Menschen sich zu Tode niesen lässt? Vor Kurzem ist durch Corona die weltweite Mortalität saisonal gestiegen, und Millionen Klimaflüchtlinge sind auf der Welt unterwegs. Manchester spielt in Noons Werken eine zentrale Rolle. Madchester, Mazechester, Divchester: Jeff Noon zeichnet in Pollen ein Bild der Stadt als Labyrinth aus Vurtern, undurchdringlich und doch zugänglich. Wir schlagen auch Brücken zu Deleuze und Guattaris glatten Räumen, zu Chaosmagie und Reality Tunnels und entfalten ein ganzes Cluster an Filmen und Serien, die Noons Ideen weitertragen: Inception, Matrix, Annihilation, District 9, Stranger Things, The Last of Us, eXistenZ, Parasite, Nomadland, Midsommar. Uns beschäftigt auch die Frage, warum Jeff Noon trotz seiner prophetischen Kraft so viel unbekannter geblieben ist als Philip K. Dick oder William Gibson. Zu wenig Output? Zu wenig Genre-Schublade? Zu viel Manchester und zu wenig London? Wir spekulieren, und Micz schlägt vor, den Autor einfach mal zu kontaktieren. Wir nehmen unsere Federn in den Mund und halten die Luft an...

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
Erzähler
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Micz Flor

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:04
Und wenn du jetzt aber dir anguckst, wie hat sich denn momentan so diese Welt entwickelt?
0:00:04–0:00:10
Diese Ideen von Bitcoin, von dieser Big-Tech-Finanz und so. Und die sind jetzt alle auf Droge, ja?
0:00:11–0:00:15
Diejenigen, die unsere Welt dann halt so maßgeblich gerade die Realität bestimmen,
0:00:15–0:00:17
sind völlig aus dieser virtuellen Welt.
0:00:18–0:00:20
Aber auf einmal ist das die Macht, die dann halt so was, ne?
0:00:21–0:00:26
Aber das ist jetzt sehr polarisiert gesprochen. Die Oligarchen des Westens,
0:00:26–0:00:31
die dann jetzt aber so diskursiv unsere ganze Lebenswelt bestimmen und unsere
0:00:31–0:00:33
ganze Filmwelt und so weiter.
0:00:33–0:00:35
Also das ist auch so eine Umkehr.
Micz Flor
0:00:42–0:00:49
Hallo und herzlich willkommen zu unserer 102. Folge von Eigentlich Podcast.
0:00:51–0:00:53
Ich bin Mitch und neben mir läuft Flo.
Florian Clauß
0:00:53–0:00:53
Hallo.
Micz Flor
0:00:54–0:00:58
Und weil ich zuerst sprechen darf, heißt es auch, dass Flo dann gleich übernehmen wird.
0:00:58–0:01:05
Eigentlich Podcast. Wir haben unseren Slogan beim Laufen reden und laufend reden,
0:01:05–0:01:09
weil wir immer in kleinen Touren, meistens durch die Stadt Berlin,
0:01:09–0:01:14
ab und zu durch Brandenburg laufen und dabei einer von uns ein Thema vorbereitet.
0:01:15–0:01:18
Und manchmal wissen wir die Themen, manchmal nicht. Diesmal weiß ich schon,
0:01:19–0:01:20
was Flo gleich vorbereitet.
0:01:20–0:01:23
Ihr wisst es auch schon, weil ihr habt vielleicht den Titel schon gelesen.
0:01:24–0:01:29
Und die Tour, wo wir langlaufen, hängt heute nicht mit dem Thema zusammen, glaube ich.
Florian Clauß
0:01:30–0:01:30
Nicht wirklich.
Micz Flor
0:01:30–0:01:36
Nicht wirklich. Aber es ist immer schön, durch Berlin zu laufen und dabei zu reden.
0:01:37–0:01:39
Wir hatten unsere hundertste Folge, da haben wir das auch noch ein bisschen
0:01:39–0:01:45
zu reflektiert. warum wir denken, dass das so interessant ist und spannend ist und uns bindet.
0:01:45–0:01:49
Auf eigentlich-podcast.de könnt ihr dann die Touren sehen, könnt ihr Fotos sehen
0:01:49–0:01:55
davon, könnt auch nochmal Shownotes lesen, Background-Info, die wir dazu reinstellen.
0:01:56–0:02:00
Und damit ist, glaube ich, alles erstmal so abgearbeitet, oder?
Florian Clauß
0:02:00–0:02:06
Der Opener ist gesetzt, ja. Die Zuhörerinnen wissen, worum es geht.
0:02:06–0:02:13
Wir laufen hier an der Mauer zum Krankenhaus Friedrichshain lang und werden
0:02:13–0:02:18
auch tatsächlich, das hatten wir ja so ein bisschen in unserer hundertsten Folge exponiert,
0:02:19–0:02:21
Touren schneiden aus vergangenen Zeiten.
0:02:22–0:02:28
Und wir werden gleich in den Volkspark Friedrichshain einsteigen und da werden
0:02:28–0:02:29
wir zwei Touren begegnen.
Micz Flor
0:02:30–0:02:32
Ja, die drei chinesische Filme.
Florian Clauß
0:02:32–0:02:32
Ja.
Micz Flor
0:02:34–0:02:35
Und...
Florian Clauß
0:02:36–0:02:40
Dann noch Civil War von Garland.
0:02:40–0:02:47
Und mein Thema heute ist, hat sich so ein bisschen ergeben aus der Reflexion
0:02:47–0:02:48
über die hundertste Folge.
0:02:48–0:02:52
Nämlich, da haben wir ja so ein bisschen versucht, auf so einen theoretischen
0:02:52–0:02:59
Überbau, wie sich diese neurologische Verschränkung von Ort gehörten Gesagten ergibt.
0:02:59–0:03:06
Und dass dann die Stadt mehr oder weniger unser Ablageort ist.
0:03:06–0:03:09
Also so ein Palimset, was wir da aufgemacht haben.
0:03:10–0:03:15
Nochmal zur Erinnerung, Palimset sind Pergamentpapiere, die mehrfach beschrieben wurden.
0:03:16–0:03:21
Damals im Mittelalter waren Papier und so weiter, war sehr knapp und auch in der...
Micz Flor
0:03:21–0:03:22
War es im Mittelalter?
Florian Clauß
0:03:23–0:03:26
Mittelalter und auch früher, das heißt auch zu Archimedes Zeiten.
Micz Flor
0:03:27–0:03:29
Ich wollte gerade sagen, weil die Wortstämme kommen ja aus dem...
Florian Clauß
0:03:29–0:03:34
Aus dem Griechischen, genau, aus dem Griechischen. Und da wurden Pergamente,
0:03:35–0:03:37
Tierhäute und so weiter mehrfach beschrieben.
0:03:37–0:03:40
Drei bis vier Mal war dann halt auch üblich.
0:03:40–0:03:45
Und so haben sich Schichten quasi ergeben, die nach und nach freigelegt wurden.
0:03:45–0:03:49
So wurde auch von Archimedes dann zum Beispiel eine Schrift gefunden unter einer
0:03:49–0:03:51
theologischen Schrift.
0:03:51–0:03:53
Und das so ein bisschen...
Micz Flor
0:03:53–0:03:56
Ich habe dazu noch ganz kurz einen Nachtrag, weil ich habe die Folge dann nochmal
0:03:56–0:03:59
gehört. Und dann hast du erzählt, was ist die unterschiedliche Bedeutung der
0:03:59–0:04:03
Aktion, die das Wort beschreibt, in der griechischen Sprache und der römischen Sprache.
0:04:03–0:04:07
In einer Sprache heißt es Abschaben und der anderen Sprache heißt es Beschriften.
Florian Clauß
0:04:07–0:04:12
Genau, das heißt Codex Rescripta, ist das Lateinische, also da wird es wieder beschrieben.
0:04:13–0:04:19
Und Palim Set ist Palim, ist wieder auch und Set ist dann halt Abkatzen.
Micz Flor
0:04:19–0:04:23
Ja, und da hatte ich beim Hören so den Gedanken, den lege ich jetzt einfach
0:04:23–0:04:27
mal dir hin, vielleicht ist da irgendwas dran. Aber ich bin froh,
0:04:27–0:04:29
dass ich noch mal loswerde, weil ich gedacht habe, sonst schreibe ich einen
0:04:29–0:04:30
Kommentar unter der Folge.
0:04:32–0:04:36
Dieses Wort, was einmal das Abschaben bedeutet, einmal das Aufschreiben,
0:04:36–0:04:40
ob das auch damit vielleicht so einen monetären Zusammenhang gibt.
0:04:40–0:04:44
Die Dienstleistung, die man kaufen musste, war einmal das Abschaben,
0:04:44–0:04:46
war quasi das teurere Investment.
0:04:46–0:04:50
Das heißt, das musste man sich leisten. Das Abschaben, das Schreiben war Nebensache.
0:04:51–0:04:56
Und im anderen war das Schreiben das teurere. Jemand, der das schreiben kann,
0:04:56–0:04:59
dass man da hinein investieren musste und das Abschaben war.
0:04:59–0:05:03
Weißt du, wie ich meine? Also dass es vielleicht ein Shift war in einem monetären
0:05:03–0:05:09
Fokus auf den Teil der Produktionsstrecke, der da die größte Hürde darstellt.
Florian Clauß
0:05:09–0:05:13
Verstehe, ja. Vielleicht ist es aber auch in der Sprache irgendwo gelegen,
0:05:13–0:05:16
dass das Aktionen anders betont werden.
0:05:17–0:05:22
Also vielleicht ist das Aktive, das Schreiben, eher im Lateinischen als das
0:05:22–0:05:27
Reaktive, also quasi diese Grundlage des Schreibens wiederherzustellen. Dann im Griechischen.
0:05:27–0:05:30
Also ich weiß nicht, man müsste dann Sprachwissenschaftler sein,
0:05:30–0:05:34
um da vielleicht irgendwelche Sachen dann da rauszulesen.
0:05:34–0:05:40
Aber ich fand es auch interessant, dass es halt so unterschiedlich da gewertet wird, die Aktion.
0:05:41–0:05:47
Und mein Gedanke dazu war auch, die Frage, wie wird es entschieden,
0:05:47–0:05:52
welches Pergament, das liegt hier so rum. Wir haben hier was von Archimedes.
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Braucht das noch jemand?
0:05:55–0:05:59
Nee, komm hier, ich habe einen neuen Text. Komm, machen wir fertig.
Micz Flor
0:06:00–0:06:05
Hier ist was von einem gewissen Archimedes. Kennst du den? Wenn nicht, weg damit.
Florian Clauß
0:06:07–0:06:14
Die Idee zu dem Palimpset, dass wir unsere Stadt quasi mit den eigenen Geschichten
0:06:14–0:06:18
beschreiben, aber auch, dass die Stadt selber ganz viele Schichten hat und sich
0:06:18–0:06:20
ständig verändert und so weiter.
0:06:20–0:06:26
Und dann habe ich dann im Prinzip mal geschaut, wo sich dieses Stadtbild in
0:06:26–0:06:29
der Literatur auch so findet.
0:06:30–0:06:37
Und da bin ich auf Jeff Noon gekommen und ich wollte jetzt auch mal eine Literaturfolge machen, Mitch.
0:06:37–0:06:43
Damit du nicht immer nur dieses Stichwort besetzt, nämlich mit Jeff Noon.
Micz Flor
0:06:44–0:06:49
Ist ja auch ein Horrorautor, damit du das Horror auch noch mehr besetzen kannst. Nein, nicht wirklich.
Florian Clauß
0:06:49–0:06:51
Science Fiction kann ich da noch ein bisschen punkten.
Micz Flor
0:06:52–0:06:54
Science Fiction oder eben halt Fantasy auch.
Florian Clauß
0:06:55–0:06:55
Fantasy.
Micz Flor
0:06:56–0:07:00
Science ist ein relativer Begriff bei seinen Schriften.
Florian Clauß
0:07:00–0:07:05
Wir waren, glaube ich, damals alle sehr begeistert von Jeff Noon.
0:07:05–0:07:12
Jeff Noon wurde 1957 in Manchester geboren und Manchester hat in all seinen
0:07:12–0:07:18
Geschichten, Romanen auch eine ganz zentrale Rolle. Also Manchester, die Stadt.
0:07:18–0:07:25
Und wir haben uns auch mal in einer vergangenen Folge über deine Zeit und meine
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Zeit in England, also über London unterhalten.
0:07:28–0:07:30
Du hast auch eine Zeit in Manchester gelebt.
0:07:31–0:07:33
Vielleicht hast du da noch mal so persönliche Eindrücke von Manchester.
0:07:34–0:07:38
Jeff Noon. Ich möchte... Also mit Jeff Noon hat...
0:07:39–0:07:44
Glaube ich, eine Welt geschaffen, die heute, ich würde mal die ich würde mal
0:07:44–0:07:49
wirklich die These sagen, dass Jeff Noon viele Ideen, die er da so in seinen
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Romanen ausgewälzt hat, dass die,
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heute als viel mehr sich in Realität geformt haben, als andere Science-Fiction,
0:07:59–0:08:00
als bei anderen Science-Fiction-Autoren.
0:08:01–0:08:05
Da wollte ich mal so ein bisschen mit dir durchgehen. Ich will auch nicht so
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tief in diese ganze Handlung von Pollen rein.
0:08:07–0:08:12
Ich will mir nur einen Aspekt rausnehmen, der so ein bisschen mit dieser Stadt zusammenhängt.
0:08:13–0:08:18
Vielleicht ganz grob die Geschichte von Pollen beschreiben, worum es da geht,
0:08:18–0:08:20
um so ein bisschen das einordnen zu können.
0:08:20–0:08:25
Pollen ist der zweite Roman seines Wörtszyklus.
0:08:25–0:08:30
Und der erste ist Wörth, der zweite ist Pollen, der dritte ist Automated Alice.
0:08:31–0:08:34
Das beschreibt diesen Wörtszyklus.
Micz Flor
0:08:34–0:08:35
Aber ist Nymphomation nicht auch?
Florian Clauß
0:08:36–0:08:40
Nymphomation, ja stimmt. Nymphomation war auch da mit drin.
Micz Flor
0:08:41–0:08:41
Ich glaube...
Florian Clauß
0:08:41–0:08:44
Nein, Nymphomation ist nämlich der dritte.
Micz Flor
0:08:44–0:08:47
Ich glaube auch, das ist ein Prequel und gleichzeitig der dritte Teil.
Florian Clauß
0:08:47–0:08:51
Du hast recht, danke für die Korrektur. Nee, Automated Alice kam dann später.
0:08:51–0:08:54
Das war ja dann halt quasi auch seine Nähe zu Carol.
Micz Flor
0:08:54–0:08:56
Alice Carol, ja.
Florian Clauß
0:08:56–0:09:01
Zu den Autoren von Alice in Wonderland. Um Polen so ein bisschen besser einordnen
0:09:01–0:09:06
zu können, möchte ich auch mit einem Text starten. Also jetzt werde ich gleich das vorlesen.
Micz Flor
0:09:06–0:09:07
Okay.
Florian Clauß
0:09:07–0:09:11
Und zwar, das sind auch die ersten Seiten des deutschsprachigen Übersetzungen
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von Polen, weil du wirst dich natürlich noch fragen, oder derjenige,
0:09:15–0:09:18
der sich noch nie mit Jeff Noon da nichts von gehört hat, was ist das Wörth?
0:09:19–0:09:20
Und das Wörth ist, glaube ich,
0:09:20–0:09:25
so ein ganz, ganz zentraler Baustein in dem Worldbuilding von Jeff Noon.
0:09:25–0:09:28
Und ich habe hier das tollen Roman.
Micz Flor
0:09:28–0:09:31
Und Wörth, muss man ganz kurz sagen, ist im Englischen halt auch sehr schön,
0:09:32–0:09:34
weil das wird V-U-R-T, also wie Virtual.
0:09:36–0:09:42
Geschrieben, aber wenn man es sagt, dann klingt es fast eher wie W-O-R-D, also Word.
0:09:42–0:09:46
Wie das Wort. Und das ist eine schöne Ambivalenz, die halt sehr gut eben zu
0:09:46–0:09:48
diesem Jeff Noon-Universum auch passt.
Florian Clauß
0:09:48–0:09:52
Ja, vielleicht auch anknüpfend an die Folge von Dan Sims, seine letzte,
0:09:53–0:09:56
kann man auch sagen bei Jeff Noon, dass er,
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ein unglaublicher Virtuose in der Sprache ist.
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Ich habe es halt nie auf Englisch gelesen, aber er hat da ganz viele Wortspielereien und so weiter drin.
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Die 90er war auch die Zeit des Poultry Slams.
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Wo dann auch so gerade im Technobereich so Leute wie Henry Rollins stand-up gemacht haben.
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Wo dann halt auch so Wortschöpfungen passiert sind in so einem Rhythmus.
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Mir kommt dann noch die Erinnerung von,
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Damals haben wir auch zusammen Convex TV gemacht. Ulrich Gutmeier,
0:10:35–0:10:40
auch einer von unserem Kollektiv, hatte mit Kotwo Eschun dann eine Folge aufgenommen.
0:10:40–0:10:41
Kotwo Eschun ist halt auch...
Micz Flor
0:10:41–0:10:43
Kotjo, glaube ich. Kotjo Eschun.
Florian Clauß
0:10:43–0:10:49
Kotjo Eschun. Also einer, der sehr viel, also könnte ich mal nochmal verlinken,
0:10:50–0:10:50
weil die wirklich toll ist.
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Der sehr in diesem Poetry Slam dann halt auch so über so Theorien dann vorträgt,
0:10:57–0:10:58
Theorie-Texte entwickelt.
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Und interessant Interessant ist auch, dass Koczu Eschun dann übersetzt wurde von Dietmar Dard.
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Und Dietmar Dard ist ja auch eine zentrale, also es hat ja auch Abschaffung der Arten und so.
0:11:10–0:11:17
Auch Ideen, die stark von Pollen und von Jeff Loon geprägt waren, dann übernommen.
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Aber lass uns nochmal über das Wort gehen. Ich will jetzt mal die erste Seite
0:11:21–0:11:23
aus dem Roman vorlesen. Oder willst du noch was ergänzen?
Micz Flor
0:11:23–0:11:24
Nee, nee, ich höre es nicht.
Florian Clauß
0:11:24–0:11:30
Es fängt an mit Auszug aus der Spielkrieg von R.B.
0:11:30–0:11:36
Chimosa. Zu den bedeutendsten Entdeckungen des letzten Jahrhunderts zählt zweifellos das Verfahren,
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Träume auf einem widerspielbaren Medium, einem mit Phantasma Flüssigkeit beschichteten
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biomagnetischen Band aufzuzeichnen.
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Diese Befreiung der Psyche wurde in ihrer fortschrittlichsten Form als Wörth bekannt.
0:11:52–0:11:57
Durch die Tore des Wörts konnten Menschen nach Belieben in ihre eigenen Träume
0:11:57–0:12:01
zurückkehren oder, wenn auch mit größeren Gefahren verbunden,
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die Träume eines anderen Menschen, eines Fremden, besuchen.
0:12:05–0:12:11
Es gilt als allgemein anerkannte Tatsache, dass dieses Portal zwischen Wirklichkeit
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und Traum erstmals von der,
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Amorphologin Miss Hobart geöffnet wurde, aber der wirkliche Ursprung des Wörts,
0:12:20–0:12:25
sowie die Methode, wie Menschen dorthin gelangten, mithilfe von Traumfedern,
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die in den Mund gesteckt wurden.
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Wird wohl auf immer ein Geheimnis bleiben.
0:12:30–0:12:34
Dieser frustrierende Wissensmangel liegt im Wörts selbst begründet,
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denn die Welt der Träume entwickelte schon sehr bald ein Eigenleben.
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Die früheren Generationen der
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Erde waren sich dieses Aspekts der Erfindung weitestgehend nicht bewusst.
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Doch gerade diese selbst träumende Eigenschaft des Wörts führte schließlich
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zu einer Reihe von Schlachten, die wir nun allgemein unter dem Namen der Spiegelkrieg zusammenfassen.
0:12:56–0:13:01
Dieses Buch ist der Versuch einer objektiven Darstellung des schrecklichen Kriegs
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zwischen dem Traum und der Wirklichkeit eines Konflikts, in dem beide Seiten
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schwere Verluste hinnehmen mussten,
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bevor schließlich ein Sieger erklärt werden konnte.
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Alle großen Theorien über die Ursache und Ursprung von Kriegen lassen sich im
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Kern auf Gier in ihren verschiedensten Erscheinungsformen als Triebfeder für
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die Auseinandersetzung reduzieren.
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Und so kam es, dass die Geschöpfe des Traums, als sie an Macht gewannen,
0:13:28–0:13:32
zunehmend mit Verachtung auf die ursprünglichen Traumer herabsahen,
0:13:32–0:13:37
die sie als bloße Geschichtenerzähler des Planeten Erde bezeichneten.
0:13:37–0:13:42
Tatsächlich betrachteten die Geschöpfe des Traums ihr Fantasienreich nämlich
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als eine eigenständige Welt, den Planeten wird.
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Die Virtuellen strebten nach Unabhängigkeit.
0:13:50–0:13:55
Ein besonders neuralgischer Punkt an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit
0:13:55–0:13:58
war die psychische Atmosphäre um Manchester,
0:13:59–0:14:03
einer regengepeitschten Großstadt im Nordwesten von Singland,
0:14:03–0:14:07
in jener primitiven Zeit noch unter dem Namen England bekannt.
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In dieser legendären Stadt trug sich auch jener Zwischenfall zu,
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die als Polinisierung in die Geschichte einging.
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Dieser Zwischenfall wird heute allgemein als eins der ersten Gefechte im Spiegelkrieg betrachtet.
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Also wir haben jetzt hier schon einen ziemlich großen Kniff,
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den Jeff Noon da auffährt.
Micz Flor
0:14:31–0:14:34
Das hatte ich auch gar nicht mehr so auf dem Schirm, diese Brücke hinein in
0:14:34–0:14:39
diese KI-Denke auch, dass ich das virtuelle versetzte.
Florian Clauß
0:14:39–0:14:40
Ja, wir kommen gleich drauf.
Micz Flor
0:14:40–0:14:42
Das hatte ich gar nicht mehr am Schirm.
Florian Clauß
0:14:42–0:14:51
Ja, das ist großartig. Wir erfahren jetzt quasi, es gibt jetzt ein Singland, es gab ein England.
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Dieses Pollen steigt dann quasi zu einem Zeitpunkt ein, wo jetzt retrospektiv
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in diesen zwei Seiten dann berichtet wird, dass so das Erste,
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wo das aus dem Gleichgewicht geraten ist.
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Und Pollen, also das Wörth, kann man nochmal sagen, das wird in dem ersten Roman
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von Jeff Noon explizit, nämlich in das Wirt kommt man durch,
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Verschiedene Federn, die auch unterschiedliche Farben haben.
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Es gibt dann diese leichten Federn.
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Ich weiß nicht, da gibt es die Farbkodierung, ich kriege jetzt nicht mehr hin.
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Die schwarze Feder ist eine Feder, die mit Gefahr verbunden ist,
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aber auch mit extremer Erfahrung.
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Es gibt dann halt die rosa Federn oder pinken Federn, wo sexuelle Sachen dann ausgelebt werden.
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Und das Wort leitet sich aus so einer Traumwelt ab. Es ist auch so ein bisschen das Unloschen.
Micz Flor
0:15:43–0:15:47
Es gibt aber auch den Robert De Niro Word zum Beispiel, also eben auch dieses
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Film, also es war schon auch so ein Bezug auf diese ganze Filmindustrie und
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die Geschichten, die über Filme vermittelt werden.
Florian Clauß
0:15:53–0:16:00
Ja, es ist im Prinzip eine Schicht, die sich da irgendwo, in die man durch Federn
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kommt und deswegen Spiegelkrieg, es ist das, was dann als mechanisches Prinzip,
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Jeff Noon implementiert ist, sobald du ins Wirt gehst, musst du irgendwas zurücklassen.
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Also es ist so ein bisschen auch wie diese Stalker-Geschichte.
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Das heißt, du musst deinen Platz auf der Erde warm halten.
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Also das heißt, es kommt dann halt auch aus dem Wirt irgendwas zurück.
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Irgendein Tier oder irgendeine Kreatur oder irgendwas undefiniertes.
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Es ist diese Verbindung zwischen dieser Spiegelwelt, die auf der anderen Seite,
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wo eine Erlebniswelt geschaffen wird, was sich aus Träumen, aus einer Struktur
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des Unbewussten generiert.
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Das ist dann wieder diese freudianische Ebene, das Unbewusste, der Traum und so weiter.
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Unglaubliches Erleben, ein rauschhafter Zustand und die reale Welt.
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Und Pollen, der Roman fängt so an, dass aus dieser Welt des Wörts,
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was noch nicht weiter spezifiziert wird,
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Manchester wird dann quasi übersät von so Pollen, Pflanzenstaub,
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der sich dann aber herausstellt, dass es kein echter Pflanzenstaub,
0:17:08–0:17:12
sondern irgendwas Alienhaftes ist. Die Menschen niesen sich zu Tode.
Micz Flor
0:17:13–0:17:15
Nicht die Menschen, das sind ja alles Tiere.
Florian Clauß
0:17:15–0:17:21
Ja, genau, stimmt. Also die Protagonistinnen, da kommen wir auch gleich nochmal dazu,
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dass es sind alles mehr oder weniger hybride gibt
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verschiedene kastensysteme ja es gibt also diese die reinform von da kann man
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jetzt darüber sprechen die reinform von kasten sind dann also die kasten diesen
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diesen in dieser welt gibt sind auf der einen seite gibt es schon menschen die
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rein ja es gibt hunde es gibt sogenannte schatten
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Es gibt Roboter und es gibt Zombies.
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Das sind so diese Formen. Aber eigentlich alle, die dann vorkommen,
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sind mehr oder weniger Hybride, die dann so Mischformen sind zwischen den einzelnen Kasten.
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Also es gibt Schattenmenschen, es gibt Dogpeople.
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Dogpeople, die spielen jetzt gleich nochmal, da möchte ich jetzt nochmal den
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zweiten Einstieg in die Geschichte machen, nämlich über diese X-Cap,
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über das Taxi-Unternehmen, was Manchester beschreibt.
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Dogpeople, es gibt dann Robomenschen, die dann halt so eher für das Bürokratische stehen.
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Und es gibt dann halt so Zombies, die sind aber nicht diese Zombies,
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die Horrorfiguren, Sondern das sind dann eher die Zombies, die dann im Word
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hängen geblieben sind, die dann halt so körperlos sind und vom Körper anwesend,
0:18:33–0:18:34
aber vom Geist abwesend, ja.
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Das sind die Zombies, ja. An der Stelle möchte ich dann nochmal über dieses X-Cab sprechen.
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Also X-Cap ist im Prinzip Manchester und das hatten wir dann halt im Vorfeld
0:18:46–0:18:51
zur hundertsten Episode besprochen, dass wir vielleicht auch über Jeff Noon,
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über diese Sache sprechen,
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weil die Taxis, die dann in Pollen beschrieben werden,
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mehr oder weniger den Stadtplan erschaffen.
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Also das heißt, die Stadt selber, also die entsteht ständig neu.
0:19:08–0:19:14
Die Taxen, die dann auch gefahren werden, es gibt eine ganz dedizierte Anzahl
0:19:14–0:19:20
von Taxen, die in diesem System die Stadt erschaffen, die im Prinzip diese Wege
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erschaffen, die durch die Stadt führen.
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Und die werden von diesen Dog People gemacht, also es ist dann ein Hybrid zwischen
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Hund und Mensch, die dann halt auch einen besonderen instinktiven Spürsinn haben.
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Die können halt riechen, die können halt so fahren und so weiter.
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Die sind sehr präsent und können halt diese Wege finden.
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Das ist so ein bisschen in der Natur des Hundes angelegt.
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Und diese Dog People, also die sind auch mit ihren Taxis so verschmolzen.
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Also jedes Taxi hat dann auch eine bestimmte Ausprägung, hat eine ganz bestimmte Personality.
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Und mit diesen Taxis wird dann im Prinzip der Stadtplan geschaffen.
0:19:58–0:20:04
Und das ist so die Idee von, die Stadt ist nicht mehr quasi,
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die sich in der Karte reproduziert, sondern die Karte wird die Stadt produzieren.
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Das ist ja genau diese Umkehrung von Topografie.
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Das war diese Verknüpfung zu unserer 100. Folge.
Micz Flor
0:20:20–0:20:23
Also diese Palim-Set-Idee. Und es wird ja auch so beschrieben,
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dass diese Taxis, wenn sie drüber fahren, entstehen so Spuren.
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Denn auch wie so eine Heatmap, die dann, glaube ich, auch eben wieder von alleine
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auch sich wieder langsam auslöschen. weil die müssen ja auch wieder verschwinden,
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falls es die Straße nicht mehr gibt. Die werden immer wieder neu entdeckt.
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Und es ist auch so, dass halt eben nur diese Taxifirma das Monopol auf die Karte
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hat und die Polizei auch mit denen arbeiten muss, damit die Polizei irgendwie
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sich auch in der Stadt irgendwie zurechtfinden kann. Richtig.
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Und das ist interessant, weil du ganz am Anfang gesagt hast.
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Dass sich da so Ideen, ich glaube, da wirst du gleich noch mehr zu sagen,
0:20:56–0:21:01
aber diese Ideen von nun, die jetzt dann irgendwie so Fuß gefasst haben,
0:21:01–0:21:04
vielleicht mehr als andere Science-Fiction-Ideen.
0:21:04–0:21:08
Und als du es gesagt hast und ich schon auf diese und ähnliche Dinge geguckt
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habe, habe ich gemerkt, stimmt, weil nun vielleicht...
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Recht früh, nicht der erste, auch weder Fiction noch Soziologie,
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aber sehr früh eben auf Verbindungen geguckt hat und nicht mehr auf Produkte.
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Das Hard Science Fiction ist ja immer das, wie kann ich mit 15 Atombomben ein
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Raumschiff so beschleunigen, dass es dann doch eben jenseits so und so und diese
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Geschwindigkeit erreicht.
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Das kann man doch durchrechnen, das kann man ja machen. Da gibt es halt solche
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Hard Science Fiction Bilder, wo dann hypothetische Raumschiffe geschaffen werden,
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wo man nicht sagen kann, das geht nicht, sondern wo man nur sagen kann,
0:21:43–0:21:45
Ja, das könnte gehen, aber wir können es nicht herstellen.
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Aber das ist dann immer an diesem Produkt.
0:21:48–0:21:54
Und diese Sache mit der Karte ist halt so wie deine Ameisenfolge.
0:21:54–0:21:58
Es geht dann eben um diese Bewegung, um diese Sachen dazwischen.
0:21:58–0:22:03
Diese Prozesse mehr als die Produkte und die Zwischenräume mehr als die Objekte.
0:22:04–0:22:08
Und das ist, glaube ich, was wirklich bei nun wichtig ist.
Florian Clauß
0:22:08–0:22:14
Ja, voll, unbedingt. Nun hat das ja in einer Zeit geschrieben, wo das Internet,
0:22:14–0:22:18
noch so gerade in den Kinderschuhen war. Also ich weiß, dass ich irgendwie so
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94, 95 meinen ersten Modem und dass ich die ersten Seiten angesurft habe,
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dass ich angefangen habe, HTML zu lernen und so weiter.
0:22:26–0:22:30
Das war zu der Zeit, es war diese virtuelle Realität.
0:22:31–0:22:35
Das war jetzt auch so ein Begriff, der sich da so aufgebaut hat.
0:22:35–0:22:39
Es gab dann so diese Idee, es gibt quasi eine Ebene über unsere Realität,
0:22:39–0:22:41
die einen eigenen Raum hat.
0:22:41–0:22:46
Und jetzt haben wir ja quasi, und das ist halt so dieses Konklusio,
0:22:46–0:22:50
was ich an so verschiedenen Stellen ziehen möchte, nämlich, dass diese Realität,
0:22:50–0:22:56
diese virtuelle Realität, jetzt ähnlich wie jetzt die Taxen, das Taxi-Unternehmen,
0:22:57–0:23:02
dass die die Karte bestimmen, jetzt wir eine Zeit haben, wo eine Realität,
0:23:02–0:23:08
die im virtuellen Raum passiert, unsere reale Realität so dermaßen bestimmt.
0:23:08–0:23:13
Ja, also mit den Social Media, mit allen, also mit dieser Realität,
0:23:13–0:23:16
die dann eigentlich in eigenem Blase passiert, ja,
0:23:17–0:23:22
dass das wieder auf den realen Raum so zurückfällt, dass das quasi diese hegemoniale
0:23:22–0:23:26
Verschiebung aus einer Virtualität heraus passiert.
0:23:26–0:23:30
Und das finde ich halt total interessant, jetzt nochmal so rückwirkend,
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weil dieser Roman ist jetzt über 30 Jahre alt, das dann halt so herauszuarbeiten.
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Und das, was er auch nochmal ganz konkret in diesem Taxi-Bild nun geschaffen
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hat, nun hat halt diesen Uber-Algorithmus da schon beschrieben.
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Also ganz konkret, das heißt, Fahrten werden dann quasi zu Buchbahnen,
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Also du fährst dann halt bestimmte Strecken.
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Bestimmte Strecken werden dann halt so als diejenigen relevanten Strecken dargestellt.
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Die Strecken kosten, je nachdem, ob ich dann halt zu wenig Akku auf mein Handy habe, mehr.
0:24:07–0:24:10
Also es ist jetzt dieses algorithmische Erschließen einer Stadt,
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was dann halt Uber durch diese Unternehmens-
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im Unternehmen schon so mit implementiert hat, ja, als Prinzip,
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ja, als Algorithmisches, wird da so beschrieben.
0:24:21–0:24:25
Und, dann wissen wir mal, das Ganze, das wird eben von diesen,
0:24:25–0:24:28
weil die Dog Peoples auch eine Kaste sind, die,
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gesellschaftlich nicht anerkannt sind, das ist halt so diese Suburbs-Typen,
0:24:32–0:24:37
ja, die Migranten, Flüchtlinge und so weiter, das ist mehr oder weniger korreliert
0:24:37–0:24:40
das mit den Dog People, ja, das sind halt auch hier...
Micz Flor
0:24:40–0:24:42
Ja, die Suburbs, aber vor allen Dingen auch Sozialwohnungen,
0:24:43–0:24:47
das wird in der, in Word so beschrieben, glaube ich, dass die in diesem,
0:24:47–0:24:49
wie hieß das nochmal, ich habe es vergessen,
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es gab so einen großen Bereich, also 60er, 70er Jahre Sozialbauten in Manchester,
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wo die in Anführungszeichen innovativ gebaut haben, was dann aber total leer
0:24:58–0:25:03
gewohnt wurde und runtergekommen war und da wohnten die auch.
0:25:03–0:25:07
Also es war jetzt nicht Suburbs im Sinne von ich habe einen kleinen Garten und
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ich habe eine kleine Kaffeemaschine und sondern eher so Plattenbauten an Metaphern.
Florian Clauß
0:25:14–0:25:19
Ja, gut, wenn du es dann überträgst, die Uber-Fahrer sind dann halt eher arabisch-türkischen
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Ursprungs hier in Abstimmung bei uns in Deutschland.
0:25:23–0:25:29
Es sind prekäre soziale Verhältnisse, die auch da jetzt sich dann so in dieser Welt wiederfinden.
0:25:30–0:25:35
Und das ist, also ich finde, diese ganze Gedankenwelt, die da nun so angelegt
0:25:35–0:25:41
hat, ja, das finde ich wirklich so sehr prophezeiend, Was sich daraus so ableiten lässt, ja.
Micz Flor
0:25:42–0:25:45
Aber ist es wirklich so, weil ich meine, sie heißen ja auch X-Caps,
0:25:45–0:25:48
weil Caps Taxi gab es ja schon und ich verstehe jetzt gerade nicht den Unterschied
0:25:48–0:25:53
der Dienstleistung des Taxifahrens, wie das vorher eben auch schon da war.
0:25:54–0:25:57
Und Uber, weil ich bin noch nie mit dem Uber gefahren.
Florian Clauß
0:25:57–0:25:59
Muss ich sagen. Ich weiß nicht, wie was das da geschieht.
Micz Flor
0:25:59–0:26:00
Ich hätte es gerade angedult.
Florian Clauß
0:26:00–0:26:05
Dass Uber, also dass es eine algorithmische Struktur dahinter ist.
0:26:05–0:26:11
Das heißt, die Fahrt selber nicht mehr über Kilometer und Strecke und Stehen
0:26:11–0:26:12
und so weiter abgerechnet wird,
0:26:12–0:26:16
sondern dass eine gewisse algorithmische Dynamik da drin hängt,
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nämlich zu bestimmten Stoßzeiten werden die Strecken teuer.
0:26:21–0:26:27
Wenn ich bestimmte Fahrten mache, die dann halt nach draußen gehen und so weiter,
0:26:27–0:26:31
dann werden halt auch die Strecken teurer, weil dann halt dieser Rückweg dann mit eingepreist wird.
0:26:31–0:26:37
Das zum Beispiel, wenn Uber hat die Möglichkeit, Daten über dein Telefon auszulesen.
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Wenn die merken, du bist halt bei 12 Prozent Akkuleistung, dann wird die Strecke
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auch teurer, weil du keine Alternativen mehr suchen kannst.
0:26:46–0:26:52
Also solche Sachen. Also das heißt, diese ganzen Vektoren, die dann halt quasi Raum bestimmen.
Micz Flor
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Werden halt berechenbar. Wenn du in Brandenburg bist und dein Akku ist auf 12
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Prozent, dann musst du da weg.
Florian Clauß
0:26:57–0:27:01
Nee, das ist halt so was früher, wenn es so ein Vektor war. Wenn du halt irgendwie
0:27:01–0:27:07
so, keine Ahnung, in China, dann bin ich mal nach Chengdu zu der Panda-Station
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gefahren. Es war sehr günstig rauszufahren.
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Aber in dem Moment, wenn du zurückfahren wolltest, das ist sehr teuer,
0:27:12–0:27:17
weil nur noch ganz wenig und du bist nicht mehr so einfach irgendwo anders rangekommen.
0:27:17–0:27:22
Und das ist so diese Dynamik, die dahinter hängt und dieses Algorithmische.
0:27:22–0:27:27
Und das ist das halt, wo dann wieder der Raum quasi zurückfällt in die Realität
0:27:27–0:27:31
und wie so eine Ameisenstraße sich dann halt bildet.
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Es fängt damit an, dass eben eins von diesen Taxisen verschwindet.
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Und das ist so das Taxi von, ich glaube, der heißt Columbus,
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diese Figur, auch ein Dog People.
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Und mit diesem Verschwinden des Taxis bricht dann quasi diese ganze Logik,
0:27:51–0:27:57
also dieses Netz, was dann halt diesen Taxi, diese Firma dann halt auch als Prinzip,
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als Business-Prinzip so aufgebaut hat, bricht dann zusammen.
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Das heißt, die wären nicht mehr zuverlässig. Die Leute kommen nicht mehr dahin,
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wo sie eigentlich hin wollten. Es gibt ganz neue Wege.
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Die Wege führen teilweise ins Wörth rein.
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Also da beginnt so diese Ordnung in der realen Welt sich so aufzulösen.
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Gleichzeitig kommt dieser Pollen rein.
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Die Hauptfigur in dieser ganzen Geschichte ist Sybil.
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Und Sybil ist so ein Schattenwesen, also ein Schattenhybrid.
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Und Schatten, die werden auch so gemieden.
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Schatten sind so, ich weiß nicht mehr so richtig im Kopf. aber es ist im Prinzip
0:28:37–0:28:42
auch aus dem Wirt dann entstanden, dass die dann halt so im Hintergrund bestimmte
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Informationen haben, die andere nicht haben.
0:28:45–0:28:48
Und wenn du dann halt aber so eine Hybridform zwischen Schatten und Mensch bist,
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sie ist halt die ideale Ermittlerin, um halt dann quasi in diesem Mordfall,
0:28:54–0:28:59
also es gibt einen konkreten Mordfall, wo sie dann darauf angesetzt wird. Sie ist der Cop.
0:28:59–0:29:01
Sie arbeitet dann auch mit dem Mordfall,
0:29:01–0:29:07
Colombo zusammen, der dann eben dieses, der Taxifahrer, der kein Taxi mehr hat, ja,
0:29:07–0:29:13
und diese ganze Struktur der Taxen ist dann im Prinzip so eine nicht skalierbare
0:29:13–0:29:16
Struktur, ne, du kannst nicht irgendwie so noch ein Taxi draufwerfen,
0:29:16–0:29:21
noch ein Taxi, so wie dann halt quasi in der Infrastruktur, wenn du irgendwelche, keine Ahnung,
0:29:22–0:29:26
Server betreibst, ja, und es gibt einen unglaublichen Netzansturm und ganz viele
0:29:26–0:29:29
gucken deine Seiten an, dann kannst du halt zwölf Server daneben stellen,
0:29:29–0:29:32
es wird schneller, ja, und das geht halt in dieser Struktur nicht,
0:29:32–0:29:35
du kannst nicht irgendwie 13 Taxen dann noch mit reinführen,
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dann wird das ganze System nicht schneller. Das ist halt so, das ist non-scalable.
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Ja, das finde ich auch nochmal so als Prinzip ganz interessant,
0:29:42–0:29:47
weil wenn du es dann wieder auf so einer technischen Ebene überträgst, wie so ein DNS-Netz.
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Dann ist halt, wenn nur ein Knotenpunkt, wenn der halt korrupt ist und der ist
0:29:52–0:29:56
halt dann wirklich so derjenige, der dann spreadet, so wie es dann halt neulich
0:29:56–0:30:00
dann auch passiert ist, als diese AWS-Cloud zusammengebrochen ist.
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Ja, das war ja Da konnte man ja auch nicht mit Masse dagegen setzen.
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Das war ein Ding, was kollabiert ist. Und damit ist das ganze Netz zusammengebrochen.
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Das ist halt so Knotenpunkte der Infrastruktur dann zu so existenziellen Punkten
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dieses ganzen Systems werden.
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Und wenn die ausfallen, dann fällt das System aus.
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Und das ist ja so auch der Kill für unsere heutige Gesellschaft.
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Man weiß ja nicht, also man kann so ungefähr wissen, erahnen,
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wo dann halt solche Punkte sein können, aber es kann dann halt kollabieren, das System.
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Das ist schon spannend, dass das auch so in dieser Struktur bei NUN sich dann wiederfindet.
Micz Flor
0:30:47–0:30:51
Ja, das ist interessant, weil ich ja auch vorhin mit den Taxis auch nochmal
0:30:51–0:30:57
dran gedacht habe, dass, nochmal einen Schritt zurück, was da die Taxis waren
0:30:57–0:31:00
und die Karte, dass es ja im Prinzip jetzt wir alle sind.
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Wenn du in Google Maps halt reinguckst, ich bin mir sicher, es gibt viele kleine
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Läden in irgendwelchen Nebenstraßen, die selber ihre Öffnungszeiten erst wissen,
0:31:07–0:31:12
wenn sie bei Google Maps nachschauen, weil Google Maps weiß halt die Öffnungszeiten, weil die wissen,
0:31:12–0:31:17
wann welche Handys aktiv mit Ortungssystem in diesem Ort drin sind.
0:31:18–0:31:20
Und so wird dann halt geguckt, wann was offen ist oder nicht offen ist.
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Inzwischen ist bei jedem Nahverkehr eigentlich immer mit angezeigt,
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wie die Auslastung ist, welcher Waggon mehr oder welcher weniger Leute hat.
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Und das heißt, da sind nicht mehr nur Taxis, sondern es sind wirklich wir mit
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dem Handy, die diese Pfade so machen.
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Und das finde ich schon total spannend. Bei Manchester, also vielleicht da noch
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so ein Hintergrund zur Stadt, weil er wurde da geboren und Manchester ist ja
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in Anführungszeichen im Norden.
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Und wenn man heute Manchester so sich Fotos anguckt und die Entwicklung so anguckt,
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Dann gibt es halt immer noch Manchester zum Norden raus, nach Salford, was dann schon andere,
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also nicht mehr Manchester ist, aber so direkt wie Potsdam und Berlin, was da so dranhängt.
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Da gibt es noch so ein Gefühl von verschollenen Orten, die es in Manchester,
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glaube ich, inzwischen gar nicht mehr so gibt. Aber...
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Manchester, als ich da Mitte der 90er Jahre studiert habe, war wirklich für
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mich erstaunlich. Ich kannte sowas nicht.
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Ich kannte jetzt aus dem südhessischen Bereich Darmstadt, Frankfurt. Ich kannte das nicht.
Florian Clauß
0:32:28–0:32:33
Es war auch nicht so wie die ehemalige DDR, wo dann halt auch so viel...
Micz Flor
0:32:33–0:32:38
Die kannte ich ja nicht. Also ich kam nach Berlin, Ostberlin kam ich dann erst später, Mitte der 90er.
0:32:39–0:32:43
Aber Darmstadt war ja auch was, was im Krieg zerstört wurde.
0:32:43–0:32:45
Oder direkt nach dem Krieg aufgebaut wurde, das heißt ganz viele Neubauten,
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wenige Altbauten und so.
0:32:47–0:32:52
Aber diese Idee von Manchester, wo zum Beispiel eben, ich glaube,
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ich weiß jetzt gar nicht mehr genau, Trafford Center, das war so ein riesen
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Shopping Mall, die mal in die Mitte reingepflanscht wurde.
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Da war daneben dann, wenn du da rausgekommen bist durch irgendeine Seitentür,
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waren dann noch so diese klassischen Terrace Housing, diese Red Brick Häuser.
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Aber in dem Innenstadtbereich, wo da keiner mehr wohnen wollte,
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waren dann wirklich teilweise direkt so ein, die waren richtig halb verfallen.
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Und diese halb verfallenen Terrace Housing im Inner City Center,
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die waren wirklich unheimlich. Das war so ein bisschen wie aus einem Dickens Buch.
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Und es gibt eine Kurzgeschichte von Clive Barker in den Books of Blood.
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Ich glaube, es ist ein dritter Buch drin, wo er das auch als Hintergrund nimmt
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für eine Kurzgeschichte aus dieser Sammlung. Übrigens auch.
0:33:37–0:33:39
Kennst du Books of Blood von Clive Barker?
Florian Clauß
0:33:39–0:33:39
Nee.
Micz Flor
0:33:40–0:33:45
Das möchte ich vielleicht auch nochmal machen. Das ist unfassbar gut.
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Und da geht es nämlich auch darum, dass in so einer Straße, die total zentral
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ist, wo eigentlich auch alle hingucken könnten, da sind die Häuser leer.
0:33:55–0:33:59
Und da hat jemand dann eben so eine Frau festgenommen und in so einen Raum gesteckt
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und mit Video überwacht.
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Und brauchen wir jetzt gar nicht ins Detail gehen. Aber diese Tatsache,
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dass wirklich in der Innenstadt verrottete Straßen waren,
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wo, es ist jetzt auch nicht unendlich viele verrückt, aber es war wirklich so
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ein Bild mit diesen Taxis, die da so durchfahren, da kommt sonst keiner mehr durch.
Florian Clauß
0:34:17–0:34:20
Und kannst du sagen, warum sich das so in Manchester entwickelt?
0:34:20–0:34:24
Weil es gab ja dieses Shrinking City Phänomen,
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das ist ja dann in Amerika zum Beispiel mit Detroit Rückgang der Autoindustrie
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und so weiter, Was dann halt auch in der Innenstadt quasi dann halt ausgelöst hat,
0:34:33–0:34:37
dass da alles an Infrastruktur mehr oder weniger dann zusammengebrochen ist
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Ende der 90er, Anfang der 2000er.
0:34:40–0:34:43
Weißt du, was das in Manchester war?
Micz Flor
0:34:43–0:34:47
Für Manchester kann ich da weniger dazu sagen, als vielleicht für Liverpool.
0:34:47–0:34:52
Und da kann ich, obwohl ich da mal so einen selbstfinanzierten kurzen Dokumentarfilm
0:34:52–0:34:55
zugemacht habe, den kann ich ja mal online stellen, kannst du verlinken.
0:34:55–0:35:01
Der hieß Europe on your doorstep, also EU Europe on your doorstep für Liverpool.
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Vor dem Hintergrund, dass damals unfassbar viele EU-Gelder in so europäische
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Randbereiche gefallen sind, eben nach Liverpool,
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Manchester oder in Österreich auch, zur Grenze nach Ungarn, da sind ganz viele
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Gelder reingepumpt worden, um diese Gegenden zu entwickeln.
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Und bei Liverpool weiß ich, dass Liverpool in seiner Geschichte das Innenstadtzentrum
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immer mehr entleert wurde,
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denn nur Shopping Mall wurde und vor allen Dingen so ein kleiner Ring von semi-industriellen
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oder Lagerräumen oder so Red Brick Sachen, die nicht konvertiert wurden in Apartments,
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wie das dann später gemacht wurde.
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Das waren einfach so, ja teilweise so Fabrik, Lagerräume, schöne Häuser.
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Und erst dahinter ging es dann wieder los, dass die Leute im Terrace-Housing,
0:35:50–0:35:55
jede Familie oder ihr Mensch hat ein Haus und dahinter ein Garten entwickelt wurde.
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Das Geist zwischen der Innenstadt selbst und den Wohnbereichen war so entleerte
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Orte, die dann potenziell eben auch als gefährliche Orte wahrgenommen wurden.
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Und in Liverpool war es interessant, deshalb habe ich dieses kurze Filmchen
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dazu gemacht, weil da so was versucht wurde, was auch gut geklappt hat.
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Die hatten Culture-Led Urban Redevelopment, also mit Kultur.
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Wir haben versucht, sehr stark in Kultur zu investieren, in diese Bereiche,
0:36:27–0:36:30
Ausstellungsräume zu bauen dort, Ausstellungen, Veranstaltungen zu machen,
0:36:30–0:36:37
um dann Cafés anzulocken und immer mehr diese Grauzone, um diesen Innenstadtbereich
0:36:37–0:36:39
dann wieder zu entwickeln.
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Und in Berlin kannte man das ja auch ein bisschen, so diese Zwischennutzungsprojekte.
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Zwischennutzung war ja das damals das Wort.
Florian Clauß
0:36:45–0:36:50
Das hatten wir ja auch dann. Das sind halt so Ateliers und Radio-Kollektive.
Micz Flor
0:36:50–0:36:55
Radio-Kollektive, Convex-TV und so. Aber auch heute noch denke ich das immer,
0:36:55–0:36:59
wenn du da bei der Bernauer Straße bist und dann den Südwedding siehst,
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der direkt vor der Mauer war.
0:37:01–0:37:07
Dass es da immer noch ganz viele kleine Räume gibt, die halt leer sind oder
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wo nichts wirklich greift.
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Und die Idee, dass da was greift, dann kommen wir wieder zurück zu Word,
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aber es war die zweite Sache, wo du gesagt hast, wie dieses Virtual die reale Stadt auch verformt.
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Die Tatsache, dass jetzt auch in solchen Bezirken, wo früher dann so Läden hätten
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vielleicht noch funktionieren können, dass es nicht mehr geht, ist halt,
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weil es Amazon gibt und ich glaube mehr oder weniger zeitgleich mit Jeff Noon
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Büchern hat Amazon ja auch angefangen und jetzt haben die ja hier auch in der
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Warschauer Straße diesen riesen Monolith gebaut,
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der da so steht und der, ich weiß nicht, ob der von Anfang an so aussehen sollte wie was Böses.
Florian Clauß
0:37:43–0:37:44
Wie Minecraft.
Micz Flor
0:37:44–0:37:49
Ja, das sieht so ein bisschen aus, als ob Berlin ist so mit Lego gebaut und
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Amazon haut halt mit Duplo so nach Haus rein.
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Das ist halt falsch skaliert. Es ist einfach viel zu groß.
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Immer wenn du das Ding siehst, denkst du, es ist viel...
0:37:59–0:38:02
Viel näher, als es dann eigentlich doch ist, weil es so groß ist.
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Und dieses Amazon auch dafür gesorgt hat, dass solche Sachen wie diese kleinen
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Läden einfach nicht mehr funktionieren. Das geht einfach nicht mehr.
Florian Clauß
0:38:08–0:38:13
Die Shopping-Malls machen zu. Das ist auch wieder so das Beispiel dafür,
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dass dann quasi in einer virtuellen Struktur die Realität dann so nachhaltig
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beeinflusst wird, dass die dann halt auch sich verändert.
Micz Flor
0:38:22–0:38:25
Und da, wo du vielleicht früher im Laden drin gewesen wärst,
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um etwas zu kaufen, und ich möchte das gar nicht da kulturpessimistisch klingen,
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aber mir fehlt das manchmal, dass man nicht mehr wohin geht und Sachen ausprobiert,
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sondern eher zweimal Dinge bestellt und eins zurückschickt.
0:38:37–0:38:40
Aber im Zweifelsfall sitzt du an deinem Handy in einem Café,
0:38:40–0:38:44
was genau so ein Laden gewesen wäre, weil es nur noch Cafés gibt,
0:38:44–0:38:47
die überleben und du sitzt an deinem Handy im Café, um was zu bestellen,
0:38:47–0:38:48
was dann zu dir gebracht wird.
Florian Clauß
0:38:49–0:38:55
Ja, deswegen gibt es über Cafés und koreanische Chicken irgendwelche Essenssachen,
0:38:55–0:38:59
die dann halt auch dich mit essen, Was willst du sonst in der Innenstadt haben?
Micz Flor
0:38:59–0:39:00
Es ist nicht mehr viel los.
Florian Clauß
0:39:01–0:39:02
Ja, außer quasi...
Micz Flor
0:39:02–0:39:06
Okay, aber es klingt halt so pessimistisch. Weg davon.
Florian Clauß
0:39:06–0:39:11
Es blüht. Dieses Manchester, das dann auch,
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so wird es auch ein bisschen, wenn man dann halt über Jeff Noon liest,
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war ja dann Verkäufer, Buchverkäufer, hat nebenher dann nachts seine Bücher
0:39:20–0:39:22
geschrieben und kommt aus dieser ganzen
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Rave-Kultur, also was auch wohl in Manchester dass er sehr stark war.
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Das war halt irgendwie so in den 90er-Jahren dann und natürlich Drogen und England.
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Also ich glaube, das hat sich dann noch mal ziemlich potenziert an der Stelle.
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Und da möchte ich jetzt auch noch mal auf Convex TV zu sprechen kommen,
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weil das habe ich auch in der Vorbereitung zu dieser Folge gehört.
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Es gibt ein ganz tolles Interview von Martin mit, also Martin Conrad,
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der dann auch bei Convex TV mitgearbeitet hat, der Jeff Noon interviewt hat.
0:39:55–0:39:59
Und ich habe es jetzt gehört, ich finde es immer noch super,
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also dieser Text von Martin und auch das Interview ist total spannend,
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kann ich auch nochmal verlinken, kriegt man ein bisschen mehr Hintergrund.
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Und er macht dann auch eine Wortspielerei mit Manchester, nämlich so Macechester, Madchester.
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Das ist halt so Manchester, das Labyrinth, was dann halt wieder so zu Pollen passt.
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Weil Pollen, es ist ja ein großes Labyrinth, wie sich dann diese Schattenwelt
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mit der anderen Welt, mit der Pollenwelt, die Wörtwelt, wie sich das vermischt.
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Wie dann halt so Pfade, dann halt verschlungene Pfade dann zwischen den Welten gefunden werden.
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Das ist ja alles auch in dieser Stadtarchitektur, Landschaft so eingeschrieben.
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Deswegen Maze und MAD, weil es halt alle kippen so ab, alle sind so im Rauschzustand
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und alles wird verrückt.
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Also im wahrsten Sinne des Wortes.
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Also es ist ein schöner Text.
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Das ist glaube ich so die Natur von, also ne, nicht die Natur aber das ist so
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das, was Manchester so ausprägt wo ich halt nicht so viel zu sagen kann ich
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glaube das ist einfach so deine du hast so eine Zeit lang gelebt, du hast ja dieses,
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Manchester dann auch ein bisschen so kennengelernt, ich glaube das ist so die
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Erfahrung, die ich dann vielleicht mit so diesen ganzen Leerständen dann hier
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im Osten gehabt habe was dann auch so eine völlig irreale Welt war da.
Micz Flor
0:41:23–0:41:29
Ja und ganz so, also in Berlin in Ostberlin, dann kenne ich auch erst seit,
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96 dann. Und da waren natürlich schon viele entwickelt, aber das war trotzdem
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einfach nochmal extremer.
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Aber Manchester ging so ein bisschen in die Richtung.
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Also diese, was man dann immer so historisch beschreibt, diese Thatcher-Era,
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die halt die Gewerkschaften zerstören wollte und die halt dann die Liverpool-Docs geschlossen hat.
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Und das ist jetzt, weiß ich nicht genau, historisch akkurat oder nicht,
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aber so wird es kulturell mir da geimpft, als ich da war, dass das den Norden abgehängt hat.
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Und zum Beispiel auch bis hoch nach Schottland. Also Glasgow hatte während des
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Zweiten Weltkriegs noch über die Kriegswirtschaft, über den Bau von Schiffen,
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noch so ein Pseudo hoch, aber war eigentlich schon lange wirtschaftlich im Decline.
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Da ging es einfach in England the North, ja, war,
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wirtschaftlich irgendwie abgehängt und das sollte dann dem sollte entgegen
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gearbeitet werden das hat dann auch irgendwie geklappt also das ist
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jetzt einfach anders da oben in den 90er jahren auch schon und das was du meintest
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noch ganz kurz diese rave zeit das war so später 80er anfang 90er die hacienda
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das war dann als ich da war auch schon irgendwie fühlte sich das eher schon
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so ein bisschen anders ob man da was sich anschaut was eigentlich vergangen war,
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dieser aufbruch war schon längst vorbei aber.
Florian Clauß
0:42:50–0:42:54
Es gab damals also Also da zu der Zeit war halt Oasis versus Blur,
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beides Bands, die aus Manchester kommen.
Micz Flor
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Blur ist London, glaube ich. Blur ist London, ich weiß nicht.
Florian Clauß
0:43:00–0:43:01
Beide werden hinlässt.
Micz Flor
0:43:01–0:43:04
Und Oasis ist aus Wigan, glaube ich.
Florian Clauß
0:43:04–0:43:08
Aber Oasis war dann halt auch eher so diese proletarische Arbeiterband.
Micz Flor
0:43:09–0:43:09
Genau.
Florian Clauß
0:43:10–0:43:12
Ja gut, ich habe es gehört, aber ich war jetzt nicht so...
Micz Flor
0:43:12–0:43:14
Das ist ja gar nicht deine Musik, oder?
Florian Clauß
0:43:14–0:43:15
Du bist ja Elektro.
Micz Flor
0:43:15–0:43:21
Techno und so. Das ist eine Sache, wo wir, glaube ich, nie zusammenkommen werden.
Florian Clauß
0:43:22–0:43:27
Wir sind jetzt hier auf den, also das finde ich auch lustig,
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weil hier waren wir früher oft, das ist schön ein Brunnen in dem Volkspark Friedrichshain.
Micz Flor
0:43:33–0:43:35
Kommt da ein bisschen aus der Erinnerung hoch hier.
Florian Clauß
0:43:35–0:43:39
Ja, das war so in den 90ern, da haben wir einen schönen Brunnen,
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hat Schnitzel gegessen mit Kartoffelsalat und Gurkensalat.
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Und wir hatten ja schon erklärt, das letzte Mal, als wir hier oben waren,
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hier sind auch gesprengte Flak-Türme.
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Und es gibt hier einen großen Bunkerberg.
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Es gibt einen großen Flakberg und einen kleinen.
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Das sind hier der große, der ist, glaube ich, so 78 Meter hoch.
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Der kleine, wo wir jetzt gerade draufsteigen, ist 63 Meter hoch.
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Das hier war so quasi der Flak-Kontrollturm.
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Hier waren die ganzen, also die Nazis haben das 41 gebaut, als abwärts für die
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Alliierten, gegen die Alliierten.
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Und der kleine Flak-Turm war der Kontrollturm, wo dann halt diese ganzen Sonare
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dann halt irgendwie die abgeräumt haben und der große, da waren halt die elf Geschütze drauf.
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Als der gesprengt wurde, der konnte nicht komplett gesprengt werden,
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ist einfach in zwei Hälften auseinandergefallen, wurde dann halt aufgeschüttet mit Schutt.
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Und man muss halt auch diese Brutalität des Krieges, Am Ende,
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als klar war, dass die Nazis eh alles verloren haben und Bach runtergeht,
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haben die noch irgendwie...
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16-jährige Schüler hier rekrutiert, die dann die Flax dann, und die waren halt,
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das war ein Todesurteil.
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Ja, gleichzeitig haben dann hier über 3000 Trümmerfrauen dann einfach bis in
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den 50er herein diese Schuttberge da abgetragen und diese, hier diese Berge aufgehäuft.
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Ja, und die Vorstellung, dass dann halt irgendwie eine Frau ihren Sohn verloren
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hat und dann als Trümmerfrau dann halt hier das Begräb, Das ist eine Brutalität,
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auch hier in diesem Park drin.
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Und der kleine Flackturm, der ist komplett gesprengt worden.
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Also hier im Prinzip dieses ganze Stahl und Beton.
Micz Flor
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Und hier oben, weil du sagst, es ist zerfallen, das kann man noch sehen hier
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oder war es dann zugedeckt?
Florian Clauß
0:45:41–0:45:46
Nee, das war alles zugedeckt und dann begrünt. Also komplett begrünt, ja.
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Genau, hier nochmal so eine kurze Stadtgeschichte. und wir gehen jetzt noch
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weiter hoch zu dem Kleinen.
Micz Flor
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Ich mache auch noch eine ganz kurze Fußnote dazu, weil hier ist ja der Weg hoch
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zu deiner chinesischen Drei-Filme-Folge, ne?
Florian Clauß
0:46:02–0:46:06
Ne, ich glaube, wir waren auf den Großen. Wir waren auf den Großen,
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da sind wir kurz hochgegangen und wieder runtergestiegen und ich wollte jetzt mit dir auf den Kleinen.
Micz Flor
0:46:12–0:46:16
Ja, dann habe ich das verwechselt, aber trotzdem mein Input funktioniert,
0:46:16–0:46:19
glaube ich, weil als wir auch da drüben waren, schon jetzt hier hochgehend,
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habe ich dann natürlich wieder Erinnerungen an diese Folge wirklich auch gehabt,
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aber auch gemerkt, dass es trotzdem detached ist von dem jetzigen Erleben.
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Näher an der... also es war noch kälter. Es war noch nicht grün.
Florian Clauß
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Keine Blumen, es war richtig kalt. Es war direkt nach der Berlinale, es war Schnee.
Micz Flor
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Es sind nur ein paar Wochen dazwischen, aber es ist trotzdem qualitativ anders.
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Es hat mich erinnert, um zu dem Thema nochmal zu kommen, es gab so das Lernen, Denken, Vergessen.
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Also in dieser Sache gab es auch eine Zeitlang so eine Forschung,
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die versucht hat, wie wichtig der Kontext ist zum Lernen. Und da haben die dann
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zum Beispiel das Vokabellernen gemacht, clean oder bekifft.
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Oder auch, weil da stellte sich dann heraus, dass die Vokabeln,
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die bekifft gelernt hast, kannst du bekifft auch besser wieder absagen,
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als die, die du clean gelernt hast.
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Und dann hat man vermutet, na gut, da ist ja dann auch eine psychoaktive Substanz am Werk.
0:47:19–0:47:22
Das kann man nicht wirklich jetzt als eine Erkenntnis. Dann haben sie den gleichen
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Versuchsaufbau nochmal wiederholt. und haben Leute, also Taucher,
0:47:27–0:47:30
Vokabeln lernen lassen an Land und unter Wasser. Und da war das Gleiche nochmal.
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Das heißt, der Kontext dann auch abhängig ist davon.
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Ich habe jetzt bei dem Palimpset dann auch gedacht, dass wir hier zusätzlich
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zu dem einen Layer, was die Karte ist, dann aber noch qualitative Abstufung
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haben über die Jahreszeit.
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Wo dann so eine Erinnerung dann eher, ich hatte das ja glaube ich auch in der 100. Folge irgendwas.
Florian Clauß
0:47:51–0:47:56
Ja, wahrscheinlich. Vielleicht ist es dann auch gar nicht so der Ort so bestimmt,
0:47:56–0:47:57
sondern vielleicht auch wirklich so das,
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empfinden und dann die Jahreszeit, die dann halt den Ort total verändert.
Micz Flor
0:48:04–0:48:10
Es kommt, glaube ich, einfach mit dazu. Also in diesem Gemenge von örtlicher
0:48:10–0:48:14
Verankerung spielt dann aber natürlich auch zum Beispiel das Wetter eine Rolle,
0:48:14–0:48:17
was ja dann wiederum auch in der Psychotherapie oft ein Thema ist.
0:48:17–0:48:23
So Jahrestage, bestimmte Zeiten, wenn traumatisch, so, keine Ahnung,
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hat sich um Ostern rum hat man sich getrennt und jedes Jahr um die Zeit herum
0:48:28–0:48:30
kommt dieses Gefühl immer wieder hoch.
Florian Clauß
0:48:30–0:48:32
Und das ist dann.
Micz Flor
0:48:32–0:48:37
Glaube ich, nochmal so eine zusätzliche Ebene zu unserem Reflektieren über Place
0:48:37–0:48:39
Cells, Grid Cells, Border Cells.
Florian Clauß
0:48:40–0:48:40
Ja.
Micz Flor
0:48:42–0:48:43
Jo, jetzt sind wir oben.
Florian Clauß
0:48:43–0:48:44
Jetzt sind wir oben.
Micz Flor
0:48:45–0:48:47
Ist es jetzt Halbzeit für deine Folge?
Florian Clauß
0:48:47–0:48:52
Mal gucken, wie es weitergeht. Aber ich würde auch sagen, ich würde nochmal
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so ein bisschen mehr über den Roman sprechen.
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Also die Geschichte, nur so zwei, drei Aspekte.
0:49:01–0:49:05
Weil ich glaube, dass jetzt mit den Taxi, die Karte, die Topografie,
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die Hegemonie, die sich dann in so einem virtuellen Raum dann,
0:49:09–0:49:11
das war mir ja nochmal wichtig, dann halt das
0:49:11–0:49:16
festzustellen, das Virtuelle, das ist ja das, was auf einmal,
0:49:17–0:49:19
für mich so unverständlich wird.
0:49:19–0:49:24
Das ist vielleicht auch der Punkt, wo man so, ich weiß nicht,
0:49:24–0:49:27
ob sich das so tatsächlich die ganze Zeit so übertragen lässt.
0:49:27–0:49:32
Aber wenn du dir vorstellst, diese Frage von Macht und Ordnung.
0:49:33–0:49:37
Macht und Ordnung ist in einer geordneten Welt, da gibt es keine Drogen.
0:49:38–0:49:45
Drogen sind dann eher so die Sachen, die die Macht oder die Ordnung disruptiv da wirken, zersetzen.
Micz Flor
0:49:45–0:49:46
Wie kommst du auf Drogen jetzt?
Florian Clauß
0:49:47–0:49:52
Drogen wegen Wörth, wegen diesen Federn. Das ist dann diese Pollenwelt,
0:49:52–0:49:57
die eindringt. der Pollen, der dann invasiv dann die andere Welt bepflanzt.
0:49:57–0:50:02
Und die Menschen dann eben sich zu Tode niesen, ja, auf der einen Seite,
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aber gleichzeitig so in rauschhaften, ekstatischen Zuständen.
0:50:05–0:50:09
Und wenn du jetzt aber dir anguckst, wie hat sich denn momentan so diese Welt
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entwickelt, diese Ideen von Bitcoin, von dieser Big-Tech-Finanz und so.
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Und die sind jetzt alle auf Droge, ja.
0:50:16–0:50:20
Diejenigen, die unsere Welt dann halt so maßgeblich gerade die Realität bestimmen,
0:50:21–0:50:23
sind völlig aus dieser virtuellen Welt.
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Aber auf einmal ist das die Macht, die dann halt so was, ne.
0:50:26–0:50:29
Aber das ist jetzt sehr polarisiert gesprochen.
0:50:29–0:50:33
Aber wenn du dir so einen Elon Musk und was er mit Dodge gemacht hat,
0:50:33–0:50:37
und voll auf Ketamin und was er da alles noch für Drogen selber konsumiert.
0:50:37–0:50:41
Und diese ganze Bitcoin-Blase, die Leute, die dann halt irgendwie so die Oligarchen
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des Westens, die dann jetzt aber so diskursiv unsere ganze Lebenswelt bestimmen
0:50:47–0:50:49
und unsere ganze Filmwelt und so weiter.
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Wie die jetzt dann, also das ist auch so eine Umkehr.
0:50:53–0:50:58
Und das ist was bei Pollen dann in diesem Retrospektiv geschaffen wurde,
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wo dann halt von den Schattenkriegen gesprochen wird.
0:51:02–0:51:06
Weil der Roman geht jetzt nicht so aus, dass das halt irgendwie aufgelöst wird
0:51:06–0:51:10
und das Gute besiegt das Böse, sondern die Figur der Sibyl,
0:51:10–0:51:14
da kommt nochmal so dieser ganze andere Strang raus, die geht dann halt quasi
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ins Wörter rein und da kommt Persophene raus,
0:51:18–0:51:20
ja, Persophene ist dann halt quasi auch Demeter,
0:51:21–0:51:23
also da hast du diese ganzen Mythen, die dann auf einmal da,
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und sie ist diejenige, also die steht für...
0:51:27–0:51:31
Natur, Gewalt und Tod, ja. Sie
0:51:31–0:51:35
muss dann halt auch über den Sticks und es gibt den Hades und so weiter.
0:51:36–0:51:39
Diese ganze mythologische Toten wird dann halt auch da ausgeschlachtet.
0:51:39–0:51:43
Und wenn man das auch vergleichst mit irgendwelchen Filmen und so weiter,
0:51:43–0:51:46
wo dann halt auch solche mythischen Sachen so reaktiviert werden.
0:51:46–0:51:49
Das ist ja auch gerade hier Stranger Things, das ist ja im Prinzip auch,
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es gibt eine Upside-Down-World und es gibt auch, wenn die in der Unterwelt sind,
0:51:53–0:51:55
dann ist auch alles so mit Pollen durchsetzt, ja.
Micz Flor
0:51:55–0:51:59
Ja, ich muss immer, das war auch jetzt bei der letzten Folge,
0:51:59–0:52:02
habe ich es vergessen zu erwähnen, aber Harlan Ellison und dann vor allen Dingen
0:52:02–0:52:05
Neil Gaiman hat ja diese American Gods Sache auch geschrieben.
0:52:05–0:52:07
Das gab es ja dann auch verfilmt als Serie.
0:52:07–0:52:11
So diese Idee, wo alte Mythen dann eben aber auch auf neue Mythen treffen,
0:52:11–0:52:12
die dann sich erschaffen.
Florian Clauß
0:52:13–0:52:16
Ja, und für mich war dann immer die Frage, ja, wieso diese Mythen sind doch
0:52:16–0:52:20
jetzt irgendwie von Menschenkultur selbst gemacht. Warum gibst du die dann auf
0:52:20–0:52:21
einmal als umgekehrtes Böses?
0:52:21–0:52:24
Aber wenn du dann halt die Evolution, wie sich das Wirt entwickelt hat,
0:52:24–0:52:26
ist es ja quasi aus dem Unterbewussten entstanden.
0:52:26–0:52:30
Das heißt, es ist ja dann schon so ein Archetyp von Mythos, der dann halt quasi
0:52:30–0:52:34
da rein projiziert werden kann und dann wieder so in Form von einer Gestalt zurückkommen kann.
0:52:35–0:52:38
Insofern ist das schon konsistent von der Erzählung, sag ich mal.
0:52:38–0:52:39
Kann man schon so mitgehen.
0:52:39–0:52:43
Das wollte ich nochmal so als Strang aufmachen, ohne das jetzt irgendwie aufzulösen.
0:52:43–0:52:48
Aber dieses Nebeneinander existieren, das, was wir dann jetzt eben in den Vorwort
0:52:48–0:52:52
gehört, haben, dass dieses Nebeneinander existieren, dass da jetzt quasi nur
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ein Spiegelkrieg dann ausgelöst wird.
0:52:55–0:53:01
Das heißt, es wird ein Arrangement gefunden, wie sich so beides dann halt so einpendelt.
0:53:01–0:53:05
Und da spielt halt diese Figur der Sybille eine große Rolle,
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weil sie dann als Ermittlerin zur Vermittlerin wird.
0:53:08–0:53:14
Also sie kann mit ihrer Schattenfähigkeit da auch entsprechend diplomatische
0:53:14–0:53:17
Beziehungen flechten, ja, aber ohne zu Plotzbeulen.
0:53:18–0:53:24
Und weil ich es auch selber nicht verinnere. Aber das ist so dieser Strang, der da drin steckt.
0:53:24–0:53:30
Also diese invasiven Arten der Pollen, der dann aus einer anderen Welt rüber.
0:53:30–0:53:36
Das heißt ja auch ganz viel im Zuge des Klimawandels, dass sich irgendwo Arten ansiedeln können.
0:53:37–0:53:41
Erst mal im Zuge der Globalisierung, dass sich irgendwelche Muscheln irgendwo
0:53:41–0:53:45
an irgendwelchen Schiffsrumpfen hängen und dann auf einmal in irgendeinem kleinen
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See dann in Brandenburg total massiv ausbreiten. weil die da eingeschleppt werden.
0:53:50–0:53:54
Also das ist glaube ich so. Und die andere Sache ist, dass halt durch den Klimawandel,
0:53:55–0:53:58
einfach auch so die Lebensbedingungen sich dann in den Kontinenten komplett
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ändern, wodurch dann halt quasi nicht ansässige Arten dann ausbreiten können.
0:54:03–0:54:12
Und das ist auch so Pollen, der dann halt so dieses Bedrohungsszenario dann auch so erstmal mit so.
0:54:16–0:54:20
Ausinszeniert. Auf der anderen Seite jetzt Pollen im Sinne von Pandemie.
0:54:21–0:54:25
Dieses Corona auch da mit da so als Idee drinsteckt.
0:54:25–0:54:31
Das finde ich auch krass. Also wie viele Stränge du man aus Pollen ableiten kann.
0:54:32–0:54:34
Das ist für mich total faszinierend.
0:54:34–0:54:38
Und auch visionär, was dann einfach auch Jeff Loon da geschaffen hat.
0:54:40–0:54:44
Die soziale Ungleichheit, die wir auch in einem Kastensystem drin haben,
0:54:44–0:54:49
diese Hybride, die dann halt sich in diesem Zuge entwickelt haben.
0:54:49–0:54:56
Das ist auch eine Realität, die wir jetzt angesichts von weltweiten Migrationen
0:54:56–0:55:00
aus verschiedenen, aus Krieg, aus Klima und Gründen und so weiter,
0:55:01–0:55:04
wo sich das auch alles verschiebt, wo dann halt auch so eine eigene,
0:55:04–0:55:08
ja, wo sich dann halt einfach auch so eine Klassengesellschaft dann ergibt.
0:55:09–0:55:14
Diese Welt ist ja dann auch so angeschnitten da in diesem also es sind so Aspekte
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von Cyberpunk, die da drin vorkommen ja,
0:55:18–0:55:22
also wenn du dann halt so diese Gesellschaftsform die Megacorps,
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man könnte X-Cap ist vielleicht so eine Megacorp, die dann halt,
0:55:27–0:55:29
Megacorporation, ja, wobei man auch,
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Die Industrie der Federn könnte auch eine Megacorporation sein.
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Wer stellt die Federn her? Wer bringt die im Umlauf?
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Das wird ja gar nicht so beleuchtet, aber das wäre auch nochmal so ein Gedanke
0:55:41–0:55:45
von, wie passt das jetzt in so eine Cyberpunk-Ästhetik rein,
0:55:45–0:55:48
dieser ganze Roman von Pollen.
Micz Flor
0:55:48–0:55:51
Und da finde ich es halt auch interessant, weil bei den Bildern,
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die das Lesen von nun, also vor allen Dingen in dieser Trilogie bei Automated
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Alice, ist es schon ein bisschen anders, weil das liest sich wirklich eher so
0:55:59–0:56:00
wie ein Marionettentheater.
0:56:01–0:56:13
Aber ich habe da immer nur Assoziationen Biologie und Farben und Schleim und Körper oder so.
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Also weil es ist bei vielen auch Cyberpunk Sachen geht es ja dann um das Terminal
0:56:19–0:56:20
oder so ein Device oder so.
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Bei nun habe ich kein ich weiß nicht mal wie so ein Taxi aussieht.
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Wenn ich mir so ein Taxi vorstelle von dem ich gelesen habe,
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dann war das eher so ein blupsiges gelbes Ding, was so ein bisschen wie so New
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York Taxis von Taxi Driver,
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assoziiere ich, aber die sind auch eher organisch und man hat finde ich nie
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so ein Bild, wo so knallhart Technik spürbar ist und ich finde dass das auch
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bewusst so angelegt ist, weil zum Beispiel bei Word eben diese Federn geschluckt werden.
0:56:48–0:56:53
Bei dem dritten Roman, bei Nymphomation da geht es viel um Wahrscheinlichkeit
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und Zufall und als Zeichen davon für so eine Lotterie, die vom Staat,
0:56:58–0:57:05
aufgesetzt wird, um Leute zu entdecken, die Wahrscheinlichkeiten erspüren können oder so in der Art.
0:57:05–0:57:10
Da geht es ja um Dominosteine. Also es ist nie wirklich Technik, die drin ist.
0:57:10–0:57:13
Und das, finde ich, macht es auch irgendwie so besonders, gerade eben in diesem
0:57:13–0:57:15
Science-Fiction-Rahmen.
Florian Clauß
0:57:15–0:57:20
Ja, genau. Es gibt zwar Roboter, aber die sind nicht so, also dieses Terminal,
0:57:20–0:57:26
dieses Stahl, dieses Cyber-mäßige, Was man dann so mit diesen Cyberpunk-Ideen
0:57:26–0:57:28
dann so vorstellen kann,
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das ist alles viel organischer. Es ist viel so verwachsener.
Micz Flor
0:57:33–0:57:36
Dieses Shadow zum Beispiel ist so ein gutes Beispiel, finde ich,
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weil das eigentlich erst im Horror-Genre kommen würde.
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Weil diese Shadows halt durch so große Empathiefähigkeit sich auszeichnen,
0:57:43–0:57:46
die erspüren, was die gegenüber oder was sie erleben.
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Und die können, glaube ich ja, wenn ich mich recht erinnere,
0:57:47–0:57:49
sich sogar als Shadow an andere so anklammern.
0:57:50–0:57:54
Da gibt es, glaube ich, ich glaube sogar in Pollen ist das, wo sie sich dann
0:57:54–0:57:58
mit dem Kolumbus dranhängt, also wo sie wirklich fast verschmelzen.
0:57:58–0:58:02
Und diesen Shadow, das finde ich ganz gut, war so ein essentielles Bild,
0:58:02–0:58:06
aber es hat überhaupt nichts mit Technik zu tun. Und trotzdem kann man sich so herleiten.
0:58:07–0:58:11
Es geht also schon irgendwie um Science Fiction, Science in Anführungszeichen,
0:58:11–0:58:15
weil Science ist ja vieles, aber eben nicht um diese Hard Science Fiction,
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die man so kennt und bei Cyberpunk schwappt die ja auch noch rein.
Florian Clauß
0:58:19–0:58:20
Finde ich.
Micz Flor
0:58:20–0:58:21
Also diese Idee von,
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irgendwelchen Menschen, die dann irgendwie an Geräte abgeschlossen sind,
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die wie so ein Aquarium sind, um gekühlt zu werden oder Laptops.
0:58:30–0:58:34
Aber es ist sehr stark noch an so einem Device, an der Vernetzung.
0:58:34–0:58:37
Und sowas wie ein Shadow würde dann da immer hochgeladen werden müssen.
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Da müsste über so eine Interface-Sache reinkommen. Meistens dann Glasfaserkabel.
0:58:42–0:58:45
Aber das finde ich ist bei Jeff Noon sehr anders.
Florian Clauß
0:58:46–0:58:50
Das stimmt, das stimmt. Das Interface ist nicht so klar definiert.
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Das ist halt so vieles in so einer Grauzone, wie was kommuniziert.
0:58:56–0:59:01
Während du bei so Hard-Cython oder Cyber-Packen, da ist immer irgendwie ein
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Interface, ein Terminal, wo Input-Output irgendwo definiert ist,
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was sich dann halt auch filmisch dann umsetzen kann.
0:59:07–0:59:10
Aber Shadow, ich meine auch dann nochmal dieser Strang zu Shadow,
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das was dann halt Snowden aufgedeckt hat.
0:59:13–0:59:19
Diese Schattenkabel, dass die ganzen Geheimdienste, Infrastruktur,
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Knotenpunkte, dann quasi eine ganze Infrastruktur daneben gebaut hat, um alles abzusaugen.
0:59:24–0:59:29
Also das heißt, diese Idee des Schattens, der dann halt mehr Informationen hat
0:59:29–0:59:32
und auch darüber dann halt die Macht kontrollieren kann.
0:59:32–0:59:39
Ja, diese Kooperation zwischen Polizei und Shadow, das ist ja auch da so angelegt, also das Ganze.
0:59:40–0:59:48
Das ist echt krass, dass das so alles so da mit drin hängt in dieser World-Building-Sache
0:59:48–0:59:51
von Jeff Noon, ja, oder diese, es gibt dann...
0:59:51–0:59:58
Ein Künstler, von dem habe ich, glaube ich, auch nochmal berichtet, Trevor Plakken,
0:59:58–1:00:01
ich weiß, ich kriege den Namen nicht mehr ganz hin, aber der hat zum Beispiel
1:00:01–1:00:07
auch so Satelliten beobachtet und hat dann Kommunikationssatelliten durch Langzeitbelichtung
1:00:07–1:00:11
nachgewiesen, dass daneben ein Satellit ist, den keiner verzeichnet hat.
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Und dass dieser auch dann von einem Geheimnis von der CIA betrieben wird,
1:00:16–1:00:20
der halt dann eigentlich den chinesischen Kommunikationssatelliten komplett abschneuert.
1:00:20–1:00:27
Und dann auch diese Schattenwelt, die dann auf einmal so viel mehr Informationen
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gibt und in dieser Figur des Schattens implementiert ist.
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Ich meine, diese Piraten-Sender-Geschichte, es gibt noch einen anderen Charakter.
Micz Flor
1:00:37–1:00:39
Ist das Pollen oder ist das Wörter? Ist das Coyote?
Florian Clauß
1:00:40–1:00:42
Nee, das ist so ein DJ, so ein Piraten-DJ.
Micz Flor
1:00:42–1:00:43
Der ist auch in Pollen drin.
Florian Clauß
1:00:43–1:00:47
Der ist auch in Pollen drin. Das war auch nochmal so ein spezielles 90er-Jahre-Ding.
1:00:47–1:00:52
Das Piraten-Sender, man hatte noch so eine gewisse Gegenkultur,
1:00:52–1:00:57
die die Zentralsender-Technik benutzt hat.
1:00:58–1:01:01
Also früher, es gab ja noch nicht so Internetreihe. Das war ja bei uns,
1:01:01–1:01:04
wir haben es dann halt so, jeder Sender ist ein Empfänger und so weiter.
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Das war ja für uns total das Mind-Exploding.
1:01:07–1:01:14
Ja, aber die Piraten-Sender, die haben sich ja quasi dann an so zentrale Sendemasten
1:01:14–1:01:17
angedockt, die dann halt darüber gestreamt haben, illegal.
1:01:18–1:01:21
Ja, das ist ja dann noch, du brauchst ja, das siehst du ja auch hier in Berlin,
1:01:21–1:01:23
der Fernsehturm, hier sehen wir die Spitze.
1:01:23–1:01:30
Da brauchst du halt in so einem kontrollierten System, wo es noch keine Netzwerkinfrastruktur
1:01:30–1:01:34
gibt, brauchst du halt einen zentralen, der halt für alle sichtbar und der halt
1:01:34–1:01:36
irgendwie das Signal ausstrahlen kann.
1:01:36–1:01:41
Und das ist natürlich viel schwieriger, zentrale Systeme von der Infrastruktur
1:01:41–1:01:45
zu korrumpieren, als jetzt dezentrale Systeme, weil du halt die Knoten dann
1:01:45–1:01:50
besser angreifen kannst. Also so ein bisschen so diese Map von Hegemonie.
1:01:51–1:01:55
Wer hat die Macht? Wo sind die Knoten? Ja, das ist in der Stadtlandschaft dann
1:01:55–1:01:58
wieder der Fernsehturm, der sich da historisch entwickelt hat.
1:01:59–1:02:03
Im Netz sind es dann halt auch so die... Ja, es ist so ein bisschen so,
1:02:03–1:02:08
das, was dann die Ordnung bringt, bringt halt auch immer eine geordnete Oberfläche.
1:02:08–1:02:13
Das ist ein bisschen so, da muss ich auch in einer anderen Folge anknüpfen von
1:02:13–1:02:18
mir, nämlich über Zabrisky Point, wo ich so ein bisschen den Exkurs,
1:02:18–1:02:23
und bei Theorema auch, den Exkurs über diese Wüste gemacht habe.
1:02:23–1:02:27
Weil zum Beispiel, ich hatte es dann auch nur genannt als Referenz.
1:02:28–1:02:31
Gutari und Deleuze haben ja dann auch...
1:02:31–1:02:39
Viel über so die Wüste geschrieben. Was die Wüste ist, ist quasi ein glatter Raum.
1:02:39–1:02:43
Ein glatter Raum, der wird besiedelt von Nomaden, hat keine Oberfläche,
1:02:43–1:02:45
es ist kein Hegemon drin.
1:02:45–1:02:50
Das heißt, dagegen steht der geordnete Raum, der strukturierte Raum,
1:02:51–1:02:55
der im Prinzip dann eine Struktur mit sich bringt und nicht mehr glatt ist.
1:02:55–1:02:56
Und die sind in Konkurrenz.
1:02:56–1:02:59
Das ist halt so, also ich kriege es nicht mehr ganz zusammen,
1:02:59–1:03:04
Aber das ist so diese Struktur, die wir auch bei Pollen dann haben,
1:03:04–1:03:06
nämlich diesen glatten, diesen
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Pollenraum, der dann in die geordnet und es vermischt sich alles so.
1:03:10–1:03:15
Es gibt dann halt so eine Strukturauflösung irgendwo und der Hegemon ist dann
1:03:15–1:03:20
halt nicht mehr irgendwie verortenbar, sondern der ist irgendwo in der Struktur
1:03:20–1:03:23
drin und der muss ja erstmal dann ausfindig gemacht werden.
1:03:23–1:03:28
Bei Polen ist ja die Macht, die kehrt sich irgendwo um.
1:03:28–1:03:31
Die Polizei ist machtlos teilweise.
1:03:31–1:03:35
Es gibt Tote und so weiter. Das heißt, man muss sich erst mal irgendwo finden,
1:03:35–1:03:38
wie man dieses Chaos auflösen kann.
1:03:39–1:03:43
Und das ist so diese Verhandlung, diese Zwischenphase. Es ist ja quasi dieses,
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wo der Stadtplan im Beschreiben sich selber ist.
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Das heißt, der muss sich selber erst finden, bevor er existiert.
1:03:52–1:04:00
Und das ist ja so dieses, was dann halt eine Form der Aktivität ist.
1:04:00–1:04:06
Und nicht des Gesetzten. Weil eigentlich sollte ja quasi der Stadtplan nicht
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irgendwie sich selber beschriften können.
Micz Flor
1:04:07–1:04:08
Ja.
1:04:08–1:04:13
Ja, ist interessant, was du sagst. Erinnert mich gerade noch an einen Chaosmagier.
1:04:13–1:04:14
Hatten wir auch noch eine Folge.
1:04:14–1:04:16
Beziehungsweise jemand, der auch aus diesem magischen Hintergrund kommt.
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Lionel Snell ist ein Brite.
1:04:19–1:04:23
Und der hat sich, da habe ich den anderen Namen vergessen.
1:04:23–1:04:27
Da ist die Idee, dass es halt dieses Chaos gibt. Chaos, alles irgendwie Chaos
1:04:27–1:04:29
und einfach nicht greifbar. Da kann man gleich nochmal reden.
1:04:30–1:04:34
So ein bisschen auch vielleicht so eine halbe Referenz dann.
Florian Clauß
1:04:35–1:04:37
Zum Chaos Magie?
Micz Flor
1:04:37–1:04:41
Nee, eher zum Unbewussten nach Lacan dachte ich gerade. Mal gucken, ob es da hingeht.
1:04:43–1:04:47
Aber die Idee da war, es gibt dann so Reality Tunnels. Das heißt,
1:04:47–1:04:49
durch dieses wirre Zeug durch,
1:04:50–1:04:54
man sich so einen Reality Tunnel und da gibt es halt unterschiedliche Reality Tunnels.
1:04:54–1:04:59
So eine Biene sieht was anderes als wir, aber auch die Menschen in ihrem upbringing
1:04:59–1:05:03
oder vielleicht auch da wieder die Jahreszeit macht einen anderen Reality Tunnel auf,
1:05:03–1:05:05
aber auch dein Alter macht einen anderen Reality Tunnel auf,
1:05:05–1:05:13
wenn du 17 bist und hast du anderen Reality Tunnel in diesem Chaos der Welt, als wenn du,
1:05:14–1:05:16
keine Ahnung, so alt bist wie wir. Das sieht halt anders aus.
1:05:17–1:05:21
Das ist jetzt ganz grob nur angefasst, diese Idee, aber worauf ich hinaus wollte,
1:05:21–1:05:27
ist, dass Lionel Snell dann spekuliert, dass wenn man das mal so durchdenkt,
1:05:27–1:05:32
dann ist das Chaos, durch das diese Tunnel von Ordnung entstehen.
1:05:33–1:05:35
Also Ordnung bedeutet ja immer, dass die Dinge voneinander getrennt sind,
1:05:36–1:05:39
dass man die dann auch miteinander in Beziehung setzen kann oder eben diese
1:05:39–1:05:42
Taxis, die sind ja voneinander getrennt und durch ihre Bewegung entsteht dann
1:05:42–1:05:46
in dem Raum diese Karte und das Chaos muss dann eigentlich der Zustand sein,
1:05:46–1:05:48
in dem alles mit allem verbunden ist.
1:05:49–1:05:54
Also es ist kein Chaos, in dem einzelne Teilchen nicht sortiert sind,
1:05:54–1:06:00
sondern Chaos in diesem chaosmagischen Denken ist dann einfach eher sowas wie
1:06:00–1:06:04
der Moment der Singularität des Big Bangs. Also es gibt noch gar nichts.
1:06:04–1:06:11
Es gibt nichts außer eben und diese Idee zum Beispiel von der Word-Karte entsteht dann.
1:06:11–1:06:16
Es ist so eine Mischform. Es ist alles möglich, jede Bewegung ist möglich,
1:06:16–1:06:19
aber es gibt eine Ordnung. Die Ordnung wird aber nicht durch die Häuser beschrieben,
1:06:19–1:06:23
die die Straßen flankieren, sondern durch die Bewegung des Taxis dadurch.
1:06:23–1:06:27
Also irgendwie so auf der halben Ebene zwischen dem starren Universum,
1:06:28–1:06:34
das geordnet ist und wo man so ein Screenshot machen kann von oder so eine Drohne,
1:06:34–1:06:36
ein Foto machen kann und diesen sich bewegenden Taxinetz.
1:06:37–1:06:41
Und das geht dann eben in Richtung von diesem in Anführungszeichen Chaos,
1:06:41–1:06:44
wo alles mit allem verbunden ist und gar keine Ordnung existiert.
1:06:44–1:06:46
Das hat gerade nochmal so angestoßen.
Florian Clauß
1:06:46–1:06:50
Ja genau, das ist glaube ich so das, was für mich das dann auch so,
1:06:51–1:06:57
So fasziniert an dem Roman, also wie, was ich schon sage, was da für Ideen angetriggert sind.
Micz Flor
1:06:57–1:07:00
Eine Idee aus Pollen, ich glaube, das war ein Pollen, wo das Buch war,
1:07:01–1:07:09
wo irgendwie gesagt wurde, Pollen sind Pflanzen, wo die Pflanze versucht,
1:07:09–1:07:10
mit deiner Nase Sex zu haben.
1:07:11–1:07:14
Ich glaube, das ist in dem Buch drin oder ich weiß nicht, wo ich es sonst wäre,
1:07:14–1:07:17
aber ich finde, das ist ein sehr gutes Bild, weil das ist ja wirklich auch die
1:07:17–1:07:20
allergische Reaktion. Es geht ja viel eben auch um die Krankheiten,
1:07:20–1:07:22
die entstehen durch den Pollen in den Menschen.
1:07:23–1:07:27
Und die Idee, warum das so invasiv ist oder warum es das halt so bedrängen kann,
1:07:27–1:07:30
ist, weil die Pflanze möchte mit uns Sex haben in der Nase.
1:07:30–1:07:32
Und das soll nicht passieren und schon gar nicht da.
Florian Clauß
1:07:33–1:07:36
Ja, vielleicht auch abschließend kann man ja auch mal so ein bisschen überlegen,
1:07:37–1:07:42
wie sich das jetzt auch in irgendwelchen Werken,
1:07:42–1:07:47
jetzt im Filmbereich und Serienbereich, wie dann so diese Ideen von Jeff Noon
1:07:47–1:07:52
dann sich weiterentwickelt haben und was das da für Filme aus den einzelnen Bereichen gibt.
1:07:53–1:07:57
Also mir würde jetzt spontan zu diesem Pandemischen, was du sagst,
1:07:57–1:08:02
so der Pollen dringt ein, hat man auch schon drüber gesprochen, dieses Annihilation,
1:08:02–1:08:08
das ist ja auch so eine Welt, so eine Stalker-Welt, wo dann halt Gesetze existieren,
1:08:08–1:08:12
die erstmal nicht schlüssig sind und das bestimmte Eingeweidete und das bestimmte
1:08:12–1:08:15
Mischformen dann erscheinen.
1:08:15–1:08:21
Und es muss dann irgendwie so am Ende diese Zentrale, dieser Raum,
1:08:21–1:08:24
ich kriege es auch nicht mehr zusammen, aber das wäre so eine Anilätschöre.
Micz Flor
1:08:24–1:08:28
Genau, es gibt diesen Raum, aber ich kann das gar nicht so gut damit verbinden,
1:08:28–1:08:31
weil ich hatte bei dem Film immer das Gefühl, dass zum Beispiel der Bär,
1:08:31–1:08:35
der aus Pflanzen gemacht ist, die da so entstehen, das entsteht eher so,
1:08:35–1:08:39
so als ob der Raum fast schon so eine Pan-Psychist-Idee.
1:08:39–1:08:43
In dem Raum müsste jetzt irgendwie ein Bär sein, aber diesen Bär gibt es nicht.
1:08:43–1:08:46
Aber der Raum selbst schafft dann aus dem, was im Raum verfügbar ist,
1:08:46–1:08:48
so diesen Bär, als ob das so hergestellt wird.
1:08:49–1:08:53
Und so hatte ich das eher wahrgenommen in dem Film, dass da Formen entstehen
1:08:53–1:08:56
aus der Notwendigkeit, eine Möglichkeit zu füllen.
1:08:57–1:09:02
Und eine wie auch immer geartete, nicht messbare Kraft schafft dann auf einmal
1:09:02–1:09:09
eben Leben aus Totem und Tiere aus Pflanzen oder so. Also das würde ich da gar nicht so...
Florian Clauß
1:09:09–1:09:16
Ich meine, aber das trägt ja auch schon von der Ästhetik, von der Geschichte,
1:09:17–1:09:19
so ein bisschen diesen Pollenspirit da mit rein.
Micz Flor
1:09:20–1:09:24
Ich würde eher fragen, warum, weißt du, Jeff Noon ist nämlich auch so jemand,
1:09:25–1:09:30
wo diese ganzen Bücher für Filme angedacht waren und das ist nicht passiert.
1:09:30–1:09:31
So wie in der letzten Folge mit Dan Simmons.
1:09:32–1:09:35
Also auch Jeff Noon würde sich vielleicht auch freuen, wenn er immer noch Geld,
1:09:35–1:09:39
ich weiß gar nicht, wie der finanziell gerade dasteht, weil nach Automated Alice
1:09:39–1:09:42
kam dann, glaube ich, noch ein Buch Needle in the Groove.
1:09:42–1:09:48
Auf jeden Fall ist das bei dem Jahr ganz unerwartet. Und ich weiß nicht...
1:09:48–1:09:53
Du da vielleicht was zu weißt. Ich meine mich zu erinnern, dass er die ersten
1:09:53–1:09:58
Bücher auch immer mit viel Alkoholkonsum geschrieben hat und dann irgendwann gemerkt hat,
1:09:58–1:10:02
dass er ein Problem hat mit Alkohol und dann nicht mehr kreativ war.
1:10:02–1:10:04
Ja, das möchte ich jetzt nicht so in den Raum stellen.
1:10:04–1:10:08
Jetzt habe ich es halber in den Raum gestellt, aber ich hatte das irgendwo mal
1:10:08–1:10:14
in einem Interview mit ihm gelesen und die Bücher danach, die packen einfach nicht mehr so.
Florian Clauß
1:10:14–1:10:20
Ich glaube, dass er auf der einen Seite, weil er ist ja wirklich so von den
1:10:20–1:10:23
Ideengebern, was da drin steckt, das habe ich ja so ein bisschen versucht herzuleiten,
1:10:23–1:10:27
das ist ja wirklich auf einer Stufe mit Philip K.
1:10:28–1:10:31
Dick oder mit den ganzen anderen großen Science-Fiction-Autoren,
1:10:31–1:10:36
kann man ja Jeff Noon da hinstellen, aber gleichzeitig ist der nicht so bekannt.
1:10:37–1:10:42
Pixel Juice, diese Kurzgeschichten von ihm, die sind auch großartig.
1:10:42–1:10:48
Da steckt auch wieder so viel drin und viel näher an unserer Zeit heute als
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andere das gemacht haben.
1:10:49–1:10:53
Also Ted Chung ist ja auch so einer, der Kurzgeschichten für die geschrieben
1:10:53–1:10:55
hat und auch viel mit Referenzen und so weiter.
1:10:56–1:10:59
Aber ich finde, Jeff Nu kommt da nochmal ein Stückchen näher dran,
1:10:59–1:11:01
aber gleichzeitig ist er viel unbekannte.
Micz Flor
1:11:01–1:11:06
Aber ich glaube, das liegt einfach auch an dem relativ geringen Output.
1:11:06–1:11:10
Also die Bücher, die viel verkauft wurden. Philipp Kedick, jeden Flohmarkt,
1:11:10–1:11:14
wo du hingehst, jede Buchkiste zu verschenken, die halt irgendwo von der Tür
1:11:14–1:11:18
steht, in bestimmten Bezirken, wahrscheinlich nicht in Aber immer hast du irgendwie
1:11:18–1:11:19
einen Philip K. Dick in der Hand.
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Das ist einfach unfassbar viel rausgepumpt worden.
1:11:25–1:11:27
Und da kommt man dann rüber und dann halt die Kurzgeschichten,
1:11:27–1:11:31
die werden jetzt verfilmt und sind da Vorlagen für irgendwelche Spin-Offs,
1:11:31–1:11:35
die jetzt dann da, keine Ahnung, wie heißt nochmal Dark Mirror oder wie heißt das nochmal?
Florian Clauß
1:11:35–1:11:36
Black Mirror.
Micz Flor
1:11:38–1:11:44
Und bei nun, da gibt es halt irgendwie vier Bücher, die sich recht gut verkauft haben.
1:11:45–1:11:48
Und dann hinten raus wirklich nur noch E-Books. Also er hatte gar nicht mal,
1:11:49–1:11:50
glaube ich, Print on Demand.
1:11:50–1:11:55
Und dann war der irgendwie weg. Und dann fehlt vielleicht auch einfach die Masse.
Florian Clauß
1:11:56–1:12:01
Vielleicht auch, weil er sich nicht so eindeutig dem Genre zuordnen lässt.
1:12:01–1:12:05
So wie du sagst, das ist halt alles so ein bisschen Wiggling Things.
1:12:06–1:12:09
Also alles so ein bisschen in between. aber nichts irgendwie,
1:12:09–1:12:14
dass er dann nicht eindeutig dann halt quasi in dem Science-Fiction-Genre da zuordnen war.
1:12:15–1:12:19
Es ist dann nicht eindeutig History, nicht eindeutig Mystery und so weiter.
1:12:19–1:12:24
Das ist, glaube ich, die eine. Dann ist das auch, glaube ich, von der Sprache her.
1:12:24–1:12:32
Er ist, glaube ich, also auf der einen Seite ist er dann halt sehr virtuos,
1:12:32–1:12:34
wie er mit der Sprache umgeht.
1:12:34–1:12:37
Also wie gesagt, ich habe die Romanen nicht im Original gelesen,
1:12:37–1:12:40
aber allein diese Sprachschöpfung, die er gemacht hat, also es kommt schon aus
1:12:40–1:12:42
diesem Poetry-Slay heraus.
1:12:43–1:12:47
Ja, das ist halt so eine, also er ist so, ich glaube, er ist dann auch nicht
1:12:47–1:12:52
so in dem Genre so anerkannt, dass er dann halt wirklich so wie Burgess oder
1:12:52–1:12:57
sowas, Burgess ist ja für seine Sprachschöpfung total bekannt geworden.
1:12:57–1:13:01
Und dann ist er halt auch nur Manchester, also nicht London,
1:13:01–1:13:05
weißt du? Er ist, glaube ich, dann halt so ein lokaler Typ dann irgendwo.
1:13:05–1:13:10
Vielleicht war das auch nochmal so ein Ding, dass er da nicht so entdeckt,
1:13:10–1:13:13
in Anführungsstrichen, oder in der großen Welt war.
Micz Flor
1:13:13–1:13:16
Er lebt jetzt, glaube ich, auch in Bristol, also ist dann eher noch so,
1:13:16–1:13:20
das ist jetzt südlich von Manchester, aber eher eben auch London ferngeblieben ist.
1:13:20–1:13:26
Das ist auch eine Sache, die ich mag und vielleicht passt es dann auch gut zu Manchester, weil...
1:13:26–1:13:30
Das kann ich persönlich auch so ein bisschen damit verbinden,
1:13:30–1:13:34
dass das Zentrum, so das Zentrum fand ich immer anstrengend.
1:13:34–1:13:38
Ich habe ja auch in London gewohnt und in Manchester und Salford gearbeitet,
1:13:38–1:13:40
in Liverpool gearbeitet und bin dann immer hin und her commuted.
1:13:40–1:13:46
In London fand ich immer unfassbar anstrengend, aber in Manchester und Liverpool, Salford gab es wenig.
1:13:46–1:13:48
Aber da hatte ich immer so das Gefühl, da können Sachen entstehen.
1:13:49–1:13:53
Da ist ein bisschen weniger Druck. Und das habe ich dann in Berlin,
1:13:53–1:14:01
Mitte, Ende der 90er auch so erlebt, dass halt hier irgendwie sowas wie Konvex-TV entstehen durfte.
Florian Clauß
1:14:01–1:14:03
Ja, weil halt irgendwie die Mieten waren günstig.
Micz Flor
1:14:04–1:14:05
Es war nicht so viel Druck auf einem Leben.
Florian Clauß
1:14:05–1:14:09
Es war nicht so wie jetzt irgendwie, keine Ahnung, wie wenn du in New York gewohnt
1:14:09–1:14:13
hättest, wo du einfach schnell ins Geld verdienen musstest.
Micz Flor
1:14:13–1:14:18
Und da passt das vielleicht auch irgendwie, dass Jeff Noon sich leisten konnte,
1:14:18–1:14:24
solche komisch ambivalenten, hybrid, organischen Wiggling Things,
1:14:25–1:14:26
wie du sagst, zu schreiben.
Florian Clauß
1:14:26–1:14:28
Du weißt, wo ich das Wiggling Things habe.
Micz Flor
1:14:29–1:14:31
Das ist aus Pixel Juice.
Florian Clauß
1:14:31–1:14:34
Nee, Wiggling Things ist, wir waren mal zusammen auf einer Konferenz,
1:14:34–1:14:36
wo wir unser Cyber-Tattoo vorgestellt haben.
1:14:37–1:14:41
Und das war irgendwie so da in Wales oder so. Wir sind von London dann rübergefahren.
Micz Flor
1:14:42–1:14:42
Doch, ja, ja.
Florian Clauß
1:14:42–1:14:46
Und das war so eine komische Konferenz, wo wir dann so einen vernichtenden Report
1:14:46–1:14:50
auf Convex TV dann gemacht haben von dieser Konferenz.
1:14:50–1:14:53
Aber eine Sache, die fanden wir beide gut, das war halt ein Typ,
1:14:54–1:14:57
der einen Vortrag gehalten hat, The Future of Wiggling Things.
1:14:58–1:15:04
Und das war halt so, wo wir erstmal so, wie kann man halt Interfaces neu denken?
1:15:04–1:15:08
Also ein bisschen von der Maus, aber es war auch dann, und dann komme ich wieder
1:15:08–1:15:13
auf diese Schiene von, Was hat uns noch Jeff Noon quasi im Output gebracht?
1:15:13–1:15:20
Das ist zum Beispiel Existenz. Das ist vielleicht wirklich die beste Sache.
Micz Flor
1:15:20–1:15:21
Die mir da einfällt.
Florian Clauß
1:15:22–1:15:29
Ah, diese komischen Interfaces, die dann halt sehr biomechanisch werden,
1:15:29–1:15:33
ja, die dann aber irgendwie so ein bisschen so halt irgendwie alles so ein bisschen Bio-Hazard.
1:15:34–1:15:37
Es wird so, äh, wie so Pollen halt, nicht so richtig klar.
1:15:38–1:15:41
Das wäre jetzt auch für mich dann halt so Existenzwetter und sowas in der Richtung.
Micz Flor
1:15:42–1:15:46
Ja, stimmt. Das ist ein gutes Beispiel. Bei Wörth, und es klingt jetzt so ein
1:15:46–1:15:51
bisschen verschroben, aber mit diesem, bei Wörth eben mehr als bei Pollen.
1:15:51–1:15:55
Aber ich habe vorhin auch noch gedacht an den Film Inception. Auch wenn das jetzt...
Florian Clauß
1:15:55–1:15:58
Ja, ja, Inception ist auch voll, habe ich auch dran gedacht.
1:15:58–1:16:03
Inception, das ist nämlich diese immersive Traumwelt. Wir haben ja da so Zombies,
1:16:03–1:16:05
die dann irgendwo hängenbleiben.
1:16:05–1:16:09
Und das ist halt so, dass wenn du jetzt in der S-Bahn guckst und alle sich dann
1:16:09–1:16:11
halt irgendwie auf TikTok dann halt swipen.
1:16:11–1:16:15
Das ist ja genau der gleiche VR-Zustand, den du dann halt hast.
1:16:16–1:16:19
Du hast dann halt irgendwelche Leute, die total abwesend, mindmäßig sind,
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aber da vom Körper und die ganze Zeit nur den Daumen bewegen.
1:16:22–1:16:25
Das ist ja so ein Zombie-Bild, was da kommt.
1:16:27–1:16:31
Bei Inception hast du ja auch diese Figuren, die da irgendwo hängenbleiben.
Micz Flor
1:16:31–1:16:37
In der Traumwelt. In dem Word, das ist ja manchmal mehr Word als für mich zumindest
1:16:37–1:16:44
mehr Word als Pollen, da gab es dieses Bild, wenn jemand eine Feder nimmt im Traum.
1:16:44–1:16:47
Das heißt, der hat schon eine Feder genommen und dann nimmt er noch eine Feder.
1:16:47–1:16:50
Und das ist wie bei Inception, wo die ja auch diese Träume in den Träumen haben.
1:16:50–1:16:52
Das sind so gestaffelt ineinander.
1:16:52–1:16:56
Und woraus sich dann eben auch im Rückwirkung über Existenz eben diese Frage
1:16:56–1:17:00
ergibt, sind wir nicht doch sowieso schon in der Simulation?
1:17:00–1:17:03
Sind wir nicht eh schon auf dieser Feder und nehmen dann nur noch mehr Federn
1:17:03–1:17:05
in diese Richtung hinein?
Florian Clauß
1:17:05–1:17:09
Ja, und dann hast du da in der Linie von Satoshi Kon Paprika.
1:17:10–1:17:15
Das ist ja auch dann so eine virtuelle, unterbewusste Welt, wo Paprika,
1:17:15–1:17:18
die Figur, sich bewegt. Anni mir?
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Wir hatten bei Tokyo Godfather darüber gesprochen.
1:17:22–1:17:28
Und natürlich der Prototyp aller Filme 1999 rausgekommen, Matrix.
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Wo dann halt auch diese virtuelle Welt und wo sich auf einmal so eine ganz andere
1:17:35–1:17:38
Welt dahinter rausbricht.
Micz Flor
1:17:38–1:17:44
Ja, interessant, weil da wäre dann wirklich Nunes Literatur wäre schon in der
1:17:44–1:17:47
Matrix. Weil wenn die sich dann aus der Matrix auskoppeln, dann haben sie ja
1:17:47–1:17:49
quasi keine Feder mehr im Mund, sage ich mal.
1:17:49–1:17:53
Und alles, was nun geschrieben hat, ist irgendwie schon in diesem Raum,
1:17:53–1:17:56
in dem es auf einmal passieren kann, dass ein Deo keinen Mund mehr hat.
Florian Clauß
1:17:56–1:17:58
Ja, stimmt.
Micz Flor
1:17:58–1:18:01
Was auch wahrscheinlich sogar eine Referenz auf Harlan Ellison ist,
1:18:01–1:18:05
weil die eine Kurzgeschichte, die ich beim letzten Mal erwähnt habe,
1:18:06–1:18:08
I have no mouth, but I must scream.
Florian Clauß
1:18:08–1:18:13
Ja, das wäre so dieses Cluster von emasiver Traumwelt.
1:18:13–1:18:17
Wenn wir Pollen, wenn wir diese Pandemie-Geschichte darauf gucken,
1:18:17–1:18:20
finde ich auch, ich weiß nicht, hast du wahrscheinlich nicht gesehen,
1:18:20–1:18:23
aber finde ich halt irgendwie auch stark dieses Last of Us.
1:18:24–1:18:29
Die Serie, die produziert wurde, von dem Spiel heraus, wo dann halt auch diese
1:18:29–1:18:32
Zombie-Pilz-Erkrankung,
1:18:32–1:18:37
gibt es auch so eine Pandemie, die Leute, es sind halt so Pilze,
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die dann halt die Leute zu Zombie werden lassen.
1:18:41–1:18:46
Ja, ähnlich die Weiterverbreitung dann durch Infektionen. Und es gibt dann halt
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aber so eine Welt, eine dystopische, das wurde halt total ausgeschlagen.
1:18:50–1:18:53
Das hatte ich ja auch da im Zusammenhang mit 28 Years Later,
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weil Last of Us hat so ein Budget gehabt, die konnten halt quasi so dann die
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Städte im Zerfall zeigen,
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wo sich dann halt die Bäume aus den Hochreisern wachsen und dieses ganze Panorama
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dann halt so auffächern,
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wo dann halt die Autos sich dann kilometerweit stauen und schon so eingewachsen
1:19:13–1:19:16
sind und so weiter. Das hat also Last of Us aufgemacht.
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Und das Anni-Legischen haben wir gerade darüber gesprochen, da bist du ja nicht so meiner Meinung.
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Aber finde ich auch von der Ästhetik, von dem Gefühl her.
Micz Flor
1:19:23–1:19:27
Also von der Ästhetik finde ich es auch sehr passend, dieses einfach mal wachsen lassen.
Florian Clauß
1:19:28–1:19:31
Einfach mal wachsen lassen, genau. Also das ist quasi die Natur übernimmt Kontrolle.
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Das ist halt auch so dieses unkontrollierbare Natur in der Figur der Persephone.
1:19:38–1:19:44
Das ist ja dann auch das, was dann halt wieder so, was hat uns der Klimawandel jemals gebracht?
1:19:45–1:19:49
Es ist unkontrollierbar, aber es kommt ja da, nimmt sich ja dann halt,
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die Kipppunkte fallen, und es kommen Zustände, die halt, vorher war es ein Gleichgewicht,
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jetzt gibt es ein Ungleichgewicht da.
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Dann dieser Cluster-Hybrid-Rassismus, und da möchte ich diesen,
1:20:03–1:20:06
wo wir beide sagen, das ist richtig gut,
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Nämlich District 9. Das ist ja auch so eine Welt, wo die Aliens dann karseniert werden.
1:20:14–1:20:17
Und das finde ich auch so, es gibt halt Aliens und dann geht es aber noch einen
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Schritt weiter und noch einen Schritt weiter.
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Finde ich auch unglaublich weit gedacht. Den Film bin ich großartig.
Micz Flor
1:20:23–1:20:26
Ja, vor allen Dingen ist der halt so toll, weil da kommen halt diese Aliens
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mit diesem absolut abgefahrenen Tech auf die Erde und dann haben sie so eine
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Form von Bruchlandung und sind auf einmal quasi in solchen Lagern inhaftiert
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und werden dann die, in Anführungszeichen,
1:20:39–1:20:40
Minderwertigeren, obwohl die
1:20:40–1:20:44
doch eigentlich die sind, deren Raumschiff immer noch über uns schwebt.
Florian Clauß
1:20:44–1:20:47
Ich will jetzt nochmal den Moment des Raumschiffes festhalten,
1:20:47–1:20:48
weil wir sind hier beim Velodrom.
1:20:49–1:20:53
Genau, das sieht aus, als ob das jetzt gerade so aus der Erde dann abheben könnte.
1:20:54–1:20:59
Der Strang von diesen prekären Arbeitsverhältnissen, was dann halt sich in den
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Figuren der Dog People dann niederschlägt, Das haben wir auch in verschiedenen Filmen.
1:21:04–1:21:08
Da würde ich jetzt, ich weiß nicht, ob du den gesehen hast, ganz toller Film, Nomadland.
Micz Flor
1:21:09–1:21:10
Ja, toll. Nomadland.
Florian Clauß
1:21:11–1:21:13
Nomadland, Nomadenland, ja. Wo
1:21:13–1:21:19
dann halt auch eben die Bedingungen von so Arbeiterinnen erzählt werden,
1:21:19–1:21:24
die dieser Ökonomie hinterherreisen, die dann Versand Amazon und so weiter organisieren
1:21:24–1:21:28
und da halt auch keine soziale Absicherung haben.
1:21:29–1:21:34
So in so einem Zwischenbereich, in Wohnwagenleben. Wenn sie für sich verletzen,
1:21:34–1:21:35
dann können sie nicht mehr arbeiten.
1:21:35–1:21:39
Diese prekären Verhältnisse dann einfach so darstellen. Gleichzeitig aber so
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ein Spezialwissen in sich tragen.
1:21:41–1:21:44
Ja, vielleicht bei Nomadland nicht.
1:21:44–1:21:50
Aber bei Parasite ist auch so ein, vielleicht so ein Negativbeispiel dafür.
1:21:51–1:21:55
Parasite, dieser koreanische Film, wo dann auch eine Infrastruktur ausgenutzt
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wird und auf einmal so wie so ein Parallelleben entsteht in einer Wohnung.
1:22:00–1:22:03
Auch toll, wenn man das jetzt so da mit reinzieht.
Micz Flor
1:22:04–1:22:04
Stimmt.
Florian Clauß
1:22:04–1:22:09
Dieser ganze Strang, ich habe es nur kurz angedeutet, aber ich habe dann auch
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schon ein Beispiel dafür genannt, mit dem Folklore, Folkhorror,
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mythischen. Also das dann bei Stranger Things kommt das ja auch so vor.
1:22:19–1:22:23
Oder Midsommar würde ich jetzt auch da so mit reinnehmen, wo du quasi auf einmal
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so Rituale hast, die erstmal so, hä, wo kommt das jetzt her?
1:22:27–1:22:32
Und dass sich da so, dass sowas entsteht, finde ich da auch irgendwo in diesem
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Roman, kann man das dann halt auch so mit rausziehen.
Micz Flor
1:22:36–1:22:40
Also ich mag beides sehr. Ich muss jetzt noch mal drüber nachdenken,
1:22:40–1:22:46
wie ich das verbinden könnte, weil Rituale in der Form ist ja bei Jeff Nunn,
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Bei Jeff Noon habe ich immer das Gefühl, es entstehen vielleicht Ideen,
1:22:52–1:22:57
wie man sich verhalten sollte, aber die entstehen immer als Reaktion auf etwas,
1:22:57–1:22:59
was man noch nicht kennt oder was nicht abschätzbar ist.
1:23:00–1:23:03
Man muss dann in dieses Word rein, aber was machen wir, wenn wir da drin sind und so?
Florian Clauß
1:23:03–1:23:07
Ich muss dazu nochmal, weil das eine Figur ist, die wir noch nicht erwähnt haben,
1:23:08–1:23:10
nämlich es geht um John Barleycorn.
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Das ist nämlich auch eine Figur aus dem Wörth, die im Prinzip auch in Persophonie
1:23:16–1:23:18
als ein Sidekick damit rauskommt.
1:23:19–1:23:23
Und Barleycorn ist im Prinzip, ich will da mal auch so ein Gedicht vorlesen,
1:23:23–1:23:26
das steht hier auch auf den ersten Seiten, soweit bin ich gekommen mit dem Buch.
1:23:26–1:23:32
John Barleycorn. Einst kamen drei Männer von Westen her, um ein Ende zu machen der Not.
1:23:32–1:23:36
Und diese drei Männer schworen den heiligen Eid, John Balikorn, den Tod.
1:23:36–1:23:41
Sie säten ihn aus, sie pflügten ihn unter, zu tief für jedes Lot.
1:23:41–1:23:46
Und diese drei Männer schworen den eheligen Eid, John Balikorn war tot.
1:23:46–1:23:50
Sie ließen ihn dort in Humus und Erde, bis es der Himmel hat regnen lassen.
1:23:51–1:23:57
Und da sprach little Sir John aus dem Boden, und sie konnten es alle nicht fassen.
1:23:57–1:24:02
Sie holten Männern mit Flegeln und Klüppeln, auf dass sie ihn droschen wie Spreu.
1:24:02–1:24:06
Sie holten Männern mit Missgabeln lang, auf dass sie ihn stachen wie Heu.
1:24:06–1:24:11
Sie holten Männer mit Senden und Messern, auf dass sie ihn mähten von seinen Beinen.
1:24:11–1:24:16
Und der Müller, der ging noch ein gutes Stück weiter, hat gemahlen ihn zwischen den zwei Steinen.
1:24:17–1:24:22
Und Little Sir John im nussbrauen Bier und dem kräftigen Whisky im Becher.
1:24:22–1:24:27
Und Sir John im Nussrauen Bier war doch stärker als all diese Rächer.
1:24:28–1:24:30
Da hast du ja nochmal so dieses...
1:24:30–1:24:35
Neolithische drin. Der Mensch fängt an mit dem Ackerbau, ja,
1:24:35–1:24:37
versucht, diese Natur zu bezwingen.
1:24:37–1:24:41
Und das ist dieser Folkhorror, den wir dann auch bei Sinners haben oder so.
1:24:42–1:24:45
Oder Midsommar. Das ist, was ich meine, das ist diese Figur des Balikorn.
1:24:45–1:24:49
Die Natur, die dann halt wieder zurückschlägt, die lässt sich nicht domestizieren, ja.
1:24:50–1:24:54
Die bleibt dann halt irgendwie im Braun vom Whisky und wird dich dann vergiften
1:24:54–1:24:57
und wird dich dann wieder einholen. Persophonie ist mehr dieses Mythologische,
1:24:58–1:25:02
in Richtung Pans Labyrinth und so weiter geht, aber dieser Folkhörer wird dann
1:25:02–1:25:03
eher von dieser Figur verkörpert.
Micz Flor
1:25:03–1:25:08
Stimmt, das passt gut. Das Gedicht kannte ich glaube ich gar nicht,
1:25:08–1:25:10
aber ich muss es ja gelesen haben.
Florian Clauß
1:25:10–1:25:13
Ja, aber ich finde das toll, ich finde das toll, weil das ist wirklich genau
1:25:13–1:25:18
dieses, du lässt, du kannst noch ein nöcher Ackerbau betreiben,
1:25:18–1:25:21
irgendwann musst du dann doch wieder Nomade werden.
1:25:22–1:25:26
Und dann hier dieser ganze Eskapismus, diese Sucht und so weiter.
1:25:26–1:25:28
90er Jahre Trainspotting natürlich.
1:25:30–1:25:39
Und Requiem for a Dream, das ist auch so dieses Gefühl von Eskapismus so ausgelöst hat.
1:25:39–1:25:43
Und dieses ganze KI-Thema.
1:25:43–1:25:48
Kürzlich in die Intelligenz als neue Spezies. und da haben wir halt diese Vorläufer
1:25:48–1:25:52
Hör von 2013, Ex Machina, auch von Garland.
1:25:53–1:25:57
Ja, also da haben wir ja schon diese ganzen, wo es angelegt ist und wo wir jetzt
1:25:57–1:26:00
in so einer Zeit leben, wo es halt irgendwie real ist.
1:26:00–1:26:06
Und wo dann halt quasi der Pollen, die künstliche Intelligenz uns dann halt
1:26:06–1:26:09
so bestimmt im Alltag, wie wir es sich ausnehmen.
Micz Flor
1:26:10–1:26:15
Eher der Wörth. Das Wörth der Pollen sind dann eher die Handys.
Florian Clauß
1:26:16–1:26:20
Das ist das, was rausragt. Ja, stimmt. Wo wir infiziert sind.
1:26:20–1:26:23
Das wollte ich jetzt nochmal so dieses ganze Feld aufmachen.
1:26:23–1:26:28
In der Beschäftigung und in der Retrospektive sich dann irgendwie so 30 Jahre
1:26:28–1:26:31
nach Pollen anzuschauen.
1:26:31–1:26:33
Was hat Pollen alles ausgelöst?
1:26:33–1:26:39
Und ich glaube, der Pollen hat sich da schon ganz schön rausgetragen.
Micz Flor
1:26:39–1:26:44
Ja, vor allen Dingen auch diese Idee. Du hast Hegemonie gesprochen.
1:26:45–1:26:49
Ich hatte vorhin gesagt, diese Hard-Science-Fiction, wo es dann um den Device
1:26:49–1:26:52
geht, um das Gadget, um die Atombombe, um das Ding so.
1:26:53–1:26:55
Und der Mensch hat es gemacht und jetzt muss der Mensch damit leben.
1:26:57–1:27:00
Und bei nun und bei unserem Heute,
1:27:01–1:27:08
die wir alle diese Handys rumtragen, dadurch helfen wir, da hinten diesem Algorithmus
1:27:08–1:27:12
mehr zu lernen, zu wissen und so weiter, dass der Mensch viel mehr schon eingebunden
1:27:12–1:27:15
ist in diesen Prozess. Nicht mehr so wie bei einem,
1:27:17–1:27:20
Asimov-Kurzgeschichte oder so, wo es wirklich um die Technik geht,
1:27:20–1:27:22
die der Mensch beherrscht und dann aber nicht mehr beherrscht,
1:27:22–1:27:25
sondern wir sind einfach schon Teil von so einem Gewaberer,
1:27:26–1:27:32
wo wir schon eh jetzt nicht explizit, aber implizit irgendwie so verklebt sind mit diesem Ganzen.
Florian Clauß
1:27:32–1:27:36
Ja, wir sind verwachsen, wir sind halt quasi auch so Knotenpunkt der Kommunikation
1:27:36–1:27:42
irgendwo, aber auch dann in unserem biologischen Wesen, dass wir halt ein Individuum
1:27:42–1:27:47
sind, aber gleichzeitig dann doch irgendwie so nur Nur eine Vernetzung, nur so ein Verstärker.
Micz Flor
1:27:47–1:27:52
Ja, und diese Sache, die dann, also gerade weil bei nun dann vielleicht wenig
1:27:52–1:27:58
wirklich Devices vorkommen, kann man das leichter auf die heutige Vernetzung über Handys mitmachen.
Florian Clauß
1:27:58–1:27:58
Vielleicht, ja.
Micz Flor
1:27:59–1:28:04
Dieses, so eine Phone-Face, Leute, die halt immer nach unten gucken,
1:28:04–1:28:06
wenn sie dann hochgucken, haben so ein leicht schwammiges Gesicht,
1:28:06–1:28:08
weil da so viel Blut da reingerutscht.
1:28:08–1:28:13
Also diese Art, wie wir dann in unserem Verhalten schon davon verändert werden.
1:28:13–1:28:17
Oder dass halt eben auch messbar der Zeigefinger früher viel cleverer war als
1:28:17–1:28:20
der Daumen. Inzwischen sind die Daumen viel cleverer als die Zeigefinger.
1:28:20–1:28:25
Das ist alles erlernt, das ist jetzt nicht genetisch. Aber da werden wir schon verformt.
Florian Clauß
1:28:25–1:28:29
Ja, da gibt es halt irgendwie so ein Rewriting.
1:28:31–1:28:36
So viel zu Jeff Noon und dem Entdecken, was dann eigentlich von so einer Anekdote
1:28:36–1:28:38
erstmal ausging, zu der 100.
1:28:38–1:28:40
Episode, aber was ich dann doch irgendwie so weitergetragen hatte,
1:28:40–1:28:43
wo ich dann dachte, da mache ich eine eigene Episode draus.
Micz Flor
1:28:43–1:28:48
Vielleicht kann man Jeff Noon auch mal kontaktieren und ihn fragen, was nun, Herr Noon?
1:28:49–1:28:52
Weil gerade jetzt auch, weil du noch mal darüber gesprochen hast,
1:28:52–1:28:53
für mich war das so ein bisschen vergangen,
1:28:54–1:28:58
aber irgendwie entstand auf einmal so ein Gefühl, dass es eher wie Barlikorn
1:28:58–1:29:05
selbst auch in der Erde schlummerte und jetzt vielleicht nochmal anders rauskommen kann.
Florian Clauß
1:29:06–1:29:13
Und unsere Realität so bestimmt. Ja, ich meine, er ist gut gealtert, das kann man sagen.
1:29:14–1:29:18
Okay, dann würde ich sagen, wir sind am Ende der Episode. Links und so weiter
1:29:18–1:29:23
findet ihr wie immer auf unserer Netzseite eigentlich-podcast.de.
1:29:25–1:29:29
Auch Fotos, die wir gemacht haben auf der Tour und vor allen Dingen unsere Strecke,
1:29:29–1:29:30
wo wir langgelaufen sind.
Micz Flor
1:29:30–1:29:34
Und bist du jetzt zum Schluss nochmal hier zum Velodrom hochgepilgert,
1:29:34–1:29:35
einfach auch wegen der Foto?
Florian Clauß
1:29:35–1:29:39
Ich dachte, wir müssen nicht noch mal zum Velodrom gehen, weil wir waren schon dreimal hier.
1:29:39–1:29:42
Aber uns hat es dann doch irgendwie, weil manchmal habe ich nicht die Kontrolle,
1:29:43–1:29:46
so wie wenn du deine Geschichte erzählst, kann ich immer sehr gut irgendwie
1:29:46–1:29:49
Fotos machen, ein bisschen gucken, wo wir langlaufen und dich dann so leiten.
1:29:50–1:29:53
Aber wenn ich dann rede, dann bin ich manchmal doch so verfangen in meinen Worten.
Micz Flor
1:29:54–1:29:56
Ja, dann bin ich da einfach wieder hingepickert. Aber ich finde es ganz gut,
1:29:56–1:29:59
weil es ist wirklich einfach auch ein besonderer Ort.
1:29:59–1:30:03
Es hat ja auch was wie so ein, es ist ja so ein Plateau.
1:30:03–1:30:06
Das Wille drum ist irgendwie so ein Plateau, da könnte man sich auch vorstellen,
1:30:07–1:30:13
dass da vor 60.000 Jahren schon genau an diesem Ort auch irgendwelche Riten
1:30:13–1:30:16
und was auch immer da gemacht wurde.
Florian Clauß
1:30:16–1:30:16
Steine.
Micz Flor
1:30:16–1:30:22
Steine. Und diese Atmosphäre ist immer noch da und es entsteht immer wieder
1:30:22–1:30:24
irgendetwas Plateaueskes.
Florian Clauß
1:30:25–1:30:28
Plateausk. Also wir sind dann auch wieder bei Gutari und Gelös,
1:30:29–1:30:32
die auch immer mit tausend Plateaus und so weiter gearbeitet haben.
Micz Flor
1:30:33–1:30:40
Ja vielen Dank fürs Zuhören alles Erhaltung findet ihr auf eigentlich-podcast.de.
Florian Clauß
1:30:40–1:30:41
Und wir,
1:30:43–1:30:45
bis dann, tschüss.

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"He never gave direction in the usual sense. He would watch and wait, and when he saw what he wanted, he would say, 'That's it.'" Louise Brooks über G.W. Pabst in Lulu in Hoolywood

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Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
Erzähler
avatar
Micz Flor

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:03
Harbst war einer der Vorreiter, die dann die neue Sachlichkeit mit inszeniert hat.
0:00:03–0:00:11
Neue Sachlichkeit bedeutet, dass vielmehr auf die Figuren, auf die inneren Zustände
0:00:11–0:00:13
der Figuren gehorcht wird.
0:00:13–0:00:17
Es wurden dann halt tatsächlich die Milieus so dargestellt, wie sie auch dann halt waren.
0:00:18–0:00:21
Und das gab es ja vorher auch nicht im Film. Also es ist halt Prostitution,
0:00:21–0:00:24
diese Arbeiterwohnung, diese engen Behausungen und so weiter.
0:00:24–0:00:28
Diese psychologischen Konflikte, die die Figuren austragen.
Micz Flor
0:00:36–0:00:40
Hallo und herzlich willkommen zu unserer 99.
0:00:41–0:00:46
Episode des Eigentlich-Podcasts. Neben mir läuft Flo.
Florian Clauß
0:00:46–0:00:47
Hallo.
Micz Flor
0:00:47–0:00:50
Ja, ich bin Mitch. Wir machen weiter mit...
0:00:52–0:00:55
Jetzt ist es aber nicht mehr eine Filmbesprechung, sondern wir haben vor 14
0:00:55–0:00:57
Tagen eine Filmbesprechung gemacht.
0:00:57–0:01:03
Das Film haben wir auf der Berlinale gesehen und der Regisseur GW Papst,
0:01:04–0:01:06
den wollen wir heute nochmal genauer anschauen.
0:01:07–0:01:11
Und das wir bist hauptsächlich du. Ich bin dabei, aber ich glaube,
0:01:11–0:01:16
das ist ein Thema, wo du sehr viel deutlich mehr weißt und zusteuern kannst, was ich.
0:01:17–0:01:24
Und es ist gleichzeitig auch die letzte Folge vor unserem großen Jubiläum.
Florian Clauß
0:01:24–0:01:28
Ja, die 100. Und wir haben aber schon ein bisschen überlegt,
0:01:28–0:01:32
was wir da machen. Das müssen wir nochmal so verdichten.
Micz Flor
0:01:33–0:01:33
Verschieben.
Florian Clauß
0:01:34–0:01:39
Eigentlich Podcast, das ist der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:01:39–0:01:45
Das heißt, wir treffen uns irgendwo in Berlin für einen Spaziergang Und der
0:01:45–0:01:52
eine bringt ein Thema mit und der andere hört zu, stellt Fragen und wir unterhalten uns darüber.
0:01:53–0:01:57
Das ist so ein bisschen der Tradition unserer Wanderung entsprungen.
0:01:58–0:02:01
Und das haben wir dann in ein Format, in ein Podcast-Format gegossen.
0:02:02–0:02:06
Und mittlerweile haben wir Berlin auch ganz gut abgelaufen.
0:02:06–0:02:10
Wir versuchen immer so neue Wege zu finden. Und wir sind jetzt,
0:02:10–0:02:15
die Fortsetzung von unserer letzten Episode, hier noch immer am Spreeufer.
0:02:16–0:02:20
Und tatsächlich bin ich hier noch nie so richtig lang gelaufen. Du?
Micz Flor
0:02:20–0:02:26
Nee, also hier auch nicht. Ich kenn's irgendwie so ein paar Häuser da drüben vom Seen.
0:02:26–0:02:30
Aber eher so mal aus dem Augenwinkel aus dem Bus oder so.
Florian Clauß
0:02:31–0:02:36
Ja, es ist noch Moabit oder schon Charlottenburg. Das ist die Grenze dazu.
0:02:36–0:02:39
Wir werden uns in Richtung Schlosspark,
0:02:40–0:02:45
bewegen, ja, und vielleicht auch ankommen. Ich denke mal, wir gucken,
0:02:45–0:02:47
wie lange die Folge dauert, die Episode.
0:02:48–0:02:56
Wir hatten letztes Mal über den Film Geheimnisse einer Seele von GW Papst gesprochen.
0:02:56–0:03:02
Ich wollte heute in dieser Episode noch ein bisschen mehr zu Papst erzählen, also zu dem Regisseur,
0:03:02–0:03:07
ja, weil ich in der Vorbereitung zu der Episode, da bin ich,
0:03:07–0:03:10
wie wie man so sagt, in so ein Rabbit Hole gefallen, wo ich dann dachte,
0:03:10–0:03:14
nein, nein, boah, nicht doch auch noch hier.
0:03:14–0:03:19
Also ich war wirklich überrascht, was sich um Papst alles für so Innovationen,
0:03:20–0:03:24
Geschichten und Filmgeschichte überhaupt oszilliert.
Micz Flor
0:03:24–0:03:28
Wenn man dir zuhört, dann möchte man meinen, dass du auch die ganzen Louis-Defines-Filme
0:03:28–0:03:30
gemacht hast. Ja, nein, ja, nein, boah.
Florian Clauß
0:03:32–0:03:38
Doch. Papst hat den Film Geheimnis einer Seele 1925 gedreht.
0:03:39–0:03:47
Er ist einer der, ich sag mal, maßgeblichsten Regisseure der Weimarer Republik,
0:03:47–0:03:51
neben Monau und Fritz Lang zum Beispiel.
0:03:52–0:03:57
Papst hat auch den Tonfilm maßgeblich geprägt.
0:03:57–0:04:04
Papst hat auch eine ambivalente Beziehung zum Nationalsozialismus gehabt.
0:04:05–0:04:09
Ist aber dann letztendlich ja als entnazifiziert eingestuft worden.
0:04:09–0:04:13
Und was ich jetzt auch gestern erfahren habe, hatte ich nur am Rande mitbekommen,
0:04:13–0:04:17
aber ich habe mich gestern mit jemandem unterhalten, der nochmal den Hinweis
0:04:17–0:04:23
gegeben hat, dass ein Kehlmann-Roman erst vor zwei Jahren über Papst erschienen ist.
Micz Flor
0:04:23–0:04:24
Ah, wusste ich auch nicht.
Florian Clauß
0:04:24–0:04:29
Und den habe ich auch nicht gelesen, beziehungsweise ich habe es halt wirklich nur mal kurz gehört.
0:04:30–0:04:34
Lichtspiele. Und das ist genau diese Zeit vom Papst, als er dann nach Deutschland
0:04:34–0:04:36
zurückgekehrt ist, in Deutschland geblieben ist.
0:04:36–0:04:39
Und auch vorher seine Migration, also die Zeit in den USA.
0:04:40–0:04:43
Aber ich erzähle nochmal ein bisschen mehr gleich in der Biografie vom Papst.
0:04:43–0:04:47
Aber das fand ich interessant, weil das ja natürlich als Österreicher,
0:04:47–0:04:51
also Kielmann ist ja auch deutsch-österreichischer Romanautor,
0:04:51–0:04:53
hat die Vermessung der Welt geschrieben.
0:04:53–0:04:58
Und ich finde, ich lese total gerne Kielmann-Romane, Weil er so eine präzise,
0:04:58–0:05:03
so eine analytische Art hat, dann seine Figuren, also mit dem Stoff umzugehen.
0:05:03–0:05:09
Papst ist 1885 in Böhm geboren und aufgewachsen in Wien.
0:05:10–0:05:16
Und eigentlich ja Österreicher. Seine Familie wohnte da in Wien,
0:05:16–0:05:20
ja auch als Österreich besetzt wurde und der Krieg begann.
0:05:21–0:05:24
Da wohnte seine Mutter noch in Wien. Papst hat irgendwas...
0:05:25–0:05:28
Recht, ich weiß nicht was, aber konventionell ist, angefangen zu studieren,
0:05:28–0:05:33
das dann nicht mehr weitergemacht und früh sich auch der Kunst gewidmet.
0:05:33–0:05:43
Also er war dann tatsächlich Schauspieler und hatte dann auch 1910 oder 1909
0:05:43–0:05:48
eine Anstellung in Amerika, also war da kurz in Amerika,
0:05:48–0:05:53
hat da Schauspielerei gemacht, wurde dann zum Ersten Weltkrieg dann quasi eingezogen.
0:05:53–0:05:59
Und das, was dann so seine Schauspiel-Erfahrung mit aufgebaut hat oder wo dann
0:05:59–0:06:05
immer gesagt wird, da konnte er seine Methoden entwickeln, war im Ersten Weltkrieg
0:06:05–0:06:06
hat er dann in einem Gefangenenlager,
0:06:07–0:06:12
hat er dann quasi eine Schauspielgruppe gegründet und hat die dann auch geführt.
Micz Flor
0:06:13–0:06:15
In einem Gefangenenlager, wo er inhaftiert war?
Florian Clauß
0:06:15–0:06:20
Genau, wo er inhaftiert war. Also 1914 war das dann im Ersten Weltkrieg.
0:06:20–0:06:26
Er kam dann aus dem Ersten Weltkrieg zurück und ist nach Berlin gezogen und
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bewusst eben da ins Epizentrum der Weimarer Republik, um auch da im Filmgewerbe anzufangen.
0:06:35–0:06:40
Also er hat dann Blut geleckt in Richtung Film und ab 1920 hat er dann auch
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als Regieassistent und Drehbuchautor in Berlin gearbeitet und 1923 dreht er
0:06:48–0:06:51
seinen ersten Film, Der Schatz,
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da ist ja...
0:06:54–0:07:00
Der Expressionismus noch maßgeblich so als Kunstgattung im Film präsent.
0:07:01–0:07:05
Also wir erinnern uns an das Kabinett des Dr. Caligaris.
0:07:05–0:07:13
Der Expressionismus ist ja quasi eine Kunstform, die in verschiedenen Kunstrichtungen aktiv ist.
0:07:13–0:07:18
In der Malerei, in der Literatur und dann auch im Filmtheater natürlich.
0:07:19–0:07:26
Und auch schon länger. Also die ersten Werke des Expressionismus sind so Anfang des 20.
0:07:26–0:07:28
Jahrhunderts, also der Blaue Reiter.
0:07:28–0:07:31
Also der Expressionismus, nur so ganz kurz, es ist ja so ein bisschen so diese
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Zerrissenheit im Vorfeld des Ersten Weltkrieges.
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Diese Zerrissenheit zwischen Regierung, also zwischen Politik,
0:07:41–0:07:44
Monarchie und dem Volk, national.
Micz Flor
0:07:44–0:07:49
Naja gut, aber man kann ja schon sagen, also Impressionismus war eben diese
0:07:49–0:07:51
Eindrücke irgendwie auf die Tafel zu bringen.
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Expressionismus war da wirklich eine innere Emotion, Empfindung,
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Weltsicht irgendwie nach außen zu bringen.
0:07:57–0:08:03
Und das Filmmedium bot sich dafür auch deshalb ein, weil es halt diese harten
0:08:03–0:08:05
Kontraste hat. Das Schwarz-Weiße, die Belichtung.
0:08:05–0:08:13
Also ich glaube schon, dass das einen Sinn ergibt, Film als ein Medium zu machen.
0:08:13–0:08:18
Zu beschreiben, was sehr gut Expressionismus mit abbilden kann.
0:08:19–0:08:23
Vielleicht mehr als ein Gedicht, sage ich mal, so frech.
Florian Clauß
0:08:23–0:08:27
Ja, vielleicht kann ich auch nicht genau so das vergleichen,
0:08:27–0:08:30
weil ich mich da in Literatur zu wenig auskenne.
0:08:30–0:08:36
Aber was den Film da so kompatibel macht, ist auch das Studiosystem,
0:08:36–0:08:38
was wir da vorher schon hatten zu der Zeit.
0:08:38–0:08:43
Nämlich der Expressionismus, das war halt auch viel Kulissenmalerei und so weiter.
0:08:43–0:08:47
Das konntest du am besten dann in so einem Studio dann halt auch umsetzen.
0:08:47–0:08:51
Es war dann, also ich glaube, Caligari war recht günstig von der Produktion,
0:08:51–0:08:54
weil es ja alles nur Innenaufnahmen war.
Micz Flor
0:08:54–0:08:58
Ja, ist auch interessant, weil man da dann einfach auch so eine ganz große Kontrolle
0:08:58–0:09:02
hat über, also man hat einerseits ein sehr realitätsbezogenes Kunstwerk,
0:09:03–0:09:08
nämlich Menschen interagieren miteinander mit der Welt, in der sie sind, sind lebendig.
0:09:08–0:09:12
Die laufen so, es ist jetzt auch kein Bild, was ja de facto dann still wäre,
0:09:12–0:09:13
sondern da passiert was, aber
0:09:13–0:09:16
man hat eine absolute Kontrolle über die Inszenierung der Welt drumherum.
0:09:16–0:09:21
Das heißt, diese Idee von den inneren Zuständen, die dann in die externe Welt
0:09:21–0:09:25
mit aufzunehmen und die Welt danach zu, wie Munk der Schrein,
0:09:25–0:09:28
die Welt danach zu formen, was in der Person passiert.
0:09:29–0:09:33
Das kannst du natürlich in so einem Kulissenstudio, wo du alles malen,
0:09:33–0:09:37
arrangieren und belichten kannst, wie du willst, sehr gut umsetzen.
Florian Clauß
0:09:37–0:09:41
Ja, klar. Und du hattest es jetzt verglichen mit dem Film, den wir letztes Mal
0:09:41–0:09:45
besprochen haben, wo das ja auch noch sehr internalisiert war.
0:09:45–0:09:50
Also das heißt, da war es jetzt nicht, also es gab schon Anleihen aus dem Expressionismus
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teilweise in der Inszenierung, aber die waren nicht so vorherrschend.
0:09:53–0:09:55
Der Expressionismus, du hast
0:09:55–0:09:58
ja genau diese Umkehr, die Seele wird ja komplett nach außen gekrempelt.
0:09:59–0:10:03
Und es gibt kein Innenleben, sondern das ist ja quasi, das ist ja alles,
0:10:03–0:10:08
was ich dann sehe, ist quasi das Fenster zur Seele. Also das heißt die ganze Umwelt.
0:10:09–0:10:13
Und transformiert sich quasi als Seelenzustand. Das ist das,
0:10:13–0:10:16
was der Expressionismus dann so darstellen konnte.
Micz Flor
0:10:17–0:10:21
Ja, interessant auch, wenn man so eine Brücke nach heute machen würde,
0:10:21–0:10:27
weil wahrscheinlich die Sehgewohnheit in der damaligen Zeit aufgrund der häufigen
0:10:27–0:10:30
Inszenierungen als expressionistische Bilder im Film,
0:10:30–0:10:33
war die Sehgewohnheit der Menschen vielleicht auch eher so, dass die sich darauf
0:10:33–0:10:38
einlassen konnten, dass sie ein Bild der inneren Seele in den Bildern der Welt sehen.
0:10:38–0:10:45
Und heute ist das vielleicht gar nicht mehr immer die Art, wie man im Kino oder auf dem Film guckt.
0:10:46–0:10:50
Das Drumherum ist dann eher so ein Worldbuilding oder so ein Backdrop oder so
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was. Oder so ein Blue Screen Inszenierung.
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Aber diese Idee, dass es wirklich Ausdruck ist, das hat man ganz selten.
0:10:56–0:11:02
Das hat man dann eher in solchen Sachen wie bei dem Shark, wo die Kamera dann
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so reinzoomt auf den Polizeichef, glaube ich. und gleichzeitig hinten,
0:11:08–0:11:09
also diese Vertigo-Effekte.
0:11:10–0:11:13
Das sind dann die Momente, wo man das Gefühl hat, jetzt erlebe ich gerade,
0:11:13–0:11:14
was diese Person erlebt.
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Aber vielleicht war es früher wirklich so, dass die Menschen auch mehr geschult
0:11:19–0:11:22
waren, das alles gleichzeitig mit aufzunehmen.
Florian Clauß
0:11:22–0:11:25
Ja, oder es war halt einfach so eine gängige Form der Darstellung,
0:11:25–0:11:30
weil natürlich sich der Film aus dem Varieté entwickelt hat.
0:11:30–0:11:35
Und es war noch immer dieses Anrüchige der Jahrmarktproduktion.
0:11:35–0:11:39
Also du hattest natürlich Spektakel und das Spektakel, das hat sich dann halt
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so im Kulissenbau und so weiter.
0:11:41–0:11:48
Also du hattest das noch viel dichter an diesen Schaustellergewerken dran als jetzt heute natürlich.
0:11:49–0:11:52
Wo dann Tricktechnik und so weiter dann halt ganz andere Sachen machen können
0:11:52–0:11:56
als damals. Aber das war schon die erste Form der Tricktechnik.
0:11:57–0:12:00
Hat sich dann halt auch im Kulissenbau dann so mit abgezeichnet.
0:12:01–0:12:08
Das, was du beschreibst, das ist auch maßgeblich dann dem Papst dann auch mit zuzuschreiben.
0:12:08–0:12:13
Nämlich er hat die sogenannte neue Sachlichkeit eingeführt.
0:12:13–0:12:17
Kennst du denn, also diese Kunstströmung?
Micz Flor
0:12:17–0:12:20
Ja, ich kenne das Wort. Ich hätte es jetzt viel später verortet.
0:12:20–0:12:23
Das kann jetzt für mich, aber da bin ich einfach nicht filmgeschult.
0:12:23–0:12:26
Ich hätte jetzt gedacht, dass das irgendwas ist, was viel später im 20. Jahrhundert.
Florian Clauß
0:12:26–0:12:30
Der Papst war einer der Vorreiter, die dann die neue Sachlichkeit mit inszeniert
0:12:30–0:12:33
hat. Neue Sachlichkeit bedeutet, dass viel mehr,
0:12:34–0:12:40
auf die Figuren, auf die inneren Zustände der Figuren gehorcht wird.
0:12:40–0:12:46
Also es wird nicht mehr so expressiv dargestellt, sondern die Nuancen werden gezeigt.
0:12:47–0:12:50
Es gibt dann viel diese Großaufnahmen, die Gefühle.
Micz Flor
0:12:50–0:12:53
Hast du darüber in der Coole Wampe schon mal gesprochen?
Florian Clauß
0:12:53–0:12:57
Über die Neuesachlichkeit nicht, nee. Aber die Coole Wampe ist ein politischer
0:12:57–0:12:58
Film, agitatorischer Film.
0:12:58–0:13:02
Es ist nicht Neuesachlichkeit. Die neue Sachlichkeit, wir haben,
0:13:02–0:13:06
das stimmt, wir haben über die ganzen Milieufilme gesprochen und die haben mich
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dann auch zu dem Zeitpunkt so durchgesetzt.
0:13:08–0:13:13
Das ist quasi eine Bewegung aus der neuen Sachlichkeit, dass eben diese Milieufilme,
0:13:13–0:13:17
es wurden dann halt tatsächlich die Milieus so dargestellt, wie sie auch dann halt waren.
0:13:18–0:13:21
Und das gab es ja vorher auch nicht im Film. Also das ist halt die Prostitution,
0:13:21–0:13:24
diese Arbeiterwohnung, diese engen Behausungen und so weiter,
0:13:25–0:13:28
diese psychologischen Konflikte, die die Figuren austragen. Ja,
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also dieses Leiden des Lebens und so weiter.
0:13:32–0:13:37
Ja, das wurde in der neuen Sachlichkeit inszeniert. Und da hat halt Papst ganz
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viel auch in der Schauspielerführung mitgewirkt.
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Und er hat einen Film.
0:13:45–0:13:48
Ich habe tatsächlich in der Vorbereitung mehrere Papstfilme gesehen.
0:13:49–0:13:50
Hatte ich schon letzte Folge gesagt.
Micz Flor
0:13:50–0:13:55
Du bist so fleißig. Du darfst ja nicht mal in der Vorbereitung zu meinen Stromgitarren
0:13:55–0:13:57
eine Gitarre zu bauen. oder eine Nachbereitung.
Florian Clauß
0:13:57–0:14:06
Ich hab dann die Freudlose Gasse. Das war das Sozialdrama mit Greta Gabo, was er inszeniert hat.
0:14:06–0:14:12
Papst über Inflation und Armut, über diese Lebensverhältnisse in der Weimarer Republik.
0:14:14–0:14:19
Was ich auch gesehen habe, ist dann die Büchse der Pandora, wo er dann seine
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Arbeit mit Louis Brooks, Louis Brooks, kennst du vielleicht auch,
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Stumpfilm, Star aus Amerika.
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Eigentlich ist das auch eine der wenigen Quellen, die man von Papst hat,
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das sind diese Biografien von Louis Brooks, die wurden 1984 veröffentlicht.
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Lulu in Hollywood, also sie wurde sehr alt, hatte dann ihre Biografien veröffentlicht
0:14:43–0:14:47
Und wenn du die Büchse der Pandora siehst, das ist wirklich so ein modernes
0:14:47–0:14:50
Frauenbild, die ist ja auch da inszeniert.
0:14:50–0:14:53
Ganz im Gegensatz zu dem Frauenbild, deswegen würde ich das ja auch nicht so,
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Papst dann halt als reaktionärer Regisseur, als patriarchaler,
0:14:57–0:15:02
sondern ich würde sagen, er hat ja auch diese Nuancen da so rausgearbeitet.
0:15:02–0:15:08
Und Louis Brooks hat dann auch eben die Arbeit mit Papst als sehr befruchtend wahrgenommen.
0:15:08–0:15:13
Ja, also das heißt, er war in der Schauspielführung, war der halt wirklich auch
0:15:13–0:15:20
unglaublich gut und hat auch neue Methoden seiner Zeit eingeführt. Ich komme gleich drauf.
0:15:20–0:15:26
Das war so der Durchbruch 1925 mit Freudlose Gasse mit Greta Gabo,
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die schon damals dann auch ein Star war.
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Ja, dann, wie gesagt, 1926 Geheimnisse einer Seele, der erste psychoanalytische
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Film. Also er hat ganz viel zuerst gemacht.
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Er war ganz viel so der Vorreiter von Sachen.
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Dann 1929, ich habe es schon erwähnt, Büchse mit der Pandora und Tagebuch einer
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Verlorenen mit Louis Brooks beide.
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Und das ist wirklich ikonografisch, diese Darstellung weiblicher Sexualität,
0:15:59–0:16:02
dieses auch Queere, was da drin ist.
0:16:02–0:16:09
Also diese typischen Louisburg ist so, wenn du sie siehst, dann ist das so der Archetyp der...
0:16:10–0:16:14
Wenn du dir eine Frauenfigur vorstellst, die dann halt so androgyn ist,
0:16:15–0:16:19
das ist halt so und das ist ein Weimarer Republik, das ist Louis Brooks,
0:16:19–0:16:21
ja, und das verkörpert sie.
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Und dann, 1990, da will ich auch ein bisschen länger mit dir drüber reden,
0:16:25–0:16:30
weil ich den Film gesehen habe und hat Spaß gemacht, nämlich Die Weiße Hölle vom Pitz-Balü.
Micz Flor
0:16:31–0:16:37
Nein, ich habe es gelesen. Ich habe auch Papst mir angeguckt und Pitz-Balü fand ich sehr gut.
0:16:37–0:16:44
Das klang irgendwie wie Könnte so eine St. Kildertrips-Trillkneipe sein aus den 90er Jahren.
Florian Clauß
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Ja, stimmt. Ja, das ist halt Schweizerdeutsch. Pizpalü. Ich dachte, Pizpalü.
0:16:51–0:16:56
Aber es ist halt Schweizerisch. Das ist nämlich der Bergfilm als Genre,
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der dann schon maßgeblich entwickelt wurde von Arnold Funk.
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Der schon in den 1920ern dann quasi dramaturgisch, also Spielfilme in Bergen,
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Bergkulissen gemacht hat.
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Papst ist jetzt nicht der Genrevorreiter des Bergfilms, aber er hat dann quasi
0:17:16–0:17:20
die psychologische Tiefe in den Bergfilm mit reingebracht.
Micz Flor
0:17:21–0:17:23
Die dramatische Höhe und die psychologische Tiefe.
Florian Clauß
0:17:23–0:17:27
Genau, die dramatische Höhe. Funk war vor allen Dingen für die Außenaufnahmen
0:17:27–0:17:31
zuständig. Reden wir gleich nochmal drüber, weil das wirklich spannend ist, ja? Ja.
0:17:31–0:17:38
Dann kam er zum Tonfilm und Papst war einer der frühen Regisseure,
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die dann halt auch 1930 die ersten Tonfilme gemacht hat, nämlich mit Westfreund 1918.
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Der wurde dann 1930 verfilmt von ihm und da findet man auch legendäre Kamerafahrten
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über Schützengräben, wo dann halt das Artilleriefeuer wirklich so in die Schützengrabe einschlägt.
0:18:00–0:18:03
Und du siehst die Kamera, wie sie dann über die Schützengraben fährt.
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Ich meine, heutzutage mit Tricktechnik und so weiter ist das,
0:18:06–0:18:09
glaube ich, nicht beeindruckend. Aber damals, ich habe es mir angeguckt, fand ich schon.
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Also es ist immer noch so, es sind die Filme, kann man immer noch sehen und
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sich unterhalten fühlen.
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Was da so, ich erkläre jetzt nochmal ein bisschen zum Tonfilm,
0:18:19–0:18:21
also weil das ist wirklich spannend.
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Weil der Tonfilm, das war mir auch nicht so bewusst, als dann der Tonfilm als
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Technologie, diese Verknüpfung der Spur von Filmaufnahme zu Ton.
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Das wurde dann frühzeitig eine Technologie, die auch die UFA gemacht hat,
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war dann halt der Lichtton.
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Das heißt, es wurde dann direkt auf dem Negativ eine zusätzliche Spur,
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wo dann halt auch in Lichtform der Ton gespeichert wurde.
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Das hat sich aber nicht durchgesetzt, weil der Qualitativ recht schlecht ist,
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weil es eine sehr schlechte Tonauflösung hat und so weiter.
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Später wurde es dann abgewechselt und dann halt auch diese Synchronicität von
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eben Ton auf dem Set und Bild, ja, das heißt immer, wenn irgendwas läuft,
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musst du auch die Tonspur dazu parat haben.
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Der Ton wurde allgemein abgenommen, es gab noch keine Richtmikrofone.
0:19:12–0:19:16
Also das, wie man heute arbeitet mit Richtmikrofon, was wir jetzt hier mit uns
0:19:16–0:19:21
rumtragen, so ein kleines Lavier-Mikrofon, das kann ja den Sound dann direkt
0:19:21–0:19:23
einfangen, was dann gerichtet ist.
0:19:23–0:19:28
Die hatten damals nur Kugelmikrofone und diese Kugelmikrofone hatten halt die
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Eigenschaft, dass sie komplett.
0:19:30–0:19:35
Rundherum alle Geräusche aufgenommen haben, was ein Problem war,
0:19:35–0:19:38
weil nämlich die Kamera war extrem laut.
0:19:38–0:19:43
Die Kamera hat ja das Rattan gemacht. Das heißt, die haben dann wirklich so
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schalldichte Kabinen für die Kamera entwickelt.
0:19:47–0:19:50
Was aber zur Folge hatte, dass die Kamera sich nicht mehr bewegen konnte,
0:19:51–0:19:53
weil die in dieser Kabine drin war.
0:19:53–0:19:57
Was zur Folge hatte, dass diese ganzen ersten Tonfilme sehr statisch waren.
0:19:58–0:20:01
Also das heißt, auf der einen Seite konnte sich die Kamera nicht bewegen,
0:20:01–0:20:05
auf der anderen Seite mussten die Schauspieler dann immer zielgerichtet,
0:20:05–0:20:08
also du siehst es halt, dass die halt immer so zielgerichtet in eine Richtung
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gesprochen haben, wo das Mikrofon ist, ja.
0:20:11–0:20:13
Also das heißt, die konnten auch nicht viel Bewegung reinbringen.
0:20:13–0:20:16
Ja, deswegen hat diese Tonfilme eine gewisse Statik.
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Dann immer, wenn irgendein Geräusch im Hintergrund passiert ist,
0:20:21–0:20:25
das nicht zum Dialog gehört oder sowas, weil dann halt irgendwie so hinter der
0:20:25–0:20:28
Kamera jemand irgendwie was hat fallen lassen. Das war auch drauf.
0:20:29–0:20:33
Das war auch extrem teuer, weil man oft diese Szenen wiederholen musste,
0:20:33–0:20:35
weil das alles eingefangen wurde.
0:20:35–0:20:38
Und in dieser Zeit, also das ist schon spannend, weil das wirklich nur so ein
0:20:38–0:20:41
paar Jahre waren, bis dann halt die Technologie nachgezogen hat,
0:20:42–0:20:45
bis dann halt das Tonmischen angefangen hat, bis dann halt auch die richtigen
0:20:45–0:20:47
Mikrofone sich entwickelt haben.
0:20:48–0:20:50
Ist ja diese Pionierzeit erst mal, wie können wir damit arbeiten?
0:20:50–0:20:55
Und dann kommt halt Papst und macht halt so dynamische Kamerafahrten in so,
0:20:55–0:20:57
in den ersten Tonfilmen.
0:20:57–0:21:01
Ja, und das hat er halt auch dadurch hinbekommen, dass er, so würdest du auch
0:21:01–0:21:07
so rangehen, so ein Mitch-Trick, dass man halt in so einer Kamerafahrt dann
0:21:07–0:21:10
mit extrem lauten Kontrasten arbeitet.
0:21:10–0:21:14
Es war immer still und auf einmal hast du dieses Einschlagsfeuer gehört.
0:21:15–0:21:19
Und dann war halt nichts lange. Und dadurch hat man halt irgendwie wieder so
0:21:19–0:21:23
einen kontinuierlichen Raum wahrgenommen im Audio-Bereich.
0:21:23–0:21:25
Aber im Prinzip waren das immer nur so...
0:21:25–0:21:28
Montagen, die dann so anangestimmt sind.
Micz Flor
0:21:28–0:21:30
Dazwischen hat er einfach auf Null gedreht.
Florian Clauß
0:21:30–0:21:34
Genau, hat er dazwischen auf Null gedreht und konnte die Kamera bewegen und dann wieder boof.
0:21:35–0:21:40
Er war ja immer noch Kopf von einem Team, wo viele mitzugearbeitet haben.
0:21:41–0:21:45
Ja, aber das hat er so als Innovationsmethode dann halt auch entwickelt. Also wirklich toll, ja.
0:21:46–0:21:52
Und dann, was er dann gemacht hat, ist im Prinzip die Drei-Groschen-Oper.
0:21:52–0:21:56
Er hat die Drei-Groschen-Oper 1931 verfilmt.
0:21:56–0:22:01
Wir wissen, Drei-Groschen-Oper ist von Bertolt Brecht und Kurt Weil.
0:22:01–0:22:05
Eigentlich so könnte man das auch als eine Art von Musical.
0:22:05–0:22:09
Ich meine, Musical, das ist nochmal ein Kapitel für sich in der Filmgeschichte.
0:22:09–0:22:12
Musical wurde schon vorher entwickelt.
0:22:12–0:22:17
Man kann jetzt nicht irgendwie sagen, dass Papst das quasi auch einer der ersten
0:22:17–0:22:19
Regisseure fürs Musical war.
0:22:19–0:22:23
Kurt Weil, die Drei-Groschen-Oper, das waren ja alle Schenkelklopfer.
0:22:23–0:22:27
Mäckimesser das hat man ja sofort
0:22:27–0:22:33
im Ohr wenn man den Namen hört kannst du das mal bitte anstimmen und.
Micz Flor
0:22:33–0:22:38
Der Haifisch der hat Zähne,
0:22:39–0:22:50
und die trägt er im Gesicht doch der Mäcki hat ein Messer,
0:22:51–0:22:56
Und das Messer sieht man nicht.
0:22:57–0:23:01
Also ein bisschen, ich habe beim Singen gemerkt, dass ich nicht genau weiß,
0:23:01–0:23:03
wo ich hin muss. Aber es soll genügen.
Florian Clauß
0:23:04–0:23:12
Nee, toll, danke, danke. Auch hier finden wir wieder eine Synchronicität zwischen den Filmen.
0:23:12–0:23:17
Nämlich das Messer. Das Messer, Mackie-Messer. Mackie-Messer als Person.
0:23:17–0:23:22
Das Messer in Geheimnisse einer Seele.
0:23:23–0:23:30
Und wir haben bei der Büchse der Pandora wird am Ende Louis Brooks von Jack
0:23:30–0:23:34
the Ripper mit einem Messer am Ort. Also immer kommt immer das Messer.
0:23:34–0:23:38
Da musst du eine psychoanalytische Arbeit drüber machen.
0:23:38–0:23:41
Da kannst du nochmal ein bisschen die Filmgeschichte auffüllen.
0:23:42–0:23:44
Ja, aber interessant, dass er immer so diese Messerfiguren hat.
Micz Flor
0:23:44–0:23:46
Ein Fall für Hans Sachs.
Florian Clauß
0:23:46–0:23:50
Genau. Also legendär ist auch der Prozess,
0:23:51–0:23:57
der dann Brecht angeworfen hat, weil er eben die künstlerische Verarbeitung
0:23:57–0:24:02
des Stoffes durch Papst wollte er anfechten. Das war überhaupt nicht in seinem Sinne.
0:24:02–0:24:05
Wir haben eine Folge über Brecht gemacht.
0:24:05–0:24:10
Also Brecht als KünstlerInnen-Kollektiv, die Kuhle Wampe oder wem gehört,
0:24:10–0:24:11
die Welt verfilmt haben.
0:24:11–0:24:16
Wir waren vor Ort bei Kuhle Wampe, verlinke ich nochmal in dieser Folge.
0:24:17–0:24:20
Ein Zeltplatz vor den Toren von Berlin, so fängt es an.
0:24:21–0:24:25
Das ist am Müggelsee, coole Wampe, wo dann halt die ganzen Arbeiter rausgezogen
0:24:25–0:24:27
sind aufgrund der Wohnungsnot.
0:24:27–0:24:31
Und Brecht hat einen agitatorischen politischen Film gemacht.
0:24:31–0:24:33
Das heißt, er hat Montage so
0:24:33–0:24:37
eingesetzt, wie die russischen Filmregisseure das auch eingesetzt haben.
0:24:37–0:24:42
Also als Werkzeug, um Machtverhältnisse zu demonstrieren.
0:24:42–0:24:48
Es ist eine Statue wie bei Eisenstein, eine Statue von einem Löwen und daneben
0:24:48–0:24:52
eben wie der Löwe sich aufrichtet und gleichzeitig dann halt ein.
0:24:54–0:25:00
Einen Arbeiteraufstand, einen Streik, also die Mitte, mit der Montage wird dann
0:25:00–0:25:02
halt gezeigt, was möglich ist.
0:25:03–0:25:06
Drei-Groschen-Oper war ein unglaublicher kommerzieller Erfolg,
0:25:07–0:25:11
die Leute haben die Papst-Verfilmung gesehen, gemocht.
0:25:12–0:25:18
Was Papst da auch eingesetzt hat, ist im Prinzip diese hypnotische oder die
0:25:18–0:25:20
emotionale Wirkung von Musik.
0:25:20–0:25:25
Also wie ich jetzt noch einen Rückenschauer bekomme, wenn du Macky Messer singst,
0:25:25–0:25:28
ist das den Leuten da im Theater gegangen.
0:25:28–0:25:34
Nach wie vor funktioniert das halt großartig, die Musik von Kurt Wey.
0:25:35–0:25:40
Er hat sich bewusst eben dagegen entschieden und hat dadurch halt auch das komplett
0:25:40–0:25:44
entpolitisiert und auch dieser neuen Sachlichkeit.
0:25:44–0:25:49
Also das, was auch Brecht eben angeprangert hat.
0:25:49–0:25:53
Brecht wollte die Verfremdung, ja, Verfremdung als Mittel, nicht die Kunst als Sog.
0:25:54–0:25:58
Ja, das war dieses, wogegen sich Brecht in seinem Straßentheater,
0:25:58–0:26:01
in diesem Manifest oder das Konzept, was er entwickelt hat von Inszenierung,
0:26:02–0:26:05
wo eben keine Katharsis passieren muss.
0:26:05–0:26:10
Katharsis im mystischen Sinne. In der Antike, dass du dann halt eine Aufführung
0:26:10–0:26:15
eines Stückes siehst und dann durch den Genuss quasi eine Erlösung empfindest.
0:26:15–0:26:20
Und damit, hat er gesagt, damit werden die Machtverhältnisse immer wieder hergestellt.
0:26:20–0:26:25
Also er will, die Zuschauerinnen und Zuschauer eben dazu befähigen,
0:26:25–0:26:30
sich gegen die Macht oder das so zu zeigen, wie es politisch verteilt ist.
0:26:30–0:26:37
Das war die Intention von Brecht und die hat er komplett bei der Dreigorschen-Oper-Verfilmung
0:26:37–0:26:42
von Papst unterwandert gesehen, weil er eben auf die neue Sachlichkeit gesetzt hat,
0:26:42–0:26:46
weil er eben auf die Emotionalität durch die Musik und dann auch eine Psychologisierung
0:26:46–0:26:48
der Figuren gemacht hat.
0:26:48–0:26:53
Also eine Identifikation, da gab es nichts, was dann halt auch irgendwie die
0:26:53–0:26:57
Leute so hat aufschrecken lassen und jetzt eben um die Machtverhältnisse umzukehren
0:26:57–0:26:59
oder eben eine politische Bildung rauszutragen.
0:27:00–0:27:02
So, das war dieser Streit, den aber Brecht verloren hat.
0:27:03–0:27:06
Also wir sind jetzt noch 1931.
Micz Flor
0:27:06–0:27:07
Das war ein Rechtsstreit.
Florian Clauß
0:27:07–0:27:08
Das war tatsächlich ein Rechtsstreit.
0:27:10–0:27:14
Führer in der Rechtsstellung, wo sich dann auch andere Gerichtsverfahren,
0:27:14–0:27:18
die in ähnlicher Weise, es geht ja quasi um Copyright, der dann halt auch da
0:27:18–0:27:22
in der Rechtsprechung wegweisend war, wo sich dann auch viel darüber abgeleitet
0:27:22–0:27:24
hat. Den hat Brecht verloren, ja.
Micz Flor
0:27:25–0:27:29
Und Brecht wollte, dass das nicht mehr aufgeführt wird und alle Kopien vernichtet,
0:27:29–0:27:32
weil es seine Arbeit ist.
Florian Clauß
0:27:32–0:27:35
Genau. Ich kann dir gar nicht sagen, was Brecht genau wollte,
0:27:35–0:27:40
aber wahrscheinlich wollte er einfach die Aufführung unterbinden in seinem Namen.
0:27:40–0:27:44
Der Künstler als Autor, der sein Recht da einfordert.
0:27:45–0:27:50
Was er dann eben in Kuhle-Wampe, aber wir haben ja auch bei der Besprechung
0:27:50–0:27:55
von Kuhle-Wampe auch gesagt, dass 1932 schon so diese ganzen Zeichen,
0:27:56–0:27:59
also diese Stimmung in Deutschland,
0:27:59–0:28:03
dass die Nationalsozialisten kurz vor der Machtergreifung standen.
0:28:03–0:28:06
Das war schon so intensiv, das war ja alles schon sehr erstarrt.
0:28:06–0:28:12
Und gleichzeitig war halt auch die Armut und die Weltwirtschaftskrise so stark,
0:28:12–0:28:17
dass es halt, ja, der Umschwung war quasi spürbar zu der Zeit.
0:28:17–0:28:25
Er emigrierte dann, Papst, 1933 nach Hollywood und hat einen Film gedreht.
0:28:25–0:28:29
Aber in diesem Studiosystem von Hollywood hat er sich nicht wohlgefühlt.
0:28:30–0:28:37
Ja, so wird berichtet. Und der Film Modern Hero 1934 ist auch ein kompletter Job gewesen.
0:28:38–0:28:40
Also er hat nichts eingespielt.
Micz Flor
0:28:40–0:28:41
Hast du den gesehen?
Florian Clauß
0:28:41–0:28:45
Nee, den habe ich nicht gesehen. Nein, ich habe tatsächlich nur so die aus der
0:28:45–0:28:47
Weimarer Republik, aus der Zeit gesehen.
0:28:48–0:28:52
Die habe ich mir angeguckt im Archive.org. Kann man die runterladen?
0:28:53–0:28:58
Oder angucken, ja, also das ist eine gute Quelle dafür. YouTube gibt es auch
0:28:58–0:29:00
teilweise, wir verlinken die dann zur Folge.
0:29:01–0:29:06
1939 ist er dann, und das ist halt so genau diese Geschichte,
0:29:06–0:29:10
die in dem Roman von Kehlmann behandelt wird.
0:29:10–0:29:16
Ich glaube, das sind zwei Kapitel aufgeteilt, oder drei, draußen.
0:29:16–0:29:20
Und draußen behandelt die Zeit in Amerika, dann drinnen, wie er dann wieder
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1939 zurück nach Österreich.
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Österreich gezogen ist, angeblich um seine kranke Mutter dann weiter zu unterstützen,
0:29:30–0:29:36
fördern oder ihr zu helfen, aber dann mit Kriegsbeginn nicht mehr ausreisen konnte.
0:29:36–0:29:40
Und das, was ihm dann so ein bisschen nachgesagt oder zu Last gelegt wurde,
0:29:40–0:29:47
ist, dass er unter der Zeit der Nationalsozialisten zwei Filme gedreht hat, die dann aber auch.
0:29:48–0:29:53
Ideologisch den Nazis vorgeschrieben waren. Also das heißt, er hat dann Komedianten
0:29:53–0:29:57
1941 und Paracelsus 1943 gedreht.
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Das ist so eine moralische Grauzone. Er war nie Mitglied der NSDAP und er war
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auch immer ein linker Typ. Also er war auch in der Wehrmauer Republik.
0:30:07–0:30:12
Er war dann jetzt nicht Kommunist oder sowas, sondern am ehesten so Humanist,
0:30:12–0:30:14
aber doch ein aufgeklärter.
0:30:14–0:30:17
Und ist auch so seinen Werten mehr oder weniger treu geblieben.
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Aber hier wird ihm so ein bisschen das Mitläufertum dann angehangen.
0:30:22–0:30:27
Es ist sehr unterschiedlich diskutiert worden in der Filmgeschichte.
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Was aber auch dann wieder interessant ist,
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dass nämlich in den Nachkriegsjahren hat Papst im 1948 ersten Film der Prozess
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gedreht, der sich dann explizit mit dem Antisemitismus und den Folgen dann auseinandersetzt.
0:30:45–0:30:49
Also das heißt, einer der ersten Stimmen, künstlerischen Stimmen,
0:30:49–0:30:54
die das dann halt auch dem Ausdruck verliehen haben. Und dann hat er...
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Der letzte Akt, 1955, Hitlers letzte Tage.
0:30:59–0:31:04
Darauf bezieht sich dieser eine Film Anfang der 2000er. Wie heißt der nochmal?
Micz Flor
0:31:04–0:31:04
Der Untergang.
Florian Clauß
0:31:04–0:31:09
Der Untergang mit Bruno Gans. Also der ist inspiriert von der letzte Akt,
0:31:10–0:31:12
also diese Tage von Hitler im Bunker.
0:31:12–0:31:19
Und es geschah am 20. Juli. Hat er auch 1955 gedreht über das Staufenberg-Attentat.
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Wobei man sagen muss, da hat wohl 955 hat er schon so gesundheitlich abgebaut,
0:31:26–0:31:32
dass seine Frau teilweise da auch die Arbeiten am Set übernommen hat. Also Trude, Papst.
0:31:33–0:31:35
Er hatte Diabetes.
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Bei ihm war auch schon Parkinson schon, also Parkinson, die Krankheit ausgebrochen.
0:31:42–0:31:45
Und er war eigentlich nicht mehr so richtig gesundheitlich fit.
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Das war auch sein letzter Film, den er gedreht hat. Und er ist dann 1967 in Wien gestorben.
0:31:53–0:32:00
Also das ist ganz grob seine Biografie. Und ich habe ja schon angekündigt,
0:32:00–0:32:04
beziehungsweise ein bisschen exponiert, seine filmtechnischen Innovationen.
0:32:05–0:32:12
Das eine ist, wie gesagt, der Tonfilm. Und das andere, oder vielleicht kann
0:32:12–0:32:14
man nochmal zu der Person was sagen.
0:32:14–0:32:18
Also da gibt es halt auch nicht viele Quälen über ihn. Aber damit man so eine
0:32:18–0:32:27
gewisse Vorstellung hat von ihm als Regisseur, Fritz Lang war ein sehr cholerischer Typ,
0:32:27–0:32:30
so ein Autokrat am Set,
0:32:30–0:32:35
der dann halt auch rumgeschrien hat, wenn irgendwas nicht funktioniert hat.
0:32:35–0:32:39
Also er war sehr dominant und laut.
0:32:39–0:32:43
Papst war da gar nicht so gut.
0:32:44–0:32:49
Der war eher so ein bisschen stiller, aber er hatte eine unglaubliche Kontrolle über alles.
0:32:49–0:32:54
Also er hatte so eine, wenn er ans Set kam, haben alle dann halt schon gewusst,
0:32:55–0:32:57
okay, das ist so, wie wir das machen.
0:32:57–0:33:00
Also er musste gar nicht laut werden. Also er hatte so eine Autorität.
Micz Flor
0:33:01–0:33:02
Wo hast du das her, die Quellen?
Florian Clauß
0:33:02–0:33:07
Das war vor allen Dingen von Louis Brooks in der Biografie, die er in der Beschreibung.
0:33:07–0:33:10
Also es gibt halt nicht, wie gesagt, nicht viele Quellen.
0:33:10–0:33:13
Das war Louis Brooks dann in dieser Biografie von 1984.
0:33:14–0:33:17
Aber das fand ich so ganz interessant, weil das passt, glaube ich, ganz gut zu ihm.
0:33:18–0:33:24
Und dann, wo er eigentlich, und das ist aus seiner Persönlichkeit heraus,
0:33:25–0:33:30
auch nachvollziehbar, was er dann auch für schauspielerische Methoden hatte.
0:33:30–0:33:33
Nämlich, er war eigentlich auch der Begründer des Method Act.
0:33:34–0:33:36
Ja, was ist Method Acting?
Micz Flor
0:33:36–0:33:43
Method Acting ist, wenn Robert De Niro die Unterhosen von Al Capone anhat,
0:33:44–0:33:48
monatelang, bevor er dann den Film dreht, wo er Al Capone spielt.
Florian Clauß
0:33:48–0:33:53
Genau, das ist so quasi diese schauspielerische Seite des Method Acting,
0:33:53–0:33:59
die von dem Regisseur die Möglichkeiten des Method Acting, das habe ich neulich
0:33:59–0:34:03
auch in einem Podcast, kann ich empfehlen an dieser Stelle, Muss man sehen,
0:34:03–0:34:08
heißt der Podcast, über Kubrick, über Shining,
0:34:09–0:34:13
den Film und wie Kubrick da, weil Kubrick ist dafür bekannt,
0:34:13–0:34:18
wie er quasi mit seinen SchauspielerInnen umgegangen ist, wie er das dann halt
0:34:18–0:34:22
auch auf seinem Set gemacht hat mit der weiblichen Hauptdarstellerin.
Micz Flor
0:34:22–0:34:24
Ja, die hat es wohl nicht leicht gehabt.
Florian Clauß
0:34:24–0:34:29
Nee, die hat es nicht leicht gehabt. Also das heißt, wirklich eine völlig gezielte,
0:34:29–0:34:34
beeinflussnahmemanipulation der Schauspieler, ja.
0:34:34–0:34:40
Also das heißt, der Papst hat das so mitentwickelt. Er hat teilweise die Zuneigung,
0:34:40–0:34:42
ja, das ist ja so ganz offen und nett mit jemandem.
0:34:42–0:34:47
Aber es war immer so dem Zweck der Verfilmung gewidmet. Es war niemals so persönlich.
0:34:48–0:34:51
Er war auch immer eine sehr distanzierte Person, unpersönliche.
0:34:51–0:34:54
Man hat nicht so eine Nähe entwickelt, das wurde auch so beschrieben.
0:34:55–0:35:00
Er hat alles, was er dann halt quasi so an, wie er mit seinem Umfeld umgegangen
0:35:00–0:35:05
ist, diente immer so dieser Schauspielerführung oder dieses Ergebnis,
0:35:05–0:35:06
das aufs Leinwand zu bringen.
Micz Flor
0:35:07–0:35:11
Also das heißt, das Method Acting aus Sicht des Regisseurs oder der Regisseurin
0:35:11–0:35:15
ist, um den emotionalen Zustand herzustellen,
0:35:15–0:35:21
den die Person dann vor der Kamera spielt, muss man sozusagen das komplementäre
0:35:21–0:35:25
Angebot machen für jemanden, der sich dann irgendwie ganz toll und großartig
0:35:25–0:35:29
fühlt, muss man eben total bewundernd und unterwürfig sein.
0:35:29–0:35:31
Also das ist das so gemeint, dass man dann immer...
Florian Clauß
0:35:31–0:35:36
Nee, nicht unbedingt. Nee, sondern das ist wirklich das Manipulative, was da drin hängt.
0:35:37–0:35:40
Dass er dann auch diese Überraschungsmomente und so weiter...
0:35:40–0:35:45
Er hat nie konkrete Anweisungen gegeben, sondern er hat die Schauspieler,
0:35:45–0:35:47
Schauspielerinnen in eine Situation gesetzt,
0:35:48–0:35:54
Und hat dann quasi durch das Set hindurch, musste der Schauspieler selber dann
0:35:54–0:35:59
entwickeln, wie er Sachen darstellt. Das hat er nicht vorgegeben bekommen.
0:35:59–0:36:02
Aber Papst hat dann so Sachen eingebaut, die dann halt den Schauspieler dann
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halt wirklich so verwirrend erschrecken oder womit er nicht gerechnet hat.
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Um dieses authentische Gefühl, das, was bei Stanley Kubrick auf dem Set von Shining passiert ist,
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um diese Agonie der Darstellerin zu bekommen, Die dann halt am Ende völlig,
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also ich meine, das sind ja Bilder, die hat man ja so noch nicht gesehen,
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wo dann Jack Nicholson mit der Axt ausrastet und sie da an der Tür klebt.
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Das ist halt so eine Intensität dann auch zu entwickeln, musst du ja die Schauspieler
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dann in bestimmte Situationen bringen.
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Und das hat Papst auch so gemacht. Das ist halt so qualitär derjenige.
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Habe ich jetzt gehört, dass es Method Acting so gesagt wird.
Micz Flor
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Kennst du die Anekdote von Marathon Man als Fußnote mit Dustin Hoffmann und Laurence Olivier?
Florian Clauß
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Erzähl.
Micz Flor
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Der Dustin Hoffmann hat ja Method Acting auch gemacht.
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Und für diese Rolle in Marathon Man, wo er zwei Tage nicht geschlafen war,
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total drüber war und unzurechnungsfähig, verängstigt und so weiter,
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da hat er halt zwei Tage wirklich nicht geschlafen.
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Und dann saß der wohl, während noch aufgebaut wurde, so neben Set und war fix und fertig.
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Laurence Olivier, einer arguably der größten Schauspieler des letzten Jahrhunderts.
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Der lief da so vorbei und hat ihn so angeguckt und hatte so ein Bedauern und
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meinte dann so Why don't you try acting?
Florian Clauß
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Ja, ja, genau. Sehr gut.
Micz Flor
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Und das finde ich halt schon auch legitim, weil das irgendwie genau das er ist.
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Also Laurence Olivier ist dann eben der Schauspieler, der tut das so.
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Und im Method-Acting ist man das dann einfach. Man kann gar nicht anders.
Florian Clauß
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Ja, aber das finde ich total faszinierend, dass er das halt wirklich so entwickelt hat.
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Und im Stummfilm wurde halt diese expressive, also nicht die expressive,
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aber diese Nuancen im Gesicht, das kriegst du, glaube ich, auch teilweise mit
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bei diesem Film, den wir jetzt gesehen haben.
Micz Flor
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Ja, im Stummfilm kann man ja wirklich auch einfach richtig anwesend sein.
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Du kannst ja rumbullen, du kannst ja tun, was du willst. Das ist schon interessant.
Florian Clauß
0:38:06–0:38:14
Da war er quasi so maßgeblich, was er da an Methoden entwickelt hat und die
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dritte Sache, wo er dann halt auch mit dabei war,
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ist dieses, was wir auch schon letzte Folge angeschnitten hatten,
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nämlich dieses Community Editing.
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Also Community im Sinne von, dass der Schnitt.
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Mehr so ein montierter schnitt ist sondern unsichtbarer schnitt
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der schnitt folgt den sichtachsen von figuren der
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schnitt ist dient dazu um inneren erzählerischen raum aufzubauen
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und nicht eben der montage ja und
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das ist das was man vorher auch noch nicht so als formsprache entwickelt hat
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das hat er dann halt natürlich gab es im system hollywood weil das ja genau
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diese form es gibt diese vierte wand ich schaue drauf und es gibt einen narrativen kausalen Raum,
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wo sich Bewegung irgendwie so physikalisch sinnvoll abbildet.
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Nämlich, wenn ich dann halt irgendwie was fallen lasse, also die Hand öffnet
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sich, das Reagenzglas fällt runter und zerbricht.
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Das ist eine einfache Montage, aber das ist so ein Wirkungsraum.
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Oder wenn dann die Blickachse, wenn die Blickrichtung der Schauspielerin dann
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verfolgt wird und die Kamera dreht dann und schwenkt dann weiter und dann kommt
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ein Schnitt und so weiter.
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Oder dass dann halt die Schnittachsen dann nicht über eine gewisse Gradzahl
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gehen dürfen, sonst wird es als unnatürlich wahrgenommen.
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Also das, was dann die Novelle Mark später total gebrochen hat mit Godard und so weiter.
Micz Flor
0:39:42–0:39:44
Der Achsensprung, wenn man die Kamera...
Florian Clauß
0:39:44–0:39:48
Der Achsensprung, genau. Diese Filmsprache, dieses Formwerk hat er dann auch
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quasi mit etabliert, Papst.
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Ja, also wir merken viele Sachen, die in dem jungen Medium Film,
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ja, was sich dann halt als Erzählstruktur erst mal so mit etabliert hat,
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aber auch als, ja, ich meine, das Tonfilm, ja, das ist heute so normal für uns,
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musste ja dann auch erst mal entwickelt werden.
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Ja, was passiert denn, wenn ich auf einmal Ton habe, ja, wo sich dann aber auch
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schon ziemlich schnell dann die prägenden...
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Regeln dann so fixiert haben. Also da war Papst eben aktiv.
Micz Flor
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Ja, man könnte schon, denke ich, da in unserer Generation das Internet irgendwie
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mit anlegen als Medienraum.
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Wo man am Anfang alles irgendwie auch in den Metaphern, die benutzt wurden,
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war das noch sehr eingeschränkt.
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Jetzt guckt man genauso lang irgendwie aufs Internet, wie vielleicht Papst damals
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eben auf den Film geguckt hat.
Florian Clauß
0:40:38–0:40:39
Ja, vielleicht.
Micz Flor
0:40:39–0:40:42
Das war ja nicht alles gerade erst erfunden. Das waren ja schon Jahrzehnte.
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Aber solche Prozesse, dann kommt eben Ton mit dazu, dann kommt Farbe mit dazu.
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Irgendwann hatten Leute gehofft, 3D kommt dazu, aber das hat nicht so richtig geklappt.
Florian Clauß
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Andere haben dagegen gehofft.
Micz Flor
0:40:55–0:40:59
Aber das war ja trotzdem eine lange Zeit, in der das entwickelt wurde.
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Es wurde nicht quasi einfach ausgeschüttet und da musste man damit umgehen.
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Aber in der Entwicklung war es trotzdem so, dass es einfach dauert,
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bis man diese Sachen umsetzen kann.
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Zumal ja auch einfach die Herstellung eines Filmes jetzt ja nicht ein Wochenende
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dauert, sondern das ist ja auch, bis der Film fertig ist und dann läuft und
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man dann irgendwie weiterarbeiten kann und das nächste Projekt anfangen kann,
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da vergehen dir dann auch eher Jahre.
Florian Clauß
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Das stimmt. Ja, aber du merkst, warum mich das jetzt so gepackt hat bei Papst,
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wo ich auch gar nicht mit gerechnet habe, dass da so viel zusammenkommt bei
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der Figur, aber so viel, womit ich mich auch dann so beschäftigt habe.
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Wir haben ja über den erzählerischen Raum gesprochen, als hier auch gar nicht so weit.
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Das war ja vor zwei Jahren, als ich über Bruce LaBruce, über Theorema,
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die Geometrie der Liebe, sind wir hier lang gelaufen und darüber gesprochen.
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Und da ging es ja auch quasi um die Methoden, wie sich dann halt inszenatorisch
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Filmraum quasi von der Formalsprache entwickelt hat. Also ich finde es halt
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wirklich so, fand ich total faszinierend bei Papst in der Auseinandersetzung.
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Und vielleicht jetzt noch eine Sache zum Schluss oder so als letztes Kapitel
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ist nochmal, was ich vorhin angekündigt habe, der Bergfilm.
Micz Flor
0:42:19–0:42:20
Ja, da bin ich gespannt.
Florian Clauß
0:42:21–0:42:21
Das klingt so.
Micz Flor
0:42:23–0:42:27
Ich hatte das von dir schon gehört, ja, der Bergfilm. Und da muss ich sagen,
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ich bin gespannt, wie das gespannt wird.
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Wie das spannend wird. Ich bin sozusagen ganz ohr.
Florian Clauß
0:42:34–0:42:38
Ja, also ich habe ja schon gesagt, Genregründer ist er nicht.
0:42:38–0:42:41
Wir haben hier Arnold Funk, der dann im Prinzip,
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So den Bergfilm, vielleicht muss man noch mal ein bisschen was zu Arnold Fangs
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sagen, dass viele Filme der damaligen Zeit, also auch gerade in diesem Varieté-Kontext,
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wo man dann halt noch im Zirkus-Selt einen Film gezeigt hat,
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viele Filme waren dann ja auch so Naturfilme oder Tierfilme oder irgendwie Filme
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von fremden Kontinenten.
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Es gab dann halt so die Zeit, wo man dann halt auch irgendwie indigene Völker
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dann abgefilmt hat und dokumentarisch dann inszeniert hat und dann wieder irgendwie,
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aber auch zu Varietätszwecken dann aufgeführt hat.
Micz Flor
0:43:15–0:43:18
Und dauerte es auch wirklich nur ein Minuten, zwei Minuten für den ganzen Anfang,
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wo man dann halt gesehen hat, wie jemand wäscht oder gesehen hat,
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wie jemand eine Wäsche aufhängt danach oder wie ein Zug losfährt und dann war es auch schon gut.
Florian Clauß
0:43:27–0:43:31
Ja, genau. Ich meine, klar, der Zug, der Zug, der Millier, muss man auch mal
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sagen, der so um die Jahrhundertwende, also noch vor dem 20.
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Jahrhundert dann angefangen hat, da sehr surrealistische Filme zu drehen,
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mit denen Reise zum Mond und so weiter.
Micz Flor
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Ja, der war, glaube ich, mit 14 Minuten schon damals einer der längsten Filme überhaupt.
Florian Clauß
0:43:46–0:43:51
Ja, obwohl ich weiß nicht, ob der 1800 oder ich glaube, der ist 1907 oder so
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gefilmt worden. Also der ist dann doch noch im 20. Jahrhundert.
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Aber das war ja so, das gab es diese Art von Filmen. Aber was dann auch zu diesen
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Unterhaltungsfilmen gezählt hat, waren dann halt so Naturaufnahmen,
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Bergaufnahmen, also dass dann halt wirklich so Filmteams irgendwo ins Gebirge
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gefahren sind und da zum Beispiel, und das war Funk, das gilt so als Begründer
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des Werksfilms, wo dann halt so eine Skiabfahrt inszeniert wurde, ja.
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Also das ist halt auch wieder so ein Materialanspruch, der da mit drin hängt, nämlich...
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Du brauchst Filmmaterial, das dann halt irgendwie diese Kälte überstehen kann.
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Du brauchst Kameras, die dann halt so tragbar sind. Du brauchst Kameramänner,
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Frauen gab es dann nicht so viele im Bereich.
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Aber du brauchst Leute, die dann halt auch wirklich die technischen Fähigkeiten
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und auch die sportlerischen, athletischen Fähigkeiten haben, das zu filmen.
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Und deswegen waren die meisten von diesen Filmermannen auch nicht irgendwie
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so Künstler, sondern die waren Geologen oder kamen halt irgendwie aus dem Sportbereich.
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Skifahrer oder sowas. Und vor allen Dingen, die waren alles Österreicher,
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da ist wenig Deutsche, die da halt mitgewirkt haben.
Micz Flor
0:45:00–0:45:01
Der Watt-Film.
Florian Clauß
0:45:02–0:45:05
Die dann halt irgendwie auch in den Bergen groß geworden sind.
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Deswegen kam der Bergfilm und da hat Funk eben die dynamische Kamera,
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dass du halt zum ersten Mal so eine Abfahrt siehst von Skiern.
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Oder dass du so monumentale Schneeverwehrungen, so Gipfel.
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Das ist auch bei die Weiße Hölle von Piz Palü auch toll inszeniert.
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Du siehst halt Gegenlicht und du siehst dann, wie dann halt Wolken dann peitschen
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mit Schnee und unglaublich dramatisch wird das dann halt so inszeniert.
Micz Flor
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Sag mal ganz kurz den Plot von die Weiße Hölle von Piz Palü.
Florian Clauß
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Ja, die Weiße Hölle von Piz Palü. Es geht darum, dass ein Bergsteiger, Hans,
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der mit seiner Frau zusammen da eine Tour macht, sie stürzt in eine Gletscherspalte
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und kann nicht mehr gerettet werden und seitdem irrt er da in den Bergen.
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Also er wird dann quasi so als eine Art von Geist beschrieben,
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der versucht, sie dann halt da zu finden oder sie rauszuholen.
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Er will die Leiche finden von ihr.
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Ein junges Paar verbringen ihre Flitterwochen auf einer Berghütte.
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Dann kommt halt dieser Hans, der Wanderer, der Schilder.
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Der Bergwanderer kommt dann in die Hütte rein und will dann halt auch auf einer
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von seinen Touren dann eben die Nordwand besteigen vom Piz Palü.
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Und das Pärchen kommt dann mit.
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Und es kommt zu einer Katastrophe. Die betteln sich so ein bisschen mit fünf
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Studenten. Die Nordwand wurde noch nie bestiegen.
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Und gleichzeitig kommen auch fünf Studenten, Sportleute an, die dann halt auch
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die Nordwand besteigen wollen. und dann gibt es so eine Art von Konkurrenz.
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Und die Studenten geben dann eine Abkürzung, was dann natürlich fatale Folgen
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hat. Und alle stürzen ab von denen.
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Und die anderen, dieses Pärchen mit dem Hans, die verunglücken auch.
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Der Hans bricht sich das Bein. Und die sind dann auf so einen Felsvorsprung
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und warten auf Hilfe, auf Rettung.
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Und dann werden die quasi von der Bergwacht, Das ist auch eine Hommage an die Bergwacht, der Film.
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Werden die dann gerettet nach drei, vier Tagen.
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Wobei dann Hans freiwillig sich opfert, weil er weiß, wenn die jetzt gefunden
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werden, dann schaffen die Bergwächter nicht alle weg zu transportieren, alle zu retten.
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Und er gibt sich dann so ein bisschen von der Gruppe weg und wird dann so vom Schnee verweht.
Micz Flor
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Ach, den habe ich, glaube ich, sogar gesehen. Spielt das der Dings mit,
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wie heißt der nochmal? der auch bei der Schachnovelle mit der Schauspieler.
Florian Clauß
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Also eine zentrale Schauspielerin ist Leni Riefenstahl.
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Leni Riefenstahl war nämlich auch im festen Ensemble von Funk mit dabei.
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Die hat im Prinzip diese athletische Bergsteigerfrau für Körper.
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Aber bei dem Bergfilm ging es auch immer wieder darum, dass sie so die Rivalitäten
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um die Frau dann gesponnen haben.
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Es war jetzt nicht dieses rein passive Frauenbild, was sich da tradiert hat,
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sondern es war schon so, dass die Frau dann so eine gewisse Eigenermächtigung
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hat, weil die dann halt bei dem Klettern, bei den Szenen, wo sie den Berge besteigen,
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dann entsprechend auch da eine tragende Rolle hat, im wahrsten Sinne des Wortes
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gesichert hat und so weiter.
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Aber gleichzeitig war es halt auch diejenige, wo sich dann halt so dieser Konflikt
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zwischen den Männern dann halt entzürnt hat.
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Weil sie verliebt sich dann auch eher in Hans, weil der dann halt so ein in
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sich gekehrter Typ ist, der dann nachdenklich wird. Und dann kriegt sie da...
Micz Flor
0:48:45–0:48:47
Ist das der Hans Albers?
Florian Clauß
0:48:47–0:48:48
Nein, nein, nein, nein, sicher.
Micz Flor
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Mit dem habe ich nämlich mal einen Film gesehen, wo er sich dann irgendwie in
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den Schnee auch reinrollt und dann erfriert.
Florian Clauß
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Ja, achso, ich glaube, das ist ein häufiges Motiv im Bergfilm.
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Ja, aber was so spannend ist, ist wirklich so die Figur der Linie Riefenstahl,
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weil Riefenstahl hat in der ganzen Ästhetik der Inszenierung durchfangt,
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wie er die Bergwelten darstellt, wie er diese Figuren darstellt.
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Darauf baut quasi Riefenstahl ihre ganze Ästhetik auf und bringt das dann in
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Olympia und in Triumph des Willens.
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Also die Filme, die dann 38 und, wann war der andere, 36, 35 oder sowas, gedreht wurde.
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Dieses ganze Propagandamaterial der Nationalsozialisten bringt sich ja da so
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eine eigene Ästhetik rein.
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Ich meine, Riefenzeit ist ein Kapitel für sich, aber da ist ja auch unglaublich
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viel zu geforscht worden und so weiter.
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Die ist ja maßgeblich prägend für die Ästhetik des Nationalsozialismus.
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Das ist so, was der Bergfilm dann auch so mitentwickelt hat.
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Auch die Typen, wie jetzt Funk diese Figuren entwickelt haben,
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das sind immer so eigenbrötlerische Typen.
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Die dann eben sie und der Berg, so ein bisschen hat mich das an Teweleid erinnert,
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was er dann auch bei den Männerfantasien dann als Männertypen da so rausgearbeitet hat.
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So ein bisschen Anleihen kam da auch drin vor.
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Aber das fand ich total spannend und diese Zusammenarbeit zwischen Papst und Funk.
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Funk hat dann die ganzen Außenaufnahmen gemacht, die wirklich auch spektakulär sind.
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Also man kann sich den auch angucken. Was dann so teilweise,
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ich meine, du kannst dich an die Szene erinnern, als wir auf einer Bürgerspitze
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dann runtergeklettert.
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Das war auch, glaube ich, als wir dann halt beschlossen haben,
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dann Podcasts zu machen. als wir die Bürgerspitze, diese unglaublich zähe Wanderung,
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die wir da einmal hatten.
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Und dann sind wir doch in den ICE gestiegen und sind dann halt mit dem ICE-Portal,
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gab es dann den Film Everest heißt er, glaube ich.
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Und wir haben das auf so einen kleinen Bildschirm geguckt.
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Wir haben das mit meinem alten Telefon geguckt.
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In Erinnerung dachte ich so, ich war ja so drin in dem Film,
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hatte nasse Hände und so weiter. Aber es war wirklich nur das iPhone,
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was wir da im Bildschirm hatten.
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Und das war überhaupt nicht auf dem Kino. Aber das fand ich so krass,
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wie immersiv das dann nachgewirkt hat.
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Dass man so eine komische besetzte Erinnerung hat.
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Da geht es ja auch so ein bisschen so bei dieser Verfolgungsjagd.
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Also zwischen den Studenten und der anderen Gruppe, dann siehst du halt so ein
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bisschen so, die einsteigen vor.
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Du versuchst dann so ein bisschen das auch dann im Raum zu verorten,
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Ja, um dann eine logische, wer jagt wen und wer ist wo, Struktur zu bekommen.
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Aber das geht nicht so richtig auf, weil du halt teilweise Schnitte hast,
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wo der Raum so nicht ganz klar ist.
0:51:57–0:52:00
Aber was auch klar ist in der Bergwelt, ist es halt schwierig,
0:52:00–0:52:03
dann dramaturgisch so alles einzufangen, dass du das Gefühl hast,
0:52:04–0:52:06
die sind jetzt gerade voll im Bett nebeneinander.
0:52:06–0:52:10
Aber das hat er durch die Montage ganz gut hinbekommen. Was ich sagen wollte, ist,
0:52:11–0:52:19
dieses Continuity-Editing war da halt noch nicht so in dieser Naturaufnahme so mit drin,
0:52:19–0:52:23
weil das halt noch viel schwieriger zu beherrschen war als Raum,
0:52:23–0:52:26
sag ich mal, als jetzt in so einem Atelier, in so einem...
0:52:27–0:52:31
In so einem Studio drin. Das ist was, was dann halt auch Papst,
0:52:31–0:52:36
der hat dann eben, also Funk war für die Außenaufnahmen zuständig und Papst
0:52:36–0:52:39
hat dann die ganzen psychologischen,
0:52:40–0:52:44
Entwicklungen der Figuren, also diese Tiefe der Figuren mit reingebracht.
0:52:45–0:52:48
Also der Film kriegt dann halt wirklich nochmal eine andere Qualität.
Micz Flor
0:52:48–0:52:50
War das ein Tonfilm?
Florian Clauß
0:52:50–0:52:53
Das war kein Tonfilm. Geht zweieinhalb Stunden.
Micz Flor
0:52:53–0:52:54
Wow.
Florian Clauß
0:52:54–0:53:00
Oh ja, es war schon ein bisschen lang, aber ich kann das, zum Gucken kann ich
0:53:00–0:53:02
das durchaus empfehlen, ja.
Micz Flor
0:53:02–0:53:06
Ja, gucke ich mir an. Also ich glaube, Pitz Palü klingt jetzt eher so wie sieben Minuten.
0:53:07–0:53:13
Pitz Palü und schon war es vorbei. Aber zweieinhalb Stunden ist ja auch ja,
0:53:13–0:53:16
ich weiß es nicht. Ist das für die damalige Zeit ein Langformat?
Florian Clauß
0:53:16–0:53:20
Ja, es war glaube ich, es war schon recht lang. Also aber wir kennen ja,
0:53:20–0:53:21
also Metropolis war auch lang.
0:53:22–0:53:27
Also die Filme können schon so lang gewesen sein. Also es war nichts Außergewöhnliches.
Micz Flor
0:53:28–0:53:31
Weißt du, was wir machen könnten? Ganz kurz bevor, wir könnten jetzt hier links
0:53:31–0:53:35
abbiegen und dann könnten wir da ankommen, wo wir hinwollten.
0:53:35–0:53:37
Nämlich Akademie der Künste und diese ganzen Bauvorhaben.
Florian Clauß
0:53:37–0:53:41
Ja, aber ich glaube, wir brauchen gar nicht mehr so viel weiter zu laufen,
0:53:42–0:53:44
weil ich habe jetzt auch gar nicht mehr so viel zu erzählen.
Micz Flor
0:53:45–0:53:46
Ja, dann lass uns Richtung S-Bahn gehen.
Florian Clauß
0:53:46–0:53:48
Dann können wir Richtung S-Bahn gehen.
Micz Flor
0:53:48–0:53:49
Aber das ist ja die gleiche Richtung, oder?
Florian Clauß
0:53:50–0:53:54
Ja, ich glaube, wir müssen Hier ist ja der Tiergarten. Eigentlich müssten wir
0:53:54–0:53:59
ein Stückchen wieder zurück und dann sind wir beim Tiergarten. Ja, Mütch.
0:53:59–0:54:05
Ich meine, so viel habe ich zu GW Papst zusammengetragen. Ich habe das Gefühl,
0:54:05–0:54:06
ich habe die ganze Zeit geredet.
0:54:06–0:54:08
Ich habe mich nicht zu sehr gelangweilt.
Micz Flor
0:54:09–0:54:13
Nein, gar nicht. Also ich hatte meine, die Kinnlade stand mir offen.
0:54:13–0:54:16
Es war keine Langweile, sondern ich war gefangen.
Florian Clauß
0:54:16–0:54:17
Ach wirklich?
Micz Flor
0:54:17–0:54:22
Ja, ich möchte mir nochmal einen Podcast abholen. Ich fand es total super und
0:54:22–0:54:26
ich mag das ja auch bei dir, wenn du die Dinge einfach so durcharbeitest.
0:54:26–0:54:29
Also dieses Rabbit Hole. Und ich bin manchmal ein bisschen neidisch,
0:54:29–0:54:31
weil ich das zeitlich manchmal nicht so gut hinkriege wie du.
Florian Clauß
0:54:31–0:54:33
Inhaltlich schon, aber zeitlich.
Micz Flor
0:54:33–0:54:33
Ja, ich möchte es.
Florian Clauß
0:54:35–0:54:37
Du musst es inhaltlich gerne besser machen.
Micz Flor
0:54:38–0:54:41
Nein, ich meine zeitlich so, ich verboße es dann in eine Sache und mehr geht nicht.
0:54:42–0:54:45
Ich möchte es damit aber nicht irgendwie vergleichen oder entwerten,
0:54:45–0:54:49
gar nicht. Aber es ist echt einfach schon irre, wenn das eine zum anderen führt.
0:54:50–0:54:53
Also wenn du sagst, ein Rabbit Hole ist ja meistens eben dann auch,
0:54:53–0:54:57
wie du, ja, wie du schön gesagt hast vorhin mit dem, Ja, dann war mir gar nicht
0:54:57–0:55:02
klar, das, das und das, der und das, das und das, die und so weiter. Das fand ich ganz toll.
Florian Clauß
0:55:03–0:55:06
Ich habe häufig das Gefühl, wenn ich mich mit Sachen beschäftige,
0:55:07–0:55:12
dann denke ich irgendwie so, jetzt, wo man halt irgendwie älter wird,
0:55:12–0:55:15
wird Geschichte wichtiger, weil man mehr Zusammenhänge bilden kann.
0:55:16–0:55:18
Und so ein bisschen geht es mir, vielleicht ist es auch gar nicht so interessant,
0:55:18–0:55:21
was Papst gemacht hat, aber ich finde es gerade voll spannend,
0:55:21–0:55:25
weil sich da halt so viele Sachen für mich verknüpfen, Filmgeschichte,
0:55:25–0:55:28
Filmtechnik, die ich jetzt irgendwie so gar nicht so auf dem Schirm hatte.
Micz Flor
0:55:29–0:55:32
Ja, und das ist aber auch, finde ich gut, dass wir zwei Teile daraus gemacht haben.
0:55:32–0:55:36
Weil ich glaube, hätten wir den Film besprochen von der Berlinale und das noch
0:55:36–0:55:39
damit drangehängt, das wäre falsch rum gewesen und hätten wir den,
0:55:39–0:55:43
andersrum, den Film nur als Auslöser genommen, um mal über Papst zu reden,
0:55:43–0:55:45
dann wäre ich gar nicht zu Wort gekommen.
0:55:46–0:55:48
Insofern finde ich, ist es auch irgendwie ganz gut zu sagen,
0:55:48–0:55:53
es gibt einfach zwei Folgen, die auch selbstständig, eigenständig funktionieren.
Florian Clauß
0:55:53–0:55:56
Ja, das hatte ich auch das Gefühl, als wir jetzt die erste aufgenommen haben,
0:55:57–0:55:58
dass sich das gut so passt.
0:55:59–0:55:59
Einpasst.
Micz Flor
0:56:00–0:56:04
Ja. So, und jetzt kommt unser Vertigo. Die nächste Folge, wollen wir dann noch
0:56:04–0:56:05
irgendwie kurz drüber sprechen.
Florian Clauß
0:56:06–0:56:08
Ist das noch zugefroren hier?
Micz Flor
0:56:08–0:56:08
Scheinbar, ja.
Florian Clauß
0:56:08–0:56:10
Das ist ein Kanal, oder?
Micz Flor
0:56:10–0:56:12
Ne, das ist jetzt der See.
Florian Clauß
0:56:12–0:56:13
Das ist ein See.
Micz Flor
0:56:14–0:56:17
Ja, das ist ja nicht wirklich, ich glaube, das Wasser, ich weiß gar nicht, wo das hinfällt.
Florian Clauß
0:56:17–0:56:20
Also das ist so knietief, das heißt, man stirbt nicht, wenn man hier einlässt.
Micz Flor
0:56:20–0:56:25
Ja, es ist schon tiefer als knietief. Elsa ist da schon drin geschwommen.
Florian Clauß
0:56:25–0:56:27
Ja, wir können auch hier nochmal so ein Winterbild mitmachen.
0:56:27–0:56:35
Na gut, dann würde ich mal sagen, auf dem Eis machen wir unser Outro.
Micz Flor
0:56:35–0:56:36
Ja.
0:56:37–0:56:41
Auf dem Eis. Wir stehen hier auf dem Eis. Das letzte Eis, wenn ihr das hört,
0:56:41–0:56:43
gibt es das wahrscheinlich schon gar nicht mehr. Dann ist das schon geschmolzen.
Florian Clauß
0:56:43–0:56:45
Das letzte Eis geschmolzen.
Micz Flor
0:56:45–0:56:47
Die 99. Folge.
Florian Clauß
0:56:48–0:56:48
Ja.
Micz Flor
0:56:49–0:56:50
99 plus Eis ist 100.
Florian Clauß
0:56:51–0:56:51
Ja.
Micz Flor
0:56:51–0:56:52
In 14 Tagen.
Florian Clauß
0:56:53–0:56:57
Und wir müssen jetzt noch mal die Anekdote hinten anfügen, als wir quasi unseren
0:56:57–0:57:00
Podcast dann ins Leben gerufen haben.
0:57:00–0:57:03
Haben wir noch mal darüber diskutiert. Ich habe gefragt, Mitch,
0:57:03–0:57:09
wollen wir wirklich hinten die Nullen, die Zahlen dreistellig machen oder reicht zweistellig?
0:57:10–0:57:14
Und dann war das so, nee, mach vierstellig!
Micz Flor
0:57:14–0:57:15
Nein, habe ich das gesagt?
Florian Clauß
0:57:15–0:57:21
Nein, das habe ich bestimmt nicht gesagt. Aber dann haben wir uns auf dreistellig geeinigt und ja.
Micz Flor
0:57:22–0:57:25
Ja, jetzt ist es soweit. Sonst wäre das jetzt die letzte Folge.
0:57:28–0:57:30
Manchmal muss auch was fertig sein.
Florian Clauß
0:57:31–0:57:37
Genau. Ja, wenn ihr mehr über Papst lesen wollt und Fotos sehen wollt,
0:57:37–0:57:42
wo wir langgelaufen sind, von dem Eis hier, dann schaut auf eigentlich-podcast.de vorbei.
0:57:43–0:57:49
Wenn ihr uns Bewertungen bei irgendwelchen Internetportalen,
0:57:49–0:57:51
die Podcasts vertreiben, geben
0:57:51–0:57:56
wollt, dann gerne gebt uns ein Sternchen oder ein Like oder whatever.
0:57:56–0:58:01
Empfehlt uns weiter, wenn ihr uns mögt. Und wir sagen jetzt Tschüss.
Micz Flor
0:58:02–0:58:02
Tschüss.
Florian Clauß
0:58:02–0:58:06
Lassen euch erst mal so im Dunkeln, was wir in der nächsten Folge geplant haben.
0:58:06–0:58:11
Aber ich würde sagen, so viel sei gesagt, dass es sehr meta wird.
0:58:11–0:58:14
Also wir beschäftigen uns mit uns selbst.
Micz Flor
0:58:14–0:58:19
Ja, das klang jetzt nicht so spannend, aber es wird natürlich so ein bisschen so.
0:58:19–0:58:23
Wir gucken nochmal, ob ich da noch eine zweite Socke zu finden in der Shop-Plan.
Florian Clauß
0:58:23–0:58:27
Ich bin auch ein bisschen leer geredet. Also ich sage jetzt mal Tschüss, Tschüss.

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Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
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Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:03
Er wieder wie eine Traumsequenz und der Epilog erzählte dann keine Geschichte,
0:00:03–0:00:05
sondern war dann auch wieder nur die Bilder zu einer Geschichte,
0:00:05–0:00:07
die wir eben nicht sehen.
0:00:07–0:00:10
Und dann wäre es natürlich so, wenn wir vorher gelernt haben,
0:00:10–0:00:13
dass das Wasser ja das ist, wo die Kinder rauskommen und er dann die Fische
0:00:13–0:00:16
fängt, dann ist das ja, sag ich nur, sperr mal die Augen auf.
0:00:17–0:00:22
Die Fische schwimmen da so lang, er fängt sie endlich, tut sie alle in den Eimer
0:00:22–0:00:27
rein und alle Zutaten da und voila, da ist meine Frau mit dem Kind und der Berg
0:00:27–0:00:29
und das Archaisch und sowas.
0:00:35–0:00:41
Hallo und willkommen zur Episode 98, unseres Eigentlich-Podcasts.
0:00:41–0:00:45
Wir sind gerade am Hauptbahnhof und laufen hier gleich über,
0:00:45–0:00:47
ist das jetzt die Spree oder Spree-Kanal?
Florian Clauß
0:00:48–0:00:48
Spree?
Micz Flor
0:00:48–0:00:54
Über die Spree in Richtung des Hauses der Kulturen der Welt.
Florian Clauß
0:00:54–0:00:57
Haus der Kulturen der Welt, des Hauses der Kulturen der Welt.
0:00:58–0:01:02
So viel gibt es hier, die lange nicht mehr komprimiert auf einer Seite.
0:01:03–0:01:08
Es ist wieder Berlinale-Zeit. Ihr kennt unsere Specials aus den Jahren davor.
0:01:09–0:01:16
Berlinale, das ist, wo wir quasi unsere langen Unterhosen anziehen und rausgehen
0:01:16–0:01:18
und nach dem Film uns darüber unterhalten.
0:01:18–0:01:24
Und auch dieses Mal haben wir uns einen retrospektiven Film rausgesucht.
Micz Flor
0:01:25–0:01:26
Wir? Du hast den rausgesucht?
Florian Clauß
0:01:26–0:01:27
Ich habe den rausgesucht.
Micz Flor
0:01:27–0:01:30
Stimmt. Ich habe mich so gefreut, weil ich gar nichts mit Berlinale am Hut hatte
0:01:30–0:01:33
dieses Jahr. Und dann kommt Flo um die Ecke und sagt, hey, ich hätte einen Film,
0:01:33–0:01:35
machst du Lust? Und ich habe mich noch richtig drauf geguckt.
0:01:35–0:01:39
Du hast den Link gekickt. Ich habe den Link gekickt, aber so ein Bild mit so
0:01:39–0:01:40
einem Messer in schwarz-weiß.
0:01:40–0:01:44
Ich habe gedacht, irgendein experimenteller, neuer Film, noir,
0:01:44–0:01:46
irgendwas. Das war großartig.
0:01:46–0:01:51
Aber nein, gleich sehen wir im HKW den Film Geheimnisse der Seele.
Florian Clauß
0:01:52–0:01:53
Geheimnisse einer Seele, ja.
Micz Flor
0:01:53–0:01:57
Einer Seele, okay. Geheimnisse einer Seele, dann stell du dir mal besser vor.
Florian Clauß
0:01:57–0:02:01
Ich habe den rausgesucht, weil ich dachte, das passt super.
0:02:01–0:02:07
Der erste psychoanalytische Film von Georg Wilhelm Papst, Geheimnisse einer Seele.
0:02:07–0:02:10
Der wird dieses Jahr tatsächlich 100 Jahre alt.
0:02:11–0:02:16
Auch so ein bisschen der Anlass für die Retrospektive. Der Film ist restauriert worden.
0:02:17–0:02:20
G.W. Papst hat den Film 1926 gedreht.
0:02:21–0:02:26
Jetzt wird der im Haus der Kulturen aufgeführt. Der Haus der Kulturen ist eigentlich
0:02:26–0:02:31
ein Aufführungsort der Berlinale, wo die Generationsfilme aufgeführt werden.
0:02:32–0:02:36
Da war ich auch gestern in einen, 14+. Da habe ich einen brasilianischen Film,
0:02:36–0:02:38
Quattro Meninas, gesehen.
0:02:38–0:02:42
War sehr beeindruckend, der Film. War toll mit Crew und so weiter.
0:02:42–0:02:44
Das ist ja das Tolle an der Berlinale.
0:02:44–0:02:48
Du siehst dann halt wirklich die Schauspielerin, du siehst die Regisseurin da.
0:02:48–0:02:53
Ganz toll und deswegen war ich jetzt etwas überrascht, dass hier ein Retrofilm läuft, Retrospektive.
0:02:54–0:03:01
Der ganze Film wird auch begleitet, von live begleitet. Ich weiß gar nicht, ein Orchester...
Micz Flor
0:03:01–0:03:03
Du musst dazu sagen, es war wirklich eben einfach auch noch ein Stummfilm.
Florian Clauß
0:03:04–0:03:04
Ach genau, natürlich.
Micz Flor
0:03:05–0:03:09
Dazu gehört dann natürlich immer Musik, weil ganz ohne geht es nicht.
0:03:09–0:03:11
Nur Chipstüten wäre jetzt auch schwierig.
0:03:12–0:03:16
Und da haben die sich was einfallen lassen. Das ist schon, wenn ich es richtig
0:03:16–0:03:19
verstanden habe, klassische in Anführungszeichen Instrumente,
0:03:19–0:03:21
also Bratsche und so weiter.
0:03:21–0:03:25
Und eine der Personen, die da mit Musik macht, live zum Film,
0:03:25–0:03:33
der werden die Hirnströme abgegriffen und die haben dann irgendeinen Einfluss auf die,
0:03:34–0:03:38
Klänge, die da gespielt werden. Das müssen wir uns aber erstmal anhören,
0:03:38–0:03:39
das wissen wir noch nicht.
0:03:39–0:03:44
Wer allerdings den Film sehen möchte, kann das einfach auf YouTube machen.
0:03:44–0:03:48
Da gibt es den auch komplett, allerdings dann eben natürlich noch mit einer
0:03:48–0:03:51
alten Musik, wie man sich das so vorstellt.
Florian Clauß
0:03:51–0:03:54
Genau, du hast mir nochmal die Aufgabe mitgegeben, ich sollte zum Vergleich
0:03:54–0:04:00
mir nochmal den Film kurz mal so rein skippen, um einen Eindruck zu bekommen von der Musik.
0:04:01–0:04:04
Und das ist so klassisch Stummfilm. viel mit Karierbegleitung und so weiter.
0:04:04–0:04:07
Deswegen bin ich jetzt auch wirklich gespannt auf die Umsetzung.
0:04:07–0:04:10
Und ich fand das auch bei den YouTube, das ist mir auch aufgefallen,
0:04:10–0:04:13
das ist halt irgendwie wie so ein alter Stummfilm.
0:04:14–0:04:16
Das ist wahre schlechte Qualität.
0:04:16–0:04:20
Und es hat mich wirklich Spaß gemacht, den zu sehen in dieser Qualität.
0:04:20–0:04:23
Ich merke das nur, wenn ich restaurierte Stummfilme gucke.
0:04:24–0:04:29
Denn wenn dann quasi die Figuren wirklich für eine echte, ich sag mal so,
0:04:29–0:04:32
viel natürlicher wären, weil die nachbearbeitet wurden.
0:04:32–0:04:35
Dann hat man einen viel besseren Zugang zu diesem Film.
0:04:35–0:04:39
Sonst ist es immer so ein bisschen das Kuriositäten-Kabinett,
0:04:39–0:04:44
was man sich da anschaut, wie früher aus der Kamera Obscura,
0:04:44–0:04:45
so schnell bewegten Figuren.
Micz Flor
0:04:45–0:04:48
Also das Internet ist ja inzwischen voll von irgendwelchen Filmen.
0:04:48–0:04:52
Französische Soldaten im Ersten Weltkrieg koloriert und nachbearbeitet.
0:04:53–0:04:57
Also diese Idee von Restaurierung, die dann gleichzeitig aber das Ganze,
0:04:58–0:05:03
uns näher bringt, weil eben diese mechanischen Hürden überwunden werden.
0:05:03–0:05:04
Und auf einmal das Ganze fließend.
0:05:05–0:05:08
Das ist, glaube ich, 4K-Restaurierung, die da jetzt gemacht wurde.
0:05:08–0:05:10
Und ich finde es immer auch ein bisschen schwierig.
0:05:11–0:05:14
Da ist so ein bisschen was dabei, wenn man sich überlegt, dass ja damals viel,
0:05:14–0:05:17
also das war jetzt nicht ganz früh in der Filmgeschichte, bewegte Bildergeschichte,
0:05:17–0:05:21
aber viel war ja immer so dieser Schock und dieser Schreck.
0:05:21–0:05:29
Und so, als ob die Zukunft hineinbricht in die, ja, ein neues Medium einfach.
0:05:29–0:05:32
Das heißt, das, was damals irgendwie mit einem handgedrehten Projektor,
0:05:33–0:05:39
der da mit zwölf Bildern so durchtackert, das war eine überwältigende Zukunftsvision,
0:05:40–0:05:41
die dann irgendwie auf die Leute einrasselte.
0:05:42–0:05:44
Und jetzt, wenn wir es halt im dritten Programm irgendwie gesehen haben,
0:05:45–0:05:47
irgendwie als Zwölfjähriger, dazu passt ja der Sonntag auch.
0:05:49–0:05:52
Sonntag um 12 Uhr auf HR3 läuft dann halt so ein Film.
0:05:52–0:05:56
Der hat uns einfach nicht mehr berührt. Und das war sicherlich keine Zukunftsvision,
0:05:56–0:05:59
die uns erschüttern kann. Das heißt, jetzt wird dann irgendwie...
0:06:00–0:06:03
Der Film ist hinter uns zurückgefallen und war ganz viel Vergangenheit und wird
0:06:03–0:06:07
jetzt wieder mit der Ristorien so hineingeholt in die Gegenwart.
0:06:08–0:06:12
Also er wird uns wieder angeglichen, sodass wir überhaupt ihn noch als etwas
0:06:12–0:06:14
erleben, was mit uns direkt im Bezug steht.
Florian Clauß
0:06:14–0:06:18
Ja, das ist halt so ähnlich wie mit der 3D-Entwicklung im Spielebereich.
0:06:19–0:06:22
Diese Sehgewohnheiten, die gleichen sich so schnell wieder an,
0:06:22–0:06:26
dass man dann erst mal das Gefühl hat, als sie den damals Film gesehen haben,
0:06:26–0:06:30
die Menschen, behaupte ich mal. dass es für die total realistisch war.
0:06:31–0:06:34
Wow! Und dann natürlich hast du die technischen Innovationen,
0:06:34–0:06:36
die Sehgewohnheit und so weiter, gleicht sich an.
0:06:36–0:06:40
Das ist halt so wie bei Super Mario N64, wo ich dann dachte,
0:06:40–0:06:43
das ist 3D, das ist ja Wahnsinn.
0:06:44–0:06:49
Und wenn du jetzt diese Polygone, die dann halt in dieser total niedrigen Auflösung
0:06:49–0:06:53
siehst, das ist ja dann überhaupt nichts mehr mit dem zu tun, was heute 3D kann.
0:06:54–0:06:58
Und ich glaube, so wie du das beschreibst, dann ist es ja nur gerechtfertigt,
0:06:58–0:07:02
wenn man das dann halt so restauriert, um so ein bisschen so das Seherlebnis
0:07:02–0:07:03
von damals wiederherzustellen.
Micz Flor
0:07:04–0:07:08
Ja, das ist eben diese Überlegung. Ich weiß das noch vom Hessischen Landesmuseum.
0:07:08–0:07:09
Da gibt es ja oben den Beuys-Block.
0:07:09–0:07:12
Das hatten die auch restauriert und hatten dann lange überlegt,
0:07:12–0:07:15
wie machen wir das denn jetzt, wo das Fett die Wand berührt?
0:07:15–0:07:19
Die Wand mit der Tapete ist jetzt vergilbt, die gehört nicht mehr.
0:07:19–0:07:22
Das ist jetzt ein hypothetisches Beispiel. Aber die Grundfrage war halt,
0:07:22–0:07:24
was genau dürfen wir jetzt hier noch restaurieren?
0:07:25–0:07:28
Gerade wenn es bei Beuys dann auch darum geht, dass die Dinge zerfallen.
0:07:29–0:07:31
Die Blutwurst in der Vitrine wird man nicht ersetzen, sondern sagen,
0:07:31–0:07:32
hol mal eine neue Blutwurst.
0:07:33–0:07:37
Aber an manchen Punkten gibt es so Fragestellungen, der Boden,
0:07:37–0:07:38
der Teppich, der ist abgelaufen.
0:07:38–0:07:43
Die Leute laufen über den Teppich jahrzehntelang um diese Kupferplatten drumherum.
0:07:43–0:07:46
Dann siehst du das auf dem Teppich und darf man den Teppich jetzt ersetzen?
0:07:46–0:07:51
Sollte man den ersetzen oder nicht? Also all diese Fragen kamen dann damals so auf.
0:07:51–0:07:55
Und das finde ich schon immer auch relevante Fragen. Das HKW selbst wurde ja
0:07:55–0:07:57
restauriert, war ja lange geschlossen.
0:07:58–0:08:01
Der Film ist restauriert. Und ich finde schon immer die Frage,
0:08:01–0:08:04
wie stellt man das Alte wieder her?
Florian Clauß
0:08:04–0:08:10
Ja, und inwieweit man Erosion dann quasi als Konzept in der Kunsterfahrung mit einschließt.
0:08:10–0:08:14
Weil diese Fragen stellen sich ja nur bei analogen Märkten.
0:08:14–0:08:20
Wir bewegen uns ja nach und mehr in digitale Archive. Und da hast du ja diese Abnutzung nicht.
0:08:20–0:08:23
Ich meine, das ist ja die Frage auch, wie restaurierst du?
0:08:24–0:08:28
Quasi als wir dann aktiv waren damals, irgendwie in den 90ern.
0:08:28–0:08:33
Wir hätten damals mit ganz wenig Bandbreite dann auch gestreamt, unser Internetradio.
0:08:34–0:08:39
Ja, das war unser Fingerprint. Also wir hatten das schon damals bewusst ausgestellt.
0:08:40–0:08:46
Das war ja irgendwie Medium is the message. Also das heißt, diese verpixelten
0:08:46–0:08:49
Soundklänge, das war halt irgendwie genau die Zeit.
0:08:49–0:08:54
Genauso wie dann halt die ersten Wachstafeln, wo dann halt das Chamophon abgespielt hat.
0:08:54–0:08:57
Ja, das hatte ja auch diese Extreme. Das war ja das Medium.
0:08:58–0:09:02
Und jetzt ist es ja eigentlich in so einer nicht wahrnehmbaren Schwelle mehr,
0:09:02–0:09:07
weil mittlerweile ist halt die Auflösung von allen digitalen Geräten so hoch,
0:09:07–0:09:10
die Kapazität ist so hoch, dass man es nicht mehr wahrnehmen kann.
0:09:11–0:09:15
Aber es ist ja genau das Interessante, an dieser Schwelle zu arbeiten,
0:09:15–0:09:20
wo es genauso von den 12 Frames in einer Sekunde zu den 24 wird.
0:09:20–0:09:24
Deswegen diese Langsamkeit der Bewegung, das war ja die Anfänge des Films,
0:09:24–0:09:30
wo man sich dann irgendwann geeinigt hat, okay, 24 Frames per Second oder 30 in Amerika,
0:09:30–0:09:35
im amerikanischen Markt, wo dann halt eine fließende Bewegung quasi dann wahrnimmt.
Micz Flor
0:09:35–0:09:38
Das Malteserkreuz auf dem Malteser Falken.
Florian Clauß
0:09:38–0:09:45
Das Malteser, genau. Und das Maschinengewehr, was dann die Bilder auf die Netzhaut projiziert.
Micz Flor
0:09:45–0:09:49
Für diesen Film ist es spannend, dann zu gucken, was das tut,
0:09:49–0:09:50
wenn es wieder vermenschlicht wird.
0:09:51–0:09:56
Also sozusagen war der Film die Zukunft, dann ist dieser Film irgendwie von
0:09:56–0:09:58
den Sehgewohnheiten her in die Vergangenheit gedrängt worden.
0:09:58–0:10:02
Jetzt wird er wieder auf uns zurückgepitcht, sage ich mal.
Florian Clauß
0:10:02–0:10:02
Ja.
Micz Flor
0:10:03–0:10:06
Und es geht ja um psychodynamische Erwachsenen.
0:10:07–0:10:13
Um Prozesse, um psychische Störungen, um, es war ein Film, der sehr didaktisch
0:10:13–0:10:17
auch darstellen sollte, wie so eine Psychoanalyse überhaupt funktioniert.
0:10:18–0:10:23
Und das finde ich dann schon spannend zu sehen. Ich sagte vorhin so ganz ketzerisch,
0:10:23–0:10:28
naja, hessischer Rundfunk, dritte Programme, Sonntagnachmittag um 14 Uhr,
0:10:28–0:10:30
da läuft dann irgendein Schwarz-Weiß-Film.
0:10:30–0:10:33
Und mal gucken, was das jetzt ist auf dem großen Screen auf der Berlinale,
0:10:33–0:10:38
4K restauriert und so angeglichen, dass vielleicht wirklich das Ganze auch uns mehr wieder berührt.
Florian Clauß
0:10:39–0:10:41
Ja, vielleicht. Das war ja so ein bisschen der Einstiegspunkt,
0:10:42–0:10:47
nämlich dass eben die Gehirnströme der Pratschisten abgenommen werden und darüber
0:10:47–0:10:50
noch ein Soundteppich und ein visueller Teppich.
0:10:50–0:10:54
Also visuell, das heißt irgendwelche Listinstallationen, so war es im Programm
0:10:54–0:10:57
angekündigt, gesteuert werden. Und das ist natürlich nochmal so,
0:10:58–0:11:02
okay, wir haben nicht nur diesen 100 Jahre alten Film, sondern wir haben die
0:11:02–0:11:05
neuste Technologie. Wir werden machen was.
Micz Flor
0:11:05–0:11:08
Ich bin jetzt mal wieder ketzerisch und sage, wir machen da jetzt was drauf
0:11:08–0:11:12
und nehmen das auf und in 100 Jahren werden die es wieder rausrechnen wollen.
0:11:14–0:11:17
Und werden sich Gedanken machen, was restaurieren wir hier eigentlich?
0:11:17–0:11:19
Die Bratschistin oder den Film?
Florian Clauß
0:11:20–0:11:25
Die Gehirnströme. Ja, aber dann kommt quasi nochmal so eine Chaos-Ebene rein,
0:11:25–0:11:29
die jetzt quasi in der Didaktik des Films vielleicht so nicht angelegt war.
0:11:30–0:11:35
Der Film war so quasi der erste Lehrfilm für Psychoanalyse, wo es darum ging,
0:11:35–0:11:39
das Konzept der Psychoanalyse wirklich der breiten Masse dann halt zugänglich zu machen.
0:11:40–0:11:44
Wir nehmen schon ein bisschen was vorweg. Wir haben jetzt das Haus der Kulturen
0:11:44–0:11:48
im Blick. Ja, und bevor wir da reingehen, wir haben noch eine halbe Stunde Zeit,
0:11:48–0:11:51
bis der Film anfängt und ich schlage jetzt vor, wir,
0:11:52–0:11:56
Nehmen wir mal unsere ersten Eindrücke auf, dann direkt nach dem Film.
0:11:56–0:12:02
Jetzt war das so ein bisschen so ein Einstieg in das Seerlebnis der Berlinale.
0:12:02–0:12:09
Vielleicht nochmal zum Haus der Kulturen. Der Welt. Ja, des Hauses der Kulturen der Welt.
0:12:10–0:12:16
Das wurde ja, das war mir auch nicht klar, das führt uns dann auch nachher die Route, die wir da haben.
0:12:16–0:12:21
Das wurde ja 1957 auf der Messe Interbau. Hast du von der schon mal gehört?
0:12:21–0:12:24
1957 in Berlin gebaut, ja.
0:12:24–0:12:27
1957 wurde das ganze Hansa-Viertel, die Akademie der Künste.
Micz Flor
0:12:27–0:12:32
Genau, das ist diese ganzen Skyrises, die damals gebaut wurden.
0:12:32–0:12:35
Ja, und auch das, wo ich mal gewohnt hatte, war in der gleichen Zeit,
0:12:35–0:12:37
auch wenn es, ich weiß gar nicht, ob es offiziell Teil war davon,
0:12:37–0:12:39
dieses Halbrund am Halleschen Tor.
Florian Clauß
0:12:39–0:12:43
Ach, das wurde auch zu der Zeit gehört. Das wird auch mit dazu gehören.
0:12:43–0:12:49
Nämlich ganz renommierte Architekten, 53 aus irgendwie, ich weiß nicht wie viele
0:12:49–0:12:52
Ländern, 30 Ländern, wurden hier eingeladen zu der Messe.
0:12:53–0:12:56
Der Baubeginn der einzelnen Projekte war dann irgendwie schon 52,
0:12:56–0:12:59
53, aber das heißt schon, das ist extrem knapp, also für eine Messe,
0:12:59–0:13:03
dass die dann halt 52 angefangen haben und dass die ganzen Sachen dann hier
0:13:03–0:13:06
57, wurden dann noch fertiggestellt,
0:13:06–0:13:08
aber 57 stand das dann soweit.
0:13:08–0:13:11
Also das ist schon eine enorme Leistung.
0:13:11–0:13:16
Architektonisch und das Ganze, das war quasi ein amerikanisches Projekt,
0:13:16–0:13:20
was dann halt auch die Amerikaner der Stadt Berlin geschenkt haben.
0:13:20–0:13:26
Dieses ganze Interbau war mehr oder weniger dann eine Antwort auf die Stalinallee.
0:13:26–0:13:29
Also es war wirklich so ein ideologisch teilweise getriebenes Projekt.
Micz Flor
0:13:29–0:13:30
Das wusste ich nicht.
Florian Clauß
0:13:30–0:13:32
Ja, das fand ich auch total krass.
Micz Flor
0:13:32–0:13:34
Also es war nicht Innovation, sondern Reaktion.
Florian Clauß
0:13:34–0:13:40
Das war auch eine Reaktion und es sollte hier auch ein Bollwerk der freien Sprache,
0:13:40–0:13:43
der Free Speech, sollte das HKW darstellen.
0:13:43–0:13:49
Und deswegen ist es so, dass quasi das HKW ein Veranstaltungsort,
0:13:49–0:13:53
wo das Wort quasi dann auch so tragend ist.
0:13:53–0:13:59
Und die sogenannte Schwangere Auster, wir stehen jetzt auch direkt davor und
0:13:59–0:14:05
sehen diese geschwungene Dachkonstruktion. Und das ganze Dach ist 1980 eingebrochen.
0:14:05–0:14:10
Ich glaube, es war 1980. Wurde dann wieder aufgebaut und 1987 dann eingeweiht.
Micz Flor
0:14:11–0:14:15
Das ist jetzt gefährliches Halbwissen. Ich war nicht vorbereitet auf den Teil
0:14:15–0:14:16
des Hauses der Kultur in der Welt.
0:14:17–0:14:22
Auch wohl aber eingebrochen, wenn ich mich recht erinnere, weil einfach die Materialien...
0:14:22–0:14:27
Nicht alle verfügbar waren und deshalb die Mischung zwischen Sand und Kies und
0:14:27–0:14:33
Beton war dann die Zukunft, aber die Zukunft mit zu wenig Zement und ist dann halt eingebrochen.
0:14:34–0:14:38
Das finde ich schon auch nochmal irgendwie Interessantes, ja,
0:14:38–0:14:44
es ist so dieses brutalistische von wir rammen das jetzt hier nach West-Berlin
0:14:44–0:14:47
rein, aber das Brutale ist dann gleichzeitig verletzlich.
0:14:48–0:14:52
Es ist dann einfach nicht für die Ewigkeit, sondern es fällt dann in sich zusammen,
0:14:52–0:14:53
weil es musste schnell passieren.
0:14:53–0:14:57
Also das finde ich auch manchmal so, wie Politik funktionieren kann.
Florian Clauß
0:14:57–0:15:01
Ja, aber auf der anderen Seite, wenn du guckst, was im Rahmen dieser Interbau
0:15:01–0:15:04
dann geschaffen wurde, ja, Akademie der Künste, Haus der Kultur,
0:15:05–0:15:10
das ganze Hansa-Viertel, das, wo du da jetzt gewohnt hast, das sind ja unglaublich
0:15:10–0:15:13
repräsentative Architektur.
Micz Flor
0:15:14–0:15:16
Ja, ei, ei, ei.
0:15:19–0:15:20
Ist das schon die Schlange?
Florian Clauß
0:15:20–0:15:21
Ja, ich glaube.
Micz Flor
0:15:22–0:15:25
Okay, wir sind jetzt im Haus der Kultur in der Welt und stellen uns hinten an
0:15:25–0:15:29
der Schlange an. Und würde sagen, wir machen dann das ja einfach mal Stopp.
0:15:31–0:15:35
Und kommen raus, wie wir das ja manchmal machen, und fangen einfach an zu reden.
0:15:36–0:15:41
Und ich bin jetzt gespannt, wie wir das strukturieren, weil es gibt viel über den Regisseur zu sagen.
0:15:41–0:15:44
Es gibt viel über die Geschichte des Films, die Hintergründe des Films zu sagen.
0:15:44–0:15:46
Wir haben den Film selbst auch gesehen.
0:15:46–0:15:50
Ein Film, der sich mit Psychoanalyse beschäftigt und vor allen Dingen in einer
0:15:50–0:15:54
Form, dass die Deutung so fast schon ein didaktischer Teil darin ist.
0:15:54–0:15:57
Das heißt, der deutet sich einerseits schon wieder selbst, aber andererseits
0:15:57–0:16:00
können wir ihn jetzt auch nochmal deuten, wenn man ihn heute sieht.
0:16:00–0:16:05
Weil immer wenn halt dann irgendwie so Bilder sehr inszeniert wirkten,
0:16:05–0:16:08
um die Psychoanalyse zu verdeutlichen, musste das ganze Publikum,
0:16:08–0:16:11
das war im großen Auditorium, so ein bisschen schmunzeln.
0:16:11–0:16:16
Und man hat das so gehört, bei sexuellen Sachen war es ein bisschen lauter,
0:16:16–0:16:20
bei anderen Sachen, und wenn dann irgendwie so ein Durchbruch kam,
0:16:20–0:16:24
das war irgendwie fast schon leicht zynisch, also wenn dann der Patient im Film
0:16:24–0:16:27
glücklich schien für einen Moment, dann haben alle so richtig.
Florian Clauß
0:16:28–0:16:31
Vielleicht müssen wir das, um das nochmal zu kontextualisieren.
Micz Flor
0:16:31–0:16:36
Jetzt übergebe ich damit an mich, ich habe quasi den Trailer vorneweg gemacht,
0:16:37–0:16:38
worum geht es jetzt eigentlich?
Florian Clauß
0:16:39–0:16:43
Ich glaube, um das zu verstehen, wir kommen aus der Retrospektive und wir haben
0:16:43–0:16:45
gerade einen 100 Jahre alten Film gesehen.
0:16:46–0:16:53
Retrospektive ist auch bei uns ein schon mal gesehenes Format der Berlinale.
0:16:53–0:16:55
Also die Berlinale teilt sich ja in verschiedene Sektoren auf.
0:16:56–0:16:59
Retrospektive, wir hatten letztes Jahr über Rocker gesprochen.
0:16:59–0:17:03
Hattest du berichtet, Mensch. Und dachte ich, das passt, das passt.
0:17:04–0:17:08
Und zwar haben wir Geheimnisse einer Seele von Georg Wilhelm Papst geguckt,
0:17:09–0:17:14
der 1925 gedreht und 1926 dann zum ersten Mal uraufgeführt wurde.
0:17:15–0:17:21
Und diese Performance hier von diesem Film ist zum einen, es ist wie bei der
0:17:21–0:17:24
Einleitung gesagt worden, eine dreifache Premiere.
0:17:24–0:17:28
Weil nämlich ganz viel Restaurationsarbeiten in dieser Kopie stecken.
0:17:28–0:17:32
Das heißt, die haben sich aus drei Quellen aggregiert.
0:17:33–0:17:39
Das eine ist eine 16-Millimeter-Kopie aus Amerika gewesen, das andere eine Negativ-Kopie
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auf 35 Millimeter und dann noch eine weitere Kopie in 35 Millimeter.
0:17:45–0:17:49
Und die haben dann aber, glaube ich, die amerikanische als diejenige genommen,
0:17:49–0:17:52
die dann halt die Urfassung mehr oder weniger abgebildet haben.
0:17:52–0:17:59
Dann wurde das Ganze begleitet von einem musikalischen Ensemble live von fünf Personen.
Micz Flor
0:18:00–0:18:04
Das war so zum Thema hin, das war ganz schön ein interessanter Thema.
0:18:05–0:18:07
Freudscher Versprecher würde man sagen von dir, weil du hast gesagt,
0:18:07–0:18:10
wir haben diese Performance hier gesehen und ich glaube, du dachtest dabei schon
0:18:10–0:18:13
an die Musik-Performance, weil der Film war ja eine Aufführung,
0:18:13–0:18:15
aber es war eben auch eine Performance dabei.
0:18:16–0:18:18
Da wolltest du, um bei dem Bild zu bleiben, gleich verdichten.
0:18:19–0:18:21
Du hast quasi in einen Satz gleich zwei Dinge mit reingepackt.
Florian Clauß
0:18:21–0:18:25
Ja, für mich hatte es auf jeden Fall Aspekte einer Performance,
0:18:25–0:18:29
weil der Film war nicht nur vom Visuellen auf die Leinwand begrenzt,
0:18:29–0:18:34
sondern tatsächlich waren noch so vertikale Leuchtstoffröhren,
0:18:34–0:18:41
die angetrieben durch die Hirnfrequenzen der Bratschisten dann Signale gegeben haben.
0:18:41–0:18:49
Also eine visuelle Untermalung noch zusätzlich zu der auditiven Untermalung, also der Begleitung.
0:18:49–0:18:51
Das wurde groß angekündigt.
0:18:51–0:19:00
Die Musik, um das vorwegzustellen, war experimentell, aber gandistisch. Was kann man dazu sagen?
0:19:00–0:19:05
Wie würdest du das einordnen? Es waren klassische Instrumente,
0:19:05–0:19:07
die aber sehr experimentell gespielt wurden.
Micz Flor
0:19:07–0:19:15
Die Gehirnströme der Bratschistin haben synthetische Töne mit reingemischt und
0:19:15–0:19:19
auch diese Lichteffekte subtil im Umfeld mit reingemischt.
0:19:20–0:19:23
Geholt, was so ein bisschen war wie diese großen LED-Fernseher,
0:19:23–0:19:27
die man manchmal so sieht, wo dann hinten raus irgendwie noch so Licht.
Florian Clauß
0:19:27–0:19:32
Den Raum mit. Wo man das AliExpress-Modul noch anmelden kann.
Micz Flor
0:19:33–0:19:35
Genau, ja. Damit will ich das jetzt gar nicht kleiner machen.
0:19:35–0:19:38
Ich fand es ehrlich gesagt ganz angenehm und ich würde es so sagen,
0:19:39–0:19:40
es war ja experimentell.
0:19:40–0:19:44
Und gleichzeitig sind das die 19, 20er Jahre ja auch nicht Zeiten,
0:19:44–0:19:47
in denen mit den italienischen Futuristen, Also es waren ja auch ganz,
0:19:47–0:19:53
ganz viele Soundexperimente, neue Instrumente erfunden und Formen der Komposition.
0:19:53–0:19:56
Also es war jetzt nicht so, dass man das Gefühl hat, das passt nicht.
0:19:57–0:20:01
Und vor allen Dingen, und das meine ich jetzt positiv, ist es irgendwann auch verschwunden.
0:20:01–0:20:02
Das war irgendwann nicht mehr
0:20:02–0:20:05
im Vordergrund, sondern es war dann wirklich irgendwann die Filmmusik.
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Allerdings natürlich auch mit den Sachen, die man von Filmmusik,
0:20:08–0:20:10
von Stummfilm schon aus dem...
0:20:11–0:20:14
Aus dem dritten Programm der ARD kennt, an einem Sonntagnachmittag,
0:20:15–0:20:20
dass manchmal irgendwie dann was so, bei so einem Bild, ja, das ist nicht immer
0:20:20–0:20:23
Musik und Bild im Film haben immer nicht die gleichen Geschwindigkeiten.
0:20:24–0:20:26
Manchmal hängt sich das dann so ein bisschen gefühlt auf.
Florian Clauß
0:20:26–0:20:26
Ja.
Micz Flor
0:20:27–0:20:29
Das gab es auch, aber auch das fühlte sich irgendwie authentisch an.
Florian Clauß
0:20:29–0:20:33
Ich fand, es war durchaus programmatisch, sage ich mal.
0:20:33–0:20:37
Ich denke, es war auch gewollt, dann halt so eine Bildtonschere zu erzeugen
0:20:37–0:20:41
und nicht das zu kommentieren, was auf der Leinwand zu sehen war.
0:20:41–0:20:45
Also ich denke, das war sicher von dem Komponisten, der war auch dann anwesend.
0:20:46–0:20:49
Also insofern war das auch die Premiere des Stückes.
0:20:49–0:20:52
Also supported von Arte und CDF.
0:20:52–0:20:56
Und das Ganze wird im Mai, kann man diese Version, die wir heute geguckt haben,
0:20:57–0:20:58
kann man dann auch auf Arte sehen.
Micz Flor
0:20:59–0:21:03
Meinst du, die nehmen die Tonspur? Die meinten, das wird halt mit dieser neuen Vertonung aufgeführt?
Florian Clauß
0:21:03–0:21:07
Tatsächlich, ich vermute mal, und deswegen haben sie auch diese Leuchtstoffröhren
0:21:07–0:21:11
aufgestellt, das wird tatsächlich Bilder des ganzen Raumes.
Micz Flor
0:21:11–0:21:12
Ah, okay.
Florian Clauß
0:21:12–0:21:15
Und deswegen, die brauchten noch mehr irgendwie, genau, die brauchten noch mehr.
Micz Flor
0:21:15–0:21:18
Nicht der 4 zu 3 Film, sondern rechts und links ist jetzt auch was los.
0:21:18–0:21:21
Also dann ist es ja wirklich wie, wer dann noch einen großen LED hat,
0:21:21–0:21:26
der im Hintergrund selbst auch nochmal leuchtet, dann sind da mehrere Generationen
0:21:26–0:21:28
technische Innovationen eingefasst.
Florian Clauß
0:21:28–0:21:29
Ja, genau, ja.
Micz Flor
0:21:29–0:21:35
Es wäre interessant, weil es lief einmal dieser ganz klassische iPhone-Klingelton
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im Raum und rechts neben mir öfter mal so ein Bing, Bing.
0:21:40–0:21:43
Also das war auf der anderen Seite des Gangs.
0:21:43–0:21:45
Aber das iPhone-Ding hast du gehört.
Florian Clauß
0:21:46–0:21:49
Oder? Ich habe das nur am Anfang gehört, aber dann auch nicht mehr.
0:21:50–0:21:52
Aber das finde ich immer ganz schlimm, obwohl man muss sagen,
0:21:53–0:21:56
das Berlinale-Publikum ist sehr diszipliniert. Also das ist wirklich,
0:21:57–0:22:01
wir sitzen ja dazu, ich weiß nicht, 3.000, 4.000 gehen ja mindestens in den Saal rein.
0:22:02–0:22:07
Du sitzt da und es ist kein Geräusch, weil der Film noch nicht angefangen hat
0:22:07–0:22:10
und du hörst nichts außer Husten vereinzelt.
0:22:10–0:22:14
Und das finde ich immer wieder faszinierend, dass alle Kinogängerinnen,
0:22:14–0:22:20
sich da so dran halten und dass das halt so der Fiktionsvertrag ist oder der Festivalvertrag.
Micz Flor
0:22:20–0:22:22
Und interessanterweise auch gar nicht mehr von, weißt du, es ist fast schon
0:22:22–0:22:24
verpönt, das vorher nochmal zu sagen.
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Es waren drei verantwortliche Frauen, die da mit quasi das in der Präsentation
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verankert waren, die alle drei hätten gesagt können, machen Sie doch bitte auch
0:22:33–0:22:34
jetzt Ihr Handy ausgesucht.
0:22:34–0:22:37
Aber das geht halt nicht, das ist wahrscheinlich schon verpönt.
Florian Clauß
0:22:37–0:22:38
Nee, das ist schon einfach.
Micz Flor
0:22:38–0:22:42
Man muss wissen, wo man, um wieder zum Film zu kommen, Gabel links,
0:22:42–0:22:45
Messer rechts, das muss man wissen. und von außen nach innen essen.
0:22:45–0:22:52
Aber ich habe jetzt eine Frage oder Vorschlag, weil im Vorfeld hatte ich auf
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deine Anregungen hin so ein bisschen darüber nachgedacht über,
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Interpretation, Deutung, also das ganze Thema so. Das wird jetzt im Film halt
0:23:00–0:23:02
in sich selbst schon so gemacht.
0:23:02–0:23:04
Also man muss ganz kurz vielleicht, ich möchte nur ganz kurz die Geschichte
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sagen, wegen keiner Plot-Spoiler.
Florian Clauß
0:23:07–0:23:09
Ja, wir erzählen den Film sowieso nach.
Micz Flor
0:23:09–0:23:13
Und wenn wir über den Film sprechen, wie du schon sagst, wir sind berühmt dafür,
0:23:13–0:23:17
dass wir manchmal länger über Filme erzählen, als es die Filme sind.
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Und dass wir aber auch keinen Plot-Spoiler auslassen, sondern vielleicht sogar
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noch welche erinnern, die es gar nicht gab.
0:23:25–0:23:29
Aber in diesem Film fände ich es interessant, ich würde, das ist jetzt ein Vorgriff
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auf etwas, was vielleicht später kommt, was nämlich auch mit der Entstehung des Films zu tun hat,
0:23:33–0:23:40
auch nochmal gucken, in der Entstehung des Films, der sich mit der Psychoanalyse beschäftigt,
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wenn man jetzt 1899 oder 1900 mit dem Erscheinen von Freuds Traumdeutung als
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Ursprung der Psychoanalyse verbinden möchte.
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Kann man also sagen, ein Vierteljahrhundert schon danach.
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Das ist nicht wenig. Das ist so, wie wenn jetzt irgendwas 2000 hier in die Welt
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gekommen ist und jetzt gucken wir heute zurück.
0:24:00–0:24:07
Und es war ein Film, der das didaktisch zeigen wollte, wie eine Störung entstehen
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könnte, eine psychische Störung und wie die behandelt werden könnte.
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Das Ganze schon auch auf einer filmischen Ebene mit ganz tollen Montage- und
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Überblendungstechniken gebaut wurde, um das zu verdeutlichen,
0:24:20–0:24:25
also das Fantasievolle, nicht Lineare, nicht Zeitbasierte, nicht Sinnhafte.
0:24:27–0:24:32
Und auf der anderen Seite aber eben auch diese Geschichte von einer Ehe erzählte,
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in der der Mann dann eben einen zwanghaften Wunsch, seine Frau umzubringen, entwickelt hat.
0:24:39–0:24:45
Und die Therapie in Anfangszeichen ging dann eben darum, dem auf die Spur zu kommen.
Florian Clauß
0:24:45–0:24:49
Also eigentlich Podcast, das ist ja der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:24:50–0:24:54
Und wir laufen gerade am Schloss Bellevue, also auf das Schloss Bellevue zu.
0:24:54–0:24:57
Und ich wollte jetzt hier auch noch mal so ein bisschen auf der Route,
0:24:57–0:25:00
auf der Spreyroute mitnehmen.
0:25:00–0:25:05
Weil meistens plane ich die Tracks und Mitch ist immer, wenn er sich umdreht,
0:25:05–0:25:08
verwundert, wo bin ich hier? Ist das noch Berlin?
Micz Flor
0:25:09–0:25:13
Ist klar, du meinstens die Tracks manchmal, wenn ich einfach loslaufe,
0:25:13–0:25:16
im besten Fall komme ich an den gleichen Momenten.
Florian Clauß
0:25:17–0:25:23
Genau. Und wir kommen jetzt tatsächlich in Richtung Moabit, wo wir noch nicht so oft waren.
0:25:24–0:25:28
Und das Prinzip von unserem Podcast ist ja immer, dass einer dann meistens eine
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Geschichte mitbringt und der andere hört zu und kommentiert.
0:25:32–0:25:35
Aber wir haben jetzt in letzter Zeit so ein Event-Podcast geworden.
0:25:36–0:25:44
Letztes Mal sind wir ja auch aus dem deutschen Theater gekommen und haben direkt danach aufgenommen.
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Und wir können jetzt auch auf einen relativ großen Fundus zurückgreifen an Episoden,
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die wir schon mal aufgenommen haben.
0:25:53–0:25:56
Und hier würde ich auch sagen, können wir durchaus das Freud,
0:25:57–0:26:01
Freud Outsider, da sind wir auch aus dem Kino gekommen, den hast du im letzten
0:26:01–0:26:06
Sommer präsentiert, also hast du mich animiert in den Filmen.
Micz Flor
0:26:06–0:26:07
Mitzukommen und drüber zu sprechen.
Florian Clauß
0:26:07–0:26:10
Und der wurde jetzt auch vor kurzem auf Arte gezeigt.
Micz Flor
0:26:10–0:26:11
Hab ich auch gesehen, ja.
Florian Clauß
0:26:11–0:26:17
Toll, ne? Aber weißt du, was da gefehlt hat? Da haben nämlich von Marien Bonaparte
0:26:17–0:26:20
diese persönlichen Filmaufnahmen gefehlt.
Micz Flor
0:26:20–0:26:20
Echt?
Florian Clauß
0:26:20–0:26:23
Ja, die gab es dann nicht in dem Film. Und meine Vermutung ist,
0:26:23–0:26:25
weil das war ja, wir sind ja beide aus dem Kino rausgekommen,
0:26:25–0:26:29
und das war ja super, also da habe ich so ein Freund zum ersten Mal Lachen gesehen,
0:26:29–0:26:32
und das war ja sehr nahe Aufnahmen, und die sind da nicht vorgekommen.
0:26:32–0:26:35
Und ich vermute mal, der hat keine Rechte bekommen fürs Fernsehen.
Micz Flor
0:26:35–0:26:38
Ja, fürs Fernsehen, das denke ich auch. Und er hat ja noch gesagt, dass das wirklich auch,
0:26:38–0:26:42
in dieser Filmvorstellung das erste Mal ist, dass die Sachen überhaupt gezeigt werden.
0:26:42–0:26:44
Die aus dem Archiv. Und ja, wahrscheinlich
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hat er die Rechte einfach fürs Fernsehen nicht bekommen oder...
Florian Clauß
0:26:47–0:26:50
Ja, ich denke mal, das wird der Grund sein, weil das waren wirklich ganz tolle
0:26:50–0:26:53
Aufnahmen und die haben uns ja beide sehr berührt.
Micz Flor
0:26:53–0:26:58
Wenn dann Sigmund Freud später in London sitzt und mit so Hunden spielt und
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dann so lachen muss über den Hund und so rumguckt, ob andere mit ihm mitlachen
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und so. Das waren wirklich sehr berührende Momente.
Florian Clauß
0:27:05–0:27:09
Die kennt man aus dem gestellten Foto. Man kriegt ja, man hat nur dieses stoische
0:27:09–0:27:14
Foto von Freud, was jeder quasi bei der Geburt eingeprägt bekommt,
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wo er da mit der Zigarre steht und so in die Kamera schaut. Das ist Freud, wie wir ihn kennen.
0:27:22–0:27:28
Und ja, du hattest ja auch gerade gesagt, dass Freud hat ja schon vor diesem
0:27:28–0:27:30
Film einige Bücher rausgebracht. gebracht, ja.
0:27:30–0:27:34
Und wir wissen auch, jetzt durch Outsider, kann jeder gerne nachhören,
0:27:34–0:27:39
das war ja in Zwanzigern, als sich Freud, als dieses Ganze mit der Traumdeutung
0:27:39–0:27:42
und so weiter, hat er durchexerziert und irgendwie hat er gemerkt,
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richtig sauber ist es noch nicht. Ich mache jetzt mal den Tod mit rein.
0:27:48–0:27:52
Da kam ja dieses Buch mit dem Todestrieb. Wie heißt es noch, Mensch?
Micz Flor
0:27:53–0:27:55
Jenseits des Lustprinzips.
Florian Clauß
0:27:55–0:28:01
Jenseits des Lustprinzips, genau. Das war jetzt mehr oder weniger ein Lehrfilm der Psychoanalyse.
0:28:01–0:28:05
So wurde er auch eingeleitet von einer der drei Moderatoren,
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die den Film jetzt gerade nochmal so eingeführt haben.
0:28:09–0:28:11
Lehrfilm, finde ich, trifft es ganz gut.
Micz Flor
0:28:11–0:28:16
Also es war einerseits ein Lehrfilm, wurde gesagt und gleichzeitig meinte die,
0:28:17–0:28:21
dann wurde da aber auch ein Spielfilm draus und das ist halt, was Papst kann.
Florian Clauß
0:28:21–0:28:27
Also er hatte versucht, Freud selber für diesen Film mit, dass er als Berater
0:28:27–0:28:30
der da tätig wird, Freud war aber nicht sehr begeistert.
0:28:31–0:28:36
Dann waren zwei seiner Schüler da mit drin. Der eine, Karl Abraham,
0:28:36–0:28:39
es wären wohl während der Dreharbeiten dann gestorben.
0:28:39–0:28:42
Und der andere, Hans Sachs.
Micz Flor
0:28:43–0:28:47
Hans Sachs ist einer der ersten, oder der erste, glaube ich,
0:28:48–0:28:50
Laien-Psychoanalytiker, wie es heißt.
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Also der ist kein Mediziner, der hat Jura studiert und kam auch so über Bande irgendwie dazu.
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Es gab so eine Gesellschaft, in der die alle saßen und da hatte er 1911 einen
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Vortrag gehalten über die, ich weiß den genauen Titel nicht,
0:29:07–0:29:11
aber die Anwendung von Psychoanalyse in der Deutung von Lichtkunst.
0:29:11–0:29:15
Also er hat quasi geguckt, was könnte man denn da noch in andere Medien nehmen,
0:29:15–0:29:16
in künstlerische Tätigkeit nehmen.
0:29:17–0:29:20
Insofern fand ich es auch ganz passend in diese Idee von Vermittlung,
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dass er dann auch einsteigt mit in diese Filmberatung.
0:29:24–0:29:27
Das ist was, wo es ihn wahrscheinlich auf zwei Ebenen interessiert.
0:29:27–0:29:30
Das eine ist die Psychoanalyse, der sich angenommen hat auch,
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der sich verschrieben hat, zu verbreiten und andererseits aber auch in den Medien
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Film arbeiten zu können.
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Also das war so eine Spekulation, wir können ihn nicht fragen,
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aber ich bin mir sicher, dass er da immer auf zwei Seiten geguckt hat bei dem Film machen.
Florian Clauß
0:29:43–0:29:49
Und er war selber, glaube ich, in der Berliner Vereinigung der Psychoanalytiker
0:29:49–0:29:53
tätig oder hatte da in Berlin irgendwie so eine lokale Rolle.
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Ja, man muss ja auch sagen, dass Papst als österreichischer Regisseur natürlich
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auch in Wien aufgewachsen, also nicht natürlich, aber in Wien aufgewachsen,
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da auch eine Verbindung zu Freud hat, eben durch die Lokalität.
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Papst, das machen wir dann in der nächsten Episode, erzähle ich ein bisschen mehr drüber.
0:30:10–0:30:14
Der ist ja dann nach Berlin gezogen, hat dann in der Weimarer Republik einige
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prägende Filme gedreht.
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Ich fand es auch erstaunlich, wie gut die Bilder noch funktionieren.
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Also erstmal muss man nochmal sagen, eine restaurierte Fassung und es ist auch
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so eine Werksfassung, man sieht,
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Man sieht, wie die Körnigkeit umspringt. Man sieht den Wechsel teilweise von
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der 16-Millimeter-Kopie zu den 35-Millimeter.
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Also die 16 wesentlich verschneiter in der Auflösung, wesentlich verschwommener.
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Und die 35-Millimeter sticht dann wieder so raus.
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Manchmal siehst du, dass das Frame quasi versetzt ist, das untere Sechzehntel
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nach oben gerutscht ist, wie auch immer.
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Aber ich fand, das hatte so eine Werkschau.
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Und die hat mir auch am Anfang nochmal gezeigt, was Archivarbeit bedeutet.
0:31:04–0:31:09
Weil die eine Vorsitzende von der Monarch-Stiftung, oder war das die Monarch-Stiftung?
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Also auf jeden Fall hat sie erzählt, wie aufwendig das ist, diese Kopien zusammenzutragen.
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Und dass das eine weltweite Koordinationsaufgabe ist, in so einer Fassung dann
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wieder zu schneiden und zu restaurieren.
Micz Flor
0:31:22–0:31:28
Und das war interessant, weil die Stiftung Kinemathek war ja irgendwie auch
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involviert zumindest. Ich weiß nicht genau, welche Rolle die da spielt.
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Aber mit denen hatte ich mal, das ist jetzt 10, 15 Jahre schon her,
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aber auch über dieses Thema gesprochen. Und das war interessant,
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wie die meinten, was das Internet dann auch noch mal getan hat.
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Also, dass du halt einfach teilweise nur einzelne Rollen irgendwo finden kannst.
0:31:46–0:31:50
Dass dann also Lücken entstehen im Prinzip wie so eine DNA-Analyse,
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wird dann halt so in die ganzen Lücken aufgefüllt.
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Und dass sie damals auch angefangen haben, natürlich dann,
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über diese Blu-Ray-Technik unterschiedliche Schnittfassungen mit dem gleichen
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Originalmaterial herstellen zu können.
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Weil die meinten jetzt, die haben hier die Uraufführung, 25.
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Januar 2026 stand da, die haben sie wieder hergestellt.
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Und diese Urfassung oder die Schnittfassung, die halt die Urfassung ist.
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Keine Ahnung, wenn man das jetzt bei Blade Runner machen würde,
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würden viele Blade Runner-Fans halt auf die Varrikaden gehen und sagen,
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Ihr könnt auch nicht das als Einzige so hinstellen.
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Aber das war interessant damals zu erleben, dass diese Suche über Internet wirklich
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dann Rollen zusammenzukriegen, die Digitalisierung und dann die Bereitstellung
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des Materials auf Blu-ray fast so im Rohmaterial, was dann aber auf einer Metaebene
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unterschiedliche Schnittfassung auch widerspiegeln kann.
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Das fand ich total spannend, weil da Film auf einmal so lebendig wurde auch.
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Dann war es halt wirklich jede einzelne Rolle und die Rolle haben wir von da, die haben wir von da.
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Ist das bestimmt total spannende Aufgabe.
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Und vor allen Dingen dann eben auch immer die Suche, welche Fassung stellen wir,
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Herr, das kennst du vielleicht auch, es gab ja auch von der Wüstenplanet,
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von Lynch, gab es ja auch später mal so eine VHS-Fassung, wo rausgeschnittenes
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Szenen drin waren. Hast du die mal gesehen?
Florian Clauß
0:33:05–0:33:05
Ich glaube ja.
Micz Flor
0:33:06–0:33:07
Ich habe die noch, wenn du sie willst.
Florian Clauß
0:33:08–0:33:11
Ja, VHS, da bilden wir das ab, wie mir juckt.
Micz Flor
0:33:11–0:33:15
Und da ist es auch so, die wurden korrekt reingeschnitten, aber der Sprung der
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Qualität war halt so krass, dass du dir das nicht als zusammenhängenden Film angucken konntest.
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Sowohl Ton und Bild waren halt irgendwie unterirdisch.
Florian Clauß
0:33:22–0:33:26
Die Wahrnehmung von Stummfilmen, die wir heute haben.
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Heute ist es, wenn man auf YouTube guckt, dann sind die Fassungen meistens sehr schlecht.
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Es kommt dann halt so mehr oder weniger generische Musik dazu.
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Aber die sind noch da. Die Filme sind alle, die kann man da gucken.
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Das hatten wir jetzt auch in der Vorbereitung zu der Folge.
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Die Papstfilme kannst du auf YouTube gucken. Das Gleiche habe ich auch auf Archive.org.
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Da liegen die auch alle rum.
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Und da haben die teilweise nur 47 Views. wo ich dann denke, so what?
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Ich meine, das sind dann halt mit Greta Garbo und Louis Brooks Filme,
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die dann halt irgendwie so eine minimale Klickrate haben.
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Da ist natürlich YouTube der
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viel größere Aggregator. Man kann nie da gucken und das ist schon enorm.
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Ich habe so ein bisschen noch mal vorher reingeguckt in Geheimnis einer Seele,
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aber das fand ich schon so schlecht, dass ich es mir gar nicht mehr so richtig antun wollte.
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Jetzt war es auch keine Folge? Ja, du hattest ja noch mal gesagt,
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guck dir wegen der Filmmusik, dass wir dann noch mal so einen Vergleich haben,
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wie ist die jetzt, wie ist sie auf YouTube.
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Aber das fand ich dann halt nicht so überzeugend.
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Deswegen habe ich es auch gleich wieder ausgemacht, weil die wirklich sehr schlecht war auf YouTube.
Micz Flor
0:34:33–0:34:34
Das stimmt, ja.
Florian Clauß
0:34:34–0:34:40
Aber klar, du hast in analogen Zeiten von Bibliothek und Archiv,
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hast du ganz andere Anforderungen.
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Das Digitale zeichnet sich ja durch eine verlustfreie Kopie aus.
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Das kann man vom Analogen ja nicht behaupten, oder?
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Gerade was jetzt irgendwie Filmen anbelangt, das aufzubewahren,
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gibt es ja einige Anforderungen.
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So, genau, also Geheimnisse einer Seele. Es ist ein Lehrfilm.
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Wir lernen die Figur des Fellmanns kennen, ein Chemiker, hat ein gutes Haus, bürgerlich.
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Es ist wohl recht wohlhabend.
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Seine Frau ist, also man erfährt ziemlich schnell, dass sie kinderlos sind.
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Aber führen doch ein harmonisches Leben, bis dann eben die Nachricht kommt,
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dass sein Vetter, sein Vetter aus Indien, der hat eine tropische Weltreise gemacht,
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der war in den Tropen und will sie besuchen auf dem Rückweg.
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Und wie wir dann auch später erfahren, ist tatsächlich der Vetter,
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gemeinsam sind sie als Kinder aufgewachsen, mit auch der Frau von Herrn Fellmann.
Micz Flor
0:35:50–0:35:54
Genau, er kennt seine Frau schon immer. Der Vetter ist Cousin.
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Der Cousin, Vetter ist so ein Wort.
Florian Clauß
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Was man eigentlich sagt. Ja, ich hätte auch überlegt, das ist ein Cousin. Ein Cousin seiner Frau.
Micz Flor
0:36:01–0:36:06
Das ist dann auch so, weil es eben um eine mögliche sexuelle Beziehung zwischen
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der Frau und diesem Cousin geht.
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Ich glaube, ich wurde der auch nochmal so angedockt, als der ist Familie, das ist verboten.
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Das ist ein Inzisten. Ich glaube, das war einfach nochmal auf so einer Ebene
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zu klären, nee, nee, aber es ist bestimmt nichts passiert. Während das irgendwie,
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finde ich, oft trotzdem auch angedeutet wird.
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Aber natürlich wird es deshalb auch angedeutet, weil wir sollen es ja durch
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die Augen des Mannes sehen, der damit einen großen Konflikt hat,
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einen inneren Konflikt.
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Die kennen sich seit Kindheit und er spricht auch von diesem Cousin als seinen
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besten Freund, mit dem eigentlich alles immer gut war sozusagen.
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Und das ist dann auch schon eine Sache, die...
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Wahrscheinlich dann implizit, nicht explizit benannt wird, aber die Verdrängung.
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Die Verdrängung von möglichen Eifersüchteleien, dass er die einfach gar nicht
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wahrnimmt, weil das passt nicht in die Art, wie er sich selber sehen wollen würde.
Florian Clauß
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Aber bevor wir jetzt schon in die Interpretation, in die Analyse des Filmes
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einsteigen, würde ich sagen, erzählen wir noch mal grob den Bogen nach.
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Der Film beginnt mit einem Mord im Nachbarhaus, wo eben der Fellmann,
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als er gerade seine Frau so einen Haaransatz wegrasieren möchte.
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Auch ganz süß inszeniert. Sie guckt dann, nee, da habe ich noch Haar,
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mach mal weg. Und er rasiert sich gerade.
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Und in dem Moment hören sie Hilferufe aus dem Nachbarnhaus. Und die Frau schreckt
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hoch und dabei wird sie halt geschnitten von dem Messer.
Micz Flor
0:37:31–0:37:32
Weil es so ein altes Rasiermesser ist.
Florian Clauß
0:37:32–0:37:36
Ja, so ein altes, genau. So ein altes, wo man das so betzen muss mit dem Lederband.
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Und dann stellt sich heraus, dass in einem Nachbarhaus ein Mann seine Frau mit
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dem Rasiermesser abgestochen hat.
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Und in dem Moment entwickelt und gleichzeitig mit dieser Nachricht von dem Ankunft
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des Vätters entwickelt,
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der Chemiker eine Phobie vor Messern. Er kann kein Messer mehr anfassen.
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Das wird ihm dann auch zum Verhängnis. Der Vetter trifft ein und er sagt dann,
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ich kann nicht mit euch essen und flüchtet dann aus dem Haus,
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und geht dann in die Kneipe und dort findet er auch jemanden,
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der ihm eventuell helfen könnte.
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Nämlich er lässt seinen Schlüssel liegen in der Kneipe und kommt dann wieder
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so sehr aufgewühlt nach Hause und derjenige, der der dann eben in dieser Kneipe
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den Schlüssel nimmt und meint so, sie haben ja einen Schlüssel vergessen, der folgt ihm.
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Ist ein bisschen creepy, die Szene. Ja, da wusste man.
Micz Flor
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Dass das in Anführungszeichen der Gute ist, der Gandalf in dem Film,
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den hat man nicht so am Anfang glauben wollen.
Florian Clauß
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Es hat einen methodischen Charakter, weil es geht darum, dass derjenige,
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der Doktor, ein Psychoanalytiker, wie sich das später herausstellt,
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dass er dann halt sagt, sie tun ja alles, um nicht in ihr Haus zu müssen.
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Und dann, woher wissen Sie das?
Micz Flor
0:38:52–0:38:52
Ja, genau.
Florian Clauß
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Und dann, ja, es gehört zu meinem Beruf.
Micz Flor
0:38:55–0:38:59
Sie scheinen das nicht zu wollen. Sie scheinen nicht in Ihr Haus zu wollen oder
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irgendetwas in der Art. Ja, stimmt.
Florian Clauß
0:39:01–0:39:04
Damit ist jetzt schon mal so die Verbindung hergestellt, Haus.
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Also es kommen so diese ganzen Archetypen der Psychoanalyse in diesem Film vor,
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werden wunderbar inszeniert.
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Man muss noch sagen, da gibt es eine Traumsequenz, die geht so 15 Minuten und
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die hat sehr viele Trick-Elemente.
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Und die ist auch wirklich toll. Und das wollte ich vorhin sagen,
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der Film ist von den Bildern, die er schafft, ist ja noch so zeitgemäß.
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Also es macht wirklich Spaß, den anzuschauen.
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Und das ist auch sicher eine Kunst des Regisseurs, von Papst,
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der solche Filme noch schafft, die noch so natürlich sind, wo man noch eine
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Verbindung zu den Figuren hat.
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Ich finde die auch, also man kennt das ja aus der Sturmfilmzeit,
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dass die teilweise so overacted sind, aber bei Papst sind die so ein bisschen,
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die sind nicht ganz so over.
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Also da komme ich nochmal später drauf.
Micz Flor
0:39:52–0:39:54
Da weißt du mir erst nicht.
Florian Clauß
0:39:54–0:39:59
Was er da, welche Methoden er da angewendet hat. Aber man kennt es also von
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Fritz Lang mit Hopelis, das ist ja so, teilweise schreit es dir entgegen.
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Also das ist dann so expressiv, weil wir sind ja auch im Expressionismus,
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in Zeiten des Expressionismus, wo das halt sehr überstrahlt ist. Und das hat der Film...
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Also man kriegt schon mit, dass der Herr Fellmann eine sehr emotionale Figur
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ist. Finde ich aber auch gut gespielt.
Micz Flor
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Der spielt das sehr gut, aber ich wollte auch noch zu diesem Kontrast zwischen
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der Traumsequenz und dem Rest des Films in Anführungszeichen.
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Also fand ich ganz gut gemacht.
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Ich hatte am Anfang auch mal versucht, darauf zu achten, weil man ja gerade
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wenn es um Schnitt geht, auch schnell wieder blind wird und nicht mehr darauf achtet.
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Und da ist es so, dass diese Sequenz, wo der Mann reinkommt in sein Chemielabor,
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dann kommt er rein, die Tür geht auf, er dreht sich um, er hängt seine Jacke
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hin, zieht den Chemikermantel an, schlüpft da rein und setzt sich dann an den Tisch und macht was.
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Und das sind, glaube ich, vier oder fünf Schnitte, die halt wirklich so,
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wenn du nochmal drauf gehst, so flüssig geschnitten sind, dass er halt von hinten
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gefilmt wird, wie er den Mantel hochnimmt und dann mit einer Hand anfängt reinzugehen,
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dann steht die Kamera zur Seite und filmt, Also er filmt dann wirklich,
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es ist so geschnitten, dass es in der Bewegung weitergeht.
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Das fand ich sehr, sehr enorm flüssig gemacht und dem gegenüber steht dann halt
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diese Montagetechnik, die halt...
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Wo gerade der Schnitt eben auch ein Effekt ist, weil er sichtbar wird und nicht unsichtbar bleibt.
Florian Clauß
0:41:23–0:41:28
Ja, das ist genau der Punkt, den ich auch bei Papst so herausarbeiten wollte,
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die filmtechnischen Errungenschaften, die Papst auch so mitgetrieben hat.
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Nämlich Papst ist so der Meister oder auch mit quasi der Begründer des Continuity-Editings,
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den unsichtbaren Schnitt.
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Das war nämlich nicht üblich und das hat Papst perfekt sonniert.
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Aber da wollte ich jetzt die nächste Episode drüber sprechen.
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Aber ich finde es total super, dass ihr so aufgefallen ist, weil das wirklich
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damals in der Schnittfassung nicht so üblich war.
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Da war noch viel von dem russischen Montage, also von Sergej Eisenstein,
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der dann eben auch den Schnitt als politischen Moment genutzt hat.
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Ja, aber Papst hat den unsichtbaren Schnitt, also ist da quasi der Begründer
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und das war auch sicher, das gab es schon vorher, aber ich rede ja.
Micz Flor
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Da kommen wir danach nochmal spannend, weil ich fand, das wusste ich nicht,
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ich hatte glaube ich das irgendwann mal erwähnt mit Continuity oder der unsichtbare
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Schnitt, hattest du gesagt genau, ich dachte,
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du meintest diese Hitchcock Sache, wo die Kamera dann irgendwie so auf eine
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Wand zuläuft und von der Wand wieder wegläuft, sodass man,
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die Spule, die Filmrolle austauschen konnte und den Schnitt verschleiern konnte.
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Aber du meintest die Continuity zwischen den...
Florian Clauß
0:42:44–0:42:50
Genau, es geht um den erzählerischen Raum, der dann in sich abgeschlossene Filmregeln
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hatte und die dann halt auch so als Kontinuum wahrgenommen hat.
Micz Flor
0:42:53–0:42:58
Und in dem Traum sind natürlich inhaltlich die Motive da, da ist...
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Ein Kind, da ist seine Frau, da ist der Vetter, da ist der Tropenhelm,
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der Abenteurer, da kommt der Dolch vor, also er entwickelt dann den Zwang.
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Oder er hat das Gefühl, er muss sich dauernd zurückreißen, damit er seine Frau nicht umbringt.
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Er beschreibt es als Zwang, seine Frau umzubringen.
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Diese Elemente kommen vor, auch sein Chemielabor, seine Assistentin im Chemielabor.
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Und da ist es eben, dass manche mit dem Schnitt, da versuchen die dann deutlich
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zu machen als Traumsequenz.
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Dass Bilder übereinandergelegt werden. Das ist das eine.
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Da kannst du sicherlich auch gleich noch mehr zu sagen. Aber diese Bilder übereinanderlegen,
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so als eine Form von Verdichtung.
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Das ist eins von Freuds Hinweisen. In Träumen verdichten sich die Themen.
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Es wird bildlich gesprochen, überlagern die sich. Und das haben die auch da
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mit Überblendung gemacht.
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Entschuldigung, Überlagerung. Oder wie heißt das Überblendung?
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Das ist doch von einem zum anderen.
Florian Clauß
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Ja, es ist eine Doppelbelichtung.
Micz Flor
0:44:04–0:44:06
Eine Doppelbelichtung oder sogar Mehrfachbelichtung mit den Zügen.
Florian Clauß
0:44:07–0:44:11
Ja, mehrfachbelichtung und wo er dann auch durch die Statue springen kann.
Micz Flor
0:44:11–0:44:16
Ja, solche Sachen, genau. Und eben der Schnitt, der Sprung, also das ist auch
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so eine Sache, das halt so ein Traum ein Narrativ erzählt.
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Aber es gibt dann bei solchen Schnitten, die sind dann nicht politisch motiviert,
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wie was du gerade meintest, Sondern da könnte man sagen, okay,
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hier ist vielleicht auch diese Verdrängung, diese Zensur,
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dass das unbewusste Material nicht ungefiltert raus kann, dass die auch im Traum noch passiert.
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So, da können wir auch später nochmal drüber reden, wie das so beschrieben wird,
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welche Rolle der Traum spielt in der Psychoanalysen der Deutung.
Florian Clauß
0:44:44–0:44:45
Eine Schlüsselrolle.
Micz Flor
0:44:45–0:44:46
Eine Schlüsselrolle, genau.
Florian Clauß
0:44:46–0:44:51
In jedem Lehrfall, es geht keine Psychoanalyse ohne einen Traum.
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Das können wir auch gerne noch in deiner Praxis besprechen, wie du deine Erfahrungen so...
Micz Flor
0:44:56–0:44:57
Ja, ich bin ja kein Psychoanalytiker.
Florian Clauß
0:44:57–0:45:01
Muss ich dazu sagen. Ja, du bist Psychoanalytiker, aber du kommst aus der Schule.
Micz Flor
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Ich hab da nur theoretisch keine praktischen Erfahrungen in der hochfrequensten langen Arbeit.
Florian Clauß
0:45:07–0:45:08
Du musst dich jetzt nicht verteidigen.
Micz Flor
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Genau, ich versichere mich nur ab, dass ich Fehler machen darf.
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Ja, und diese Schnitte, da war zum Beispiel eben sowas, wo der Cousin auf dem,
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Baum sitzt und so künstlich satanisch lacht und die Hände hochhält und dann
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macht sie auf einmal Pop und dann hat er so eine kleine Kinderstole in der Hand
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und schießt damit eben auf den Hauptdarsteller. Das war dann so ein Schnitt.
Florian Clauß
0:45:34–0:45:39
Der dann quasi so im Traum fliegt. Also wie so ein Vogel dann hochfliegen.
Micz Flor
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Und das ist schon spannend, also wie diese unterschiedlichen Mechanismen im
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Traum nachfreut, wie die dann da filmisch umgesetzt wurden mit Filmtechnik.
Florian Clauß
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Ja, und du hast auch diese starken Großaufnahmen. Du hast bestimmte Szenen,
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die dann erstmal so wie zum Beispiel in dem Labor, wo dann halt eine Mutter
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mit ihrem Kind reinkommt und der Fellmann sich dann freut und dem Kind eine Süßigkeit gibt.
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Das hast du dann später nochmal so in der Analyse, wo er dann halt in dem Prozessieren
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des Geschehenen oder des Traumas ist,
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hast du dann diese Aufnahmen nochmal, diese Situation hinter so einer weißen
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Leinwand, also es war wie so ausgestellt nochmal.
Micz Flor
0:46:20–0:46:23
Ja, das hat der Papst, glaube ich, von Matrix abgeguckt.
Florian Clauß
0:46:24–0:46:27
Dieser weiße Raum. Das war richtig schön. Das war richtig schön,
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was Surreales dadurch schafft in der Bildkomposition.
Micz Flor
0:46:32–0:46:36
Auch das ist wichtig in der analytischen Arbeit, in der Traumdeutung,
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dass man vielleicht die wichtigsten Dinge im ersten Erzählen auch verdrängt
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hat schon oder die dann erst später wiederkommen. Ach nee, Quatsch,
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dann war ja noch das und das noch.
Florian Clauß
0:46:46–0:46:46
Ja.
Micz Flor
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Dadurch, dass die das nochmal gefilmt haben vor einer weißen Wand oder einer
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weißen Box, hattest du auch immer nur das Gefühl, du siehst einen Ausschnitt,
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du siehst nur einen Teil der Narration, du siehst jetzt nicht im Hintergrund
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die Polizei, du siehst jetzt nicht dieses Fenster.
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Und das fand ich eigentlich auch wieder eine sehr gute bildliche Darstellung
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von der Art, wie ein Traum erzählt wird und wie er erst nach und nach dann auch
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mit Sinn gefüllt wird, mit Erkenntnis und Sinn gefüllt wird.
Florian Clauß
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Ich fand den wirklich von den Bildern sehr faszinierend. Auch die Aufnahmen
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der Gesichter, das waren teilweise so große Aufnahmen, wo dann Emotionen dargestellt wurden.
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Es gab natürlich diese Schlüsselelemente wie Zug, haben wir ja auch bei Outsider, Zug.
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Das ist der Moment der Elektrifizierung, der Bewegung des Phallus durch den Tunnel.
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Da haben wir alles, da haben wir den Turm. Der Turm, der wächst.
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Das war wirklich so eine tolle Trick-Animation, wo dann halt so lauter Häuser aus dem Grund wachsen.
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Und dann haben wir so einen Wasserturm, der dann rauswächst mit einer Wendeltreppe.
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Und oben in diesem Turm sind Glocken. Und die Glocken werden dann aus dem Glocken
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Frauenköpfe montiert, die dann halt alles so diese Schlüsselfrauenfiguren in
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der Geschichte von dem Fellmann sind.
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Also das sind halt irgendwie so ganz verdichtete Bilder, die dann halt hier
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auch inszeniert werden. Und die auch, und das muss man auch sagen,
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und da können wir uns vielleicht nochmal drüber unterhalten,
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es gibt eine Geschichte.
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Der Filme, die eben Träume dann auch mit inszenieren, beziehungsweise des Psycho-Analytischen.
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Ich denke dann eben auch an Hitchcock, haben wir schon erwähnt.
Micz Flor
0:48:29–0:48:30
Spellbound.
Florian Clauß
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Spellbound, genau. Dieses Trauma, auch diesmal eine Gabel, Spellbound.
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Das war dieses Trauma, dass eben die Hauptperson,
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wo er beim Essen dann diese Gabel, wie die Gabel, sich in einem weißen Tischtuch
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Furchen zieht und auf einmal dann halt dieser Kontrast zwischen den Furchen
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und der weißen Tischtecke ihn dann zu so einem...
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Angstzustand versetzt hat. Traumatisch. Kannst du dich daran erinnern?
Micz Flor
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Ich habe den vor wahrscheinlich 25 Jahren gesehen.
Florian Clauß
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Ja, und dann war aber die Auflösung war halt, dass diese Struktur,
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das Trauma, was er erlebt hat, war eben im Ski. Und das waren die Skispuren.
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Und dann wurde auch so eine Übertragung eben stattgefunden hat.
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Da haben wir das auch. Und bei Mani, wir haben das auch bei Vertigo natürlich.
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Und dann später kommt eben Cronenberg, der auch ganz viel mit solchen Traumsachen
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hat, der hat ja auch dieses eine, ich habe den glaube ich nie gesehen,
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aber diese Verfilmung Dangerous Mind, überfreut.
Micz Flor
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Ach nee, habe ich nicht gesehen, Entschuldigung, ich verwechsel es gerade.
Florian Clauß
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Dangerous Mind, der hieß doch von 2012.
Micz Flor
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Ja, ich glaube ja, der war auch mit Viggo Mortensen oder so.
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Und ich habe nämlich an den Viggo Mortensen gedacht und dann an den anderen
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Film von ihm, wo ich jetzt drüber vergessen habe, wie der hieß.
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Aber da wusste ich auch nicht, also von Kronenberg jetzt Traumsequenzen ansonsten
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von dem, was ich gesehen habe, fällt mir gar nicht so ein.
Florian Clauß
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Ja, also ich glaube, es geht um die Dynamik des Filmes. Es geht um die Dynamik des Filmes.
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Also es geht eher so darum, dass Dramaturgien genutzt werden,
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die sonst aus dem Traum kommen.
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Und das ist so bei Lynch, jetzt auch bei Ari Aster,
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wo ich mit Chris drüber gesprochen habe, Bo is Afraid, da kommt auch ganz schön
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so diese Auch diese Verurteilstätigung, weil das wäre jetzt auch eine Sache,
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die wir bei Geheimnis einer Seele hatten,
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dass er sich selber, Fellmann, in dieser Gerichtsverhandlung sieht,
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er sich selber verurteilt, den Traum.
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Und der Analytiker, das dann auch gleich deutet, ja, sie haben sich dafür,
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haben sie sich dann halt auch für den Zwang, ihre Frau umbringen zu wollen,
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haben sie sich gleich verurteilt.
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Und da haben wir ja natürlich diese klassische Ich-Ass,
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Und über ich, dass das über ich dann quasi die Gerichtsverhandlung ist,
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die dann eben den Trieb, das S,
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dann seine Frau mit dem Messer umzubringen, dass das verurteilt wird und das
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Ich dazwischen hin und her gerissen ist.
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So ganz platt psychologisiert.
Micz Flor
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Ja, das stimmt. Und das ist bei Ari Aster, den habe ich nicht gesehen.
Florian Clauß
0:51:15–0:51:16
Das kommt hinten.
Micz Flor
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Ich habe die Folge gehört natürlich.
Florian Clauß
0:51:19–0:51:23
Ja, mit Joachim Phoenix in der Gerichtsverhandlung kommt das auch vor,
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Und das fand ich auch schön, weil Geheimnisse einer Seele wurde dann halt diese
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Gerichtsverhandlung tatsächlich in so, die Richter saßen dann in Reagenzgläsern,
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auch so eine Doppelbelichtung.
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Ist das auch aufgefallen?
Micz Flor
0:51:37–0:51:37
Ja, ja.
Florian Clauß
0:51:37–0:51:41
In so Erlenmeierkolben, dann hinten hattest du das gekriegt und so Trommel.
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Also du hattest sehr visuelle Elemente, um das darzustellen.
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Also ich fand es sehr stark. Ja, und das, was der Film letztendlich dann auch
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erzählt, ist, der Heilungsprozess dauert lange, also mehrere Monate.
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Er hat dann eben zu diesem Therapeuten, nee, das ist kein Therapeuten,
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das ist ja ein Analytiker, liegt er auf der Couch, klassisch nach den Methoden
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der Psychoanalyse, wird analysiert, die machen Fortschritte.
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Er wohnt in der Zeit nicht mehr in seinem Haus, der Vetter ist auch aus dem
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Haus ausgezogen. die frau ist dann sozusagen alleine was auch dann sie schützt dann sozusagen ja.
Micz Flor
0:52:19–0:52:22
Wobei sie auch sehr unzufrieden wirkt in der zeit also.
Florian Clauß
0:52:22–0:52:30
Das ist nicht das leben klar das ist halt irgendwie alles sehr emotional zugefroren
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so wirkt es und sie kommen aber so an die an die schlüssel szenen der kindheit
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es wird dann herausgefunden dass es gab,
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Die Ehe ist immer kinderlos geblieben. Diese Kinderliebe, jetzt im positiven
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Sinne, hat man ja auch bei Fellmann am Anfang mit diesem Kind gemerkt.
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Er fühlt sich da den Kindern, also er findet Kinder super und wahrscheinlich
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hätte er auch gerne Kinder.
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Und dann wurde herausgefunden, dass eben in dem Kindesalter,
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als dann die beiden, also Vetter und er,
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mit ihr gespielt haben, hat dann eben seine Frau, also als Kind,
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die Puppe, die dann mehr oder weniger das Kind symbolisiert,
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dem Vetter gegeben und nicht ihm.
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Und das hat ihn dann halt so maßgeblich betroffen, traumatisiert.
Micz Flor
0:53:20–0:53:21
Unsere Puppe, hat er gesagt.
Florian Clauß
0:53:21–0:53:22
Unsere Puppe, genau.
Micz Flor
0:53:22–0:53:23
Die gehörte den beiden.
Florian Clauß
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Genau, während sie dann zwischen dem Modellzug saß, hat sie dem Vetter die Puppe gegeben.
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Und in dem Traum kam halt auch eine Sequenz, wo dann diese Puppe aus dem dunklen
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Wasser, was dann so mit Blumen, mit Seerosen bedeckt war.
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Und dann kam eben der Vetter mit der Frau in einem Boot und er konnte dann halt
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auch nur durch ein Gitter sie dann sehen, ja, von oben herab.
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Und aus diesem Wasser kam auf einmal so die Puppe und sie hatte sie auf dem Arm.
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Dann hat sie ihm den Vetter gegeben und die haben beide gewunken.
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Also ganz klar, in dieser Dreierkonstellation hat er sich sexuell ausgeschlossen
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gefühlt, er ist kastriert, er kann nicht den Kinderwunsch erfüllen.
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Also diese ganzen Traumatisierungen sind da zusammengekommen.
Micz Flor
0:54:19–0:54:22
Ja, wir haben in dem Film, aber auch ganz am Anfang geht es ja auch los,
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wir lernen ja als erstes, dass sie in getrennten Schlafzimmern schlafen.
Florian Clauß
0:54:25–0:54:26
Ja, das fand ich auch interessant.
Micz Flor
0:54:27–0:54:29
Also irgendwie ist das ein interessanter Anfang, da sind die entspannt,
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aber man hat irgendwie gleich irgendwie das Gefühl, da gibt es eine Tür zwischen
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den beiden, aber die ist sehr praktisch, machen wir mal die Haare schön so und
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dann geht das irgendwie los.
Florian Clauß
0:54:38–0:54:41
Stimmt, es gibt eine Körperlichkeit, aber dann, wenn sie dann ins Bett gehen,
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sie hat dann noch irgendwie das Anzügigste, du siehst die nackte Schulter,
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Also irgendwie ist eine Form von Sexualität da, aber da ist die Wand dazwischen.
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Er schläft dann getrennt und hat dann in dieser Nacht auch diesen Traum.
Micz Flor
0:54:54–0:55:00
Und das ist, finde ich, auch nochmal interessant, darüber nachzudenken, was wir da sehen.
0:55:00–0:55:03
Weil wenn ich nur auf die Bilder gucke, dann hatte ich das Gefühl,
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dass die Frau sehr wohl große Lust hätte.
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Und dann geht es nicht nur eben um ein Kind zu haben. Das wird so ein bisschen
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gezeigt, weil dann eine Hündin wohl Welpen geworfen hat. Und da kuschelt sie gerne mit den Welpen.
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Sondern die ist schon, also es gibt diese eine Szene, wo die dann am Abend in
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getrennte Zimmer gehen.
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Und er legt sich hin und sieht irgendwie ein bisschen resigniert aus,
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ohne dass es einen Grund dafür gab.
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Und sie wartet und hört noch an der Tür, ob er vielleicht durch die Tür jetzt zu ihr kommt.
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Also das wird schon so inszeniert, als ob sie da einfach sich auch ein bisschen
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mehr ganz banal Sex, Zärtlichkeit näher wünscht.
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Das sind die Bilder, aber interessant wäre jetzt zu überlegen,
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sehen wir da die Objektivität, weil wir sehen natürlich, wenn wir im Zimmer
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sind mit ihr, wie sie an der Tür lauscht, da ist ja er nicht dabei.
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Das heißt, wir können das ja nicht durch die Augen des Mannes,
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also des Protagonisten, dessen sehen, der diese ganzen Probleme in sich anhäuft.
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Oder sehen wir da den Film schon als Abbild dessen,
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wie der in Anführungszeichen Kranke seine Welt sieht.
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Also ist die Szenierung, die wir sehen, eine objektive? Oder ist es so,
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dass wir da schon eine Frau erleben, der der Mann zuschreibt,
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dass die viel mehr Sex will und diese Forderung dann auch schon in Anführungszeichen kastriert?
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Die will was von mir und in dem Moment geht gar nichts mehr.
Florian Clauß
0:56:29–0:56:33
Also das ist eine interessante Frage. Ich würde sie auch so beantworten,
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dass es dieser Male Gaze ist, der männliche Blick, der da so implementiert ist,
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was dann halt auch später in der feministischen Filmforschung dem Film vorgeworfen wurde.
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Gleichzeitig ist der so dermaßen implementiert auf diese Methode des Psychoanalytikers,
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dass das als fundamentaler Erklärungsbaustand dazugehört.
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Also das heißt, ich würde sagen, es ist einfach auch in dieser...
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Methode so angelegt. Und deswegen, ja, es ist auf jeden Fall,
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dass die Frau ist nur Objekt in diesem Film.
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Sie ist komplette Konstruktion des männlichen Blickes.
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Diese ganze Erlösung. Sie hat ja überhaupt nichts, was sie wünscht oder will.
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Sie ist ja nur Erfüllungskandidat für den Mann.
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In dem Moment, dass sie dann tatsächlich irgendeine Form von,
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also das wird ja auch rein projiziert, dass eben die Frau ihrem Cousin dann
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irgendeine Beziehung eingeht.
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Das gibt es ja nicht. Es wird eine gewisse Nähe inszeniert.
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Sie umarmen sich, aber das ist eine familiäre.
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Das ist keine sexuelle Nähe.
Micz Flor
0:57:39–0:57:40
Es gibt so Andeutungen.
Florian Clauß
0:57:41–0:57:46
Es gibt so Andeutungen, wo dann in der Hochzeitsnacht, als sich der Vetter verabschiedet,
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um in die Tropen zu gehen, ihr noch so ein weißes Gewand anlegt. So einen weißen Schal.
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Das ist ja auch wieder so eine Übergriffigkeit, die er dann sieht. Aber sie ist nicht da.
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Genau, ich würde sagen, es ist schon, wie du beschreibst, es ist nicht die objektive Kamera,
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sondern da wird eine gewisse Konnotation aufgebaut, ein Framing aufgebaut und
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das betrifft eben auch die Rolle der Frau.
Micz Flor
0:58:14–0:58:19
Ja, jetzt habe ich zwei Wege, also ich gehe erst mal diese Fußnote dazu,
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weil mich das nämlich auch erinnert hat an unsere Solaris Trilogie,
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die wir gemacht hatten, wo wir zuerst den Tarkovsky.
Florian Clauß
0:58:29–0:58:33
Also den Roman, wo wir erst den Roman besprochen haben, dann den Tarkovsky Film
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und dann den Soderbergh.
Micz Flor
0:58:34–0:58:40
Genau, beim Soderbergh Film eben auch, dass passiert, dass es im Vergleich zu
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Tarkovsky, wo halt die Frau auf der Station ist.
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Nicht wirklich eine eigene Identität entwickelt, aber bei Soderbergh das dann
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schon so ist, auch wenn ich den Film nicht gut finde, aber ich finde das von ihm gut inszeniert,
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dass die Frau einen Erkenntnisprozess durchläuft, indem sie irgendwann immer
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anwesender wird und dann auch immer mehr Rückblenden auf Szenen kommen,
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die nur sie erlebt haben konnte,
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die, und das ist der springende Unterschied,
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aber auch sie als Charakter weiterentwickeln im Film.
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Während die Szenen, die wir jetzt hier bei Papst gesehen haben,
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von der Frau, entwickeln die Frau nicht weiter, sondern entwickeln den Protagonist,
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den Mann, den wir verfolgen.
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Also es ist nichts dabei, dass die Frau, also vielleicht außerdem,
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was eben auch so ein bisschen Bruch ist, wo sie dann hört, dass ihr Mann jetzt
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weg ist, da ist sie tief enttäuscht.
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Ja, dass jetzt mehrere Monate nicht da ist, da merkt man so,
0:59:32–0:59:35
und das war auch so ein Moment, der springt so ein bisschen raus,
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weil man dann auf einmal ein Gefühl genuin in der Frau erlebt.
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Vorher tut man das nicht wirklich, finde ich. Das ist der einzige Punkt, wo ich verwirrt war.
Florian Clauß
0:59:45–0:59:46
Sag doch mal, wo?
Micz Flor
0:59:47–0:59:50
Wo der Psychoanalytiker anruft und sagt, ich werde Ihren Mann behandeln.
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Er bleibt jetzt drei Monate bei ihr und dann fällt sie so kurz in sich zusammen.
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Das sollte vielleicht irgendwie für uns ZuschauerInnen zeigen,
1:00:00–1:00:05
dass sie in der Tat ihren Mann vermissen wird und dass sie da in Liebe verbunden
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ist, obwohl wir gerade eben eine ambivalentere Inszenierung gesehen haben.
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Und insofern fiel das für mich so ein bisschen raus.
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Und gleichzeitig bestärkt das für mich dadurch auch nochmal,
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dass wir die Frau immer nur inszeniert gesehen haben in Dingen,
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die relevant waren für das Fortschreiten oder die Weiterentwicklung des Protagonisten.
Florian Clauß
1:00:26–1:00:31
Richtig. Oder zur Erklärung des Protagonisten, also um die Konditionierung des
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Protagonisten zu beleuchten.
Micz Flor
1:00:32–1:00:37
Das war die eine Fußung. Und das Zweite ist halt diese Sache,
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man guckt sich das so an, auch mit so einem, sag ich mal, sehr kognitiv-analytischen Blick.
1:00:41–1:00:43
Das waren ja auch die Lacher, die wir im Publikum erlebt haben.
Florian Clauß
1:00:43–1:00:43
Ja, stimmt.
Micz Flor
1:00:44–1:00:48
Und deshalb diese Filmmusik und diese Inszenierung.
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Weil wenn wir den Film erleben, also wenn wir den erleben, dann erleben wir
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in der Inszenierung eben die Frau, wie du schon gesagt hast.
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Sagst du, naja, so ganz sauber ist das aber nicht.
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Da könnte man, also muss ich schon, also da.
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Also es gibt, wenn du das zulässt, die Inszenierung der Frau zu erleben,
1:01:08–1:01:14
dann erlebst du diese ganz subtile Unklarheit in ihrem Mann.
1:01:15–1:01:18
Will die mich überhaupt oder nicht oder muss ich hier performen,
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was mache ich falsch also das war so ein bisschen das Gefühl und da gehört für
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mich eben auch die Musik zu die Musik diese emotionale Ebene auch so macht verstehe, ja stimmt,
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das fände ich total spannend das auch nochmal ganz anders anzugehen diesen Film,
1:01:33–1:01:38
besonders in Bezug und da kommen wir gleich bestimmt noch drauf auf die Schlussszene,
1:01:38–1:01:43
den Epilog den fand ich nämlich der hat mich sehr verwirrt weil ich vorher nur
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drüber gelesen hatte Und jetzt habe ich ihn gesehen und ich glaube,
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es war die Musik, die mich da durcheinander gebracht hat.
1:01:49–1:01:52
Aber das, ja, jetzt mache ich hier eine Klammer zu.
Florian Clauß
1:01:52–1:01:55
Ich weiß gar nicht, wir stehen hier an der Brücke, kommen wir da drunter durch?
Micz Flor
1:01:56–1:01:57
Nee, ich glaube, da muss man zu.
Florian Clauß
1:01:57–1:01:59
Aber da ist eine Treppe.
Micz Flor
1:01:59–1:02:00
Ah ja, doch.
Florian Clauß
1:02:02–1:02:06
Also ich wollte jetzt gerne noch auf der Nordseite des Ufers bleiben und erst
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später zur Südseite rüber wechseln.
1:02:11–1:02:17
Genau also ich glaube da sind wir uns jetzt einig so die Position was ja wichtig
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ist was ja auch nicht oft vorkommt,
1:02:21–1:02:26
das sehe ich anders siehst du die Treppe.
Micz Flor
1:02:26–1:02:29
Ja da waren wir es gibt so ein paar Sachen die dann immer so,
1:02:31–1:02:35
sehr, wie du schon gesagt hast archetypisch oder symbolisch gesehen werden wird
1:02:35–1:02:40
auf einmal explizit gesagt das Wasser ist immer auch ein Zeichen für eine nahende
1:02:40–1:02:45
und oder gewünscht, ich weiß gar nicht mehr, wie es geschrieben hat, Geburt.
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Und ob das heute noch so zutrifft, wissen wir nicht. Und auch die Treppe als
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Fallische, die Arbeit zum Koitus und sowas wissen, das sind so Dinge und,
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Da komme ich jetzt vielleicht auf meine freudsche Fehlwahrnehmung.
Florian Clauß
1:03:04–1:03:05
Fehlwahrnehmung?
Micz Flor
1:03:05–1:03:13
Ja, ich habe es ja, die wissenschaftlichen Berater von diesem Film waren Karl Abraham und Hans Sachs.
1:03:13–1:03:22
Und ich habe aus einem Grund, den wir deuten müssen, aus Karl Abraham, Alfred Adler gemacht.
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Und da müssen wir drüber sprechen, weil das fand ich total interessant.
Florian Clauß
1:03:28–1:03:30
Du hast deine ganze Vorbereitung zu dem Film auf...
Micz Flor
1:03:30–1:03:32
Ich habe das völlig anders, weil...
Florian Clauß
1:03:32–1:03:33
Du hast Schritt Adler gebaut.
Micz Flor
1:03:34–1:03:34
Genau.
Florian Clauß
1:03:34–1:03:36
Und es hat so gut geklappt.
Micz Flor
1:03:36–1:03:39
Ja, und das ist halt das Spannende, weil ich dann nämlich auch merke,
1:03:40–1:03:45
dass das für mich erlaubt, das kann ich ja noch mal sagen, wie ich das jetzt
1:03:45–1:03:49
für mich deute, aber dass ich diesen Sprung gemacht habe, erlaubt mir irgendwie,
1:03:49–1:03:55
mich auch von dem Film zu distanzieren und den von vornherein auch auf einer Metaebene zu sehen.
Florian Clauß
1:03:55–1:04:02
Was hat das denn bei dir bewirkt, dass es eben mit Alfred Adler dann nicht so war?
Micz Flor
1:04:02–1:04:08
Es gibt ja immer so das Gefühl, so die Psychoanalyse. Und wenn dich jetzt von hinten freut...
1:04:09–1:04:12
Genau, Freud, die Freundschaftsjournalise, aber wir wissen ja schon aus anderen
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Episoden, die wir gemacht haben, dass zum Beispiel jemand wie Jung,
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Karl Gustav Jung, zwischenzeitlich mal so als der Kronprinz gehandelt wurde,
1:04:21–1:04:23
aber dann gechasst würde.
1:04:23–1:04:27
Und ich habe auch neulich von Freud in der Vorlesung, mal gucken,
1:04:27–1:04:31
ob ich es noch finde, aber diesen Nebensatz gelesen, Jung sagte,
1:04:32–1:04:36
Komma, in der Art, bevor er sich als Religionsgründer verstand, Komma.
1:04:36–1:04:39
Also in irgendeinem Vortrag hat das mal so gesagt und es wurde auch so reagiert.
1:04:40–1:04:45
Das hatte Freud. Also da sind Leute irgendwie auch, da gab es Brüche und ein
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Bruch war eben auch mit Alfred Adler, nicht aber mit Karl Abraham.
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Und Freud selbst hat es abgelehnt und dann wusste ich, Karl Abraham und Hans
1:04:56–1:05:03
Sachs haben als wissenschaftliche Berater mitgewirkt und ich habe dann aus Abraham Adler gemacht.
Florian Clauß
1:05:03–1:05:06
Ja, du wolltest den Bruch quasi schon wieder.
Micz Flor
1:05:06–1:05:11
Ja, weil dieser Bruch mit Adler ist der Begründer der Individualpsychologie.
1:05:12–1:05:15
Und ein, ja, der auch...
Florian Clauß
1:05:15–1:05:18
Sagt das mal in einem Satz, so wie ich das sonst immer prompte.
1:05:20–1:05:21
Was ist Individualpsychologie?
Micz Flor
1:05:22–1:05:24
Individualpsychologie, also das, und das ist der springende Punkt.
1:05:24–1:05:27
Ich habe, da komme ich jetzt drauf. Karl-Güßdorf Jung, Erich Fromm.
1:05:27–1:05:29
Über den haben wir auch mal gesprochen.
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Humanistische, genau. Da ging es eben auch um Traum. Das war die Folge über Träumen, Märchen.
Florian Clauß
1:05:35–1:05:37
Genau, als wir Rotkäppchen auseinandergenommen haben.
Micz Flor
1:05:39–1:05:43
Alfred Adler Er hat die Individualpsychologie begründet, war vorher aber bei
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Freud ganz tief involviert,
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Redakteur der Publikation von dieser psychoanalytischen Gesellschaft,
1:05:53–1:05:56
Organisator, der war irgendwie ganz gut unterwegs,
1:05:57–1:06:03
konnte wohl richtig gut mit anpacken und kam dann aber immer mehr auch wie fromm,
1:06:03–1:06:08
wie jung in Konflikt mit dieser Rolle der Sexualität bei Freud.
Florian Clauß
1:06:08–1:06:12
Okay, weil die so alles treibt. Libido haben wir ja gelernt.
1:06:12–1:06:16
Libido ist quasi das Mitochondrien der Psychoanalyse.
Micz Flor
1:06:16–1:06:21
Eine treibende Kraft, genau. Und um auf unsere From-Folge zurückzuverweisen,
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da haben wir das nochmal ein bisschen rausgearbeitet, dass sowohl fromm als
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auch jung, zu dem man auch stehen kann, wie man will, das ist jetzt nicht so relevant,
1:06:29–1:06:31
den haben wir aber auch durchgekaut öfters.
1:06:31–1:06:38
Die haben beide gesagt, warum muss alles immer nach hinten gewandt sein?
1:06:38–1:06:42
Warum bezieht sich immer alles auf die Vergangenheit und nichts im Traum darf
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konstruktiv, visionär, nach vorne gerichtet sein?
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Es geht halt um diese permanente Zensur in uns, das Eigentliche,
1:06:53–1:06:57
nicht zulassen zu dürfen, nicht mal benennen zu dürfen und so weiter.
1:06:58–1:07:02
Und diesen humanistischen Ansatz, den hat eben auch Alfred Adler mitgebracht.
1:07:02–1:07:09
Und der hatte aufgrund seiner eigenen Biografie, wo er als Kind organbezogene
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Probleme hatte, auch, hat er so ein,
1:07:12–1:07:16
Paper einfach auch mal geschrieben zur, ich glaube es hieß Organminderwertigkeit
1:07:16–1:07:19
und hat ein anderes System aufgebaut.
1:07:19–1:07:24
Er hat nicht gesagt, Sexualität ist die treibende Kraft, sondern was die treibende
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Kraft ist in der Entwicklung ist das Minderwertigkeitsgefühl des Kindes.
Florian Clauß
1:07:29–1:07:30
Okay.
Micz Flor
1:07:31–1:07:35
Versucht man zu kompensieren durch eine Machtergreifung, durch ein,
1:07:35–1:07:39
durch, ja Kontrolle wäre jetzt zu pathologisch, aber,
1:07:40–1:07:44
Man kann, man versucht, sein Leben lang dem entgegenzuwirken.
1:07:45–1:07:47
Und wenn man das gesund macht, dann ist man einfach gut in der Welt.
1:07:47–1:07:49
Aber wenn man das pathologisch macht,
1:07:49–1:07:55
dann ist diese Form der Macht und der Struktur und des Zwangs vielleicht,
1:07:55–1:08:00
also dann ist es nicht gut und dann muss es analytisch behandelt werden.
1:08:01–1:08:07
Und es gibt dann in Träumen bei Adler auch immer so eine Frage der Zielgerichtetheit, der Finalität.
1:08:07–1:08:09
Wo geht das hin? Was ist der Lebensentwurf?
1:08:10–1:08:15
Und Adler hat dann eine komplett andere eigene Psychoanalyse beschrieben.
Florian Clauß
1:08:15–1:08:20
Also er entsexualisiert quasi den Oedipus-Komplex. Mit der Macht,
1:08:20–1:08:24
diese Ohnmächtigkeit des Kindes, das haben wir ja in Oedipus-Komplex bei Frauen.
1:08:25–1:08:30
Und dann eben sagt er so, nee, das hat jetzt nichts mit Sexualität zu tun,
1:08:30–1:08:36
sondern das ist jetzt quasi so ein ständiger Zustand, der auch im Erwachsenen eine Rolle spielt.
Micz Flor
1:08:36–1:08:38
Ja, das kann ich jetzt nicht genau
1:08:38–1:08:42
sagen, weil ich mich mit Individualpsychologie nicht so gut auskenne.
1:08:42–1:08:47
Aber ich könnte vermuten, dass von dem, was ich darüber weiß,
1:08:47–1:08:49
Adler sehr viel inklusiver und offener war.
1:08:50–1:08:54
Und deshalb schon in der Lage gewesen wäre, in seinen Theorien sowas wie die
1:08:54–1:08:57
Sexualität natürlich auch vorkommen zu lassen, weil darin sich sicherlich auch,
1:08:57–1:09:02
gerade wie jetzt in dem Film, eben auch Themen der Minderwertigkeit abspielen.
1:09:02–1:09:07
Aber bei Freud war es einfach nicht möglich. Und der interessante Punkt ist
1:09:07–1:09:14
halt, dass meine Hypothese über den Film war, als ich dann Abraham mit Adler ausgetauscht hatte.
1:09:14–1:09:18
Weil Hans Sachs kommt nicht von der Ärzte. Und das gab nämlich dann,
1:09:18–1:09:26
nachdem Abraham 1911 ausgetreten ist und seine eigene Vereinigung gegründet hat,
1:09:26–1:09:30
bei der auch Frauen zum Beispiel zugegen waren bei den Diskussionen und nicht
1:09:30–1:09:33
nur Männer, die bei Freud abgetreten sind.
1:09:35–1:09:38
Und Sachs war immer bei Freud geblieben, aber der kam irgendwie so ein bisschen
1:09:38–1:09:42
eben über diese Schiene in Jura und dann reingekommen, Liebe zur Kunst,
1:09:42–1:09:48
Vermittlung, Analyse, Psychoanalyse auch als kulturelle Deutungswerkzeuge und so.
1:09:48–1:09:52
Dass der in diesem Film das vielleicht so ein bisschen abgebildet hat,
1:09:53–1:09:59
dass Adler, der zu der damaligen Zeit schon mehr Bücher verkauft hat als Sigmund Freud.
1:10:00–1:10:04
Er hat nämlich diesen Coup gelandet, dass er ein Buch geschrieben hat,
1:10:04–1:10:05
das heißt Der Sinn des Lebens.
1:10:06–1:10:10
Und meine Hypothese die ganze Zeit zum Film war halt, dass Sachs irgendwie versuchte,
1:10:10–1:10:12
integrativ diese Sachen zusammenzubringen.
1:10:13–1:10:17
Der sexy Vetter, der irgendwie aus Indien kommt, das ist halt irgendwie der Jüngere, der andere.
1:10:18–1:10:22
Und das dann irgendwie aber schafft zum Schluss, dass das alles dann doch irgendwie...
Florian Clauß
1:10:22–1:10:22
Ach, okay.
Micz Flor
1:10:23–1:10:24
Das war so meine Fantasie zu dem Ganzen.
Florian Clauß
1:10:24–1:10:30
Also das heißt, er hat dann so quasi den Ratgeber, den lebensnahen Ratgeber
1:10:30–1:10:31
zur Psychoanalyse veröffentlicht.
Micz Flor
1:10:32–1:10:40
Ja, der Hans Sachs und auch, aber wir haben beide auch in der geheimen,
1:10:40–1:10:42
wie heißt das immer, geheime Gemeinschaft.
1:10:42–1:10:45
Ich weiß nicht mehr genau, wie es hieß, müssen wir verlinken.
1:10:45–1:10:47
Ich weiß gar nicht, ob es dazu eine Wikipedia-Page gibt.
Florian Clauß
1:10:47–1:10:54
Okay, sicher. Wenn nicht Wikipedia, dann halluziniert uns Knot was. Das kriegen wir hin.
Micz Flor
1:10:55–1:11:00
Weil da ist es nochmal wichtig zu wissen, dass nämlich Freud wirklich auch nach
1:11:00–1:11:03
1911, 1912 dann diese geheime Gesellschaft gegründet hat,
1:11:03–1:11:08
in der auch Karl Abraham und Hans Sachs und ich glaube Ernest Jones,
1:11:08–1:11:11
der dann auch eine große Freud-Biografie geschrieben hat, war mit der Erste drin,
1:11:13–1:11:20
die wirklich geheim bleiben sollte, um das freudianische Trieb-Libido-Thema zu schützen.
1:11:21–1:11:26
Ach krass, okay. Und das hat Freud gegründet, ein Jahr nachdem Alfred Adler
1:11:26–1:11:31
selber aus der anderen Psychologischen Vereinigung ausgetreten ist.
Florian Clauß
1:11:31–1:11:31
Okay.
Micz Flor
1:11:32–1:11:34
Und das ist schon irgendwie...
Florian Clauß
1:11:34–1:11:42
Aber das sind jetzt alles so ein bisschen Auseinandersetzungen in dieser Riege.
1:11:43–1:11:48
Die dann halt hinter der Theorie stehen. Also wo es ja um Feinheiten geht,
1:11:48–1:11:51
die jüdische Volksfront und die Volksfront von Judäa.
Micz Flor
1:11:53–1:11:55
Das Leben ist Brian oder der lebendige Brian.
Florian Clauß
1:11:56–1:12:00
Wenn man sich damit beschäftigt, wie du, da ist man ja dann noch mehr in diesen
1:12:00–1:12:04
Strömungen drin und weiß dann so die Akzentuierung und vielleicht auch die ganz
1:12:04–1:12:06
anderen neuen theoretischen Ansätze dahinter.
1:12:07–1:12:11
Aber dieser Punkt, wo du es jetzt nochmal auf den Film übertragen hast,
1:12:11–1:12:13
Wie hast du denn den Film jetzt angenommen?
Micz Flor
1:12:14–1:12:16
Genau, das war der Punkt, das habe ich glaube ich noch nicht so gut gesagt,
1:12:16–1:12:21
aber meine Idee war, dass Hans Sachs, der vielleicht natürlich bei Freud dabei
1:12:21–1:12:24
war, aber gleichzeitig als, sagen wir mal,
1:12:25–1:12:30
Jurist und Kulturtheoretiker mit psychoanalytischen Fähigkeiten der Deutung,
1:12:31–1:12:35
jetzt auch in der Lage war, ein eher, würde man heute sagen, humanistisches,
1:12:37–1:12:40
zielgerichtetes, durch Lebensentwürfe geprägtes Bild.
Florian Clauß
1:12:40–1:12:41
Ja, verstehe.
Micz Flor
1:12:41–1:12:43
Da irgendwie zu denken, ey, da ist doch so viel, guck mal hier,
1:12:43–1:12:47
der Sinn des Lebens verkauft sich wie geschnitten Brot und wir hängen hier rum
1:12:47–1:12:50
mit Dreierpandlung zur Sexualtheorie oder so.
1:12:50–1:12:55
Und irgendwie so das Gefühl, als ob da ein Film entsteht, in eben diese Rivalität,
1:12:55–1:13:03
diese Eifersucht verarbeitet wird, die sich eben auch in diesen Gefügen psychoanalytischer
1:13:03–1:13:06
Ärzte und eben eines Juristen abbildet.
1:13:06–1:13:08
Und Sachs dann eben sagte, wisst
1:13:08–1:13:13
ihr was, habe ich eben statt Karl Abraham Adler zu früh sterben lassen.
1:13:15–1:13:19
Aber das war so meine Idee, dass im Film das vielleicht sogar,
1:13:20–1:13:25
unwissentlich oder vorbewusst durch Hans Sachs inszeniert wurde,
1:13:25–1:13:27
dass der Ältere, der sich da irgendwie schon,
1:13:28–1:13:31
länger hingibt, bei dem alles um Sexualität geht und dann kommt der Andere,
1:13:31–1:13:34
der kommt aus anderen Kulturen und bringt einen Dolch mit und erzählt von der
1:13:34–1:13:37
Welt, dass man die irgendwie zusammenbringen kann.
1:13:37–1:13:41
Das war so diese abstruse Fantasie.
Florian Clauß
1:13:41–1:13:45
Das ist entspannt, aber ich meine, wir leben ja in postmodernen Zeiten und wir
1:13:45–1:13:49
könnten nichts besser als teleologische Filmanalyse und sagen,
1:13:49–1:13:51
Das war doch schon so angelegt.
1:13:51–1:13:54
Also das hat doch Papst so gar nicht mitbekommen.
Micz Flor
1:13:55–1:14:00
Papst hat das einfach nur runtergedreht. Wusste gar nicht, was Sachs da ausleben durfte.
1:14:01–1:14:05
Und jetzt macht es auch erst Sinn, dass Sachs ihm dann zwölf Rosen geschickt
1:14:05–1:14:09
hat und gesagt hat, danke, ich brauchte diesen Film mehr als du.
Florian Clauß
1:14:09–1:14:13
Wir sind hier in so einer völlig neuen Stadt, oder?
1:14:13–1:14:20
Oh, wow. Es ist so ein bisschen wie Lissabon, die Urgelder von sonst was hier verbaut hat.
Micz Flor
1:14:21–1:14:24
Aber es ist auch interessant. Du kannst dich vielleicht auch noch erinnern,
1:14:25–1:14:29
hier steht einfach immer so viel Space to Rent, so viele Gewerbeflächen,
1:14:30–1:14:31
die gerade so frei stehen.
1:14:31–1:14:34
Du kannst dich bestimmt noch erinnern, als diese...
1:14:35–1:14:40
Ganzen Shopping-Arkaden überall aufmachen. So in den 80er, 90er Jahren früher
1:14:40–1:14:42
entwickelt und dann um die Nullerjahre gebaut.
1:14:42–1:14:47
Am Potsdamer Platz auch, die jetzt alle leer stehen. Und hier ist es auch so,
1:14:47–1:14:54
du merkst halt, dass die hier so eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen vielleicht schaffen wollten, aber,
1:14:55–1:14:58
das steht einfach gerade überall so viel leer.
Florian Clauß
1:14:58–1:15:04
Aber gleichzeitig gibt es so eine hohe Wohnungsnot in Berlin und immer mehr
1:15:04–1:15:05
Leute leben auf der Straße.
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Das ist also diese Schere der Ungerechtigkeit.
Micz Flor
1:15:09–1:15:12
Aber die Frage, was machst du mit diesen ganzen Gewerbesachen jetzt leer stehen?
1:15:13–1:15:17
Es ist jetzt auch nicht so, als ob die Gewerbemieten runtergegangen wären, im Gegenteil.
Florian Clauß
1:15:17–1:15:21
Das ist verrückt. Wir gehen nochmal durch das Gebiet.
1:15:21–1:15:25
Aber lass uns nochmal so zu der, also weil ich glaube so explizit hatten wir
1:15:25–1:15:32
es noch nicht gesagt, die Auflösung des Films, der Epilog, der uns nachhaltig
1:15:32–1:15:35
etwas verwirrt hat, Der Epilog, also das geht ja so, dass,
1:15:35–1:15:40
Eben in der Analyse, in den Sitzungen mit dem Psychoanalytiker,
1:15:40–1:15:46
dann eben diese Alleinstellungen-Szenen haben, wo dann halt nochmal die durchgelebt werden.
1:15:46–1:15:51
Diese Freistellungsszenen, wo wir quasi schon gesehen ist, mit weißem Hintergrund
1:15:51–1:15:53
dann nochmal inszeniert haben.
1:15:53–1:15:58
Ja, und dann gibt es halt auch die Auflösung. Es gibt dann halt so eine fast
1:15:58–1:16:03
ekstatische Szene, wo dann eben Fellmann in der Durchlebung,
1:16:04–1:16:07
dass er seine Frau dann eben mit dem Messer stechen wollte,
1:16:08–1:16:13
dann das Messer, den Brieföffner des Analytikers, der auf dem Schreibtisch lag,
1:16:13–1:16:20
er springt von der Couch und sticht dann wieder so wie im Traum in die Luft hinein.
1:16:21–1:16:25
Und in dem Moment sagt der Analytiker, du bist geheilt, guck mal,
1:16:26–1:16:29
du kannst dein Messer wieder in die Hand nehmen. Und er sieht das Messer und kann...
Micz Flor
1:16:29–1:16:31
Nee, das sagt er selber, das sagt der Analytiker nicht.
Florian Clauß
1:16:31–1:16:32
Achso, ja, stimmt.
Micz Flor
1:16:32–1:16:36
Die Situation ist eher, man muss dazu sagen, das Messer, dieses Messerstechen
1:16:36–1:16:37
ist quasi so von unten nach oben.
1:16:38–1:16:42
Die Klingel zeigt oben raus und der holt so Schwung so auf Hüfthöhe und sticht
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dann von unten nach oben.
1:16:44–1:16:47
Das ist eigentlich irgendwie auch, finde ich, ein sehr un...
1:16:47–1:16:49
Also es wirkt fast ungelenk.
Florian Clauß
1:16:49–1:16:51
Ja, es ist wie so ein Strampeln.
Micz Flor
1:16:51–1:16:55
Und dann siehst du die Kameraeinstellung, wie er das macht, mit so einem Close-up.
1:16:55–1:17:00
Und natürlich filmt dann die Kamera gleichzeitig Faust und Messer und die Hose.
1:17:00–1:17:01
Also den Penis, den wir nicht sehen.
1:17:02–1:17:06
Und dann habe ich gedacht, ah ja, okay. Das war dann eigentlich wieder so ein
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Schmunzelmoment für das Publikum.
1:17:08–1:17:11
Okay, das ist natürlich in dieser Bewegung der Penis.
1:17:11–1:17:16
Diese Kastrationsangst, die er gleichzeitig so... Und dann sagt der Analytiker, sagt...
1:17:16–1:17:23
Sehen Sie, was Sie in der Hand halten. Und dann war das, als ob es so ein Unani-Ding ist.
1:17:23–1:17:27
Und dann erst, als er sagt, ich kann wieder ein Messer anfassen,
1:17:27–1:17:30
ich bin geheilt. Nee, jetzt glaube ich daran, dass ich geheilt werden kann.
1:17:31–1:17:34
Das hat mich dann wieder rausgenommen aus der Fantasie.
1:17:34–1:17:37
Das ist hier wirklich einfach, wir wissen schon, also das hat jetzt auch der
1:17:37–1:17:40
Patient quasi schon fast, dass es sich hier um seinen Penis geht.
1:17:41–1:17:43
Aber es geht immer noch nur um den Dolch.
1:17:43–1:17:49
Aber in solchen Schritten wird es dann abgebildet, Ein Vorwurf von der Rezeption
1:17:49–1:17:52
des Films war wohl am Anfang auch, dass die gesagt haben, das geht doch alles
1:17:52–1:17:54
viel zu schnell, so einfach ist das alles nicht und so.
1:17:55–1:17:58
Aber es wird ganz am Anfang ja gesagt, das dauert viele Monate.
Florian Clauß
1:17:58–1:18:04
Ja und wir haben ein Bild der Zeitachse. Ist dir das aufgefallen?
Micz Flor
1:18:04–1:18:05
Nee.
Florian Clauß
1:18:05–1:18:11
Das ist super. Nämlich am Anfang, wenn die die Freitreppe in ihrem Haus runterlaufen,
1:18:12–1:18:16
wie Fellmanns, dann liegt ja diese Hündin mit ihren Welpen im Korb.
1:18:17–1:18:21
Und dann während der Behandlung siehst du dann halt die Hausangestellte mit
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der Hündin und den Welpen spielen. Und die Welpen sind halt groß geworden.
1:18:25–1:18:31
Die sind junge Hunde. Und das ist eine schöne Versinnbildlichung nach der Zeit.
Micz Flor
1:18:32–1:18:33
Das sind wir nicht aufgepasst.
Florian Clauß
1:18:33–1:18:39
Dann, ja, es gibt ein Versprechen der Heilung, der kompletten Heilung.
1:18:39–1:18:44
Die Heilung, die dann letztendlich hinten rausfällt. Wir erleben ja im Epilog des Filmes.
1:18:45–1:18:50
Also wir müssen auch sagen, in dem Moment, wenn eben der Psychoanalytiker diese
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Szene dann ihn wieder entlässt und er geht nach Hause zurück zu seiner Frau und kann sie umarmen,
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kann sein Vetter umarmen, hat wieder so eine innige Beziehung.
1:19:02–1:19:07
Also das heißt, die Beziehung, die Familie, die Ehe ist wiederhergestellt,
1:19:08–1:19:15
Und dann sehen wir Bergaufnahmen. Dann sehen wir die Frau.
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Ich finde es schade, dass ich jetzt den Namen nicht von dieser Figur sage.
Micz Flor
1:19:20–1:19:23
Das ist ja von der Szenierung her passend.
Florian Clauß
1:19:23–1:19:27
Wir sehen dann, dass sie vor einer Berghütte sitzt, mit einem Stift in der Hand.
1:19:28–1:19:36
Und er ist dann fischen in einem See, holt Forellen raus, gibt sich da große
1:19:36–1:19:40
Mühe und fängt dann die Forellen. Wir sehen wieder Wasser, wir sehen Fisch, was kann das bedeuten?
1:19:41–1:19:47
Und dann fängt er mit den Kescher ein und auf einmal, wenn er wieder zurückläuft,
1:19:47–1:19:52
über den Waldweg, über die kleine Brücke, kommt seine Frau raus und hat ein Kind auf dem Arm.
1:19:53–1:19:56
Und in dem Moment ist es so, als ob er das zum ersten Mal sieht.
Micz Flor
1:19:57–1:19:58
Ja, das ist ein bisschen sinnvoll.
Florian Clauß
1:19:59–1:20:03
Diesen Eimer mit den Forellen, die er in der Hand hat. Der ist so freudig erregt,
1:20:04–1:20:06
dass er diesen Eimer einfach wegschmeißt, ihn wieder zurück.
1:20:06–1:20:11
Also das heißt, ins Wasser, die Forellen können wieder ausbüxen.
1:20:11–1:20:18
Und er rennt auf seine Frau einen steilen Abhang hoch und nimmt dieses Kind
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in den Arm und ist so voller Freude.
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Und es ist auf einmal so diese komplette Wiederherstellung der Familie mit Kind.
1:20:26–1:20:29
Also das heißt, diese kinderlose Familie hat dann ein Kind.
1:20:29–1:20:34
Wie auch immer dieses Kind da hingekommen ist, warum wir das jetzt zum ersten
1:20:34–1:20:38
Mal sehen. Aber ich glaube, das war so übertrieben, das ist halt irgendwie so,
1:20:38–1:20:40
dann nochmal so in your face.
1:20:40–1:20:46
Also man musste den Koitis nicht zeigen, sondern man musste ihn inszenieren, so darstellen.
Micz Flor
1:20:48–1:20:53
Fand ich insofern für mich interessant, weil mich da die Musik total verwirrt hat.
1:20:53–1:20:56
Die Musik war dann wirklich sehr experimentell, wie in so einem,
1:20:56–1:21:01
also die Musik machte das für mich zu einem flirrigen Traumfilm.
1:21:01–1:21:04
Und die hätte anders sein können, die hätte versöhnlich sein,
1:21:05–1:21:06
romantisch sein können.
Florian Clauß
1:21:06–1:21:06
Genau.
Micz Flor
1:21:06–1:21:10
Aber die war irgendwie vielleicht so auf der Spitze der Abstraktion.
Florian Clauß
1:21:10–1:21:14
Ja, fand ich auch. Aber das fand ich super. Aber das war das.
Micz Flor
1:21:15–1:21:18
Ja, aber dadurch wurde das dann eben dann eher wieder wie eine Traumsequenz
1:21:18–1:21:21
und der Epilog erzählte dann keine Geschichte, sondern war dann auch wieder
1:21:21–1:21:23
nur die Bilder zu einer Geschichte, die wir eben nicht sehen.
1:21:24–1:21:26
Und dann wäre es natürlich so, wenn wir vorher gelernt haben,
1:21:26–1:21:29
dass das Wasser ja das ist, wo die Kinder rauskommen und er dann die Fische
1:21:29–1:21:33
fängt, dann ist das ja, sag ich nur, sperr mal die Augen auf.
1:21:34–1:21:39
Die Fische schwimmen da so lang, er fängt sie endlich, tut sie alle in den Eimer
1:21:39–1:21:44
rein und alle Zutaten da und voila, da ist meine Frau mit dem Kind und der Berg
1:21:44–1:21:46
und das Archaisch und sowas.
1:21:46–1:21:51
Also das Das wirkte durch die Musik, fand ich, wie eine Traumontage wieder.
1:21:51–1:21:56
Also dieses Sperma in den Eimer und dann kontrolliert er das auch,
1:21:56–1:21:58
das Wilde und Zaubertrick.
Florian Clauß
1:21:58–1:22:02
Ja klar, genau. Und dann kann es fließen, dann kann er auch...
1:22:02–1:22:08
Dieses Fließen ist immer Sexualität, weibliche Sexualität haben wir auch bei den Freikorps gemerkt.
Micz Flor
1:22:08–1:22:11
Deshalb hier in Berlin, wir laufen gerade hier am Flusslang,
1:22:11–1:22:12
hier fließt gerade gar nichts mehr.
1:22:12–1:22:14
Hier ist einfach nur Stillstand.
Florian Clauß
1:22:14–1:22:19
Ja, aber immerhin ist es nicht gefroren. Also da haben wir schon mal quasi den
1:22:19–1:22:22
Rippenbruchschutz heute auf unserer Tour.
1:22:23–1:22:27
Ja, hier ist es auch leer. Hier ist kaum jemand. Wir sind wieder so abgelegen.
1:22:27–1:22:32
Aber das ist moabit, wie ich es noch vor 30 Jahren kenne. Peripher und leer.
1:22:33–1:22:38
Aber ja, man hat das Messer, was auf der einen Seite der Phallus ist,
1:22:39–1:22:43
die Angst vor der Kastration. aber auch gleichzeitig die Aggression darstellt.
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Also das heißt, der Mordgegenstand.
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Dann gibt es die ganzen Bilder für Sexualität, das Wasser, die Glocken.
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Dann natürlich der Turm wieder, die Treppen, das Gitter.
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Also das Gitter, immer das Ausgesperrtsein. Es gibt diese Konstellation,
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ich meine, wir haben ja schon gerade Oedipal, ist das ja auch Dreierkonstellation.
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Er geht ja auch dann zu seiner Mutter. Also während er quasi dann behandelt wird,
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lebt er bei seiner Mutter und die Mutter schneidet ihm das Fleisch klein und
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dann die Hausangestellte muss ganz schnell das Messer unter die Schürze verstecken, auch großartig.
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Und er freut sich, dass er in Rosenkohlen das kleingeschnittene Fleisch dann von seiner Mutter,
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er wird nicht gefüttert, das kann er noch mal leiden, aber er ist in so einer
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Kindsituation drin, in so einer verletzlichen und ist gleichzeitig halt in diesem
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ödipalen Dreieck da gefangen, in dieser Konstellation.
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Er ist so das Kind, das ist dann halt eben dieses Verlangen,
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der Vetter ist so der Unerreichbare, seine Frau zur Statue, Also dieses Überhöhte,
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also diese Sexualität nicht ausleben können.
1:23:56–1:24:00
Ja, das wird ja alles in diesen Symbolen so, kann man ja wunderbar,
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kann man ja wirklich die Lehre da so aufhalten.
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Das wurde auch in den Texten, wurde es auch nie so explizit.
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Also ich meine, aber es ist halt in den Bildern so explizit.
1:24:12–1:24:17
Kastration, Coitus, diese ganzen Symbole der Psychoanalyse sind so deutlich,
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dass ich finde ich schon auch so ein Aufklärungsfilm ist.
Micz Flor
1:24:21–1:24:25
Das finde ich funktioniert wirklich gut, ja. Ich finde auch,
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wir haben ja vorhin schon mal beide festgehalten, wo du meintest,
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da sind wir an der Meinung, dass es der männliche Blick auf die Frau und die
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Geschichte ist, den wir sehen und natürlich am Traum, im Traum noch am meisten.
1:24:37–1:24:40
Und da finde ich, dass der Film es aber trotzdem auch geschafft hat,
1:24:40–1:24:45
Ambivalenzen zu schaffen, die dann auch bestehen dürfen und die vielleicht auch
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ein Unbehagen in den ZuschauerInnen ausrufen,
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weil das nicht alles gedeutet und gelöst werden kann.
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Und ich finde diese Turmszene mit den Glocken oben so spannend,
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weil da sind drei Frauen abgebildet.
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Zuerst das Gesicht seiner Frau, dann das der, wie sagt man, Marktbediensteten,
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keine Ahnung, also die Hausangestellte.
1:25:07–1:25:12
Und dann das dritte ist die Assistentin, also ich vermute es ist die Assistentin.
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Könnte natürlich auch seine Chefin sein aus dem Labor.
Florian Clauß
1:25:15–1:25:18
Nee, absolut, die ist die Assistentin. Ja, natürlich.
Micz Flor
1:25:18–1:25:23
Und das wird gedeutet eben, weil die auch sieht, wie er dann das Kind mit einer
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Schokolade versorgt und so, dass die dann aber drüber schmunzeln muss,
1:25:27–1:25:29
weil er selber ja keine Kinder hat.
1:25:29–1:25:31
Also dass das eine Demütigung sein kann.
Florian Clauß
1:25:32–1:25:34
Die Frauen. Ja, genau, die das lächerlich machen. Also sie lachen über ihn,
1:25:35–1:25:37
wo er sich schämt halt quasi.
Micz Flor
1:25:37–1:25:41
Und das fand ich interessant, dass man da aber andersrum auch einen Schritt
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weitergehen könnte, Weil wie der die Treppe hochrennt mit dem Dings,
1:25:45–1:25:46
da ist er wirklich irgendwie auch wütend.
1:25:46–1:25:51
Und dass oben dann diese Glockenklingeln, diese drei Frauen Glockenklingeln.
1:25:51–1:25:54
Das hat, finde ich, auch gleichzeitig irgendwie was.
1:25:54–1:25:57
Es geht auf alle Fälle um Koitus, so wird es irgendwie inszeniert.
1:25:58–1:26:01
Aber es hat schon auch was, was er vielleicht auch Lust auf alle drei Frauen hat.
Florian Clauß
1:26:01–1:26:02
Ja, naja.
Micz Flor
1:26:02–1:26:04
Also es schwingt so ein bisschen mit.
Florian Clauß
1:26:04–1:26:09
Ich meine, die haben alle so eine gewisse Sexiness, wird auch allen irgendwie
1:26:09–1:26:15
so aninszeniert. Würde ich auch sagen, die sind jetzt nicht unattraktiv dargestellt in dem Film.
1:26:15–1:26:20
Also ich kann mir auch vorstellen, dass es allgemein geht um Sexualität.
1:26:20–1:26:29
Es ist halt auch sein Koitus, seine Penetration, indem er den Turm da hochläuft.
1:26:29–1:26:33
Das sind ja so, jetzt platt gesprochen, einfach die Wichsvorlagen,
1:26:33–1:26:34
die er da irgendwie Leuten sieht.
Micz Flor
1:26:37–1:26:42
Ich habe Ja gesagt, damit wir schnell Schluss machen mit solchen unedlen Worten.
Florian Clauß
1:26:43–1:26:48
Aber ich glaube, jetzt sind wir so an einem Punkt, wo wir die erste Folge abschließen.
1:26:49–1:26:53
Wo wir das eigentlich ganz gut so nochmal durchgegangen sind, den Film.
Micz Flor
1:26:53–1:26:57
Was ich machen werde, ich werde mir nochmal diesen Epilog auf YouTube angucken,
1:26:58–1:26:59
mit schlechten Bildern, aber
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interessiert einfach, ob eine andere Musik was anderes in mir auslöst.
Florian Clauß
1:27:03–1:27:08
Ja, aber lass uns nochmal da einen kurzen Abstand machen, weil ich fand da wirklich,
1:27:08–1:27:13
also wir haben es am Anfang schon gesagt, diese Musik fand ich sehr bereichernd,
1:27:13–1:27:15
sehr, sehr bereichernd zu dem Film.
Micz Flor
1:27:15–1:27:15
Die neue Komposition.
Florian Clauß
1:27:15–1:27:19
Die neue Komposition. Ich hatte das halt auf YouTube gesehen,
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da gab es halt so lustige Klaviermusik, die dann halt noch irgendwie,
1:27:23–1:27:28
und das hat es dann aber so erklärbar gemacht. Das hat mich dann emotional so geführt.
1:27:28–1:27:33
Ich sollte die Auflösung nehmen und dann zack und der Traum wird dann dramatisch
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mit untermalt und so weiter.
1:27:35–1:27:38
Aber diese Musik hat dann die einzelnen Zustände,
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des Patienten oder der Figur. Ob sie jetzt in der Analyse ist oder im Traum
1:27:44–1:27:49
oder halt im normalen Leben, hat das dann so ein bisschen verwischt.
1:27:49–1:27:53
Es war nicht mehr so klar zuordnbar, weil sie immer sehr ähnlich war.
1:27:53–1:27:59
Und es war halt auch dieses Creepiness, diese Feindlichkeit am Ende, dieses Epilogs.
1:27:59–1:28:01
Das hat das halt dann nicht so richtig aufgelöst.
1:28:01–1:28:03
Nicht so diesem Stempel gelungen.
Micz Flor
1:28:04–1:28:04
Genau.
Florian Clauß
1:28:05–1:28:10
Hat gefehlt. Ich weiß, worauf du ansprichst. Moment, und dann wischst du so
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den Stempel und dann auf einmal ist der weg und das ist die Tinte.
1:28:14–1:28:18
Und dann willst du das abwischen und das Papier geht und das ist wichtiger.
1:28:20–1:28:21
Es zerfließt so ein bisschen.
Micz Flor
1:28:21–1:28:28
Ja, und wenn man aber dies komponiert, dann hat man ja auch diese emotionale Keule in der Hand.
1:28:28–1:28:32
Und dann ist es natürlich auch eine bewusste Entscheidung des Komponisten,
1:28:33–1:28:34
den Film so zu interpretieren.
1:28:36–1:28:40
Er sieht den Film ganz ohne Musik oder mit Musik, das wisst ihr nicht,
1:28:40–1:28:43
oder beides. Er komponiert neue Musik dazu.
1:28:45–1:28:50
Und in seiner Wahrnehmung des Filmes verstärkt er seine Wahrnehmung des Filmes
1:28:50–1:28:52
durch seine emotionale Musik.
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Und das ist natürlich wieder auch ein bisschen perfide, dass man diese Macht
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auf einmal hat, dass man den gleichen Film völlig emotional,
1:28:59–1:29:03
völlig neu erzählen kann, wenn man die Musikkeule in der Hand hat.
Florian Clauß
1:29:03–1:29:09
Ja gut, aber ist es denn nichts anderes, als wenn du einem Patienten Medikation
1:29:09–1:29:12
gibst, damit er bestimmte Gefühle nicht mehr hat?
1:29:12–1:29:14
Weil da leidest du ja auch ganz eindeutig.
Micz Flor
1:29:14–1:29:16
Wie kommst du jetzt auf ein Medikament?
Florian Clauß
1:29:16–1:29:21
Naja, ich meine, es ist halt immer irgendeine Frage von, wie beeinflusse ich
1:29:21–1:29:24
irgendeine emotionale Situation.
1:29:24–1:29:28
Und das ist letztendlich nur Chemie, die dann halt im Körper passiert.
Micz Flor
1:29:28–1:29:32
Ja, das ist immer dein materialistischer, redaktionistischer Moment.
Florian Clauß
1:29:33–1:29:34
Das ist immer dein.
Micz Flor
1:29:34–1:29:37
Nicht so jetzt. Du kommst damit immer um die Ecke.
Florian Clauß
1:29:38–1:29:38
Don't get me bored.
Micz Flor
1:29:38–1:29:40
Man muss es irgendwann messen können.
Florian Clauß
1:29:41–1:29:41
Ja.
Micz Flor
1:29:41–1:29:48
Verdammt und zugenäht. was ich denke ist halt, in der Psychoanalyse spricht
1:29:48–1:29:51
man, oder in der psychodynamischen Arbeit spricht man immer auch von der,
1:29:53–1:29:56
korrigierenden emotionalen Erfahrung, also Emotion ist ein Teil der halt eben
1:29:56–1:30:02
nicht über diese, wie heißen die nochmal, diese Paletten, also die Bilder, wo der Text drauf steht,
1:30:03–1:30:06
Zwischentitel Zwischentitel, genau, das kann nicht über die Sprache erklärt
1:30:06–1:30:09
werden, das wird ein bisschen auch emotional natürlich über das Acting gemacht
1:30:09–1:30:13
aber die Musik hat da glaube ich, weil sie weil sie einfach eher passiert,
1:30:13–1:30:14
man kann es sich immer hingeben.
1:30:14–1:30:18
Musik ist eher wie Schnitt und weniger wie Gesichtsausdruck.
1:30:19–1:30:22
Und deshalb finde ich, ist es total wichtig, da drauf zu gucken,
1:30:22–1:30:25
wenn man sich diesen Film anschaut,
1:30:26–1:30:34
Weil die Emotion in der psychodynamischen Arbeit eigentlich den Schlüssel darstellt,
1:30:34–1:30:38
den wir da kurz sehen, als er den auf den Tisch verliert und hinterhergetragen hat.
1:30:38–1:30:43
Nein, nicht diesen Schlüssel, sondern die Emotion ist in der psychotherapeutischen
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Arbeit psychodynamisch ganz wichtig.
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Und das wird ja auch in den Bildern inszeniert, wenn er auf der Couch liegt.
1:30:50–1:30:54
Er hat dann eher so Ausbrüche, Ausbrüche als Emotionen.
Florian Clauß
1:30:54–1:30:58
Er will ja auch bestimmte Informationen nicht rausgeben.
1:30:58–1:31:02
Das ist ja auch quasi, dass der Film zeigen wollte. Und dann dieser Prozess
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zwischen Therapeut oder Analytiker und Patient.
Micz Flor
1:31:08–1:31:13
Mir ging es darum zu sagen, dass die Musik zum Film in vielen Teilen unbewusst
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bleibt, wenn man versucht, dem Film Kopf und den Worten zu folgen.
1:31:17–1:31:23
Aber eben genau der Teil ist, der in der psychodynamischen Arbeit auch eine
1:31:23–1:31:25
essentielle Relevanz hat.
1:31:25–1:31:30
Nicht die Erkenntnis, sondern das Durcharbeiten, die korrigieren der emotionalen
1:31:30–1:31:36
Erfahrungen, die ist in der Analyse das, was letztendlich eine nachhaltige Veränderung bewirkt.
1:31:37–1:31:39
Ansonsten könnte man ja alles mit ChatGPT lösen.
Florian Clauß
1:31:40–1:31:43
Ja, gut, aber ich meine, so eine Vorstufe geht ja schon.
Micz Flor
1:31:44–1:31:47
Ja, das ist der Teil der Erkenntnis. Das ist der wichtige Teil,
1:31:47–1:31:50
dass man diese Dinge abtrennen kann und benennen kann.
Florian Clauß
1:31:50–1:31:54
Ja, okay, aber ich verstehe, was du sagst und sehe das auch so.
1:31:55–1:31:58
Jetzt möchte ich aber nochmal zu der Eingangsfrage kommen, nämlich,
1:31:58–1:32:04
was hat uns das EEG der Bratschistin für die Musik gebracht?
1:32:05–1:32:08
Ich glaube, es war halt, es ist halt, also meine Sache ist halt,
1:32:08–1:32:13
ich fand es halt irgendwie, es war so ein ganz guter Marketing-Gag, sag ich mal.
1:32:13–1:32:19
Ja, es war so, sie hatte dann so eine Badekappe auf mit vielen Kabeln und dann
1:32:19–1:32:25
wurde nicht nur über EEG, sondern auch Ultraschall, da gab es so Nahaufnahme,
1:32:25–1:32:27
keine Ahnung. Das wurde jetzt quasi genutzt.
Micz Flor
1:32:27–1:32:30
Der Infrarot, die Blutung wurde, glaube ich, noch genutzt.
Florian Clauß
1:32:30–1:32:33
Wie auch immer, oder elektrisches Feld dann noch gemacht.
1:32:34–1:32:38
Aber es ist ja nichts anderes als irgendwie so ein Random-Midi-Signal,
1:32:38–1:32:41
was du dann halt noch mit in die Mischung bekommst. Und es war,
1:32:41–1:32:45
so habe ich es wahrgenommen, vor allen Dingen dafür da, dass man dann so einen
1:32:45–1:32:47
Teppich hatte, so einen düsteren Teppich.
1:32:47–1:32:52
Also was dann nicht so rhythmisch war, sondern eher so eine Soundkulisse,
1:32:52–1:32:55
wie dann halt so ein atmosphärisches Bild.
1:32:55–1:33:00
Fand ich ganz gut eingeladen, als das Gewitter kam, also diesen Soundteppich.
1:33:00–1:33:04
Aber es war das, was sie da, also es war ja nicht, es ist eigentlich total random,
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oder? Es war völlig egal, aber es war halt so ganz gut.
1:33:08–1:33:10
Es waren gute Erzählungen, die das dann halt auch so mitnehmen.
Micz Flor
1:33:10–1:33:13
Ja, da gebe ich dir recht. Also es hatte so was MacGuffin-mäßiges und hatte
1:33:13–1:33:18
auch so diesen Moment, wo man vielleicht denkt so, naja, wenn gerade mal gar
1:33:18–1:33:23
nichts los ist, dann kann ich ja nur, ach ja, da war ja auch noch diese Frau mit dieser Mütze.
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Ich habe da manchmal so drauf geachtet. Aber manchmal haben so ein paar purzelnde
1:33:28–1:33:31
Elektrogeräusche einen überfallen. Ach ja, stimmt, die gibt es ja auch noch.
1:33:31–1:33:34
Also sie hat auf alle Fälle irgendwie zum Narrativ beigetragen,
1:33:35–1:33:40
War sie auch Stand-in für uns alle, könnte man jetzt pathetisch formulieren.
1:33:40–1:33:45
Sie war die erste Zuschauerin, die erste teilnehmende Zuschauerin vor uns allen,
1:33:46–1:33:51
also deren Körper auch Einfluss auf die Wahrnehmung des Filmes hat, für uns alle.
1:33:51–1:33:55
Ist das nicht etwas, was wir alle tun, wenn wir Zuschauer sind?
1:33:56–1:34:02
So in der Art. Aber es war sowas, was sie auch eher als schönes Sprenkelchen
1:34:02–1:34:03
im Narrativ wahrgenommen hat.
Florian Clauß
1:34:03–1:34:08
Die Moderatorin fand ich schon ganz lustig. Wir sehen nur, was sie heute denken wird.
1:34:08–1:34:13
Und das nächste Mal wird sie ganz anderes denken. Eine ganz andere Aufführung.
1:34:14–1:34:20
Aber ich glaube, das haben alle so mitgenommen und halt auch alle so wohlmeinend
1:34:20–1:34:22
zur Kenntnis genommen. Okay.
Micz Flor
1:34:23–1:34:26
Ich habe noch zwei Dinge, was die Texttafel angeht.
1:34:26–1:34:33
Das eine ist, dass ich mir wünsche, dass wir auch als Episode die Gedankenstrich-Episode verlinken.
Florian Clauß
1:34:33–1:34:34
Wieso brauchst du wieder mehr Klicks?
Micz Flor
1:34:35–1:34:38
Nein, die Gedankenstriche wird nie in die Top Ten laufen.
1:34:38–1:34:42
Aber es war interessant, fand ich, wie da Gedankenstriche in lange Gedankenstriche
1:34:42–1:34:47
als Pausen, also die wurden wirklich ja eben eingesetzt, um die Sprache auch zu erklären.
1:34:47–1:34:50
Manchmal war es in Gedankenstrichen, es war eine Pause, dann gab es manchmal
1:34:50–1:34:53
auch so Minus, Minus, Minus, Fragezeichen am Ende.
1:34:54–1:34:57
Ganz unterschiedliche Längen, vor dem Punkt, nach dem Punkt.
1:34:57–1:35:02
Also es war wirklich der Gedankenstrich, wer möchte, like, wer es noch kennt,
1:35:02–1:35:03
unsere Gedankenstrich-Folge.
1:35:04–1:35:05
Und das andere...
Florian Clauß
1:35:05–1:35:07
Wer kann nicht anders, Herr Schnoor.
Micz Flor
1:35:07–1:35:12
Das andere mit den Texttafeln war, ich war halt so, so fokussiert am Anfang,
1:35:12–1:35:15
dass ich gleich einen, glaube ich, Rechtschreibfehler gefunden habe in einer
1:35:15–1:35:19
Texttafel, wo man von der UFA, ich weiß nicht mehr,
1:35:21–1:35:25
Kulturabteilung oder Bildungsabteilung, irgendwas, auf jeden Fall war da Abteilung, Point,
1:35:26–1:35:29
Die haben das mit Doppel-T geschrieben, Abteilung.
Florian Clauß
1:35:29–1:35:31
Achso, war das mit Trenner oder?
Micz Flor
1:35:31–1:35:35
Ohne Trenner, einfach Abteilung in einem Wort durchgeschrieben.
1:35:35–1:35:38
Und ich muss nochmal auf YouTube gucken, ob das wirklich so war oder ob ich
1:35:38–1:35:40
mir das eingebildet habe, weil ich irgendwas sehen wollte.
Florian Clauß
1:35:41–1:35:43
Weil du da schon den Adler vermiedst.
Micz Flor
1:35:43–1:35:43
Genau.
Florian Clauß
1:35:44–1:35:45
Den Abt, der wurde geteilt.
Micz Flor
1:35:46–1:35:51
Mit meinen Adleraugen habe ich da drauf geguckt. Das ist jetzt auch wieder eine
1:35:51–1:35:52
freie Assoziation natürlich.
Florian Clauß
1:35:53–1:35:54
Noch eine abschließende Frage.
1:35:57–1:36:01
Diese Traumanalyse, ist das irgendwie noch ein methodischer Baustein,
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den man heutzutage irgendwie ernsthaft anwendet?
1:36:04–1:36:07
Oder träume noch so eine Bedeutung?
Micz Flor
1:36:07–1:36:11
Ja, aber es funktioniert nicht immer. Ich finde auch, das ist sehr unterschiedlich,
1:36:11–1:36:13
wie Menschen damit umgehen können.
1:36:13–1:36:18
Manchmal erlebe ich auch so eine Analogie zu den Störungsthemen.
1:36:35–1:36:39
Sondern da muss Deutung immer sehr deduktiv sein.
Florian Clauß
1:36:39–1:36:42
Ja, also deduktiv im Sinne von...
Micz Flor
1:36:42–1:36:45
Ableiten, also dann wirklich eher so, das bedeutet das, das bedeutet das so.
1:36:45–1:36:47
Da finde ich es ja nicht so produktiv.
Florian Clauß
1:36:47–1:36:50
Aber es muss jetzt nicht so eindeutig sein, sondern...
Micz Flor
1:36:50–1:36:53
Für diese Menschen ist es so oft, habe ich das Gefühl, dass es wichtig ist,
1:36:53–1:36:58
dass man da wirklich eine entspricht zeichnet und ansonsten ist auch bei meiner
1:36:58–1:37:04
Lehrtherapie während der Ausbildung sowohl Gestalttherapie vor allen Dingen
1:37:04–1:37:12
aber jetzt auch psychodynamisch waren Träume auch für mich als ja wie soll ich sagen Modellpatient,
1:37:12–1:37:15
weil ich war ja auch in Ausbildung waren die wichtig und,
1:37:17–1:37:21
Ja, aber es ist, glaube ich, immer auch was, was die Leute, wenn sie es mitbringen,
1:37:22–1:37:24
selber schon mal durchdacht haben. Man weiß jetzt, dass es sowas gibt.
1:37:25–1:37:28
Vor 100 Jahren war das bestimmt eher noch für manche so, ah ja, interessant.
1:37:29–1:37:33
Jetzt ergibt das Sinn. Aber wenn jetzt Menschen mit Träumen ankommen,
1:37:33–1:37:37
dann wollen die da auch gemeinsam drauf gucken, haben sich vorher schon Gedanken gemacht.
1:37:37–1:37:39
Aber es ist auf alle Fälle etwas,
1:37:40–1:37:44
was zentral sein kann, wenn die PatientInnen das auch so wahrnehmen.
Florian Clauß
1:37:44–1:37:48
Und macht das hier Spaß, weil das ist so ein bisschen Detektivarbeit ja auch.
1:37:48–1:37:52
Das, was Psychoanalyse verspricht oder das, was wir aus dem Film gelernt haben,
1:37:52–1:37:57
ist ja auch so, ha, dann nehmen wir dieses Puzzleteil, das, das und wenn wir
1:37:57–1:38:00
das da anlegen, dann steht da Heilung.
Micz Flor
1:38:01–1:38:03
Ja, ich mache das ein bisschen anders. Das ist auch in der Erich Fromm.
1:38:04–1:38:08
Also ich mache das eher eben wie in der Gestalttherapie, dass man nicht davon
1:38:08–1:38:10
ausgeht, dass es Archetypen gibt, die was bedeuten.
1:38:11–1:38:14
Und wenn es sowas gäbe, dann wären das Menschen in meinem Bild,
1:38:15–1:38:18
die halt das für sich so herstellen. Da kann ich was damit anfangen. Vase ist immer Frau.
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Zwei Tage später träumen sie von einer Vase und wollen über Frauen reden. Das kann auch sein.
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Aber dass die Idee, und da ist man ein bisschen wieder bei Adler vielleicht
1:38:28–1:38:35
sogar mehr, oder eben bei der Gestalttherapie, bei Pearls, dass die Narrative
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und die Bilder erstellt werden. Das ist ein aktiver, kreativer Akt.
1:38:39–1:38:45
Das ist nicht der Rest von was Gecanceltem, sondern es ist ein aktiver Entwurf,
1:38:46–1:38:48
damit er wie Erich Fromm auch zielgerichtet.
1:38:48–1:38:53
Also bei mir ist es schon so, dass ich oft und dann, die Arbeit ist eben oft
1:38:53–1:38:59
und das ist Gestalttherapie auch, dann bestimmten Traumanteilen eine Stimme zu geben.
Florian Clauß
1:38:59–1:38:59
Ja.
Micz Flor
1:39:00–1:39:03
Das ist auch in der Körpertherapie manchmal so. Und das wäre jetzt,
1:39:03–1:39:06
wenn man es auf den Film überträgt, hält mir jetzt nichts.
1:39:06–1:39:09
Jetzt habe ich nur dieses Messer, sozusagen Sie sind das Messer.
1:39:10–1:39:12
Warum nicht? Könnte man sagen, Sie sind das Messer.
Florian Clauß
1:39:12–1:39:12
Okay.
Micz Flor
1:39:12–1:39:16
Was sagt das Messer dann? Was will das denn sagen? Denken Sie sich drüber nach.
1:39:16–1:39:20
Was fällt Ihnen sofort ein, wenn Sie einfach sagen, ich bin das Messer, ich.
1:39:21–1:39:27
Und dann kommen in diesen Momenten wirklich auch manchmal erstaunliche Sätze hoch.
1:39:27–1:39:30
Auch manchmal Sätze, und das finde ich dann wiederum interessant,
1:39:30–1:39:33
die konträr zu dem sind, was ich mir vorstelle.
Florian Clauß
1:39:33–1:39:33
Ach, ich?
Micz Flor
1:39:33–1:39:37
Das ist eher die Art, wie ich denke, wie man auch mit Träumen arbeiten kann,
1:39:37–1:39:42
dass man den Dingen in den Träumen nicht anhand von Symbolik oder von Plausibilität,
1:39:42–1:39:46
sondern denen wirklich diesen emotionalen Anteil gibt und sagt, okay, sag doch mal was.
Florian Clauß
1:39:47–1:39:53
Ja, ja, also ins Gestaltungsraum quasi benutzt und nicht als Interpretationshoheit.
Micz Flor
1:39:53–1:39:57
Als etwas, was generiert wurde und insofern Abkömmling ist von einem Wunsch
1:39:57–1:39:59
oder von einem Bedürfnis.
Florian Clauß
1:39:59–1:40:03
Ja, ja, ich glaube, das hat sich tatsächlich komplett geändert im Jahr.
1:40:03–1:40:08
Und wenn man das jetzt nochmal zu den Beginn der Psychoanalyse oder Beginn der
1:40:08–1:40:11
Verbreitung der Psychoanalyse in der Bevölkerung, dass man da jetzt nicht mehr
1:40:11–1:40:14
so von statischen Symbolen ausgehen kann,
1:40:14–1:40:19
sondern dass sich das dann halt auch in der Dynamik die Erklärung ergibt.
Micz Flor
1:40:20–1:40:23
Genau, aber selbst C.G. Jung, der Meister der Archetypen, hat ja,
1:40:23–1:40:30
wie wir erarbeitet haben in seinem Spätwerk, das UFO als Archetypen zugelassen
1:40:30–1:40:33
und damit auch angeregt,
1:40:33–1:40:36
selbst seine sehr festgemauerte,
1:40:37–1:40:43
Äquivalenz von Objekt und Bedeutung ein bisschen zu erschüttern und flexibler zu machen.
1:40:43–1:40:46
Also da selbst bei Jungen hat sich das verändern dürfen.
Florian Clauß
1:40:47–1:40:49
Willst du noch mehr Klicks generieren auf deine Folgen?
Micz Flor
1:40:49–1:40:52
Wenn man Jungen schreibt. Wir haben alle verlinkt.
Florian Clauß
1:40:53–1:40:58
Okay, ich denke, jetzt sind wir ganz gut angekommen. Wir sind immer noch an
1:40:58–1:40:59
der Spree in einem Bogen.
1:40:59–1:41:03
Ja, wir haben ja schon angekündigt, wir werden jetzt gleich weiter anschließen.
1:41:03–1:41:08
Die Folge wird ja dann in 14 Tagen, dann werde ich ein bisschen mehr über Papst erzählen.
1:41:08–1:41:10
Wir werden aber auf jeden Fall die Route hier fortsetzen.
1:41:11–1:41:14
Also das heißt, wir werden dann in Charlottenburg weiter wandern.
1:41:15–1:41:18
Aber hier noch sind wir, ich weiß gar nicht, sind wir noch im Moabit?
1:41:19–1:41:20
Das könnte sein, ne?
Micz Flor
1:41:21–1:41:22
Die Kirchenschifffahrt.
Florian Clauß
1:41:22–1:41:27
Müssen wir dann nachher nochmal recherchieren. Die ganzen Fotos,
1:41:27–1:41:33
die wir auf unserer Tour gemacht haben, die könnt ihr dann auf eigentlich-podcast.de sehen.
1:41:33–1:41:38
Ich habe auch einige Bilder von der Stage im Haus der Kulturen,
1:41:38–1:41:44
also wo dann das Ensemble sich dann nochmal präsentiert, habe ich auch noch gemacht.
1:41:44–1:41:47
Das könnt ihr auch da sehen. Auch die Texte, die wir im Vorfeld geschrieben
1:41:47–1:41:50
haben, Könnt ihr da auch angucken.
1:41:51–1:41:56
Und dann möchte ich noch euch bitten, wenn euch eigentlich Podcast gefällt,
1:41:56–1:42:00
dann gebt uns doch eine Bewertung, Sternchen oder was auch immer,
1:42:00–1:42:04
auf der Plattform eurer Wahl. Empfiehlt uns weiter.
1:42:05–1:42:08
Ich sage jetzt Tschüss, bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
1:42:08–1:42:15
Und ich sage Baba, wie man in Wien sagt. Passend zur Folge. In 14 Tagen geht es für euch weiter.
1:42:15–1:42:17
Und jetzt gleich geht es für uns weiter. Macht's gut.
Florian Clauß
1:42:17–1:42:18
Ciao.
Micz Flor
1:42:18–1:42:19
Tschüss.

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Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
avatar
Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:08–0:00:10
Klatschen und los?
0:00:14–0:00:19
Hallo und herzlich willkommen wieder bei Eigen-Podcast.
0:00:20–0:00:26
Hier noch eine weitere Episode aus unserem Podcast-Retreat Dezember 2025. 25.
0:00:27–0:00:35
Wir sind Flo und Mitch und wir machen alle 14 Tage eine neue Episode und deshalb
0:00:35–0:00:36
kommt die jetzt auch gerade zu euch.
0:00:37–0:00:41
Wir nehmen auf im Halbdunkel der Vorweihnachtszeit. Wir gehen immer spazieren.
0:00:42–0:00:45
Unser Slogan ist beim Laufen reden und laufend reden.
0:00:46–0:00:51
Und die Touren, die wir so ablaufen, die könnt ihr auf der Webseite eigentlich-podcast.de sehen.
0:00:52–0:00:56
Die Themen, die wir auch noch so gemacht haben. Früher meinte Flo mal,
0:00:56–0:01:00
wir sind ein Filmpodcast, aber wir machen eigentlich einiges,
0:01:00–0:01:04
wobei dieses Label Filmpodcast auf die Folge jetzt ganz gut passt.
Florian Clauß
0:01:05–0:01:05
Richtig.
Micz Flor
0:01:05–0:01:09
Wir hatten Flo vorbereitet und ich übergebe an dich.
Florian Clauß
0:01:09–0:01:12
Ach, die habe ich vorbereitet? Wir wollten gemeinsam machen mit.
Micz Flor
0:01:12–0:01:17
Ja, ich habe die auch vorbereitet, indem ich mir den Film auch angeguckt habe und Gedanken gemacht.
Florian Clauß
0:01:17–0:01:22
Wir wollen heute über einen Film sprechen, der jetzt schon seit Längerem aus
0:01:22–0:01:28
den Kinos ist, und zwar One Battle After Another von Thomas Andersen.
0:01:28–0:01:33
Der lief, glaube ich, im September 2025 in den Kinos.
0:01:34–0:01:37
Ich habe den relativ spät gesehen, erst vor ein paar Wochen.
0:01:38–0:01:40
Und du hast ihn auch geguckt, Mitch, oder?
Micz Flor
0:01:40–0:01:41
Ich habe ihn auch geguckt, auch schon ein bisschen länger her.
0:01:42–0:01:44
Und ich habe ihn eben auch nur dieses eine Mal gesehen.
0:01:45–0:01:49
Aber wir hatten ja so einen ganz kurzen Abgleich, dass wir scheinbar,
0:01:51–0:01:54
unterschiedliche Meinungen zum Film haben. Und da haben wir sofort Stopp gesagt.
0:01:54–0:01:59
Und auch wenn es jetzt ein bisschen spät kommt, wollten wir es dann trotzdem im Podcast verkauen.
Florian Clauß
0:01:59–0:02:05
Wir wollten es verpodcasten, genau. Wir machen ja nichts, ohne den Podcast zu
0:02:05–0:02:07
nutzen. Du warst mit Reinhard im Kino, ne?
Micz Flor
0:02:07–0:02:12
Ich war mit Reinhard im Kino, wo wir auch die zwei Body-Horror-Filme gemacht haben.
Florian Clauß
0:02:12–0:02:14
Und in welchem Kino wart ihr?
Micz Flor
0:02:15–0:02:21
Wir waren in Neukölln, da in diesen Arkaden ganz oben. Heißen glaube ich auch Neuköllner Kahn.
Florian Clauß
0:02:21–0:02:26
Ah ja, okay. Ich war in der B-Ware in Friedrichshain mit meinen Nachbarn.
0:02:27–0:02:32
Und habe mir den da angeguckt. B-Ware ist noch so einer der letzten DVD-Läden,
0:02:32–0:02:36
wo man tatsächlich noch DVDs leihen kann. Kennst du den? Waren wir da mal zusammen?
Micz Flor
0:02:37–0:02:41
Ja, ich glaube, da war ich auch mal mit Kito. Die haben eben auch so ein ganz kleines Kino nur, oder?
Florian Clauß
0:02:41–0:02:46
Die haben drei Kinoseele, aber alle super mini, ganz heimelig so.
Micz Flor
0:02:47–0:02:50
Ja, ist interessant, dass die das dann auch im Verleih kriegen.
0:02:50–0:02:51
Keine Ahnung, wie sich das rechnet.
Florian Clauß
0:02:52–0:02:55
Ja, ich verstehe es auch nicht, aber ich glaube, das Kino ist das,
0:02:55–0:02:57
was es halt wirklich so macht.
0:02:57–0:03:02
Und dann natürlich auch die Getränke und den Getränkeverkauf, der dahinter hängt.
0:03:02–0:03:04
Und Original, habt ihr den wahrscheinlich auch geguckt, ne?
Micz Flor
0:03:04–0:03:06
Ne, ich habe mein Deutsch gesehen.
Florian Clauß
0:03:06–0:03:08
Ein Deutsch, deswegen vielleicht fandst du ihn nicht so gut.
Micz Flor
0:03:10–0:03:11
Ja, weiß ich nicht.
Florian Clauß
0:03:11–0:03:15
Also das war in meiner Variante Original mit Untertiteln.
0:03:17–0:03:21
Ja, also Thomas Anderson, den hatten ja schon mal in Magnolia,
0:03:21–0:03:25
den Film, den ich vorgestellt habe, vor über zwei Jahren ist das, glaube ich.
0:03:25–0:03:33
Da ging es ja um Filme aus den 90ern, die mich maßgeblich rein individuell geprägt
0:03:33–0:03:35
haben und die ich dann halt auch vorgestellt habe.
0:03:36–0:03:43
Und mit Magnolia, das war ja glaube ich der zweite Film, 99 von Thomas Anderson
0:03:43–0:03:45
nach Boogie Nights von 97.
0:03:46–0:03:49
Und ich bin ein ganz großer Fan von Thomas Anderson.
0:03:50–0:03:53
Ich finde seine Filme immer sehr gut, obwohl ich festgestellt habe,
0:03:53–0:03:56
dass ich ein paar nicht gesehen habe. Die muss ich nochmal nachholen.
0:03:57–0:04:04
Das jetzt, The One Battle After Another, ist jetzt auch die zweite Pünchen-Verfilmung.
0:04:04–0:04:10
Nämlich als Romanvorlage diente von Thomas Pünchen, Wineland.
Micz Flor
0:04:11–0:04:15
Der Roman von Pünchenstoff verfilmt durch Anderson.
Florian Clauß
0:04:15–0:04:15
Ja.
Micz Flor
0:04:16–0:04:16
Ah, echt?
Florian Clauß
0:04:17–0:04:21
Genau, der hat Inherent Vice. Da habe ich auch mit Chris drüber gesprochen.
0:04:22–0:04:25
Das ist auch eine Pünchenvorlage, die ja verfilmt wurde.
0:04:26–0:04:30
Und One Battle After Another geht eben auf Wineland zurück.
0:04:30–0:04:36
Wobei, da hast du mich noch mal drauf hingewiesen, das inspiriert nach Wineland.
Micz Flor
0:04:36–0:04:38
Ich weiß nicht genau, was der Wortlaut ist, aber es steht nicht,
0:04:38–0:04:43
es steht, glaube ich, nicht mehr drin, so based on, sondern das ja eher als
0:04:43–0:04:45
Inspiration dann im Abspann dargestellt hat.
Florian Clauß
0:04:46–0:04:49
Es ist auch tatsächlich eine lose Anlehnung.
0:04:49–0:04:55
Es kommen nicht ganz so viele Stränge drin vor wie in dem Roman.
0:04:55–0:04:57
Du hast den Roman damals gelesen.
Micz Flor
0:04:57–0:05:01
Ja, aber das ist jetzt halt wirklich 30 Jahre her. Also ich habe mich darauf
0:05:01–0:05:04
gefreut, weil ich den Roman genossen habe, aber nicht mehr so richtig mich erinnern
0:05:04–0:05:08
konnte, nur so ein paar Bilder drin hatte. Und dann das Anfangsbild aus dem
0:05:08–0:05:10
Roman kam dann gerade so erstmal überhaupt nicht.
0:05:11–0:05:16
Das Anfangsbild im Roman ist ja dieses durch diese Scheibe springen.
0:05:16–0:05:20
Ich weiß nicht mehr genau, wie das eingefasst ist, aber der Leonardo DiCaprio-Character
0:05:20–0:05:25
im Buch sozusagen, der verdient entweder Geld, ich weiß nicht mehr genau,
0:05:25–0:05:28
entweder Geld durch die Show oder als...
Florian Clauß
0:05:28–0:05:33
Vom Sozialamt braucht er immer das Geld, deswegen muss er den verrückten mimen,
0:05:33–0:05:35
damit er halt seine Sozialhilfe bekommt.
Micz Flor
0:05:35–0:05:40
Ah, okay. Auf jeden Fall ist das so ein Bild, was geblieben ist und dann,
0:05:40–0:05:42
ich kann es ja nochmal allgemein sagen.
0:05:42–0:05:45
Ich habe das Buch gelesen und hatte mich,
0:05:46–0:05:51
Ein bisschen darauf gefreut, mich an das Buch zu erinnern, weil ich mich erinnert
0:05:51–0:05:52
habe, dass ich viel Spaß daran hatte.
0:05:53–0:05:59
Aber der Film war dann irgendwie was anderes. Es kam nichts hoch und das Eingangsbild
0:05:59–0:06:04
mit diesem durch die Scheibe springen, das war so ein Bild aus dem Buch, was so geblieben ist.
0:06:04–0:06:08
Und als das dann irgendwie auch nach 17 Minuten nicht kam, habe ich gedacht,
0:06:08–0:06:10
okay, ich muss mich jetzt mit dem Film empfinden.
Florian Clauß
0:06:10–0:06:17
Okay, ich verstehe. Das Buch und der Film, die haben so diese Vater-Tochter-Beziehung
0:06:17–0:06:20
auf jeden Fall so mit im Zentrum der Geschichte.
0:06:21–0:06:24
Und es gibt dann auch diese Rücksprünge.
0:06:24–0:06:30
Einer in dem Buch ist das die 24 FPS, also eine radikale Filmgruppe,
0:06:31–0:06:35
was auch schon eine schöne Metareferenz ist von München, die dann eben auch
0:06:35–0:06:38
revolutionäre Sachen macht.
0:06:38–0:06:43
Ich weiß gar nicht, was sie macht. Und wir haben die Verbindung French 75,
0:06:43–0:06:49
die revolutionäre Gruppe, die von der Perfidia angeleitet wird.
0:06:50–0:06:54
Und das sind wahrscheinlich so um die 2000 hat das da gespielt,
0:06:54–0:06:56
die dann angeleitet wird.
Micz Flor
0:06:57–0:06:58
Sind jetzt beim Film.
Florian Clauß
0:06:58–0:07:04
In dem Film, dass die zum Beispiel Migrantenbefreiung machen,
0:07:04–0:07:09
irgendwelche Migrantinnen, die dann festgenommen sind an der mexikanischen Grenze,
0:07:09–0:07:12
dass die befreit werden und irgendwelche Bombenanschläge.
0:07:12–0:07:14
Also man weiß es nicht, es ist sehr willkürlich.
0:07:14–0:07:19
Das ist so die Vorgeschichte quasi, bevor dann die Hauptgeschichte,
0:07:19–0:07:23
die dann 18 Jahre später spielt, dann losgeht.
0:07:23–0:07:27
Ja, also auch hier wieder episodenhaft, wobei man sagen muss,
0:07:27–0:07:32
wir können ja noch mal später ein bisschen genauer so, um die Art von Pünchen Romane zu schreiben.
0:07:33–0:07:41
Pünchen gilt ja quasi als ein postmoderner Autor, der dann auch so bestimmte Merkmale geprägt hat.
0:07:42–0:07:44
Bei Wineland ist es halt das...
0:07:44–0:07:49
Ganz viel so parallel läuft und viele Dränge, die man dann halt irgendwie so
0:07:49–0:07:54
eher so nebenbei dann lesen würde, ja, dann halt so erzählt werden.
0:07:54–0:07:57
Also es ist ein ganzes Panoptikum an irgendwelchen Vorfällen.
0:07:58–0:08:02
Und trotzdem hat sich da so eine Geschichte quasi. Also man sagt auch,
0:08:02–0:08:07
dass Weinland so der zugänglichste Roman von München ist, was halt davor V,
0:08:08–0:08:11
die Enden einer Parabel, ne?
0:08:12–0:08:17
Das war ja so sein Roman, wo der dann halt auch mehr oder weniger groß geworden ist.
0:08:17–0:08:22
Also wo ich ihn zum ersten Mal wahrgenommen habe. Aber das war in den 70ern, wo er geschrieben hat.
0:08:22–0:08:31
One Battle After Another ist ja quasi vom Titel her nichts anders als die permanente
0:08:31–0:08:35
Revolution, wenn du es so übertragen willst auf dem Klassenkampf.
0:08:36–0:08:40
Was die jetzt machen, ist halt One Battle After Another. Was denkst du,
0:08:40–0:08:43
was der Battle in diesem Titel so ist?
0:08:43–0:08:47
Der Kampf, den man dann die ganze Zeit führt für den Film.
Micz Flor
0:08:48–0:08:49
Was das bedeutet?
Florian Clauß
0:08:49–0:08:53
Ich meine genau, was soll das mit diesem one battle after another?
0:08:54–0:09:01
Was ist denn der ständige Kampf? Also warum sagt der Titel immer ein Kampf nach dem anderen?
Micz Flor
0:09:01–0:09:03
Ich habe das anders wahrgenommen.
Florian Clauß
0:09:03–0:09:04
Okay, dann sag.
Micz Flor
0:09:04–0:09:08
Ich habe das eher so wahrgenommen, so erstmal einen Kampf fertig machen,
0:09:08–0:09:09
bevor wir den nächsten anfangen.
Florian Clauß
0:09:09–0:09:09
Ah, okay.
Micz Flor
0:09:10–0:09:11
So habe ich das gelesen.
Florian Clauß
0:09:11–0:09:11
Ah.
Micz Flor
0:09:11–0:09:16
Also im Sinne von eher so als Auftrag, Leute, macht es richtig,
0:09:16–0:09:19
macht es gut, macht es fertig und dann den nächsten.
Florian Clauß
0:09:19–0:09:24
Ah ja, okay, nee, ich habe es natürlich so zeitlich, wir machen jetzt den Kampf
0:09:24–0:09:27
und danach gibt es einen anderen Kampf und einen neuen Kampf.
Micz Flor
0:09:27–0:09:27
Das hört nie auf.
Florian Clauß
0:09:27–0:09:29
Aber so wie du es sagst, ist es sicher…,
0:09:30–0:09:36
Besser, weil, also ich glaube, es kommt mehr dem Verständnis von dem Film nah,
0:09:37–0:09:41
weil es geht natürlich darum, sauber abzuschließen.
0:09:41–0:09:45
Und das verrät uns eigentlich auch so ein bisschen vom Filmgenre.
0:09:45–0:09:47
One battle after another.
0:09:48–0:09:54
Auf der einen Seite ist es dann so ein Film, der sehr komödiantische Elemente hat.
0:09:55–0:09:58
Ja, ein klassischer Thrillerfilm.
0:09:59–0:10:05
Es geht um Flucht und Verfolgung und eigentlich kann es auch als einen politischen Film gesehen werden.
0:10:06–0:10:12
Zumindest von der Gruppe, die da in der Vergangenheit quasi die Bomben gelegt
0:10:12–0:10:16
hat und da auch für ihre Ideologie eingestanden hat.
0:10:16–0:10:22
Also das heißt, dieser Kampf ist nicht ganz abgeschlossen in der Vergangenheit.
0:10:22–0:10:27
Es kommen quasi die Geister der Vergangenheit, die dann halt diesen Kampf nicht
0:10:27–0:10:30
ganz abgeschlossen, die Geister, die ich rief.
0:10:31–0:10:36
Aber lassen Sie mal von vorne anfangen, Mitch. Wie sind dir das Profi-Team im Filmenacherzählen?
Micz Flor
0:10:36–0:10:42
Wir machen alles, aber das ist ja gut, weil bei mir ist es ein bisschen hazed and confused.
0:10:42–0:10:45
Also da muss ich gucken, ob ich das überhaupt noch in Reihe und Glied bekomme.
Florian Clauß
0:10:45–0:10:51
Aber ja, wir gucken mal. Also was wir vielleicht nochmal so als Produktionskosten
0:10:51–0:10:57
der Filme, war der teuerste von Thomas Anderson mit, ich glaube, 168 Millionen.
0:10:58–0:11:01
Aber auch der erfolgreichste von ihm.
Micz Flor
0:11:02–0:11:04
Echt? Ich war aber gar nicht klar, ich habe es nicht nachgeguckt.
Florian Clauß
0:11:04–0:11:05
Ja, das dachte ich auch nicht.
Micz Flor
0:11:05–0:11:08
Weil der war in Deutschland, fand ich, viel zu kurz im Kino.
Florian Clauß
0:11:08–0:11:13
Der war kurz im Kino. In Amerika, weiß ich nicht, waren auch die Kritiken gespalten.
0:11:13–0:11:19
Aber tatsächlich hat der Film über 200 Millionen eingespielt.
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Also das heißt wirtschaftlich der erfolgreichste Film von ihm.
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Von den Kritiken her ist der vor allen Dingen auch von den echten Kritikern,
0:11:29–0:11:35
Kinokritikern und so weiter, also Metascore und Rotten Tomatoes, hochgelobt der Film.
0:11:35–0:11:41
Also überall durchweg fast volle Punktzahl, Sternchen und so weiter,
0:11:42–0:11:44
während der beim Publikum nicht so gut ankam.
Micz Flor
0:11:44–0:11:44
Ja.
Florian Clauß
0:11:45–0:11:48
Aber trotzdem war der ja sehr lukrativ.
0:11:49–0:11:54
In den Hauptrollen spielen auf der einen Seite Leonardo DiCaprio,
0:11:55–0:11:59
auf der anderen Seite, wie heißt der, Benicio del Toro. Die sind auf der gleichen Seite.
0:12:00–0:12:05
Ja, ich sag nur, die sind auf der gleichen Seite. Woher kennst du den Schauspieler?
Micz Flor
0:12:05–0:12:08
Ach, von ganz vielen Sachen. Mir fällt jetzt das alles nicht so ein,
0:12:08–0:12:09
aber ich kenne den aus ganz vielen Filmen.
0:12:09–0:12:13
Ich mag den sehr. Ich finde den wirklich einen Schauspieler,
0:12:14–0:12:20
der irgendwie so eine zweite Ebene einzieht, dass man ihn auch richtig als Mensch kennenlernen möchte.
0:12:20–0:12:24
So ein bisschen anders als Tom Cruise, wo ich immer das Gefühl habe,
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ich finde den ja auch einen wahnsinnig guten Schauspieler.
0:12:26–0:12:30
Aber den eher deshalb, weil er immer so ein bisschen...
0:12:31–0:12:34
Nicht ganz auf der Höhe der Information zu sein scheint.
0:12:37–0:12:41
Bei Benicio del Toro habe ich immer so das Gefühl, und das hat er in diesem
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Film halt auch ausspielen können, ist eigentlich immer zwei Schritte voraus.
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Das ist so ein Grundgefühl.
Florian Clauß
0:12:45–0:12:50
Ich mag den auch sehr gern. Und ich mag natürlich auch Leonardo DiCaprio und
0:12:50–0:12:52
den Charakter, den er da spielt.
0:12:52–0:13:00
Ein bisschen verspulter in der Vergangenheit als der Lover der Anführerin.
0:13:00–0:13:05
Perfilia, so ein verspulter Typ, der Bomben bauen kann, so gut basteln kann,
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aber dann 18 Jahre später halt auch sich jetzt nicht sehr viel weiterentwickelt
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hat und am Kiffen ist und so ein bisschen so ein Newt-Typ.
0:13:14–0:13:20
Also das war, glaube ich, auch so explizit die Vorlage, nämlich Bickel-Lebowski.
Micz Flor
0:13:20–0:13:25
Ah, okay, ja. Er hat halt auch in der Zeit, sagt er auch einmal am Telefon,
0:13:26–0:13:32
dass er sich jetzt jahrzehntelang das Gehirn weggeraucht hat und nicht mehr
0:13:32–0:13:33
so auf der Höhe der Zeit ist.
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Also Drogenkonsum hat er selber erwähnt, dass das auch noch eine Rolle dabei
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spielt, dass er alles nicht mehr so richtig checkt.
Florian Clauß
0:13:41–0:13:45
Ja, die ist grandios, die Szene. Da können wir auch noch mal später draufzusprechen kommen.
0:13:45–0:13:49
Ich fand auch lustig, dass in einem Artikel, Es war dann beschrieben,
0:13:50–0:13:54
Leonardo DiCaprio bekommt wie bei jedem Film seine 20 Millionen Gage.
0:13:56–0:14:00
Krass, er hat immer irgendwie 20 Millionen für jeden Film, wo er spielt.
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Und in einer ganz großartigen Rolle, muss man sagen, wo ich dann auch erst am
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Abspann überhaupt realisiert habe, dass es dieser Schauspieler ist,
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nämlich der quasi, das ist die andere Seite.
0:14:13–0:14:21
Lockjaw ist gespielt, also ein alternder Marineoffiziersoldat von Jean Penn.
0:14:22–0:14:24
Großartig. Siehst du auch so, ne?
Micz Flor
0:14:24–0:14:27
Ich sehe es auch so und gleichzeitig hatte ich so das Gefühl,
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dass der von den ersten zwei Sekunden Screentime, dass er irgendwie 127 Prozent gibt.
0:14:35–0:14:40
Der zeigt gleich irgendwie alles, was so ein bisschen so, habe ich gedacht,
0:14:40–0:14:47
ein bisschen so TikTok-Style ist, dass man da gleich sich komplett zeigen muss und das nicht aufbaut.
0:14:47–0:14:51
Also ich finde ihn auch total toll, wie er es spielt, auch wie konsistent er spielt.
0:14:52–0:14:56
Ist nur so ein bisschen das Gefühl, das Schade ist, dass du gleich alles gesehen hast.
Florian Clauß
0:14:56–0:14:56
Okay.
Micz Flor
0:14:57–0:14:58
Kannst du mir das anfangen?
Florian Clauß
0:14:58–0:15:01
Nee, kann ich nicht. Ja, ja, vielleicht.
0:15:02–0:15:07
Aber ich finde nicht, dass er das halt schon von Anfang an verheizt hat,
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sondern es kommt dieser Figur so zugute.
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Das macht die Figur so nahbar und erfühlbar. Ja, also auch das macht so eine
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Körperlichkeit in dieser Figur.
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Also deswegen fand ich das jetzt nicht unbedingt so, dass es gleich irgendwie
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so verstanden durchdrungen ist.
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Und diese Revoluzzer-Gruppe wird dann,
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also genau, da gibt es nochmal eine Schlüsselszene, wo wir dann auch Lockjaw
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zum ersten Mal kennenlernen, nämlich in einer Befreiungsaktion von Migrantinnen
0:15:38–0:15:44
ist die Anführerin, eigentlich die Loverin von Leonardo DiCaprio.
Micz Flor
0:15:44–0:15:47
Ja, mehr als Loverin, die sind ja wirklich auch ein Partner.
Florian Clauß
0:15:47–0:15:53
Ja, aber sie ist halt auch von der Natur, sie ist halt wirklich so ungezähmt.
0:15:54–0:15:57
Also sie lässt sich halt, also sie lässt sich wahrscheinlich auch nicht in so eine Beziehung ein.
0:15:58–0:16:02
Also deswegen sage ich Loverin, weil sie verlässt ihn ja dann auch.
Micz Flor
0:16:03–0:16:06
Wie würde man das denn sagen, wenn sie ein Mann wäre?
0:16:06–0:16:11
Weil das Wort ungezähmt kommt so sehr an eine Frauenrolle ran,
0:16:11–0:16:14
was ja sagt, man hätte sie zähmen können.
Florian Clauß
0:16:14–0:16:17
Durchtrieben, durchtrieben vielleicht am ehesten. Also sie ist schon durchtrieben.
0:16:17–0:16:20
Ich finde, durchtrieben ist vielleicht das bessere Wort, weil sie begeht ja
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auch Verrat an der Gruppe und das hat ja was Durchtriebenes.
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Sie kriegt auch ein Kind von...
0:16:27–0:16:33
Also angeblich von Bob Ferguson, das ist die Rolle von Leonardo DiCaprio.
0:16:33–0:16:40
Und in einer Befreiungsaktion, da trifft sie auf diesen Körnel.
Micz Flor
0:16:40–0:16:47
Befreiungsaktion heißt, dass die Gruppe ein Lager hochnimmt,
0:16:47–0:16:51
sagen wir mal, und die MigrantInnen alle entlässt, rauslässt.
0:16:51–0:16:54
Und sie trifft dann eben auf diesen Lockhead.
Florian Clauß
0:16:54–0:16:58
Das ist wirklich so ein Internierungslager. Da gehen die rein,
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setzen auch Bringsätze und befreien die eben, die Eingesperrten.
0:17:04–0:17:08
Der Fidia kommt in das Zimmer, wo der Körnel drin ist und sie...
0:17:09–0:17:15
Verführt ihn. Und es beginnt so eine Art von Faszination auf seiner Seite.
Micz Flor
0:17:15–0:17:17
Haben die da schon Sex in der Szene?
Florian Clauß
0:17:17–0:17:20
Nee, die haben da nicht. Nee, richtig, sie haben noch keinen Sex.
Micz Flor
0:17:21–0:17:23
Sie macht ihn im Prinzip fertig.
Florian Clauß
0:17:23–0:17:31
Ja, sie schikaniert ihn, indem er mit einem steifen Schwanz nach draußen geführt wird.
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Sie reizt ihn schon sehr auf und gleichzeitig demütigt.
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Die werden halt befreit, die Migranten und so weiter.
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Und die Gruppe geht aber weiter und sie wird dann halt irgendwann schwanger,
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weil sie sich dann halt auch öfters mal mit dem Körner, ich nehme das jetzt
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diesen Plotpoint vorweg.
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Also sie wird dann schwanger, wie sich herausstellt, ist das Kind aber nicht von Bob Ferguson.
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Der nimmt natürlich an, er ist der Vater des Kindes und zieht es auch groß.
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Der Vater ist Lockjaw, weil eben seine Perfidia dann diese Beziehung zu ihm pflegt.
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Aber in einem Überfall, wo es
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auch zum Schusswechsel kommt und da wird die Gruppe gestellt, French 75.
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Und Perfidia kommt in die Situation, dass sie die Namen der ganzen Bewegung
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verrät für ein Zeugenschutzprogramm.
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Und wo eben auch dann der Colonel ihr Immunität verspricht und da eigentlich
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jetzt auf so eine Beziehung mit ihr hofft.
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Aber sie dann verschwindet aus dieser Beziehung und sie hat eben dieses Kind
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hinterlassen, um das sich dann eben Bob kümmert, das groß zu ziehen.
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Da fängt im Prinzip dieser Zeitsprung an und wir gehen dann 18 Jahre später.
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Das Kind ist noch nicht volljährig, ich glaube sie ist 17. dann steigt da der
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zweite Teil der Geschichte ein.
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Motiviert von Colonel Lockjaw. Er ist auch nicht gealtert.
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Das ist so krass. Dieser Zeitsprung, da hat sich auch Thomas Anderson nicht
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die Mühe gegeben, irgendwie die SchauspielerInnen da altern zu lassen.
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Sie sehen genauso aus, wie sie da vor 18 Jahren rausgesehen haben.
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Bis auf die Torster natürlich.
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Der Colonel will eben in einer Gruppe, in einer rechtsextremen weißen Gruppe,
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will er dann aufgenommen werden.
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The Christians Adventures heißt diese Gruppe.
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Und um da aufgenommen werden, du wirst dann wahrscheinlich ernannt in diesem Club.
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Und er ist ernannt worden, was eine große Ehre für ihn ist.
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Man weiß gar nicht genau, was die für eine Macht haben, aber so wie die inszeniert
0:19:55–0:19:57
haben, haben die eine große Macht.
Micz Flor
0:19:57–0:20:01
Die haben ja, also man sieht so Szenen, wo über Architektur gezeigt wird,
0:20:01–0:20:02
Und wie viel Macht die haben.
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Es ist scheinbar so ein relativ wohlhabendes Vorstadtgebiet,
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in dem es halt diese klassischen, zumindest Hollywood-Darstellungen von Vororten gibt.
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Mit Driveway, große Garage, schönes, großes Haus und so.
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Und dann ist einer, der dann auch zuerst so ganz nett rüberkommt.
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Man merkt schon, ein bisschen zu schmierig, um nett zu sein.
0:20:23–0:20:26
Und der geht dann durch irgendeine Tür in den Keller. Und dann durch eine Tür
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im Keller auf einmal in so einen unterirdischen Halbkreis, unter dem dann irgendwie
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alle anderen Häuser auch scheinbar verbunden sind.
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Und in diesem Halbkreis unten wiederum gibt es dann so ein Zimmer, wo er reingeht.
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Und da sitzen dann eben so drei andere ältere, weiße Männer in so Poloshirts.
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Einer davon, der mit ist, wohl irgendein Kriegsheld oder so,
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der kaum was sagt, aber trotzdem großen Einfluss hat.
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Aber ich finde die Szene ganz schön, wie du halt in dem Moment wohl in den Keller
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runter geht und diese extra Tür aufmachst.
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Du merkst, okay, das hier ist alles sehr gut strukturiert.
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Es ist sehr klar, dass hier wirklich buchstäblich im Untergrund Strippen gezogen
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werden. Und das Interesse darin ist vor allen Dingen arischer Natur, weißes Amerika.
Florian Clauß
0:21:14–0:21:20
Genau, und eine Bedingung, um in diesem Club aufgenommen werden zu können, ist, dass man,
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bis in seine Urgroßelterngeneration nachweisen kann, dass man keinen Kontakt
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zu einer nicht-weißen Frau oder Mann gehabt hat.
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Und das ist natürlich für den Lockjaw der Impuls, dass dann die Beziehung zu
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Perfidia, wo das Kind rausgekommen ist, das im Prinzip zu vertuschen.
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Und er macht sich dann los, die Tochter zu finden.
Micz Flor
0:21:50–0:21:55
Er weiß es aber selber auch nicht, ob das Kind wirklich seins ist. Er weiß es nicht.
Florian Clauß
0:21:55–0:22:00
Genau, er weiß es nicht in dem Moment, aber allein die Vermutung,
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es ist eine besessenen Aktion, da loszugehen.
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Und er hat aber auch irgendwie diese Mittel, das zu machen.
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Er scheint ja da irgendwie auch eine Budgetfreiheit zu haben.
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Aber das ist so der Moment, wo dann eben dieses etwas spießige Leben von den
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alternden Kiffer, nämlich Leonardo DiCaprio mit seiner Tochter,
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bemüht sich dann halt auch so, dass sie dann halt auch Halt findet und so weiter.
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Und die Tochter ist aber auch so in der Community ganz gut angesehen.
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Also das heißt, sie hat dann auch ihre Buddies und so weiter.
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Aber da geht jetzt so die Jagd los. Ja, dann fängt quasi die Flucht an.
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Und es wird dann so ein Hide-and-Seek-Film.
0:22:45–0:22:48
Eigentlich, und ich würde auch sagen, das wäre eine These, die können wir auch
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gerne nochmal diskutieren, es wird zu einem Roadmovie, mehr oder weniger.
0:22:53–0:23:00
Es hat so klassische Elemente des Roadmovies, also jetzt schon die zweite Überlappung
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zu vorherigen Folgen, Roadmovie.
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Ich würde tatsächlich sagen, dass der Film One Battle After Another die Kriterien
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eines Roadmovies entspricht.
Micz Flor
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Kannst du damit jetzt ex post factum an dieser Stelle das in deine,
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Sub-Serie einsortieren.
Florian Clauß
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Das könnte ich machen. Habe ich mir auch schon überlegt, ob ich das so tituliere.
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Aber genau, lass uns das dann noch mal so genauer untersuchen. Die Flucht beginnt.
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Der Colonel rückt dann auch der Tochter sehr nahe an einem Schulball in ihrer Highschool.
Micz Flor
0:23:35–0:23:39
Also vielleicht kann ich ganz kurz was noch ergänzen, was ich wichtig finde für das Verständnis.
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Also es gibt diesen Colonel Lockjaw, der ist halt sehr, sehr skrupellos und
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der ist in einer Hierarchie eingebunden, das ist das Militär.
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Da hat er eine bestimmte Position und nutzt da seine Macht einfach nach Gutdünken.
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Auch die Attacke auf dieses Dorf, wo er vermutet, dass die ist oder wo er es
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rausgefunden hat, dass seine mögliche Tochter da ist, da wird einfach gelogen,
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warum die da einfallen. Er ist völlig skrupellos.
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Es geht ihm nur darum, und das ist wichtig, glaube ich, dass es diese zweite
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Hierarchie gibt, neben dem Militär diese evangelisch-evangelikale arische Bund.
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In deren Hierarchie möchte er eingegliedert werden.
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Und das ist seine einzige Verwundbarkeit. Er hat ja schon alles,
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aber weil er das noch will, wird er da auf einmal sehr submissiv und so ein
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bisschen unterwürfig und versucht Spuren zu verwischen.
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Ist da auch insofern skrupellos, als dass er lügt.
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Er will halt das alles schnell beseitigen. Sollte es wirklich seine Tochter sein?
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Aber das ist so ein bisschen, finde ich, nochmal ein wichtiges Bild.
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Er geht buchstäblich gerne auch über Leichen, wenn es sein muss,
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und nutzt seine Macht aus. Also er hat kein Gewissen.
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Und er wird nur dann irgendwie fragil, wenn er in einer Hierarchie Widerstand
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von oben erlebt, sozusagen.
Florian Clauß
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Ja, oder er dann sexuell so aktiviert wird, dass er halt auch dieses Demütige
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bekommt in dieser Beziehung zu Perfidia.
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Da hat er auch was extrem Demütiges und er ist dann, also das ist halt so ungreifbar in dieser Person.
Micz Flor
0:25:18–0:25:20
Ja, Devot würde man glaube ich sagen.
Florian Clauß
0:25:20–0:25:26
Devot ist das Unterwürfige. Ja, vielleicht ist Devot dann noch passender an der Stelle.
Micz Flor
0:25:26–0:25:29
Ja, aber das finde ich wichtig, weil jetzt geht es nämlich damit los,
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dass er unter falschen vorgeschobenen Gründen eine ganze Stadt sozusagen lahmlegt
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und in den Notstand versetzt. Mit...
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Trainierten Militärs.
Florian Clauß
0:25:42–0:25:45
Genau, und er hat eben noch eine
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andere Aktion, nämlich diese French 75 hochzunehmen, das als Motivation.
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Und die, wie man auch erfährt, funktioniert noch als Organisation.
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Nämlich der Bob wird auch gewarnt vor denen und es beginnt diese Flucht.
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Man lernt dann halt auch noch die Strukturen dieser Revolutionsgruppe kennen.
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Dieses Protokoll, was eben da gemacht werden muss, um damit man sich wieder
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zusammenfindet, damit man halt auch irgendwie in den Untergrund gehen kann und
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so weiter, die richtigen Kontaktpersonen trifft, auch die vertrauensvollen Kontaktpersonen.
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Da gibt's noch diese andere Geschichte, das ist halt zwei Sender.
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Wenn die zusammenkommen, dann spielen die halt eine Melodie.
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Und dann wird der eine Sender, dem bekommt dann die Tochter.
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Und der andere den behält er oder
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den hat noch eine andere person aus der vergangenheit und da meint der vater
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eben zu seiner tochter wenn du diese melodie hörst dann ist das eine absolut
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vertrauenswürdige person also das ist ja auch dann noch mal so ein hitchcock
0:26:54–0:26:59
moment in dem film mit dieser melodie die dann halt gespielt wird dann versucht eben die,
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Kontakt zu bekommen. Er weiß noch nicht genau, wo der nächste Kontakt dort ist.
0:27:04–0:27:06
Und da kommt es zu dieser Telefon.
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Geschichte, die du schon erwähnt hast. Da gibt es eine ganz bestimmte Passwortabfolge.
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Also die sind so irgendwelche Gedichte oder irgendwelche absurden Antworten und Fragen.
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Und er kann sich dann halt bei der dritten...
Micz Flor
0:27:19–0:27:25
Das ist so ein kleiner Dialog ist das. Das heißt, er hat schon am Telefon, eine Person sagt was.
0:27:25–0:27:28
Ich weiß auch nicht mehr, was es war, aber sagt was. dann kommt die Antwort,
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dann kommt wieder was, dann kommt wieder die Antwort und das hat er,
0:27:31–0:27:34
glaube ich, schon zwei Dinge hat er richtig, aber dann beim letzten fällt es ihm nicht mehr ein.
Florian Clauß
0:27:34–0:27:35
Genau.
Micz Flor
0:27:35–0:27:37
Irgendwas geht es um Zeit oder irgendwas mit Zeit.
Florian Clauß
0:27:37–0:27:41
Ja, und er sagt so, nein, ich komme nicht und ich habe mir irgendwie das Gehirn
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weggekifft und ich weiß es nicht mehr, es ist so lange her und der andere sagt, nope.
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Er hat schon so großartige Momente dieser Filme, wo er echt lacht.
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Also man lernt dann auch später den Typen kennen in der Zentrale.
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Der da halt gesagt hat, nee, du kommst hier nicht weiter.
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Es spricht auch für diese Organisation. Du hast ja dann auch so viele dogmatische
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Leute, die dann da drin sitzen und sagen so, nö, das ist nicht nach Protokoll,
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das kann ich nicht akzeptieren.
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Es beginnt also eine Fluchtgeschichte, wo Bob dann mit seiner Tochter Unterschlupf sucht.
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Er kommt auf den Benicio del Toro. Das ist auch einer der im Migrantenbereich,
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da an der Grenze zu Mexiko, dann mehr oder weniger so eine führende Funktion hat.
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Und auch so ein Netzwerk aktivieren kann, um halt auch da bei der Flucht ihm zu helfen.
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Die haben auch Fluchtpläne, die können dann halt ein ganzes Einkaufszentrum,
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können die dann halt auch entsprechend evakuieren.
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Also sie sind auch vorbereitet, man merkt halt auch da die Strukturen.
Micz Flor
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Und Benicio del Toro ist auch der Martial-Arts-Trainer der Tochter.
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Also die hat von ihm gelernt zu kämpfen.
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Und er ist gleichzeitig ein sehr ausgeglichener, ruhiger Mensch.
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Und das ist eine, so von der Spannung zwischen den Figuren, das ist für mich
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so eine der Lieblingsszenen.
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Also Del Toro braucht nicht zu helfen.
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Und auch dem, wie heißt der nochmal, DiCaprio braucht er eigentlich nicht zu
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helfen, aber er macht es dann halt trotzdem.
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Man merkt in allem, was der tut, ist, dass er überhaupt keine Eile hat.
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Und ich finde, das ist halt eben auch so dieses Bild durch ihn hindurch in die
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lange, lange, lange Geschichte der Vertreibung von indigenen Bevölkerung und so weiter.
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Also wir kennen das schon. One battle after another passt da eigentlich auch
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ganz gut, weil er zeigt halt so keinen Stress. Das passiert dauernd.
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Es ist scheiße, es wird nie aufhören. Aber wir haben jetzt unseren Weg gefunden,
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wie wir dem so weit als möglich aus dem Weg gehen können. Und das ist alles
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sehr banal und auch nicht martialisch, sondern eher Rückzug und Flucht.
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Aber die Mechanismen greifen so.
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Und während Leonardo DiCaprio völlig überfordert ist, ist der überhaupt nicht
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angefasst von dem ganzen Ding.
Florian Clauß
0:30:08–0:30:09
Ja, das ist toll.
Micz Flor
0:30:09–0:30:13
Ich finde, das spielt er sehr gut, aber das finde ich auch für die ganze Geschichte
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sehr gut. Dass da irgendwas so ein bisschen drinsteht, diese Engständigkeit.
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Die Amerikaner machen sich so ihren eigenen Stress die ganze Zeit, aber,
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Bei ihm ist da irgendwie ein Wissen über die Jahrhunderte, dass es einfach nur
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one battle after another ist.
Florian Clauß
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Genau, also während Leonardo DiCaprio die ganze Zeit hyperventiliert,
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ist er derjenige, der die ganze Zeit die Verbindung hält, die Sachen checkt.
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Ja, es gibt dann auch so eine...
Micz Flor
0:30:44–0:30:49
Und auch ja fast hunderte, gefühlt hunderte von Leuten mitdirigiert und begleitet,
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um da irgendwie einen Weg rauszufinden aus der militärischen Besatzung.
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Diese eine Szene, die wurde ja auch viel rumgereicht, wo Benicio del Toro schon
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fast so im Keller ist und fast weggeht.
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Und dann sagt Leonardo DiCaprio so fast verzweifelt irgendwas im Sinne von Klassenkampf
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oder so und hebt so die Faust.
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Und der Toro, vive la revolution vielleicht, sagt er sowas.
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Und Leonardo DiCaprio ist fast verzweifelt, das zu sagen.
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Er braucht es irgendwie so als Aktivierung.
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Und bei Nicolai Toro sagt es dann auch so, hebt so die Faust und rutscht dann
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aber einfach so in diese Höhle. Dann klappt es zu und der Teppich rollt drüber.
Florian Clauß
0:31:36–0:31:41
Also man muss auch sagen, dass die Tochter extrem cool mit der Situation umgeht.
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Also sie ist schon so die abgeklärte, die vernünftige in dieser Beziehung zu Leonardo DiCaprio.
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Sie hat eigentlich mehr Durchblick als ihr Vater und organisiert sich halt selbst.
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Also man merkt schon, dass...
Micz Flor
0:31:57–0:32:01
Nein, also ich finde, sie denkt halt, der Papa erzählt eh nie die Wahrheit.
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Das weiß sie ja sowieso, spürt auch irgendwas ist da, aber es klingt alles irgendwie so mit Andeutung.
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Die ist, glaube ich, von ihm ziemlich genervt und irgendwo auch ein bisschen
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enttäuscht. Aber natürlich ist es ihr Vater und sie,
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So habe ich das erlebt. Und sie ist eigentlich ja dann in dem Moment,
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wenn das alles losgeht, irgendwie schon überfordert, wird nur an die Hand genommen,
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rennt dann auch weg mit einer anderen aus der revolutionären Gruppe, die sie abholen will.
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Und dann ist es ja auch so, dass sie sich dann eben in ihrem Dickkopf,
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was man ihr später auch vorwirft, weil sie eben die Tochter ihrer Mutter ist,
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die, wie hast du vorhin gesagt, durchtrieben, aber dickköpfig eben auch ist,
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dass sie gebeten wird, bitte auf jeden Fall Mobiltelefone alles wegzuschmeißen,
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macht sie es dann halt eben doch nicht.
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Und das wird dann ihr nicht, aber der anderen, die sie gerettet hat, wird es zum Verhängnis.
Florian Clauß
0:32:53–0:32:57
Ja doch, ihr ja auch, weil darüber können sie sie halt orten bei den Nonnen.
Micz Flor
0:32:57–0:32:59
Nee, aber sie kommt ja zum Schluss frei.
Florian Clauß
0:32:59–0:33:01
Ja, sie kommt frei.
Micz Flor
0:33:01–0:33:05
Aber die Kollegin hat es erwischt. Die kommt und wird abgeführt vom Militär mit Tränen.
Florian Clauß
0:33:05–0:33:09
Ja, aber da passiert ja im Prinzip auch der Show dort.
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Also sie kommt ja nicht wirklich frei, sondern der Lockjaw wird ja einfach aus
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dem Verkehr gezogen. Aber da kommen wir nochmal hin.
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Davor, diese andere Figur, die dann halt die Tochter mitnimmt,
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das wird dann halt auch über diese Erkennungsmelodie gepflanzt.
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Das heißt, sie hat das andere gerät und darüber passt sie halt auch Vertrauen
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zu der Person und lässt sich dann auch anleiten und geht mit ihr mit.
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Während eben Leonardo DiCaprio noch das Passwort vergessen hat und einfach total
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abgehängt wird und nicht so richtig dann halt auch zu dem Treffpunkt dann weiß als nächstes.
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Und das ist auch so eine schöne Szene.
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Das sind halt auch so Szenen, die eigentlich aus so einem Coen Brothers Film
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oder Big Lebowski und so sind, wo er dann von diesen drei langhaarigen.
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Skatertypen. Die sieht man schon vorher in der Szene, wo die dann halt mit den
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Benicio del Toro dann sprechen und die checken halt.
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Die fahren immer mit Skateboards, sehen halt auch so ein bisschen aus wie die
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Bee Gees, ja, so Surfertypen mit langen Haaren und so, aber so ganz eleganten Bewegungen, ja.
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Und die holen ihn dann halt auch ab und er muss ihnen folgen,
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also ihnen jetzt Leonardo DiCaprio. Und die sind halt unglaublich sportlich
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und du siehst die dann halt immer so im Halbschatten über die Dächer hüpfen.
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Leonardo DiCaprio hat ein paar Probleme hinterher zu kommen.
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Und dann gibt es halt so einen Absatz vom Dach, wo die dann halt drüber fliegen, fast so elegant.
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Und er hüpft und fällt einfach komplett runter.
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Also irgendwie über zehn Meter dann über so einen Baum und landet dann halt
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auf dem Asphalt. und in dem Moment kommt ein Polizist um die Ecke und tasert ihn.
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Und er ist dann halt irgendwie in Gewahrsam. Also so ein großartiger Moment,
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wo dann denkst du, hä, hä, hä?
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Weil die halt nie warten können und ihren Tempo dann weglaufen.
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Und er kommt nicht hinterher und das ist halt so, okay, jetzt nochmal andere Richtung.
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Und er wird dann auch aus diesem Gefängnis dann eben von dem anderen befreit.
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Das ist auch lustig, weil du ihn dann so, er ist total die ausgelegene Figur,
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aber eigentlich will er die ganze Zeit nur Bier trinken.
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Das ist halt auch die, dass sie erst mal Bier im Auto trinken und dann halt
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weiterfahren. Also irgendwie haben die auch die Ruhe, dann noch das Bier zu trinken.
Micz Flor
0:35:30–0:35:32
Ich habe das ja auch da auf...
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Podcast-Social hochgeladenes Bild, wo links ist unser Podcast-Bild von uns beiden Essen-Suppe.
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Und da steht eigentlich drauf.
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Und rechts dann dieses Bild, wo Leonardo DiCaprio und Del Toro mit dieser Bierdose im Auto sitzen.
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Und irgendwie, das meine ich jetzt gar nicht, dass wir so cool aussehen,
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aber irgendwie erinnern die mich an uns in dem Bild. Irgendwas ist da drin.
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Und da steht dann gelegentlich drauf.
Florian Clauß
0:36:02–0:36:06
Das kann ich gelegentlich, genau. Das kann ich dann auch nochmal zur Episode packen.
Micz Flor
0:36:06–0:36:09
Eigentlich gelegentlich. Ich fand es lustig.
Florian Clauß
0:36:09–0:36:10
Ja, sehr gut.
Micz Flor
0:36:10–0:36:13
Befreit ihn und packt ihn ins Auto und sie flüchten.
Florian Clauß
0:36:13–0:36:19
Die flüchten und dann eben man kann nochmal kurz Parallelen zum Buch aufmachen.
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Dieser Karate-Lehrer, den gibt es auch als Figur tatsächlich.
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Das ist eine Lehrerin in Wineland, die dann die Tochter unterrichtet.
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Und es gibt.
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Dann noch so eine spirituelle Gemeinschaft, die Tanoiden oder sowas,
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die dann quasi Traumata der 68er verarbeiten.
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Aber die aber auch so eine magische, kulturelle Gemeinschaft sind.
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Es gibt in dem Film, nicht so, das ist nicht so die Parallele,
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aber es gibt ein In der Wüste.
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Wir sind auch in der Wüste und das ist auch nochmal so ein ganz klassisches
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Merkmal von Roadmovies.
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Nämlich, dass sie halt im Westen von der USA spielen, in der Wüste.
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Und der ganze Showdown findet halt in der Wüste statt.
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Da gibt es ein Kloster von Nonnen geführt, die aber auch der Bewegung angeschlossen,
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also als vertrauenswürdig gelten.
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Und da fliehen eben Villa und die andere aus der Gruppe fliehen dahin und finden auch Unterschlupf.
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Also da haben die auf jeden Fall so ein Cover für die Tochter,
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dass sie da erstmal bleiben kann.
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Aber weil dann eben Willa das Handy mitgenommen hat, hat das mehrmals verleugnet,
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ist sie geordet und es gibt dann halt auch nur die Möglichkeit,
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dass es dieses Nonnenkloster ist, wo die unterkommen, weil weit und breit ist da halt nix.
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Die sehen dann halt, okay, hier in der Wüste wurde das Handy geordet.
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Was gibt es in der Nähe? Ah, da gibt es die linken Nonnen. Na gut,
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da gehen wir halt hin. Dann brechen die das Kloster ein, finden da halt auch
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die Komplizien und überführen die Tochter.
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Und dann zwingt eben der Colonel die Tochter zum Vaterschaftstest,
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weil er dann Gewissheit haben will. Auch eine großartige Szene.
Micz Flor
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Er sagt dir ganz klar, wenn alle Sachen auf einer Linie stehen bleiben,
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dann bist du tot. Und wenn nicht, hast du Glück gehabt.
Florian Clauß
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Genau, dann kannst du gehen. Ja, aber es bleibt, es kommt, wie es kommen muss,
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und es bleibt alles auf einer Linie stehen.
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Das heißt, sie muss dann halt getötet werden, damit der Colonel in seine Gemeinschaft
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da aufgenommen werden kann.
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Gleichzeitig hat dann auch Bob das Kloster gefunden.
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Weiß, wo die sind, er stellt sich dann quasi mit einem Gewehr,
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mit dem er dann vom Weiten ein Zielfeuernrohr dann da auf den Körnel zielt,
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ja, aber ihn verfehlt und er wird dann auch zu dem Gejagten.
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Also es beginnt dann eben so eine Verfolgungsjagd in der Wüste.
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Das hängt natürlich auch mit den Autos zusammen. Die Tochter wird...
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Ja, die wird im Prinzip von so einem Kurier zu so einem Auftragsmörder geführt,
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die es auch alles so voll tätowierte, rechte Neonazis sind.
Micz Flor
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Ja, und auch irgendwie so Soldatenmäßig. Ich hatte gedacht, dass es wirklich
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auch Leute sind, die in der Armee sind und dann nebenher aber mit Mord noch
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sich was dazu verdienen.
Florian Clauß
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Ja, ich hatte eher das Gefühl, es ist eine Privatarmee, wie es dann halt da
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im Süden von Amerika, wie man das dann halt auch so antreffen könnte.
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Also hoch militarisiert, rechte Leute.
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Es kommt noch so zu einer Szene, die mich auch wieder an viele Filme aus der
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Wüste, also wie jetzt zum Beispiel Breaking Bad oder Better Call Saul oder Zabriskie
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Point, wo dann halt die Tochter übergeben wird an den Kurier.
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Der guckt sich das halt an, das ist auch so ein Indigener, guckt sich das halt
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an und meint also, nee, keine Kinder.
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Er hat ja schon gewisse Grundsätze, aber er meint so, du kriegst das doppelt.
Micz Flor
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Das ist nicht cool, zuerst soll er sie ja umbringen direkt.
Florian Clauß
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Ja, genau, er soll sie erst umbringen und dann sagt er, verneint dann,
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macht er nicht, weil er Grundsätze hat.
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Und dann soll er eben dahin fahren, zu diesen Rechten.
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Und es ist halt so eine Wendung in der Geschichte, dass dann der Kurier,
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weil er selber auch eben rassistisch beleidigt wird und man merkt schon,
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es ist nicht das erste Mal, dass er so beleidigt wird,
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dass er dann halt einfach so einen Amoklauf dann alle umbringt, bis auf die Tochter.
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Also irgendwie wird er auf einmal zu einem Schützer und alle sind tot und die
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Tochter nimmt dann eben das Auto.
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Das ist halt auch so ein, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall so ein schweres Auto mit viel PS.
Micz Flor
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Ja, es sieht aus wie so ein weißer Tesla, irgendwie aber so ein neues Design,
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irgendwie so ein neues Auto.
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Jetzt kein klassisches Roadmovie-Auto, was halt irgendwie so Volvo wäre oder
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einen mit so langen Flügeln, sondern es passt irgendwie gar nicht,
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finde ich, so richtig in den Film rein.
Florian Clauß
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Ich finde schon, weil das dann wieder anfängt, auf dieser Sound-Ebene so brutal zu werden.
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Dann denkst du, du bist ja wieder hier in Mad Max, wo dann halt auch die Leinwand
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vibriert aufgrund von diesem ganzen Petroleum, was da halt irgendwie durch die
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Auspuff da gepumpt wird.
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Also es kriegt schon so eine unglaubliche Intensität.
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Also die kann halt auch Autofahren.
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Das finde ich schon toll, dass die da halt auch so diese innere Heldenreise,
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wie wir auch mal ein paar Mal schon erwähnt haben, dann auch so mitmacht und
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da auch kompetent wird und einfach auch sich verteidigen kann.
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Und es gibt dann halt diese Verfolgungsjagd. Der Colonel kriegt das mit,
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fährt hinterher und dann gibt es diesen Moment.
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Wo im Prinzip, das ist auch nochmal so die Vorgeschichte, die Christian Adventures
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kriegen schon mit, dass der Colonel gerade hier so seine Soloaktion macht und
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wissen auch warum und schicken.
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Und dann sagt der eine so, ich löse das Problem und letztendlich schießt er
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dann den Körnel auch mitten, weil die werden auch gerade von drei Autos verfolgt,
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wird der Körnel bei seiner Verfolgungsjagd, wird er dann ins Gesicht geschossen
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und ausgenockt, ja. Und...
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Der andere kriegt dann mit, okay, da ist die Tochter und es ist auch klar,
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dass er die beseitigen muss.
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Und hinten kommt der Vater. Also wir haben hier wirklich so eine Perlenkette
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an Fluchtverfolgung, wo der eine nicht weiß, dass der andere die verfolgt.
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Und wir folgen denen auf diesen großartigen Straßen.
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Da finde ich, hat der Film so eine ganz starke visuelle Kraft und einen Showdown,
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wie ich den lange nicht mehr gesehen habe. Nämlich das sind in der Wüste so
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Straßen, die dann halt immer so durch kleine Hügel, also es geht auf und ab.
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Und da wird schon ganz am Anfang dieser Verfolgungsjagd gepflanzt,
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dass man immer nicht diese Sichtachse hat, was kommt danach,
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wenn die Straße wieder abfällt.
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Und dann hast du dieses Motorengeräusch dazu und diese verschiedenen Inneneinsichten,
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wo dann halt der Vater die anderen verfolgt und diesen unterschiedlichen Motorentyp,
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die dann halt die ganze Zeit rühren und die über diese Hubbelstraßen mit der
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brennenden Sonne dann halt sich gegenseitig verfolgen.
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Und das finde ich einen ganz starken Moment von dem Film.
Micz Flor
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Finde ich auch. Ich fand, es wurde ein bisschen zu sehr überspielt.
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Aber wie gesagt, wir haben so eine grundlegende Gegenseite.
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Können wir vielleicht nachher nach der Erzählung der Geschichte erst nochmal
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reingehen. Wir können beide übereinstimmen, dass die Geschichte,
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die wir erzählen, die gleiche ist.
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Aber die Bewertung der Geschichte können wir danach nochmal angehen.
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Aber ja, das ist faktisch richtig. Es ist eine Straße, die immer rauf und runter, rauf und runter.
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Und da fahren die Autos drüber. Und die Straße wird dann strategisch genutzt von der Tochter.
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Die Tochter fährt dann über so einen Hugel drüber, tritt voll auf die Bremse,
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rennt aus dem Auto, verschanzt sich nebenan. und im Hintergrund kommt der,
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Killer aus dieser...
Florian Clauß
0:44:08–0:44:09
Christian Adventures.
Micz Flor
0:44:09–0:44:14
Ja, und schafft es nicht zu bremsen und rast dann halt voll ins Auto rein.
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Überlebt aber und kommt raus, humpelt raus, sieht sie.
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Er ist nicht quasi schussbereit, er muss ihn noch schussbereit machen.
0:44:26–0:44:29
Sie zielt auf ihn mit einer Pistole, wo ich nicht mehr weiß, wo sie die hat.
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Ich glaube, vielleicht war die schon im Auto oder hat sie dann mitgenommen vorne.
Florian Clauß
0:44:33–0:44:36
Die hat sie, glaube ich, von den rechten Leuten aus dem Auto mitgenommen.
Micz Flor
0:44:37–0:44:40
Ja, weiß ich nicht mehr. Aber auf jeden Fall ist sie dann auch noch fair,
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weil sie irgendwie in dieser ganzen Verwirrung jetzt nochmal deutlich macht,
0:44:44–0:44:47
dass sie eigentlich überhaupt nicht mehr weiß, was hier los ist.
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Und dann diesen Code abfragt, den ihr Vater ihr noch beigebracht hat.
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Also so ein Minimal-Code, ich weiß nicht mehr genau, was es ist.
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Und sie fragt dann den einen Teil dieser Passphrase.
Florian Clauß
0:44:58–0:45:03
Nee, aber das ist nicht dem anderen Typen. Und der wird erschossen.
Micz Flor
0:45:03–0:45:04
Genau.
Florian Clauß
0:45:04–0:45:09
Aber ihr Vater kommt dann hinten raus. Und da fragt sie ab, weil sie so teilt durcheinander.
Micz Flor
0:45:09–0:45:13
Nein, sie fragt bei dem Typ, der aus dem Auto kommt. Fragt sie auch.
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Fragt sie, und der kann halt nicht antworten, zieht die Pistole, dann erschießt sie ihn.
0:45:19–0:45:20
Und dann kommt der Vater.
Florian Clauß
0:45:21–0:45:24
Ah ja, okay, genau. Aber da ist sie immer noch in diesem Film drin,
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weil sie auch komplett drüber, sie hat gerade jemanden umgebracht.
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Und da fragt sie auch den Code. Und sie kann es überhaupt nicht realisieren, dass es ihr Vater ist.
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Aber ich finde es auch so toll, dass ihr Vater die ganze Zeit bei ihr ist.
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Die Frage ist, wie kommt er dann halt irgendwie eine Minute später da hin?
Micz Flor
0:45:39–0:45:42
Er sieht ja das weiße Auto vorbeifahren, wo er hinten drin sitzt.
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Und man denkt halt, oh nein, falsche Richtung.
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Gibt es doch noch irgendwie eine Szene, wo er dann auch so ganz,
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so wie er halt so ein bisschen so naiv verdröppelt, dann irgendwie Leute auf
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einer Bank oder sowas fragt, in welche Richtung ist das Auto gefahren.
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Die zeigen ihm dann die richtige Richtung.
0:46:00–0:46:03
Irgendwann kriegt er es auch zusammen im Kopf. und dann weißt du,
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was Sache ist und nimmt die richtige Spur.
Florian Clauß
0:46:06–0:46:10
Und dann ist die Tochter gerettet und der Frieden wieder hergestellt.
0:46:11–0:46:16
Dann gibt es auch einen Epilog, wo dann rauskommt, dass der Körnel dann nicht
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tot ist, hat es überlebt.
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Und man sieht dann noch irgendwie, dass er zu dieser Küche...
Micz Flor
0:46:21–0:46:27
Man sieht ihn da schon wie Androiden-like mit halb zerfetztem,
0:46:27–0:46:29
blutigem Gesicht über die Straße laufen sogar.
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Also in der Wüste, das sieht man als erste Einstellung.
0:46:33–0:46:36
Der eben noch kopfüber im umgestürzten Auto, nachdem er ins Gesicht geschossen
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ist, halbe Gesicht weggefetzt.
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Er hat die Knarre umgehängt und läuft halt so klack, klack, klack,
0:46:42–0:46:45
klack, klack, so Terminator-mäßig durch die Wüste.
Florian Clauß
0:46:46–0:46:49
Er wird dann wieder zu dieser Gruppe eingeladen.
Micz Flor
0:46:49–0:46:53
Das ist dann auch viel später. Man sieht dann, dass sein Gesicht so zusammengeklammert wurde.
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Es ist alles verheilt. Er ist im Anzug, ist nicht mehr in militärischer Uniform.
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Und hat jetzt scheinbar den Sprung geschafft und wird jetzt scheinbar in diese
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Parallelhierarchie aufgenommen,
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und wird dann eben in das, was ich vorhin meinte, dieses große Gebäude geführt,
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in dem es einen unfassbar schönen Ausblick aus irgendwelchen Büros gibt, wo man das Gefühl hat,
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wenn Leute wie der Körner in solchen Büros sitzen, wozu brauchen die überhaupt ein Büro?
0:47:20–0:47:24
Die wissen ja eh nichts damit zu tun, aber es gibt dieses Büro und da wird er reingeführt.
Florian Clauß
0:47:25–0:47:29
Und er muss sich dann auch rechtfertigen, weil die das dann halt auch mitbekommen
0:47:29–0:47:35
haben und er sagte, er wurde eben von der von der Schwarzen vergewaltigt, ja.
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Wird der dann halt so aufgenommen und das ist auch der emotionalste Moment der
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Figur, wo er dann halt sich eine Träne aus dem Gesicht wegwischt und in einem
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Büro überführt und dann gesagt,
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hier ist sein Büro und er setzt sich auf den Stuhl und dann wird aber in dieses
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Büro Giftgas eingeleitet und wird einfach beseitigt.
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Eine Tragikomik, finde ich auch wieder ganz stark. Das ist ja überhaupt,
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Dass er es überhaupt nochmal vorsprechen konnte und dann hat das überhaupt keine Relevanz.
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Das ist klar, er hat gegen den Kodex verstoßen.
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Er ist absolut nicht aufnahmefähig, aber wir müssen ihn beseitigen.
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Und allein, wie du sagst, diese Architektur und dass sie dann trotzdem da so
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ein Giftgas-System haben.
Micz Flor
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Ja, ich finde da nochmal wichtig zu sagen, dass es auch nochmal zeigt,
0:48:28–0:48:30
wie mächtig diese Organisation ist.
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Weil er ist in so einem Eckbüro, wo man wirklich rausgucken kann auch.
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Also es ist komplette Transparenz in gewisser Weise.
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Von außen kann man gefühlt dann eben auch reinschauen. Und trotzdem können die
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da drin einfach umbringen und entsorgen.
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Es ist gar kein logistischer Aufwand. Das ist so eine Nebensache.
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Und die müssen nichts vertuschen, müssen nichts verstecken, nichts im Geheim machen.
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Einfach wird ja da jetzt so hingesetzt, vergast, abgeschleppt.
Florian Clauß
0:48:59–0:49:04
Und dann kommen halt so Helfertypen, die dann halt in so Vollschutzanzügen sind
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und tragen ihn da raus und das ist schon sehr bitter an der Stelle.
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Willa, die die Beziehung zu ihrer Mutter auf ihr lastet, dass die sich nie gemeldet
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hat, es gibt auch dann so ein offenes Ende, der Bob übergibt ihr dann einen Brief,
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der von ihr kommt, wo ich mir nicht sicher war, ob der tatsächlich die ganze
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Zeit da war oder ob er den selber geschrieben hat.
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Das ist nicht ganz klar, um halt auch da diesen Kontakt dann wieder herzustellen
0:49:35–0:49:38
beziehungsweise irgendwie abzuschließen, was mit der Mutter ist.
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Weil sie natürlich als Verräterin voll aus diesem ganzen Netz der Organisation geflogen ist.
0:49:46–0:49:50
Und das bringt aber auch Villa als Personenfigur zu sich selbst mehr.
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Eine der letzten Einstellungen ist dann halt, dass sie das Auto nimmt,
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was dann auch vorher schon so ein Knackpunkt war, ob sie schon fahren darf.
0:49:58–0:50:04
Aber sie hat quasi das Auto als Waffe eingesetzt in dieser legendären Szene.
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Und sie meinte, sie fährt jetzt zum nächsten Ort, da gibt es halt eine Demonstration,
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da würde sie sich gerne beteiligen.
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Also sie fängt dann quasi mit dem politischen Leben an an der Stelle.
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Und nimmt auch diesen Kampfgeist von ihrer Mutter mit.
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Also man merkt schon, dass sie da die Welt bewegen möchte.
0:50:24–0:50:26
Ja, so hört der Film auf, oder?
Micz Flor
0:50:26–0:50:31
Das ist die letzte Einstellung, dass sie losfährt. Und die Frage,
0:50:31–0:50:34
dann kommt der Abstand, weiß nicht mal, was da ist, aber die Frage,
0:50:34–0:50:36
die sich dann eben ergibt, ist, was...
0:50:37–0:50:41
Also gibt es was, was dieser Film uns sagen will?
Florian Clauß
0:50:41–0:50:44
Das sagst du jetzt so abschließend im Film, oder?
Micz Flor
0:50:44–0:50:47
Also es gibt, finde ich, zwei Ebenen, wie man so einen Film sich angucken kann.
0:50:47–0:50:52
Das eine ist, unabhängig davon, wie das jetzt inszeniert und dies und jenes,
0:50:52–0:50:55
so in der Summe gibt es her als eine Allegorie auf etwas anderes,
0:50:55–0:50:59
verweist es auf irgendwas, gibt es uns, wie man früher sagt,
0:50:59–0:51:00
so die Moral von der Geschichte mit?
0:51:01–0:51:03
Gibt es da eine klare Botschaft in dem Film?
Florian Clauß
0:51:03–0:51:04
Pragst du mich?
Micz Flor
0:51:04–0:51:08
Das wäre so eine Frage, die ich mir selber gestellt habe. Ich konnte sie mir nicht beantworten.
0:51:08–0:51:13
Also ich hatte, ja, also da kommen wir jetzt sozusagen in Anführungszeichen die Interpretation.
0:51:14–0:51:16
Und da kann ich sagen, ich kann gar nicht so viel interpretieren,
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weil mir das so ein bisschen gefehlt hat, so die Botschaft.
0:51:22–0:51:24
Und das klingt jetzt vielleicht ein bisschen platt, dass mir das so gefehlt
0:51:24–0:51:27
hat. Ich habe es aber wirklich nicht herstellen können.
0:51:27–0:51:31
Und dann ist die Ebene dahinter natürlich, hat mir der Film gefallen oder hat
0:51:31–0:51:34
er was mit mir gemacht? Oder was nehme ich da von dem Film mit?
0:51:35–0:51:38
Und da weiß ich noch, bin ich aus dem Kino gegangen, hab dann irgendwie gedacht, hm,
0:51:39–0:51:42
Ist jetzt gerade nicht so viel. Müssen wir mal gucken, ob ich in zwei Tagen,
0:51:42–0:51:45
manchmal dauert es ja ein bisschen, dann gibt es bestimmte Filme,
0:51:45–0:51:48
die bleiben bei einem, aber die kommen erst so ein bisschen verzögert.
0:51:49–0:51:52
Aber bei dem, da habe ich gar nicht mehr so viel dran gedacht,
0:51:53–0:51:56
bis du es dann gesagt hast, dass du den nochmal angeschaut hast.
0:51:56–0:52:02
Das ist jetzt sozusagen meine sehr emotionslose, neutrale Rücksicht.
0:52:03–0:52:07
Aber ich möchte damit nicht dein Feuer nehmen, den Film gut zu finden,
0:52:07–0:52:09
weil du fandst ihn ja sehr gut.
Florian Clauß
0:52:09–0:52:13
Fand ihn sehr gut, ja. Ich meine, klar, die Fragen, die du gestellt hast,
0:52:13–0:52:15
ich habe dann auch von Wolfgang M.
0:52:15–0:52:18
Schmidt die Filmanalyse dazu gehört.
Micz Flor
0:52:18–0:52:19
Wer ist das? Kenne ich den?
Florian Clauß
0:52:19–0:52:24
Den habe ich schon ein paar Mal zitiert. Also der macht die Filmanalyse,
0:52:24–0:52:29
macht auch mit dem Stefan Schulz den Podcast 29er.
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Mag ich sehr.
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In der Filmanalyse hat er dann auch sich die Frage gestellt,
0:52:34–0:52:37
ist das ein politischer Film? Eher nein.
0:52:38–0:52:44
Der Film wurde dann so vermarktet, als der Film, den Trump nicht sehen möchte.
0:52:44–0:52:48
Er hat so bewusst das linke Publikum von Amerika ansprechen wollen.
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Ich finde aber, es ist nicht wichtig bei dem Film.
0:52:53–0:52:57
Ich glaube, da ist er wirklich so im Erbe der Postmoderne. Das ist halt,
0:52:58–0:53:04
Eigentlich die Geschichte völlig willkürlich ist, dass das nicht so klar ist, was erzählt wird.
0:53:04–0:53:09
Es sind so ganz viele Stränge, die da erzählt werden, aber es gibt nicht das
0:53:09–0:53:11
Narrativ, das Übergeordnete und so.
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Es gibt schon so Stränge, die dann, ja, eine Aussage fehlt schon so.
0:53:19–0:53:23
Deswegen ist man da nicht so nachhaltig bewegt aus dem Film.
0:53:23–0:53:28
Aber ich fand das halt in seiner Art, in der Leichtigkeit, wie er dann halt
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die Erzählung macht und in die Geschichte von Vater-Tochter-Beziehung und vor
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allem diese großartige, dass man das noch machen kann,
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eine Verfolgungsjagd in der Wüste, die dann wirklich.
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In dieser Form alles zuvor Produzierte noch mal so in den Schatten stellt, ja.
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Das ist schon sehr bemerkenswert. Der Film ist in einem Format gedreht worden,
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also in 35 Millimeter Vista Vision,
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was seit den 1960er, damit wurde auch kein Film mehr gedreht,
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also über 80 Prozent der Szenen sind halt in 35 Millimeter gedreht worden in Analogfilm.
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Weil es auch ungewöhnlich ist. Aber gerade diese Wüstenszenen hat schon so eine
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ganz eigene Materialität.
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Und insofern ist das für mich ein guter Film, weil ich mich unterhalten habe.
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Also ich fand, da war jetzt, wie hast du es gerade gesagt, was möchte mir der Film erzählen?
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Ich glaube auch, gerade diese Beiläufigkeit von Erzählungen,
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diese Geschichten, die dann so vor sich hin stolpern und irgendwo hinführen.
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Mehr aus Zufall als dann halt wirklich aus so einer intrinsischen Motivation heraus.
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Das ist doch genau so, wie man dann halt auch das Leben so sehen kann.
Micz Flor
0:54:52–0:54:52
Ja.
Florian Clauß
0:54:53–0:54:55
Deswegen konnte ich da jetzt gut was mit...
Micz Flor
0:54:55–0:54:58
Ja, weiß ich nicht. Also da wäre ich, vielleicht habe ich, ich habe mich gefreut
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auf den Film. Ich war bereit, ihn zu mögen.
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Ich habe ihn, wie du gesagt hast, schon auf Deutsch gesehen, nicht auf Englisch.
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Aber ich glaube wirklich, dass das keinen großen Unterschied gemacht hat.
0:55:06–0:55:10
Aber wenn es dann wirklich so beliebig ist und man setzt sich dann ins Kino,
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dann sagt man erst Mittag, egal was jetzt kommt, es kann ein Film sein über
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das faschistische Militär in Amerika und Roadmovie oder ein Film über das Leben
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der Maulwürfe in Brandenburg oder ein Film,
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keine Ahnung, über ein Musical über Snowboarding.
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Wenn ich die gleiche Unterhaltung rauskriege, ist es mir inhaltlich völlig egal.
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Ich glaube, das kann man, also das kann ich zumindest nicht einfach so stehen lassen.
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Da denke ich dann schon, dass ich, ich wurde gut unterhalten.
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Das kann ich nicht so einfach stehen lassen, weil ich finde es ja nicht beliebig,
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worum es geht inhaltlich.
Florian Clauß
0:55:49–0:55:53
Nein, natürlich nicht, aber in dem Rahmen. Also diese ganzen Erwartungshaltungen,
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die man dann hat, wenn es darum geht, Das ist halt so eine linke Terrororganisation in Amerika.
0:56:01–0:56:06
Wenn wir jetzt die anderen Filmproduktionen, die da auch zu der Zeit rausgekommen
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sind, zum Beispiel von Ari Aster
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Eddington, wo es dann halt auch so diese Dios Ex Marina Antifa kommt.
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Ja, das ist halt so. Ich glaube, das ist schon gerade auch so eine Frage in
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Amerika, was bedeutet linke Politik.
0:56:21–0:56:26
Das finde ich schon irgendwie ganz gut gelöst, weil irgendwo kann man sich ja
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auch dann als derjenige, der dann dort lebt und auch eine andere politische
0:56:31–0:56:36
Meinung haben, kann man sich ja da auch wieder so wiederfinden, mehr oder weniger.
0:56:36–0:56:41
Also jetzt nicht in so einer Organisationsform, aber zumindest wird es ja dann angeboten.
0:56:41–0:56:45
Und das Angebot kann man annehmen, aber gleichzeitig, das was ich meine mit
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der Willkürlichkeit, ist eher dieser Cone-Politik.
0:56:50–0:56:51
Brothers-Effekt, ja.
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Dass diese Hauptfigur dann so irgendwie durch so einen Stolpern dann doch zu
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so einer Heldenfigur wird, ja.
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Also so irgendwie so reinrutscht und dann runterrutscht und dann auf einmal
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doch irgendwie mit dem Gewehr auf der Schulter dann da liegt und den Schrucken dann im Visier hat, ne.
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Also irgendwo passiert dann eine Entwicklung. Und die Tochter,
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die dann halt am Anfang eher so ein schüchternes Highschool-Mädchen ist,
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dann auf einmal so einen unglaublichen Plot hat, das Auto als diese Waffe,
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wie ich schon gesagt habe, einzusetzen.
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Das ist für mich dieser ultimative Hitchcock-Effekt.
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Und diese Mischung der Genres, also dem Thriller, dem Roadmovie,
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hin zu einer Romanverfilmung oder halt auch so ein Slapstick-Momente dabei hat.
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Ich finde diese Mischung total gut. Der Film ist recht lang.
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Ich glaube, knapp drei Stunden, 165 Minuten oder so. Und ich fand,
0:57:57–0:58:03
ich habe die Zeit jetzt nicht so lang erlebt, als ich im Kino drin war. Also es war schon lang.
Micz Flor
0:58:03–0:58:09
Es fiel mir wirklich schwer. Ich habe keine wirkliche Beziehung zu den Personen aufbauen können.
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Ich habe das am deutlichsten gemerkt, als das Teenage-Mädchen auf dem Stuhl
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gefesselt war und ich nicht.
0:58:16–0:58:20
Mich gefragt habe, oh Gott, wie schafft ihr es da raus? Wie kommt ihr raus im Himmelswild?
0:58:20–0:58:24
Der Film hat nichts in mir ausgelöst, wo ich so mitgefiebert habe.
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Ich fühlte mich da wirklich nicht gut begleitet.
0:58:27–0:58:28
Das liegt sicherlich eben an
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mir, anderen ging es anders. Aber für mich war es so, meinte ich ja vor.
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Also auf so einer Metaebene gibt es da eine Allegorie, irgendeine Botschaft oder so.
0:58:38–0:58:43
Dann kann ich schon verstehen, dass da, nee, ich weiß nicht,
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was die Botschaft sein soll. Weil auch diese Terrorzellen-Agitation mit den Raketendingern und so.
0:58:50–0:58:53
Also Leonardo DiCaprio kommt mir von Anfang an wie jemand vor,
0:58:53–0:58:57
der irgendwie überfordert ist und irgendwie da auch vielleicht nur drin ist,
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weil er sich verknallt hat in die Führerin. Das wird mir nicht wirklich klar.
0:59:01–0:59:05
Aber die brauchen ihn auf alle Fälle, weil er halt diese eine tolle Sache kann, Bomben bauen.
0:59:06–0:59:10
Dass er dann später eben auch immer überfordert bleibt, dass er...
0:59:13–0:59:17
Ich fand es mir teilweise zu Slapstick-mäßig. Nicht ernsthaft.
0:59:17–0:59:22
Also auch Leonardo DiCaprio guckt die ganze Zeit irgendwie mit so aufgerissenen
0:59:22–0:59:25
Kifferaugen und nach links und nach rechts und runter, versteck dich hoch und spring.
0:59:26–0:59:31
Und das ist wie so, wie Tom und Jerry. Wie wenn Tom in die Enge getrieben wird
0:59:31–0:59:33
von der Maus und dann irgendwie so rumrennt.
0:59:34–0:59:39
Ich fand es nicht lustig. Und mit der Szene, was du meinst, mit diesem Showdown,
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mit diesen Hügeln, die Autos und rauf und runter, rauf und runter.
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Hat auf alle Fälle einen cineastischen Effekt, dass man ähnlich wie so das typische
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Bild in Horrorfilmen oder in Traumsequenzen, wenn Leute auf diesem Karussell
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mit so Pferden sitzen, die so hoch und runter gehen.
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Es wird dann gefilmt und dann kann man da ganz viel inszenieren und es macht
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was mit dem Unbewussten.
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Dann wird so eingelullt und gleichzeitig wird man hoch alarmiert.
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Das ist da auch passiert aber es war mir irgendwie zu viel das war irgendwie,
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ich weiß auch nicht ich hab gedacht so, ja, I got it also ich meine.
Florian Clauß
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Ja, das ist mit dem hoch und runter, es hat was total hypnotisches in dem Moment
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für allen Nullen das, aber gleichzeitig bist du halt irgendwie so im klimatischen
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ganz oben, ne und ich finde, da ist es halt wieder so dieser.
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Roadmovie Aspekt dass du auf einmal oder überhaupt dieser Hitchcock dass dann
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halt auf einmal die Topographie, also das Gelände selber mit seinen Unebenheiten,
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Das wird die dramaturgische Spannung. Und das, ich finde es auf so einer Ebene,
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das, was Hitchcock halt gemacht hat, zu Genüge.
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Das ist halt so mit der unsichtbare Dritte und so weiter.
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Oder Spielberg mit Duell.
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Dass du dann dieses Climax dann wieder in so einer epischen,
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topografischen Erzählung drin hast.
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Und dass dann halt der Hügel dann selber zum Cliffhanger wird.
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Zu dem Plotpoint und da, wo dann eben das Böse gestoppt werden kann.
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Und das finde ich halt so großartig, dass man da nochmal so diese ganz Oldschool-Geschichten so umgesetzt hat.
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Und gleichzeitig diese cineastische Erfahrung dann auch so haben kann.
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Und das finde ich dem Film ganz toll gelungen, das muss ich sagen.
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Und ja, diese Willkürlichkeit, das wollte ich auch nochmal, das ist,
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glaube ich, so diese Romanvorlage, die dann halt auch von Wineland,
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wo diese Pünschengeschichte, ist ja auch so der Lockjaw.
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Also das haben wir jetzt in dem Film nicht unbedingt so. Es gibt schon so klassische
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dramaturgische Bögen, die da gespannt werden und auserzählt werden.
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Man ist bei den Figuren dabei und so weiter, aber in einem Roman in Wineland
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gibt es ja auch so einen Staatsanwalt, der dann halt die Tochter beseitigen möchte.
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Und der wird dann halt einfach so, weil ihm das Budget ausgeht, verschwindet der.
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Das heißt, mitten in dem höchsten dramaturgischen Moment ist er halt nicht mehr da.
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Das, was es halt irgendwie so eine Postmodern macht. Du kannst halt einfach
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so, nö, jetzt geht die Geschichte hier lang und es macht nichts.
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Das ist halt schon so dieser postmoderne Moment, den ich dann auch wieder bei den Filmen dann so sehe.
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Weil ja auch die Kamera, es gibt viele Dialoge, es gibt viele so Innenräume und so weiter.
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Also wie dann halt auch inszeniert wird und wie die Dialoge inszeniert.
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Das ist halt auch nicht so ein klassischer Actionfilm, sondern der ist irgendwo
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in between und wirkt dann so nach, aber auch auf so eine amüsanter Art.
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Und der hat mich halt einfach so in so eine amüsante Schwingung versetzt.
Micz Flor
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Ich hatte immer das Gefühl im Film, wie wenn man auf so eine Rennradschaltung
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fährt, die nicht gut eingestellt ist, man immer dann so zwischen den Ritzeln hin und her springt.
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Dass man nie so richtig endlich mal Gas geben kann. Die ganze Zeit immer so
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ein bisschen mit Vorbehalt, weil gleich wieder hinten die Kette kracht.
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So habe ich den erlebt. Wenn man darf, sich das politisch anzugucken,
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also ist mir jetzt nicht ganz klar, ob das nicht mehr erlaubt ist.
Florian Clauß
1:03:35–1:03:40
Da postmodern ist? Nee, klar. Ich meine, der Film will ja das.
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Also der will ja schon... Weil es ist eben auch in dieser Zeit.
Micz Flor
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In der Zeit, in der es martialische, militärische Mächte der Regierung irgendwie
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in Amerika auch in die Communities irgendwie einbrechen, da kann man nicht umhinder,
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irgendwie drüber nachzudenken, was das über die jetzige Zeit sagen möchte oder nicht.
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Da ist halt, wenn ich das nochmal so kurz zusammenfassen kann,
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Und es ist ja dann so, dass das Militär voll alarmiert ist, um halt diese Terrorzelle
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jetzt endlich nach 18 Jahren auszuheben.
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Die haben alle Spuren, die haben alles gefunden, die haben auch welche dann eingesperrt.
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Und Lockjaw wird dann angeschossen, überlebt. Und dann springen wir halt irgendwie
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in die Zukunft, in der verheilt ist und der alles andere ist.
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Und ich frage mich, was genau möchte ich jetzt mit diesem Ende tun?
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Also der Papa hat mit der Mama eine Terrorzelle.
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Die in Kauf genommen hat, Menschen umzubringen, die mit Bomben und Raketen und
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Waffen, geladenen Waffen, irgendwie losgerannt sind, ohne genau wissen zu können,
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ob sie das benutzen oder nicht und was passiert oder nicht, weil die politisch was bewegen wollten.
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Die Tochter muss das alles erstmal irgendwie schlucken. Und dann gibt es zum
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Schluss ein Happy End, wo der Papa und die Tochter in dem gleichen Haus wohnen,
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was alle jetzt irgendwie schon kannten.
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Und dann die Tochter sagt, oh Papa, da ist eine Demo, darf ich da hingehen?
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Na klar, hier sind die Autoschlüssel, klick.
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Und er bräuchte nur noch sagen, und sei bitte aber um 19 Uhr zum Essen wieder zurück.
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Und dann fährt sie halt so los und der Kapitalismus der protestantischen Kirche
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bringt halt diese Militärs um, weil die Widerstands irgendwie nicht geschafft hat.
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Und das kann es aber doch irgendwie nicht sein. Also es kann ja nicht sein,
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das ist doch eher so ein Matrix-Moment, dass die Leute, die aus der Maschine
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ausgebrochen sind, um was zu verändern,
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dann sich wieder eingliedern in die Maschine und die Tochter fährt wie in einer
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Volkswagen, so einem Volkswagen-Auto-Clip.
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Sich zu zeigen, um gegen Politik zu demonstrieren, die gemacht wird oder so.
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Das geht irgendwie vorne und hinten für mich nicht auf.
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Die sind diese Terrorzelle des Militärs alarmiert, aber weil der jetzt dann
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ins Gesicht geschossen bekam und dann vielleicht entlassen wurde, ist das alles weg.
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Und alle können wieder komplett mit Handy an.
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Und ich habe gerade einen Text bekommen. Ich gehe jetzt auf eine Demo.
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Das fand ich einfach so, das gehörte gar nicht mehr dazu. das fühlte sich an
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wie vier Jahre später noch nachgedreht, damit die Zuschauerzahlen hochgehen.
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Ich fand's wirklich, du merkst, ich war regelrecht empört.
Florian Clauß
1:06:37–1:06:39
Ja, ja, aber ich finde,
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Da bist du vielleicht ein bisschen streng der Geschichte gegenüber.
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Die Figuren haben halt diese Heldenreise abgeschlossen. Wenn wir jetzt wieder
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bei diesem Motiv der Heldenreise bleiben.
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Was kann die Tochter denn noch krasseres in ihrem Leben machen,
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als sich selbst eben zu befreien und dabei ihren Peiniger zu töten? Das geht ja nicht mehr.
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Und das ist so ein bisschen wie bei Herr der Ringe. halt dann...
Micz Flor
1:07:08–1:07:12
Ich wollte auch gerade sagen, so ein bisschen wie Frodo, weil der dann bei den Elfen abhängt und sagt.
Florian Clauß
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Ey Leute, jetzt muss ich hier mein Buch schreiben.
Micz Flor
1:07:14–1:07:15
Das ist so langweilig.
Florian Clauß
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Jetzt habe ich... Ich kann nicht mehr.
Micz Flor
1:07:18–1:07:19
Ich muss jetzt mit den Elfen aufs Boot.
Florian Clauß
1:07:19–1:07:24
Da gibt es duty-free-shopping. Er schreibt, oder wie Sam, die sind dann halt
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wieder im Auenland, die haben dann halt wieder ihre Pfeife im Mund und können
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ihre Feste feiern und können dann halt so, okay,
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so im Kleinen kannst du halt jetzt wieder so ein bisschen Politik machen. Das ist in Ordnung.
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Und ich finde, das ist durchaus legitim, nach so einer hellen Reise dann halt
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auch so ein Happy End zu machen, was dann halt total langweilig ist,
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ja, von der Sache her. Also ich finde, das ist in Ordnung.
Micz Flor
1:07:48–1:07:52
Gut, also mich hat sich, das glaube ich dir.
Florian Clauß
1:07:52–1:07:56
Ich überlege, was ist vergleichbar mit Anna, aber viele Filme führen auch zu
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einem gewissen harmonischen Ende, wo man dann auch den Zuschauer so entlassen
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kann, okay, das ist alles wieder im Lot, im Gleichgewicht.
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Das hatte ich dann eben empört. Das war dir einfach zu weit draußen.
Micz Flor
1:08:11–1:08:14
Es gab aber noch so eine andere Sache, da würde mich interessieren, wie das für dich war.
1:08:15–1:08:21
Als dann eben diese Nonnen mit den Maschinengewehren in diesem Kloster in der Wüste auf einmal,
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auftraten und die waren halt alle so kompletter klischeehafte Nonnenkostümen so und alles nur Frauen.
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Das war irgendwie so ein Tarantino-Moment. Also da hätte man sich vorstellen
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können, so wie die Uhr, wie die Uhr bei Pulp Fiction oder irgendwie kam auf
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einmal so was rein, wo es so völlig verquer ging und irgendwas sich öffnete.
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Das war mir dann irgendwie zu gewollt.
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Das war irgendwie zu, es war so unerwartet, dass es schon wieder erwartbar war.
1:08:52–1:08:53
Ich habe nicht erwartet, dass das jetzt so kommt.
Florian Clauß
1:08:54–1:08:54
Okay.
Micz Flor
1:08:54–1:08:57
Aber es hat auch nichts mit mir gemacht. Irgendwie hatte der Film mich da scheinbar
1:08:57–1:09:00
schon verloren. Ich fand sie nicht so glaubwürdig.
Florian Clauß
1:09:00–1:09:03
Ja, naja, glaubwürdig ist ja schwierig.
Micz Flor
1:09:03–1:09:07
Ja, genau, glaubwürdig nicht, aber glaubwürdig im Rahmen der Geschichte,
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im Rahmen dieses Worldbuilding.
Florian Clauß
1:09:09–1:09:12
Ja, ich meine, das ist halt so diese Übertreibung, die dann halt aber auch schon
1:09:12–1:09:15
so die ganze Zeit dann dabei war.
Micz Flor
1:09:15–1:09:18
Wie ist das jetzt, wenn du mich so hörst, ist es so, dass du...
1:09:18–1:09:20
Den Film beschützen möchtest?
Florian Clauß
1:09:20–1:09:26
Ich glaube, es ist eine andere Position. Also das, was bei dir dann eventuell
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diese Empörung ausgelöst hat,
1:09:29–1:09:33
kann ich nur so bedingt nachvollziehen, weil der ganze Film hat für mich schon
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von vornherein so eine Haltung angenommen.
1:09:35–1:09:40
Also das war ja auch recht flachs, dass sie dann halt irgendwie so da mal einen
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Bombensatz gelegt haben und dann weiter und hier noch.
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Das war ja alles so konsequenzlos.
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Also ein bisschen auch Comic-Relief-mäßig.
Micz Flor
1:09:51–1:09:57
Ja, eben. Der eine, der so ein Piratenradio gemacht hat, der wurde dann so hochgenommen vom Militär.
1:09:57–1:10:02
Und dann sind die beiden Kinder so hin und haben dann so Warnungen über das Radio noch gesagt.
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Und der wird dann verhört und macht es halt erst mal so ganz cool.
1:10:07–1:10:11
Aber du merkst halt einfach, da ist schon ein unfassbar brutaler,
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strenger und so ein Arm des Militärs, der ihn so umklammert hat.
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Ich fand das sehr brutal und sehr bedrohlich.
Florian Clauß
1:10:20–1:10:21
Dieses Film.
Micz Flor
1:10:21–1:10:25
Und jetzt nicht so, dass man sagen könnte, das Geschichtchen erzähle ich mal
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hier noch ein bisschen und da noch ein bisschen.
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Deshalb habe ich, glaube ich, auch das so gefühlt.
Florian Clauß
1:10:31–1:10:32
Okay, verstehe.
Micz Flor
1:10:32–1:10:36
Wir gehen jetzt hier nochmal am See lang. Magst du noch die ganze Runde laufen
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oder hast du noch ein Ziel in Sicht? Weil wir kommen da nicht mehr weg da vorne.
Florian Clauß
1:10:40–1:10:44
Ich glaube, wir können auch abschließen. so, weil ich meine,
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ich will jetzt nicht nochmal irgendwie so in die ganze Kriterien von postmoderner
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Literatur einsteigen, was man dann auch rausziehen kann bei Weinland.
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Das braucht man jetzt nicht unbedingt zu machen.
Micz Flor
1:10:57–1:11:00
Aber das ist was, was ich wirklich jetzt auch so mitgenommen habe von deinen
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Erzählungen, dass ich dieses, sagt jemand, dass dieses...
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Ich möchte das Buch nochmal lesen. Das habe ich irgendwie mitgenommen.
Florian Clauß
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Ja, also vielleicht noch diesen Aspekt zu erwähnen, das, was dann auch Kritiken von Wineland.
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Was da auch nochmal so gesagt wurde, das finde ich auch ganz interessant,
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nämlich was Pünzchen mit dem Roman macht, ist im Prinzip die Dekonstruktion so großer Erzählungen.
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Also das ist auch so ein Merkmal von postmoderner Literatur.
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Große Erzählungen sind.
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Das ist eine Figur, tritt auf und sagt, okay, ich komme aus dem Sezessionskrieg.
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Und dann wird auf einmal okay, oder aus der Revolution oder aus den 68ern,
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dann wird auf einmal, es gibt so ein offizielles.
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Narrativ, eine offizielle Geschichte, Erzählung. Wenn man damit eine Figur verknüpft,
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dann sagen alle so, okay, ich weiß, was die Figur durchlitten hat.
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Und das, was aber Pönchen macht, ist halt diese ganze 68er total zu dekonstruieren
1:12:05–1:12:13
und diese ganzen Traumata und diese ganzen unaufgearbeiteten Beziehungen und so weiter in den 68ern,
1:12:13–1:12:18
die werden dann auch jetzt mal so zu der Hauptgeschichte gemacht.
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Deswegen diese Thanadoiten-Gesellschaft, oder wie die heißt,
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als das Verdrängte der 68er dann auch auftreten.
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Dass es nicht mehr so diese Main-Erzählung ist, wo jeder dann halt,
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ich muss es dann nur in zwei Sätzen anreißen, damit habe ich meinen ganzen Background
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der Figur, da geht er halt rein und guckt, das ist nicht mehr verlässlich,
1:12:38–1:12:40
die Erzählung, die ich da kenne.
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Und das finde ich halt schon auch spürbar in der filmischen Umsetzung.
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Dass der dann so ein bisschen diese ganzen Erzählungen, die man so hat.
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Ja, so dann im Detail auflöst und dass es nicht mal so diese tragenden Sachen
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sind, auf die man sich so verlassen kann, sondern dass es dann doch anders kommt.
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Und das, finde ich, bringt der Film schon rüber.
Micz Flor
1:13:02–1:13:06
Das stimmt, aber da war es dann für mich in dem Film mehr als in dem Buch,
1:13:06–1:13:09
Eine eindeutige Positionierung von Gut und Böse.
Florian Clauß
1:13:10–1:13:10
Ja, das stimmt.
Micz Flor
1:13:10–1:13:15
Und das ist im Buch eben nicht so. Also da hast du wirklich das Gefühl,
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dass viele Grenzen durch alle Charaktere durchgehen und du nie genau weißt,
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um welchen Teil es gerade geht.
Florian Clauß
1:13:22–1:13:22
Ja.
Micz Flor
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Aber im Film war es so, Folge der Macht, Luke. Also es war so die gute Seite und die böse.
Florian Clauß
1:13:30–1:13:34
Das ist richtig, das habe ich auch schon beim Aussprechen.
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Kannst du auch auf den Film anwenden. Musst du dir das schon im Kopf relativieren,
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weil der ja schon sehr stark nach diesen dramaturgischen Mustern funktioniert.
Micz Flor
1:13:43–1:13:46
Ja, ein Film. Ich finde es gut, dass wir den besprochen haben,
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weil irgendwie habe ich mit noch niemandem drüber gesprochen.
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Insofern war es auch mal ganz gut zu merken, dass ich da wirklich so eine Empörung
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hatte, die andersrum natürlich ein Lob an den Filmemacher ist und sein Body
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of Work, dass ich halt einfach gedacht habe,
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das wird vielleicht episch und bleibend sein.
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Das habe ich aber dann leider nicht erlebt und da war ich vielleicht ein bisschen zu sehr enttäuscht.
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Wie so das Band-Album, was einem dann nicht gefallen hat, aber man liebt die
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Band so sehr, dass man es richtig schlecht fand.
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Bei anderen Bands war es jetzt nicht so wichtig, wenn mal ein schlechtes Album
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kam. Weißt du, wie ich meine?
Florian Clauß
1:14:27–1:14:35
Nee, gut, aber Anderson macht halt teilweise großartige Filme und vielleicht andere, die man dann,
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nicht so groß hat, aber es ist halt irgendwie ein Künstlerleben.
Micz Flor
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Ja, aber wenn du dann 20 Millionen ausgibst für Leonardo DiCaprio und dann aber als,
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er ist ja ein Actor-Director, er arbeitet ja gut mit SchauspielerInnen,
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aber wenn er es dann nicht schafft, dem ein zweites Gesicht zu geben,
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sondern nur dieses eine überfordert, also er hatte,
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bevor wir ihn als Kiffer kennenlernen, hat er ein ähnliches Gesicht.
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Er wirkt ein bisschen überfordert, aber er ist konzentriert und fokussiert.
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Das ist dann 18 Jahre vorher. Und danach hat er nur noch dieses Gesicht von Augenbrauen hoch.
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Fert links, fert links. Also das, da hat mir einfach da war,
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der hat kein Story-Development oder kein Charakter-Development erlebt.
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Der ist einfach da so durchgekifft.
Florian Clauß
1:15:22–1:15:25
Ja, muss er nicht. Ich finde, muss er nicht. Der funktioniert halt so.
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Während John Penn ist halt so, auch der hat sich ja nicht großartig entwickelt.
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Die funktionieren einfach in der Mimik. Diese Präsenz und Intensität und das,
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was du sagst mit dem Eck da, Regisseur, finde ich völlig aufgelöst.
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Also finde ich total okay.
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Da kann ich nichts dazu sagen, kritisieren.
Micz Flor
1:15:49–1:15:50
Brauchen wir auch nicht.
Florian Clauß
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Nee, wir sind auch jetzt ganz schön lang übers Land gegangen.
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Es ist dunkel. Ich versuche nochmal hier so eine Nachtaufnahme zu machen.
Micz Flor
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Ja, das musst du mit deiner Kamera machen.
Florian Clauß
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Weil wir sind auch in verschiedenen Weihnachtsmarkten dann doch vorbeigekommen
1:16:06–1:16:09
hier, ne? Im Brandenburger Land. Oh, ich habe mir einen Blitz fotografiert.
Micz Flor
1:16:09–1:16:12
Kann auch gut aussehen, aber dann sieht es ja aus wie...
Florian Clauß
1:16:12–1:16:13
Blitz aus und Nachtmodus an.
Micz Flor
1:16:14–1:16:14
Jetzt ist es an.
Florian Clauß
1:16:15–1:16:21
Okay, ich habe still gehalten. Ja, ich hoffe, ihr habt auch ein bisschen was mitgenommen.
Micz Flor
1:16:21–1:16:25
Auch still gehalten. Ja, vielen Dank fürs Zuhören.
1:16:25–1:16:32
Die Route, die uns von Werneuchen über die Felder an den Haussee von Seefeld
1:16:32–1:16:36
getrieben hat, die findet ihr auf eigentlich-podcast.de.
1:16:36–1:16:40
Die Fotos, wie zum Beispiel eben das gerade, was so dunkel ist,
1:16:40–1:16:42
dass Flo zwei Sekunden stillhalten musste.
Florian Clauß
1:16:42–1:16:43
Drei.
Micz Flor
1:16:43–1:16:50
Drei sogar? Krass. Jetzt wisst ihr auch, was er für ein Telefon hat. Ja, tschüss, oder?
Florian Clauß
1:16:50–1:16:55
Ja, genau, dann sagen wir tschüss. Bis zum nächsten Mal. Ja,
1:16:55–1:16:57
in 14 Tagen. Tschüss. Tschüss.

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Micz und Flo haben sich zur Vorweihnachtszeit übers Wochenende zu einem Podcast-Retreat ins Brandenburger Land nördlich von Berlin zurückgezogen. Passend zur Weihnachtszeit schauen wir uns den Anime „Tokyo Godfathers“ von Satoshi Kon an und besprechen ihn am nächsten Tag auf einer Wanderung in Krummensee. „Tokyo Godfathers“ hat Flo schon vor über 20 Jahren berührt, als der Film 2003 herauskam, und ist ein perfekter Weihnachtsfilm mit allen prägenden Merkmalen des Genres: Er spielt am Weihnachtsabend im verschneiten Tokio, es geht um Wunder, ein verlorenes Kind und den Zusammenhalt von Familie. Held:innen der Geschichte sind die drei Obdachlosen: Hana, eine Transfrau, Gin, ein Alkoholiker und Miyuki, einem Teenager-Mädchen, das von zu Hause abgehauen ist. Sie sind auf der Suche nach der Mutter eines Babys, das sie im Müll gefunden haben, und wachsen dabei weit über ihre Grenzen hinaus. Der Film zeigt Mut und Barmherzigkeit im Randmilieu der Gesellschaft und benennt dabei Themen, die nicht nur in Japan tabuisiert sind: Alkoholismus und Spielsucht, Wochenbettdepression und Todgeburt, Gewalt an Obdachlosen und mangelnde Akzeptanz von Transsexuellen. Er schafft eine hohe emotionale Verbundenheit mit den Figuren, die Satoshi Kon wie echte Darsteller:innen inszeniert. Mit wenigen Strichen und zugleich karikaturesken Zeichnungen gelingt ihm eine starke Identifikation mit den Hauptfiguren. Satoshi Kon ist 2010 im Alter von 46 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Sein Œuvre ist weit über Japan hinaus bekannt. Er inspirierte Regisseure wie Christopher Nolan und Darren Aronofsky mit seinen Filmen. Wie auch Akira Kurosawa greift Satoshi Kon westliche Ideen in seinen Werken auf. Insbesondere die Psychoanalyse und Traumdeutung Sigmund Freuds finden bei Kon künstlerischen Ausdruck. „Tokyo Godfathers“ kann wohl von der Dramaturgie und Erzählung als der "normalste" von Satoshi Kon gelten. Wunder spielen zwar eine Rolle, aber immer so, dass sie auch ein Zufall sein könnte, ein ganz kleiner Zufall, der aber in der Realität passieren kann. Auf unserer Wanderung durch Krummensee Richtung Haussee können wir auch einen Weg nicht passieren, eine Absperrung mit dem Hinweis "Jagd auf diesen Wegen" veranlasst uns zum Umdrehen. Wir laufen stattdessen zum Krummer See. Dort treffen wir zwar auf keine weiteren Absperrungen, aber Micz bleibt für den Rest der Wanderung beunruhigt – auch wegen eines Pick-ups, der uns entgegenkommt. Der Fahrer mit Schirmkappe und breiten Nacken grüßt uns zwar freundlich, doch als wir dem Auto nachschauen, sehen wir auf der Ladefläche mehrere Rehe. Am Ende der Episode stehen wir an einem Hochsitz und scherzen darüber, ob die Folge überhaupt noch veröffentlicht wird – und ob man im Abspann vielleicht schon einen Schuss hört...

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
avatar
Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:02
Läuft schon. Weißt du, welche Folge das jetzt ist?
Florian Clauß
0:00:02–0:00:03
93.
Micz Flor
0:00:03–0:00:04
93.
Florian Clauß
0:00:04–0:00:05
Eine nach deiner.
Micz Flor
0:00:06–0:00:12
Ah, vor Weihnachten. Hallo, willkommen zu Podcast Episode 93.
0:00:19–0:00:22
Aufgenommen, die jetzt in der nahen Zukunft immer wieder mal kommen.
0:00:22–0:00:26
Und wer auf unserer Webseite sich die Tracks anschaut, kann dann auch schon,
0:00:27–0:00:29
abschätzen, in welcher Gegend wir da waren.
0:00:30–0:00:34
Wir, das sind Flo, hallo, und Mitch und wir machen Podcasts,
0:00:34–0:00:37
in denen wir laufend reden und beim Laufen reden.
0:00:37–0:00:43
Die Touren dazu könnt ihr, wie eben schon gesagt, auf unserer Webseite eigentlich-podcast.de
0:00:43–0:00:45
auch alle einsehen. Wer will, kann die mal nachlaufen.
0:00:46–0:00:48
Thema heute, vorbereitet von Flo.
Florian Clauß
0:00:49–0:00:50
Von uns beiden.
Micz Flor
0:00:50–0:00:56
Von uns beiden, genau. Ja, ich habe mich auch, also ich habe mich hineingefühlt, sage ich mal.
Florian Clauß
0:00:56–0:01:01
Ja, wir haben auch vielleicht das zu Ergänzungen auch thematisch verknüpft.
0:01:02–0:01:04
Wir haben nämlich, wir sind in der Vorweihnachtszeit.
0:01:05–0:01:11
Wir haben gerade an der Bushaltestelle uns verkabelt und dann auf der lauter
0:01:11–0:01:15
kleinen Anzeigen von Adventsmarkt in Krummsee.
0:01:15–0:01:19
Wir sind nämlich hier am Krummsee, Das ist nördlich von Berlin,
0:01:19–0:01:24
vor Berneuchen und wir wollen jetzt einmal um den Haussee laufen.
0:01:24–0:01:29
Das ist nämlich, eigentlich heißen hier alle Seen Hausseen, die irgendwie zum Dorf gehören.
0:01:29–0:01:34
Und dann zum Krummersee, was wir festgestellt haben, dass der Krummersee nicht
0:01:34–0:01:39
Krummsee heißt, sondern Krummersee, der ist so ein bisschen weiter südlich von Krummensee.
0:01:39–0:01:44
Genau, das ist unsere Tour hier in der Einöde von Brandenburg.
0:01:44–0:01:48
Genau das Richtige, um so ein Podcast-Retreat zu machen.
Micz Flor
0:01:48–0:01:53
Auf jeden Fall. Das Wetter ist kühl und klar. Morgens neblig.
Florian Clauß
0:01:54–0:01:58
Alles wie in einer Glasglocke. Wir sind gestern Abend angekommen,
0:01:58–0:02:01
konnten noch mit dem ABC-Ticket rausfahren.
0:02:02–0:02:06
Und alles war ganz neblig. Und ich finde, beim Nebel ist wie so ein...
0:02:07–0:02:11
Schallschutz, der um die Ohren gelegt wird. Da ist alles so gedämpft und wir
0:02:11–0:02:14
sind dann im Dunkeln auch um den See gefahren.
0:02:15–0:02:20
Nur mit so ein bisschen Taschenlampe und Fahrradlicht und ganz viel Nebel.
0:02:21–0:02:26
Also atmosphärisch hier, ja. Ich mache nochmal Bilder. Ihr könnt auch die Bilder sehen.
0:02:26–0:02:30
Also ja, Mitch hat ja schon gesagt, wer uns nicht kennt, wir laufen beim Reden
0:02:30–0:02:35
und laufend reden oder so ähnlich, Wir sind jetzt schon bei Folge 93, Mitch.
0:02:35–0:02:39
Und das war auch so ein bisschen Anlass für unser Podcast-Retreat.
0:02:40–0:02:43
Die Folge 100. Zeit zum Reflektieren.
0:02:44–0:02:49
Zeit zum Nachdenken. Wo kann sich noch eigentlich Podcast weiterentwickeln?
0:02:50–0:02:51
Neue Routen kennenlernen.
0:02:51–0:02:54
Und ja, ein bisschen besinnlich halt.
Micz Flor
0:02:54–0:02:57
Immer weiter, immer mehr. Noch länger, noch schneller.
0:02:59–0:03:04
Der Haussee hier in Krummensee. Wir hatten ja die Folge über den Haussee in
0:03:04–0:03:09
Seefeld, wo der Spiegel zwei Meter abgefallen ist. Aber hier sieht es nicht so aus, oder?
Florian Clauß
0:03:09–0:03:12
Ich weiß es nicht. Ich glaube, die Seen haben sich auch erholt.
Micz Flor
0:03:12–0:03:16
Also hier kann es nicht viel höher gelaufen sein. Wir sind direkt am Ufer und
0:03:16–0:03:18
da ist dann so hier was aufgemauert.
0:03:19–0:03:21
Also ich habe nicht das Gefühl, dass das hier so.
Florian Clauß
0:03:21–0:03:25
Eingebrochen ist. Ja, das sieht so aus. Vielleicht ist der auch einfach tiefer,
0:03:25–0:03:28
weil der See im Seefeld ist recht flach.
Micz Flor
0:03:28–0:03:31
Das ist wirklich eine Pfütze. Und hier, also wenn man hier fährt,
0:03:31–0:03:36
von der Bundesstraße Richtung Krummsee, dann kommt man auch an so ein bisschen
0:03:36–0:03:41
fast schon was, vielleicht würde man eher sagen Verwerfung als Gebirge,
0:03:41–0:03:43
aber man hat so Furchen drin.
0:03:43–0:03:48
Teilweise sind dann die Felder so ganz steilen Kippen zusammengeschoben.
Florian Clauß
0:03:48–0:03:52
Wir haben ja unter einer, was du hier schon gerade als Referenz benannt hast,
0:03:53–0:03:58
einstelligen Podcast-Episode über die Szenen in Brandenburg, die austrocknen.
0:03:59–0:04:02
Und da hatten wir auch gesagt, das hier ist der Banima-Gletscher,
0:04:02–0:04:06
der mal durchgelaufen ist. Deswegen sind die Landschaften so verfolgt.
0:04:07–0:04:11
Deswegen gibt es auch Steigerungen und Senkungen. Das ist quasi die eine Gletscherschneise,
0:04:11–0:04:14
die parallel zu Berlin hier mal so...
Micz Flor
0:04:14–0:04:16
Und da gibt es teilweise eben auch noch diese Riesen-Findlinge hier,
0:04:16–0:04:23
die dann in diesem Sandgebiet Und auch über die Jahrtausende,
0:04:23–0:04:27
Jahrzehnt, Tausende durch das Wasser teilweise auch so runtergezogen wurden.
0:04:27–0:04:29
Und dann gibt es, ich habe das vergessen, wie die heißen, eben diese Löcher
0:04:29–0:04:31
teilweise mitten in Feldern. Das sieht man auch noch.
0:04:32–0:04:37
Das hatte ich auch mal in einer Folge mit Ali Hacke live, als wir durch Berlin gelaufen sind.
Florian Clauß
0:04:37–0:04:43
Erwähnt, als wir über die Neolithischen Zeiten gesprochen haben. Das waren noch Zeiten.
0:04:44–0:04:46
Dass ich das irgendwie auch...
0:04:46–0:04:51
Da ging es auch um Stonehenge und so weiter, dass ich das irgendwie auch verstehen
0:04:51–0:04:57
kann, dass die Leute dann völlig perplex waren, als die halt so einen Riesenstein
0:04:57–0:04:59
bei sich da auf dem Feld gefunden haben.
0:04:59–0:05:05
Und dann natürlich an was Übernatürlichen glauben mussten, weil wer hat diesen Stein dahin gelegt?
0:05:06–0:05:11
Da war ja überhaupt keine historische, so eine wissenschaftliche Erklärung möglich,
0:05:12–0:05:16
sondern der Stein war auf einmal da und kein Wunder, da müssen wir halt irgendwie was draus bauen.
0:05:16–0:05:18
Wir holen andere Steine her, die groß sind.
Micz Flor
0:05:19–0:05:21
Oder es ist halt einfach so, wie es ist. So ging es mir als Kind.
0:05:21–0:05:26
Ich habe da früher einfach dann, gab es dann diese Asterix-Oblex-Hinkelstein-Dinger
0:05:26–0:05:27
und die stehen dann überall rum.
0:05:28–0:05:30
Und ich habe gedacht, das ist halt so, das ist halt Erde und Sand.
0:05:30–0:05:31
Und manchmal sind große Steine.
Florian Clauß
0:05:31–0:05:32
Ja, genau.
Micz Flor
0:05:32–0:05:34
Man muss einen ja auch nicht wirklich aus der Welt schmeißen.
Florian Clauß
0:05:35–0:05:39
Heute das Thema. Wir wollen ja uns auch so ein bisschen weihnachtlich einstimmen
0:05:39–0:05:41
und haben das auch gestern Abend getan.
0:05:41–0:05:44
Aber du meintest, du willst mir noch eine Frage stellen, bevor es losgeht.
0:05:44–0:05:46
Oder gehört die auch schon zum Thema?
Micz Flor
0:05:46–0:05:49
Nein, du kannst das Thema ankündigen und dann stelle ich dir nochmal die Frage.
Florian Clauß
0:05:50–0:05:55
Okay, also wir wollen uns diese Folge mit Weihnachtsfilmen beschäftigen.
0:05:56–0:06:00
Aber speziell mit einem Weihnachtsfilm, den ich sehr, sehr mag,
0:06:01–0:06:05
den Mitch dann, glaube ich, gestern zum ersten Mal gesehen hat,
0:06:06–0:06:10
aber der mich schon immer berührt hat, den ich auch das letzte Mal vor ewig
0:06:10–0:06:11
langer Zeit gesehen habe.
0:06:12–0:06:17
Und zwar geht es um Tokyo Godfathers von Satoshi Kon, ein Anime-Film,
0:06:17–0:06:20
der sehr weihnachtlich ist.
0:06:20–0:06:26
Und darüber möchten wir sprechen und das mit euch teilen, wie man so sagt.
Micz Flor
0:06:26–0:06:29
Genau. Und eine Sache, die wollte ich mit dir vorneweg kurz besprechen.
0:06:30–0:06:34
Und zwar, wie nennen wir die Charaktere? Weil ich kann mir diese Namen nicht merken.
0:06:35–0:06:42
Und ich hatte überlegt, weil es gibt ja diese eine Person, die sich selbst in
0:06:42–0:06:46
der deutschen Sankt-Konsignation als Tunte auch bezeichnet, aber die...
0:06:47–0:06:52
Am Anfang irgendwann einmal so diesen Spruch sagt, so, ach, ganz tief im Herzen bin ich eine Frau.
0:06:53–0:06:56
Und vielleicht können wir das einfach als Aufhänger nehmen und können über die
0:06:56–0:07:00
Charaktere, es sind drei, die da zusammenkommen, wird Flo gleich in der Einladung
0:07:00–0:07:06
erzählen, können wir vielleicht sagen, es ist der Mann, die Frau und das Mädchen oder das Kind.
0:07:07–0:07:12
Wäre das für dich denkbar, weil es ja ein bisschen auch mit diesem christlichen
0:07:12–0:07:15
Motiv, was da so teilweise reingezogen ist, d'accord gehen würde?
Florian Clauß
0:07:15–0:07:20
Ja, klar, können wir so machen. Aber ich fand jetzt zum Beispiel da die Charaktere
0:07:20–0:07:26
gar nicht so schwierig, die man sich auch merken kann, weil der Mann ist Gin,
0:07:26–0:07:29
also er ist Alkoholiker, deswegen Gin.
0:07:29–0:07:38
Ja, die Trans-Person ist Hanna und das Kind ist Miyuku.
Micz Flor
0:07:39–0:07:39
Miyuku.
Florian Clauß
0:07:40–0:07:48
Das ist die Familie Tokio-Gottfathers. Da sind zwei Sachen drin in diesem Titel.
0:07:48–0:07:51
Eine ist Tokio und das andere ist Gottfathers.
0:07:52–0:07:58
Also im Gottfathers kann man auch sagen, die heiligen drei Könige oder Königinnen.
Micz Flor
0:07:58–0:08:00
Ja, oder Paten.
Florian Clauß
0:08:00–0:08:06
Paten, genau, die Paten. Eine richtige Stunde. Natürlich, das klassische Narcos-Paten.
0:08:08–0:08:14
Gottfald. Aber Satoshi Kon ist ein Animationszeichner, der nicht so viele Filme
0:08:14–0:08:20
gemacht hat, weil er früh gestorben ist, mit 46 Jahren an Bauchspeicheldusenkrebs.
0:08:20–0:08:27
Aber in seiner kurzen Schaffenszeit hat er doch sehr bemerkenswerte Werke hinterlassen.
0:08:27–0:08:36
Die auch vornehmlich mit einer Produktionsfirma produziert wurden, nämlich Madhouse.
0:08:36–0:08:41
Satoshi Kon hat Anfang der 90er seine Zeichenkarriere begonnen.
0:08:42–0:08:48
Er selber, also wenn man seine Beschreibung in der Kindheit,
0:08:48–0:08:52
wenn man die sich anschaut, ist so ein typisch japanisches Kind,
0:08:52–0:08:55
was sich durch Insekten sammeln auszeichnet.
0:08:55–0:09:00
Ah, okay. Das war ja auch lustig, weil das ist tatsächlich, Insekten sammeln
0:09:00–0:09:04
scheint sehr verbreitet zu sein. Das ist mir auch bei einigen so.
Micz Flor
0:09:04–0:09:09
Das ist bei Gibli nicht auch so, dass das kleine Kind so rumläuft und so Zikaden
0:09:09–0:09:13
sammelt und auch so einen Köscher hat oder so. Ja, das ist bei Tattoo.
Florian Clauß
0:09:14–0:09:14
Oder?
Micz Flor
0:09:14–0:09:15
Genau, ja, ja.
Florian Clauß
0:09:15–0:09:19
Stimmt, ja, ja. Gut, lass mal gucken, ob da ein Weg eingezogen ist.
0:09:19–0:09:22
Nicht, dass wir dann wieder hier, guck mal, ah ja, hier, hier,
0:09:22–0:09:25
den kann man gehen. Also wir sind jetzt vor der Karte.
0:09:25–0:09:28
Das heißt, wir können hier und dann den Dammweg hier rumgehen.
0:09:29–0:09:30
Oder wir können mal gucken, ob wir hier durchkommen.
0:09:31–0:09:36
Aber da ist ein Fluss. Wahrscheinlich müssen wir wirklich hier weggekommen.
Micz Flor
0:09:36–0:09:40
Also hier weiß ich nicht, ob wir da drüber kommen. Wir können es probieren. Seehof runtergehen.
0:09:40–0:09:43
Hier sind auch die alten Sachen. Also Krummsee ist sehr klein.
0:09:43–0:09:45
Hatte früher einen Seehof, eine Bogenschießanlage.
0:09:46–0:09:48
Es gibt immer noch hier ein Restaurant, den Pilzhof.
0:09:49–0:09:53
Ein bisschen Promotion, ganz selbstlos. einfach um auch die Infrastruktur ein
0:09:53–0:09:55
bisschen aufrechtzuerhalten.
0:09:55–0:09:59
Aber diese Karten, die hier in den Dörfern stehen, die sind teilweise schon
0:09:59–0:10:02
sehr alt, ich weiß nicht von wo, auch wenn die noch gut erhalten aussehen.
0:10:03–0:10:07
Wo diese viele von den Sachen, die da verzeichnet sind, gar nicht mehr existieren.
Florian Clauß
0:10:07–0:10:11
Aber ich habe also auch in einigen Arthouse-Filmen japanischen gesehen,
0:10:11–0:10:15
dass dann irgendwelche Charaktere dann Insekten sammeln. Das kommt immer wieder vor.
0:10:16–0:10:19
Also er hat sich selber als ein Außenseiterkind bezeichnet.
Micz Flor
0:10:19–0:10:21
Ich habe auch Insekten gesammelt als Kind.
Florian Clauß
0:10:21–0:10:24
Ich habe auch Insekten gesammelt. Vielleicht ist es auch so ein bisschen so
0:10:24–0:10:28
nerdy Stuff, weißt du, so die Nerdkinder, die anfangen irgendwie...
Micz Flor
0:10:28–0:10:32
Rückwirkend, so brutal. Man muss die alle auch irgendwie umbringen,
0:10:32–0:10:36
weil ich habe die dann ja auch umgebracht. Und so habe ich nie groß drüber nachgedacht.
Florian Clauß
0:10:36–0:10:39
Ich konnte die nicht umbringen. Also ich habe die gesammelt,
0:10:39–0:10:41
aber dann halt so ein Terrarium gebaut.
Micz Flor
0:10:42–0:10:44
Das hatte ich auch mit Stabheuschrecken. Und auch teilweise,
0:10:44–0:10:45
die konnte man irgendwo kaufen.
0:10:46–0:10:49
Glaube ich, musste ich ja irgendwo gekauft haben. Stimmt, ich hatte auch Terrarien,
0:10:49–0:10:51
dann Schnecken gehalten, Stabheuschrecken gehalten.
Florian Clauß
0:10:52–0:10:55
Aber getötet habe ich die, glaube ich, nicht. Oder ein bisschen,
0:10:55–0:10:58
aber ich habe mich dann immer schlecht gefühlt und wollte es dann doch nicht.
0:10:59–0:11:07
Also er war als Junge auch sehr intelligent, er hat gute Schulnoten geschrieben
0:11:07–0:11:13
und hat sich dann aber fast beiläufig für das Anime-Zeichnen,
0:11:13–0:11:17
also für das Manga-Zeichnen dann interessiert und das als seinen beruflichen
0:11:17–0:11:18
Werdegang dann auch eingeschlagen.
0:11:18–0:11:22
Weil er beim Zeichnen, so hat er das gesagt, dass er nie ermüdet.
0:11:23–0:11:28
Er hat eine unglaubliche Kraft. Man merkt das dann auch in seinen Filmen und
0:11:28–0:11:34
ich will auch so weitgehend zu sagen, dass es wirklich eine Handschrift ist, die man da bei ihm merkt.
0:11:35–0:11:39
Zum einen stilistisch, zum anderen auch von den Themen.
0:11:41–0:11:42
Er hat auch,
0:11:43–0:11:49
Ähnlich wie Kurosawa dann in den 50ern, hat er auch einige Stoffe,
0:11:49–0:11:52
die dann sehr westlich sind, mit aufgenommen.
0:11:52–0:11:58
Also in Perfect Blue oder Paprika kommen auch viele Zitate zu.
0:11:58–0:12:05
Freud, die gespiegelte Persönlichkeit und so verschiedene Anleihen aus der Psychoanalyse.
0:12:06–0:12:10
Deswegen dachte ich, dass du, aber du kennst die anderen Filme glaube ich nicht, oder?
Micz Flor
0:12:10–0:12:12
Nee, ich habe das, das hattest du dir glaube ich auch schon erzählt,
0:12:13–0:12:17
aber ich finde, das ist so ein eigenes Genre, das Trailer gucken auf YouTube.
Florian Clauß
0:12:17–0:12:19
Ich weiß nicht, ob du das nachvollziehen kannst. Ja, klar, genau.
Micz Flor
0:12:19–0:12:24
Mach das manchmal so 45 Minuten Trailer, Best Sci-Fi Films of Coming Year oder so.
0:12:25–0:12:28
Und da gab es dann irgendwie 15 Top-Manga-Films oder so.
0:12:29–0:12:33
Und da war auch Perfect Blue, Paprika und so. Und da kannte ich die irgendwie so als Trailer.
0:12:34–0:12:37
Und teilweise habe ich dann auch noch Reviews geguckt, die die so hoch gelobt
0:12:37–0:12:40
haben. Aber dann habe ich es auch schon wieder fallen gelassen.
Florian Clauß
0:12:40–0:12:42
Paprika, das lohnt sich auch wirklich,
0:12:43–0:12:48
den mal anzuschauen, weil der viel mit so Traumwelten, also generell ist Satoshi
0:12:48–0:12:50
Kon arbeitet viel mit Traumwelten,
0:12:50–0:12:57
mit Parallelwelten und wo auch die Charaktere dann nochmal eine andere Identität
0:12:57–0:13:02
bekommen und auch so mehr zu sich selbst finden oder über sich herausfinden.
0:13:02–0:13:08
Man sagt, dass Tokyo Godfathers tatsächlich eher ein Film ist,
0:13:08–0:13:11
wo alles in der realen Welt spielt.
0:13:12–0:13:18
Da gibt es jetzt keine Sequenzen, die irgendwie in einem Traum oder irgendwas spielen.
Micz Flor
0:13:18–0:13:21
Ja, ich würde gleich sagen, mit Hinblick auf worum es da geht.
0:13:21–0:13:24
Es hat so Weihnachtswunderzeit.
0:13:25–0:13:29
Dass es wichtig ist, dass es eine realitätsbezogene Welt spielt,
0:13:29–0:13:32
damit diese ganzen Wunder auch als Wunder erkannt werden.
0:13:32–0:13:37
Es gibt eine ganze Reihe von kleinen Hinweisen, dass da doch etwas Übernatürliches passiert.
0:13:37–0:13:42
Und das ist natürlich verstärkt, wenn man einfach so in urbanen Settings ist,
0:13:42–0:13:46
wo dann auf einmal was passiert, was sehr, sehr unwahrscheinlich ist.
0:13:46–0:13:49
Möglich, aber vielleicht doch ein Wunder.
Florian Clauß
0:13:49–0:13:53
Ja, genau. Und dann kommen wir genau zu dieser Definition von Wunder.
0:13:53–0:13:57
Weil, wie du sagst, es ist alles sehr, sehr unwahrscheinlich.
0:13:57–0:14:04
Das heißt, alles, was da aber passiert, ist noch irgendwo mit naturwissenschaftlichen
0:14:04–0:14:08
oder gesellschaftlichen Regeln dann auflösbar.
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Es ist nichts, was dann tatsächlich übernatürlich wirkt.
0:14:12–0:14:14
Da kommen wir gleich nochmal zu.
0:14:15–0:14:19
Aber eigentlich so ein bisschen wie bei Magnolia, diese Einleitung von,
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also der Film von Thomas Anderson.
Micz Flor
0:14:21–0:14:22
Da regnet es Frösche.
Florian Clauß
0:14:22–0:14:29
Da regnet es Frösche, genau. Aber diese Verkettung an Ereignissen,
0:14:29–0:14:34
die auf einmal so extrem kleine Wahrscheinlichkeiten und Situationen auslösen,
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die eigentlich nicht sein können.
0:14:36–0:14:38
Wie der Taucher, der im Baum gefunden wird.
0:14:38–0:14:46
Solche Sachen. Damit beginnt der Film. Und das finde ich auch eine Weltsicht,
0:14:46–0:14:50
die irgendwo auf der einen Seite poetisch ist,
0:14:51–0:14:56
auf der anderen Seite aber auch ohne übernatürliches Einwirken dann passieren kann.
0:14:57–0:15:00
Der Titel, vielleicht nochmal diese Paten, wir hatten es schon gesagt,
0:15:00–0:15:05
Heilige Familie, Heilige Drei Könige, Epiphanie kommt da mit rein.
0:15:06–0:15:10
Das ist die eine Seite Gottfathers, die andere Seite ist, dass Satoshi Kon auch,
0:15:11–0:15:15
mit diesem Film Tokio so ein Denkmal setzen wollte.
0:15:15–0:15:23
Ganz viel Animationsarbeit fließt tatsächlich auch in die Stadtlandschaft Tokio.
0:15:23–0:15:28
Also man sieht die Häuser, die Schlucht. Also man spürt es quasi,
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dass Tokio damals von Anfang der 2000er ist.
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Und ich finde es auch toll inszeniert in dem Film.
Micz Flor
0:15:35–0:15:38
Ja, hat mich auch ein bisschen daran erinnert, wo du es sagst.
0:15:38–0:15:41
Das wusste ich nicht, dass es war, aber ich hatte so ein bisschen auch Manhattan
0:15:41–0:15:44
von Woody Allen im Kopf, der ja auch sagte, damit so ein bisschen,
0:15:45–0:15:48
ja eigentlich in allen Filmen, aber da eben vor allen Dingen auch sein,
0:15:49–0:15:51
also New York, Manhattan einzufangen.
0:15:51–0:15:56
Und das hatte ich da bei dem Film jetzt wirklich von den Bildern auch.
0:15:56–0:16:00
Es waren immer so Detailausschnitte, die darauf hingewiesen haben,
0:16:00–0:16:03
ach ich bin jetzt irgendwie an der Straße, die an einem Park ist.
0:16:03–0:16:07
Es war nie so total, dass man wirklich so einen Überblick hatte,
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abgesehen von den beiden Türmen, wo sie dann hin mussten.
0:16:10–0:16:17
Aber es war wirklich so, dass diese kleinen Ansichten, diese Megastadt,
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inzwischen über 40 Millionen Einwohner, glaube ich,
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die Megastadt so runtergebrochen hat, auf sehenswerte Settings.
0:16:24–0:16:26
Das war wirklich schön gemacht, ja.
Florian Clauß
0:16:26–0:16:32
Und es ist auch die Liebe von Satoshi Kon zu Tokio, die sich damit ausdrückt.
0:16:32–0:16:35
Und wir steigen in dem Film am Weihnachtsabend ein.
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Es wird quasi auch ein christlicher Chor singt.
0:16:40–0:16:44
Weihnachten muss man sagen, in Tokio, also in Japan, es wird gefeiert,
0:16:44–0:16:49
es gibt Christen, das ist aber eine kleine Menge auf die Bevölkerung von Japan betrachtet.
0:16:50–0:16:56
Weihnachten ist ein Fest, das man kennt. Da geht es vor allen Dingen um Nächstenliebe
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und Schenken, das wird so ein bisschen auch tradiert.
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Und dass Tokio da ist eben,
0:17:02–0:17:06
voll verschneit am Weihnachtsabend, also auch so, das ist ein ganz,
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ganz typisches Merkmal für Weihnachtsfilme.
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Das ist halt meistens um die Weihnachtszeit spielt, aber fast immer irgendwo Schnee vorkommt.
0:17:16–0:17:21
Und die drei Obdachlosen, die finden beim Durchwühlen von Müll,
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finden die ein Baby, was dann ausgesetzt unter der Decke lag und sie nehmen
0:17:27–0:17:31
es auf und Hanna, die Transfrau.
0:17:33–0:17:38
Die findet sich auch gleich in dieser Rolle als Mutter und sieht sich da so
0:17:38–0:17:44
als diejenigen, die das Kind beschützen möchte und dem eigentlichen,
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der eigentlichen Besitzerin wieder zurückgeben möchte.
0:17:47–0:17:53
Also das ist quasi der Ausgangspunkt für die Suche einer Odyssee durch Tokio,
0:17:54–0:17:57
die Suche nach der Mutter von diesem Kind.
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Jin, der Alki-Typ, der fetzt sich dann immer mit dem Kind, mit der Jugendlichen, Miyuku.
0:18:07–0:18:12
Die streiten sich immer und es ist sehr charikaturesk.
0:18:13–0:18:18
Also generell kann man sagen, dass die ganze Art zu zeichnen,
0:18:18–0:18:25
also diese Charaktere, die Mimik in den Gesichtern, die schon sehr expressiv beinimmt.
0:18:25–0:18:30
Und das war auch ein künstlerischer Aspekt von Satoshi.
0:18:30–0:18:35
Kon nämlich die Gesichter so expressiv herauszuarbeiten.
0:18:35–0:18:40
Also er wollte wirklich mit den Figuren echte Charaktere schaffen,
0:18:40–0:18:46
also richtige Schauspielerinnen, die dann halt auch Emotionalität in den Gesichtern.
0:18:46–0:18:50
Und damit ist ja auch teilweise, wird das ja so ins Fratzenhafte überzogen.
0:18:50–0:18:54
Ich habe mich so, das wird dann ja so universal, dass du halt denkst,
0:18:54–0:18:59
das könnte auch so ein Zillebild sein von den Gesichtern, von den Charakteren.
0:18:59–0:19:06
Aber ich finde es super toll getroffen, weil man findet total die Identifikation mit denen.
Micz Flor
0:19:06–0:19:12
Ja, es gibt diese eine Szene dann gegen Schluss wie so eine Art Showdown in deren Triangulierung,
0:19:13–0:19:21
also Vater-Mutter-Kind-Triangulierung, wo dann der Mann Jin seine Tochter trifft.
0:19:21–0:19:22
Jetzt nehme ich ein bisschen was von weg.
0:19:23–0:19:31
Und die dann eine sehr rührende Szene haben, die auch sehr feinfühlig gezeichnet ist, sag ich mal.
0:19:32–0:19:37
Und dann sehen wir auf einmal Hannah, die Frau, die dann da hinten steht und
0:19:37–0:19:39
wo dann das Gesicht grimassenhaft verzogen wird.
0:19:40–0:19:42
Ich kann mich nicht genau erinnern, aber es sind fast wie Stills,
0:19:43–0:19:48
eher als wie flüssige Bewegung, wo die halt total wütend ist und da jetzt irgendwie
0:19:48–0:19:51
alles auch irgendwie entwertet und so.
0:19:51–0:19:53
Und dann sind auch die Furchen und
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die Schatten im Gesicht ganz überzogen dargestellt, so dass man es merkt.
0:19:58–0:20:02
Nicht, dass es wirklich ein ganz anderer Stil ist, aber das fand ich war so
0:20:02–0:20:03
eine Szene, die es noch mal gut
0:20:03–0:20:07
Und das Streich, was du gerade gesagt hast, es gibt manchmal diese sehr expressiven
0:20:07–0:20:09
Verzerrungen in den Bildern.
Florian Clauß
0:20:09–0:20:13
Also ich finde das auch getroffen und auch gerade in diesem Kontrast.
0:20:13–0:20:19
Also der Stil wechselt, manchmal ist es total so übertrieben fresken, maskenhaft.
0:20:19–0:20:22
Und dann ist es wieder so doch sehr weich.
0:20:22–0:20:25
Also es wechselt dann je nach emotionaler Stimmung.
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Vielleicht nochmal so kurz zu der Biografie der einzelnen Figuren.
0:20:29–0:20:33
Die taucht dann auch in der Erzählung, in den Geschichten in verschiedenen Varianten auf.
0:20:34–0:20:38
Das sind einmal die Geschichten, die sie sich untereinander erzählen.
0:20:38–0:20:44
So zum Beispiel Jin, der sagt, er wäre ein bekannter Radfahrer geworden und
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musste halt für die OP seiner Tochter dann Geld sich finanzieren.
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Dann hat er auf einen dubiosen Typen gesetzt, der ihm dann halt das Geld dann
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aus der Tasche gezogen hat und ist dann seiner Tochter gestorben,
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weil er die Oma so nicht mehr zahlen konnte.
0:21:02–0:21:05
Und seine Frau ist eine kurze Zeit später gestorben,
0:21:05–0:21:09
bis ich dann herausstelle, die richtige Geschichte ist, dass er ein Fahrradhändler
0:21:09–0:21:15
war und dass er in Wettschulden war, Alkoholiker geworden ist und dann aus Scham
0:21:15–0:21:18
seine Familie verlassen hat. Also Scham kommt ganz viel vor.
0:21:18–0:21:22
Und das, was ich halt auch diesen Film so hoch anrechne, und das,
0:21:23–0:21:29
was, glaube ich, in der Zeit kaum Filme gemacht haben, diese Außenseiter so dargestellt haben.
0:21:29–0:21:34
Diese Außenseiter, die so erstmal obdachlos, auf der einen Seite dann aber auch
0:21:34–0:21:37
Randgruppen, natürlich Obdachlosigkeit und Alkoholismus fällt oft zusammen.
0:21:38–0:21:43
Aber auch dann diese Transfrau Hanna, das war damals noch nicht so eine Figur,
0:21:43–0:21:45
die man halt irgendwo anders auch so gesehen hat.
0:21:45–0:21:50
Es gab so ein paar Transfilme zu der Zeit, aber die waren jetzt nicht so verbreitet.
0:21:50–0:21:52
Also das war sehr mutig.
Micz Flor
0:21:53–0:21:58
Das weiß ich nicht. Also da kann ich nichts zu sagen, weil ich überhaupt, da habe ich kein...
0:22:00–0:22:02
Möglichkeit, das irgendwie so abzuschätzen.
Florian Clauß
0:22:02–0:22:06
Na, zumindest ist es auch für japanische Verhältnisse, wo Obdachlosigkeit eigentlich
0:22:06–0:22:09
gesellschaftlich, ich glaube, das ist nur gesperrt für Autos.
Micz Flor
0:22:10–0:22:12
Wald und Wege gesperrt, heute Jagd.
Florian Clauß
0:22:13–0:22:16
Ach so. Dann sollten wir nicht hier hingehen.
Micz Flor
0:22:16–0:22:18
Nee, dann müssen wir uns an die Straßen halten.
Florian Clauß
0:22:18–0:22:18
Aha.
Micz Flor
0:22:19–0:22:20
Bis zum Tor gehen und so.
Florian Clauß
0:22:20–0:22:23
Hier können wir da wieder hochgehen und dann müssen wir zum Krummen,
0:22:23–0:22:26
dann können wir das Haus jetzt canceln.
0:22:26–0:22:31
Naja, also ich glaube, für so japanische Verhältnisse ist es ungewöhnlich,
0:22:31–0:22:35
dass die Protagonisten in dem Milieu dann so angesiedelt sind und so spielen.
0:22:35–0:22:41
Es gibt Erzählungen, also du findest, glaube ich, auch in Japan nicht irgendwo
0:22:41–0:22:45
im Straßenbild, findest du auch nicht Obdachlosigkeit.
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Das gibt es halt in Japan nicht so offiziell. Und die sind dann irgendwo versteckt.
0:22:52–0:22:55
Und meistens sind das ja auch solche, also die Die schämen sich dann halt auch
0:22:55–0:22:59
und zeigen sich nicht. Es ist ein anderer Umgang damit gesellschaftlich.
Micz Flor
0:23:00–0:23:05
Da sehen wir in der Eröffnungsszene aber, weil du meintest, diese Kirchenszene,
0:23:05–0:23:06
oder ich weiß gar nicht genau, wo das ist,
0:23:07–0:23:10
da hatte ich aber das Gefühl, dass das wirklich was ist, was aus dieser christlichen
0:23:10–0:23:15
Hilfehaltung heraus gerade extra für Obdachlose gemacht wurde.
Florian Clauß
0:23:15–0:23:16
Ach so.
Micz Flor
0:23:16–0:23:20
So kam mir das vor. Ich hatte gar nicht das Gefühl, dass das eine Gemeinde war,
0:23:20–0:23:23
wo ein paar Obdachlose waren. aber es fühlte sich eher so an,
0:23:23–0:23:26
als ob da ganz viele waren, die,
0:23:27–0:23:31
Die hingen auch eher so rum, oder? Das waren jetzt ja keine Kirchen mit Bänken,
0:23:31–0:23:32
sondern die saßen ja einfach so auf dem Boden.
Florian Clauß
0:23:33–0:23:36
Nee, das hatte ich schon so wahrgenommen, dass da Bänke waren.
0:23:36–0:23:39
Aber das stimmt, du hast recht. Das war auf jeden Fall dann so eine Straßenküche,
0:23:39–0:23:42
so eine Straßenküchenszene, wo sie dann verkostigt wurde.
0:23:42–0:23:45
Also wahrscheinlich war das von so einer christlichen Gemeinde dann einfach
0:23:45–0:23:48
auch so eine Nächstenliebe-Veranstaltung zu Weihnachten.
Micz Flor
0:23:49–0:23:51
Eine von diesen Nächstenlieben-Veranstaltungen.
Florian Clauß
0:23:51–0:23:57
Genau, du kennst die doch, die Christen. Genau, und Hannah, also die Geschichte eben von Jin,
0:23:57–0:24:04
Hannas Geschichte ist so, dass sie in so einem Club, Strip-Club oder Trans-Club
0:24:04–0:24:10
dann rausgeflogen ist oder auch geflüchtet ist, weil sie da einen Gast...
Micz Flor
0:24:10–0:24:13
Ja, ich glaube, das war so eine Travestie-Show, würde man vielleicht sagen.
0:24:13–0:24:16
Also es hat jetzt nichts von Strippen und nicht von,
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das war jetzt auch kein Flinter-Treffen oder so, sondern es war,
0:24:19–0:24:25
glaube ich, wirklich so eine Kabarett-ähnliche Bar, in der dann eine Travestie-Show
0:24:25–0:24:28
zu sehen war. Man sieht es dann später so als Bild.
Florian Clauß
0:24:28–0:24:29
Man sieht es später, aber es gab
0:24:29–0:24:34
halt auch die Damen, die dann halt in den Tischen von den Herren saßen.
0:24:35–0:24:40
Und man sieht dann auch die Rückblende, wie dann eben Hannah gestört wurde von
0:24:40–0:24:45
einem Gast in ihrer Performance und sie den halt vermöbelt hat und dann abgehauen ist.
Micz Flor
0:24:46–0:24:49
Ja, und ihre Mutter leitete das...
0:24:49–0:24:51
Wie würde man sagen, Etablissement?
Florian Clauß
0:24:51–0:24:55
Ich weiß es gar nicht, ob es tatsächlich ihre leibliche Mutter ist oder ob sie
0:24:55–0:25:01
dann nicht so als Puffmutter, wie man so sagt, das dann halt so geleitet hat.
0:25:01–0:25:04
Also ich habe es jetzt nicht als ihre leibliche Mutter wahrgenommen.
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Miyuku ist ein 14-jähriges Mädchen.
Micz Flor
0:25:09–0:25:12
Merkt man das im Film oder hast du gesagt, dass die 14 Jahre ist?
Florian Clauß
0:25:12–0:25:15
Nein, das habe ich gelesen, aber es ist auf jeden Fall ein Teenie-Girl.
0:25:16–0:25:20
Das merkt man, glaube ich, schon. die von zu Hause weggerannt ist,
0:25:20–0:25:25
weil sie dann im Affekt ihren Vater einen Messerstich versetzt hat.
0:25:27–0:25:32
Und sie rennt auch aus Scham weg. Also Scham spielt da schon eine große Rolle,
0:25:33–0:25:38
dass du in so einer Position von Obdachlosigkeit kommst, weil du dich dann nicht
0:25:38–0:25:42
mehr so, weil du dich von deiner Familie, von deinem sozialen Umfeld schämst.
Micz Flor
0:25:42–0:25:46
Ja, losing face, das Gesicht verlieren. Also der Vater, der das Alkoholiker
0:25:46–0:25:50
mit Wettschulden abhaut, weil er sich schämt vor seiner Familie.
0:25:50–0:25:52
Die Tochter schämt sich vor ihren Eltern.
0:25:53–0:26:00
Und Hannah schämt sich ja auch für ihr Impulsdurchbruch, möchte man sagen.
0:26:00–0:26:04
Dass sie da ihre aggressiven Impulse da so ausgelebt hat.
0:26:05–0:26:12
Und dann verlässt man seinen Kontext, um diese Scham nicht, keine Ahnung,
0:26:13–0:26:16
durchzuarbeiten, loszuwerden. erklären zu müssen.
Florian Clauß
0:26:17–0:26:22
Die Obdachlosen, also die drei, haben auch dann so eine notdürftige Behausung,
0:26:23–0:26:27
also so Zelte aufgebaut, die dann innen drin mit Decken und so ein bisschen
0:26:27–0:26:30
heimelig dann auch schon ausgestaltet sind.
0:26:31–0:26:36
Aber das ist so deren Unterkunft und wie es aussieht, hängen die halt zu dritt immer ab.
0:26:36–0:26:41
Und wie das Baby jetzt so in diese Dreiergemeinschaft kommt,
0:26:41–0:26:46
das ist dann quasi wie so eine Art von Katalysator, wo die Geschichte losgeht.
0:26:46–0:26:52
Und wo die sich dann halt auch als Familie dann,
0:26:53–0:26:59
beziehungsweise wo dann diese innere Reise der Charaktere auch losgeht.
Micz Flor
0:26:59–0:27:02
Aber es ist halt auch das erste Wunder irgendwie.
0:27:03–0:27:08
Die streiten sich gerade und prügeln sich fast, das Mädchen und der Mann.
0:27:09–0:27:13
Und dann hören die auf einmal Kinderschreie und wühlen sich dann durch solche,
0:27:14–0:27:15
was ist das, Müllbeutel oder so?
Florian Clauß
0:27:15–0:27:16
Ja.
Micz Flor
0:27:16–0:27:21
Und dann kommen sie halt und sehen dahinter, dass jetzt ein kleines Kind da
0:27:21–0:27:23
abgelegt wurde oder ein kleines Wunder.
Florian Clauß
0:27:23–0:27:28
Wie ich schon gesagt habe, die wollen dann eben die Mutter finden von dem Baby.
0:27:29–0:27:35
Dann beginnt eigentlich dieser Film und so richtig kann man den nicht erzählen.
0:27:35–0:27:40
Das ist halt so das Interessante, weil da so viel passiert und so viele,
0:27:41–0:27:43
also man merkt das so gar nicht beim Gucken wirklich.
0:27:44–0:27:47
Und dann wird man wieder, ah okay, jetzt sind sie da. Ja, ja.
0:27:49–0:27:54
Also, wir können ja ganz grob mal drüber gehen, über die Handlung.
Micz Flor
0:27:55–0:27:58
Wir können ja erstmal zusammenfassen machen, dann auch mal so Panik-Mein-Namen.
0:27:58–0:28:02
Zusammenfassend wäre für mich, es sind diese drei Obdachlosen-Charaktere,
0:28:02–0:28:06
die das kleine Kind finden, die dann darüber reflektieren,
0:28:07–0:28:10
weil eine will es behalten, die andere will es gleich zur Polizei bringen.
0:28:10–0:28:14
Sie entscheiden sich dann irgendwie gemeinsam, die Eltern zu suchen,
0:28:14–0:28:15
um das Kind zurückzubringen.
0:28:17–0:28:22
Und auf dieser Suche kommen sie aber letztendlich zuerst an die Falschen.
0:28:23–0:28:27
Und dann gibt es sozusagen nochmal einen zweiten Showdown, wo sie zuerst denken,
0:28:27–0:28:29
jetzt ist es Kind bei der Mutter.
0:28:29–0:28:31
Und dann stellt sie aber raus, das war gar nicht die Mutter,
0:28:31–0:28:33
sondern die hat das im Krankenhaus geklaut.
0:28:33–0:28:39
Und dann kommt es nochmal im zweiten Schritt zur Auflösung, Happy Ends.
0:28:40–0:28:45
Und dazu ist auch noch zu sagen, dass auf dieser Reise alle drei obdachlosen
0:28:45–0:28:49
Charaktere auch immer wieder eine echte Person aus ihrem Leben treffen.
0:28:49–0:28:54
Du hast es schon gesagt, die Tochter von Jin, die nennt sie Mutter von Hannah.
0:28:55–0:28:57
Deshalb dachte ich, das ist halt der echte Bezug.
0:28:57–0:29:00
Bei dem Mädchen ist es dann, dass sie ihren Vater trifft. Einmal sieht sie ihn
0:29:00–0:29:03
zwischendurch und dann zum Schluss trifft sie ihn wirklich auch.
0:29:03–0:29:07
Und das sind alles dann irgendwie auch so Teil von diesen kleinen Wundern,
0:29:07–0:29:11
die in dieser Metropolis fast unmöglich erscheinen.
Florian Clauß
0:29:11–0:29:16
Genau, und dann auch teilweise die Figuren mehrmals treffen in irgendwelchen
0:29:16–0:29:17
unterschiedlichen Kombinationen.
0:29:17–0:29:21
Und wenn du dir dann, wie gesagt hast, Tokio mit 40 Millionen Einwohnern,
0:29:21–0:29:24
dann halt irgendwie die Figuren mehrmals treffen.
0:29:24–0:29:26
Die statistische Wahrscheinlichkeit ist halt irgendwie...
Micz Flor
0:29:26–0:29:28
Gut, die bewegen sich natürlich immer nur in einem Teil davon.
0:29:28–0:29:32
Ob es jetzt 140 Millionen sind oder zwei Millionen, ist da wahrscheinlich wurscht,
0:29:32–0:29:33
weil die zu Fuß unterwegs sind.
0:29:33–0:29:37
Aber es ist trotzdem unerwartet.
Florian Clauß
0:29:37–0:29:42
Naja, es ist bewusst angelegt und ich glaube, das will der Film uns dann halt
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auch in diesen Zwischenblicken dann so erzählen.
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Das ist halt immer kleine Wunder passieren.
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Eigentlich fast in jeder Szene ein kleines Wunder passiert. Also der Film hüpft
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dann halt auch über gesellschaftliche Unterschiede, über Milieus.
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Sie werden dann auch von einem Gangsterboss, dessen Leben sie retten,
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werden sie dann halt auch aufgenommen.
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Dann sind zum Beispiel, das finde ich auch interessant, Friedhöfe sind für Obdachlose
0:30:11–0:30:13
dann quasi so eine Nahrungsquelle.
Micz Flor
0:30:13–0:30:15
Ja, das wusste ich auch nicht, aber es ist naheliegend.
Florian Clauß
0:30:15–0:30:20
Ja, das ist total naheliegend, weil auf den Friedhöfen in Japan häufig dann
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eben Nahrungsmittel für die Gestorbenen ausgelegt werden.
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Und ganz oft, ich kenne das auch aus China, dass dann halt so alkoholische Getränke
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wie Schnaps und Wein an den Gräbern dann halt steht.
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Und das war dann halt für die dann wirklich so eine Entdeckung,
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hier Friedhof, wir sind gerettet, als die ja den größten Hunger haben.
0:30:42–0:30:46
Gin sich dann halt irgendwie so eine Schnapsflasche reinpfeifen kann.
Micz Flor
0:30:46–0:30:49
Und dann eben auch da selbst ein Wunder passiert, dass sie dann wirklich auch
0:30:49–0:30:53
Milch und Windeln für das Baby finden.
Florian Clauß
0:30:53–0:30:57
Stimmt, ja genau, weil nämlich auf einem Grab dann die Windeln und die Milch
0:30:57–0:30:59
steht. Da suchen sie nämlich das.
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Das Baby heult, aber das Baby ist so im Hintergrund.
0:31:03–0:31:06
Die Versorgung, also diese Grundversorgung ist gewährleistet,
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das heißt, sie schaffen es zu wickeln, weil Jin selber noch seine Erfahrungen
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im Wickeln mit seiner Tochter hat.
0:31:13–0:31:16
Sie schaffen das dann halt auch entsprechend mit der Milch und dem Wasser.
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Dann muss Miyoko losgehen und Wasser besorgen für die Milch.
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Es wird dann auch sehr liebevoll gesorgt um das Kind.
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Also das heißt, die Fürsorge bringen die Obdachlosen eben dann mit.
0:31:31–0:31:36
Und das schweißt sie natürlich als Familie zusammen, aber gleichzeitig fragmentiert
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das auch in dieser Odyssee.
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Immer wieder werden irgendwelche Figuren gespaltet.
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Also das heißt, von der Familie dann halt rausgenommen. Die werden dann,
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keine Ahnung, Gin baut dann auch zusammen.
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Ein Unfall? Oder wie ist das noch?
Micz Flor
0:31:50–0:31:51
Die Gin wird zusammengeschlagen.
Florian Clauß
0:31:51–0:31:56
Ja, wird zusammengeschlagen. Sie werden immer wieder mit ihrer Herkunft als
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Obdachlose konfrontiert mit der Gesellschaft.
0:31:59–0:32:01
In der U-Bahn rumpfen alle.
Micz Flor
0:32:02–0:32:04
Ja, da halten sich die Nase zu.
Florian Clauß
0:32:04–0:32:08
Weil die so stinken, aber die stinken auch so. Oder es gibt eine Szene,
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wo Gin dann einen alten Mann, der dann auch Obdachloser ist und im Sterben liegt
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und ihm den letzten Wunsch erfüllt.
0:32:18–0:32:22
Und dann kriegt er noch mal dieses Päckchen von ihm mit. Und weißt du,
0:32:22–0:32:23
was in diesem Päckchen ist?
Micz Flor
0:32:23–0:32:26
Nee, das ist gut, dass du sagst. Das habe ich gar nicht mehr verfolgt.
Florian Clauß
0:32:26–0:32:29
Das hast du nicht mehr verfolgt. Da sind die Lose drin.
Micz Flor
0:32:30–0:32:33
Ah, diese 1, 1, 1, 1. Das sieht man dann zum Schluss.
Florian Clauß
0:32:33–0:32:39
Genau, es gibt zum Schluss ein Wunder, was sie mit Geld überschüttet.
0:32:39–0:32:43
Es gibt eine sehr seltene Gewinnzahl.
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Das ist, wie Mitch gerade schon gesagt hat, die 1, das Glückslos.
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Diese Losnummer oder dieses Los bekommt dann Gin von diesem sterbenden Obdachlosen
0:32:54–0:32:57
noch einen letzten Wunsch. Der letzte Wunsch ist, ich will besoffen sterben.
0:32:57–0:33:01
Gin hat dann noch die Flasche vom Friedhof dabei und dann freut er sich und
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kann halt dann so sterben.
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Dann kommen dann im nächsten Schnitt halt so ein paar Jugendliche,
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die halt Obdachlose zusammenschlagen wollen und vermöbeln Gin.
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Der kommt ins Krankenhaus, Das wird eingeliefert und gleichzeitig sind dann
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auch wieder Miyuko und Hanna auf einmal im Krankenhaus, weil,
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Und jetzt ist es wieder so, hä, ich kriege die Geschichte nicht mehr zusammen.
0:33:23–0:33:26
Warum sind die im Krankenhaus, Mitch? Kannst du dich noch erinnern?
Micz Flor
0:33:26–0:33:29
Ja, aber nachdem er vermöbelt wird, wird er nicht im Krankenhaus eingeliefert,
0:33:29–0:33:31
sondern wird von diesem Engel gefunden.
Florian Clauß
0:33:31–0:33:31
Nein, stimmt.
Micz Flor
0:33:31–0:33:34
Und in diesem Etablissement mit der Mutter. Und deshalb treffen sie dann auf
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die Mutter da wieder zusammen.
Florian Clauß
0:33:37–0:33:42
Genau. Und das ist noch mal so die letzte Zufluchtsort, den Hannah dann mit
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dem Kind doch in Erwägung zieht, eben diese Bar, wo sie rausgegangen ist, dahin zurückzukehren.
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Und sie wird aber total herzlich eben von der Mutter aufgenommen.
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Und alle haben sich Sorgen gemacht.
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Genau, da liegt Gin auf einmal von den anderen Damen des Hauses verarztet auf der Couch.
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Also auch wieder eine wunderbare Zusammenführung.
Micz Flor
0:34:06–0:34:11
Ja, die wurden da auseinandergerissen. Also jetzt sind wir doch so im Detail des Films wieder drin.
0:34:11–0:34:14
Aber es wird vielleicht deutlich, dass man wirklich das Gefühl hat,
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es sind unfassbar interessante kurze Kapitel und kleine Bilder,
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die aber schwer so auf der Perlenkette hintereinander zu machen sind, aber es war so, dass sie,
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wurde nicht das Mädchen mit dem Kind entführt von dem Täter,
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der versucht hat, den Stinksboss zu erschießen, das war so ein Bandenkrieg.
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Und die landete dann in einer, glaube ich, spanisch sprechenden Familie.
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Die sich irgendwie für die Mutter konnte dann, die gerade selber ein Kind hatte,
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konnte auch das kleine Findelkind dann noch mit stillen.
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Und dann hatten wir so ein Mädchen-Moment irgendwie, wo sie sich nebeneinander
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Fotos angeguckt haben und so ein bisschen gequatscht haben, obwohl sie gar nicht
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miteinander reden konnten.
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Und von dort musste dann alles wieder zusammengeführt werden.
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Und das war dann auf der einen Seite, Chin wurde verprügelt.
0:35:00–0:35:04
Tot, guckt er hoch und sieht einen Engel. Also das Engelsmotiv kommt immer wieder auch.
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Die Katze hat ja auch Engelsflügel von der Tochter oder von dem Mädchen der
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drei und das kommt immer wieder mal rein.
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Hannah geht dann, aber wie, wie ist, ja, okay, also man verharrt,
0:35:16–0:35:20
ich weiß jetzt nicht mehr, wie das Mädchen da dazugekommen ist zu Hannah.
Florian Clauß
0:35:21–0:35:25
Ja, ich glaube, wir müssen noch mal einen wichtigen Punkt sagen,
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nämlich in diesem Korb, wo das Baby drin lag, da gab es auch einen Schlüssel.
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Zu einem Schließfach. Und das ist so, nämlich da finden die die ganzen Hinweise zu der Mutter.
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Und da finden sie auch einen Stapel von Bildern.
Micz Flor
0:35:39–0:35:40
Der angeblichen Mutter.
Florian Clauß
0:35:40–0:35:43
Der angeblichen Mutter, wo so zwei Türme abgebildet sind.
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Und die rennen dann auch von einem Schließfach ins nächste, weil die finden
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dann auf einmal in dem einen Schließfach dann wieder einen anderen Schlüssel
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zum nächsten Schließfach und beklagen sich schon, dass die die ganze Zeit Geld
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für dieses Schließfach hier reinwerfen müssen.
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Und so finden sie halt lauter Fragmente von der Familie oder von der Mutter
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mit ihrem Mann und können so quasi, wir müssen jetzt hier durch den Schlamm.
Micz Flor
0:36:09–0:36:11
Meinst du, hier ist keine Jagd auf der Seite?
Florian Clauß
0:36:12–0:36:13
Nein, wenn das jetzt nicht gesperrt ist.
Micz Flor
0:36:14–0:36:18
Naja, es ist halt irgendwie eher so ein Matschweg jetzt. Vielleicht hat sich
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keiner die Mühe gemacht, den zu sperren.
Florian Clauß
0:36:23–0:36:25
Hast du nicht deine Neonweste dabei?
Micz Flor
0:36:26–0:36:26
Was?
Florian Clauß
0:36:26–0:36:28
Hast du nicht deine Neonweste dabei?
Micz Flor
0:36:29–0:36:30
Ja, keine Ahnung.
Florian Clauß
0:36:30–0:36:34
Deine Anti-Jagdweste. Bitte schieß mich nicht.
0:36:36–0:36:39
Schieß mich lieber. Genau.
0:36:40–0:36:44
Und so sind sie quasi auf der Suche nach diesen zwei Türmen,
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die eben im Hintergrund von einem Bild, wo die beiden abgebildet sind,
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auf dem Balkon. und finden tatsächlich auch das Haus.
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Nur das Haus ist total abgerissen, als dann Jin den Schlüssel in die Tür steckt,
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wo dann nur noch die Tür dann quasi als Rahmen steht.
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Und er eintritt und meint so, er passt, der Schlüssel. Also es ist quasi so
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ein bisschen auch so ein Kriminal.
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Das ist dann halt von einer Station zur Nächste, so ein Kriminalfilm.
0:37:12–0:37:14
Das ist hinweisen, gucken und weiter.
Micz Flor
0:37:15–0:37:19
Ja, es ist so ein bisschen abstrus, weil wenn du ganz rauszoomst,
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dann bräuchten die gar nicht so viel rumrennen, weil irgendwann die Auflösung
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des Ganzen wird zum Schluss sein,
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dass im Fernseher dieses Kind gezeigt wird, es sei entführt worden im Krankenhaus.
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Und das ist ein Hinweis, den hätten sie überall gesehen.
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Ihre Tour war dafür gar nicht notwendig.
Florian Clauß
0:37:37–0:37:38
Ja, das stimmt.
Micz Flor
0:37:38–0:37:42
Und in gewisser Weise haben sie es verschlimmbessert, als sie dann die Falschmutter finden.
Florian Clauß
0:37:42–0:37:43
Genau.
Micz Flor
0:37:43–0:37:47
Aber in dieser Tour, die sie gemacht haben, sonst gäbe es den Film gar nicht,
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Dazwischen passieren eben immer wieder kleine Wunder.
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Und Detektivarbeit, die wechseln sich immer so ab, finde ich.
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Also die strengen sich an, diesen Ort zu finden. Im Hintergrund sind eben zwei
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Häuser, wie so Twin Towers zu sehen.
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Und dann versuchen sie, den Ort zu finden, von wo aus das Foto gemacht wurde.
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Das ist dann die Detektivarbeit, die sie leisten. Aber dass sie überhaupt mit
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dem Schlüssel dahin kommen oder dass dann da sich wieder ein Hinweis auf was anderes findet.
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Oft ist es halt so wundersam, dass überhaupt was passiert.
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In einer Szene werden sie fast von einem Krankenwagen totgefahren,
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der in ein Café reinrauscht, in dem sie gerade noch drin waren.
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Aber sie sind dann, weil ein Gast sie verprügeln wollte, aus dem Café rausgegangen.
0:38:30–0:38:32
In dem Moment rauscht es hinter denen.
Florian Clauß
0:38:32–0:38:38
Der Kassierer ist dann gefolgt. Und alle gucken dann sich so um und dachten, okay, ich gehe da mal.
Micz Flor
0:38:38–0:38:43
Das sind so diese Sachen, finde ich. Zwischendrin haben wir immer dieses Wechselspiel
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zwischen Detektivarbeit, die ja auch für so einen Film spannend ist,
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wie so ein Roadmovie, kommt dann der nächste Clou, der nächste Clou,
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der nächste Clou, so ein Whodunit.
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Und auf der anderen Seite aber auch das Fantasy-Element, das Fantastische,
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das Wunder der Christmas-Zeit.
Florian Clauß
0:39:01–0:39:06
Und du hast natürlich diese starke emotionale Verbundenheit mit den Figuren,
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weil Hannah in ihrer Expressivität, die mag man einfach dann als Charakter.
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Gin, also man mag alle drei, aber gleichzeitig sind die auch nicht so zugänglich.
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Sie sind halt nicht so superschön oder so tolle Charaktere, sondern sie sind
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halt so mit allen Ecken und Kanten.
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Ja, und das finde ich halt toll, dass der Film es schafft, dass man die dann
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halt auch so emotional so mag.
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Und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass du in so einem Weihnachtsfilm auch,
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Figuren hast, mit denen du dich halt so emotional ganz stark verbindest.
0:39:37–0:39:38
Und das schafft der Film, ja.
Micz Flor
0:39:38–0:39:40
Ja, und es ist so ein bisschen auch,
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In der Dynamik, das Mädchen fragte dann immer Hanna an zwei,
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drei Punkten, ob sie denn nicht in Jin verliebt sei eigentlich.
Florian Clauß
0:39:51–0:39:51
Ja, stimmt.
Micz Flor
0:39:52–0:39:56
Das kommt dann irgendwie auch noch so mit dazu. Und was ich vorhin sagte,
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wo Hanna so dann so aufkarikiert,
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aufklärerisch, agitiert im Krankenhaus diese Szene zunichte macht zwischen Jin und seiner Tochter.
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Da spielt es auch so ein bisschen mit, finde ich. Ist das jetzt eine Form von
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möglicher Eifersucht, dass Gin jetzt über seine Tochter vielleicht wieder in
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die Familie kommt und das bleibt unklar.
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Aber die Dynamik zwischen denen ist auf alle Fälle auch ein ganz wichtiger Teil.
Florian Clauß
0:40:24–0:40:27
Ja, genau. Hanna, das ist das, was ich vorhin verwechselt habe,
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aber Hanna ist ins Krankenhaus gekommen, weil sie dann so einen schwächer Anfall hat.
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In diesem Krankenhaus findet dann Gin seine Tochter, die als Krankenschwester
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arbeitet und hat auf einmal wieder Kontakt zu seiner Familie.
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Und Hanna wird in ihrer Schwäche auf einmal wieder zu einer unglaublichen zetternden
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Person, die dann auch sagt, okay, die hat ihren Schwächeanfall überwunden jetzt.
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Und dann ziehen sie weiter und vielleicht kann man das dann,
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du hast es ja auch schon gesagt, Nämlich in einer Szene finden dann Hana und
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Miyuku die richtige Mutter,
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wie sie sich gerade die Brücke herunterstürzen will.
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Und guck mal hier, die Rehe. Da sieht man das Ergebnis der Jagd.
Micz Flor
0:41:15–0:41:17
Oh, wir sind also wirklich im Jagdgebiet.
Florian Clauß
0:41:19–0:41:21
Aber es war eigentlich abgesperrt mit.
Micz Flor
0:41:21–0:41:25
Und die haben uns gegrüßt. Die haben uns nicht zurückgegangen.
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Wir sind vielleicht auch ein Leckerli.
Florian Clauß
0:41:31–0:41:34
Das wäre dann so ein bisschen wie Blair Witch Project, wenn man den Podcast
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auf einmal in so eine Jagd abkippt.
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Blair Brandenburg Project.
Micz Flor
0:41:42–0:41:47
Dieses Finale ins zweite Finale, oder Showdown ins zweiten Showdown in der Zeit,
0:41:47–0:41:55
weil sie finden die Mutter, die aber interessanterweise auch schon einem komisch
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vorkommt. Die finden sie fast zufällig.
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Hannah und das Mädchen laufen über eine Brücke.
Florian Clauß
0:41:59–0:42:01
Fast zufällig ist gut gesagt bei dem.
Micz Flor
0:42:02–0:42:04
Und während sie über die Brücke gehen, sieht man im Hintergrund,
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wie eine Frau hochklettert und sich umbringen will. Und dann halten sie die
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zurück, reißen die runter.
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Und dann ist auch so eine Hannah-Situation. Und die Frau, die da springen wollte,
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sieht dann auf einmal das Kind und dann ...
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Erkennt sie ihr Kind und die anderen erkennen, dass sie ihr Kind erkennt.
Florian Clauß
0:42:22–0:42:26
Ja, weil sie die Bilder von ihr die ganze Zeit dann auch haben und gucken.
Micz Flor
0:42:26–0:42:31
Und dann ist es so auch wieder ein Wunder, wie das zusammenkommt.
0:42:31–0:42:35
Und sie wollte sich umbringen, weil sie das, das wurde vorher als Motiv auch
0:42:35–0:42:37
ein paar Mal erwähnt, dass die Mutter sich vielleicht umbringen will,
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weil sie ihr Kind verloren hat.
Florian Clauß
0:42:39–0:42:41
Genau, weil sie ihr Kind verloren hat. Aber was man dann erfährt,
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ist tatsächlich, und das ist auch wieder so ein Randthema,
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ein Tabuthema, was halt nicht oft in Filmen dann thematisiert wird,
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nämlich, dass sie eine Totgeburt hatte und dann irgendein Kind genommen hat,
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weil sie es nicht verkraftet hat.
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Gleichzeitig ist sie auch vom Zeichenstil so krass, finde ich.
Micz Flor
0:43:02–0:43:06
Das wollte ich nämlich sagen, sie ist sehr blass, sehr grau und in dem Moment,
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wo sie dann das Kind bekommt, hat man so das Gefühl, irgendwas stimmt da nicht.
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Das ist schon sehr gut gemacht, weil Man kann sich nicht gut damit anfreunden,
0:43:14–0:43:17
dass die das Kind dann hat. Dann will sie ihm die Brust geben.
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Das Kind will die Brust auch nicht auf so einem Spielplatz. Das ist alles grau und schwierig.
Florian Clauß
0:43:22–0:43:26
Ja, und parallel dazu findet Jin halt den Mann zu der Frau.
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Ja, der dann aber auch so, also so eine Animation wie so Uncanny Valley.
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Man hat immer so, irgendwas ist komisch bei den Figuren.
Micz Flor
0:43:35–0:43:39
Ja, genau. Das Gesicht ist irgendwie, da stimmen die Proportionen nicht.
0:43:39–0:43:41
Es formt sich immer, aber ganz subtil.
Florian Clauß
0:43:41–0:43:44
Ganz subtil, fand ich auch. So ein bisschen hat mich das auch an die,
0:43:45–0:43:51
weiß ich nicht, an Otomo, der Akira gezeichnet hat, mit dem auch Satoshi Kon
0:43:51–0:43:53
den Film Memories, das ist so ein Kurzfilm,
0:43:54–0:43:58
da hat er eine Geschichte quasi von Otomo gezeichnet.
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Also er war auch so ein bisschen in Otomos als jemand, der ihn dann auch mit groß gemacht hat.
0:44:05–0:44:11
Ja, und der hat auch solche, bei den Selbstmörderparadies, ich weiß nicht, ob du das...
0:44:11–0:44:15
Die Geschichte kennst, das ist auch von Otomo an früher, wo dann halt so in
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diesen japanischen Hochhäusern dann so ein alter Mann, der ganz viel so Zeug
0:44:22–0:44:23
an das Rollstuhl spielt.
Micz Flor
0:44:23–0:44:24
Das sind Dreiteile oder so.
Florian Clauß
0:44:24–0:44:25
Das habe ich gesehen.
Micz Flor
0:44:25–0:44:25
Ja super.
Florian Clauß
0:44:25–0:44:29
Und da sind auch immer so diese Figuren, die mit ganz wenig Strichen dann auf
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einmal so eine ganz komische Stimmung erzeugen können und so eine Unruhe haben.
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Genau, und er findet den dann und dann kommt es eigentlich zu so einer finalen
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Verfolgungsszene, weil dann ihnen klar wird, das ist nicht die Frau.
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Das kriegen dann auch Hanna und Miyuko mit im Fernsehen und sehen dann halt,
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dass sie nicht die Frau ist von dem Kind.
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Und dann gibt es diese Verfolgungsszene, die auch unglaublich spektakulär ist,
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wo sie dann mit einem Taxi, Jin mit einem Fahrrad, dann die Frau hat dann einen
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Laster genommen mit dem Kind zusammen,
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wo sie dann halt durch Tokio rasen und in so einen Tower reinfahren Und dort
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dann auf dem Dach kommt es quasi zu dieser Schlüsselszene,
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wo dann tatsächlich die Frau mit dem Kind dann sich entscheidet,
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in die Tiefe zu stürzen und die drei Obdachlosen dann im Hintergrund befinden.
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Sie retten, ja, also noch gerade so am Abgrund festhalten und es eskaliert immer
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weiter, dann fliegen sie noch so auf so ein Zwischendeck, ja,
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und dann aber springt die Frau, also sie lässt sich tatsächlich nicht von dem Sprung abbringen, ja.
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Sie springt quasi, wird zurückgehalten, das Baby fällt, Hannah stürzt sich hinterher
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und dann kommt dieser magische Moment, ja.
Micz Flor
0:45:49–0:45:50
Ja, wieder magisch, ja.
Florian Clauß
0:45:50–0:45:55
Und der magische Moment, wo dann eine riesen Fahne dann quasi von so einem Windstoß,
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man sieht dann aus der Perspektive, das Wind ist.
Micz Flor
0:45:58–0:46:03
In einer Hand hält sie das Kind, in der anderen Hand hält sie sich an dieser Fahne fest.
Florian Clauß
0:46:03–0:46:08
Genau, aber der Windstoß kommt erstmal an und weht diese Fahne hoch und dann
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kann Hannah quasi diese Fahne ergreifen und dann ist der Film ganz still und hat so ein ganz...
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Heiligen Momenten. Man sieht dann im Hintergrund in der Straßenflucht zwischen
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den Häuserfronten die Sonne aufgehen.
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Es wird dann quasi auch von der Sonne erleuchtet.
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Langsam in einem ganz stillen Moment mit Hilfe der Fahnen als Segel gleitet
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sie dann zur Straße herunter und wird ganz sanft dann so abgesetzt.
Micz Flor
0:46:35–0:46:42
Und es ist auch ganz still, wirklich, weil die Tonspur ist auf Null in dem Moment. Da ist kein Ton.
Florian Clauß
0:46:42–0:46:46
Und das ist wirklich so ein toller Moment an dem Film, der dann halt nochmal
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so alles zusammenbringt und das ist halt so auch das Wunder.
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Genau, dann wird auch nebenbei noch die Superglückszahl ausgerufen und Miyuku
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findet ihren Vater wieder.
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Der Vater hat nämlich ermittelt, bei dem Ehepaar, die das Kind eben vermisst
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haben, Also die dann auch auf dieser Geburtenstation lagen, wo die eine dann
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eben das Kind entführt hat.
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Und es kommt dann wieder ganz viel zusammen.
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Miyoko, man sieht dann halt schon so, dass der Vater, dass die sich die ganze
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Zeit gesorgt haben um Miyoko und wollen, dass es ihr gut geht.
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Und das ist auch wieder so eine Art von Zusammenführung, Familienzusammenführung.
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Und ja, es ist ein super Happy End irgendwo. Ja, das ist nämlich auch ein wesentliches
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Merkmal von Weihnachtsfilm Happy End.
Micz Flor
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Selbst bei Bruce Willis in Die Hard, wo alles schief gehen könnte,
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aber es findet alles eine gute Auflösung.
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Der Film nicht natürlich da aufhört, wo man dann nicht weiß,
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wie es jetzt weitergeht mit Gin und seiner Tochter oder nicht.
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Er hört genau in dem Moment auf, wo alles gut ist.
Florian Clauß
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Ja, muss er auch nicht weitererzählen, weil ich glaube, die Botschaft hat er
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schon jetzt so rübergebracht.
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Also es ist halt eine frohe Botschaft.
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Ja, und es geht um Werte wie Familie, Zusammengehörigkeit, Nächstenliebe und
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natürlich, was er auch gemacht hat, alle Charaktere in diesem Film sind gewachsen.
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Jin ist von einem Alkoholiker zu einer verantwortungsvollen Person geworden,
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der dann halt auch quasi so maßgeblich dann mit dem Rad, ja,
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wie er dann diese Verfolgungsjagd hatte, also wo er dann tatsächlich so diese
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Radrennfahrerkarriere dann… Ja.
Micz Flor
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Stimmt, das ist mir vorher gar nicht so eingefallen.
Florian Clauß
0:48:46–0:48:48
Also irgendwie kommt jeder wieder mit seinen,
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mit seinen Qualitäten da zum Vorschein. Und Hannah als die Retterin halt, als die Madonna,
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als diejenige, die halt das Kind, also sie ist ja dann quasi auch mehr oder
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weniger die Jungfrau Maria, weil das wurde auch so ein bisschen thematisiert
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in dem Film, dass sie als, sie würde ja auch, sie könnte, es wäre ihr Kind,
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sie fühlt sich so als Frau, sie könnte ja auch ein Kind bekommen.
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Ja, aber natürlich ist die ganze Weihnachtsgeschichte auf eine Jungfrauengeburt.
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Ja, warum soll nicht auch eine Transperson dann halt auch...
Micz Flor
0:49:22–0:49:26
Ja, das ist ja das Argument, sagt Jesus, all das, das ist ja angeblich unmöglich
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und ein Wunder, dann kann mir das ja auch passieren.
Florian Clauß
0:49:29–0:49:34
Genau. Das ist jetzt der Krummsee übrigens. Ich habe es mir irgendwie romantischer vorgestellt.
Micz Flor
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Wir laufen hier, ich bin so ein bisschen angespannt und versuche Schüsse zu
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hören oder nicht. in der Jagd-Saison hier rumlaufen.
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The show must go on. Und das ist auch nicht der Weg, der denkt,
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oh, da vorne ist auch noch ein Feuer.
Florian Clauß
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Da werden jetzt schon die Rehe geräuchert.
Micz Flor
0:49:54–0:49:55
Wenn wir gleich geräuchert.
Florian Clauß
0:49:55–0:49:58
Mich hat jetzt auch beim Wiedersehen der Film schon sehr berührt.
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Und ich finde den nach wie vor als Weihnachtsfilm, wenn ihr noch nicht,
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also wenn ihr schon alle Weihnachtsfilme dieses Jahr geguckt habt,
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diesen kennt ihr jetzt auch.
Micz Flor
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Wir sind immer wieder, wir versuchen immer wieder kürzer zu erklären,
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aber dann ziehen wir doch alles durch.
Florian Clauß
0:50:14–0:50:17
Ja, ich glaube, wir sind jetzt aber auch nicht so tief reingegangen.
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Wir haben so Fragmente berichtet und ich glaube, so ist das auch,
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was man von dem Film erinnert.
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Also der ist, glaube ich, so, wenn man den guckt, den kann man einfach super
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gucken zur Weihnachtszeit.
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Also unbedingt schauen und der Film hat auch...
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Eine Vorlage, eine westliche, eine Western-Vorlage tatsächlich. Und zwar von 1948.
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Three Godfathers. Da kommt auch Godfather quasi im Titel vor.
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Und da geht es auch um so, ich habe den nicht gesehen, aber das,
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was ich früher gelesen habe,
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um so drei Cowboys, die irgendwo in der Wüste dann halt ein Kind finden und
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dann eben auch auf so eine Reise geschickt werden.
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Satoshi Kon hat zusammen mit jemandem das Drehbuch geschrieben innerhalb von drei Monaten.
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Also er ist auch eine sehr starke Person, was jetzt das ganze Drehen von Drehbuch
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über Storyboard, also er ist sehr bestimmt in der Umsetzung.
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Das kann man sich auch vorstellen. Also das ist aber auch einer,
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der jetzt nicht im Gegensatz zu Studio Ghibli, wo ganz andere Budgets da sind, ne?
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Also die Filme von Satoshi Kon kommen immer mit recht wenig Budget.
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Ich glaube, der Film hat, ich weiß gar nicht, aber der war irgendwie so...
0:51:45–0:51:49
Wie, wie viel? Aber der ist sehr wenig. Also ich glaube, es waren fast zwei
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Millionen, ist der ausgekommen in einer Produktionszeit von zwei Jahren.
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Also relativ schnell auch für Anime, von der ersten Idee bis hin zum fertigen Film.
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Und ist in Japan auch rausgekommen, sollte so ein Kassenschlager werden.
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Ich weiß gar nicht, wie er dann in Japan angekommen ist, ob es tatsächlich zum
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Kassenschlager geworden ist.
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Aber in dem Oeuvre von Satoshi Kon ist es so auch der zugänglichste,
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der normalste, wird gesagt, Film.
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Weil die anderen sind schon sehr speziell von den Geschichten.
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Zum Beispiel ist auch in dem Film Paprika, ich glaube es ist Paprika,
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dass der dann auch von Christopher Nolan gesehen wurde und diese ganze Inception-Idee,
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Also dieses Traum, ein Traum kommt halt aus diesem Film.
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Also es wird halt nachgesagt, dass Christopher Nolan das geklaut hätte.
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Aber man sagt eher, dass es eine Inspiration ist für Christopher Nolan.
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Ja klar, kann jeder machen, was er will. Aber es zeigt auch erstmal den Stellenwert von Satoshi Kon.
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Ja, er hat aufgrund seiner...
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Ich meine, einen kleinen Filmauswahl, aber doch sehr stark und auch nicht großartig
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vom Budget, hat er doch irgendwie eine unglaubliche Fame so im Nachhinein.
0:53:13–0:53:17
Oder auch schon während er, also ich kann mich noch daran erinnern,
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dass ich auch tatsächlich von seinem Tod gehört habe und dann auch echt betroffen war.
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Es war wirklich so, es gibt wenig zeitgenössische Personen, wenn die sterben,
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dass man dann so eine Anteilnahme hat.
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Und bei Satoshi kann ich mich noch daran erinnern, dass er 2010 gestorben,
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dass ich da wirklich auch erschüttert war.
Micz Flor
0:53:39–0:53:44
Also ich habe den Film zum ersten Mal gesehen. Ich finde es irgendwie interessant,
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weil der ist ein Weihnachtsfilm, wird er überhaupt nicht kitschig.
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Ich würde sagen sogar, dass so ein kitschiges Emo-Gefühl ist das,
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was da am wenigsten vorkommt. Er ist lustig.
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Er ist dramatisch, wenn nicht sogar melodramatisch, was ja durch Hannah auch
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irgendwie so ein bisschen angelegt ist.
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Die am Anfang dann auch ihre ganzen inneren Projektionen der Weihnachtszeit
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und die reigende Biografie auf das Kind.
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Oh Gott, wenn dieses Kind nur einen Tag geliebt werden kann,
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dann hat sich alles erreicht.
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Bevor wir sie zur Polizei geben, ich werde sie lieben.
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Das hat sie verdient, jeder Mensch hat. Also sie ist sehr dramatisch.
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Dann ist halt viel Comedy auch drin und was du gesagt hast ist wirklich, es ist halt kein,
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fotorealistischer Film es ist halt gezeichnet, aber trotzdem ist dieses Tokio,
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was da gezeigt wird man möchte sehr gerne irgendwie mit dieser Stadt verbunden
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sein die da gezeigt wird also ich mach meinen Daumen hoch für Weihnachtsfilm man muss auch sagen.
Florian Clauß
0:54:45–0:54:50
Dass der Sound also die Musik, die auch damit produziert wurde ein,
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Komponist, jetzt habe ich auch den Namen nicht präsent, aber der auch häufiger
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mit Satoshi Kon zusammengearbeitet hat.
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Und das ist halt wirklich auch so eine Art von Schunkelmusik.
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Also sehr japanisch, so ein bisschen verzerrt, aber am Ende tanzen dann auch
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im Abspann die Hochhäuser in Tokio.
Micz Flor
0:55:11–0:55:14
Ja, so ein bisschen so Karaoke-Atari-Musik.
Florian Clauß
0:55:16–0:55:21
Also man hat dann gleich einen Ohrwurm und das schaffen auch einige.
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Anime-Produktionen, die dann halt wirklich einen großartigen Soundtrack haben.
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Und bei Paprika ist es zum Beispiel, da gibt es eine Sequenz,
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die ist episch, wo dann halt auch so ein Marsch dann im Traum und dann so eine
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ganze, so eine Truppe von allen möglichen Traumwesen dann durch den Traum marschiert.
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Und dazu die Musik, die ist großartig.
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Also nur, das gibt es ja auch irgendwo als YouTube, kann man sich mal angucken. das ist wirklich toll.
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Also wirklich, Satoshi Con, unbedingt gucken, Empfehlung.
Micz Flor
0:55:56–0:55:59
Ich habe das Gefühl, dass wir da noch mehr von hören werden,
0:55:59–0:56:02
was sei jetzt für dich selber, glaube ich, ein bisschen in ein...
0:56:02–0:56:05
Du hast von Oeuvre gesprochen, ich habe das Gefühl, du wirst noch mehrere davon
0:56:05–0:56:07
vielleicht reinziehen.
Florian Clauß
0:56:07–0:56:10
Also ich war ja auch neulich Gast bei einem anderen Podcast,
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das habe ich, glaube ich, noch nicht erwähnt hier in diesem Podcast, und zwar bei Rewrite.
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Und wir haben über die Filmserie, die Zeichentrickserie, auf Netflix kommt die Pantheon gesprochen.
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Also hier auch, wer sich das anhören möchte, Rewrite Pantheon.
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Und ist es eine amerikanische Produktion? Ja, ich wollte damit sagen,
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Rewrite macht auch viele Podcasts über andere Animes und so weiter.
0:56:38–0:56:41
Und einer davon ist auch Paprika, also den kann man sich da auch anhören.
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Also ich glaube, was nochmal für uns interessant wäre, wenn wir das uns näher
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angucken, dann wäre das fast dein Thema, weil ganz viel eben von diesen freudianischen
0:56:51–0:56:54
Theorien da mit drinnen stecken.
0:56:54–0:57:00
Und das wäre dann mal interessant, wie du das dann halt als Psychotherapeut
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dann auch so auf die Figuren guckst und auf die Entwicklung.
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Weil teilweise wird schon gesagt,
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dass Millennium Actress eigentlich dann so eine Art von Bergmann-Film sein kann,
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wo auch dieses Beagle-Motiv, diese Zerbrochenheit der Figuren durch Reflexion
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und durch Persona ist dann die Referenz von Bergmann,
0:57:26–0:57:29
dass das dann so gezeigt wird.
Micz Flor
0:57:29–0:57:32
Das sagst du jetzt natürlich auch vor dem Hintergrund, weil der Regisseur selber
0:57:32–0:57:37
gesagt hat, seine Storys und so, die darf man sich gerne auch mal psychologisch
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deuten oder psychoanalytisch deuten.
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Das war ja sowas, wo er scheinbar das eingebaut hat und in gewisser Weise dann,
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auch wenn er sowas dann öffentlich kundtut...
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Irgendwie auch einlädt, gesehen zu werden. Das kann man mal machen.
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Also klar, dann gucke ich mir die mal an. Aber ich kann es jetzt nicht vorher
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sagen, ob ich da irgendwie einen Geistesblitz finde, in dem ich dann denke,
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wow, hey, Flo, wir müssen diesen Film jetzt besprechen.
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Ich habe dem, um es mit Zizek zu sagen, precise opposite Moment gefunden.
Florian Clauß
0:58:11–0:58:14
Ja, vielleicht ist es dann wieder so ein Ding, das wir zusammen machen können.
0:58:15–0:58:18
Und dann gucken wir uns das Paprika zusammen an und können das dann mal auf
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diese Motive untersuchen.
Micz Flor
0:58:20–0:58:23
Und Paprika ist auch eine gute Brücke, weil ich habe ein bisschen Hunger. Du auch?
Florian Clauß
0:58:24–0:58:25
Ja.
Micz Flor
0:58:27–0:58:32
Wir kommen jetzt, glaube ich, langsam. Wir sind immer noch hier am Krummensee.
0:58:32–0:58:37
Die Tour aus Krummensee. Aber ich glaube, wir kommen jetzt mit der Folge langsam zum Ende, oder?
Florian Clauß
0:58:37–0:58:42
Ja, mit der Spur nicht. Wir sind jetzt gerade am weitesten Punkt.
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Am weitesten? Ja, wir müssen eine ganze Ecke zurück.
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Aber mit der Folge sind wir am Ende. Ich hätte noch überlegt,
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ob man da irgendwie nochmal so in diese Kulturgeschichte von Weihnachtsfilmen einsteigen möchte.
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Ich weiß noch, als wir auch mal vor Jahren, das waren halt schon fast Jahrzehnte,
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hier mal draußen waren und zurückgefahren sind, da kommt man immer auf der Rückfahrt durch Marzahn.
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Und da gibt es ja diese Eastside Gallery in Marzahn. und dann haben wir da mal
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zusammen auch noch irgendwie beim Asiaten gegessen und sind durch Mediamarkt
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oder was wie es damals hieß, rumgegangen da hast du Medimax, glaube ich,
0:59:21–0:59:26
keine Ahnung da hast du mir einen Weihnachtsfilm,
0:59:27–0:59:31
geschenkt, den ich dann halt auf DVD, wo das noch tatsächlich...
Micz Flor
0:59:31–0:59:32
War die der Weihnachtself!
Florian Clauß
0:59:32–0:59:33
Genau!
Micz Flor
0:59:34–0:59:37
Ich weiß nicht, ob das immer noch gilt, aber das war wirklich lange,
0:59:37–0:59:41
lange Zeit mal ein All-Time-Favorite- Weihnachtsfilm Ich finde ihn ganz, ganz toll.
Florian Clauß
0:59:42–0:59:46
Und ich dachte, wir könnten vielleicht nochmal über unsere Weihnachtswirmerfahrung...
Micz Flor
0:59:46–0:59:48
Kann ich dir einen komischen Fun-Fact erzählen?
Florian Clauß
0:59:48–0:59:49
Ja.
Micz Flor
0:59:49–0:59:52
Ich habe irgendwo noch vier DVDs davon.
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Ich kann dir auch sagen, warum. Weil ich den nämlich nochmal verschenken wollte im Jahr drauf.
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Den auf Ebay gesucht habe. Und da gingen die DVDs, obwohl das schon DVD on its
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way out war, gingen die für 40, 50, 60 Euro weg.
Florian Clauß
1:00:07–1:00:07
War es?
Micz Flor
1:00:08–1:00:08
Ja, total.
Florian Clauß
1:00:11–1:00:12
Zu Weihnachtszeit ging es.
Micz Flor
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Genau, zur Weihnachtszeit. Und dann habe ich nach Weihnachten waren die dann bei 5, 6, 7 Euro.
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Da habe ich gedacht, Moment, mach, da hole ich mir mal vier. Und zu Weihnachten...
Florian Clauß
1:00:23–1:00:28
Bitcoins, genau. Wertlose, Bodycoins. Bodycoins.
Micz Flor
1:00:29–1:00:33
Und die vier habe ich jetzt, jetzt muss ich das schnell nochmal probieren,
1:00:33–1:00:38
ob das überhaupt noch geht, weil es gibt ja kaum noch DVD-Spieler.
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Aber das war damals mein Project.
Florian Clauß
1:00:44–1:00:49
Money Project. Wir sind auch in irgendeiner Kiste bei dir, vier DVDs.
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Und da steht das Erbe für meine Kinder.
Micz Flor
1:00:53–1:00:55
Es heißt DVD.
Florian Clauß
1:00:58–1:01:04
Sehr gut. Ich habe, glaube ich, den Film gesehen, aber so richtig connecten konnte ich dann nicht.
Micz Flor
1:01:04–1:01:10
Ja, das ist dann vielleicht für nächstes Jahr Buddy. Ich kann gerne über den Film sprechen.
1:01:11–1:01:17
Das Motiv dieses Films ist, dass ein Menschenkind am Nordpol als Wichtel oder
1:01:17–1:01:22
wie die auch immer in dem Deutschen heißen, also dem Weihnachtsmann die Spielzeuge
1:01:22–1:01:24
bauen, aufgezogen wird.
1:01:24–1:01:27
Irgendwann dann aber checkt, weil es dreimal so groß ist wie alle anderen,
1:01:27–1:01:29
dass es vielleicht doch nicht genau dahin gehört.
1:01:29–1:01:35
Und dann nach Manhattan kommt und seinen Vater findet, nachdem es den Ziehvater
1:01:35–1:01:40
zur Rede gestellt hat und der hat einen Tipp gemacht. Und dann ist halt dieses,
1:01:40–1:01:48
Erwachsene Kind, Will Ferrell, in Manhattan und benimmt sich halt wie ein Kind,
1:01:48–1:01:50
das nur Weihnachten kennt.
1:01:50–1:01:52
So, das ist der Plot.
Florian Clauß
1:01:52–1:02:00
Ja, okay, aber es ist ja auch so klassisch, dass irgendwie so Kind in Erwachsenen und Familie.
Micz Flor
1:02:00–1:02:04
Und der Erwachsene, den alle sehen, der halt dann immer auch Sachen sagt,
1:02:04–1:02:07
die eigentlich nur Kinder sagen dürften. Und deshalb die ganze Zeit auch so
1:02:07–1:02:08
soziale Grenzen überschreitet.
1:02:10–1:02:15
Und Will Ferrell ist halt einfach auch schon sehr, sehr lustig.
Florian Clauß
1:02:15–1:02:19
Ja, da muss ich nochmal eine Seitenbemerkung auch machen, weil das ist mir auch
1:02:19–1:02:24
aufgefallen, wie großartig das gespielt wurde, nämlich wo dann auch Kinder in,
1:02:26–1:02:33
Erwachsenenkörpern nämlich bei Alien Earth bei Alien Earth gibt es dann halt so die sogenannten Den.
Micz Flor
1:02:33–1:02:35
Musst du ja eh auch nochmal besprechen Ist das eine.
Florian Clauß
1:02:35–1:02:39
Vorausschau auf 2026? Body-Horror hatte ich das mal erwähnt.
1:02:39–1:02:44
Also es gibt dann quasi diejenigen, die dann ihren Mind, also ihren Geist,
1:02:44–1:02:45
dann halt in einen künstlichen Körper...
1:02:46–1:02:48
Überspielen können. Und das sind
1:02:48–1:02:52
Kinder, die dann im Sterben liegen oder Todeskrankheiten oder sowas haben.
1:02:52–1:02:57
Und die werden dann halt von so einem Multimilliardären, der dann diese Körper
1:02:57–1:03:01
entwickelt hat und die dann auch owned, mehr oder weniger, werden die dann halt
1:03:01–1:03:05
in einem Projekt dann halt so, das ist halt so eine Gruppe, ne?
1:03:05–1:03:08
Und die spielen dann halt so Gestik und Mimik von Kindern.
1:03:09–1:03:13
Das ist echt super. Da gibt es zwei Typen, die die ganze Zeit sich so ein bisschen
1:03:13–1:03:16
als Freunde gefunden haben und dann aber auch so die ganze Zeit kappeln.
1:03:16–1:03:18
Und dann so, oh Mann, komm schon.
1:03:19–1:03:23
Im Hintergrund kriecht dann halt so ein irgendein Alien oder so ein anderer
1:03:23–1:03:25
Parasit aus dem Weltall.
1:03:25–1:03:28
Kriecht ihn halt dann irgendwie so. Die sind auch so unverwundbar,
1:03:28–1:03:30
weil dann halt die Aliens nicht, die gehen eher auf Biomaterial.
1:03:31–1:03:34
Fällt mir jetzt nur spontan ein. Hat nichts mit einem Weihnachtsfilm zu tun.
1:03:35–1:03:38
Aber andere Weihnachtsfilme, Die Hard, hast du ja auch schon erwähnt,
1:03:38–1:03:40
ist auch immer der Classic.
1:03:40–1:03:45
Weil der auch zur Weihnachtszeit, aber Aber der Schnee fehlt auch am Ende, oder?
Micz Flor
1:03:46–1:03:52
Ja, ich glaube erst am Ende. Das ist dann sozusagen der Teppich über das ganze Desaster. Home Alone.
Florian Clauß
1:03:53–1:03:57
Home Alone, richtig. Kevin allein zu Hause. Ist auch, glaube ich,
1:03:57–1:03:59
ein ganz beliebter Weihnachtsfilm.
Micz Flor
1:04:00–1:04:05
Und im deutschen Sprachraum drei Haselnüsse für einen Aschenbrotel.
Florian Clauß
1:04:05–1:04:11
Ja, genau. Da kommst du halt in diese ganzen ARD-Mediathek-Märchenfilme. Das ist die eine Klasse.
Micz Flor
1:04:11–1:04:12
Das kannst du nicht über einen Kamm scheren.
Florian Clauß
1:04:12–1:04:18
Das sind ja diese tschechischen Filme, die dann, wir hatten das glaube ich auch
1:04:18–1:04:26
mal bei Schneewittchen erwähnt, in der Folge, als ich über Schneewittchen gesprochen habe. Selfie-Culture.
Micz Flor
1:04:26–1:04:29
Ja, Schneewittchen, wir haben keinen Schnee hier.
1:04:30–1:04:35
Und jetzt haben wir nochmal hinten wieder aufgemacht, frei assoziiert für andere Filme schon.
1:04:36–1:04:38
Jetzt wollen wir das schließen, die Folge.
Florian Clauß
1:04:39–1:04:40
Ja, jetzt machen wir die Tür zu.
Micz Flor
1:04:40–1:04:43
ZuhörerInnen eine...
1:04:43–1:04:47
Wer feiert eine fröhliche Weihnacht und einen guten Rutsch zu wünschen?
1:04:48–1:04:52
Wer nicht feiert, eine frohe Weihnachtszeit zu wünschen?
1:04:53–1:04:56
Die nächste Folge ist dann schon 2026.
Florian Clauß
1:04:57–1:05:02
Oder? Die nächste Folge wird am 01.01.2026 sein.
Micz Flor
1:05:02–1:05:06
Guck mal, jetzt sind wir aber direkt hier in der Schusslinie von so einem Hochsitz.
1:05:06–1:05:08
Da ist auch ein Hochsitz direkt vor uns.
Florian Clauß
1:05:08–1:05:13
Aber der war nicht abgesperrter Weg. Wir sind safe.
Micz Flor
1:05:13–1:05:19
Aber uns kam ein Auto entgegen mit toten Rehen hinten drauf.
Florian Clauß
1:05:19–1:05:20
Ja, die haben uns aber gegrüßt.
Micz Flor
1:05:20–1:05:21
Die Rehe.
Florian Clauß
1:05:23–1:05:23
Hallo.
Micz Flor
1:05:25–1:05:29
Ja, aber guck mal, da ist ein Sitz und da drüben ist ein Sitz und die müssen
1:05:29–1:05:32
gegen Deckung schießen. Gut, die müssen gleich da rüberschießen.
Florian Clauß
1:05:32–1:05:34
Es gibt überall Hochsitze in Brandenburg.
Micz Flor
1:05:34–1:05:37
Ja, aber wenn ein Jagdwochenende ist, ist es nochmal was anderes,
1:05:37–1:05:40
als wenn man irgendwie nochmal an irgendeinem Tag spazieren geht.
Florian Clauß
1:05:40–1:05:44
Ja, aber das ist so reguliert, die Jagd. Wenn die hier unterwegs wären,
1:05:44–1:05:46
dann müssen die das absperren.
Micz Flor
1:05:46–1:05:46
Okay.
Florian Clauß
1:05:47–1:05:49
Es ist ein unglaublich reguliertes Geschäft.
Micz Flor
1:05:50–1:05:56
Also hoffen wir, dass es 2026 eine Folge von uns gibt. Am 01.01.
Florian Clauß
1:05:56–1:05:58
Ja, wenn wir den Schuss übernehmen.

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"People always ask for something new. It's inevitable." -- Harvey (aka Dennis Quaid) in The Substance

Weiter geht's mit dem Halloween-Special zu Body Horror. Reinhard ist wieder dabei, Chris jedoch nicht. Der hat sich mit Zelt und Isomatte in die Wildnis verabschiedet. In dieser Episode widmen wir uns zwei weiteren Filmen des Genres: "The Substance" und "Together". Laufen beim Reden und laufend reden. Unterwegs im Treptower Park, wo uns zum Schluss ein ganz anderer Horror einholt: das dritte Aufnahmegerät hat nicht aufgenommen (Micz vergaß den Hold-Schieber auf eben jenes "Hold" zu schieben). Wir mussten Reinhards Tonspur akribisch aus den anderen beiden Spuren herausschneiden. In "The Substance" von Coralie Fargeat steht der weibliche Körper im Zentrum einer von Außen auf den Körper projizierten Selbstoptimierungsspirale. Elizabeth Sparkle, einst gefeierte Schauspielerin, wird älter – und damit für die Kamera untauglich. Ein mysteriöses Serum namens „The Substance“ verspricht Verjüngung. Ein zweites Ich, jung, schön, makellos, bricht durch den Rücken in die Welt. Die Gebrauchsanweisung sagt deutlich: alle sieben Tage müssen sich jung und alt abwechseln. Doch dieses zweite Selbst beginnt, das erste zu verdrängen – bis Identität, Fleisch und Selbstbild in einem grausamen Machtkampf verschmelzen. Fargeat inszeniert diese Verwandlung als blutiges Schauspiel über Körperbesitz, Leistungsdruck und das Begehren, gesehen zu werden. Im Anschluss reibt Flo Lacans Konzept des "Realen" am Schleim und Formlosen des Films. Wo "The Substance" Körpergrenzen auflöst, wird das Reale zum Ort des Unbegreiflichen – jener Überschuss, der sich der Symbolisierung entzieht. Der Film lässt uns körperlich spüren, was Lacan nur andeuten konnte: dass das Reale keine äußere Bedrohung ist, sondern etwas, das unaufhörlich in uns arbeitet. Der zweite Film, "Together" von Michael Shanks, erweitert das Thema Körperhorror um eine groteske Komödiennote. Alison Brie und Dave Franco spielen ein Paar, dessen Beziehung nach dem Umzug auf's Land zerbröselt, als ein bizarrer Selbstfindungstrip zur physischen Eskalation führt. Durch ein unerklärliches Phänomen werden die beiden aneinandergebunden, besser noch ineinanderverwickelt und -verstrickt. Die Geschichte ist in eine Farce über Abhängigkeit, Selbstauflösung und die möglicherweise Unmöglichkeit, wirklich „eins“ zu werden. Shanks inszeniert diesen Körper- und Beziehungsknoten als Mischung aus Beziehungsdrama und Splatter. Hier spricht Micz über Julia Kristevas Konzept des "Abjekts" – jenes Moments, in dem das Ich sich selbst nicht mehr von dem unterscheiden kann, was es abstößt. "Together" zeigt das Abjekt als Auflösung der Trennung zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Ich und Du. Das eklig Verschmelzende wird zum Beweis dafür, dass unser Selbstbild auf einer dünnen Haut beruht.

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß
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Reinhard

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:01
Merci.
Micz Flor
0:00:03–0:00:06
Okay, dann fangen wir jetzt mal ein bisschen mit der Musik an.
0:00:06–0:00:12
Ja, aber ich lege dann das zck, zck, zck von uns drüber.
Florian Clauß
0:00:12–0:00:14
Soll ich die Einleitung machen?
Micz Flor
0:00:14–0:00:15
Achso, ich mache ja die Einleitung.
Florian Clauß
0:00:15–0:00:17
Ja, ich wollte dich nur fragen.
Micz Flor
0:00:17–0:00:18
Und wir sind Folge 88?
Florian Clauß
0:00:19–0:00:21
Wir sind Folge 90.
Micz Flor
0:00:21–0:00:27
Folge 90 schon. Bist du sicher? Ah ja, genau, Folge 90. Okay.
0:00:30–0:00:31
Ich mache die Einleitung, okay?
Florian Clauß
0:00:31–0:00:32
Ja, gerne.
Micz Flor
0:00:32–0:00:35
Okay, hallo zusammen. Wir sind
0:00:35–0:00:39
heute zu dritt. Und bevor ich den Reveal mache, wer noch mit dabei ist.
0:00:40–0:00:43
Wir waren nämlich zu viert, als wir angefangen haben aufzunehmen.
0:00:44–0:00:45
Und dann haben wir gemerkt, das wurde zu lang.
0:00:46–0:00:51
Auch Podcast-Erfolgen können zu lang sein. Und haben zum Thema Body Horror dann
0:00:51–0:00:53
entschieden, wir splitten das in zwei Sets.
0:00:54–0:00:57
Und dann war es uns aber auch zu spät. Und wir haben dann nicht einfach gesplittet
0:00:57–0:01:02
und weitergemacht. Wir haben das Ganze fallen lassen, like a hot potato,
0:01:03–0:01:05
und greifen es heute wieder auf.
0:01:06–0:01:10
Wir sind, wie ihr hört, diesmal wieder auf den Spuren mit, wie immer,
0:01:10–0:01:16
und die Uridee von eigentlich war ja beim Laufen reden und laufend reden.
0:01:16–0:01:18
Und wir laufen gerade abends.
0:01:19–0:01:25
Kälte der Nacht am Treptower Park. Und mit mir ist natürlich der Flo.
Florian Clauß
0:01:25–0:01:26
Hallo.
Micz Flor
0:01:26–0:01:32
Und der Reinhard. Und wir grüßen den Chris, der gerade zelten ist und diesen
0:01:32–0:01:35
zweiten Teil deshalb nicht mit aufnehmen konnte.
0:01:35–0:01:39
Eigentlich war er dabei und eigentlich hätte ich mir auch gewünscht,
0:01:39–0:01:43
dass er da ist, weil ich habe einen Begriff, den Begriff der Abjection,
0:01:43–0:01:45
über den ich später reden wollte bei Chris Thewa.
0:01:46–0:01:48
Und da weiß ich nicht genau, was das im Englischen wirklich bedeutet.
0:01:49–0:01:52
Aber ich glaube, das kann er vielleicht dann als Kommentar unten mit reinlegen.
0:01:52–0:01:54
Und jetzt gehen wir ein bisschen unter.
Florian Clauß
0:01:55–0:02:00
Ja, wir laufen hier über den Weihnachtsmarkt vom Treptower Park.
0:02:00–0:02:03
Es riecht nach Zuckerwatte und Glühwein.
0:02:04–0:02:08
Und wo ist es ein DJ-Pult? Wir machen jetzt hier eine Kunstpause.
Micz Flor
0:02:08–0:02:09
Ja, Schnitt!
Florian Clauß
0:02:10–0:02:14
Wie ihr gehört habt, es ist Samstagabend, Saturday Night.
Micz Flor
0:02:15–0:02:15
So.
Florian Clauß
0:02:16–0:02:19
Das ist der erste kalte Oktobertag. Reinhard hat noch gesagt,
0:02:19–0:02:23
dass er gestern fast die ganze Zeit im kurzärmeligen Hemst unterwegs war.
0:02:24–0:02:26
Aber jetzt muss man sich lang anziehen.
Reinhard
0:02:28–0:02:31
Aber eins können wir auf jeden Fall unseren Hörern schon mal garantieren.
0:02:31–0:02:33
Wir behalten heute einen kühlen Kopf.
Florian Clauß
0:02:34–0:02:38
Ich habe noch eine warme Mütze dabei. Könnte sein, dass ich da aussteige.
Micz Flor
0:02:39–0:02:42
Und kühle Hände. Mit kühler Hand. Nee, mit ruhiger Hand. Entschuldigung.
Florian Clauß
0:02:43–0:02:49
Also Body Horror mit Reinhard. Letztes Mal hatten wir ja schon so eine Definition
0:02:49–0:02:50
von Body Horror geliefert, ne?
0:02:51–0:02:56
Und ich dachte, ich wollte jetzt einsteigen mit der Frage,
0:02:57–0:03:04
ob ihr in eurem Leben euch an Situationen erinnern könnt, wo ihr tatsächlich
0:03:04–0:03:11
Body Horror am eigenen Körper oder auch bei anderen gesehen habt,
0:03:11–0:03:13
der euch noch so in Erinnerung geblieben ist.
Micz Flor
0:03:15–0:03:15
Ja.
Florian Clauß
0:03:17–0:03:18
Dann erzähl.
Micz Flor
0:03:18–0:03:21
Wer will anfangen? Oder, Reinhard? Oder willst du noch suchen?
Reinhard
0:03:21–0:03:22
Nein, nein, ich habe tatsächlich was.
Micz Flor
0:03:22–0:03:26
Oder du kannst dann immer sagen, alles, was du sagst, und mir fällt auch noch
0:03:26–0:03:28
was. Das ist mir auch alles, das kenne ich.
Reinhard
0:03:28–0:03:31
Das ist tatsächlich eine Situation, die wir, glaube ich, bei unserem letzten
0:03:31–0:03:33
Gespräch auch schon zitiert haben.
0:03:33–0:03:38
Ich weiß nicht, wer es genau war. Erzählte, er hätte einmal einen älteren Mann
0:03:38–0:03:42
gesehen und sich gewundert über dessen Haltung oder dessen Gesicht.
0:03:42–0:03:45
Und dann erst zu erkennen, dass er in den Spiegel geschaut hat.
0:03:46–0:03:49
Und so ist es mir tatsächlich auch mal passiert. Ja, da bin ich,
0:03:49–0:03:54
nee, ich hatte irgendwie, ich hatte geschlafen in einem Zimt.
0:03:54–0:03:59
Und bin aufgewacht und habe verschlafen, irgendwie so mich umgeschaut und dabei
0:03:59–0:04:02
einen seltenen Menschen gesehen.
Florian Clauß
0:04:03–0:04:07
Und das hat wirklich zwei, drei Sekunden gedauert, bis ich gemerkt habe,
0:04:07–0:04:11
dass ich das selber bin. Das war schon ein schockierender Moment.
Reinhard
0:04:11–0:04:16
Weil wenn man nicht weiß, dass man es selber ist, schaut man doch wesentlich
0:04:16–0:04:18
kritischer. Das ist mir aufgefallen.
0:04:19–0:04:23
Deshalb hat man ja auch so wenig Probleme mit dem Älterwerden,
0:04:23–0:04:28
weil man ja irgendwie, man sieht sich jeden Tag im Spiegel wieder und das Gehirn
0:04:28–0:04:31
adaptiert irgendwie diese kleinen Veränderungen so,
0:04:31–0:04:34
dass wir die gar nicht mehr wahrnehmen. Aber wenn wir dann, wenn wir das nicht,
0:04:36–0:04:40
Verbindung gekappt ist, dann kommt der Horror.
Micz Flor
0:04:41–0:04:43
Aber älter werden ist gleich Horror.
Reinhard
0:04:44–0:04:47
Ja, ich würde sagen, das taucht dieses Motiv doch immer wieder auf.
0:04:47–0:04:51
Wir werden es gleich in der Substance natürlich. Da ist es ja bis zum Ultimo betrieben.
Micz Flor
0:04:52–0:04:53
Genau.
Florian Clauß
0:04:53–0:04:57
Ageism hatten wir auch das letzte Mal mit angesprochen, aber da ist glaube ich
0:04:57–0:05:01
Substance ein sehr starker Film.
0:05:03–0:05:05
Mitch, was war deine?
Micz Flor
0:05:05–0:05:07
Ja, zwei Dinge, die hatte ich, glaube ich, schon mal erzählt.
0:05:07–0:05:10
Da ging es in dieser Doppelfolge über C.G.
0:05:10–0:05:17
Jung, das rote Buch und dann die zweite Folge Chaos, Magie und Psychotherapie.
0:05:17–0:05:22
Da hatte ich darüber gesprochen, über Dinge, die ich erfahren habe,
0:05:22–0:05:25
als ich Zivildienst gemacht habe.
0:05:25–0:05:27
Die reiße ich nur kurz an, kann man ja dann immer nachhören.
0:05:27–0:05:29
Und dann habe ich aber noch was Neues, was mir gerade eingefallen ist.
0:05:30–0:05:35
Und das eine war, dass ich Patienten hatte beim Zivildienst in der mobilen Altenpflege,
0:05:36–0:05:38
dem es irgendwie nach und nach besser ging, der in den Kubitus hatte,
0:05:38–0:05:41
also wund gelegen war sozusagen an der Wirbelsäule.
0:05:41–0:05:44
Ich habe mich lange um den gekümmert, dann ging es ihm besser und da haben wir
0:05:44–0:05:48
uns beide gefreut, aber dann ging es ihm nach zwei Wochen wieder schlechter
0:05:48–0:05:51
und als ich kam, hat er hinten wieder so eine feuchte, wunde Stelle an der Wirbelsäule.
0:05:52–0:05:53
Und in der Nacht danach...
0:05:54–0:05:58
Dann schlief ich und wachte am nächsten Morgen auf und hatte an meiner Hüfte
0:05:58–0:06:02
etwa Tischtennisgroßen, so wie so eine Brandblase.
Florian Clauß
0:06:03–0:06:04
Ja, ich erinnere mich an die Geschichte.
Micz Flor
0:06:04–0:06:08
Das war so eine Sache, wo ich drangeguckt habe, das hat mich wirklich so erfasst,
0:06:08–0:06:11
weil ich gefühlt habe, das kommt von woanders, nicht von mir direkt.
0:06:12–0:06:16
Und in dem gleichen habe ich auch genannt, dass ich beim Studium in Manchester
0:06:16–0:06:19
hatte einen Mitbewohner, der hatte kreisrunden Haarausfall, heißt es,
0:06:19–0:06:23
dem alle Haare ausgefallen sind. Und er hat mir das erzählt und ich hatte natürlich
0:06:23–0:06:24
gedacht, oh Gott, wie schlimm.
0:06:24–0:06:29
Es fängt an, zuerst so Pfennig groß und dann hört das nicht mehr auf.
0:06:29–0:06:33
Und dann fallen dir alle Haare aus und die wachsen auch nie wieder nach oder ganz selten nur.
Florian Clauß
0:06:33–0:06:35
Ja, da hatten wir auch den Stalker, ne?
Micz Flor
0:06:35–0:06:39
Und prompt eine Woche später hatte ich hier am Kinn unten auf einmal weniger Haare.
0:06:40–0:06:44
Und dann hatte ich da wirklich auch so ein Pfenniggroßes oder Centgroß,
0:06:44–0:06:47
würde man heute sagen, auf einmal die Haare weg.
0:06:47–0:06:50
Und ich habe gedacht, ey, das ist jetzt nicht wahr. Und dann ist es so aber
0:06:50–0:06:52
geblieben und dann wuchsen die auch wieder nah und dann hatte ich aber lange
0:06:52–0:06:55
Zeit hier so einen grauen Fleck, bevor das dann wieder auch dunkel wurde.
0:06:56–0:06:57
Das war so ein bisschen unheimlich.
Reinhard
0:06:58–0:07:03
Ich hätte noch einen. Darf ich noch einen? Ja, klar. Also der ist mir jetzt erst eingefallen.
0:07:03–0:07:08
Dabei ist der wirklich viel, viel horrormäßiger gewesen als das andere Erwählnis.
0:07:08–0:07:09
Und es liegt auch noch nicht so lange zurück.
0:07:10–0:07:15
Ich war mit meiner Frau auf dem indischen Ozean-Syndrom im Paddelboot gefahren
0:07:15–0:07:17
zu einer Insel, die hieß Shark Island.
0:07:18–0:07:22
Und auf der Fahrt dahin ist unser Boot gesunken. Ich weiß heute noch nicht warum.
Florian Clauß
0:07:22–0:07:26
Aber es ist alles wahr.
Reinhard
0:07:27–0:07:32
Oh mein Gott. Ist das Boot gesunken, aber es ist komplett gesunken.
0:07:32–0:07:35
Es war nur irgendwie so einen halben Meter unter der Wasseroberfläche.
0:07:35–0:07:40
Und wir hatten das Boot geliehen und ich wollte nicht, dass wir das bezahlen
0:07:40–0:07:42
müssen, weil das dann einfach irgendwo auf dem Meeresgrund liegt.
0:07:44–0:07:47
Vollgelaufene boot dann irgendwie auf diese insel zu
0:07:47–0:07:52
bekommen diese insel war aber total scharfkantige
0:07:52–0:07:57
scharfkantiger feld hat mir irgendwie dabei und so vollgelaufenes boot wiegt
0:07:57–0:08:05
ja 200 kilo und da habe ich mir total die füße aufgeschürzt und dann das wäre
0:08:05–0:08:09
dann endlich auf dem feld zusammen und dann hat das boot auch gerettet da fielen
0:08:09–0:08:11
wir auf dass ich ein seltsames tier am,
0:08:13–0:08:16
so was sah das wirklich, das sah aus wie,
0:08:18–0:08:23
gesaugt so und und ich war total panisch und ich hab zu meiner frau gesagt mach
0:08:23–0:08:27
das weg macht das weg und sie zog und so und ich sag fester fester sie kriegt
0:08:27–0:08:31
ihr das nicht weg und dann stellte ich irgendwann fest dass es meine sehne ist
0:08:31–0:08:33
meine elbobensehne die sie versucht.
Micz Flor
0:08:33–0:08:33
Hat,
0:08:41–0:08:42
abgerissen oder was.
Reinhard
0:08:42–0:08:48
Seine war noch dran aber die haut da drüber war abgerissen und die blanke Sehne schaut.
Florian Clauß
0:08:49–0:08:50
Nein, doch Mensch.
Reinhard
0:08:50–0:08:55
Man hat ja nie seine eigenen Eingeweide gesehen. Man ist jetzt vielleicht Chirurg
0:08:55–0:08:58
und operiert sich selber. Aber das...
Florian Clauß
0:08:58–0:08:59
Und dann...
Reinhard
0:09:00–0:09:03
Und diese Farbe, das kam mir so fremd vor.
0:09:03–0:09:09
Also mein eigener Körper kam mir fremd vor, weil ich ja noch nie in sein Inneres geschaut habe.
0:09:10–0:09:13
Und dann habe ich gedacht, das muss was Fremdes sein.
Micz Flor
0:09:13–0:09:19
Gut, das war Folge 90, besser wird es nicht.
0:09:20–0:09:22
Alles andere ist Kino.
Reinhard
0:09:25–0:09:27
Ich habe die Drehbuchrechte schon verkauft.
Florian Clauß
0:09:29–0:09:32
Ja, was man nicht alles macht, um Geld zu sparen.
Micz Flor
0:09:34–0:09:37
Ja, ich habe auch noch eine, das war aber in Südhessen.
Florian Clauß
0:09:38–0:09:42
Ja, damit ich herkomme, in Darmstadt.
Micz Flor
0:09:44–0:09:52
Und zwar war das einfach so ein Waldstück und da stand wie so eine alte Bushaltestelle,
0:09:52–0:09:57
so eine gemauerte 70 Jahre Bushaltestelle und sonst was irgendwie wild bewachsen.
0:09:57–0:10:05
Und da war ich und dann kamen auf einmal so Leute mit Säbeln aus dem Wald. Die waren da irgendwie.
Florian Clauß
0:10:05–0:10:06
Da wusste ich nicht genau.
Micz Flor
0:10:06–0:10:11
Was die wollten. Und dann rannte einer auf mich zu und steckte mir den in den
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Bauch bis durch den Rücken hinten raus. Und ich guck so runter.
0:10:16–0:10:21
Und ich habe in dem Moment gemerkt, dass ich mich nicht wehren werde.
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Und dann bin ich aufgewacht. Aber es war wirklich so eine Sache,
0:10:27–0:10:29
weil du fragst, was habt ihr da erlebt?
0:10:29–0:10:37
Das ist so plastisch gewesen, dass ich es bis heute als wirkliches Ereignis mitnehme.
0:10:38–0:10:41
Und vor allen Dingen, glaube ich, auch wegen dieser Verwunderung,
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die ich selber hatte, zu merken, ich wehre mich nicht.
0:10:44–0:10:49
Das fand ich bis heute, verstehe ich das nicht, aber das ist mein Anfang.
Florian Clauß
0:10:49–0:10:53
Traumerlebnisse lassen wir auch zu. Meine Geschichte geht so,
0:10:53–0:10:56
und zwar, das ist jetzt vor zwei Jahren in Frankreich gewesen.
0:10:57–0:11:00
Da waren wir wandern in Frankreich.
0:11:01–0:11:05
Und wie mir immer irgendwie auf Wanderung passiert, hatte ich da auch starke
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Schmerzen. Mein Fuß ist angeschwollen.
0:11:08–0:11:13
Und man tippte eben auf Sehenscheinentzündung im Fuß. Und wie sich das später
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herausgestellt hat, war das ein sogenannter Ermüdungsbruch, den ich hatte.
0:11:17–0:11:19
Das hatte ich ja noch MRT gemacht und so weiter.
0:11:20–0:11:22
Auf jeden Fall, ich war in einer Klinik in Frankreich, Südfrankreich.
0:11:23–0:11:27
Und die haben mir dann halt so Medikamente gegeben, ja, so irgendwas.
0:11:27–0:11:30
Und als die Apothekerin, als wir das abgeholt haben, hat man die Apothekerin,
0:11:31–0:11:35
oh, das sind ja so Medikationen, womit man eigentlich Pferde betäuben kann.
0:11:35–0:11:38
Also es waren halt so richtig harte Medikamente. Das war die noch die.
0:11:39–0:11:45
Nee, es war nicht Ketamin. Aber es waren halt wirklich so Ibo plus noch was, Substanz.
0:11:46–0:11:51
Und die habe ich dann täglich genommen. Und als ich die eines Morgens genommen habe,
0:11:51–0:11:55
dann schaue ich so, wir sitzen, also es war Frühstück, ich schaue an meinen
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Körper runter, sehe meinen Bauch und sehe auf einmal, wie von hinten mich so ein Arm umschlingt.
0:12:02–0:12:06
Und dann nehme ich den Arm und stoße ihn so weg und ich überlege,
0:12:06–0:12:09
wir sind zu zweit im Apartment, wer ist denn hier, ist Luke gekommen oder sowas?
0:12:09–0:12:14
Und dann schlingt der Arm mich nochmal und Karin sitzt mir gegenüber und ich stoße ihn wieder weg.
0:12:15–0:12:18
Und dann merke ich, dass es mein eigener Arm ist, den ich nicht mehr gespürt
0:12:18–0:12:20
habe und ich stehe schreiend auf.
0:12:20–0:12:26
Das war der unglaublich Horrormoment, das hatte ich noch nie.
0:12:26–0:12:28
Also ich war so völlig defragmentiert.
Micz Flor
0:12:28–0:12:29
Der war wie eingeschlafen oder was?
Florian Clauß
0:12:29–0:12:36
Ich weiß es nicht, das war wie so eine kalte Wurst, die mich dann halt so umschlungen hat.
0:12:36–0:12:39
Aber das war so echt, das war total der Schock.
0:12:40–0:12:43
Und dann habe ich ja, glaube ich, die Medikamente auch nicht mehr genommen.
Micz Flor
0:12:44–0:12:45
Ich bin doch kein Pferd.
Florian Clauß
0:12:45–0:12:46
Ich bin doch kein Pferd.
Reinhard
0:12:47–0:12:50
Eigentlich ist die Definition von Body Horror, wenn unser eigener Körper uns fremd steht.
Florian Clauß
0:12:51–0:12:54
Ja, so fragmentiert, so auseinanderfällt.
0:12:54–0:12:58
Und ich wollte jetzt noch, bevor wir in The Substance einsteigen,
0:12:59–0:13:04
also, Mitchell, du hast es ja schon gesagt, The Substance habe ich als Film
0:13:04–0:13:06
mitgebracht, du wirst nochmal über Together sprechen.
0:13:07–0:13:11
Bevor wir da jetzt in The Substance einsteigen, wollte ich gerne nochmal mit euch über...
Micz Flor
0:13:11–0:13:12
Stopp, Mütze verloren.
Florian Clauß
0:13:14–0:13:20
Wollte ich gerne mit euch nochmal so über diese emotionale und archaische Triebfeder
0:13:20–0:13:25
von Body Horror sprechen und hoffen, dass ihr noch da was zu beitragen könnt.
0:13:26–0:13:30
Und zwar Ekel. Der Ekel als Emotion.
0:13:30–0:13:35
Wie entsteht Ekel? Warum gibt es Ekel? Body Horror arbeitet stark mit Ekel,
0:13:35–0:13:42
mit den Reizen, wo gerade wenn man sieht, wie irgendwelche,
0:13:43–0:13:45
Flüssigkeiten aus dem Körper dringen, ja,
0:13:46–0:13:52
dann stellt sich ja schon so ein Ekelgefühl ein oder was auch immer,
0:13:52–0:13:56
ja, und ich habe dann nochmal ein bisschen nachgeguckt, warum empfinden wir
0:13:56–0:13:57
Ekel? Da gibt es ja so verschiedene.
Reinhard
0:13:59–0:14:03
Meine erste Idee ist es eine Schutzfunktion unseres Körpers tatsächlich.
0:14:05–0:14:09
Uns Ekel ja davor, unsere eigenen Exkremente zu essen oder Dinge zu essen,
0:14:10–0:14:14
die schlecht riechen, von denen wir krank werden würden.
0:14:16–0:14:21
Und ich denke, das hat sich dann im Laufe des Voranschreitens unserer Zivilisation
0:14:21–0:14:26
ein bisschen ausgeweitet, dieses Ekelgefühl, auf andere Bereiche vielleicht auch noch.
0:14:28–0:14:32
Aber ich denke, das ist eigentlich der tiefere Grund für Ekel.
Florian Clauß
0:14:33–0:14:40
Ja, genau. Das habe ich auch so entdeckt als Definition, das im Prinzip ganz biologisch motiviert,
0:14:40–0:14:48
dass eben vor schlechtem Essen, dass so der Ekel dich davor bewahrt, vor Exkrementen,
0:14:48–0:14:53
dass natürlich dein Immunsystem dann halt entsprechend angreifen wird,
0:14:53–0:14:56
dass du da eben diese Ekelempfindung hast.
0:14:57–0:15:02
Zum späteren Zeitpunkt in der Ontologie, also in der Entwicklung vom Individuum,
0:15:03–0:15:05
gibt es aber dann auch so kulturell geprägten Ekel.
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Also eine andere Form von Ekel ist auch zum Beispiel...
Micz Flor
0:15:11–0:15:12
Menschen essen.
Florian Clauß
0:15:13–0:15:18
Ja, nee, so sexuell motiviert, dass du halt Inzest, dass das so ein Verbot...
0:15:18–0:15:22
Ich meine, bei Freud ist es ja dann anders mit Oedipus, aber dass du dann erstmal
0:15:22–0:15:30
einen sexuellen Ekel, also einen Ekel gegen Inzest und gegen Sodomie oder sowas empfindet.
0:15:31–0:15:34
Und dann gibt es natürlich gesellschaftlich okturierte Ekel,
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der dann je nach Gesellschaftsform dann passieren kann.
0:15:38–0:15:43
Und damit wird halt gespielt im Body Horror. Es wird eben mit diesen Momenten,
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also gerade im immersiven Kino wird ja versucht, eben so dieses Ekelgefühl zu triggern.
0:15:51–0:15:55
Und da gibt es ja auch verschiedene Techniken, dass man da nicht zu sehr wirklich
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so zu sehr drauf hält, weil dann ist es zu explizit und dann setzt es wieder
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so ein Schutzmechanismus ein, sondern dann immer so an der Kante spielt.
0:16:05–0:16:08
So wie du es so schön gesagt hast, dieser Zahn.
Micz Flor
0:16:09–0:16:11
Wo man immer ein bisschen dran topft.
Florian Clauß
0:16:11–0:16:15
Genau, wo man dann immer, der wackelt, kennt man noch das Gefühl als Kind,
0:16:15–0:16:19
so ein wackelnder Zahn, wo man immer ein bisschen mit der Zunge dran drückt
0:16:19–0:16:21
und auch ein bisschen merkt, dass es nach Blut schmeckt.
0:16:22–0:16:26
Und dieser Schmerz, oder mit der 9-Volt-Batterie, die man immer so gerne leckt.
Micz Flor
0:16:27–0:16:31
Aber das ist ja was schon eher lustmäßig ist. Aber diese Zahnsache,
0:16:31–0:16:35
das war für mich auch nochmal, um das jetzt für die Leute, die jetzt in der
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Folge einschränken, meine Tochter, als sie ihren ersten Zahn verloren hat,
0:16:38–0:16:41
der war auch schon lange wackelig, da hat sie auch mit gespielt,
0:16:41–0:16:42
das war alles total okay.
0:16:42–0:16:45
Und dann wollte sie einen Apfel beißen, hat sie auch gemacht und dann wollte
0:16:45–0:16:47
sie nochmal einen Apfel beißen, dann war der Zahn aber weg.
0:16:49–0:16:53
Und dann ist die kreidebleiche geworden, diese verzerrte Körperwahrnehmung,
0:16:53–0:16:55
wenn man auf einmal zum ersten Mal keinen Zahn hat.
0:16:55–0:16:59
Ich habe mich dann erinnert, wie das dann so war, dass der dann wirklich weg war.
0:16:59–0:17:02
Das war so ein Verlust. Ich würde gar nicht so sehr sagen, das ist Ekel,
0:17:02–0:17:07
aber es ist auf alle Fälle auch ein Thema von Body-Horror, dass man da seinen
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veränderten Körper oder was du beschrieben hast, eben diese Hand,
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die da drum rum kommt, die deine ist und nicht deine ist.
Florian Clauß
0:17:12–0:17:12
Ja.
Reinhard
0:17:13–0:17:18
Ich glaube, die Dauer verändert tatsächlich den Blick und der Ekel kann tatsächlich
0:17:18–0:17:20
auch in Faszination umschlagen.
0:17:21–0:17:24
Also wir sehen das ja zum Beispiel in David Lynch's Elefantenbönch.
0:17:24–0:17:29
Das erste Mal, wenn die Menschen ihn gesehen haben, haben sie geschrien,
0:17:30–0:17:32
haben hysterische Anfälle bekommen.
0:17:32–0:17:38
Und dann waren sie fasziniert und wollten eigentlich sogar in seiner Nähe sein.
0:17:39–0:17:42
Das sehen wir ja auch jetzt in den Substanzen. Wenn ich vorgreife,
0:17:42–0:17:46
aber wenn sie das erste Mal in den Spiegel schaut, erst nur wirklich so ein
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ganz kleines bisschen, das ist wirklich schockierend.
0:17:49–0:17:51
Und dann aber gewöhnen wir uns an
0:17:51–0:17:55
dieses Ausland, dann kommt es einem fast sympathisch vor, dieses Monster.
Florian Clauß
0:17:55–0:17:59
Genau, das ist am Ende. Das dachte ich auch gerade als Elefantenmensch.
0:18:00–0:18:02
Die Brücke habe ich jetzt noch gar nicht gesehen, aber ja klar,
0:18:02–0:18:03
das ist natürlich auch...
Reinhard
0:18:03–0:18:06
Da gibt es ganz viele Anklänge in den Substance, habe ich gerade zu nehmen.
0:18:07–0:18:08
Also ich habe oft an der Elefant Mensch gedacht.
0:18:09–0:18:15
Aber auch an Karpeln. Karpeln ist das Ding, ganz am Fluss, dieser Kopf, das so wegkriegt.
0:18:17–0:18:24
Süß, bei diesem Way of Fame oder diesem Walk of Fame. Das ist eindeutig wie ein Karpelterzitat.
Florian Clauß
0:18:24–0:18:27
Ja, wollen wir dann in The Substance einsteigen?
Micz Flor
0:18:27–0:18:30
Ja, ich wollte ganz kurz noch vorgreifen, weil ich über Ekel auch noch spreche,
0:18:30–0:18:31
dann eben in Bezug auf Together.
0:18:31–0:18:40
Und dann, du wolltest ja noch über Lacan sprechen, und das ist jetzt quasi zu
0:18:40–0:18:43
Subsons bezogen, aber über Ekel werde ich mich auch noch mal darauf beziehen
0:18:43–0:18:44
und wollte nur kurz sagen,
0:18:45–0:18:51
dass die Frage, was nicht konkret um Ekel geht, aber um diese Aussondungen und so weiter.
0:18:53–0:18:55
Wollte aber trotzdem das sagen, das ist Ekel, finde ich auch interessant,
0:18:55–0:18:58
diese biologische Hintergrund. Es gibt ja, und da hast du mich auf dem kalten
0:18:58–0:19:00
Fuß erwischt, falschen Fuß erwischt, kalt, falsch.
0:19:04–0:19:06
Das ist zum Beispiel, das kennt
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ihr bestimmt auch, das haben manche Menschen, manche haben das nicht.
0:19:09–0:19:13
Wenn man zum Beispiel so etwas sieht wie eine Sonnenblume, wo alle Kerne raus
0:19:13–0:19:17
sind oder so Steine am Wasser, die porös sind, wo so Löcher drin sind.
0:19:17–0:19:19
Oder manchmal auch Duschköpfe.
0:19:19–0:19:23
Es gibt manche Leute, und ich habe den Namen vergessen, die sehen so etwas mit Poren drin.
0:19:24–0:19:28
Und das ekelt die. Da stehen denen wirklich die Haare auf. Seid ihr solche Leute?
Florian Clauß
0:19:28–0:19:28
Nein.
Micz Flor
0:19:29–0:19:33
Nein, kennt ihr nicht. Aber dafür gibt es sogar einen medizinischen Begriff für diesen Zustand.
Reinhard
0:19:33–0:19:36
Hat die das an Haut erinnert? An fehlerhafter Haut?
Micz Flor
0:19:37–0:19:40
Nein, nicht fehlerhafter Haut. Ich nehme an, dass es eher so etwas wie voller
0:19:40–0:19:42
Maden oder Löcher da drin ist.
0:19:42–0:19:48
Ach so, okay. Das ist wirklich was, was quasi biologisch vorgegeben ist.
0:19:48–0:19:50
Und ich finde das interessant, weil das,
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Falscher Fuß, aber vielleicht auch ein interessantes Thema ist,
0:19:53–0:19:58
wo Ekel noch so hinkommt. Also Ekel hat zum Beispiel ja wahrscheinlich dann auch mit Angst zu tun.
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Und es gibt in der Tat im Hippocampus und Amygdala diese Angstsache,
0:20:03–0:20:08
dass halt solche biologischen Dinge wie vor Duschköpfen Ekel zu erleben,
0:20:09–0:20:15
dass die halt wirklich mitgegeben wurden vor einem evolutionär scheinbar vorteilhaften Hintergrund.
Florian Clauß
0:20:15–0:20:19
Das hatten wir, glaube ich, auch so ein bisschen bei der Jungfolge mit angesprochen.
Micz Flor
0:20:19–0:20:22
Ja, genau, diese Archetypensache. Also gibt es das überhaupt?
Florian Clauß
0:20:23–0:20:27
Ja, Spinnenangst. Das ist ja auch eine typische Ekelerregung,
0:20:27–0:20:29
die ja auch ausgenutzt wird.
Micz Flor
0:20:30–0:20:35
Das ist ja auch immer noch so ein analytisches Thema, dass es doch mehr gibt als nur das Lernen.
0:20:36–0:20:40
Weil es gibt wenig Grund, dass man irgendwie lernen würde, für Hühnern eine
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Phobie zu entwickeln in unserer Gesellschaft.
0:20:42–0:20:46
Aber es gibt sie trotzdem und oft bei Leuten, die mit Hühnern kaum Kontakt haben.
0:20:46–0:20:52
Aber es gibt eben keine Phobie vor Zebrastreifen oder vor Starkstrom,
0:20:53–0:20:58
also Sachen, die modern sind, zeitgenössisch und gefährlich,
0:20:59–0:21:03
da entwickelt keiner wirklich Phobien drauf, aber Hühner und Spinnen und so weiter.
Florian Clauß
0:21:04–0:21:09
Wir sind gerade am Haus Zennern angelaufen und schauen auf die Insel der Jugend,
0:21:09–0:21:14
auf die Brücke, die dann vom Ufer...
Micz Flor
0:21:14–0:21:16
Um die Brücke zu schlagen, zu dem Horror des Alters.
Florian Clauß
0:21:18–0:21:24
Und steigen ein mit The Substance. Also eigentlich ist die Geschichte ja relativ schnell erzählt.
0:21:26–0:21:31
Ich fange mal an mit der Regisseurin. Die Regisseurin ist Carolie Fagot,
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also wieder ein französischer Name, Reinhard. Ich sag mal Fagot,
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ich weiß nicht genau, ob es stimmt.
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Fagat? Fagat, Fagil, Fagot, ich würde mal Fagot. Und es heißt nicht Karoli, sondern Coralie.
0:21:41–0:21:45
Ja, Coralie, du hast recht. Coralie heißt sie, genau.
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Hat einen Film, mit dem sie dann auch 2017 schon Aufmerksamkeit bekommen hat.
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Ja, genau. Und ich kenne jetzt nicht ihre anderen Filme. Mit der Substance von
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2024 hat sie den Preis für das beste Drehbuch gewonnen.
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Und obwohl sie französischsprachig ist, arbeitet sie doch mit internationalen
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Casts und hat dann auch entsprechend für der Substance das Star-Aufgebot.
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Da spielt nämlich die weibliche Hauptrolle Demi Moore.
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Und das Demi Moore ist quasi die ältere, das ältere Ich, das jüngere Ich wird
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von, und da muss ich jetzt mal kurz nachgucken, weil ich doch hier einen Spickzettel
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habe, Margaret Crawley.
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Die ist aber auch schon mir aufgefallen in Leftovers.
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Spielt sie da eine Rolle? Leftovers, lege ich euch sehr ins Herz?
Micz Flor
0:22:53–0:22:56
Ist sie auch nicht in einem neuen Coen-Film auch?
Florian Clauß
0:22:56–0:23:02
Ja, die spielt sehr in so einem Art-House-Bereich. Also finde ich...
0:23:03–0:23:07
Starke, also hat eine starke Präsenz, auch in dem Film The Substance.
0:23:08–0:23:13
Und wir haben natürlich als TV-Boss Dennis Quod, als Harvey.
Micz Flor
0:23:13–0:23:14
Quaid.
Florian Clauß
0:23:14–0:23:22
Quaid. Ja, Mensch. Das ist französisch. Den kennen wir aus Filmen aus den 80ern.
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Und Demi Moore kennen wir aus Filmen aus den 90ern. Tatsächlich hätte man länger
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nichts von Demi Moore gehört.
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Also die Geschichte ist folgende. Demi Moore als Elisabeth, da ist dieser grandiose,
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ich finde wirklich den Anfang von diesem Film, ganz toll.
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Also da sieht man quasi aus Vogelperspektive, aber jetzt nicht irgendwie 50
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Meter über dem Boden, sondern eher so 4 bis 3 Meter, sieht man dann einen Stern,
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wie so einen Stern, was heißt der Hall of Walk?
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Hall of Fame heißt es. Hall of Fame, wie Elisabeth Sparkle einen Stern gesetzt
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bekommt in einem Quadrat quasi auf dem Boden.
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Und man sieht, wie der dann halt quasi so ausgestanzt wird, dann draufgepappt
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wird, wie er frisch gemacht wird, wie er trocknet.
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Und dann sieht man aber auch schon die ersten Brüche von dem Stern und irgendwie
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wie jemand so Ketchup über den Stern. Also sehr plastisch inszeniert und auch so ein bisschen,
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Ich sag mal so vorausschauen, vorausgreifend, was mit Elisabeth Sparkle so passieren kann.
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Also es gibt eben, Elisabeth Sparkle hat eine Show, eine Aerobicshow,
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ist da sehr erfolgreich gewesen.
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Aber sie zieht halt nicht mehr das Publikum und der TV-Boss Harvey schmeißt
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sie einfach raus. Also man muss von der generellen Inszenierung des ganzen Films
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sagen, der ist einfach in your face.
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Der Film ist knallbunt, hochglanzproduziert, hat, also wie wir das gesagt haben, alles geht auf Eleven.
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Also alles ist überdreht, hat einen sehr starken Soundtrack.
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Es kommt dann immer diese, ich weiß nicht, wie man sagen kann,
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aber es ist schon so eine elektronische Bassspur, Also wenn The Substance dieses,
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als ob dann halt so ein, als ob ein U-Bahn-Zug dann gerade einfährt,
0:25:18–0:25:20
aber halt elektronisch verzehrt.
Micz Flor
0:25:20–0:25:24
Aber ist auch irgendwie, finde ich, schon bewusst überzogen.
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Also es hat sowas, was so wie Melodramatisches. Aber es ist nicht Melodrama,
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aber es ist quasi so Comichaft.
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Das bringt es aber, also die ganzen Charaktere werden auch irgendwie überzogen und dann auch so.
Florian Clauß
0:25:38–0:25:39
Total. great wird.
Micz Flor
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Dann immer so mit fischaugen linse gefilmt und hat mir so das gefühl dass er
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halt so richtig in your face ist und dann ja das.
Florian Clauß
0:25:47–0:25:53
Ist alles comic relief es ist alles wirklich so komplett stereotypisch aufgezogen
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und das ist glaube ich auch so der punkt die man bei dem film so annehmen muss
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und auch kann weil ich finde das ist so übertrieben dass es dann halt auch wieder
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so funktioniert ja sonst sonst kommt man in so einem ding wo man,
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sich überlegt, was will der Film eigentlich erzählen? Das ist doch schon tausendmal erzählt worden.
0:26:13–0:26:19
Und ich finde, durch diese totale Übertreibung funktioniert er wieder in seiner Erzählung.
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Und hat, also eskaliert dann auch letztendlich am Ende.
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Ich möchte nur mal kurz ein Bild machen, weil das hier so eine Stimmung ist. Wir sind jetzt...
Micz Flor
0:26:32–0:26:34
Stimmt, kann ich ja auch machen. Ich habe zwar ältere Generation,
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aber es ist, glaube ich...
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Hier wieder so ein Exorzisten-Poster.
Reinhard
0:26:44–0:26:46
Eine Reise ins Herz der Finsteren.
Florian Clauß
0:26:46–0:26:54
Heart of Darkness. Wir haben hier noch eine Beleuchtung und der Plänter-Welt
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ist ja auch so ein bisschen renaturiert worden.
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Das heißt, wir gucken mal, was es da gibt. Ich glaube, hier gibt es sogar Gastronomie,
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die entstanden ist rund um den Plänterwald.
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Also, die Little Sparkle wird eben rausgeschmissen an ihrem 50.
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Geburtstag und gerät dann natürlich in eine Identitätskrise.
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Sie kriegt Kontakt.
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Über Ecken, ja, kriegt eine Telefonnummer, anonym sieht dann halt so einen Typ,
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der schätzt schon richtig ein, dass sie unter ihrem, ja, unter ihrem,
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also ihrem zunehmenden Alter, das dann halt nicht mehr marktgerecht ist,
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darunter leidet und steckt ihr dann halt so eine Nummer zu und da steht eine Substance drauf.
Micz Flor
0:27:43–0:27:46
Aber da ist es, glaube ich, wichtig nochmal, dass du sagst, was nicht mehr marktgerecht
0:27:46–0:27:48
ist, ist Appearance, nicht Performance.
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Also Performance, sie macht das mit ihrem Körper, alles, was gefordert wird von diesem Fitness.
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Das steht ja gar nicht zur Frage, aber die Appearance halt, ihr Alter sei nicht
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mehr publikumstauglich.
Florian Clauß
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Genau, das ist glaube ich nochmal, ja, das ist nochmal ein wichtiger Punkt,
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weil nämlich, man sieht dann diese Aerobicshow, die ist unglaublich dynamisch.
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Die ist auch so sehr sexy von den Posen und von den Gesen, wie es halt Aerobicshows
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halt so aus den 80ern sind.
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Es ist noch dieser Charme der 80er, der da mit drin hängt.
Micz Flor
0:28:20–0:28:25
Da kann ich ganz kurz was sagen, weil ich glaube, das müssen wir einfach einmal explizit ansprechen.
0:28:25–0:28:29
Der Begriff Body Horror für diesen Film ist jetzt auch noch überzogen,
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weil jetzt drei Männer über Frauenkörper sprechen und wir nicht,
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glaube ich, also was du gerade sagst, ist sehr sexy und sowas.
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Das ist ja genau Thema des Films.
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In gewisser Weise sind wir trotz aller Versuche, unsere Androgynität auszuleben,
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sind wir nur die halbe Wahrheit.
Florian Clauß
0:28:44–0:28:51
Ja, ich wollte das genau sagen, weil es ist nämlich genau dieser männliche Blick,
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der männliche, der male gaze, der im Prinzip jetzt...
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Internalisiert ist von der Gesellschaft, sag ich mal. Internalisiert ist auch von den Frauen,
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jetzt in dem Fall Elisabeth, die natürlich immer so angeguckt wird und nach
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Sexsymbolen, nach Frische, nach Jugendlichkeit usw.
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Dann auch eingeschätzt wird.
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Und dafür stellvertretend ist eben dieser TV-Boss, der dann ganz knallhart einfach
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judgt, ja, du nicht mehr, du hast hier keinen Platz mehr, du gehst.
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Ja, wir brauchen was Junges, Frisches. Also dieser Blick, der jetzt natürlich
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personalisiert durch den TV-Boss, aber den finden wir überall in den Blickachsen.
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Das Publikum auch bei der Show selber, bei der Aerobicshow, tanzt da,
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schaut dann die Kamera, wie die inszeniert ist, der ganze Stuff hinter der Kamera.
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Es geht immer um Blicke bei diesem Film und auch dann immer so urteilende Blicke, die genau dieses.
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Funktioniert das so wie man das eben erwartet von der Gesellschaft und ich glaube
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das können wir uns als drei Männer nicht so vorstellen,
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dass oder wir können es uns sehr gut vorstellen aber eben wir können es die
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andere Seite nicht vorstellen ja gut aber ich meine selber kriegt man auch diesen Blick aber dieser.
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Blick ist man also man muss sagen als Frau ist man diesen Blick immer ausgeliefert
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In jungen Jahren, wo es natürlich dann dieses Bewertende und das Sexuelle dahintersteht,
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in alten Jahren ist eben die Abwesenheit des Blickes dann auch wieder ein Thema.
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Das ist ja auch das, was dann eben Demi Moore oder beziehungsweise die Hauptfigur
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dazu treibt, eben diesen Schritt zu gehen, dort anzurufen und nach der Substance zu verlangen.
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Ist im Prinzip, man kann es dann so beschreiben, also wenn man sich dann auch
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anschaut, was eben Frauen für Möglichkeiten haben, um eben dann eben diesen,
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ich sag mal so, um sich dann halt entsprechend dann aufzubereiten,
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ja, diesen Blick, diesen fordernden Blick halt auch standzuhalten.
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Das sind ja so Kosmetika auf der einen Seite und dann geht es ja weiter auf
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der anderen Seite, dass du dann anfängst so Schönheitscheorie oder andere Sachen zu machen,
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um dann halt jung und jugendlich und diesem Idealbild der sexy Frau dann auch
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standzuhalten, um eben das zu machen, gibt es diese Mittel.
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Und an dieser Stelle bietet eben das Substance ein pharmazeutisches Mittel,
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was aber mit so einem ganz klaren Rules-Set daherkommt.
Micz Flor
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Ja, die Substance muss man sagen, das kommt ja fast unerwartet zu ihr über einen
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Arztbesuch, den sie hat.
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Und dann ein junger Arzt, der dann irgendwas rumtestet und das Gefühl hat,
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das könnte passen, er nuschelt dann noch irgendwas.
Florian Clauß
0:31:53–0:31:54
Ihre Wirbelsäule ab, die er hat.
Micz Flor
0:31:54–0:31:57
Ja, genau. Und dann sagt er irgendwie, das könnte gehen oder irgend so.
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Aber mit dem hat sie nicht direkt Kontakt, der ist dann weg,
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aber dann kommt dieses Substance.
Florian Clauß
0:32:04–0:32:05
Also der Arzt.
Micz Flor
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Eine Nummer kriegt sie zuerst.
Florian Clauß
0:32:07–0:32:11
Eine Nummer, ja, eine Nummer. Da ruft sie an und sie wird dann geleitet und
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kommt dann in so einem anonymen Postfach.
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Alles ist immer sehr klinisch inszeniert. Das ist auch so ein typisches Attribut
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von Body Horror, dass es dann halt in so einer klinischen Atmosphäre stattfinden kann.
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Und sie kriegt dann diese Substanz und da steht wirklich so in Großbuchstaben
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sehr einfach wie so eine Ikea-Anleitung,
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vorgetragen, also die Regeln sind you activate only once you stabilize every day,
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You switch every seven days without exception und dann remember you are one.
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Ja, also what can possibly go wrong?
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Da weiß man schon, das ist schief.
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Switch every day without any exception. Every seven days without any exception.
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Ja, und es kommt dann eben, dass man diese Substanz, dass Elisabeth diese Substanz
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sich dann spritzt und da kommt es quasi zu so, ja, es ist halt so eine Selbstgeburt.
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Also das ist schon sehr explizit dann auch inszeniert in dem Badezimmer von
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ihr, das auch total steril gehalten ist. Und sie schlüpft dann aus sich selbst,
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schlüpft dann die jüngere Sue.
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Und Elisabeth ist dann so eine, ja, sie sieht fast leblos aus,
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eine Hülle mit einer riesen Narbe.
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Und sie wird dann an so einen Versorgungstrakt angeschlossen,
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was dann auch von der Substance mitkommt.
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Und Sue ist quasi das jüngere Ideal von ihr, die dann in die Welt gehen kann
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und genau das verkörpert, was jetzt eben Elisabeth gefehlt hat.
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Und Sue bekommt dann tatsächlich auch die Nachfolgeschow von Elisabeth.
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Nachdem die abgesetzt wurde, wurde halt ausgeschrieben, wer die übernehmen kann.
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Sue bewirbt sich und sie hat auch eine unglaubliche... Also da ist es auch so,
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dass diese Bewegung, das wird nicht in Frage gestellt, weil die können alle
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perfekt dann halt auch die Choreografie vortragen.
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Und du siehst sie auch nie proben. Die sind auf der Bühne und machen halt ihre
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Choreo und es ist super auf den Punkt.
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Ja, aber auch die Ältere kann das ja auch. Also das, was Mitch gesagt hat,
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da wird es ja gar nicht in Frage gestellt.
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Also sie erfüllt noch voll diesen Zweck, diese Bewegung und so weiter,
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aber sie sieht halt nicht mehr so aus.
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Und das ist ja nochmal das Brutale da drin. Und Sue ist dann halt auch sehr vom Typen her,
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sie weiß genau, wie es funktioniert und ist dann auch sehr erfolgreich in der
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Show und steigt dann immer eine Karriereleiter nach der anderen hoch,
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gepusht von Harvey, der dann ein totaler Fan von ihr ist.
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Weil sie genau diese Ideale erfüllen kann und auch damit massentauglich wird.
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Und das Interessante ist, dass in diesem Apartment, also da liegt eben Elisabeth
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rum, dass Sue baut dann auch so eine Nische für sie, weil sie die dann nicht
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mehr im Bad rumliegen haben will.
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So eine abseitige Nische, die dann durch so eine Tür versperrt ist,
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dass man die halt auch wegsperren kann.
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Und sie lässt dann auch das Bild von ihr, was dann im Wohnzimmer hängt,
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ein riesengroßes Bild von Elisabeth, das lässt sie dann austauschen oder wegbringen.
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Ja, und dann gegenüber ist so eine Werbetafel, auf die man dann halt aus dem
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Fenster raus drauf blickt.
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Und da ist jetzt Sue mit ihrer neuen Show dann auch als Werbetafel angebracht.
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Also man sieht ständig irgendwo dann die andere, die andere Figur,
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das andere selbst der Figur.
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Und es kommt, wie es kommen muss, haben wir schon gesagt, das Ganze eskaliert.
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Das Ding ist, dass Sue dann gegen die Regel verstößt und statt sieben Tage macht sie mal acht Tage.
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Als dann Elisabeth quasi wieder in ihrer alten Gestalt ist oder dann wieder
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transformiert, dann sieht sie auf einmal, dass ihre Hand, glaube ich, ist komplett alt.
Micz Flor
0:36:26–0:36:27
Der linke Zeigefinger.
Florian Clauß
0:36:27–0:36:28
Der Zeigefinger.
Micz Flor
0:36:28–0:36:29
Nur der eine Finger.
Florian Clauß
0:36:29–0:36:32
Genau, also das heißt, sobald du gegen diese Regel...
Micz Flor
0:36:32–0:36:33
Der rechte Zeigefinger.
Florian Clauß
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Der rechte, es sieht aus wie von einer alten Frau. Sobald du gegen diese Regel verstößt.
Micz Flor
0:36:40–0:36:41
Wird das so voll abgestockt.
Florian Clauß
0:36:41–0:36:41
Geht eigentlich aus wie von einer Hexe.
Micz Flor
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Genau, habe ich auch gedacht. Ja, es ist nicht nur alt, sondern der ganze Film
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ist über, also alles ist auf zwölf und deshalb ist ein alter Finger da dann
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auch gleich eher schon was, was ein bisschen an den Dracula bei Coppola erinnert.
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Also diese sehr dicken Fingernägel und so grün geschrumpft.
Florian Clauß
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Ja, ja, also es wird, das ist auch das, was diesen Ekel auslöst, ne? Also, ähm.
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Der Film arbeitet auch mit Close-Ups und mit allen möglichen Sekreten,
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die dann aus allen möglichen Öffnungen rauskommen.
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Also Body Horror hat auch viel von der Kamera-Ästhetik und Inszenierung mit
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Porno zu tun, weil es einfach so dieses Close-Up draufhalten,
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obwohl es immer auch ein Andeuten ist.
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Das vielleicht ist doch nicht so wie Porno, weil Porno dann halt immer drauf
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bleibt. Ja, wenn bei Body Horror sehen wir dann halt häufig auch dann nur das
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Angedeutete und dann wieder ein Schwenk zurück, dass man halt den Rest sich imaginieren kann.
Reinhard
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Also ich fand bei diesem Film, bei The Substance, funktioniert der Body Horror
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tatsächlich gar nicht so sehr über das Visuelle, sondern schlimmer finde ich die Geräusche.
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Also in dem Moment, den du eben geschildert hast, wo das jüngere Ich aus dem
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älteren Ich herauskriegt, da ist dann der Rücken offen und der muss wieder zugenäht werden.
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Und das sehen wir also in sehr schönen Close-Ups. Aber das Fiese,
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das wirklich Gemeine und Gruselige und was eine Gänsehaut macht,
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ist der Ton, den wir da zu hören.
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Dieses Schmatzige, wenn der dicke Faden, ein sehr dicker Faden durch die Haut des Rückens geht.
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Und diese Geräusche, die haben wir öfter nochmal, auch wenn eine Spritze,
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wenn eine Injektion gesetzt wird.
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Das Geräusch, wenn die Kanüle in die Haut gestoßen wird.
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Das alles, das ist wirklich, das fand ich wirklich die grüßlichste Momente.
Florian Clauß
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Ja, also das Audiodesign von einem Film ist wirklich sehr stark, ja.
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Und das ist so fast, als ob dann eben durch dieses, der fehlende Geruchssinn
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wird durch diese, durch das Auditive ersetzt, ne, weil man kriegt dann,
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man ist dann noch näher dran, ja.
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Und das ist auch wieder völlig übertriebene Geräusche, die nichts damit zu tun
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haben, aber die machen dich dann schon so ein bisschen so, ja.
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Sue bekommt dann ihre Show, macht Karriere und als Perspektive kriegt sie dann,
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also als großen Sprung, wird in ihr in Aussicht gestellt, dass sie die Abschlussgala,
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die Silvester-Show moderieren kann.
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Verlängert immer weiter, immer länger ihre Seven Days.
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Und gleichzeitig wird eben Elisabeth als menschliche Ressource dafür ausgebeutet. Das heißt,
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der Finger zerfällt sie, also sie zerfällt nicht, aber es hat ganze Körperteile,
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sind komplett gealtert von ihr.
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Und Elisabeth kommt dann eben, ich weiß gar nicht, ist das das Bein oder der Arm?
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Auf jeden Fall sieht sie total degeneriert aus.
Reinhard
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Der 750-Jährige im Grunde.
Florian Clauß
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Und sie fängt dann auch an, wenn sie, genau, sie hatte auch das,
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wenn sie dann halt quasi in ihren echten sieben Tagen, wo sie dann ihr Leben
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wieder hat, ja, da ist sie eigentlich die ganze Zeit nur am Essen.
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Und sie hat überhaupt kein sinnerfüllendes Leben mehr, sondern sie ist eigentlich
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nur noch in der Konkurrenz zu ihrem jüngeren Ich.
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Und das ist ja so dieser Kampf. Man hat ja auch nicht das Gefühl,
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dass die beiden Darstellerinnen irgendwas miteinander zu tun haben.
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Die sind so konträr, dass man die als eine Person überhaupt nicht denken kann.
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Ja, das ist, also sie fangen dann quasi gegeneinander an zu kämpfen,
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ja, also beziehungsweise die Jüngere nimmt sich immer mehr raus,
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um dann halt auch ihre Ziele zu verwirklichen.
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Sie braucht dann halt immer mehr Zeit, um dann halt auch die Show vorzubereiten,
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um dann halt auch die jungen Männer abzuschleppen und so weiter.
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Also das wird immer, das dehnt sich immer weiter aus und gleichzeitig geht das
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eben auf Lasten von Elisabeth.
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Aber wir wissen, es bleibt ja dann in einer kausalen Zusammenhang,
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nämlich je mehr sie dann eben Elisabeth ausbeutet, desto mehr fällt das auf sie zurück.
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Und sie versucht dann noch zuletzt noch das letzte Quäntchen,
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das ist auch sehr haptisch, optisch dargestellt,
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so das letzte Quäntchen an Lebenssaft ihr dann noch an Flüssigkeit rauszulocken,
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damit sie weiter noch in der Sioux-Rolle bleiben kann.
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Aber das kann sie ja nie mal aufrechthalten. Und dann gibt es halt diesen,
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ich muss es gerade noch mal, weil es länger her ist, dass ich es gesehen habe,
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kriege ich sie wieder ganz zusammen, dann gibt es halt diese Silvester-Show
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und sie kommt dann da hin,
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aber hat er noch nicht geswitcht oder so.
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Könnt ihr das noch erinnern?
Micz Flor
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Das ist interessant, du sagst, weil ich auch nämlich gerade überlegt habe,
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wie ging denn dieser Showdown? Weil die beiden haben sich dann in so einem...
Reinhard
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Die Ältere versucht es zu terminieren. Sie sagt irgendwann, sie ist dann so
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verkrüppelt, Und dass sie da anruft an dieser Hotline und sagt,
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ich will jetzt aufhören.
0:42:16–0:42:20
Wo man eigentlich als Zuschauer denkt, ja, ein bisschen Spätmädchen eigentlich.
Micz Flor
0:42:21–0:42:26
Mädchen. Das ist gut, dass du das völlig auslebst, dieses männliche Klischee.
Reinhard
0:42:28–0:42:33
Sie will aufhören und dann bekommt sie eine Spritze, da steht dann drauf Terminator.
0:42:35–0:42:39
Und die jagt ihrem jüngeren Ich in die Brust. Und die stirbt dann tatsächlich.
0:42:39–0:42:46
Und dann bekommt sie Gewissensbisse und startet so eine Wiederbelebungsaktion,
0:42:47–0:42:51
indem sie sich dann nochmal anschließt, die Körpersäfte werden nochmal getauscht,
0:42:51–0:42:55
dann wacht die wieder auf, kriegt mit, dass die Ältere sie umbringen wollte
0:42:55–0:42:56
und bringt da die Ältere um.
0:42:58–0:43:03
Und dann macht sie sich auf zu dieser Show, glaube ich.
0:43:04–0:43:07
Aber dabei ist irgendwie, ich glaube, mich richtig zu erinnern,
0:43:08–0:43:13
dass sie dann schon, also dadurch, dass sie wiederbelebt wurde,
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illegalerweise, durfte sie anhand der Regeln eigentlich gar nicht,
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dieser Terminator durfte da nicht eingesetzt werden, keine Ahnung,
0:43:19–0:43:22
ich weiß nicht mehr genau. Auf jeden Fall fängt sie auch an sich zu.
0:43:24–0:43:27
In irgendein Monster zu transformieren.
Micz Flor
0:43:27–0:43:31
Sie wulstet so. Sie wächst in alle Richtungen.
Florian Clauß
0:43:31–0:43:35
Das ist noch nicht so der Fall. Das ist so.
Micz Flor
0:43:36–0:43:38
Jetzt fährt es mir wieder ein.
Florian Clauß
0:43:39–0:43:44
Sie geht da hin und fängt dann an. Sie merkt auf einmal, dass ihre Zähne ausfallen.
0:43:45–0:43:46
Und dass ihr Ohr runterfällt.
0:43:48–0:43:51
Und sie merkt irgendwie, scheiße, so kann sie sich schon nicht machen.
0:43:51–0:43:54
Sie muss sich was anderes einfallen lassen.
0:43:54–0:44:00
Und dann geht sie wieder nach Hause und nimmt diese Substanz,
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die man eigentlich nur einmal zum Aktivieren nehmen darf, spritzt die sich und
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dann fängt sie an komplett zu mutieren.
0:44:09–0:44:12
Also das ist dann wie so... Chaos. Ja, das ist dann halt wirklich so...
0:44:13–0:44:20
Dann hat sie überhaupt keine Gestalt mehr so richtig... Sieht aus wie Toxic Avenger.
Reinhard
0:44:21–0:44:26
Schluss von die Fliege, dieses Monster, was da auf diesen Transmitter steigt.
Micz Flor
0:44:27–0:44:30
Ja, bei dem fällt ja auch das Ohr ab, da geht es ja auch einmal,
0:44:30–0:44:31
dass ihm das Ohr runterfällt.
Florian Clauß
0:44:32–0:44:36
Stimmt, ja. Ja, sie hat dann zum Beispiel, auf der Brust ist ein Gebiss,
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sie hat mehrere Gesichter, sie hat viele Augen, auch Brüstequellen irgendwo
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raus und, aber dann kommt es so ein Moment, wo ich dann auch gedacht habe,
0:44:47–0:44:50
ja, da ist sie irgendwie mit sich selbst im Eins.
0:44:50–0:44:53
Sie fängt dann an, sich für die Show herzurichten.
0:44:53–0:44:59
Sie will die Ohrringe dann einsetzen und sucht nach den Ohren und steckt sie
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sich dann irgendwo rein.
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Ihre drei, vier Haarbüschel fängt sie dann an, mit so einem Lockenwickler dann
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halt auch wirklich aufzutopieren und sie...
0:45:11–0:45:16
Hat sich eine Maske von ihrem jüngeren Ich dann gebastelt, klebt die sich aufs
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Gesicht, hat noch diesen Törock an.
Reinhard
0:45:19–0:45:20
Das ist nur ein Zettel eigentlich.
Florian Clauß
0:45:20–0:45:22
Das ist nur ein Foto.
Reinhard
0:45:22–0:45:25
Was sie sieht und jeder müsste sofort sehen, da steht jetzt was gewaltig.
0:45:26–0:45:30
Aber sie geht in dieses Studio bis auf die Bühne, ohne dass irgendjemand sie auffällt.
Florian Clauß
0:45:30–0:45:38
Ja und alle sagen, wir lieben dich und sie hat auch so rot Lippen gemacht.
0:45:38–0:45:43
Und dann kommt sie, dann stehen schon alle, die ganze Tänzerinnen stehen bereit.
0:45:43–0:45:49
Und dann steht sie am Mikrofon und brubbelt irgendetwas von sich hin.
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Und dann fällt die Maske runter und alle sind schockiert. Und eine Frau schreit dann, it's a monster.
0:45:57–0:46:04
Und dann fängt quasi so der Splatter-Teil des Films an, wo dann ihr irgendwas
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auf den Kopf geschlagen wird. und der ganze Kopf anfängt zu explodieren.
0:46:10–0:46:15
Und dann wulstet irgendwas anderes noch raus, einen weiteren Kopf.
0:46:15–0:46:20
Und auf einmal ist dann nur noch Blut, was dann halt stundenlang rumspritzt.
0:46:21–0:46:28
Wie bei Braindead, das Ende, wo dann halt Fontänen von Blut in das Publikum gespritzt werden.
0:46:28–0:46:35
Alle sind schreiend und es ist eine völlige Eskalation, die Szene.
0:46:35–0:46:42
Und sie geht dann am Ende den Gang von diesem Studio lang und spritzt dann auch alles voller Blut.
0:46:43–0:46:46
Und sie hat dann auch in ihrer Mutation,
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hat sie noch so dieses an einer Stelle hinten am Rücken irgendwo dieses ältere
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Elisabeth-Gesicht, was eigentlich nur noch so einen Mund auf nichts sagen kann
0:46:58–0:46:59
und die ganze Zeit so aufregt.
0:47:00–0:47:07
Und dann das, was von diesem Blob noch übrig geblieben ist,
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das sackt dann irgendwann zusammen und dann kriecht nur noch dieses Gesicht
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wie so eine Art Seestern mit so ein bisschen Masse, kriecht dann noch am Ende
0:47:15–0:47:19
auf diesen Stern, den wir am Anfang sehen,
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wo der Elisabeth Sparkle draufsteht.
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Und sie schaut, man sieht dann halt einen Perspektivwechsel,
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sie schaut in den Himmel.
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Und auf einmal sieht sie dann auch tatsächlich solche Sparkles,
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also so Funken auf sich niederregenden Sternen. Und sie fängt an,
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sie grinst und freut sich. Und irgendwie ist es so ein Happy End.
0:47:41–0:47:45
Sie löst sich dann auch auf in einem großen roten Fleck.
0:47:46–0:47:51
So, und damit endet die Geschichte. Und dann wird noch am Ende der Stern geputzt.
Reinhard
0:47:51–0:47:52
Da kommt die Kehrmaschine.
Florian Clauß
0:47:53–0:47:59
Die Kehrmaschine und fegt den Rest weg, ja. Also das ist jetzt mal so im Groben.
0:48:01–0:48:06
Ich wollte noch erwähnen, dass als sie auf der Bühne steht vor dem Publikum,
0:48:07–0:48:13
dann versucht sie sich zu verteidigen und sagt noch so, it's me, it's still me.
0:48:14–0:48:19
Also sie sagt noch, ich bin's noch, ja, während sie versucht dann zu appellieren,
0:48:19–0:48:24
so ich bin noch diejenige, die hier diese Show gemacht hat oder die hier.
0:48:24–0:48:27
Und natürlich ist sie gar nichts mehr von allem.
0:48:28–0:48:33
Aber das finde ich ganz schön, weil das dann auf einmal wieder so eine Individualität
0:48:33–0:48:39
und so ein Selbstbewusstsein zeigt, was jetzt die ganze Zeit eben zerbrochen war.
0:48:40–0:48:44
Als Vorgeschichte dazu, das ist ein Detail, was man vielleicht noch erwähnen sollte.
0:48:45–0:48:50
Bevor diese Silvestershow losgeht oder als Vorbereitung hat sie einen riesigen Rosenstrauß bekommen.
Reinhard
0:48:50–0:48:55
Und da steht so ein Schildchen drauf mit dem Satz They will love you.
Florian Clauß
0:48:55–0:48:56
Ah ja, genau.
Reinhard
0:48:56–0:49:01
Und da verstehen wir, und der wird mehrmals ins Bild gesetzt, dieser Rosenstrauß,
0:49:04–0:49:09
Und das ist eigentlich die tiefere Motivation. Sie möchte, also der Wunsch,
0:49:09–0:49:13
geliebt zu werden, und das drückt sie ja dann auch aus, wenn sie da vorne steht.
0:49:13–0:49:16
Ich bin es doch, ihr müsst mich doch lieben. Ja.
0:49:18–0:49:22
Und das Fatale ist halt, dass es in unserer Gesellschaft so verknüpft ist,
0:49:22–0:49:26
dass wir denken, nur noch dann geliebt zu werden, wenn wir schön und jung sind.
Florian Clauß
0:49:26–0:49:34
Ja, vor allen Dingen die Frauen in unserer Gesellschaft.
Micz Flor
0:49:34–0:49:41
Dazu gibt es ja dann auch, da gibt es ja noch zwei kleine Männernebenrollen, die damit zu tun haben.
0:49:41–0:49:53
Das eine ist der jüngere Nachbar, der total der jungen Hauptstadt sofort verfallen ist und verzaubert ist.
0:49:53–0:49:57
Und dann gibt es aber auch, nachdem sie gefeuert wurde, kommt da jemand auf
0:49:57–0:49:59
sie zu, der sie noch aus der Schule kennt oder so.
0:50:00–0:50:04
Ah ja, genau. Der sie sehr attraktiv findet und der so ein bisschen schüchtern
0:50:04–0:50:06
sagt, wir könnten ja mal einen Kaffee trinken gehen. Sowas in der Art.
0:50:06–0:50:07
Ich weiß nicht mehr genau, was das ist.
0:50:08–0:50:13
Und mit dem kann sie aber gerade gar nicht umgehen, weil sie die Liebe der ganzen
0:50:13–0:50:16
Welt verloren hat. Kommt sein Interesse bei ihr nicht richtig an.
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Und später möchte sie sich mit ihm treffen und dann kommt aber der Finger in
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den Weg. und dieser sehr frühe Zerfall, wo sie sich doch wieder zu sehr schämt und sich zurückzieht.
Reinhard
0:50:26–0:50:31
Also das ist wirklich die einzige Szene in dem Film, jetzt greife ich ein bisschen
0:50:31–0:50:34
vor in meiner Beserkung, aber das ist die einzige Szene in dem Film,
0:50:34–0:50:37
die mich innerlich wirklich berührt hat.
0:50:37–0:50:42
Also wo ich auch tatsächlich mich mit der Protagonistin identifizieren konnte.
0:50:42–0:50:47
Also sie verabredet sich dann mit diesem alten Freund, weil sie sich einsam fühlt.
0:50:48–0:50:53
Und sie machen ein Essen aus. Er ist ganz überrascht, weil er eigentlich so
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auch mit ihrem älteren Ich völlig fasziniert ist von diesem älteren Ich und
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sie wunderschön findet. Ja.
0:51:03–0:51:08
Und dann verabreden sie sich und sie steht vorm Spiegel, macht sich fertig,
0:51:08–0:51:10
probiert zehn verschiedene Kleider an,
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macht ihre Haare, legt Make-up auf und dann steht sie vorm Spiegel und sieht
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ihr älteres Ich und ist damit so unzufrieden, dass sie anfängt,
0:51:19–0:51:23
sich wieder abzuschminken, wieder neu zu schminken, noch was anderes anzuziehen,
0:51:23–0:51:24
noch mal was anderes anzuziehen.
0:51:24–0:51:28
Und dann sehen wir, dann gibt es einen Zeitpunkt und wir sehen,
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wie sie weinend auf ihrem Bett sitzt und sie hat diese Verabredung ausfallen lassen.
0:51:33–0:51:39
Das ist die tragischste Szene in dieser Film.
0:51:40–0:51:42
Dafür fand ich, war es es wert.
Florian Clauß
0:51:42–0:51:48
Der Film. Der Film war das wert. Ja, ich meine, es ist sehr plakativ einfach.
0:51:48–0:51:53
Das heißt, das könnte ja ihr Leben in der zweiten Lebenshälfte sein,
0:51:53–0:51:59
wo sie sich dann eher so auf so eine Beziehung besinnt und mehr zu sich zur
0:51:59–0:52:00
Ruhe kommt, wie auch immer,
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sich neu verlieben kann und einfach auch neue Ideale findet in ihrem Leben.
0:52:05–0:52:10
Aber sie kann sich nicht lösen, weil ihr jüngeres Ich dann quasi sie da zurückhält.
0:52:10–0:52:14
Und sie kann gar kein eigenes Leben mehr entwickeln.
0:52:14–0:52:19
Das ist ja so diese Fatalität in der ganzen Konstellation.
Reinhard
0:52:19–0:52:22
Ja, ich finde das andere, also den ganzen Rest der Geschichte,
0:52:22–0:52:27
finde ich wirklich ein bisschen sehr überkonstruiert und auch ziemlich bizarr und eher,
0:52:28–0:52:33
es ist eher eine Farce, aber in dieser kleinen Szene ist unglaublich viel Wahrheit
0:52:33–0:52:37
drin und dass wir glauben, nicht geliebt werden zu können,
0:52:37–0:52:41
weil wir uns selbst nicht lieben und dass wir uns damit so sehr im Weg stehen
0:52:41–0:52:44
und das ist ja auch tatsächlich noch gut, das wird dann auf einer sehr oberflächlichen
0:52:44–0:52:46
Ebene, erzählt der Film das auch.
0:52:47–0:52:52
Dass wir sozusagen dadurch, dass wir diese unglaubliche Sehnsucht danach,
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jung und schön zu sein und beliebt zu werden, dass wir uns damit eigentlich selbst verletzen.
0:52:58–0:53:02
Das ist ja, also so könnte man ja ganz platt den Botschaften des Films zusammenfassen.
Florian Clauß
0:53:02–0:53:07
Ja, obwohl, ich meine, der nimmt jetzt nicht unbedingt der Film diese Position
0:53:07–0:53:12
der, ich sag mal, der Älteren ein, ja.
0:53:12–0:53:17
Sondern so wie jetzt Demi Moore auch dargestellt wird oder auch der Blob,
0:53:17–0:53:22
der am Ende ist, wird ja auch dann so inszeniert, dass es tatsächlich abstoßend ekelerregend ist.
0:53:23–0:53:28
Also du findest ja auch dann die Jüngere viel attraktiver.
Reinhard
0:53:28–0:53:31
Und das findest du wirklich?
Florian Clauß
0:53:31–0:53:34
Nein, da muss ich jetzt schon widersprechen. Nein, nein, nein,
0:53:35–0:53:40
ja, aber so ist es inszeniert von der Poppigkeit her, von der Kameraführung
0:53:40–0:53:44
und wie die auch dargestellt und ausgestellt werden.
0:53:45–0:53:50
Also klar hat natürlich Demi Moore, wenn sie dann nackt vor dem Spiegel steht,
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auch was sehr Attraktives, aber es ist nicht so inszeniert.
Reinhard
0:53:55–0:54:00
Da muss ich entschieden widersprechen. Ich finde ganz offensichtlich,
0:54:00–0:54:06
also diese Jüngere, diese Sue, die ist, also ich finde sie so unsympathisch
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und das wird auch deutlich, also so ist es auch unszeniert.
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Sie spielt das wirklich, sie ist eine knallharte Karrierefrau und sie ist rücksichtslos.
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Sie hält diese Regeln, diese festen Regeln nicht ein. Sie ist eigentlich der
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böse Teil dieses verdoppelten Ichs.
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Das ist ja eigentlich, also das Motiv ist ja ziemlich alt, das ist ja das Doppelgängermotiv
0:54:29–0:54:33
eigentlich, was da, was wir da vorgeführt bekommen.
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Das geht ja zurück, das ist auch in die Romantik, die deutsche Romantik.
0:54:36–0:54:38
Ich glaube, E.T. Hoffmann,
0:54:39–0:54:46
Um 1800 rum hat er zwei Geschichten geschrieben. Und dann gab es dieses Mr. Jekyll, Mr.
Florian Clauß
0:54:46–0:54:48
Hyde, auch Dorian Gray.
Reinhard
0:54:48–0:54:51
Ganz genau, das sind alles ähnliche Motive. Und es geht immer darum,
0:54:52–0:54:56
dass wir sozusagen einen guten Teil in uns haben und einen bösen Teil.
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Und diese beiden werden dann sozusagen externalisiert.
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Das, was eigentlich seelisch in uns ist, wird nach außen verlagert und diese
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beiden bekämpfen sich dann.
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In dieser Geschichte, in The Substance, finde ich es ganz eindeutig,
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dass die Jüngere die Böse ist.
Florian Clauß
0:55:14–0:55:15
Ja, ja, auf jeden Fall.
Reinhard
0:55:16–0:55:21
Gemeine, die Hinterlistige. Und die Ältere tut uns doch leid.
Florian Clauß
0:55:21–0:55:25
Ja, man hat eben, man fühlt schon mit ihr so mehr oder weniger,
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aber gleichzeitig denkt man ja auch, okay.
0:55:28–0:55:33
Also ich meine, so richtig identifizieren tut man sich dann doch nicht mit ihr.
0:55:33–0:55:37
Weil sie hat das ja in die Wege geleitet und sie ist ja so selbst gemacht.
0:55:39–0:55:45
Also dieser Ageism, was er auf der einen Seite anprangert, aber auf der anderen Seite auch ausstellt.
0:55:45–0:55:48
Das meine ich halt so mit dem. Das könnte man dem Film nachsagen.
Reinhard
0:55:49–0:55:51
Ich finde, das kann man dem Film durchaus anlassen.
0:55:53–0:55:56
Er stellt schon sehr diese Ästhetik aus.
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Die Inszenierung weidet sich ja an den nackten Frauenkörpern auch.
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Wir sehen ganz viele Brüste unter der Dusche. und eigentlich steht,
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dass der Botschaft des Films, wenn der Film dann eine Botschaft hat oder haben
0:56:11–0:56:14
möchte, finde ich schon im Wege.
Florian Clauß
0:56:14–0:56:19
Ja, genau, wenn man dann sagt, das könnte die feministische Kritik sein,
0:56:19–0:56:22
aber ich glaube, das will der Film gar nicht so.
0:56:22–0:56:25
Ich glaube, es geht wirklich so um diesen Film, was wir am Anfang gesagt haben.
0:56:26–0:56:32
Der Film will einfach so ein Hochglanzplakat oder Format sein und diese Bilder
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halt so schrill wie möglich und die Figuren so stereotypisch wie möglich darstellen.
0:56:37–0:56:42
Und dann auch das Ende funktioniert auch so in diesem totalen...
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Ich sage mal, in dieser totalen Eskalation auf der Bühne.
0:56:48–0:56:53
Also ich glaube, der schärft alles auf diese Situation und bleibt dann irgendwie
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ein bisschen flach, aber schafft Bilder, die einfach hängen bleiben.
Reinhard
0:56:57–0:57:02
Mich in dem Zusammenhang wirklich wundert, dass der Film in Cannes ausgerechnet
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den Drehbuchpreis bekommen hat.
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Weil ich finde, die Story ist eigentlich wirklich ziemlich schlack und nicht sehr tiefgründig.
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Das Besondere oder das Gute an dem Film sind die fantastische Ausstattung die
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Darsteller und der Soundtrack und einige von diesen visuellen Effekten,
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die wir da sehen aber dem Film ausgerechnet einen Preis für das Drehbuch zu
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geben, das finde ich fragt so Ja.
Florian Clauß
0:57:33–0:57:38
Vielleicht, ich kann mir das nur so erklären weil ja Fargo auch das Drehbuch
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geschrieben hat und Regie geführt hat und vielleicht ist das jetzt so ein kleiner
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Regiepreis gewesen und so durch die Hintertür des Drehbuchs, um dann...
Reinhard
0:57:47–0:57:48
Verdacht, genau.
Micz Flor
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Ich wollte noch eine Sache sagen, du hast gerade so ein bisschen nachgedacht,
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weil wir vorhin angesprochen haben, diese Wer-spricht-über-wen-Sache,
0:57:57–0:58:00
und ich dann gedacht habe, was wäre denn jetzt so ein Film, wo es um Männlichkeit
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geht und was irgendwie so ein Männer, also wo man dann den besprechen könnte.
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Das Einzige, was mir eingefallen ist, war dann Iron Man, Diese Iron Man Episode,
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wo seine Batterie nur noch auf 80 Prozent hochgeht oder so, wo er dann noch
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einmal quasi Analogie zu Potenzstörungen hat mit seinem...
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Iron Man. Kennt ihr den Film?
Florian Clauß
0:58:26–0:58:29
Iron Man. Du meinst schon mit dem Superheldenfilm?
Micz Flor
0:58:30–0:58:30
Superheldenfilm.
Florian Clauß
0:58:30–0:58:34
Ich weiß nicht, ich habe den nur ganz hochstückhaft.
Micz Flor
0:58:34–0:58:38
Da ging es wirklich um so ein Identitätsproblem von, ich habe vergessen,
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wie der Actor oder die Rolle heißt, weil sein Suit, also er kriegt den nicht mehr auf 100 Prozent.
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Und deshalb kann er diese ganzen Kämpfe nicht mehr machen. Also er ist nicht
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mehr so der wirkliche Held. Der muss irgendwie mit seinem Alter auch in gewisser
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Weise eben mit Potenzstörungen irgendwie umgehen, lernen.
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Und seine Assistentin Pepper oder wie sie heißt, die nimmt ihn dann nicht in den Arm.
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Aber ich glaube, zum Schluss gibt es ihm so aus weiblicher Sicht einfach nochmal,
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hey, du bist ein toller Mann. Und dann geht es irgendwie so ein Happy End zurück.
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Ich weiß gar nicht, ob er dann die Batterien noch austauschen kann oder nicht.
Florian Clauß
0:59:11–0:59:13
Aber das ist jetzt ein Beispiel für eine männliche Perspektive.
Micz Flor
0:59:13–0:59:16
Ja, wo ich gedacht habe, was gibt es denn überhaupt für Männerfilme?
Florian Clauß
0:59:17–0:59:20
Aber ich meine, das, was wir jetzt auch in der letzten Episode besprochen haben,
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würde ich da ganz ranziehen.
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Nämlich der von Titan, der Ältere, der dann quasi den, der Feuerwehrhauptmann,
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der sie dann aufnimmt oder den Sohn dann wiederfindet.
0:59:33–0:59:36
Oder The Wrestler wäre auch so ein Ding. Da haben wir ja auch in der letzten Episode.
0:59:36–0:59:39
Aber da gibt es, glaube ich, viele, die dann halt so diese, ja,
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aber letztendlich ist es dann auch wieder so die Frage, wie kommt man jetzt so, ich sag mal so,
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der Ökonomie oder der Logik des Marktes, wie kann man sich denn da wieder so
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einfinden als jemanden, der aussortiert ist.
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Das ist ja so, dass auf der einen Seite gibt es natürlich Möglichkeiten irgendwo
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anders dann seine Lebenserfüllung zu finden.
1:00:05–1:00:10
Aber der Marktdruck ist dann so stark, dass es eben zu solchen Mitteln gegriffen
1:00:10–1:00:12
wird, dass man sich so verjüngt.
1:00:13–1:00:15
Und das ist glaube ich so der,
1:00:16–1:00:20
einen Kritikpunkt, den man dem Film so nachsagen kann. Obwohl ich das auch zu
1:00:20–1:00:22
platt finde. Also das hatten wir ja gerade.
Reinhard
1:00:23–1:00:28
Interessant ist ja auch, dass man die Hauptrolle mit Demi Moore besetzt hat.
1:00:28–1:00:33
Demi Moore ist 62 gewesen, glaube ich, als das dann gedreht wurde oder als er rauskam.
1:00:33–1:00:35
Sie fehlt eine 50-Jährige.
1:00:35–1:00:41
Und wir wissen, dass Demi Moore also schon eine ganze Reihe an Schönheits-OPs hinter sich hat.
1:00:41–1:00:47
Also, wer kann man sich jetzt fragen? Also reflektiert sie in dieser Geschichte
1:00:47–1:00:52
oder hat sie diese Rolle angenommen, weil sie über ihre eigenen Probleme mit
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ihrem Aussehen reflektieren wollte, öffentlich?
1:00:56–1:01:00
Oder hat sie einfach diese Rolle angenommen, weil es einfach eine tolle Gelegenheit
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war, mit 62 nochmal groß rauszukommen?
Florian Clauß
1:01:05–1:01:08
Ja, du hast natürlich diese Meta-Ebene auch in diesem Film mit drin,
1:01:08–1:01:13
weil sie ist auch das Sexsymbol der 90er Jahre gewesen, Demi Moore.
1:01:14–1:01:20
Und ist jetzt in dieser Position dann halt in der Filmwirtschaft diese Position,
1:01:20–1:01:23
also diese Rolle nicht mehr spielen zu können.
1:01:23–1:01:29
Also hast du da auch dieses, natürlich irgendwo auch in der Marktökonomie von Hollywood.
1:01:29–1:01:34
Damit implementiert. Das kann man auch so sehen.
Micz Flor
1:01:35–1:01:41
Es fällt mir gerade ein, der Memur war ja auch die Böse in diesem Film, Kinofilm von Charlies,
1:01:43–1:01:48
Drei Engel für Charlie. Und da war sie dann, glaube ich, über 40 und Cameron
1:01:48–1:01:54
Diaz, die eine der drei Engel war, die hat dann gesagt, dass sie unfassbaren
1:01:54–1:01:58
Respekt hat, dass der Memur das gemacht hat und wie toll sie doch sei.
1:01:58–1:02:01
Und eine Frau über 40 könnte doch eigentlich, würde doch eigentlich in Hollywood
1:02:01–1:02:03
gar nicht mehr gecastet werden und Hut ab und so.
1:02:04–1:02:09
Also damals war es implizit auch schon Thema, dass sie dann...
Florian Clauß
1:02:09–1:02:15
Ja, ich meine, wenn so sich dann eine Schauspielerkollegin äußert,
1:02:15–1:02:17
dann muss man auch hellhörig werden.
Reinhard
1:02:18–1:02:22
Also ich glaube aber, obwohl Chris jetzt vielleicht wieder widersprechen würde,
1:02:22–1:02:25
aber ich glaube, man muss auch nochmal einen Unterschied machen,
1:02:25–1:02:29
wirklich zwischen dem amerikanischen Markt und dem europäischen Markt.
1:02:29–1:02:36
Ich glaube, in Europa erlebe ich das eigentlich nicht so, dass ältere Schauspielerinnen
1:02:36–1:02:37
komplett aussortiert werden.
1:02:39–1:02:40
Oder Moderatorinnen.
Florian Clauß
1:02:41–1:02:46
Ich glaube, ja, ich glaube, das ist tatsächlich auch, was uns diese ganze Welle
1:02:46–1:02:49
an, ich sag mal so, Gleichstellung gebracht hat.
1:02:50–1:02:54
Dass da auch so eine Sensibilität sich auch im Showbusiness entwickelt hat,
1:02:55–1:02:57
da jetzt eben nicht so auszuselektieren.
1:02:57–1:03:01
Ich meine, es ist noch immer nicht so, dass Frauen da so gleichgestellt sind
1:03:01–1:03:06
in der Form, aber man hat so zumindest so, dass eben, wie du sagst,
1:03:06–1:03:09
das Beispiel mit Moderatorinnen, die dann halt auch noch weiter ihre,
1:03:09–1:03:12
also es ist nicht mehr so wie in den 90ern, sag ich mal.
Reinhard
1:03:13–1:03:19
Was sich eigentlich auch damit zu tun hat, dass die Entscheider jetzt auch viel
1:03:19–1:03:21
öfter Frauen drin tatsächlich ist.
1:03:21–1:03:25
Also in der deutschen, ich glaube auch in der ganzen gesamten Rotation-Medienbranche.
Florian Clauß
1:03:25–1:03:29
Ja, also da kann man sich nur wünschen, dass sich diese Marktdurchdringung auch
1:03:29–1:03:33
so konsistent bleibt. So, wir sind jetzt hier an der Fähre.
Micz Flor
1:03:33–1:03:39
Wir sind jetzt hier in Leipzig. Wo ist die Fähre? Gefühlt, wir sind ewig unterwegs schon.
Florian Clauß
1:03:39–1:03:45
Ja, ja, jetzt ist auch das Ende von, das Ende von, nee, nee,
1:03:46–1:03:48
wir sind noch nicht am Ende, aber ich wollte jetzt nur sagen,
1:03:48–1:03:52
das Ende von dem Weg, wir können jetzt hier auf den, da gibt es diesen Europa.
Reinhard
1:03:52–1:03:53
Richtig schön dunkel.
Florian Clauß
1:03:53–1:03:56
Aber wir haben eine Taschenlampe, wir haben eine Taschenlampe.
Reinhard
1:03:57–1:04:00
Wir brauchen noch eine Ersatzlampe, falls da die Patasien angewandt wird.
Florian Clauß
1:04:01–1:04:08
Sehr gut. Also ich möchte jetzt nochmal dieses Lacan aktivieren.
1:04:08–1:04:10
Wir hatten das schon mehrfach gemacht.
1:04:10–1:04:14
Mitch hat das ja schon bei SodaWork ausgepackt.
1:04:15–1:04:22
Chris und ich hatten LaCore die drei Register auf Nosferatu angewandt.
1:04:22–1:04:27
Ich wollte noch mal ganz kurz so einen kleinen Recap machen.
1:04:28–1:04:32
Es funktioniert einfach so gut, dass es schon wieder zu platt ist, aber trotzdem.
Micz Flor
1:04:32–1:04:37
Ja gut, du musst aber auch überlegen, ob nicht andersrum anhand von solchen
1:04:37–1:04:44
psychodynamischen Theorien manchmal Stoffe auch entwickelt werden.
Florian Clauß
1:04:45–1:04:52
Ja, das denke ich tatsächlich. Bei diesem Stoff gibt es so, dass die Regisseurin sich da auch...
1:04:53–1:04:57
Hingesetzt und alles kennt, diese ganzen Theorien und da eine Stoffentwicklung
1:04:57–1:05:00
gemacht hat. Also das bedingt sich auf jeden Fall.
1:05:01–1:05:05
Also wir haben bei Lacan die, ich habe es gerade schon erwähnt, die drei Register.
1:05:06–1:05:10
Das ist auf der einen Seite das Imaginäre, also die Welt der Bilder,
1:05:11–1:05:17
die Welt der Identifikation, so das, was dann im Prinzip auch das,
1:05:18–1:05:20
was man gerne sein möchte.
1:05:21–1:05:25
Also das, was auch teilweise nicht erreichbar ist, die Ideale.
1:05:25–1:05:28
Dann haben wir die symbolische Ordnung.
1:05:28–1:05:34
Das wird dann ausgeprägt durch Gesetze, Verträge und so weiter.
1:05:34–1:05:40
Und vor allen Dingen durch die Symmiotik, also das heißt Signifikantenketten.
1:05:40–1:05:42
Das ist die symbolische Ordnung.
1:05:43–1:05:48
Und wir haben das Reale. Das Reale hatten wir dann bei Nosferatu,
1:05:48–1:05:54
das ist diese Figur, die dann der Orlok darstellt.
1:05:54–1:05:58
Also das, was sich in keiner Ordnung irgendwie einordnen lässt,
1:05:59–1:06:07
was dann als das Abwesende, als das Ausgestoßene dann in die Welt kommt und
1:06:07–1:06:11
meistens auch überhaupt nicht irgendwo erfassbar werden kann durch irgendwie
1:06:11–1:06:13
eine Ordnung oder durch was,
1:06:14–1:06:16
also meistens der Tod.
1:06:17–1:06:20
Also was im jenseitigen Bereich dann irgendwo angesiedelt ist.
1:06:21–1:06:27
Und in diesem ganzen Kraftverhältnis gibt es aber auch immer wieder das Begehren.
1:06:27–1:06:33
Das Begehren, das, was wir bei Nosferatu, bei Ella festgestellt haben,
1:06:33–1:06:38
dass sie das Begehren, sexuell begehren, diese Vereinigung mit Orlok,
1:06:38–1:06:43
also was eigentlich total irrational ist, Aber was dann eben immer passiert,
1:06:43–1:06:51
zu einem Untergang führen kann. Das ist das sogenannte Objekt klein a,
1:06:51–1:06:56
das Unerreichbare, was ich in meinem Begehren nie richtig dann fassen erlangen kann.
1:06:58–1:07:04
Und das ist jetzt mal so ganz grob gesprochen, in diesen Registern bewegt sich die Geschichte.
1:07:05–1:07:11
Wenn wir das dann eben auf The Substance anwenden wollen, haben wir ja ganz
1:07:11–1:07:19
klar, die symbolische Ordnung ist quasi die Gebrauchsanweisung des Substance in Großbuchstaben.
1:07:20–1:07:26
Da steht ja drauf, du darfst nur das in dieser Form anwenden,
1:07:27–1:07:31
nur einmal alle sieben Tage und so weiter. Das ist die symbolische Ordnung.
1:07:31–1:07:35
Das Begehren ist eigentlich auch relativ klar.
1:07:35–1:07:38
Das Begehren entsteht in dem Moment, wenn eben,
1:07:39–1:07:46
Elisabeth vertrieben wird aus dem Reich des Showbusiness und sie begehrt eben,
1:07:47–1:07:48
da wieder teilzunehmen.
1:07:48–1:07:52
Aber das Begehren ist halt so, dass es nicht erreicht werden kann in dem Moment,
1:07:53–1:07:54
wenn Sue als Person entsteht.
1:07:55–1:08:00
Sue ist eben auch gekoppelt an die symbolische Ordnung und sie wird das nie
1:08:00–1:08:05
erfüllen können, weil sie immer wieder diese Regeln einhalten muss.
1:08:06–1:08:13
Und weil sie eben zu sehr begehrt, zu sehr Objekt klein a, nämlich diesen alle,
1:08:14–1:08:17
was war auf dem Blumenstrauß, Rosen?
1:08:18–1:08:22
They will all love you. Genau, das ist ja ihr Begehren. Sie werden dich alle lieben.
1:08:23–1:08:26
Weil das nie erreicht werden kann, weil sie immer wieder in diese Ordnung gezwungen wird.
1:08:27–1:08:31
Dann an diesem Punkt bricht das Reale durch.
1:08:31–1:08:37
Und das Reale kommt dann in Form des Blobs, was dann alle infiziert und was
1:08:37–1:08:46
dann eben das Unsagbare, das Nichtvorstellbare dann ausdrückt auf einmal, auf die Welt kommt.
1:08:46–1:08:52
Und das in keiner Ordnung irgendwie einpassbar ist und damit halt auch den Untergang bedeutet.
1:08:53–1:08:56
Das ist jetzt mal so ein ganz kurzer Crashkurs.
1:08:59–1:09:04
Aber was denkt ihr darüber? Kann man so sagen. Das lässt sich doch gut anwenden.
Reinhard
1:09:04–1:09:10
Ich würde doch bezweifeln, dass die Regisseurin beim Drehbuchschreiben sich
1:09:10–1:09:13
mit der Theorie auseinandergesetzt hat.
1:09:13–1:09:18
Das erscheint mir unrealistisch. Aber gut, es mag sein.
Micz Flor
1:09:19–1:09:24
Ja, das Reale ist, glaube ich, also da weiß ich nicht genau,
1:09:24–1:09:29
ob ich das dann in diesem Blob ansiedeln würde, weil es ist ja schon so,
1:09:30–1:09:34
da hast du recht, dass das was nicht, also man würde ja zuerst denken,
1:09:34–1:09:38
das Bildliche, dann das Symbolische und das Reale, wie es eigentlich wirklich
1:09:38–1:09:43
ist, um auch bei unserem Folgentitel zu bleiben, eigentlich nicht Folgen, Brandtitel.
1:09:45–1:09:49
Aber das Reale ist natürlich wirklich nicht sehbar.
1:09:49–1:09:55
Das heißt, der Blob wäre dann auch nur ein Schatten quasi des Realen,
1:09:55–1:09:57
weil das Reale ist nicht greifbar.
1:09:57–1:10:01
Und das ist ja das, was wir bei Solaris auch hatten. Im Endeffekt ist alles
1:10:01–1:10:04
nur ein Abkömmling von etwas, das es eigentlich nicht gibt.
1:10:04–1:10:07
Also so, als ob sich das in drei Dimensionen vor uns zeigen muss,
1:10:07–1:10:09
aber wir können es eigentlich nicht wirklich begreifen.
1:10:09–1:10:11
Und deshalb würde ich sagen, dass dieser Blob.
1:10:16–1:10:24
Ja, der Blob ist das Ergebnis des Versuchs, das Begehren zu zwingen,
1:10:25–1:10:27
das Objekt klein a zu berühren.
1:10:28–1:10:31
Und das kann nicht gehen. Das ist so die Sache drin.
1:10:31–1:10:36
Das Objekt a ist bei Lacord, das verschiebt sich auch immer.
1:10:36–1:10:40
Und wir haben diese eine Szene eben mit diesem Mann, der jetzt einfach der Mann
1:10:40–1:10:44
von der Frau werden könnte. und die Frau könnte dann die Frau von dem Mann sein.
1:10:44–1:10:47
Und das wäre doch ganz einfach. Und dann hätte alles in eine andere Richtung gehen können.
1:10:47–1:10:51
Aber das Objekt A, dieses Begehren, wird da nicht gestillt.
1:10:51–1:10:54
Es ist eher im Weg. Dieser Typ ist im Weg. Ich habe andere Pläne.
1:10:55–1:10:57
Das ist ganz wichtig. Objekt A ist so ein bisschen...
1:10:58–1:11:03
Die Karotte, die der Esel nie erreichen kann und deshalb immer weitergeht.
1:11:04–1:11:09
Und das Objekt A verschiebt sich dann auch. Wenn man dann ein Begehren erfüllt
1:11:09–1:11:13
und so tut, als sei das Begehren ein Wunsch, aber es ist eben kein Wunsch,
1:11:14–1:11:19
dann kriegt man etwas, was angeblich das Begehren, wenn man es als Wunsch betrachtet, erfüllt hätte.
1:11:20–1:11:23
Und dann geht es aber in eine andere Richtung. Das ist vielleicht der Blob.
1:11:24–1:11:27
Dann kommt irgendwie, auf der anderen Seite fehlt etwas, da muss da wieder was rauswachsen.
Florian Clauß
1:11:27–1:11:31
Ja, so ein bisschen wie das Wört. Aber darf ich da noch, weil genau das,
1:11:31–1:11:36
da bin ich auch so ein bisschen dran kleben geblieben, dass ich den Blob dann
1:11:36–1:11:40
nicht so richtig als das Reale einlösen kann, weil das Reale ist,
1:11:40–1:11:45
was sie nicht darstellen lässt, was einfach nicht anwesend ist.
1:11:45–1:11:53
Und ich glaube, da kommt eben auch eine Theorie rein, die durchaus die Regisseurin gelesen haben könnte.
1:11:53–1:12:01
Nämlich, das ist auch von der, ich muss jetzt auch nochmal gucken, die heißt Christeva.
1:12:01–1:12:07
Die hat in den 1980, hat die einen Aufsatz geschrieben oder ein Buch, Power of Horror.
1:12:08–1:12:12
Und da hat sie den Begriff, der, und das hast du vorhin schon erwähnt,
1:12:12–1:12:14
ich habe mich darüber gefreut, dass du das erwähnt hast. Achtung gerade.
1:12:16–1:12:20
Die hat den Begriff der Abjektion eingeführt.
1:12:21–1:12:27
Und die Abjektion ist im Prinzip, wenn man das jetzt mal so auf der freudianischen
1:12:27–1:12:33
Ebene so passifizieren will, heißt es, das Ich hat ein Objekt,
1:12:33–1:12:35
das Über-Ich hat das Abjekt.
1:12:35–1:12:44
Also das Objekt ist im Prinzip ein Sublimat, was diese ganze moralische Ordnung, also das Symbolische,
1:12:44–1:12:51
so antreibt, was eben das Objekt ist.
1:12:52–1:12:56
Da für das Ich ist, ist dann in dieser symbolischen Ordnung das Abjekt,
1:12:56–1:13:01
das bedeutet das Ausgestoßene, was aber gleichzeitig nicht wegzudenken ist.
1:13:02–1:13:10
Und das wird dann so verglichen wie in der Gesellschaft halt diese Prostitution
1:13:10–1:13:16
oder sowas, was dann halt nicht gesellschaftsfähig ist, aber gleichzeitig da ist.
1:13:16–1:13:22
Und so würde ich dann diesen Blob interpretieren, dass er im Prinzip ein Abjekt ist.
1:13:22–1:13:26
Ja, es ist keine richtige Person mehr, es ist kein Individuum,
1:13:26–1:13:30
es ist auch kein Dividium, sondern es ist einfach nur eine Masse,
1:13:30–1:13:36
was aber auch so durch alle möglichen Sachen geht. Also es ist nicht mehr so.
1:13:36–1:13:43
Und da finde ich dieses Abjektion ganz hilfreich in diesem Zusammenhang,
1:13:43–1:13:47
weil es dann halt quasi mit dem Realen, also das ist genau das,
1:13:47–1:13:51
was in der Spalte zwischen realen und symbolischer Ordnung dann rausquillt.
1:13:51–1:13:57
Es ist so ein bisschen wie das Word, wo dann halt, also ich referenziere gerade
1:13:57–1:14:00
auf Jeff Noon, Word, ein Science-Fiction-Autor.
1:14:01–1:14:12
Wo das Word ist auch so eine Parallelwelt, eine Welt, die nicht auf der Erde
1:14:12–1:14:14
passiert und wo man dann durch Federn,
1:14:15–1:14:18
also indem man an Federn leckt oder einen Mund steckt, dann hinkommt.
1:14:18–1:14:22
Und die Regel ist, man darf nichts aus dem Wirt mitnehmen.
1:14:22–1:14:26
Und dann wird aber doch irgendwas aus dem Wirt mitgenommen und dann passiert
1:14:26–1:14:27
was, ich kriege es nicht mehr ganz zusammen.
1:14:28–1:14:30
Aber das ist, finde ich, auch so eine Art von Abjektion, die da passiert.
Micz Flor
1:14:33–1:14:37
Ja, das ist spannend, weil das wollte ich bei Together wirklich auch aufgreifen.
1:14:37–1:14:40
Genau, Chris Thewa, die...
1:14:42–1:14:47
Dieses Konzeptsobjekt gibt es auf zwei Ebenen. Also mit dem Über-Ich,
1:14:47–1:14:48
das ist dann das Soziale.
1:14:49–1:14:52
Da gibt es dann gesellschaftliche Themen, wo Dinge ausgeschlossen werden,
1:14:52–1:14:54
die also Grenzthemen sind.
1:14:54–1:14:57
Und das gibt es aber eben auch für Body-Horror wirklich auf dem körperlichen,
1:14:57–1:14:58
auf der körperlichen Ebene.
1:14:59–1:15:03
Und da finde ich, deshalb habe ich das vorhin erwähnt, da finde ich den Finger,
1:15:03–1:15:09
diesen Ekelfinger, den sie da so sieht, der ist ja so, das ist eigentlich der
1:15:09–1:15:11
Body-Horror des Objekts.
1:15:11–1:15:16
So, das Objekt geht immer um Grenzen, um Sachen, die vom Körper abgestoßen werden.
1:15:16–1:15:22
Und es geht aber gleichzeitig eben immer auch um eine Herstellung eines Integeren Selbst.
1:15:22–1:15:25
Sei es jetzt auf einer sozialen Ebene, zum Beispiel Prostitution.
1:15:27–1:15:30
Das ist dann auch so ein Schopenhauer-Thema, der sich dann immer aufgeregt hat
1:15:30–1:15:36
über die Leute, die halt irgendwie tagsüber dann die Administration der Stadt
1:15:36–1:15:41
übernehmen und alle so klug tun und Kant gelesen haben und dann aber nachts Huren und Saufen gehen.
1:15:42–1:15:48
Und das sind diese Grenzbereiche, die notwendigerweise verdrängt werden müssen,
1:15:48–1:15:50
um die eigene Identität zu wahren.
1:15:51–1:15:55
Die aber gleichzeitig doch auch Teil von einem sind.
1:15:55–1:16:00
Und was wichtig ist, ist da, weil du vorhin diese Signifikant-Signifikat angesprochen
1:16:00–1:16:03
hast, wenn wir jetzt auf den Body-Horror gehen,
1:16:03–1:16:07
dann ist der Eiter, ja, oder das, ich finde die, ich muss sagen,
1:16:07–1:16:11
diese Schlussszene mit dem Blob, ich finde, der Film ist für mich da total zusammengefallen.
1:16:11–1:16:15
Das war für mich eher ein Soufflé, wo die Luft rausgeht.
1:16:15–1:16:19
Und deshalb kann ich das nicht aufladen mit irgendwas, wo ich denke,
1:16:20–1:16:26
Aber diese Idee von Eiter oder sowas, weißt du, was halt dem Körper,
1:16:27–1:16:32
also eine Grenze darstellt, zu viel davon ist tödlich.
1:16:32–1:16:38
Aber es geht nicht darum, dass der Eiter eindeutigerweise auf den toten Körper verweist.
1:16:38–1:16:41
Es geht immer darum, dass es so Dinge gibt.
Florian Clauß
1:16:41–1:16:43
Die dann abgelöst sind.
Micz Flor
1:16:43–1:16:46
Ja, Ekel. Du hast es ja ganz am Anfang erwähnt. Das war bestimmt auch im Zusammenhang
1:16:46–1:16:49
mit Christeva, dass du da auf einmal diese Tür geöffnet hast.
1:16:49–1:16:59
Es geht um die Dinge, die uns ekeln, weil sie uns... Ich habe ein tolles Beispiel dafür.
1:17:00–1:17:05
Estelle Blaschka, eine Medienwissenschaftlerin, die gerade in Basel unterrichtet,
1:17:06–1:17:11
die hat mal als ein wörtliches, also ein privates Zitat,
1:17:11–1:17:15
da hatte ich mal erzählt, beim Spazierengehen, sie wäre gerade Mutter geworden,
1:17:15–1:17:17
von so einem Experiment,
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was ich gerade gelesen hatte, was ich spannend fand, wo die Leute auf einen
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medizinisch sauberen Löffel ihre eigene Spucke drauf gespuckt haben und gebeten
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wurden, sofort die jetzt wieder in den Mund zu tun.
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Aber sobald sie den Körper verlassen hatte und vorhin auf dem Löffel war,
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die war völlig steril und alles wie vorher, war es eklig, das wieder in den Mund zu tun.
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Und das ist so, finde ich, ein ganz gutes, da kann sich jeder mit verbinden,
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mit diesem Objekthaften.
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Und Estelle hatte geantwortet, ich weiß noch, als der Thibaut draußen war,
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konnte ich mir schon nicht mehr vorstellen, wie er in mir war.
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Ja, also dieses, das finde ich, ist dann so fast schon ein Body-Horror-Thema,
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aber das ist, finde ich, für mich so das Bild vom Objekt, dass ein Teil von
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uns auf einmal sofort was so anderes ist, dass die Aufnahmen dieses Teils von uns in uns,
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uns ekelt.
Reinhard
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Das ist, denke ich, aber auch ein alter biologischer Überlebensreflex.
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Was einmal unsere Körper verlassen hat, nicht noch einmal aufzunehmen,
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könnte dann inzwischen giftig geworden sein.
Florian Clauß
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Ja, aber es wird dann auch tabuisiert.
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Und wenn es tabuisiert wird, dann wird es auch weggeschlossen und damit wird
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vielleicht auch der Zusammenhang eben verloren.
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Der aber wichtig ist, um halt die gesellschaftliche, also das Normale dann wieder zu behaupten.
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Und das ist vielleicht auch dann, wenn das zu sehr weggesperrt wird,
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das Objektive, das gehört ja zur Gesellschaft dazu, irgendwo.
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Es wird auch in anderen Fällen davon beschrieben, dass in dem Moment,
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wenn eben eine Person stirbt, dann ist es nicht mehr ein Subjekt,
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Sondern die Leiche ist dann auch, die ist ja dann nicht mehr derjenige Mensch,
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der es mal war, als er im Leben stand.
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Ja, da ist ja genau dieses, was sich da auch das Objekte dann auch hervortut an der Stelle.
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Das wird auch immer so in den Texten von Christopher dann beschrieben.
Micz Flor
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Ja, ich finde es auch immer schwierig mit den Toten, weil es halt so ein Zombie-Thema
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auch. so ein Zombie, der an einem Arm rumkaut und so.
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Das sind so Bilder, die eben, also man merkt bei diesem Bild,
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finde ich, bei Zombies kann man sich so ein bisschen vorstellen,
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wie man da den Vorhang so ein bisschen aufkriegt, um aufs Reale zu gucken.
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Also so ein bisschen, ich finde, das beste Wort am...
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Menschlichen Körper, was einen Blick aufs Reale zulässt, ist der Begriff der
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Knochenhaut. Kennt ihr den?
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Also irgendwie sowas, was man eigentlich noch erleben kann, aber irgendwie das
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Gefühl hat, das ist auch nicht mehr Teil von mir, obwohl es dauernd in mir ist so.
Florian Clauß
1:20:12–1:20:16
Also darf ich da einschieben, dass ich jetzt eine Knochenhautentzündung hatte?
Micz Flor
1:20:17–1:20:18
Wirklich? Zufall?
Florian Clauß
1:20:19–1:20:23
Ich war auf der Wanderung, habe ich mir eine Knochenhautentzündung zugezogen.
Micz Flor
1:20:24–1:20:24
Oh Mann, nach dem Ja.
Florian Clauß
1:20:24–1:20:30
Aber es ist nicht so schlimm, wie es klingt. Es war nicht so schlimm wie der Mürbebruch.
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Hast du die Substanz genommen? Genau, nein.
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Ich habe mich mit irgendwelcher, mit einer Cremes eingecremt, ja.
Micz Flor
1:20:38–1:20:41
Aber das ist, finde ich, auch nochmal wichtig, Rainer, was du gesagt hast,
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diese Brücke vom Biologischen dann eben ins, Anführungszeichen,
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Menschliche, dieser Sprung weg vom Instinkt hin zum Trieb, ja.
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Also was ja dann auch bei Objekt A so ein Thema ist, beim Begehren diese Idee,
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dass wir mit so etwas wie Ekel und dem Konzept des Objekts bis ins Über-Ich
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gehen können, bis ins Kulturelle gehen können.
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Das ist zum Beispiel bei uns, anders wahrscheinlich als in anderen Kulturen,
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wenn du Kindern das erste Mal sagst, es gibt wirklich Pferdesalami,
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dass die das nie essen werden. Also es ist einfach nicht möglich.
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Oder der Film, Sie essen Hunde oder wie der hieß. Solche Titel,
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das sind so Sachen, gerade beim Essen merkt man, wie das Objekthafte dann auch
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auf so einer sozialen Ebene präsent ist.
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Und das ist dann eben eine Leistung weg von, ess nicht deine Fäkalien,
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trink nicht dein Urin, hin zu dem kulturellen oder auch eben diesem Konzept
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von Unbewusst und Psychodynamik.
Florian Clauß
1:21:45–1:21:51
Ja, wollen wir, weil wir jetzt gerade schon so wieder den Bogen gespannt haben,
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wollen wir vielleicht einen kurzen Cut machen und dann in Together einsteigen?
Micz Flor
1:21:56–1:21:58
Ja, wir klatschen mal, weil wir haben jetzt ja ein Mikro,
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gejubelt und toll und wie toll das ist und ich war da zweimal und mir war immer
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so unheimlich. Ich kann dir gar nicht genau sagen, warum.
Reinhard
1:22:07–1:22:13
Ich fand das doch unheimlich, als das Riesenrad noch stand und diese aufgelassenen Kirmeswagen.
1:22:13–1:22:15
Also das hatte so was Mobiles.
Micz Flor
1:22:16–1:22:17
Gibt es einen tollen Dokufilm?
Florian Clauß
1:22:18–1:22:22
Genau, daran habe ich auch gerade gedacht, an den Dokufilm. Hast du doch den Feature-Film?
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Achterbahn, wo diese eigentlich im Prinzip über die Schausteller,
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Familie, die dann halt diesen Winterwald betrieben hat, wo am Ende die Familie
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auseinandergebrochen ist, weil die dann irgendwie in den Wagen Koks geschmuggelt haben nach Chile.
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Völlig absurde Geschichte, völlig absurd. Aber unbedingt gucken,
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Achterbahn heißt der, glaube ich.
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Okay, so, jetzt zum zweiten Teil. Wir haben schon fast anderthalb Stunden.
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Also Mitch und ich waren ja dann in Together zusammen, wo wir schon uns gedacht
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haben, wir sollten jetzt über Body Horror eine Episode machen.
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Und dann sind wir zusammen hingefahren und es war eines der wenigen Male,
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wo ich mit Mitch mit dem Fahrrad durch Berlin gefahren bin.
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Und ich habe mich total gefreut, weil ich sonst immer nicht mit Mitch mit dem Fahrrad war.
Micz Flor
1:23:13–1:23:15
Das war aber auch nicht mein Fahrrad, das war das Fahrrad meiner Frau.
Florian Clauß
1:23:15–1:23:19
Ja, und als wir dann aus dem Kino gekommen sind, dann war das Fahrrad leider weg.
1:23:20–1:23:26
Ja, das tat mir so leid für Mitch. Aber Mitch war, glaube ich,
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ganz froh, dass er mit der U-Bahn nach Hause war.
Micz Flor
1:23:28–1:23:30
Ja, I kept myself together.
Florian Clauß
1:23:32–1:23:33
Okay, und wir haben...
Micz Flor
1:23:33–1:23:35
I riced myself zusammen.
Florian Clauß
1:23:35–1:23:39
Wir haben dann Together geguckt und...
Micz Flor
1:23:39–1:23:42
Darum geht's jetzt. Ein Body-Horror-Film, so wird auch angepriesen,
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von Regisseur und Drehbuchautor Michael Shanks, der damit sein Debüt gegeben
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hat, also zumindest Regie-Debüt, weiß ich.
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In den Hauptrollen sind Dave Franco und Alison Brie, oder Brie,
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das weiß ich nicht, wie man es ausspricht, die auch im echten Leben verheiratet sind.
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Also es ist ein wahres Ehepaar und es geht auch,
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Viel irgendwie auf dem Hintergrund der Beziehung der beiden Charaktere.
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Die heißen Millie, das ist die Frau, und Tim.
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Im Film sind sie nicht verheiratet, da kommen wir gleich drauf.
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Der Film ist von 2025 und wurde im Sundance Film Festival im Januar vorgestellt.
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Und hat recht gute Bewertungen bekommen.
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Und wollen wir vorneweg unser Fazit legen oder wollen wir erst mal erzählen, was da so passiert?
Florian Clauß
1:24:39–1:24:42
Nö, lass uns ruhig erzählen, was passiert.
Micz Flor
1:24:42–1:24:47
Also, und versucht mal, die da draußen, die zuhören, versucht mal.
Reinhard
1:24:47–1:24:52
Wir grob die Story haben, aber ich bin kein Freitag.
Micz Flor
1:24:52–1:24:56
Jetzt können die Leute ja mal gucken, ob sie schon zwischen den Zeilen rauslesen,
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ob ich den gut fand oder nicht.
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Das Ganze geht damit los, da ist ein Suchtrupp in so einem Wald und die laufen
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da so rum und finden aber scheinbar nichts und rufen, suchen scheinbar irgendwen
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und da sind auch Hunde dabei.
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Und zwei von diesen Hunden, die finden in so einem Loch, in so einer Hülle,
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lecken so Wasser auf und danach werden sie von einem so gesehen, wie sie auf einer Hülle.
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Es ist so eine Lichtung, es ist aber dunkel, eine Lichtung, da stehen die Hunde
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sich so gegenüber und gucken sich an, so ganz starr fixiert.
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Das ist auch im Trailer, wer sich die anschauen will.
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Das finde ich auch, jetzt sage ich es doch schon, mit die besten Szene aus.
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Weil du merkst, die stehen so da und die sind völlig unbeweglich,
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weil die nicht mehr klarkommen mit dem, was sie irgendwie so wollen.
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Das ist so das Gefühl, was sie ausstrahlt.
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Und dann bringt der eine vom Suchtrupp die Hunde dann später in den großen Hundezwinger, den er da hat.
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Und dann nachts auf einmal gibt es da so ein Gebell und ein Geheule und der
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geht dann da raus. Oder zuerst seine Tochter, ich weiß gar nicht mehr,
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schon länger her, dass ich es gesehen habe.
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Und dann sieht er dann da, dass diese beiden Hunde so wie zusammengemorft sind.
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Also verklebt sind zu so einem, fast komplett zu einem Hund,
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aber da stehen dann noch so ein paar Sachen raus. Also die haben dann nämlich
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zuerst auch sich gegenüber gesessen und später sind sie dann sehr eklig miteinander verbunden.
Florian Clauß
1:26:25–1:26:28
Verwachsen und Schnitt.
Micz Flor
1:26:28–1:26:31
Und jetzt wissen wir gar nicht, wie wir wieder an diese Szene rankommen,
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weil jetzt sind wir auf einmal irgendwo in einer Großstadt, in der Millie und
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Tim, die sind zusammen, feiern ihren Abschied mit ihren Freundinnen und Freunden.
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Millie hat eine Stelle angenommen als Lehrerin irgendwo auf dem Land.
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Das ist da, wo wir dann gleich nämlich wieder hinkommen. Und die feiern jetzt
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nochmal das Goodbye und dann reden sie so.
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Und der Freund zieht da mit raus und der sitzt dann so draußen auf dem Balkon
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mit so zwei anderen Jungs, die in der Band spielen.
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Er ist eigentlich auch Musiker und die meinen, wir brauchen Gitarristen.
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Und dann sagt der eine auch noch so, ich dachte, als du mit meiner Schwester,
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das ist die Millie, ausgegangen bist, dass du sie vielleicht ein bisschen cooler
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machst, aber jetzt bist du mehr wie sie geworden.
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Also eine komische Entwertung.
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Und der erfährt dann aber, dass die beiden Gitarristen suchen und der meint,
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ey scheiße, ich will das unbedingt machen, ich kann ja mit dem Zug immer rausfahren,
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so weit ist es ja gar nicht weg und so, komm, lass uns die Tour machen,
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weil der möchte als Musiker auch berühmt werden, Erfolg haben.
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Millie macht dann die nimmt alles in die Hand macht dann ihm einen Heiratsantrag
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vor versammelter Mannschaft und er.
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Kann damit gar nicht umgehen und
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Flo erinnerst du dich auch es war eher so dass er Nein gesagt
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hat unter dem sozialen Druck dann aber irgendwie so Jein gesagt hat
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aber es war irgendwie dann ganz fürchterlich und alle haben sich gegenseitig
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angeguckt mit diesem Augenrollen und es war alles sehr städtisch und urban und
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oh my god ja und dann sind sie trotzdem halt dann ziehen sie um gehen da aufs land und.
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Kriegen dann auch ein Haus. Sie fängt an der Schule an und da ist noch so ein anderer Lehrer.
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Der ist quasi so aufgeschlossen und nett und cooler Typ.
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Und man merkt auch schon, dass der so ein bisschen inszeniert ist.
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Da könnte was laufen, so wenn sie Single wäre.
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Und die beiden machen dann, also Tim und Millie, nicht der Lehrer,
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den wir da aber schon kennengelernt haben, die machen dann eine Wanderung.
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Die wandern dann so durch den Wald und dann finden sie aber irgendwann den Weg
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zurück nicht mehr. Es fängt an zu regnen, es ist schlammig, sie rutschen dann
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ab und dann fallen sie durch so ein großes Loch, an dem so auch so eine Glocke
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hängt und müssen übernachten in so einer Höhle.
Florian Clauß
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Darf ich nur mal ganz kurz einschieben, weil das glaube ich auch wichtig ist
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für den ganzen Plot des Films, dass die sich dann immer so aufgrund von diesem
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verpatzten Heiratsantrag,
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dass die sich dann auch immer so ein bisschen in ihrer Pärchensituation versuchen
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wiederzufinden und sehr und gleichzeitig sich dann so,
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also sie suchen dann in dem anderen dann tatsächlich so, versuchen das einzulösen,
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aber so richtig ganz geht das nicht auf.
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Also man hat immer das Gefühl, es wird so leicht daneben geschossen.
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Also das würde ich nochmal so als Gefühl mit reinbringen.
Micz Flor
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Ja, das passiert dann oft, das stimmt.
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Und dann ist es in dieser Höhle so, da wollen sie wandern gehen,
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auch um mal was gemeinsam zu machen und so, weil er hat jetzt da nichts zu tun,
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er macht so ein bisschen Musik am Laptop, sie ist halt in der Schule und auch
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froh, dass sie diesen Job hat und freut sich endlich auch einen Sinn in ihrem
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Leben zu haben und Kindern, eine tolle Lehrerin zu sein.
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Und sie wandern dann zusammen, rutschen ab, fallen in dieses Loch,
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dann liegen sie da unten.
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Er trinkt dann auch aus dem Wasser, wo wir vorher gesehen haben,
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dass die Hunde draus trinken, sie nicht.
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Sie finden das komisch und dann pennen die und als sie aufwachen,
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sind sie am Unterschenkel sowieso aneinander festgeklebt.
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Das zieht dann so, die müssen dann so ein bisschen schmerzhaft auch.
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Und das ist dann so ein bisschen wie so eine rohe Haut, so ein bisschen Flüssigkeit da.
Florian Clauß
1:30:20–1:30:21
Ein bisschen verwachsen.
Micz Flor
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Ein bisschen zusammengewachsen waren die. Und dann gehen sie zurück und dann
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waren da so kleine Glöckchen, die hingen da im Wald rum und dann fängt er an zu suchen.
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Im Internet findet dann auch irgendwas mit diesen Glöckchen oder so und findet dann.
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Und dann kommen wir auf diesen Suchdruck, dass zwei denen sehr ähnliche,
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auch eine Facebook-Seite mit Fotos, zwei junge Menschen, Pärchen,
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die sind da wandern gegangen und sind verschollen und wurden nicht wieder gefunden.
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Und da kam dann eben dieser Suchtrupp und hat die dann irgendwie gesucht.
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Und das wird aber alles nicht so richtig, ist nicht so richtig erschließbar,
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was da so dahinter steht.
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Und da kommen so eine Reihe von Dingen, da beschleunige ich jetzt auch,
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weil ich glaube, es gibt so ein paar schöne Szenen da,
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also so in Anführungszeichen Body-Horror-Szenen, aber von der Geschichte her
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ist es dann relativ einfach.
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Also zuerst ist es so, dass er hat dieses Wasser getrunken, sie noch nicht.
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Das heißt, sie fährt dann irgendwie in die Stadt oder irgendwo hin und er ist dann beim Duschen.
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Und während sie eine Kurve macht mit dem Auto, fängt er auf einmal an,
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in diesen Duschkabinen so hin und her zu knallen, so gegen die Wände zu knallen.
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Das ist aber wie magnetisch mit ihren Bewegungen.
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Aber bei ihr merkt man, dass sie das gar nicht fühlt. Aber dann wird sie so
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hin und her angezogen, wird er so angezogen und das ist nicht so unheimlich.
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Und dann ist es aber eine zweite Szene, die ist sehr unheimlich,
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da ist da übernachten die dann und schlafen,
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nebeneinander und auf einmal wacht sie auf und hat das Gefühl,
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dass da irgendwas an ihren Haaren ist und dreht sich so um und dann hat er den
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Mund auf und hat so komplett ihre Haare, also ein riesen Pferdestand so in seinem
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Rachen drin und dann müssen sie so rausziehen und,
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das ist so, das ist wirklich.
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Schöne, eklige Szene. Und im Trailer ist die nicht zu sehen,
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aber eine Folgeszene davon ist auch im Trailer drin, wo er dann so morgens beim
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Zähneputzen auf einmal noch so ein bisschen was zwischen den Zähnen fühlt und
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zieht dann so ein ganz langes letztes Haar noch so durch den Zahn durch raus. Ähm,
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Die beiden haben irgendwie Konflikte, er kriegt dann aber diese Bandsache ans
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Laufen und dann fährt er halt mit seinem Verstärker und seiner Gitarre,
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steht dann da am Zug und sie fährt weg und er steht dann da,
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aber er kann dann da irgendwie nicht bleiben, er kann nicht in den Zug einsteigen.
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Er versucht es unbedingt, aber er kann nicht
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und er geht dann quasi zurück zu ihr und dann zur Schule und dann ist er total
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horny und dann vögeln die auf dem Schülerklo und dann kleben die halt wieder
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fest und dann schiebt sie ihn
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dann ganz brutal und schmerzhaft auch so weg und das reißt dann so raus.
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Man sieht nichts. Man sieht es nicht, aber man fühlt es.
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Und dann kommt halt ein Kind und sieht dann auch die Lehrerin,
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was macht die auf dem Kinderklo.
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Und das Kind holt dann den anderen Lehrer, also diesen Kollegen,
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und der sieht es dann auch so.
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Und der Tim hat sich aber dann aufs Klo gestellt und war ganz leise.
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Und dann sieht aber der Lehrer, dass da die Füße sind. Okay,
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das ist alles nicht so wichtig, ehrlich gesagt.
1:33:43–1:33:49
Und dann haben die so ein bisschen Streit und dann geht sie eben zu diesem Lehrer
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mal, der wohnt eigentlich an der gleichen Straße, wobei diese Straßen,
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so es ist ja ländlich, sind weit voneinander entfernt die Häuser.
1:33:55–1:33:58
Und da geht sie rein und das ist eine super schöne Location,
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weil es ist eigentlich so ein absolut perfektes Haus, wie man das sich da so
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vorstellt, wo man einfach so drinnen, so 60er Jahre, viel Holz,
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ganz super, alles offen.
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Aber es hat auch so ein bisschen was modrig Unheimliches. Und er ist dann auch
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da, der Lehrer, und sie quatschen so ein bisschen.
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Und es bleibt unverbindlich, er macht auch keine Avancen. Man hat so ein bisschen
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das Gefühl, dass da jetzt was Besonderes passiert.
1:34:24–1:34:27
Oder ist da was passiert, was Besonderes, Flo? Nee, eigentlich nicht, ne?
Florian Clauß
1:34:27–1:34:32
Naja, sie findet da das Bild von ihm mit einem Partner.
Micz Flor
1:34:32–1:34:37
Ah ja, genau. Sie sieht dann ein gerahmtes Bild. Und er lässt dann irgendwie
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so durchklingen, dass der leider nicht mehr ist.
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Also ich weiß nicht, ob er explizit sagt, dass er tot ist, aber das war zumindest
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das Bild, was bei mir entstanden ist.
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Und, ganz wichtig, er gibt dir ein Glas Wasser.
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Sie trinkt ein Glas Wasser.
1:34:57–1:35:02
Dann wird nämlich sie auf einmal auch so magisch angezogen von Tim.
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Und dann gibt es diese Szene, wo ich finde, die filmisch auch sehr gut funktioniert,
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wo er halt so an seinem Laptop mit Kopfhörer und hinten siehst du so eine Milchglastür in deren Wohnung.
1:35:14–1:35:18
Und dann sind auf einmal ist da so ihr Gesicht so dran, so von hinten wie so ein Zombie.
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Und sie schmiert sich so von rechts nach links und versucht da irgendwie so
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durchzukommen. Kriegt das alles sich nicht so gut hin.
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Und danach kommt es dann zum ersten Mal irgendwann zu einer Szene,
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ich weiß gar nicht mehr genau wie das passiert, aber dass die beiden oder vielleicht
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war es auch vorher die verkleben schon so richtig,
1:35:35–1:35:40
und dann müssen sie mit so einem elektrischen Küchenmesser müssen sie sich voneinander
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trennen und dann verbinden und das Ganze ist also denen ist das schon unheimlich,
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suchen sich aber jetzt nicht so Hilfe sind dem irgendwie ausgeliefert,
1:35:51–1:35:54
wollen dem so indirekt auf die Spur kommen, aber...
Florian Clauß
1:35:54–1:35:59
Ich schlage vor, wir gehen eher in die zweite Hälfte. Nee, in den anderen Teil des Trinkorps.
Micz Flor
1:35:59–1:36:02
Achso, wegen der Lautstärke jetzt, ne? Ja, okay. Gehen wir in den Tanksteller?
1:36:02–1:36:03
Ich mag ja die Tankstelle.
Florian Clauß
1:36:04–1:36:04
Ich auch.
Micz Flor
1:36:04–1:36:09
Die ist immer so eine Ort, wo man sich noch ein Eis holen könnte, bevor man weitergeht.
Florian Clauß
1:36:10–1:36:11
Bevor man zur Kinderplansche geht.
Micz Flor
1:36:12–1:36:19
Bevor man zur Kinderplansche geht, ja. Und dann, ja, was soll ich sagen?
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Also in gewisser Weise wird halt dieses dieses Anziehungsthema wird halt immer mehr so hochgedreht.
1:36:26–1:36:32
Also immer mehr Anziehung, dann ist so, dass das Blut von ihr auf ihn zufließt.
1:36:32–1:36:35
So Computer gemacht, das ist schon irgendwie schön gemacht.
1:36:36–1:36:39
Die küssen sich ganz am Anfang irgendwann mal, da kleben sie ihn auch schon
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mit den Lippen so ein bisschen fest.
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Das ist so Sachen, die auch eben im Trailer gelandet sind, die funktionieren gut.
1:36:46–1:36:50
Aber insgesamt, sage ich jetzt einfach mal so vorneweg, habe ich an keinem Moment,
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bevor ich jetzt den Plot-Spoiler dann zum Schluss mache, ich habe an keinem
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Moment von deren Beziehung irgendwie das Gefühl, dass die wirklich zueinander hingezogen sind.
1:37:01–1:37:04
Und das war viel von dem, was so an Kritiken darüber was gelesen hat.
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Aber Besprechung war halt immer so diese animalische Anziehung und das ist die
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Beziehung und Codependency und so weiter.
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Aber ich finde, von Anfang an entsteht so ein Bild, dass sie weiß, was sie will.
1:37:15–1:37:19
Er weiß nicht, was er will. Sie will mit ihm in ihrem Leben haben,
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ohne dass sie genau weiß, warum.
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Er hat keine eigenen Pläne, die er irgendwie rechtfertigen kann,
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weil es kommt am Anfang schon raus, dass er schon zu lange versucht,
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als Musiker irgendwie ein Bein auf den Boden zu kriegen.
1:37:36–1:37:40
Aber ich finde, die beiden haben keine Chemie. Die sind im echten Leben verheiratet
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und ich habe so ein paar Interviewsachen gesehen, wo ich auch dachte,
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da passiert mehr Chemie, wenn die so miteinander witzeln beim Interview als in dem ganzen Film.
1:37:50–1:37:54
Ich habe denen an keinem Punkt abgenommen, dass die wirklich sich,
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um das Wort von vorhin wieder aufzugreifen, begehren oder stellvertretend für
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ihr Begehren sich aneinander bedienen,
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sondern ich hatte immer das Gefühl, das ist eine schalverkopfte Beziehung,
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weshalb für mich diese ganze Anwendung,
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körperliche Anziehung, die da inszeniert wurde, nicht wirklich funktioniert hat.
Florian Clauß
1:38:16–1:38:20
Ja, aber vielleicht muss man noch mal hier den Schwenk machen,
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dass es gibt um diese Quelle, die Wasserquelle, gibt es so einen Kult.
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Ja, man sieht das da mal so.
Micz Flor
1:38:30–1:38:31
Ja, das kommt jetzt ja noch.
Florian Clauß
1:38:31–1:38:36
Ich wollte das erstmal über die Beziehung setzen für dein Resümee.
Micz Flor
1:38:36–1:38:40
Das war jetzt quasi für mich erstmal so, bis jetzt weiß man noch nicht genau
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diese Auflösung, obwohl man schon merkt, irgendwas mit dem Wasser,
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irgendwas mit dieser Glocke.
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Was jetzt passiert und das war für mich dann,
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Ja, da müssen wir nochmal drüber reden, weil ich möchte es ja dann nochmal besprechen
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und Reinhard kriegt jetzt quasi nur meinen Filter, meinen Realitätstunnel so,
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aber da musst du jetzt leider mit arbeiten.
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Da bleibt nichts mehr übrig.
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Da ist so, dass sie dann eben nochmal in diesem Versuch, das irgendwie aufzuklären,
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zu verstehen, sie kommt dann irgendwie nochmal zu diesem Lehrer ins Haus und
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findet dann da auch so ein Video.
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Das Video läuft schon und das zeigt dann eine Zeremonie und das zeigt dann,
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naja genau, die haben sich ein bisschen verkracht.
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Ich glaube, sie geht dann zu ihm und er geht nämlich nochmal forschen in dieser Höhle.
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Also beide kommen danach mit mehr Wissen zurück. Und sie sieht dann eben ein
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Hochzeitsvideo von dem Lehrer mit einem anderen Mann, die sich aber auch äußerlich ähnlich sind.
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Und die dann in diesem Zeremoniell in einer Kirche, die, wie wir dann verstehen, eingekracht ist.
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Und deshalb hängt diese Glocke in dieser Höhle jetzt so rum,
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weil diese Kirche einfach da in dieses Loch eingefallen ist, wo das Wasser ist.
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Und wir sehen da, dass die Kirche nach unten dann bei diesem Hochzeitszeremoniell die Türen öffnet.
1:40:10–1:40:15
Die beiden gehen runter und dann haben die so einen Ring mit einem Messer dran
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und schneiden sich gegenseitig, indem sie so sich die Unterarme halten und dann
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nach vorne ziehen, schneiden sich die Arme auf,
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halten die dann aneinander und verschmelzen dann eben zu einem.
1:40:26–1:40:30
Und wir erfahren dann, dass der
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Lehrer das Ergebnis einer gelungenen Verschmelzung von zwei Männern ist.
Florian Clauß
1:40:36–1:40:37
Gelungen, wohlgemerkt.
Micz Flor
1:40:39–1:40:47
Und der Tim, der geht nochmal zur Höhle, der will es jetzt wissen und geht da auch irgendwie runter.
1:40:47–1:40:51
Und dem kommt dann auf einmal so ein Halbverschmolzen, wie mit dem Hund,
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so ein halbverschmolzenes Pärchen entgegen.
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Und das hat das eine, zwei Köpfe noch, aber alles so total nicht tot,
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aber auch nicht mehr wirklich ein Objekt per se, könnte man sagen.
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Und so, als ob im letzten Moment noch bei dieser Verschmelzung einer von beiden
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versucht hat, sich oder die andere Person umzubringen, steckt der eine so ein
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Messer im Hals und das hat nicht geklappt so. Ja,
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die Millie schaut sich dieses Video an und dann kommt von hinten kommt dann
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der Lehrer und dann ist alles so ein bisschen schmierig und es ist ein bisschen
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unklar, was seine Intention ist,
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aber sie hat Angst vor ihm.
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Und da ist es jetzt so, dass ich bei der Inhaltszusammenfassung des Films was
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anderes gelesen habe, als das, was ich da wahrgenommen habe und in Erinnerung
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hatte, deshalb wollte ich jetzt mal Flo fragen, in diese Szene vorgehen.
1:41:50–1:41:54
Wo sie dann zum Schluss aus dem Haus rausrennt und er sie mit diesem Ring ja
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auch geschnitten hatte.
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Was war da seine Intention? Wie hast du das wahrgenommen?
Florian Clauß
1:41:59–1:42:04
Ja, also ich weiß es, ich kann mich nicht mehr genau an die Szene erinnern.
1:42:04–1:42:10
Aber was ich da so als Impuls wahrgenommen habe, ist, dass er ihr nochmal gesagt
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hat, du musst es zulassen.
Micz Flor
1:42:12–1:42:12
Ja.
Florian Clauß
1:42:12–1:42:21
Also das ist so, also es gibt quasi eins und eins gibt ein höheres Sein.
1:42:22–1:42:26
Das ist so dieser Kult dieser Sekte, die sich da um dieses Wasser formiert hat.
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Also das war jetzt für mich so der Punkt, wo er dann als derjenige,
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ich meine, hast du schon gesagt, oder?
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Dass der dann halt quasi so das gemergede Ergebnis ist von seinem Partner.
Micz Flor
1:42:39–1:42:43
Genau, aber ein gelungenes Ergebnis. Aber da kommen wir nochmal gleich darauf
1:42:43–1:42:44
zurück, auf diese Sache.
1:42:44–1:42:48
Aber was du gerade sagst, dieses Mergen, also er spricht dann auch diesen Kult,
1:42:48–1:42:55
in Anführungszeichen, die Kugelmenschen, das geht auf Platon zurück, kennst du das? Ja, okay.
Florian Clauß
1:42:55–1:42:55
Ah ja.
Micz Flor
1:42:56–1:43:01
Und da geht es halt irgendwie darum, dass es früher Kugelmenschen gab.
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Da gab es die Söhne der Sonne, das waren die Männlichen.
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Dann gab es die Töchter der Erde, das waren die Weiblichen. Es gab auch Androgyne,
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halb Mann, halb Frau, das waren die Kinder des Mondes.
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Und diese Kugelmenschen waren sehr mächtig und auch frech sozusagen.
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Und Zeus hat dann irgendwann entschieden, die in der Mitte durchzuschneiden.
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Und dann waren das halt, dann hatten die nicht mehr vier, sondern auch zwei Beine.
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War alles quasi halbiert und seitdem waren sie sozusagen verdammt oder gewollt,
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den Rest ihrer Existenz oder der ganzen Existenz einfach die andere Hälfte,
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die passende Hälfte zu suchen.
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Und das, wenn wir dieses Kugelthema jetzt mal drauflegen, weil es für den Schluss ganz wichtig ist,
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das ist so, dass diese rein männlichen Kugelmenschen, die sind homosexuell,
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also da suchen sich dann zwei Männer,
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die rein weiblichen sind auch homosexuell, lesbisch, da suchen sich dann zwei
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Frauen und nur die androgynen Kugelmenschen, die geteilt wurden,
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das sind die, die heterosexuell sind.
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Was ich auch nochmal so interessant finde, wenn man von der Seite drauf guckt,
1:44:05–1:44:10
dass natürlich das heterosexuelle oder heteronormative gesellschaftliche,
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was da ja auch in dem Film so ein bisschen zelebriert wird, sage ich mal,
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dass das aus den Androgynen hervorgeht, aber so funktioniert die Mathematik,
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wenn man rückwärts rechnet.
Florian Clauß
1:44:24–1:44:30
Vielleicht noch zu diesem Diskurs noch was ganz Komplimentäres.
1:44:30–1:44:34
Der ganze Film handelt auch davon, dass die Eltern zu Besuch kommen.
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Ja, da gibt es die ganze Zeit so.
Micz Flor
1:44:36–1:44:36
Und dass die ganze Zeit sagen.
Florian Clauß
1:44:37–1:44:40
Ja, wir müssen ja noch das, wir müssen das ja noch so.
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Und eigentlich wollen die dann irgendwie ein schönes Spiel dazu machen und versuchen
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dann in dem ganzen Chaos, in dem sie sich da befinden, versuchen dann halt auch
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irgendwie so die Eltern empfangen zu können.
Micz Flor
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Ja, genau. Genau. Und das ist dann das finale Plot-Spoiler.
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Aber im Showdown ist es jetzt so, und deshalb habe ich dich gefragt, wie du das erinnerst.
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Er zieht sich diesen Ring auf, mit dem man dann diese andere Person ritzt und
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dann beginnt die Verschmelzung.
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Und wie du sagst, hattest du das Gefühl, er sagte, du musst es zulassen.
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Und ich hatte nämlich das Bild, in Erinnerung, dass er sexuell übergriffig versucht,
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die Frau ja anzuritzen. Und dann geht es ja auch irgendwie so los.
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Und sie haut dann aber ab. Sie rennt dann irgendwie weg und blutet aber.
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Aber darauf wollte ich nochmal zurückkommen, weil das wurde in der Zusammenfassung
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so erklärt, dass der Lehrer da sehr didaktisch ihr erklärt, dass man da zusammenkommt.
Florian Clauß
1:45:47–1:45:52
Ja, aber er hat schon was Übergriffiges. Er ist derjenige, der diesen Prozess
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katalysiert, aber er hat schon was total Spookyhaftes. so.
Micz Flor
1:45:57–1:46:00
Also da komme ich gleich nochmal drauf, weil ich hatte das zuerst für mich anders
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verstanden, als ich aus dem Kino kam und dann nach dem Lesen ist aber meine,
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Erklärung nicht mehr so griffig, kommt nachher. Auf jeden Fall ist es dann so,
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dass Millie dann blutet und zurückkommt und Tim ist auch da und dann ist die
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Anziehung so groß, dass sie sich gar nicht mehr richtig,
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also sie können sich nicht mehr voneinander entfernt halten und er sagt ich
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habe was herausgefunden, man muss sich dem hingeben, die wahre Liebe, die große Liebe.
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Und sie sagt, nein, rette dich vor mir.
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Ich verblute. Und dann ist es ganz dramatisch. Sie sind auf Kies,
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Sand und es zieht sie aufeinander zu.
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Und sein Nasenbluten fliegt zu ihr. Und ihr Tropfen fliegen zu ihm.
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Und dann fasst er dann auf ihre Wunde, damit sie nicht verblutet.
1:46:46–1:46:49
Dann sagt sie, nein, bist du wahnsinnig. Das kriegen wir nie wieder auseinander.
1:46:50–1:46:52
Also die Stimme kam jetzt von mir. Das war nicht so im Film.
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Und dann verschmelzen immer mehr. Und dann werden sie auf einmal ganz ruhig
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und lassen es zu und sind dann nackt in der Wohnung.
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Und man sieht dann, wie sie sich umarmen, aber die Hände sich quasi unter der
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Haut schon miteinander verschränken.
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Irgendwie die letzte Szene, da könnte es doch aufhören. Aber dann kommt eben
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das, was Flo noch gesagt hat.
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Am nächsten Tag sieht man, wie ein Auto vorfährt, wie es klingelt.
1:47:23–1:47:33
Und die Tür geht auf und da steht eine Person davor, die im besten Sinne androgyn
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wirkt. So und sagt Hallo.
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Und die Eltern stehen auf der anderen Seite. Das waren ihre Eltern,
1:47:39–1:47:45
die zu Besuch kommen und da ist eine Person, die auch beiden irgendwie ähnelt,
1:47:45–1:47:48
aber trotzdem fremd aussieht und die sagt Hallo und ist total relaxed.
Florian Clauß
1:47:48–1:47:50
Also dieses gelungene...
Micz Flor
1:47:50–1:47:51
Und das ist dann Schluss.
Florian Clauß
1:47:53–1:48:00
Ja, genau, das ist so. Also der hat schon sehr komediantische Einlagen, das finde ich dann auch.
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Und das wäre jetzt auch so von der Machart her. Und gerade am Anfang funktioniert
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dieser Horror ziemlich gut.
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Mit dem Hunden, mit der Höhle und auch dieses Sektenhafte, wie die eine Lehrerfigur eingeführt wird.
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Finde ich auch, dass am Anfang dieses komisch Sektenhaften, dieses Okkulte.
1:48:25–1:48:29
Aber das löst sich ja gar nicht so auf, wie man das dann so kennt.
1:48:29–1:48:37
Sondern dass er dann quasi mit zur Erlösung beiträgt von den beiden.
Micz Flor
1:48:38–1:48:43
Also was die Sache war, wo ich nach dem Film drüber nachgedacht habe,
1:48:43–1:48:48
wie das hätte gemeint sein können, weil ich es nicht anders habe verstehen können, ist,
1:48:49–1:48:55
warum will der gelungene Mann aus zwei Männerverschmelzungen diese Frau dann
1:48:55–1:48:59
auch noch nehmen zur Verschmelzung?
1:48:59–1:49:03
Also das hat mich wirklich beschäftigt.
1:49:05–1:49:11
So hatte ich das verstanden. Ich habe das so gesehen. Er zeigt dir das und dann hat er den Ring an.
1:49:11–1:49:14
Und er kann doch jetzt nicht allen Ernstes diesen Ring anziehen und sie dann
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schneiden, dass sie fast verblutet.
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In der Hoffnung, dass sie dann zu Tim noch rennt, wo immer der auch gerade ist.
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In dem Moment, er lässt sie nicht raus. Sie muss da durch, er schneidet sie, sie flüchtet.
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War für mich keine Szene, in der er ihr quasi sagt, Geh, geh zu deinem Geliebten
1:49:31–1:49:32
und lasst euch verschmelzen.
Florian Clauß
1:49:33–1:49:37
Du meinst, er will sie auch einverleiben.
Micz Flor
1:49:37–1:49:43
Ich bin mit diesem seltsamen Bild aus dem Film gekommen, der mir gesagt hat,
1:49:43–1:49:51
wollten die mir sagen, dass Homosexuelle ohne Weibliches einfach nicht glücklich sein können.
1:49:51–1:49:53
Oder so, wenn man es als Analogie nimmt.
1:49:56–1:49:59
Oder ich habe es nicht anders verstanden, aber in der Zusammenfassung,
1:50:00–1:50:05
die ich nicht so erlebt habe, wurde es anders beschrieben.
Florian Clauß
1:50:05–1:50:06
Interessant.
Micz Flor
1:50:07–1:50:10
Und das andere, was ich dann auch noch,
1:50:13–1:50:20
Also diese Schlussszene, die könnte ja irgendwie gut funktionieren,
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wenn man das Gefühl hat, das ist so eine Amour-Fu, also zu viel von allem und kommen nicht zur Ruhe.
1:50:27–1:50:33
Und die eigenen Triebe, Wünsche, Forderungen, Anforderungen der beiden PartnerInnen
1:50:33–1:50:36
sind so groß, dass erst wenn sie sich dem hingeben, sich verschmelzen,
1:50:36–1:50:40
kommen sie quasi zur Ruhe und gut ist.
1:50:40–1:50:46
Es ist, ob man dieses Objekt doch positiv erreichen könnte, wenn zwei sich so...
1:50:46–1:50:50
Aber das funktioniert für mich nicht, weil so ist deren Beziehung nicht.
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Deren Beziehung ist eher so eine Identitätsbeziehung verkopft und sie will Lehrerin
1:50:55–1:50:56
werden, um den Kindern was Gutes zu tun.
1:50:57–1:51:00
Er will Musiker werden und deshalb muss er pendeln in die Stadt.
1:51:02–1:51:06
Und ich hatte nie das Gefühl, dass die sich, ich hatte eher das Gefühl,
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dass sie sich jederzeit trennen könnten, als das Gefühl, dass die in tiefster
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Liebe unabdingbar verbunden sind.
Florian Clauß
1:51:14–1:51:18
Ja, das sehe ich auch so, aber gleichzeitig in der Geschichte ist es ja dieser
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Prozess, dieses irgendwie, ja, ich will dich, dieses bedingungslose Ja dann
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von ihm und von ihr. Das ist ja dieser Prozess, der da passiert.
1:51:28–1:51:31
Und ich finde durchaus, dass man den so ein bisschen nachempfinden kann.
1:51:32–1:51:36
Aber mit der Historie von den Figuren, wie du das jetzt so eingeleitet hast,
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fiel mir das auch schwer. Aber trotzdem ist es so ein Happy End.
1:51:41–1:51:47
Die Geschichte dann so, sie zu verschmelzen und dann als eine Person,
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als das, wie sie auch zusammenkommen.
1:51:49–1:51:51
Ich finde, das funktioniert schon.
Reinhard
1:51:51–1:51:55
Mir scheint so, als würde der Film so ein bisschen übers Ziel hinausschießen,
1:51:55–1:51:56
nach dem, was er jetzt erzählt hat.
1:51:57–1:52:03
Also ich meine, es ist ja eine schöne Utopie zu sagen, also wirklich in der
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absoluten Hingabe findet man zusammen.
1:52:05–1:52:10
Aber dass man dann noch einen Schritt weiter geht und sagt, dann muss aber noch
1:52:10–1:52:11
eine totale Verschmelzung stattfinden.
1:52:11–1:52:16
Also wir müssen unsere Individualität aufgeben, um wirklich zusammen sein zu können.
1:52:17–1:52:22
Das erscheint mir doch sehr weltfremd und biologisch äußerst fragwürdig.
Micz Flor
1:52:22–1:52:26
Ja, das stimmt. Das ist quasi die Flucht zurück in die Symbiose.
Reinhard
1:52:26–1:52:30
Und das löst sich ja nicht ein, das wissen wir ja.
1:52:30–1:52:34
Also wenn die unsere Individualität aufgeben in einer Beziehung,
1:52:34–1:52:35
dann macht uns das unglücklich.
1:52:36–1:52:38
Das führt ja nicht zu einer Vermehrung von Glück für beide.
Micz Flor
1:52:38–1:52:46
Ja, also ich finde, ich hätte nicht gedacht, dass ich nochmal die Gestalttherapie
1:52:46–1:52:50
Folge X, ich weiß gar nicht mehr, was das war, zitieren kann oder Zitat daraus.
1:52:50–1:52:55
Es gibt diesen Paul Goodman, das war ein Mitbegründer der Gestalttherapie,
1:52:55–1:53:01
der diesen schönen Satz über Psychotherapie gesagt hat, finde deinen tiefsten Impuls und folge ihm.
1:53:01–1:53:06
Also das finde ich deshalb schön, weil du findest nicht den richtigen oder den
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falschen Impuls, sondern gerade jetzt, so tief du gehen kannst,
1:53:09–1:53:10
was ist dein Impuls, wenn wir
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jetzt viel laufen, irgendwann werden wir Hunger haben und unser Impuls,
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Hunger zu haben, wird irgendwie stärker werden als andere Dinge,
1:53:17–1:53:18
zu quatschen zum Beispiel.
1:53:19–1:53:24
Und folge ihm heißt halt, okay, da passiert was Neues, dann lässt du dich auf den Impuls ein.
1:53:25–1:53:28
Und vor dem Hintergrund war, was du gesagt hast, Flo, eben für mich,
1:53:28–1:53:30
das ist eine Kopfentscheidung.
1:53:31–1:53:34
Wir müssen uns einfach dem hingeben und dann wird das schon,
1:53:35–1:53:38
weil ich es eben nicht gefühlt habe, nicht als Impuls gefühlt habe,
1:53:39–1:53:41
sondern als Konzept gefühlt habe.
1:53:42–1:53:43
Was sollen wir denn jetzt noch machen?
Florian Clauß
1:53:44–1:53:47
Ja, es war vielleicht für ihn auch der einzige Weg zu überleben,
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weil er war ja schon infiziert. Das wäre vielleicht dann auch wieder ein instinktives Verhalten.
Micz Flor
1:53:52–1:53:55
Ja, Sie beide, ja, Sie mussten sich gegenseitig retten.
Florian Clauß
1:53:55–1:53:59
Also eigentlich, ja, eigentlich war das das Einzige, wie Sie sich dann halt haben retten können.
1:54:00–1:54:03
Ja, stimmt, stimmt. Also insofern ist es auch wieder so ein Stammsohnemolk.
Micz Flor
1:54:06–1:54:08
Schwanger echt? Nee, nein, auch nicht.
Florian Clauß
1:54:08–1:54:13
Aber wie würdest du, ich meine, wir haben ja so quasi mit The Substance,
1:54:13–1:54:18
wo dann aus einer Person zwei werden und dann haben wir jetzt hier Together,
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wo aus zwei Personen einer wird, eine wird und wir hatten ja schon den Werkzeugkoffer
1:54:25–1:54:31
Lacan ausgepackt und die Abjektionen, was würdest du jetzt da so reindrehen?
Micz Flor
1:54:31–1:54:37
Ja, also in diesem Together, diese Bilder funktionieren halt manchmal ganz gut.
1:54:38–1:54:42
Diese Bilder, in denen halt zwischen den beiden, diese Grenze zwischen den beiden
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energetisiert ist auf eine destruktive Art.
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Also die Lippen kleben aneinander oder die Haare im Mund oder diese,
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das waren für mich so Bilder, die ich damit irgendwie verbinden kann,
1:54:55–1:54:56
wo halt so Grenzbilder entstehen,
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wo Teile des Körpers dann auf einmal wie mit so einer Taschenlampe,
1:55:04–1:55:08
ins Reale beleuchtet werden. Was ist denn so ein Pferdeschwanz meiner Frau,
1:55:08–1:55:09
wenn ich mir den schlucke?
1:55:09–1:55:14
Also irgendwie entstanden da so Bilder, wo man merkt, man guckt eben auf diese Knochenhaut.
1:55:15–1:55:17
Da haben wir nie auf Knochenhaut geguckt.
Florian Clauß
1:55:17–1:55:18
Auf die Sehne.
Micz Flor
1:55:19–1:55:20
Auf die Sehne, ja.
Florian Clauß
1:55:20–1:55:22
Auf die Sehne wie ein Tier.
Micz Flor
1:55:22–1:55:29
Ja, da entstehen Bilder, die wir eben nicht mehr über, also könnte man ja jetzt frecherweise sagen,
1:55:29–1:55:35
so dass man Lacans Reale nur nicht über Lacans Reales sehen oder verstehen kann,
1:55:35–1:55:38
sondern man kann es nur irgendwie erleben an manchen Punkten.
1:55:38–1:55:42
Und das ist jetzt dieses Tor zum Aufmachen oder? Ja, können wir durchgehen.
1:55:42–1:55:47
Und das fand ich da ganz interessant, diese Grenzsachen. Und das Objekt dann,
1:55:50–1:55:51
äh...
Florian Clauß
1:55:51–1:55:54
Weil das Reale, wo würdest du das Reale verorten? In dieser,
1:55:54–1:55:59
ist das diese nicht gelungene, der nicht gelungene Merch-Prozess?
Micz Flor
1:56:00–1:56:04
Wenn die beiden eine Chemie miteinander da hätten. Und das, was Reinhard gerade
1:56:04–1:56:08
gesagt hat, da wäre dann natürlich was inszeniert wird.
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Nämlich, dass in dem Moment, wenn man ich meine, das sagt Lacan auch,
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dass halt die sexuelle Vereinigung halt immer also eigentlich nie passiert,
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weil es wird nie eine Vereinigung sein. Es wird einfach nicht passieren.
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Der Wunsch scheint irgendwie da zu sein, wie so ein kollektives Objekt A,
1:56:25–1:56:27
was dann eben auf dieser Über-Ich-Ebene ist.
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Aber es passiert nicht wirklich. Und das wäre jetzt bei Lacan nochmal so eine
1:56:33–1:56:36
Anbindung und das Objekt.
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Ich war halt, ich muss jetzt zugeben, ich krieg's jetzt auch nicht mehr,
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ich müsste das Ich von vor sechs Wochen noch mal anrufen, als ich den ersten
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Teil auf, wo ich das alles vor mir liegen hatte.
1:56:50–1:56:54
Aber die Bilder, in denen es um diese Flüssigkeiten ging, um diese Grenzen,
1:56:54–1:56:58
um dieses Aufschlitzen oder auch diese nicht gelungene Verschmelzung mit dem
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Messer im Hals oder die Hunde, also dieses Gefühl, dass,
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Dass es ganz notwendig ist, schon zwanghaft seine Grenze zu wahren und sich
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nicht dem anderen zu sehr zu öffnen, sei es die Umwelt oder sei es sonst was, um integer zu bleiben.
1:57:18–1:57:23
Und dass gleichzeitig in dem Moment, wenn diese Grenze sich öffnet,
1:57:23–1:57:28
sich mit anderen verbindet, flüssig wird, erinnere ich mich jetzt an die Kurzgeschichte.
1:57:28–1:57:31
Kannst du dich erinnern noch? Ich hatte damals eine Kurzgeschichte geschrieben.
Florian Clauß
1:57:31–1:57:35
Wo der Mann mit dem Wald zusammenwächst?
Micz Flor
1:57:35–1:57:36
Ja, ja, genau.
Florian Clauß
1:57:36–1:57:37
Stimmt, daran kann ich mich erinnern.
Micz Flor
1:57:38–1:57:44
Es waren auch zwei. Es war eine Frau, eine Frau, der die Füße eng eingebunden
1:57:44–1:57:48
wurden und die sich dann irgendwie die Füße abbindet und dann sind da drunter, ist da nur noch so,
1:57:50–1:57:54
wie heißt die Haut im Mund? Schleimhaut quasi? Wie heißt die nochmal?
Florian Clauß
1:57:55–1:57:55
Schleimhaut, ja.
Micz Flor
1:57:56–1:58:01
Und im Gegenzug eben der Mann, der sich zum Sterben im Wald legt und der dann
1:58:01–1:58:05
auch mit dem Boden verwächst und sich dann auch so eine Schleimhaut bildet, um sich da zu verbinden.
1:58:05–1:58:08
Und diese Sachen irgendwie jetzt nicht aus dieser Kurzgeschichte,
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die ich vergessen hatte über 20 Jahre,
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sondern diese Momente, in denen man im Schlaf oder irgendwie vergisst,
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seine Körpergrenzen zu wahren und auf einmal Flüssigkeit austritt oder was auf einen Zug kommt oder so,
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dass es dann sofort eben Horror wird.
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Das fand ich vielleicht einfach als Bild damals.
1:58:34–1:58:41
Aber ich gebe dir recht, so ganz kann ich dieses Kristeva-Thema da jetzt nicht reinbringen.
1:58:43–1:58:43
Punkt.
1:58:47–1:58:51
Ja, Reinhard, was denkst du? Wie viel, 10 out of 10, wie viel kriegt der Film
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und wirst du ihn noch sehen wollen?
Reinhard
1:58:53–1:58:57
Oh, ich glaube, ja, jetzt habe ich schon so viel drüber gehört und das möchte
1:58:57–1:58:58
ich mir auch noch anschauen.
Florian Clauß
1:58:58–1:58:59
Ach echt? Ja.
Micz Flor
1:59:01–1:59:06
Ja, mit welcher Lust oder mit welcher Frage?
Reinhard
1:59:07–1:59:12
Ja, zum Beispiel das Ende des Films. Da wart ihr euch ja nicht ganz im Klaren,
1:59:13–1:59:14
wie das zu interpretieren sei.
1:59:15–1:59:20
Das würde ich jetzt dann für mich gerne nochmal überprüfen, wie ich das interpretiere
1:59:20–1:59:25
und ob sich das mit einer von euren Interpretationen deckt oder nicht.
1:59:26–1:59:27
Da könnte man nochmal reden.
Micz Flor
1:59:28–1:59:28
Genau.
Florian Clauß
1:59:29–1:59:35
Also ob das jetzt quasi aus der Figurenentwicklung emotional nachvollziehbar
1:59:35–1:59:37
ist, dass die zusammen verschmelzen.
1:59:38–1:59:43
Das wäre der Punkt, wo du dann halt gesagt hast, nee, kann man nicht, aber ich sage halt...
Micz Flor
1:59:43–1:59:48
Ja, oder auch, ob der Lehrer eher jemand ist, der da sich selbst verschmelzen
1:59:48–1:59:54
möchte mit der Frau oder ob der wirklich nur denen den Kickstart geben wollte, die...
1:59:57–1:59:58
Dass sie sich dem hingeben.
Reinhard
1:59:58–2:00:04
Das ist ja eigentlich ein altes Horrorfilm-Motiv, dass das immer was Invasives hat.
2:00:04–2:00:11
Also Zombies, auch Vampire, die durch die Berührung, da ist es jetzt durch das
2:00:11–2:00:13
Ritzen mit dem Ring, so habe ich das verstanden.
2:00:14–2:00:19
Aber das löst ja auch Angst aus. Das ist ja auch ein Teil des Horrors.
2:00:20–2:00:24
Das ist ja wie eine Infektion, wie eine Krankheit, die wir uns holen können.
2:00:24–2:00:26
So würde ich das dann sehen.
2:00:27–2:00:32
Aus dem, was ihr da jetzt erzählt habt über den Film, dass das so als Bedrohung
2:00:32–2:00:35
im Hintergrund steht. Das kann uns jetzt auch erwischen.
Micz Flor
2:00:35–2:00:40
Aber das, wenn man das mit dem Sexuellen zusammenbringt, dann ist halt so Cronenbergs
2:00:40–2:00:46
Rabies oder wie das heißt, wo die diese, wie heißt der im Deutschen, weißt du das?
Florian Clauß
2:00:46–2:00:47
Die Brut?
Micz Flor
2:00:47–2:00:49
Ich weiß den deutschen Film.
Florian Clauß
2:00:49–2:00:49
Wo diese,
2:00:52–2:00:54
Kinderarmee gezüchtet werden durch so, nee, das ist das nicht.
Micz Flor
2:00:54–2:01:00
Nee, nee, nee. Ich meine, der Kronenberg-Film, wo wie so eine Infektion eben
2:01:00–2:01:05
passiert und die Leute dann so Löcher oder Penis-ähnliche Sachen auf den...
2:01:06–2:01:09
Nee, die habe ich nicht gesehen. Muss man mal gucken. Mal verlinken.
2:01:09–2:01:12
Ich muss auch noch mal, ich habe auch gerade nur noch so ein ganz dunkle Innern
2:01:12–2:01:14
an irgendeinen Filmclub während der Uni-Zeit.
2:01:16–2:01:19
Das ist ja wahnsinnig laut. Ich weiß gar nicht, ob man das hört.
Florian Clauß
2:01:19–2:01:19
Ja.
Micz Flor
2:01:21–2:01:23
Gut, aber ich glaube, wir kommen jetzt zum Ende, oder? Was meint ihr?
Florian Clauß
2:01:24–2:01:30
Ich denke, ja, ich denke, wir haben ausführlich über diese beiden Filme gesprochen.
2:01:31–2:01:34
Ja, da haben wir auf jeden Fall ein deterministisches Ende, ne?
Micz Flor
2:01:34–2:01:41
Ach so, okay. Der Urknall bis zu diesem Film. Ja, und wir stehen hier am Zaun.
Florian Clauß
2:01:41–2:01:48
Und kommen auch nicht weiter. Ich glaube, wir machen jetzt hier einfach Schluss.
Micz Flor
2:01:48–2:01:51
Der Vorhang fällt und alle Fragen offen.
Florian Clauß
2:01:51–2:01:57
Also das war Eigentlich Podcast Episode 90. Das Ganze könnt ihr dann auch unter
2:01:57–2:01:59
eigentlich-podcast.de,
2:02:00–2:02:06
anschauen, wo wir langgelaufen sind und die Shownotes, weiteren Links und so
2:02:06–2:02:07
weiter findet ihr auch dort.
2:02:07–2:02:11
Und vielen Dank, Rainer, dass du wieder dabei warst.
Reinhard
2:02:11–2:02:14
Ich bedanke mich auch. War sehr inspirierend.
Florian Clauß
2:02:14–2:02:20
Ja, gerne nehmen wir diesen Faden auf und wir haben sicher auch in Zukunft Filmbesprechungen.
2:02:20–2:02:23
Und genau, ich sage Tschüss.
2:02:25–2:02:26
Machen wir die Geräte aus.
Micz Flor
2:02:27–2:02:29
Ah ja, genau. Da war doch was.
2:02:32–2:02:35
Ups, das läuft aber auch gar nicht mehr. Der hier?
2:02:39–2:02:44
5903. Ja, aber die Aufnahme läuft nicht. Ach so. Jetzt läuft die Aufnahme. Ah ja.
2:02:45–2:02:47
Ach, das ist scheiße. Oh nee.
2:02:48–2:02:49
Müssen wir nochmal losgehen.

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Shownotes

Mitwirkende

avatar
Reinhard
Erzähler
avatar
Chris Flor
Erzähler
avatar
Florian Clauß
avatar
Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:02
Mache einfach los. Wir machen jetzt einen Schnitt, sonst geht wirklich,
0:00:02–0:00:05
glaube ich, so ein bisschen auch das Schöne des Anfangs verloren.
Florian Clauß
0:00:06–0:00:07
Okay, alles klar.
Micz Flor
0:00:07–0:00:08
Ich mache mich jetzt auf Mute.
Florian Clauß
0:00:08–0:00:16
Dann starten wir. Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast, Folge Episode 89.
0:00:17–0:00:20
Jetzt ist die Wende da. Wir haben es vor zwei Folgen gehört.
0:00:21–0:00:28
Diesmal ganz neu und ganz anders. Wir sind heute nicht im Laufen und Reden,
0:00:28–0:00:33
aber trotzdem, ja, wir sitzen nämlich alle an unseren Rechnern und wir sind
0:00:33–0:00:36
auch nicht nur zwei, sondern wir sind zu viert heute.
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Ganz, ganz, ganz neu. Ich sage Hallo in die Runde. Hier spricht Flo.
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Wir haben dabei Mitch natürlich und Chris ist wieder dazu geschaltet. Hallo.
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Und ganz neu ist Reinhard dabei. Reinhard, hallo Reinhard.
Reinhard
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Ja, hallo zusammen.
Florian Clauß
0:00:56–0:01:00
Reinhard Günzler, ich stelle ihn kurz vor. Reinhard ist Filmwissenschaftler,
0:01:01–0:01:06
Politikologe, Soziologe und du hast an einer Freien Universität in Berlin studiert.
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Du hast auch Dramaturgie, lehrst du und jetzt ganz aktuell, du hast ein Buch
0:01:14–0:01:15
geschrieben, Reinhard.
Reinhard
0:01:15–0:01:20
Ja, das war ein langer Traum eigentlich. Eigentlich habe ich als Regisseur und
0:01:20–0:01:26
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0:01:29–0:01:32
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0:01:32–0:01:39
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0:02:07–0:02:09
Eines der größten Rätsel der Wissenschaft, genau.
Florian Clauß
0:02:10–0:02:14
Ja, das ist genau das, was wir auch mal mit Jungen diskutiert haben,
0:02:14–0:02:17
nämlich zwischen Religion und Wissenschaft.
0:02:18–0:02:21
Also das Bewusstsein, was sich da auch nicht so richtig verorten lässt.
0:02:21–0:02:27
Sobald man das untersucht, weiß man nicht, wo es ist. Ich bin gespannt.
Reinhard
0:02:28–0:02:32
Doch mal ein Thema für einen eigenen Podcast sicher. Und es gibt da auch ein
0:02:32–0:02:33
paar interessante Filme zu.
Florian Clauß
0:02:33–0:02:38
Ja, also spontan fällt mir dieses 21 Gramm ein. Ich weiß nicht,
0:02:38–0:02:41
den habe ich tatsächlich nicht gesehen. Aber hast du den auch gesehen?
0:02:41–0:02:42
Gesehen, gehört?
Reinhard
0:02:42–0:02:43
Ja, den habe ich gesehen.
Chris Flor
0:02:44–0:02:47
Aber der hat damit nichts so richtig zu tun.
Florian Clauß
0:02:47–0:02:48
Hat nichts zu tun.
Reinhard
0:02:48–0:02:53
Ja, genau. Dachte ich mehr an Filme wie 2001 zum Beispiel.
0:02:54–0:02:57
Das wäre ja eigentlich der nächste Schritt in der KI-Entwicklung,
0:02:57–0:02:59
eine KI zu entwickeln, die ein Bewusstsein hat.
0:03:00–0:03:03
Dazu müsste man aber erst mal entschlüsseln, wie es eigentlich bei Menschen
0:03:03–0:03:05
funktioniert, dieses Bewusstsein.
0:03:05–0:03:08
Und bevor wir das nicht ganz verstanden haben, können wir es auch nicht nachbauen.
0:03:09–0:03:13
Und es gibt sogar theoretische Physiker, die sagen, wahrscheinlich wird es uns
0:03:13–0:03:17
nie möglich sein, ein künstliches Bewusstsein nachzubauen, weil wir dazu erst
0:03:17–0:03:18
eine neue Physik bräuchten.
0:03:18–0:03:22
Roger Penrose zum Beispiel hat das behauptet. Aber Schluss mit dem Ink-Exkurs.
0:03:23–0:03:24
Wir haben ja eigentlich ein anderes Thema.
Florian Clauß
0:03:24–0:03:27
Ja, genau. Das ist auf jeden Fall ein eigener Podcast. Es ist spannend.
0:03:27–0:03:30
Ich freue mich darauf, das Buch zu lesen.
0:03:30–0:03:35
Eiskind, wir haben ein anderes Thema. Und zwar haben wir uns so lose zusammengesammelt.
0:03:35–0:03:40
Nämlich mich hat in letzter Zeit, haben mich da viele Horrorfilme beschäftigt.
0:03:41–0:03:43
Ja, hatten wir ja auch hier schon mal in einem eigentlich Podcast.
0:03:44–0:03:47
Chris ist da immer derjenige, mit dem ich drüber sprechen kann.
0:03:48–0:03:50
Ja, zuletzt haben wir über Nosferatu gesprochen.
0:03:50–0:03:54
In letzter Zeit habe ich einige, und jetzt kommen wir zum Genre,
0:03:54–0:03:58
zum Subgenre in dem Horrorfilm, nämlich einige Body-Horrorfilme gesehen.
0:03:59–0:04:03
Hier in Berlin war auch das Fantasy-Filmfestival vom 3. bis zum 10.
0:04:04–0:04:08
Und dort habe ich auch einen Body-Horrorfilm gesehen, weil ich mich gerade mit
0:04:08–0:04:12
dem Thema beschäftige, Weil ich auch mit Reinhard, Chris und Mitch in Kontakt
0:04:12–0:04:14
bin, habe ich auch gesagt, hier...
0:04:14–0:04:18
Body Horror, wäre das nicht was? Und tatsächlich haben Mitch und ich auch einen
0:04:18–0:04:21
Film gemeinsam geschaut, Together im Kino, gerade aktuell.
0:04:22–0:04:25
Und Weapons lief auch vor kurzem im Kino.
0:04:25–0:04:29
Da hatte auch Chris gesagt, den habe ich gesehen. Oh, den finde ich total spannend.
0:04:29–0:04:33
Könnte man auch im Bereich von Body Horror einordnen.
0:04:34–0:04:38
Und je länger ich mich damit beschäftigt habe und geguckt habe,
0:04:38–0:04:39
was war denn in den letzten Jahren?
0:04:40–0:04:45
Da kam Reinhard rein und meinte, Hier, guck dir mal von 2021 Titan an,
0:04:45–0:04:49
ein französischer Body-Horror-Film von einer Regisseurin verfilmt.
0:04:50–0:04:54
Und schließlich habe ich, und den will ich auch ein bisschen vorstellen,
0:04:54–0:04:58
den Film, nämlich Substance, The Substance von 2024.
0:04:58–0:05:03
Also wir haben jetzt vier Filme hier, wir wollen die so ein bisschen miteinander diskutieren.
0:05:04–0:05:08
Jeder hat sich für einen so entschieden, den er kurz vorstellen möchte und wo
0:05:08–0:05:10
wir dann über den Film sprechen können.
0:05:10–0:05:14
Das haben wir uns so ein bisschen aufgeteilt, werden wir gleich machen.
0:05:15–0:05:21
Aber bevor ich oder bevor wir in die Filme einsteigen, ich möchte erstmal noch
0:05:21–0:05:25
und Chris, ja, du hast recht, das ist nicht schön, aber wir müssen es trotzdem
0:05:25–0:05:26
sagen, wir machen Spoiler.
0:05:27–0:05:31
Also das heißt, wir erzählen da genau, was in den Filmen passieren wird.
0:05:32–0:05:36
Also diejenigen, die jetzt nicht wollen oder beziehungsweise die noch den Film
0:05:36–0:05:41
sehen wollen, sollten diesen Podcast dann nicht anhören. Wir machen Kapitelmarken,
0:05:42–0:05:46
das heißt, man könnte über die einzelnen Filme springen, um sich da nicht spoilern zu lassen.
0:05:46–0:05:51
Ja, aber so viel sei gesagt, wir müssen spoilern. Ja, tut mir leid,
0:05:51–0:05:54
ich mag es auch nicht, aber wir wollen drüber reden.
0:05:54–0:05:57
Okay, Horror, Body Horror.
0:05:57–0:06:03
Ich frage mich so in die Runde, was fasziniert euch am Horror und was könnte
0:06:03–0:06:06
da speziell den Body Horror ausmachen?
Chris Flor
0:06:06–0:06:13
Ich kann mal anfangen. Und zwar, also ich hatte, wenn ich mich so in mich reinhorche,
0:06:13–0:06:15
mal versucht bei einem Horrorfilm für mich jedenfalls,
0:06:16–0:06:20
irgendeinem Geheimnis auf die Spur zu kommen oder so ein Rätsel zu lösen über
0:06:20–0:06:24
die Existenz, würde ich mal sagen, halt auch über Bewusstsein und so.
0:06:24–0:06:32
Und ich glaube, jetzt direkt bei so Gore-Filmen oder sowas geht es ja auch schon,
0:06:32–0:06:36
das ist schwer in Worte zu fassen und leider habe ich mir nichts richtig gut
0:06:36–0:06:38
vorbereitet, aber es geht ja schon immer darum,
0:06:38–0:06:44
Grenzen zu zeigen und diese Grenzen zu überschreiten und dadurch zu sehen, was die Grenzen sind.
0:06:44–0:06:48
Also wenn ich jetzt hier einen Menschen als Körper habe, dann sehen wir den
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erstmal als ganzen Körper, als Person vielleicht. Aber sobald ihr anfangen,
0:06:52–0:06:54
da Scheiben von abzuschneiden,
0:06:54–0:06:58
wird er ja auf einmal, ist er dann nicht mehr komplett und wir wissen dann mehr,
0:06:58–0:07:03
was diese Gestalt des ganzen Menschen ausmacht, dadurch, dass wir den zerlegen.
0:07:03–0:07:07
Also so hatte ich mir das immer erklärt, was diese Faszination dabei ist.
0:07:07–0:07:11
Ich vertrage diese Sachen nicht so super, wenn ich sie mir anschaue,
0:07:11–0:07:13
bin trotzdem wahnsinnig fasziniert davon.
Florian Clauß
0:07:13–0:07:16
Ja, also das denke ich genau, das
0:07:16–0:07:19
ist der Grund, so ein bisschen diese Spiegelneuronen im Kopf, die man hat.
0:07:20–0:07:23
Hatten wir auch schon verschiedentlich berichtet von dem Experiment,
0:07:23–0:07:27
dass ein künstlicher Arm, wenn der neben einem liegt und man schaut auf diesen
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Arm und jemand anders steckt eine Nadel in diesen künstlichen Arm,
0:07:32–0:07:35
man fängt trotzdem an, empathisch mehr zu empfinden.
0:07:36–0:07:40
Diese Spiegelneuronen, die uns dann eben beim Body Horror ganz extrem,
0:07:40–0:07:46
weil jeder doch irgendwie natürlich bei irgendwie, mir fällt jetzt ganz spontan
0:07:46–0:07:48
ein, weil ich das auch gerade vor meinem inneren Auge habe,
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nämlich ein Auge und man kann quasi fühlen wie der Finger, wenn man sie auf
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einen Augapfel drückt, wie das dann auch wehtut im Auge.
0:07:57–0:08:04
Also das ist diese Identifikation, die sich da aufbaut über diese Körperdarstellung.
0:08:04–0:08:08
Das ist, glaube ich, beim Body-Horror ganz explizit da.
0:08:09–0:08:13
Also da ist quasi, das ist immersives Kino, ganz stark immersiv,
0:08:13–0:08:14
würde ich jetzt mal behaupten.
0:08:14–0:08:20
Auf der einen Seite, so wie du auch sagst, die Grenzen, dass dann Grenzen verletzt
0:08:20–0:08:25
werden, dass da Verformungen passieren, dass ein Verfall, ein Zerfall beginnt.
0:08:26–0:08:31
Und meistens ist es ja auch im Prozess des Verwandelns, eine Metamorphose.
0:08:32–0:08:36
Wenn wir jetzt an The Substance denken oder Titan, weil Titan,
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das kann Reinhard gleich erzählen, da steht auch eine Schwangerschaft mit im Mittelpunkt.
0:08:42–0:08:48
Es beginnt der Körper sich zu wandeln. Oder wenn wir uns die klassischen Body-Horror-Filme
0:08:48–0:08:50
von Cronenberg anschauen, die Fliege,
0:08:50–0:08:55
wo ein Mann sich dann transformiert in einen anderen Raum oder in eine andere
0:08:55–0:08:59
Kapsel und dann in dieser Kapsel die Fliege noch drin ist und dann beginnt sich
0:08:59–0:09:01
der Mann in die Fliege zu verwandeln.
0:09:01–0:09:07
Das ist ja so der Klassiker dabei, also eine Metamorphose, die da passiert.
0:09:07–0:09:12
Wenn wir auf die Ästhetik schauen, wie ist so Body-Horror inszeniert,
0:09:13–0:09:16
dann ist es auch meistens sehr explizit, würde ich sagen.
0:09:17–0:09:21
Auch wieder schauen wir uns Videodrome an. Ich komme nicht weg von Cronenberg,
0:09:21–0:09:26
aber Cronenberg ist halt auch wirklich so einer der Leuchttürme in diesem Genre.
0:09:26–0:09:31
Bei Videodrom, wie dann die Videokassette in den Bauch geschoben wird.
0:09:32–0:09:34
Erinnere ich mich spontan dran.
0:09:35–0:09:39
Man hat Close-Ups, man hat sehr splättrige Effekte, ohne dass es jetzt auch
0:09:39–0:09:41
unbedingt Splatter sein muss.
0:09:41–0:09:46
Also man sieht dann Hautreißen oder man sieht, wie sich was verformt.
0:09:47–0:09:48
Oder ich weiß nicht, habt ihr
0:09:48–0:09:52
damals, mich hat es total fasziniert und ich meine mich daran zu erinnern,
0:09:53–0:09:56
Mitch, dass wir vielleicht sogar gemeinsam im Film waren, Ende der 90er,
0:09:56–0:10:01
Tetsuo, den japanischen Film, haben wir den gesehen oder hast du den gesehen?
Micz Flor
0:10:01–0:10:04
Den habe ich in Manchester gesehen, den hast du in Berlin gesehen.
Florian Clauß
0:10:04–0:10:05
Okay. Ich habe ihn gesehen.
Micz Flor
0:10:05–0:10:05
Ja.
Florian Clauß
0:10:06–0:10:10
Tetsuo ist ja auch so eine monströse Geschichte,
0:10:11–0:10:16
die so ein bisschen aus Akira, aus diesem Universum stammt, wo auch die Hauptfigur
0:10:16–0:10:22
in dem Manga, Tetsuo, dann anfängt sich zu verformen und zu wachsen und zu mutieren.
0:10:23–0:10:27
In dem Film ist es so ein bisschen auch an der Schnittstelle,
0:10:28–0:10:33
dass dann Tetsu, soweit ich mich noch daran erinnern kann, so verwächst auch
0:10:33–0:10:37
mit so Motorrad und so anderen Sachen. Kann das sein?
Micz Flor
0:10:39–0:10:43
Ja, also das ist das Metalle, das dringt so, kommt aus ihm raus,
0:10:44–0:10:47
weiß nicht, Motorrad, weiß ich nicht, aber er fängt dann auch irgendwie an so
0:10:47–0:10:50
unfassbar schnell zu rennen und es gibt dann noch diese Frau,
0:10:50–0:10:52
es ist jetzt auch lange her, ich bin nicht vorbereitet,
0:10:53–0:10:57
über 20, 30 Jahre her wahrscheinlich, dass der Film rauskam,
0:10:58–0:11:02
aber es geht da ein bisschen so um diese Cyborg-Sache, fand ich ästhetisch auch.
0:11:03–0:11:06
Low budget, also wirklich so mit Stahlwoll aufs Auge geklebt und so.
Florian Clauß
0:11:07–0:11:11
Ich sehe gerade, ist das tatsächlich, ist der von 89, nicht von Ende 90er?
0:11:11–0:11:15
Ich glaube, der ist von 89 dazu, The Iron Man.
0:11:15–0:11:20
Okay, ja, und dann ist es ja diese Verbindung, das war ja auch in dem Akira-Comic
0:11:20–0:11:24
so zwischen Autos, Motorrädern und Fleisch, ja.
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Da kommen wir auch so ein bisschen auf wieder auf Cronvore Crash,
0:11:29–0:11:34
der dann eher so nicht der explizite, aber doch mit sehr expliziten Szenen,
0:11:34–0:11:43
aber der ein bisschen ruhigere Film, Crash, wo dann auch Prothesen und Menschen zusammen wachsen.
0:11:43–0:11:44
Ja, Reinhard.
Reinhard
0:11:45–0:11:50
Ja, Florian, ich wollte eigentlich noch eine kleine Ergänzung beisteuern,
0:11:51–0:11:55
jetzt also noch gar nicht zur Ästhetik, sondern noch zu den Hintergründen des Body Horrors.
0:11:55–0:11:58
Ich denke tatsächlich, also, ich
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Kultur und Kunst und Film hier im Besonderen spiegeln ja immer auch gesellschaftliche
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Entwicklungen wieder oder technische Entwicklungen.
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Und die Ängste, die davon ausgelöst werden, und ich denke schon, dass dieser Body Horror,
0:12:14–0:12:19
unseren Ängsten vor Entwicklungen in der Genetik, in der plastischen Chirurgie,
0:12:19–0:12:24
Organtransplantation, jetzt ganz neu Computer-Brain-Schnittstellen,
0:12:24–0:12:28
wie Elon Musk das mit seiner Neuralink-Firma gerade versucht,
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Da haben sich jetzt zehn Freiwillige gemeldet, soweit ich weiß,
0:12:31–0:12:35
die sich tatsächlich jetzt so eine Schnittstelle einbauen lassen wollen.
0:12:36–0:12:43
Und diese transhumanistischen Gedanken und Visionen, die lösen auch tatsächlich Ängste aus.
0:12:43–0:12:47
Und das ist ja nichts Neues. Also ich denke mal, am Anfang des Body-Horrors,
0:12:47–0:12:50
ich würde den irgendwo in der Romantik verorten,
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da waren es Ängste auch vor technischen Entwicklungen, die zu den ersten literarischen
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Vorläufern des Body-Horrors geführt haben.
0:13:00–0:13:05
Also das würde ich schon sehen, dass da ganz reale Ängste, die wir haben durch
0:13:05–0:13:10
die neuesten technischen Entwicklungen, dass die sich da Ausdruck verleihen in diesem Film.
0:13:10–0:13:13
Also vielleicht jetzt nicht zu 100 Prozent, aber ich glaube doch,
0:13:13–0:13:14
dass es ein wesentlicher Anteil ist.
Florian Clauß
0:13:15–0:13:19
Unbedingt. Ja, ja. Also danke, Bernhard, für diesen Einwand.
0:13:20–0:13:24
Ja, sehe ich genauso, dass die Ängste natürlich aus der Zeit heraus dann sich
0:13:24–0:13:26
in solchen Filmen widerspiegeln.
0:13:26–0:13:30
Ja, und ich würde auch sagen, ich habe mich auch in die Runde geschickt,
0:13:30–0:13:37
so eine Liste von Sub-Sub-Genres im Body-Horror. Und eines davon ist dann eben
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auch die Techno-Organik und der Transhumanismus.
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Und gerade der Transhumanismus spielt ja auch heutzutage, du hast Elon Musk
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angesprochen, aber da gibt es ja noch...
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Viel wildere Fantasien aus dieser Tech-Pro-Szene, dass diese Unsterblichkeit
0:13:56–0:13:58
durch Transhumanismus.
Reinhard
0:13:58–0:14:01
Den Brain-Upload zum Beispiel, so eine Idee.
Florian Clauß
0:14:01–0:14:06
Genau, den Brain-Upload oder aber auch, dass man durch Transplantation,
0:14:06–0:14:10
jetzt ganz aktuell, ich muss es gerade noch mal zusammenbekommen,
0:14:10–0:14:15
ich glaube, da war das Mikro noch offen und deswegen ist da noch ein Teil von geleakt worden.
0:14:15–0:14:19
Aber da ging es tatsächlich darum, um wie man sich neue Organe transplantieren
0:14:19–0:14:22
kann und wie man so seine Lebenszeit verlängern kann.
0:14:22–0:14:29
Und das war nicht Trump, sondern das war Xi Jinping, also der chinesische Staatspräsident, und Putin.
0:14:29–0:14:35
Da ist natürlich auch die Fantasie von solchen Autokraten, die länger an der
0:14:35–0:14:37
Macht bleiben wollen, wie sie sich verlängern.
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Und das reicht da rein. Durch Organtransplantation kann man sicher.
0:14:42–0:14:45
Und ich meine, die Technologie ist mittlerweile so weit, dass man dann ohne
0:14:45–0:14:49
Probleme noch ein paar Jahre, noch ein paar Jahrzehnte länger leben kann,
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wenn man entsprechend die Mittel und die Ressourcen hat.
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Also da kommt eine Menge Horror zusammen, auch in der Realität.
0:14:56–0:15:01
Ja, ich würde ja bei Transhumanismus würde ich jetzt auch zum Beispiel,
0:15:02–0:15:04
habe ich auch, den wollte, dachte ich, vielleicht können wir da nochmal kurz
0:15:04–0:15:07
drüber sprechen, aber ich glaube, ich bin der Einzige, der den gesehen hat,
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nämlich die neue Reihe Alien Earth von 2025, wo dann halt auch die Transhumanen
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neben den Cyborgs sind. Das ist auch eine ganz spannende Geschichte.
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Alien Earth, unbedingt gucken. Das ist eine Empfehlung.
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Weitere Subgenres, die wir noch im Body Horror finden, ist, wir haben sowas
0:15:27–0:15:32
wie was Okkult-Dämonisches, Besessenheit, Fluch.
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Das ist das, was wir bei Rosemary's Baby oder...
0:15:36–0:15:40
Oder Suspiria. Da gibt es diese Neuverfilmung. Hat die jemand gesehen, die Neuverfilmung?
Reinhard
0:15:40–0:15:42
Ja, die ist ganz toll. Fantastisch.
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Unbedingt sehen. Tilda Swinton.
Florian Clauß
0:15:47–0:15:51
Ja, Tilda Swinton, genau. Die hat, glaube ich, sieben oder acht Rollen in diesem
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Film. Und man sieht es nicht. Das ist unglaublich.
Chris Flor
0:15:55–0:15:58
Ich wusste das nicht. Ich habe das erst später mal gelesen, nachdem ich den
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Film schon geguckt hatte. Und da habe ich es dann erst gemerkt.
Reinhard
0:16:01–0:16:04
Ja, sie spielt auch einen ganz alten Mann. Und das so überzeugend.
0:16:04–0:16:08
Ich habe es auch erst hinterher gelesen. Ich wäre nie drauf gekommen.
Florian Clauß
0:16:08–0:16:12
Ich mache einen Kniefall vor Tilda Swinton. Überall, wo die mitspielt,
0:16:12–0:16:15
die ist wirklich großartig. Also ganz tolle Schauspielerin.
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Dann könnte man auch unter diesen okkulten Dämonischen könnte man auch Weapons
0:16:22–0:16:24
mit einordnen, würde ich mal behaupten.
Chris Flor
0:16:25–0:16:26
Das ist aber jetzt schon ein Spoiler.
Florian Clauß
0:16:31–0:16:34
Ja, okay. Also ich mache eine Kapitelmarke.
0:16:36–0:16:42
Und Evil Dead, der Klassiker also der Klassiker Evil Dead, wer hat das nicht
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geguckt damals auf Video ich glaube wir alle kennen diese Situation,
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wo man bei Freunden zusammen auf der Couch gehangen hat die noch irgendwie Zugang
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zu Evil Dead das war eines der Filme in den 80ern, die dieser,
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Zensurschere dann zum Opfer fielen die dann halt komplett verbannt waren auch
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vom Markt obwohl das völlig absurd ist, weil Evil Dead ist ja eigentlich eine
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Komödie Wenn man es so will, ja. Habt ihr alle gesehen damals, oder?
Reinhard
0:17:07–0:17:08
Natürlich.
Florian Clauß
0:17:08–0:17:13
Ja. Versteht sich von selbst, ja. Identität.
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Identität ist auch immer ein Thema bei Body Horror und Identität.
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Und jetzt kommen wir, glaube ich, auch zu zwei Filmen, mit denen wir uns heute
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beschäftigen, nämlich Doppelgänger und Fremdbesitz, ja.
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Doppelgänger ist bei The Substance und auch Together könnte man eben als invertierten
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Doppelgänger begreifen, ja. Können wir auch gleich nochmal drüber sprechen.
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Aber das ist ja auch der Horror, wenn sich was irgendwie dupliziert,
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ja, und auf einmal das andere gegenübersteht.
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Dann haben wir die Dr. Jekyll, Mr. Hyde oder...
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Oder solche ähnlichen Thematiken haben wir da mit drin, ja.
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Ja, also ich glaube, ich habe jetzt so ein paar Felder aufgemacht.
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Fällt euch noch was ein, was wir noch erwähnen können?
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Das könnten wir nochmal sagen, Parasitenhorror, ja.
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Also sowas wie Krankheit oder Pilze, Würmer oder irgendwelchen Invasiven.
Reinhard
0:18:02–0:18:03
Das Ding von Carpenter.
Florian Clauß
0:18:04–0:18:10
Ja, genau, The Thing. Und jetzt würde auch Last of Us, würde ich auch da reinholen.
0:18:10–0:18:16
Also diese Verfilmung des Spiels als Serie, wo dann halt diese Pilze quasi die
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Menschen zu Zombies machen.
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Finde ich auch, könnte man als Body Horror so sehen, ja.
Reinhard
0:18:22–0:18:26
Ja, auch außerirdische Gene, wie in District 9 zum Beispiel.
Florian Clauß
0:18:26–0:18:27
Ja.
Reinhard
0:18:27–0:18:30
Das ist auch sehr verbreitet, glaube ich.
Florian Clauß
0:18:30–0:18:35
Ja, stimmt. Ja, also Body-Horror, ich glaube auch, das ist halt wirklich so
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eine Definitionsklammer,
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da kann man ziemlich viel runterordnen, aber ich würde vor allen Dingen,
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also dieser Ekel, ja, dieser Ekel und diese Entgrenzung, die passiert,
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und das ist das, was für mich den Body-Horror ausmacht.
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Das ist nicht so sehr, also wenn wir uns so einen klassischen Zombiefilm angucken,
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dann ist es ja immer eher die Situation, oder ein Splatter, Splatterfilm,
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dann ist es ja immer eher die Situation, der eine rennt weg und man muss halt
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gucken, dass man halt irgendwie Schutz findet und dass man halt nicht von den
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Zombies gebissen wird und so weiter.
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Dann ist es aber nicht so sehr dieser Zerfeil oder die Metamorphose,
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die da gezeigt wird, sondern es ist eher so dieses Height-and-Sieg-Spiel,
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wo das da inszeniert wird.
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Obwohl, wenn ich an die italienischen Zombie-Filme denke, die können aber auch
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schon sehr eklig werden und, naja, das sind die von Fulci, die Zombie-Filme.
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Ich glaube, wir haben uns auch, habe ich mal erwähnt, als wir,
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also Mitch und ich, über 28 Years Later gesprochen haben. Ja.
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Habt ihr noch Ergänzungen zu diesem Versuch der Einordnung?
Micz Flor
0:19:45–0:19:50
Ich habe noch gar nichts gesagt, was auch nicht unpassend ist,
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weil ich, wie mein Bruder Chris, auch mit Horrorfilmen eigentlich über meine
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Grenzen gehe, also wenn wir von Grenzen sprechen.
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Ich finde das oft schwer auszuhalten und bin jemand, der dann gerne ohne Ton
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guckt oder auch als wir together so durch die Finger guckt.
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Da schäme ich mich inzwischen nicht mehr für. Lange habe ich mich dafür geschämt.
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Und jemand, der auch beim fünften Mal gucken von Shining,
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als ich mal in den 90er Jahren ein Videobeamer ausgeliehen hatte für eine Ausstellung,
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der war bei mir zu Hause, habe ich das so auf Großformat geguckt und musste
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dann auch ausmachen, obwohl ich schon wusste, worum es geht.
0:20:27–0:20:30
Aber ich finde es gleichzeitig auch faszinierend. Für mich ist das immer so
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ein Ding wie saure Gurken, also diese Zuckerdinger.
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Kennt ihr diese flachen Teile?
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Die sind sauer und süß und die kleben zwischen den Zähnen und man kann nicht aufhören.
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Und obwohl man es nicht will, also man will es buchstäblich ausspucken,
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kann also so geht es mir immer mit hinschauen und wegschauen.
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Eine Sache, die ich aber noch so ein bisschen dazu schieben möchte, ist,
0:20:52–0:20:57
Dass ich schon auch diesen Film Freaks von 1932, ich weiß nicht,
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den kennt ihr vielleicht auch, den würde ich gerne kurz noch dazunehmen.
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Das war US-amerikanischer, in Anführungszeichen,
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Horrorfilm oder spektakulärer Film oder so, wo Todd Browning war der Regisseur,
0:21:10–0:21:16
der diese Sideshow-Künstler heißen, die also in Anführungszeichen missgebildete
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Menschen mit Fehlbildungen.
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Und ich finde das deshalb so nicht unwichtig, den zu erwähnen,
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weil das ist ein Spektakel, diesen Film zu sehen.
0:21:33–0:21:37
Und das war natürlich jetzt auch schon Jahrzehnte, nachdem es Filme gab.
0:21:37–0:21:41
Aber es gibt trotzdem, finde ich, so einen Bruch, wenn wir zurückgucken,
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gibt es halt so eine Zeit, bevor man fotografieren konnte und bevor man Filme
0:21:45–0:21:51
hatte, wo Kupferstiche von Nilpferden oder Elefanten oder Löwen halt irgendwie so,
0:21:51–0:21:54
wenn wir die heute sehen, dann muss man sich daran erinnern,
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dass die Leute das aus Erzählungen nachgestellt haben.
0:21:57–0:22:04
Und dann kam Fotografie rein und dann kam Film rein und in dem Film Freaks sieht
0:22:04–0:22:09
man dann eben auch dieses Spektakel, wenn man Missbildungen sieht, also in Schwarz-Weiß.
0:22:09–0:22:15
Die sind alle irgendwie, finde ich, trotzdem auch sehr fröhlich und gut porträtiert.
0:22:15–0:22:19
Also ich habe nicht das Gefühl, dass es eine komplette Verkünstlichung ist,
0:22:19–0:22:21
diesen Film anzuschauen.
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Aber es ist irgendwie so an so einer Schwelle, wo, glaube ich,
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Body Horror irgendwie auch mit ansetzt.
0:22:28–0:22:31
Nämlich mit diesem Gefühl, dass man in diesem Gegenüber, in dem Spiegel,
0:22:31–0:22:36
dass man da auf einmal das Gefühl hat, es gibt eine Verzerrung.
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Da beginnt so etwas zu reißen.
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Da beginnt so ein bisschen, wie wenn man in Zerspiegel reinschaut,
0:22:41–0:22:43
wenn man in solche Filme reinguckt.
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Und das finde ich bei Body Horror für mich so das Thema. Für mich ist es ein.
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Es ist an dieser Schnittstelle zwischen Körper und Geist oder Leib und Seele
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oder wie man es auch nennen möchte.
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Und es geht für mich oft im Body Horror darum, gar nicht so sehr um das Blut
0:23:01–0:23:04
und das Gehirn und was da so rauskommt, sondern um diesen Moment,
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dass diese beiden Dinge beginnen, sich zu entfernen.
0:23:09–0:23:14
Dass entweder das Körperliche unter dem Psychischen leiden kann.
0:23:14–0:23:16
Das ist ja auch, wie heißt denn immer der Film?
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Mir fällt jetzt gerade ein gutes Beispiel ein, ohne dass mir der Titel dazu einfällt.
Florian Clauß
0:23:21–0:23:21
Sag mal, beschreib mal.
Micz Flor
0:23:22–0:23:26
Das ist da, wo die dann auch, wo einer, wo die mit dem Hirn aufeinander,
0:23:26–0:23:30
es ist auch ein Cronenberg-Film, Brain Splatning.
Florian Clauß
0:23:31–0:23:33
Mit dem Hirn Naked Lunch?
Micz Flor
0:23:33–0:23:37
Nein, nein, nein, es ist ein ganz früher, wo die dann so, die haben so psychische.
Florian Clauß
0:23:39–0:23:40
Parapsychische. Also die Unzertrennlichen.
Micz Flor
0:23:40–0:23:41
Nein.
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Auf jeden Fall, dass quasi das Parapsychische den Körper bedroht oder umgekehrt,
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das Psychische durch die Körperveränderung bedroht wird, da könnten dann auch
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so Sachen wie Demenz zum Beispiel reinspielen, also dass irgendwie diese Verbindung
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von diesen beiden Elementen, die
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ja sowieso auch philosophisch noch nicht geklärt ist, diese Verbindung,
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wo alle dran rumschrauben und auch, wo wir vorhin jetzt über,
0:24:05–0:24:09
Reinhards Buch gesprochen haben, auch da geht es ja um diesen Zusammenhang,
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das ist für mich irgendwie Body-Horror, dass diese Dinge,
0:24:12–0:24:17
dass da beginnt etwas sich zu entfernen und wenn es dann reißt,
0:24:17–0:24:20
dann ist es eigentlich so wie beim Monster-Film, wenn man das Monster gesehen
0:24:20–0:24:22
hat, irgendwie ist dann die Spannung weg.
0:24:22–0:24:26
Aber der wirkliche Horror entsteht für mich bei Body-Horror,
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so wie ich es verstehe, immer an diesen Momenten, wo da Zerrbilder entstehen
0:24:31–0:24:35
und Körper und Seele irgendwie nicht mehr ganz zusammenpassen.
0:24:36–0:24:40
Das ist für mich so das Motiv. Und ich denke, dass Freaks da irgendwie so eine
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Rolle spielt als Spiegel und dass das heute natürlich viel feinteiliger über
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CGI oder so auch durchdekliniert wird.
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Also zwischendrin hat man dann noch solche Sachen wie vielleicht der Exorzist
0:24:52–0:24:56
oder so, wo die Sachen wirklich über Maske und Materie hergestellt wurden.
0:24:56–0:25:00
Aber seitdem ist dann viel Zeit vergangen, sodass einfach dieses ganze diese
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ganze Palette von Effekten manchmal leider ausgespielt wird,
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um da einfach noch mehr von dieser,
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von dieser Zerreißprobe zu zeigen.
Reinhard
0:25:12–0:25:18
Sag mal, Michael, hast du vielleicht den Aufsatz von Freud über das Unheimliche gelesen?
0:25:18–0:25:21
Ich glaube, 1919 hat er den veröffentlicht.
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Das wäre in dem Zusammenhang noch mal ganz interessant. Ich habe den mal gelesen,
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das ist aber schon 30 Jahre her.
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So genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Eins ist mir dazu im Kopf geblieben.
0:25:33–0:25:39
Ich glaube, Freud so verstanden zu haben, dass er sagte, das Unheimliche resultiert daraus,
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dass etwas Vertrautes uns fremd wird, dass etwas zugleich vertraut ist,
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also unser Körper und gleichzeitig etwas völlig Fremdes annimmt.
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Und aus diesem Widerspruch, aus diesem Kontrast heraus erwächst das Unheimliche.
0:25:58–0:26:00
Aber vielleicht habe ich ihn noch missverstanden.
Micz Flor
0:26:01–0:26:06
Das ist schon ziemlich genau das, was als These da unten drunter liegt.
0:26:06–0:26:11
Und das Unheimliche ist halt heimelig. Das Heimelige, das Vertraute und das
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Unheimliche, das ist...
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Bei Horrorfilmen oder bei Thrillern wird das ganz oft gemacht,
0:26:19–0:26:23
dass Orte, die total schützend und schön und angenehm wirken,
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dargestellt werden und dann gefüllt werden mit Anspannung oder Destruktion.
0:26:27–0:26:33
Also dass man so in Situationen kommt, wo man nicht bei Evil Dead, da gibt es diese Hütte,
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diese Hütte im Wald kann man ja auch idealisieren als Rückzugsort und Naturverbundenheit
0:26:38–0:26:43
und genau da kommt dann das Unheimliche richtig zum Tragen.
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Und Freud hat, ich glaube jetzt 99 Prozent sicher, in diesem Text auch über
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sich selber geschrieben, was ich total schön finde.
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Er sagt sowas als Beispiel, als Illustration, dass er mal zugefahren ist und
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dann ging so eine Tür auf und dann sah er auf einmal so gegenüber jemandem,
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das war so ein älterer Herr mit grauen Haaren, der so in sich zusammengesunken
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so da saß und er hat sich total erschreckt und dabei dann gemerkt.
0:27:07–0:27:13
Dass das die Tür vom Klo war und er im Spiegel sich selber gesehen hat.
0:27:13–0:27:18
Und das finde ich total spannend, weil das nämlich natürlich auch so eine Situation
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ist, in der Bodyhorror für uns alle entsteht, auf so ganz subtile Ebene,
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wir sehen Fotos von uns und sind immer erschreckt,
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es gibt kaum jemand, der gerne Fotos von sich sieht oder die Stimme von sich
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hört oder so und das finde ich ein spannendes Bild, wo Freud da an sich selber
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auch explizit nochmal gesagt hat,
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es war ihm seltsam vertraut, aber dann knallt es rein, das bin ja ich und dann
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hat er sich wahrscheinlich wie wir alle vom Spiegel in Pose geworfen.
0:27:45–0:27:46
Also wenn wir zum Spiegel gehen.
Chris Flor
0:27:46–0:27:50
Ich würde dann aber mal das Abgrenzen vom Body-Horror dann doch sozusagen das
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Unheimliche und Uncanny Valley und so weiter sind Sachen, die halt der Vampir
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zum Beispiel ist ein Mensch, aber doch kein Mensch. Also man sieht diese Sache.
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Aber Body-Horror geht dann ja wirklich auch ein bisschen drum,
0:28:02–0:28:10
eben um diese Transformation, um dieses Desintegrieren oder irgendwie ja Auswuchern und so weiter.
0:28:11–0:28:14
Da müssen wir, glaube ich, schon ein bisschen eine Grenze ziehen.
Micz Flor
0:28:15–0:28:18
Finde ich auch richtig und das ist vielleicht genauso der Unterschied zwischen
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dem Prozess der Transformation, der Transformative, das Narrativ im Body Horror und diesem Bild.
0:28:25–0:28:30
Die Tür geht auf und ich sehe halt, da entsteht kein transformativer Akt,
0:28:30–0:28:33
sondern das ist einfach nur eine Bestandsaufnahme sozusagen.
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Das ist jetzt unheimlich, das ist ein Bild.
Florian Clauß
0:28:35–0:28:40
Also diese Spiegel-Metaphern, ja, also gerade in The Substance wird auch ganz
0:28:40–0:28:45
viel mit dem Spiegel gearbeitet und ich denke, das ist, ja, das ist,
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also wie du sagst, das eine ist ein Prozess, das andere ist,
0:28:48–0:28:53
glaube ich, das Bild, was da uns erstmal so unheimlich erscheinen lässt.
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Ich würde auch sagen, dass diese Definition von unheimlich, das ist ja so das,
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was dann auch so im Horrorfilm typisch ist, dass ein heimlicher Ort,
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also ein heimeliger, wie du sagst, Mitch,
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der wird auf einmal, wie die irgendwelche, weiß ich nicht, da,
0:29:09–0:29:13
wo man sich halt wohlfühlt, das wird auf einmal zum Horror.
0:29:13–0:29:16
Das haben wir auch bei Midsummer und so weiter.
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Das sind ja so die Momente, wo sich jeder identifizieren kann und auf einmal
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kommt in diesen Raum, der so ein Schutzraum bedeutet, dann dieser Horror rein
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oder ich muss nur an Freddy Krüger denken und so weiter.
0:29:29–0:29:34
Das sind ja so diese Geschichten darüber. Aber bleiben wir beim Body Horror.
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Ich würde vorschlagen, Reinhard, möchtest du mit, ich überlege gerade,
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wie man den französisch ausspricht, Titan?
Reinhard
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Ja, das habe ich auch. Also der Name des Films macht, glaube ich,
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nicht so große Probleme.
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Größere Probleme habe ich tatsächlich beim Namen der Autorin,
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Julia, ist noch einfach, aber...
0:29:54–0:29:57
Du Correnaud würde ich jetzt mal schätzen.
Florian Clauß
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Das klingt sehr französisch, ja. Lass mal Geld hin.
Reinhard
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Obwohl ich nie französisch hatte, aber ich gebe mir Mühe. Ja,
0:30:05–0:30:07
sehr gerne erzähle ich was über den Film.
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Interessant fand ich, was Mitch eben noch gesagt hat, also diese Beziehung zwischen
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Körper und Geist und dass eigentlich vielleicht der Geist auch der Ursprung
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des Körperhorrors sein kann.
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Also das ist in diesem Film auch tatsächlich exemplarisch der Fall.
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Weil der Auslöser dieses Body-Horrors, der sich da vor uns ausbreitet,
0:30:27–0:30:32
ist eigentlich tatsächlich ein psychischer Defekt.
0:30:32–0:30:37
Oder Defekt kann ich gar nicht sagen. Vielleicht etwas, was da fehlt in der Psyche eines Kindes.
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Aber ich erzähle mal von Anfang an.
0:30:41–0:30:44
Ich habe den Film gestern zum dritten Mal gesehen.
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Und ich muss sagen, er hat mich auch beim dritten Mal schon noch genauso umgehauen
0:30:49–0:30:52
wie beim ersten Mal. weil ich finde, dieser Film ist wirklich ein Ereignis und
0:30:52–0:30:54
jeder sollte den gesehen haben.
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Also ich mag eigentlich sehr gerne Filme, die sich nicht in eine Schublade stecken
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lassen, die Grenzen überschreiten und auch Genre-Grenzen überschreiten,
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wo ich tatsächlich das Gefühl habe, hier wird ein komplett neues Feld aufgemacht.
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Oder es werden mir Erfahrungen vermittelt, die ich vorher noch nie gemacht habe.
0:31:16–0:31:20
Und das tut dieser Film tatsächlich. Also er bedient überhaupt keine Klischees
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und er ist in jeder Minute überraschend, schockierend und auch unvorhersehbar.
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Und er produziert Bilder und Szenen, die man so schnell nicht wieder vergisst.
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Also von daher würde ich wirklich sagen, es ist ein wirkliches Kunstwerk und
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er hat die Goldene Palme 2021 in Cannes wirklich vollkommen zurechtgewonnen.
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Er war auch der französische Kandidat für den Oscar in dem Jahr,
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aber mich hat es überhaupt nicht
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verwundert, dass so ein radikaler Film in Hollywood keine Chance hat.
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Das Buch geschrieben und Regie geführt hat die damals noch nicht einmal 40-jährige
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Julia Ducorno und es ist ihr zweiter Spielfilm nach Raw.
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Den sie 2016 rausgebracht hat, das eine Coming-of-Age-Geschichte und gleichzeitig
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eine Geschichte über Fleischeslust und Kannibalismus.
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Auch ein sehr radikaler Film, hat auch mit dem Film schon viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
0:32:21–0:32:22
Aber erst recht mit Titan.
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Also der Film beschreibt eigentlich,
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also ich habe schon gesagt, es ist schwer in eine Schublade zu zwängen,
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aber man könnte den Versuch machen, ihn als eine
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radikal-feministische Selbstermächtigungs-Body-Horror-Drama zu bezeichnen.
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Aber selbst mit dieser Bezeichnung trifft man eigentlich nicht mal die Hälfte
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der Botschaft, die dieser Film vermittelte. Ich versuche es nochmal anders.
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Also man könnte ihn auch als eine tödlich endende Passionsgeschichte beschreiben,
0:32:55–0:33:00
als einen brutalen Kreuzweg oder eine dreifache Metamorphose.
0:33:01–0:33:06
Also die erste Metamorphose ist vom Mensch zur Maschine, dann von einer Maschine
0:33:06–0:33:12
zu einem Mann und oder Sohn und dann von einem jungen Mann oder Sohn.
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Wieder zurück zur Frau oder sogar zur Mutter.
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Ich versuche mal die Geschichte also wenigstens zu skizzieren.
0:33:21–0:33:25
Wir sehen am Anfang ein kleines Mädchen, die heißt Alexia,
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Wir sehen auch, dass sie von ihrem Vater nicht geliebt wird.
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Um seinen Blick zu bekommen oder seine Aufmerksamkeit zu bekommen,
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tut sie einiges, was dazu führt, dass die beiden einen schweren Autounfall haben.
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Und das kleine Mädchen hat eine schwere
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Kopfverletzung und ihr wird eine Titanplatte in den Kopf eingesetzt.
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Dieser Eingriff markiert eigentlich auch den Beginn des Körperhorrors.
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Weil von da an fängt sie an, sich in eine Maschine zu verwandeln.
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Also diese äußerliche Veränderung führt auch zu einer inneren Veränderung.
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So wie am Anfang dieser innere Schmerz, nicht gesehen zu werden von ihrem Vater,
0:34:08–0:34:14
dann tatsächlich auch zu diesem Ereignis führt, was das alles auslöst.
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Also wir sehen sie dann später als junge Frau, sehr kalt, eigentlich schon eher
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eine Maschine, ohne Emotionen.
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Sie tötet fast beiläufig einen übergriffigen Mann, dann ihre menschliche Geliebte
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und im Anschluss noch ein paar harmlose WG-Bewohner.
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Und am Ende dieses Massakers bringt sie auch noch ihre Eltern um.
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Wir sehen dieser Brutalität zu und sehen auch, dass sie wirklich fast unbeteiligt ist.
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Also folgerichtig hat sie auch, sie hat sich also dem Menschsein und den Menschen
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komplett entzogen und hat folgerichtig auch Sex mit einer Maschine, mit einem Auto,
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mit einem sehr männlichen Cadillac und wird dann in der Folge auch von ihm schwanger.
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Das klingt jetzt ein bisschen verquer, aber es ist in dem Film,
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es ist wirklich sehr gut umgesetzt. Ja, es ist großartig.
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Es wirkt so, es wirkt wirklich, also der Film hat teilweise was unglaublich
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Dramatisches, teilweise Romantisches, teilweise Sakrales, dann aber auch etwas sehr Träschiges.
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Man weiß eigentlich nie, wo man jetzt genau ist, an welcher Stelle.
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Nun ja, also das ist eigentlich der erste Teil des Films, endet damit,
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also mit dieser Massentötung, könnte man es fast sagen, und der Flucht vor der Polizei.
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Und dann beginnt etwas komplett Neues, was man eigentlich überhaupt nicht erwartet. Es beginnt der...
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Eine zweite Transformation. Und diese Transformation ist zurück von der Maschine
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wieder zu einem Menschen und zwar zu einem jungen Mann.
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Also sie sieht irgendwo ein Fahndungsfoto, da wird nach einem jungen Mann gesucht,
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der irgendwie verloren gegangen ist und sie verwandelt sich in diesen jungen
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Mann. Aber auch mit einer Form von Body-Horror.
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Also eine der eindrücklichsten Szenen des Films ist, wie sie versucht,
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auf einer Flughafentoilette sich selbst die Nase zu brechen.
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Und das klingt jetzt erst mal nach keiner großen Sache, aber es ist wirklich äußerst brutal.
Florian Clauß
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Es tut so weh. Diese Szene tut so weh.
Reinhard
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Und das ist ja nicht das Einzige. Sie rasiert sich ihre wunderschönen langen
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Haare ab und schnürt sich ihre Brüste ein und da beginnt sie ja schon schwanger
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zu sein von diesem Cadillac,
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muss sie auch den schwangeren Bauch abbinden, das ist alles äußerst schmerzhaft,
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also es ist wirklich eine Tortur.
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Aber sie hat Glück, also der Vater dieses jungen Mannes oder dieses Kindes,
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das da irgendwie verloren gegangen ist.
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Leidet unglaublich unter dem Verlust seines Sohnes und als sich ihm die Chance bietet...
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Wieder einen Sohn zu bekommen, ergreift er sie. Obwohl er spüren muss,
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dass dieser junge Mann, der eigentlich eine Frau ist, die eigentlich eine Maschine
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ist, dass das nicht sein Sohn sein kann.
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Aber er ist so abhängig davon, diesen Sohn wiederzubekommen,
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dass er diese Illusion auferstehen lässt. Und was sich dann entwickelt,
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das ist unglaublich, nämlich wirklich eine romantische Liebesgeschichte.
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Also dieser Mann, der auch noch ein extrem männlicher Mann ist,
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ist Chef einer Feuerwehr und diese Feuerwehr ist eine extrem männliche Gesellschaft,
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also die hat fast etwas Sektenhaftes und dieser Feuerwehrkommandant wird als Gott verehrt.
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Er prügelt seinen eigenen Körper aus Angst vor dem Älterwerden und dem Verlust
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seiner Autorität, spritzt er sich ständig Testosteron oder irgendwelche anderen Substanzen.
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Die beiden leben zusammen und es entwickelt sich wirklich zunächst so eine wunderschöne
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Vater-Sohn-Geschichte und dann aber auch daraus eine Liebesgeschichte.
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Weil irgendwann kann Alexia, so heißt die junge Frau, kann sie das nicht mehr
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verbergen, ihre Schwangerschaft und ihre Weiblichkeit.
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Und sie offenbart sich ihm immer mit der Angst, also dass er sie jetzt rausschmeißt
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oder noch Schlimmeres tut.
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Aber das tut er nicht. Und was eigentlich die Botschaft ist,
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das klingt banal und haben wir schon oft genug gesehen, aber dass es tatsächlich
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die Liebe ist, die am Ende siegt.
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Der Film endet dann aber sehr tragisch, dass sie bekommt ihr Kind,
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also dieses Hybridwesen aus Mensch und Maschine und stirbt bei der Geburt.
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Aber dieser Ersatzvater, den sie da gefunden hat, nimmt dieses Kind als seinen
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Sohn an. Und es hat somit ein gutes Ende.
Florian Clauß
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Ja, so großartig, großartig, Reinhard.
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Vielleicht noch ergänzend, wenn sie dann schwanger ist, wo dann der Body Horror auch anfängt,
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der Bauch wird immer praller und irgendwann reißt dann auch der Bauch auf einer
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Stelle ein und man sieht dann an dieser Stelle so ein glänzendes Titan unten
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drunter, wo eigentlich irgendwie Gewebe hätte sein müssen.
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Also man kriegt schon das Gespür, dass da irgendwas komisches ranwächst oder
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aus ihren Brüsten kommt dann Maschinenöl raus.
Reinhard
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Motoröl, ja genau.
Florian Clauß
0:39:38–0:39:39
Motoröl raus.
Reinhard
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Sie versucht auch das Kind abzutreiben am Anfang mit dem Werkzeug,
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mit einer metallenen Haarnadel, mit der sie vorher zehn Menschen schon umgebracht hat.
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Das ist auch eine wahnsinnig intensive und äußerst schmerzhafte Szene,
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sich das mit anschauen zu müssen.
Florian Clauß
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Das ist so schlimm. Es wird auch nicht explizit da diese Szene gezeigt,
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aber man leidet wirklich.
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Ich konnte da nicht hinschauen. Ich musste wirklich wegschauen und ich schäme
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mich auch nicht mehr dafür.
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Ich nehme meine Brille ab, dann sehe ich nichts mehr und gucke dann nur noch
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durch die zusammengekniffenen Augen.
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Aber da habe ich es nicht ausgehalten bei dieser Szene.
Reinhard
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Aber ich hatte des ganzen Films nie den Eindruck,
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wir haben vorhin ja darüber diskutiert, dass irgendwie dieser Body-Horror auch
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daraus resultiert, dass etwas mit dem eigenen Körper passiert,
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was eben nicht selbstbestimmt ist, was irgendwie von außen kommt.
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Und in diesem Film ist es tatsächlich diese Transformation in eine Maschine
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und auch das Schwangersein mit einem Hybridwesen aus Mensch und Maschine.
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Das ist eigentlich, so habe ich den Film gelesen, eine Form weiblicher Selbstermächtigung.
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Sie hat sich selbst dafür entschieden, eine Maschine zu werden,
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Sex mit einer Maschine zu haben oder ein Maschinenkind zu gebären.
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Also das war eine Entscheidung, die sie selber getroffen hat.
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Und dann zu einem Mann zu werden, das ist auch eine Entscheidung,
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die sie selber getroffen hat.
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Also dieser Film überwindet mehrfach Grenzen zwischen Mensch und Maschine,
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zwischen Männern und Frauen, zwischen Vater und Sohn, in dem da aus dieser Beziehung
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eine Liebesgeschichte wird. Er überwindet.
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Lässt sozusagen alle Identitäten in sich zusammenfallen und lässt uns das als
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etwas Positives erleben.
Florian Clauß
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Ja, ich finde auch, ich stimme dir da so 100% zu und ich würde auch sagen,
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das ist wirklich ein ganz toller Film, auch wirklich einer der besten,
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die ich in der letzten Zeit gesehen habe,
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der mich sehr berührt hat und auch ein, ich bin da auch voll bei dir,
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das ist ein Kunstfilm, das ist wirklich ein Film,
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der schafft, diese Ambivalenz in den Figuren so zu halten, dass es eben keine
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Moral gibt oder irgendwas,
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wo man urteilen könnte, sondern er löst es auch, also er löst es in Liebe auf und in Mitgefühl.
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Und ich glaube, das ist, was am Ende so stehen bleibt. Man lässt diese Ambivalenzen zu.
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Sie ist eine Mörderin. Das finde ich zum Beispiel,
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diese Darstellung des Bodyhorrors, die jetzt nicht selbst erwählt sind,
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ist nämlich die Reaktion der Opfer, wenn Alexia den Opfern diese Haarnadel ins Ohr stößt,
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dann fangen die an so zu zucken und dann so eine schleimige Masse zu kotzen.
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Und das war wirklich, das war sehr eklig, also das ist auch eine sehr eklige
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Szene, aber die war sicher nicht selbstbestimmt von den Opfern,
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insofern an der Stelle vielleicht.
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Also diese Szene, wo man sie dann sieht, die ist auch so großartig inszeniert.
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Sie ist dann auch Striptänzerin oder so eine Art, wie auch immer.
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Es gibt so eine Automesse, wo dann auch meistens nur Männer hingehen und die
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Autos werden dann bespielt von Frauen und man sieht dann halt diese Eingangsszene,
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es kommt dann quasi Schnitt und sie ist dann älter.
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Also man sieht sie dann quasi als Kind operiert und als Kind,
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als sie dann aus der Klinik rauskommt, läuft sie auch zu dem Auto.
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Ich glaube, ihre Eltern haben ein neues Auto und sie küsst das Auto und umarmt
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es. Das Auto, was ihr dann zur Falle geworden ist, warum sie dann halt auch
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diese Tatanplatte eingesetzt bekommen hat.
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Dann gibt es einen Schnitt und man folgt dieser, man sieht dann halt auch,
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dass es die gleiche Person sein muss, weil sie auf der Einschädelhälfte dann
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eben durch ihre Operation am Kopf eine große, fast so eine Tattoo-Narbe hat,
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also die sehr ornamental ist und einen Schmuck darstellen könnte.
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Man sieht diese, wie sie dann in so einer Umkleide dann in diese Messehalle
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mit diesen ganzen Autos und man sieht dann eben um die Autos dann irgendwelche Frauen,
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die dazu tanzen und sehr explizite Gesten und Posen machen und irgendwann sieht
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man sie dann halt in diesem Hauptauto dann,
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wie sie da so einen extremen Stripdance macht, ohne sich auszuziehen.
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Auch eine Menge von Fans hat, die dann auch alle Autogramme von ihr haben wollen.
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Die ist in einem Schnitt inszeniert und hat eine unglaubliche Dynamik. Also diese ganze...
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Die ganze Filmsprache ist auch so kunstvoll, dass ich sehr beeindruckt bin von einem Film.
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Du wolltest auch noch mal was sagen, aber ich wollte noch eine Ergänzung machen zu der Filmsprache.
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Und zwar diese Gesellschaft, die du auch beschrieben hast, Rainer,
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die so männlich besetzt ist.
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Gleichzeitig sind das diejenigen, die auch da helfen und ausziehen.
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Ausziehen im Sinne von Brandlöschen oder irgendwelche Menschen dann retten.
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Diese Szenen, wenn die jetzt auch dann ein Feuer löschen irgendwo,
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die sind auch so surreal gefilmt.
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Das hat so eine ganz, wie so eine Traumästhetik, wo man auch sich erst mal orientieren
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musste. Was ist das jetzt? Ist das jetzt real oder ist das nicht real?
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Der hat immer so ambivalente Momente, dieser Film, wo man immer noch irgendwie
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gucken muss, was passiert da gerade?
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Also wo man erst mal sich diese Erzählung dann wieder erschließen muss,
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aber die lässt sich auch erschließen.
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Also die ist jetzt nicht so, dass sie dich total verwirrt, sondern du kommst
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auch wieder auf diese Erzählung drauf.
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Und das finde ich auch ganz toll von ihr inszeniert. Also wirklich so eine eigene
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Filmsprache, die sie entwickelt hat.
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Und das findet man selten, dass jemand auch in den jungen Jahren dann so eine
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starke Filmsprache hat.
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Und das hat mich wirklich sehr beeindruckt an dem Film.
Chris Flor
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Wo du so real sagst, hat schon jemand andalusischer Hund eigentlich gesagt.
Reinhard
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Nein, mit dem Auge und Body Horror und so weiter. Die Ursprung des Body Horror.
Florian Clauß
0:45:51–0:45:54
Ja, sehr gut, sehr guter Einwand. Den nehmen wir noch mit rein.
Reinhard
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Ich wollte noch etwas sagen, abschließend vielleicht, zu Titan.
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Die mit Abstand schönsten Szenen sind drei Tanzszenen.
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In diesem Film wird getanzt und das sind Momente, in denen sich plötzlich der Film Flügel bekommt.
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Also wo er wirklich abhebt. Also die erste Szene ist wirklich ein heftiger Streit
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zwischen der Protagonistin und diesem Ersatzvater.
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Wo man erst denkt, okay, das geht jetzt, jetzt ist eine Grenze überschritten
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und jetzt gehen die beiden wieder auseinander.
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Und dann legt er Musik auf und tanzt dazu. Und dieser Mann, den wir vorher nur
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als Feuerwehrmann kennengelernt haben, als unglaublich maskulinen Typen,
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und der tanzt auf eine Art und Weise, die einen vollkommen verzaubert.
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Wo er sich innerhalb von Sekunden in jemand anderen verwandelt.
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Und das ist so unglaublich schön. Und dann gibt es noch eine Szene,
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wo die Feuerwehrleute eine Party feiern, neben ihren Feuerwehrautos in so einer Halle.
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Und das hat so eine Intensität, diese unglaublich kräftigen, nackten Männerkörper.
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Und dann unsere Protagonistin wird dann...
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Dazu gezwungen, irgendwie so einen Feuerwehrwagen zu besteigen und dann führt
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sie da oben einen Tanz auf, der so unglaublich androgyn und lassiv ist, dass diese Männer.
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Erstarren, also die vollkommen irritiert und fasziniert sind und wir mit ihnen.
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Also allein wegen dieser Tanzszenen lohnt es sich, diesen Film anzuschauen.
Florian Clauß
0:47:32–0:47:33
Absolut, ja.
Micz Flor
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Ich mach da trotzdem auch nochmal einen kurzen Knick mit den Worten von Reinhard,
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vielleicht zum Abschluss. Aber ich habe noch nichts gesagt.
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Die Tanzszene mit dem Vater finde ich auch ganz toll, weil da sieht man so,
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also es gibt halt so viel Fassade und in dieser Tanzszene gibt es dann für mich
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so diesen Satz, der sich so ausdrückt, unterschwellig.
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Warum sieht das denn keiner? Also so ein Teil von ihm, der nur da sichtbar wird
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und den er hinter diesem Charakterpanzer mit Chemie gar nicht zeigen kann.
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Und da wird er nicht nur ein anderer, sondern da ist so ein Appell dahinter.
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Seht mich doch mal. Ja, seht das doch auch mal. Das fand ich wirklich sehr berührend.
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Die Traumszene, da wollte ich auch noch was einfügen.
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Ein Film, der auch irgendwie im Horrorgenre ist, dieser Jacob's Ladder,
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den ich irgendwann mal gesehen habe und nicht dachte, dass ich den immer wieder
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mal nach vorne ziehe, auch hier bei den Episoden schon wieder oft.
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Und da ist ja auch so diese Frage, was ist Traum, was ist Realität?
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Bei Jacob's Ladder, Plot Spoiler, ist das jetzt alles nur ein Traum im Sterbeprozess
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gewesen oder wurde da wirklich an ihm rumgedoktert nach dem Krieg und so weiter?
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Ja, und das gibt, das wollte ich kurz sagen aus dieser Psychiatrie-Ecke,
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es gibt halt eine F-Störung unter F07, die Persönlichkeits- und Verhaltensstörung
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aufgrund einer Krankheitsschädigung der Funktionsstörung des Gehirns.
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Oder wie es auch manchmal genannt wird, ist Pseudopsychopathie.
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Da geht es darum, dass eben infolge eines Hirntraumas oder Hirnhautentzündungen
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oder Virenbefall, dass sich die Persönlichkeit ändert. Und diese Veränderung
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dann zum Beispiel eben auch die Sexualität oft betrifft.
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Das kann enthemmend sein in bestimmten Bereichen.
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Und das ist eine eigene, also diese Transformationsebene haben wir angesprochen,
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der Unfall, Titan und dann gibt es so was Traumhaftes, was da passiert.
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Und das fand ich irgendwie auch interessant, dass sich da vielleicht sowas auch
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in einer veränderten, subjektiven Wahrnehmung der Haupterstellung,
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mit der wir ja als Zuschauer verbunden sind, nach der Kindheit dann sich da ausdrückt.
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Und das zweite ist dieser Begriff einfach nur noch so als Fußnote von der Objektsexualität.
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Das kennt jeder wahrscheinlich, glaube ich. Das war 2007, hat eine US-amerikanische
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Sportlerin, ich weiß gar nicht mehr genau was, die hat den Eiffelturm geheiratet.
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Ich weiß nicht, ob ihr davon mal gehört habt.
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Also es gibt dieses Thema, dass Menschen in Liebe verfallen.
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Wir wissen jetzt nicht, ob beim Cadillac das nur sexuell ist oder ob das auch
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eine Liebesbeziehung ist, aber diese Sache, dass wirklich eine emotionale, tiefe,
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nachhaltende Verbindung mit einem nicht belebten Objekt, also kein Tier,
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sondern wirklich der Eiffelturm, die heißt auch Erika Eiffel,
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geboren Erika Labrie.
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Und das wollte ich auch nochmal reinwerfen, weil ich finde das schon auch nochmal
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interessant, wenn wir dann über diese Horror-Ideen denken,
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Bilder, die entstehen und diese Grenzthematik gar nicht nur von wegen,
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wo hört meine Haut auf, wo beginnt was anderes, sondern auch die Grenzthematik.
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Ist dieses Objekt jetzt belebt genug in der Wahrnehmung, die ich von ihm habe,
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damit ich da wirklich mich, sage ich mal, mit Flüssigkeiten und nicht nur mit
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harten Dingen verbinden kann.
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Also das finde ich einfach auch nochmal schön, dass es da mit reinkommt,
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auch wie so eine Grenzthematik, die Liebe zwischen belebten und unbelebten Objekten.
Florian Clauß
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Ja unbedingt, das ist immer ein wichtiger Punkt, nämlich wie du sagst,
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dass bestimmte Body-Horror-Szenen dann auch tatsächlich eine Inszenierung sind
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von irgendwelchen pathologischen Ausdrücken, die sich dann halt auch tatsächlich
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kategorisieren lassen.
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Also bleiben wir beim andalusischen Hund und diese Szene, wo dann aus dem Loch
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in der Hand Ameisen krabbeln, das könnte ja auch einfach eine psychotische Wahrnehmung
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sein, aber ist halt ein Film.
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Und ich glaube auch viele Zustände sind dann auch aus solchen krankhaften Wahnvorstellungen
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dann entstanden, gerade im Body-Horror-Bereich und ich will noch einen Punkt machen,
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dass eben diese beiden Filme, die wir jetzt, also Reinhard jetzt mit Titan und
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ich mit The Substance, das ist beides von Frauen gedreht.
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Ja, ich glaube, gerade im feministischen Bereich ist dann auch Bodyhorror ein
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Ausdruck, um eben mit diesen Repressionen, denen gerade Frauen und Frauenkörper ausgesetzt sind.
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Die dann irgendwie auch Ausdruck zu verleihen oder auch eine andere Perspektive
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oder auch das kaputt zu machen.
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Ja, also auf den Kopf zu drehen. Ich glaube, das ist auch eine Möglichkeit,
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sich da auszutoben und so ein Gegenbild zu entwickeln.
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Und ich finde, Titan hat das besonders gut gemacht in dieser Form.
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Ich möchte noch erwähnen, ich hatte noch einen Punkt zu Titan,
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vielleicht nochmal zum Titel, weil der im Deutschen oder im Englischen auch
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könnte und ich dachte auch erst, es wäre quasi diese Doppelbedeutung von Titan.
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Dass auf der einen Seite das Metall gemeint ist, auf der anderen Seite eben
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die mythologische Figur, die Titanen, diese Riesengötter.
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Aber das ist es nicht, weil im Französischen wird es mit E hinten geschrieben und das ist das Metall.
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Also das hat nicht diese doppelte Konnotation, dass auf der einen Seite.
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Und auf der anderen Seite, was der Film, diese unglaubliche Nähe,
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die dann noch zwischen den Figuren entsteht,
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die hat mich stellenweise, und weiß ich nicht, ob Reinhard das auch so bejahen
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würde, mich an den Film The Wrestler erinnert.
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Ja, auch ein ganz tolles Porträt von so einem alten Ringer, ja,
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also Wrestling-Ringer, der gespielt wurde von Chris Wester.
Reinhard
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Sylvester Stallone war das doch.
Florian Clauß
0:53:27–0:53:30
Nee, nicht Sylvester Stallone. Das war nicht Sylvester Stallone.
Micz Flor
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Mickey Rourke.
Florian Clauß
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Mickey Rourke, genau. Richtig, ja.
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Die sich auch alle so, also auf der einen Seite siehst du diesen knallharten
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Kampf auf der Bühne, der halt viel inszeniert ist, auf der anderen Seite siehst du dann halt,
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wie herzlich die in der Umkleidekabine zueinander sind, aber auch wie selbstverständlich
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sie sich dann halt gegenseitig die ganzen Drogen reichen,
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um dann halt irgendwie noch irgendwie in Form zu bleiben.
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Ja, also dieses zwischen Drogen und aber auch trotzdem Akzeptanz dabei.
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Sie wird ja auch irgendwie und er wird ja mit seinen Fehlern so akzeptiert.
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Und da, finde ich, ist so eine Menschlichkeit drin, die mich halt wirklich ergreift,
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weil das halt genau diese Ambivalenz von Menschlichkeit so ausmacht.
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Und das finde ich halt toll, dass das so inszeniert ist.
Micz Flor
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Ja, könnten wir...
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Als Fußnote und dann können wir vielleicht eine Folge machen über Sportfilme.
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Und dann können wir den mal reinziehen.
Reinhard
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Aber du hast recht. Ich finde auch, der Wrestler und Titan, also diese Männerfiguren,
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der Feuerwehrmann und dieser Wrestler, die haben sehr viel miteinander gemein.
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Also da ist so eine sehr, sehr männliche äußere Hülle und was darunter ist eigentlich
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ein sehr zerbrechlicher Mensch.
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Und das sozusagen freizulegen, das versuchen beide Filme und das ist sehr schön
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hat mir bei beiden sehr gut gefallen Ich.
Micz Flor
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Mach mal eine kurze Frage Chris ist noch da oder?
Chris Flor
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Ja ja, aber wie lang machen wir den noch? Das ist ein bisschen Wahnsinn.
Florian Clauß
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Oder wollen wir das vielleicht so machen, dass wir jetzt Weapons dran nehmen
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und du dass wir dann so ein bisschen das offener diskutieren und Weapons gemeinsam
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dann so vorstellen Und dann.
Micz Flor
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Würde ich vorschlagen, dann können wir es noch besser argumentieren weil ich
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glaube echt, wir machen da zwei Folgen draus.
Florian Clauß
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Ja, würde ich auch sagen, genau.
Micz Flor
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Wäre das okay, Chris?
Chris Flor
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Naja, können wir machen, aber wie gesagt, ich kann ein bisschen Einführungssachen
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sagen, aber es ist halt nichts Tolles erwarten jetzt.
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Ich bin immer noch halb wahnsinnig von meinem, ja, ich habe gestern war den
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ganzen Tag krank und habe das Elixier des Teufels gelesen in meinem Fieberwahn.
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Also insofern.
Reinhard
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Nicht die beste Idee.
Micz Flor
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Das bleibt drin.
Florian Clauß
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Du bist geimpft worden, hast du erzählt.
Chris Flor
0:55:45–0:55:51
Ja, ich habe die genauso auch Body Horror. Ich habe den Pneumonia Covid und
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die Flu gekriegt, also die Grippeimpfung bekommen.
Florian Clauß
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Also ich würde vorschlagen, dass wir jetzt zu dem zweiten Film des Abends kommen.
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Nämlich auch ein ganz aktueller Film, der eben in den Kinos lief, den ich mit meiner...
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Kinogruppe gesehen habe, Weapons von 2025 und dann auch in unsere Eigentlich-Gruppe
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geschrieben habe, ihr müsst den auch sehen, ich fand den toll und Chris hat
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sich den angeguckt und Chris, was ist dein Eindruck?
Chris Flor
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Also ich fand es erstmal toll bei dem Film, also ich hatte, du hattest dann
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schon gesagt, so ein bisschen, dass es wie Rashomon so ein bisschen wäre mit
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dieser Erzählstruktur, das war aber mehr oder weniger alles,
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was ich über den Film wusste.
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In meiner anderen Filmgruppe wurde gesagt, je weniger man über den Film weiß, desto besser.
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Und ich fand das auch wirklich toll, weil mir war das nicht klar,
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dass es ein Body-Horror-Film ist oder in Teilen ein Body-Horror-Film.
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Weil einfach die Preview dazu war mehr oder weniger eigentlich nur die ersten
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fünf Minuten der Geschichte, wo einfach erzählt wird, was ist hier passiert.
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Und dann kamen dann so ein paar Ausschnitte von irgendwelchen Szenen,
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die man nicht richtig in Kontext setzen konnte zu irgendeiner Geschichte und
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das war es dann auch schon.
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Also ich war, ich dachte auch, also doch mal von oben und draußen,
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ich fand es einen sehr tollen Film, um den im Kino zu sehen,
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weil eben durch diese Horrorsachen und auch, weil es eine Komödie auch in gewisser
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Weise ist, das ein sehr gutes,
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das war ein Erlebnis, das mit anderen Menschen zusammenzusehen,
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dieses Stöhnen, die Angst und so weiter, also der Ekel, also auch diese humorvollen
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Szenen, das alles irgendwie so miteinander zu erleben. fand ich so. Ich hatte dann auch.
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Ich war halt so ein Kinotag, heißester Tag des Jahres irgendwie.
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Ich hatte ein großes Getränk getrunken, saß dann drin und musste dann halt blöderweise
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mittendrin aufs Klo und bin halt aufgestanden, hab gemeint, ja,
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ich möchte jetzt ganz schnell aufs Klo gehen.
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Fing dann an, so ein bisschen zu rennen und dann hab ich dann meine Arme so
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zur Seite raus und bin halt so wie die Leute gerannt.
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Und dann haben wir im Kino richtig so ...
Reinhard
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So ein paar Leute haben dann gedacht ...
Florian Clauß
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So ein paar Leute, so ...
Reinhard
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Das müssen wir mal als Flashmob machen, so mit zehn Leuten in den Film gehen
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und dann so aufs Klo retten.
Micz Flor
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Das war jetzt genialer Plot-Spoiler, als anekdotenhafter Plot-Spoiler, das ist ein neues Genre.
Florian Clauß
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Super.
Chris Flor
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Ja, ja, aber also, der Film fängt halt eben an, und das hat vielleicht,
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die Vorschau hat halt jeder gesehen, aber machen wir jetzt hier Filmnacherzählungen?
Florian Clauß
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Wir machen das.
Chris Flor
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Okay, also in einer Suburbstadt in den USA sind halt eines Morgens um 2.17 Uhr, glaube ich war es,
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sind auf einmal so alle Kinder aus einer bestimmten Schulklasse von einer Lehrerin
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aufgestanden und sind dann die Tür rausgerannt und sind dann nie wiedergekommen
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und die Eltern wissen nicht, was los ist.
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Natürlich sind alle komplett verzweifelt, die Lehrerin wird verhört,
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alle Leute werden verhört.
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Das alles wird halt jetzt wirklich in den ersten 5 Minuten erzählt,
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aber man weiß halt überhaupt nicht, was passiert ist.
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Also ein Kind erzählt die ganze Geschichte, also der, ich weiß nicht,
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allwissende Erzähler vielleicht nicht unbedingt, aber halt schon aus so einer.
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Perspektive raus, erzählt uns halt diese Geschichte.
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Es fängt dann an, der Film Richtig fängt dann an, wo wir, bevor die,
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Ein paar, eine Woche oder so was oder zwei Wochen wurde die Schule halt komplett
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geschlossen und am Abend, bevor die Schule wieder geöffnet wurde,
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ist dann so ein Elternabend, wo halt alle im Saal sitzen und dann die Schulleitung
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und dann halt eben auch die Lehrerin Julia Garner nach vorne gehen und dann
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halt ein paar Worte sagen.
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Und man merkt schon, natürlich ist die Spannung groß, vor allen Dingen Josh
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Brolin ist halt einer dieser Hauptfiguren, der heißt Archer,
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was auch relativ interessant ist als Name, der halt dann die Verbindung sieht,
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ja, das waren nur Kinder aus dieser einen Schulklasse, also muss die Lehrerin
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was wissen. Und das kommt dann halt zur Eskalation.
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Man merkt, dass da auch so Gewalt in der Luft liegt und die Lehrerin muss dann
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halt schnell rausgerettet werden.
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Und man kriegt dann halt auch mit, ja, sie ist Alkoholikerin.
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Das ist halt irgendwie relativ klar. Also das ist auch das Erste,
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was sie macht. Es wird gesagt, na, gehen Sie jetzt schnell nach Hause.
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Gehen Sie nirgendwo mehr hin, damit Ihnen nichts passiert, damit Sie niemand abfängt.
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Und sie geht dann trotzdem noch in den Liquor-Store und kauft sich halt erstmal
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ein paar Flaschen Wodka und fährt dann nach Hause. Also ja, dann entfaltet sich das dann.
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Es ist, wie halt schon gesagt, das ist ein bisschen so eine Rashomon-Geschichte.
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In der Struktur wird es erzählt, dass man erst mal aus einer Perspektive das sieht.
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Das ist aus der Lehrerin, die heißt, Moment, ich habe den Namen hier vor mir, Justine.
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Justine, wie sie das halt so mitkriegt. Und man kriegt halt auch mit,
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wie ihr Leben halt so aussieht.
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Sie kommt dann, ich finde den Film halt ziemlich genial. Also auch wie dann
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halt so manche Sachen halt so, weil man denkt halt erstmal, okay, was ist das hier?
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Ist das jetzt ein Science-Fiction-Film? Der Film heißt auch Weapons,
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deswegen denkt man vielleicht an sowas Technologisches oder sowas.
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Man hat die ganze Zeit, sind so Andeutungen auf Parasiten irgendwie überall,
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also dann auf der Schultafel steht was über Parasiten, die Leute schauen sich
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Dokumentationen an über Parasiten.
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Dann aber halt dieses Wort Weapons ist dann halt auch drin, aber dann taucht
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dieses Wort Witch auf, ist dann halt auf ihr Auto draufgeschrieben,
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wo dann halt erstmalig halt dieses Wort dann halt auftaucht.
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Und also das ist halt jetzt der Spoiler, der Böse ist eine Hexe halt auch,
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aber es ist nicht unsere Julia Garner, obwohl man die vielleicht auch,
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wenn man die Person genauer untersuchen würde,
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dann halt auch Hexenhaftes an ihr erkennen würde.
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Aber im Endeffekt steckt dann wirklich eine Hexe dahinter.
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Es ist sehr schwierig, diesen Film nachzuerzählen, weil der halt eben über diese
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verschiedenen Spuren erzählt wird.
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Also erstmal wird halt die Geschichte der Lehrerin erzählt, dann wird die Geschichte
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von dem Archer erzählt, das ist der Josh Brolin.
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Und das ist auch eine ganz tolle Figur irgendwie, weil der scheint,
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also das ist halt so ein Typ, der so Hausbauer ist, so ein Bauherr oder sowas,
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der aber scheinbar auch irgendwie so eine militärische Vergangenheit hat,
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ein ziemlich harter Typ,
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der aber wahnsinnig darunter leidet, dass sein Sohn dann halt verschwunden ist.
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Er schläft seitdem nur noch in
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dem Bett seines Sohnes und hat auch schon Schwierigkeiten mit seiner Frau.
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Aber er scheint dann trotzdem auch eben so sehr hart und männlich halt einerseits.
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Aber dann halt eben andererseits auch, er hat nie seinem Sohn gesagt,
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ich liebe dich, das ist halt auch so ein Problem.
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I love you hat er nie gesagt. er auch eher der intuitivste von den allen ist,
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wenn man das halt jetzt mal so Gender-Role-mäßig zuschreiben wollen würde,
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ist er schon so derjenige, der halt in seinen Träumen dann irgendwie die Sachen
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so halt so mehr oder weniger halt so zusammenfügt und auch,
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dass es eine Waffe ist, dass er darauf kommt als Archer eben,
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also was er dann halt herausfindet ist, wenn man schaut, wohin die Kinder gerannt
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werden, dann sind die so sternförmig auf einen Punkt zugerannt und hat er in
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der Landkarte festgemacht. Und das ist halt eben dieses eine Haus.
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Was für ein Haus ist das? Das ist das Haus, wo der junge Alex drin wohnt.
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Das einzige Kind, das an dieser Nacht nicht verschwunden ist,
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der aber auch überhaupt gar nicht über die Situation reden kann,
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möchte, der ziemlich traumatisiert scheint.
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Und Justine, die Lehrerin, versucht die ganze Zeit mit ihm zu reden.
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Und so nähern sie sich immer mehr diesem Haus. Also das Haus ist halt dieses
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sternförmige Zentrum, diese Pfeile schießen aus allen Seiten dorthin.
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Sowohl Justine, die halt eben, sagen wir mal, eher so zwischenmenschlich,
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also sie ist quasi, wie sie sich mit den Kindern verhält.
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Durch den Kontakt zu Alex kommt sie dann hin, okay, dieses Haus muss der richtige Ort sein.
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Und dann der andere, dieser andere Charakter, Josh Brolin, Archer,
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für ihn ist es halt einfach die
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Vektorrechnung, das dann im Zentrum dieser ganzen Pfeile dieses Haus ist.
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Du hast diesen James, diesen Junkie, der halt in diesem Haus endet oder dann
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in dem Haus ankommt, weil er, weil das Haus verlassen erscheint und er da Sachen rausklauen möchte.
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Du hast einen Polizisten, der dem, diesem James auf der Spur ist,
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der auch gleichzeitig eine Affäre mit Justine hat.
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Alle werden dann halt zu diesem Haus dann hingezogen und was ist in diesem Haus?
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In diesem Haus sind die Eltern von Alex.
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Okay, ich liste mir da immer jemand.
Florian Clauß
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Also das Haus selber ist total auch so unheimlich inszeniert.
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Man sieht dann halt immer die Tür auf und dann hinter ist total schwarz.
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Man sieht dann nur in den Fenstern, dass sie mit Zeitungspapier vollgeklebt ist.
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Und das wird schon ziemlich früh sehr unheimlich inszeniert.
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Und letztendlich, also ein bisschen banal ist die Geschichte dann schon,
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aber ziemlich gut inszeniert.
Chris Flor
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Wenn man es weiß.
Florian Clauß
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Wenn man es weiß, ja, also dann ist natürlich, sind alle Kinder in diesem Haus,
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ja, und die sind so wie Marionetten, ja, und diejenige, die das dann halt quasi
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alles steuert, ist die Tante, also die Schwester von der Mutter von Alex,
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und die ist eine echte Witch, die kann richtig, also quasi verfluchen,
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und was sie dann macht mit so einem Ritual, mit so einem Stock und einem Stoff,
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ja, dass sie dann halt so quasi dann die Macht über die jeweiligen Menschen
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hat, und sie wie Marionetten dann dirigieren kann.
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Und so sind auch die Eltern von Alex, also ihre Schwester und der Mann von ihr,
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die sind auch eben so eingefroren.
Chris Flor
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Diese Tante ist halt sehr krank, wahrscheinlich krebskrank oder sowas.
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Also sind alle Haare ausgefallen, sie trägt immer Perücken.
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Das kommt aber erst am Ende raus. Also die Figur taucht natürlich in den anderen
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Geschichten schon vorher aus und ist halt so mit einer roten Perücke total absurd
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übergeschminkt und so weiter. Eine echt skurrile Figur.
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Wo sich dann halt dann später eben durch diese verschiedenen Geschichten und
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dann halt eigentlich erst durch die allerletzte Geschichte, die dann von innen
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alles erzählt, nämlich Alexes, aus Alexes Sicht das alles erzählt wird.
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Es ist eben die Tante von Alex, die krank ist, die sich dort eingenistet hat,
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also quasi eigentlich sollten die so die...
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Alexis Eltern ihr Sterbehilfe leisten, aber in Wirklichkeit ist sie eine Hexe,
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um deren Lebenskraft auszusaugen.
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Sie hat so ein kleines Bäumchen dabei und dieses Bäumchen, da macht man die
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Zweige ab, da sind auch so Stacheln dran und das ist halt so eine Blutmagie.
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Wo sie dann halt so Stachel und dann um den Zweig und dann bindet sie dann Haare
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herum oder irgendwas, was zu der Person gehört.
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Wenn sie das bricht, das Stäbchen, dann kann sie diese Menschen quasi,
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ja, marionettenmäßig bewegen.
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Und was halt passiert ist, sie hatte eigentlich gehofft, dass sie durch die
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Eltern von Alex ihre Energie genügend zurückkriegen konnte, um wieder zu genesen.
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Also die Eltern sind quasi in so einem Zombie-Dasein, sitzen die nur so rum,
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werden von Alex dann mit Suppe gefüttert.
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Alex bleibt normal, damit er helfen kann, damit er in der Schule ist und damit
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er auch helfen kann, die Eltern zu füttern und so weiter und Suppe einzukaufen.
1:07:16–1:07:18
Und überlegen halt diese Dosen Suppe rum.
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Aber es stellt sich dann halt später, merkt die Tante dann, naja,
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das reicht jetzt doch nicht.
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Diese Energie von den Eltern reicht jetzt doch nicht aus. Wir müssen jetzt auch
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alle Kinder aus der Schule holen.
1:07:28–1:07:31
Und dann fängt halt Alex an und bringt halt, oder wir brauchen mehr Menschen.
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Die Hexe sagt, du kannst das nicht der Polizei erzählen oder deiner Lehrerin
1:07:35–1:07:39
oder irgendjemand, weil sonst kann ich es machen, dass deine Eltern sich großen Schaden zufügen.
1:07:40–1:07:45
Und er wird dann in die Schule geschickt, Alex, um Gegenstände zu sammeln.
Micz Flor
1:07:45–1:07:49
Diesen Ein-Body-Horror-Moment. Jetzt hast du den Ein-Body-Horror-Moment mit
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den Gabeln nicht erzählt.
Chris Flor
1:07:51–1:07:56
Ach so, ja genau. Ach, du hast den auch gesehen, den Film. Okay, das ist der erste.
1:07:56–1:08:01
Ich hatte dann auch überlegt, den Film könnte man auch irgendwie Messergabelschere Licht nennen.
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Weil halt eben diese ganzen, also man hat halt diese Schere,
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man hat die Messer, man hat die Gabeln und so weiter, das ist sogar die Gabel.
1:08:08–1:08:10
Also die sitzen alle am Tisch.
1:08:11–1:08:17
Und da erklärt halt die Tante, erklärt dann dem Alex, wie die Situation halt
1:08:17–1:08:21
jetzt liegt, dass halt die Eltern jetzt sitzen hier und dann fängt sie an und
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wickelt halt die Haare der Eltern um den Stab und macht ihr eigenes Blut drauf und bricht.
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Und dann fangen die beiden an und stechen sich halt mit den Gabeln,
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die Vater und die Mutter nehmen dann ihre Gabel und stechen sich halt so wiederholt
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mit der Gabel ins Gesicht, bis sie dann halt den Stab ins Wasser fallen lässt
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und dann hören sie halt halt auf.
1:08:41–1:08:47
Was halt irgendwie so demonstriert, ja okay, die sind halt unter ihrer Kontrolle, die...
Florian Clauß
1:08:47–1:08:51
Vielleicht nochmal ganz kurz ergänzend dazu, was dann vielleicht auch nochmal
1:08:51–1:08:55
so ein bisschen einen Blick auf den Titel des Filmes wirft, ist,
1:08:55–1:08:58
dass diese, ich sag mal so verfluchten Menschen,
1:08:59–1:09:03
ja, dass man die konditionieren kann auf andere Menschen, ja,
1:09:03–1:09:05
und dass die dann halt so losgehen wie Waffen, ja.
1:09:05–1:09:09
Und das ist vielleicht auch der andere Body-Horror-Film im Moment in dem Film,
1:09:09–1:09:13
dass die dann halt so, sobald die dann konditioniert sind und dann bricht sie
1:09:13–1:09:18
eben dieses Stöckchen und dann rennen die los und wollen halt um alles auf der
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Welt diesen einen Menschen dann vernichten.
1:09:20–1:09:24
Und da gibt es halt auch so eine Szene, wo dann halt der Direktor der Schule
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dann die Lehrerin vernichten soll,
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weil der auch verflucht wurde und dann siehst du halt, wie der dann halt wie
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besessen losrennt und dabei halt auch sich irgendwie komplett dann auch kaputt geht dabei.
Reinhard
1:09:40–1:09:43
Wie so ein Zombiefilm ist das dann eigentlich an der Stelle.
Florian Clauß
1:09:44–1:09:47
Genau, an der Stelle wird es wie so ein Zombiefilm inszeniert, ja.
Chris Flor
1:09:47–1:09:50
Ja, aber das ist halt auch lustig, weil es halt dadurch, man sieht den halt
1:09:50–1:09:55
dann in der Geschichte von dem Archer sieht man,
1:09:55–1:09:59
glaube ich. Ich glaube, oder ist es schon bei der Justine-Geschichte auf jeden Fall.
1:09:59–1:10:02
Sie steht an der Tankstelle und dann auf einmal kommt das, ich glaube,
1:10:02–1:10:04
das ist bei der Archer-Geschichte, dann kommt, sieht man denen das erste Mal
1:10:04–1:10:08
diesen Marcus, den Schulleiter, wie er dann halt auf sie zurennt und der hat
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schon wahnsinnig viel Blut läuft ihm über das Gesicht.
1:10:11–1:10:15
Und der rennt dann halt die ganze Zeit hinterher und sie versucht halt zu entkommen
1:10:15–1:10:19
und geht in den Laden und dann kommt er hinterher und ein paar Mal ist sie schon
1:10:19–1:10:22
fast gestorben, sie fährt dann mit dem Auto weg und er rennt hinterher und wird
1:10:22–1:10:25
dann halt, schließlich wird der Schulleiter dann halt von dem Auto überfahren.
1:10:25–1:10:29
Als man dann später die Geschichte aus der Sicht des Schulleiters sieht,
1:10:29–1:10:33
ist er halt zu Hause mit seinem Partner und die schauen sich gerade halt eben
1:10:33–1:10:36
auch diesen Film über diese, wie heißen diese Pilze da?
Florian Clauß
1:10:36–1:10:41
Ja, die dann die Schnecken und so weiter besetzen.
Chris Flor
1:10:41–1:10:42
Ja, die Ameisen.
Florian Clauß
1:10:42–1:10:49
Die Ameisen oder Käfer, so halbtote Käfer. Also symbolisch dann halt so besetzt.
Chris Flor
1:10:50–1:10:54
Ja, also die schauen sich das halt an, dann taucht diese Tante auf und sagt,
1:10:54–1:10:58
hier könnte ich eine Schale Wasser haben und dann setze ich dann halt hin.
1:10:59–1:11:02
Also das ist eine ziemlich skurrile Figur halt eben, setzt sich hin und dann,
1:11:02–1:11:06
als sie dann den Schulleiter erstmalig aktiviert, setzt sie ihn darauf an,
1:11:07–1:11:08
seinen Partner zu töten.
1:11:08–1:11:12
Und das ist halt ziemlich, das ist ziemlich heftig, wo er dann halt anfängt
1:11:12–1:11:15
und den halt erstmal so wirkt und dann halt mit seinem Kopf immer wieder auf
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dessen Kopf einschlägt,
1:11:17–1:11:20
bis der halt tot ist oder nur nicht tot, man weiß es nicht, also das Gesicht
1:11:20–1:11:24
ist dann schon so total platt, man sieht das eigentlich alles und der atmet
1:11:24–1:11:28
halt immer noch durch, so durch dieses Gesicht, das ist eine ziemlich fiese,
1:11:28–1:11:29
fiese, fiese Situation,
1:11:30–1:11:33
wenn man sich das anguckt, aber halt eben auch im Kino, also ist man wenigstens
1:11:33–1:11:34
zusammen und schaut sich das an.
1:11:34–1:11:39
Und dann wirft sie halt das Stäbchen ins Wasser, hört auf und dann macht sie
1:11:39–1:11:42
ein neues Stäbchen und setzt ihn halt auf diese Justine an.
1:11:43–1:11:49
Schließlich, sagen wir mal schließlich, also die ganzen Kinder sind unten im Keller.
1:11:49–1:11:53
Es gibt diesen Polizisten, was halt auch, brauchen wir nicht unbedingt darauf
1:11:53–1:11:58
eingehen, aber der ist halt auch geil, diese Bad Cop Polizisten Figur,
1:11:58–1:12:03
der halt auch ein Verhältnis wohl mit Justine hat, er ist verheiratet.
1:12:03–1:12:07
Da hatte ich dann halt eben auch gedacht, wo diese Sache von wegen Hexe und
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Kontrolle und so weiter, wo die Justine den Polizisten, also den Paul,
1:12:13–1:12:19
er ist halt verheiratet, er möchte stark sein, in Anführungszeichen,
1:12:19–1:12:22
aber sie bringt ihn dann schließlich dazu, dass er Alkohol trinkt und dann haben sie halt doch Sex.
1:12:22–1:12:26
Es ist quasi so, dieser auch eben ähnlich.
1:12:28–1:12:34
Justine halt benutzt auch einen Trunk, sagen wir mal, um ihn zu manipulieren.
1:12:34–1:12:37
Er kommt dann halt in eine Situation und ist halt fremdgesteuert,
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in der er eigentlich nicht sein möchte.
1:12:39–1:12:43
Hatte ich dann irgendwie so gesehen. Aber wo halt, wenn man sich die Justine
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anschaut, im Gesetz zur Tante, hat die Justine halt eben auch etwas sehr so
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Nurturing, so eine Komponente.
1:12:50–1:12:54
Und Fürsorglichkeit halt auch gerade den Kindern gegenüber, die der Tante halt
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komplett abgeht, weil es ihr halt um ihr eigenes Überleben nur geht und ihr
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das dann egal ist, wie es anderen Menschen damit geht. Ja, zu guter Letzt kommt
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dann alles dahin zusammen.
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Wir haben jetzt sowohl der Junkie James als auch der Polizist,
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als auch die ganzen Kinder, als auch die beiden Eltern von Alex sind alle unter Kontrolle dieser Hexe.
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Die merkt langsam, dass das sich nicht mehr lange so halten lässt und sie möchte
1:13:21–1:13:26
eigentlich jetzt den Standort wechseln und bereitet da halt was daraus vor.
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In dem Moment kommen Justine und Arce kommen in dem Haus an,
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finden das halt so alles vor.
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Und dann geht quasi halt das Gemetzel halt noch so ein bisschen weiter.
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Ich fand, wo man gedacht hat, okay, das könnte jetzt dieser,
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das könnte das Ende sein.
1:13:41–1:13:45
Und dann wird dann getötet und dann die Bösen sind tot und dann ist alles vorbei oder so.
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Also ich fand diese eine Szene, Buddy-Horror, fand ich halt total geil,
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wo in der Küche kämpfen sie, der Polizist unter der Kontrolle greift Justine an,
1:13:56–1:14:00
Justine greift nach Besteck irgendwie und man denkt, sie holt sich ein Messer,
1:14:00–1:14:06
aber sie holt sich so einen Apfelschäler und fängt dann an, dir das Gesicht zu schälen.
1:14:06–1:14:10
Also man denkt so, nein, das passiert jetzt nicht, doch, das passiert jetzt.
1:14:10–1:14:13
Und fängt halt an, dieses Gesicht zu schälen von dem Polizisten und das passiert
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halt auch tatsächlich. ich so runtergestellt. Das fand ich halt ziemlich geil.
1:14:18–1:14:22
Aber zu guter Letzt, der Junge hat dann den genialen Einfall,
1:14:22–1:14:25
also der Alex hat den genialen Einfall mit seinem eigenen Blut und so einem
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Zweig und den ganzen Schildchen von den Kindern, die Kinder auf die Hexe anzusetzen.
1:14:31–1:14:37
Und das ist halt dieser wunderschön befriedigende, das wunderschön befriedigende
1:14:37–1:14:43
Ende dieses Filmes, wo du halt dann dieses fast schon Slapstick-mäßige, wo du halt immer die,
1:14:44–1:14:47
Die Hexe weiß, was los ist und rennt dann halt weg von den Kindern und rennt
1:14:47–1:14:51
durch diese Suburbian-Nachbarschaft von einem Haus zum anderen.
1:14:51–1:14:54
Und man sieht immer, wie sie so schreit, so aaaaaaah, wegrennt.
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Und dann ist es kurz still und dann hört man diese ganzen Kinder schreien.
1:14:57–1:15:00
Aaaaaaah, mit so einem Kindergeschrei rennen die dann so hinter sie her.
1:15:00–1:15:02
Ja, aber so völlig brutal.
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Ja, aber es ist halt so.
Florian Clauß
1:15:04–1:15:07
Wie die dann durchs Fenster steigen und dann die Treppen so runterfallen.
Chris Flor
1:15:07–1:15:11
Ja, alle kommen immer hinterher. Erst geht sie souverän zu weg und dann kommen
1:15:11–1:15:13
sie hinterher und halt immer mit ihrem Geschrei,
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Stille und dann das Kindergeschrei und am Ende schaffen sie es halt,
1:15:18–1:15:22
das erste Kind schafft es irgendwie, sie zu erreichen und dann ist es natürlich
1:15:22–1:15:26
vorbei, weil halt eben diese Meute dann über sie herfällt und sie dann zerreißt.
1:15:26–1:15:30
Nachdem sie zerrissen ist, ist der Zauber gebannt.
1:15:30–1:15:34
Aber trotzdem sind die Kinder erst mal komplett leer. Die Eltern sind komplett leer.
1:15:35–1:15:40
Aber es scheint wohl von dieser Kinderstimme im Off, die dann halt so erzählt,
1:15:40–1:15:43
ja, aber manche der Kinder haben jetzt schon wieder angefangen zu reden.
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Also insofern scheint sich da wieder was zu füllen, dann wenigstens bei den Kindern danach.
Florian Clauß
1:15:48–1:15:49
Ja, ein Happy End, ne?
Chris Flor
1:15:50–1:15:53
Happy End, ja. Also auch die Hexe, wo gerade die Hexe ist tot.
1:15:53–1:15:55
Genau, wo gerade die Hexe ist tot.
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Die haben die in den Ofen geworfen und die Tür zugemacht.
Florian Clauß
1:15:59–1:16:01
Ja, und die Därme gegessen dabei.
Reinhard
1:16:03–1:16:07
Da möchte ich kurz einen Einwand formulieren, wenn ich darf.
Florian Clauß
1:16:08–1:16:08
Natürlich.
Reinhard
1:16:08–1:16:11
Ich wollte jetzt nicht vorgreifen, Chris. Ich meine, vielleicht möchtest du
1:16:11–1:16:14
ja noch ein Fazit. Ein Fazit noch ziehen.
1:16:14–1:16:16
Nein, ich finde, es ist gerade fragwürdig.
1:16:17–1:16:21
Ihr sagtet jetzt ein Happy End. Und das würde ich jetzt gerade in Frage stellen.
1:16:22–1:16:27
Zunächst mal, bevor ich darauf weiter eingehe. Also ich habe den Film vor einer Woche im Kino gesehen,
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nachdem mir der aus mehreren Seiten empfohlen wurde und ich war natürlich voller
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Erwartungen und ich muss gestehen, dass meine Erwartungen ziemlich enttäuscht
1:16:36–1:16:38
worden sind. Ich fand den Film...
1:16:39–1:16:42
Ungefähr bis zur Hälfte hat er mir gut gefallen. Ich fand auch diese verschiedenen
1:16:42–1:16:46
Erzählpositionen, obwohl das nichts Neues ist, aber ich fand es sehr interessant.
1:16:46–1:16:49
War gut gemacht. Mir haben auch die Figuren gefallen.
1:16:50–1:16:54
Aber der Film hat von dem Augenblick an für mich seinen Zauber verloren,
1:16:54–1:16:56
wo zum ersten Mal diese Hexe auftaucht.
Chris Flor
1:16:57–1:16:58
Ich weiß es nicht.
Reinhard
1:16:59–1:17:02
Moment, Moment, Moment. Ich will kurz weiter ausführen. Und diese Hexe,
1:17:03–1:17:05
das ist für mich genau das Problematische an dem Film.
1:17:06–1:17:11
Eigentlich geht der Body-Horror, man müsste ja eigentlich das Bewusstseins-Horror
1:17:11–1:17:13
nennen, weil die Körper dieser Menschen verändern sich ja gar nicht,
1:17:14–1:17:18
sondern es ist das Bewusstsein, was sich verändert, das da ausgeschaltet wird durch die Hexe.
1:17:18–1:17:24
Aber ich finde, der wahre Body-Horror geht in diesem Film gar nicht von diesen
1:17:24–1:17:29
Menschen aus, von den Kindern, denen das Bewusstsein abgeschaltet wurde oder
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von den Menschen, die da als Waffen missbraucht werden, sondern der wahre Horror.
1:17:33–1:17:38
Und das sehen wir ein paar Mal in den Träumen dieser beteiligten Protagonisten,
1:17:38–1:17:43
taucht ganz kurz das Gesicht dieser alten kranken Frau auf.
1:17:43–1:17:49
Und davon geht eigentlich der wahre Horror aus. Das Gesicht einer alten kranken Frau.
1:17:49–1:17:54
Nachher wird sie dann als Hexe tituliert und das ist sie ja auch in diesem Zusammenhang.
1:17:55–1:18:02
Ich finde, das ist eigentlich die tiefere Motivation dieses Films.
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Das ist eigentlich das, wovor wir Angst haben müssen und das ist das,
1:18:06–1:18:07
wovon der wahre Horror ausgeht.
1:18:08–1:18:12
Vom Alter, diese Frau ist nicht geliftet wie alle Schauspielerinnen in Amerika
1:18:12–1:18:20
und die Falten sind nicht weggeschminkt, sondern wir sehen wirklich eine alte Frau,
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so wie sie aussieht, wenn man eben nichts Kosmetisches oder Chirurgisches daran macht.
1:18:27–1:18:30
Und ich glaube, dass das gerade in den Vereinigten Staaten, wo ja jetzt alle
1:18:30–1:18:36
älteren Frauen beim Schönheitschirurgen waren, etwas wirklich Schockierendes hat.
1:18:36–1:18:41
Und damit konfrontiert zu werden, mit dem Alter, mit dem eigenen Verfallen,
1:18:41–1:18:46
mit dem sicheren Tod, ich glaube, das ist das, was eigentlich den Warenhorror dieses Films ausmacht.
1:18:47–1:18:53
Und ich finde es eigentlich tragisch, dass diese Frau dann sterben muss.
1:18:53–1:19:00
Diese arme, alte, kranke Frau wird von der Jugend zerrissen förmlich.
1:19:00–1:19:03
Also das ist ja auch eine Form von Euthanasie.
1:19:04–1:19:09
Also die alten Kranken müssen sterben, damit die Jungen irgendwie aufblühen können.
Chris Flor
1:19:09–1:19:14
Ja, also ich sehe das auch so. Also sie hat sich nicht in ihre Rolle reingefunden.
1:19:14–1:19:17
Sie hat nicht akzeptiert. Sie hat die Frechheit besessen.
1:19:18–1:19:22
Und da geht es dann vielleicht auch mit dem Substance dahin.
1:19:22–1:19:24
Also das sind auch Parallelen zur Substance.
1:19:24–1:19:29
Dass sie nicht artig irgendwie sagt, okay, dann bin ich alt und ich sterbe jetzt.
1:19:29–1:19:32
Sondern sie sagt, nee, nee, ich möchte noch weitermachen. Ich kann noch weitermachen.
1:19:33–1:19:38
Und macht es halt, greift zu Mitteln, die anderen Menschen halt auch schaden,
1:19:38–1:19:40
aber um halt eben weiterzumachen. Aber das darf nicht.
1:19:40–1:19:45
Und am Ende der befriedigende Moment ist, die alte Frau muss sterben,
1:19:46–1:19:49
darf ihr Leben nicht verlängern, darf nicht irgendwie wie jetzt,
1:19:50–1:19:55
also diese Unsterblichkeitsfantasien von Silicon Valley und so weiter,
1:19:55–1:19:59
darf nicht ewig weiterleben, sondern muss sich halt jetzt einfach mal dem fügen
1:19:59–1:20:00
und muss der Jugend Platz machen.
1:20:02–1:20:09
Was ja auch stimmt, also diese ganze Horrorgeschichte der Babyboomer,
1:20:09–1:20:15
die halt eben in allen Jobs noch drin sitzen und die Gen Z und so weiter,
1:20:15–1:20:17
denen keinen Raum machen im Arbeitsmarkt.
1:20:18–1:20:22
Die muss halt jetzt einfach mal weg und dann wird's halt zerrissen.
1:20:23–1:20:27
Damit die endlich aufleben können wieder, damit die Jugend endlich wieder aufleben kann.
Florian Clauß
1:20:27–1:20:31
Ja, also ich denke auch, da sind so bestimmte gesellschaftlichen Themen gepflanzt
1:20:31–1:20:34
in diesem Film, aber so nicht wirklich gut aufgelöst.
1:20:34–1:20:39
Also auf der einen Seite ist es halt natürlich in der alten Frau,
1:20:40–1:20:44
in der Tante, die Einsamkeits-Pandemie, die da passiert.
1:20:44–1:20:48
Sie ist einsam, sie sucht dann irgendwo Anschluss, ja, sie ist zwar eine Hexe.
Chris Flor
1:20:48–1:20:50
Aber... Na, sie sucht keinen Anschluss allerdings.
Florian Clauß
1:20:50–1:20:55
Sie besucht halt Energie. Aber auf der anderen Seite, das was halt so offensichtlich
1:20:55–1:20:58
ist, dieses Ageism, was da passiert.
1:20:58–1:21:01
Auf der einen Seite wird sie eben als alte Frau rausgeworfen.
1:21:01–1:21:04
Ich finde aber, sie schminkt sich völlig übertrieben.
1:21:04–1:21:09
Also da habe ich schon so dieses Stereotyp von alten amerikanischen Frauen.
Reinhard
1:21:09–1:21:12
Es ist auch ein Zitat von der Joker.
Florian Clauß
1:21:12–1:21:17
Genau, der Joker. Oder ich dachte, ein S an diesem Klon und so weiter.
Reinhard
1:21:17–1:21:17
Ja, genau.
Florian Clauß
1:21:19–1:21:23
Aber vor allen Dingen, da fand ich jetzt auch nochmal gut den Einwand,
1:21:23–1:21:25
dass die Boomer-Generation,
1:21:26–1:21:31
die drückt ja quasi auch, also die belastet ja die jetzt nachkommende Generation,
1:21:32–1:21:34
die in den Arbeitsmarkt geht mit ihren Renten.
1:21:34–1:21:37
Also das ist zumindest in Deutschland ein massives Problem, wie wir die Renten
1:21:37–1:21:41
finanzieren. Und das, was dann drunter liegt, ist natürlich das Care-System.
1:21:41–1:21:45
Das Care-System, der Junge, der Alex muss seine Eltern pflegen,
1:21:45–1:21:50
die sind dann halt so paralysiert, ja, sitzen da und er hat aber auch nichts irgendwie,
1:21:51–1:21:55
was er irgendwie, wie er es anwenden kann, außer diese Campbells-Suppendosen,
1:21:55–1:21:56
die er dann zusammenkehrt,
1:21:57–1:21:59
ja, und den dann halt, die füttert.
1:21:59–1:22:04
Aber das ist halt so ein ganz offensichtliches Bild, wo er dann halt seine Eltern füttert.
1:22:05–1:22:07
Ja, das ist halt irgendwie auch eine Kritik an dem Kehrsystem.
1:22:08–1:22:13
Also der Film reißt so viele Sachen auf, aber findet da nicht so richtig den
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richtigen, also ich finde, der ist nicht so richtig rund am Ende.
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Ja, der geht nicht so richtig auf.
Micz Flor
1:22:18–1:22:23
Da würde ich vielleicht reinspringen, genau als jemand, der den Film nicht gesehen hat.
1:22:24–1:22:28
Aber allgemein nochmal zurück, raus zu diesem Horror-Thema.
1:22:28–1:22:33
Also der Film wurde mir halt kurz vorgestellt, ich weiß nicht mehr Medien oder
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Flo oder wer es gesagt hat, aber diese Tür geht auf, die Kinder rennen weg.
1:22:37–1:22:43
Das Bild ist ja auch dieses Rennen, wo die wie so mit ausgestreckten Armen die Straße lang rennen.
1:22:43–1:22:51
Und das war einfach so ein Bild, was sofort Horror ist. Ja, also das hat mich gleich gegruselt.
1:22:52–1:22:55
Und dann habe ich eben auch über Erzählungen, weil ich wusste,
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ich werde den Film nicht gucken können,
1:22:58–1:23:01
von Flo auch schon diesen Abriss bekommen und dann kommt diese Hexe und so,
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dann hatte ich auf einmal eher so ein Bild von diesem Film wie Shutter Island
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oder wie Angel Heart oder so, wo es halt quasi so metaphysisch,
1:23:10–1:23:13
dämonisch irgendwie horrormäßig losgeht.
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Also gar nicht mal metaphysisch, sondern einfach nur so Horror ist.
1:23:16–1:23:24
Also Horror so wie Aspirin-Tabletten oder sowas, ohne Bodenhaftung.
1:23:24–1:23:28
Einfach ein Bild, was so X-Files mäßig, das steht einfach da.
1:23:28–1:23:33
Und dann hinten raus wird es aber eher so ein Thriller und man folgt den Spuren
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und man kommt dann eben auch zu einem Ende und das finde ich halt auch interessant
1:23:38–1:23:44
wenn man mal rauszoomt und sagt muss ein Horrorfilm zum Schluss sich auflösen,
1:23:44–1:23:45
egal ob es jetzt ein Happy End ist.
Chris Flor
1:23:45–1:23:50
Aber einfach muss es eine Lösung geben Wunderbar eigentlich darf es keine Lösung
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geben, also ich finde bei einem Horrorfilm ich würde so weit gehen und sagen,
1:23:52–1:23:56
es darf keine Lösung geben, also die Widersprüche dürfen nicht aufgelöst werden.
Reinhard
1:23:56–1:24:00
Sonst haben wir einen Science Fiction Film Ich bin da total bei euch.
1:24:00–1:24:03
Ich habe mir die ganze Zeit, als ich da in dem Kino saß, habe ich mir gewünscht,
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dass es nicht aufgelöst wird.
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Dass wir am Ende nie erfahren werden, dass es vielleicht verschiedene Spuren
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gibt, denen man nachgeht.
1:24:09–1:24:13
Aber dass wir nie erfahren werden, wo diese Kinder hin sind und was mit denen passiert ist.
1:24:14–1:24:18
Es ist so ein bisschen das, was Stanley Kubrick in Shining versucht hat.
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Also es passieren seltsame Dinge, aber am Ende bleibt man ratlos.
1:24:24–1:24:27
Und es ist toll, wenn man diesen Film dann nie wieder vergisst.
1:24:27–1:24:33
Er hat eine Saat in einen gelegt, die ein Leben lang aufgeht.
Chris Flor
1:24:33–1:24:35
Kann ich jetzt auch noch mal wieder einen Schritt zurückgehen und sagen,
1:24:35–1:24:41
ja, ich glaube, dass es gerade eine Wende gibt in Horror.
1:24:41–1:24:47
Also Body-Horror ja mehr, aber halt eben auch weg von diesem High-Horror hört man ja auch dazu.
1:24:47–1:24:51
So einer, eher so einer, also ich finde den Film halt deswegen,
1:24:51–1:24:54
der fängt irgendwie so als so ein Thriller oder sowas an, wird dann halt eben
1:24:54–1:24:59
dann am Ende wirklich dieses Hexenmärchen, das dann halt auch dann aufgelöst
1:24:59–1:25:01
wird und sehr befriedigend aufgelöst wird.
1:25:01–1:25:04
Das ist, ja stimmt, dass am Ende eigentlich eine,
1:25:05–1:25:09
ein bisschen eine Ambivalenz halt komplett verschwindet, die aber halt in den,
1:25:10–1:25:14
also es gibt noch für uns Möglichkeiten, das so zu interpretieren,
1:25:14–1:25:16
was wir dann halt auch gemacht haben mit Generationen und so weiter.
1:25:17–1:25:23
Aber am Ende wird das dann halt natürlich schon alles schön zerfetzt,
1:25:23–1:25:25
dann am Ende und alles ist gut.
1:25:25–1:25:29
Dass das eben absichtlich gelöst wird, einfach absichtlich aufgelöst wird.
Florian Clauß
1:25:29–1:25:33
Ja, also, ja, ich glaube, das ist auch das, was mich bei dem Film stört,
1:25:33–1:25:38
der, also, weil der so gut ausgeht und weil er so rund ist dann am Ende,
1:25:38–1:25:41
aber gleichzeitig, das ist, was mich am meisten, also ein Bild,
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was mich dann halt wirklich am meisten dann halt so in diesem,
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Angstzustand versetzt hat oder in diesem Verwirrungszustand,
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das war dieser Traum von dem Vater, von dem einen, der dann halt irgendwie diese
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ganzen diese ganzen Linien gezeichnet hat und drauf gekommen ist,
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dass alles in diesem Haus zusammenläuft.
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Er hat eine Traumsequenz, wo er auf dieses Haus zugeht und über diesem Haus
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das öffnet sich dann halt so in seinem Traum, ist halt so ein Riesen,
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so wie eine 3D-Animation,
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so ein Riesenmaschinengewehr und es leuchtet diese 3.19, also die Uhrzeit auf,
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wo die Kinder verschwinden.
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Das hat mich total verwirrt. Das war wirklich so, hä, was passiert jetzt gerade?
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Und der hatte so tolle Momente, dieser Film,
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die mich dann wieder an Ari Aster oder diese ganze neue Regie-Generation von
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Horrorfilmern, die jetzt so gerade die Filme drehen.
1:26:35–1:26:38
Und Cracker gehört ja auch mit dazu, auf jeden Fall.
1:26:38–1:26:42
Aber das hat es nicht so richtig ausgezahlt am Ende.
Chris Flor
1:26:43–1:26:46
Im Guardian stand eine Besprechung von dem Film. Da wurde gesagt,
1:26:46–1:26:51
vielleicht hat Weapons keinen tieferen Sinn, aber das ist okay.
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Und das glaube ich fast auch. Also ich finde es aber auch in Ordnung.
1:26:55–1:26:57
Also es ist schon allerhand irgendwie drin.
1:26:58–1:27:00
Man kann darüber nachdenken und so weiter. Aber es ist dann schon,
1:27:01–1:27:04
also es ist jetzt nicht eben wie halt Substance,
1:27:04–1:27:07
es ist halt, die Komplexität ist in der Art, wie es erzählt wird,
1:27:07–1:27:12
die Komplexität ist, wie auch das Erwartungen geschürt werden und dann enttäuscht
1:27:12–1:27:15
werden und dann aber am Ende dann geschürt werden und erfüllt werden.
1:27:15–1:27:18
Irgendwie, man denkt, natürlich hatte ich auch gedacht, oh je,
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vielleicht kommt nie raus, was da jetzt mit denen los ist, weil das Kind halt
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auch am Anfang sagt und die Kinder wurden nie wieder gesehen,
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dachte ich, um Gottes Willen, wird sich jetzt dieser Film nicht für mich auflösen.
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Und dann muss ich halt ehrlich sagen, war ich schon befriedigt,
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dass sich der Film am Ende auflöst, dass es alles rund geworden ist.
1:27:35–1:27:38
Wäre blöd zu sagen, es ist kein Stanley Kubrick, sowas möchte ich halt auch
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nicht sagen, aber ich möchte schon auch sagen, dass er halt in, also auch schon eben.
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Die meisten Leute, die den Film sehen, finden den super. Also wie damals Smells
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Like Teen Spirit war ein Song, den alle gut fanden.
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Und als der rauskam, dieser Film, alle, die sich angucken, finden den toll.
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Und das ist ja eine Leistung. Dafür, dass der halt so ein relativ low,
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also nicht low-budget, aber so ein mid-budget Film ist.
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Und ich finde, dafür ist der schon sehr gut. Dafür hat er eine sehr komplexe
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Erzählstruktur, sehr gute Schauspieler dabei.
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Ja, ist sehr lustig, ist sehr brutal für einen Film, der halt dermaßen erfolgreich
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ist. Aber ich habe den Titanen jetzt nicht gesehen, aber natürlich ist das kein
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Kunstfilm oder sowas mit dem, was sie hier zu tun haben.
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Es ist halt ein sehr gut gemachter Thriller und ein sehr überraschend gemachter Thriller.
Florian Clauß
1:28:27–1:28:32
Ja, ich glaube auch, er bietet dann für die amerikanische Durchschnittsgesellschaft
1:28:32–1:28:36
dann halt auch entsprechende Möglichkeiten, sich da reinzuhängen.
Chris Flor
1:28:36–1:28:41
Ja, also mit dem amerikanischen, das ist jetzt hier schon ein paar Mal aufgekommen.
1:28:41–1:28:43
Also wir müssen auch langsam mal zugeben.
Florian Clauß
1:28:45–1:28:49
Ich will noch mal eins dazu werfen, weil ich halt wirklich auch so jetzt kurz
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danach diesen Paddington, also diesen Film von Ari Aster, den habe ich auch
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gesehen und der ist ja irgendwie so ähnlich von der Stimmung her.
Chris Flor
1:28:57–1:28:58
Achso, den habe ich noch nicht gesehen.
Florian Clauß
1:28:58–1:29:04
Ja, der spielt halt irgendwie so in Neu-Mexiko oder in irgendeinem Wüstenbundesstaat.
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Und da geht es halt auch um den Zerfall von einer Stadt und an so mehreren Personen.
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Also ein bisschen Multiperspektive auch. Aber so ein bisschen dieses ...
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Diese Hexenjagd, die passiert, diese Versammlung in der Schule,
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wo die gegeneinander reden und so weiter.
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Also dieser Zerfall oder die Spaltung, wie man schon sagt, die Spaltung der
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Gesellschaft irgendwo auch dann mitmacht. Ja, gleichzeitig finde ich den aber auch sehr Comedy-haft.
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Also ich meine, die Figur des Junkies haben schon ein paar Mal laut gelacht,
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wie er schon in sein Zelt flüchtet und die Polizei anruft.
Chris Flor
1:29:41–1:29:44
Wenn er die Polizei anruft und dann vorher Crack geraut hat.
Florian Clauß
1:29:46–1:29:51
Also irgendwie hat er auch lustige Momente. Also er erzählt eine Geschichte,
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er spielt da mit und ist auf jeden Fall ein unterhaltsamer Film.
Chris Flor
1:29:54–1:29:57
Aber mit dem, ich finde es, mit diesem Amerikanisch wollte ich auch nochmal
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drauf eingehen, weil das wurde ja jetzt schon immer ein paar Mal gesagt,
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also wegen der amerikanischen Jugend,
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das Jugendkult und so weiter, amerikanische Schminke, Frauen,
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amerikanische Erwartungen und so weiter.
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Also ich würde sagen, ein Großteil der Menschen hier oder sowas haben das,
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waren ja auch noch nicht in New Mexico, der Amerikaner zum Beispiel,
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oder waren auch noch nicht.
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Also die Sache ist, ich glaube, man kann sich nicht so gemütlich in Deutschland
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hinsetzen und sagen, das ist Amerika, weil man ist ja mit genau den gleichen
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Filmen auf genau die gleiche Weise aufgewachsen.
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Man hat genau dieselben Erwartungen anerzogen bekommen durch diese amerikanischen
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Filme und das ist eigentlich,
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ich würde sagen, die amerikanische Kultur in dem Sinne bei solchen Filmen ist
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eigentlich so eine Hollywood-Kultur und damit halt eben eine,
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Mainstream-Filmkultur. Ich würde sagen, eher Hollywood, als dass ich Amerika
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sagen würde. Sagen wir mal so.
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Ich würde eher sagen, mit Hollywood würde ich nicht meinen, den Ort in Kalifornien,
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sondern mit Hollywood würde ich meinen, die Mythologien, die Kosmologien und
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so weiter, die halt da aufgebaut wurden über Jahrhunderte.
Florian Clauß
1:31:07–1:31:12
Ja gut, ja, natürlich. Das ist die Narration, die dann halt auch fast global ist.
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Wo dann halt, so kennen wir das eben, So sind die Geschichten, so werden sie erzählt.
Micz Flor
1:31:20–1:31:23
Bleiben wir mal beim Thema. Also ich finde es gut, das nochmal zu korrigieren.
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Aber Body Horror, wir haben jetzt über Altersvorsorge geredet,
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über Baked Beans, über Hollywood dürfen wir auch.
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Aber sollte ein Publikum hier drauf geklickt haben, wegen dem Body Horror Thema,
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das sollten wir nicht vergessen, finde ich.
Florian Clauß
1:31:38–1:31:39
Okay, Mitch, dann mal los.
Micz Flor
1:31:41–1:31:46
Nee, ich möchte das noch kurz abwickeln, Weil ich möchte einen Link machen zu
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unserer Folge 50, Carrying Comfort.
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Und da ist in den Shownotes nämlich ein Link drin auf Carrying Comfort in dem
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Omni-Magazin von 1983. Das ist eine Novelette von Dan Simmons.
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Und ich finde es so, so gute Horrorliteratur.
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Und es geht eben genau um diese Übernahme von anderen Körpern durch Menschen
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mit parapsychologischen, aber ich möchte gar nicht so viel sagen,
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aber wer Lust hat, da mal was zu lesen zu,
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es gibt eben diese Kurzgeschichte online, ist verlinkt in den Shownotes der Folge Nummer 50.
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Kann ich sehr empfehlen.
Florian Clauß
1:32:25–1:32:30
Okay, Body-Horror. Chris hat das ja in seiner Erzählung dann ab und zu eingesteuert.
Reinhard
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Ja, ich hatte noch einen Aspekt, den wollte ich hier kurz noch beitragen.
1:32:34–1:32:39
Und zwar, ich finde den Body-Horror eigentlich ja dann am intensivsten und am
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gruseligsten, wenn etwas mit Körpern passiert, die wir mit etwas komplett Unschuldigem verbinden.
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Und das ist ja ein Kind.
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Also Kinder, das hat mir in diesem Film auch gut gefallen, dass es Kinder sind,
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die sind ja sogar noch ganz jung, die sind ja gerade erst mal in der Grundschule,
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dass die zu Killermaschinen werden, das fand ich eine sehr gute Idee.
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Und das hat mich an einen Film erinnert, ich glaube, der ist noch aus den 70er-Jahren
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oder sogar aus den 60er-Jahren, wo so eine Gruppe von Kindern irgendwie,
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ich glaube, von Außerirdischen okkupiert wird.
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Und die haben dann so ganz seltsame Augen, schauen total intensiv.
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Ja, das fand ich wirklich ultra gruselig, weil das eben auch Kinder waren,
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mit denen wir das überhaupt nicht verbinden, das Böse, das abgrundtief Böse,
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das im Körper eines Kindes.
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Ich glaube, das ist sozusagen die schlimmste Form von Körperhorror,
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die überhaupt vorstellbar ist.
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Weiß jemand noch den Titel von diesem Film.
Chris Flor
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An den ich mich da erinnere? War es nicht Children of the Corn,
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war es nicht Kinder des Zorns.
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Ja, Kinder des Zorns. Ja, aber ich fand dann aber auch interessant,
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also die, man hatte ja auch, selbst bei diesem Film hatte man dann halt kurz
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gedacht, bei den Weapons,
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dass, man hat ja schon gesehen, dass diese Kinder den Alex dann halt auch so
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ein bisschen gebullied haben dann zu einem Zeitpunkt,
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dass die den halt irgendwie la la la hinter ihm her und ihn so ein bisschen
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geschubst und so weiter und ihn halt so fertig gemacht haben und dann hat man
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sich so gefragt, also ich habe mich jedenfalls gefragt, ach so,
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die Tante hat sich dann quasi für ihn eingesetzt und möchte ihn beschützen,
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habe ich dann da noch gedacht,
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dass sie deswegen sich an den Kindern gerecht hat oder so.
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Aber dem war halt dann überhaupt auch gar nicht so. Also das geht aber eben
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nochmal in diese Sache von wegen Unschuld, gibt es das unschuldige Kind irgendwie
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oder sind Kinder grausam an und für sich oder also der Vater von,
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diesem, ich weiß jetzt gar nicht mehr, wie er heißt, also Julian oder sowas
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hieß, glaube ich, der Sohn von dem Archer.
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Also für den Vater war das natürlich so ein ganz unschuldiges,
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nettes Kind, aber man hat gesehen, dass er eigentlich schon auch so gemein war.
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Also er war halt auch schon in seiner eigenen, in seinem täglichen Miteinander
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mit den anderen Kindern war er halt schon auch so ein bisschen so Bulli-mäßig
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drauf gegenüber diesem Alex.
Florian Clauß
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Ich wollte die Quelle erwähnen, auf die viele Filme und Geschichten und so weiter
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zurückgehen, nämlich unsere griechische Mythologie.
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Die ja irgendwo auch ein unerschöpflicher Geschichtenvorrat birgt.
Micz Flor
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Ich fand das auch einen typisch griechischen Film. Also ich habe den nicht als
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amerikanischen wahrgenommen.
Florian Clauß
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Meine Frage wäre, was würdet ihr denn, also dieser Plotpoint am Ende...
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Wo Alex dann quasi die ganzen Kinder gegen die Hexe richtet.
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Was würdet ihr da für eine mythologische Sage dann sehen können?
Reinhard
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Hänsel und Gretel doch, durchaus.
Florian Clauß
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Hänsel und Gretel. Aber das ist nicht die Antike.
Micz Flor
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Hänsel und Gretel.
Florian Clauß
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Der Plotpoint ist ja dann an der Stelle, dass quasi die Waffe,
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die die Hexe bisher genutzt hat, gegen sich selber gerichtet wird.
Chris Flor
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Ah, Medusa, wo dann das Schild vorgehalten wird und es spiegelt sich.
Florian Clauß
1:36:01–1:36:03
Das ist genau, ich habe auch an Medusa gedacht.
Micz Flor
1:36:03–1:36:06
So muss das die richtige Antwort sein.
Chris Flor
1:36:09–1:36:11
Ja, stimmt, also eben die Hexe halt eben.
Florian Clauß
1:36:12–1:36:12
Okay.
Chris Flor
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Aber die Medusa konnte ja auch nichts dafür.
Florian Clauß
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Nee, die sind so von Natur aus, die können nichts anderes.
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Ja, also würde ich sagen, an dem Punkt Mitch hat schon vorgeschlagen,
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dass wir ja, haben uns vier Filme vorgenommen.
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Zwei pro Folge, ja, dass wir jetzt an dieser Stelle einen Cut machen und dann
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für nächste Folge uns zwei anderen vornehmen, nämlich The Substance und Together.
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Die passen, glaube ich, auch ganz gut zusammen.
1:36:45–1:36:51
Tatsächlich muss auch Chris weiter, der ist uns ja aus Berkeley zugeschaltet, ja.
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Und jetzt ist es früh morgens, also schon jetzt dein Vormittag vorbei, oder?
Chris Flor
1:36:57–1:36:58
Ja, ja.
Florian Clauß
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Chris, du hast auch gefrühstückt, das hat man teilweise gehört.
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Die Schale von Zeralien, die immer geklackert hat.
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Das Hühnchen im Hintergrund.
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Da würde ich sagen, machen wir erst mal einen Punkt. Vielen Dank in die Runde.
Micz Flor
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Genau, bei dem zweiten Teil abschließend auch nochmal über,
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Lacan sprechen, über auch diesen Begriff des Ekels, was Flo ganz am Anfang besprochen hat.
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Das Bodyhorror und Ekel und diese Grenzerfahrung und was austritt und eintritt
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in den Körper, darüber wollte ich dann auch noch ein bisschen mit Christevas
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Begriff des Objekts was vorstellen.
Florian Clauß
1:37:39–1:37:43
Ja, stimmt. Und ich hatte tatsächlich auch schon mir als kleine Aufgabe gesetzt,
1:37:44–1:37:49
Substance nach der Lesart von Lacan zu interpretieren. weil das geht super auf.
1:37:50–1:37:53
Ich meine, und der Kau kann man überall draufwerfen, habe ich dann festgestellt.
1:37:54–1:37:57
Okay, dann würde ich sagen, vielen Dank. Ja, genau, vielen Dank,
1:37:57–1:38:00
Chris, vielen Dank, Reinhardt und natürlich auch Mitch.
1:38:01–1:38:07
Das war jetzt eigentlich Podcast-Episode 89 und ich wollte schon sagen,
1:38:07–1:38:11
die Strecke, die wir langgegangen sind, aber wir sind keine Strecke langgegangen,
1:38:11–1:38:14
müssen wir überlegen, was wir da als Track nehmen.
1:38:14–1:38:20
Normalerweise bebildern wir auf unserer Netzseite immer. aber welche Laufroute
1:38:20–1:38:23
wir hatten, haben wir nicht. Machen wir was anderes.
1:38:23–1:38:29
Aber ihr könnt unter eigentlich-podcast.de Shownotes nochmal zu diesen Themen
1:38:29–1:38:33
finden, die Filme, die wir besprochen haben und noch ein paar andere Informationen.
1:38:34–1:38:38
Wir bereiten da jede Folge nochmal recht viel textuell auf.
1:38:39–1:38:45
Ja, dann würde ich sagen, macht's gut und bis in 14 Tagen, wenn dann Body Horror
1:38:45–1:38:47
weitergeht. Bis dahin. Ciao.
Micz Flor
1:38:47–1:38:48
Tschüss.
Reinhard
1:38:48–1:38:48
Ciao.

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"Ein Ersatz für die Hypnose ist bisher nicht gefunden worden" -- Sigmund Freud, Die endliche und die unendliche Analyse, in: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Band 23 (1937), Heft 2, Seite 221.

Wir sprechen über Sigmund Freud und den Film „Outsider. Freud“ direkt, nachdem wir das dokumentarische Filmessay im Moviemento gesehen haben. Der Film interessiert sich weniger für die bekannten Theorien und Meinungen rund um Psychoanalyse, sondern für die inneren Widersprüche, das biografische Einbetten und die visuelle Übersetzbarkeit der Theorien. Mit Briefauszügen, Interviews und historischem Material sowie mit einer traumartigen Bildsprache nähert sich der Film dem Menschen Freud. Als ungeplante dritte Folge zu den Eigentlich-Podcast Episoden 78 und 80, stellen wir gegen Ende Jungs "Das Rote Buch" und Freuds "Die Traumdeutung" nebeneinander. Regisseur Yair Qedar hat in Animationen ungedeutete Träume Freuds vorgestellt. Archivaufnahmen stellen Bezüge zwischen Innenwelt und Zeitgeschichte her. Ganz besonders ist die Rekonstruktion von Freuds Behandlungsraum in Wien anhand von über hundert Detailfotos.

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

0:00:00–0:00:05
Ich gucke, ich müsste schon am Rekottern sein.
0:00:09–0:00:11
Sag ein Wort.
0:00:11–0:00:12
Ein Wort.
0:00:12–0:00:14
Ein Wort, ein Ausschlag.
0:00:15–0:00:19
Ein Ausschlag. Ein Mann, ein Wort, ein Ausschlag.
0:00:22–0:00:27
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast. Und wir kommen gerade
0:00:27–0:00:33
aus dem Kino, aus dem Movimento und sind hier am Cottbusser Damm und laufen
0:00:33–0:00:36
jetzt Richtung Westen, hast du dir gewünscht.
0:00:37–0:00:41
Einfach mal quer Richtung Westen. Wir kreuzen einige von unseren Touren.
0:00:41–0:00:46
Wir sind der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:47–0:00:51
Und wir haben uns gerade einen Film angeguckt und über den wollen wir jetzt reden.
0:00:51–0:00:55
Ja, einen kurzen Film, 66 Minuten im Movimento.
0:00:57–0:01:04
Outsiders, also wie wir gelernt haben, der Regisseur war anwesend. Eine Serie von Filmen.
0:01:07–0:01:09
Und dieser war überfreut.
0:01:09–0:01:16
Über Freud genau, er selber ist Israeli und hat in der Serie sein 19.
0:01:16–0:01:26
Biopic und er macht dann über jüdische Figuren in der Geschichte,
0:01:26–0:01:31
macht er dann seine Dokumentarfilme und hat auch schon einen über Karl Marx
0:01:31–0:01:34
gemacht und jetzt eben über Freud, Outsider.
0:01:34–0:01:40
Ja, und der Film war in vier Kapitel aufgeteilt.
0:01:41–0:01:44
Ich überlege, ob ich die jetzt aus dem Kopf zusammenbekomme.
0:01:44–0:01:47
Das erste Kapitel, Being Jewel, war das, ne?
0:01:47–0:01:51
Ja, Being Jewish oder, wie er später gesagt hat, Outliving Jewishness und der
0:01:51–0:01:53
Art, also dass er sich davon befreit hat.
0:01:55–0:02:00
Aber auch vor dem Hintergrund meinte er, das hat er zum Schluss nochmal gesagt,
0:02:00–0:02:06
das freut ja in dem antisemitischen teil europas in der antisemitischen zeit
0:02:06–0:02:11
europas gelebt hat in wien das sind nicht meine worte das waren die worte des
0:02:11–0:02:18
filmemachers und das war das erste kapitel und das geht quasi dann bis,
0:02:20–0:02:23
Zum Tod des Vaters, das ist quasi das zweite Kapitel, der Tod des Vaters.
0:02:24–0:02:26
Ja, Becoming Freud hieß das, glaube ich.
0:02:26–0:02:26
Ja.
0:02:26–0:02:28
Oder Freud ist Becoming Freud.
0:02:28–0:02:30
Da habe ich den Titel gar nicht gesehen, ich habe den ersten Drittel.
0:02:30–0:02:33
Nein, das kam irgendwann zwischendrin eingeblendet.
0:02:33–0:02:33
Ah, okay.
0:02:33–0:02:36
Und das dritte Kapitel war?
0:02:36–0:02:43
Love and Death, also der Tod seiner Tochter und seines Enkelkindes.
0:02:43–0:02:49
Und auch die Krebsdiagnose von ihm 1923, wo er seinen eigenen Tod quasi schon
0:02:49–0:02:56
so testamentarisch dann festgeschrieben oder mit seinem Hausarzt besprochen hat.
0:02:56–0:03:03
Und das vierte Kapitel war dann Exel, ging quasi 1938, als er dann...
0:03:03–0:03:06
Exel, ja. Und sein eigener Tod dann.
0:03:06–0:03:10
Also das war, glaube ich, das war, so hat er es dann zumindest nochmal paraphrasiert,
0:03:10–0:03:20
aber das war das Exil und dann eben 1939 auch der Wunsch, diese Sterbehilfe zu bekommen.
0:03:20–0:03:24
Also der Arzt hat dann wohl eben zuerst was gegen den Schmerzen gegeben und
0:03:24–0:03:30
dann später nochmal eine Überdosis an Schmerz, Painkillers und nach drei Tagen
0:03:30–0:03:32
Koma ist Freude dann gestoppt.
0:03:33–0:03:38
War dir das, also anders, ich meine,
0:03:38–0:03:48
du hast dich aufgrund deiner Profession ja schon intensiv mit der Theorie von
0:03:48–0:03:50
Freud auseinandergesetzt.
0:03:51–0:03:52
Was war jetzt neu für dich?
0:03:54–0:04:00
Ja, ich hatte so ein bisschen gehofft und ich glaube, das klappt auch,
0:04:00–0:04:04
dass es so wie so ein dritter Teil wird zu diesen zwei Teilen,
0:04:04–0:04:07
die eigentlich eine Episode über C.G.
0:04:07–0:04:11
Jung werden sollten und dann kam aber dieser Split am höchsten Punkt unserer
0:04:11–0:04:16
Tour damals, wo ich dann gleich diesen zweiten Teil über die Chaos-Magie und
0:04:16–0:04:19
Magie in der Psychotherapie und so.
0:04:20–0:04:26
Und da ging es ja immer wieder auch eben über das Rote Buch und über Jungs Biografie
0:04:26–0:04:28
darin, so psychosennahe Zustände.
0:04:28–0:04:33
Und ich dachte, von den Erzählungen, die ich bekommen habe, und das fand ich
0:04:33–0:04:38
ganz interessant, dass der Film auch bei uns im Institut, also er hat den auch
0:04:38–0:04:40
bei uns im Institut gezeigt.
0:04:40–0:04:40
Ach ja, okay.
0:04:40–0:04:45
Wir waren am Mittwochabend auch ein Kinoabend bei uns in der Bibliothek,
0:04:45–0:04:47
wo Freud natürlich auch als Statue steht, sondern das Kleine.
0:04:48–0:04:52
Der gehört natürlich in jedes Psychodynamische Institut. Neben vielen anderen
0:04:52–0:04:54
Sachen, auch Vasen, Antik und so weiter steht der.
0:04:54–0:04:59
Er hat ja auch viele von diesen Figuren gesammelt, archäologischen Stücken.
0:05:00–0:05:05
Und ich fand das auch interessant, dass das wohl auch in seinem Therapiesprechzimmer so ausgestellt war.
0:05:05–0:05:11
Ja, und das ist bei uns im Institut auch so. Also da gibt es überall Artefakte oder Inspirationen.
0:05:12–0:05:18
Die Idee dahinter ist schon, dass natürlich das Unbewusste, das dort und damals,
0:05:19–0:05:24
aber auch im Hier und Jetzt, dass das eben auch irgendwie erreicht oder animiert werden kann durch...
0:05:28–0:05:32
Wie die Research, jetzt bin ich halb in diesem Englisch drin,
0:05:33–0:05:40
aber die Forscherin aus dem Wiener Freud Museum, die meinte,
0:05:40–0:05:43
wenn Leute in diesen Raum gingen,
0:05:44–0:05:49
dann war das so eine Passage hinein in so einen Tunnel, also durch so einen
0:05:49–0:05:52
Tunnel irgendwie in so einen Raum, der dunkelrot war.
0:05:52–0:05:57
Und da sagte sie, von überall schauten die Leute an, also diese Gesichter.
0:05:58–0:06:04
Das fand ich auch bemerkenswert, darüber wollte ich auch mit dir reden,
0:06:04–0:06:07
also inwieweit quasi in dieser Theorie,
0:06:07–0:06:13
in dieser Psychotherapie, dann quasi der Initiationsraum, Sprechzimmer,
0:06:14–0:06:16
irgendwie was Okkultes bekommt.
0:06:16–0:06:23
Ja, du merkst schon, warum das so eine Andockung ist an quasi die letzten beiden, die ich hatte.
0:06:24–0:06:28
Und es genau darum geht. Also was sind eben auch magische Momente.
0:06:29–0:06:32
Aber was ich sagen wollte, warum ich denke, dass es ein gutes Match ist,
0:06:32–0:06:37
war von den Erzählungen, die ich darüber bekommen habe, dass es halt weniger versucht hat,
0:06:37–0:06:41
von innen heraus die Theorie zu erklären und historisch einzuhalten,
0:06:41–0:06:47
sondern eher so ein bisschen auf Abwägen Freud über eine Biografie oder als
0:06:47–0:06:48
Mensch irgendwie darstellt.
0:06:48–0:06:53
Und ich fand auch, dass das ganz gut gelungen ist. Wir haben nicht viel über
0:06:53–0:07:00
Freuds Theorieentwicklung, Theoriegebäude, Veränderung.
0:07:00–0:07:04
Zum Beispiel dieses Kapitel 3, Love and Death, also der Tod seiner Tochter,
0:07:04–0:07:07
wird oft biografisch damit assoziiert,
0:07:07–0:07:11
mit seinen Schriften über Jenseits des Lustprinzips, wo er zum ersten Mal auch
0:07:11–0:07:18
den Todestrieb benannt hat oder in sein Theoriegebäude mit eingebaut hat.
0:07:18–0:07:22
Ja dass es motiviert war eben auch von den von den erfahrungen die er selber
0:07:22–0:07:26
dann hatte nach dem tod seiner tochter solche sachen waren jetzt nicht nur im
0:07:26–0:07:30
film sondern es ging wirklich eher darum dass man irgendwie freut noch mal anders
0:07:30–0:07:34
erlebt und dann auch die uhr.
0:07:35–0:07:44
Groß nicht oder wie auch immer von der Part, die auch als Sponsorin von Freuds
0:07:44–0:07:48
Arbeit scheinbar, so wurde das jetzt zumindest nur gesagt, wenn ich später tätig war,
0:07:48–0:07:51
die eine sehr große Rolle gespielt hat, weil die irgendwie auch sich scheinbar
0:07:51–0:07:58
so ein bisschen mit ihrer Forschenart über Freuds Wünsche so entweggesetzt hat.
0:07:58–0:08:02
Dass er irgendwie, als sie dann aus Wien geflohen sind, dass er nichts mitnehmen
0:08:02–0:08:05
wollte und sie dann doch aber noch irgendwie aus dem Papier kommt und aus dem
0:08:05–0:08:06
Schubladenzeug mitgenommen hat.
0:08:06–0:08:12
Die war da irgendwie relativ dominant in dem Film und weniger eben außer zwei, drei Fotos.
0:08:12–0:08:16
Eins davon hat auch dieses große Schwarz-Weiß-Foto, hast du vielleicht gesehen,
0:08:16–0:08:24
war auch Freud sichtbar in der Mitte und drumherum. Direkt rechts neben ihm von uns gesehen war C.G.
0:08:24–0:08:33
Jung, der damals eben noch als Ziehsohn irgendwie das übernehmen sollte.
0:08:33–0:08:37
Und der aber halt gleichzeitig auch so ein Vaterthema hatte mit Freud,
0:08:37–0:08:43
den er als, also später dann hat er vom Thron gestoßen, auch in der Nazizeit,
0:08:43–0:08:46
dann über die jüdische Psychoanalyse geschrieben und so.
0:08:46–0:08:51
Aber vorher war er halt so in awe, würde man im Englischen sagen.
0:08:51–0:08:55
Aber er war halt größer als Freud. Und bei dem Foto sieht man das so schön,
0:08:55–0:08:59
wie er sich so klein gemacht hat. Man sieht richtig so, wie er in die Hocke
0:08:59–0:09:02
gegangen ist, damit er kleiner ist und es freut. Und er steht direkt neben ihm.
0:09:03–0:09:08
Ja, stimmt, das habe ich auch gelesen, dass Jung sich dann eben auch als der
0:09:08–0:09:18
90 Jahre jüngere Theoretiker sich dann auch immer klein gemacht hat und sich so...
0:09:18–0:09:19
Ja, wirklich körperlich klein gemacht hat.
0:09:19–0:09:23
Ja, und dann auch wirklich in die Knie, ja, ich glaube, Freud war so eins...
0:09:24–0:09:29
1,76 groß und jung war 1,88 damals sehr groß.
0:09:30–0:09:33
Du hast es wieder gut recherchiert, das ist super. Mit dir kann man über alles
0:09:33–0:09:35
reden, das habe ich schon gesagt. So müsste der Podcast heißen.
0:09:36–0:09:37
Das Lustige ist, dass halt...
0:09:37–0:09:41
Du sagst, mit mir kann man über alles reden. Mit mir?
0:09:41–0:09:45
Ja, aber das Lustige ist halt wirklich so, auch diese ganzen Facts am Anfang,
0:09:46–0:09:54
die kommen, wenn man sich damit so beschäftigt, kommen diese Informationen relativ schnell.
0:09:54–0:09:59
Also das, ich muss überlegen, was war denn diese, jetzt habe ich es natürlich
0:09:59–0:10:05
vergessen, aber es gab so wirklich Haken, Haken, ja, ja, genau das.
0:10:05–0:10:09
Ja, das war das, nämlich, dass er ein eigenes Zimmer hatte,
0:10:10–0:10:14
ja, dass er dann halt auch so in der jüdischen Kultur, also quasi eher als so
0:10:14–0:10:18
ein kleiner Patriarch dann halt auch behandelt wurde, dass er so ein Genius
0:10:18–0:10:22
war, dass er halt wirklich super viel gelesen hat,
0:10:22–0:10:26
auch als Kind dauert nur gelesen und das alles, was ihn dann irgendwie stören
0:10:26–0:10:28
könnte, wurde dann halt auch entfernt.
0:10:28–0:10:32
Also seine Schwester hat dann angefangen Klavier zu spielen und er hat sich
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dann darüber beschwert.
0:10:33–0:10:37
Er hatte keine Lust, aber er konnte sich dann nicht mehr konzentrieren und daraufhin
0:10:37–0:10:38
verschwand das Klavier.
0:10:38–0:10:44
Also es war alles so wünscherfüllend, was er dann halt irgendwie auch gesagt hat und,
0:10:45–0:10:51
Das fand ich ja noch mal so ganz interessant. Aber da kommt man ziemlich schnell drauf.
0:10:53–0:10:57
Ja, und das waren ja dann Sachen, zumindest der Regisseur und Schreiber des
0:10:57–0:11:02
Films, der meinte, gerade diese frühkindlichen biografischen Daten kommen eigentlich
0:11:02–0:11:04
von Freud, also von Freud über Freud.
0:11:06–0:11:10
Ich wollte noch einen Punkt einhaken, weil es auch gerade gepasst hat.
0:11:10–0:11:14
Marie Bonaparte, die du auch eben schon vorgestellt hast. Und das fand ich total
0:11:14–0:11:20
spannend. Nämlich, dass dieses ganz persönliche, intime Filmmaterial von Freud
0:11:20–0:11:23
ist dann von Marie Bonaparte aufgenommen worden.
0:11:23–0:11:27
Und diese Archive, das war das Making-of, was der Regisseur jetzt auch im Anschluss
0:11:27–0:11:31
mal so erzählt hat, die Archive haben sich erst vor zwei oder drei Jahren geöffnet
0:11:31–0:11:34
und die haben das dann digitalisiert.
0:11:34–0:11:37
Und das heißt, er konnte das in seinem Film dann auch mit einbauen und damit
0:11:37–0:11:40
auch eine Geschichte erzählen, die vorher so noch nicht erzählt wurde.
0:11:40–0:11:46
Ja, und das andere war dann dieses andere Filmarchiv, was er dann halt auch
0:11:46–0:11:51
teilweise, wo er Ausschnitte gezeigt hat, die so schon sehr surreal waren teilweise.
0:11:51–0:11:56
Die waren ganz toll. Also wie dann ein Hund zum Beispiel seine eigene Pfote im Maul hält.
0:11:56–0:11:59
Das waren so ein bisschen eben diese frühen, was man jetzt schon langsam vermisst,
0:11:59–0:12:04
diese frühen KI-Videos, wo der Hund über die Straße läuft, super fotorealistisch,
0:12:04–0:12:06
aber auf einmal die Beine irgendwie abhauen.
0:12:07–0:12:10
Ich habe das neulich gedacht, nachdem es diese neue KI-Welle durchkommt,
0:12:10–0:12:11
wo alles auf einmal funktioniert.
0:12:12–0:12:16
Und das ist auch erstaunlich, aber mir fehlt es schon, diese ganzen Räder.
0:12:16–0:12:22
Das Artefakt ist so ein bisschen wie bei Real Media damals, bei der schlechten
0:12:22–0:12:24
Streaming-Qualität, dass man immer dieses Rauschen gehört hat.
0:12:25–0:12:27
Ja, wir haben uns ja auch ewig viele Sachen hin und her geschickt.
0:12:27–0:12:30
Ja, genau, wir haben es ja immer wirklich so ausgestellt.
0:12:30–0:12:31
Dieses Unheimliche da drin.
0:12:31–0:12:35
Oder die JPEG-Kompression, die dann so größer verpixelt war.
0:12:36–0:12:41
Zum zweiten Jahrestag von unserem Podcast,
0:12:41–0:12:48
als wir die Folge aufgenommen haben über Stanislav Lem Solaris,
0:12:48–0:12:51
wie beschrieben wird, wie dieses Riesenbaby da so komisch rauskommt.
0:12:53–0:12:57
So als ob es experimentiert, was man mit so einer Form machen könnte.
0:12:57–0:12:59
Da hatten wir auch über diese KI, das war genau mitten in der Zeit,
0:13:00–0:13:05
wo KI einfach spannend war vor dem Hintergrund, dass man dauernd erschreckt
0:13:05–0:13:07
war für etwas, was einem so vertraut ist, aber gleichzeitig so,
0:13:08–0:13:10
es war immer Horror drin.
0:13:10–0:13:14
Es ist ja auch tatsächlich so ein Referenzmem, was du auch öfters erwähnt hast.
0:13:15–0:13:19
Will Smith is eating spaghetti. Das wird ja jetzt auch immer so als Test für
0:13:19–0:13:23
eine neue Videoengine. dann wird dann halt immer, wie sieht das aus,
0:13:23–0:13:25
wenn Will Smith Spaghetti isst.
0:13:26–0:13:29
Und das ist natürlich sehr schwierig darzustellen, weil natürlich Spaghetti,
0:13:30–0:13:33
das Essen, der Mund, die ganzen Fasern, die Oberfläche und so weiter.
0:13:34–0:13:37
Und das war ja so, dass der Kiefer dann halt von Will Smith dann in den ersten,
0:13:37–0:13:42
war dann unkenntlich und es hat sich dann mit den Spaghetti zusammen verschmolzen.
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Und jetzt wird es halt immer klarer, immer definierter.
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Und ja, das war als Aufgabe dafür.
0:13:47–0:13:51
In der Autoindustrie gab es immer diesen Elch-Test aus Skandinavien.
0:13:52–0:13:55
Wenn ein Elch direkt auf die Straße läuft aus dem Wald und du musst halt das
0:13:55–0:14:00
Lenkrad rumreißen, fällt dann das Auto auf die Seite. Das war wirklich so ein Autotest.
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Die A-Klasse von Mercedes hat das ja nicht bestanden. Das traditionelle Elch.
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Und jetzt ist der Evo Smith-Eating-Spaghetti-Test.
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Ja, da gibt es einige Tests, da gibt es einige.
0:14:14–0:14:15
Wir kommen jetzt zurück mal zu dem Film.
0:14:15–0:14:20
Genau, diese Fragmente, wir waren ja gerade bei diesem Filmarchiv,
0:14:20–0:14:23
diese Fragmente, da gab es auch nochmal das andere, wo das,
0:14:24–0:14:29
du siehst einen Radfahrer, wie er ein großes Rad auf den Rücken geschnallt hat,
0:14:29–0:14:34
in dem auch nochmal ein Rad quasi fährt, ein Rad in Rad. Also es waren echt tolle, tolle Sachen.
0:14:34–0:14:38
Oder zwei so nackte Squaw-Spieler, halbnackte Squaw-Spieler.
0:14:38–0:14:42
Alle so in den frühen Stumpfilenzeiten, würde ich jetzt mal so datieren.
0:14:43–0:14:45
Ja, also es war auch irgendwie zeitlos.
0:14:45–0:14:51
Weil man hat eben diese Folie von diesen KI-generierten Filmen und dann kann es auch jetzt sein.
0:14:52–0:14:55
Genau, das ist halt das Verrückte daran. Also als er den Film gemacht hat,
0:14:55–0:14:57
waren das halt noch so Funde und jetzt hätte man die...
0:14:58–0:15:01
Können und könnte es nicht mehr auseinander halten. Aber es waren auf alle Fälle
0:15:01–0:15:04
alles schon Dokumente, die wussten, wie Film funktioniert.
0:15:04–0:15:08
Also du hast gemerkt, die Badminton-Spieler, die haben in die Kamera geguckt,
0:15:08–0:15:10
die haben irgendwie gewusst, jetzt geht's los, die haben gewartet,
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dass jemand was sagt, aber auch die Radfahrer fahren halt vor der Kamera.
0:15:13–0:15:16
Also diese, es gab schon so ein Gewahrsein um die Kameras, weil es nicht so,
0:15:17–0:15:20
als ob jemand irgendwo dieses komische Ding in der Straße hinhält und keiner
0:15:20–0:15:26
reagiert auf das Objekt, sondern dieses gefilmt werden war schon in der Welt.
0:15:27–0:15:31
Ja, das ist wahrscheinlich so wie bei Civil War dann auch diese Brownie besprochen
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hat, wo das diese Kamera, die sich jeder leisten konnte,
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also keine Filmkamera, sondern eine Snapshot-Kamera und es so präsent war,
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dass du zum ersten Mal auch so private Aufnahmen dann in Masse hast, ja.
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Aber das private Aufnahmen können die Brücke zu Marie Bonaparte.
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Das war jetzt die CG-Sache. Ich würde nochmal ganz kurz in den Raum gehen,
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Behandlungsraum, den wir ganz am Anfang schon besprochen haben,
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wo der Filmemacher auch erzählt hat, dass sie ein Archiv hatten von 180 Fotos,
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die jemand gemacht hat, bevor die Nazis alles ausgeräumt haben und bevor der
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Raum quasi verändert wurde,
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gab es ganz detailliert wohl Fotos von allen Dingen in diesem Raum,
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die sie aneinandergelegt haben und dann haben die das nachkreiert und wenn ich
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ihn richtig verstanden habe, war das keine,
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CGI-Sache, sondern die haben das wirklich als Modell nachgebaut?
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Oder wie hast du das verstanden?
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Ich habe es so verstanden, dass es keine ähm ja, das ist, also er meinte keine CGI, also keine AI.
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Meinte er AI?
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Ich bin mir nicht sicher, weil es sah ja schon so aus, nee, es war schon wahrscheinlich
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wirklich handgefertigt, dass die aus analogen Schnipzeln das zusammengebaut
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haben, jetzt nicht das digital nachgerendert haben.
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Es gab so Kamerafahrten drin, wo man schon das Gefühl hatte.
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Also ich hatte schon so ein CGI-Gefühl, aber es war, fand ich,
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so ein bisschen die KI-Frage ist ja, wie kommt das Neue in die Welt?
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Also wenn man aus dem Vergangenen Dinge zusammenfügt, kann wirklich das Neue in die Welt kommen?
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Und in dem Moment war es so, kann das Alte nochmal in die Welt kommen?
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Das fand ich irgendwie eigentlich, da habe ich mich so darauf gefreut, dass er es erzählt hat.
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Wir haben diesen ganzen Raum nachgestellt und das wurde ja dann wirklich auch
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so ein bisschen nochmal besprochen.
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Und das hast du vorhin gesagt, diese Passage in diese Höhle von Freud,
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in den Behandlungsraum, dass das einfach auch schon eine Wirkung hat.
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Das ist auch dann, obwohl er einerseits natürlich eine Augenhöhe hergestellt
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hat und das Sprechen, die Redekur,
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wirklich auch darüber funktionieren sollte, dass man eben diese klassischen
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hemmenden Hierarchien zwischen,
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dem weißen autoritären Arzt, also im weißen Kittel und dem Patienten oder Patientin,
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die eh nichts wissen, also das abzubauen und ins Gespräch zu kommen, auf der einen Seite.
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Aber auf der anderen Seite dann schon so eine opulente Höhle für diesen Raum
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zu schaffen, war ja auch wieder schon auch ein Statement. Das hat ja schon eine Macht eigentlich.
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Ja, ja, ich meine, klar, er hat ja quasi, also ich weiß es nicht genau,
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da musst du mich wahrscheinlich korrigieren, Aber er hat ja das Ganze mehr oder
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weniger erfunden, so in der Form.
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Also das heißt, vorher gab es das ja noch nicht.
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Es gab ja schon so Therapien und so weiter. Aber dieses Framework,
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wie er das dann halt so initialisiert hat, das gab es ja so in der Form nicht.
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Er hat den ganzen Apparat geschaffen. Er hat die ganzen Tools,
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die Methoden dann auch erprobt. Und zum Beispiel in der ersten Phase hat er
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viel mit Gymnose gearbeitet, aber das dann auch nicht mehr weiterverfolgt.
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Und dann ging es auch eher in die Richtung, dass man dann halt irgendwie das,
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wie heißt es, befreiende Sprechen.
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Freie Assoziation.
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Freie Assoziation, also dass du halt dieses ständige Sprechen und teilweise
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gab es ja auch Körperkontakt, dass er dann die Hand auf die Stirn gelegt hat.
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Und eben, aber der Analytiker selber war jetzt recht, war ja nicht im Sichtfeld
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des Patienten, der Patientin oder des Patienten.
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Ja, also die Geschichte, ohne jetzt genau Jahreszahlen dazuwürfeln zu können,
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aber natürlich war es spätes 19.
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Jahrhundert und dann auch was in der Physik. Wir haben Oppenheimer besprochen,
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die Leute, die sich da alle um das Manhattan-Projekt gesammelt haben.
0:19:44–0:19:52
Also diese neuen Wissenschaftsaufbrüche, spätes 1900, Anfang 20.
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Und da war es so das Freud mit Chacot in Paris, im Saint-Péthier hieß es, glaube ich.
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Davor gab es Mesmerismus, kennt man heute auch noch, Mesmerizing sagt man im Englisch noch,
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das ist sozusagen hypnotisierend oder bindend, der hat über so einen Magnetismus
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gesprochen und da gab es einen Brunnen, Mesmer hat so einen Wasserbrunnen gemacht
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und da gab es eben Hypnose und das wurde alles so erforscht.
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Auch die Psychologie wurde immer mehr über Messinstrumente auch,
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verleitet, experimentell zu werden. Man hat dann einfach so Sachen gemacht,
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wenn man ein Stück glühende Kohle dreht und sie relativ schnell dreht,
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irgendwann sieht man einen Kreis.
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Und wenn ich einen Kreis sehe, dann heißt es ja, dass jetzt meine Augen,
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die einzelnen Punkte in meinen Augen, es nicht mehr schaffen,
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sich zu regenerieren, bevor sie wieder...
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Das heißt, man konnte anhand dieser Geschwindigkeit der Umdrehung,
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konnte man dann die Leitgeschwindigkeit von der Rhone im Auge messen.
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Das war so eine Aufbruchstimmung.
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Das ist ja genau dieser Trommelprojektor. Wenn du 24 Frames pro Sekunde überschreitest,
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ich glaube, ab 12 Frames pro Sekunde sieht man dann schließlich das Bild.
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Und dann gab es dieses Malteserkreuz. Dann wurden es 24.
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Es war ja sehr lustig, dass das mit coolen, weil das genau noch heuer war,
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wo die halt diese Wahrnehmungssachen dann halt so erforscht haben.
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Ja, und das war in dem Film ja auch kurz angesprochen, diese Phase mit Kokain.
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Freud wollte was finden, was so sein Ding wird. Vor allen Dingen in dem Moment,
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wo er wusste, er möchte diese Frau heiraten.
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Das war auch mein Lieblingsfoto von den beiden, wo sie die Hand so auf seiner
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Schulter hat. Und er guckt ja auch so off-camera.
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Aber irgendwie sind die beiden in dem Moment so, obwohl sie fürs Foto posieren,
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sind sie so sehr spürbar.
0:21:50–0:21:53
Das fand ich ganz schön. Martha.
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Martha, ja. Und die, die wollte halt irgendwas finden, irgendwas,
0:21:59–0:22:00
was ihn auch irgendwie rausbringt,
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Und deshalb ist er dann auch nach Frankreich, um das zu erforschen.
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Er wollte dann Hypnose, was ich auch probieren.
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Und er kam ja dann in die Klinik Saint-Péthier.
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Da kam er ja auch mit dieser ganzen Hysterie so in Kontakt.
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Das war die Klinik, wo die Hysterie, ich mache jetzt gerade Anführungsstriche
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in der Luft, behandelt wurde.
0:22:30–0:22:34
Also von dem Arzt, mit dem er zusammengearbeitet hat.
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Und dann war es wohl so, manche sagen, Freud war einfach nicht sehr gut mit
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Hypnose und deshalb musste er irgendwas anderes finden.
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Freud selbst hat halt gemerkt, er kann nicht alle Menschen hypnotisieren,
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die als PatientInnen bei ihm ankommen.
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Und hat dann irgendwann entdeckt, was ja auch dieser englische Psychoanalytiker
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so schön gesagt hat, so einfach Talking, Talking Works. Und das fand ich irgendwie
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auch, das finde ich immer wieder auch schon interessant.
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Das ist ja wirklich, wenn wir jetzt mal auf diese, es ist für viele einfach
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verblüffend, dass Sprache funktioniert.
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Sprache ein therapeutisches Mittel sein kann.
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Aber jeder wird sofort, Stichwort Mobbing, akzeptieren, dass Sprechen verletzen
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kann, traumatisieren kann.
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Das ist nicht nur in der Pädagogik so, das ist in der Jugendarbeit.
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Also, dass einfach man jetzt mit Internet nochmal anders einfach mit Worten
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auch Menschen wirklich verletzen kann, nachhaltig schädigen kann,
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die dann auch als Erwachsene immer noch Defizite in ihren Freiheiten erleben,
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weil sie von früher noch wissen, was sie sich nicht getraut haben und so.
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Das wird schon akzeptiert, aber die Tatsache, dass man damit auch heilen könne,
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das wird irgendwie nicht akzeptiert, ja, und...
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Und ich finde das aber total wichtig, weil wir natürlich bei der Sprache,
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es gibt ja auch dann eben diese, wir sind wieder bei KI, aber zwei KIs,
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die miteinander sprechen.
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Da habe ich dann neulich so ein Video gesehen, wo die miteinander sprechen.
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Als sie dann merken, dass sie beide KIs sind, dann beschleunigen sie das und
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machen halt irgendeinen anderen Code aus, damit sie sich unterhalten.
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Ich weiß nicht, ob das fiktiv war oder nicht.
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Ja, das war so gibberisch. Das war, glaube ich, auch nur so ein Standard,
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der dann halt so als Witz dann eingeführt wurde.
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Wahrscheinlich, ja.
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Ja, natürlich, da geht es um die ganzen Assistentensysteme, aber das wird ja
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jetzt dann irgendwann aufs Smartphone dann ausgerollt und das heißt,
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da muss halt nicht irgendwie deine KI eine menschliche Stimme simulieren,
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wenn sie halt einen Friseurtermin ausmacht, wenn auf der anderen Seite auch
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eben so ein System ist, deswegen bla.
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Aber die Abstraktion von diesen Wünschen, sage ich mal, eben auf die menschliche
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Stimme, das musste der erste Schritt sein.
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Nachhaltigerweise ist die menschliche Stimme, solange wir das irgendwie noch
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auf uns münzen, also humanistisch denken, alles was an Technik entwickelt wird.
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In dem Ted Chang, ein Artikel von Nature, den wir ja auch, und er hat ja auch
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mal zitiert, wo er dann schreibt, meinst du das offen hier?
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Wir machen jetzt hier nochmal einen kurzen Cut, weil wir sind jetzt am Südstern,
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sind die Diefenbachstraße dann runtergelaufen und jetzt am Südstern.
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Und hier gibt es nochmal so eine Referenz, wenn ich die nennen darf,
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zu deiner vorletzten oder der vorliegenden Folge.
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Abide with me. Hier ist ja das Berggräbnis dann, da hat das hier stattgefunden
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vor einiger Zeit. Und das war noch, A Bite With Me war ja dann...
0:25:33–0:25:40
Die Folge dazu entstanden aus den Auseinandersetzen, auch mit dem Lied.
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Genau, das Begebnis war dann ein paar Tage, nachdem du die Folge aufgenommen hast.
0:25:46–0:25:51
Und genau, wir gehen jetzt um den Friedhof rum, er ist nicht mehr auf.
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Ja, und das ist das erste Mal auch, dass du mir vorher die Tour geschickt hast.
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Du machst immer die schönen Touren für uns und hast mir geschickt,
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okay, Link auf Komoot, wo die dann rumliegen.
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Und ich habe so drauf geschaut und hatte zum ersten Mal so ein Bild,
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wo wir langlaufen. Das ist ganz interessant.
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Du hast ja gerade über die freie Assoziation gesprochen. Dann kommen wir gleich
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nochmal eben zurück, wo man nicht genau weiß, wo es lang geht.
0:26:14–0:26:17
Aber jetzt hatte ich so ein Bild vorher und das fand ich auch irgendwie interessant,
0:26:18–0:26:20
dass es wirklich wie so ein Unendlichkeitszeichen ist.
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Und die eine Schleife von diesem Unendlichkeitszeichen ist der Friedhof.
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Und der andere Teil ist halt irgendwie ein Teil von Kreuzberg,
0:26:30–0:26:34
also so Tod und Leben dann in dieser Schleife verbunden. Das fand ich ganz schön.
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Wir sind hier auf dem Beginn der Bergmannstraße.
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Und es gibt ja auch diesen Psychoanalytiker-Witz, wo wir auch mit dem Unendlichkeitszeichen,
0:26:44–0:26:47
was du gebastelt hast, habe ich dir vielleicht schon mal erzählt,
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wo die Acht steht halt auf dem Sofa, der Analytiker sitzt schon da und dann sagt die Acht,
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also wenn ich mich jetzt hinlege, dann dauert das ewig.
0:26:59–0:27:00
Sehr schön.
0:27:00–0:27:00
Ja,
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also zurück zu dem dritten Teil. Ich fand es schon schön, wirklich ganz anders drauf zu gucken.
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Man guckt vielleicht wirklich eher wie ein Familienteil.
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Man weiß, Freud macht da irgendwas, aber man spricht eher über ihn,
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über seinen Vater, über die Familie. Also man war jetzt nicht interessiert an
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der Psychoanalyse als Praxis.
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Das lief alles so nebenher. Das waren dann aber Kapitel seiner Biografie.
0:27:29–0:27:34
Also eigentlich das, was man heute vielleicht eher nicht machen möchte,
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den Autoren oder die Autorin zu eng mit dem Werk zu verbinden.
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Das ist ja diese Cancel Culture, dass man dann das Werk nicht mehr nutzen oder referenzieren darf,
0:27:49–0:27:56
weil die Biografie der Person einfach nicht akzeptiert werden kann mit dem, was sie tut.
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Das ist dieses Cancel und das wurde da aber so ein bisschen gemacht.
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Das ging sehr stark um die Biografie.
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Der Blick auf seine Gedanken war über die Biografie, aber von seinem Werk,
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da kamen jetzt gar nicht so viele Sachen hoch, aber so prägnante Sachen.
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Den Satz fand ich schön, der ist auch im Trailer drin Before Freud.
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The mother was just a mother After Freud, the mother is the thing The thing,
0:28:28–0:28:36
Das war so eine Sache also die Rolle der Mutter dann das Unbewusste natürlich, das ist ja zentral.
0:28:39–0:28:43
Und er selber hat er auch noch was genannt Achso, die Redekur,
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also das Sprechen Sprechen als Behandlung Das war ja auch, wo wir eben drin waren.
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Und ich finde das wirklich auch so, das ist in irgendeinem Foucault-Text drin
0:28:54–0:28:58
über, ich glaube sogar über Psychotherapie, muss ich mal gucken.
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Das ist jetzt in irgendeiner Kiste, das Buch, also ich werde es nicht genau finden können.
0:29:01–0:29:08
Aber wo er so sagt, ich paraphrasiere, die Hoffnung war, dass was die Biologie
0:29:08–0:29:12
für die Medizin war, könnte die Psychologie für die Psychiatrie sein.
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Gemeint ist damit, die Biologie macht ein Blutbild und der Arzt kann das interpretieren.
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Die Hoffnung war, die Psychologie macht so eine Art Blutbild,
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sage ich jetzt mal, der Seele, so pathetisch.
0:29:27–0:29:32
Und die Psychiatrie kann damit arbeiten. Aber es hat halt nie geklappt.
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Und Foucault sagt dann, das geht allein schon deshalb nicht, weil...
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Ein Blutbild kann der Arzt interpretieren und erklären und eine Intervention ableiten.
0:29:45–0:29:50
Aber wenn es zum Beispiel um Stimmenhören geht, dann ist immer noch die Person,
0:29:50–0:29:54
die die Stimmen hört, der Experte oder die Expertin im Raum.
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Psychiater kann natürlich sein, dass er das auch kennt. Es ist natürlich oft
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so, dass auch Depressionen erlebt werden können von Menschen,
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die mit anderen Menschen arbeiten, die Depression als Leid erleben.
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Das gibt es auch, aber das fand ich so. Das war so ein bisschen der Hintergrund davon.
0:30:13–0:30:17
Ja, klar. Ich meine, natürlich gibt es ja die Möglichkeit, dass du dann irgendwie
0:30:17–0:30:21
Krankheiten oder bestimmte Symptome klastern kannst.
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Aber das hatten wir ja auch in den Folgen davor schon mal besprochen.
0:30:25–0:30:30
Das heißt, auch wenn die Symptome in einer ähnlichen Form sich ausprägen,
0:30:30–0:30:35
bedeutet das ja nicht, dass man dadurch quasi auch die Ursache leicht behandeln
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kann, weil die ja sich unterschiedlich entwickeln können.
0:30:39–0:30:43
Und deswegen ist das ja so nicht behandelbar von sich aus.
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Dann sind wir wieder bei den systemischen Therapien, wo das dann zum Beispiel,
0:30:48–0:30:52
ich glaube, das hat Anja gesagt, mit dem ADHS,
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dass in einer Familie, wo das Kind auffällige ADHS-Störungen entwickelt,
0:30:58–0:31:03
das ist vielleicht das schwächste Glied in dieser ganzen systemischen Aufstellung,
0:31:03–0:31:07
was halt diese Ausprägung entwickelt, weil eben,
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keine Ahnung, die Mutter dann in prekären Verhältnissen kein Geld hat und so
0:31:12–0:31:16
weiter und das Kind aber diesen Druck nicht mehr aushält und deswegen dann halt
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diese Symptome entwickelt.
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Also das System dahinter, was dann halt bestimmte Symptomatiken dann ausprägt.
0:31:26–0:31:32
Ja, und das ist wieder der Brücke zurück zu Freud, der natürlich in seiner Selbstanalyse
0:31:32–0:31:37
mit seinen eigenen Träumen, das ist ja auch nicht unähnlich wie das, was C.G.
0:31:37–0:31:41
Jung gemacht hat, weil das Rote Buch irgendwie die über ein Jahrzehnt lange
0:31:41–0:31:47
Arbeit mit der Analyse eigener Assoziation, da waren es nicht immer nur Träume,
0:31:47–0:31:49
sondern hat ja auch so Wachsituationen geschaffen,
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wo er im Wachträumen quasi mit
0:31:52–0:31:56
dem Material arbeiten konnte und sehr viel eingreifender und direktiver.
0:31:56–0:32:01
Weil er auch vorgegangen ist mit seinen eigenen assoziierten Narrativen.
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Aber diese Entdeckung aus der eigenen Analyse und dann die Übertragung dieser
0:32:09–0:32:13
Entdeckung als universelles über den Oedipus-Komplex, er meinte ja dann,
0:32:14–0:32:17
hier war das Zitat aus dem Brief von Vlies, glaube ich, dass er gemerkt hat,
0:32:17–0:32:26
Dass er die sexuelle Lust auf die Mutter und den Todeswunsch auf den Vater,
0:32:26–0:32:30
der ödipale Konflikt, dass er das immer wieder auch gefunden hat,
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den anderen PatientInnen.
0:32:33–0:32:41
Und das dann von sich auf die intrapsychischen Probleme anderer Menschen zu
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übertragen und damit zu arbeiten, das war so der erste Schritt.
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Ja, das war in der Zeit von 1897 bis 1900.
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Das waren so diese drei Jahre, wo er sich damit beschäftigt hat und dann auch
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dieses Buch, die Traumdeutung, geschrieben hat, was überhaupt keinen Absatz
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so richtig gefunden hat, was nicht so richtig gehört wurde.
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Aber ich möchte das nochmal erwähnen, weil ich das wirklich interessant finde.
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Nämlich, also Freud hat ja eigentlich, seit er aus Paris dann wiedergekommen ist, das war dann so.
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1867, 1868 oder sowas? Nee, nee, das kann nicht sein.
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1888, so in der Zeit. 1888. Er hat dann sein Medizinstudium abgeschlossen,
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und hat dann quasi auf seinen Doktor gemacht, also im Abschluss des Medizinstudiums.
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Und dann ist er nach Paris gegangen, hat da gelernt.
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Und dann, als er zurückgekommen ist, hat er ja eigentlich schon seine Praxis aufgemacht.
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Das heißt, er hat die ganze Zeit immer behandelt.
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Und es gibt auch so einen Plan, nach dem er sich dann auch immer gerichtet hat.
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Also er ist dann morgens 7 Uhr aufgestanden, hat gefrühstückt,
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dann hat er von 8 bis 9 Uhr einen Spaziergang gemacht und Zeitung gelesen.
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Dann hat er die erste Patientensession gehabt, von 9 bis 12.
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Dann hat er von 12 bis 15 Uhr mit der Familie Mittag gegessen.
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Und hat dann wieder Spaziergänge gemacht und gelesen. Dann hat er von 15 bis
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20 Uhr seine zweite Session mit Patienten gehabt.
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Und dann hat er bis 19 Uhr, von 19 bis 20 Uhr dann gegessen.
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Und dann hat er von 20 bis 24 Uhr die ganzen Korrespondenzen geschrieben, gelesen.
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Und da hat er seine Bücher gebaut. Wirklich diese Zeiten.
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Inklusive Samstag und nur Sonntag war der Familientag.
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Genau, also er hat wirklich so ein ganz hartes Zeitenmodell,
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was er da durchgezogen hat. Und in der Zeit hat er ja dann alles entwickelt.
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Er hat so einen ganz starken Rahmen, aber gleichzeitig ist er so tief dabei
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in das Unterbewusste abgestiegen,
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hat so tiefe Erkenntnisse durch seine ganzen Therapie-Sessions gesammelt,
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dass er dann halt seine Theorien darauf entwickeln konnte.
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Aber hat er dann halt so ein Framework, wo er dann halt so quasi sich gescheduled
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hat, um da halt irgendwie alles so auszuarbeiten.
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Das finde ich schon so eine unglaubliche Disziplin dahinter.
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Und ich glaube, du brauchst auch so ein Gerüst, um dann halt,
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so eine Humanwissenschaft überhaupt so begründen zu können.
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Also er hat ja wirklich, er ist ja quasi, er hat ja eine eigene Wissenschaft aufgebaut.
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Und das in so einem Halb, so einem Bereich, wo du einfach auch keine Evidenz
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oder so einfach daraus ableiten kannst, wie in anderen Bereichen.
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Naja, und das war aber auch dann diese Transformation, wo das dann da eben synchronisiert
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wurde mit dem Tod des Vaters, wo er danach, dann wurde er erfreut.
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Dann hat er seine Sachen geschrieben, er war auf einer gewissen Art befreit
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und konnte irgendwie diese ganzen crazy Theorien so raushauen.
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Aber es war gleichzeitig auch aus der Ausbildung heraus, wo er dann eben auch
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natürlich immer unter irgendjemand gearbeitet hat.
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Also er war dann ja nie wirklich ganz frei und hat dann auch seine ersten Theorien mit Neurosen.
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Also Neurosen waren damals Neuronen halt eben Nerven, Leiden.
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Und diese Nervenleiden waren aber eben nicht somatisch identifizierbar.
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Das heißt, es ging im Prinzip darum, dass es sich um Leiden handelt,
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funktionelle Störungen handelt, die halt kein somatisches Substrat haben und
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man konnte es nicht finden.
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Und da hat er dann irgendwie sich befreit in gewisser Weise aus diesem urmedizinischen
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Denken, obwohl er natürlich immer auch so als Arzt gearbeitet hat.
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Und dieses Arztsein, und ich glaube, da kommt, er wollte ja auch einfach Geld
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verdienen, er wollte heiraten mit Familie und so.
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Und das heißt, da musste er halt eben auch arbeiten und diese Sprechstunden oder Arbeitszeiten.
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Also es ist bis heute, wir werden jetzt bestimmt auch gleich an irgendeine Arztpraxis
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vorbeikommen, es ist bis heute ganz zentral, wann sind sie in ihrer Praxis.
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Wenn du bei der Kassenärztlichen Vereinigung dich da anmeldest und du kriegst
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dann die Genehmigung zu behandeln und abzurechnen und so weiter,
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musst du auch in der Tabelle eintragen, wann Montag, Dienstag,
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Mittwoch, wann, von welchen Stunden, wann machen sie die Sprechstunde.
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Also ich glaube, das ist fast so ein Arztding, dass man da so sich verpflichten
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muss. Und dann wird es nämlich sogar eingraviert. Wir werden das bestimmt gleich irgendwo sehen.
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Eingravierte Zeiten, neun bis zwölf Uhr, 14 bis 17 Uhr oder bis 16,
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es ist egal was, aber es muss halt irgendwie festgemacht werden.
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Er hatte sich dieses Regime und gleichzeitig aber immer auch,
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und das finde ich total ein Luxus und hoffe, dass ich das irgendwann auch mal
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machen kann, einfach zwei Monate im Jahr rausgeschnitten im Sommer.
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Keine PatientInnenarbeit, sondern Urlaub, aber auch Schreiben.
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Also könnt ihr schon machen, aber das ist dann auch eine Zeit,
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glaube ich, die ist schon wichtig, weil er hat das schon in jedem Tag gehabt,
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dass er ein- und ausgeatmet hat.
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Also was tagsüber passiert ist, dann abends nochmal verschriftlicht,
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auch mit den Theorien abgeglichen, Theorien auch immer wieder verändert.
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Das finde ich auch nochmal wichtig zu betonen.
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Und im großen Rhythmus, im Jahresrhythmus dann aber auch diese zwei Monate hatte,
0:38:35–0:38:37
um nochmal frei atmen zu können.
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Ja, also was du nochmal gesagt hast, ist glaube ich doch die entscheidende Motivation,
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dass er halt, er musste Geld verdienen.
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Deswegen hat er auch dann so früh angefangen, diese Therapien.
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Er war dann eben nicht im akademischen Bereich, weil er oft die Profession erst sehr spät bekommen hat.
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Und er hat halt einfach ein extrem gutes Einkommen durch die Patientinnen gehabt.
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Ja, später dann.
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Nee, er hat schon von vornherein. Also das heißt, ja gut, okay,
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später dann. Aber es war ja so, dass er dann auch eher in der...
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Also später in Anführungszeichen, weil er war ja, als er dann wirklich richtig
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angefangen, er war ja schon über 40, also als er dann wirklich so mit den eigenen
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Publikationen, den wichtigen Schriften angefangen hat.
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Genau, aber davor, das war ja schon zehn Jahre davor, hat er ja auch schon immer therapiert.
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Und er hatte dann auch nur Patienten, die dann im Bereich, also wohlhabend waren
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und pro Therapiesitzung hatten die dann, glaube ich, so, ich weiß nicht mehr
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genau, so 50 Kronen oder so.
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Aber es wurde dann mal hochgerechnet, also als er dann halt so ab dem 19.
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Jahrhundert so ungefähr, hat er dann ein Einkommen gehabt von ungefähr so einem
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Jahreseinkommen, vergleichbar mit heute, Inflationsbereinigt von 180.000 Euro.
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Also konnte sie sich dann halt
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auch entsprechend Küchen leisten und auch Kammerrezeptionen und so weiter.
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Also konnte sie sich dann auch wirklich wirtschaftlich betreiben.
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Und hatte dann, hatte der Filmemacher eben nochmal gesagt, diese 16,5 oder so Zimmer in Wien gelegt.
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Ja, in den Praxisfamilien. Das war schon ein großer...
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16,5. Das ist Wahnsinn, ja. Und da war auch seine Praxis, ne?
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Alle, die Berlin noch aus den 90er-Jahren kennen, wo man sich noch größere Wohnungen
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mal leisten konnte, haben dann gerade...
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Als sie das gehört haben.
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Und da war im Zentrum, das war das, was wir vorhin gesagt haben,
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was dann rekonstruiert wurde, von 180 Detailfotos aus diesen Zimmern waren wohl
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diese beiden Räume, die miteinander verbunden waren.
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Es gab, oder es gab drei, aber es gab den Behandlungsraum, den Warteraum und
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dann auch angeschlossen das Study, also der Schreibraum, wo er dann geschrieben
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hat und dokumentiert hat.
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Das war so wohl im Zentrum dieser ganzen Wohnung. Ich habe den Grundriss nicht,
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ich habe da nicht drüber nachgedacht, aber so wurde es beschrieben.
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Ach, hier ist ja lustig. Hier war ich vor über 20 Jahren, habe ich hier mit
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Philipp und Merle mal vierteilige Filmsachen gedreht.
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Ah ja.
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Hier sind Touren durch die Ersatzstadt. Das war so ein Volksbühneprojekt.
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Kann mal gucken, ob ich es noch finde. Da haben wir genau hier an diesen Schilder
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Zulassungsstelle gemacht.
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Das ist ein sehr skurriler Teil, weil diese ganzen Container,
0:41:40–0:41:44
sieht man von vorne, ich weiß nicht, jetzt ist es dunkel, aber mit deinem tollen
0:41:44–0:41:46
Telefon wird es bestimmt taghell.
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Musst du mal von hier machen, weil das sind diese einzelnen Container,
0:41:52–0:41:58
die halt teilweise eben auf Kirchengelände auch stehen und der Kirchenmiete zahlen müssen.
0:42:00–0:42:02
Und hier kannst du halt, wenn du zur
0:42:02–0:42:06
Zulassung kommst, kannst du hier die Autoschilder machen lassen. Sofort.
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Und, ja irre, jetzt hatte ich gar nicht mehr verortet, dass das hier ist.
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Ja, stimmt, hier ist die eine Kfz-Zulassung. Es sieht auch aus wie so sehr peripher,
0:42:18–0:42:20
als ob man hier irgendwo in China wäre.
0:42:21–0:42:25
Da gibt es eine Sache, also 20 Geschäfte von der gleichen Sache.
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Crazy. Ja, wie fandst du denn, wie hat sich das für dich angefühlt,
0:42:33–0:42:35
wie der Film? Wie war das so?
0:42:35–0:42:41
Ja, ich fand den wirklich sehr gut. Wie gesagt, ich fand gut,
0:42:41–0:42:46
dass ich dann auch gleich Sachen, Informationen, die ich mir vorher halb schnell
0:42:46–0:42:49
dann durchgelesen habe, wiedergefunden habe.
0:42:52–0:42:57
Ich fand den Filmemacher sehr sympathisch, wie er da rangegangen ist und auch
0:42:57–0:43:01
wie er dann die Diskussion geführt hat. Er wollte echt dann nochmal so auf Tufel.
0:43:01–0:43:05
Da kam kaum jemand raus, der nicht eine Frage gestellt hat.
0:43:08–0:43:13
Und ich fand das Bild auch, wie du sagst, da ging es nicht unterbewusst,
0:43:13–0:43:15
die Vokabel ist gefallen.
0:43:16–0:43:23
Aber es ging nicht um das Ich-Es-Über-Ich oder sowas.
0:43:23–0:43:25
Da wurde gar nichts von dieser Theorie da irgendwo angeschnitten.
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Da ging es wirklich so um die Person.
0:43:31–0:43:35
Und der Film hat auch davon gesprochen, ich fand das auch gelungen.
0:43:35–0:43:42
Er hat viel mit Intertextualität gearbeitet. Das heißt, er hat auch den Schriftverkehr,
0:43:43–0:43:44
also die Briefe von Freud.
0:43:45–0:43:51
Und hat ja dann auch viel daraus zitiert, die ja dann in Korrespondenz.
0:43:51–0:43:55
Und dann ging es halt auch, also der Filmemacher hatte sich dann die Frage gestellt,
0:43:55–0:43:58
wo kriegt man denn so einen völlig freien Blick?
0:44:00–0:44:04
Und der meinte dann in so einer Korrespondenz, in einer Briefkorrespondenz ist
0:44:04–0:44:09
das ja eigentlich so am freisten, wo man halt auch so einen anderen Blick auf
0:44:09–0:44:10
die Person entwickeln kann.
0:44:10–0:44:16
Weil es nicht so durch so einen Religionsprozess wie ein Buch geht oder sowas.
0:44:16–0:44:18
Fand ich auch interessant vom Ansatz her.
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Und das war aber eine Sache, wo ich habe dann diese Frage nicht gestellt,
0:44:24–0:44:26
weil ich irgendwie mich nicht getraut habe.
0:44:26–0:44:31
Aber es hätte mich trotzdem interessiert, weil wir haben ja viele verschiedene Sprachen gehört.
0:44:31–0:44:35
Die wurden alle ins Englisch übersetzt und es gab englische Untertitel für alles.
0:44:36–0:44:38
Du konntest einfach die englischen Untertitel lesen. Das war quasi ein Text,
0:44:38–0:44:41
wie ein Skript, auch die in Englisch gesprochen haben.
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Da lief das auch in Untertiteln, also da unten war alles.
0:44:45–0:44:50
Und die Sprachen waren aber unterschiedliche. Bloß diese Briefe,
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die ja dann an Vlies zum Beispiel auch in Deutsch geschrieben waren,
0:44:53–0:44:56
die wurden auch in Englisch vorgelesen. Das habe ich nicht verstanden.
0:44:56–0:44:59
Also wo ich gedacht habe, man kann doch, wenn man es recherchiert hat,
0:44:59–0:45:02
das dann doch Deutsch vorlesen lassen, wenn du auch Französisch,
0:45:02–0:45:08
wenn du Hebräisch, wenn du Englisch, wenn du Deutsch, also wenn du diese ganzen Sprachen schon hast.
0:45:09–0:45:14
Warum die Briefe in Englisch vorlesen?
0:45:14–0:45:17
Ja gut, vielleicht ist es auch, weil er dir hat die Antwort gegeben,
0:45:18–0:45:24
er hat der KI für den Film eingesetzt in der Recherche und hat dann auch eben mit der Fragestellung,
0:45:24–0:45:31
was schreibt Freud über Kokain, hat er dann auch von der Textsammlung quasi
0:45:31–0:45:35
aus KI generiert und so weiter Antwort bekommen und die war wahrscheinlich in Englisch.
0:45:36–0:45:38
Ja, das stimmt, aber die hat er ja auch verworfen. Es hat er erzählt,
0:45:38–0:45:42
dass er halt dann mit der KI versucht hat, so gib mir mal Zitate oder welche
0:45:42–0:45:45
Briefe kommt Kokain vor. Die Recherche ist auch erstmal legitim.
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Und dann ist er mit seinen Funden ins Archiv gelaufen und dann haben die im
0:45:50–0:45:52
Archiv gesagt, hä, nie gehört, was ist das?
0:45:52–0:45:56
Und dann kam halt raus, dass die Kai es einfach erfunden hat, nur Bullshit-Dinge.
0:45:56–0:46:00
Er hat ihm Zitate gegeben, wo es keine Quellen gab. Dann hat er gemeint,
0:46:00–0:46:02
er hat das alles über Bord geschmissen.
0:46:02–0:46:07
Er musste dann notgedrungen die Briefe lesen, hat so ein paar Pointer bekommen, wo er anfing.
0:46:07–0:46:11
Dann hat er viel interessantere Sachen gefunden, als die, die er sich so erhofft
0:46:11–0:46:15
hatte, als er dann endlich in den Originaltexten mit drin war.
0:46:15–0:46:19
Aber das war so eine Sache, wo ich denke, das hätte man, glaube ich,
0:46:19–0:46:21
auch gut in Deutsch vorlesen können.
0:46:21–0:46:24
Das stimmt, aber das ist mir tatsächlich auch selber aufgefallen,
0:46:24–0:46:27
wo ich dann auch dachte, warum zitiert er jetzt nicht das Original?
0:46:27–0:46:30
Und ich meine, Freud hat ja nicht in Englisch beschrieben.
0:46:33–0:46:35
Eine Sache, die mir da jetzt auch nochmal so,
0:46:36–0:46:41
In Freuds Rolle oder was mir nochmal so neu hochgekommen ist,
0:46:41–0:46:43
ich hatte das glaube ich in irgendeiner anderen Folge schon mal erwähnt,
0:46:43–0:46:48
dass ja Freud im Deutschen, wie du schon gesagt hast, das Es und Ich und das
0:46:48–0:46:53
Unbewusste, das Vorbewusste, das Vorbewusste ist schon einer der kompliziertesten Worte.
0:46:53–0:46:58
Das Bewusste, das ist einfach alles normale Sprache.
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Freud wollte sehr bewusst auch eine Sprache nutzen in seiner Theorie,
0:47:04–0:47:05
die erstmal verständlich ist.
0:47:07–0:47:10
Und Bruno Bettelheim dann später mal ein Buch darüber geschrieben hat,
0:47:10–0:47:14
wo ich den Titel jetzt nicht habe, das zu vergleichen mit der sehr medizinischen
0:47:14–0:47:17
und lateinisierten Sprache von Freud's Theorien im Englischen.
0:47:18–0:47:22
Das wurde dann irgendwie da eher in so einen medizinischen Bereich eingeordnet.
0:47:23–0:47:27
Und es war gar nicht Freud's Intention. Aber gleichzeitig hat er dann sowas
0:47:27–0:47:31
mit dem Oedipus-Komplex. Also irgendwie gab es dann schon etwas,
0:47:31–0:47:36
wo so eine gewisse Bildung drin ist.
0:47:37–0:47:42
Also eine einfache Sprache für die Grundelemente, aber dann oben drüber,
0:47:43–0:47:50
das ist dann eben wieder die Archäologie in den alten Texten.
0:47:50–0:47:55
Und das heißt dann Narziss oder Oedipus-Komplex.
0:47:55–0:47:59
Und diese Themen sind dann, das habe ich ja zum ersten Mal so verstanden,
0:47:59–0:48:03
dass dann da schon auch so was Einzug erhält, dass man da sehr gebildet sein
0:48:03–0:48:05
muss, um die Referenzen fortzuverstehen.
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Sehr gebildet oder mehr gebildet als vielleicht der Durchschnitt.
0:48:10–0:48:15
Und dass da schon auch was drin war. Er wurde auch zitiert, da weiß ich gar
0:48:15–0:48:19
nicht mehr, wo das herkam, dass er selber gesagt hatte.
0:48:20–0:48:25
Dass er sich für die Zukunft der Psychoanalyse nicht, ach guck mal hier ist
0:48:25–0:48:26
auch ein Unendlichkeitszeichen,
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das kannst du mal als Karte fotografieren, die Zukunft der Psychoanalyse,
0:48:32–0:48:36
dass er da irgendwie Sorge drum hat und dass er der Einzige ist,
0:48:36–0:48:39
der irgendwie die Psychoanalyse natürlich auch richtig verstehen kann.
0:48:39–0:48:42
Also er hat da schon viel versucht, auch zusammenzuhalten.
0:48:43–0:48:45
Und das kam, das ist eine Sache, die mich immer sehr beschäftigt,
0:48:45–0:48:47
das kam hier gar nicht so richtig vor.
0:48:47–0:48:52
Aber dieses Gefühl, so sein Lebenswerk einerseits auf den Sockel zu heben,
0:48:52–0:48:57
sodass es unerschütterbar wird und gleichzeitig aber auch niemandem wirklich
0:48:57–0:48:59
zu vertrauen, zu verstehen, worum es geht.
0:48:59–0:49:03
Also dieser sehr rigide Umgang damit.
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Und seine Tochter dann, die auch kurz vor kam, Anna Freud mit dem Buch,
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dass ich und die Abwehrmechanismen zu seinem 80.
0:49:10–0:49:13
Geburtstag eben, das hatte ich auch schon mal in einer anderen Folge,
0:49:13–0:49:16
die aber natürlich, wer immer das jetzt gerade hören sollte,
0:49:16–0:49:20
vielleicht nicht gehört hat, in gewisser Weise auch.
0:49:22–0:49:25
Wieder so ein bisschen back to basic sagt. Also es geht darum,
0:49:26–0:49:30
ein intaktes Ich des Patienten herzustellen.
0:49:30–0:49:34
Es geht darum, mit dem zu arbeiten, was uns begegnet in der Therapie,
0:49:34–0:49:36
mit den Widerständen, mit den Abwehrmechanismen.
0:49:36–0:49:40
Dass wir immer eben an diesem Punkt in Kontakt bleiben mit der Person.
0:49:40–0:49:44
Also sehr gestalttherapeutisch fast schon zu sagen. Wir sind in Kontakt mit
0:49:44–0:49:50
der Person und wir erleben dann während einer therapeutischen Sitzung auch diese Mechanismen,
0:49:50–0:49:55
mit der die Person eben nicht sich weiter öffnen möchte oder nicht tiefer gehen möchte.
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Oder wie auch im Film dann ganz zum Schluss, der englische Psychoanalytiker
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nochmal sagte, dass Freud irgendwann schnell schon erkannte, dass die Symptome,
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die das Leid bringen.
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Gleichzeitig aber auch Mechanismen sind, um das Leid dahinter zu regulieren
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und deshalb diese Symptome wegzunehmen, nicht oft das ist, was die Patienten
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dann wirklich zulassen können.
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Weshalb sie dann vielleicht auch abbrechen oder da bin ich auch immer sehr ambivalent,
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weil wenn jetzt jemand abbricht, weil der Analytiker oder der Analytikerin irgendwas
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deutet, was nicht passt,
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dann ist man manchmal vielleicht ein bisschen zu schnell dabei,
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dass die Person noch nicht so weit war, das zuzulassen, aber vielleicht war
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es auch wirklich einfach nicht passend.
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Aber diese Idee, dass das Symptom auch eine regulierende Funktion hat für emotionale,
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Untiefen, die man anders nicht in den Griff kriegt, da gibt es auch,
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einen schönen Text dazu in Bezug auf Zwänge, dass Zwang auch ein Coping-Mechanismus
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sein kann in unterschiedlichen Sachen.
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Also wenn jemand sehr schlecht strukturiert ist, am Beispiel wird das auch in
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diesem Artikel beschrieben, zum Beispiel auch Menschen, die später im Alter
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dann nicht mehr die gleiche Merkfähigkeit haben oder Dinge durcheinander bringen,
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sodass die zwanghafte Symptome entwickeln.
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Und diese Zwänge, die natürlich dann nach ICD-10 auch als Pathologien klassifiziert werden können,
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in Wahrheit für die aber eine Art Coping sind, weil die so zwanghaft sind,
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weil die vielleicht bestimmte Rituale durchlaufen, können die den Tag noch zusammenhalten,
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sonst würde der Tag vielleicht einfach zerfallen.
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Und das finde ich einfach so ein ganz gutes Beispiel, um das nochmal zu illustrieren.
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Was da gesagt wurde, dass die Symptome auch, obwohl sie leidvoll sind,
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auch das geringere Übel sein können.
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Ich habe das aber auch teilweise so verstanden, dass dann diese Aussicht auf
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Heilung dann damit teilweise in Frage gestellt wird.
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Gibt es Heilung? Und so habe ich das in dem Film mitgenommen.
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Also diese, ob es die Warnung auf eine Frage gibt, also ob Freud dann tatsächlich
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mit seiner Therapie heilen konnte.
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Ich weiß nicht, hast du das auch so wahrgenommen?
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Ärztliche Denken anfangs, auch wenn Freud selber das dann, glaube ich.
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Nee, nochmal anders. Ich glaube, ich fange jetzt hinten an.
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Einer von den französischen Sprechern, der hat da irgendwie gesagt,
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kann die Psychoanalyse heilen?
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Ich weiß es nicht, aber sie gibt uns einen anderen Blick auf das Gleiche oder
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so in der Hand. Das ist paraphrasiert.
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Also da geht es ja darum, was ist denn überhaupt Heilung? Und Lacan würde jetzt
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auch nicht sagen, dass die Psychoanalyse irgendwas heilen muss,
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sondern es geht einfach darum, sich selbst besser erfahren zu können.
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Oder wie Freud sagen würde, das Unbewusste muss bewusst gemacht werden.
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Das heißt aber nicht unbedingt, dass es dadurch verschwindet oder so.
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Aber natürlich hat der ärztliche Blick auf die Pathologie erst mal,
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oh, da ist ein Zwang, der Zwang muss weg.
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Und wo kommt er denn her? Und die Psychoanalyse hätte dann zum Beispiel herausgefunden,
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dass aufgrund verdrängter sexueller Triebe dann auf einmal ein Zwang entsteht,
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dass die Bettdecke, bevor die Patientin ins Bett gehen muss,
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die Bettdecke immer ganz, ganz weiß sein und ganz, ganz straff sein.
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Also das wäre dann, der Zwang entsteht vor dem Hintergrund eines anderen Problems.
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Und ist im Prinzip die einfachere Lösung, sich mit dem ursprünglichen auseinanderzusetzen.
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Das ist das. Und was du jetzt sagst, ist halt diese unendliche Analyse.
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Das war dann auch so eine Überlegung, wo Freud schon anregen wollte.
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Naja gut, aber irgendwann soll man okay, kann man auch mal einen Schnitt machen.
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Ansonsten müsste sich der Analytiker hinterfragen, warum es dann immer weitergeht.
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Das ist natürlich was, was sich dann auch so gewandelt hat.
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Und da kann man wieder zu C.G. Jung andocken, wo es dann eher darum geht,
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bei Jung die eigenen Schatten besser zu verstehen und sich damit auseinanderzusetzen.
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Und nicht mehr die Idee von ein abgegrenztes Leiden zu diagnostizieren und zu behandeln,
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sondern sich selbst in seiner Ganzheit, in seinem Charakter,
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deshalb hieß es der Charakteranalyse,
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weiterzuentwickeln.
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Das ist dann eher sowas, wo es um eine Form der Selbstoptimierung geht und nicht eine Verbesserung.
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Da könnte man auch, denke ich, schon die 80er, 90er Jahre mit so Werkzeugkiste
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aus Spiritualität, ich nehme ein bisschen Buddhismus, ich nehme ein bisschen Okkultismus,
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ein bisschen das und dann baue ich mir daraus eine eigene Religion, die für mich passt.
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Und das ist ja dann auch okay und das tut dann auch was für dich.
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Aber es geht eben nicht mehr darum, etwas Leidendes aufzulösen oder zu erleichtern,
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sondern dann geht es eher darum, dass man immer gefordert ist.
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Und wer könnte denn dann schon einfach mal sagen, nee, heute arbeite ich nicht an mir selbst.
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Also das ist dann wirklich die unendliche Analyse. Das ist dann das Fitnessstudio
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oder das Yoga-Retreat oder dass man halt immer dran ist zu sagen,
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also ich bin heute nicht faul, sondern auch heute verbessere ich mich jeden Tag ein bisschen mehr.
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Immer von dem Besten lernen. Wenn du der Glückste im Raum bist,
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dann geh in den neuen Raum.
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Also das sind dann solche Aufrufe, die nichts mehr mit dem ärztlichen Blick
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auf Leid zu tun haben, sondern aber auch eben Psychotherapie sind in der Form noch.
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Also weil du dich dann ständig damit beschäftigst und dann auch so die ganzen
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Sachen internalisiert hast, dass du die auch anwenden kannst und auch dann immer
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einen neuen Blick darauf entwickeln kannst.
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Ja, eine Selbstoptimierung einfach. Also man guckt dann immer wieder drauf.
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Psychohygiene, würde man vielleicht auch sagen. Das ist ja auch völlig legitim
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und ich glaube auch für viele Menschen wirklich Gewinn bringt.
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Aber es geht halt nicht mehr um diese klassische ärztliche Ansicht,
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es gibt ein Leid, das müssen wir beenden, so weit als möglich.
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Wir können aber nicht versprechen, dass das klappt, sondern dann geht es eher
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um, ja keine Ahnung, also Fuß ist gebrochen, der Arzt stellt es wieder her,
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du kannst wieder hinken.
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Ob du nochmal Marathon laufen kannst, kann dir der Arzt nicht sagen.
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Aber du kannst dann übernehmen.
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Dann bist du da dran und dann machst du weiter und trainierst und bockst dich da irgendwie durch.
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Das ist aber nicht mehr die Aufgabe des Arztes. Du bist zu einem gewissen Grad
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nur die Wiederherstellung von Funktionalität.
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Und danach übernimmst du in Eigenverantwortung und in gewisser Weise eben als Selbstzahler.
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Nicht mehr auf die Kasse, sondern du gehst dann irgendwo hin und lässt dich behandeln.
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Ja, das ist dann so ein Aufentrag, den man sich dann als Patient dann mit rauskennendieren kann.
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Und das ist dann das, was in diesem Text eben die Unendliche oder die Endlose,
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ich weiß nicht mehr genau, wie der Titel heißt.
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Ja, aber gut, das ist vielleicht da gar nicht mit gemeint, dass die Psychoanalyse
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jetzt nicht heilt, so wie ich das dann im Film verstanden habe.
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Sondern ich hatte auch das Gefühl, dass dann eben durch diese Methode der Analyse
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dann auch ganz bestimmte tiefmenschliche Eigenschaften so rausgetragen werden.
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Und das ist auch dieser tiefe Humanismus, auch so eines, was dann diese englische Eigenschaften.
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Psychotherapeut am Ende gesagt hat, den du auch gerade schon zitiert hast,
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dass halt Frauen, Mann sind halt Menschen, menschliche Wesen,
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aber unglaublich komplex, ja, also nicht irgendwie so, es sind halt Menschen.
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Das finde ich ganz schön. Das ist halt so auf der einen Seite unglaublich,
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unglaublich komplex, auf der anderen Seite Menschen. Und das ist halt so dieser.
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Der humanwissenschaftliche Ansatz wieder da. Also das finde ich ja auch,
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was Freud dann auch so letztendlich in der Moderne so entwickelt hat.
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Das ist so seinen Stellen.
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Also ich meine, das finde ich ja auch, und du hast mich ja gerade gefragt,
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was nehme ich denn aus diesem Film mit?
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Und das ist halt so, Freud ist eine Ikone. Das ist ja so, er fasst ein Halbgott.
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Das ist ja so, Freud ist ein Begriff, den man wie, jetzt meinetwegen auch Einstein,
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das ist halt so die Begriffe, die man, oder die Menschen oder die Biografien,
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die man ganz früh schon kennenlernt, in der 10. Klasse, in der Schule oder so.
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Freud ist dann schon mal so gefallen, der Name. Und man hat dann diese recht
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vereinfachte Vorstellung von seiner Lehre irgendwo auch mal mitgenommen.
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Aber das fand ich, hat der Film nochmal reingebracht, dass wir dann ein anderes
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Bild von Freud mitbekommen, als Mensch, dann halt als Biografie, als Biopic.
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Hier sind wir, glaube ich, gerade, ist das nicht die Botschaft des Vatikans?
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Ich weiß es nicht. Wir sind ja in der Hasenheide. Wir gehen jetzt wieder Richtung Südstern.
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Ich wollte durch die Hasenheide gehen. Dass hier die Botschaft des Vatikans ist.
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Hier ist die apostolische Nunziatur.
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Das mag ich jetzt recherchieren. Ich fand dieses Gebäude immer so ganz toll.
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Das sieht wirklich aus wie aus so einem Dan-Brown-Film. Eine Verfilmung von
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diesem Inferno oder wie auch immer die Dinge heißen.
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Da hinten sieht das aus wie so ein Archiv. Auch in Anlehnung an unser Gebäude
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vom Bundesnachrichtendienst, wo man hier auch das Gefühl hat,
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unterirdisch kann es noch so 100 Meter in die Tiefe gehen.
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Das sind die ganz geheimen Schriften, die ersten Jesusrollen und sowas.
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Deswegen die Vorstellung, hier ist die Botschaft des Vatikans.
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Ja, ich hatte das irgendwie mal, vielleicht ...
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Ich werde es in die Shownotes packen, wie es sich denn heißt. Googlest du gerade?
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Wir können uns einfach mal Google Maps aufmachen.
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Weil es da rauskommt.
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Das ist eine Basilika.
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Nee, nee, das ist ja nicht das, sondern wir sind ja ... Das hier ist das Gebäude.
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Okay.
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Wir verlinken das mal.
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Nontriatur.de Ja, wir kriegen es jetzt nicht in der Grenze gelöst.
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Wenn ich hier ungern schneide, treibe ich uns jetzt einfach wieder zurück auf die Straße.
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Ja, also das mit dem Heilt die Psychoanalyse ist natürlich wirklich auch ein großes Thema.
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Es geht dann schon in der Psychoanalyse darum, dass man die Dinge ändert,
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also einen größeren Einblick in die eigenen Dynamiken kriegt und das,
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was Freud da früh bemerkt hat, was du gerade angesprochen hast,
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also Menschen sind sehr kompliziert.
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Es ist natürlich auch, er hat auch ja dann gesagt, deshalb kam ich darauf hin,
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der Feind ist die katholische Kirche.
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Das hat er ja dann gesagt, während die Nazis in Wien durch die Straßen liefen.
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Da wurde das so ein Film auch zitiert. Können wir durch?
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Ja, gehen wir. Jetzt kommen wir zur Hasenheide.
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Was ist das für ein Schauspieler?
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Ist das für ein Schauspieler?
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Ist das für ein Schauspieler? Welcher Film ist das für ein Schauspieler?
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Mothetun Man.
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Ja, so.
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Und...
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Und das ist natürlich was, über was man sprechen kann und was nicht.
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Und dieser Schock, was ja auch einer der Experten aus den USA dann sagte,
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then he wrote about children being sexual beings, like animals, sexual beings.
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Of course it was a huge success oder so ähnlich. Also er hat dann sofort diese
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Bücher verkauft. Also die Sexualität war natürlich dann auf einmal genau das Thema der Zeit.
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Einerseits, weil sie sich befreite, was der Filmemacher auch mit diesem zum
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Beispiel mit diesem halbnackten Badminton-Spiel irgendwie illustrieren wollte.
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Und andererseits aber dann über Freud dann nochmal selbst Kinder als sexuelle
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Wesen identifiziert wurden.
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Das war gleichzeitig verboten, aber auch ein Kassenschlager.
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Das sind so Sachen, die natürlich dann Freud wollte das ja für alle Ewigkeit entdeckt haben.
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Er sagt ja später, ich weiß gar nicht mehr genau, ob er das geschrieben hat,
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ich glaube 1910er Jahre irgendwie, dass er sagt,
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also es gab halt Kopernikus, die Erde ist nicht Mittelpunkt des Universums,
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Darwin, der Mensch ist nicht die Kröne der Schöpfung und Freud,
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der Mensch ist nicht mehr Herr im eigenen Haus.
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Das war die dritte Kränkung, wie er sagt, also da legt er sich ja schon ganz schön auf so eine,
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da taktet er sich selbst ja schon ziemlich oben ein und hat natürlich damit
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aber auch den Anspruch, dass seine Theorien ewige Gültigkeit haben.
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Und das ist vielleicht doch ein bisschen veränderbarer.
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Es gibt von Yalom, das ist auch ein Psychoanalytiker, der auch viel schreibt und gut schreibt.
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Die rote Couch, die Schopenhauer Kur oder als Nietzsche weint,
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das sind so Bücher von ihm. Der hat das irgendwann mal im Interview gesagt,
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hat gemeint, dass Sex ist kein Tabu mehr.
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In der Gruppe oder in einer psychischen Psychotherapie, die reden alle über
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Sex, Sexpraktiken, Lust und so, das ist nicht das Thema. Aber keiner redet über Geld.
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Das fand ich so einen ganz guten Satz. Ein bisschen wie die Anknüpfung an Jungen
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mit den Ufos und den Archetypen.
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Dass ein Jung irgendwie sagt, die Archetypen können sich verändern.
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Das heißt aber nicht, dass die Archetypen-Idee falsch ist, auch wenn sie sich verändern.
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Und Yalom illustriert hat in gewisser Weise, es gibt Tabus oder es gibt Dinge,
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die werden nicht öffentlich besprochen, aber die können sich trotzdem wandeln.
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Und Sexualität war das, was Freude entdeckt hat, aber vielleicht hat sich das
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wirklich weiterentwickelt. Vielleicht ist es jetzt woanders.
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Da war ja auch eine, ich glaube der Regisseur hat sie genannt, queere Analytikerin,
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die auch als eine Expertin da zu Wort kam, wo er auch das mit illustrieren wollte, dass Freud nicht,
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gecancelt wurde, hat er glaube ich sogar gesagt, sondern dass er den Freud Wars
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überlebt habe und jetzt genau deshalb wollte er auch diese Stimme da mit in den Film reinholen.
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Und es ist auch ein Buch bei mir zu Hause, ein Riesenwälzer,
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Queering Psychoanalysis, den ich immer noch nicht geöffnet habe, einfach nicht die Zeit.
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Aber ich finde es schon ein sehr spannendes Thema auch.
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Ja, ja, klar. Da ist es natürlich die Frage, wie jetzt diese Theorien von Freud
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in die jüngste Zeit zu holen.
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Aber das meint er auch, der Filmemacher, allein dadurch, dass es ja noch so
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präsent ist, erscheint es ja noch irgendwie zu funktionieren.
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Und es verändert sich auch. Aber es ist ja so, was er auch meint,
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eine Beobachtung, wie die, ich sage ja viele, eine Psychoanalyse ist sehr lebendig,
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aber halt eher im Bereich der Filmwissenschaften, Literaturwissenschaften und
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so Und weniger wirklich im Bereich der Psychiatrie und Psychologie.
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Und das weiß ich gar nicht, ob das so stimmt.
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Also ich habe schon so ein bisschen das Gefühl, was er ja auch angedeutet hat.
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Das ist da so eine Renaissance von Freud.
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Also Freudessance hieß das wohl in New York.
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Also es ist da jetzt gerade wieder so ein Fokus kommt.
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Jetzt war auch gerade vor kurzem eben 100 Jahre, 2023 war das glaube ich dann 100 Jahre,
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diese wichtige Schrift Jenseits des Lustprinzips, wo Freud auch sein eigenes
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Theoriegebilde nochmal umgebaut hat, erweitert hat und den Todestrieb eingeführt
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hat. Sehr wichtiges Buch.
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Und das hat vielleicht auch nochmal dazu beigetragen, dass da irgendwie weltweit
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2023 viel über Freud gesprochen und geschrieben wurde auch.
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Die Frage ist halt nur, sind es dann wirklich die,
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Psychoanalyse als Redekur, die
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dann das spannend macht oder ist es so wie Einsteins Relativitätstheorie?
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Also das ist ja auch irgendwie so,
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Popkultur in der Form.
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Ja, aber es ist mathematisch quasi beweisbar und das ist halt schwierig dann
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irgendwann zum späteren Zeitpunkt zu sagen, nee, stimmt doch nicht.
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Ich meine, es wird immer wieder angekratzt, es gibt Gehenbeweise und so weiter,
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aber nach wie vor ist diese ganze Relativitätstheorie von Einstein noch so ein
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mathematisch beweisbares Konstrukt, während du natürlich in diesem Bereich der überhaupt,
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irgendwie das beweisen kannst.
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Das beweisbar ist das Wissenschaftsprinzip. Da wollten wir eben auch in diesen
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zwei Folgen, die es dann wurden über Jung, so ein bisschen drüber reflektieren.
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Und es passt, es ist wirklich gut. Total anonymisiert sage ich,
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dass eine Patientin heute mir ein Zitat von Feynman mit in die Praxis gebracht hatte.
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Feynman sagt, der Psychologiser heißt Witch Doctor. It's not science.
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Das wurde mir heute noch mal so vorgelesen.
1:08:28–1:08:32
Und wie hast du reagiert? Yes! I am a witch.
1:08:36–1:08:41
Den Echomat rausgeholt. Ich glaube, wir müssen da lang.
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Wir sind jetzt, wir kreuzen auch gerade wieder. Eine frühe Folge.
1:08:47–1:08:49
Na, Mitch, die kreuzen wir immer.
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Die haben wir immer hier gekreuzt. Die Hasenheiden-Folge. Das habe ich jetzt
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schon wieder vergessen. Bei Teramin haben wir die gekreuzt.
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Bei Teramin haben wir die auch gekreuzt. Aber es ist auch eine deiner sehr frequentierten Folgen.
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Ist das die Encanto-Folge?
1:09:01–1:09:02
Ja, Encanto, richtig.
1:09:02–1:09:06
Ich wollte ja heute eigentlich auch nochmal auf die, das habe ich ja mal gesagt,
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wir gucken mal so auf die Top Ten oder Top Five des letzten Monats,
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der letzten drei Monate oder letzten Jahres, letzten zehn Jahre.
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Aber ich habe es jetzt nicht vorbereitet.
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Oh, schade.
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Ich muss jetzt mein Handy rausziehen, um das hinzuholen.
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Aber Theramin ist nämlich auch gerade irgendwie so ein Slow Burner.
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War nicht so ein Riesenerfolg, aber Da hält sich jetzt irgendwie so.
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Die generiert sich nicht ganz gut.
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Ja, das ist so ganz gut. Was immer spiked ist dein C3, 38 C3.
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Ja, ich meine gut, Ali zieht halt. Ali zieht.
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Ja, aber ich glaube auch, dass 38 C3 als Suchbegriff einfach zieht.
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Ja, wahrscheinlich. Das wollen die Leute schon hören.
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Und in den Top 10, also der Top 2, der 10-Jahres-Rückblick da,
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oder über alle Folgen hinweg, so drei Jahre wäre es dann bei uns,
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da ist jetzt Webfonds immer noch auf Platz 1.
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Aber Hyperion robbt sich da so ran.
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Spätestens dann, wenn die Netflix-Folge dann rauskommt, Hyperion,
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dann kannst du dann nochmal topen.
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Da kommt man schon ganz tief rein.
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Kannst du, würdest du um nochmal den Bogen zu jung zu schießen.
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Das rote Buch ist ja so die Generationsquelle für Jung, um in seine aktive Imagination zu treiben.
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Könnte man das mit dem Traumdeutungsbuch von Freud vergleichen,
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so auf der Ebene der Methodenentwicklung?
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Die Traumdeutung, die Freiassoziation war nach der,
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Feststellung von Freud, dass das mit der Hypnose nicht wirklich ein Zauberstab ist für alle.
1:11:07–1:11:13
Und dann hat er eben festgestellt, es ist bei der freien Assoziation ähnlich wie im Traum.
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Der Traum arbeitet nach Freud mit Verdichtung und Verschiebung.
1:11:17–1:11:19
Das heißt, es wird alles, kann man sich gut vorstellen, kompakter.
1:11:20–1:11:24
Und dann ist halt, was zum Beispiel dann der Penis ist, ist dann,
1:11:25–1:11:28
das war auch ein interessantes Bild aus dem Film, komme ich gleich drauf,
1:11:28–1:11:32
ist dann zum Beispiel Zigarre, könnte man sagen. Das ist die Verschiebung.
1:11:34–1:11:40
Und in der freien Assoziation mit PatientInnen in der Sitzung,
1:11:40–1:11:43
die dann zum Beispiel auch liegen und an die Decke gucken, ob in dem Raum halt
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diese ganzen Gesichter sehen,
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dass die anfangen, einfach so mal alles rauszulassen, was gerade so kommt,
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so wenig als möglich zensieren.
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Das war ja auch ein Zitat da.
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Das ist in der Analyse.
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Da kann man nicht decent sein, man kann nicht anständig sein,
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man muss das einfach laufen lassen können, um tiefer zu gehen,
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um diese internen Sensoren zu umgehen oder zu überspringen.
1:12:11–1:12:12
Jetzt sind wir im dunklen Park.
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Ich würde jetzt gerne aus diesem dunklen Park rausgehen. Ist das okay?
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Ja, wir müssen dann geradeaus weitergehen.
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Aber können wir nicht runtergehen und dann an der Straße lang gehen?
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Können wir auch machen.
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Wir waren ja im Grunewald mit Hänsel und Gretel in einer edlich dunklen Situation,
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aber da waren wir wirklich alleine.
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Du weißt, dass da wirklich kein anderer ist um diese Uhrzeit außer die Wildschweine.
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Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Das ist ja auch ein Problem.
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Jetzt hat mich dieser komische komische geräusch von der vorne hat mich abgelenkt wo waren wir gerade ich.
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Bin auch ein bisschen raus muss ich gestehen.
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Okay dann kann es ja nicht so wichtig gewesen sein wie man sagt oder es war
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so wichtig dass wir uns gleich verdrängt haben müssen wir noch mal nachhören.
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Wir waren bei dem Penis.
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Du wolltest wissen, ob diese Art der Arbeit ähnlich ist.
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Bei Jung ist es ja auch eine Selbstanalyse und er geht da aktiv rein.
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Und bei Freud ist die Freie Asozien mit PatientInnen jetzt nichts.
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Also da geht er nicht aktiv in der Selbstanalyse rein. In dem roten Buch,
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da ist alles Selbstanalyse. Ich sehe das schon ein bisschen anders.
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Und ich glaube eben auch vor dem Weltbild motiviert ist es halt so.
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So, dass Jung ja wirklich in dieser einen Anekdote, die ich da auch angesprochen habe,
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wo er dieses unerhörte Bild spürt, dass er in Basel diese große Kirche sieht
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und dann dieses Bild, dass Gott da so draufscheißt, einen riesen Scheißhaufen.
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Und das findet er völlig unerhört. Er war dann noch sehr jung und das traut er sich nicht.
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Und dann sagt Gott, nee, nee, das darfst du schon denken. Und dann kommt er
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in seinen neuen Religionsbegriff rein, dass halt nicht die Institution der Kirche,
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sondern die Spiritualität und Gott, also dass er versucht, ein neues Konzept
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von Spiritualität oder Gottglauben zu entwickeln.
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Und vor dem Hintergrund, wenn er dann anfängt, mit seinen eigenen Dingen zu
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sprechen, dann ist das eben, zumindest in meinem Verständnis,
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auch schon ein Schritt, der potenziell aus dem individuellen Unbewussten oder
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darüber hinaus oder tiefer geht,
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eben in dieses archetypische,
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metaphysische Archetypische.
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Und Schupp vorsichtig, Fahrradfahren.
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Und das wäre bei Freud so sicherlich nicht mit dem.
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Auch da das Zitat, und das ist schon sehr wichtig bei der Traumdeutung,
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in Details zu gehen und vor allen Dingen auch oft eben in die Dinge reinzugehen,
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die am Anfang gar nicht mehr da waren.
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Dass man sagt, wir sind jetzt hier an der Straße, fällt mir ein,
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ich erinnere mich noch am Traum, da war so ein Auto und irgendwas war da komisch
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an dem Auto. Was war denn da komisch? Keine Ahnung, ich weiß nicht mehr.
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Und dann erzählt man weiter, jetzt fällt es mir wieder ein, das hatte nur einen
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Scheinwerfer, der andere war kaputt und der blinkte so komisch.
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Also solche Dinge würde dann, freut zum Hintergrund sagen, dass dieser Zensor,
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der innere Zensor springt an.
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Ja, in dem Moment, also beim Traum ist der Zensor ein bisschen überwunden,
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der Traum passiert, das Unbewusste oder Vorbewusste schleicht sich da hinein
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in den Traum und dann vergessen wir es aber wieder.
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Und wenn wir den Traum erzählen, dann können wir aber dann vielleicht doch nochmal
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einen Schritt wieder reingehen in Material, was schon wieder vergessen war. Also der zweite Zensor.
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Und das wäre jetzt für mich schon unterschiedlich zu dem, was Jung da macht.
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Also das Gefühl von Jung eher zu sagen, ich drehe mich um, ich spreche mit den
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Toten, mal gucken, manche sind wirklich eben,
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das ist echt und bei manchen ist es meine eingebildete Version des Toten und
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als Experte kann ich das auch gut unterscheiden.
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Ich glaube auch, Jung hat dann auch viel mehr so einfach geschrieben,
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was er da so erlebt hat oder was er sich vorgestellt hat.
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Während im Traumdeutigen im Buch von Freud ist ja auch dann gleich die Analyse dabei.
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Also er hat ja dann auch das ganze Material organisiert und seine Träume dann
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halt auch wirklich analysiert.
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Dieser analytische Schritt, der fehlt ja dann im roten Buch.
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Ja, und das ist ja eben auch dann dieses Titel von unserer Episode,
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Religionsstifter, Fragezeichen, weil es dann wirklich eher rüberkommt wie ein
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religiöser Text, ein Text, der von dir interpretiert werden muss,
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also der nicht erklärt wird.
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Und das ist auch wieder eine Brücke zu dem Film, fand ich ganz interessant,
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formal dann nochmal, dass Träume von Freud im Film auch als Animation umgesetzt wurden.
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Ja, genau, das wollte ich auch noch erwähnen.
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Und er dann explizit Träume genommen hat, die eben nicht interpretiert wurden.
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Also die irgendwo aufgetaucht sind und dann auch wieder verschwunden sind und
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nicht bearbeitet wurden, interpretiert wurden, gedeutet wurden.
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Und das fand ich ganz interessant, als er das nochmal reingenommen hat.
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Und da war eben dieses eine Bild in einem der Träume. Da siehst du einen Zug,
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der zunehmend sich mit Wasser füllt.
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Und in diesem Zugabteil siehst du dann so eine Zigarre, die so irgendwo drauf
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liegt. Und als die Zigarre kommt vorne so Wasser raus.
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Und das füllt diesen ganzen. Und dann fährt der ganze Zug nicht in einen Tunnel,
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sondern in den Pissoir hinein.
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In den Berg ist so ein riesen Pissoir eingelassen. Da fährt der Zug rein.
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Das dann auch aussieht wie eine Vulva. Also diese Doppel.
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Zug, Penis, Zigarre, Pinkeln. Hast du alles drin.
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Ja, aber da gibt es eben von Freud ja diesen Satz, dass er irgendwann mal darauf
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angesprochen, irgendwann mal meint er, manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre.
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Und das klingt halt so einerseits so vehement von wegen, ey,
1:18:25–1:18:28
jetzt lass mich doch Zigarre rauchen, jetzt mach mal halblang hier.
1:18:28–1:18:30
Aber von dem Hintergrund des Traums ist es natürlich dann so,
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manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre.
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Es kann auch viel Flüssigkeit vorne rauskommen und dann fährt der ganze Zug
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massiv und schnell und erregt hinein in diese Pissoir-Vulva des Berges.
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Aber man muss auch sagen, er hat ja immer weiter geraucht, auch als er schon Gaumenkrebs hatte.
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Das ist ja auch nochmal so, das Aspekt des Heilens.
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Er hatte 1923 dann eben Krebs, Gaumenkrebs.
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Ganz viel wurde ihm dann auch aus dem Kiefer genommen.
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Er hatte eine ganze Reihe von Operationen.
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Über 50 Operationen, die er da machen lassen musste. Und,
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Auch eine unglaubliche Prozedur, dann eben diese Prothesen einzusetzen,
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wo dann auch anekdotisch erzählt wird, dass nur seine Tochter Anna ihm da helfen durfte.
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Und dass das bis zu einer halben Stunde gedauert hat, bis er dann halt so hergerichtet war.
1:19:31–1:19:36
Also ich meine, er war nicht entstellt im Alter von, wir haben jetzt auch ganz
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viele Bilder von ihm gesehen.
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Ja, man sieht das dann schon.
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Aus einer bestimmten Perspektive hast du gesehen, dass...
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Auf der einen Seite, der Knochen waren ja auch wirklich Teile des Kieferknochens
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entfernt. Und da wurde die Haut dann auch so dunkel und rot.
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Ja, das war so. Und dann hat er noch so ein Geschwulster. Aber er ist ja dann
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letztendlich von einem Krebs geheilt worden.
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Also konnte er dann noch 16 Jahre weiterleben.
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Und hatte wohl aber immer so gutartige Geschwulste. Und gleich dieses Festheilen,
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das war, glaube ich, sein einziges Rauschmittel. Also Alkohol wird überhaupt nicht erwähnt.
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Kokain hat er dann glaube ich auch nur so kurz probiert und nicht weiter verfolgt.
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War das halt irgendwie so eine Mode.
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Aber dieses Rauchen, Zigarrenrauchen, das war halt so schon,
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es war nicht nur einfach nur eine Zigarre, sondern es war schon ein Objekt.
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So sieht man, also so denkt man dann Freud, wenn man ein Bild sich vorstellen
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muss von ihm. Bart und Zigarre.
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Das ist so der Archetyp von Freud.
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Und wohl nicht wegzudenken, wenn er geschrieben hat. Also das war wohl eben
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seine Form, die innere Erregung zu regulieren, während er schreibt.
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Dann braucht er das wohl, das Nikotin, aber vielleicht auch das Kauen oder ich,
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keine Ahnung, spekulativ.
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Ja, aber er war auch immer noch hochproduktiv im Alter mit den ganzen Schwächungen und Krankheiten.
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Hat er dann noch in den 30ern also weiterhin Bücher geschrieben. Abhandlungen gegeben.
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Also das ist schon Leistung.
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Ich fand diese Anekdote auch sehr schön mit den Ciao-Chao, ich weiß gar nicht,
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wie die in Deutschland heißen, ja auch Ciao-Chao, diese chinesischen Hunde,
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die so ein bisschen gepropft aussehen und so wie so eine Rolle mit Fell,
1:21:30–1:21:33
dass das wohl sein Lieblingshund war und auch von,
1:21:34–1:21:37
Marie Bonaparte, was auch der Lieblingshund ist, hat sie auch so weiter verbunden
1:21:37–1:21:39
und in dem ganzen Material
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Im Film, was wir da jetzt auch so gesehen haben, hatte ich wirklich das Gefühl,
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das Einzige war, dass er so ganz ungebremst gelacht hat, war,
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als er einmal den Hund so gefüttert hat und dann guckt er so kurz hoch und sucht
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dann einfach irgendeinen, er sucht so im Off an der Kamera vorbei,
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sucht halt irgendjemand, den er anlachen kann, weil er sich so gefreut hat.
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Und da hat man echt so ein richtiges Lachen gesehen.
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Ja, das finde ich auch sehr schön.
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Das fand ich eben wirklich auch so dieses, das Menschliche, was,
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ich meine, gut, früher war Fotografie alles nochmal was anderes als heute und
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oft eben auch gestellt oder hat dann eine bestimmte Funktion,
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diese Gruppenbilder oder wie auch immer.
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Aber da in dem Moment war es dann wirklich so ein unbeobachteter Moment.
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Ja, das war halt wirklich ein völlig untypisches Bild von Freud.
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Also hat man ja auch vorhin darüber gesprochen, wo man so einen privaten Einblick
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hat, den man vorher nicht gehabt hat.
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Also allein durch die Archive, die dann da zur Verfügung gestellt waren.
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Ja, wir sind jetzt wieder da, wo wir losgelaufen sind.
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Wir sind kurz vor dem Kino Movimento.
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Und ich glaube, wir sind jetzt auch nochmal so ganz gut durch die Geschichte
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gelaufen, durch den Film.
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Und würde sagen, dass wir damit auch die Episode zum Ende führen.
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Bist du einverstanden, Mitch?
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Finde ich gut. Also zusammenfassend nochmal, mein Wunsch war und ich hoffe,
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dass das auch gepasst hat. Das war jetzt irgendwie so eine lockere Folge.
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Wir haben uns jetzt nicht durch Sachen durchgeknüppelt, wobei du wirklich auch
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nochmal gut Jahreszahlen so wieder mit reingebracht hast.
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Aber für mich war es eher nochmal so die Hoffnung und Wunsch und ich habe es
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auch so erlebt über diesen Film als dritter Teil zu dieser C.G.
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Jung-Folge vielleicht auch noch mal freut, biografisch so ein bisschen darzustellen,
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und nicht über die Theorie und die Wahrhaftigkeit davon oder nicht,
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sondern oder Wissenschaftlichkeit und nicht so einfach zu schauen,
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dass bestimmte Dinge da auch aus der Biografie vielleicht auch motiviert sind
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oder noch mal anders erlebt werden können.
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Weil wir ja bei Jung eben auch auf diese biografischen Aspekte geschaut haben.
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Ich finde, das ist uns gelungen.
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Auf jeden Fall.
1:23:56–1:24:00
Ja, das war Eigentlich Podcast.
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Das Ganze könnt ihr unter eigentlich-podcast.de nochmal vertiefen.
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Da könnt ihr auch sehen, wo wir langgelaufen sind, unseren Track.
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Und wir haben auch ein paar Bilder gemacht. Ich hoffe, die sind was geworden.
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Es war sehr dunkel, auch schon spät.
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Wenn euch die Episode gefallen hat, Wenn euch der Podcast gefällt,
1:24:22–1:24:27
dann empfehlt uns weiter oder gebt uns Sternchen oder was auch immer.
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Wir sagen Tschüss, bis zum nächsten Mal, bis dahin.
1:24:32–1:24:33
Macht's gut, Tschüss.

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"London calling to the faraway towns / Now war is declared and battle come down / London calling to the underworld / Come out of the cupboard, you boys and girls" The Clash, 1979

Flo hat in letzter Zeit viele Serien geschaut, die in London spielen: MobLand, I May Destroy You, Fleabag, Disclaimer, The Agency, Industry, Slow Horses, Ted Lasso, The Capture und Gangs of London. London steht als Spielort für Serien auf Platz drei hinter L. A. und New York City. In dieser Folge ist Flo der Frage nachgegangen, warum sich London in der Serienproduktion so hervorgetan hat, zumal der Brexit England doch wirtschaftlich zurückgeworfen hat. Doch England war in der Filmindustrie schon immer präsenter als seine europäischen Nachbarländer. Allein durch die Sprache können sich englische Produktionen größere Märkte erschließen, wohingegen deutsche und französische Produktionen auf Sprachbarrieren im internationalen Raum stoßen. Auch die großen Streamingdienste haben sich in den letzten Jahren in Londoner Studios eingemietet. Serien wie „Game of Thrones” und die „Harry Potter”-Filme trugen maßgeblich dazu bei, dass sich in den ersten Dekaden der 2000er eine starke Infrastruktur in der Filmindustrie in London ausbauen konnte. Gerade im Bereich der visuellen Effekte (VFX) sind viele kleine Studios entstanden, die auf dem Weltmarkt eine führende Position eingenommen haben. Dies erklärt zum Teil, warum so viele Serien in London spielen. Ein weiterer Grund ist, dass viel Geld aus dubiosen Quellen nach London geflossen ist, welches neben der Finanzierung von Großbauprojekten wie The Shard oder One Hyde Park auch viele Schattenproduktionen in der Filmbranche finanziert hat. London ist als Geldwäscheanlage bekannt. In dieser Episode tauschen wir uns über solche Geschichten und Gerüchte aus und können viele eigene London-Erlebnisse einbringen. Flo ist fasziniert davon, wie sich die Skyline von London in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Micz kann von seiner Zeit in den 90ern berichten, als er in London lebte und die Gentrifizierung des Stadtteils Shoreditch miterlebte. London ist vielseitig und unberechenbar, wie sich die Stadt auch in den Serien spiegelt. Hinter der glatten Fassade lauern Abgründe, aber auch Chancen...

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
Erzähler
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Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:03
Dann hatte ich ja dieses Drum-Ding da gebastelt, was man einfach so drauflegen kann.
0:00:04–0:00:07
Und dann war es ja damals noch so, dass es diesen Moment gibt,
0:00:07–0:00:08
wo dieses Klatschen rein soll.
0:00:09–0:00:12
Und das haben wir dann aber, glaube ich, du schneidest das, glaube ich,
0:00:12–0:00:13
gar nicht mehr so. Du schmeißt es einfach drauf.
Florian Clauß
0:00:15–0:00:19
Ich habe den Zimmer in irgendeiner rhythmischen Pause, wie ich den dann drauf.
Micz Flor
0:00:19–0:00:20
Dann klatschen wir mal.
Florian Clauß
0:00:21–0:00:22
Liest du, hörst du, oder?
Micz Flor
0:00:22–0:00:23
Ach, auf jeden Fall.
Florian Clauß
0:00:23–0:00:23
Hörst du jetzt.
Micz Flor
0:00:24–0:00:31
Achso, ich bin jetzt schon im finalen Edit. Hallo, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen und Zuhörende.
0:00:31–0:00:34
Wir kommen jetzt mit dem eigentlichen Podcast schon zur Folge 83.
0:00:35–0:00:39
Und die Zahl 83 ist ja magisch aufgeladen. Das werdet ihr heute noch später
0:00:39–0:00:41
erleben, wenn ihr das Thema von Flo hört.
0:00:42–0:00:47
Wir, das sind Flo und ich, Mitch. Und alle zwei Wochen ist etwas,
0:00:47–0:00:50
was wir beim Laufen aufgenommen haben, auf unseren Podcast drauf.
0:00:50–0:00:54
Die Idee kam halt eben ursprünglich so ein bisschen von den Corona-Walks,
0:00:54–0:00:56
wo man sich dann treffen durfte, aber nur draußen.
0:00:56–0:00:58
Da haben wir einfach so viel gesprochen, irgendwann Aufnahmen gedrückt.
0:00:59–0:01:02
Wo wir langlaufen, ist dann irgendwie auch immer Teil von dem,
0:01:02–0:01:06
was wir erzählen, weil man dann manchmal doch stehen bleibt und über was spricht,
0:01:06–0:01:08
was gerade vor der Nase ist.
0:01:09–0:01:13
Diese Touren könnt ihr dann auch immer auf der Webseite sehen von eigentlich-podcast.de.
0:01:14–0:01:16
Für die, die jetzt zum ersten Mal hören, die denken vielleicht,
0:01:17–0:01:20
ich erkläre das immer so gut und ausführlich, aber ich mache das jetzt mal extra
0:01:20–0:01:24
so, weil Flo, glaube ich, immer hofft, dass man das noch mal so alles so ausführlich
0:01:24–0:01:26
vorher erklärt, bevor es dann losgeht.
0:01:26–0:01:30
Und das geht jetzt nämlich los mit Flo's Thema. Ich habe keine Ahnung, worum es geht.
0:01:31–0:01:35
Deshalb habe ich das von Magie gesagt. Aber du wirst mich jetzt eines Besseren belehren.
Florian Clauß
0:01:35–0:01:40
Ja, du wirst sicher dazu was beitragen können. Da bin ich mir auf jeden Fall sicher.
0:01:40–0:01:45
Ich wollte noch ein, zwei Sätze zur Tour sagen.
0:01:45–0:01:48
Und zwar, du hast mich vorhin gefragt, hast du eine Tour? Und ich meinte so,
0:01:48–0:01:54
ja. Ja, aber die ist so ein bisschen, wie soll man sagen, die schlägt so ein paar Haken.
0:01:54–0:02:00
Nämlich, ich habe als Tourplanung Tool, habe ich Square Dats genommen. Also Square Dats.
Micz Flor
0:02:00–0:02:01
Das könnte ich ja nicht mal aussprechen.
Florian Clauß
0:02:02–0:02:03
Ja, das kann ich auch schwer aussprechen.
Micz Flor
0:02:03–0:02:05
Square wie das Quadrat und Dats wie die Punkte.
Florian Clauß
0:02:05–0:02:13
Dats, D-A-T-S, Dotcom. Das ist im Prinzip ein Add-on für verschiedene andere
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Tracking-Tools wie Strava oder Komoot.
0:02:17–0:02:19
Teilt die Welt in Quadrate ein.
0:02:20–0:02:23
Und du kannst dann automatisch da eine Tour, in die du gefahren,
0:02:23–0:02:26
gelaufen, also alles, was mit Muskelkraft geht, gemacht hast,
0:02:26–0:02:31
lädt dann auf diese Seite hoch und markiert dann quasi die Quadrate, die du abgelaufen bist.
0:02:31–0:02:35
Und dann gibt es halt ein Square, ist dann halt quasi so eine Meile ungefähr.
0:02:36–0:02:41
Und das wird aber, kann beliebig tief unterteilt werden in diese sogenannten,
0:02:42–0:02:45
jetzt kriege ich den, da muss ich es wieder aussprechen, Square.
Micz Flor
0:02:47–0:02:48
So heißt es nicht?
Florian Clauß
0:02:48–0:02:49
Ja, die kleinen.
0:02:52–0:02:57
Dieser große Bereich wird dann nochmal in 64,1, also Länge wie Breite, dann unterteilt.
0:02:58–0:03:02
Das Ganze ist eine Spielerei, weil du siehst dann halt, wo du lang gelaufen
0:03:02–0:03:06
bist, du siehst dann halt so in den Farbtönen, wenn du öfters so ein Quadrat
0:03:06–0:03:10
passiert hast, dann kriegt das nochmal eine dunklere Farbe.
0:03:10–0:03:13
Und dann siehst du auch die Teile, wo du noch nie so lang gelaufen bist.
0:03:14–0:03:16
Zumindest nicht, wo du mal aufgezeichnet hast.
0:03:17–0:03:20
Und das ist halt so ein ganz nettes Tool, um halt, wenn du irgendwo läufst,
0:03:20–0:03:23
um so eine Tourplanung zu machen oder Fahrrad fährst.
0:03:23–0:03:25
Dann fährst du halt dann mal Wege, die du sonst nicht so fährst.
0:03:26–0:03:29
Und das habe ich jetzt gemacht bei uns. Und ich wusste ja, dass wir hier wieder
0:03:29–0:03:35
im Epizentrum von Berlin starten, Oranienplatz, und habe mir dann noch mal so
0:03:35–0:03:39
ein paar Quadrate rausgesucht, die ich noch bisher noch nicht mit...
Micz Flor
0:03:39–0:03:42
Also, dass ich es verstehe, wir haben eine Meile mal eine Meile oder Kilo,
0:03:42–0:03:47
das wissen wir nicht genau. Und das ist dann nochmal in quasi 64 Bits unterteilt.
Florian Clauß
0:03:47–0:03:48
Also genau, in Nummer 64.
Micz Flor
0:03:49–0:03:53
Und das sind diese kleinen Squad. Also wir könnten jetzt also auch programmieren,
0:03:53–0:04:00
indem wir diese Bits so ablaufen, dass die einzelnen Nullen dann als Programm laufen könnten.
Florian Clauß
0:04:00–0:04:04
Ja, wir könnten auch jetzt eine Tour laufen und dann hätten wir wieder irgendwelche
0:04:04–0:04:09
Schriftzeichen in die Stadt reingeimpft mit unseren Wegen. Aber das machen wir nicht mit.
Micz Flor
0:04:09–0:04:12
Na gut, ich dachte nur, wir könnten einen Assembler-Code schreiben.
Florian Clauß
0:04:12–0:04:14
Achso, ja, okay.
Micz Flor
0:04:14–0:04:15
Der sinkt dann zum Beispiel.
Florian Clauß
0:04:15–0:04:18
Da müssen wir quasi über ein so ein kleines Quadrat drüber hüpfen.
0:04:19–0:04:22
Aber das ist schon zu breit zum Hüpfen.
0:04:23–0:04:27
Too far to jump. Jump, jump, genau.
0:04:27–0:04:33
Und mit mein Thema. Ich bin irgendwie auf mein Thema gestoßen worden von mir selber.
0:04:34–0:04:36
Okay, das heißt Idee.
0:04:37–0:04:39
Ich habe da so viele Spränge.
Micz Flor
0:04:39–0:04:45
Das klingt so, als ob du fast erschüttert warst, dass etwas ohne Chat-GPT eine Idee wurde.
Florian Clauß
0:04:46–0:04:51
Naja, ja, das nicht unbedingt. Also Chat-GPT hat mich da auch gut beraten,
0:04:51–0:04:54
wobei ich ja immer von Antrofic dann...
Micz Flor
0:04:54–0:04:55
Antrofic, Entschuldigung.
Florian Clauß
0:04:55–0:04:59
Hat mich auf jeden Fall, hat mich bei der Recherche unterstützt.
0:05:00–0:05:03
Aber was mir aufgefallen ist, das war wirklich so ein Thema,
0:05:03–0:05:09
was ich dann halt so aufgedrungen hatte. Nämlich, es geht auch wieder um Filme, es geht um Serien.
0:05:10–0:05:12
Du weißt, ich gucke sehr viel Serien, ne?
Micz Flor
0:05:12–0:05:12
Ja, ja.
Florian Clauß
0:05:12–0:05:14
Meine Kinder sind ja ...
Micz Flor
0:05:14–0:05:14
Aus dem Haus.
Florian Clauß
0:05:16–0:05:19
Deswegen, wenn du mir immer sagst, woher nimmst du diese Zeit?
Micz Flor
0:05:20–0:05:25
Die wurde mir gegeben, das ist negative Energie der Abwesenheit meiner Kinder.
Florian Clauß
0:05:25–0:05:29
Deswegen komme ich in den Genuss, viel Serien zu schauen, ich bin auch echt
0:05:29–0:05:32
ein großer Serienferien. Und mir ist aufgefallen.
0:05:33–0:05:37
Oder ich fange anders an. Allgemein in Filmen. Frage an dich.
0:05:38–0:05:45
Inwieweit ist denn jetzt so der Ort in einem Film oder in einer Serie eine maßgebliche Bedeutung?
0:05:46–0:05:55
Der Ort als wie auch immer gefasst, als echter Ort, als Stadt,
0:05:56–0:06:03
als narrativer Raum, als quasi Eigenschaftsraum oder sowas. Was fällt dir da spontan ein?
Micz Flor
0:06:03–0:06:06
Also wenn ich jetzt Serie und Film denke, dann denke ich bei Filmen sofort an
0:06:06–0:06:09
James Bond, weil das war dann immer so ein Ding früher, auch in der Werbung
0:06:09–0:06:16
vorneweg, die waren in den Meteoraklöstern und in Rom und der Showdown ist in San Francisco.
0:06:17–0:06:18
Also das waren ja immer Orte, die wurden angepriesen.
0:06:19–0:06:22
Ein anderer Classic, jetzt aus der Serienvorabend, der in Sachen ist Friends,
0:06:23–0:06:27
was mir einfällt, wo es ja dieses Kaffee, Coffee Perk oder wie das heißt,
0:06:28–0:06:29
gab, wo die sich immer wieder treffen.
0:06:29–0:06:33
Also das war quasi der Ort, es gab natürlich auch die Wohnung und sowas,
0:06:33–0:06:36
aber der Ort, der jetzt nicht privat war, war eben dieses Kaffee,
0:06:36–0:06:40
wo man sich immer wieder getroffen hat. Das fällt mir jetzt spontan dazu ein.
Florian Clauß
0:06:40–0:06:44
Ja, also man könnte es auch weiterfassen, wenn du dann halt irgendwie so Ort
0:06:44–0:06:47
im Sinne von quasi als Protagonist siehst.
0:06:48–0:06:50
Dann könnte Shining natürlich das Hotel als Ort.
Micz Flor
0:06:51–0:06:51
Ja, okay.
Florian Clauß
0:06:51–0:06:57
Oder bei Tschernobyl dann halt die Atomkraftanlage als Ort und so weiter.
0:06:57–0:07:02
Oder du kannst es halt so ganz konkret auffassen wie Emily in Paris,
0:07:03–0:07:06
also Paris als Ort, als Kulisse.
0:07:08–0:07:13
Oder Sex in the City, wo natürlich New York City der dreht.
Micz Flor
0:07:13–0:07:15
Oh, das ist New York. Ich hatte gesagt, das ist Tübingen.
Florian Clauß
0:07:18–0:07:23
Und dann habe ich mal auch so geguckt und mich gefragt, was meinst du,
0:07:23–0:07:30
wie das Top Ranking in Serien ist, die Orte, wo sie stattfinden.
0:07:31–0:07:33
Und Städte vor allen Dingen.
Micz Flor
0:07:33–0:07:37
Also bei Serien weiß ich, weil ich das neulich irgendwo Social Media-mäßig gesehen
0:07:37–0:07:42
habe, so dieses Manhattan, New York Map, King of Queens, Friends,
0:07:42–0:07:44
Seinfeld, Sex in the City hat er schon gesagt.
0:07:44–0:07:47
Also da wurde das quasi auf die Karte auch draufgeschrieben.
0:07:47–0:07:51
Man könnte da dann interessanterweise wirklich auch so Podcast-Walks machen,
0:07:51–0:07:53
wo man dann sich immer in diesen Vierteln aufhält.
0:07:54–0:07:56
Gibt es ja, da gibt es natürlich so City-Walks.
Florian Clauß
0:07:56–0:07:58
Wo da die Serien-Schauplätze abgelaufen werden.
Micz Flor
0:07:59–0:08:00
Also das, denke ich, ist die Nummer 1.
Florian Clauß
0:08:00–0:08:01
Platz 1.
Micz Flor
0:08:01–0:08:06
Dann würde ich sagen, Paris ist Platz 2. 3 ist London. 4 ist Rom.
Florian Clauß
0:08:07–0:08:11
Ja, 3 ist richtig. Paris kommt ein bisschen später. 2 ist LA.
Micz Flor
0:08:12–0:08:15
Ah, klar. Okay, Amerika. Man muss es, glaube ich, amerikanisch denken.
0:08:16–0:08:20
Und wahrscheinlich ist im Endeffekt Kanada auf Nummer 1, weil da alles gedreht wurde.
Florian Clauß
0:08:20–0:08:24
Und dann kommt Seoul und die asiatischen Länder und so weiter.
0:08:24–0:08:28
Aber tatsächlich ist 3 mein Thema. London.
Micz Flor
0:08:28–0:08:28
London.
Florian Clauß
0:08:28–0:08:30
Ja, London is calling.
Micz Flor
0:08:32–0:08:34
London calling, da müssen wir jetzt das Gema zeigen.
Florian Clauß
0:08:35–0:08:36
Ja, nicht, wenn du das singst.
Micz Flor
0:08:37–0:08:39
Nee, er kennt keine KI.
Florian Clauß
0:08:40–0:08:43
London, mir ist nämlich aufgefallen bei den ganzen Serien, die ich in der letzten
0:08:43–0:08:46
Zeit geguckt habe, dass die alle in London spielen.
0:08:46–0:08:51
Und das sind echt gute Serien. Also das sind wirklich, wirklich gute Serien,
0:08:51–0:08:55
die ich alle, ja, mehr oder weniger ausnahmslos empfehlen kann.
0:08:55–0:08:58
Ich gehe die gleich nochmal so durch, weil du wahrscheinlich keine davon kennst.
Micz Flor
0:08:59–0:09:02
Die einzige, die ich ja auch mal rumgeschickt hatte mit Chris auch im Chat,
0:09:02–0:09:05
war ja die Black Doves. Das war auf Netflix eine Serie.
0:09:05–0:09:08
Die fand ich wirklich ziemlich toll. Die spielt auch in London.
0:09:09–0:09:10
Black? Doves, Tauben.
Florian Clauß
0:09:11–0:09:12
Schwarze Tauben. Die habe ich noch gar nicht gesehen.
Micz Flor
0:09:12–0:09:16
Siehst du, das ist das beste Film. Hältst du dir auch für zuletzt eine zweite
0:09:16–0:09:18
Folge machen zu dieser Episode?
Florian Clauß
0:09:18–0:09:21
Ja, unbedingt. Nein, das geht halt auch zu den Serien, die in der letzten Zeit
0:09:21–0:09:22
quasi auch gedreht wurden.
0:09:23–0:09:27
Und die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Da geht es ja zeitnah, gucke.
0:09:27–0:09:33
Ganz aktuell steige ich gleich mit einer der hier ein, ist Mobland,
0:09:33–0:09:39
wo Guy Ritchie einige Folgen gedreht hat, also eigentlich eine Guy Ritchie-Folge, kann man so sagen,
0:09:40–0:09:44
und Tom Hardy die Hauptrolle spielt neben Pierce Brosnan.
0:09:45–0:09:47
Und da geht es um eine...
Micz Flor
0:09:47–0:09:52
Darf man sagen, welche Sender oder welche Webseite, welche URL?
Florian Clauß
0:09:52–0:09:57
Das ist Paramount Plus, hat das gedreht. Paramount ist jetzt evil,
0:09:58–0:10:00
also darf man nicht mehr uneingeschenkt empfehlen.
Micz Flor
0:10:00–0:10:01
Warum? Was ist bei Paramount?
Florian Clauß
0:10:01–0:10:05
Bei Paramount hat er die Colbert Show abgesetzt und bietet sich gerade Trump
0:10:05–0:10:10
an, um diesen einen Deal dann halt über die Bühne zu bringen.
0:10:10–0:10:11
Die wollen doch irgendwie merchen.
0:10:11–0:10:15
Mit wem habe ich vergessen. Aber deswegen ist gerade Paramount.
0:10:16–0:10:21
Gut angesagt. Es geht um eine super reichen Familie, die dann auch im Drogen-Business
0:10:21–0:10:25
ist, was bei vielen Serien in London vorkommt.
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Drogen, Gangster und der Harrigan, der Patriarch der Familie,
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gespielt von Pierce Brosnan in einer unglaublich guten Rolle,
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der dreht ein bisschen frei und seine Frau auch, eine Patriarchin,
0:10:39–0:10:41
die so eine Hidden Agenda verfolgt.
0:10:41–0:10:44
Und Tom Hardy ist halt so ein Typ, der ist halt so straight.
0:10:44–0:10:46
Also wirklich, es macht Spaß, diese Serie zu gucken.
0:10:47–0:10:51
Ja, weil der ist so der Cleaner-Typ. Der muss halt ständig hinter denen herrollen.
0:10:51–0:10:54
Und es wird immer katastrophaler, so ein typischer Guy-Ritchie-Plot.
0:10:55–0:10:57
Also Guy-Ritchie ist ja so ein bisschen...
Micz Flor
0:10:57–0:11:00
Und das ist jetzt aber dann innerhalb von einer Episode oder über die ganze Art?
Florian Clauß
0:11:00–0:11:02
Nein, nein, das ist so der Bogen, das ist so der Einstieg. Also ich erzähle
0:11:02–0:11:04
nicht, ich spoil nicht so viel wie sonst.
0:11:06–0:11:09
Ich erzähle nicht Szene für Szene wie bei 28 Days Later.
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Was mich dann immer so fasziniert London, wie kann London ist so eine Stadt die halt,
0:11:19–0:11:25
wo du jede Drehsekunde wahrscheinlich dann halt irgendwie 10.000 Pfund kostet,
0:11:25–0:11:30
ja, wie, warum ist das dann halt so ein Margant gerade für so Serienproduktion
0:11:30–0:11:32
und da habe ich halt so ein bisschen nachgedacht und recherchiert,
0:11:33–0:11:36
dass der Punkt ist, dass, wir haben ja bei London so verschiedene,
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ich sage mal Strömungen, die gerade abgegangen sind. Brexit ist eine.
0:11:41–0:11:47
Brexit ist ja auch so mit dem Versprechen dann gekoppelt, quasi so ein Offshore-Gelände in London.
0:11:47–0:11:52
So ein bisschen wie Malaysia oder sowas. Oder Singapur, wo du dann halt dein
0:11:52–0:11:55
ganzes Business machen kannst, ohne groß Steuern zu zahlen.
Micz Flor
0:11:55–0:11:57
So eine Schweiz oder wie?
Florian Clauß
0:11:57–0:12:01
So eine kleine Schweiz, hat aber nicht funktioniert. Es ist tatsächlich eher
0:12:01–0:12:06
das Gegenteil, dass viele Leute eben abwandern, gerade in den ganzen Care-Bereich,
0:12:06–0:12:10
NHAs oder National Health Service, NHS,
0:12:11–0:12:15
genau, dass der davon stark betroffen ist vom Brexit, dass du auch die ganzen
0:12:15–0:12:18
Servicekräfte und so weiter wandern ab.
0:12:18–0:12:23
Es sind ja so in den 2000ern ganz viele osteuropäische Bürgerinnen und Bürger
0:12:23–0:12:29
nach England ausgewandert, haben da halt auch polnische Mitbürger,
0:12:29–0:12:32
die haben dann auch viel so in den Handwerksbereich und so weiter gearbeitet.
0:12:32–0:12:38
Das ist alles weg mit dem Brexit und eigentlich ist es so eine Verarmung gleichzeitig.
0:12:38–0:12:46
Finden wir aber einen Zuwachs an Produktion und in diesem ganzen Cultural Business
0:12:46–0:12:49
sozusagen, wo dann auch Film ein Teil davon ist,
0:12:49–0:12:53
hat es tatsächlich Zuwachs in London. Also die machen Plus.
0:12:54–0:12:59
Also ich habe dann auch mal geguckt, wie sieht dann quasi der Anteil vom Proto-Inlandsprodukt,
0:12:59–0:13:00
wir müssen jetzt hier links.
0:13:01–0:13:05
Hier waren wir schon. Hier haben wir doch die erste Stromgitarrenfolge aufgenommen.
Micz Flor
0:13:05–0:13:10
Ja, und hier habe ich auch eine der Folgen mit Chris aufgenommen, auch in Summono.
Florian Clauß
0:13:10–0:13:14
Ja, ja, die ist schon viel belaufen. Es ist schon dunkelgrau, das Quadrat hier.
0:13:15–0:13:20
Ich habe mal geguckt, was dann so vom Bruttoinlandsprodukt, wenn du verschiedene
0:13:20–0:13:25
westliche Länder miteinander vergleichst, was dann der Filmbereich ausmacht.
0:13:25–0:13:31
Und das ist so, dass natürlich Amerika ganz oben liegt mit 1,3 oder so Prozent
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vom Bruttoinlandsprodukt, was die Filmwirtschaft dazu beiträgt.
0:13:34–0:13:39
Filmwirtschaft im breiteren Sinne, also alles, was dann quasi die Produktion
0:13:39–0:13:42
und so weiter, das ganze Catering und Business drumherum.
0:13:42–0:13:47
Und dann auch die Verwertung durch Tourismus oder sowas, dass du halt irgendwie
0:13:47–0:13:51
so Studios hast, wo dann die Zuschauerinnen das besichtigen können.
0:13:51–0:13:56
Also das nimmt man da alles mit rein. Ja, Amerika ganz oben und für Europa ist
0:13:56–0:14:01
tatsächlich England mit 0,8 Prozent oder 0,9.
Micz Flor
0:14:01–0:14:03
Ja, und Amerika ist wie viel?
Florian Clauß
0:14:03–0:14:06
1,3, 1,4, aber ist ja nicht weiter verwunderlich.
0:14:06–0:14:10
Deutschland liegt hinten im Vergleich, Frankreich kommt mit,
0:14:10–0:14:13
ich glaube, 0,8 Prozent und Deutschland bei 0,6.
Micz Flor
0:14:14–0:14:17
Also das ist aber England und Frankreich auf gleicher Ebene.
Florian Clauß
0:14:17–0:14:21
Ja, wobei natürlich, wenn du dann wieder pro Kopf umrechnest und so weiter.
0:14:22–0:14:27
Also England hat ein bisschen weniger Einwohner, Einwohnerinnen als Frankreich.
0:14:27–0:14:31
Also insofern ist das doch ein hoher, aber es ist ja schon gelevelt mehr oder
0:14:31–0:14:33
weniger durch das Bruttoinlandsprodukt.
0:14:33–0:14:36
Ich wollte nur mal so einen Umriss geben und es war ja auch schon immer so,
0:14:36–0:14:40
dass England so einen unglaublichen popkulturellen Ausfluss.
0:14:40–0:14:42
Die wissen einfach, wie man Shows macht.
0:14:42–0:14:46
Die können einfach gut produzieren und die können auch Fernsehserien machen und so weiter.
Micz Flor
0:14:46–0:14:50
Es ist eben auch, finde ich, die englische Sprache, so komisch,
0:14:50–0:14:55
dass das klingt, Aber durch die englische Sprache steigst du immer von oben ein.
0:14:56–0:14:59
Du steigst immer von oben ein, du wirst dann in Frankreich irgendwie Alan Parsons
0:14:59–0:15:05
Project heißen, da zwar On Unpare son Projet, aber abgesehen davon singt dann
0:15:05–0:15:06
doch jeder irgendwie mit.
0:15:07–0:15:12
Und meine Tochter ist jetzt elf und schreibt sich auch schon die Texte raus,
0:15:12–0:15:15
wenn sie englische Lieder hört und was wir ja alle irgendwie auch gemacht haben.
0:15:15–0:15:19
Ich glaube, das ist auch so eben, während du in Deutschland so ein Glas-Sealing
0:15:19–0:15:22
hast, das weiß ich nicht, in den 90er Jahren gab es halt so Sachen wie Blumenfeld,
0:15:22–0:15:25
wo ich halt ein großer Fan war, Gitarrenmusik sowieso. Und dann habe ich wirklich
0:15:25–0:15:30
dann gemerkt, gerade Blumenfeld, da kommst du halt nicht durch diese Glasdecke durch.
0:15:30–0:15:35
Gerade wenn du dann irgendwie auch intellektuell entweder bewusst oder zufällig
0:15:35–0:15:38
Sachen verwebst, da will keiner mehr zuhören.
0:15:38–0:15:42
Und das ist halt England, glaube ich, schon ein Riesending und die Sälen können
0:15:42–0:15:44
einfach immer überall laufen.
Florian Clauß
0:15:44–0:15:49
Auf jeden Fall. Also diese Sprachbarriere, die Frankreich und Deutschland hatten,
0:15:49–0:15:53
allein dadurch eben sich bestimmte Märkte nicht zu erschließen.
Micz Flor
0:15:53–0:16:01
Und England hat den absoluten Top-Hit erfunden, das wirklich in jedem Land laufen
0:16:01–0:16:06
kann, obwohl die schon englische Sprache haben überhaupt.
0:16:06–0:16:11
Aber das absolute globale Produkt, was überall laufen kann, fällt mir gerade
0:16:11–0:16:12
ein, ist schon das Schaf.
0:16:13–0:16:15
Da kommt keine Sprache.
Florian Clauß
0:16:15–0:16:17
Aber Sesamstraße. Achso, da kommt ja eine Stimme.
Micz Flor
0:16:18–0:16:24
Da kommt keine Sprache. und dann halt so super englisches Stage irgendwie, ne, alles und,
0:16:27–0:16:28
der Bauer.
Florian Clauß
0:16:28–0:16:33
Der dann tecken wird. Das macht man mit ins Charakter, weil ich schaue in der
0:16:33–0:16:35
Schaf. Ja, richtig, also.
Micz Flor
0:16:35–0:16:36
Auch eine Serie.
Florian Clauß
0:16:37–0:16:43
So, also wir haben eben da England auf Platz 1 in den europäischen Ländern,
0:16:43–0:16:49
was jetzt eben so diese Ausgabenbereich von Film- und Fernsehproduktionen anbelangt,
0:16:49–0:16:51
was natürlich da auch mit reinragt.
0:16:52–0:16:56
Wie du sagst, diese Sprache hindert jetzt erstmal auch nicht,
0:16:56–0:16:59
dass du halt entsprechend Schauspielerinnen und Schauspielern,
0:16:59–0:17:02
die dann auch in amerikanischen Produktionen, das ist ja auch sehr verbreitet,
0:17:03–0:17:07
also schau dir diese Game of Thrones Serienproduktion an, wo dann eigentlich
0:17:07–0:17:11
auch, das ist ja eine amerikanische Serienproduktion, aber eigentlich komplett
0:17:11–0:17:14
mit englischen Schauspielern und Schauspielerinnen besetzt.
0:17:14–0:17:20
Also das heißt, Es gibt da so einen Riesenteppich an Produktionsbedingungen,
0:17:20–0:17:24
die dann auch England in diesem Feld so prädestiniert.
0:17:24–0:17:28
Und das war halt auch so, die Vorläufer, um halt dieses ganze ...
0:17:29–0:17:32
Diese ganze Industrie aufzubauen, ist halt natürlich Game of Thrones.
0:17:32–0:17:40
Ich rede jetzt von den 2000er Jahren, 2010er Jahren, Game of Thrones und natürlich welche...
Micz Flor
0:17:40–0:17:43
Sopranos. Achso, du meinst jetzt Englische.
Florian Clauß
0:17:43–0:17:47
Englische, ja. Was dann halt so zu dieser Infrastruktur in London dann geführt
0:17:47–0:17:50
hat, dass es halt so verbreitet ist.
Micz Flor
0:17:50–0:17:52
Also eine London-basierte Serie.
Florian Clauß
0:17:52–0:17:57
Nicht nur London-basierte, sondern allgemein irgendwelche britischen Seen.
Micz Flor
0:17:57–0:18:01
Wie heißt das? Stingens Blinding Sneakers? Das ist diese Birmingham-Serie auf Netflix.
Florian Clauß
0:18:01–0:18:03
Ja, diese Speaky...
Micz Flor
0:18:03–0:18:04
Queaky Squeaking Blinders.
Florian Clauß
0:18:05–0:18:09
Die auch Kilian Murphy in der Hauptrolle.
Micz Flor
0:18:09–0:18:10
Silian oder Kilian?
Florian Clauß
0:18:11–0:18:14
Kilian. Ich habe jetzt nochmal einen Podcast gehört, die haben explizit gedacht,
0:18:14–0:18:16
alle sagen Silian, aber er ist Kilian.
0:18:17–0:18:23
Kilian von der Kita. Aber es ist Kilian Murphy, Großge... Natürlich, das ist er.
0:18:24–0:18:28
Aber eine Kinoproduktion, die auch durch alles durchgegangen ist.
Micz Flor
0:18:28–0:18:29
Mission Impossible.
Florian Clauß
0:18:29–0:18:32
Das ist eine amerikanische Produktion.
Micz Flor
0:18:32–0:18:33
Aber in London.
Florian Clauß
0:18:33–0:18:34
Auch in London.
Micz Flor
0:18:34–0:18:37
James Bond sicher nicht, das habe ich ja vorhin schon erwähnt.
Florian Clauß
0:18:37–0:18:41
Genau, James Bond hat auch damit zum Teil beigetragen, weil das natürlich urbritisch ist.
Micz Flor
0:18:41–0:18:44
Ach so, hier Jason Bourne, oder? Bourne Identity.
Florian Clauß
0:18:44–0:18:48
Bourne kam auch noch dazu, aber ich meine, ich meine jetzt die Serie,
0:18:49–0:18:53
wo es sieben, acht Teile gibt von Kinoteilen. Harry Potter.
Micz Flor
0:18:53–0:18:54
Ah, Harry Potter.
Florian Clauß
0:18:54–0:18:58
Harry Potter, die haben ein ganzes, Meine Schwester war neulich mit ihrer Familie
0:18:58–0:19:00
auch in London, hat London besucht.
0:19:00–0:19:06
Und die waren in diesen Studios, wo die sämtlichen Harry-Potter-Gegenstände
0:19:06–0:19:09
ausgestellt sind. Und sie war ganz begeistert.
0:19:10–0:19:13
Also das heißt, Harry Potter hat so diese Infrastruktur getankt.
Micz Flor
0:19:13–0:19:15
Genau, und in Frankreich Harry Potter.
Florian Clauß
0:19:17–0:19:20
Und in Deutschland Harald Töpfer.
Micz Flor
0:19:20–0:19:21
Harald Töpfer.
Florian Clauß
0:19:21–0:19:24
Ja gut, den Witz haben wir jetzt nicht liegen gelassen. konnten wir nicht.
Micz Flor
0:19:24–0:19:28
Und es gab sogar eine Referenz in Friends mal.
Florian Clauß
0:19:28–0:19:29
Über?
Micz Flor
0:19:29–0:19:31
Über Harry Potter. Echt?
Florian Clauß
0:19:31–0:19:33
Ich dachte, Friends wäre in den 90ern.
Micz Flor
0:19:33–0:19:36
Die waren nämlich ja auch in England. Die haben ja damals irgendwie auch so
0:19:36–0:19:42
ein Bier als Product Placement, haben die so ein Bier total in England hochgepusht.
0:19:42–0:19:43
Ich habe jetzt vergessen, welches.
0:19:44–0:19:50
Aber da war es dann auch so, dass Joey auf seiner Rechnung ganz viele Pornofilme gesehen hat.
0:19:50–0:19:53
Und der eine hieß Dr. Doomy a Little.
0:19:54–0:19:56
Und der andere hieß Harry Potter.
Florian Clauß
0:19:57–0:19:57
Ja, oh nein.
Micz Flor
0:20:00–0:20:01
Mit Snoop Doggy Dog.
Florian Clauß
0:20:01–0:20:03
Das war doch eine Produktions-
Micz Flor
0:20:03–0:20:05
Manche Sachen kann ich leider nicht vergessen.
Florian Clauß
0:20:07–0:20:12
Das ist so der Bereich, wo sich diese britischen Studios dann auch so profiliert
0:20:12–0:20:15
haben. Und jetzt diese ganzen Serien, die auch entstanden sind.
0:20:15–0:20:20
Gerade die großen Streaming-Dienste haben alle Deport-Dancen in London aufgebaut.
0:20:21–0:20:28
Also Apple TV und Netflix und MGM Prime, also Amazon.
0:20:28–0:20:32
Die haben jetzt auch da große Studios natürlich angemietet.
0:20:33–0:20:37
Es wird auch im Studio-Gelände, also es werden überall so Sachen ausgebaut.
0:20:37–0:20:40
Also die Infrastruktur wird immer weiter aufgebaut.
0:20:40–0:20:46
Und was auch nochmal ist, ist, dass sich durch diese hochgradigen Produktionen.
0:20:46–0:20:53
Da auch total starke Visual Effects, also das VFX,
0:20:54–0:20:58
diesen Bereich, also für die Pre-Production, für die Post-Production vor allen
0:20:58–0:21:04
Dingen, CGI-Rending und so weiter, dass sich da auch ganz viele kleine Studios
0:21:04–0:21:07
entwickelt haben, bis hin zu großen Firmen, die das dann halt auch anbieten können.
0:21:07–0:21:12
Da ist auch London wirklich ein Pflaster, was diesen Bereich total gut abdecken kann.
0:21:13–0:21:17
Also nochmal da im Gegensatz, die Special Effects sind ja alles Sachen,
0:21:17–0:21:19
die dann beim Dreh aufgebaut werden.
0:21:19–0:21:23
Alles, was dann so Green Box, Blue Box, bla bla, alles drumherum,
0:21:23–0:21:28
alle diese ganzen Visual Effects, die werden ja dann später auch in der Postproduktion gemacht.
0:21:29–0:21:33
Beziehungsweise auch beim Dreh, es gibt ja Mandalorian, der auch dann halt diese
0:21:33–0:21:37
Green Box beim Live-Dray dann halt auch gleich mit verwertet hat.
0:21:37–0:21:40
Hatten wir ja so ein bisschen gesprochen, also es wird so eine kleine Metafolge.
0:21:41–0:21:45
Also hatten wir ja auch vor einem Jahr war die, glaube ich, rausgekommen.
Micz Flor
0:21:45–0:21:47
You have my full attention.
Florian Clauß
0:21:47–0:21:49
KI in der Filmwirtschaft.
Micz Flor
0:21:50–0:21:52
Das ist ja genau, das ist jetzt die Anbindung.
Florian Clauß
0:21:52–0:21:55
So ein bisschen, ja, so ein bisschen. Also ich will so ein bisschen so ein Drehkreuz
0:21:55–0:21:58
da machen. Also da habe ich ja jetzt schon gesprochen.
0:21:59–0:22:05
Aber es ist halt so eine Faszination, die mir dann halt auch dieses Phänomen
0:22:05–0:22:06
überhaupt erklären konnten.
0:22:06–0:22:13
Okay, England hat da was aufgebaut, was jetzt hier jemand, Berlin hat jetzt
0:22:13–0:22:16
nicht, oder wenn du Berlin als die Hauptstadt dann vergleichst,
0:22:16–0:22:19
gibt es auch einige Serien, Dogs of Berlin,
0:22:20–0:22:24
Cleo, wie heißt diese von Dominic Graf, die Serie, im Angesicht des Verbrechens?
Micz Flor
0:22:24–0:22:26
Ja, aber das ist ja auch schon 20 Jahre her.
Florian Clauß
0:22:26–0:22:28
Ich sag nur, es gibt dann halt so ein paar...
Micz Flor
0:22:28–0:22:31
Es gibt auf Netflix eine ganze Reihe von deutschen Serien, deren Namen mir jetzt
0:22:31–0:22:32
aber nicht einfallen und,
0:22:33–0:22:36
Und es ist interessant, weil wenn ich deutsche Serien auf Netflix, ich gucke ja wenig.
0:22:36–0:22:39
Wir können ja allgemein auch nochmal drüber reden, was sind Serien,
0:22:39–0:22:41
was sind Filme und was bedeuten die uns.
Florian Clauß
0:22:41–0:22:43
Wir müssen jetzt hier nochmal über die Brüse.
Micz Flor
0:22:43–0:22:47
Und es ist aber immer so, wenn da deutsche Serien sind, dann gehe ich da so rein.
0:22:48–0:22:51
Zum Beispiel ist es allen jetzt ja auch verfilmt worden, achtsam morden.
Florian Clauß
0:22:52–0:22:52
Ja, ja.
Micz Flor
0:22:52–0:22:54
Also es macht auch Spaß.
Florian Clauß
0:22:54–0:22:55
Ja, mit Tom Schilling.
Micz Flor
0:22:55–0:22:58
Ja, und es fühlt sich aber immer auch so irgendwie deutsch an.
0:22:58–0:23:01
Und ich habe dann immer so die Frage, ob wenn Dänen deutsche Serien gucken,
0:23:02–0:23:05
ob für die das so wirkt, wie wenn ich dänische Serien gucke,
0:23:05–0:23:08
die dann immer irgendwie so ein bisschen cooler scheinen als die Deutschen.
Florian Clauß
0:23:08–0:23:13
Ich glaube, also ich finde, das Gefühl hat sich da doch irgendwie,
0:23:13–0:23:15
ist besser geworden, sag ich
0:23:15–0:23:18
mal, dass man da auch schon diesen Coolness-Faktor und dieses irgendwie,
0:23:19–0:23:22
das war dann in den, weiß ich nicht, vor 20 Jahren war es mal anders,
0:23:22–0:23:26
aber diese hochgradigen Produktionen durch die Streaming-Dienste und so weiter,
0:23:27–0:23:31
ich glaube, da ist schon jetzt viel Braindrain hingeflossen,
0:23:31–0:23:34
dass das halt auch jetzt so von Deutschen so gemacht werden kann,
0:23:34–0:23:35
würde ich mal behaupten.
0:23:35–0:23:39
Aber ich will nur sagen, da sind schon andere Ligen, sag ich mal,
0:23:40–0:23:42
von Serienproduktionen.
Micz Flor
0:23:43–0:23:46
Ja, ich meine, London allgemein so als Ort, weil du das jetzt so hochgehoben
0:23:46–0:23:49
hast, London, also nicht England, allgemein so in der Ort, da habe ich ja auch
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eine Zeit lang gewohnt und ich weiß lange nicht mehr da.
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Ich kriege es aber immer noch so mit von Erzählungen und teilweise eben auch
0:23:55–0:23:57
von Fotomaterial oder See.
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Und ich habe so dieses Gefühl, dass London so ein bisschen diese ewige Stadt
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wird, die Rom irgendwann mal ablöst, Weil das Verrückte ist,
0:24:05–0:24:11
glaube ich, entweder England hat viel Geld, dann investieren die in die City of London und bauen auf.
0:24:11–0:24:16
Oder nach dem Brexit wird das Pfund irgendwie total schwach erst mal.
0:24:17–0:24:20
Und die Leute, die sowieso schon Steaks in der Stadt haben, kaufen sich noch
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mehr da rein und die Stadt wird aufgebaut.
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Also egal, ob das Pfund hoch ist oder niedrig, irgendwie funktioniert das da
0:24:27–0:24:29
und es geht einfach immer höher.
0:24:30–0:24:32
Also entweder ist es das Geld von außen, was baut, was drin.
0:24:32–0:24:35
Und wenn du jetzt diese Serien auch guckst, zum Beispiel Black Doves.
0:24:36–0:24:39
Das sind dann halt eben so Teile in London, die man irgendwie auch so kennt.
0:24:39–0:24:43
Und ich glaube nicht, dass es an der Post-Production so gepinselt wurde,
0:24:43–0:24:46
sondern das ist alles so super clean geworden.
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Es ist Wahnsinn, wo du das Gefühl hast, das ist jeder Stein,
0:24:52–0:24:56
der da irgendwie so in diesen Bürgersteig reingehämmert wurde,
0:24:56–0:24:58
kostet halt irgendwie 20 Pfund.
0:24:58–0:25:03
Und wurde mit der Wasserwaage von irgendwelchen MaurerInnen,
0:25:03–0:25:08
die zwei PhDs haben müssen, bevor sie arbeiten dürfen, reingemacht.
0:25:08–0:25:14
Also das ist wirklich einfach unfassbar, wie poliert das ist und wie teuer das sein muss.
Florian Clauß
0:25:14–0:25:17
Ich wollte ja auch so ein bisschen drauf hinaus, aber auch auf deine Erfahrung.
0:25:18–0:25:23
Du hast ja da wirklich mehrere Jahre oder mindestens ein Jahr da gewohnt.
0:25:23–0:25:29
Du warst auch, ich habe dich damals besucht, das war ja in Shoreditch hast du
0:25:29–0:25:30
in dem Bezirk auch gewohnt.
Micz Flor
0:25:30–0:25:35
In den 90er Jahren war das, das war 94, 95 96, so um die Zeit echt.
Florian Clauß
0:25:36–0:25:37
94, 95?
Micz Flor
0:25:37–0:25:42
Da war ich in Manchester aber, nee, Ende, 97 97.
Florian Clauß
0:25:42–0:25:48
Genau, also wir haben uns ja so 95 kennengelernt und dann gemeinsam 95 bin.
Micz Flor
0:25:48–0:25:52
Ich nach Berlin gekommen, haben uns kennengelernt dann bin ich abgehauen aber
0:25:52–0:25:54
du wolltest nicht anders, als mir hinterher zu schnüffeln.
Florian Clauß
0:25:55–0:26:01
Ich muss sagen, London ist die Stadt, die ich am meisten besucht habe in meinem
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Leben. Gerade wird es abgelöst ein bisschen durch Paris.
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Aber man gönnt sich ja sonst nicht.
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Du Armer. London habe ich schon damals in den 80ern, wo wir den Ferienaustausch gemacht haben.
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Ich war ja immer in Bournemouth oder Hastings oder Isle of Wight und habe da
0:26:18–0:26:20
meine Sommerschule gemacht.
Micz Flor
0:26:20–0:26:21
Das wusste ich gar nicht.
Florian Clauß
0:26:21–0:26:26
Ja doch, ich war immer da und mit 13 das erste Mal habe ich auch mit dem Rauchen
0:26:26–0:26:29
angefangen, weil ich so geil fand, das ist ein Doppeldecker-Bus,
0:26:29–0:26:30
dass man oben rauchen konnte.
Micz Flor
0:26:32–0:26:33
Du hast auch Gedichte geschrieben.
Florian Clauß
0:26:34–0:26:38
Ich bin immer rauchen, ein Doppeldecker-Bus mit den anderen und wir sind dann
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halt immer nach London gefahren, das war dann immer so ein Tag,
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wo man dann halt irgendwie mit dem Zug, es war alles gut angebunden und wir
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haben da Carnaby Street besucht.
Micz Flor
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Aber in London musste man gefühlterweise schon immer damals 20 Pfund,
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jetzt wahrscheinlich 50 Pfund in der Tasche haben, bevor man das Haus verlässt.
Florian Clauß
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Genau, sobald du über die Straße gequert hast, hast du alles verloren.
Micz Flor
0:27:01–0:27:03
Das muss ja damals auch schon ein Thema gewesen sein, als Jugendlicher.
Florian Clauß
0:27:04–0:27:07
Das war alles Schweine und vor allen Dingen war das Pfund jetzt ganz anders.
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Das ist nämlich noch der andere Effekt von Brexit und warum man halt so viel
0:27:10–0:27:15
Invest hat in der Business, in der Filmbranche, ist einfach,
0:27:15–0:27:19
dass der Pfund halt gerade für alle anderen so gut steht und für die Briten nicht so gut.
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Also das ist halt so. Aber, was du schon gedacht hast, das letzte Mal war ich
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jetzt vor Covid in London.
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Und was mich da wirklich erschlagen hat, ist, dass London komplett die Skyline
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sich absolut verändert hat. Das ist Wahnsinn.
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Und es sind ja, also einer meiner Lieblingsplätze, das habe ich auch mit Ali
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darüber kurz besprochen, nämlich ist es die Tate Modern. Und die Tate Modern hat einen Anbau.
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Auch jetzt dann, ich glaube in den 2010er Jahren ist der fertig geworden.
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Das ist so ein kleiner Tower mit Aussichtsplattform.
0:27:56–0:28:02
Und ich war auch in den 2000ern ziemlich häufig in London, da hat Tupes gewohnt.
Micz Flor
0:28:02–0:28:02
Ja.
Florian Clauß
0:28:04–0:28:08
Die habe ich auch oft besucht, dann mit Kindern zusammen und die haben auch
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in Shoreditch gewohnt und die waren dann quasi in Shoreditch,
0:28:10–0:28:16
muss man auch sagen, das Viertel, was dann an der City of London grenzt und was so das,
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wo dann die Gentrifizierung glaube ich am sichtbarsten durchgelaufen ist.
0:28:22–0:28:24
Bei dir war das noch so ein pakistanisches Viertel?
Micz Flor
0:28:24–0:28:28
Ja, ich kann das noch gar nicht wirklich sagen, weil damals war es schon irgendwie,
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es war einerseits, wenn man es Berlin vergleicht, vielleicht mit Neukölln in
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den 80ern, keine Ahnung, das wurde mir von ein paar Leuten mal erzählt,
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die dann da in der Schule oder im Studium dann halt nach Neukölln gingen,
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aber immer in Dreiergruppen sein sollten, das sei so gefährlich und sowas.
0:28:44–0:28:49
Aber Schordisch war damals schon so, dass halt Huxon Square und Brick Lane und
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so, das war zwar alles noch irgendwie so Milieu.
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Also man ging da hin und war irgendwie auch ein bisschen fremd in der eigenen
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Stadt, aber es war schon so entwickelt.
0:28:59–0:29:03
Und auch damals war die YBA, so Young British Artist Szene, war auch da.
0:29:03–0:29:06
Da waren schon Galerien, da haben Leute Reihenhäuser gekauft.
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Also die Gentrification war da enorm.
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Und die, die dann da irgendwie gekauft hatten, irgendwelche neureiche Künstler.
0:29:13–0:29:14
Die haben das irgendwie alles auch schön gemacht.
0:29:14–0:29:17
Also es war trotzdem immer so, dass es dann auch noch so diese Sache gab von
0:29:17–0:29:21
wegen, boah, schon ein bisschen unheimlich hier, dich zu besuchen.
0:29:21–0:29:22
Also es kam auch noch irgendwie so ein bisschen dazu.
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Also das, was wir in der Folge über Drood hatten, dieses East London,
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das war halt eben dieses Charles Dickens Dickensian East London war halt eben
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das der Säufer der Huren, der Opiumhöhlen so und wo Leute einfach quasi in den
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Fluss geschmissen werden und keiner schreit mir danach.
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Die Stimmen Gewirre der ganzen Welt über Seemänner meistens und Huren irgendwie. Also so dieses Bild.
0:29:48–0:29:51
Das ist glaube ich sowas, was East was ich in London lange hatte.
0:29:51–0:29:54
Und ich weiß jetzt auch nicht mehr, wie es ist. Als ich da gewohnt habe,
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war das in der Nähe von diesem Roundabout.
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Ich glaube Anfang 20. Jahrhundert gebaute Brickhäuser, die ziemlich hoch waren.
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Und es war ganz interessant, weil.
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Da gab es dann irgendwie so mal eine Ausstellung dazu, wie halt vor 100 Jahren
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das alles verslampt war.
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Und in diesen Zwei-Zimmer-Wohnungen wohnten dann halt fünf Leute drin oder so.
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Und wir wohnten zu dritt, Pärchen, ich mit meiner Freundin und noch eine andere
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Freundin, wohnten auch irgendwie so auf so engem Raum.
Florian Clauß
0:30:24–0:30:30
Stimmt, ich kann mich noch daran erinnern, das waren auch so diese roten Backsteine.
Micz Flor
0:30:30–0:30:34
Ja, ja, aber die waren halt ziemlich hoch, so klein. Wie es die auch in Berlin
0:30:34–0:30:37
manchmal so gibt, wo man immer sagt, so Arbeiterviertel oder so.
0:30:37–0:30:40
Ich weiß nicht, ob es das da war, aber ich habe damals schon irgendwie gedacht, ach interessant.
0:30:41–0:30:44
Und in Berlin ist es jetzt ja auch so ein bisschen so, der Wohnraum in Berlin
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ist so knapp, dass da halt diese Zille-Bilder von jeder hat ein Zimmer gemietet.
0:30:50–0:30:53
Das ist jetzt ja gar nicht so weit weg wie die Realität. Und trotzdem kommt
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es dann wie so Vergangenheit vor.
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Also ich hatte das Gefühl, dass Wohnraum in London schon immer ein Problem war.
0:31:00–0:31:03
Anders als zum Beispiel Manchester, wo ich ja studiert hatte zwei Jahre und
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wo es halt rückblickend Wahnsinn war, dass es direkt in der Innenstadt dann
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teilweise so Straßenbereiche gab, die halt wirklich einfach komplett leer waren.
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Die wurden nicht entleert, weil da gebaut wurde oder sowas, die waren einfach
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leer, da wollte keiner wohnen. Und da verfielen die Häuser so.
0:31:19–0:31:25
Und in dem Books of Blood von, wie heißt der nochmal der, der auch Hellraiser
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geschrieben hat. Okay, der Auto von Hellraiser.
0:31:28–0:31:32
Man möge uns verzeihen. Der hat auch eine Geschichte, die da dann irgendwie
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so spielt. Der war ja aus Liverpool ursprünglich.
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Und da ist halt so ein Mann, der hat so eine Frau einsperrt,
0:31:38–0:31:40
um ihr Ich zu zerbrechen so ein bisschen.
0:31:40–0:31:43
Und die ist halt einfach in einem so einem Reihenhaus eingesperrt und keiner
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hört sie, weil da niemand mehr wohnt. Das ist mitten in der Stadt.
0:31:46–0:31:48
Und das gab es in London, glaube ich, in der Form nie.
Florian Clauß
0:31:48–0:31:54
Also man muss ja auch sagen, dass in den 80ern ist ja auch London und auch überhaupt
0:31:54–0:31:57
die ganze Countryside von England ziemlich verarmt.
0:31:57–0:32:01
Das war ja diese Thatcher-Area, die dann halt auch angefangen hat,
0:32:01–0:32:08
wo dann diese schonungslose Privatisierung von allem, was dann auch zu einer
0:32:08–0:32:11
Deregulation der ganzen Finanzmärkte geführt hat.
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Das ist ja auch das, was dann letztendlich City of London als das Finanzarea
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dann groß gemacht hat, beziehungsweise Canary Wharf, Isle of Dog hinten.
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Das war ja diese Reform, die, ich glaube, am 25.10.1986 dann durchgeführt wurde.
Micz Flor
0:32:33–0:32:39
Das ist aber jetzt mal dein Datenschiff. Ich glaube, da bist du aber vom Wissen,
0:32:39–0:32:42
bist du ein bisschen abgedrückt, wolltest dich sichern. Aber okay,
0:32:42–0:32:45
dieser Datenpfeil heimert sich gerade ins Bullseil.
Florian Clauß
0:32:45–0:32:50
Das ist voll ins Bullseil. Nein, aber da hat sich dann eben durch diese Deregulation,
0:32:50–0:32:57
hat sich ja da der komplette Finanzmarkt umgekrempelt.
0:32:57–0:33:02
Es ging ja so weit, dass dann tatsächlich die ganzen Amerikaner auch große...
0:33:03–0:33:09
Und Brokers und so weiter in London aufgebaut haben aufgrund dessen,
0:33:09–0:33:12
ja, und dass dann hier diese ganze Juppie-Kultur so reingekommen ist,
0:33:13–0:33:14
na, das war ja dann in den 80ern.
0:33:15–0:33:19
Und was auch total spannend ist, was mir dann auch erst mal so klar geworden ist,
0:33:20–0:33:26
warum diese Wolkenkratzer jetzt überall da sind auf einmal und vor allen Dingen
0:33:26–0:33:28
in diesen Finanzvierteln,
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ja, Weil die natürlich dahin gehören auf der einen Seite, aber auf der anderen
0:33:32–0:33:36
Seite haben wir mit dem District City of London.
0:33:36–0:33:44
Ja, das ist ja so ein ganz geschichtsträchtiger Bereich von London.
Micz Flor
0:33:45–0:33:49
The City of London. What? The City of London. City of London.
0:33:49–0:33:52
Das ist im Prinzip eine Square Mile.
Florian Clauß
0:33:52–0:33:58
Also da sind wir wieder bei Squadrats, eine Square Mile, die dann vom Uwe der Temsel um St.
0:33:58–0:34:02
Pauls rumgeht, wo dann auch Shortage anschließt und im Norden ist dann auch
0:34:02–0:34:04
Barbican dran und so weiter.
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Das ist so im Prinzip dieses ganze Bankierviertel. Und es geht,
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dieser Bereich ist immer noch ein unabhängiger Verwaltungsbereich und nicht
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direkt eine eigene Grafschaft und eine eigene Polizei hat.
Micz Flor
0:34:18–0:34:22
Das heißt, das ist das Berlin und der Rest von London ist wie Brandenburg.
Florian Clauß
0:34:22–0:34:26
Nee, ich würde eher sagen, das ist das Kowloon. Das ist so das Kowloon City.
0:34:26–0:34:28
Das ist wirklich so ein Wohlwolle.
Micz Flor
0:34:28–0:34:31
Jetzt ziehst du aber, die, die es nicht kennen, jetzt ziehst du aber so eine kriminellen Karte.
Florian Clauß
0:34:32–0:34:33
Ja, ist auch so.
Micz Flor
0:34:33–0:34:37
Du machst jetzt quasi Kiki Blind, das heißt jetzt. Jetzt machst du so eine neue Serie auf.
Florian Clauß
0:34:37–0:34:40
Wirklich. Also ich komme gleich nochmal zu diesen Serienstoffen,
0:34:40–0:34:43
die dann halt auch diese Thematik verwursten.
0:34:44–0:34:52
Aber Kowloon City, nur um das nochmal zu erklären, Das war ein Fort in der Nähe von Hongkong.
0:34:53–0:34:57
Also auf jeden Fall in China, was dann die Briten installiert hatten,
0:34:58–0:35:01
schon irgendwie bei dem Opiumkriegen, glaube ich, dann rausgefallen.
0:35:01–0:35:05
Ja, was dann auch so Sonderrechte hatte und ganz lange diese Sonderrechte behalten hat.
0:35:05–0:35:08
Und letztendlich war das so ein eigenes, es war wirklich ein Ford,
0:35:09–0:35:12
was nicht größer als ein Kilometer oder noch weniger war.
0:35:13–0:35:17
Was im Prinzip dazu geführt hat, dass das komplett selbstverwaltet war.
0:35:17–0:35:23
Und dieser ganze Bereich wurde so zugebaut, dass quasi da kein Blatt mehr dazwischen gegangen ist.
0:35:23–0:35:28
Und die haben dann überall in die Höhe gebaut, nur um diese wirtschaftliche
0:35:28–0:35:30
Sonderzone komplett auszunutzen.
0:35:30–0:35:34
Und da gab es keine, also das wurde alles komplett selbst reguliert.
0:35:34–0:35:36
Es waren dann halt also Banden geführt und so weiter.
0:35:36–0:35:41
Also die haben eigene Infrastruktur, eigene Health Service, eigene Polizei und so weiter aufgebaut.
0:35:41–0:35:48
Und das war so die Vorlage. Ich glaube, es wurde so 2004 oder 2005 abgerissen.
0:35:48–0:35:51
Das war so die Vorlage für ganz viele Filme.
Micz Flor
0:35:51–0:35:52
Unter anderem Dread, oder?
Florian Clauß
0:35:52–0:35:56
Dread, genau. Dread geht auch. Ja, da musste ich auch dran denken.
0:35:56–0:36:02
Dread, aber auch vor allen Dingen, die sind dann Leute mit Laser-Vermessungsinstrumenten
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sind durch, haben das ausgemessen und dann wurde das ja zu so einem Spiele auch verwurstet.
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Also das heißt, ich dachte, du hättest mir das erzählt. Aber es gibt tatsächlich
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so 1-zu-1-Architektur aus dem Kowloon-City, die dann halt in irgendwelchen Spielen
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drin vorkommen und dann das ganze Szenario dann aufbauen.
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Also das ist so ein bisschen, macht City of London nichts anderes,
0:36:25–0:36:30
mit diesen ganzen Skyscrapern einfach in die Höhe zu gehen, um Platz möglichst
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da auszunutzen, weil da ist nicht viel Platz. Und der Platz City of London hat
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eben diese Sonderrechte.
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Es wird ja auch davon gesprochen, dass eben London eine große Gäste,
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Anlage ist. Ganz viel, aber ich begebe mich jetzt so ein bisschen auf Halbwissen, aber ich...
Micz Flor
0:36:49–0:36:50
Und Glatteis. ...lässt.
Florian Clauß
0:36:50–0:36:52
Mich gut erzählen. Das ist eine gute Geschichte.
Micz Flor
0:36:53–0:36:57
Wir machen ja, wir machen gerade einen neuen Sälenpitch.
Florian Clauß
0:36:57–0:37:07
Dass ganz viel dieser Bauten auch von eben vom Ausland finanziert wurden.
0:37:07–0:37:13
Also ich glaube, der Schad, die Scherbe, das ist so dieses Das Pyramidenförmige,
0:37:13–0:37:16
was sich auf der anderen Seite von der Thamse befindet.
0:37:17–0:37:20
Also die City of London ist nördlich, Schad ist südlich.
0:37:20–0:37:28
Das ist komplett von irgendwelchen arabischen Finanziers aufgebaut worden.
0:37:28–0:37:32
Es gibt ganz viel sogenannte Oligarchitektur.
0:37:32–0:37:34
Also quasi von Oligarchen.
0:37:35–0:37:42
Oligarchitektur. Oligarchitektur. Also das heißt, ganz viel aus Russland ist
0:37:42–0:37:43
an Geldern da reingeflossen.
Micz Flor
0:37:44–0:37:47
Ja, auch in die Fußballclubs zum Beispiel. Da waren ja auch,
0:37:47–0:37:51
glaube ich, eine Reihe von russischen Investoren. Zumindest war das nicht bei Arsenal?
0:37:51–0:37:54
Ich weiß nicht mehr. Das ist jetzt bei mir ein dünnes Angst.
Florian Clauß
0:37:54–0:37:56
Ja, nee, aber passt, passt.
Micz Flor
0:37:56–0:37:57
Würde passen, genau.
Florian Clauß
0:37:57–0:37:58
Passt ins Narrativ.
Micz Flor
0:37:59–0:38:01
Zweite Folge in der dritten Staffel.
Florian Clauß
0:38:01–0:38:06
Ganz viele Immobilien wurden da auch eben aufgebaut, aufgekauft und so weiter.
0:38:06–0:38:13
Und wirklich dieser Startschuss, dass City of London eben so viele Wolkenkratzer
0:38:13–0:38:16
hat, weil das ist ja nicht groß, war ja auch diese, wie ich schon erwähnt habe
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von Michael Thatcher, diese Deregulation.
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Und dann ist natürlich die Frage, woher kommen die Grundstücke?
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Weil du bist in London und das wollte ich noch sagen, warum hat City of London diese eigenen Gesetze?
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Das geht auf William the Conqueror zurück, der nach der Schlacht von Hastings
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diesen Bereich, war 1066...
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Da war dieser Bereich von London eigentlich die ganze Stadt.
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Und die haben mich halt, alle anderen sind drumherum gefeilen,
0:38:45–0:38:46
die ganzen Grafschaften haben aufgegeben.
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Aber die haben halt so tapfer weitergekämpft, dass dann halt der William the
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Conqueror den Bewohnern von City of London diese Sonderrechte eingestanden hat.
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Und die gehen halt so weit zurück und jeder, so dieses Gentleman Agreement ist
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halt immer, ja wir schweigen da.
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Es geht halt um so tausend Jahre Tradition. Das ist halt irgendwie nichts,
0:39:06–0:39:08
nichts hat mehr Bestand.
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Kannst du halt in Amerika auch nicht sagen so.
Micz Flor
0:39:11–0:39:11
Wusste ich auch nicht.
Florian Clauß
0:39:12–0:39:15
Verrückt, dass das halt wirklich so immer noch in dieser Bestandslinie liegt,
0:39:16–0:39:19
obwohl das, glaube ich, ein bisschen mystisch ist als dann tatsächlich real.
Micz Flor
0:39:19–0:39:22
Naja, ich weiß nicht, man ist ja auch in der Gesetzgebung so,
0:39:22–0:39:29
dass es halt eine andere Gesetzgebung ist, als wenn du zum Beispiel Scheidung in der EU machst.
0:39:29–0:39:31
Dann gibt es halt irgendwie Recht in eine Richtung.
0:39:31–0:39:34
In Amerika und England ist es eben anders.
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Und ich weiß nicht mehr genau, was da der Unterschied ist. Also alles,
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was man vorher irgendwie schriftlich festgehalten hat und sowas,
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das spielt alles keine Rolle.
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Das liegt im Endeffekt nur daran, was der Richter so mittags gegessen hat,
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dass er danach nach dem Mittag eine gute oder schlechte Laune hatte.
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Ja, egal. Aber insofern, ich glaube schon, dass diese Gesetzgebung auch eben
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eine sehr andere ist. Und da kenne ich mich nicht wirklich aus.
Florian Clauß
0:39:52–0:39:59
Zumal führt es eben dazu, dass dieser District dann besondere Möglichkeiten hat, sage ich mal.
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Und mit dieser, also ein smuggles Hatcher dann quasi das Go gegeben hat für
0:40:04–0:40:08
diese Deregulierung. dann sind halt auch über Dekaden haben sich dann Leute,
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dann Investoren immer so Grundstücke, so puzzelmäßig zusammengekauft.
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Und du brauchst ja für den Skyscraper jetzt kein großes Grundstück,
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aber dann gab es halt irgendwie so Arrangements, okay, wir lassen die Fassade
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stehen und machen dahinter die Form.
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Oder wir machen dann, keine Ahnung, eine öffentliche Aussichtsplattform,
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dass jeder hochgehen kann.
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Also ein bisschen so wieder so Pseudo der Gemeinschaft was zurückgeben,
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um dann halt das Bauprojekt dann halt so zu verwirklichen, um dann halt so eine
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soziale Komponente einzulösen, was natürlich überhaupt nicht da zusammenpasst in dem Moment.
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Und die erste, ich glaube, das hast du auch noch mitbekommen,
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den Fosterbau, die Gurkens, die Gurke.
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Aber eigentlich sollte es der Schwanz heißen. Aber wir haben dann alle gesagt,
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nee, nee, das ist die Gurke.
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Und dieses Ding, was dann halt auch so Bischops Alley ist das,
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glaube ich, dieser Turm, den hast du auch noch mitbekommen, oder den Bau?
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Das war doch der Anfang, dass sich die Skyline geändert hat.
Micz Flor
0:41:08–0:41:10
Aber das erinnert mich schon auch so ein bisschen an Berlin.
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Ich meine, wir gehen jetzt gerade hier durch die Grenze, das ist das grenznahe
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West-Berlin, wo auch alles voller Sozialbauten ziemlich hoch gebaut ist,
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verglichen mit anderen Bauregulierungen, die es in der Stadt gibt, auch jetzt wieder gibt,
0:41:22–0:41:26
wo viel gebaut wird, so wie in Wedding ja auch. Hier hat sich wenig verändert.
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Dem Fall der Mauer, aber dann solche Gebiete, wenn du zum Beispiel im Ostkreuz
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stehst und schaust über den Ostbahnhof Richtung Alex, dass es da hochgeschossen ist, das ist Wahnsinn.
Florian Clauß
0:41:37–0:41:37
Das stimmt.
Micz Flor
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Ich würde jetzt gar nicht sagen in 20 Jahren, sondern in 15 Jahren oder so.
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Und der andere Punkt ist halt eben, wenn du im KDW oben rausguckst und schaust
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dann Richtung dieser Kirchruine, wie heißt denn mal Friedenskirche oder so,
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die hinter dem Europacenter ist?
Florian Clauß
0:41:54–0:41:54
Gedächtniskirche.
Micz Flor
0:41:55–0:42:00
Gedächtniskirche. und dann siehst du dahinter jetzt auch so neue Skyscraper, die da drin sind.
Florian Clauß
0:42:00–0:42:02
Aber es sind ja keine richtigen Skyscaper.
Micz Flor
0:42:03–0:42:07
Nee, das ist klar, aber dieses wie schnell sich die Skyline verändern kann,
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das spürt man, finde ich gerade hier schon enorm.
Florian Clauß
0:42:09–0:42:11
Das spürt man so ein bisschen, aber nichts ist gegen London.
0:42:11–0:42:14
Also ich glaube, dieser Blick, den man dann hatte, also früher,
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wenn man auf der Tate Gallery war, da war wirklich so dieses Foster-Gebäude,
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das einzig Signifikante da, weit und bald neben St. Paul.
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Wenn du jetzt da stehst, hast du eine unglaubliche, eine unglaubliche Skyline.
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Das ist halt so wirklich, als ob du irgendwie so in Amerika bist.
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Und das finde ich auch, diese Schichten von Geschichte, also von historischen
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Gebäuden, die sich dann in London, das ist anders als in Paris.
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Weißt du, in Paris hast du dann eine Sichtachse und dann sind da alte Gebäude
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und dann war da irgendwie Hausmann, der hat dann die Chance über die See da
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reingehauen, hat ein paar so Grand Palais und so weiter gemacht und es gibt
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dann halt so neuere Gebäude.
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Und dann gibt es vorhinteren Pompidou. Das ist halt das Neueste.
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Da siehst du halt Inside Out. Okay, verstanden.
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Da passiert nicht viel. Aber in London hast du dann einen Pub,
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was dann im Vordergrund ist, was dann halt irgendwie so von 1603 gebaut worden ist.
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Im Hintergrund kommt dann halt irgendwie der Skyscraper raus.
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Du hast diese Schichten von Architektur, die sich da irgendwie so aufbaden.
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Das ist schon einzigartig in dieser Stadt.
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Und dass die halt so lebendig ist. Weil Paris hat ja auch so eine Bausubstanz.
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Aber die wird nicht verändert. In London schaffen die das irgendwie ständig zu verändern.
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Gab es dann, und das ist nochmal der andere Impuls, der mit reinkam, in London,
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die IAA, die dann halt auch diese Riesenanschläge gemacht haben,
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wo die dann halt irgendwie eine Fünf-Tonnen-Bombe an den LKW dann irgendwo,
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das war auch in Bishops Alley, das ist nämlich das Grundstück,
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worauf die Gurke gebaut wurde, haben die quasi weggebombt.
Micz Flor
0:43:46–0:43:49
Freigemacht. Das war, als ich in Manchester studiert habe auch,
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da hat die IA hinter Trafford Center was in die Luft gejagt und das war wirklich das Ende.
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Ich kam wirklich an, ich habe so ein Manchester kennengelernt,
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was noch sehr Gothic war und wirklich so, also ich habe sowas noch nie gesehen.
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Da gab es also Corn Exchange und solche Bereiche, die waren...
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Corn Exchange, also der Mais...
Florian Clauß
0:44:08–0:44:09
Also, okay, Corn Exchange.
Micz Flor
0:44:10–0:44:15
Also solche Gebäude, wo du reingegangen bist und dann war das halt so alles
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noch so das Holz irgendwie von, keine Ahnung, 19.
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Jahrhundert oder so. Du konntest da rumgehen und dann gab es dann so kleine
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Läden, wo Star Wars Figuren verkauft wurden und du konntest dich überall hinsetzen
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und dann gab es halt Kartoffeln mit Coleslaw.
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Und ich bin da reingegangen, es war wirklich nicht wie bei Harry Potter,
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aber England verleiht ja vielem so ein Harry Potter Feeling.
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Es ist alles sehr nischig und so.
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Und da war es dann, Mensch, das ist ja auch so, dass die Bombe losgegangen ist.
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Danach wurden die Dinge alle irgendwie aufgekauft, entwickelt und weg, weg kamen.
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Aber ich glaube, es gibt auch eine Sache, da kenne ich mich aber auch nicht
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aus, müsste man vielleicht noch mal Shownoten.
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Zum Beispiel ist es so, dass in Glasgow, mehr noch als in Edinburgh,
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aber in Glasgow gibt es eben so eher auch so deutsche Architektur.
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Also so Apartments, wie es in Paris ja auch gibt.
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Und in London sind diese Terrace-Housing, diese schmalen Häuser,
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die alle irgendwie auch gleich aussehen.
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Und du weißt dann immer, es ist Victorian oder Edwardian oder das wissen dann
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alle immer gleich, das sehen die an den Fenstern vorne.
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Und da gab es wohl auch so ein gesetzliches Thema dahinter, dass irgendwie es
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nicht sein konnte, dass eine Person mehr als ein Stück Land besitzt oder mehrere
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Personen das gleiche Stück Land besitzen.
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Das heißt, so war es irgendwie, müsst ihr nochmal nachgucken,
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aber in London hat jeder sein Haus und Apartments ging nicht.
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Also ein gemeinsamer Grund, auf dem viele EigentümerInnen sind.
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Und das führt halt dazu, ich hatte das einzige Mal so was für einen klaustrophobischen
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Anfall an einem sehr schlechten Tag in London, wo ich, glaube ich,
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in Fulham war und ich guckte halt so rum und ich habe halt irgendwie gesagt,
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oh, ich muss jetzt echt mal weg von allem, hast du so ein Gefühl?
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Und dann guckst du halt in London irgendwo hin und du siehst keinen Horizont.
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Also es gibt keinen Horizont, weil diese geschwungenen Straßen, alles so kleinteilig.
0:45:58–0:46:02
Und das ist ja dann noch okay, aber ich war so mies drauf, dass ich dann irgendwie
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auf einmal so Atemnot fast schon bekommen hätte, dass ich gemerkt habe,
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ich muss jetzt mindestens eine Dreiviertelstunde irgendwie fahren,
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um Horizont zu sehen. Ich bin einfach gefangen.
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Und das hast du, glaube ich, in London mehr als in vielen anderen Städten.
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Wie du sagst, diese Sichtachse und so.
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London ist oft so eine Stadt, finde ich, wo man um eine Ecke geht und wow, da siehst du was.
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Das überfällt dich so. Ganz selten, dass du halt St. Pauls oder sowas mal aus
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unterschiedlichen Winkeln siehst. Oft ist es wirklich so eine kurze Offenbarung.
0:46:33–0:46:37
Und abgesehen von diesen Skyscrapern in der Innenstadt ist es jetzt ja auch
0:46:37–0:46:41
nicht so, dass da wirklich viel große Gebäude sind.
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Weil die andere Seite von London war auch, ich weiß nicht, aus den 90er Jahren,
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da war der Bruder meiner Freundin, der ist, denke ich, immer noch Architekt,
0:46:47–0:46:48
war damals halt auch Architekt.
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Und er hat gemeint, ja, es ist halt so, wenn man Architektur studiert,
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dann macht man in der Regel Küchenausbauten oder Wintergärten.
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Das waren die einzigen Sachen in diesem Terrace Housing, das hat hinten jemand
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einen Wintergarten reingebaut oder die Küche umgebaut hat.
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Also es wurde nicht so viel neu gebaut, außer halt irgendwelche Happy Eaters
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am Motorway oder so Sozialbauten.
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Aber diese Idee von Architektur ist einerseits so gigantomanisch,
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Oligarchitektur, wie du sagst.
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Und das andere ist aber eben dann auch dieses komplett Kleine,
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was aber auch gut funktioniert.
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Ich fand das in England im Terrace Housing immer schon toll,
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wie viel Liebe zum Detail da reinging in irgendwelche Metall-Elektrokabel-Fassungen,
0:47:35–0:47:39
die halt dann über den Putz verlegt wurden und ein samtenes,
0:47:39–0:47:41
mattes, dunkelgrün statt Tapete.
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Also irgendwas an London, was ja auch in jeder Serie irgendwann irgendwo vorkommt,
0:47:46–0:47:51
ist schon toll, viel Wertigkeit auf kleinstem Raum herzustellen.
Florian Clauß
0:47:51–0:48:00
Ja, das ist halt, glaube ich, so dieses Arbeiterhaus, was dann halt so das grundarchaische
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Eigentum bei dieser ganzen Working Class von England ist.
0:48:05–0:48:10
Dass jeder so sein kleines Häuschen hat, zwei Etagen und du hast halt diesen
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Vorgarten und so weiter.
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Das ist auch eine absurde Sache, die ich dann, ich glaube, das war irgendwo
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bei Shoreditch, dann mal gesehen hat, das war tatsächlich so ein Hochhaus.
0:48:19–0:48:22
Was heißt Hochhaus? Es war dann irgendwie sechsstöckig oder sowas.
0:48:22–0:48:26
Und diese sechs Stockwerke waren jeweils aufgeteilt in drei,
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wo dann halt so Häuser drin waren.
0:48:28–0:48:32
Die dann halt übernommen, also quasi dieses normale, wie heißt das Haus?
Micz Flor
0:48:33–0:48:33
Terrace Housing.
Florian Clauß
0:48:33–0:48:37
Terrace House, das du dann halt aber so als so ein Hochhaus dann übereinander
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gestapelt hast. Jeder hatte dann halt so die zwei Stockwerke.
Micz Flor
0:48:41–0:48:46
So ein bisschen wie San Francisco, auch wo die Holländer irgendwie diese schmalen
0:48:46–0:48:48
Häuser gebaut haben, wie sie die halt von zu Hause gewohnt waren.
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Aber es gab gar keinen Grund, die so schmal zu bauen. Aber man bringt es halt
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so mit. Da fühlt man sich dann halt zu Hause.
Florian Clauß
0:48:55–0:48:58
Ja, ich meine, ein Grund, weswegen London auch im Vergleich zu Paris,
0:48:59–0:49:03
wie wir das gerade den Vergleich gezogen haben, London wurde ja zerstört auch
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im Ersten Weltkrieg, also im Zweiten Weltkrieg.
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The Blitz, das ist dann diese Bomber, die dann irgendwann aufgrund von eben
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Fehlinformationen, V2, Können wir alles nachlesen von Thomas Bündchen,
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wo dann halt auch dann eben die Einschlagstellen der V2-Raketen mehr oder weniger,
0:49:20–0:49:22
weil man den Kot geknackt hat, gefälscht wurden.
0:49:23–0:49:26
Und dann sind die halt immer weiter nördlich von London eingeschlagen und haben
0:49:26–0:49:29
dann nicht mal London als Stadt zerstört.
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Aber 4041 waren schon massive Einschläge in London.
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Da kommen wir nämlich auch zu einem Bereich, wo wir auch schon länger darüber
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berichtet haben. wir vor längerem darüber berichtet haben, da geht es nämlich um das Barbican.
Micz Flor
0:49:44–0:49:45
Ja.
Florian Clauß
0:49:45–0:49:54
Das Barbican ist quasi so eines der Gebäude, also der Prestigebauten des Brutalismus,
0:49:54–0:50:01
die dann in den, ich glaube 1966 ist die Bauphase angefangen und wurde dann
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in den 80ern eingeweiht, 16 Jahre später wurde das eingeweiht.
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Und Barbican ist ja Brutalismus pur.
0:50:09–0:50:13
Das war halt auch die Phase, wo ...
Micz Flor
0:50:13–0:50:17
Ich möchte es weiterhören, aber können wir kurz gerade auslaufen?
0:50:17–0:50:22
Ich möchte zu dem Hau, das ist Hau 1, da möchte ich kurz was fragen.
Florian Clauß
0:50:23–0:50:30
Ah ja, gerne. Damals nach dem Krieg war eben auch Beton das Billigste, womit man bauen konnte.
0:50:30–0:50:36
Und diese ganzen Ideen von Architektur, die dann im Brutalismus stecken,
0:50:36–0:50:40
die dann halt auf Le Corbusier mit aufbauen, also aus einer Bauhaustradition
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kommen, wo eben Ornament ist Verbrechen, wo Beton,
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das ist die neue Ehrlichkeit, das muss nach draußen.
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Wo dann eben auch versucht wurde, durch Architektur eine soziale Gleichheit
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herzustellen. Alle wohnen im Gleichen und so weiter.
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Das wurde ja weltweit. Brasilien, die Hauptstadt von Brasilien,
0:51:01–0:51:07
die wurde ja auch so durchstrukturiert mit viel diesen brutalistischen Gebäuden.
0:51:07–0:51:15
Und in Barbican, muss man sagen, ist jetzt eine der teuersten Wohngebäudeanlagen,
0:51:15–0:51:22
die man so haben kann. Also diese ganzen Hochhäuser, die Fußgängerzonen.
0:51:22–0:51:26
Es gibt dann eben so drei Hochhäuser, die so dreieckig auch geformt sind.
0:51:26–0:51:30
Das ist nämlich dann, ich komme jetzt wieder zu meiner Serie zurück,
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The Agency, ist auch eine Paramount Plus-Serie mit Michael Fassbinder von 2024.
Micz Flor
0:51:36–0:51:37
Den habe ich lange nicht mehr was gesehen.
Florian Clauß
0:51:38–0:51:43
Ja, die ist auch toll. The Agency, da geht es um ein, also im Prinzip ist es eine,
0:51:44–0:51:50
Außenstelle des CIAs in Nondon und es geht um Michael Fassbinder,
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der so ein CIA-Undercover-Agent ist.
Micz Flor
0:51:54–0:51:58
Aber ist der Heil wieder zurückgekommen? Da war doch der Android,
0:51:59–0:52:00
der mit den Aliens weggeflogen ist.
Florian Clauß
0:52:01–0:52:08
Dessen Cover ist aufgeflogen. Und der hat halt eine Wohnung in Barbican Es wird
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auch sehr exponiert in dieser Serie dann ausgestellt.
0:52:11–0:52:18
Aber auch ein Beispiel dafür, dass eben so das amerikanische CIA dann eben abseitig
0:52:18–0:52:22
vom MR5 da eben eine Präsenz aufbaut.
Micz Flor
0:52:22–0:52:27
Ja, es war ja so diese Gegend. Es gab dieses Attack the Block, hast du das gesehen?
0:52:27–0:52:30
So ein englischer Spielfilm aus den Nullerjahren mit so einer Alien-Attacke
0:52:30–0:52:34
und so ein paar Jugendliche, die halt dann irgendwie da rumhängen in ihrem Kiez,
0:52:35–0:52:39
die dann mit diesen Aliens konfrontiert werden. Das ist ziemlich gut gemacht.
0:52:39–0:52:42
Also der ist so ein bisschen wie Cloverfield oder so.
0:52:42–0:52:47
Also dieses Gefühl, dass alles so drumherum passiert und es bleibt alles irgendwie
0:52:47–0:52:50
so heimelig und trotzdem ist es halt total durchlöchert.
Florian Clauß
0:52:50–0:52:52
Also eine immersive Kameraführung.
Micz Flor
0:52:52–0:52:54
Ja, genau. Und das ist, glaube ich, noch so eine Zeit, dass wir es nicht im
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Barbeken, aber es ist so drumherum.
0:52:57–0:53:00
Das ist eine Zeit, wo das immer noch eben so die Sozialwohnungen waren.
Florian Clauß
0:53:00–0:53:03
So, wir stehen jetzt vor dem Hau und machen...
Micz Flor
0:53:03–0:53:05
Ja, beim Hau, ich wollte das mal erzählen, weil das ist was,
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wo ich lange nicht mehr dran gedacht habe. Und das ist auch bestimmt schon 20 Jahre her.
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Also es gab mal eine wunderbare Kunstinstallation hier im Hau,
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wo wir gerade davorstehen, Hau 1.
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Und zwar kamst du da rein, du musstest dann dein Ticket kaufen und sowas.
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Ich muss mal kurz um die Ecke gucken, dann zeige ich dir was.
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Und dann hast du gewartet und hattest keine Ahnung, was passiert.
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Es wurde nicht viel erklärt. Und
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irgendwann hast du halt so einen Mini-DV-Camcorder in die Hand bekommen.
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Mit Kopfhörern hast du dir reingesteckt und dann hat einer Play gedrückt und nichts gesagt.
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Und du hattest dann so einen Camcorder, Display aufgefaltet,
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Kopfhörer drin und der lief so weg. Oder die lief so weg.
0:53:47–0:53:49
Und du denkst, was ist los? Und dann siehst du auf einmal im Bild,
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du siehst, dass das genau das ist, was vor dir ist.
0:53:51–0:53:55
Und dann läuft das Bild so los und du läufst dann einfach automatisch mit.
0:53:55–0:54:00
Und dann hörst du halt so Geschichten, es war halt, es ging auch um die Geschichte dieses Gebäudes.
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Und dann liefst du auch wirklich in diese ganz abgelegenen Sachen da hoch.
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Und das war wirklich völlig kurios, dieses Augmented Reality Feeling,
0:54:09–0:54:11
bevor es Augmented Reality wirklich gab.
Florian Clauß
0:54:11–0:54:11
Ja, toll.
Micz Flor
0:54:11–0:54:16
Wo du dann, dann bist du irgendwo oben in die Loge reingelaufen und gucktes unten.
0:54:16–0:54:19
Und unten lief gerade jemand mit so einer Kamera wie so ein Zombie vorbei und
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bliebst du vorm Klavier stehen.
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Und du wusstest, irgendwann werde ich da auch noch sein. Aber du weißt nicht, wie du da hinkommst.
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Und dann gab es auch so ein paar Sachen, die waren da wirklich echt unheimlich.
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Zum Beispiel, wusstest du, okay, da wird gesprochen.
0:54:31–0:54:34
Und dann war so eine Toilette und dann stehst du vor der Toilette und guckst
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dann so in dieses Bild rein.
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Und dann hörst du auf einmal jemanden duschen und pfeifen.
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Auf in deinem Kopfhörer, bevor dir ist die Toilette. Und du gehst davon aus,
0:54:44–0:54:45
da wird jetzt niemand drin sein.
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Aber es entsteht so eine komische Angst. Was wird jetzt hier inszeniert,
0:54:48–0:54:50
was jetzt vielleicht wirklich noch passieren kann?
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Das war ja ganz toll. Und da gab es, hier ist es, glaube ich.
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Ich glaube, irgendwo gibt es nämlich Glasfenster und diese Glasfenster,
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so war zumindest die Erzählung, vielleicht sind das aber die.
Florian Clauß
0:55:03–0:55:07
Das sind Fliesen. Aber die sind aber durchgefließt, das sind keine Glasbausteine.
Micz Flor
0:55:07–0:55:10
Es sieht aus wie Glasbausteine, ich weiß jetzt gerade nicht,
0:55:10–0:55:14
wo es ist und das war wohl kaputt, auch im Zweiten Weltkrieg.
0:55:15–0:55:18
Und die haben das mit leeren Whiskyflaschen wohl nachgebaut,
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also aus Whiskyflaschen wurden quasi diese Glassteine ersetzt.
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So zumindest die Erzählung, die nicht wirklich als Quelle dient,
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aber die Erinnerung ist hängen geblieben.
Florian Clauß
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Wir haben ja nichts außer Whisky. Aber es klingt so ein bisschen nach so einer
0:55:31–0:55:34
sozialen Plastik wie von Tino
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Segal, obwohl der da wahrscheinlich mehr so performancemäßig da reingeht.
Micz Flor
0:55:38–0:55:41
Nee, nee, das war, glaube ich, eine Shot in der es gemacht hat,
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aber ich habe den Namen vergessen.
Florian Clauß
0:55:42–0:55:43
Okay, spannend.
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Wir müssen laut meiner Navigation jetzt zurück.
Micz Flor
0:55:47–0:55:49
Okay, wir haben jetzt eine Mirzülle über YouTube gemacht.
Florian Clauß
0:55:49–0:55:55
Ja, ja. Den haben wir noch mitgenommen. Den Squadrinio.
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Barbican. Barbican, genau. Das war The Agency. Damit haben wir das gestriffen, das Barbican.
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Nach wie vor, wo ich auch ein Tipp, wenn man in London ist, hat die größte Konzerthalle.
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Das London Symphony Orchestra ist da beheimatet. Und die zweitgrößte Bibliothek
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von, ich mache jetzt gerade so vollen Stadtbären.
Micz Flor
0:56:16–0:56:17
Ja, genau.
Florian Clauß
0:56:17–0:56:22
Die zweitgrößte Bibliothek von UK. Öffentliche Bibliothek ist da beheimatet.
Micz Flor
0:56:22–0:56:23
Nein.
Florian Clauß
0:56:23–0:56:24
Es gibt drei Kinoseele.
Micz Flor
0:56:24–0:56:27
Nein. Wahnsinn.
Florian Clauß
0:56:27–0:56:33
Und es gibt auch viele Ateliers und Galerien, die man sich dort auch anschauen kann. Also Barbican.
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Und es gibt halt diese komplette Fußgängerwegstadt.
Micz Flor
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Die in dem zweiten Teil von Born Identity auch eine Rolle spielen,
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wo er flüchtet. Da sieht man ganz viel davon.
Florian Clauß
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Ja, stimmt. Ja, sehr gut. Also London hat großartige Schauplätze,
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aber London tritt ja auch immer als eine, ja, wie soll man sagen,
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das ist so eine ambivalente Stadt.
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Also vielleicht kann ich da diesen Schwenk machen zu einer anderen Serie,
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die ich jetzt vor kurzem gesehen habe, wo ich aber in der zweiten Staffel drin
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stecken geblieben bin und dann nicht mehr weiterverfolgt habe.
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Aber die ist auch ganz toll eigentlich die heißt Industry ist von HBO produziert
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und es geht um diese ganzen Banker und Broker und die spielt dann in City of
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London und in Connery Wharf wie heißt die?
Micz Flor
0:57:26–0:57:35
Industry Agency, Industry, Mob City also Y hinten ist gerade ganz groß beim Probekom das habe.
Florian Clauß
0:57:35–0:57:40
Ich mir gar nicht aufgefallen Ja, und da geht es eben um so Abgänger von einer
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Business-Schule, die dann alle jetzt in Pirmand, das ist so ein Broker-Verein,
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also eine Bank, die dann diese Neulinge quasi so aufbricht.
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Erstmal so ins Leben rauslässt, ins Bankerleben. Aber es ist halt eine unglaublich korrupte Sache.
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Man verliert die ganzen Protagonistinnen, verlieren ihre Moral.
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Es ist halt irgendwie auch so total Sex und Skandal und Drogen durchdrängt. Alle sind immer drauf.
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Es gibt dann halt diese harte Seite, dass die halt irgendwie so 20 Stunden am
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Tag arbeiten und dann halt nur Party machen, teilweise durch.
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Es hat einen ganz tollen Soundtrack. Die Serie ist halt wirklich wie so ein,
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also teilweise wie so Musikvideo manchmal,
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läuft die durch und die Hauptdarstellerin heißt, oder die Hauptfigur heißt Harperstern
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und das ist eben so eine, ich habe auch weswegen ich ausgestiegen bin,
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ist auch, dass ich es nicht mehr verstanden habe.
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Also das Englische war da auch wirklich so, wo ich dann teilweise Stopp machen
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musste und ins Dictionary gucken musste, was heißt das jetzt eigentlich?
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Und dann aber auch so rein, was die dann eben gemacht haben,
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Also was die da für Deals die ganze Zeit gemacht haben.
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Aber es zeigt dann eben so diese ganze skrupellose, korrupte Seite des Banking-Wesens,
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was dann halt irgendwie so Millionen, Milliarden teilweise auch dann in Sekunden verticken.
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Also völlig immense Summen. Und dann wurde das dann eben so,
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also die Industrie, die dann halt wirklich nur so von so ganz kleinen,
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also von so wenig Leuten getragen wird, wo die dann halt irgendwie nur noch
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so einen Klick am Mausklick machen müssen, dann sind auf einmal drei Milliarden weg.
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Oder anders. Und 20 Sekunden später wird der Deal halt gebraucht,
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habe ich alles nicht ganz verstanden, aber hat eine gewisse Faszination gehabt.
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Also kann ich auch empfehlen. Das ist so ein bisschen diese Banking-Seite von
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London und vor allen Dingen auch diese ganzen Skyscapers.
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Wir gucken jetzt gerade hier auf das Tempodrom. Das ist eine schöne Sicht,
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aber eine totale Gegenwende.
Micz Flor
0:59:48–0:59:50
Die wir haben.
Florian Clauß
0:59:50–0:59:52
Sorry, ich muss kurz hier ausweichen.
Micz Flor
0:59:53–0:59:53
Okay.
Florian Clauß
0:59:54–0:59:59
Wir waren ja schon bei den IRA-Anschlägen in London.
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Es gab dann, der hat sich jetzt auch zum, dieser Anschlag ist 20 Jahre jetzt her,
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7-7 wird der ja genannt, nach 9-11, der auch traumatisiert diese Nullerjahre,
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wo große Städte und Paris, London und so weiter, dann auch Madrid,
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der diese Terroranschläge erlebt haben.
1:00:17–1:00:22
Das 7-7, das war 7.07.2005 damals,
1:00:22–1:00:27
als eben vier Selbstmordattentäter mit Bomben im Rucksack,
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drei davon in der U-Bahn, die gezündet haben, fast zeitgleich,
1:00:31–1:00:37
und einer in einem Doppeldecker-Bus, wo 52 oder 54 Menschen ums Leben kamen
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und auch eben diese vier Attentäter.
1:00:39–1:00:42
Was dann aber auch dazu geführt hat, dass London,
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Jetzt mittlerweile, eine der, also wie soll man sagen, die Dichte an Kameras
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in London ist höher als in Beijing.
Micz Flor
1:00:53–1:00:55
Ja, das ist unfassbar.
Florian Clauß
1:00:55–1:01:00
Das ist unfassbar, dieses ganze CCTV. Also ich glaube, es ist wirklich unvergleichbar.
Micz Flor
1:01:00–1:01:02
Das war in den 90er Jahren aber auch schon ein Riesenthema.
Florian Clauß
1:01:02–1:01:06
Das war genau, dieser Ring of Steel war in den 90er Jahren.
1:01:06–1:01:12
Das ging eben auch eben mit diesem Attentat seit Bischofsgate, also Ende 80er.
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Es fing noch vorher, Ende 80er, das war dieser Brand, der in einer U-Bahn-Station
1:01:18–1:01:25
hat sich so ein ganz, ganz übler Brand entwickelt, der auch ganz viele Menschen,
1:01:25–1:01:26
Menschenleben gefordert hat.
Micz Flor
1:01:26–1:01:27
Also kein schöner Brand.
Florian Clauß
1:01:27–1:01:32
Es war ein übler Brand im Sinne von, die haben dann ein neues Phänomen,
1:01:32–1:01:37
wie sich Feuer ausbreiten kann, danach benannt, weil die das vorher noch nie
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dieses Phänomen hatten. die Rolltreppen noch aus Holz waren.
1:01:41–1:01:45
Und als man noch selbst zündende, das fand ich immer so toll, früher in den 80ern.
Micz Flor
1:01:45–1:01:45
Das war Feuerzeuger.
Florian Clauß
1:01:46–1:01:49
Das war ja die Sicherheitsholzer.
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Die waren immer so langweilig in Deutschland. Die Zündhölzer waren Sicherheitsholzer.
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Die konntest du nur mit dieser einen Reibefläche anzünden. Aber in England gab
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es ja diese Streichhölzer, die konntest du überall so zack am Stein und es hat gebrannt.
1:02:04–1:02:07
Ich meine, klar, ich war 13, habe angefangen mit dem Rauchen.
Micz Flor
1:02:07–1:02:09
Genau, oben im Doppeldeckerbus.
Florian Clauß
1:02:10–1:02:11
Ich war frei.
1:02:12–1:02:19
Ja, also das hat eine gewisse Faszination und das hat sich eben in diese Rillen
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von einer Rolltreppe hat sich dann eben auch so ein Fett- und Teigfilm gebildet
1:02:25–1:02:30
und dann eben so eine Zigarette und so ein selbst anzündendes Streichholz haben
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dann so einen Schwellbrand ausgelöst,
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haben diesen üblen Brand dann verursacht, der dann nicht zu löschen war mehr
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und war auch viel an Raucher.
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Aber auf jeden Fall, das war auch der Grund, warum wir dann diese U-Bahn-Überwachung angefangen haben.
1:02:45–1:02:54
Also das heißt, dass eben da schon CCTV angefangen wurde, in U-Bahn, in der Tube aufzubauen.
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Und das hat sich dann weitergetragen in den 90ern, der Ring of Steel,
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das ist quasi der Überwachungsring um City of London.
1:03:03–1:03:06
Der war dann halt nach dem IAA, also so 1992, 1993.
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Und eben mit diesen Anschlägen, da wurden dann auch immens viele Kameras verbaut. Also in den 2000ern.
1:03:15–1:03:21
Und das ist wirklich so, dass der normale Durchschnitts-Londoner pro Tag über
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300 Mal von verschiedenen Kameras gefilmt wird.
1:03:25–1:03:29
Dass sich eine unglaubliche Industrie auf dieser Überwachung aufgebaut hat.
1:03:29–1:03:34
Dass es wirklich so weltführend ist,
1:03:34–1:03:39
also wenn du pro Kopf, also die Kameras pro Kopf, ich glaube eine Kamera hat
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dann in London für 16 EinwohnerInnen, während in Beijing dann halt irgendwie eine für 40 oder 50.
1:03:48–1:03:51
Also man denkt immer so, die Überwachungsdichte wäre in China so groß,
1:03:51–1:03:55
aber nein, London, kannst du davon ausgehen, da wirst du überall überwachen.
1:03:55–1:03:59
Ja, wobei auch viele eben ausgefallen sind, kaputt sind und so weiter, Kameras.
1:04:00–1:04:04
Aber, und dann komme ich jetzt zu meiner noch eine Serie, die ich zuletzt geguckt
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habe und die fand ich sehr gut, The Capture.
Micz Flor
1:04:07–1:04:08
Capture-y.
Florian Clauß
1:04:08–1:04:13
Nee, Capture. Da geht es um das panoptische London.
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Panoptische London, also über diese CCTV-Überwachung, dass nämlich ein Mord
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quasi einem Soldaten nachgestellt wird,
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der anscheinend auf Video dann gezeigt oder aufgenommen wurde auf so eine CCTV-Überwachungskamera
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an einer Bushaltestelle, das aber dann komplett gefälscht wurde.
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Und dann geht es um diese ganze Maschinerie hinter diesen CCTV,
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dass dann halt auch bestimmte Einheiten des Geheimdienstes in der Lage sind.
Micz Flor
1:04:43–1:04:45
In Echtzeit dann halt auch Bilder zu fälschen.
Florian Clauß
1:04:45–1:04:51
Und das ist ein ziemlich genialer Plot, der natürlich dann in London sehr gut aufgehoben ist.
Micz Flor
1:04:52–1:04:54
Ja, das ist lustig, weil ich habe da ewig nicht mehr dran gedacht.
1:04:54–1:04:57
In den 90er Jahren weiß ich halt deshalb, das ist schon ein Thema,
1:04:58–1:05:01
weil ich hatte ja damals als Kurator dieses Revolting-Projekt in Manchester
1:05:01–1:05:04
bei ISEA 98 war es, glaube ich.
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Das war so ein, ja, wie soll ich sagen, so Revolting, Revolution hieß das große,
1:05:09–1:05:14
Revolting war so ein bisschen mehr so dran kratzen an diesem shiny Wort Revolution.
1:05:14–1:05:17
Und da waren halt viele Leute eingeladen, unter anderem auch eben welche,
1:05:18–1:05:22
glaube ich, aus Manchester, die so Psycho-Geographic, ich habe vergessen,
1:05:22–1:05:26
wie die Organisation hieß, so Psycho-Geographic Walks machen.
1:05:26–1:05:28
Das war so ein Künstlerkollektiv.
1:05:28–1:05:31
Und diese Psycho-Geographic Walks ist halt eben, du läufst zum Beispiel durch
1:05:31–1:05:32
Paris mit der Karte von London.
Florian Clauß
1:05:32–1:05:34
Ach so.
Micz Flor
1:05:34–1:05:39
Das heißt, under the pavement, the beach. Das ist diese Sache.
1:05:39–1:05:42
Und da waren dann eben ein paar da und wir hatten dann auch darüber gesprochen,
1:05:42–1:05:45
wie halt diese Idee mit der Karte von einer Stadt in eine andere Stadt laufen,
1:05:45–1:05:49
ist halt natürlich diese Idee, dass man die Stadt irgendwie neu erleben muss,
1:05:50–1:05:54
weil man anders da durchgeführt wird und dann irgendwann auch nicht mehr weiter kann.
1:05:54–1:05:57
Also eine andere Form, die gleiche Stadt zu sehen.
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Und dann kamen wir auf diese Idee im Rahmen von Revolting, wir könnten doch
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auch so eine Art Demo machen, weil damals gab es schon das Demonstrationsrecht,
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glaube ich, dass man unangemeldet nicht mehr als drei Leute zusammenstehen durften. Also was ganz Absurdes.
1:06:11–1:06:13
Versammlungsrecht wurde da, glaube ich, damals gerade umgebaut.
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Das heißt, jede Gruppe von mehr als drei Leuten konnte theoretisch von der Polizei
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auseinandergeschoben werden.
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Ich weiß nicht, ob die Zahl stimmt, aber das war das Thema. Ich bin da jetzt, das ist auch lange her.
1:06:23–1:06:27
Aber dann kam halt so die Idee, dass wir quasi eine Demo machen gegen CCTV.
1:06:27–1:06:32
In dem jeder mit einem Schild vor einer CCTV-Kamera steht und irgendwo gibt
1:06:32–1:06:35
es dann halt in diesem Kabelnetz so einen Typ, der dann wie im Film immer diese
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20 Bildschirme vor sich hat und überall, also der sieht dann quasi eine Demo,
1:06:40–1:06:44
die aber im öffentlichen Raum keine Demo sein kann, aber bei dem im Control
1:06:44–1:06:47
Room sieht der halt dann quasi so diese massive Anforderungen.
Florian Clauß
1:06:48–1:06:49
Aber den Shot habt ihr dann nicht bekommen?
Micz Flor
1:06:49–1:06:52
Nee, wir haben das, glaube ich, gar nicht. Also ich kann mich nicht erinnern,
1:06:52–1:06:55
dass wir es durchgemacht haben. Aber einfach diese Idee zu spielen,
1:06:55–1:06:56
was heißt das denn mit einer Kamera?
1:06:56–1:06:59
Man sieht es ja auch jetzt in diesem, wie ist denn immer diese Netflix-Vierteiler,
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wo jede Folge so ein Shot war, nicht Education.
Florian Clauß
1:07:03–1:07:03
Adolescence.
Micz Flor
1:07:04–1:07:07
Adolescence, genau. Weil da geht es ja auch darum, dass man wirklich diese lückenlose
1:07:07–1:07:10
Verfolgung der Person in der Stadt machen kann.
Florian Clauß
1:07:10–1:07:11
Ich habe das seitdem noch nicht geguckt.
Micz Flor
1:07:12–1:07:13
Ach so, okay, du hast nur drüber geschrieben.
Florian Clauß
1:07:13–1:07:14
Da bist du mir voraus.
Micz Flor
1:07:14–1:07:18
Ja, nee, also ich habe auch nur zwei Folgen geguckt und können wir,
1:07:18–1:07:19
ja, wir sind ja kein Filmpodcast.
1:07:21–1:07:24
Aber das sind halt so diese klassischen Sachen, die man auch kennt,
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wo halt so Spuren verfolgt werden.
1:07:26–1:07:29
Dann wird zurückgesumt und, oh, guck mal da im Hintergrund, da ist doch der
1:07:29–1:07:30
und so. Das kommt doch so ein bisschen vor.
Florian Clauß
1:07:30–1:07:31
Ein bisschen Blow-up-mäßig.
Micz Flor
1:07:32–1:07:36
Und da geht es aber immer genau darum, dass man eben den Pfad des Menschen in der Stadt macht.
1:07:37–1:07:38
Und diese Idee, dass aber natürlich
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da, wo diese Signale gesammelt werden und wo die Monitor abguckt,
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dass da eben auch eine Präsenz von diesen Orten ist.
1:07:46–1:07:51
Also eine zweite Stadt, welche Abteilung guckt sich welche Teile an und so weiter.
1:07:51–1:07:53
Das fand ich schon nochmal interessant, sich zu überlegen, wie halt so.
1:07:53–1:07:57
Wahrscheinlich war es damals genauso, als zum ersten Mal bezahlte Postkutschen
1:07:57–1:07:58
erlaubt, Menschen erlaubt haben,
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quer durch die Stadt zu fahren und dann irgendwann die Metro und so.
1:08:01–1:08:04
Also diese Idee, dass die Stadt sich so verformt, passiert, glaube ich,
1:08:04–1:08:09
über CCTV eben auch, aber nur in der Art, wie sie auch erfasst wird,
1:08:09–1:08:11
in der Regel im Geheimen erfasst wird.
1:08:12–1:08:14
Und wir sehen halt immer nur diese Kameras an den ganzen.
Florian Clauß
1:08:14–1:08:21
Das stimmt. Ja, also die Kameras haben schon Auswirkungen auf die Verbrechensrate, muss man sagen.
1:08:21–1:08:27
Dass dann halt auch bei Morden und so weiter, dass häufig dann Spuren über CCTV
1:08:27–1:08:30
nachverfolgt werden können.
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Dass zum Beispiel auch Übergriffe oder so, wo dann halt CCTV ist,
1:08:36–1:08:40
also sexuelle Übergriffe oder sowas, dass die dann nicht so passieren,
1:08:40–1:08:42
dass das ein Rückgang zu verzeichnen ist.
1:08:43–1:08:47
Aber das ist nicht so, dass es dann halt weg ist, sondern es gibt dann halt
1:08:47–1:08:53
so diese Schattenbereiche, wo sich das hinverlagert, wo halt nicht CCTV hinkommt.
1:08:53–1:08:59
Und dann ist es halt auch so wie dieses Watchmen, also wer schaut die,
1:08:59–1:09:02
die dann halt irgendwie schauen, die das auswerten.
1:09:02–1:09:05
Und es verlagert sich jetzt nach, also jetzt natürlich zeitgemäß,
1:09:05–1:09:10
immer mehr in Richtung KI-Auswertung, dass du halt keine Ahnung,
1:09:10–1:09:15
so eine Weapon Recognition hast, dass die KI dann anspringt.
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Okay, das ist zu 99% ein Messer.
1:09:19–1:09:23
Und dann wird natürlich da die Aufmerksamkeit. Also sowas passiert da in dem Bereich.
1:09:24–1:09:28
Wir sind jetzt auf der Stresemannstraße und ich kann mich noch daran erinnern,
1:09:28–1:09:31
hier hat doch mal Silber in dem Gebäude gewohnt, oder?
Micz Flor
1:09:32–1:09:35
Ja, das ist schon irre. Das ist so ein bisschen wie Attack the Block,
1:09:35–1:09:36
was ich vorhin gemeint habe.
1:09:37–1:09:40
Guck dir den mal an, der macht dir Spaß. Also mir hat er nicht Spaß gemacht,
1:09:40–1:09:42
als ich ihn gesehen habe. Aber ich habe ihn nicht vergessen.
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Also war schon irgendwie, irgendwas daran hat mich einfach, ist bei mir geblieben.
Florian Clauß
1:09:47–1:09:51
Wir kommen jetzt hier wirklich an Ecken, wo wir noch nicht so lang gelaufen sind.
Micz Flor
1:09:51–1:09:53
Das hast du ja auch ausgesucht. Das hast du ja sehr gut ausgesucht.
1:09:53–1:09:56
Seit wir jetzt diese tolle Extra-Karte, für die, die auf die Webseite gehen,
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gibt es jetzt einen Link, wo man draufklicken kann. Da sieht man alle Touren,
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die wir schon gelaufen sind.
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Und von dort kann man sich dann auch in die entsprechende Episode wieder reinklicken.
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Das ist eigentlich auch eine Form von Psycho Geographic Walk,
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weil die Tour dann irgendwie doch nicht so viel mit dem Thema zu tun hat.
Florian Clauß
1:10:13–1:10:17
Im Prinzip sind das jetzt so die großen Themen, die ich jetzt irgendwie mit dir noch wälzen wollte.
1:10:17–1:10:20
Ich auch wusste, dass du jetzt auch eine ganz besondere Verbindung zu London
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hast und aus dieser Zeit dann auch erzählen kannst.
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Und dann auch nochmal so, also mich würde es natürlich interessieren,
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wenn du wieder zurück nach London kommst.
Micz Flor
1:10:30–1:10:30
Müsstest.
Florian Clauß
1:10:30–1:10:33
Ja, wie du das wahrnimmst, diese Stadtveränderung.
1:10:36–1:10:40
Also wie gesagt, ich war 2018 war das, glaube ich.
1:10:40–1:10:44
Oder nee, 2019 waren wir da. Da habe ich mir auch extra in Schorlitz,
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da war so ein neuer Tower, der gebaut wurde. Da hatten wir uns dann ein Apartment gemietet.
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Ich war wirklich geflasht von der Skyline, von wie sich das verändert hat in der Zeit.
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Aber gleichzeitig, wenn man durch Schorlitz geht, riecht es die ganze Zeit nach
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gegrilltem Fleisch wie noch vor den 90ern.
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Es riecht immer so nach, ja.
Micz Flor
1:11:03–1:11:06
Aber es ist ja auch immer das Paradox, was man wirklich sehen will.
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Also was mich geflasht hat an London oder Manchester oder Glasgow oder so,
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Also es sind halt die Fisch'n'Chip-Shop, diese Sachen, die so eher so Streetfood-mäßig anders waren.
1:11:15–1:11:19
Diese Greasy-Spoon-Cafés in Busstops, wo man sich dann hinsetzen konnte.
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Das ist alles irgendwie eben genau, so komisch das ist, oder durch die Thatcher-Era
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verarmte Norden, so, ne, Mensch, das ist der Liverpool.
1:11:28–1:11:31
Dass es halt dadurch eben auch noch so Sachen gab, wo ich gar nicht,
1:11:31–1:11:36
ich wusste das nicht, außer dem Film halt mein wunderbarer Waschsalon,
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wo halt irgendwie auch so ein bisschen dieser Kiez dargestellt wurde.
Florian Clauß
1:11:40–1:11:42
Auch ein detailprägender Film für mich.
Micz Flor
1:11:42–1:11:45
Der hat so diese Facetten, finde ich, ganz gut.
Florian Clauß
1:11:45–1:11:50
Ja, also einmal dieses Immigrant-Thema, dann noch das Queerness,
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Schwule, das damals war 80er, ich weiß nicht, 87, 86 wurde der,
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glaube ich, gedreht. Den habe ich auch echt,
1:11:59–1:12:00
gern geguckt.
Micz Flor
1:12:00–1:12:04
Und das ist irgendwie das, wo man dann, ja, wo bleibt man denn dann hängen?
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Also wenn man jetzt nach New York, die UDL-Filme, die bleiben dann auch hängen in dem Italienischen.
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Die gibt es zwar immer die Skyline hinterher und dann passieren tut alles dann
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irgendwie an dieser karierten roten Tischdecke beim Italiener.
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Und in England fand ich auch immer, dass das, was einen dann wirklich packt,
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sind halt immer diese Orte, die, ja, so Streetfood-Style irgendwie sind.
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Also das English Breakfast, Damals habe ich das geliebt und nicht darüber nachgedacht,
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dass ich da Tiere esse, sondern es war halt Breakfast.
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Breakfast war immer ohne Fleisch, Marmelade und Brötchen. Aber da ist es halt
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irgendwie alles 100 Prozent fast Fleisch.
Florian Clauß
1:12:39–1:12:40
Ja, sehr schön.
Micz Flor
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Und deshalb finde ich so diese Skyline, wenn man nach London geht,
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dann hat man wahrscheinlich schon diesen Wow-Effekt.
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Aber ich hätte eher Sorge, dass alles so super geputzt ist, dass es halt eben
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diesen Greasy Spoon gar nicht mehr gibt. und dass du halt dann im besten Fall
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irgendwie zu McDonalds essen gehst, weil du dir das richtig leisten kannst.
Florian Clauß
1:12:59–1:13:03
Ja, ich glaube, ja, also ich meine, es gibt immer so dieses,
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was in Paris der Kaffee ist, ja, der immer unter zwei Euro kostet meistens,
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also zwei, ist es halt, in England ist es der Tee, ja.
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Das heißt, du kriegst überall für ein, zwei Pfund kriegst du überall so Cup of Tea.
Micz Flor
1:13:19–1:13:22
Jetzt habe ich ein Déjà-vu, weil genau das hast du nämlich damals,
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Kunsthandwerk-Museum am Potsdamer Platz gesagt.
Florian Clauß
1:13:26–1:13:28
Ja, stimmt, das war nochmal so.
Micz Flor
1:13:28–1:13:30
Das ist ja auch so, ich meine, das passt jetzt auch hierher.
Florian Clauß
1:13:30–1:13:34
Ja, das ist halt so die Erfahrung, dass dieses Pub, das Öffentliche,
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die Form von Öffentlichkeit, die hat in England eine andere Kultur als in Deutschland.
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Und ich glaube, das ist das, was man, wenn man hier so sozialisiert ist,
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vielleicht dann gar nicht so nachempfinden kann. Aber das ist nochmal so dieses
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Gemeinde, Gemeinschaftliche in einem Pub zusammen sein und Sport gucken.
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Das ist so der Identifier, den man da halt zusammenträgt. Aber es gibt halt
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auch dieses schmutzige London.
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Da will ich jetzt auch nochmal so einhaken mit den Serien. Es gibt eine großartige
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Serie, die ist von Apple TV Plus produziert und zwar Slow Horses.
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Das geht jetzt schon in die dritte Staffel. Und ich meine, das ist halt so das,
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was wir auch gesagt haben zu 28 Days Later.
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Dass Danny Boy Szenen drehen kann, wie zum Beispiel, dass Zombie-Kinder dann
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getötet werden, die du halt in Amerika nie so drehen könntest,
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weil das einfach total, es geht gar nicht.
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Dass Kinder irgendwo getötet werden, das darf man nicht zeigen.
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Und bei Slow Horses ist der Hauptcharakter Gary Oldman, der im Prinzip auch
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so ein abgestellter MI5-Agent ist.
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Und die sind alle, die werden geparkt in den Slow House.
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Das ist quasi so eine Schatteneinheit von dem MI5, wo die ganzen Versager und
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die ganzen, Die dann halt irgendwie so irgendwas gemacht haben und aus dem Dienst
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nicht suspendiert werden können, aber irgendwie abgestellt werden.
1:15:06–1:15:12
Und das ist so eine Einheit von so fünf, sechs Leuten, die Gary Oldman ist der, der...
Micz Flor
1:15:12–1:15:14
Die Expendables auf Britisch.
Florian Clauß
1:15:14–1:15:15
Ja, der ist halt wirklich so...
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Gary Oldman ist halt wirklich so ein Charakter, der die ganze Zeit irgendwie
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so raucht, die ganze Zeit säuft, rumfurzt und total brachial ist,
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aber dann immer wieder so geniale Kniffe hat.
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Also wo er dann halt irgendwie so, du denkst halt, er ist ein totales Arschloch,
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aber im Prinzip ist er dann doch total real zu seinen Leuten.
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Macht die aber immer so total fertig.
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Es ist sehr gut, also es macht sehr viel Spaß, wenn du dann irgendwie mal Zeit
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hast. Die kann ich dir sehr empfehlen.
Micz Flor
1:15:42–1:15:45
Ja, ich bin ja auch ein großer Gary Oldman-Fan. Und du müsstest dann mal gucken,
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auch für die Shownotes, es gibt ein wunderbares, da war er irgendwo im Interview
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und da ging es auch um ihn und Furzen und irgendwas.
Florian Clauß
1:15:52–1:15:54
Ja, das war bestimmt die Serie da.
Micz Flor
1:15:54–1:15:57
Ja, und dann wurde er im Interview gefragt, wie das ist, wenn da mal ein Furz ist oder nicht.
1:15:57–1:16:01
Ich weiß nicht mehr genau, was war. Auf jeden Fall musste er einfach sowas von
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lachen. Es ist sehr, sehr, sehr charmant.
Florian Clauß
1:16:03–1:16:07
Also man sagt ja auch, Gary Oldman ist so ähnlich wie Willem Dafoe.
1:16:07–1:16:11
Oder es gibt so Schauspieler, die dann so nahbar sind. und mit denen man dann
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auch gerne irgendwie so, die nicht so völlig abgedreht sind wie andere Schauspieler.
Micz Flor
1:16:16–1:16:19
Wie zum Beispiel William D.V. Ach nee, stopp.
Florian Clauß
1:16:20–1:16:25
Also Apple TV Plus produziert viele Serien. Andere Serie, ich weiß nicht,
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ob du die geschaut hast, ist Ted Lasso.
Micz Flor
1:16:28–1:16:30
Nee, aber der Name ist mir mal untergegangen.
Florian Clauß
1:16:30–1:16:33
Der Name ist bekannt. Es ist, glaube ich, so eine der größten Vielgutsserien,
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die in den letzten Jahren produziert wurden.
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Also es geht im Prinzip um so einen Amerikaner, Da trifft sich so amerikanisches,
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totaler, naiver Optimismus auf so einen Zynismus in Großbritannien.
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Also Ted Lasso ist ein Football-Trainer in Amerika.
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Der sucht ein neues Betätigungsfeld und wird dann gecastet von einem Fußballverein,
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den er dann quasi auch in London, einem Stadtbezirk von London, trainieren darf.
Micz Flor
1:17:04–1:17:06
Ah ja, das habe ich in den Trailer mal gesehen.
Florian Clauß
1:17:06–1:17:10
Ja, das ist super. Und er hat keine Ahnung von Fußball. Also er muss sich das
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dann auch selber anlernen.
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Das ist so ein bisschen, diese toxische Maskulinität trifft auf diesen amerikanischen
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Optimismus und die ganzen Protagonistinnen und Protagonisten.
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Die erste Staffel ist eine Anvereinigung und dann nähern sie sich alle an und
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dann wird es halt so eine ganz große Vielgutserie, wo man selten so nach jeder
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Folge denkt, die Welt ist so gut.
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Es war auch eine unglaublich erfolgreiche Serie und eigentlich ist die in der
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dritten Staffel abgeschlossen, aber die produzieren jetzt eine Viertelstaffel.
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Ich bin gespannt, was die da noch hinterher schieben können.
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Gangs of London Capture habe ich schon erwähnt, die beiden Serien.
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Und jetzt habe ich hier so zwei Säen oder drei, ich könnte noch eine dritte
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dazunehmen, die, ich sag mal so, diesen neuen Feminismus so mit,
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aufgenommen haben, nämlich einmal ist Fleabag.
Micz Flor
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Was ist der neue Feminismus?
Florian Clauß
1:18:06–1:18:08
Darf ich das fragen? Naja, im Prinzip, also dann muss ich dir anwenden,
1:18:09–1:18:10
das ist I Will Destroy You.
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I Will Destroy You geht um eine Autorin, die auf Twitter,
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so Kurzgeschichten schreibt und einen Buchvertrag bekommt und eigentlich geht
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es um so eine Nacht, wo sie dann halt mit K.O.-Tropfen verabreicht bekommt und
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sexuell vergewaltigt wird.
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Und sie kann sich an nichts erinnern. Sie versucht dann über Episoden,
1:18:30–1:18:35
die dann sehr ... Also es ist halt so eine neue Vokeness, so eine Schrillheit.
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Die Protagonistin ist schwarz. Sie ist in so einem kulturellen Umfeld,
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das halt so grell ist. Das ist halt irgendwie so erzählt.
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Also Kunst und Kultur in dem Literaturbereich. ja
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auch viel mit london auf der straße und so weiter den
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den ich jetzt so nicht so kenne ja es ist auch mit einer unglaublichen selbstsicherheit
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erzählt die darstellerin heißt michael kohl jetzt selber diese erfahrung gemacht
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eben von vergewaltigung auf k.o. tropfen.
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Komödiantin, hat diese Serie Chewing Gum, also es ist auch eine BBC-Coproduktion von HBO und BBC.
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Chewing Gum hat sie geschrieben, da ist sie Schauspielerin und hat Drehbuch
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geschrieben und zu dieser Serie hat sie auch das Drehbuch geschrieben,
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also es ist ihre Geschichte mehr oder weniger und dann auch die Hauptdarstellerin geactet.
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Es ist eine tolle Serie und die driftet auch so ins Surreale teilweise ab.
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Und es ist so dieser Grat zwischen so zwischen, wie soll man das sagen,
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der wird immer wieder neu verhandelt.
1:19:50–1:19:54
In verschiedenen Konstellationen zwischen den Figuren, zwischen ihren Freundinnen
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und Freunden, zwischen eben auch ihren,
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Gegnerinnen. Und es geht immer so ein bisschen, ab wann es quasi so eine lustvolle
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Verbindung ist und ab wann das übergriffig wird.
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Es wird immer so ein bisschen ausgewogen.
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Es wird so in verschiedenen Facetten dann auch erzählt.
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Also eine ziemlich starke Erzählung.
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Und Fleabag, da geht es auch um eine, also im Prinzip...
Micz Flor
1:20:19–1:20:21
Fleabag, fliehe zurück?
Florian Clauß
1:20:21–1:20:23
Also, nee, B-A-G, Fleabag.
Micz Flor
1:20:24–1:20:26
Also Flo-Tasche.
Florian Clauß
1:20:26–1:20:28
Also F-L-E-A Back.
Micz Flor
1:20:29–1:20:31
Eine Tasche voller Fleur.
Florian Clauß
1:20:31–1:20:36
Fleabag, ja. Da geht es um die Protagonistin. Es ist eine Familiengeschichte,
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die ist so ein bisschen bei der Gentrifizierung auf der Strecke geblieben.
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Ihre beste Freundin hat sich umgebracht oder ist von Auto überfahren worden.
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Das wird nicht so explizit gesagt.
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Sie ist auch so ein Comedian. Kommt aus der Comedian-Ecke.
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Sie ist so ein bisschen, sie sucht dann ihre Position in diesem Engel.
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Das Lustige ist an dieser, das ist so ein bisschen wie die Piep-Show.
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Ich weiß nicht, ob die Piep-Show die Serie kennt. Da spielt auch die Sophie,
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von Piep Show spielt dann ihre Stiefmutter.
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Auch großartig, die ist so gut.
Micz Flor
1:21:12–1:21:13
Die ist super, ja.
Florian Clauß
1:21:13–1:21:17
Ich glaube, Piep Show hat das auch gemacht, dass dann quasi die vierte Wand
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immer wieder durchbrochen wird, dass dann halt direkt die Protagonistin mit den Zuschauern redet.
Micz Flor
1:21:24–1:21:28
Ja, bei der Piep Show war es nicht so, sondern die haben quasi in Dialogen in
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die Kamera gesprochen, aber die waren miteinander. Es gab keine Zuschauer,
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aber trotzdem war die Wand durchbrochen.
1:21:32–1:21:36
Dann wurde es direkt angesprochen, Aber der Dialog ging weiter, auch ohne deine ...
Florian Clauß
1:21:37–1:21:44
Also auch eine absolute Empfehlung. Die ist jetzt aber schon ein bisschen älter. Die ist von 2017.
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Und es gibt zwei Staffeln davon. Die zweite ist auch ein bisschen anders als
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die erste. Die erste ist sehr zynisch-anekdotisch.
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Und die zweite wird dann so ein bisschen, ich sag mal, deeper.
1:21:55–1:22:05
Genau. Dann auch eine aktuelle Serie, die von Alfonso Curason gedreht wurde.
1:22:05–1:22:10
Das ist die teuerste Apple-TV-Serie, die jemals gedreht wurde.
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Und obwohl, ich habe mich gefragt, warum, weil ich zum Beispiel Severance ist
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auch von Apple-TV und das hat ja eine visuelle Qualität, dass ich dachte,
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da kommt nicht viel drüber.
1:22:26–1:22:30
Alfonso Corazon, der hat auch den dritten Teil von Harry Potter und vor allen
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Dingen einer meiner Lieblingsfilme, Children of Man gedreht.
1:22:33–1:22:37
Und der hat halt Disclaimer.
Micz Flor
1:22:37–1:22:39
Und Gravity hat er auch gemacht.
Florian Clauß
1:22:39–1:22:39
Gravity, genau.
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Das ist auch erklärbar, warum die so teuer war, weil im Prinzip hat der auf Kino-Niveau gedreht.
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Und dann halt jede Folge, dann sind acht Folgen.
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Und dann die Gesamtkosten waren dann, glaube ich, pro Folge über 15.000, 15.000.000.
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Also dann bist du halt irgendwie bei 100.
Micz Flor
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120.000. Ja, das ist lustig, oder? 28 Years Later wird halt,
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die haben das auf iPhones gedreht und dann Apple TV, das ist wie eine Kinosache gedreht.
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Wie das dann sich gegenseitig übertrifft in der Cheapo oder in der High Production
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Marge. Weißt du, ich meine.
Florian Clauß
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Das ist komisch. Ja, das ist halt irgendwie, ja klar, ich glaube,
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das ist die Herangehensweise des Regisseurs, die Auswahl der Produzenten und
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natürlich auch der Cast.
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Kate Blanchard spielt die Hauptrolle, die auch entsprechend teuer ist.
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Bei Severance gibt es als Hauptcast den Adam Scott, aber da gibt es nicht viel mehr.
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Das zahlt sich dann auch nochmal aus, ob das Budget teuer da was ist.
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Obwohl Cate Blanchett, da frage ich mich jetzt wirklich, weil die jetzt auch
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mit Ostermeyer ein Stück gemacht hat, die Möwe, auch in London.
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Also was da die Gagen sind, das ist nochmal was anderes, wenn du ein Theater machst oder einen Film.
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Auf jeden Fall bei Disclaimer geht es um Cate Blanchett, die sind auch eine
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sehr erfolgreiche Autorin ist und die auf einmal von ihrer Vergangenheit eingeholt
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wird. Ich will jetzt auch nicht viel darüber erzählen, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.
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Und auf einmal, die ist halt in so einem politisch korrekten Umwelt, alle stehen zu ihr.
Micz Flor
1:24:16–1:24:20
Auf einmal kippt halt alles um und sie wird die Ausgegrenzte.
Florian Clauß
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Sie wird diejenigen Personen, auf die alle mit den Finger zeigen und alles geht gegen sie auf.
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Das ist auch eine ganz, also eine ziemlich starke Serie, die auch viele verschiedene,
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Du wirst da echt geschmissen von der Serie. Du wirst dann von einer Sache in
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die nächste geschmissen. Du denkst so, wow, okay, das war's.
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Und dann gibt es wieder einen Eins.
Micz Flor
1:24:44–1:24:48
Es kann nichts mehr schief gehen. Die Standesbeamtin hat gekündigt.
Florian Clauß
1:24:49–1:24:53
Genau, also im Prinzip habe ich jetzt meine ganzen Serien.
Micz Flor
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Kürzer Blick hier mal rein. Wir sind jetzt gleich am Potsdamer Platz.
1:24:56–1:25:01
An einem Gebäude, was glaube ich auch aus dieser WeWork-Klitsche kommt.
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Und da ist es so, das ist mir neulich schon mal aufgefallen,
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bei, wo ist das am besten, das Foto?
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Da bin ich auch am Ostbahnhof so durchgemeandert und bin dann halt so ein paar Bürogebäude.
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Was da an Leerstand gerade ist in diesen Office-Spaces, unglaublich.
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Also da wurde ja vor Corona noch richtig reingebuttert. Dann kam Homeoffice
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und irgendwie, der Leerstand ist enorm.
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Also es ist krass, du kannst dir diese ganzen Neubauten, so wie hier halt auch, es ist leer.
Florian Clauß
1:25:32–1:25:37
Ja, das ist schon krass, dass ich das dann so tragen kann irgendwie.
Micz Flor
1:25:38–1:25:40
Ja, oder nicht. Das sind wahrscheinlich einfach Abschreibprojekte.
Florian Clauß
1:25:41–1:25:45
Also das ist auch nochmal so ein Punkt, den kann ich jetzt am Ende nochmal so schließen.
Micz Flor
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Das ist so ein bisschen, ehrlich gesagt, wie Mensch aus den 90ern,
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wo nichts mehr geht, so ökonomisch.
Florian Clauß
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Das Geld für die ganzen Bauten, das Geld für die ganzen Skyscraper,
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für die Bauten usw., woher kommt das?
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Das kommt wahrscheinlich aus dunklen Kanälen, aus Osteuropa,
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aus dem arabischen Bereich.
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Das gleiche konnte man halt irgendwie so von Filmproduktionen behaupten.
1:26:13–1:26:18
Deswegen ist es so diese wachsende Industrie, dass da ganz viel an Geld reingelaufen
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ist, aber viele Produktionen dann gar nicht fertig geworden sind.
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Dass das halt auch so quasi so verwischt die Spuren von Geld,
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ja, und dass damit halt auch quasi so der ganze Bereich sich aufbauen konnte.
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Also ich glaube dann über, zur Corona-Zeit waren das halt 40 Prozent der Produktionen,
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die nicht fertiggestellt wurden.
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Also es gibt dann halt schon so komische Zahlen, die das halt so ein bisschen
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mysteriös erscheinen lassen.
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Ja, nee, soweit. Ich kann auch andere denen nennen, ich meine,
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Sherlock und so weiter, das sind die aus den 2010er Jahren.
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Aber das waren jetzt so, ich habe versucht, da so ein bisschen dann noch,
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also man könnte jetzt mal gucken,
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was spielt London als Stadt in den einzelnen Serien für eine Rolle.
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Und häufig ist es halt so, also bei Gangs of London ist es halt,
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die ist auch ultrabrutal, die ist ein bisschen so ein John Wick-Stahl.
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Ich habe die dritte Staffel, die ist jetzt gerade rausgekommen,
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die habe ich nicht mal weiter geguckt, weil es total langweilig und banal geworden ist.
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Aber die ersten beiden sind schon ultra brutal.
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Und spielt halt in diesen ganzen, also ein bisschen wie Eastern Promises,
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in diesem ganzen drogenreichen Milieu, genauso wie Mobland.
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Wo dann halt aber auch viel zu dieser Land sitzt, was halt häufig das Thema bei Guy Ritchie ist.
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Bei The Gentleman hat das ja auch schon so das Adlige, das Reiche, das Gentleman-like.
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Das wird dann halt fantastiert durch dieses Fußvolk, was dann halt irgendwie
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so diese ganzen Drogenkriege führt und was dann halt abgeballert wird.
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Da sind auch Außenaufnahmen, wo du dann denkst, wow, ich habe mir dann auch
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eine Seite tatsächlich so angeguckt.
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Da gibt es so einen Policy Guide of Filming.
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Diese Infrastruktur ist gut organisiert. Also das heißt, wenn du da irgendwie
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eine Kranfahrt machen willst, du kannst dich da anmelden, kriegst du dann halt
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deinen Kran. Und das ist halt auch schweinteuer, weil die müssen halt irgendwie,
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sobald du irgendwo Straßen sperrst in London, ist ja sowieso überall, ne?
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Dann kostet es halt enorm viel Geld. Aber es ist halt eben gut organisiert und
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es ist halt auch die Infrastruktur da.
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Das war das, was dann halt irgendwie so auch mir die Frage beantwortet hat,
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warum so viele Serien in London spielen.
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Und wenn ich jetzt da noch, also ich meine, man kann das wirklich,
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wie ich es schon sagte, dann gucken, wie London auftritt, was für ein Gesicht
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da gezeichnet wird von London.
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Aber es ist immer wieder so ein Ort, den ich immer wieder so gerne sehe.
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So ein bisschen wie wenn Berlin eine Serie spielt, dann freut man sich auch, da war ich neulich.
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Aus London, auch so wow, okay, ah, Barbican, wie geil also du hast dann so Spots
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wo ich auch emotional einfach was verbinde, ja, ich wollte dir jetzt nochmal
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so diese, wenn du mal Zeit hast,
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britischen Serien empfehlen ja, also gerne, kannst du so, das war jetzt, das war mein eigentlich.
Micz Flor
1:29:08–1:29:13
I'm loving it Aber worum geht es denn eigentlich bei diesem London?
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Wenn du es erzählst und du lässt die Frage jetzt unbeantwortet,
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du musst dir über London schon ein bisschen nachgedacht haben.
Florian Clauß
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Na, ich habe ja schon so ein bisschen angerissen. Aber gleichzeitig habe ich
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gemerkt, dass ich jetzt, sobald ich da irgendwie so einen Teppich knüpfe,
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dass das, glaube ich, zu lose ist, um dann halt wirklich so eine Fläche zu bieten.
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Du kannst es nicht, es ist zu unterschiedlich. Es sind diese Facetten von der
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Stadt, die sich da widerspiegeln.
Micz Flor
1:29:35–1:29:37
Also ich würde...
Florian Clauß
1:29:37–1:29:41
Es war nur dieser Moment, wo ich halt mich gefragt habe, warum spielt jetzt
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auf einmal alles in London, was ich gucke?
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Diese Verdichtung, die mich dann halt so stutzig gemacht hat und der ich dann
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halt irgendwie auf die Spur kommen wollte.
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Dann eben so ein paar Antworten gefunden hat in der Geldwäscheanlage von London.
Micz Flor
1:29:58–1:30:02
Aber das meine ich auch. Ich habe neulich in Social Media irgendwo so ein Bild
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gesehen, zweigeteilt oben siehst du halt so junge Männer irgendwie mit weißen
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Hemden, weißen Anzügen.
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Irgendeinem Skyrise-Blick über die Stadt London, so Anwälte- oder Banker-Typen.
Florian Clauß
1:30:12–1:30:12
Ja.
Micz Flor
1:30:13–1:30:16
Und da steht daneben How the Americans see the British.
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Und unten drunter siehst du halt irgendwie so ein Manchester,
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irgendwie so ein klassisches Bild, was auch mal so als Witz durch die Social
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Media ging, weil man da so diesen goldenen Schnitt so gut zeigen konnte,
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wo so einer besoffen da liegt, die Polizei zieht ihn so hoch.
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Rechts hängt auch einer gegen den Mann, einen halben Kebab in der Hand.
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Irgendwie alles so dieses versiffte, alkoholisierte.
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How the rest of Europe see the British.
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Und das ist so beides irgendwie auch wahr. Und da hatte ich so ein bisschen
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das Gefühl, dass das bei London auch mit den Sendungen, beschrieben was zu Agency,
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es gibt halt immer, diese Stadt ist so picobello, aber es gibt dann da immer was Verstecktes drin.
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Oder dann, es gibt dann wie bei Peaky Blinders, das ist natürlich noch offen,
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weil ich habe da auch nur zwei Folgen gesehen und gemerkt, Serien habe ich irgendwie,
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macht mir gerade keinen Spaß, aber das ist relativ offen, obwohl es so geheime
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Banden sind, weil alle wissen es.
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Aber London ist ja irgendwie so clean, du läufst da durch und bist dann in dieser
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absoluten Parallelwelt und dann gehst du um die Ecke und da ist dann Gary Oldman und raucht,
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oder Michael Fassbender und in Agency, also aber immer solche Themen,
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aber das kann natürlich auch einfach deine Lust sein, das ist vielleicht deine
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Linse, wie du drauf guckst, aber bei allem irgendwie eine Stadt, die integer,
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erwachsen, entwickelt und intakt wirkt, aber dahinter ist was,
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das ging ja irgendwie mit James Bond schon los, mit Harry Potter,
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wo man dann, also da auch durch diese.
Florian Clauß
1:31:36–1:31:38
Durch dieses Gleis dann.
Micz Flor
1:31:38–1:31:39
Durch das halbe Gleis muss.
Florian Clauß
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Du kommst immer wieder in so Zwischenbereiche. Das ist, glaube ich, der Punkt, ja.
Micz Flor
1:31:44–1:31:48
Und irgendwie ist es egal, wie viel die da oben drauf so glatt schmirgeln.
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Es gilt immer noch das, was vor tausend Jahren passiert ist.
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Ja, stimmt. Das hatte ich so ein bisschen das Gefühl. Und wenn du es vergleichst,
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weil du sagst Gangs of London und dann eben Gangs of New York,
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der Film, da ist es ja so, dass es wirklich so ein historisches Fenster in der Entwicklung war.
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Das ist ja, das Buffer daran war ja irgendwie, wow, das ist gar nicht so lange her.
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Aber bei London ist alles so lange her, wie die ewige Stadt Rom.
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Ob das jetzt vor 1000 oder 1200 Jahren, dass irgendwie da jemand hingepinkelt
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hat und deshalb darf da heute immer noch kein Haus gebaut werden.
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Man hat das Gefühl, es gibt so viel Geschichte, die die ganze Zeit versucht
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wird wegzubetonieren, aber das bricht immer durch.
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Das wäre dann schon so ein psychodynamisches Thema auch. Es kommt immer wieder
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was durch die Stadt durch, dass man sofort glaubt, dass alles ganz anders ist,
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als es scheint, wie bei Cate Blanchett auch. Es ist immer genau das Gegenteil
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von dem, was ich gerade dachte, es war.
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Und im Endeffekt stimmt immer beides. Und dass das vielleicht London auch so
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anzieht, weil wenn du jetzt andere Sachen vergleichst, zum Beispiel deutsche
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Serien, das ist dann entweder, nicht Serien, aber ich meine auch so dieses Bild von den Nazis,
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dann ist halt irgendwie Harrison Ford fährt nach Berlin und da brennt alles,
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Bücher werden verbrannt, die Flaggen an der Wand, das sind halt solche Bilder,
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das ist alles out in the open.
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DDR-Serie 1980 oder so hieß es doch, wo dann auch irgendwie alles immer dargestellt wird.
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Aber es gibt nicht wirklich was Verstecktes, selbst wenn man weiß,
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dass es diese versteckten Verhörzellen gibt und Folterzellen und sowas.
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Aber irgendwie ist es immer auch gleich sichtbar. Und in London ist es so,
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als ob wir jetzt hier rechts da hochgehen und dann links an die Tür reingehen
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und dann an den Blicken der Menschen sehen würden, dass wir jetzt gerade im falschen Gebäude sind.
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Und dann geht der Fehler, lässt uns dann drei Staffeln nicht mehr los.
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Also das verbinde ich so ein bisschen mit London und ich finde eine Tour ziemlich
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genial, weil wir haben so viel, oder ich habe viele Fotos gemacht,
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wo wir sind, wo ich eins zu eins sagen könnte, das hätte man auch in London fotografieren können.
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Also gerade jetzt richtigen Potsdamer Platz. Ich liebe ja auch diesen Grünstreit.
Florian Clauß
1:33:50–1:33:54
Ich meine, mir ging es dann halt auch so in London, das ist vielleicht so ein
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bisschen auch wie unsere Tour.
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Man ist im öffentlichen Raum, man kann sich den öffentlichen Raum als Fußgänger dann so aneignen.
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Man kann dann zu Plätzen gehen, wo man dann sagt, wow,
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aber gleichzeitig ist es halt öffentlich und dann in der nächsten Ecke ist dann
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aber was total Verstecktes, da ist dann halt irgendwie sowas,
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wie du sagst, was total Verschmiertes, Unheimliches, was dich da so ein bisschen
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in die Gosse zieht, dieses Periphere, was dann passieren kann in der nächsten Korne.
Micz Flor
1:34:26–1:34:29
Aber das sind ja auch mal die London-Motive. Jack the Ripper,
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Jekyll and Hyde und sowas.
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Das sind ja irgendwie diese Motive aus der Zeit, die immer eben auch diesen
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Underbelly mitbringen.
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Die Geschichte passiert eigentlich in dem, wo man nicht drüber sprechen darf.
Florian Clauß
1:34:41–1:34:46
Ja, und du hast natürlich, ich meine, The Crown ist auch eine ganz erfolgreiche
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Serie, die habe ich jetzt nicht geguckt, aber du hast das Monarchische,
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als noch was drüberliegen, was dir dann immer auch vermittelt,
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das ist auch dieses Gentleman Agreement, das ist dann auch,
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das Adlige, was dann halt wirklich so ein Gewicht,
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verleiht, ohne, allein das ist halt eine Kultur und das ist halt so ein Titel
1:35:07–1:35:10
hat, aber ohne sich dann halt so zu beweisen Und das ist halt so,
1:35:11–1:35:13
das ist bei, das hatte ich ja schon erwähnt, bei Guy Ritchie,
1:35:14–1:35:20
diese unglaubliche Brutalität, das Brachial, das Primitive, was dann rausbricht,
1:35:20–1:35:22
ja, bei diesen ganzen artigen Titeln, ja.
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Und das ist halt so dieser Kontrast, der da aufgebaut wird.
1:35:25–1:35:29
Man sieht es dann halt irgendwie in der Fassade, aber letztendlich hat das überhaupt
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keine moralische Wirkung, sondern es ist einfach nur so, weil es in dieser Tradition
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steht, bekommt es eine gewisse Relevanz, aber nur deswegen, ja.
1:35:38–1:35:43
Und das ist halt so, was dann so funktioniert, also als Kulisse.
1:35:43–1:35:46
Na, ich meine, natürlich ist es auch, wenn du jetzt so weitergehst,
1:35:47–1:35:51
der ganze britische Humor, der dann so dieses absolut trockene,
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aber absurde Moment, was da auch mitschwingt.
1:35:55–1:35:57
Das hast du auch in vielen Serien so.
Micz Flor
1:35:58–1:36:04
Ja, ich fände es interessant, aber wir kommen, glaube ich, jetzt auch zeitlich ans Ende dieser Folge.
1:36:04–1:36:07
Aber ich fände es irgendwie auch interessant, wirklich nochmal über Serien generell
1:36:07–1:36:10
zu, weil als du es am Anfang angeschnitten hast, fand ich schon so,
1:36:10–1:36:11
dass sich das für mich wieder sehr gedreht hat.
1:36:12–1:36:16
Also zum Beispiel das letzte Mal, dass ich wirklich so ein, müsste man halt
1:36:16–1:36:20
schon sagen, so ein Filmvergnügen hatte, muss ich jetzt dummerweise zugeben,
1:36:20–1:36:23
aber wirklich halt bei Maverick mit Tom Cruise, weißt du, so irgendwie so.
1:36:24–1:36:28
Natürlich, ja, es ist halt irgendwie sowohl von der Farbgebung,
1:36:28–1:36:30
auch von der Länge der Schnitte, von dem, was da ist.
Florian Clauß
1:36:30–1:36:32
Es ist einfach so, 80er, ja.
Micz Flor
1:36:32–1:36:37
Es ist so wirklich nicht, es ist retro, es ist super retro, aber es tut irgendwie
1:36:37–1:36:41
insofern gut, als dass man so das Gefühl hat, ich spiele ja auch gerne Gitarre,
1:36:41–1:36:46
also nicht von ungefähr mache ich immer ein, zwei Folgen über Gitarren im Sommerloch.
1:36:46–1:36:48
Aber diese Sache, das...
Florian Clauß
1:36:48–1:36:49
Welches Sommerloch?
Micz Flor
1:36:49–1:36:52
Ja, unseres hier, guckt euch die Fotos an auf dem Blogpost.
1:36:54–1:36:56
Und jetzt habe ich vergessen, was ich sagen wollte. Aber ich wollte mit dir
1:36:56–1:36:59
da hinten hin. Ist es okay? Nee, ich würde gerne was essen.
Florian Clauß
1:36:59–1:37:01
Ja, gerne. Nee, das finde ich super.
Micz Flor
1:37:01–1:37:04
Okay, dann gehen wir da mal hin. Weil wir sprechen hier über die Sachen,
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die sich dann irgendwie alle wegentwickelt haben und alles irgendwie versiegelt ist.
1:37:08–1:37:14
Und vorne vorbeigehen habe ich gesehen, dass es diese Pizzeria noch gibt. Ja, die Pizzeria.
Florian Clauß
1:37:14–1:37:15
Die mag ich auch.
Micz Flor
1:37:15–1:37:20
Ich weiß gar nicht mehr wann. Ich glaube, das war zur Premiere von Philipp Scheffners
1:37:20–1:37:22
Der Tag der Spatzen oder sowas.
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Da war ich dann mit Merle und Philipp und der Crew und sowas da essen und das
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ist im Prinzip genau das, wo ich vorhin sagte, das hat London bestimmt nicht mehr.
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Irgendwas, was eine Geschichte hat von vor 15 Jahren.
1:37:35–1:37:40
Bis abgesehen von irgendwelchen Pubs, wo dann ein Guinness 12,50 kostet,
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weil der Tisch von 1404 ist.
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Okay, genug. Vielen Dank, Flo. Ich fand es total super. Ich wusste gar nicht,
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was mich dann so erwartet.
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Und ein bisschen war das jetzt das erste Mal wieder seit langem,
1:37:51–1:37:53
dass ich wirklich das Gefühl hatte, es war wie auf den Wanderungen.
1:37:53–1:37:57
Weil wir einfach so über ein Thema reden, wir hätten jetzt auch noch eine Stunde weiter reden können.
Florian Clauß
1:37:58–1:38:03
Ich wusste auch, dass du da total andocken kannst. Einfach aufgrund deiner Geschichte mit London.
Micz Flor
1:38:04–1:38:09
Ja, und das war irgendwie total schön. Aber auch einfach dieses Geplauder, was dann so entsteht.
1:38:09–1:38:13
Und du bist natürlich immer sehr gut recherchiert mit was, wann, wo, wie und so.
1:38:13–1:38:17
Das kommt auch mit rein, aber es hat mir total Spaß gemacht jetzt auch. Das freut mich.
Florian Clauß
1:38:18–1:38:24
Super. Ja, prima. Gut, dann würde ich sagen, das war eigentlich Episode 83.
1:38:24–1:38:30
Das Ganze könnt ihr auf eigentlich-podcast.de nachschauen, wo wir langgelaufen sind.
1:38:30–1:38:35
Da könnt ihr noch ein paar Links, Diktionelle, Episoden über die einzelnen Serien
1:38:35–1:38:39
und mehr und was ich so zusammengetragen habe, nachschauen.
1:38:40–1:38:44
Genau, dann Dann sag ich tschüss und bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
1:38:45–1:38:45
Bis zum nächsten Mal.
Florian Clauß
1:38:46–1:38:46
Tschüss.
Micz Flor
1:38:47–1:38:53
Und wir gucken jetzt noch mal, ob die Pizzeria noch gibt und wir sie uns noch
1:38:53–1:38:55
leisten können. Oder ob es sie einfach nur noch gibt.

Mehr

"Im allerhöchsten Grade unheimlich erscheint vielen Menschen, was mit dem Tod, mit Leichen und mit der Wiederkehr der Toten, mit Geistern und Gespenstern zusammenhängt." -- Sigmund Freud: "Das Unheimliche"

In dieser Episode untersuchen wir die Figur des Zombies aus psychoanalytischer Perspektive. Beginnend mit Sigmund Freuds hangeln wir uns in der Reihenfolge der Geburtsjahre durch die jeweiligen Theorien. Die Bedrohung und der Horror der Zombies ist dabei mit der Psyche der Beobachter:innen verschlungen, ihr liegt immer wieder ein "Plot-Twist" zugrunde, der da heißt: was löst die Inszenierung des Zombies in uns aus, weswegen wir uns fürchten und unwohl fühlen? Der Horror ist nicht der Zombie, sondern die Psychodynamik in uns. Vor dem Hintergrund von Freuds Konzepten des Unheimlichen und des Todestriebs erscheint uns der Zombie als Rückkehr des Verdrängten mit destruktiven inneren Tendenzen (Todestrieb) gedeutet. Bei Carl Gustav Jung konfrontiert uns die untote Figur mit unserem Schattenaspekt der Psyche, ohne Hoffnung auf Individuation. Melanie Klein lässt uns im Zombie mit dessen Fixierung auf der paranoid-schizoiden Position in unsere eigene kindliche Seele blicken. Diese Gewaltstrukturen alignen wir mit dem in Klaus Theweleits *Männerphantasien* dargestelten Grauen. In der lakanschen Theorie dringt mit dem Zombie ein Subjekt außerhalb der symbolischen Ordnung in unsere geordnete Welt ein – ein Begehren ohne Sprache, das jeder kulturellen Vermittlung entzogen ist. Wir kamen im Podcast nicht mehr dazu die Theorie des Abjekten von Julia Kristeva vorzuführen, wonach der Zombie als abjekter Körper die Grenzen von Subjektivität, Sprache und symbolischer Ordnung infrage stellt. Das holen wir im Text zur Episode nach, in dem wir Kristevas Verständnis des Ekels, das Unintegrierbare und das körperlich Verstörende als Herausforderung für ein stabiles Ich beschreiben. Warum das alles? Weil die vorangegangene Episode 81 den Schinken "28 Years Later" durch die Straße zieht.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Micz Flor
avatar
Florian Clauß

Transcript

0:00:00–0:00:02
Da wollte ich das doch nicht mehr machen. Jetzt kommt Luke auch noch.
0:00:02–0:00:05
Ich bin immer weiter an den Rand gedrängt.
0:00:08–0:00:09
Ich fühle mich so anders.
0:00:13–0:00:18
Autsch. Du hast das vorgestellt, deine letzte Folge, oder?
0:00:18–0:00:21
Ja, ich habe die vorgestellt mit Luke. Ah ja, genau.
0:00:22–0:00:25
Ich habe gerade gedacht, ich wollte das gerade Hallo sagen, aber du musst das ja machen.
0:00:25–0:00:30
Ich muss es machen, ja. Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast,
0:00:31–0:00:34
der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:34–0:00:40
Eigentlich Episode 82 und wir haben es angekündigt.
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Das ist ein Sequel der vorangegangenen Episode, wo ich, Flo,
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den Film 28 Years Later von Danny Boyle mit Regie und Alex Garland im Drehbuch vorgestellt habe.
0:01:03–0:01:06
Und Mitch hat schon angekündigt, er hat noch was vor.
0:01:06–0:01:14
Und zwar das Motiv des Zombies in der Psychoanalyse mal näher zu betrachten.
0:01:15–0:01:17
Und ja, Mitch, ich bin gespannt.
0:01:18–0:01:20
Ja, also es geht um Zombies. Ich fange jetzt einfach mal an.
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Ich sage jetzt, es geht um Zombies wieder. und ich bin kein Zombie-Experte oder...
0:01:26–0:01:27
Zombie!
0:01:28–0:01:32
Das Genre kenne ich irgendwie, aber es ist jetzt nichts, wo ich so wirklich
0:01:32–0:01:35
knietief drinstecke. Ich habe gedacht, ich mache mir jetzt mal die Mühe.
0:01:35–0:01:39
Ja, jetzt steige ich einfach mal ein und gucke mal in die...
0:01:39–0:01:41
Ups, die Stimme, wir sind unter der Brücke.
0:01:42–0:01:44
In die Psychodynamik.
0:01:45–0:01:48
Und da wollte ich mit dir ganz kurz noch zwei Sachen vorher so ein bisschen
0:01:48–0:01:54
kurz ansprechen, Weil wir dann bei dem Versuch in psychodynamischen Theorien
0:01:54–0:01:58
unterschiedlicher AutorInnen erklären, wie so ein Zombie entsteht.
0:01:58–0:02:03
Das ist ja quasi so jetzt dieser lustige Wunsch, den ich jetzt hier versuche umzusetzen.
0:02:04–0:02:07
Ist mir halt so klar geworden, dass es wirklich auch nochmal eine Frage ist.
0:02:10–0:02:15
Wer spricht. Also bestimmte Dinge, du siehst diese Zombies und gerade bei diesen
0:02:15–0:02:21
alten Romero-Filmen, dann laufen halt so Horden langsam und dröge und trotzdem
0:02:21–0:02:24
nicht aufzuhalten, einfach machen so ihr Ding.
0:02:24–0:02:27
Man versucht irgendwie rauszufinden und die sind so sehr stark,
0:02:27–0:02:33
man beobachtet die eigentlich wie Frosche oder wie, die teilen sich ja nicht mit.
0:02:33–0:02:38
Als Zuschauer ist man die Person, die versucht, deren Motivation zu ergreifen
0:02:38–0:02:42
und gleichzeitig kommt man da nie irgendwo so richtig an.
0:02:43–0:02:46
Also die haben keine Motivation, keine Kommunikation, keinen sozialen Kontakt
0:02:46–0:02:50
und das ist so ein bisschen diese Ur-Zombie-Idee.
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Und dann gibt es aber, ich glaube das war bei The Walking Dead war das auch
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schon so, wo dann so ein paar Zombies so clever waren und die guckten die Leute dann so an oder so.
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Das war glaube ich in Ich gucke die Dinger nicht. Also fast packt es nicht mit, nicht wirklich.
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Aber ich weiß noch, in der ersten Folge, da sind irgendwie so Zombies so rum und so.
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Und dann waren ein paar Menschen und ein Zombie hat so die Menschen so angeschaut.
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Er hat die so richtig so fixiert. Und das war was Unheimliches.
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Weil das wollte man nicht. Weil Zombies sind eigentlich anders.
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So diese Sachen, wenn wir über Zombies sprechen, dann sprechen wir ja immer
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aus einer beobachtenden Position heraus.
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Wir haben niemanden von dem, den wir betrachten, die uns helfen,
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das aufzuklären. Weißt du, wie ich meine?
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Also es ist nicht möglich, dass wir mit einer Hypothese über die anderen,
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die Zombies sind immer die anderen und werden es auch immer bleiben,
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weil wir nie mit denen irgendwie in Kommunikation treten können, so richtig.
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Aber in welcher Konstellation könntest du das denn mit irgendeiner Horrorfigur?
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Naja, wenn wir diesen Vampirfilm, den Chris und du beschrieben haben,
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diese Figur von Dracula, oder wie heißt der nochmal?
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Nosferatu. Morlock, genau.
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Der ist ja auch irgendwie, über den kann man, man kann von dem was erschließen.
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Also die Motivation bleibt letztendlich, aber der spricht, der kommuniziert,
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der sagt, was er will oder was er nicht will.
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Wir können uns vielleicht nicht ganz in eine solche Person hineinversetzen,
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aber trotzdem gibt es eine Möglichkeit mit dem, sag mal, wie ist denn das eigentlich,
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wenn man Vampir ist, ist es dann so und so?
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Oder wie ist es denn, 300 Jahre zu leben? Also irgendwie hat man ein Gegenüber.
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Ist es nicht so bei Braindead, wo die dann auch alle am Tisch sitzen?
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Und da sind auch, da haben die zumindest ein Sozialläden, die Zombies.
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Das ist Peter Jackson.
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Ja, das war ja auch quasi der Endpunkt,
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des Puppet Masters Films. Danach ging nichts mehr.
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Ich glaube, der hat das ganze Kunstblut der Welt da drin verbraucht.
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Sehr psychodynamisch auch. Die vereiterte Riesenmutter, die man mit dem Rasenmäher
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dann wirklich so klein schnipseln muss.
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Ja, diese Mutter-Sohn- Konflikte. Sehr groß ausgetragen. Okay, sorry.
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Ja, jetzt sind wir schon, 0 Uhr, genau 0 Uhr, okay, jetzt geht's los.
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Das Erste, was ich mit erklären muss, ist, sprechen wir bei Zombies über instinkthafte
0:05:28–0:05:30
Wesen oder über triebhafte Wesen?
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Haben die überhaupt Triebe oder haben die nur Instinkte?
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Und das ist, finde ich, schon wichtig, weil der Unterschied wird oft nicht verstanden.
0:05:41–0:05:45
Manchmal denken Leute auch, Triebe sind Instinkt oder es wäre irgendwie so das Gleiche.
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Aber es ist ein Riesenunterschied, weil der Instinkt ist ja was,
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was wirklich angeboren ist, genetisch festgelegt, wo man sich als Organismus
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nicht wirklich wehren kann.
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Zum Beispiel, wenn du von einer Katze mit so einem Laserpointer hin und her
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machst, dann wird die wahnsinnig, weil sie kann ich nicht machen.
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Das ist der Instinkt. Und der Trieb, also das Konzept des Triebes,
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ist nicht, dass es genetisch vorgegeben ist, sondern das ist sozusagen eine
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psychische Repräsentanz von einem somatischen Reiz.
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Ja, also du kannst, also hast eine innere Unruhe und aus dieser inneren Unruhe
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heraus entsteht ein Wunsch, irgendwas zu tun.
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Und zum Beispiel könnte man jetzt sagen, nehmen wir mal diese 28 Years Later, diese Rage.
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Wir wissen ja nicht, was in denen vorgeht. Die sind innerlich so aufgewühlt.
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Das zeigt sich dann äußerlich in so einer Zerstörungswut, in einer großen Aggression.
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Dinge zerreißen, sich gegenseitig angreifen, Menschen angreifen und so weiter.
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Aber was innerlich in den vorgeht, ist gar nicht so klar. Und das ist so ein
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bisschen das Konzept auch des Triebes. Also wir beobachten etwas.
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Aber wir können nicht wie beim Instinkt eins zu eins zwischen dem beobachtbaren
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Verhalten und dem Auslöser was herstellen.
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Und ein Trieb ist also nichts, was sich eins zu eins in Reizreaktionen übersetzt.
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Das wäre der Instinkt, sondern es ist etwas, was aufgrund von einer inneren
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somatischen Erregung entsteht dann ein psychisches Derivat oder Abkömmling davon.
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Und der ist dann irgendwie als Symptom oder in der Welt sichtbar.
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Also die Frage ist, können Zombies, sind das instinkthafte Wesen oder sind das
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Wesen, die Triebe haben?
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Gut, das ist ja so wie deine Grundprämisse, dass wir quasi so diese Figur des
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Zombies irgendwie so zugänglich machen, mit bestimmten Methoden.
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Hier ist es so, wie ich dich jetzt beim letzten Mal zum Beispiel verstanden
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habe, eben dieses Kind, komme ich dann immer darauf zurück, das Kind,
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das dann die Situation sich anschaut und entscheidet, wegzurennen.
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In dem Moment hat man so das Gefühl, das ist nicht instinkthaft.
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Der Instinkt wäre jetzt vielleicht, wie du immer sagst, Proteine.
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Sondern Aminosäureketten. Must have. Dann weiter darauf zuzugehen,
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auch wenn die Chancen nicht gut stehen.
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Da wird dann entschieden, nein, ich hau ab.
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Ja, ja. Ich verstehe schon den Unterschied, aber Aber ich habe gerade,
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glaube ich, so diese Frage,
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ob sich der Zombie, ich meine gut, bei den Infizierten, dann kann man ja noch
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so das, man kann ja noch eine gewisse Zugänglichkeit schaffen,
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weil das jetzt quasi keine Zombies sind.
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Aber der Zombie als Figur, den finde ich halt so unzugänglich.
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Das ist ja genau das, was ihn so als bedrohlich und monströs erscheinen lässt,
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das er einfach komplett nicht irgendwie einordnen lässt.
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Und deswegen ist es glaube ich für mich die Frage, ob es als Trieb oder instinkthaft
0:09:02–0:09:04
ist, ist für mich dann schwierig.
0:09:06–0:09:10
Ich finde es fast egal, die Frage. Aber das ist, glaube ich,
0:09:10–0:09:11
jetzt nicht deine Intention.
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Also bei den Zombies habe ich das Gefühl, dass es beides gibt.
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Es gibt einmal eben diese Zombies, die dann Romero-mäßig wirklich dumm erscheinen
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oder leer erscheinen, maschinenhaft erscheinen,
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also reizreaktionsmäßig erscheinen und einfach so trotzdem in ihrer Fülle einfach
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schwer aufzuhalten sind.
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Und dann gibt es eben diese anderen. Das sind dann aber so neuere Zombies,
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in Anführungszeichen, wie ich meine, mich zu erinnern bei The Walking Dead,
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manche einfach auch so smart sind und planen.
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Und da gab es auch diesen einen Film mit Will Smith, wo jetzt ein zweiter Teil
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rauskommt. Der war, glaube ich...
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I'm Legend.
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Ja, I'm Legend. Omega Man war, glaube ich, auch mal so ein Film, mit welchen Stoß?
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Ja, gut, Omega Man ist nochmal eine andere Kiste.
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Ja, aber ich glaube, das war die gleiche...
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Das war die gleiche Romanvorlage.
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Und I'm Legend, da gibt es ja dann auch irgendwie sowas wie die Alphas in der
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Art. So ein paar die dann gucken und so versuchen zu lernen und zu verstehen
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und Strategien haben und sich die Sachen angucken und nicht einfach nur versuchen durchzurennen.
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Das kommt mir dann bei Freud eben, ich habe jetzt die ganzen Leute so sortiert,
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dass sie mit Jahreszahlen, also Geburtszahlen, da war Freud dann der Älteste.
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Und dann kommt auch schon Jung, über den hatten wir auch gerade gesprochen.
0:10:25–0:10:31
Und bei Freud hatte ich halt so zwei Sachen gefunden. Und das erste war halt das Unheimliche.
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Da hat Freud 1919 einen Artikel geschrieben, der heißt das Unheimliche.
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Und da gibt es ein Zitat aus diesem Artikel, den ich kurz vorlese, wo er sagt...
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Allerhöchsten gerade unheimlich erscheint vielen Menschen, was mit dem Tod,
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mit Leichen und mit der Wiederkehr der Toten, mit Geistern und Gespenstern zusammenhängt.
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Also diese Wiederkehr der Toten, das ist so irgendwie das, was ich da als Aufhänger so nehme.
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Und jetzt sind wir dann genau schon wieder an dieser Frage, wer spricht für
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wen und aus welcher Position.
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Weil ich jetzt einfach mit Freud dann irgendwie jetzt mal das bei Zombies zurechtbiege.
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Aber ich spreche im Endeffekt jetzt nur über das, was es in mir auslöst als Beobachter.
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Und sage jetzt in diesem Fall sehr wenig über das, wie entsteht das im Zombie.
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Aber ich finde, es passt trotzdem einfach sehr gut.
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Also Freud hat da gesagt, das, was uns unheimlich ist. Und jetzt sind wir nicht
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der Zombie, sondern wir sind der Zuschauer sozusagen im Kino. oder vom Fernseher.
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Was bei uns unheimlich ist, ist bei ihm in der Definition das Unheimliche.
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Das ist halt so beides. Das ist das Heimelige, das Vertraute,
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aber es ist auch eben unheimelig.
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Also es ist uns nicht mehr vertraut.
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Und für ihn ist es halt so ein Beispiel, auch für das, was so verdrängt ist.
0:12:02–0:12:06
Dinge, die uns irgendwie verdrängen, die uns irgendwie intrapsychisch zu sehr
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belasten, die wir dann wieder vergessen oder wenn die zurückkommen,
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zum Beispiel, oder halt in der Form der Zombies, wenn halt Leute zurückkommen,
0:12:18–0:12:22
die wir nicht mehr an ihrem Wesen erkennen, sondern nur noch an ihren Klamotten erkennen.
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Also das Zurückkommen von etwas eigentlich schon Abgelegtem oder Verdrängtem.
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Dass das eine Sache ist beim Unheimlichen. Das fand ich, passt so beim Zombie ganz gut.
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Ja, es ist im Prinzip der komplette Verlust einer Persönlichkeit.
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Wenn du ein Zombie wirst, gebissen, dann verlierst du ja komplett deine Identität
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und bist ja einfach anonym.
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Ja.
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Weil du genau die gleichen Verhaltensmuster wie alle anderen hast.
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Und vielleicht, und das ist jetzt so ein bisschen dann auf das,
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was das zweite Zitat ist für Gläser, bei den Zombies im Kaufhaus,
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gibt es dann auch nochmal die Überlegung zu gucken, es ist halt so,
0:13:01–0:13:04
dass die Sachen sind uns nicht völlig fremd,
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sondern es ist eher was, was gleichzeitig vertraut und verdrängt ist.
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Also wenn wir jetzt Zombies sehen in diesem Einkaufszentrum,
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uns geht da um so eine Konsumsache und der Zombie in seiner Rolle oder in seinem
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Verständnis von der Welt, für
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denen ist ja die Wertigkeit der Dinge im Einkaufszentrum völlig wurscht.
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Er geht ja nicht ins Einkaufszentrum, um da zu konsumieren.
0:13:29–0:13:29
Doch, Menschen.
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Ja, genau. Das Kapitalistische, was drumherum aufgebaut ist,
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das funktioniert ja quasi nicht mehr für den Zombie.
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Das heißt, wir sehen darin Menschen, mit denen wir uns irgendwie identifizieren
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können, weil die haben die Form von Menschen, die haben die Kleidung von Menschen,
0:13:45–0:13:50
die sind einem menschgemachten Raum, die sich aber völlig unerwartet bewegen.
0:13:50–0:13:54
In diesem Raum, die sich eben nicht anhand dieser kapitalistischen Idee bewegen.
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Dann sehen wir beides, das Vertraute, aber auch eben das völlig Fremde.
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Wie kann das sein, dass die Person,
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nicht folgt dem, wofür dieses Ding gebaut wurde.
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Aber ich will noch mal anmerken, dass wirklich so ein Zombie als ein singuläres
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Phänomen nicht weiter bedrohlich ist.
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So ein erster Zombie durch die Masse.
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Und das Pandemische, was da dahinter hängt. Das ist das, was bedrohlich wird.
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Aber wenn du jetzt dir einfach einen Zombie vorstellst,
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das wäre dann eher so Peter Jackson-mäßig vielleicht eine 75-jährige englische
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Großmutter aus Nordengland mit Tasche und Kostüm und völlig verrutschtem Hut
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und vielleicht ist da eine Arm abgerissen und die wurde gebissen und die ist
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ganz alleine im Einkaufszentrum.
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In dem Moment würde dann trotzdem so ein komischer Raum entstehen, weißt du?
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Das ist eben das Vertraute, das ist so die Oma einfach, aber die ist jetzt irgendwie
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blutlüstern in einem Einkaufszentrum unterwegs. Es wäre gleichzeitig schrecklich und aber auch komisch.
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Ja, also ich frage mich was, also du hast ja gerade mit Freud besprochen, das Unheimliche.
0:15:13–0:15:19
Aber ich finde, wenn wir Freud schon haben, dann finde ich auch diese Analogie zum Verdrängten.
0:15:19–0:15:30
Der Zombie, der in der Verdrängungslogik zu einer Masse wird und monströs wird.
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Irgendwo, du hast einen Zombie im Kopf oder wie auch immer.
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Und dadurch, dass du den irgendwo im Dunkeln lässt, kann der sich vermehren
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und wird dann zu einer Masse.
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Und das ist ja das, was das unheimlich macht.
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Dass der halt so diese Möglichkeit hat, sich zu potenzieren.
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Ja, und das, also jetzt nochmal eine zweite Sache kurz zu Freud.
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Und auch da wieder, wir gucken da so drauf und die Frage ist ja,
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warum wirkt der Zombie in uns?
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Was ist es, was der tut, was in uns etwas auslöst, was zu diesem Horror oder
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diesem unheimlichen Gefühl kommt?
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Und da wollte ich dann von Freud eben noch den Todestrieb mit reinnehmen und
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den Wiederholungszwang.
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Und das sind so zwei Dinge, die kamen relativ spät in Freuds Lehre,
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erst 1920 in dem Buch Jenseits des Lustprinzips.
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Freud hatte dann irgendwie einfach auch anhand von den klinischen Realitäten
0:16:35–0:16:40
nach dem Weltkrieg, wo viele Kriegstraumatisierte auch auf einmal klinisch behandelt
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wurden, musste er so ein paar Sachen von seiner Theorie revidieren.
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Und das war wie so ein Effekt, wo dann eins führt zum anderen.
0:16:50–0:16:55
Er hat unglaublich viel in dieser einen Schrift umgebaut, jenseits des Lustprinzips.
0:16:55–0:17:00
Und zwar, was ihm da aufgefallen ist, vor allem ist auch, dass die Leute nicht
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nach dem in Anführungszeichen Lustprinzip, was er hatte, einfach ihre Psyche organisieren.
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Die Uridee war einfach, wir verdrängen Dinge, damit es uns besser geht.
0:17:12–0:17:18
Wir haben zum Beispiel Zwänge, die zwar schlimm sind, aber die eigentlichen
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Konflikte, die hinter den Zwängen liegen, die sind noch viel schlimmer.
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Das heißt, wir würden lieber uns mit unseren Zwängen, das alles gerade sein
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muss, auseinandersetzen, als dass wir uns mit dem eigentlichen Thema dahinter
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auseinandersetzen müssen.
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Also es ging immer darum, dass man Unlust vermeidet oder Lust herstellt und
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dass man intrapsychisch oder mit so psychischem Apparat versucht,
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einfach mehr Lust herzustellen.
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Und er hat dann aber gemerkt, dass eben zum Beispiel viele Kriegsdraumatisierte...
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Immer wieder die gleichen Träume hatten, immer wieder die gleichen Ängste hatten,
0:17:53–0:17:54
immer wieder auch die...
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Also da hat er gemerkt, das entspricht nicht dem, was er erwarten würde,
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sondern es wird ihm auf einmal irgendwie klar, bei Trauma zumindest kommen die
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Dinge einfach immer wieder, nicht anders, lassen uns nicht los.
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Ein bisschen dieses Bild, so was machen denn so diese wirklich entleerten Zombies,
0:18:15–0:18:19
die halt so immer wieder versuchen, jetzt zum Beispiel die gleiche Wand hochzukrabbeln
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oder durch die Tür durchzugehen oder einfach so.
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Warum hören die nicht auf? Im Prinzip ist es ein ähnliches Bild.
0:18:25–0:18:34
Er hat in dieser langen Ummodulierung seiner Theorie, hat er dann auch dem Eros,
0:18:34–0:18:40
also dem Libido, dem Lebenstrieb, hat er dann den Thanatos, den Todestrieb, gegenübergesetzt.
0:18:40–0:18:46
Und hat dann auch biologische Forschung aus der Zeit mit herangezogen und auch
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philosophisch über die Entropie argumentiert, dass ja allem Leben auch der Tod schon inne wohnt,
0:18:52–0:18:58
also dass das Leben auch nur durch den Tod begrenzt ist und dadurch auch heraussteht,
0:18:58–0:19:00
weil es Licht und Schatten, oben und unten,
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Leben und Tod, also auf einer philosophischen Ebene, aber auch so,
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er hat gesagt, das ist ja quasi schon in der Materie fast mit angelegt.
0:19:08–0:19:12
Und für ihn war dieser Todestrieb dann auch so was, was auch mit so einer Form
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von einer inneren Entspannung zu tun hat.
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Also der Todestrieb ist eben auch, dass wir das implizit wissen in unserem Leben,
0:19:20–0:19:25
dass alles wieder eben zurückgeht in eine unbelebte Natur.
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Und dieser Todestrieb, dieses Gehenlassen, hast du ja auch ein bisschen darauf hingewiesen.
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Diese Empathie mit Leben und Tod, die der Doktor da in dem Film 28 Years Later hatte.
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Dass das irgendwie auch so eigentlich dann schon sehr menschliche Haltung ist dem Ganzen gegenüber.
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Und Freud hat diesen Todestrieb, der eben aber auch ein Trieb nicht nur fürchterlich
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ist, sondern eben auch ein Trieb der Entspannung.
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Dann kommen wir jetzt zu Carl Gustav Jung und da kann ich dann das,
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was du in der einen Folge aufkommt, da so ein bisschen drin vor.
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Und da habe ich dann so gedacht, Jung spricht, also während Freud ja vom Unbewussten
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spricht, spricht Jung eher vom Schatten, also beim Individuum.
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Unbewusste ist bei Freud eben das, was im Individuum angelegt ist,
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aber was auch eine Verbindung hat mit der Umwelt.
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Aber bei Jungen ist dieses Schattenhafte potenziell über die Archetypen,
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über das kollektive Unbewusste, es hat schon so eine spirituelle Dimension.
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Es geht dann bei Jungen auch vielmehr darum, diese Schattenseiten nicht einfach abzulegen.
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Das wäre das, was Freud vielleicht wollte, dass man das irgendwie heilt in Anfangszeichen.
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Nicht ablegen, sondern sich damit auseinandersetzen, sich da richtig hinein
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zu begeben und diese Schattenseiten zu integrieren.
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Die Schatten sind in gewisser Weise all das Abgespaltene von dem,
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mit dem wir uns nicht auseinandersetzen wollen, was uns immer wieder auch einschränkt.
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Also wir sind dann beschränkt in dem, was wir uns erlauben zu tun,
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weil wir den Schatten vermeiden.
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Und Jungen wünscht sich dann, dass die Sachen integriert werden.
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Und die Idee eines Zombies wäre dann zum Beispiel nur der Schatten von einem.
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Also dass du, wenn du einen Zombiefilm guckst, dass du sozusagen den Schatten,
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all die Dinge, mit denen du nichts zu tun willst, in einer Person zusammengeschmolzen.
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Du möchtest dich nicht mit Tod auseinandersetzen, mit Leben und Tod.
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Du möchtest dich nicht mit diesen Wiederholungen auseinandersetzen.
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Du möchtest dich nicht mit diesem Entleerten auseinandersetzen.
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Also alles, was irgendwie du versuchst zu vermeiden, kommt dir auf einmal da
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entgegen, so als Schattenfigur.
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Und was dann eben auch noch Teil des Zombies ist, und das war das,
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was du ja da in der Folge angesprochen hast, diese Individuation.
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Also diese Möglichkeit, sich das zu integrieren, das durchzuarbeiten,
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daran zu wachsen, dass man das integrieren kann.
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Und Zombies sind halt nicht individuationsfähig, sondern sie sind quasi eingefroren
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in diesem Schattendasein. Das wäre noch so ein Bild eines Zombies.
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Ja, jetzt machen wir, ich glaube, wir machen noch einen, weil wir haben jetzt schon halb eins.
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Und jetzt kommen wir noch zu dem Teweleit, den können wir noch aufarbeiten und
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dann ist vielleicht auch einfach der Dampf so ein bisschen raus.
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Das ist eigentlich auch die Uhrzeit.
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So Marathon,
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Podcasten. Die nächste Person wäre nämlich Melanie Klein, 1882 in Wien geboren
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und dann aber nach London umgezogen.
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Eine der sehr frühen weiblichen Psychoanalytikerinnen, die auch mit der Kinderpsychoanalyse
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an ihren eigenen Kindern begonnen hat, die auch,
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Aber das gehört jetzt nicht hierher, die auch in vielen Punkten genau aus dem
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Grund so ein bisschen fragwürdig ist, weil sie in der Analyse ihrer Kinder dann
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auch ihre Theorie über Objektbeziehungen, also diese interpersonellen Elemente entwickelt hat.
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Und da kommen die Kinder nicht gut bei weg. Aber die Mutter kommt gut bei weg.
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Sie war halt sozusagen die Mutter, die diese Theorie dann auch gemacht hat.
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Okay.
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Aber die Theorie von Melanie Klein finde ich in vielen Punkten wirklich sehr,
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sehr spannend und interessant.
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Vor allen Dingen auch vor dem Hintergrund, dass sowohl Jung als auch Freud im
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Endeffekt doch sehr stark intrapsychische Prozesse sich angeschaut haben.
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Also was passiert in einer Person.
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Bei Melanie Klein mit der Objektbeziehungstheorie ging es jetzt um eine Diade,
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also um zwei Personen erst mal.
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Und die hat, finde ich, schon sehr interessante Sache gebaut,
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die halt gesagt hat, dass wir in uns ein Bild von der anderen Person schaffen.
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Und diese Bilder, die wir schaffen, die sind dann auch später im Leben eben
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diese Grundlagen vielleicht von Übertragungen.
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Wenn ich dann irgendjemanden treffe und ach, du erinnerst mich an den und den.
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Also die inneren Objekte, die wir erstellen, sind quasi Konstrukte,
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die entstehen aus dem Erleben im Umgang mit anderen Menschen und mit Bildern
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über diese anderen Menschen.
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Aber, und jetzt kommen wir dann in diese frühkindliche Entwicklung und gleichzeitig
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das Zombie-Bild hinein, aber in ihrer Beobachtung.
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War es so anhand von ihren Kindern erstmal, aber dann natürlich auch in der
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Kinderanalyse bei anderen Kindern, dass in der ganz frühkindlichen Entwicklung
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ist das Kind ja sowieso zu früh auf der Welt.
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Kann auch nicht scharf sehen, kann sich nicht selbst ernähren,
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ist komplett ausgeliefert, muss sich quasi einer Vertrauensperson oder Bezugsperson,
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meistens der Mutter, hingeben oder ist davon abhängig, ohne das aber auch genau zu wissen.
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Die Welt entsteht ja erst langsam, sowohl über die Entwicklung der sensorischen
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Apparate, aber auch über die intrapsychischen Prozesse, Emotionen.
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Alles wird ja erst entdeckt im Umgang aber eben mit anderen Personen.
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Und da hat dann Melanie Klein gesagt, dass das Kind am Anfang kein ganzes Bild
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von den anderen Personen hat, sondern überhaupt nur Teilobjekte hat.
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Zum Beispiel hat es ein Teilobjekt, die gute Brust gefüttert mich.
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Da kommt Milch raus, super.
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Aber wenn es denn dann Hunger hat, dann gibt es auch eine böse Brust,
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die eben einfach nicht da ist oder die nicht füttert, die nicht versorgt.
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Und in dieser Zeit spricht sie von einer paranoidschizoiden Entwicklungsphase.
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Die frühe Entwicklungsphase ist so, dass eben nur Teilobjekte entstehen.
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Es gibt keinen zusammenhängenden Körper, kein Körperbild, keine zusammenhängenden
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Menschen. Das ist sowas, was dann auch bei Lacan später nochmal auftaucht,
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in der Spiegelphase, das hatten wir auch schon besprochen.
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Und sie sagt, dass halt in dieser frühen Paranoid-Schizoiden-Phase gibt es nur
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Teilobjekte und die sind gut oder böse.
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Und gute Objekte, mit denen kann man sich ganz gut innerlich organisieren.
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Also wir haben ja die inneren Objekte, die sind in uns und gute Objekte,
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mit denen kann man gut intrapsychisch leben.
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Aber böse Objekte sind innerlich so unangenehm, es ist zu wenig ein Wort,
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sondern das Kind kann böse Objekte nicht in sich tragen, das kann es noch nicht regulieren.
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Und deshalb in ihrer Theorie projiziert es diese abgeteilten Objekte,
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bösen Objekte nach außen. Und deshalb ist die Mutter die Böse.
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Weil das Kind ist nicht in der Lage, das Böse, was es erlebt.
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Innerlich zu verarbeiten und deshalb die Projektion, dann sieht man raus damit,
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auf andere drauf, ich werde hier böse behandelt.
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Das Böse ist nicht in mir, ich erlebe es nicht, ich bin es nicht,
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ich konstruiere es nicht, sondern es wird mir gemacht.
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Und das war halt der Punkt.
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Durch die Erfahrung der Fragmentierung der Mutter wird dann aber die entsprechende
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Emotion auf die ganze Mutter wieder übertragen.
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Die ganze Mutter wird noch nicht wahrgenommen. Es gibt dann so ein erster Moment
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der Erkenntnis, wenn es aus der ersten Phase rauskommt, kommt es in eine depressive Phase.
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In dieser depressiven Phase ist das Kind in der Lage, diese Teilobjekte zusammenzufügen.
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Und dann wird eben aus allen Teilobjekten auf einmal die Mutter.
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Und dann wird aber auch dem Kind klar, dass es sehr ambivalente Gefühle gegenüber
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dieser Mutter hat, weil es eben auch die gute Brust und die böse Brust war.
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Das heißt, in dieser depressiven Phase heißt deshalb depressive Phase,
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weil das Kind da wegen seiner Ambivalenz auch dauernd, aber auch Sorge hat,
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verlassen zu werden oder abgehängt zu werden oder diese Bezugsperson zu verlieren,
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weil es so ambivalente Gefühle hat und weil es dann implizit auch die Erkenntnis hat,
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das Böse, was ich da drauf projiziert habe, das ist gleichzeitig aber auch das Gute.
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Das heißt dann die depressive Phase. Und jetzt kommen wir eben zurück zu diesen
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Freikorpsbeobachtungen, über die Klaus Thewe, Leidens der Männerfantasien, geschrieben hat.
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Da bezieht er sich eben genau darauf. Was du auch in der letzten Folge schon
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gesagt hast, dieses militärische Drill der Freikorps Jungs, das männliche,
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das kantige, das gerade, das abgegrenzte, das weibliche ist sowieso schon ein bisschen.
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Die Mutter ist so ein bisschen außen vor, die ist auf alle Fälle nicht versorgend, anwesend.
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Und was Teweleit dann da gefunden hat in einer Erklärung dieser völlig berauschten
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und entgrenzten Gewaltfantasien und Gewalthandlung,
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war, dass er gesagt hat, dass eben genau das passiert.
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Diese Männer-Männer, die von Männern geformt und werden, die sind in dieser
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frühkindlichen Stadium, sind die stecken geblieben, die sehen die eigene,
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also das eigene, die schlechten, bösen Objekte,
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die innerlichen, die werden einfach nach außen projiziert und so wird dann eben
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auch, und das passt, finde ich, ganz gut zu dem Zombie, was Teweleit beschreibt,
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So wird eben dann aus den Demonstrationen oder den Arbeiterbewegungen,
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die da zerschlagen wurden,
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wird dann eben so eine fürchterlich bedrohliche Masse.
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Die eigene innere Gewaltbereitschaft, alles, was innen drin angelegt ist,
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wird auf die anderen projiziert und dort bekämpft.
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Also nicht in sich selbst durchgearbeitet und aufgelöst, sondern man bleibt
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einfach abgespalten auf dieser Ebene stehen.
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Und sieht nicht die Menschen als Menschen, die auf einen zukommen,
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sondern eben als diese Masse, die es dann auch zu töten gilt.
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Wenn wir jetzt im Kino sitzen oder vorm Fernseher sitzen oder vorm Screen sitzen
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und uns einen Zombiefilm anschauen,
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dann ist der Zombie eben so inszeniert,
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wie das nach Teweleits Analyse die Freikorpsmänner erlebt haben.
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Also diese Masse, die auf dich zukommt, die irgendwie dir nur Böses will.
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Also es geht ja mir so ein bisschen, das meinte ich auch ganz am Anfang,
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man kriegt im Endeffekt dann doch wieder nur eine Frage hin von,
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was wird in mir ausgelöst, wenn ich das sehe?
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Und da wäre es dann sozusagen der Zombie schafft uns die Möglichkeit,
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Lust in diesen Bullet-Time-Shots und sowas zu empfinden, wenn dieses Böse vor
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uns zerstört wird, weil es einfach nicht zu uns gehört, weil es nicht Teil von
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uns ist, es ist nicht in uns,
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sondern das Böse ist von uns losgelöst, ins Gegenüber, ne?
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Das ist, ja, das ist ein ganz schöner,
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Quist.
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Quist, ja genau, aber das war so ein bisschen...
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So ein eigentlicher Moment ist das.
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Ein eigentlicher Moment, genau. Und auch da ist es aber natürlich wieder so,
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dass der Zombie als solcher bleibt uns unerkannt.
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Wir können ihn nicht sehen, wir können nicht mit ihm sprechen,
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mit ihm nicht kommunizieren, aber in diesem Zombie erleben,
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kriegen wir ein Gefühl dafür, was nach Teveleitz-Analyse die Freikorpsleute
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erlebt haben bei den Niederschlagungen brutalsten Niederschlagungen. Zwei Sprünge.
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Das allerletzte noch, nur ganz kurz angerissen. Das fand ich nochmal ganz interessant.
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Lacan hatten wir ja schon bei Solaris, also Solaris der Planet als das Reale.
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Lacan hat ja drei Ordnungen, das Imaginäre, das Symbolische und das Reale.
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Das Imaginäre sind die Bilder, da sind wir ein bisschen bei Melanie Klein.
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Das Spiegelstadion, wann kann man irgendwie zum ersten Mal sich selbst im Spiegel
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als geschlossene Person wahrnehmen, aber auch andere geschlossene Menschen als
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geschlossene Person wahrnehmen.
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Das Symbolische ist eigentlich eine Sprache, das Signifier und das Signified, Signifikation.
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Und dann gibt es noch das Reale. Und das Reale ist alles, was außerhalb von
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Sprache und Vorstellung liegt.
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Und das war ja ein bisschen bei Solaris auch dieser Planet, der sich einfach uns nicht erschließt.
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Und auch diese Figur, die vertraut ist, die ist ja wie so ein Zombie.
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Gibt es doch den einen, der da so befragt wird, auch bei Solaris,
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der erklärt, wie er da mal so durchgeflogen ist.
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Und auf einmal kam aus Solaris heraus eben dieses Riesenbaby,
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was sich so asymmetrisch seltsam bewegt hat. Wo wir drüber gesprochen haben,
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sah ein bisschen aus wie frühe KI.
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Es ist einfach etwas, das sich komplett unserer Sprache, unserer Logik,
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Gesetze, Kultur, das entzieht sich uns komplett.
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Und die Zombies sind in vielen ja einfach nicht anders als dieses große Solaris-Baby.
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Du hast auch das Gefühl, dass die nicht fassbar sind.
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Die entziehen sich einfach unserem Verständnis, unserer Struktur,
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unseren sprachlichen Systemen oder strukturellen Systemen, die wir uns erstellt
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haben, um alles zu verstehen. Da passen die nicht mit rein.
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Die sind nicht im Einkaufszentrum, um zu kaufen. Was wollen die da?
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Was geht hier eigentlich gerade los? Was läuft so?
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Und das ist dann so was was
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dann später schick auch so ein bisschen aufgegriffen hat
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eben dieses reale die wiederkehr des realen welcome
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to the desert of the real also auch
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so ein buch von ihm und er bezieht sich
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ja immer auch implizit auf lakon weshalb er jetzt auch weniger von zombies spricht
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und oft eher von untoten also undead die sind ja beides ja die sind lebendig
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und tod und der Der Zombie ist dann nicht so ein spannendes Wort für einen Sprachwissenschaftler.
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Ja, mache ich jetzt langsam hier Schluss.
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Man möge mir verzeihen, dass wir nach Mitternacht noch aufnehmen.
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Wir kommen gerade wieder an den Ausgangspunkt, wo wir die letzte Folge gestartet
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haben zur Warschauer Straße.
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Aber wir sind auch zu einer Uhrzeit unterwegs, wo auch viele Untote hier sind.
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Ja, stimmt. Du musst auch mal gucken, wenn ich das dann mir mal anhöre.
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Das war ...
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Genau. Abbinden, bitte.
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Vielen Dank, Mitch. Also, das ist eigentlich Podcast Episode 82.
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Wir sagen Tschüss. Ist das mit deinem GEMA-Zahn.
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Wenn die nicht in 20 Sekunden vorbeigelaufen sind?
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Nein, glaube ich nicht.
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Also.
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Dann mach es gut. Vielen Dank.
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Bis dahin. Tschüss. Freu mich schön.
0:35:19–0:35:26
Ich würde gerne diese S-Bahn nehmen. Ist das zu schnell? Aber dann muss ich dich entkabeln.

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