"Androgynität umfaßt nicht nur die Sexualstruktur eines Menschen, sondern die Struktur des Lebensstils, der Körperlichkeit und besonders die der Partnerwahl." -- Günter Ammon 1984 S.236

Den Rastkogel (2762 m) in den Tuxer Alpen verlassen wir und schmeissen beim Abstieg die Mikros an. Micz möchte über Androgynität sprechen. Der Impuls dazu kam aus der letzten Podcast-Folge, in der wir über Sagen und Mythen aus den Tuxer Alpen sprachen. Darin kam das Männliche aus dem Süden in die Tuxer Alpen und wurde durch das Weibliche vertrieben. Androgynität bezeichnet die Vorstellung, dass es „männliche“ und „weibliche“ Anteile gibt, die in unterschiedlicher Ausprägung Denken, Gefühle, Persönlichkeitsmerkmale oder Verhaltensweisen beeinflussen können. Doch genau diese Unterscheidung zwischen „männlich“ und „weiblich“ wirkt heute zunehmend erklärungsbedürftig. Denn die aktuelle Geschlechterdebatte trennt bewusst zwischen biologischen Geschlechtsmerkmalen, Geschlechtsidentität, sexueller Anziehung und sexueller Identität. Wir diskutieren, ob „männlich“ und „weiblich“ als Kategorien der eigenen Geschlechtsidentität an Selbstverständlichkeit verlieren und ob sie dennoch als Bezugspunkte nicht vollständig verschwinden. Das zeigt sich besonders bei der Beschreibung sexueller Anziehung. Begriffe wie androphil, gynophil oder ambiphil beschreiben, ob sich sexuelle Anziehung auf Männer beziehungsweise Männlichkeit oder auf Frauen beziehungsweise Weiblichkeit oder beides richtet. Unabhängig davon, welches Geschlecht die anziehende Person selbst hat. Auf unserem Abstieg ins Tal stellen wir fest: Das Geschlecht des Subjekts kann für die Beschreibung seiner Anziehung unerheblich werden, während „männlich“ (androphil) und „weiblich“ (gynophil) auf der Seite des begehrten Gegenübers weiterhin als Bezugspunkte benötigt werden. Damit bleibt das Subjekt frei sich zu beschreiben, dem begehrten Objekt wird jedoch ein Geschlecht zugeschrieben. Vielleicht führt es aber nur zu einer grundsätzlicheren Frage: Wenn wir männliche und weibliche Anteile in der Persönlichkeit nicht mehr selbstverständlich voraussetzen wollen, was genau meinen wir dann eigentlich noch mit „männlich“ und „weiblich“?

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:03
Und das erleine ich jetzt mal mit dem, was wir eben gerade noch hatten,
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also mit dem Androphilie und Gynäkophilie und Ambiphilie, wo dann dieses Mann-Frau-Thema,
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nicht wirklich aufgehoben ist.
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Es ist aufgehoben bei der Person, die benannt wird, aber es ist immer noch eine
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Unterscheidung in der Person, die begehrt wird. Es ist eine Frau oder ein Mann.
Florian Clauß
0:00:32–0:00:38
Hallo und herzlich willkommen zu Eigentlich Podcast, der Podcast,
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bei dem wir laufend reden und laufend reden.
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Und wir haben jetzt Episode 115.
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Wir sind auch gerade wieder, ihr habt es in den vergangenen Episoden vielleicht mitbekommen,
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auf dem Inthaler Höhenweg und steigen gerade ab vom Rastkogel ins Rastkogelhaut.
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Also wir haben jetzt ein Gipfelkreuz auf dieser Tour gemacht,
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bei schönstem Wetter und herrlichster Aussicht ins Inntal mit der Nordwand vom
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Karwendel und zum Zillertal hin.
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Genau, und wir haben ja auch schon in der vorausgegangenen Episode über die
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Sagen der Tuxa-Alpen erzählt.
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Da könnt ihr auch gerne reinhören, wenn ihr ein bisschen Märchen- und Sagengeschichten
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zum Einschlafen hören mögt.
Micz Flor
0:01:29–0:01:32
Zum Einschlafen. Nein, Adrenalinkick.
Florian Clauß
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Wir, das sind ich, bin Flo und hinter mir läuft Mitch. Mitch muss mit.
0:01:41–0:01:44
Ja, und der läuft hinter mir, damit ich ihn besser verstehen kann.
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Weil Mitch hat nämlich die Episode vorbereitet.
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Und er hat mir noch erzählt, worum es geht, aber nicht weiter ausgeführt.
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Ich bin gespannt. Mitch, was geht?
Micz Flor
0:01:54–0:01:57
Was geht? Ja, es ist ja ein bisschen Anschluss für die, die die letzte Episode
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gehört haben. Da ging es ja dann auch um das Weibliche und das Männliche in
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diesen Sagen. In dieser letzten Geschichte, glaube ich, wo der Riese über den Berg stapfte.
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Und dann die, wie hießen sie nochmal?
Florian Clauß
0:02:14–0:02:15
Die saaligen Frauen.
Micz Flor
0:02:15–0:02:16
Die saaligen Frauen.
Florian Clauß
0:02:17–0:02:18
Aus der Frauenwand.
Micz Flor
0:02:18–0:02:20
Haben den dann wieder vertrieben.
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Und im Anschluss an diese letzte Geschichte, war es die letzte oder die vorletzte?
Florian Clauß
0:02:25–0:02:28
Das war die vorletzte.
Micz Flor
0:02:28–0:02:31
Genau, die letzte waren mit den drei Frauen, die so schwebten wie Wolken.
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Und die vorletzte, da ging es
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eben viel um diese weibliche und männliche Dynamik, der Riese mit Steinen,
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und die saarligen Frauen, die irgendwie schwebender und die irgendwie nicht
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die Macht auf sich konzentriert hatten, aber irgendwie in ihrer Weiblichkeit
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dann doch immer wieder auch diese Versuche, ein Schloss zu bauen, zerstören konnten.
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Da kam mir so ein bisschen auf das Thema männlich-weiblich und das wollte ich
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mir heute wirklich mal mit dir anschauen.
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Unter der Überschrift, für die Folge weiß ich es natürlich noch nicht,
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wir sind noch in den Bergen, das ergibt sich dann später, aber der Begriff dazu ist Androgynität.
Florian Clauß
0:03:08–0:03:12
Also quasi auch die Grenze bzw. der Übertritt.
Micz Flor
0:03:13–0:03:14
Wie meinst du, Grenzeübertritt?
Florian Clauß
0:03:14–0:03:20
Naja, männlich-weiblich wird ja häufig als Gegenpol. Und Androgynität ist ja das dazwischen.
Micz Flor
0:03:21–0:03:26
Androgynität, genau. Da geht es. Also das ist jetzt schon für mich fast schon eine Frage.
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Und was ich ja auch in der letzten Folge schon gesagt habe, du bist,
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angelehnt. Und ich glaube, Kleist hat dieses Essay geschrieben mit dem Titel
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Die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden.
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Du bist das auch für mich. Also, dass aus deinem Einwurf eigentlich eine Frage wird,
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habe ich eigentlich gesagt, eigentlich-podcast.de, da könnt ihr auch noch mehr
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Texte zu dem finden, das sei kurz an das Wort eigentlich angehängt.
Florian Clauß
0:03:54–0:03:58
Und ihr könnt auch sehen, wo wir lang gelaufen sind. Und das könnt ihr auch.
Micz Flor
0:03:58–0:04:03
Also jetzt nehmen wir einfach erstmal diese beiden Begriffe und deine Frage im Hinterkopf mit.
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Geht es jetzt darum, ist das ein Spektrum oder ist das quantifiziert sozusagen?
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Entweder oder, null oder eins.
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In welcher Umlaufbahn, wie man früher dachte, schwebt dieses Elektron.
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Oder kann man das graduell machen?
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In unserem Kulturkreis, im größten Sinne jetzt auch geografisch geprägt,
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spielt ja die christliche Religion eine große Rolle. Und da ist natürlich dieses
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Urbild von männlich und weiblich Adam und Eva.
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Also bei uns ist das auf alle Fälle so angelegt.
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Ja, wenn du deine eigene Frage da beantwortest, hast du das Gefühl,
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dass es da sehr polar aufgebaut ist oder dass es eher ein Spektrum ist?
Florian Clauß
0:04:51–0:04:54
Naja, das ist schon sehr polar aufgebaut.
Micz Flor
0:04:54–0:04:54
Ja, ne?
Florian Clauß
0:04:55–0:05:01
Das wird ja auch immer so, ne? Allein die Schaffensgeschichte der Frau ist ja,
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schon sehr patriarch verklärt in der Geschichte.
Micz Flor
0:05:09–0:05:14
Genau, der Mann war ja auch zuerst da, dann kam die Frau aus der Rippe des Mannes.
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Wobei ich irgendwo mal gelesen hatte, dass es auch möglicherweise ein Übersetzungsfehler
0:05:18–0:05:24
sei, diese Rippe. Das ist nicht unbedingt genauso wie das Nadelöhr mit dem Kamel.
Florian Clauß
0:05:24–0:05:24
Okay.
Micz Flor
0:05:25–0:05:28
Aber dazu kann ich jetzt nichts Genaues sagen. Nicht, dass ich zu irgendwas
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Gefühl habe, was Genaues sagen zu können.
Florian Clauß
0:05:30–0:05:37
Aber aus dem Mann geschaffen wurden. Also ich meine, ob es die Rippe ist oder weiß ich nicht.
Micz Flor
0:05:37–0:05:41
Ja, das nehme ich jetzt schon mal mit als Teaser für einen Teil,
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weil ich nehme dann auch so ein paar Sachen aus einem Artikel von Günther Ammon,
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Psychiater und Psychoanalytiker,
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der frühe 80er Jahre so einen Text über Anderegynität geschrieben hat und sich
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da versucht dann auch zu positionieren in Abgrenzung, zum Beispiel auch vom
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freundianischen Denken.
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Und der würde nämlich dann dem entgegenstellen, so ägyptische Gottheiten,
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die spielen da eine große Rolle.
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Wie diese ägyptischen Gottheiten, besonders auch Echnaton, überhaupt ihren Weg
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in die Psychoanalyse gefunden haben, das muss ich dann in dem Blog zum Podcast,
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zur Episode nochmal niederschreiben.
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Denn das habe ich jetzt nicht mehr abrufbar, aber das kam über eine Hintertour
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irgendwie in der Psychoanalyse an. Freud hat sich da nicht direkt mit auseinandergesetzt, aber andere.
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Und Echnaton war dann irgendwie gesetzt in dem Diskurs.
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Aber was anderes eben auch noch war, aus Platons Symposion, war die Rede von
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dem Aristophanes. Das hatte ich ja schon mal kurz angerissen und jetzt reiße ich es auch nur kurz an.
0:06:52–0:06:57
Das war bei dem einen Body-Horror-Film, den ich besprochen hatte. Wie hieß der nochmal?
Florian Clauß
0:06:57–0:06:58
Together.
Micz Flor
0:06:58–0:07:03
Together, genau. Da ging es auch irgendwie darum. Und die Uridee ist halt,
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dass es von am Beginn der Zeit oder von wann auch immer, gab es drei Formen
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von Menschen, die männlich-männlichen, die weiblich-weiblichen und die männlich-weiblichen.
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Und die hatten alle zwei Köpfe, vier Arme, vier Beine und zwei Geschlechtsteile.
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Und die waren sehr mächtig.
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Und Zeus hat sich dann entschieden, dem ein Ende zu bereiten und hat sie in
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der Mitte durchgeteilt.
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Und so suchen sie jetzt immer ihre andere Hälfte. Er hat ihnen also diese Energie genommen,
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oder vielleicht auch die Ruhe, die ausgeglichen hat, genommen,
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sich mit anderem zu beschäftigen, indem er sie in der Mitte durchgeteilt hat.
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Sie waren immer noch voll lebensfähig und aktionsfähig, aber auf einmal waren
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sie auch sehr damit beschäftigt,
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ihren verlorenen zweiten Teil zu finden.
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Und interessanterweise ist es ja da auch schon so angelegt. Es gibt dann männliche,
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die männliche suchen, männliche, die weibliche suchen, weibliche,
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die weibliche suchen und weibliche, die männliche suchen.
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Also da ist es auch auf alle Fälle polar angelegt. Es gibt diese beiden Zustände, keinen dazwischen.
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Und es gab aber eben, als es noch die Kugelwesen waren, gab es dieses eine androgyne
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Wesen, das gleichzeitig männlich und weiblich war. Ja, der Spaltung würde man jetzt aber sagen.
Florian Clauß
0:08:28–0:08:30
Das ist jetzt heteronormativ, ne?
Micz Flor
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Ja genau, das würde man jetzt dann so erstmal sagen, ja gut,
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wenn sie dann getrennt sind, dann ist das nichts mit Androgyen,
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es ist nicht mehr ein Wesen, wir haben zwei Wesen.
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Das eine hat alles männliche, das andere alles weibliche, da besteht eine gegenseitige
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Anziehung, das ist die heteronormative Beschreibung dessen.
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Das ist auch so eine schöne Brücke eigentlich erst mal hin zu dieser Frage,
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wie wir überhaupt das eigene Geschlecht und aber auch sexuelle Vorlieben oder
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Interessen, wie wir die gut,
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beschreiben könnten.
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Und das finde ich ist dann wichtig, bevor wir, weil keiner würde heute mehr,
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ich denke keiner der ZuhörerInnen würde davon ausgehen, dass es männlich-männlich
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ist und weiblich-weiblich, sondern es gibt Nuancen, es gibt ein Spektrum oder
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wie auch immer man es nennen möchte.
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Und so ein bisschen mal reingucken, wie beschreibt man oder Frau das denn heute oder Person.
Florian Clauß
0:09:36–0:09:42
Was sich daraus ableitet, ist ja auch dann eben diese, ich sag mal so,
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in dieser Konstellation diese Anziehung zwischen Mann-Mann und Frau-Frau.
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Und dass das halt überhaupt nicht in Frage steht in diesem System.
Micz Flor
0:09:52–0:09:53
Jetzt bei den Kugelmenschen.
Florian Clauß
0:09:53–0:09:58
Ja, diese Trennung. Also dann ist ja quasi Anziehung Mann-Mann, Frau-Frau.
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Und das ist halt so lesbisch-schwul, das ist halt in diesem System einfach implementiert.
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Und das ist ja auch eigentlich so eine Erfahrung,
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die es ja gesellschaftlich schon immer gab, dass dann eben Männer sich mehr
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sexuell von Männern angezogen fühlen, Frauen auch. Also es ist ja,
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weiß ich nicht, 1 zu 10 oder keine Ahnung, wie da die Verteilung ist.
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Aber auf einen Linkshänder kommt ein lesbisches Pärchen, ich weiß es nicht.
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Aber es ist so normal, das hat dann auch nichts mehr mit Fortplankton zu tun.
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Dann ist es halt einfach so in diesem Spiel.
Micz Flor
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Ich habe neulich gerade einen Comedian gesehen, der gesagt hat,
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also wenn es einen lieben Gott gibt,
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dann scheint er uns Homosexuelle zu lieben. Denn er stellt uns ja immer wieder her.
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Fortpflanzen können wir uns ja nicht. Also das sind ja diese Witze,
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die sich da logisch von ableiten auch. Wo genau das auch so drinsteckt.
Florian Clauß
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Und ich finde das halt irgendwie eine unglaubliche Befreiung von dieser sexuellen,
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biologischen Festlegung.
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Also das muss halt einfach nicht miteinander verschränkt sein.
Micz Flor
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Ja, ich tunke jetzt dann wieder diese psychotherapeutische Docht noch mit rein
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und mache die Kerze kurz an, weil ich glaube bis 1991 oder 1992,
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bevor der ICD-10 von der WHO als diagnostisches Manual vorlag und bestimmend
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war, galt Homosexualität als psychische Krankheit.
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Und es gibt ja auch eine übelste Geschichte von Versuchen in unterschiedlichsten,
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religiösen oder Anstalten, Menschen wieder in Anführungszeichen geradezuwiegen, nenne ich es mal.
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Weil das, was du sagst, was so doch schon seit Jahrtausenden und wahrscheinlich
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noch viel länger einfach auch eine Erfahrung war, das war bis,
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also Homosexualität war da ein...
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Eine Krankheit.
Florian Clauß
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Ja gut, aber das ist ja wieder irgendwie.
Micz Flor
0:12:06–0:12:10
Schlägt aber immer noch eine Brücke zu heute, weil wir im ICD-10,
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das Trans, also da springen wir jetzt ein bisschen, ich möchte eigentlich vielleicht
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erstmal die Herleitung, aber dieses Trans-Thema ja auch,
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sich geändert hat im ICD-10 zum ICD-11 hin, um auch da in erster Linie einerseits
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zu entpathologisieren und andererseits aber trotzdem die Tür offen zu halten,
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dass eine geschlechtsangleichende Operation von den Kassen auch finanziert wird.
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Weil das war immer so eine seltsame Waage. Aber da kommen wir später nochmal hin.
Florian Clauß
0:12:44–0:12:44
Okay.
Micz Flor
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Aber ich wollte jetzt auch ganz kurz noch was dazwischenlegen,
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was ich eigentlich an den Anfang stellen wollte.
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Aber ich pflanze es mal jetzt rein und dann springen wir zurück zu dieser Geschichte
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von Begriffen, die mit Geschlechtsidentität und Ausprägung und Vorlieben zu
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tun haben. Und dieser Witz geht so.
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Der Witz, ein Korallenriff, und der wird David Foster Wallace zugeschrieben,
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wenn ich mich recht erinnere. Aber ich weiß jetzt gar nicht,
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ob ich ihn gelesen habe oder ob ich ihn gehört habe oder irgendwo mal zitiert gehört habe.
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Auf jeden Fall geht der Witz so. So, in einem Riff schwimmen zwei kleine Fische umher.
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Auf einmal kommt ein riesengroßer Fisch und guckt die beiden an.
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Sie kriegen ganz große Angst.
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Und dann öffnet der Fisch seinen Mund und sagt, wie ist denn die Temperatur des Wassers?
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Und die beiden sagen nix und gucken ihn einfach nur ehrfürchtig an.
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Und er schwimmt vorbei. Dann sagt der eine Fisch zum anderen, was ist denn Wasser?
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Und auf den Witz kommen wir dann vielleicht später nochmal zurück.
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Warum der, naja, so mittellustig ist, Flo hat jetzt nicht gut reagiert.
Florian Clauß
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Naja, ich hab's so gemacht.
Micz Flor
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Ja, aber wir hatten ja schon gesagt, so Adam, Eva, männlich, weiblich.
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Und es gab ja auch bei diesem, sage ich mal, biologischen Geschlecht,
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gab es ja aber auch schon intergeschlechtlich, es gab ja auch schon lange auch
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geschlechtsangleichende,
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Operationen, oft eben auch an Säuglingen oder an kleinen Kindern.
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Es hieß dann manchmal eben auch unter den Chirurgen, wenn man nicht wusste,
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ob das jetzt, dass dann ein als Mädchen oder als Junge leben sollte oder größer werden sollte,
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dass man versucht hat, das vom Äußerlichen, von der Erscheinung einfach so natürlich
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wie möglich aussehen zu lassen.
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Und dann galt eben, it's easier to dig a hole than to build a pole.
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In Deutsch, es ist einfacher ein Loch zu buddeln, als ein Pfosten aufzubauen.
Florian Clauß
0:14:58–0:15:02
Das heißt, das Glied wurde dann immer gekappt?
Micz Flor
0:15:03–0:15:09
Ja, also wenn es unklar war, dann war das so ein Satz, der fürchterlich ist.
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Weil es sehr entmenschlicht und auch dieser ganze chirurgische Eingriff dann
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nicht mehr am Körper, sondern,
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irgendwie in der Erde buddeln oder was reinstopfen oder so. Es ist irgendwie, finde ich...
Florian Clauß
0:15:25–0:15:29
Ja, und das sind ja eigentlich die sensitivsten Zellen, die man irgendwie hat am Körper.
0:15:29–0:15:33
Das heißt, dein Schmerzempfinden ist ja das Glückste, was irgendwie geht.
Micz Flor
0:15:33–0:15:38
Ja, es gibt Klitorisverstümmelungen bis heute noch in manchen Kulturen.
0:15:39–0:15:43
Ich kann nicht dazu sagen, ob das erlaubt ist oder nicht, einfach nur gemacht wird. Aber,
0:15:45–0:15:51
ich habe davon gehört, so aus erster Hand auch. Und...
0:15:53–0:15:57
Man geht also dann trotzdem erstmal lange Zeit davon aus, männlich-weiblich
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und wie du schon gesagt hast, heteronormativ, was heißt das?
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Das ist quasi Mann will Frau, Frau will Mann, Liebe, Sex, Familie gründen,
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das ist so dieses Heteronormative.
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Das ist dann erstmal biologisch, aber dann obendrauf auch gesellschaftlich.
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Oft die Werbung in der Deutschen Bahn, da sieht man dann den Mann,
0:16:18–0:16:22
wie er aus dem Fenster zeigt, die beiden Kinder schauen mit raus Und die Frau
0:16:22–0:16:24
guckt die drei irgendwie an und ist froh, diese Familie zu haben.
0:16:24–0:16:31
Also diese Idee von einem heteronormativen Bild ist nicht nur biologisch,
0:16:31–0:16:34
sondern ist auch gesellschaftlich damit auch in gewisser Form kapitalistisch.
0:16:34–0:16:38
Also es geht darum, wer macht den Haushalt und wer bringt das Geld rein.
0:16:38–0:16:40
All diese Sachen hängen da so mit dran.
Florian Clauß
0:16:40–0:16:45
Ja und, es ist ja quasi auch eine Familienform, die sich ja quasi im Rahmen
0:16:45–0:16:48
des Eigentums dann hergestellt hat.
0:16:49–0:16:53
Also mit der Sesshaftigkeit kam dann irgendwie diese Familienform mit rein.
0:16:54–0:16:59
Weil sich über so eine Familie dann Eigentum viel besser verwalten lässt.
0:16:59–0:17:03
Und damit hast du halt irgendwie auch quasi so indigene Völker,
0:17:03–0:17:09
die dann eher in einer sozialen Beziehung innerhalb der Gruppe leben.
Micz Flor
0:17:09–0:17:12
Ja, die indigenen Völker, die wollen wir ja beide so ein bisschen raushalten,
0:17:12–0:17:16
oder? Das klingt dann immer so wie so ein Gottesbeweis oder so.
Florian Clauß
0:17:16–0:17:22
Ich mach's jetzt mal so. Ich bring die jetzt auch mal. Als so ein Sehnsuchtsort.
Micz Flor
0:17:22–0:17:24
Ja, also Totschlag-Argument.
Florian Clauß
0:17:24–0:17:27
Totschlag, genau. Und die Indigenen. Wegen der Kinder. Nein,
0:17:27–0:17:33
aber ich sage nur so, dass sich Eigentum, das ist ja quasi so diese ganze,
0:17:35–0:17:39
Sesshaftungswerdung. Ja, das ist ja mit Eigentum verbunden.
Micz Flor
0:17:39–0:17:39
Ja.
Florian Clauß
0:17:40–0:17:45
Und damit eigentlich auch die Keimzelle, Urzelle des Kapitalismus und der Kriege und so weiter.
Micz Flor
0:17:45–0:17:45
Ja.
Florian Clauß
0:17:46–0:17:49
Gehen ja über Eigentum. Territorialer Besitz.
Micz Flor
0:17:49–0:17:53
Auch in die Märchen, da haben wir ja einige auch bei uns im Programm, im Podcast.
Florian Clauß
0:17:53–0:17:55
Ich muss wieder vor dir laufen, sonst höre ich nicht.
Micz Flor
0:17:55–0:17:59
Der König und die Königin, auch in Märchen ist irgendwie so eine Art,
0:17:59–0:18:01
wo schon sehr früh klar gemacht wird, wie das so läuft.
0:18:02–0:18:06
Die Königin ist zu Hause, kümmert sich, ist dann für diese ganzen Gespräche
0:18:06–0:18:10
mit der Tochter, die verheiratet werden soll, zu haben.
0:18:10–0:18:16
Der Mann muss irgendwie winken, man küsst seinen Ring und er reitet mit dem Pferd aus.
0:18:16–0:18:21
Also diese Aber diese Dinge, die an so einem heteronormativen Bild noch dranhängen,
0:18:21–0:18:26
auch wenn sie es erstmal nur biologisch gestaltet, die sind ja schon enorm.
0:18:27–0:18:33
Und jetzt gab es Menschen, wir hatten vorher Menschen mit ihrer geschlechtlichen
0:18:33–0:18:36
Vorliebe für gleichgeschlechtliche Beziehungen oder so.
0:18:36–0:18:41
Und wir sind jetzt bei Menschen, die einfach mit ihrem biologischen Geschlecht,
0:18:42–0:18:46
nicht einverstanden sind und das Gefühl haben, dass sie eigentlich das falsche
0:18:46–0:18:48
Geschlecht, sage ich mal, zugewiesen haben.
0:18:48–0:18:52
Und das ist genau der Punkt, dass man es das falsche Geschlecht nennen könnte.
0:18:53–0:19:00
Und das ging dann Ende 80er, Anfang 90er, kam dieser Begriff Cis in die Welt.
Florian Clauß
0:19:00–0:19:05
Kam das im Zuge der Gender Studies, den 80er Jahre aus Amerika?
Micz Flor
0:19:06–0:19:07
Es war ein Mann,
0:19:09–0:19:10
ein Sexualwissenschaftler.
Florian Clauß
0:19:11–0:19:13
Okay, aber amerikanisch?
Micz Flor
0:19:14–0:19:17
Das weiß ich jetzt gar nicht genau, der Name ist interessant,
0:19:17–0:19:21
weil wir jetzt auch wieder von Äußerlichem auf andere Sachen schließen,
0:19:21–0:19:25
was wir eigentlich erstmal nicht machen wollen, aber der Name klang jetzt nicht
0:19:25–0:19:28
eindeutig amerikanisch. Ich müsste es nochmal nachgucken.
0:19:28–0:19:31
Ich werde es nochmal nachgucken und schreibe es in eine Blogpost.
0:19:33–0:19:39
Diesen Begriff Cis, der war der Gegenentwurf zum Begriff Trans.
0:19:39–0:19:48
Weil es gab den Mann und es gab Transpersonen und darunter dann auch zum Beispiel einen Transmann.
0:19:48–0:19:51
Es gab die Frau und eine Transfrau. Vielen Dank.
0:19:52–0:19:57
Und ganz einfach formuliert wäre das damals so, dass es eine Person ist,
0:19:57–0:20:01
die eindeutig das biologische Geschlecht eines Mannes hat,
0:20:02–0:20:08
die allerdings in ihrem Erleben sich als Frau fühlt.
0:20:09–0:20:13
Das ist dann eine Geschlechtsdysphorie, würde man heute sagen.
0:20:14–0:20:21
Dann ist es eher eine Empfindung im Rahmen von sexueller Identität und eben keine Krankheit.
Florian Clauß
0:20:21–0:20:25
Und der Begriff Trans war vor Cis.
Micz Flor
0:20:25–0:20:29
Ja, genau. Es gab auch schon Trans-OPs, kann ich auch nochmal verlinken,
0:20:29–0:20:31
da gibt es einen sehr interessanten,
0:20:32–0:20:35
Episode auf Radiolab über den ersten
0:20:35–0:20:42
Arzt, der in San Francisco geschlechtsangleichende OPs durchgeführt hat.
0:20:43–0:20:48
Und wie der dazu kam und der war wohl auch sehr religiös und was der sich dann
0:20:48–0:20:51
einfach so ausdenken musste, wie man das so machen muss.
0:20:51–0:20:57
Und teilweise ist es immer noch so gesetzt. Also es war zum Beispiel lange notwendig,
0:20:57–0:20:59
einen gewissen Umfang an Psychotherapie zu machen.
0:20:59–0:21:03
Und das geht irgendwie gefühlt auch noch darauf zurück, dass der sagte,
0:21:03–0:21:07
wenn man Frau werden möchte, dann soll man jetzt bitte erst mal sechs Monate
0:21:07–0:21:10
nur als Frau sein, immer Frauenkleider tragen.
0:21:10–0:21:13
Und wenn man es dann immer noch will, dann kann er erst die OP machen.
0:21:13–0:21:20
Also solche Sachen hat er sich so ausgedacht, um irgendwie das als Mediziner
0:21:20–0:21:24
und Christ sich zurechtzulegen.
0:21:24–0:21:26
Da verlinke ich mal in den Shownotes.
0:21:26–0:21:31
Aber das war eben schon ein Wunsch und das waren Transpersonen,
0:21:31–0:21:32
Transfrauen, Transmänner.
0:21:33–0:21:36
Und Anfang der 90er Jahre wurde dieser Begriff Cis eingeführt,
0:21:38–0:21:41
und Cis war.
0:21:43–0:21:47
Also trans ist das andere, cis ist das diesseitige.
0:21:48–0:21:54
Das ist, wenn du cis Mann bist, dann bist du biologisch Mann und in deinem gefühlten
0:21:54–0:21:55
Identität bist du auch ein Mann.
Florian Clauß
0:21:56–0:21:57
Also normal quasi.
Micz Flor
0:21:57–0:22:01
Ja genau, das ist der Punkt. Du sagst, warum muss ich es so kompliziert machen?
0:22:01–0:22:07
Ist doch normal. Das heißt dann eben heteronormativ. Und den Begriff Cis einzuführen
0:22:07–0:22:13
war auch, um den Begriff Trans zu entpathologisieren und zu sagen,
0:22:14–0:22:16
wir haben eine Geschlechtsidentität.
0:22:16–0:22:20
Das ist jetzt immer noch ein sehr wackeliger Begriff. Wir werden das gleich noch feiner auftragen.
0:22:22–0:22:25
Aber die muss nicht deckungsgleich sein mit dem biologischen Geschlecht.
0:22:25–0:22:29
Deshalb ist es doch interessant zu wissen, bin ich ein Cis-Mann oder ein Trans-Mann?
0:22:29–0:22:33
Auf einmal gibt es zwei Männer, eine Cis, eine Trans und das heißt eine Person
0:22:33–0:22:40
wäre eindeutig biologisch männlich zugeordnet und die andere Person eben nicht.
0:22:43–0:22:49
Also du merkst, dass dann der Begriff Cis auf einmal hilft, auch Trans als Augenhöhe
0:22:49–0:22:56
zu wahrzunehmen und nicht als Defizit, als Krankheit, als Pathologie. Verstehst du?
Florian Clauß
0:22:57–0:22:59
Warte mal, den letzten Gedankengang muss ich nochmal nachverfolgen.
Micz Flor
0:22:59–0:23:03
Also dadurch, dass man den Begriff CIS eingeführt hat?
0:23:04–0:23:07
Wird der Begriff Trans auch eher auf Augenhöhe gehoben.
Florian Clauß
0:23:07–0:23:07
Okay.
Micz Flor
0:23:07–0:23:12
Und ist nicht mehr ein Kennzeichen für eine Pathologie.
Florian Clauß
0:23:12–0:23:14
Okay, verstehe.
Micz Flor
0:23:14–0:23:18
Und was du so intuitiv gesagt hast, ist ja genau der Punkt. Cis-Mann ist also
0:23:18–0:23:22
normal, Cis-Frau ist also normal. Dass man das nicht automatisch denken sollte.
Florian Clauß
0:23:22–0:23:24
Das ist nicht intuitiv gesagt.
Micz Flor
0:23:24–0:23:26
Ja, und wenn du,
0:23:28–0:23:41
dich vorstellst, in Zusammenhängen, in denen politische Macht oder soziale Macht auch ein Thema ist,
0:23:41–0:23:43
dann ist es vielleicht sogar notwendig, dass du sagst, ja,
0:23:44–0:23:47
ich bin Florian Klaus, ich bin Cis-Mann.
0:23:49–0:23:53
Das kann Teil deiner Vorstellung sein. Und es gibt ja auch jetzt,
0:23:56–0:24:00
hatten wir vorhin gesagt, natürlich auch auf biologischer Ebene schon intergeschlechtlich.
0:24:02–0:24:04
Und es gibt jetzt allerdings natürlich, wir haben einmal gesagt,
0:24:04–0:24:07
so diese Geschlechtsposition oder diese benennen, ich bin Cis-Mann oder ich
0:24:07–0:24:11
bin Cis-Frau oder Trans-Mann, Trans-Frau.
0:24:12–0:24:16
Und jetzt gibt es aber natürlich dann die Öffnung zum Spektrum,
0:24:16–0:24:18
also das, was dazwischen ist.
0:24:18–0:24:24
Das heißt, die Geschlechtsposition, nenne ich es mal, ist dann Cis und Trans.
0:24:25–0:24:31
Und die Geschlechtsidentität wäre dann Mann-Frau, nicht-binär zum Beispiel,
0:24:31–0:24:33
Gender-Fluid oder Agenda.
Florian Clauß
0:24:33–0:24:35
Agenda ist dann asexuell?
Micz Flor
0:24:37–0:24:41
Agenda ist eher überhaupt nicht, diesen Begriff für sich zu verorten.
0:24:42–0:24:46
Asexuell ist in meinem Verständnis dann auch kein Interesse an Sex zu haben.
Florian Clauß
0:24:46–0:24:48
Ja, genau, das gibt es ja auch als Gruppe.
Micz Flor
0:24:48–0:24:57
Ja, so und jetzt hätten wir die Möglichkeit, eben auch diese biologischen,
0:25:01–0:25:04
Zwischenformen da irgendwie auf einer Gender-Ebene zu benennen.
0:25:05–0:25:09
Also du musst nicht sagen, ich bin Cis-Mann oder Trans-Mann,
0:25:10–0:25:17
sondern du kannst auch eine andere Position einnehmen in deiner geschlechtlichen Identität.
0:25:18–0:25:21
Und da ist es dann allerdings wieder wichtig, auch zu sagen,
0:25:21–0:25:23
die sind nicht wirklich,
0:25:27–0:25:30
also das sind unterschiedliche Vektoren. Wie soll ich das sagen?
0:25:32–0:25:37
Das ist nicht eine andere Sprache für das Gleiche, sondern das sind unterschiedliche Dinge.
Florian Clauß
0:25:38–0:25:38
Ja.
Micz Flor
0:25:39–0:25:43
Und du hattest ja auch vorhin schon angesprochen, als wir von den Kugelmenschen
0:25:43–0:25:47
gesprochen haben, so schwul oder lesbisch. Also Männer, die Männer lieben,
0:25:47–0:25:48
Frauen, die Frauen lieben.
0:25:49–0:25:51
Und wenn wir jetzt aber die Geschlechtsidentität
0:25:51–0:25:56
als Agender zum Beispiel definieren, ist dann ein Agender,
0:25:59–0:26:05
Cis-Mann, wenn er andere Männer liebt, ist er dann schwul oder was ist er dann?
0:26:05–0:26:09
Also an welchem Punkt hängen wir denn dann auf die beiden Werte,
0:26:09–0:26:14
die wir wissen müssen, um die Tag schwul zu vergeben? Weißt du, was ich meine?
Florian Clauß
0:26:14–0:26:19
Ja, gut, das ist jetzt quasi fast ein Taxonomie-Problem.
Micz Flor
0:26:19–0:26:19
Genau.
Florian Clauß
0:26:20–0:26:26
Also ich meine, die Frage ist, wird das dann relevant oder ist das dann nicht zu sehr,
0:26:28–0:26:31
ich sag mal, in Kategorien beschränkt?
Micz Flor
0:26:33–0:26:36
Es ist wahrscheinlich eine gewisse Redundanz, wenn du alles aufschreibst,
0:26:36–0:26:38
was hier gerade so durchgehen.
0:26:38–0:26:43
Aber es ist vielleicht für eine Person, die von sich behauptet oder sich so
0:26:43–0:26:49
erlebt als Agenda. Ich fühle mich keinem Geschlecht zugehörig.
0:26:53–0:26:53
Was ist der?
Florian Clauß
0:26:54–0:26:54
Frosch.
Micz Flor
0:26:54–0:27:04
Oh, ein Frosch. Okay. Ich fühle mich keinem geschlechtzugehörig und ich mag aber Männer. Ja?
Florian Clauß
0:27:05–0:27:05
Ja.
Micz Flor
0:27:06–0:27:07
Was ist die dann so?
0:27:10–0:27:19
Und weil das wirklich auch ein Problem ist, gibt es jetzt noch eine neuere Kategorie.
Florian Clauß
0:27:19–0:27:21
Aber für wen ist das jetzt ein Problem?
Micz Flor
0:27:25–0:27:33
Wenn du sagst, guck mal, das ist Alex, das ist Alex, eine schwule Person.
Florian Clauß
0:27:34–0:27:34
Ja.
Micz Flor
0:27:35–0:27:38
Und Alex sagt aber, er ist Agenda, dann kann er nicht schwul sein.
Florian Clauß
0:27:39–0:27:43
Okay, da knallt es. Hallo.
Micz Flor
0:27:43–0:27:49
Hallo. Das heißt, wenn du die geschlechtliche Orientierung mitbenennst,
0:27:50–0:27:58
dann ist da implizit, dass auch wenn Alex eine Art Gender-Person ist...
Florian Clauß
0:27:58–0:27:59
Hallo!
Micz Flor
0:28:00–0:28:02
Du davon ausgehst, das ist eigentlich ein Mann.
Florian Clauß
0:28:03–0:28:07
Ja, aber ich frage mich nur, für wen ist das das Problem? Wo muss man das benennen?
0:28:07–0:28:11
Muss man das in einer sozialen Gruppe benennen oder muss man das gesellschaftlich
0:28:11–0:28:16
benennen oder muss man das medizinisch benennen, um halt dann irgendwie entsprechend,
0:28:17–0:28:20
keine Ahnung, Gelder zu bekommen, um eine Geschlechtsumwandlung zu machen,
0:28:20–0:28:22
um das mal überspitzt zu sagen.
Micz Flor
0:28:22–0:28:27
Ja, also ich kann nur mit Sicherheit sagen, dass es in der sexualwissenschaftlichen
0:28:27–0:28:33
Forschung inzwischen eine sehr feindelige Beschreibung von Geschlechtszuschreibung
0:28:33–0:28:36
und Identität und Bezeichnung gibt.
Florian Clauß
0:28:36–0:28:40
Okay, das hat sich da so als Apparat herausgegangen. Okay, also eigentlich ist
0:28:40–0:28:45
es eine akademische oder ich sage mal eine medizinische Beschreibung.
Micz Flor
0:28:45–0:28:51
Ja, das ist interessant. Wenn du das so sagst, du klingst jetzt so ein bisschen genervt.
Florian Clauß
0:28:51–0:28:58
Nee, ich versuche es nur, weil das ist ja, ich bin immer noch bei den Abbinder oder bei diesen.
0:28:59–0:29:03
Und wenn du da halt so viele Informationen reinpackst und dann für wen?
Micz Flor
0:29:04–0:29:06
Ach so, jetzt meinst du unsere ZuhörerInnen oder du?
Florian Clauß
0:29:06–0:29:10
Nein, nein, nein, ich meine nur für wen macht man dann, ist es also,
0:29:11–0:29:17
um dann quasi eine Identität für sich zu definieren als Person.
0:29:17–0:29:22
Ja, eine sexuelle Identität, die dann auch aber soziale und gesellschaftliche
0:29:23–0:29:27
Implikationen hat. Also geht es, also ich meine, und dann ist die Frage,
0:29:27–0:29:29
muss man das öffentlich machen von sich?
0:29:30–0:29:34
Ist es wichtig, in welchem Kontext? Weil ich glaube, es ist halt auch so safe space.
0:29:34–0:29:38
Vielleicht ist es ganz gut, dass ich jetzt irgendwie nicht das irgendwie in
0:29:38–0:29:42
meiner Signature packe, sondern ich gehe dann halt irgendwie in eine schwulen
0:29:42–0:29:47
Bar und habe eine gewisse Anonymität in meiner sexuellen. Das meine ich halt so.
Micz Flor
0:29:47–0:29:48
Ja,
0:29:50–0:29:56
also wie weit man das mitteilt und wem, also es ist ja auch kein digitales Jahr,
0:29:56–0:30:01
ganz oder gar nicht, ist sicherlich jeder Person selber überlassen.
0:30:02–0:30:07
Aber vielleicht gibt es auch Kontexte, in denen dann nicht nur im Akademischen
0:30:07–0:30:14
das vielleicht nicht unwesentlich ist, dass man sich innerhalb des Teams auch so vorstellt.
0:30:17–0:30:20
Also ich möchte jetzt nichts konstruieren. Ich möchte es halt bloß nicht ausschließen,
0:30:21–0:30:23
dass es wertvoll sein kann, das zu tun.
0:30:24–0:30:33
Und es auf alle Fälle im wissenschaftlichen Umgang mit diesen Themen auch immer
0:30:33–0:30:36
weiter verfeinert wird.
0:30:39–0:30:40
Und,
0:30:42–0:30:45
ich wollte ja dann eigentlich über Androgynität sprechen und deine genervte
0:30:45–0:30:48
Frage erlaubt mir so diesen letzten Schritt zu machen.
Florian Clauß
0:30:48–0:30:54
Um da wieder zurückzunehmen. Ich will jetzt nicht mir diese Emotion unterschieben
0:30:54–0:30:56
lassen. Ich bin nicht genervt.
0:30:58–0:31:03
Ich bin nur neugierig an der Stelle. Und es ist auch okay.
0:31:04–0:31:09
Wir können das jetzt einfach als Information mitnehmen, dass das sehr feingranular
0:31:09–0:31:13
in den letzten Jahrzehnten dann so als Apparat entwickelt wurde, um dann,
0:31:15–0:31:21
quasi eine Zuordnung zu schaffen. Du musst jetzt auch nichts konstruieren.
Micz Flor
0:31:22–0:31:27
Aber ich nehme das mal auf. Ich hatte dich als genervt wahrgenommen,
0:31:27–0:31:29
aber du hast einfach nur wissen wollen.
0:31:29–0:31:36
Und vielleicht habe ich dich als genervt wahrgenommen, weil ich in der Tat,
0:31:36–0:31:40
ich konnte deine Frage nicht sofort sinnvoll beantworten.
0:31:41–0:31:43
Und deshalb habe ich die vielleicht als provokant wahrgenommen,
0:31:43–0:31:46
weil ich meine Unwissenheit abwehren wollte. Und habe ich deshalb auf einmal,
0:31:47–0:31:53
habe quasi meine Minderwertigkeitsgefühle gegenüber der Antwort deiner Frage. Auf dich projiziert.
Florian Clauß
0:31:53–0:31:54
Wir sind ja auch Meta.
Micz Flor
0:31:55–0:31:58
Ich wollte es jetzt so weit vielleicht auch nochmal ausführen,
0:31:58–0:32:04
weil es ja irgendwie auch eine Form ist, in der wir miteinander jetzt kommunizieren und versuchen,
0:32:05–0:32:09
diesen Mini-Konflikt vielleicht aufzulösen, indem wir uns das alles nochmal
0:32:09–0:32:12
ein bisschen feinteiliger anschauen.
0:32:14–0:32:18
Du warst nicht genervt, sondern ich fühlte mich minderwertig und habe unbewusst
0:32:18–0:32:23
versucht, abzuwehren, dass da eine legitime Frage kam und deshalb habe ich dich
0:32:23–0:32:25
als genervt abgestempelt.
0:32:27–0:32:30
Damit lag dann irgendwie ein Problem bei dir, was eigentlich bei mir lag.
Florian Clauß
0:32:30–0:32:35
Okay, super. Das ist jetzt offen. Danke für die Klarstellung.
Micz Flor
0:32:36–0:32:37
Die letzte.
Florian Clauß
0:32:43–0:32:45
Du warst bei Androgenität.
Micz Flor
0:32:45–0:32:48
Ja, es soll ja wieder um Androgenität gehen, aber ich mache jetzt noch diese
0:32:48–0:32:53
sexuelle Anziehung. Also ich hatte ja gerade schon gesagt, es gibt Alex,
0:32:55–0:32:59
Agenda und diese Person fühlt sich zu Männern hingezogen.
0:32:59–0:33:03
Und wenn wir jetzt sagen, Alex ist schwul, dann kriegst du ein Bild davon,
0:33:03–0:33:07
wie Alex aussieht als Mann. Wenn ich sage, Alex ist lesbisch,
0:33:07–0:33:14
asexuell und zu Frauen hingezogen, dann kriegst du ein Bild von Alex als Frau.
0:33:15–0:33:19
Aber Alex ist agender und möchte weder als Frau noch als Mann gesehen werden.
0:33:21–0:33:27
Und deshalb gibt es so einen nächsten Schritt, dass halt statt lesbisch wurden
0:33:27–0:33:28
da neue Begriffe reingenommen.
0:33:29–0:33:34
Und zwar geht es jetzt um die sexuelle Anziehung. Und da gibt es,
0:33:36–0:33:41
die Androphilie, die Gynäkophilie und die Ambiphilie.
0:33:41–0:33:45
Also Androgyn, da merkst du schon, da ist beides drin, wenn nicht weiblich.
0:33:46–0:33:50
Das sind griechische Begriffe, die Ambiphilie ist beides. Das ist,
0:33:51–0:33:53
glaube ich, ein lateinisches Kürzel vorneweg.
Florian Clauß
0:33:55–0:33:56
Und wie jetzt Liebe?
Micz Flor
0:33:56–0:33:59
Wir nehmen jetzt nochmal Alex. Alex ist Agenda,
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in seinem Erleben, in seinem Sein und,
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ist Gynäkophil. Das hieße dann übertragen.
0:34:17–0:34:19
Fühlt sich zu Frauen hingezogen.
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Und dadurch braucht man nicht schwul oder lesbisch zu sagen,
0:34:27–0:34:34
weil dieser Begriff impliziert die Festschreibung männlich oder weiblich bei Alex. Verstehst du?
Florian Clauß
0:34:34–0:34:35
Ja.
Micz Flor
0:34:35–0:34:35
So.
Florian Clauß
0:34:36–0:34:41
Also das ist quasi, es wird nicht mehr das biologische Geschlecht zum Zentrum
0:34:41–0:34:43
gemacht, der Definition.
Micz Flor
0:34:43–0:34:44
Ja, das heißt,
0:34:47–0:34:54
also wenn jetzt Alex Agenda Ambifiel ist, sich also zu,
0:34:56–0:34:59
allen Geschlechten noch hingezogen fühlt, das ist interessant,
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weil mein springender Punkt hätte ich jetzt fast schon gesagt,
0:35:02–0:35:09
dann merkt man, das ist völlig jenseits von in Anführungszeichen klassischen
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oder althergebrachten Geschlechtszuschreibungen.
0:35:13–0:35:20
Also da ist dann Agenda Alex, Ambifiel, ist sexuell aktiv so,
0:35:21–0:35:27
legt sich selber nicht fest und fühlt sich aber auch zu allem hingezogen.
Florian Clauß
0:35:29–0:35:30
Ja.
Micz Flor
0:35:33–0:35:36
Und wir haben ja eben schon diese Frage gehabt, für wen ist das gut?
0:35:36–0:35:39
Und die Antwort, die Sexualwissenschaften nutzen immer mehr davon natürlich,
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um solche Konfigurationen gut zu beschreiben.
0:35:43–0:35:48
Und wenn ich diesen Begriff der Androgenität jetzt wieder aus dem Kopf erziehe
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oder aus dem Brutzauber...
Florian Clauß
0:35:50–0:35:54
Der Stelle noch mal was einschieben und als Frage formulieren.
0:35:55–0:36:02
Das bedeutet in dieser Definition, dass jetzt also in dieser cis heteronormalität
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ist ja die Penetration quasi das main thing der sexuellen Aktivität.
Micz Flor
0:36:08–0:36:09
Für den cis Mann.
Florian Clauß
0:36:09–0:36:13
Ja, genau. Also eigentlich, wenn es sex, dann ist immer Penetration.
0:36:14–0:36:17
Eigentlich ist auch dieses sexuelle Verhalten dann nicht immer Penetration in
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diesem Feld. Oder eigentlich muss ich meine, das ist ja so die andere Seite dabei.
Micz Flor
0:36:22–0:36:25
Es wird auch nicht vom Geschlechtsakt gesprochen, es wird von Anziehung gesprochen.
0:36:26–0:36:27
Also man fühlt sich hingezogen.
0:36:27–0:36:33
Das heißt, man kann es als amorös beschreiben, man kann es als körperliche Lust beschreiben.
0:36:33–0:36:37
Man fühlt sich einfach hingezogen. Also in gewisser Weise, und das ist der Punkt,
0:36:37–0:36:42
in gewisser Weise ist es wie so ein Schneepflug, wo diese alten Begriffe so
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ein bisschen vor sich hergeschoben werden. Weil, wenn ich jetzt an dem Punkt
0:36:46–0:36:47
bin, dass ich Alex Agenda.
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Gynäkophil beschreibe, dann sage ich über diese Person, dass sie selber sich
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geschlechtlich keinen nicht verortet und sich zu Frauen hingezogen fühlt.
0:37:01–0:37:03
Aber da habe ich es wieder. Dann ist es wieder die Frau.
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Also in diesem letzten Schritt ist es dann trotzdem so, dass da implizit wieder
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unterschieden wird zwischen Frauen und Männern. Nicht mehr,
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in der Person, die ich beschreibe, aber ich muss dann gucken,
0:37:16–0:37:19
ach, wen magst du denn von denen? Naja, dann bist du ja androphil.
0:37:21–0:37:25
Und das ist so diese Sache, wo ich sage, das Androgenitätsding nochmal wieder
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aus dem Hut zu ziehen, das ist so tief verankert.
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Es ist so tief verankert, dass man sich dazu immer neu in Beziehung setzen muss
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und das neu verfeinern muss, um die Abbildung,
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die sich aus diesem polaren Denken ergibt, aufzuweichen, zu verfeinern,
0:37:45–0:37:48
griffiger zu machen sogar, weil man es genauer beschreiben kann.
0:37:51–0:37:55
Aber selbst wenn ich dann nicht mehr lesbisch oder schwul sage,
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sondern die sexuelle Vorliebe über die Geschlechtlichkeit eben dann doch der
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anderen Person definiere, dann habe ich es einfach so weggeschoben.
0:38:05–0:38:09
Ich kann dann wirklich nicht mehr über Alex sagen, wenn ich dieser Person begegne,
0:38:09–0:38:13
welches biologische Geschlecht oder gesellschaftliche, das weiß ich jetzt nicht.
0:38:14–0:38:21
Aber zumindest weiß ich immer noch, dass es sich solchen Menschen hingezogen fühlt.
0:38:25–0:38:30
Und die Frage, die ich mir gestellt habe, als ich dieses Thema Androgynität,
0:38:30–0:38:33
auf meinen Tisch bekommen habe, weil ich da auch ein Seminar drüber halten werde,
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in diesem größeren Kontext eben auch von Transsexualität,
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Geschlechtsdysphorie und die Frage für mich war halt,
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ist das total überholt?
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Oder.
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Wie könnte man das heute noch reinnehmen?
0:38:54–0:38:58
Und diese Idee von überholt ist ein bisschen auch, wenn man einen Text liest
0:38:58–0:39:08
von 1983, dann wird damals sehr Ja, offen, fortschrittlich und.
0:39:09–0:39:13
Konstruktiv gedacht gesagt ist, Männer müssen nicht männlich sein,
0:39:13–0:39:15
Frauen müssen nicht weiblich sein.
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Männer können auch weibliche Trades oder Anteile haben.
0:39:22–0:39:29
Männer können, Entschuldigung, Frauen können auch männliche Anteile haben.
0:39:29–0:39:35
Und es wird dann ganz schön in dem Text so nahegelegt, wenn man sich dieser Idee öffnet,
0:39:36–0:39:40
dann ist es vielleicht für viele Menschen entspannt auch mal zuzulassen,
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dass man vielleicht auch typisch weibliche Traits hat und nicht immer Mann sein muss.
0:39:47–0:39:54
Nicht immer quasi hier fallisch die Familie hochhalten und der Opa sagt immer,
0:39:55–0:39:57
du bist der älteste Sohn, du führst die Familie.
0:39:57–0:40:01
Also diese Sachen sind vielleicht sehr belastend und wenn jemand,
0:40:02–0:40:07
der, würden wir jetzt sagen, als CIS-Mann, da es trotzdem zulässt,
0:40:07–0:40:11
sich weiblich zu begreifen, dann wäre das vielleicht eine riesengroße Entlastung.
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Das steckt da so ein bisschen drin. Und auch 1983 schon vor dem Hintergrund,
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wird beispielhaft benannt, Und dass in Italien, das wohl eine Zeit lang da so
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war, dass sich da wohl sehr viele.
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Biologische Männer gemeldet haben für eine geschlechtsengleichende Operation.
0:40:32–0:40:37
Und da würde dann halt im Text gesagt, vielleicht wäre dieser dramatische chirurgische
0:40:37–0:40:42
Eingriff nicht notwendig, wenn man sich dem öffnet, dass man sich auch weiblich zeigen kann.
0:40:44–0:40:48
Und dass es vielleicht auch ein gesellschaftlicher und freudianisch,
0:40:48–0:40:53
würde man sagen, Über-Ich-Thema ist, wie man so sein muss.
0:40:54–0:40:57
Und ich finde das irgendwie toll und gleichzeitig denke ich halt so, ja, aber,
0:40:58–0:41:01
Ich werde dann weiblich-männlich wieder nicht los. Also dann habe ich halt,
0:41:01–0:41:05
was sind denn weibliche Anteile? Pflegeberufe.
Florian Clauß
0:41:06–0:41:07
Also das ganze Care-System.
Micz Flor
0:41:07–0:41:12
Männliche Anteile sind Piloten. Also das ist irgendwie so.
Florian Clauß
0:41:12–0:41:15
Ja, aber das ist ja diese gesellschaftliche Dimension.
Micz Flor
0:41:15–0:41:19
Ja, und da ist es dann so, dass man versucht, etwas zu überwinden.
0:41:20–0:41:26
Und gleichzeitig aber genau diese Labels braucht für sein Argument.
Florian Clauß
0:41:27–0:41:28
Ja, verstehe.
Micz Flor
0:41:28–0:41:34
Und ich muss also, guck mal, nimm doch diese weiblichen Anteile an und dann
0:41:34–0:41:37
bist du nicht mehr so hart mit dir selbst und dann geht es dir besser.
0:41:38–0:41:41
Aber warum muss ich sagen weibliche Anteile?
0:41:44–0:41:47
Und das alleine ich jetzt mal mit dem, was wir eben gerade noch hatten,
0:41:47–0:41:56
also mit dem Androphilie und Gynäkophilie und Ambiphilie, wo dann dieses Mann-Frau-Thema,
0:41:57–0:41:59
nicht wirklich aufgehoben ist.
0:42:00–0:42:06
Es ist aufgehoben bei der Person, die benannt wird, aber es ist immer noch eine
0:42:06–0:42:08
Unterscheidung in der Person, die begehrt wird. Es ist eine Frau oder ein Mann.
Florian Clauß
0:42:09–0:42:16
Also aus dem privaten Umfeld ist auch eine Diskussion von einem transen Mann, der aber,
0:42:20–0:42:27
in seiner gesellschaftlichen Rolle als Frau für sich dann auch in Anspruch genommen
0:42:27–0:42:30
hat, diese Pflegearbeit zu übernehmen.
0:42:30–0:42:33
Mit dem Argument, dass der Frauen ja viel sensibler dafür sind.
0:42:34–0:42:36
Und das ist ja genau das, was du beschreibst.
Micz Flor
0:42:36–0:42:42
Genau, das wäre das, dass man innere Konflikte einfach auch lösen oder vermeiden
0:42:42–0:42:48
kann sogar, indem man sich seinen inneren Impulsen öffnet und dann nicht direkt danach guckt,
0:42:49–0:42:51
ist das denn jetzt auch männlich genug für mich oder weiblich genug,
0:42:51–0:42:53
sondern macht mir das Spaß, liegt mir das.
0:42:54–0:43:01
Und dieses Labeling bleibt trotzdem irgendwie so kleben und selbst bei diesem,
0:43:02–0:43:05
Konzept, was ja, was ich vorhin vorgetragen hatte, eben mit der Gynäkophilie,
0:43:06–0:43:10
ist es ja auch so, dass es dann irgendwie veräußert wird auf die begehrte Person,
0:43:10–0:43:14
aber die wiederum hilft uns dann die,
0:43:17–0:43:22
geschlechtliche Orientierung oder Anziehung dieser Person, die wir beschreiben, festzulegen.
0:43:26–0:43:28
Und da war ich dann irgendwie immer an dem Punkt, wo ich gedacht habe,
0:43:28–0:43:34
okay, kann ich Androgynität als Konzept ganz fallen lassen oder,
0:43:36–0:43:41
kann ich damit noch irgendwas anfangen? und habe mich dann so durchgelesen durch
0:43:41–0:43:46
diese Entwicklung und kam dann hinten raus dann doch wieder in den Punkt, ja,
0:43:47–0:43:54
in letzter Instanz benenne ich dann doch wieder eine Person nach einem ursprünglich
0:43:54–0:43:56
mal biologischen Geschlecht.
Florian Clauß
0:43:57–0:44:00
Ja, ich will vielleicht nochmal einen Aspekt reinbringen, der mir da am Anfang
0:44:00–0:44:04
eingefallen ist dazu, weil Androgynität, es gibt, glaube ich,
0:44:04–0:44:10
so eine Fotoarbeit, aber das kennt man ja auch von so einer Fotografin, die,
0:44:12–0:44:18
Jugendliche, die dann so an der Schwelle zum Teenager, also in so einer quasi,
0:44:18–0:44:21
wo dann sich die sexuellen Merk-,
0:44:22–0:44:27
also quasi die Sexualität entwickelt jetzt in den Sexualorganen,
0:44:27–0:44:31
dass die in der Phase dann sind, wo sie eigentlich nicht unterschieden werden
0:44:31–0:44:34
können zwischen, ob das jetzt Mädchen oder Jungs sind.
0:44:35–0:44:38
Kennst du das? Ich kenn die Arbeit nicht. Aber man weiß es auch selber,
0:44:38–0:44:41
man sieht dann halt irgendwie und man kann im gewissen Alter,
0:44:41–0:44:44
kann man nicht sagen, ist das jetzt ein Mädchen oder ein Junge,
0:44:44–0:44:45
dann sind die sehr ähnlich.
0:44:46–0:44:51
Also gerade so quasi das, wo dann halt die aufkeimende Adoleszenz dann beginnt.
0:44:51–0:44:55
Das ist erstmal eine Feststellung, das finde ich total spannend.
0:44:56–0:45:00
Einfach, dass man das jetzt so einfach dann, weil du hast ja gesagt.
Micz Flor
0:45:00–0:45:03
Und in dieser Fotoarbeit wird es dann einfach besser erlebbar,
0:45:03–0:45:05
weil man keine Haarfrisuren.
Florian Clauß
0:45:05–0:45:08
Keine Kleider, keinen Kontext hat. Ja, oder lange Haare, kurze Haare oder so.
0:45:08–0:45:13
Also das heißt, du siehst den Menschen da, die Person und kannst jetzt nicht
0:45:13–0:45:20
eindeutig sagen, das ist ja genau dieses, also das, was ich da mit Androgynität verbinde.
0:45:20–0:45:26
Und dann die andere Seite davon ist, dass im Alter, kannst du auch nicht mehr
0:45:26–0:45:28
so richtig unterscheiden.
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Also wenn dann halt irgendwie so, aber außer Normalfamilien,
0:45:32–0:45:36
dann sieht die Frau aus wie ein Mann und der Mann wie die Frau.
0:45:36–0:45:38
Also so ein bisschen weicht sich das auch an.
0:45:38–0:45:41
Da wird ja auch so eine Androginität hergestellt, ne?
0:45:42–0:45:47
Also, und das finde ich so gesellschaftlich interessant, weil das ist genauso
0:45:47–0:45:53
vor und nach der sexuellen Phase, der Sexualität, dass es dann halt quasi egal
0:45:53–0:45:55
ist, ob du jetzt Mann oder Frau bist.
0:45:55–0:45:57
Aber klar, man möchte immer irgendwie,
0:46:00–0:46:04
in diesen Begriffen, weil die ja auch dann so sichtbar sind,
0:46:06–0:46:11
und das möchte man ja auch dann immer so für sich als Definition runtergebrochen haben.
0:46:12–0:46:14
Das ist jetzt ein Mann, das ist jetzt eine Frau.
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Also da fühlt man sich ja irgendwie dann sicher im Umgang, sage ich mal.
0:46:20–0:46:22
Und dazwischen ist halt immer schwierig.
Micz Flor
0:46:26–0:46:31
Ja, da mache ich jetzt nochmal eine Tür auf, weil da wollte ich auch C.G.
0:46:31–0:46:37
Jung eigentlich noch mit reinnehmen. Genau, diese Archetypen von C.G. Jung, Animus und Anima,
0:46:39–0:46:43
das Männliche sozusagen und das Weibliche, die er als Archetypen auch beschreibt.
0:46:43–0:46:50
Und im Prozess des Individuums, in der Individuation ist es für ihn auch ganz
0:46:50–0:46:55
wichtig, dass diese Menschen in dem Prozess auch sich öffnen für,
0:46:57–0:47:00
ihren, ja, ich sag mal, gegengeschlechtlichen archetypischen Teil.
0:47:03–0:47:09
Und nur dadurch auch weiterkommen in diesem Prozess. Und.
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Das ist jetzt nicht diese Platons Kugelmenschenbild. Es geht nicht darum,
0:47:18–0:47:22
dann innerlich wieder das Weibliche, also sich selbst als Cisman mit dem Weiblichen
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zu vereinen und dann ist man wieder komplett entspannt.
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Und bei Jungen ist natürlich der Archetyp auch,
0:47:32–0:47:35
je nachdem wie man zu jung steht, ist der entweder intrapsychisch,
0:47:35–0:47:38
also im Menschen angelegt, oder ist ja wirklich auch etwas, was.
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Als kollektiv Unbewusstes manchmal vielleicht sogar so verstanden werden kann,
0:47:45–0:47:47
dass es alle Menschen miteinander verbindet.
0:47:48–0:47:53
Da hatten wir in der Folge über Ufos schon drüber gesprochen.
0:47:54–0:48:02
Aber das wäre das Bild, also der Umgang mit dieser Polarität in Geschlechtlichkeit bei Jungen.
0:48:02–0:48:08
Und bei Lacan zum Beispiel ist es so, dass der viel sehr vom Männlichen her
0:48:08–0:48:10
denkt, also da auch viel bei Freud ist.
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Und Freud irgendwo auch mal so inhaltlich gesagt hat, also wie weibliche Sexualität,
0:48:17–0:48:21
wirklich funktioniert, das müssen uns weibliche Psychoanalytikerinnen sagen.
0:48:21–0:48:24
Da kann er jetzt nicht so viel zu sagen. Also das Letzte weiß nicht, ob er es gesagt hat.
0:48:24–0:48:30
Aber das ist so, dass da sehr vom Mann beschrieben wird und Lacan zum Beispiel
0:48:30–0:48:35
überhaupt gar nicht zulässt, dass es möglich sein könnte,
0:48:36–0:48:40
dass ein Kugelmensch sich wieder vereint und dann ist alles gut.
0:48:40–0:48:42
Für ihn ist es so unmöglich.
Florian Clauß
0:48:42–0:48:43
Das ist die Hütte.
Micz Flor
0:48:43–0:48:43
Was ist die Hütte?
Florian Clauß
0:48:43–0:48:46
Das ist die Hütte, das rast Kogelhaus.
Micz Flor
0:48:47–0:48:48
Da unten an der Kreuzung?
Florian Clauß
0:48:48–0:48:49
Nee, direkt gerade.
Micz Flor
0:48:49–0:48:50
Das Kleine, da auf halber Strecke?
Florian Clauß
0:48:51–0:48:51
Direkt gerade.
Micz Flor
0:48:51–0:48:54
Ach, auf der gleichen Höhe, also runter hoch. Runden müssen wir noch mal.
Florian Clauß
0:48:54–0:48:55
Nee, ich glaube, wir müssen bleiben.
Micz Flor
0:48:55–0:48:56
Bleiben wir lang, ja.
0:49:00–0:49:01
Und jetzt komme ich eben dazu,
0:49:05–0:49:11
weshalb ich diesen David-Foster-Wallace-Witz mit den Fischen vorne nochmal reingeklebt habe, weil,
0:49:12–0:49:16
der Witz ist ja dann, der große Fisch fragt, welche Temperatur hat das Wasser
0:49:16–0:49:20
und die Kleinen fragen sich dann später selber, was ist denn Wasser?
0:49:21–0:49:24
Und die sind irgendwie so einen Schritt weiter. Der große Fisch,
0:49:24–0:49:27
der muss noch irgendwie mit Wassertemperatur hantieren und der weiß,
0:49:27–0:49:31
was Wasser ist und spricht über Wasser und denkt über Wasser nach und die Fische
0:49:31–0:49:33
machen sich darüber gar keinen Kopf mehr.
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Und das ist, glaube ich, so oft so ein Problem in Diskursen,
0:49:38–0:49:42
dass in dem Moment, wenn man die Dinge noch so benennen muss und vergliedern muss,
0:49:43–0:49:46
dann ist das total wichtig und gleichzeitig aber auch ein Zeichen,
0:49:46–0:49:50
wie viel Hirnschmalz, Energie, Forschung,
0:49:51–0:49:53
Politik und Emotionen in dieses Thema reingehen.
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Und Androgenität als Begriff und diese beiden Pole.
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Ich kann mir keine menschliche Gesellschaft vorstellen, in der wir den Begriff
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männlich und weiblich nicht mehr benutzen.
0:50:10–0:50:15
Und trotzdem erlebe ich eine Gesellschaft, die sich dahingehend entwickelt,
0:50:15–0:50:22
sehr viel genauer und feinfühliger mit diesen Begriffen umzugehen und die teilweise
0:50:22–0:50:23
auch mit anderen abzulösen.
0:50:24–0:50:30
Aber es ist unter dem Strich natürlich immer noch so, dass die Fische könnten
0:50:30–0:50:34
dem großen Fisch antworten, es ist kalt oder es ist warm.
0:50:34–0:50:40
Ja, es ist eine legitime Antwort im Rahmen des homostatischen Raums,
0:50:40–0:50:44
in dem ein Fisch existieren kann. Es ist eher warm oder eher kalt oder es ist
0:50:44–0:50:46
genauso, dass sie es eigentlich nicht fühlen.
Florian Clauß
0:50:47–0:50:52
Naja, aus feministischer Sicht würde man an dem Punkt vielleicht sagen,
0:50:52–0:50:58
dass diese Begriffe sich in einem patriarchalischen System nicht auflösen können.
0:51:04–0:51:11
Und wir haben ja ein patriarchalisches System und es ist mehr denn je quasi,
0:51:11–0:51:15
also auf der einen Seite differenzieren sich Geschlechterrollen,
0:51:16–0:51:21
auf der anderen Seite ist aber das System nach wie vor patriarchalisch.
0:51:22–0:51:29
Und es hat eben auch mit dem Kapitalismus, die beiden können gut zusammenarbeiten,
0:51:29–0:51:30
sag ich mal, die beiden Systeme.
Micz Flor
0:51:30–0:51:35
Ja, das ist halt diese Frage, also da möchte ich gar nicht mehr viel reingehen,
0:51:35–0:51:38
auch weil ich mich da jetzt gar nicht vorbereitet habe, ist es nur Blendwerk?
0:51:38–0:51:42
Also es ist so, wie manche Leute auch annehmen, dass zum Beispiel,
0:51:43–0:51:47
kulturelle Differenzen, religiös geprägte kulturelle Differenzen,
0:51:47–0:51:51
so Streitlinien zwischen den Kulturen, dass die auf einmal so groß geschrieben
0:51:51–0:51:55
werden, weil sie den Kapitalismus nutzen, weil sie einfach überdecken,
0:51:55–0:51:57
dass es im Endeffekt um Klassenkampf geht.
0:51:58–0:52:04
Das ist ja auch eine legitime, plausible Hypothese, sodass es dann auch so sein
0:52:04–0:52:07
kann, dass diese Aufrechterhaltungspatriarchats,
0:52:09–0:52:14
genauso viel Energie bindet, die man sonst vielleicht transformativ umsetzen
0:52:14–0:52:18
könnte, wie Zölle dauernd hoch- und runterzuschrauben.
0:52:18–0:52:22
Keiner weiß mehr, wo man ist und man hat das Gefühl, der Platz ist zu konfus,
0:52:22–0:52:25
dass man hier wirklich gut arbeiten kann.
Florian Clauß
0:52:29–0:52:35
Spannend, Mitch. Danke fürs Teilen, ohne das jetzt abzuwerten mit der Phrase.
Micz Flor
0:52:35–0:52:37
Danke fürs Teilen,
0:52:40–0:52:41
sagte Lacan zu Zeus,
0:52:43–0:52:50
als Zeus die Kugelmännchen teilt. Das Ich ist gespalten, danke Zeus.
Florian Clauß
0:52:54–0:53:04
Aber ich meine, du bist ja selber jetzt noch so auf dem Weg des Formulierens und des Ausarbeitens.
0:53:05–0:53:06
Aber ich fand das total spannend.
Micz Flor
0:53:07–0:53:08
Ja, danke dir.
Florian Clauß
0:53:08–0:53:15
Das hat für mich auch nochmal neue Aspekte reingebracht. Ich kannte diese feingranularen
0:53:15–0:53:16
Unterscheidungen, Begriffe kannte ich nicht.
Micz Flor
0:53:17–0:53:18
Gut.
Florian Clauß
0:53:18–0:53:19
Okay.
Micz Flor
0:53:19–0:53:24
Dann schaltet auch in 14 Tagen wieder ein. wenn, wir wissen noch nicht genau,
0:53:24–0:53:27
was dann die Folge ist, aber vielleicht auch noch einer von hier, oder?
Florian Clauß
0:53:27–0:53:33
Vielleicht. Schauen wir mal. Was es so hergibt, die Tuxer Alpen,
0:53:34–0:53:37
der Inntaler Höhenweg. Ja, ich hoffe...
Micz Flor
0:53:37–0:53:38
Und die Akkuladung.
Florian Clauß
0:53:38–0:53:43
Ja, ich hoffe, es hat euch auch einige Erkenntnisse gebracht in dieser Episode.
0:53:43–0:53:49
Wie gesagt, mehr gibt es auf eigentlich-podcast.de Da könnt ihr auch sehen,
0:53:49–0:53:53
wo wir lang gelaufen sind und Fotos von diesem wunderschönen Also es ist wirklich
0:53:53–0:53:54
eine grandiose Landschaft hier.
0:53:56–0:53:58
Okay, mit dieser Frage schließen wir dann.
Micz Flor
0:53:58–0:54:00
Macht's gut, tschüss.
Florian Clauß
0:54:00–0:54:01
Bis zum nächsten Mal, tschüss.

Mehr

Die psychologische Deutung der Sage in einem Satz: Der Tuxer Riese ist nur ein Es, das Vater spielen will – sein Nein und sein Name haben keinen Wert.

Wir setzen unsere Tuxer Sagenfolge direkt vor Ort an der Weidener Hütte fort. Zuerst geht es um den Tuxer Riesen: Aus Südtirol vertrieben, stapft er in die Tuxer Alpen und errichtet dort eine Gewaltherrschaft, um sich ein Schloss bauen zu lassen. Bis sich ihm die wilden Fräulein beherzt entgegenstellen und die Almer von seinem Joch befreien. Wir steigen in die psychologische Deutung der Sage ein: die Kratzer in der Eiswand, der frustrierte Riese, der eine Beziehung sucht, aber nur gewaltvoll kommunizieren kann. Flo lockt Micz in seiner Rolle als Psychotherapeut aus der Reserve und bekommt ein bisschen Lacan als Interpretationswerkzeug zu hören. Und das klappt sogar. Dann steigen wir auf zur nächsten und längsten unserer drei Sagen aus den Tuxer Alpen: der Frauenwand. Hier geht es um eine Heldinnengeschichte, die vom Teilen in der Not und von der Navigation bei schlechtem Wetter handelt. Das sind zwei Grundthemen, die auch heute noch in den Bergen das Überleben sichern können. Die Frauen von der Frauenwand geben denen, die es verdienen, ein Vielfaches zurück. Wer ihnen dagegen nicht gut begegnet, dem widerfährt entsprechend Übles. Begeistert stellen wir fest, dass hier die Frauen als Heldinnen aus der Geschichte hervorgehen und nicht, wie sonst so oft in Märchen, die Männerfiguren dominieren. Wir kommen zu dem Schluss, dass die Bergwelt aufgrund der rauen Bedingungen eine viel verletzlichere Gemeinschaft beherbergt, die entsprechend widerstandsfähiger und gleichberechtigter aufgebaut sein muss. Und wir werden gerade noch rechtzeitig fertig, um zum Abendessen in der Weidener Hütte am Inntaler Höhenweg einzukehren...

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
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Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:01
Okay, und jetzt nochmal schlagen?
Florian Clauß
0:00:01–0:00:01
Ja.
Micz Flor
0:00:02–0:00:08
Nee? Ja? Nee? Doch. Okay, hier ist eigentlich Podcast. Der Podcast,
0:00:08–0:00:12
bei dem wir laufend reden und beim Laufen reden. Und wir sind in den Tuxer Alpen.
0:00:12–0:00:15
Und manche mögen sich erinnern, vor vier Wochen habt ihr was gehört und habt
0:00:15–0:00:17
gesagt, Mann, wann geht es endlich weiter?
0:00:17–0:00:21
Für uns geht es jetzt gleich weiter. Wir haben nämlich gerade kurz Stopp gemacht.
0:00:22–0:00:28
Und Flo hat Sagen, Märchen, Mythen, also Sagen meintest du.
Florian Clauß
0:00:28–0:00:30
Ja, genau. Sagen, sagen, sagen.
Micz Flor
0:00:30–0:00:36
Aus den Tuxer Alpen. Und hast das schon verortet, historisch eingeleitet.
0:00:36–0:00:40
Vielleicht so viel. Es geht um den Begriff auch der Demut, der Natur,
0:00:41–0:00:46
in den Tälern zu leben, dem Wetter ausgeliefert zu sein, davon abhängig zu sein,
0:00:46–0:00:50
vor allen Dingen, die diese großen Mächte auch sich hier entfalten.
0:00:50–0:00:54
Und eine Sage hatten wir schon gehört, da ging es um die gefrorene Wand,
0:00:55–0:01:00
in der hochmütige Menschen auf der Alm, Almer wurden sie genannt,
0:01:01–0:01:06
die da mit der ganzen Butter und der Milch so rumgeschmissen haben und nicht
0:01:06–0:01:07
in die Kirche gegangen sind, die wurden,
0:01:08–0:01:10
auf einmal vom Berg bestraft.
0:01:11–0:01:17
Drei Tage hat Schneid, also Schneid ist auf die Alm und danach war es gefroren
0:01:17–0:01:19
und stand als Mahnmal in den Tuxer Alpen.
0:01:20–0:01:24
Für die anderen nicht Hochmut, sondern Demut.
Florian Clauß
0:01:24–0:01:29
Demut, genau. Ja, wir sind eigentlich Podcast, der Podcast, bei dem wir im Laufen
0:01:29–0:01:33
stehen und Laufen stehen, in dem Regen stehen und manchmal auch wandern.
Micz Flor
0:01:33–0:01:35
Und manchmal sogar im Regen stehen oder im Regen laufen.
Florian Clauß
0:01:36–0:01:41
Und hier stehen wir gerade vor der Weidner Hütte. Das ist unsere zweite Station
0:01:41–0:01:43
auf unserer Hüttentour, den Inntaler Höhenweg.
0:01:44–0:01:50
Und ich dachte, ich kann mich connecten mit dieser Bergwelt und konkret hier mit den Tuxer Alpen.
0:01:51–0:01:54
Und habe halt drei Sagen mitgebracht, die wir jetzt so ein bisschen durcharbeiten
0:01:54–0:01:58
wollen, wie wir es schon in unseren anderen Märchen und Mythen mal gemacht haben.
0:01:59–0:02:02
Eigentlich Episode, wie haben wir jetzt?
Micz Flor
0:02:02–0:02:05
Jetzt sind wir 114. Eigentlich Episode 114.
Florian Clauß
0:02:05–0:02:09
Genau, ihr könnt dann mehr Infos nochmal auf eigentlich-podcast.de und auch
0:02:09–0:02:10
den Track sehen und so weiter.
0:02:11–0:02:14
Okay, jetzt steigen wir gleich ein. Eigentlich hatte auch schon in der letzten
0:02:14–0:02:21
Episode, die Berge haben viel mit Riesen zu tun. Und wir wollen uns jetzt die
0:02:21–0:02:23
Bergsage vom Tuxer Riesen anhören.
Text2Speech
0:02:24–0:02:29
Der Tuxer Riese und die wilden Fräulein. In den alten Zeiten,
0:02:29–0:02:35
so erzählt man sich, war das Tuxertal nicht so allein und schutzlos, wie es scheinen mag.
0:02:35–0:02:41
Hoch droben in den Bergen, in den Felsen und Klüften, wohnten die wilden Fräulein.
0:02:41–0:02:46
Zarte, geheimnisvolle Wesen waren das, den Menschen von Herzen gut gesonnen.
0:02:47–0:02:52
Sie beschützten das Tal vor Unwetter, vor Bränden und vor allem Unglück.
0:02:52–0:02:57
Und mit ihrer Zauberkunst erleichterten sie den Bauern die harte Arbeit mit Vieh und Hof.
0:02:58–0:03:01
Kam ein Kalb nicht zur Welt oder verlor sich ein Schaf im Nebel,
0:03:02–0:03:06
so brauchte man nur hinaufzurufen zu den Fräulein. Und alles wurde gut.
0:03:07–0:03:12
So lebten die Tuxer sicher und geborgen unter dem wachsamen Auge ihrer Beschützerinnen.
0:03:12–0:03:15
Doch eines Tages war es mit der Ruhe vorbei.
0:03:16–0:03:21
Über das Tuxerjoch herüber, aus dem Süden, kam eine Riese gestapft.
0:03:21–0:03:25
In Südtirol hatten sie ihn vertrieben, weil niemand mehr seine Bosheit ertragen
0:03:25–0:03:30
konnte, und nun suchte er sich ein neues Tal, das er unterjochen konnte.
0:03:30–0:03:36
Mit dröhnenden Schritten stieg er herab ins Tuxertal. Und die armen Dorfbewohner
0:03:36–0:03:38
erstarrten vor Schreck, als sie den Koloss erblickten.
0:03:39–0:03:43
Der Riese hatte scharfe, böse Augen, denen nichts entging.
0:03:44–0:03:48
Wollte auch nur ein einziger der Talbewohner heimlich hinauf in die Berge schleichen,
0:03:48–0:03:52
um die wilden Fräulein um Rat und Hilfe zu bitten, so war der Riese schon zur
0:03:52–0:03:57
Stelle und bestrafte den Armen so grausam, dass es bald keiner mehr wagte.
0:03:58–0:04:03
Und der Riese verlangte immer mehr. Alle Steine im Tal mussten die Menschen
0:04:03–0:04:06
zusammentragen, damit er sich ein gewaltiges Schloss bauen konnte.
0:04:07–0:04:11
Ihr mühsam erarbeitetes Brot und ihre letzten Vorräte mussten sie ihm bringen,
0:04:12–0:04:14
um seinen unersättlichen Hunger zu stillen.
0:04:14–0:04:20
Für sie selbst aber blieb kaum noch etwas übrig, und Not und Elend zogen ein
0:04:20–0:04:22
in das einst so glückliche Tal.
0:04:22–0:04:27
Nun geschah es aber eines Tages, dass ein paar junge, wackere Burschen hinaufsteigen
0:04:27–0:04:32
mussten zur gefrorenen Wand, um dort die letzten großen Felsbrocken für das
0:04:32–0:04:33
Schloss des Riesen zu holen.
0:04:34–0:04:40
Und dort oben, fern vom scharfen Blick des Ungetüms, begegneten sie den wilden Fräulein.
0:04:40–0:04:44
Vor Erleichterung fielen die Burschen weinend auf die Knie.
0:04:44–0:04:48
Sie flehten die Fräulein an, sie mögen doch den schrecklichen Riesen wieder
0:04:48–0:04:51
aus dem Tuxertal verjagen, ehe alle zugrunde gingen.
0:04:52–0:04:57
Die Fräulein hörten ihnen ruhig zu. Dann sprachen sie, Tragt nur alle Blöcke
0:04:57–0:05:01
zusammen, so wie euch befohlen wurde. Fürchtet euch nicht.
0:05:01–0:05:06
Und damit waren sie verschwunden. Einige Tage später hatte der Riese bereits
0:05:06–0:05:11
begonnen, die schweren Blöcke aufeinander zu türmen, um endlich sein Schloss zu vollenden.
0:05:12–0:05:16
Da, ganz plötzlich, brach ein gewaltiges Unwetter los.
0:05:17–0:05:21
Es blitzte und donnerte, dass die Berge bebten, und ein Sturm erhob sich,
0:05:21–0:05:24
wie ihn niemand je erlebt hatte.
0:05:24–0:05:29
Er packte die riesigen Felsblöcke und warf sie in alle vier Himmelsrichtungen
0:05:29–0:05:31
auseinander, als wären es Kieselsteine.
0:05:32–0:05:37
Der Riese brüllte und fluchte, dass man es bis hinüber nach Zell und über die
0:05:37–0:05:39
Berge bis nach Schmirn hören konnte.
0:05:40–0:05:41
Doch es half ihm nichts.
0:05:42–0:05:47
Am nächsten Morgen begann er von Neuem. Wieder schichtete er die Blöcke auf.
0:05:47–0:05:50
Und wieder schickten die wilden Fräulein einen tobenden Sturm,
0:05:51–0:05:53
der sein ganzes Werk zerschlug.
0:05:53–0:05:59
Da bebte der Riese vor Zorn. Er schwor den kleinen Fräulein blutige Rache.
0:05:59–0:06:04
Er stellte sich auf den höchsten Felsen, den er finden konnte, und spähte ringsum.
0:06:04–0:06:09
Wo waren sie, diese winzigen Wesen, die es wagten, ihm zu trotzen?
0:06:09–0:06:15
Und da entdeckte er sie. In der gefrorenen Wand aus einem Loch im Fels heraus
0:06:15–0:06:17
schauten die Fräulein zu ihm herüber.
0:06:18–0:06:23
Mit einem Wutgebrüll streckte der Riese seine gewaltigen Pranken aus und kratzte
0:06:23–0:06:26
mit seinen Klauen über die Eiswand hinab, um sie zu packen.
0:06:27–0:06:31
Doch flink wie der Wind schlüpften die wilden Fräulein zurück in ihre Höhle
0:06:31–0:06:32
und waren in Sicherheit.
0:06:33–0:06:37
Die Eiswand aber trägt seither die tiefen Spuren jener Klauen,
0:06:38–0:06:42
die zahllosen Risse und Sprünge, die man noch heute in ihrem Gesicht sehen kann.
0:06:43–0:06:47
Als der Riese endlich einsah, dass er gegen die wilden Fräulein den Kürzeren
0:06:47–0:06:53
bezogen hatte und dieses Tal für immer beschützt blieb, da packte ihn ein finsterer Grimm.
0:06:54–0:06:59
Er beschloss, das Tuxertal zu verlassen. Mit lauten, zornigen Schritten stapfte
0:06:59–0:07:04
er zurück, hinauf zum Tuxerjoch und verschwand jenseits der Berge,
0:07:04–0:07:06
dort, woher er gekommen war.
0:07:06–0:07:10
Und wenn du heute als Wanderer über die Höhen des Tuxertals ziehst,
0:07:10–0:07:13
dann halte einmal Ausschau am Fels.
0:07:13–0:07:17
Denn dort, so sagt man, kann man sie noch immer erkennen.
0:07:17–0:07:22
Die gewaltigen Riesentritte, die der Tuxer Riese auf seinem zornigen Weg über
0:07:22–0:07:24
das Joch im Stein zurückgelassen hat.
Florian Clauß
0:07:24–0:07:30
Ja, das war jetzt der Tuxer Riese. Du bist noch ergriffen von der Geschichte.
0:07:30–0:07:33
Also was Schöne ist, dass jetzt die gefrorene Wand wieder auftaucht.
Micz Flor
0:07:33–0:07:34
Genau, ja.
Florian Clauß
0:07:34–0:07:35
Es geht ja ganz viel so um...
0:07:37–0:07:42
Wo man sich dann niederlässt, das Niederlassen. Also der Riese kriegt dann nur
0:07:42–0:07:46
ein Connect, wenn er sich ein Schloss baut. Das ist ja auch absurd.
0:07:46–0:07:49
Der wurde vertrieben, weil er aus Tirol wurde vertrieben.
0:07:49–0:07:55
Und dann unterjocht er dann quasi die Anwohner, damit sie ihm ein Schloss bauen.
0:07:55–0:08:00
Das ist ja so ein bisschen auch dieser Shelter, dieses Ding.
0:08:01–0:08:04
Du brauchst halt ein Haus aus Steinen, wenn du hier überleben willst.
0:08:05–0:08:08
Und dann hat sie auch diesen Kampf zwischen David und Goliath,
0:08:08–0:08:11
zwischen diesen Riesen und den Fräulein.
0:08:11–0:08:14
Und ich muss auch sagen, bei den Sagen, das ist die nächste Sage,
0:08:14–0:08:15
die wir uns dann auch nochmal anhören,
0:08:18–0:08:23
da sind die Frauen quasi diejenigen, die das lösen, die dann die Heldinnen sind
0:08:23–0:08:29
der Geschichte. Das finde ich auch hier sehr schön, dass die wilden Fräulein, was immer das ist.
Micz Flor
0:08:29–0:08:32
Ja, das fand ich auch interessant, weil auf der einen Seite kommt halt der Riese,
0:08:32–0:08:36
so ein universeller Archetyp wahrscheinlich auch bei C.G. Jung.
0:08:36–0:08:38
Ich weiß es nicht, wirst du mal nachgucken.
0:08:39–0:08:42
Und auf der anderen Seite kommen die wilden Fräulein und die ist ein Plural.
0:08:42–0:08:45
Erst als ich es gehört habe, habe ich gemerkt, dass das Wort Fräulein auch im
0:08:45–0:08:50
Plural und Singular gleich ist. Die wilden Fräulein und das ist wieder sowas,
0:08:50–0:08:52
wo man denkt, das habe ich ja noch nie gehört.
0:08:52–0:08:56
Ich denke, ihr habt dann eher so an Feen, Irland, irgendwie Wales oder so gedacht,
0:08:56–0:09:00
aber die wilden Fräulein. Aber die werden,
0:09:01–0:09:04
In dieser Region, ich weiß nicht, weißt du mehr über die?
Florian Clauß
0:09:05–0:09:06
Nee.
Micz Flor
0:09:06–0:09:08
Wie es erzählt wird, klingt so, als ob dann jeder hier wüsste,
0:09:08–0:09:09
die Eier, die wir in den Frähen haben.
Florian Clauß
0:09:09–0:09:12
Ja, das klingt so ein bisschen, aber ich kann es dir nicht sagen.
0:09:12–0:09:16
Vielleicht ist es tatsächlich so, dass es so ein feststehender Begriff ist und
0:09:16–0:09:20
im Kindergarten malt man halt die Fräulein, wie sie aus der Wand kommen,
0:09:21–0:09:23
wenn das jeder kennt oder so. Weiß ich nicht, müssten wir mal so gucken.
Micz Flor
0:09:25–0:09:28
Das würde ich auf jeden Fall in deinen Shownotes nochmal klicken.
0:09:28–0:09:33
Wenn du mehr über die wilden Fräulein, Man kann es ja selber einen Wikipedia-Artikel anlegen.
0:09:33–0:09:38
Und sonst fand ich die Geschichte so, ich hatte das Gefühl, ich kriege so keinen
0:09:38–0:09:41
richtigen Zugang, weil irgendwie fühlte es sich so an, wenn ich nicht genau
0:09:41–0:09:44
weiß, was die wilden Fräulein sind, dann ist es schwer zu verstehen,
0:09:44–0:09:46
was es bedeutet, wenn die Buben dann da hinkommen und so.
0:09:47–0:09:50
Ich fühlte mich dann in der Tat erleichtert, als die gefrorene Wand erschien.
0:09:51–0:09:55
Und dann geschieht, ah, okay. Und dann wurden da diese Kratzer reingemacht und
0:09:55–0:09:58
da kann man sich vorstellen, so Gletscherspalten, die man von der Ferne noch
0:09:58–0:10:03
sieht und dann auch, wie er wieder flieht und dann diese Fußstapfen und das sind ja auch so Sachen,
0:10:04–0:10:07
ist auch da, wo ich herkomme, Odenwald, gibt es auch das Felsenmeer,
0:10:07–0:10:10
da gibt es auch die Riesengeschichte, wo dann der die Felsen runtergeworfen
0:10:10–0:10:14
hat, auf was weiß ich, ich weiß nicht mehr genau, Schneiderlein oder irgendwas in der Art,
0:10:14–0:10:20
wo dann einfach die Natur nicht nur Natur ist, sondern dann irgendwann vor vielen,
0:10:20–0:10:26
vielen Jahren von irgendwelchen Kräften geformt wurde, hergestellt wurde.
0:10:27–0:10:28
Das ist, glaube ich, ein wichtiges Thema.
Florian Clauß
0:10:28–0:10:33
Vielleicht noch so als dramaturgischen Bogen von der Geschichte.
0:10:33–0:10:39
Es ist ja so, dass der Riese seine Macht dadurch initiiert, dass er so die Dorfbewohner
0:10:39–0:10:43
unterjocht. Das heißt, er zerschlägt quasi die Gemeinschaft.
0:10:44–0:10:48
Er sagt halt irgendwie, ihr müsst und da und hier. Und in dem Moment,
0:10:48–0:10:52
wenn dann halt diese Gruppe von jungen Männern dann auf die Fräuleins treffen,
0:10:53–0:10:57
Dann sind die erleichtert, weil die haben jetzt auf einmal so diese Funktion
0:10:57–0:11:00
und das ist, glaube ich, ganz wichtig wieder bei der Schicksalsgemeinschaft,
0:11:01–0:11:03
dass die halt so eine Gemeinschaft wiederherstellen können.
0:11:03–0:11:08
Also das heißt, dann begreifen sich die Dorfbewohner wieder als jemand,
0:11:08–0:11:12
die gegen jemand anders, also gegen den bösen Riesen kämpfen.
0:11:12–0:11:15
Also die haben auf einmal wieder eine Macht und das ist, glaube ich,
0:11:15–0:11:19
ganz wichtig für diese Identifikation in der Gemeinschaft oder sich mit der
0:11:19–0:11:22
Gemeinschaft dann halt auch quasi die Stärke der Gemeinschaft zu spüren.
0:11:23–0:11:26
Und also die Wilden Fräuleins, die in der Wand hausen, ja, also die Wand hat
0:11:26–0:11:31
ja auch, haben wir ja letzte Folge herausgearbeitet, dieses Mahnmal und gleichzeitig
0:11:31–0:11:35
ist das jetzt auch der Schutz oder überhaupt diese Keimzelle der Wilden Fräuleins,
0:11:35–0:11:37
ja, was am ehesten dann wahrscheinlich wirklich so,
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gute Berggeister sind und dann auch,
0:11:42–0:11:46
aus einer vorchristlichen Tradition mehr oder weniger kommen, ja.
Micz Flor
0:11:46–0:11:51
Ich bin gespannt, ich werde heute hier die Hüttenwirtin und morgen sind wir
0:11:51–0:11:54
anhoffen, hätte ich mal fragen, ob die den Begriff wilde Fräulein,
0:11:54–0:11:56
ob die da was anfangen kann.
Florian Clauß
0:11:56–0:11:57
Okay, du fragst.
Micz Flor
0:11:57–0:11:58
Ich frage ja genau.
Florian Clauß
0:11:58–0:11:59
Ich frage ja genau.
Micz Flor
0:11:59–0:12:00
Fräulein, kennen Sie wilde Fräulein?
Florian Clauß
0:12:02–0:12:08
Ja, und ich meine, natürlich kann man da alles möglich so auch reininterpretieren.
0:12:08–0:12:12
So jetzt der Riese quasi, also wenn du dann halt irgendwie so der Riese,
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wir hatten ja auch vorhin auf unserer Wanderung über,
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freudsche Modell, ja, der Riese ist quasi so das Es, was dann halt kommt, ja,
0:12:22–0:12:27
was unkontrollierbar erst mal ist und das Ich ist so die Dorfgemeinschaft und
0:12:27–0:12:30
das Über-Ich, dann halt könnten die wilden Fräulein sein.
Micz Flor
0:12:32–0:12:35
Kann man versuchen, so draus zu sagen. Ich hatte eher so dieses Bild,
0:12:35–0:12:39
als ob das auf irgendwas sich bezieht, was mal passiert war,
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als das Tal überfallen wurde vom Süden.
0:12:42–0:12:47
Also als ob irgendwie dann Südtirol, Italien, keine Ahnung, wie das früher aufgeteilt
0:12:47–0:12:50
war, aber dass da irgendwie ein Überfall war und dass,
0:12:51–0:12:54
dann hier ein Schloss gebaut wurde, als ob so ein Königreich hier sich so reinschwappte
0:12:54–0:12:59
und das wurde dann über die Zeit, wurde daraus so ein Riese.
0:12:59–0:13:05
Aber das war eher so meine Assoziation, ob es da so den Wahrheitskern da drin
0:13:05–0:13:10
gab, dass dieses Tal mal überfallen wurde und wirklich unterjocht wurde.
Florian Clauß
0:13:10–0:13:14
Ja, vielleicht das. Oder wenn wir das halt wirklich bei den Naturereignissen
0:13:14–0:13:18
lassen, vielleicht war das ja auch irgendwie die kleine Eiszeit und im Zillertal
0:13:18–0:13:21
sind die Gletscher, siehst du ja.
0:13:21–0:13:23
Und vielleicht sind die dann halt rübergewandert.
0:13:24–0:13:26
Vielleicht ist es auch so zu verstehen.
Micz Flor
0:13:26–0:13:29
Ja, stimmt. Das kann auch sein. Wobei die Gletscher dann für die wilden Fräulein
0:13:29–0:13:31
auch ein Schutz sind. Die sind nicht so betrotisch.
Florian Clauß
0:13:31–0:13:33
Genau. Also da wieder die Ambivalenz.
Micz Flor
0:13:33–0:13:35
Und er geht auch wieder zurück. Genau.
Florian Clauß
0:13:36–0:13:38
Er wird wieder zurückgetrieben.
Micz Flor
0:13:38–0:13:39
Er geht wieder zurück.
Florian Clauß
0:13:39–0:13:43
Da wo er herkam. Genau. Er geht wieder nach Tirol. Ja. Das ist ja auch gut.
0:13:44–0:13:46
Also was wollen wir denn hier mit dem Tuxer Riesen?
0:13:47–0:13:48
Aber er kriegt den lokalen Namen.
0:13:49–0:13:52
Nach dem Tuxer Riesen. Und ich meine...
Micz Flor
0:13:52–0:13:55
Vielleicht nochmal ganz kurz zu den Tuxer Alpen, weil wir vorhin auch an so einem...
0:13:55–0:14:00
An so einer Zeichnung vorbeigekommen sind, weil es ist ja schon auch erstaunlich, dass es so,
0:14:01–0:14:04
Was ich manchmal auch ein bisschen seltsam finde, wenn man dann so mit dem Zug
0:14:04–0:14:08
ankommt und dann ist man so ganz unten, da gibt es dann natürlich Bahnhof und
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alles und dann fährst du mit dem Taxi und mit dem Bus so hinein in die Berge
0:14:12–0:14:13
und irgendwann hört es so auf.
0:14:13–0:14:16
Irgendwann ist es nicht mehr erschlossen, obwohl es jetzt auch Jahrhunderte
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später nach diesem Märchen auch natürlich viel mehr erschlossen ist und auch
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Tourismus hier drin ist oder sowas.
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Und dann ist es hier aber auch so, dass das ja dann hinten raus,
0:14:25–0:14:28
also so mittendrin ist man so bei 2000 Meter höher.
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Wir sind jetzt bei 1700, gestern waren wir glaube ich bei 2100.
0:14:33–0:14:37
Aber nach hinten schiebt sich das wirklich hoch dann bis über 3000.
0:14:37–0:14:42
Der große Löffler, Rauchkofel und die Napfspitz, die sind halt dann über 3000.
0:14:42–0:14:47
Das ist natürlich schon, glaube ich, wenn du, je weiter du dann Richtung Süden
0:14:47–0:14:50
gegangen bist, glaube ich, in den Tuxoalpen, desto höher wurde das,
0:14:50–0:14:52
desto unwirtlicher wurde das und das war,
0:14:53–0:14:57
Einerseits Richtung Sonne, aber andererseits wirklich geöffnet,
0:14:57–0:15:01
auch wahrscheinlich für den Markt, für die Kirche, für der Bezug zum Rest der
0:15:01–0:15:03
Welt, was immer das auch war damals.
0:15:03–0:15:06
Das war alles dann irgendwie im Tal unten. Und das ist vielleicht hier dann
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nochmal anders als in Regionen, wo wirklich alles oben ist oder alles flach ist.
0:15:10–0:15:17
Aber dieser mehrere tausend Meter Unterschied, das macht schon was,
0:15:17–0:15:18
wenn man das mal auf dem Bild so sieht, finde ich.
Florian Clauß
0:15:19–0:15:24
Ja, naja, also man sieht hier die Gipfel, wie sie raus, wir stehen gerade hier vor dieser Karte.
0:15:24–0:15:28
Die Gipfel aus den Zillertaler Alpen daraus ragen, ja.
0:15:28–0:15:32
Also kann man sich schon gut vorstellen, wie die Krise hier langstapft und einfach runtergeht.
0:15:33–0:15:40
Aber was würdest du jetzt nochmal so um so eine, ich sag mal so eine psychologische Dimension,
0:15:41–0:15:45
also diese Sexualität, die der Riese auch irgendwie in seiner Falle,
0:15:45–0:15:49
Wir haben ja so einen Gegenpol zwischen den Fräulein und dem Riesen, das,
0:15:51–0:15:56
Männliche, was dann halt bauen will, eine unglaubliche Frustration mit sich rumträgt.
0:15:58–0:16:02
Und das Weibliche, was dann aber auch in seiner, ich sag mal so übertrieben
0:16:02–0:16:07
in seiner Art, da auch Gemeinschaft zu bilden und miteinander zu kooperieren,
0:16:07–0:16:13
dann auch das Männliche oder das Bedrohliche dann so besiegen kann.
0:16:14–0:16:16
Durch das Feine, Filigrane.
0:16:17–0:16:23
Und dann aber gleichzeitig diese Kratsch-Buh und das hat ja auch schon was extrem Penetratives.
0:16:24–0:16:26
Wenn du halt irgendwie so diese Frust sattst und die du dann nochmal in den
0:16:26–0:16:31
Berg reinhaust und dann wegstapst und ich finde hier keinen zum Besamen.
Micz Flor
0:16:33–0:16:36
Okay. Du öffnest jetzt so ganz viele Tücher. Und ich lädst mich ein,
0:16:36–0:16:39
da was so durchzugehen und sage, mach mal hier irgendwas mit Libido.
0:16:41–0:16:43
Und du als Psychotherapeut.
Florian Clauß
0:16:43–0:16:45
Mach da mal dein Handwerk.
Micz Flor
0:16:45–0:16:49
Ja, das hieße, Also wenn jetzt jemand sagt, ich hatte diesen Traum,
0:16:49–0:16:50
da müsste ich jetzt mit anfangen.
0:16:50–0:16:54
Dann müsste ich allerdings natürlich wissen, bei welchem Hintergrund dieser
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Traum entstanden ist. Ich bin nicht C.G. Jung, der jetzt das als Archetypen
0:16:57–0:17:01
abschließt, sondern ich würde das natürlich irgendwie so einfassen. Da fehlt mir was.
Florian Clauß
0:17:01–0:17:04
Ja, vielleicht wollen wir es eher so im narrativen Raum lassen.
0:17:04–0:17:10
Also wie ein Storyboard schreiben. Und wir müssen jetzt nochmal so diesen ganzen Subtext entwickeln.
Micz Flor
0:17:11–0:17:14
Also ich finde es erstmal interessant, dass der Riese ist natürlich dann auf
0:17:14–0:17:18
einmal der Herrscher hier, wildes Königs und keiner kann sich ihm entgegenstellen
0:17:18–0:17:19
und man braucht diese wilde Fräulein.
0:17:20–0:17:25
Aber gleichzeitig wurde er vertrieben. Also die Frage jetzt in diesem Bild,
0:17:25–0:17:28
du wolltest ja so ein bisschen so eine psychodynamische Deutung von der Dianza.
Florian Clauß
0:17:28–0:17:30
Ja, von dir vor allen Dingen.
Micz Flor
0:17:30–0:17:36
Genau und der Riese, der über die Berge drüber kommt, der kommt ja von irgendwo, wo er vertrieben wurde.
Florian Clauß
0:17:36–0:17:37
Ja, Tirol.
Micz Flor
0:17:38–0:17:43
Ja, der wurde in Tirol vertrieben, kommt über die Berge und ist dann in diesem Tal. In diesem Tal.
Florian Clauß
0:17:43–0:17:46
Im Biesental, ja nicht im Biesental bei Berlin.
Micz Flor
0:17:46–0:17:49
Gibt es ja diese Bauern, die dann wollen, dass er halt eben diese,
0:17:49–0:17:53
die sollen die Steine für ihn zusammentragen, dass er sich so ein Schloss bauen kann.
0:17:53–0:17:57
Und das sind die saarligen Frauen. Das heißt...
0:17:58–0:18:07
Die weibliche Allianz mit den steinetragenden Almern da in diesem Tal,
0:18:07–0:18:12
die vertreibt dann wieder den Riesen zurück, da wo er hergekommen war.
Florian Clauß
0:18:12–0:18:18
Ja, weil die die Macht haben, die Frauen, dieses Schloss aus den Steinen immer
0:18:18–0:18:20
wieder auseinander fliegen zu lassen.
Micz Flor
0:18:20–0:18:26
Und was mir da jetzt so eingefallen ist, was irgendwie, also was das so anstößt,
0:18:26–0:18:29
ich weiß nicht, ob das wirklich gut dazu passt, ist dann ein bisschen Lacan.
0:18:30–0:18:36
Weil Lacan hat ja gerne auch diese freie Assoziation, die bei Freud ja viel
0:18:36–0:18:40
auch über Dinge geht. Man assoziiert jetzt eine Banane, ist das ein Penis,
0:18:41–0:18:44
vielleicht eine Vase, ist das eine Gebärmutter oder eine Vulva.
0:18:44–0:18:49
Aber Lacan war viel mehr daran interessiert, weil er auch viel eben über diese
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Semiotik gegangen ist mit Klangähnlichkeiten.
0:18:54–0:18:59
Und deshalb gibt es diese Klangähnlichkeiten. Im Französischen kann man es nicht
0:18:59–0:19:05
genau, wenn man es sagt, unterscheiden. Heißt es der Name des Vaters oder das Nein des Vaters?
0:19:05–0:19:07
Aber in beiden Fällen kommt der Vater vor.
0:19:08–0:19:14
Der Name des Vaters und das Nein des Vaters, das wird immer eben von Lacan mit
0:19:14–0:19:19
diesem ödipalen Dreieck, was Freud ja auch schon aufbaut, zusammengebracht.
0:19:20–0:19:27
Und auch die Anthropologen und Soziologen der damaligen Zeit, Lacan Mitte 20.
0:19:27–0:19:30
Jahrhundert, hatten sich irgendwie auch darauf geeinigt, dass es sowas wie ein
0:19:30–0:19:35
Inzestverbot gibt, was eins der wenigen Gesetze ist, die auch kulturübergreifend,
0:19:35–0:19:37
implementiert scheinen.
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Und dieses INSES-Gesetz ja irgendwie dann auch eben den Menschen von den Tieren
0:19:41–0:19:46
abhebt und dann wirklich auch diese Idee von der Generationenfolge und dadurch
0:19:46–0:19:50
auch die Idee von Vererbung und von Fortschritt irgendwie in der Kultur des
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Menschen implementiert.
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Lacan spricht dann eben vom Nein des Vaters. Also das Kind, der Junge,
0:19:57–0:20:02
der Sohn, darf sich nicht mit der Mutter verbünden.
0:20:03–0:20:08
Schon gar nicht sexuell. Der Vater hat da was dagegen. Der sagt Nein.
0:20:08–0:20:13
Und der Name des Vaters, da könnte ich jetzt noch diese Analogie machen.
0:20:13–0:20:17
Was ist denn der Name des Vaters in dieser Sage, die du beschrieben hast?
0:20:18–0:20:20
Und dann kam so ein Familienbild auf eben von diesem Riesen.
0:20:20–0:20:22
Der Riese war scheinbar vorher schon mal in einer Beziehung,
0:20:23–0:20:26
die hat ihn rausgeschmissen und er kam auch schon mit schlechtem Ruf da an.
0:20:27–0:20:31
Aber er wurde irgendwie aufgenommen als der Vater in diesem Oedipalen zwischen
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den Bauern und den saarligen Frauen.
0:20:35–0:20:39
Und er ist dann als Vater irgendwie implementiert worden, aber das hat so überhaupt gar nicht gepasst.
Florian Clauß
0:20:41–0:20:41
Ja.
Micz Flor
0:20:41–0:20:49
Und dieses Nicht-Passen, also seine Macht, sein Name sozusagen oder sein Nein hatte keinen Wert.
Florian Clauß
0:20:49–0:20:51
Also der Riese ist der Vater.
Micz Flor
0:20:51–0:20:53
Der Riese wäre dann der Vater. Und
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was passiert ist, dass es einfach im Familiengefüge nicht geklappt hat.
0:20:57–0:21:01
Und sein Nein und sein Name hatten keinen Wert. Die waren nicht stark,
0:21:01–0:21:04
die waren nicht mächtig, die wurden nicht angenommen, die wurden nicht respektiert.
0:21:05–0:21:09
Und so sehr er auch das Maskuline exerzierte mit seinem Schloss und seinen Steinen,
0:21:09–0:21:16
die er brauchte, war es trotzdem so, dass dieses Gefüge, das Oedipale-Gefüge da nicht zustande kam.
0:21:16–0:21:21
Und dass halt dann, wenn man weiterdenken würde, die Alma-Bauern,
0:21:22–0:21:27
die die Steine schleppen, dann dummerweise die Oedipale-Phase nicht abschließen können,
0:21:28–0:21:32
und dann bei allen möglichen inneren Konflikten wieder auf diese zurückgeworfen werden.
0:21:33–0:21:37
Aber das wäre jetzt so ein Nachtrag für diese Sage noch.
Florian Clauß
0:21:37–0:21:41
Dann gehen wir weiter. Aber es kommen wieder so zwei Motive,
0:21:41–0:21:44
die wir jetzt aus den vorangegangenen Sagen schon gehört haben,
0:21:44–0:21:46
nämlich Frauen und Wand, die Frauenwand.
Micz Flor
0:21:46–0:21:47
Die Frauenwand, okay.
Florian Clauß
0:21:47–0:21:55
Das ist auch tatsächlich die längste von den drei Sagen hier. Das spiele ich jetzt ab.
Text2Speech
0:21:55–0:22:01
Die Sage von der Frauenwand. Es war zu jener Zeit, als Hintertux noch zur Gemeinde
0:22:01–0:22:06
Schmirn gehörte, und das hintere Schmirntal droben vom kleinen Kassärer herab,
0:22:07–0:22:09
noch tief in Eis und Schnee lag.
0:22:10–0:22:15
Die Wege über die Berge waren beschwerlich und gefährlich, und mancher,
0:22:15–0:22:22
der das Tuxerjoch überqueren wollte, fand den rechten Pfad nicht und kam vom Weg ab.
0:22:23–0:22:28
In jenen Tagen lebte im Dorf eine junge Magd, die Tochter des Batzenbauern.
0:22:29–0:22:33
Den Sommer über hatte sie drüben in Matrei am Brenner in Diensten gestanden,
0:22:33–0:22:37
hatte hart gearbeitet und sich ihren kargen Lohn verdient.
0:22:38–0:22:43
Nun aber im Spätherbst sehnte sie sich nach Hause und so machte sie sich auf
0:22:43–0:22:47
den langen Weg über das Tuxerjoch zurück in ihr Heimattal.
0:22:48–0:22:51
Noch vor dem ersten Hahnenschrei brach sie auf.
0:22:51–0:22:56
Doch als sie nach Schmieren kam, lag ein so dichter Nebel über dem Tal,
0:22:57–0:22:59
dass man die Hand nicht vor Augen sah.
0:22:59–0:23:03
So kehrte das Mädchen bei einer Verwandten ein, aß ein wenig,
0:23:04–0:23:09
wärmte sich und plauderte, in der Hoffnung, der Nebel möge sich heben.
0:23:09–0:23:14
Doch statt sich zu lichten, stieg der Nebel immer höher und es wurde beinahe
0:23:14–0:23:17
finster, obwohl es noch Tag war.
0:23:17–0:23:21
Da erzählten ihr die Verwandten mit gedämpfter Stimme eine seltsame Geschichte.
0:23:22–0:23:27
Oben in der Nähe der Schmirner Wand sollten einige Frauen hausen.
0:23:28–0:23:32
Man hatte sie im Sommer bisweilen von Weitem gesehen, doch niemand wusste,
0:23:32–0:23:34
wer sie waren oder woher sie kamen.
0:23:35–0:23:38
Man erzählte sich Gutes von ihnen und auch Böses.
0:23:39–0:23:45
Alle aber, das Gute wie das Böse, hatten großen Respekt vor den Frauen an der Wand.
0:23:46–0:23:49
Am Nachmittag drängte die Zeit und die Magd wollte nicht länger warten,
0:23:49–0:23:52
um noch bei Tageslicht über das Joch zu kommen.
0:23:52–0:23:58
Sie nahm ihr Bündel, darin ihre wenigen Habseligkeiten, etwas Brot und der ganze
0:23:58–0:24:01
Lohn ihrer Sommerarbeit und machte sich auf den Weg.
0:24:02–0:24:07
Anfangs fand sie den Pfad noch gut. Doch dann, im dichten Nebel,
0:24:07–0:24:11
verfehlte sie die Abzweigung hinauf zum Tuxerjoch.
0:24:11–0:24:16
Lange irrte sie umher, und mit jedem Schritt wuchs ihre Angst.
0:24:17–0:24:22
Es begann zu regnen, und weiter oben, das wusste sie, würde der Regen zu Schnee werden.
0:24:23–0:24:27
Todmüde und verzweifelt schleppte sie sich voran, ohne zu wissen, wohin.
0:24:27–0:24:32
Da, für einen kurzen Augenblick, lichtete sich der Nebel.
0:24:33–0:24:36
Und die Magd erblickte einen großen, dunklen Stein.
0:24:37–0:24:41
Und da wusste sie mit einem Mal, wo sie war. Sie stand vor der Schmirner Wand,
0:24:42–0:24:45
jener Wand, von der die Verwandten gesprochen hatten.
0:24:46–0:24:51
Und im selben Moment erkannte sie im Grau die Umrisse einer Gestalt.
0:24:52–0:24:56
Zögernd, das Herz voller Furcht und Hoffnung zugleich, ging sie darauf zu.
0:24:57–0:25:02
Und wie erleichtert war sie, als sie sah, dass es nur eine alte Frau war.
0:25:02–0:25:09
Höflich grüßte die Magd und bat sie demütig, ob sie hier wohl eine Weile rasten dürfe.
0:25:10–0:25:15
Die Alte nickte nur stumm. So setzte sich das Mädchen und nahm ihr Bündel auf den Schoß.
0:25:16–0:25:21
Da begann die alte Frau leise und traurig zu erzählen, sie sei drunten in Schmieren
0:25:21–0:25:26
von Haus zu Haus gegangen und habe um ein Stück Brot gebeten.
0:25:26–0:25:32
Doch weil sie nichts zu zahlen hatte, sei sie überall abgewiesen und fortgeschickt worden.
0:25:33–0:25:38
Und nun bat sie das junge Mädchen um ein kleines Stück von ihrem Brot.
0:25:39–0:25:44
Die Magd besann sich keinen Augenblick. Zwar war das Brot in ihrem Bündel alles,
0:25:44–0:25:51
was sie für den langen Heimweg hatte, doch ohne zu zögern brach sie es und teilte es mit der armen Alten.
0:25:52–0:25:58
Ja, sie entschuldigte sich sogar, dass sie ihr nicht von selbst gleich etwas angeboten hatte.
0:25:59–0:26:04
Stillschweigend aß die alte Frau, und als sie fertig war, erhob sie sich und
0:26:04–0:26:06
gab der Magd ein Zeichen, ihr zu folgen.
0:26:07–0:26:09
Und nun geschah das Wunderbare.
0:26:10–0:26:16
Die alte Frau ging voran, sicher und ohne zu zögern, mitten durch den schuhtiefen
0:26:16–0:26:21
Schnee und den dichten Nebel, als kenne sie jeden Stein und jede Wegbiegung.
0:26:21–0:26:25
Die Magd folgte ihr, und beide stiegen höher und immer höher.
0:26:26–0:26:30
Nach einer Weile standen sie oben auf dem weiten Plateau des Tuxerjochs.
0:26:30–0:26:34
Unbeirrt führte die Alte sie weiter bis hinüber zum Gatterleck.
0:26:35–0:26:40
Dort riss der Nebel auf. Und tief drunten in der Niederung sah die Magd die
0:26:40–0:26:42
spärlichen Lichter von hinter Tux blinken.
0:26:43–0:26:45
Die Lichter ihrer Heimat.
0:26:45–0:26:49
Vor Freude und Dankbarkeit fiel sie der alten Frau um den Hals.
0:26:49–0:26:52
Doch da erschrak sie. Ihr Bündel!
0:26:53–0:26:57
In der Aufregung hatte sie es unten am Rastplatz vor der Schmirner Wand liegen lassen.
0:26:58–0:27:02
Ihre Habseligkeiten, ihr ganzer Lohn, alles war fort.
0:27:03–0:27:07
Was würde der Vater sagen? Wovon sollte die Familie den Winter überstehen?
0:27:08–0:27:12
Die alte Frau aber tröstete sie sanft. Mach dir keine Sorgen,
0:27:12–0:27:15
mein Kind. Niemand wird dich schelten.
0:27:16–0:27:20
Und ehe die Magd sich versah, war die Alte im Nebel verschwunden.
0:27:21–0:27:25
Schweren Herzens, doch dankbar für ihre Rettung, machte sich das Mädchen an
0:27:25–0:27:29
den letzten Abstieg und kam spät am Abend in ihrem Elternhaus an,
0:27:30–0:27:32
wo man sie voller Freude empfing.
0:27:32–0:27:37
Von der Müdigkeit überwältigt, schlief sie noch am Stubentisch ein.
0:27:37–0:27:39
In jener Nacht aber setzte der Föhn ein.
0:27:40–0:27:46
Zuerst nur zaghaft, dann immer mächtiger, bis er nach Mitternacht zum tosenden Sturm anwuchs.
0:27:46–0:27:51
Der warme Wind fegte alle Novemberwolken davon, und der neue Tag brach an,
0:27:52–0:27:57
so schön und golden, wie man es im Spätherbst kaum je erlebt.
0:27:57–0:28:01
In den Höhen aber schmolz der Schnee, und die Wege wurden wieder frei und trocken.
0:28:02–0:28:08
Zwei Tage danach, die Hintertuxer waren gerade dabei, die vom Sturm zerzausten
0:28:08–0:28:13
Dächer auszubessern, schickte der Batzenbauer seine ältesten Buben hinauf zum
0:28:13–0:28:15
Leitenstall, um nach dem Dach zu sehen.
0:28:16–0:28:20
Als die Burschen ihre Arbeit getan hatten und wieder zu Tal steigen wollten,
0:28:21–0:28:26
begegneten ihnen oberhalb von Hintertux drei vornehm gekleidete Frauen.
0:28:26–0:28:32
Sie sahen aus, als wären sie von adeligem Stand, und eine von ihnen trug ein großes Bündel.
0:28:33–0:28:38
»Wo finden wir in Hintertux den Batzenbauern?«, fragte eine der Frauen.
0:28:38–0:28:43
»Kommt mit«, antworteten die Buben verwundert, »wir zeigen euch den Weg.«.
0:28:44–0:28:48
Und gemeinsam gingen sie hinab ins Dorf. Daheim waren die Mutter und die Magd
0:28:48–0:28:53
gerade dabei, ein bescheidenes Mittagessen anzurichten, als die drei Frauen
0:28:53–0:28:55
mit den Buben in die Küche traten.
0:28:55–0:28:57
Auch der Vater kam eben herein.
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Er betrachtete die noblen Damen und fragte, was sie wünschten.
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Wir suchen den Batzenbauern, sagte eine.
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Der bin ich, antwortete der Mann. Ihr habt einen weiten Weg hinter euch und seid gewiss hungrig.
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Wir haben nur ein karges Mahl, doch ich bitte euch, mit uns zu essen.
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Und so setzten sich alle zu Tisch, machten das Kreuzzeichen und die Mutter schöpfte
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allen von der Milchsuppe aus der großen Schüssel.
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Man aß schweigend. Als sie fertig waren, gingen der Vater und die drei Damen in die Stube.
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Eine von ihnen legte das große Bündel auf den Tisch. Der Bauer fragte,
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ob sie vielleicht zum Gefolge des Grafen von Matrei gehörten und warum sie zu
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so später Jahreszeit noch über das Joch gestiegen seien, bei Schnee und Sturm.
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Guter Mann, erwiderte eine der Frauen mit einem feinen Lächeln.
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Uns kann kein Wetter etwas anhaben, kein Schnee und kein Wind. Ruf uns deine Tochter.
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Die Magd trat in die Stube. Und die Frauen öffneten das Bündel.
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Wie staunte das Mädchen, als sie darin alle ihre verlorenen Habseligkeiten wiederfand.
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Und nicht nur das, dazu legten die Frauen einen ganzen ballenfeinen Loden auf den Tisch.
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Ein Wirktuch und viele nützliche Dinge mehr.
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Dem Vater verschlug es die Sprache.
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Endlich stammelte er. Womit habe ich das nur verdient?
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Du nicht, Bauer, antwortete die Frau. Deine Tochter hat es verdient.
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Sie gab mir von ihrem letzten Brot und zeigte Dankbarkeit, als ich sie im Nebel über das Joch führte.
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Sie ist ein gutes Kind.
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Und sie reichten der Magd, ein glänzendes Goldstück und mahnten sie, sei sparsam damit.
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Die Brüder aber waren neugierig geworden und wollten wissen,
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wohin die drei Damen gehörten.
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Sie liefen ihnen heimlich nach und versteckten sich in einer Mulde am Joch.
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Und siehe, nicht lange. Da kamen die drei Frauen über den Jochboden herangeschwebt,
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die Füße kaum den Boden berührend.
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Der Jochwind trug ihre Worte herüber, sodass die Buben alles verstehen konnten.
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Wenn jemand gut zu uns ist, sagte die eine, so soll ihm niemals ein Leid geschehen.
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Im nächsten Augenblick waren die Frauen verschwunden. Die Buben schlichen an
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den Rand des Grates und sahen gerade noch, wie die drei am Fuß des Schmirner
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Schrofens verschwanden, geradewegs in den Fels hinein.
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Sofort eilten sie heim und erzählten, was sie gesehen hatten.
0:31:41–0:31:45
Und von jener Zeit an hörte man immer öfter von Wanderern, die auf wundersame
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Weise aus höchster Bergnot gerettet worden waren und von verirrten Tieren,
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die man auf unerklärliche Weise wiederfand.
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Und immer, so hieß es, sei eine Frau im Spiel gewesen, die zuletzt im Schmirnerschrofen verschwand.
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Von dieser Zeit an nennen die Leute jenen Schmirnerschrofen nur noch die Frauenwand.
Florian Clauß
0:32:08–0:32:12
Ja, irgendwie hängen die auch alle zusammen, obwohl die wahrscheinlich von der
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Lokalisation nicht die gleichen gefrorene Wand, Frauenwand.
Micz Flor
0:32:16–0:32:19
In der letzten Hütte gab es auch die graue Wand, so wie ist das Lager unten.
Florian Clauß
0:32:21–0:32:26
Aber man könnte den Eindruck gewinnen, dass quasi diese Kalorienpumpe,
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Butter gefroren in der Wand, dann halt so diese Berggeiße erzeugt,
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die dann halt Gutes tun für die Menschen hier. Also dann noch so diesen Spirit mit verbreiten.
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Ich finde das so ganz schön, dass sich das jetzt so ergänzt,
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diese drei Geschichten.
Micz Flor
0:32:41–0:32:45
Ja, ich fand, das macht dann nochmal was Neues auf jetzt, weil die Frage war
0:32:45–0:32:48
ja eben noch bei der letzten, was ist so diese Riese und die Steine und dann
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ein Schloss draus machen.
0:32:50–0:32:53
Und jetzt sind diese drei Frauen, also Frauen scheinen auch eine wichtige Rolle
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in der Regierungsführung, mal gucken.
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Und die dann so fast die Füße, fast den Boden nicht berühren,
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dann da so hoch schweben.
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Und wir stehen jetzt ja hier auch, da ist diese Tale, sind die Wolken.
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Und dann habe ich gedacht, das ist vielleicht dann doch irgendwie so eine Sache
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von die Steine, der Riese, der trampelt die Lawine.
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Und die Wolken,
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während wir hier sind, war es wieder ganz weiß, jetzt ist es wieder sichtbar.
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Ich habe ein paar Fotos gemacht, vielleicht können wir die da zulegen.
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Also das vielleicht wirklich...
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Der Bezug zur Natur ist. Dass halt diese Wolken, Fetzen, die dann irgendwie
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sich da auf einmal drüberlegen, hochdrücken oder von oben runterkommen,
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so dieses Weibliche sind und der Riese und die Steine und das,
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was dann so in Lawinen runterkommt,
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was eher destruktiv ist, das ist dann so das Männliche, wenn man das so ein
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bisschen aneinander reiben möchte.
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Und ich finde es interessant, dass da auch wieder so viele Frauen drin sind.
0:33:50–0:33:53
Klar, bei Märchen sind es ja oft Frauen. Da gibt es immer die Schwiegermutter,
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die Königin. das Mädchen, also Rotkäppchen so.
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Männer sind da eher so marginal oft.
Florian Clauß
0:34:01–0:34:05
Nee, nee, nee. Also du hast eigentlich immer die erlösende Rolle beim Mann.
Micz Flor
0:34:05–0:34:07
Ja, genau. Aber der ist dann eher so.
Florian Clauß
0:34:07–0:34:11
Also es gibt dann immer so derjenige, das heißt, Hänsel und Gretel ist ja einer
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der wenigen, wo dann halt quasi sich die Kinder ermächtigen.
Micz Flor
0:34:14–0:34:14
Das zu machen.
Florian Clauß
0:34:14–0:34:19
Ja, auch das Gretel einfach, was dann halt diesen Schritt macht.
Micz Flor
0:34:19–0:34:20
Ja, Hänsel und Gretel finde ich
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es wirklich auch nochmal eine andere Art Märchen, obwohl es da immer Ja.
Florian Clauß
0:34:24–0:34:25
Es ist nicht wahr, genau.
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Also es ist sehr ungewöhnlich, dass dann halt auch so die Frauen dann tatsächlich
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diese magische Erlösung herbeiführen.
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Man kann sich das auch als Anime dann so super vorstellen.
Micz Flor
0:34:36–0:34:36
Ja, das stimmt.
Florian Clauß
0:34:36–0:34:39
Das heißt, die schweben dann halt einfach über dem Boden.
Micz Flor
0:34:40–0:34:43
Ja, oder auch wieder Anknüpfung an die allererste Geschichte in der letzten
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Folge, Episode 112, diese Kirche.
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Wo ich ja meinte, irgendwie ist diese Kirche so klein und so verletzlich und
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gleichzeitig aber auch steht der große Berg, steht zur Kirche und gefriert alles ein und es schneit.
0:34:58–0:35:02
Dass diese heiligen drei Könige, dass das diese drei Damen sind.
0:35:03–0:35:10
Also so ein bisschen, als ob da sich unterschiedliche Narrative miteinander verweben.
0:35:10–0:35:16
Also ob da eben auch dann auf einmal so christliche Bilder und Geschichten irgendwie
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sich mit Naturgeschichten, die wirklich hier verortet sind, mit dem Tuxerjoch.
Florian Clauß
0:35:20–0:35:26
Ja, das überlagert sich da. Aber was immer, glaube ich, so herausreben ist, ist, dass eben,
0:35:26–0:35:32
Genau das, was du dann gibst, bekommst du zurück und da wirst du aber noch belohnt.
0:35:32–0:35:36
Und der Bauer, der erst mal sagt, super, weil da muss ich das verdienen.
0:35:36–0:35:40
Und die so, nee, nee, nee, du nicht, du hast jetzt noch nicht deine moralische
0:35:40–0:35:44
Integrität bewiesen. Aber deine Tochter hat es getan.
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Das ist ja wieder so das ganz starke Bild der Schicksalsgemeinschaft.
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Das heißt, du gibst was, du kriegst was, du bist für andere da und du kriegst auch was zurück.
0:35:55–0:36:01
Das ist, glaube ich, so das Sinnbild von dieser Geschichte, würde ich mal so hervorheben.
Micz Flor
0:36:02–0:36:07
Ja, es ist so ein bisschen wie auch so Frau Holle oder so. Also das Mädchen
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macht alles richtig, holt das Brot und macht so und dann kriegt es dann Gold
0:36:11–0:36:14
und dann kommt halt die Pechmarie und kriegt nur das Pech. Also diese...
Florian Clauß
0:36:14–0:36:19
Genau, dieses Karma, diese Ursache, Wirkung und nur so, wie du dich...
0:36:19–0:36:25
Also quasi so die Verstärkung von Moral. Also wenn du dich halt so gut verhältst,
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dann wird das eben belohnt.
0:36:26–0:36:31
Das heißt da im Original auch salig, also nicht selig, sondern salig.
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Und salig ist auch nochmal so ein Wurzelwort, was dann sehr altertümlich ist.
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Also auch auf so einen vorchristlichen Kontext dann deutet, was ich darüber gelesen habe.
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Die saligen Fräuleins, die saligen Frauen, die dann halt auch.
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Und was muss ich ja erwähnen, das ist ja immer grundsätzlich bei Märchen,
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haben wir auch immer mit Konstellationen, aber Navigationssystemen.
0:36:54–0:36:59
Das heißt, du bist in einer Situation, häufig ist ganz wichtig,
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dass du irgendwo navigieren kannst in den Bergen.
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Und wenn du die Navigation verlierst, dann bist du eigentlich lost.
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Und dann kommt sie quasi, die Alte als die Laterne, die dann halt den Weg führt.
0:37:12–0:37:13
Und das ist dann halt auch...
0:37:14–0:37:18
Einfach ein total wichtiges Motiv in den Bergen, nach Hause zu finden.
Micz Flor
0:37:18–0:37:22
Also was ich mitnehme, von den drei Sagen, ich glaube, jeder einzeln für sich,
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verwundert mich so ein bisschen. Also habe ich das Gefühl, ich kann mich nicht
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so ganz mit verbinden oder anklingen. Aber,
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diese Natur auf der einen Seite, die Kirche auf der anderen Seite,
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die kommt ja irgendwie vor.
0:37:38–0:37:42
Diese zarte Prise von christlichen Narrativen, die da so reinkommt.
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Und trotzdem aber dann auch diese große Dominanz von diesen,
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also die wilde Fräulein und jetzt die drei Frauen, also die Rolle von Frauen in diesem Ganzen.
0:37:55–0:37:59
Die waren in der ersten Geschichte komplett abwesend. Also diese ganze Hochmut,
0:37:59–0:38:02
das waren nur die Jungs und die Alma, die halt dann rumgeschmissen haben.
0:38:02–0:38:05
Und dann aber in den anderen ist es so, als ob das Weibliche hier irgendwie,
0:38:06–0:38:08
eine besondere Rolle spielt.
Florian Clauß
0:38:08–0:38:12
Ja, ich weiß nicht, ob das jetzt diese Lektionen dieser Sagen sind,
0:38:12–0:38:13
aber ich fand es auch schön,
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dass es dann halt wirklich diese Geschichten sind und dann auch die gut ausgehen,
0:38:19–0:38:24
also die beiden letzten sind da, die halt irgendwie gut ausgehen, das Bewahren,
0:38:26–0:38:33
das Kommunikative, das dann Unterstützende, das Soziale, das Element wird dann
0:38:33–0:38:37
halt so verweiblicht, also als weiblich konnotiert dargestellt.
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Ist ja eigentlich auch genau das, was hier auch eigentlich so zum Überleben
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dann nötig ist für eine Gemeinschaft, ja.
Micz Flor
0:38:46–0:38:51
Ist auch interessant, weil ich ja in der nächsten Folge, die ihr in zwei Wochen
0:38:51–0:38:56
sehen könnt, äh, ja, sehe nicht, weil da geht es auch um Androgynität,
0:38:56–0:39:01
also um dieses Thema, was sind männliche Attribute, was sind weibliche Attribute.
0:39:02–0:39:05
Ich finde es ein sehr verwirrendes Thema, aber genau deshalb möchte ich es natürlich
0:39:05–0:39:07
mit meinem Freund Flo diskutieren,
0:39:07–0:39:13
Im Rahmen der Verfertigung der Gedanken beim Reden ist es immer wieder so,
0:39:13–0:39:18
dass ich merke, dass meine Gedanken interessanter werden, wenn ich sie mit dir teile.
Florian Clauß
0:39:18–0:39:20
Oh, schön. Das nehme ich jetzt mal als Kompliment.
Micz Flor
0:39:21–0:39:22
Ich baue dir ein Schloss.
Florian Clauß
0:39:22–0:39:25
Ich kann das auch zurückgeben. Du mein Verstärker mit.
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Okay, ich denke, wir sind hier also an einem Punkt angekommen,
0:39:30–0:39:35
wo wir dann auch die Sagen vom Tuxer Land, von der Berglandschaft abschließen können.
Micz Flor
0:39:35–0:39:37
Ja, und ich fand es ganz schön, jetzt diese Sachen zu hören,
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weil wir sind so durchgestapft, haben so Leute gesprochen, aber irgendwie ist
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es schön, so eine Tür aufzumachen in so eine Geschichte hinein.
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Also auch irgendwie nochmal zu merken, weil wir selber jetzt hier unterwegs
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sind und laufen und haben jetzt kein Video geguckt oder sonst was,
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aber dass man dann merkt, es hat auch einen großen Unterhaltungswert.
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Also es hat sowas vorgelesen zu bekommen oder vorgetragen zu bekommen.
Florian Clauß
0:40:01–0:40:06
Wir gehen gleich auch in die Stube, gleich gibt es Essen. Dann setzen wir uns an den Ofen.
0:40:06–0:40:09
Ja, genau. Also ihr könnt, wie gesagt, sehen, wo wir langgelaufen sind,
0:40:09–0:40:11
auf eigentlich-podcast.de.
0:40:11–0:40:18
Dann werde ich auch nochmal so die Links zu den Sagen und zu den Infos da in den Shownotes packen.
0:40:18–0:40:23
Dann war das unsere Episode Eigentlich Podcast.
0:40:23–0:40:25
114.
0:40:26–0:40:30
Wir sagen Tschüss und ihr habt schon einen kleinen Sneak gehört.
0:40:30–0:40:33
Dass die nächste Folge erscheint.
0:40:33–0:40:35
Bis dahin, macht's gut. Tschüss.

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"Richtig angewendet kann alles zur Waffe werden. Auch Güte kann eine Waffe sein." -- Arum Lee, The Expanse, Season 4, Episode 10

Wir wandern im "Uncanny Valley" der Tuxer Alpen: durch einen alpinen Truppenübungsplatz zur Lizumer Hütte. Wo wenn nicht hier und wer wenn nicht wir packt in diesem martialischen Idyll die heißen Eisen "The Expanse" und "Künstliche Intelligenz" an? Das Protomolekül in "The Expanse" ist ein McGuffin, dass uns vorführt, wie Menschen mit etwas umgehen, das sie nicht verstehen. Sie wollen damit spielen. Sie wollen es nicht teilen. Sie wollen davon profitieren. Sie haben Angst davor und noch mehr, dass andere zuerst damit spielen, es nicht teilen und davon als erste profitieren. In dieser Episode versuchen wir die fiktive Geschichte des Protomoleküls mit der aktuellen Debatte und Entwicklung der Künstlichen Intelligenz zu alignen. "Uncanny" wie gut das zusammenpasst. Flo bleibt skeptisch. Micz (ich) finde beim zweiten Mal hören die Parallelen wirklich greifbar. Technolgie und Begehren.

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:01–0:00:05
Aber das ist, finde ich, nochmal interessant, dieses Thema Sterblichkeit damit
0:00:05–0:00:11
reinzunehmen auch, weil das ist ja ein zutiefst biologisches Thema und man vergisst,
0:00:11–0:00:16
glaube ich, im Transhumanismus manchmal, dass es aber auch ein postbiologisches Thema ist.
Florian Clauß
0:00:24–0:00:29
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast. Der Podcast,
0:00:29–0:00:32
bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:32–0:00:38
Tatsächlich heute wandern auch, weil unsere Gründungsgeschichte ist ja,
0:00:38–0:00:41
dass unser Podcast in den Alpen gestartet hat.
0:00:41–0:00:46
Wie ihr wisst, haben wir ja schon letzte Folge erläutert. Wir sind gerade auf
0:00:46–0:00:51
dem Inntaler Höhenweg unterwegs und durch die Tuxer Alpen.
0:00:52–0:00:56
Und jetzt stiefeln wir tatsächlich im alpinen Gelände.
0:00:57–0:01:05
Und wir haben Folge eigentlich 113 und dieses Mal wird auch Mitch uns mit einem
0:01:05–0:01:11
Thema, ich will nicht sagen beglücken, denn ich bin ein williger Zuhörer.
Micz Flor
0:01:13–0:01:14
Ein was?
Florian Clauß
0:01:14–0:01:20
Ein williger Zuhörer. Was jetzt deine Themen anbelangt. Ich glaube,
0:01:21–0:01:22
kann man das sagen, Mitch?
Micz Flor
0:01:22–0:01:24
Ja, du bist der Beste.
Florian Clauß
0:01:24–0:01:27
Der beste, der einzige beste Zuhörer.
0:01:28–0:01:32
Kann man das sagen, dass es so ein bisschen unsere Bewusstseinsreihe fortsetzt?
0:01:33–0:01:37
Oder hast du nochmal einen ganz anderen Themenaufschlag hier parat?
Micz Flor
0:01:38–0:01:41
Ja, man kann es irgendwie so sagen, aber ich möchte die Leute,
0:01:41–0:01:45
die es jetzt sich anhören, haben den Titel schon gelesen oder vertrauen uns
0:01:45–0:01:48
blind und saugen sich alles rein, was wir bereitstellen.
0:01:49–0:01:51
Du weißt ja den Titel noch nicht und ich hatte es auch schon angekündigt.
0:01:51–0:01:55
So ein bisschen was, wo ich es halb machen möchte.
0:01:58–0:02:01
Und ich wollte ja so ein bisschen eben in dem Spirit, wie wir früher beim Wandern
0:02:01–0:02:03
einfach auch Glück empfunden haben.
0:02:03–0:02:11
Einfach, dass die Gedanken so frei laufen und man eben auch mehr über Emotionen,
0:02:12–0:02:15
zu Dingen berichtet als über Fakten.
0:02:15–0:02:19
Während wir in der Stadt, ich habe ja manchmal sogar Angst vor meinen Episoden,
0:02:19–0:02:23
weil man manchmal so viel vorbereiten muss und dann weiß genau,
0:02:23–0:02:26
oh Gott, das kann ich mir da gar nicht merken, melken.
0:02:26–0:02:29
Jetzt habe ich gedacht, mache ich mal mit dir so, wie wir das früher gemacht
0:02:29–0:02:31
haben. Wir haben einfach so angefangen und es kommt immer an Punkte,
0:02:31–0:02:35
nee, warte mal, war das nicht so oder war das nicht so? Oder man redet über
0:02:35–0:02:36
einen Film oder irgendwas anderes.
0:02:37–0:02:42
Und ich möchte etwas mit dir nochmal aufwärmen und dann anbinden,
0:02:43–0:02:46
was ich gerne hier immer auch mit dir besprochen hatte und vorher.
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Und uns beide, glaube ich, auch einfach Spaß macht, darüber zu reden.
0:02:50–0:02:54
Und zwar wollte ich mit dir wieder über The Expanse reden.
Florian Clauß
0:02:54–0:02:54
Oh nein!
Micz Flor
0:02:55–0:03:00
Yeah, die Expense. Ich kam so ein bisschen auch drauf, weil wir neulich jemanden
0:03:00–0:03:03
hatten, der gepostet hat, hey, eure Expense-Folge ist kaputt.
0:03:03–0:03:05
Und scheinbar war die wirklich kaputt. Du hast sie dann ausgetauscht.
0:03:05–0:03:12
Das MP3 war corrupted. Nach einer Minute brach das bei manchen Playern ab, bei manchen nicht.
0:03:13–0:03:15
Aber das ist jetzt gefixt. Und ich habe so ein bisschen darüber nachgedacht.
0:03:15–0:03:20
Und dann hatte ich irgendwie auf einmal noch mal so einen Scheinwerfer.
0:03:20–0:03:25
Es gibt ja einerseits die Folge, wie die Geschichte, also in den Büchern weitergeht.
0:03:25–0:03:28
Da habe ich eine Folge gemacht, wo die letzten drei Bücher, die nicht verfilmt
0:03:28–0:03:31
wurden, nochmal so im schnell...
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Suchlauf, ich versucht habe, die ganzen Handlungsstränge nochmal darzulegen.
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Das ist genau die Folge, die korrupt war, die jetzt wieder da ist.
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Und dann gab es aber so diese andere Sache, die mich immer auch so beim Serie
0:03:45–0:03:48
gucken, bevor ich angefangen habe, die Bücher zu lesen, auch beschäftigt hat,
0:03:49–0:03:50
ist dieses Protomolekül.
0:03:50–0:03:52
Ich möchte eigentlich eine Folge über das Protomolekül machen.
Florian Clauß
0:03:54–0:03:56
Sehr gut, sehr gut. Freue ich mich.
Micz Flor
0:03:57–0:03:57
Findest du gut?
Florian Clauß
0:03:57–0:03:58
Ja, finde ich gut.
Micz Flor
0:03:59–0:04:03
Weil das Protomolekül da, finde ich, steckt so viel drin, weil das ist,
0:04:03–0:04:05
du hast ja auch diese Folge über den McGuffin gemacht,
0:04:05–0:04:10
also diese Sache, die irgendwie immer weiter verfolgt wird, aber nie wirklich
0:04:10–0:04:14
erreicht wird, oder bei dem einen Mission Impossible die Hasenpfote und keiner
0:04:14–0:04:17
weiß, was es ist, aber es ist einfach nicht wichtig, sondern
0:04:17–0:04:20
die Geschichte läuft ihm hinterher, es ist die Macht aus jeder Geschichte ein
0:04:20–0:04:24
Roadmovie sozusagen, wo man einsteigt und da vorne ist er und los geht's.
Florian Clauß
0:04:24–0:04:27
Ja, wie bei Pulp Fiction, der Koffer, der leuchtet.
Micz Flor
0:04:27–0:04:33
Ja, genau und Und das, finde ich, ist ja für diese ganze Serie, auch für die Bücher.
Florian Clauß
0:04:33–0:04:38
Also vielleicht sollten wir das mal kurz, wir nehmen das jetzt als Begriff gerade
0:04:38–0:04:40
so vorweg, voraus, oder setzen das voraus.
0:04:40–0:04:44
Also MacGuffin, du hast es ja kurz schon erläutert, MacGuffin ist im Prinzip
0:04:44–0:04:49
das, was die ganze Filmhandlung antreibt, aber letztendlich nicht wichtig ist für die Filmhandlung.
0:04:49–0:04:55
Das hat dann Hitchcock in den 39 Stufen, da habe ich auch eine Episode drüber
0:04:55–0:04:59
gemacht, Da kam das zum ersten Mal als Begriff vor und auch als Filmprinzip.
0:05:00–0:05:04
Das heißt, man hat die ganze Zeit das Gefühl, der Charakter muss hinter einer
0:05:04–0:05:09
gewissen Sache hinterher sein, so wie bei Pulp Fiction die Hasenpfote in einem Teil.
0:05:10–0:05:14
Ah ja, Quatsch, bei Pulp Fiction ist es der Koffer. Aber letztendlich ist es
0:05:14–0:05:17
egal, was mit diesem Koffer passiert und es ist auch egal, was drin ist.
0:05:17–0:05:22
Es ist nur so ein Katalysator, so wie beim Hosentaschenwärmer,
0:05:22–0:05:27
quasi dieses kleine Blech, wenn du das dann halt umschlägst,
0:05:27–0:05:31
dass dann halt auf einmal die Energie dafür ausreicht, dass das ganze Ding warm wird.
Micz Flor
0:05:31–0:05:34
Macht und dann sich dieses Flüssige in Hartes umwandert.
Florian Clauß
0:05:34–0:05:35
Und dann Wärme.
Micz Flor
0:05:35–0:05:36
Abgibt.
Florian Clauß
0:05:37–0:05:40
Und der McGuffin ist einfach nur so ein Katalysator dafür.
Micz Flor
0:05:41–0:05:46
Um anzutreiben. Guck mal, hier sind so Kriechtunnel. Oh ja.
Florian Clauß
0:05:46–0:05:50
Das sind ja wirklich hier so Schießscharten. Wir sind nämlich in einem,
0:05:52–0:06:00
Gebiet, in einem Truppenübungsgebiet hier und als wir hier reingefahren sind, gab es eine Tafel.
Micz Flor
0:06:00–0:06:05
Wo dann Erst mal einen singenden Taxifahrer, der uns italienische Volkslieder vorgesungen hat.
Florian Clauß
0:06:05–0:06:06
Genau, und dann wird angezeigt...
Micz Flor
0:06:06–0:06:08
Grüße an Harry, falls ihr das hier hört.
Florian Clauß
0:06:08–0:06:16
Harry, genau. Hallo Harry. Da wird angezeigt, wo quasi Lebensgefahr besteht,
0:06:16–0:06:21
an welchem Teil dieses ganzen Gebietes um Weichen herum.
0:06:21–0:06:24
Und wir hatten aber hier keinen markierten Teil. Also das heißt,
0:06:25–0:06:27
hier sind heute keine Truppenübungen.
0:06:27–0:06:33
Das heißt, wir können den Weg ohne Probleme gehen und ab und zu findet man halt
0:06:33–0:06:37
hier militärisches Equipment, wie Funkturme oder Schießscharten.
Micz Flor
0:06:38–0:06:42
Jetzt hast du natürlich dafür gesorgt, dass wir doch bei dem...
0:06:44–0:06:50
Algotalk rausgeschmissen werden, weil das mit irgendwelchen Billo-Algorithmen
0:06:50–0:06:54
erkannt wird oder in unserem Metatext erkannt wird oder im Transkript erkannt
0:06:54–0:06:58
wird und dann ist es einfach vielleicht manchen,
0:06:59–0:07:03
Plattformen zu kritisch und wird gleich weggeworfen. Aber na gut, ist ja nur meine Folge.
0:07:03–0:07:06
Aber jetzt können wir über das Protomolekül reden.
Florian Clauß
0:07:06–0:07:10
Nicht, dass wir beim Protomolekül rausgeworfen werden.
Micz Flor
0:07:11–0:07:14
Jetzt dachte ich nämlich zuerst, als du Stopp sagst, wir nehmen jetzt viel vorweg,
0:07:14–0:07:18
dass du sagst, was ist denn überhaupt, hä, warte mal einen Moment,
0:07:18–0:07:19
waren wir nicht hier gerade hochgekommen?
Florian Clauß
0:07:19–0:07:20
Ja.
Micz Flor
0:07:20–0:07:22
Unten der See und dann dieser Fels?
Florian Clauß
0:07:22–0:07:28
Ja, wir laufen jetzt durch das Wurmloch durch und spiegeln und da sehen wir uns quasi hochlaufen.
0:07:28–0:07:33
Wir sind jetzt im Tenet in dem Film von Christopher Nolan.
0:07:34–0:07:36
Wir sehen uns gerade selbst hochlaufen.
Micz Flor
0:07:36–0:07:39
Ja, ich dachte, du willst nochmal kurz The Expanse erklären.
0:07:40–0:07:45
Auf The Expanse vielleicht eben aus diesem subjektiven, das war eine Serie auf
0:07:45–0:07:50
dem Sci-Fi-Channel, die irgendwie mit einer sehr billigen Produktion,
0:07:51–0:07:54
begann, aber irgendwie hat es uns gehuckt gleich.
0:07:55–0:07:59
Miller war dieser inzwischen auch schon ältere Schauspieler,
0:07:59–0:08:03
der, wo hat der nochmal vorher mitgespielt? Bei Dread, glaube ich, hat er gespielt.
0:08:03–0:08:07
Und so ein B-Celebrity, aber das Gesicht kennt man.
0:08:07–0:08:10
Holden, der spätere Star sozusagen.
Florian Clauß
0:08:10–0:08:14
James Holden. James Holden, der Schauspieler.
Micz Flor
0:08:14–0:08:17
Den keiner kannte. Also der ganze Cast war größtenteils völlig unbekannt.
Florian Clauß
0:08:17–0:08:25
Ja, der war unbekannt, aber Hogan hat was von Keanu Reeves von dem Jungen. Aber nicht ganz so.
Micz Flor
0:08:26–0:08:31
Und so eine leicht nervige Stimme, weil er so immer so ganz tief sprechen möchte.
0:08:32–0:08:36
Und diese Serie begann eben einfach in unserem Solar System,
0:08:36–0:08:37
ich glaube auf Eros sogar.
0:08:38–0:08:41
Was ist Eros? Ein Planet? Ein Zwergplanet.
0:08:44–0:08:46
Und deshalb, wie gesagt, du kannst mit deinem Wissen auch immer rein.
Florian Clauß
0:08:47–0:08:48
Im Kuipergürtel.
Micz Flor
0:08:48–0:08:53
Und Miller ist ein Polizist oder Detektiv auf diesem...
0:08:53–0:08:57
Und das ist alles quasi so eine zukünftige Welt, in der es halt die Belter gibt,
0:08:57–0:09:00
die im Asteroidengürtel,
0:09:01–0:09:05
mehr oder weniger leben und wirtschaften, die alle auch sich jetzt inzwischen
0:09:05–0:09:10
über Generationen hinweg auch an diese geringe Schwerkraft angepasst haben.
0:09:10–0:09:11
Dann gibt es die Earther,
0:09:13–0:09:15
die sind dann eher auch dargestellt als so eine...
0:09:16–0:09:23
Das industrialisierte, komplett Großstadtverbauter Planet der Demokratie und Rechtsprechung.
0:09:23–0:09:25
Dann gibt es den Mars, das ist auch...
Florian Clauß
0:09:25–0:09:26
Genau, die UN.
0:09:28–0:09:34
Eigentlich ist die Örste ein riesen Metropole, ein riesen bebauter Raum,
0:09:35–0:09:37
aber dann halt so UN-getrieben.
Micz Flor
0:09:38–0:09:42
Also es ist die Erdregierung in gewisser Weise.
0:09:42–0:09:49
Aber es gibt eben auch Spaltungen und der Mars ist dann so ein Teil der Erdbevölkerung,
0:09:50–0:09:57
die dann später die Laconia sich in diesem Solar System Laconia ansiedeln,
0:09:58–0:10:01
die so martialisch sind. Das ist ja irgendwie das Militär.
Florian Clauß
0:10:01–0:10:05
Ja, das ist so, die Chinesen sollen das, glaube ich, so ein bisschen darstellen.
Micz Flor
0:10:05–0:10:07
Ja, das weiß ich gar nicht.
Florian Clauß
0:10:07–0:10:13
Ja doch, ich glaube schon, das ist so der Ostblock, dieses ganze chinesisch
0:10:13–0:10:17
Ost und dann halt diese stark paramilitarisierte.
Micz Flor
0:10:17–0:10:19
Paramilitar, das sind jetzt ja alles Begriffe, die gar nicht passen.
Florian Clauß
0:10:19–0:10:25
Nein, nicht paramilitär, aber die sind sehr militärisch und sehr in dem unterwegs.
0:10:26–0:10:31
Die haben ja, die werden ja dann auch abverkauft. Das ist ja quasi auch so eine
0:10:31–0:10:33
untergehende Regierung da.
0:10:34–0:10:37
Dann wird das ganze Waffenarsenal von denen verkauft und so weiter.
Micz Flor
0:10:37–0:10:42
Okay, deshalb sind wir jetzt wieder wirklich so wie früher. Wir diskutieren
0:10:42–0:10:44
das jetzt aus, unser gefährliches Halbnis.
0:10:45–0:10:49
Mal gucken. Aber auf jeden Fall, die Geschichte geht los, dass es halt eben
0:10:49–0:10:54
die Earther, die MarsianerInnen und die Belter gibt. Belt heißt Gürtel,
0:10:54–0:10:55
eben aus dem Astroingürtel.
0:10:55–0:10:58
Und die sind irgendwie miteinander verbunden, aber es kriselt.
0:10:58–0:11:02
Das hat so bürgerkriegsähnliche Spaltungen sind da so am,
0:11:03–0:11:07
gerade die Belte wollen halt mehr Autonomie, wollen irgendwie bessere Bezahlung,
0:11:07–0:11:14
soziale Absicherung und solche Sachen, also es kriselt alles und in dieses Triumvirat hinein.
0:11:14–0:11:20
Fällt dann eben das Bruttomolekül. Das Bruttomolekül, das ist wirklich so eine
0:11:20–0:11:24
Sache, ich kann mich nämlich gar nicht mehr genau erinnern, wie es eingeführt wird.
0:11:24–0:11:29
Aber es ist so, dass Miller, die Hauptperson auf Eros als Kommissar und dann,
0:11:29–0:11:36
trifft er irgendwie die Tochter von einem Überreichen, der ein Industriekomplex
0:11:36–0:11:40
aufgebaut hat und der eben jetzt gerade forscht an einem Bruttomolekül.
0:11:43–0:11:47
Wo die Herkunft ungeklärt ist und was man wohl auf Phoebe gefunden hat.
0:11:48–0:11:51
Und man weiß aber nicht, wo das herkommt. Es fühlt sich nicht so an,
0:11:51–0:11:55
als ob es aus unserem Sonnensystem käme. Also es muss aus einem interstellaren Raum kommen.
0:11:57–0:12:02
Aber es hat besondere Qualitäten. Und das, finde ich, ist so eine Sache,
0:12:02–0:12:04
die ich auch mit dir besprechen möchte, weil das ändert sich ja sehr.
0:12:04–0:12:11
Also dieser McGuffin des Protomoleküls, die Funktion ändert sich so,
0:12:11–0:12:13
als ob die Geschichte ein anderes McGuffin braucht.
0:12:13–0:12:20
Weil in diesem ersten ist das Protomolekül etwas, das erleben wir auf Eros.
0:12:20–0:12:26
Eros sind dann eben viele Belter oder auch andere, aber eben hauptsächlich Belter,
0:12:26–0:12:31
die da zusammenleben, wie man halt so lebt.
0:12:31–0:12:35
Es gibt Hotels, es gibt Kneipen, es gibt Jobs, es gibt Docks,
0:12:35–0:12:39
wo Schiffe an- und abdocken und es wird halt einfach gehandelt und gelebt.
0:12:40–0:12:44
Und dann gibt es eben so eine Reihe von...
0:12:46–0:12:49
Irgendwie geht es dann los. Wie kommt Miller eigentlich an dieses Protomolekül?
0:12:49–0:12:50
Kannst du dich erinnern?
Florian Clauß
0:12:51–0:12:56
Ich weiß nicht, ob er dann tatsächlich, ist ja nicht darauf angesetzt worden, auf die...
Micz Flor
0:12:57–0:13:03
Er sollte die Tochter finden. Ja, genau. Und die Tochter, die wiederum war ja
0:13:03–0:13:04
dann mit solchen komischen,
0:13:08–0:13:13
Spalter-Menschen so unterwegs. ist halt so eine Form der antikapitalistischen
0:13:13–0:13:19
Antifa oder so, die das Protomolekül hatten, oder? War das nicht so?
Florian Clauß
0:13:21–0:13:24
Ja, ich weiß nicht. Sorry, kalt erwischt.
Micz Flor
0:13:24–0:13:27
Aber lass uns mal aus Protomolekül draufschauen. Es ist nicht so wichtig,
0:13:27–0:13:28
wie es in die Geschichte kommt.
Florian Clauß
0:13:28–0:13:30
Aber was macht es denn am Anfang?
Micz Flor
0:13:30–0:13:34
Genau, es geht darum, was es so tut. Und es wird als etwas gesagt,
0:13:36–0:13:39
was erforscht wird und eben von diesem Industriekomplex schon erforscht wird.
0:13:39–0:13:43
Und auch als mögliche militärische Anwendung, bevor man überhaupt genau weiß,
0:13:43–0:13:46
was das überhaupt kann. Und da bleibt das auch so ein bisschen komisch,
0:13:46–0:13:48
weil es ist ja irgendwie ein Molekül.
0:13:49–0:13:56
Und das hat halt wohl bestimmte Fähigkeiten, die aber unklar bleiben.
0:13:56–0:13:58
Und das ist so ein bisschen, kriegt man glaube ich das Gefühl,
0:13:58–0:14:00
als ob dieser Industriekomplex auch Experimente macht.
0:14:01–0:14:04
Und das brutalste Experiment in der ersten Serie ist ja dann,
0:14:05–0:14:07
dass dieses ganze Eros...
0:14:08–0:14:13
Wird abgeriegelt, darf keiner weg, darf keiner drauf und dann wird ja das Protomolekül
0:14:13–0:14:14
losgelassen. Kannst du dich erinnern?
Florian Clauß
0:14:15–0:14:15
Ja,
0:14:18–0:14:21
das infiziert das Protomolekül.
Micz Flor
0:14:22–0:14:26
Ja, das Protomolekül verbindet sich dann mit allem, was es da irgendwie hauptsächlich
0:14:26–0:14:31
eben auch an bioorganischen Materialien so findet.
0:14:31–0:14:35
Und dem ist es egal, wo die sind, wo die herkommen. Das befällt dann irgendwie Menschen und Dinge.
0:14:35–0:14:39
Und das ist dann im ersten, zweiten Teil, wo sich das so ein bisschen zeigt,
0:14:39–0:14:44
dass es auch eingebaute Kräfte hat, wenn es anfängt umzubauen.
0:14:44–0:14:52
Es kann zum Beispiel dann in dem Buch zumindest, ist es so, dass Eros auf einmal
0:14:52–0:14:54
beginnt, auf die Erde zuzufliegen.
0:14:54–0:14:57
Und das ist nicht so, dass es dann auf einmal einen Antrieb gibt mit Raketen,
0:14:57–0:15:01
sondern es ist unklar, welche Technik dahinter steht, dass auf einmal dieses
0:15:01–0:15:07
Protomolekül, was Menschen, eben auch diese Tochter des.
0:15:12–0:15:17
Industrie-Bosses befallen hat, das hat einfach die Menschen dann noch aufgelöst
0:15:17–0:15:21
und teilweise neu zusammengebaut. Und Eros stürzt sich auf einmal Richtung Menschheit,
0:15:22–0:15:25
so, auf die Erde. Und Miller...
0:15:26–0:15:30
Hatte mit Mao keine sexuelle, romantische Beziehung, aber die hatten irgendwie,
0:15:30–0:15:35
irgendwas hat da geklickt bei den beiden und er sucht sie dann auch wirklich.
0:15:35–0:15:39
Das war sein Auftrag und er ist dann auch auf Eros, wenn ich mich recht erinnere,
0:15:39–0:15:42
und findet sie dort dann auch. Und du siehst dann im Film eben,
0:15:42–0:15:48
da ist sie so glitzernd, leuchtend, sparkling, irgendwas ist in sie rein und
0:15:48–0:15:49
durch sie durchgewachsen.
0:15:52–0:15:53
Und das...
Florian Clauß
0:15:54–0:15:59
Wie so eine Alienpflanze, wie so ein Moosgeflecht, was sich da so auflegt.
Micz Flor
0:16:00–0:16:02
Und dann ist dieses Protomolekül...
Florian Clauß
0:16:02–0:16:06
Aber es ist auch tödlich, es gibt keine Symbiose so richtig.
Micz Flor
0:16:08–0:16:11
Und dann endet das erste Buch, ich glaube auch die Serie damit,
0:16:12–0:16:19
dass Miller über die Tochter Mao oder so wie sie heißt, dann,
0:16:19–0:16:21
Neymau ist der Nachname,
0:16:21–0:16:28
das Protomolekül, wie auch immer, als Bewusstsein, als Apparat oder so,
0:16:29–0:16:32
überzeugt, nicht auf die Erde zu stürzen.
0:16:32–0:16:35
Und es ändert den Kurs und es soll dann zuerst mal, glaube ich,
0:16:35–0:16:37
in die Sonne stürzen. Kannst du dich erinnern?
Florian Clauß
0:16:37–0:16:41
Ja, ich kann das nur mit der Venus dann.
Micz Flor
0:16:41–0:16:46
Genau. Und letztendlich landet es dann aber auf der Venus. Und diese Tatsache,
0:16:46–0:16:51
dass es auf der Venus landet, das hat das Protomolekül sich wieder selber ausgedacht.
0:16:51–0:16:57
Ist dann auf die Venus geflogen, landet dort und das ist eigentlich das Ende
0:16:57–0:16:59
der Serie, der ersten Serie und des ersten Buches auch.
Florian Clauß
0:16:59–0:17:04
Ja, aber das kriegt was Monströses und es geht ja irgendwie in eine Verbindung mit Miller ein.
Micz Flor
0:17:05–0:17:10
Genau. Miller bleibt nämlich auf Eros und ist dann nachweislich tot.
0:17:12–0:17:17
Also der ist ja dann auf Eros und der ist quasi tot. Und er scheint dann immer
0:17:17–0:17:20
wieder auch im Buch und eben auch in den Sellen,
0:17:21–0:17:24
Das ist eine Erscheinung für Holden. Nur Holden sieht den.
0:17:24–0:17:28
Aber Miller ist eigentlich tot. Und wir wissen auch nie genau,
0:17:28–0:17:31
wer dieser Holden ist, der da gesehen wird. Also warum das vorgegaukelt wird,
0:17:32–0:17:37
dass Miller ist, das hat dann immer mit Holden zu tun. Aber da sind wir noch
0:17:37–0:17:39
nicht. Wir bleiben ein Bruttomolekül.
0:17:39–0:17:43
Wir lernen, da ist was. Keiner weiß, wo es herkommt.
0:17:44–0:17:49
Das Ganze wird dann vom Militär als Experiment auf die Menschen draufgeschmissen,
0:17:49–0:17:53
die auf Eros leben, das durchwächst die irgendwie, löst sie auf,
0:17:53–0:17:56
das wird dann alles so, ja.
0:17:57–0:17:59
Und dann crasht das Ganze auf Venus.
0:18:01–0:18:07
Und das ist das Ende. Und dann im zweiten Buch, da wird dann gezeigt,
0:18:07–0:18:11
dass das Protomolekül auf Venus keineswegs vernichtet ist, ganz im Gegenteil,
0:18:11–0:18:13
sondern es beginnt zu bauen.
0:18:13–0:18:18
Es beginnt Dinge herzustellen. Man kann das so beobachten, weiß aber nicht genau
0:18:18–0:18:20
was es ist und was es da tut.
Florian Clauß
0:18:22–0:18:25
So ein bisschen wie bei X-Man.
0:18:26–0:18:28
Nee, Watchman, Dr. Manhattan.
Micz Flor
0:18:28–0:18:29
Ja, auf dem Mond.
Florian Clauß
0:18:29–0:18:34
Auf dem Mond, der dann halt auch so monströs ist. Es wird einfach so eine Riesenmonstrosität.
Micz Flor
0:18:34–0:18:39
Ja, ja. Und jetzt fängt es ein bisschen an zu regnen.
0:18:40–0:18:44
Wollen wir eine kurze Pause machen und Hüsse drauf? Oder wollen wir durchlaufen?
Florian Clauß
0:18:44–0:18:47
Lass uns erst mal abwarten, wie sich das entwickelt. Das könnte jetzt auch einfach
0:18:47–0:18:49
nur der Regen aus den Wolken sein.
0:18:50–0:18:54
Der dann eher so... Guck mal, hier sind Matronenhöhe. Die dürfen wir nicht aufheben.
Micz Flor
0:18:54–0:18:58
Die dürfen nichts aufheben mehr. auch nicht fotografieren, komm, lass gut sein.
Florian Clauß
0:18:58–0:19:04
Auch nicht fotografieren, wegen dem Algorhythmus. Der Algorhythmus.
Micz Flor
0:19:04–0:19:04
Der Algorhul.
Florian Clauß
0:19:05–0:19:07
Wer muss mit? Der Algorhythmus.
Micz Flor
0:19:09–0:19:15
Und was dann passiert, ist halt, da wird die Venus, da zeigt sich dann irgendwie,
0:19:15–0:19:20
dass das Bruttomolekül weniger einfach so rein organische Dinge durchsetzen.
0:19:20–0:19:22
Es beginnt dann Strukturen zu bauen.
0:19:23–0:19:29
Und man beobachtet das auch, man weiß auch nichts, man will es aber auch nicht zerstören.
Florian Clauß
0:19:29–0:19:36
Ja, man muss sagen, es ist auch ein Object of Desire. Alle wollen das Protomodik,
0:19:36–0:19:39
so ein bisschen wie das Alien bei Alien.
0:19:39–0:19:45
Das ist halt so, wenn du die Waffe hast, dann bist du halt der Unbesiegbare.
Micz Flor
0:19:45–0:19:50
Und die Person, die sie zuerst hat und die sie zuerst kontrollieren kann und
0:19:50–0:19:55
eben zuerst damit dann auch, was dann später kommt, zum Beispiel Soldaten machen kann oder so.
0:19:57–0:20:02
Die, sag ich mal, Partei, es gibt jetzt nicht wirklich ein Planeten oder Sonnensystem,
0:20:02–0:20:07
aber diese Gruppe wird die Macht haben. Da hängt ganz viel Macht mit drin.
0:20:08–0:20:14
Und da guckt man einfach zu und versucht es zu verstehen, was das Protomolekül auf Venus macht.
0:20:14–0:20:19
Und zum Schluss fliegt es dann auf einmal von der Venus los innerhalb des Sonnensystems
0:20:19–0:20:24
bis hinter den Uranus und fängt dort an, sich irgendwie zu entfalten und nochmal
0:20:24–0:20:27
neu zu strukturieren. Und alle gucken einfach nur zu.
0:20:27–0:20:29
Keiner checkt so richtig, was da los ist.
0:20:30–0:20:35
Und stellt sich dann heraus, dass sich daraus eben diese Portale bilden.
Florian Clauß
0:20:35–0:20:40
Ah ja, genau. Das waren nämlich nochmal die Fragen. Die Portale und das,
0:20:42–0:20:44
Protomolekül, das hängt zusammen, ja?
Micz Flor
0:20:45–0:20:49
Genau. Das, was auf der Venus, das wollte ich nochmal so ein bisschen durchdringen.
0:20:49–0:20:53
Also auf der Venus entsteht das dann, fliegt dann hinter den Uranus,
0:20:53–0:20:58
entfaltet sich dort als dieser Ring.
0:21:00–0:21:03
Durch die dann glaube ich ein oder zwei Folgen lang niemand durchfliegen darf,
0:21:05–0:21:08
und keiner weiß genau was da ist und das ist wiederum auch eine Ermächtigung
0:21:08–0:21:12
interessanterweise eben dieser Belter, weil auf einmal in der Nähe des Belts
0:21:12–0:21:15
was bewacht werden muss und aufgepasst werden muss, die Menschen sich darüber
0:21:15–0:21:18
kommunizieren müssen und so und dann darf da keiner durchfliegen Ja.
Florian Clauß
0:21:18–0:21:24
Die Belter sind so diese ganzen, also auf der einen Seite die Abgehängten, weil die so am,
0:21:24–0:21:28
die müssen halt Ressourcen abbauen und liefern den anderen zu,
0:21:28–0:21:33
also die sind in so einer prekären Situation und haben gleichzeitig halt auch
0:21:33–0:21:37
die wenig stabilste Lebensgrundlage, weil die dann halt immer auf diesen,
0:21:39–0:21:44
Asteroiden dann da auf den größeren wohnen und dann aber vor allen Dingen immer
0:21:44–0:21:49
so mit irgendwelchen Lager, mit irgendwelchen Raumschiffen, wo sie dann halt
0:21:49–0:21:52
Sachen abbauen oder irgendwie Asteroiden einfangen,
0:21:52–0:21:56
dann da rumkreisen. Nee, ich glaube, wir müssen da landen.
Micz Flor
0:21:56–0:21:57
Ich finde die Wolke davon ist irre.
Florian Clauß
0:21:57–0:22:00
Das ist ein Loch in der Wolke. Das sieht total böse aus.
Micz Flor
0:22:00–0:22:01
Das ist ein Loch in der Wolke.
Florian Clauß
0:22:01–0:22:02
Aber es sieht aus wie eine Wolke.
Micz Flor
0:22:02–0:22:03
Was ist dahinter?
Florian Clauß
0:22:04–0:22:05
Das ist echt abgefahren.
Micz Flor
0:22:06–0:22:11
Das ist wie eine schwarze Wolke. Aber in Wahrheit ist es ein Loch in der weißen Wolke.
Florian Clauß
0:22:14–0:22:19
Und die Bälta sind aber auch gleichzeitig so ein bisschen, aufgrund dadurch,
0:22:19–0:22:20
dass die halt immer diese...
0:22:21–0:22:23
Diese Flotten,
0:22:25–0:22:30
durch den Raum, durch diesen Transporten von Materialien machen,
0:22:30–0:22:33
kriegen die aber auch so ein bisschen so ein Pirate-Geschwing.
0:22:34–0:22:40
Also sind so ein bisschen die Piraten. Und es gibt dann auch so eine Welt,
0:22:40–0:22:44
die auch sehr karibisch-piratisch angehaut ist.
0:22:46–0:22:49
Diese Banden, die sind auch in Banden organisiert und so weiter.
0:22:49–0:22:51
Also es hat so eine Mischung.
Micz Flor
0:22:51–0:22:52
Ja, hat nur so Tribal-Sachen.
Florian Clauß
0:22:52–0:22:53
Tribal-Geschichten.
Micz Flor
0:22:53–0:22:55
Tattoos, Haar-Haar-Styles und so ist alles.
Florian Clauß
0:22:56–0:22:58
Also es ist schon super von der Ästhetik auch.
Micz Flor
0:22:58–0:23:05
Ja. Und was jetzt aber der Sprung ist, wenn wir uns jetzt nur auf das Protomolekül
0:23:05–0:23:07
konzentrieren, in der ersten Folge lernen wir es halt irgendwie kennen als etwas,
0:23:07–0:23:12
was so, das macht was, aber keiner weiß so richtig wie.
0:23:12–0:23:17
Industrie ist da irgendwie so dran und will halt auch militärisches gleich nutzen und so.
0:23:17–0:23:21
Und dann in der zweiten Sache ist es eher so ein Staunen, was es alles kann
0:23:21–0:23:24
oder was macht es da eigentlich genau dann fliegt es halt los,
0:23:24–0:23:31
dann kommt was da hinten raus und dann wird aber eben auch klar in dem in dem.
0:23:33–0:23:37
Wie heißt es, in dem ganzen Konstrukt, dass dieses Bruttomolekül einen eigenen
0:23:37–0:23:42
Plan hat wir möchten natürlich diese Energie die da drin steckt oder diese Fähigkeiten
0:23:42–0:23:44
die man versucht zu erforschen und nutzen möchte,
0:23:45–0:23:50
Dahinter steckt so ein eigener Bauplan. Nämlich, und das ist dann glaube ich
0:23:50–0:23:53
auch die Sache, die im Buch vielleicht deutlicher ist als im Film,
0:23:54–0:23:59
kommt ja dann eben auf einmal diese Verbindung zu dieser Idee von der milliarden
0:23:59–0:24:02
Jahre alten Intelligenz,
0:24:03–0:24:08
im Universum, die vor langer Zeit wie so Sonden weggeschickt hat mit diesem
0:24:08–0:24:12
Protomolekül in alle möglichen bewohnbaren Sonnensysteme.
0:24:12–0:24:15
Keiner weiß warum, das ist alles nicht erklärt, das Protomolekül weiß das auch
0:24:15–0:24:21
nicht, aber man konnte zumindest diese Hypothese plausibel begründen, es sei uralt.
0:24:21–0:24:32
Und das ist ursprünglich auch Phöbos, das ist ein Mond vom Saturn, Saturnmond?
Florian Clauß
0:24:32–0:24:35
Ja, ich glaube, ich verwechsel mal, Jupiter oder Saturn.
Micz Flor
0:24:36–0:24:42
Also die Jupiter-Monde waren, glaube ich, die Kepler, oder? Sind das nicht die Kepler-Monde?
Florian Clauß
0:24:42–0:24:44
Ja, näher die,
0:24:45–0:24:47
Kepler, also meinst du von...
Micz Flor
0:24:47–0:24:50
Saturn hat Ringe, aber hat sicherlich auch Monde. Ja, ja, klar.
0:24:51–0:24:58
Und ja, auf jeden Fall, da wurde wohl dieses, genau, Phöbos selbst,
0:24:58–0:25:04
das ist wahrscheinlich dann sogar ein Fakt, ist nämlich auch ein Himmelskörper,
0:25:04–0:25:05
der nicht aus unserem Sonnensystem kommt.
0:25:05–0:25:09
Und der in der Tat, glaube ich, auch in der Wirklichkeit eingefangen wurde von
0:25:09–0:25:11
der Gravitation und deshalb bei uns geblieben ist.
0:25:11–0:25:19
Und das war dann eben der Ursprungsort, dass das wirklich von woanders hergeschossen
0:25:19–0:25:22
wurde und dann bei uns im Sonnensystem gelandet ist.
0:25:23–0:25:26
Und alles, was dann so erstmal rückblickend da passiert ist,
0:25:26–0:25:30
dass dieses Protomolekül so einen eigenen Willen hatte, einen eigenen Auftrag
0:25:30–0:25:32
hatte. Wille ist natürlich dann sehr vermenschlicht.
0:25:32–0:25:35
Aber einen Bauplan hatte und das dann alles gemacht hat.
0:25:35–0:25:41
Und das hat sich die organische und nicht organische Materie angenommen und
0:25:41–0:25:47
hat es so umgebaut, dass daraus dann eben diese Ringwelt entstand, dieses Ringportal.
0:25:48–0:25:52
Und dieser Ring selbst, muss man mal sagen, in unserem Sonnensystem,
0:25:52–0:25:56
wie sich dann später herausstellt, den kann man öffnen.
0:25:56–0:26:02
Und wenn man dann durch diesen Ring durchfliegt, das kann man nur mit einer
0:26:02–0:26:06
ganz langsamen Geschwindigkeit machen, dann kommt man in einen riesengroßen
0:26:06–0:26:08
Raum, der eine eigene Physik hat auch.
0:26:08–0:26:14
Und da sind etwa hundert Portale oder sowas, also so andere Ringe in andere
0:26:14–0:26:18
Solar Systems anwesend. Und das dauert aber noch ein bisschen,
0:26:18–0:26:19
bis man es irgendwie kapiert.
0:26:21–0:26:24
Also das Protomolekül bei uns baut nur diesen einen Ring.
0:26:24–0:26:29
Dieser Ring ist dann aber auf einmal so eine Öffnung in alle möglichen Felder hinein.
Florian Clauß
0:26:32–0:26:36
Dann ist es auch so ein bisschen der Interstellar-Moment, dass dann halt auch
0:26:36–0:26:39
die Beltas als quasi so eh,
0:26:41–0:26:46
die nomadische Fraktion in unserem Sonnensystem, dass die dann halt auch die
0:26:46–0:26:47
Siedler dann losschickt.
0:26:48–0:26:51
Die gucken halt, welche Welten sie besiedeln können.
0:26:52–0:26:55
Und die haben dann auch, glaube ich, den Contract. Die dürfen das dann auch.
0:26:55–0:27:00
Und das ist auch so, dass sie halt so ein bisschen auch berechtigt werden, da was zu machen.
Micz Flor
0:27:00–0:27:03
Er ist ja versucht, das auch zu regulieren von Anfang an da.
0:27:03–0:27:07
Erstmal darf er keiner da durchfliegen und das wird überhaupt zum ersten Mal,
0:27:09–0:27:13
es passiert dann ganz am Anfang von einer Staffel, wo ein Tätowierter von seiner
0:27:13–0:27:18
Freundin gerade verlassener Pirate oder so in seinem Mini-Raumschiff der erste
0:27:18–0:27:23
Mensch sein möchte, der halt durch diesen Ring durchfliegt.
Florian Clauß
0:27:23–0:27:23
Fliegt.
Micz Flor
0:27:23–0:27:27
Und der dann an einer Reihe von Planeten so Slingshot-mäßig sich beschleunigt
0:27:27–0:27:28
und immer mehr beschleunigt, immer mehr
0:27:28–0:27:31
beschleunigt und dann mit voller Geschwindigkeit auf diesen Ring drauf.
0:27:31–0:27:34
So ein bisschen wie in dem Ärzte-Lied, also die Frau, die ihn verlassen hat
0:27:34–0:27:38
und eines Tages werde ich mich rächen.
0:27:38–0:27:42
Ich werde die Ärzte-Mäder-Mädchen brechen. So, dass er halt der wird,
0:27:42–0:27:46
weißt du, berühmt und dann wird sie schon verstehen, dass sie mit ihm zusammen
0:27:46–0:27:49
sein sollte. Und er schießt mit rasender Geschwindigkeit da drauf und dann siehst
0:27:49–0:27:52
du, wie er einfach so wie so kleben bleibt.
0:27:54–0:28:00
Er zerfließt in seine Biomasse, also alles bleibt stoppt, obwohl es keine Wand
0:28:00–0:28:01
ist, kein Glas ist, kein Garnis, aber ...
0:28:02–0:28:04
Er wird hart gestoppt.
Florian Clauß
0:28:04–0:28:07
Die späteren Staffeln haben auch mehr Budget. Ja, genau.
Micz Flor
0:28:08–0:28:12
Wurde von Amazon dann übernommen, oder? Ich glaube, nach drei Folgen,
0:28:12–0:28:16
nach drei Seasons, dann hat Amazon auch noch drei gemacht.
0:28:17–0:28:21
Und auf jeden Fall ist es dann, wie du sagst, dass halt immer mehr Leute dann
0:28:21–0:28:25
eben ganz langsam, es wird dann so reguliert, dann dürfen die halt dann in diese
0:28:25–0:28:26
anderen Sonnensysteme.
0:28:26–0:28:31
Die sind noch nicht wirklich inhabitable, weil die Biologie auf dem Planeten,
0:28:31–0:28:34
obwohl die eine eigene Biologie und Biosphäre haben, ist es natürlich nicht
0:28:34–0:28:37
unbedingt gesund für uns. Wir können dort nicht das trinken,
0:28:37–0:28:40
was aus dem Fluss kommt, auch wenn es aussieht wie ein Fluss und so.
0:28:42–0:28:44
Und dann wird das alles teilweise besiedelt und erschlossen.
0:28:45–0:28:50
Und die finden dann immer wieder auch Artefakte von diesen uralten Kulturen
0:28:50–0:28:53
und merken dann auch, dass das zwei Kulturen waren.
0:28:53–0:28:56
Eine noch mächtigere, die eine, von der das Protomolekül kommt,
0:28:56–0:29:01
dann zerstört hat und ganz zum Ende, so mit Sprung ganz zum Ende,
0:29:01–0:29:05
ist es dann auch Holden, der irgendwie dann in Kontakt steht mit,
0:29:07–0:29:13
in einem riesen Diamant Planeten gestortem Wissen, wo er dann so ein Bild davon bekommt,
0:29:14–0:29:17
was das für eine Existenz war.
0:29:20–0:29:23
Aber Bruttomoleküle ist so, wir lernen dann, es hat diesen Bauplan,
0:29:23–0:29:26
kann man rein und dann finden die das überall auf einem Planeten auch nochmal
0:29:26–0:29:30
Und dann gibt es vor allen Dingen die, also Laconia ist auch ein Sonnensystem.
0:29:31–0:29:35
Und das Militär vom Mars verschwindet. Das kommt, glaube ich,
0:29:35–0:29:38
auch in ein oder zwei Büchern fast gar nicht vor.
0:29:39–0:29:44
Die hauen ab vom Mars und fliegen mit ihrer kompletten Flotte durch dieses Ringgate
0:29:44–0:29:47
und dann durch ein anderes Ringgate und sind dann in diesem System.
0:29:47–0:29:48
Und damit sind die erst mal weg.
0:29:49–0:29:53
Stellt sich dann aber später raus, dass die im Hintergrund, ähm,
0:29:54–0:29:59
Es gibt ein Buch oder eine Staffel, die sich komplett auf einen Planeten bezieht,
0:29:59–0:30:04
wo Holden hingeschickt wird mit seinem Team, um da mal zu gucken,
0:30:05–0:30:09
weil die sich nicht an die Abmachung halten, weil die zu schnell und zu oft
0:30:09–0:30:10
hin und her fliegen oder so.
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Und dann sollen die zur Strafe mitgeteilt bekommen, dass sie jetzt drei Jahre
0:30:16–0:30:20
entweder konditional oder es ist schon entschieden, dass jetzt drei Jahre deren
0:30:20–0:30:24
Portal zugemacht wird, was quasi ein Todesurteil ist, weil die sich nicht selbst ernähren können.
Florian Clauß
0:30:24–0:30:27
Ja, also die sind schon so ein bisschen die, wie soll man sagen,
0:30:28–0:30:33
die nicht nur Weltpolizei halten und sein Team, sondern die haben ja auch immer
0:30:33–0:30:36
so eine Undercover-Mission, die sie dann beauftragt bekommen.
0:30:36–0:30:44
Also die sind dann schon immer so in der direkten Direktive von der Erde,
0:30:44–0:30:47
wo dann die Herrscherin der Erde oder die gewählt.
Micz Flor
0:30:48–0:30:52
Es läuft ja gerade so dieser Begriff der Wegwerfagenten, läuft jetzt die russische
0:30:52–0:30:55
Wegwerfagenten, ist ja gerade so ein Thema also,
0:30:55–0:30:59
und die haben was davon, also die werden quasi eingesetzt wenn da was schief
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läuft dann kann man jetzt nicht das Militär oder die Regierung dafür verantwortlich
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machen, aber gleichzeitig sind sie trotzdem sichtbar, es ist nicht so,
0:31:05–0:31:07
dass sie anonym unsichtbar sind, sondern,
0:31:08–0:31:10
die sind genau an dieser Schwelle wenn es schief geht,
0:31:11–0:31:16
dann kann man Holdenblame und es war deren Schuld, was auch in der Tat hat sich
0:31:16–0:31:20
dann so entfaltet, dass Holden eben nicht das macht, was ihm beauftragt wurde.
0:31:20–0:31:25
Aber diese ganze, eine ganze Folge beschäftigt sich damit, wie es überhaupt
0:31:25–0:31:28
ist, was du gerade gesagt hast, so einen Planeten zu kolonialisieren und dann
0:31:28–0:31:31
irgendwie auf einmal Reibungen entstehen eben zwischen den Direktiven,
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für die alle gestimmt haben, in Anführungszeichen.
0:31:35–0:31:39
Und dann muss man aber auf der, on the ground, muss man halt irgendwie dann
0:31:39–0:31:42
doch anders umgehen mit den Realitäten, die man sieht. So, das ist ein Buch.
0:31:42–0:31:45
Und dann vielleicht, glaube ich, noch ein zweites. Und dann irgendwann kommt
0:31:45–0:31:50
Laconia zurück und dann ist Duarte, der Führer von Laconia, der.
0:31:51–0:31:58
Ganz, ganz viel auch mit Bruttomolekül gearbeitet hat und geforscht hat.
0:31:58–0:32:01
Und es gibt so einen ganz ekelhaften Forscher, der da auch ganz viel mitmacht,
0:32:01–0:32:05
der dann Kinder infiziert und die versucht, länger am Leben zu halten,
0:32:05–0:32:07
weil sich vorher herausgestellt hat, dass die Organismen, auch die Menschen,
0:32:07–0:32:09
relativ schnell sterben.
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Und es ist ganz fürchterlich. Aber vor allen Dingen hat Duarte noch so eine zweite Ebene.
0:32:15–0:32:17
Er möchte das Bruttomolekül.
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Und wir sehen in der letzten Folge oder so in einer Serie zum Schluss sehen
0:32:22–0:32:24
wir auch so ein bisschen diese,
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Raumschiffe und so einen kleinen Jungen und seine Schwester, der Junge, der,
0:32:29–0:32:34
fällt, wird irgendwie im Unfall getötet und wird dann von solchen Droids irgendwie
0:32:34–0:32:37
wiederhergestellt, hat den schwarzen Augen und durch dessen Augen sieht alles
0:32:37–0:32:40
so schillernd an und da sieht man irgendwie so, okay, da ist gerade so was Neues
0:32:40–0:32:43
passiert, eine neue Form von möglicher Verschmelzung.
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Und Duarte will das auch herstellen Und dann sieht man halt eben so Maschinen,
0:32:49–0:32:55
auch Kampfmaschinen, die dann eben auch unfassbar wirksam sind und mächtig sind,
0:32:55–0:32:59
die dann auch ins Solar System wieder eindringen und versuchen,
0:32:59–0:33:01
da die Herrschaft zu übernehmen,
0:33:01–0:33:05
die da entstanden sind. Schon in eben in Jönissen mit dem.
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Protomolekül und dieser Technik, die sich daraus entwickeln lässt oder auf der
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das Protomolekül auch beruht.
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Organische heilende Metalle und so in der Art. Also ganz viel,
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was man sich so vorstellen kann in so einer Cypher-Welt, was so an dieser Ecke
0:33:21–0:33:26
zwischen Biologie und Material läuft, Chemie, Physik.
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Also da hat dann das Protomolekül nochmal was anderes, dass es wirklich neue
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Welten schaffen kann, neue Materialien schaffen kann, Sachen herstellen kann,
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die man sich vorstellen konnte, aber nie hätte sich vorstellen können, dass man jemals,
0:33:38–0:33:42
eine heilende Metallhülle eines Raumschiffs, wie soll sowas gehen?
0:33:42–0:33:44
Und das macht dann dieses Protomolekül.
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Ja, fällt dir dann auch was ein, das kennst du gar nicht mehr,
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aber das ist schon nicht mehr in der Serie drin, oder?
Florian Clauß
0:33:52–0:33:56
Doch, doch, doch. Aber so wie du es beschreibst, genau.
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Es wird dann so verschiedentlich eingesetzt, es wird versucht dann quasi zu
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domestizieren, aber es lief ja dann noch so ein Subplot.
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Dass eben diese einzelnen Zivilisationen, die dann sich im Universum gebildet
0:34:11–0:34:16
haben, dass da ja so ein Run auf das Bruttomolekül kam.
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Und dann aber auch durch so einen subversiven, terroristischen Akt dann quasi
0:34:21–0:34:27
die benachteiligste Zivilisation davon dann auch das Bruttomolekül bekommen hat.
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Ja, also das heißt so eine gewisse, ah, ja, ich meine, das lässt sich ja jetzt
0:34:32–0:34:39
mit dem, keine Ahnung, mit dem ganzen, jetzt, wo sich alle so aufrüsten zurzeit.
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Und jeder will dann halt jetzt die Drohnen und jeder will die Panzer und jeder,
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das passiert ja auch gerade so weltweiten Aufrüstung.
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Und ein bisschen ist das wie bei der Protobombombe, obwohl das natürlich die
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Analogie der Atombombe dann so mehr oder weniger in der realen Welt dann darstellt.
Micz Flor
0:34:55–0:34:59
Ja, genau, es wird auch so verteilt. Aber das bringt mich jetzt so ein bisschen,
0:34:59–0:35:05
ich mache jetzt mal so einen langsamen Schwenk auf diesen, weshalb ich überhaupt
0:35:05–0:35:06
draufkam, das nochmal so aufzurollen.
0:35:07–0:35:11
Und zwar ist das ja schon lange her, diese Verfilmung, du hast das jetzt wirklich,
0:35:12–0:35:15
ich weiß gar nicht, in Nullerjahren entschieden wahrscheinlich die Romane oder ging damit los?
Florian Clauß
0:35:15–0:35:18
Ist doch die eingeleitet. Was waren das? Waren das Nullerjahrechen?
0:35:18–0:35:20
Nee, die sind doch gar nicht so alt. Die sind doch in den Zehnerjahren.
0:35:21–0:35:22
Das ist doch irgendwie, wo die dann...
0:35:23–0:35:27
Die haben doch irgendwie so 2012 oder so sich zum Schreiben...
0:35:27–0:35:28
Das ist halt das Absurde, dass die ziemlich schnell dann...
Micz Flor
0:35:29–0:35:31
Müssen wir in unseren eigenen Folgen nochmal nachfragen. Die haben,
0:35:31–0:35:36
glaube ich, jedes Jahr eine veröffentlicht und es sollten zwölf werden. Es wurden dann nur neun.
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Oder irgendwie, ich weiß nicht mehr genau.
Florian Clauß
0:35:39–0:35:43
Ich glaube, die haben nie in den Nullerjahren. Die haben schon in den Zehnerjahren da angefangen.
Micz Flor
0:35:43–0:35:47
Okay. Und auf jeden Fall ist es halt schon ein bisschen länger her,
0:35:47–0:35:49
aber ich habe dann auf einmal, als ich jetzt darüber nachgedacht habe,
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nachdem wir diesen einen Post bekommen mit dem kaputten MP3,
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da habe ich gedacht, was passiert eigentlich, wenn man versucht,
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so diese Storyline vom Protomolekül mit der KI zu alignen,
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also mit der Art, wie man, wie Menschen mit KI umgehen, also Gesellschaft,
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Politik, Militär, Individuen, also wie das halt,
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Und das fand ich irgendwie, ich kann es ja mal ganz kurz machen,
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ich fand es ganz interessant, weil wir haben natürlich auf der einen Seite diese,
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uralte Intelligenz von vor Milliarden Jahren, die gibt es bei KI gerade nicht.
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Vielleicht gibt es so ein paar komische Posthumanisten, die vielleicht dann,
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in gottgleichen Gedanken darauf spekulieren, dass die KI einfach eine logische
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Fortsetzung ist von der Evolution.
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Das gibt sicherlich Leute, die in die Richtung denken. Aber das ist jetzt nicht mein Argument.
Florian Clauß
0:36:43–0:36:45
Ja, das ist so ein transhumanistischer Ansatz.
Micz Flor
0:36:45–0:36:50
Genau. Und das ist jetzt nicht mein Denken. Ich möchte gar nicht dahin gehen,
0:36:50–0:36:53
sondern die Art und Weise, wie mit der Technik umgegangen wird.
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Im Ersten bei Eros, da lernen wir halt, das kann irgendwas.
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Wir müssen das gleich fürs Militär testen. Wir wissen noch nicht,
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warum und wie das für Militär gut sein könnte. Aber das ist auf alle Fälle.
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Wir müssen es aber auch irgendwie raushalten. Wir müssen es öffentlich machen.
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Wenn wir es jetzt nicht machen, wir müssen die Ersten sein, die Forschungsergebnisse haben.
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Wir hauen das jetzt mal raus. Wir können nicht anders. Und dann gibt es halt eben Eros.
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Und das ist so ein bisschen diese, diese frühe, so diese ersten ein,
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zwei Jahre Tchipitin mit irgendwelchen Bildern von Mäusen vor Feuer und so Sachen.
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Und es gibt so einen Podcast, da geht es um Artificial Intelligence Street Talk. Wenn du dir die,
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Überschriften von den einzelnen Episoden anguckst, waren die am Anfang alle
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immer auch noch sehr philosophisch, sehr spekulativ, sehr euphorisch auch,
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wo es dann irgendwie so ging.
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So utopisch, also so nach vorne guckend. Und das ist so diese Eros und dann
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kracht es auf die Venus und das sind so jetzt vielleicht,
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so ein bisschen die Zeit, in der die KI dann einfach in die Produktion ging
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und man hat so ein bisschen zugeguckt, was kann man denn damit machen,
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dann hat man lustige Videos gemacht,
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also die einzelnen Menschen, aber es ist dann weggeflogen.
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Und in dem Moment, wo es jetzt um diese Ringsache geht, wir sind irgendwie,
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finde ich, so ein bisschen an dieser Ringzeit gerade.
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Und ich glaube nicht, dass es prophetisch ist, wie es weitergeht,
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aber wo es darum geht, regulieren ja oder nein. Darf jetzt jeder seine eigene machen?
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Muss man da irgendwie damit umgehen? Da wächst irgendwie so ein Druck auf dieses ganze Thema.
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Es ist ein bisschen anders, weil es wurde ja reguliert in The Expanse.
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Man kann nicht durch den Ring fliegen. Da wurde eben dann, es war so ein Belter
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getriebene Station davor, die aufgepasst hat, dass keiner durchgeflogen ist.
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Das haben wir jetzt nicht. Also jetzt ist es ja eher so ex post factum.
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Es ist das alles schon da draußen.
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Müssen wir es regulieren? Können wir es überhaupt regulieren?
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Wie würden wir es regulieren?
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Ich fand einfach so dieses Alignment zwischen dem Diskurs von KI und dem Protomolekül,
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ich fand das irgendwie sehr ähnlich.
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Jetzt gerade gucke ich dich ein bisschen Hilfesuchend an, ob du mich da unterstützen
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kannst oder mir total in die Grätschöfe.
Florian Clauß
0:39:10–0:39:14
Tatsächlich, als du das so eingeleitet hast, dann hatte ich auch überlegt,
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wie kann man das jetzt mit connecten so.
0:39:17–0:39:21
Und dann fiel mir der eine Ansatz ein, der dann halt offensichtlich ist,
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mit irgendwie quasi Atombombe.
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Also sind dann mehr oder weniger gleich wettgerüstet.
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Auf der anderen Seite, der zweite Gedanke war auch da KI. Weil das natürlich irgendwie das Aligned.
Micz Flor
0:39:35–0:39:38
Hattest du den Gedanken schon, aber noch nicht ausgesprochen.
Florian Clauß
0:39:38–0:39:42
Nee, aber noch nicht so weiter entwickelt, aber ich finde, das passt schon ganz gut.
Micz Flor
0:39:42–0:39:47
Ich finde es insofern passender als die Atombombe, weil dieses Bruttomolekül...
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So irgendwie doch viel auch mit Wissenschaft, Politik und Militär zu tun hat.
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Und die Atombombe ist so ganz klar irgendwas, wo die,
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ja klar, jetzt kann man sagen, die Atombombe jetzt für, wer darf Atombomben
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haben, wird das reguliert oder kriegt das Protomolekül, wird das eben auch an
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die Belter gegeben und so. Das ist dann vielleicht schon ein ähnlicher Diskurs.
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Aber ich habe es irgendwie mit KI so zusammengefasst.
Florian Clauß
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Also, jetzt, wenn man da von vorne anfängt, dass man nochmal so aufgekommen
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ist, das Bruttomolekül entwickelt ja aus sich heraus eine unglaubliche Energie.
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Also das heißt, es wuchert ja so, das muss sich irgendwie mit organischer Materie
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verbinden, aber erstmal ist es ja so, dass dieser...
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Aber dieser Wachstum vom Protomolekül
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eher so quasi mehr oder weniger mutiert aus sich selbst heraus.
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Wenn wir jetzt gucken, wie hat sich KI entwickelt, dann ist es ja so, dass es invertiert ist.
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Das heißt, es wurde ganz viel Energie reingesteckt, bis man dann halt so ein
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Plateau erreicht hat, wo man dann halt so ein LLM rausgetragen hat,
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was dann halt mit weniger Energie dann halt weiter wirtschaften kann.
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Also da ist ja so dieses, da kommt ja wieder dieses, woher kommt die Energie
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her, dieses Lebensmotiv, oder diese Zellteilung,
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wie verbraucht das Brutomolekül, was verbraucht es, was braucht es für Ressourcen,
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um dann halt quasi so einen Stable-Zustand zu bekommen. Ja, und dann gibt es
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halt so quasi diese Domestizierung,
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durch die einzelnen Zivilisationen, sind ja unterschiedlich.
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Aber die versucht so anders damit umzugehen, das zu domestizieren.
Micz Flor
0:41:44–0:41:47
Genau, die Domestizierung aber als Prozess, nicht als Ziel.
0:41:47–0:41:52
Also es wird ja nicht domestiziert, sondern es bleibt ja irgendwie so radikal
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unberechenbar. Und das finde ich halt, diese Zeit mit Venus und der Venus-Verobachtung,
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die hatten wir irgendwie auch. Wo dann auf einmal, oh, guck mal,
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es hat Sanskrit gelernt.
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Also wo die Leute, die LLMs herstellen, erforschen, betreiben,
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dann einfach auch verwirrt war, was die sich so alles angeeignet haben.
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Und das war so ein Moment, wo dann sehr viel eben auch gesagt hat,
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oh Gott, das sind schon bewusste Wesen, wir können die nicht mehr abschalten
0:42:19–0:42:20
oder wir sollten die abschalten,
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weil man einfach so verblüfft war, als ob die eine eigene Motivation hätten,
0:42:25–0:42:27
eigene Sprachen zu lernen.
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Das war die Zeit, glaube ich, so ein bisschen wie in Venus. Guckte man so zu
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und was macht das da? Bevor es dann irgendwie losflog.
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Das wäre dann natürlich dieses Losfliegen, ist dann diese große Angst,
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die alle immer haben, dass sich das verselbstständigt und die ganzen Grenzen,
0:42:49–0:42:55
durchbricht und dann auf einmal im Internet ist und die Weltmacht übernimmt und so weiter.
Florian Clauß
0:42:55–0:42:59
Ja, da steht uns ja bevor, da ist ja wieder einer schreiend von dem Trophic
0:42:59–0:43:05
weggerannt und gesagt, wir werden alle stören, die KI wird uns beherrschen.
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Das passiert ja regelmäßig, wobei dann immer nicht so klein.
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Ist das jetzt ein Marketing-Deck oder ist das jetzt, wie heißt es, nicht Starlight?
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Wie heißt denn dieser Konzern bei Terminator?
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Der die Terminators dann entwickelt hat. Star, weiß ich nicht.
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Aber das ist also da, wo quasi sich das so verselbstständigt hat,
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dass eben der Mensch dann die Entität, die auszulöschen gilt.
Micz Flor
0:43:33–0:43:39
Ja. Und das ist eben dann auch zukunftsgerichtet natürlich dann wieder eine Anbindung auch.
0:43:39–0:43:44
Es gibt ja auch in dem AI-Film von Steven Spielberg diese ganz Schlussszene,
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wo dieser Roboter, der einer der Main-Character der ist dann ganz tief im Eis verschollen,
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gefunden wird, nach wir wissen nicht wie vielen Milliarden Jahren,
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von solchen engelsgleichen Figuren, wo man auch nicht weiß, sind das jetzt Androiden
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mit irgendeiner Hightech, die wir nicht verstehen können.
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Aber die Bilder sind sehr schön, finde ich. Ich mag das sehr gerne,
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wie die dann schichtenweise Eis abtragen. Dann finden die da unten diesen Roboter,
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diesen humanoiden Roboter.
Florian Clauß
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Ja, und ich finde, der Film ist schon echt super.
0:44:14–0:44:20
AI von Spielberg, der war ja so Anfang 2000 und da ist ja diese Konditionierung
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des Roboters, dass der genau für diesen Zweck, das ist der Kindroboter,
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dass er geliebt wird und Liebe gibt,
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und er ist so dermaßen damit aufgehoben und auf einmal kann er diese Liebe nicht
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mehr irgendwo abgeben und das heißt, diese Emotionalisierung von Technik,
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durch diese Figur der AI und dass er immer noch nach Milliarden von Jahren auf
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dem Meeresgrund ist und unglücklich ist Und man freut sich für ihn,
0:44:45–0:44:49
dass er jetzt auf einmal seine Liebe weitergeben kann an dieses sphärischen Wesen.
Micz Flor
0:44:49–0:44:54
Und er ist ja gegenüber von diesem Karussell, wo er immer auf diese Meerfrau
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guckt, die er halt liebt, also stellvertretend liebt für seine Mutter.
0:45:00–0:45:05
Ich wollte das halt alleine mit dieser Idee von das Protomolekül als KI,
0:45:05–0:45:08
dass halt diese Wesen, die ihn dann so finden, wir wissen nicht,
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wo die herkommen, aber das Protomolekül eben auch so ist, dass sie rausgeschossen wurden.
0:45:12–0:45:16
Dem ist Zeit egal, diesen Protomolekül. Es fängt halt an, wenn es soweit ist.
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So irgendwie die Bärt-Hirchen.
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Ja, dass das dieser Transhumanismus, dass halt die KI dann eben auch das ist,
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was ohne Menschen funktioniert irgendwann.
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Oder wie wir es bei Zuse hatten, die Idee, dass Miniaturwerkbänke,
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die sich selber immer mehr kleiner machen, dass die dann auf einmal eine mechanische,
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sich selbst verfertigende,
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Universum machen können, sodass die Menschen und die Biologie nicht mehr gebraucht
0:45:47–0:45:53
wird und die KI dann, diese ganzen LLMs sind dann wir und dann können wir weiterleben und,
0:45:54–0:45:59
eben in diesem Bild auch wie ein AI von Steven Spielberg dann diese transhumanen
0:45:59–0:46:03
Wesen, die aber irgendwie doch scheinbar bewusst und siegelgerichtet arbeiten.
Florian Clauß
0:46:03–0:46:07
Ja gut, aber dann kommt es genau an diesen Kipppunkt, wo du dich fragst,
0:46:08–0:46:14
ob nicht Biologie viel, viel, ob dadurch dieser Lebensbauplan viel intelligenter
0:46:14–0:46:17
ist, als das, was KI jemals sein kann.
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KI immer noch an diesem Not-unplugable ist.
0:46:22–0:46:26
Also das heißt, KI hängt immer noch am Stecker, hängt noch in Rechenzentren.
0:46:26–0:46:30
Das heißt, es gibt immer noch die Möglichkeit, das rauszuziehen und das Ding
0:46:30–0:46:31
kann sich nicht selbst reproduzieren.
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Das ist ja so dieses Ding, was dann halt Leben, Evolution so geschaffen hat.
0:46:39–0:46:44
Du weißt ja nicht, was da alles für Prozesse abgeht. Das ist ja so ein Milliardenbauplan,
0:46:44–0:46:48
der dann halt irgendwie in jeder Zelle drin liegt, mehr oder weniger.
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Aber das ist ja schon so, kann das KI?
0:46:51–0:46:56
Und das ist halt so, wo man dann vielleicht das da an dieser Stelle so ein bisschen
0:46:56–0:47:00
differenzieren. wenn das Protomolekül tatsächlich dann irgendwie so eine Intelligenz,
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die sich auf organischem Weg entwickelt hat, dann ist es,
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schwierig, das mit KI zu vergleichen, weil KI kann es halt den Stecker rausziehen und dann ist Ende.
Micz Flor
0:47:12–0:47:20
Ende Gelände, ja. Und gleichzeitig ist ja die Stecker raus, also die Idee,
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wenn du jetzt Biologie reinstehst, ich habe jetzt ein bisschen meinen Faden
0:47:22–0:47:24
verloren, aber ich komme gleich wieder drauf.
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Ach doch, genau, die Anbindung von dem, was du sagst, nochmal dann an Mobilität,
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also Mortalität, Entschuldigung, also Sterblichkeit.
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Interessanter Versprecher. Weil wir diese KI, wenn wir die jetzt mit der Fristen-Folge,
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die war nicht so gut, die müssen wir vielleicht noch eine machen irgendwann.
0:47:46–0:47:52
Und aber auch mit der Mark-Solms-Folge über die Entstehung von Bewusstsein verbinden,
0:47:52–0:47:55
da wurde ja argumentiert, dass,
0:47:55–0:48:00
das Bewusstsein per se entsteht aus einer Reihe von Schritten,
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die bedingt sind dadurch,
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dass Systeme sich selbst stabilisieren wollen und erhalten wollen.
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Das kann man beginnend mit einer einzelnen Zelle argumentieren oder mit Fristens
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Modell von dem Free Energy Principle sogar auch auf physikalische Modelle übertragen,
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wie Wirbelstürme, die auch eine Eigendynamik entwickeln, die in gewisser Weise
0:48:23–0:48:24
sich selbst stabilisieren können.
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Und diese Stabilisierung, die Homööstase, ist dieser, sag ich mal, lebensfähige Bereich.
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Und aus dem heraus entstand ja dann, könnt ihr euch gerne nochmal anhören,
0:48:37–0:48:43
diese Idee von Bewusstsein als Folge von einem, eine Möglichkeit,
0:48:44–0:48:47
ein komplexes System am Leben zu erhalten, primär.
0:48:48–0:48:54
Und die KI, die hat natürlich auf den ersten Blick diese Mortalität nicht eingebaut,
0:48:54–0:48:56
aber in gewisser Weise, wie du sagst, man kann Stecker ziehen.
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Das wäre natürlich bedrohlich. Da müsste die KI, wenn sie das erkennt,
0:49:01–0:49:06
dass sie dann stirbt, dann müsste sie arbeiten, um eben auch da eine Homööstase
0:49:06–0:49:08
herzustellen, damit das auf keinen Fall passiert, dass jemand einen Stecker zieht.
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Und dann würden die Leute halt dann sagen, siehst du, die will uns umbringen.
0:49:14–0:49:18
Aber das ist, finde ich nochmal interessant, dieses Thema Sterblichkeit damit
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reinzunehmen auch, weil das ist ja ein zutiefst biologisches Thema und man vergisst,
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glaube ich, im Transhumanismus manchmal, dass es aber auch ein postbiologisches Thema ist.
0:49:30–0:49:34
Lizumer Hütte und Klammjoch. Jetzt sind wir gleich da schon.
0:49:35–0:49:36
Meinst du, wir müssen hier durch?
Florian Clauß
0:49:36–0:49:37
Ja, meine ich.
Micz Flor
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So, jetzt sind wir schon auf den letzten 15 Minuten, aber das ist ja fast eine
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ganze Fristen-Folge, wo es eigentlich nichts zu sagen gibt.
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Ich habe auch gerade, als du angefangen hast zu erzählen, habe ich gemerkt,
0:49:52–0:49:55
dass ich fasziniert zuhöre und mitdenke und gleichzeitig mich frage,
0:49:57–0:50:04
was hilft das, wenn man das Bruttomolekül mit KI-Entwicklung oder der Art,
0:50:04–0:50:10
wie Militär, Menschen, Individuen und Gesetze damit umgehen,
0:50:11–0:50:12
wenn man das miteinander alignt.
Florian Clauß
0:50:14–0:50:23
Ja, also ich meine, was man sagen kann über KI ist, wir kennen ja alle aus dem
0:50:23–0:50:26
Technikmuseum so diese...
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Diese Kulturgeschichte, wo du dann halt,
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bis in die Steinzeit ins Neolithikum gehst, dann gibt es dann halt irgendwie
0:50:36–0:50:42
so ein Geigenzähler, dann halt immer so ein Schlag, wenn irgendeine Erfindung aufgekommen ist.
0:50:42–0:50:46
Dann Feuer, dann gibt es halt irgendwie, keine Ahnung was, also irgendwie auch
0:50:46–0:50:51
Stein. Und dann gibt es halt Rad, dann gibt es halt irgendwie so Bronze,
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dann gibt es halt irgendwie Eisen.
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Die Erfindungen werden ja dann halt so, wird immer schneller und dann kommst
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du halt so langsam auf unsere Jetzt-Zeit, steuerst du zu und es wird dann irgendwann
0:51:04–0:51:08
so ein Dauerton, weil so viele Sachen dann sich so erfunden werden.
0:51:09–0:51:12
Und jetzt ist dann halt so das Letzte, also ich meine nicht das Letzte,
0:51:12–0:51:15
aber das KI ist halt so ein Enabler.
0:51:15–0:51:18
Das heißt, du musst ja gucken, wie jetzt die ganze Kriegsführung ist.
0:51:18–0:51:24
Da, wo früher noch ein Panzer dann gebaut wurde, da wurde dann erstmal beschlossen,
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dass ein Panzer die Gelder bereitgestellt hat.
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Und so und so für Milliarden für dieses Panzerprogramm wurde dann,
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weiß ich nicht, Thyssen gegeben. Und dann haben die angefangen,
0:51:33–0:51:36
dann rollte der dann zehn Jahre später vom Band.
0:51:36–0:51:41
Und jetzt ist es halt so, wir haben diese Drohnen, wir haben hier die KI,
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wir machen die Drohnen und die KI zusammen und innerhalb der Lebenszyklus von
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so Kriegsgeräten, der ist momentan so kurz.
0:51:48–0:51:52
Also dieser ganze Ukraine-Krieg ist ja quasi so ein Testgebiet für genauso die
0:51:52–0:51:55
neuen Waffentechnologien-Systeme.
0:51:55–0:51:59
Und da weißt du gar nicht, wie viel wiegt denn so ein Panzer gegen halt irgendwie
0:51:59–0:52:02
so eine Drohne und wie billig es geworden ist.
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Also das heißt, auf der einen Seite hast du KI, erstmal die Entwicklung ist
0:52:05–0:52:10
relativ teuer, aber so als Enabler hast du jetzt auf einmal so eine Möglichkeit,
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da so viele Sachen dann halt mit abzubilden und einzupumpen.
0:52:14–0:52:19
Ja, das ist schon so eine neue Form und es ist diese Beschleunigung,
0:52:19–0:52:24
die dann so immer noch schneller wird durch diese Invention.
Micz Flor
0:52:24–0:52:28
Ja, aber können wir das auch nochmal ohne Militär machen und Krieg?
0:52:28–0:52:32
Also weil das stimmt, was du sagst und das ist ja eine Driving Force.
Florian Clauß
0:52:32–0:52:35
Ja, aber ich komme doch immer irgendwie auf Krieg zurück. Oh,
0:52:35–0:52:38
guck mal, jetzt lichtet sich der Nebel und es kommen die ganzen Bäume.
0:52:39–0:52:43
Aber es ist doch immer der Krieg, der Innovationstreiber ist.
0:52:44–0:52:48
Also das heißt, alles, was wir jetzt haben, ist doch irgendwie Kriegstechnologie
0:52:49–0:52:52
an Technik. GPS zum Beispiel.
0:52:52–0:52:54
Und ein GPS wären wir nicht hier.
Micz Flor
0:52:56–0:53:00
Und wüssten nicht, wo wir sind, wenn wir hier sind. Aber dann heißt es ja umgedreht
0:53:00–0:53:04
nochmal, diese Sterblichkeit der biologischen Systeme, die wir noch sind,
0:53:04–0:53:07
die jetzt gerade eben die Kontrolle auch über die technischen Systeme,
0:53:07–0:53:08
die wir herstellen können, haben.
0:53:08–0:53:14
Denn unsere Angst, die dahinter steckt, die sorgt dafür, dass wir vor allen
0:53:14–0:53:16
Dingen immer im Krieg versuchen,
0:53:18–0:53:22
die Oberhand behalten zu müssen. Natürlich, weil wir nach wie vor biologisch bedroht sind.
Florian Clauß
0:53:22–0:53:26
Genau. Also es ist so ein bisschen, um dann nochmal diese Brücke zu schlagen,
0:53:26–0:53:31
wie dieser Mortalitätsindex, den wir dann hatten, als wir hier quasi in den
0:53:31–0:53:33
Truppenübungsplatz gegangen sind.
0:53:34–0:53:38
Wir haben ja eben erzählt von dieser Tafel, wo dann bestimmte Gebiete gesperrt
0:53:38–0:53:39
werden, weil da Truppenübungen passieren.
0:53:40–0:53:45
Und darunter war wirklich so eine Indexanzeige von wie viel Lebensgefahr.
0:53:45–0:53:48
Sehr hoch, hoch, mittel, nicht so hoch.
0:53:51–0:53:55
Das ist schon total absurd eigentlich. Das ist fast so ein Monty Python-Sketch.
Micz Flor
0:53:55–0:54:00
Es passt aber, wie du sagst, es passt echt absurd gut eben auch zu unserer jetzigen
0:54:00–0:54:02
Episode, dass wir in diesem Gelände sind, was,
0:54:04–0:54:09
einerseits Millionen, Milliarden alte Gesteine unter uns trägt und andererseits
0:54:09–0:54:13
aber auch diesen geflanschtes Militärding da so richtig reingebaut ist.
0:54:13–0:54:17
Also es ist ja fast so, wir haben so, hast ja auch ein Foto gemacht,
0:54:17–0:54:20
das dann vielleicht da von so Trenches, wo die Leute dann üben und wir haben
0:54:20–0:54:24
so ein paar Sachen gesehen, wo so Türen in die Berge gehen oder so.
0:54:25–0:54:31
Passend, dass wir das jetzt hier auch, dass wir diesen Begriff Militär und Krieger,
0:54:31–0:54:32
die Begriffe damit reinnehmen.
0:54:33–0:54:35
Mir wäre es natürlich lieber gewesen, die immer außen vor zu lassen,
0:54:35–0:54:39
weil ich mag das nicht, dass man über Dinge redet, weil natürlich dann immer,
0:54:39–0:54:46
wenn man sie benennt, dann ist es auch möglicher und es wird viel zu viel über Krieg geredet.
Florian Clauß
0:54:46–0:54:51
Du willst die dann zum Wohlbefinden weg abstrahieren?
Micz Flor
0:54:51–0:54:59
Nicht zum Wohlbefinden, aber Aber ich möchte Geschichten entgegenschreiben,
0:55:00–0:55:01
in denen Krieg nicht vorkommt.
Florian Clauß
0:55:02–0:55:04
Du willst andere Geschichten erzählen?
Micz Flor
0:55:04–0:55:07
Ich will Geschichten erzählen, in denen Krieg nicht vorkommt.
Florian Clauß
0:55:07–0:55:08
Okay.
Micz Flor
0:55:08–0:55:13
Und denke, dass Geschichten, wenn sie plausibel sind, auch leben können oder
0:55:13–0:55:16
entstehen können. Nicht, weil ich damit magische Sprüche mache.
0:55:17–0:55:23
Aber in der Sportpsychologie weiß man inzwischen, dass der Satz einem,
0:55:23–0:55:28
Fußballer vorm Elfmeter zu sagen, das Wichtigste ist, du schießt nicht daneben,
0:55:28–0:55:34
ist nicht hilfreich, weil die Möglichkeit daneben zu schießen auf einmal da ist,
0:55:35–0:55:37
wo sie vielleicht vorher gar nicht da wurde.
0:55:37–0:55:39
Und das verändert dann den Schuss.
0:55:40–0:55:43
Und genau in dieser Art ist es halt so, selbst wenn man versucht,
0:55:43–0:55:47
hilfreich zu sagen, du machst es schon, schieß bloß nicht daneben,
0:55:48–0:55:55
hat man auf einmal einen Vorbehalt geschaffen, der dann eben den Prozess verändern kann.
Florian Clauß
0:55:55–0:55:59
Ja, aber ich meine, wir reden über Sci-Fi und das, was Sci-Fi vor 40 Jahren
0:55:59–0:56:02
geschrieben hat, ist jetzt unsere Realität.
Micz Flor
0:56:02–0:56:06
Ja, also außer fliegende Autos. und.
Florian Clauß
0:56:06–0:56:08
Doch, Flugtaxi haben wir auch.
Micz Flor
0:56:09–0:56:14
Italienisch singendes Flugtaxi ins Sperrgebiet sehr toll,
0:56:17–0:56:21
Ja, keine Ahnung, wir lassen es nicht mal so stehen. Wir räumen jetzt mal zusammen.
0:56:21–0:56:25
Im Hintergrund hat er schon die Kuhglocken. Wir sind gleich nämlich im Tal angekommen,
0:56:25–0:56:27
auf der Hütte, müssen einchecken und so.
0:56:29–0:56:32
Danke fürs Zuhören. Machst du den Abhinde oder ich?
Florian Clauß
0:56:36–0:56:41
Wenn ihr sehen wollt, wo wir langgelaufen sind, dann geht auf eigentlich-podcast.de.
0:56:42–0:56:44
Da veröffentlichen wir die Tracks.
0:56:44–0:56:51
Die Tracks und diesen hier auch, den Track und auch Bilder und mal gucken,
0:56:51–0:56:57
was jetzt noch an Text und Links aus dieser Episode fällt, Mitch wird da noch was zusammenstellen.
Micz Flor
0:56:59–0:57:03
Und jetzt würde mich nochmal interessieren du hast ja diese Tracks Darstellung
0:57:03–0:57:09
gebaut, da werden ja alle GPX Tracks reingeladen und auf eine Map gelegt und,
0:57:10–0:57:13
zum Schluss, wenn alle drin sind, wird auch glaube ich, die Ansicht nochmal
0:57:13–0:57:17
so korrigiert, dass alle Tracks auch in dieser Map drin sind, oder?
Florian Clauß
0:57:17–0:57:17
Ja.
Micz Flor
0:57:17–0:57:20
Das heißt, wir haben jetzt einen Ausreißer.
Florian Clauß
0:57:20–0:57:24
Nein, wir hatten ja schon viele Ausreißer, aber ich habe das Plugin so gebaut,
0:57:24–0:57:27
dass du Tracks exkludieren kannst.
0:57:27–0:57:32
Also es macht keinen Sinn, dass wir den Track hier in den Alpen anzeigen,
0:57:33–0:57:38
weil dann halt die Karte wäre dann so nicht mehr so richtig bedienbar.
Micz Flor
0:57:38–0:57:38
Ja.
Florian Clauß
0:57:39–0:57:42
Also ich habe da quasi jetzt würde ich den auch exkludieren.
Micz Flor
0:57:42–0:57:42
Okay.
Florian Clauß
0:57:42–0:57:48
Den kannst du dann in dem Plugin zur Sendung, kannst du dann halt da die eigentlich
0:57:48–0:57:50
Folge setzen, dann wird die explodiert.
Micz Flor
0:57:51–0:57:54
Okay, verstehe. Gut, vielen Dank für die Klärung nochmal.
0:57:54–0:57:56
Auch wichtig für euch, wo euch
0:57:56–0:58:00
vielleicht wundert, warum wir jetzt von wo reden, wo wir gar nicht sind.
0:58:01–0:58:09
Und schaltet auch in 14 Tagen wieder ein, wenn es heißt, eigentlich beim Laufen
0:58:09–0:58:11
reden und laufend reden.
0:58:12–0:58:17
Und dann vielleicht noch eine Folge mit Wandern, wo die Gedanken wandern. Tschüss.
Florian Clauß
0:58:18–0:58:18
Tschüss.

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Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
Erzähler
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Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:01–0:00:04
Ich bin ja sehr gespannt. Jetzt bin ich ja langsam wieder wach.
Florian Clauß
0:00:17–0:00:19
So, dann lasse ich mal,
0:00:22–0:00:22
klatschen.
Micz Flor
0:00:23–0:00:31
Okay, Achtung mal. Hallo und herzlich willkommen zu Eigentlich Podcast, Episode 112.
0:00:32–0:00:37
Wir grüßen euch von, wo sind wir gerade, 1790 Meter oder so?
0:00:38–0:00:43
In den Traxlner Alpen, ne wie heißen die Traxlner? Tuxla, Tuxla,
0:00:43–0:00:45
Tuxla, genau. Tuxla Alpen.
0:00:46–0:00:51
Blo und ich sind auf einer kleinen Bergwandertour, Hüttentour unterwegs.
0:00:51–0:00:58
Und ja, nehmen dann ein paar Episoden auch auf, weil die Uridee von,
0:00:58–0:01:05
eigentlich Podcast kam ja vom Wandern, der Slogan heißt, beim Laufen reden und laufend reden.
Florian Clauß
0:01:05–0:01:06
Richtig.
Micz Flor
0:01:06–0:01:09
Und in den Bergen können die Gedanken wandern.
0:01:10–0:01:13
Und ich weiß nicht, worum es geht, aber Flo hat mich so ein bisschen angeteasert,
0:01:13–0:01:18
hat gemeint, es habe irgendwie mit mir zu tun oder ich sei irgendwie Teil davon?
Florian Clauß
0:01:18–0:01:22
Nee, es hat was mit hier zu tun.
Micz Flor
0:01:22–0:01:23
Mit hier zu tun?
Florian Clauß
0:01:23–0:01:26
Nein, nicht mit mir oder mit, sondern mit hier.
Micz Flor
0:01:27–0:01:29
Ah, okay, mit hier. Aber irgendwie fühlte ich mich angesprochen.
0:01:30–0:01:31
Jetzt bin ich mal sehr gespannt.
Florian Clauß
0:01:31–0:01:36
Eine kleine Überraschung, ja. Ja, und zwar, ich möchte tatsächlich eine Reihe
0:01:36–0:01:40
fortsetzen, die wir auch gemeinsam bespielt haben.
0:01:40–0:01:46
Und wir begeben uns wieder in die Welt der Sagen, Mythen und Märchen.
Micz Flor
0:01:46–0:01:46
Ah, nice.
Florian Clauß
0:01:46–0:01:51
Yes. Mir ist das so entgegengesprungen, als ich dann halt so geguckt habe.
0:01:51–0:01:56
Tuxa Alpen und hier gibt es den Tuxa Sagenweg.
0:01:57–0:02:01
Dann habe ich natürlich weiter geguckt und ich habe einem drei Sagen mitgebracht,
0:02:01–0:02:06
die wir uns dann computergeneriert wieder anhören werden und über die ich mit
0:02:06–0:02:08
dir dann gemeinsam sprechen möchte.
0:02:08–0:02:16
Wieder voll in die Interpretation, Analyse, Psychoanalyse, was da alles drin
0:02:16–0:02:20
ist, was da dann für sexuelle Sachen konnotiert sind.
Micz Flor
0:02:20–0:02:24
Also bei den Tirolern, da kenne ich sie gar nicht. Tiroler, Tirolerin.
Florian Clauß
0:02:24–0:02:28
Aber wir müssen ja sagen, wir sind nicht in der Welt der Märchen,
0:02:28–0:02:31
sondern wir bewegen uns in die Welt der Sagen.
0:02:33–0:02:37
Die Tuxa-Alpen, deswegen habe ich gestern noch gefragt auf der Hütte,
0:02:37–0:02:39
warum heißt das hier Stille?
0:02:40–0:02:44
Was war das, Tuxa? Stille Tuxa, da hinten in einer anderen Hütte, wo wir vorher waren.
0:02:44–0:02:48
Und die haben dann gesagt, ja, das ist eigentlich eher eine Marketingidee,
0:02:48–0:02:54
Aber das ganze Gebiet ist eher nicht so frequentiert,
0:02:54–0:02:58
ein bisschen stiller, ein bisschen ruhiger, ein bisschen ab vom Schuss,
0:02:58–0:03:01
obwohl wir recht volle Hütten haben.
Micz Flor
0:03:01–0:03:03
Ich würde sagen, die Hütten sind echt ziemlich top.
0:03:04–0:03:10
Also eher so eingerichtet, dass das alles flutscht so. Aber es sind kleine.
Florian Clauß
0:03:10–0:03:13
Klar sind nicht die Größen von Kain. Ihr habt gerade ein Auto vorbeifahren hören.
0:03:14–0:03:17
Also hier kommt man auch mit dem Auto lang. Also das ist insofern,
0:03:17–0:03:22
wenn du dich hier so umguckst, diese Landschaft ist ja schon ergreifend.
0:03:22–0:03:26
Wir haben jetzt auch tatsächlich, dass die Wolken mal, dass hier aufgeklart
0:03:26–0:03:28
ist, dass wir so ein bisschen Sicht haben.
0:03:28–0:03:33
Und jetzt ist der Einstieg so.
0:03:33–0:03:38
Also die Landschaft, die Landschaft erzeugt die Geschichten, ja.
0:03:39–0:03:46
Und was könnten halt so diese Berge für Sagenfiguren darstellen?
Micz Flor
0:03:47–0:03:50
Okay, also da würde ich natürlich erst mal, wenn wir in Norwegen wären,
0:03:50–0:03:53
auf Trolle tippen. Aber weil wir nicht in Norwegen sind, würde ich dann eher
0:03:53–0:03:54
so Richtung Riese gehen.
Florian Clauß
0:03:54–0:03:58
Ja, genau, der Tuxer Riese. Das ist eine Sage, die ich auch mitgebracht habe.
0:03:58–0:04:00
Die hören wir uns dann gemeinsam an.
0:04:00–0:04:05
Gestern waren wir am Tisch gemeinsam mit einer anderen Gruppe und die wollten
0:04:05–0:04:06
über das Tuxer Joch steigen.
0:04:07–0:04:10
Dann gibt es auch eine Geschichte über das Tuxer Joch. Generell muss man ja
0:04:10–0:04:14
sagen, im Alpenraum sind ja auch spezielle Bedingungen.
0:04:15–0:04:22
Also das Ganze hier im Winter ist mehr oder weniger gut zugänglich.
0:04:23–0:04:29
Die Leute, die hier wohnen, das ist auch mehr oder weniger eine Schicksalsgemeinschaft,
0:04:30–0:04:32
die einfach sehr abhängig von der Natur sind.
0:04:33–0:04:37
Und da bilden sich auch die Geschichten drumherum.
0:04:38–0:04:43
Es gibt natürlich alle möglichen Bedrohungen, die auch einprasseln. Lawinen, Steinschlag.
0:04:44–0:04:49
Dann die Föhnstürme sind tatsächlich hier. Hier gibt es halt auch wirklich diese
0:04:49–0:04:51
Föhnwand, die hier rüber ragt.
0:04:52–0:04:56
Das ist auch sowas, was aus dem Nichts passieren kann. Das ist auch dieser Effekt.
0:04:56–0:05:00
Wir laufen da lang, gerade strahlendes Wetter. Und auf einmal, wir sind eine Wolke.
0:05:01–0:05:05
Und es kann anfangen zu schneien. Also wirklich diese Umschläge sind,
0:05:05–0:05:06
du wirst da hin und her geworfen.
0:05:07–0:05:11
Und diese Sagen hier in diesem Bereich...
0:05:12–0:05:18
Die helfen so ein bisschen, das zu kultivieren und geben auch so gewisse Anweisungen mit.
0:05:19–0:05:24
Und man muss auch sagen, dass Sagen unterscheiden sich in Märchen, grundlegend.
0:05:24–0:05:28
Weil die Sagen haben immer auch einen wahren Kern.
0:05:29–0:05:33
Also die heißen jetzt auch der Tuxer Riese oder es kommt das Tuxer Joch vor.
0:05:33–0:05:37
Es gibt eine Lokalisierung, es gibt auch Figuren, die man kennt.
0:05:38–0:05:42
Und es geht nicht immer alles gut aus. Es ist nicht dieses Märchenversprechen,
0:05:42–0:05:47
Ende gut, alles gut, sondern in Sagen kann halt alles Mögliche passieren noch.
0:05:47–0:05:51
Und es hat eben, wie gesagt, diesen Realitätsbezug.
0:05:51–0:05:54
Deswegen möchte ich da nochmal die Sagen abheben.
Micz Flor
0:05:55–0:05:59
Ja, ich kenne mich da nicht so genau aus, aber ich hatte auch mal was schon
0:05:59–0:06:01
rausgegraben, dann aber nicht weiter gelesen.
0:06:01–0:06:04
Es gibt von Walter Benjamin so einen Text über einen Erzähler,
0:06:04–0:06:06
also Märchenerzähler der Vorträge.
0:06:07–0:06:10
Und der hat dann da drin so einmal ausgesprochen, hat dazu gesagt,
0:06:10–0:06:14
der Unterschied zwischen Mythen und Märchen ist halt, dass die Mythen sind roh
0:06:14–0:06:21
und unverbraucht und überwältigend so und das Narrativ macht daraus dann Märchen.
0:06:21–0:06:25
Also die Märchen sind quasi schon eine Domestizierung und sind überhaupt erst
0:06:25–0:06:28
die Möglichkeit, auch mit diesen Mächten quasi irgendwie umzugehen,
0:06:29–0:06:30
nicht so ausgeliefert zu sein.
0:06:30–0:06:32
Ich weiß nicht genau, was die sagen,
0:06:32–0:06:34
die sind irgendwo so dazwischen wahrscheinlich, ich weiß nicht genau.
Florian Clauß
0:06:34–0:06:38
Ja, ja, ich glaube auch, also die Mythen sind ja auch, die sind wahrscheinlich
0:06:38–0:06:43
noch archaischer. Also der Erzählkern ist dann wahrscheinlich in einer Zeit,
0:06:43–0:06:45
wo es noch nicht eine Verschriftlichung gab.
0:06:46–0:06:50
Also es ist auch so, dass man sagt dann bei einigen Sagen, das geht halt schon
0:06:51–0:06:53
so weit in die Zeit zurück.
0:06:54–0:06:57
Und dann erst später wurde es dann aufgeschrieben, weitererzählt.
0:06:57–0:07:01
Da gibt es auch eine Person hier im Tiroler Raum.
0:07:02–0:07:09
Das ist nämlich Ignaz Vinzenz Zingerle. Und der hat von 1825 bis 1892 gelebt.
0:07:09–0:07:11
Und das ist so der Tiroler Grimm.
0:07:12–0:07:15
Der hat dann auch diese ganzen Sagen gesammelt, ein Buch veröffentlicht.
0:07:15–0:07:19
Das ist halt auch so der, wir hatten das ja schon bei den Märchen,
0:07:19–0:07:24
die Grimms Märchenbuch, dass zu der Zeit ja eigentlich die Grimm,
0:07:24–0:07:29
die Germanistik so oder mehr oder weniger dann auch als Fach dann entwickelt haben.
0:07:29–0:07:34
Und das auch systematisch akademisch aufbereitet haben mit diesem Hausmärchenbuch.
Micz Flor
0:07:37–0:07:41
In Berlin haben wir im Hintergrund immer viele Autos. Hier hatten wir zwei,
0:07:41–0:07:43
aber jetzt vor allen Dingen Kuh-Glocken.
0:07:45–0:07:49
Die kommen jetzt wieder auf uns zu. Die sind an uns interessiert,
0:07:49–0:07:55
weil niemand steht wie wir schweigend im Gespräch vertieft zwischen den Kühen auf der Wiese.
Florian Clauß
0:07:56–0:08:00
Genau, also der Zingerli hat das dann hier so mehr oder weniger kultiviert und
0:08:00–0:08:02
dann halt auch so den Grundstand.
0:08:02–0:08:07
Es gab dann in den 1950er Jahren noch so andere Personen, die das dann halt
0:08:07–0:08:09
auch weiterentwickelt haben.
0:08:09–0:08:14
Und dieses Tuxa, das ist hier der Sagenraum und da ist vor kurzem halt dieser
0:08:14–0:08:18
Sagenwanderweg auch eingeleitet worden oder hat sich hier geschaffen.
0:08:19–0:08:22
Die konkreten Erzählungen, die ich jetzt dann auch so mitgebracht habe,
0:08:23–0:08:28
die sind dann in so mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Zeit gewachsen.
0:08:29–0:08:35
Und die greihen sich eigentlich auch an diesen Wandersaalen europaweit ein.
0:08:35–0:08:40
Also man kann dann immer sagen, es gibt dann bestimmte Motive,
0:08:40–0:08:43
die dann nochmal so ein lokales Gewand bekommen.
0:08:44–0:08:50
Aber hier gibt es dann halt nochmal so spezielle Stellen, wo das sich tatsächlich
0:08:50–0:08:52
noch mal in die Landschaft einschreibt.
0:08:52–0:08:56
Deswegen wird es dann schon so ein bisschen realer, sag ich mal.
Micz Flor
0:08:56–0:08:57
Ja, ich bin gespannt.
0:09:00–0:09:06
Ich mache das eigentlich immer auch gerne. Es gibt ja für jedes Gebiet,
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Märchen und Sagen aus dem Odenwald.
0:09:13–0:09:16
Ich lese sie immer ganz gerne. Ich überlege gerade, warum ich sie ganz gerne lese.
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Vielleicht sogar, weil die ja wirklich eben aus der Zeit kommen,
0:09:22–0:09:25
wie du auch beschreibst, weil das so alles noch sehr lokal gedacht ist.
0:09:25–0:09:29
Also diese ganzen Bezüge, auch kulturelle Bezüge, es gibt so einen Hintergrund,
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was ein Märchen ist, wie es funktioniert und sicherlich wurden Märchen auch
0:09:32–0:09:36
umgereicht und sicherlich gibt es auch vergleichbare, das hatten wir bei Schneewittchen, glaube ich,
0:09:37–0:09:43
dass das irgendwie in unterschiedlichen Regionen trotzdem sehr ähnlich war.
0:09:44–0:09:49
Aber es hat immer noch das, was du sagst, Hier in einem Tal ist halt dieses eine Tal.
0:09:49–0:09:52
Und wenn da was ist, wie bei Michel aus Lonneberger, ein Schneesturm,
0:09:52–0:09:56
und da muss aber den Knecht auf dem Schlitten mit dem Pferd zum Doktor fahren,
0:09:56–0:10:02
dann muss man da halt rausfahren. Eben, ja. Das ist so archaische Kräfte, die da einmachen.
Florian Clauß
0:10:02–0:10:06
Ja, mehr als dann so eine kultivierte Stadtlandschaft, wo die Infrastruktur heißt.
Micz Flor
0:10:06–0:10:12
Da haben wir gestern auf der Hütte auch schon gesprochen, wie viele Helis gibt
0:10:12–0:10:15
es eigentlich in der Bergwacht, gar nicht in der Bergwacht.
Florian Clauß
0:10:15–0:10:16
Ja, genau.
Micz Flor
0:10:16–0:10:20
Gelernt, dass in München alle drei Heli-Leute Christoph heißen mit vollem Namen.
Florian Clauß
0:10:20–0:10:26
Nee, nicht die Heli-Leute, die Helis heißen so. Christoph, Monau.
Micz Flor
0:10:26–0:10:28
Ah, ich dachte, die lassen sich...
Florian Clauß
0:10:28–0:10:30
Die kannst du so adressieren.
Micz Flor
0:10:30–0:10:33
Aber es ist interessant, weil man auf der Hütte trotzdem scheinbar immer noch
0:10:33–0:10:38
über die Bedrohung, über die Berge, über die Dinge, die schief gehen können, redet.
0:10:39–0:10:42
Es sterben ja immer auch Menschen in den Bergen, auch in den Städten,
0:10:42–0:10:46
aber hier hat es irgendwie immer noch was, Vielleicht ein anderes Gewicht,
0:10:46–0:10:49
das ist irgendwie immer gebunden an was ist da schiefgelaufen,
0:10:49–0:10:52
warum war niemand da, wie konnte das passieren?
Florian Clauß
0:10:53–0:10:58
So, genau, also das war jetzt mal so ein bisschen so dieser historische Schlag, ne,
0:10:59–0:11:05
und jetzt wollte ich so einsteigen in die, also was so motivübergreifend ist,
0:11:05–0:11:12
ne, also was dann auch in einigen, in einigen von diesen Sagen dann halt auch mehrfach vorkommt.
0:11:12–0:11:14
Also Riesen haben wir ja schon erwähnt.
0:11:15–0:11:17
Riesen sind im Prinzip beseelte Berge.
0:11:18–0:11:22
Das ist so diese Projektion des Überwältigenden. Also man sieht das halt.
0:11:23–0:11:28
Also du kannst ja auch, das könnte hier da oben so ein schlafender Riese sein.
0:11:29–0:11:32
Ich meine, Riesen haben ja auch eine eigene Kulturgeschichte.
0:11:32–0:11:38
Da habe ich jetzt nicht so viel rausgeholt. Aber du hast ja die Riesen,
0:11:38–0:11:43
die jetzt zum Beispiel in der griechischen Mystik kämpfen, die gegen die Götter.
0:11:44–0:11:51
Oder du hast, ja gut, das mit Odysseus und wir haben ja da dieser Zyklop,
0:11:51–0:11:57
der Zyklopenriese, der im Prinzip auch eher so ein Tumpertyp ist.
0:11:58–0:12:03
Odysseus schafft es ihnen dann auch übers Ohr zu hauen. Ja, niemand hat mich
0:12:03–0:12:05
geblendet, keiner hat es gesehen.
0:12:05–0:12:11
Ja, stimmt. Nur dieser Ausruf. Aber trotzdem Riesen haben wir eine unglaubliche Kraft einfach.
0:12:12–0:12:15
So wie die Berge auch eine Kraft einfach haben.
0:12:16–0:12:19
Was hier auch dazu kommt, ist eben, dass die ganze Landschaft,
0:12:19–0:12:24
früher zumindest mehr als heute, in Eis und Schnee fast über die Hälfte des
0:12:24–0:12:27
Jahres dann auch bedeckt war.
0:12:27–0:12:32
Also das heißt, da hast du auch eine ganz andere Verkehrssituation,
0:12:32–0:12:34
eine ganz andere Versorgungssituation auch, ne?
0:12:35–0:12:39
Und was wir auch in der, das hatten wir so ein bisschen bei den Fuchsgeistern,
0:12:39–0:12:44
aber wir haben ja im Prinzip in dieser Landschaft auch dann immer so einen Animismus,
0:12:45–0:12:50
was wir aus dem asiatischen Raum auch kennen, die beseelte Natur,
0:12:51–0:12:52
es lebt irgendwie so.
0:12:53–0:12:58
Und viele sagen, muss man auch sagen, dass die so aus einer vorchristlichen Zeit kommen.
0:12:58–0:13:04
Das wurde dann halt quasi verkristlicht dann irgendwann, so wie viel mit heidnischen,
0:13:04–0:13:09
Kulturgütern. Die wurden dann halt quasi so eingepreist in die Religion,
0:13:09–0:13:13
weil die Leute das ja nach wie vor dann für sich so praktiziert haben.
0:13:13–0:13:17
Aber die haben eben mehr oder weniger einen heidnischen Hintergrund.
0:13:19–0:13:23
Ja, es gibt dann auch natürlich gute Geister, böse Geister, je nachdem.
0:13:23–0:13:28
Das saalige Fräulein ist zum Beispiel ein guter, das kommt dann auch vor.
0:13:29–0:13:32
Was ich darin aber auch ausdrücke, ist halt einfach diese Ambivalenz der Natur.
0:13:33–0:13:39
Natur kann schaffen, kann zerstören und das ist natürlich hier spürbar in dieser Landschaft.
0:13:39–0:13:43
Vielleicht auch nochmal so übergreifend, habe ich ja eh schon gesagt,
0:13:44–0:13:49
Was wir da mehrfach als Motive haben, ist diese spiegelnde Vergeltung,
0:13:49–0:13:54
also diese poetische Gerechtigkeit. Die Strafe ist natürlich Spiegel des Vergehens.
0:13:55–0:13:59
Also es wird im Prinzip was gespiegelt und dann gibt es halt auch da eine entsprechende
0:13:59–0:14:00
Message dahinter ist, oder?
Micz Flor
0:14:00–0:14:06
Gespiegelt heißt, dass dir widerfährt, was du anderen angetan hast.
Florian Clauß
0:14:07–0:14:10
Genau, es wird quasi so. Aber es ist ja so ein übliches Motiv,
0:14:11–0:14:13
dass das so, wie du dich verhältst.
0:14:14–0:14:18
Die dann halt wieder selber dann ein Leid erfährt.
0:14:19–0:14:23
Oder aber es wird dann halt so, wie du dich verhältst, wird dann auch gezeigt,
0:14:23–0:14:26
so geht es nicht für die anderen.
0:14:27–0:14:31
Also das wird gespiegelt. Dann haben wir auch so diese...
0:14:31–0:14:39
Hybris versus Demut. Also dieses Äußerliche versus diese Ergriffenheit, die da drin hängt.
0:14:40–0:14:45
Also ich glaube, diese Dankbarkeit, also dieses Leben miteinander ist hier halt noch viel stärker.
Micz Flor
0:14:46–0:14:49
Aber Demut und Dankbarkeit sind ja nicht deckungsgleich. Das sind natürlich
0:14:49–0:14:50
zwei unterschiedliche Themen.
Florian Clauß
0:14:50–0:14:55
Diese Demut ist ja auch quasi so eine Entmächtigung.
Micz Flor
0:14:57–0:15:00
Du hast dieses Wort Schicksalsgemeinschaft gesprochen und das finde ich ist
0:15:00–0:15:03
näher so an diesem Begriff der Demut dran, dass man einfach weiß,
0:15:04–0:15:07
dass man hier gefasst ist, irgendwie eingefasst.
0:15:07–0:15:11
Das ist eine Fassung von Natur um einen herum, die einen auch beschränkt,
0:15:11–0:15:16
in dem, wo man hin kann, was man ernten kann, was man erschaffen kann und die
0:15:16–0:15:18
Arbeit, die da drin steckt.
Florian Clauß
0:15:19–0:15:22
Ja, genau. Das zieht sich an die alle durch diese drei Sagen,
0:15:22–0:15:24
die ich dann jetzt gleich mit dir durchgehen werde.
0:15:24–0:15:29
Das ist nämlich so diese Gruppe von Menschen, also diese Schicksalsgemeinschaft,
0:15:29–0:15:34
diese Dorfgemeinschaft, diese verletzlichen Menschen in dieser übermächtigen,
0:15:35–0:15:37
ambivalenten Natur dann,
0:15:38–0:15:43
so drin hängen, ja, und damit irgendwie umgehen müssen.
Micz Flor
0:15:43–0:15:45
Machen wir die hintereinander? Machen wir drei Teile?
Florian Clauß
0:15:45–0:15:47
Also ich habe gerade wieder das Gefühl.
Micz Flor
0:15:48–0:15:51
Dass wir eigentlich schon wieder zwei Episoden machen.
Florian Clauß
0:15:51–0:15:58
Ja, vielleicht. Mal gucken, wie lange das geht. Okay, dann beginnen wir mit der ersten Sage.
0:15:59–0:16:01
Und zwar ist das die gefrorene Wand.
Text2Speech
0:16:01–0:16:08
Es ist lange her. So lange, dass keiner mehr den Namen jener Menschen kennt, die damals lebten.
0:16:08–0:16:11
Doch die Alten erzählen es ihren Kindern noch heute.
0:16:12–0:16:13
Und die Kinder erzählen es weiter.
0:16:14–0:16:17
Denn der Berg, um den es geht, steht ja noch immer da.
0:16:18–0:16:23
Man muss nur hinaufschauen. Versteckt im hintersten Winkel des Tuxertals,
0:16:23–0:16:28
dort, wo heute das Spannadelhaus in den Wind gestellt ist, lag einst die schönste
0:16:28–0:16:30
und größte Alm des ganzen Tales.
0:16:31–0:16:37
Wer sie sah, wem ging das Herz auf. Die Wiesen leuchteten so saftig grün,
0:16:37–0:16:38
dass es in den Augen schmerzte.
0:16:39–0:16:43
Und das Vieh war so wohlgenährt, wie man es nirgends sonst gesehen hatte.
0:16:44–0:16:49
Wenn die Alma am Abend ihre Kühe melkten, da floss die Milch nicht dünn und
0:16:49–0:16:52
bläulich in die Kübel, wie es bei armen Leuten der Fun ist.
0:16:52–0:16:57
Nein, sie floss dick und gelb wie der reinste Rahm aus den Eutern.
0:16:57–0:17:04
Und der Duft von frischer Butter lag über der ganzen Alm. Niemand musste hungern in jenen Tagen.
0:17:05–0:17:09
Bis weit hinaus ins Zillertal wurden die Menschen mit Butter,
0:17:09–0:17:14
Käse und Milch von dieser einen Ein versorgt und man nannte sie glücklich,
0:17:15–0:17:17
die dort oben ihr Viehhüten durften.
0:17:18–0:17:24
Doch wie es so geht, wenn der Mensch es allzu gut hat, die Alma wurden übermütig.
0:17:25–0:17:31
Sie wurden faul und sie wurden hochmütig. Und schließlich vergaßen sie sogar
0:17:31–0:17:36
den lieben Herrgott, dem sie all ihren Reichtum zu verdanken hatten.
0:17:37–0:17:44
Es war an einem Sonntagmorgen. Unten im Dorf läuteten die Kirchenglocken zur Heiligen Messe.
0:17:44–0:17:48
Hell und klar stieg ihr Klang die Berge herauf.
0:17:48–0:17:54
Doch die Almer lagen faul auf ihren Strohbetten, gähnten und streckten sich
0:17:54–0:17:59
und dachten gar nicht daran, den weiten Weg hinunter ins Dörflein zu gehen,
0:17:59–0:18:02
um dem Herrgott für seine Güte zu danken.
0:18:03–0:18:08
Was brauchen wir in die Kirche, Bien, sagte einer, der gottloseste von allen,
0:18:08–0:18:14
und lachte, wo wir doch hier oben mehr zu essen haben, als wir je verbrauchen können.
0:18:15–0:18:22
Und ein schallendes Gelächter erhob sich, das von der Alm bis hinunter ins Dorf zu hören war.
0:18:23–0:18:30
Nur zwei von ihnen besannen sich noch rechtzeitig. Sie erschraken über die frevelhaften
0:18:30–0:18:35
Worte, sprangen auf und liefen, so schnell sie ihre Beine trugen,
0:18:36–0:18:38
den Berg hinab zur Kirche,
0:18:38–0:18:41
um die Messe nicht zu versäumen.
0:18:41–0:18:46
Die anderen aber riefen ihnen höhnisch nach, »Bet, Brüder! Bet,
0:18:46–0:18:49
Brüder!« Und wir hatten vor Lachen.
0:18:50–0:18:55
Dann standen sie auf von ihren Strohbetten und weil ihnen langweilig war,
0:18:55–0:19:00
fingen sie mit teuflischem Übermut an, die großen, fetten Butterkugeln herumzuwerfen.
0:19:01–0:19:06
Jauchzend und mit gottverlassener Freude schleuderten sie die Butter über die
0:19:06–0:19:11
grünen Wiesen, bis die Kugeln an den Baumstämmen zerplatzten.
0:19:12–0:19:18
Als ihnen auch das noch zu langweilig wurde, da rollten sie die kostbaren Butterkugeln
0:19:18–0:19:20
den Hang hinunter, dem Dorf entgegen,
0:19:21–0:19:27
und zielten geradewegs auf das kleine Kirchlein, in dem eben die Messe gefeiert wurde.
0:19:28–0:19:36
Die erste Kugel traf die Kirchentür, und im selben Augenblick zerwiss ein furchtbarer Donner den Himmel.
0:19:37–0:19:40
Es krachte, als bräche die Welt entzwei.
0:19:41–0:19:45
Ein Blitz nach dem anderen schlug in den Boden, und schwarze Wolken,
0:19:46–0:19:51
wie man sie noch nie gesehen hatte, wälzten sich über die Alm und hüllten sie ein.
0:19:52–0:19:59
Zuerst kam der Hägen in Strömen, dann kam der Schnee, und der Schnee hörte nicht mehr auf.
0:19:59–0:20:05
Drei Tage und drei Nächte schneite es ohne Unterlass, und als es am dritten
0:20:05–0:20:12
Tag endlich still wurde und der Schnee aufhörte zu fallen, da war die Alm verschwunden.
0:20:13–0:20:19
Wo eben noch das saftige Grün bis ins Tal geleuchtet hatte, lag nun eine meterhohe
0:20:19–0:20:22
weiße, tote Decke aus Eis und Schnee.
0:20:23–0:20:30
Darunter aber, für immer begaben, lagen die frevelhaften Alma mit all ihrem Übermut.
0:20:30–0:20:38
Der Berg war erstarrt, und von jenem Tag an nennen ihn die Leute nur noch die gefrorene Wand.
0:20:39–0:20:45
Und wenn du heute hinaufschaust zu ihr, zu dem grauen Eis, das dort oben liegt,
0:20:45–0:20:50
wo einst die schönste Alm des Tales war, dann denke an die Almer,
0:20:50–0:20:53
die vergaßen, wem sie zu danken hatten.
0:20:54–0:20:56
Der Berg hat es nicht vergessen.
Florian Clauß
0:20:56–0:21:05
So, interessant. Das ist aber, ja gut, das ist schon recht klar, was da erzählt wird.
Micz Flor
0:21:05–0:21:07
Aber laufen wir da vorbei?
Florian Clauß
0:21:07–0:21:12
Nee, das ist tatsächlich Tux und hinter Tux ist jetzt hier drüber.
0:21:12–0:21:16
Also das ist quasi das andere Bergkamm, das ist Richtung Zillertal,
0:21:16–0:21:20
wo die anderen Gruppen, Tuxerjoch, rübergegangen sind und das ist Tux dann.
Micz Flor
0:21:20–0:21:24
Ah, okay. Ich dachte, weil wir dann in diesem Bereich hier, wo die gestern meinten,
0:21:24–0:21:27
das sieht aus wie eine Mondlandschaft. Das hatte ich so innerlich als Bild.
0:21:27–0:21:32
Das ist ja auch ein Teil der Richtung Süden im Zillertal, also ins Zillertal.
Florian Clauß
0:21:32–0:21:37
Ja, das geht dann eher ins Zillertal übrig. Das ist dann eher in diese Richtung
0:21:37–0:21:40
hier. Also da ist das, also es ist halt alles sehr nah hier.
0:21:41–0:21:43
Das ist ganz schön, diese Geschichte.
0:21:43–0:21:49
Also ich meine, was hier natürlich so diese Verchristlichung ist hier ganz stark, das Motiv.
0:21:51–0:21:54
Aber was ich dann immer so interessant finde, ist halt einfach so diese,
0:21:55–0:22:00
diese Bedeutung von Kalorien. Und das ist ja, Butter ist ja quasi,
0:22:00–0:22:03
das ist das, was du brauchst, um überleben zu können.
0:22:04–0:22:09
Du brauchst ja irgendwie, gerade hier, wir sind auch viele Höhenmeter gelaufen,
0:22:09–0:22:12
du musst ja irgendwie das wieder füttern.
0:22:12–0:22:16
Und gerade hier, wo du halt immer hoch und runter läufst, bist du ja noch viel
0:22:16–0:22:20
mehr darauf angewiesen. Deswegen ist Butter quasi das Gold der Alm.
0:22:21–0:22:26
So wird es ja auch häufig verkauft. Aber Butter ist halt so diese Essenz,
0:22:26–0:22:30
die halt das Überleben einfach auch da zeigt.
0:22:30–0:22:32
Und dann natürlich der Überfluss.
0:22:33–0:22:37
Also wenn dann halt die alle so ein bisschen frei drehen, wir haben alles,
0:22:37–0:22:41
ja, so ein bisschen Milch und Honig und mir ist langweilig. Und dann machen
0:22:41–0:22:45
sie halt auch diese Analogie von Lawinen und Butter.
0:22:45–0:22:49
Und das ist irgendwie strahlender Sonnenschein. Sonnenschein und auf einmal,
0:22:49–0:22:53
in dem Moment, schlägt es den Schnee um und es schneit drei Tage.
0:22:53–0:22:59
Das ist ja auch eine reale Situation, die du in den Bergen hast. Und dann ist die Alm weg.
0:23:00–0:23:04
Die hedonistischen Eimer sind dann quasi bestraft und die Eimer ist verschwunden.
Micz Flor
0:23:04–0:23:07
Und wahrscheinlich ist das wirklich auch ein Gletscher gewesen,
0:23:07–0:23:11
also weil der ja dann die, also die gefrorene Wand blieb ja dann liegen.
0:23:11–0:23:16
Also das ist dann die Gletscher, den es jetzt so wahrscheinlich vielleicht auch gar nicht mehr gibt.
0:23:16–0:23:18
Deshalb keine Ahnung, wo das irgendwie war.
Florian Clauß
0:23:18–0:23:19
Ja.
Micz Flor
0:23:19–0:23:22
Ja, also was ich habe natürlich, weil du vorher meintest, dass es hier alles
0:23:22–0:23:26
noch so, das Christliche, das hattest du ja am Anfang so ein bisschen ausgeklammert.
0:23:26–0:23:29
Du hast gemeint, das ist hier nicht so Thema, es geht hier so um Ventur.
0:23:29–0:23:33
Aber das war ja sehr stark so. Und gleichzeitig war es so der Berg.
0:23:33–0:23:34
Also auf der einen Seite haben wir den Berg.
0:23:35–0:23:38
Und auf der anderen Seite haben wir diese kleine, kleine Kirche unten im Dorf,
0:23:38–0:23:42
die kaputt geht, wenn Butter dagegen holt. Also irgendwie war das,
0:23:42–0:23:45
vom Gefühl her musste die Kirche beschützt werden. Die hatte nicht wirklich Macht.
Florian Clauß
0:23:45–0:23:49
Nein, die geht ja nicht kaputt. Sondern das ist ja quasi in dem Moment,
0:23:49–0:23:53
wenn dann halt diese Butter, dann fängt quasi der Connect. Dann hast du halt
0:23:53–0:23:56
die 320.000 Volt, die dann abgeben.
Micz Flor
0:23:57–0:23:59
Aber die Butter zerstört noch die Tür?
Florian Clauß
0:23:59–0:24:00
Nein, nein, die knallt an die Tür.
Micz Flor
0:24:00–0:24:01
Ah, okay.
Florian Clauß
0:24:01–0:24:05
Die knallt an die Tür, die zerstört es nicht. Das ist ein großer Schlag.
0:24:05–0:24:09
Und in dem Moment ist halt diese direkte Betroffene, also da hast du quasi diese
0:24:09–0:24:15
sensible Stelle dann getriggert, die dann halt zur Bestrafung dann führt.
Micz Flor
0:24:16–0:24:20
Also in mir entstand so das Bild von einer Zeit, in der die erste kleine Kirche
0:24:20–0:24:23
gebaut war und irgendwie passt das alles noch nicht so richtig zusammen.
0:24:23–0:24:26
Und die Geschichte erzählt jetzt aber, währt das nochmal auf.
0:24:26–0:24:28
Aber es ist halt nicht so, dass die Kirche die Macht hat.
0:24:29–0:24:31
Und das, was dann böse wird, ist ja auch der Berg.
0:24:32–0:24:36
Also da ist ja so eine Verbindung zwischen dieser kleinen Kirche,
0:24:36–0:24:39
die scheinbar im Entstehen ist, wo manche schon hingehen, manche nicht. Aber...
0:24:41–0:24:46
Die Almer, die dann vom Berg bestraft werden, sind ja die, die sich da die Kirche
0:24:46–0:24:49
verhöhnen und so. Und dann halt diese Todsünden, einige davon irgendwie.
0:24:49–0:24:55
Also Faulheit und keine Ahnung, was das ist, Hochnäsigkeit. Ich weiß nicht, wie die heißt.
0:24:56–0:25:00
Also das wurde halt sehr auch explizit gemacht. Sie hatten ja auch in der Geschichte,
0:25:00–0:25:01
waren sie ja auch teuflisch.
0:25:02–0:25:05
Das wurde ja als Gegenpol auch mit reingenommen, wie sie das teuflisch gemacht haben.
0:25:06–0:25:11
Und das Bild, was ich davon hatte, war jetzt einfach wirklich eine Zeit,
0:25:11–0:25:16
in der die christliche Kirche sich hier vielleicht langsam etabliert,
0:25:17–0:25:24
und so eine Geschichte auch dazu beiträgt, dass man die große Macht der Natur,
0:25:24–0:25:28
des Berges und so, dass die alle im Endeffekt dann doch,
0:25:29–0:25:31
Teil Gottes sind.
Florian Clauß
0:25:32–0:25:36
Ja, es gibt was Übernatürliches, aber ich glaube auch die Kirche wäre austauschbar
0:25:36–0:25:41
an dem Punkt. Also es könnte dann vielleicht irgendwie vom Berg dann so eine,
0:25:42–0:25:45
Ausbuchtung sein, wo die Butter dann gegenknallt.
0:25:45–0:25:48
Ich glaube, es ist nur dieser Connect, dass dann halt quasi,
0:25:48–0:25:50
es passiert ja dann ein Naturereignis.
0:25:50–0:25:54
Es ist ja nicht die Strafe Gottes, übertragen schon irgendwie,
0:25:54–0:25:59
aber es passiert halt sowas, was auch noch so real irgendwie, also eingefroren.
0:26:00–0:26:05
Es passiert ein Unwetter und die Alm verschwindet hinter einer gefrorenen Wand.
Micz Flor
0:26:05–0:26:09
Aber ich habe schon, weil die haben es ja zuerst irgendwie so sich gegenseitig
0:26:09–0:26:13
rumgeschmissen, dann gegen die Bäume geschmissen, dass die auch dann da zerplatzt,
0:26:13–0:26:14
dann haben sie rumgerollt.
0:26:14–0:26:17
Und das hatte aber alles keine Gegenwehr.
0:26:17–0:26:20
Die Natur hatte keine Gegenwehr und dann erst in dem Moment,
0:26:20–0:26:23
wo sie dann auch was runtergerollt haben, und dann haben sich dieses fiese Wort
0:26:24–0:26:27
Beetbruder für die beiden, die da runtergerannt sind, ausgedacht.
0:26:28–0:26:32
Und er ist wirklich in diesem Connect mit der Kirche, den würde ich schon als,
0:26:32–0:26:33
wichtig sehen.
Florian Clauß
0:26:33–0:26:37
Ja, ja, doch, auf jeden Fall. Also es geht schon so um diese Überschreitung
0:26:37–0:26:43
von Grenzen und die zu einem gewissen Punkt dann, also könnten immer noch zurückkehren.
0:26:43–0:26:45
Ich glaube, es ist nicht so ein gleicher Ausschluss. Manchmal,
0:26:46–0:26:50
vielleicht hast du auch zu viel, weiß ich nicht, Haselnuschnopps getrunken und
0:26:50–0:26:53
an einem Abend bist du halt irgendwie total, und dann am nächsten okay,
0:26:53–0:26:57
komm, war halt der Abend, komm zurück in die Gemeinschaft, bist wieder einer von uns, ja.
0:26:57–0:27:02
Aber es war dann immer noch und noch und noch und noch und als sie dann ins Tal reingerollt sind.
0:27:03–0:27:06
Dann war jetzt der Sack zu, oder wie man sagt.
0:27:07–0:27:11
Dann war genau dieses Züge. Und da ist dann diese Bestrafung,
0:27:11–0:27:13
was dann halt, also ich meine, klar, haben wir ja schon gesagt,
0:27:13–0:27:16
dann die Butter, so Wintervorrat.
Micz Flor
0:27:16–0:27:19
Was halt ein lustiges Bild ist, weil man würde heute nicht mehr,
0:27:20–0:27:25
selbst wenn man diese Sage verfilmen würde, würde man wahrscheinlich sich überlegen,
0:27:26–0:27:28
Butterkugeln, ehrlich, fällt euch nichts besser so ein?
Florian Clauß
0:27:28–0:27:32
Ja, weiß ich nicht. Das finde ich nach wie vor, wenn du halt irgendwie so eine
0:27:32–0:27:37
Art Dokumentation über das Leben von irgendwie hier Tiroler Bauern siehst,
0:27:37–0:27:40
dann siehst du halt noch, wie die dann Butter stampfen.
0:27:40–0:27:44
Also das ist nicht so fern. Also ich könnte mir schon vorstellen,
0:27:44–0:27:52
das ist halt so diese Butter, Weiß, Schnee, Lawine und so, aber auch reine Kalorien.
0:27:52–0:27:57
Es passt schon ganz gut in dieses Bild und ich glaube, es könnte auch funktionieren,
0:27:58–0:27:59
wenn man es animieren würde.
0:28:01–0:28:09
Könnte funktionieren. Aber auch das, was dahinter steckt, ist ja auch die Ausstellung,
0:28:10–0:28:12
desjenigen, der das verursacht hat, die gefrorene Wand.
0:28:12–0:28:20
Das ist ja so ein bisschen auch ein Mahnmal, das wird ja auch explizit aufgebaut.
0:28:20–0:28:25
Du guckst auf die gefrorene Wand und dann packt dich die Demut wieder. Also fang nicht an.
0:28:25–0:28:28
Also es ist halt irgendwie so, du siehst es da.
0:28:28–0:28:35
Und das ist greifbar und das zwingt dich dann quasi auch. Es ist nicht so entfremdet.
0:28:36–0:28:41
Also das ist halt so dieses, was dann auch direkt dann da ist und dann dich
0:28:41–0:28:45
auch wieder so auf Spur bringt. Das ist halt so, glaube ich, dieser.
0:28:47–0:28:50
Schicksalsgemeinschaftsvertrag, der da geschlossen wird.
0:28:51–0:28:55
Und das ist halt auch, wenn du hier quasi, also es ist nicht ganz das Gleiche,
0:28:55–0:28:57
Aber du hast ja auch häufig an irgendwelchen,
0:28:58–0:29:02
Stellen oder du hast viele Kapellen, du hast dann halt auch so Hinweise,
0:29:02–0:29:06
hier stürzt der in den Tod und es wird halt auch immer so, es wird dann halt
0:29:06–0:29:08
auch immer gemahnt, es wird erinnert.
0:29:09–0:29:14
Und diese Erinnerungskultur, die dann halt auch einfach so eine Ehrfurcht dann mit sich bringt.
Micz Flor
0:29:16–0:29:18
Demut und Hochmut, das sind so die beiden Sachen.
Florian Clauß
0:29:18–0:29:21
Genau, Demut, Tal, Hochmut, Bär.
0:29:24–0:29:26
Ja, das war jetzt die erste Geschichte.
Micz Flor
0:29:26–0:29:28
Der Text war jetzt original von...
Florian Clauß
0:29:28–0:29:33
Nein, der war nicht original. Der ist dann irgendwo im Internet und dann noch
0:29:33–0:29:37
ein bisschen verarbeitet und so weiter. Also es gibt dann, kann ich auch nochmal
0:29:37–0:29:40
verlinken, diese Tuxa-Sagen-Seite.
0:29:40–0:29:42
Und da findet man auch so ein paar Texte.
Micz Flor
0:29:42–0:29:43
Okay.
Florian Clauß
0:29:43–0:29:46
Willst du noch eine weitere Sage hören?
Micz Flor
0:29:46–0:29:50
Ja, möchtest du die nächsten zwei in eine zweite Episode reinkleben oder möchtest
0:29:50–0:29:51
du die alle jetzt durchmachen?
Florian Clauß
0:29:51–0:29:53
Ja, wir können mal gucken. Jetzt haben wir noch ein bisschen Zeit,
0:29:53–0:29:55
bis das Abendessen anfängt, oder?
Micz Flor
0:29:55–0:29:58
Okay, dann machen wir das so, dass wir jetzt hier einen Schnitt machen.
0:29:58–0:30:01
Das kennt ihr ja von uns. Manchmal, wenn es länger wird, dann machen wir das.
0:30:01–0:30:08
Und werden dann in vier Wochen die anderen beiden sagen, aus den Tuxeralpen.
0:30:11–0:30:14
Tuxeralpen. Danke, Flo. Wir machen es ganz schnell, weil wir jetzt natürlich
0:30:14–0:30:16
hier gleich weiter aufnehmen.
Florian Clauß
0:30:16–0:30:18
Ja, macht's gut. Bis dann. Tschüss.

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"Prepare the horxbrid and wagon, fetch my trunk, dress yourself in the dark blue Firschnian monk robes, and meet me on the lawn in forty-five minutes. We depart this very afternoon" -- Shrue in The Guiding Nose of Ulfänt Banderōz von Dan Simmons 2009

Diese Sommerepisode ist vollgepackt mit Büchern, Spielen, einem Film und zwei Wanderungen. Flo und Micz treffen sich, um Episode 111 (Schnapszahl) aufzunehmen und erwandern sich ganz entspannt die Stimmung, die den Claim „Beim Laufen reden und laufend reden“ begründete: beim Wandern ohne Hintergedanken mal alles raushauen, was einen gerade so beschäftigt. Micz beginnt mit seinem gefährlichen Halbwissen über Quantenphysik und Quantenfeldtheorie um sich zu werfen und Flo hammert die Bälle mit vollem Elan auf die Tribüne. So ist allen geholfen und das Niveau der Sommerfolge abgesteckt. Verlinkt in den Shownotes sind neben den Quantenschmökern „In Search of Schrödinger's Cat“ von John und Mary Gribbin aus dem Jahr 1984 und Adam Beckers „Was ist real? Das ungelöste Problem der Quantenphysik“ von 2018 auch Elizabeth Grosz und „Jacques Lacan. A Feminist Introduction“ aus dem Jahr 1990. Außerdem landet mit Georg Hermanns „Kubinke“ ein älterer Roman auf der Leseliste, diesmal nicht nur als gedrucktes Buch, sondern auch als Hörfassung: Peter Schiff liest „Kubinke“ für ARD Sounds. Micz kramt immer noch einen Dan Simmons aus. Diesmal „The Guiding Nose of Ulfant Banderoz“ aus dem Jahr 2012. Brett- und Kartenspiele sind „Quarto!“ für zwei Personen, Zank-Patience, „Cabo“, dessen Regeln im verlinkten Erklärvideo anzuschauen sind. Und schließlich „Durak“, ein traditionelles russisches Kartenspiel, auf Deutsch „Dummkopf“. Der Film: „Evil Does Not Exist“ von Ryusuke Hamaguchi aus dem Jahr 2023. Und weil diese Folge nicht nur geredet, sondern auch erlaufen wurde: die Hochrieshütte auf 1569 Metern und der Meraner Höhenweg verlinkt. Let the sun shine on me (and you and you and you).

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:06
Man bewegt ja bestimmte Körperpartien, die man sonst nicht im Alltag bewegt.
0:00:07–0:00:11
Also nicht in Berlin, hier gibt es keine Steigung. Man kriegt dann halt an komischen
0:00:11–0:00:14
Stellen Muskelkater, wie zum Beispiel ein Schienenbein.
0:00:22–0:00:25
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast.
0:00:26–0:00:29
Der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:30–0:00:36
Diesmal wieder in Kreuzberg, unserem Kiez, wo wir ganz oft durch und drüber
0:00:36–0:00:37
und nebenher gelaufen sind.
0:00:40–0:00:47
Und heute haben wir, naja, diese Episode hat eine Besonderheit, nämlich mit...
Micz Flor
0:00:48–0:00:54
Es ist die Schnapszahl. Und wie die Primzahlen ist es die letzte Schnapszahl.
0:00:54–0:00:58
Die Abstände werden jetzt nicht immer höher, aber die nächste Schnapszahl nach der 111...
0:00:59–0:01:02
ist 111 Folgen von dieser entfernt.
Florian Clauß
0:01:02–0:01:05
111, sind das immer 111, bis wir dann in die Tausender-Folgen gehen?
Micz Flor
0:01:06–0:01:07
Genau, und dann wird es noch schwieriger.
Florian Clauß
0:01:07–0:01:11
Immer 111. Wir haben noch ein paar Schnapszahlen vor uns.
0:01:13–0:01:18
Ein paar Dekaden-Podcasts mit Schnapszahlen. Die Unendlichkeit.
Micz Flor
0:01:19–0:01:24
Sozusagen die Voyager-Zone. Wir haben jetzt die Schnapszahlen verlassen und
0:01:24–0:01:29
sind jetzt so hinten raus und haben jetzt wirklich 100, nach dieser Folge 111 Folgen Schnaps zahlt.
Florian Clauß
0:01:30–0:01:33
Ja, und ihr merkt schon, wir haben auch diesmal kein Thema.
Micz Flor
0:01:33–0:01:36
Also auch diesmal kein Thema? Das letzte Mal hatten wir ein Thema.
Florian Clauß
0:01:36–0:01:42
Ja, aber manchmal, nein, das war vielleicht jetzt keine geschickte Überleitung.
0:01:42–0:01:45
Ich wollte nur sagen, dass wir noch so im Urlaubsmodus sind.
0:01:45–0:01:49
Mitch ist am Freitag aus dem Urlaub wiedergekommen. Ich bin gestern aus dem
0:01:49–0:01:50
Urlaub wiedergekommen.
0:01:50–0:01:53
Und eigentlich hatten wir vor, den Donnerstag ausfallen zu lassen.
0:01:54–0:01:57
heimlich, aber Mitch hat mich vorhin angetextet und dann geschrieben,
0:01:58–0:02:02
ich habe ein Zeitfenster von 15.30 Uhr bis 16.30.
Micz Flor
0:02:03–0:02:05
Uhr. Und das wollen wir mal auskosten. Vor allen Dingen auch deshalb,
0:02:05–0:02:10
weil ich weiß von einigen da draußen unserer ZuhörerInnen, die schon Wetten
0:02:10–0:02:17
abschließen, bei welchem Sommerlochfenster wir dann irgendwann mal eine Folge ausfallen lassen.
Florian Clauß
0:02:17–0:02:18
Einknicken.
Micz Flor
0:02:18–0:02:22
Einknicken, genau. Haben wir noch nicht gemacht. Und ich gönne es euch nicht.
0:02:22–0:02:25
Ich gönne es euch nicht, diese Wette müsst ihr verlieren.
Florian Clauß
0:02:25–0:02:26
That's Competition Mitch.
Micz Flor
0:02:27–0:02:30
Jetzt sind wir gerade auf dem Weg Richtung Engelbecken.
0:02:31–0:02:34
Und hier war ja früher mal wirklich ein Kanal, wusstest du das?
Florian Clauß
0:02:36–0:02:40
Du meinst, da wo wir jetzt gerade durch diese Brücke durchgehen, war mal Wasser?
Micz Flor
0:02:41–0:02:42
Hier unten war Wasser, nicht unten?
Florian Clauß
0:02:42–0:02:46
Ja, aber die Brücke muss ja dann mal unter Wasser gestanden haben.
Micz Flor
0:02:46–0:02:51
Das war hier sogar, glaube ich, vorgesehen für Fahrten, also für Schiffe.
0:02:51–0:02:56
Da wurden Kohlen und sowas reingeliefert, aber es war ein stehendes künstliches
0:02:56–0:02:59
Gewässer und es stank wohl dermaßen, dass sie es irgendwann zugeschüttet haben.
0:03:00–0:03:06
Siehst du, das ist ein Sommerloch-Thema, oder? Das ist ein ZDF-Morgenmagazin.
Florian Clauß
0:03:06–0:03:08
Und weißt du noch, wann das war?
Micz Flor
0:03:08–0:03:09
Was ist Ihr Lieblingspesto?
Florian Clauß
0:03:11–0:03:12
Also,
0:03:14–0:03:17
zu welcher Zeit? War das so im 19. Jahrhundert?
Micz Flor
0:03:17–0:03:22
Da bildest du mir gerade eine Riesenrampe für diesen typischen Podcast-Satz.
0:03:22–0:03:25
Das packen wir alles in die Show. Das sieht so keiner an.
0:03:26–0:03:30
Ich glaube, das war Anfang des 20. Jahrhunderts, als das hier zugeschüttet wurde.
0:03:30–0:03:32
Vielleicht hat der Hitler was damit zu tun.
Florian Clauß
0:03:33–0:03:37
Nee, also das war, mir fällt, ich frage deswegen nach, weil das ist vielleicht
0:03:37–0:03:44
auch nochmal so ein Thema für diese Sendung. Was hast du denn für Bücher gelesen im Urlaub?
Micz Flor
0:03:44–0:03:49
Oh, interessant. Da müsste ich jetzt, ich habe die Titel nicht mehr ganz im
0:03:49–0:03:52
Kopf, aber ich habe zwei Bücher über Quantenphysik gelesen.
0:03:53–0:03:59
Und dann ein Dan Simmons Buch, angefangen, wo der Titel auch so schwierig ist,
0:03:59–0:04:01
dass ich den auch in die Show Notes packen muss.
0:04:03–0:04:06
Und dann habe ich angefangen, auch,
0:04:09–0:04:13
einen feministischen Blick auf Lacan zu lesen.
Florian Clauß
0:04:13–0:04:16
Ach echt? Das ist ja interessant. Von Judith Butler?
Micz Flor
0:04:16–0:04:19
Nein, aber auch da habe ich die Autorin vergessen. Auch das muss ich jetzt alles,
0:04:19–0:04:23
was du, ich werde die Folge schneiden, die Show Notes schreiben.
0:04:23–0:04:27
Und du stickelst mich mit solchen Fragen an, was dann heißt,
0:04:27–0:04:30
entweder schneide ich es raus, was ich ja nicht tun werde, oder packst es halt
0:04:30–0:04:33
in die Shownotes. Jetzt muss ich das alles nochmal recherchieren.
0:04:33–0:04:36
Aber es war sehr spannend. Also mit der Quantenphysik habe ich gemerkt,
0:04:36–0:04:40
wir reden ja gerne mal drüber und ich verstehe überhaupt nichts darüber.
0:04:40–0:04:45
Aber es war wirklich interessant, da nochmal so ein bisschen mehr populärwissenschaftlich einzusteigen.
0:04:45–0:04:47
steigen und,
0:04:49–0:04:54
dann auch noch mal zu verstehen wie sehr kopenhagen und bohr aber auch so eine
0:04:54–0:04:59
domain besetzt hatten vor dem hintergrund seiner bestimmten wissenschaftsphilosophie,
0:05:00–0:05:04
dass die zwar unfassbar gute werkzeuge,
0:05:05–0:05:11
mit unfassbarer präzision für diese ganzen quantenberechnungen bereitstellen konnten.
0:05:11–0:05:14
So Heisenberg und wie heißt der andere nochmal aus England?
Florian Clauß
0:05:14–0:05:15
Schrödinger.
Micz Flor
0:05:15–0:05:20
Schrödinger, nee, aber dann auch später der der dann auch die Wasserstoffbombe,
0:05:21–0:05:23
errechnet hat sozusagen.
0:05:23–0:05:30
Aber die waren vor dem Hintergrund einer positivistischen Wissenschaftsphilosophie
0:05:30–0:05:36
gar nicht, hatten gar keinen inneren Anspruch, diese physikalische Realität,
0:05:36–0:05:38
das Weltbildleben anzupassen.
0:05:38–0:05:44
Also die Collapsing Wave Function, also dieses komische Artefakt,
0:05:44–0:05:47
was auch in dem einen, boah, mein Hirn ist echt in dem Urlaub.
0:05:49–0:05:54
Nee, nee, ich hatte doch mal diesen Reader auch geschickt, von dem,
0:05:56–0:06:01
der die Kurzgeschichten geschrieben hat, wo auch Arrival gemacht wird.
Florian Clauß
0:06:01–0:06:02
Ted Chang.
Micz Flor
0:06:03–0:06:08
Und er hat eine wunderbare Kurzgeschichte über genau dieses Thema The Collapsing
0:06:08–0:06:09
Wave Function, wo ja wirklich dann,
0:06:09–0:06:15
von Bohr und Konsorten behauptet wird, die Beobachtung, es wird wirklich darüber
0:06:15–0:06:18
nachgedacht, was das dann ist, wenn jemand beobachtet.
0:06:18–0:06:21
Und Einstein hat dann ja auch mal gesagt, es kann ja nicht sein,
0:06:21–0:06:27
dass man beobachten muss, damit irgendwas im Universum wahr wird,
0:06:27–0:06:31
real wird sozusagen. Das eine Buch heißt auch, was ist real von,
0:06:31–0:06:32
ich glaube, Adam Becker oder ich weiß nicht.
Florian Clauß
0:06:32–0:06:36
Ja, das ist ja eh so, das ist ja eh der Mindfuck bei der Quantentheorie.
0:06:36–0:06:41
Also bei der Quantenphysik, dass in dem Moment, wenn man was beobachtet,
0:06:41–0:06:45
auf einmal das Ergebnis ein anderes ist.
0:06:46–0:06:52
Also mit diesem Doppelspaltexperiment zum Beispiel. Das hat mich schon immer
0:06:52–0:06:55
total fasziniert. Und mir geht es da so wie dir.
0:06:56–0:07:02
Man denkt immer, man hat jetzt irgendwie so einen Funken, so einen Glimpse verstanden.
0:07:02–0:07:05
Aber in dem Moment, wenn du da mal greifst, ist es wieder so, hä?
Micz Flor
0:07:05–0:07:09
Ja, es war interessant, die Bücher. Ich kann es jetzt mal so ganz grob zusammenfassen,
0:07:09–0:07:13
weil einerseits die Bücher sich auch beide aus unterschiedlichen Blickwinkeln
0:07:13–0:07:18
damit auseinandergesetzt haben, was da eben so kulturell auch passiert ist in der Zeit.
0:07:18–0:07:22
Und das zweite Buch, Was ist real?
0:07:23–0:07:26
Fand ich interessant, weil das wirklich nochmal drauf geguckt hat, eben auf diese...
0:07:27–0:07:30
Auf diese School-Bully-Art auch,
0:07:32–0:07:41
wie halt gesagt wurde, wir müssen das Weltbild nicht den nachweislich funktionierenden
0:07:41–0:07:43
Algorithmen anpassen oder Berechnungen anpassen.
0:07:43–0:07:49
Es stimmt einfach. Und dann hat halt irgendjemand gesagt so, shut up and calculate.
0:07:50–0:07:55
Also stell keine Fragen mehr. Aber es gab in der Tat alternative Konzepte,
0:07:55–0:08:02
in denen das Thema der Lokalität anders betrachtet wurde und auch diese Ambivalenz eben ist es.
0:08:03–0:08:08
Ist es Particle oder ist es Wave Function? Und was bewirkt es denn,
0:08:08–0:08:09
dass es sich entweder so oder so verhält?
0:08:09–0:08:13
Und da ist halt eben die Konstruktion des Experiments auch Teil davon und eben
0:08:13–0:08:18
auch der Beobachter. Und Einstein hat ja die ganze Zeit gerade wegen der Lokalität
0:08:18–0:08:22
wohl auch gemuckt, hat gesagt, das kann nicht sein, dass Dinge schneller als
0:08:22–0:08:24
Lichtgeschwindigkeit, Informationen übertragen werden kann.
Florian Clauß
0:08:24–0:08:31
Ja, diese spuckhafte Fernwirkung. Wo dann schlagartig das eine Teilchen,
0:08:31–0:08:34
was dann halt mit einem anderen Teilchen verschränkt ist, wenn das die Richtung
0:08:34–0:08:36
ändert, das andere das auch tut.
Micz Flor
0:08:37–0:08:42
Und er hat eben dann eben auch mit diesem Beobachten, das mit Te-Chang möchte
0:08:42–0:08:43
ich nur abschließen, weil es ein tolles Buch ist,
0:08:45–0:08:48
hat Einstein eben auch irgendwo in einem Brief jemandem auch gesagt,
0:08:50–0:08:52
was passiert denn, wenn eine Maus zuguckt?
0:08:58–0:09:04
Du hattest ja auch bei der einen Folge diese Blindside, das Froschsehen,
0:09:04–0:09:09
also das Nicht-Conscious und es gab in der Tat wohl auch so viele metaphysische Überlegungen.
Florian Clauß
0:09:09–0:09:14
Was dann das Beobachten ist. Du kannst ja irgendwie alles, was so ein phänomenologisches
0:09:14–0:09:17
Bewusstsein hat, dann wird es sich verändern.
Micz Flor
0:09:17–0:09:20
Das ist genau das, was er sagt. Und bei der Ted-Chang-Folge geht es auch darum,
0:09:20–0:09:23
dass jemand hat seinen Job verloren und dann kriegt er so einen anderen Job
0:09:23–0:09:25
von einem Freund angeboten und kann eigentlich machen, was er will,
0:09:25–0:09:29
hat so ein bisschen Forschungsgelder und dann fängt er an mit dem Doppelspaltexperiment an.
0:09:29–0:09:34
Und dann hat Ted-Chang so ein paar von diesen Experimentkonstruktionen so.
0:09:35–0:09:40
beobachten, im Brief vorher reinschreiben und dann Brief aufmachen,
0:09:40–0:09:42
aber noch nicht angucken oder dann doch angucken.
0:09:42–0:09:45
Und irgendwann fängt er auch an, dann irgendwie einen Frosch hinzustellen,
0:09:45–0:09:46
eine Maus hinzustellen.
0:09:47–0:09:50
Und das geht dann total eben aus dem Ruder in dieser Kurzgeschichte,
0:09:50–0:09:55
weil er irgendwann auch merkt, es gibt manche Menschen, wenn die sich das Experiment
0:09:55–0:09:58
angucken, dann kollabst die Wave-Function auch nicht.
0:10:01–0:10:05
dann wird halt sein Experiment auf einmal eben von der Religion okkupiert,
0:10:05–0:10:09
von der Politik okkupiert und man hat halt irgendwie Sorge, dass auf einmal
0:10:09–0:10:14
eben so eine neue Form des Rassismus entsteht, aus dem, wer kann die Wave-Function
0:10:14–0:10:15
kollapsen lassen und wer nicht.
0:10:15–0:10:18
Das ist ja abgefahren. Das ist eine ganz tolle Kurzgeschichte.
Florian Clauß
0:10:18–0:10:20
Oh wow, das fällt mir wirklich, also
0:10:20–0:10:24
ich habe tatsächlich heute darüber nachgedacht, weil wir fahren ja auch,
0:10:25–0:10:30
Im Oktober wieder im Urlaub, traditionell nach Portugal, zum Wandern und Familienbesuch.
Micz Flor
0:10:30–0:10:34
Wir fahren auch im Oktober, traditionell in die Alpen, zum Wandern,
0:10:34–0:10:35
aber keinen Familienbesuch.
Florian Clauß
0:10:36–0:10:37
Nein, wir fahren September.
Micz Flor
0:10:37–0:10:41
Wir fahren September, stimmt. Ja, aber September ist der neue Oktober.
Florian Clauß
0:10:41–0:10:46
Ist der neue Oktober. Und dann hatte ich mir auch so, ja, dann habe ich Zeit.
0:10:46–0:10:50
Und dann, weil ich, das letzte Jahr habe ich mir in so einem Antiquariat,
0:10:50–0:10:55
das habe ich glaube ich schon erzählt, so ein Digest Readers oder wie das heißt.
Micz Flor
0:10:55–0:10:55
Readers Digest.
0:10:58–0:11:02
Das ist der precise opposite. Ich habe ein bisschen Lacan gelesen.
Florian Clauß
0:11:04–0:11:09
So ein Best of Science Fiction Novellen oder Kurzgeschichten von,
0:11:10–0:11:13
ich glaube es war 1984 oder so.
0:11:13–0:11:19
Das habe ich in so einem total schönen Dorf, was dann halt so ein Turidorf ist
0:11:20–0:11:21
mit einer Stadtmauer und so weiter.
0:11:21–0:11:24
Und da gab es halt irgendwie so einen Buchladen und da gab es halt immer so
0:11:24–0:11:28
die verschiedenen Ecken für die unterschiedlichen Sprachen. Und in der Deutschen
0:11:28–0:11:32
Ecke habe ich halt dieses Buch gefunden. Das war dann halt so meine Ferienliteratur.
0:11:32–0:11:36
Und dann hatte ich irgendwie das Gefühl, das war super Geschichten drin.
0:11:36–0:11:41
Und dann hatte ich auch jetzt die Vorstellung, was mache ich jetzt?
0:11:42–0:11:45
Wenn ich wieder nach Portugal fahre, dann würde ich gerne ein Ted Chiang-Buch lesen.
0:11:46–0:11:51
Und das ist jetzt so anders. Mitsch, du musst mir das Buch geben.
Micz Flor
0:11:51–0:11:54
Ja, habe ich schon mal. Hast du? Ich hatte, ich hatte,
0:11:54–0:11:58
ich weiß gar nicht, ich wollte das sogar auf GitHub stellen und zwar hatte ich
0:11:58–0:12:00
einfach recherchiert Dinge, die
0:12:00–0:12:04
im Netz gratis an Kurzgeschichten verfügbar sind, so ein Blogpost,
0:12:04–0:12:06
manchmal in mehreren Teilen und ich wollte ein Skript schreiben,
0:12:06–0:12:10
wenn man das ausruft, dann kriegt man EPUB mit. Sehr gut.
0:12:11–0:12:16
Und das kann ich dir mal schicken, weil es nämlich eben auch komplett ausruft.
0:12:16–0:12:20
Frei verfügbare Geschichten waren, zumindest, als es wieder was abkommt.
Florian Clauß
0:12:21–0:12:25
Ja, ich meine, Ted Chiang ist ja auch ein Gewinner des Hugo Awards.
0:12:25–0:12:29
Das ist auch immer eine ganz gute Quelle, wenn man nach einem neuen Buch schaut,
0:12:29–0:12:35
im Science-Fiction-Bereich, dann geht man halt die Gewinner oder Gewinnerinnen des Hugo Awards durch.
Micz Flor
0:12:35–0:12:39
Oder Nebula Award, und du musst mir das mal helfen. Welcher ist Publikumspreis?
Florian Clauß
0:12:40–0:12:41
You got me, you got me.
Micz Flor
0:12:41–0:12:45
Nee, weil einer von beiden, ich glaube, Hugo Awards sind Publikumspreis.
Florian Clauß
0:12:45–0:12:49
Ah ja, okay. Siehst du, da weißt du mehr als ich. Interesting.
Micz Flor
0:12:50–0:12:52
Gefährliches Halbwissen.
Florian Clauß
0:12:52–0:12:55
Das hast du jetzt alle gelesen. Eine, also Ted Chiang Kurzgeschichte.
Micz Flor
0:12:55–0:12:57
Nee, die habe ich vor sieben Jahren gelesen.
Florian Clauß
0:12:57–0:13:03
Ach so, ich dachte jetzt, sieben Jahre. Und du erinnerst das noch so genau. Oh, Brainy Mitch.
Micz Flor
0:13:04–0:13:08
Warte, genug über mich. Wie gefällt dir mein Haarschnitt?
0:13:13–0:13:14
Was ist denn?
Florian Clauß
0:13:15–0:13:17
Oh ja.
Micz Flor
0:13:17–0:13:21
Nee, was hast du? Du bist erholt. Ich bin überhaupt nicht erholt, aber es ist quasi so.
Florian Clauß
0:13:21–0:13:23
Ich bin zu erholt.
Micz Flor
0:13:24–0:13:25
Reiner Stress.
Florian Clauß
0:13:26–0:13:30
Willst du über den Urlaub reden? Nein. Aber ich wollte noch abschieben.
Micz Flor
0:13:30–0:13:31
Woher weißt du das?
Florian Clauß
0:13:32–0:13:33
Reiner Stress.
Micz Flor
0:13:33–0:13:34
Reinhard?
Florian Clauß
0:13:34–0:13:38
Nee, Reinhard Stress. Mit Reinhard fahren wir dann in den Urlaub.
Micz Flor
0:13:38–0:13:42
Genau. Da sind wir am 9. jetzt los. Für die, die es interessiert.
Florian Clauß
0:13:42–0:13:47
Und ich nehme die Aufnahmegeräte mit. Ich würde gerne, ich würde tatsächlich
0:13:47–0:13:52
gerne, also wir machen eine Hüttentour mit Reinhardt.
0:13:52–0:13:57
Und Reinhard zeltet aber. Reinhard ist, glaube ich, echt ein Pro, was Berge anbelangt.
0:13:58–0:14:01
Und er wird sein Zelt mitnehmen. Wir machen den Meraner Höhenweg.
0:14:02–0:14:05
Und ich habe jetzt mal geguckt, wir machen, also es gibt dann der Meraner Höhenweg,
0:14:05–0:14:11
es sind zwei Teile geteilt, der untere, man macht das so in sieben, acht Tagesetappen.
0:14:11–0:14:13
Der südliche Teil ist dann halt so für okay.
0:14:14–0:14:16
Und der nördliche Teil ist dann halt schon sehr alpin.
0:14:17–0:14:18
Und ich glaube, wir machen den nördlichen Teil.
Micz Flor
0:14:19–0:14:19
Ja.
Florian Clauß
0:14:20–0:14:21
Also teilweise den Teil.
Micz Flor
0:14:21–0:14:24
Ich bin mir nicht ganz sicher. Er meinte zumindest, also südlich,
0:14:24–0:14:27
nördlich kann ich jetzt nicht sagen, aber wir sind eher an den Südseiten.
0:14:27–0:14:30
Er meinte, das ist eigentlich immer vom Wetter auch recht.
Florian Clauß
0:14:30–0:14:34
Also wir sind an den Süd hängen von den Bergen, aber wir gehen,
0:14:34–0:14:39
glaube ich, quasi, wir gehen einen Teil von dem südlichen Teil und machen dann
0:14:39–0:14:42
oben den nördlichen Teil des Weges.
0:14:42–0:14:47
Aber ich habe da totales Vertrauen, weil Reinhard ist ja dann auch Dozent beim
0:14:47–0:14:50
Alpenverein und das heißt, er wird uns alle sichern.
Micz Flor
0:14:50–0:14:52
Der wird uns auf jeden Fall sichern.
Florian Clauß
0:14:52–0:14:57
Und ich bin ein bisschen aufgeregt, weil ich weiß nicht, wie die Witterungsverhältnisse
0:14:57–0:14:59
sind. Wenn es schneit...
0:15:00–0:15:05
dann muss ich nochmal anders packen. Aber wir schauen mal. Und auf jeden Fall
0:15:05–0:15:09
wollte ich dann gerne, wenn das für dich okay ist und auch für Reinhard,
0:15:11–0:15:13
dass wir dann eine Episode aufnehmen.
0:15:13–0:15:19
Und auch, weil Reinhard war ja hier schon mal zweimal Gast in unserem Podcast über Body Horror.
0:15:19–0:15:24
Zwei Folgen hat er mitgemacht. Und da hat er ja auch schon gesagt,
0:15:24–0:15:25
dass er ein Buch schreibt.
0:15:26–0:15:29
Das Buch ist mittlerweile erschienen. und das ist...
Micz Flor
0:15:29–0:15:31
Ist es wirklich erschienen?
Florian Clauß
0:15:31–0:15:32
Naja, ich weiß...
Micz Flor
0:15:32–0:15:36
Also wir müssen ein bisschen zurückhalten. Wir müssen den Titel auch nicht nennen
0:15:36–0:15:37
und auf den Auto noch nicht nennen.
Florian Clauß
0:15:37–0:15:39
Auf den Autor haben wir noch genannt.
Micz Flor
0:15:39–0:15:40
Ja, nur den Vornamen.
Florian Clauß
0:15:40–0:15:45
Also auf jeden Fall, wenn sich die Dinge fügen, würde ich gerne dann,
0:15:46–0:15:47
dass wir zu dritt über das Buch reden.
Micz Flor
0:15:48–0:15:50
Aber als als,
0:15:53–0:15:57
als wie heißt das, chronische Plot-Spoiler sind wir natürlich...
0:15:58–0:16:00
Also müssen wir echt aufpassen, kann man ja vielleicht dann doch schneiden,
0:16:03–0:16:04
dass wir das genügend anteasern.
Florian Clauß
0:16:04–0:16:05
Das machen wir.
Micz Flor
0:16:05–0:16:09
Ja, fände ich spannend. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich jetzt mich,
0:16:09–0:16:11
der ist jetzt auch weg schon in Italien.
Florian Clauß
0:16:11–0:16:12
Ja, der ist schon weg.
Micz Flor
0:16:12–0:16:17
Dass ich dann mein Feedback zu seinem Buch erst geben kann, wenn wir uns dann
0:16:17–0:16:18
in den Alpen wiedersehen.
0:16:19–0:16:22
Ah, ja. Passt ja irgendwie auch, finde ich, zu dem Buch.
Florian Clauß
0:16:22–0:16:26
Das passt super, das passt super. Ich freue mich drauf.
0:16:29–0:16:33
Ich habe noch zwei Sachen. Die eine Sache, ich wollte dann noch erzählen,
0:16:33–0:16:36
was ich gehört habe als Buch und nicht gelesen.
0:16:37–0:16:45
Ich bin ja immer ein großer Fan, obwohl ich das von der Infrastruktur verurteile.
0:16:45–0:16:54
Nämlich ARD-Sounds, die halt den ganzen freien Podcast-Distributoren komplett das Wasser abgraben.
Micz Flor
0:16:55–0:16:57
Aber woran liegt das, dass sie das tun?
Florian Clauß
0:16:58–0:17:04
Indem sie dann selber ein Monopol aufbauen von Podcasts. Also es ist so eine
0:17:04–0:17:08
geschlossene Plattform, wo du überhaupt nicht mehr nach draußen gehen musst.
0:17:08–0:17:12
Du bist komplett versorgt über dieses ARD-Sounds. Du brauchst eine App,
0:17:13–0:17:16
da werden nur die Podcasts von den öffentlich-rechtlichen,
0:17:18–0:17:22
ausgestrahlt und wiederholt und zur Verfügung gestellt.
0:17:23–0:17:28
und das untergeht natürlich die ganze freie Podcast Distribution,
0:17:28–0:17:32
weil du da als freier Podcast reinkommst. Das ist ähnlich wie bei Spotify.
Micz Flor
0:17:32–0:17:35
Aber ist das andersrum nicht so? Also ich meine mich zu ändern,
0:17:35–0:17:39
vielleicht nur in einzelnen Fällen, dass ich die Sachen, die bei ARD Sounds
0:17:39–0:17:43
liegen, aber auch von denen in anderen Podcasts irgendwie mit,
0:17:44–0:17:47
so Omnibus-Sachen, wo die dann ihre ganzen Hörspieler reinpacken.
0:17:48–0:17:53
Das heißt, die sind auch in diesem offenen Raum komplett,
0:17:53–0:17:58
präsent, aber in ihrem Sounds-Teil wird alles nochmal gespiegelt.
Florian Clauß
0:17:59–0:18:08
Genau. Also das heißt, du kannst die normal abonnieren, auch über die normalen Podcast-Plattformen.
Micz Flor
0:18:08–0:18:08
Ja.
Florian Clauß
0:18:08–0:18:12
Und dann haben die halt diese hermetische, also dieses All-in-One.
0:18:13–0:18:17
Du hast dann sowohl Inhalte wie auch den Player und so weiter.
0:18:17–0:18:20
Wir laufen gerade hier. Das ist ganz toll. Wir waren nämlich hier in diesem Kraftwerk.
0:18:21–0:18:23
Wir kreuzen die Köpenicker Strafe.
0:18:24–0:18:29
Und hier ist dieses alte Kraftwerk und vor einer Woche waren wir mit Familienbesuch
0:18:29–0:18:33
hier in diesem Kraftwerk, da hatten die nämlich die Halle auf und das war so
0:18:33–0:18:36
ein bisschen wie Tate Modern, halt aber unrenoviert.
0:18:37–0:18:42
Riesen, Riesen, Riesenhalle. Und du kannst es auch meten. Es wird von der Tresorgesellschaft
0:18:42–0:18:48
mit irgendwie betrieben oder so instand gehalten.
0:18:48–0:18:50
Ist ja auch ein schöner Biergarten davor.
0:18:51–0:18:56
Hardwax, der Plattenladen gibt es auch da. Das heißt, es ist wirklich ein toller
0:18:56–0:18:58
Ort. Wenn der auf hat, hat nicht immer auf.
0:18:58–0:19:02
Aber absolute Empfehlung. Das war auch das Prinzip, dass man da drin absolute
0:19:02–0:19:09
Stille, nicht reden, kein Handy in die Hand und einfach nur achtsam sein.
0:19:10–0:19:15
Wir schweigen jetzt ein bisschen. Und hören, wenn das Tolle ist an den Bergen,
0:19:15–0:19:17
ich komme nämlich auch gerade aus den Bergen, habe ich das schon gesagt?
Micz Flor
0:19:18–0:19:18
Nee.
Florian Clauß
0:19:18–0:19:22
Ich hatte nämlich eine Hütten-Tour mit meinen Kindern und Karin gemacht.
0:19:22–0:19:24
Das ist so eine traditionelle...
0:19:27–0:19:31
Das sind traditionelle Ferien, Familien, Anlöfnis.
Micz Flor
0:19:31–0:19:32
Ihr habt ganz viele Ferien, oder?
Florian Clauß
0:19:33–0:19:34
Überhaupt nicht.
0:19:36–0:19:39
Ich hab ganz wenig. Ich hab nur 25 Urlaubstage.
Micz Flor
0:19:39–0:19:44
Ach so, nee, aber ich hatte das Gefühl, dann scheinst du die ganz gut zu splitten.
0:19:44–0:19:47
Ich hab das Gefühl, dass du viel unterwegs bist. Portugal hast du gerade erwähnt.
0:19:47–0:19:48
Nee, ich komm nach Portugal.
0:19:48–0:19:51
Du kommst nach Portugal, du warst auf der Hütten-Tour, wir machen noch eine
0:19:51–0:19:54
Woche. Also da hatte ich das Gefühl, dass du einfach...
Florian Clauß
0:19:54–0:19:56
Das hat sich gerade so ein bisschen, das verdichtet sich gerade.
0:19:57–0:19:59
Aber davor hatte ich die ganze Zeit nichts gemacht.
0:20:01–0:20:01
Und dann,
0:20:04–0:20:06
wollte ich dich nochmal fragen, weil das wirklich so eine Beobachtung ist.
0:20:06–0:20:11
Es gibt wenig Plätze auf der Welt, wo man keine Autos hat. Und wenn man in den
0:20:11–0:20:16
Bergen ist, ist eines davon, wenn nicht der Hüttenwirt oder die Wirtin dann,
0:20:17–0:20:18
ihre Straße direkt vor der Tür haben.
Micz Flor
0:20:19–0:20:19
Kann man in der Hütte?
Florian Clauß
0:20:20–0:20:26
Zum Beispiel. Aber es ist halt wirklich toll. Du bist da oben in den Bergen
0:20:26–0:20:28
und du hast kein Geräusch.
0:20:28–0:20:34
Also auch die Tiere sind nicht so laut, da gibt es also über der Waldgrenze, also wir waren jetzt...
Micz Flor
0:20:34–0:20:36
Ab 10 Uhr ist da eine Hütte Uhr.
Florian Clauß
0:20:36–0:20:38
Hast du halt nichts gehört? Ich habe nur mal einen Tinnitus gehört.
Micz Flor
0:20:39–0:20:40
Oh nee. Hast du einen Tinnitus?
Florian Clauß
0:20:40–0:20:47
Ja, das ist normal. Jetzt nicht schlimm, aber halt immer so ein Pfeifen, mehr oder weniger.
Micz Flor
0:20:47–0:20:53
Kann dir, mein Vater hat mal ein Gerät entwickelt, um Tinnitus zu behandeln.
Florian Clauß
0:20:53–0:20:56
Gegenfrequenz, da sind wir wieder bei dir.
Micz Flor
0:20:56–0:21:01
Ja, genau, das ist, glaube ich, du stellst die Lautstärke und die Tonhöhe ein.
Florian Clauß
0:21:01–0:21:05
Und dann macht der quasi so eine Gegen... Aber bei mir ist es wirklich nicht
0:21:05–0:21:08
schlimm, es ist, glaube ich, so völlig im normalen Bereich, wo alle Menschen
0:21:08–0:21:12
auch so ein bisschen pfeifen halt, haben die zu viel Techno gehört haben früher.
Micz Flor
0:21:12–0:21:13
Ja, okay.
Florian Clauß
0:21:15–0:21:16
Was hast du gesagt?
Micz Flor
0:21:17–0:21:20
Wieder die komplementäre Bassfrequenz ganz oben.
Florian Clauß
0:21:22–0:21:27
Ja, und also ich meine, gut, es gibt Inseln, wo keine Autos zugelassen sind
0:21:27–0:21:30
oder fahren, zum Beispiel Hittensee.
0:21:30–0:21:34
Das ist eine Insel ohne Autos. Aber das ist wirklich auffällig.
0:21:34–0:21:38
Du läufst da lang und irgendwas... Ja, was ist denn? Es ist keine Geräusche.
Micz Flor
0:21:38–0:21:39
Irgendwas fehlt.
Florian Clauß
0:21:40–0:21:44
Ja, es fehlt, aber dann ist es auch total schön. Und das ist auch so die andere
0:21:44–0:21:47
Beobachtung, die ich gemacht habe bei Wanderungen.
0:21:48–0:21:55
Wir haben die Chiemgauer Alpen. Das ist jetzt wirklich so die erste Faltung der Alpen.
0:21:56–0:21:59
Wir waren dann auf der Hochrieshütte. und du bist dann halt wirklich an den
0:21:59–0:22:02
Kamm und kannst dann halt so unglaublich weit ins Land sehen, ja.
0:22:03–0:22:07
Das ist da bei Kufstein quasi, also bei Prien am Chiemsee, Chiemgauer Alten,
0:22:08–0:22:12
Aschau und die Hochrisshütte, dann siehst du halt München in der Ferne,
0:22:12–0:22:15
du siehst Rosenheim, du siehst den ganzen Karwendelkamm, ja.
0:22:16–0:22:20
Unglaublich beeindruckend und es war halt morgens, sind wir aufgestanden und
0:22:20–0:22:25
hatten die so unglaubliche Gesicht und was wollte ich erzählen?
Micz Flor
0:22:26–0:22:27
Autos.
Florian Clauß
0:22:27–0:22:33
Naja, es ist nicht hoch. Also es ist wirklich da, du kommst nicht mal auf 2000 Meter Höhe.
0:22:34–0:22:36
Also es ist so ein bisschen wie das Carvendel.
0:22:37–0:22:40
Du guckst dich, drehst dich dann um, dann siehst du halt irgendwie ein Großglöckner
0:22:40–0:22:43
und dann siehst du alle anderen, die dann halt hochgehen.
Micz Flor
0:22:43–0:22:45
Carvendel hat, glaube ich, 27.
Florian Clauß
0:22:45–0:22:50
Ja, die Birka-Spitze kommt, glaube ich, auf 28. Ja, 28, nicht 29.
0:22:50–0:22:54
Ja, also da wird es, aber die erste, der erste Faltenkranz dann quasi,
0:22:55–0:23:02
der ist Das ist noch so, wie wenn du halt Wäsche zusammenlegst, so ungefähr.
0:23:06–0:23:12
Genau, das war jetzt auch nicht anstrengend oder so, also es war schon anstrengend, aber das,
0:23:13–0:23:17
was so toll ist, wir haben uns dann, weil dann kein Bus fuhr,
0:23:18–0:23:21
sind wir ins Taxi gestiegen in Prien und haben uns dann halt quasi da,
0:23:22–0:23:26
hinfahren lassen, wo wir dann den ersten Startpunkt hatten und waren dann sofort
0:23:26–0:23:30
im Wald, das hatten wir auch schon mal bei einer Tour, wo wir uns halt ausgesetzt
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und wir waren sofort im Wald und hatten halt irgendwie 30 Prozent Steigung.
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Du hast halt auch einen Weg, der so ein bisschen technisch anspruchsvoller ist,
0:23:39–0:23:44
weil die Erde ist feucht, du hast überall diese Wurzeln und du bist auf einmal
0:23:44–0:23:47
so voll in diesem Hochgehen,
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super anstrengend irgendwie diesen Aufstieg dann halt durchziehen.
0:23:54–0:24:00
Aber du bist so total fixiert auf dem Weg und das ist für mich eine totale Entspannung.
Micz Flor
0:24:00–0:24:03
Obwohl 30 Prozent...
Florian Clauß
0:24:04–0:24:12
Und du bist halt total im Jetzt, in dem Moment, weil du musst dich konzentrieren und es ist toll, also,
0:24:14–0:24:20
wirklich so ein ganz schneller Shortcut, um dann mal so in Ferienstimmung zu kommen.
Micz Flor
0:24:21–0:24:24
Und wir machen jetzt das Gegenprogramm, weil hier sind ja nur Autos gerade.
0:24:24–0:24:29
Wir laufen hier über die Brücke, wer ist das? Die Michael-Kirch-Straße.
Florian Clauß
0:24:29–0:24:32
Ja, und die Chiemgauer Alpen sind ja dann noch,
0:24:34–0:24:38
auf deutscher Seite, direkt an der österreichischen Grenze.
0:24:40–0:24:44
Und wir hatten ja diese eine Wanderung auch im Kaisergebirge gemacht.
0:24:44–0:24:48
Das ist ja quasi direkt ums Eck des Kaisergebirges.
Micz Flor
0:24:50–0:24:54
Aber es ist irgendwie so, ich weiß nicht, wie es dir so geht,
0:24:54–0:24:57
aber Urlaub allgemein, ich habe das jetzt auch wieder mal gemerkt,
0:24:58–0:25:01
es ist irgendwie so eine Form von seinen Körper wiederentdecken.
0:25:02–0:25:06
Also du hast gerade gesagt 30 Prozent Steigung, kleine Schritte,
0:25:06–0:25:08
versuchen irgendwie das Herz nicht zu hoch geht,
0:25:09–0:25:14
schwitzen, irgendwie in den Tunnel kommen, auch nicht mehr viel denken und wir
0:25:14–0:25:18
waren jetzt an der Atlantikküste und hatten so ein Glamping,
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Also ein Zelt mit Kühlschrank und so ein Ding.
0:25:21–0:25:26
Hatten aber auch diese Sache auf dem Campingplatz morgens Zelt auf, Kinder raus.
0:25:27–0:25:29
Und du bist immer auch unter Leuten, dass irgendwie immer Kontakt da ist,
0:25:29–0:25:30
wie es auf der Hütte auch ist.
0:25:31–0:25:34
Und ich finde das einfach, ich habe da dieses Mal zum ersten Mal so ein bisschen
0:25:34–0:25:37
darüber nachgedacht, was ist es eigentlich, was man da tut?
0:25:37–0:25:43
Und es fühlte sich so ein bisschen für mich an wie so eine, wie der Erschließung von so einem Körper.
0:25:43–0:25:47
Also nicht nur endlich mal ausschlafen, das ist ja auch fahrgwürdig,
0:25:47–0:25:52
ob das wirklich geht. Ich habe das Gefühl gehabt, zum Schluss war ich noch müder als am Anfang.
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Aber auch eben das rausgehen, mal barfuß sein, irgendwie sich anders zu bewegen.
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Ich glaube zumindest für mich ist das so das zentrale Thema.
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Weil auf dem Rückweg sind wir dann mit dem Zug über Paris gefahren, musste noch umsteigen.
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Und da habe ich in Paris nochmal gedacht, ich würde glaube ich nie Stadturlaub
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machen können. Vielleicht, weil ich eben auch aus Berlin komme.
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Ich möchte jetzt keine Stadt höher stellen. Aber dieses Gefühl generell,
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dass man von einem Stadturlaub angezogen ist, das kann ich nur ganz schwer verstehen.
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Und das ist mir, als wir überlegt haben, über was reden wir heute noch so durch
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den Kopf gegangen, dieses Gefühl da.
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So auf dem Campingplatz, wie auch in der Hüttenwanderung, so eine schöne Mischung
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zu haben, aus alleine sein und mit anderen verbunden sein. Die kleine Gruppe,
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die man mitbringt, aber auch so eine größere Gruppe auf der Hütte oder auf dem Campingplatz.
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Aber auch eben manchmal diese Momente, wo du ganz allein bist,
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wo du bei 30 Prozent Anstieg oder jetzt hier Atlantikwind am Strand.
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Und du gehst halt Muscheln suchen, weil man hat ja nichts anderes zu tun.
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Dann bist du so ganz allein in so einem Tunnel.
Florian Clauß
0:27:01–0:27:09
Aber bist du, also ich finde, wenn man sich langweilen kann im Urlaub,
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dann ist man wirklich im Erholmodus.
0:27:13–0:27:16
Also hast du dich gelangweilt in dem Urlaub?
Micz Flor
0:27:16–0:27:20
Ja, ich habe schon viel auch gelesen. Man könnte sogar sagen aus Langeweile,
0:27:20–0:27:23
weil ich wollte andere Sachen lesen und habe mich dann aber dem verschlossen.
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Und dann war mir aber langweilig, dann habe ich doch was gelesen,
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aber nicht das, was ich hätte lesen müssen.
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Das gehört auf alle Fälle dazu. Ich finde Langeweile ganz, ganz wichtig.
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da mit meiner Tochter auch drüber gesprochen, weil,
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dann ich irgendwie so aus so einer anderen Zeit erzählt habe.
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Also eben natürlich nicht die Zeit, wo man ein Handy hat oder wo,
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wo ich auch, habe ich ja auch, kann ich mich dann auch nicht wirklich von meiner,
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Tochter irgendwie, ich kann die nicht wirklich überzeugen, weil ich sie auch natürlich nutze und so.
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Aber dieses Gefühl von Langeweile, wenn man vom kleinen Dorf kommt Und wenn
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man irgendwie nichts zu tun hatte und dann hat man halt irgendwie mit elf Jahren
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dann angefangen schweißen zu lernen, mit zwölf Jahren sich mit der Flex fast
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den Finger abgeschnitten, mit 13
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Jahren mit der Band das erste Mal Musik gemacht auf der Bühne und so was.
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Irgendwie so diese Idee, dass man da so, man musste sich Dinge herstellen,
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von denen man sich gewünscht hätte, dass es die schon gäbe.
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Das ist für mich so eine Form von Langeweile.
Florian Clauß
0:28:23–0:28:29
Ja, interessant. Ja, und jetzt mit dem Handy das Fenster zur Welt, da gibt es ja alles.
0:28:30–0:28:32
Und in einer hohen Perfektion.
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Das heißt, so richtig muss man sich ja
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nicht mehr bewegen, um irgendwas herzustellen. Es ist ja schon alles da.
Micz Flor
0:28:38–0:28:41
Ja, oder wenn du was herstellen willst, dann guckst du halt,
0:28:41–0:28:44
wie es hergestellt wird. Guckst es halt an. Also bis hin zum,
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wie baue ich mir eine klassische Gitarre. Kannst du auf irgendeinem YouTube-Kanal
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in 17 Stunden dir anschauen.
Florian Clauß
0:28:50–0:28:53
Oder du kannst jetzt wieder Werbung machen für deinen Workshop.
Micz Flor
0:28:53–0:28:57
Nein, du möbelst den gar nicht. Der ist ja auch nicht auf YouTube.
0:28:59–0:29:05
Nee, aber kannst du damit was anfangen? So einen Körper zurückgewinnen?
Florian Clauß
0:29:05–0:29:11
Ja, also vielleicht ist es die Hütten-Tour nicht unbedingt, weil das ist ja
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wirklich auch dann eine Herausforderung.
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Man bewegt ja bestimmte Körperpartien, die man sonst nicht im Alltag bewegt.
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Also nicht in Berlin, hier gibt es keine Steigung.
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Man kriegt dann halt an komischen Stellen Muskelkater, wie zum Beispiel ein Schienenbein.
Micz Flor
0:29:27–0:29:28
Stimmt.
Florian Clauß
0:29:28–0:29:30
Und ich merke halt auch,
0:29:30–0:29:34
Das, diese Belastung, das gehört ja dazu.
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Man sitzt dann abends in der Hütte und isst halt was Leckeres.
0:29:40–0:29:44
Und dann auch noch die zweite Beobachtung, neben dass kein Auto da ist.
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Zweite Sache, es gibt wenig Orte, wo dann abends alle Tische spielen.
0:29:53–0:30:00
Wirklich so, es war eine knallvolle Hütte und jeder Tisch hatte irgendein Spiel. Und,
0:30:03–0:30:05
wir haben ja immer Durak gespielt. Kennst du Durak?
Micz Flor
0:30:06–0:30:06
Nee.
Florian Clauß
0:30:06–0:30:10
Das heißt Arschloch. Und dann haben wir uns ein bisschen in die Haare gekriegt.
0:30:11–0:30:13
Und dann haben wir es nicht mehr gespielt.
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Weil das ist so ein bisschen, du kannst halt, du musst.
Micz Flor
0:30:19–0:30:22
Ich will gar nicht wissen, wie das Spiel geht. Erzähl mir, wie man sich in die Haare kriegt.
Florian Clauß
0:30:22–0:30:24
Ja, das war wirklich so.
0:30:25–0:30:32
Da ist ganz viel, wo man dann noch Karten abwerfen kann, den anderen verarschen kann.
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Was du sagst, das ist auch verrückt, weil du kannst dann halt bestimmte Farben
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hinlegen oder auch Werte.
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Und du musst die dann verteidigen, die Karten.
0:30:47–0:30:50
Und du musst dann halt die so verteidigen, dass du halt zum Beispiel über einen
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gewissen Wert, also wenn eine 8 liegt, Kreuz 8, dann musst du halt eine Kreuz
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9, kannst du es so verteidigen.
0:30:55–0:30:58
oder alles, was drüber geht, ein Kreuzass oder sowas.
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Aber das Verrückte ist, man darf dann halt, sobald dann wieder ein Kreuzass
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gelegt hat, darf der andere wieder ein Kreuzass, also da darf er Esser legen,
0:31:06–0:31:09
dann musst du die Esser verteidigen und es gibt eine Trumpffarbe.
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Ich will es dir gar nicht groß erklären, aber das Ding ist halt,
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du kannst halt auch alle anderen Karten hinschmeißen und eigentlich darfst du
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nur von zwei Seiten angegriffen werden, aber andere können dich auch angreifen.
0:31:19–0:31:22
Und wenn du halt so, es ist halt so ein besoffenes Spiel, Wenn du halt dann
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nicht mehr merkst, dass dann halt der Dritte dann dir eine Karte hingelegt hat
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und dann ist es keine Acht oder so, sondern eine Vier oder es ist halt irgendwie,
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was immer gut funktioniert, sechs, neun.
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Da liegt eine Neun und eigentlich darfst du keine sechs spielen,
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aber da liegt die Kontrolle und bist dann so fixiert darauf,
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dass du gar nicht wahrnimmst, dass das halt irgendwie eine korrekt gespielte Karte ist.
0:31:41–0:31:44
Das ist schon ganz interessant, das hat so eine Dynamik in das Spiel.
Micz Flor
0:31:44–0:31:49
Und das ist eingepreist, das steht auch in der Anleitung drin?
0:31:50–0:31:52
Versuchen Sie mal Ihr Gegenüber.
Florian Clauß
0:31:53–0:31:58
Also ich glaube die Anleitung Die ist mehr oder weniger Eine Straßenanleitung,
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Wie man das halt irgendwie Besoffen spielt In einer kleinen Gruppe.
Micz Flor
0:32:05–0:32:10
Es gibt ja diese Idee von Blöffen Die ist ja in manchen Spielen drin Das ist
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aber jetzt nicht vorgesehen Doch doch Ich glaube schlechte Laune Weil du Einfach
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übergriffig gespielt hast Ja.
Florian Clauß
0:32:19–0:32:21
Nee, der Punkt war, dass ich,
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Ich dann einem Kind, ich will es nicht näher benennen, ich war dann quasi in
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der Angreiferposition und das Kind hat dann heimlich dann auch angegriffen.
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Und ich habe sie dann aber, oder er, ihn dann zurückgewiesen und gesagt so, nee.
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Und damit war es dann sauer, dass ihre Karte nicht losgeworden ist oder seine. Und,
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dann wurde ich beschimpft und dann war ich eingeschnappt. Aber das haben wir
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gut gelöst. Wir haben es halt nicht mehr gespielt.
Micz Flor
0:32:54–0:32:56
Ja, das ist ein guter Abwehrmechanismus.
Florian Clauß
0:32:56–0:33:01
Ja, und wir haben stattdessen dann Cabo gespielt. Kennst du das?
0:33:01–0:33:03
Das ist auch ein interessantes Spiel.
Micz Flor
0:33:03–0:33:08
Ja, das hatte, als ich mit Elsa wandern war, im Sonnsteingebirge auf der anderen
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Seite, wo nicht Sonnsteingebirge ist.
Florian Clauß
0:33:10–0:33:14
Ja, wo die Hütten dann, wo du da nicht so Wertmarken einmieten kannst.
Micz Flor
0:33:14–0:33:18
Super. Und da hatten wir in zwei Nächten die gleichen Leute wieder getroffen,
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da hat sie dann glaube ich mitgespielt. Da muss man auch irgendwie so,
0:33:22–0:33:23
Sich seine eigenen Karten merken.
Florian Clauß
0:33:23–0:33:28
Genau, das ist super. Das ist so eine ganz komische Ästhetik.
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Das ist ein sehr strategisches Spiel, obwohl dann halt nicht alles offen gespielt wird.
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Und du musst dann halt deine Karten merken. Du kannst dann halt bestimmte Karten abwerfen.
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So ein bisschen eine Kombination aus dem Gedächtnisspiel, Strategie und dann
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halt auch natürlich Glück.
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Aber Cabo fand ich richtig gut. Das wird, glaube ich, jetzt Durak ablösen.
0:33:51–0:33:54
auf unseren nächsten Wanderungen werden wir dann immer Cabot spielen.
Micz Flor
0:33:54–0:33:57
Ja, ich habe es nicht mitgespielt, aber Elsa hat beim ersten Mal neben denen
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gesessen, hat sie zugeguckt, zweitem Mal, als wir die getroffen haben,
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hat sie da mitgespielt und dann hat sie auf dem Heimweg gesagt,
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das wünsche ich mir zum Geburtstag. Ich habe es aber selber noch nicht gespielt.
Florian Clauß
0:34:06–0:34:10
Du kannst es mit allen Karten spielen, also brauchst du noch nicht mal ein spezielles Kartenspiel dafür.
Micz Flor
0:34:10–0:34:12
Aber ich fand die Ästhetik interessant.
Florian Clauß
0:34:12–0:34:16
Ach so, deswegen sagst du Ästhetik. Ich kenne gar nicht die offiziellen Cabot-Karten.
Micz Flor
0:34:16–0:34:17
Ah, okay.
Florian Clauß
0:34:17–0:34:20
Wir haben das einfach mit Rommikarten gespielt.
Micz Flor
0:34:20–0:34:27
Ja, das finde ich ja eh immer am besten. Ja, ich habe jetzt auch das Kartenspiel,
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was ich gerne und immer gespielt habe, ist die Streitpassion.
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Das hatten wir ja auch schon mal drüber. Ich bin ja auch nicht auf dem Moten.
Florian Clauß
0:34:33–0:34:34
Räuber-Rommi zu spielen.
Micz Flor
0:34:34–0:34:37
Nein, ich... heißt das Räuber-Rommi?
Florian Clauß
0:34:37–0:34:41
Räuber-Rommi. Bei meiner Oma kommt sie und sagt, nein, wir spielen nicht Räuber-Rommi.
Micz Flor
0:34:41–0:34:44
Aber das heißt doch nicht Räuber-Rommi. Das mit diesen verdeckten Karten,
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also ein bisschen wie eine Passions, wo man gegeneinander spielen kann.
Florian Clauß
0:34:47–0:34:49
Ja, nee, ich verstehe.
Micz Flor
0:34:50–0:34:54
Die haben wir nicht spielen können, war irgendwie kein Anlass.
0:34:54–0:34:57
Ich wollte sagen, es war nicht genügend Zeit, aber es ist ja Quatsch im Urlaub.
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Da war keine Lust dafür da, aber unser Freund Sarel aus deiner Geburtstagsfolge
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auch verewigt, der hatte mich dann angeschrieben und gesagt, wie hieß das nochmal?
0:35:11–0:35:15
Ich versuche gerade das Ziel, die Regeln zu erklären, aber ich komme nicht mehr drauf.
Florian Clauß
0:35:16–0:35:17
Nicht, dass man Gemini hätte.
Micz Flor
0:35:18–0:35:22
Nee, er hat das erst dann halt irgendwie, ich hab's ja gefunden halt auf Wikipedia.
0:35:22–0:35:25
Und dann hat er's dann irgendwie eine Woche später mit seiner Mutter auch nochmal
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gespielt und hat mir dann zurückgeschickt, ob ich denn auch diese Regeln bei
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verdeckten Karten nutzen würde oder die. Also dann gab's gleich die Flavors,
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so regionale Flavor, die dann so reinkommen.
Florian Clauß
0:35:35–0:35:38
Das ist dann wie Doppelkopf, ne? Also ich glaub, das ist auch so,
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Passionslegen ist ja so, glaub ich, das ist eines der verbreitetsten Kartenspiele,
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die man so hat im europäischen Raum.
Micz Flor
0:35:47–0:35:52
Ein Spiel, also auf dem Campingplatz, wo wir waren, gab es dann an einem Abend,
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da gab es immer so natürlich Bespaßung auch so ein bisschen,
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aber so eher, sag ich mal, ökig alternativ.
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Und eins davon waren, da waren so ganz viele Holzspiele, also Sachen zum Beispiel,
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wo du so Disks mit so einem Gummi so dir durch ein Loch gegenüber zuschießt.
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Und wenn du dann alle auf der anderen Seite hast, hast du gewonnen,
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dann so Geduldsspiele auf dem Campingplatz. Aber die waren alle so groß,
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also wirklich so wie so Tischgroß, wo man dann an den Sachen so spielen konnte.
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Und ein Spiel konnten wir nicht spielen, weil es belegt war.
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Aber ich habe das dann versucht, mir als Muscheln nachzusuchen und dann mal zu spielen.
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Fand ich die Regeln ganz interessant, ich habe den Namen vergessen.
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Packen wir alles in die Show.
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Aber du hast im Prinzip vier Eigenschaften. Die sind quasi Null und Eins.
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Also du hast dann zum Beispiel große und kleine Steine, eckige,
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runde, helle, dunkle und welche mit Ornamenten oder ohne.
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Und dann kriegst du halt eben 16 Steine raus. Jeder ist einzigartig.
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Und dann gibt es ein Spielbrett, das ist 4x4.
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Und du kannst den Stein, den du in der Hand hast, hinstellen, wo du willst.
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Und wer es zuerst schafft, eine Reihe zu schaffen, in der ein Attribut,
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zum Beispiel dunkel oder groß, erfüllt ist, hat gewonnen. Das ist ja wie viel Gewind.
Florian Clauß
0:37:11–0:37:13
Aber nur noch mit mehr Dimensionen.
Micz Flor
0:37:13–0:37:17
Mit mehreren Dimensionen, genau. Es ist eine vielfach zweidimensionale Welt.
Florian Clauß
0:37:17–0:37:18
Krass, so wie 3D-Schock.
Micz Flor
0:37:18–0:37:22
Und die einzige Regel, die es gibt, ist, dass die Person auf der anderen Seite,
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dir den Stein aussuchen muss, den Stein, den du dann legen musst.
Florian Clauß
0:37:27–0:37:29
Ah, das ist alles geil.
Micz Flor
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Das ist irgendwie ganz einfach.
Florian Clauß
0:37:31–0:37:34
Das ist einfach, aber ein geiles Prinzip.
Micz Flor
0:37:34–0:37:38
Vielleicht können wir das mal da oben in der Hütte spielen. Wir werden berichten, am 9.
Florian Clauß
0:37:38–0:37:39
September geht es los.
Micz Flor
0:37:40–0:37:43
Aber das fand ich so einfach. Und am nächsten Tag, das war der letzte Tag,
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den wir hatten, bevor wir los mussten, habe ich dann,
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nochmal gesucht nach Muscheln. Und zwar gibt es da diese schwarzen Muscheln und die roten Muscheln.
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Da habe ich gesagt, ich nehme die schwarzen Muscheln und die roten Muscheln.
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Dann nehme ich die einmal hellschwarz, also eher grau, einmal tiefschwarz.
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Dann nehme ich die geriffelt, also mit Streifen oder nicht mit Streifen und
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groß und klein. Und dann habe ich mir quasi auch mir so ausgedacht und habe
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dann irgendwann gemerkt, ey, das ist jetzt viel zu nerven.
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Ich bin schon die 17 Kilometer am Strand in der Glauben, um dann eine kleine,
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hellschwarze, getiegelte Muschel zu finden.
Florian Clauß
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Ja, du musst so ein Exosheet pflegen und dann gleich der Liegenmitte.
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Claude befüttert und sagen, kann ich die jetzt noch einreihen?
Micz Flor
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Ja. Aber ich fand die Idee einfach so simpel, ich mag das, wenn es dann einfache
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Idee ist, einfache Spülbrett und muss mal gucken, probieren wir es mal aus.
Florian Clauß
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Probieren wir es aus, ja, das klingt spannend. So, haben wir noch,
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haben wir noch, ich habe noch eine Sache, die habe ich, das kam mir vorhin im Engelbecken.
Micz Flor
0:38:50–0:38:50
Ja.
Florian Clauß
0:38:50–0:38:51
Und zwar,
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habe ich ein Hörbuch, das war nämlich der Einstieg zu dem ARD Sounds, ein Hörbuch.
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Ich höre halt total gerne von Sounds dann die Hörbücher, weil da gibt es eine extra Kategorie.
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Und kann man eigentlich, wenn man ein Hörbuch hat, dann sind die meistens so
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lang, dass ich dann halt irgendwie so, weiß ich nicht, zwei bis vier Wochen daran höre.
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Und dann ist meistens wieder ein gutes anderes, dass man weiterhört.
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Wir haben eine ganz gute Auswahl.
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Und da habe ich jetzt von Georg Herrmann Kubinke gehört. Und das ist halt so
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ein super Berliner Roman. Das ist Wahnsinn.
Micz Flor
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Kanntest du den vorher?
Florian Clauß
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Kubinke? Nee, den Herrmann kannte ich überhaupt nicht vorher.
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Kennst du Herrmann? Das ist halt so ein Klassiker.
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Der ist, glaube ich, in den 1870ern geboren.
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ist Schriftsteller dann geworden und mit Kubinke ist die Figur so ein Friseur
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der dann die Oberquadra abgeschlossen hat, also die hohe Schule und hat dann,
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aber er spielt halt so ein total,
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so ein Arbeitermilieu oder den Servicemilieu mit den,
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Dienstmädchen und Kubinke ist halt so Friseur und kommt dann nach Berlin und
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wird dann bei so einem Geschäft aufgenommen und es zählt mehr oder weniger dann über,
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fängt dann mit dem Frühling an, wenn es halt irgendwie gerade so der Schnee
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schmilzt und hört dann am Ende im November auf.
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Ja, spielt dann halt mehr oder weniger also einen Jahreszyklus durch und er
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lässt sich dann halt mit lauter Dienstmädchen ein, aber ist ein total schüchterner
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Typ, der, wo es erstmal nicht klappt.
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Ich bin hier rechts und.
Micz Flor
0:40:48–0:40:49
Also er lässt sich ein, aber es klappt nicht.
Florian Clauß
0:40:49–0:40:52
Ja, nein, eigentlich, weil es klingt jetzt gerade so, als ob er dann so derjenige
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wäre, der dann halt irgendwie so, und er ist eigentlich total schüchtern und,
0:40:57–0:41:01
es klappt aber dann, die Kapitel sind dann nach den einzelnen Dienstmädchen,
0:41:01–0:41:04
ich war die benannt, Emma,
0:41:05–0:41:08
Hedwig und dann Paulina. Und das ist das Tolle.
Micz Flor
0:41:08–0:41:13
Mit zwei Nachfahren der Dienstmädchen sind die Nachfahren des Autors immer noch im Rechtsstreit.
Florian Clauß
0:41:14–0:41:23
Ja, aber tatsächlich geht es dann so auch um diese Konsequenzen,
0:41:23–0:41:27
wenn einem der Frühling durch die Glieder fährt.
0:41:27–0:41:32
So ein bisschen in die Richtung. Aber was total super an dem Roman ist,
0:41:33–0:41:37
oder vor allen Dingen auch, wie es gelesen ist, in dem Hoverbuch, ist dieses Milieu.
0:41:37–0:41:40
Und dann dachte ich echt so, das ist so...
0:41:41–0:41:45
Also es hat dann auch so eine Nähe. Ich meine, diese 20er-Jahre-Beschreibung,
0:41:45–0:41:49
10er-Jahre-Berlin, diesen Stil, den kriegt man ja, den hat man ja hier auch
0:41:50–0:41:52
mit 30 Jahren wohnen in Berlin.
0:41:52–0:41:54
Kriegst du ja das so mit, liegt ja auf der Straße.
0:41:55–0:42:02
Und das ist so aktuell dann noch so, Das war so toll. Es hat so Spaß gemacht, das dann auch zu hören.
0:42:02–0:42:08
Und der hat auch immer so unglaublich blumig und ausschmücken geschrieben.
0:42:09–0:42:16
Die Szenen und so weiter. Also der Georg Herrmann. Und das ist jetzt so meine Romanempfehlung.
0:42:16–0:42:22
Hörbuchempfehlung. Kann man bei AD Sounds, kann man sich das mal anhören. Macht Spaß.
Micz Flor
0:42:22–0:42:26
Und ist wahrscheinlich sogar als EPUB für E-Reader gratis verfügbar.
0:42:26–0:42:27
Ist das schon alt genug dafür?
Florian Clauß
0:42:27–0:42:36
Super alt. Der Autor hat natürlich auch das Frauenbild zeitgenössisch, also,
0:42:38–0:42:40
nicht mehr so, wie man es irgendwie vermitteln würde.
0:42:41–0:42:49
Und der Autor selber ist dann auch im Deutschen Schriftstellerverband,
0:42:49–0:42:52
war er dann Vorsitzender oder hat den auch mitgegründet.
0:42:52–0:42:57
Ich kriege es nicht mehr ganz zusammen, ich habe nur kurz mal den Wikipedia-Artikel überflogen.
0:42:57–0:43:03
Aber jüdische Abstammung und wurde dann tatsächlich, nachdem er schon ausmigriert
0:43:03–0:43:11
ist, in den 30ern nach Holland, nach Niederlande, ist er dann aber doch in Auschwitz umgekommen.
0:43:11–0:43:13
als 70-Jähriger ermordet worden.
0:43:14–0:43:23
Im KZ, ja. Das ist ein bisschen tragisch, aber auf jeden Fall eine Institution.
0:43:24–0:43:27
Die hat viel veröffentlicht. Ist mir dann nochmal aufgefallen.
0:43:27–0:43:33
Ja, das war für mich eine Entdeckung, die ich jetzt auch in den letzten Wochen gemacht habe.
Micz Flor
0:43:33–0:43:35
Ach nee, ich kriege jetzt keine gute Exel.
Florian Clauß
0:43:35–0:43:40
Nee, aber ich habe noch einen Punkt, wo du Glamping gesagt hast,
0:43:40–0:43:43
weil mir da ist eingefallen, dass ich neulich auch einen tollen Film gesehen
0:43:43–0:43:48
habe, einen japanischen, wo auch Glamping,
0:43:49–0:43:58
Glamping ist ein Kofferwort aus Glamour und Camping, also quasi hochversorgtes Camping mit Luxus,
0:43:59–0:44:05
von dem Regisseur, der auch Drive My Car gemacht hat, Es ist so,
0:44:05–0:44:09
ich würde mal sagen, im japanischen Independent-Bereich ansiedeln.
0:44:09–0:44:13
Aber der hat schon ganz gute Preise abgeräumt.
0:44:13–0:44:18
Und der hat, sein letzter Film heißt Evil Does Not Exist. Und da wird in einer
0:44:18–0:44:22
so ursprünglichen Gemeinde, wird dann auch von so einer Marketingfirma,
0:44:22–0:44:25
will dann so einen Glamping-Bereich ansiedeln.
0:44:25–0:44:27
Und der ist ganz toll, der Film.
0:44:30–0:44:35
Also er hat so eine ganz tolle Stimmung. Er wird auch nach einer Viertelstunde
0:44:35–0:44:36
das erste Mal gesprochen.
0:44:37–0:44:44
Ist ganz wirklich so, ich würde schon sagen, dass es der im Slow Cinema zuzuordnen.
0:44:45–0:44:49
Also ganz langsam erzählt, aber es gibt so Sprünge, die sind so eruptiv.
0:44:50–0:44:54
Und teilweise ist es halt krass. Und wo die Geschichte dann so Wort,
0:44:54–0:44:56
dann so Sprünge bekommt.
0:44:56–0:44:59
Aber hat so wirklich eine ganz tolle Ästhetik auch.
Micz Flor
0:45:00–0:45:01
Wie heißt der nochmal?
Florian Clauß
0:45:01–0:45:02
Evil does not exist.
Micz Flor
0:45:02–0:45:05
Evil does not exist. Dass ich ihn in die Shownotes packen kann.
Florian Clauß
0:45:05–0:45:11
Ja, das ist es genau. Ja, wir sind jetzt hier in der Singerstraße, Ecke Koppenstraße.
Micz Flor
0:45:12–0:45:15
Und ich meine, wir hätten uns ja auch hier schon mal gekreuzt.
0:45:17–0:45:22
Das klingt jetzt ... Also nachdem, das denke ich gerade, ob es denn auch ein
0:45:22–0:45:24
Kapitel mit meinem Namen gibt in deinem Buch.
Florian Clauß
0:45:28–0:45:29
Genau, Mendel Mitsch.
Micz Flor
0:45:31–0:45:31
Nein,
0:45:34–0:45:35
gekreuzt.
Florian Clauß
0:45:35–0:45:37
Ich meine, du weißt das.
Micz Flor
0:45:37–0:45:38
Ich glaube, oder es war hier.
Florian Clauß
0:45:39–0:45:44
Als wir uns am Ostbahnhof getroffen haben und dieses Experiment gemacht haben.
0:45:44–0:45:48
Du hast aufgenommen und ich habe aufgenommen, ohne dass wir uns dann,
0:45:48–0:45:53
also fünf Minuten bevor wir uns getroffen haben, dann sind wir zusammengekommen,
0:45:53–0:45:57
und haben das dann aus zwei Perspektiven zusammengeschnitten.
0:45:58–0:46:02
Und dann haben wir über die Berlinale, habe ich drei chinesische Filme auf der
0:46:02–0:46:05
Berlinale, habe ich dann berichtet.
0:46:05–0:46:09
Das war vor mittlerweile vier Jahren, drei, vier Jahre her.
Micz Flor
0:46:10–0:46:11
Ja, so lange.
Florian Clauß
0:46:11–0:46:12
Time is running, Michi.
Micz Flor
0:46:12–0:46:18
Damit endet unsere Schnaps-Folge 111. Es ist 11.11 Uhr auf der Uhr.
0:46:18–0:46:23
Wir müssen getrennte Wege gehen. Wir haben uns viel gekreuzt und bekreuzigt.
0:46:24–0:46:30
Die ganzen Shownotes von der Welt findet ihr auf eigentlich-podcast.de Da sind
0:46:30–0:46:36
auch ein paar Fotos von der Tour, von allen Touren. Da sind auch alle anderen gratis verfügbar.
0:46:36–0:46:43
Solltet ihr uns auf ARD Sounds suchen, sorry. Ihr findet uns aber sonst wahrscheinlich überall.
0:46:43–0:46:51
Wir sind dann auch mit schlechtem Gewissen irgendwann sogar bei Spotify eingestiegen. Aber ja,
0:46:53–0:46:54
da sind auch die ganzen Touren.
Florian Clauß
0:46:55–0:46:58
Wir haben auch eine interaktive Karte.
Micz Flor
0:46:59–0:47:03
Eine interaktive Karte gemacht, das ist jetzt im Menü drin. Die Webseite überarbeiten
0:47:03–0:47:10
wir irgendwann mal, Wenn wir eine Kombination aus Lust mal Zeit größer 5 haben,
0:47:10–0:47:11
dann fangen wir damit mal an.
Florian Clauß
0:47:13–0:47:17
Okay, dann sagen wir Tschüss, bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
0:47:17–0:47:19
Macht's gut. Tschüss.

Eine Korrektur zur Episode: die Geschichte, die ich im Podcast Ted Chiang zuschreibe, war nicht von Chiang, sondern von Ted Kosmatka und heißt „Divining Light“ (Asimov’s Science Fiction, 2008). Darin bekommt ein Physiker nach einer schweren persönlichen Krise eine zweite Chance durch einen Bekannten. Er kann in einem Forschungslabor arbeiten, ohne direkten Auftrag. Er wendet sich dem Doppelspaltexperiment zu, um die „Collapsing Wave Function“ und den „Collapse“ durch den:die Beobachter:in zu erforschen. Mit tierischen und menschlichen Probant:innen entdeckt er einen Zusammenhang zwischen bewusster Beobachtung und einer Eigenschaft, die nur Menschen zu haben scheinen. ABER NICHT ALLE!!!

Den Ted Chiang Reader, den ich anspreche, den wollte ich dennoch nicht vorenthalten. Aber was vor sieben Jahren noch frei verfügbar war, konnte ich nicht mehr alles finden. Hier die Liste der Kurzgeschichten:

Online lesen:

Folgende Geschichten lassen sich im Netz finden:

  • Understand (1991)
  • Seventy-Two Letters (2000)
  • What’s expected of us (2005)
  • The Merchant and the Alchemist’s Gate (2007)
  • The Lifecycle of Software Objects (2010)

Inzwischen nicht mehr frei verfügbar:

  • Catching crumbs from the table (2000)
Mehr

„Der Traum ist aus, zu dieser Zeit. Doch nicht mehr lange - mach dich bereit für den Kampf ums Paradies. Wir haben nichts zu verlieren, außer unsere Angst. Es ist unsere Zukunft, unser Land. Gib mir deine Liebe, gib mir deine Hand.“ Rio Reiser

In dieser Sommerfolge machen wir es uns vermeintlich leicht: keine große Vorbereitung, einfach zusammen ins Kino und danach beim Laufen reden. Wir sehen im Kino Zukunft den Dokumentarfilm „Scherbenland“ an und stolpern prompt in einen Metaclash, als wir merken, dass ein Interview des Films direkt vor der Tür dieses Kinos aufgenommen wurde. Anschließend spazieren wir Flos alte Laufroute nach entlang der Rummelsburger Bucht und Alt-Stralau. Dabei versuchen herauszufinden, was dieser Film eigentlich mit uns gemacht hat. „Scherbenland“ ist weniger die erhoffte historische Ton-Steine-Scherben-Doku als vielmehr eine Liebeserklärung an Kreuzberg – ein Heimatfilm, dessen Schauplatz auf ein bis zwei Quadratkilometer schrumpft. Drei Musik-Perspektiven werden verwoben: das Rap-Trio RAPK mit ihrer Kiez-Attitüde und ihrem Lebensgefühl „Land Kreuzberg“, die Liedermacherin Maike Rosa Vogel mit ihrer klaren, ergreifenden Stimme und ihren Songs um soziale und ökolgische Ungerechtigkeiten, sowie der starken Stimme von Rio Reiser mit Ton Stein und Scherben. Micz ist skeptisch, ja fast empört: ihm fehlt die Einordnungen, das Thema, der rote Faden. Er hat das Gefühl, in die Irre geführt zu werden. Besonders bei der Frage, ob verschnittenes Wasserwerfer-Material und ein Rio-Reiser-Konzert zeitlich und örtlich (DDR? West-Berlin? Mainzer Straße 1990?) überhaupt zusammenpassen. Flo hält dagegen: Der Film schaffe ein Gefühl, ein Lebensgefühl, auch wenn die Collage nicht ganz zusammenklebt. Den meisten Raum im Film nimmt RAPK ein. Das Rap-Trio wird ausführlich porträtiert, mit vielen Songs, Konzertmitschnitten aus der Columbiahalle und intimen Momenten in Hinterhöfen, Kinderzimmern und auf Kreuzberger Dächern. In diesen Passagen bekommen wir das Gefühl einem Promotionvideo der Band zu folgen. Dennoch vermittelt sich ein Bezug; RAPK sind keine Zugezogenen mit einem ungelösten Konflikt oder auf Suche nach einer neuen Heimat, sondern die Einheimischen, die einfach geblieben sind, hineingewachsen in den Kiez wie Fische ins Meer. Ihr Widerstand ist weniger Parole als Lebensgefühl. Wir tauchen auch in die Stadtgeschichte und linke Tradition von Kreuzberg ein: das von der Mauer umschlossene Insel-Kreuzberg mit seinen toten Ecken, billigem Wohnraum, hohem Migrationsanteil, „Fahnenflüchtigen“ und der queeren Szene. Wir sprechen über die Hausbesetzerbewegung, den Schwenk zum „Das Private ist das Politische“ und die Autonomen-Szene. Es geht auch um die Räumungen von der Mainzer bis zur Liebigstraße und um den ritualisierten, fast sportlichen revolutionären 1. Mai. Am Ende bleibt Ambivalenz: ein Film, der vor allem ein Gefühl transportiert, dem aber der rote Faden und die politische Dringlichkeit fehlen. Muss man sehen? Möchte man gesehen haben, wenn man Kreuzberg liebt!

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
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Micz Flor

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:04
Egal wer du bist, egal woher du kommst, du wirst total offen von Berlin aufgenommen.
0:00:05–0:00:09
Und ich glaube, das ist auch nochmal das Gefühl, was sich dann auch übertragen
0:00:09–0:00:14
hat in dem Film. Was ich auch schon so dieses Utopie-Bild von Berlin,
0:00:14–0:00:19
speziell Kreuzberg, das ja nicht gefragt ist. Also ein bisschen dieses Wild-West-Ding.
0:00:19–0:00:22
Wir fragen nicht, woher du kommst, wir fragen nicht, was du gemacht hast.
0:00:22–0:00:25
Und du bist da und du bist so, wie du bist und wir nehmen dich an.
0:00:26–0:00:30
Das ist ja schon ein starkes Bild, wenn das jetzt irgendwie sich dann auch in
0:00:30–0:00:32
Kreuzberg so ausdrückt.
0:00:32–0:00:35
Und das ist ja auch dieser Freiraum, das ist diese Freiheit.
0:00:36–0:00:39
Das ist das, was noch zählt und das ist ein Wert.
0:00:40–0:00:44
Dem Film kann man das schon so zugutehalten, dass er das rüberbringt, emotional.
0:00:44–0:00:52
Wie gesagt, das ist halt ein Patch mit einem Scherben-Stein-Ton, der dann richtig klebt.
0:00:53–0:00:58
Das kommt nicht so richtig zusammen in dieser Kulane.
Micz Flor
0:01:04–0:01:07
So, raus aus dem Kino, rein in Altstrahlau.
Florian Clauß
0:01:08–0:01:10
Rein in Altstrahlau.
Micz Flor
0:01:10–0:01:16
Schon ein interessanter Double-Take. Wir sind gerade Kino Zukunft und ohne zu
0:01:16–0:01:17
wissen, haben wir einen Film gesehen,
0:01:18–0:01:23
in dem auch ein Teil eines Interviews direkt hier vor der Tür im Kino Zukunft,
0:01:23–0:01:25
vor dem Kino Zukunft aufgenommen wurde.
0:01:26–0:01:28
Das war crazy.
Florian Clauß
0:01:28–0:01:34
Ja, es war so ein Metaclash. Wenn sich dann die Erde auf sich selbst faltet.
Micz Flor
0:01:34–0:01:34
Ja.
Florian Clauß
0:01:35–0:01:38
Aber es war ein Heimatfilm, Mitch, oder?
Micz Flor
0:01:38–0:01:45
Willkommen zu eigentlich Podcast. Dem Podcast, bei dem wir laufend reden und beim Laufen reden.
0:01:46–0:01:50
Jetzt habe ich es falsch gesagt. Bei dem wir beim Laufen reden und laufend reden. So rum ist richtig.
0:01:51–0:01:52
Rechts neben mir läuft Flo.
Florian Clauß
0:01:53–0:01:53
Hallo.
Micz Flor
0:01:53–0:01:57
Ich bin Mitch und wir haben heute so eine Sommerfolge, wie wir es das letzte
0:01:57–0:01:59
Mal, glaube ich, beim Deutschen Theater gemacht haben.
0:02:00–0:02:05
Mit Teweleit, wo wir einfach was gucken, aufnehmen und dann anfangen zu reden und gar.
Florian Clauß
0:02:05–0:02:07
Nicht so viel vorbereitet haben.
Micz Flor
0:02:07–0:02:08
Zum Schluss wird ein Schuh draus.
Florian Clauß
0:02:08–0:02:15
Wir laufen dann auch hier Richtung Altstrahlau, direkt von der Zukunft und drängen.
Micz Flor
0:02:15–0:02:16
Uns hier durch.
Florian Clauß
0:02:16–0:02:21
Ein wahnsinns Nadelöhr. Ein Nadelöhr war schon immer hier, obwohl ich auch eine
0:02:21–0:02:23
starke Verbindung zu Altstrahlau habe.
Micz Flor
0:02:24–0:02:27
Ja, ich verbinde das auch alles hier irgendwie mit dir. Alles,
0:02:27–0:02:33
was jenseits Ostkreuz ist, ist Flo-Country.
Florian Clauß
0:02:33–0:02:38
Wir sind gerade aus dem Kino gekommen, aus Zukunft, und haben den Film,
0:02:38–0:02:39
Scherbenland, geguckt.
0:02:40–0:02:44
Ein Dokumentarfilm, der, wie aus dem Titel ableitbar,
0:02:45–0:02:51
über mit den Turnsteinscherben und eigentlich ist es, also ich meinte schon
0:02:51–0:02:57
ein Heimatfilm, im Prinzip ist dieser eine Quadratkilometer um seinen Wohnsitz,
0:02:58–0:03:00
ist der Schauplatz dieses Filmes.
Micz Flor
0:03:00–0:03:06
Ja, das war wirklich alles in Kreuzberg, sowohl das historische Material,
0:03:06–0:03:11
wobei, nee, das stimmt nicht ganz, Aber am Anfang wurde das wirklich etabliert.
0:03:11–0:03:15
Es ging ja auch um Totschein Scherben, Rio Reiser, Rio Reiser Platz.
0:03:15–0:03:18
Ich fand es ganz elegant, dass sie es nicht explizit benannt haben.
0:03:19–0:03:24
Aber eine der ersten Szenen war ja auch dieses 70er-Jahre-Kind auf so einem Rennrad.
Florian Clauß
0:03:24–0:03:30
Was er da herangefährt. Hinter der Häuserwand, die auch total grau und vergammelt braun.
Micz Flor
0:03:30–0:03:33
Und vorher hat es nur strecks auf den Rio Reiser Platz zu, aber die Kamera macht
0:03:33–0:03:36
einen Schnitt, kurz bevor man den dann sehen konnte.
Florian Clauß
0:03:36–0:03:42
Eigentlich war es ein Porträt, ein Musikfilm. Ein Musikfilm hat mehr oder weniger
0:03:42–0:03:47
drei Gruppen porträtiert und eigentlich war es auch so eine Liebeserklärung an Kreuzberg.
0:03:48–0:03:53
Den größten, den meisten Platz hat die Gruppe, kanntest du die? R-A-P-K?
Micz Flor
0:03:53–0:03:58
Nee, ich habe nachher bloß gesehen bei Columbia Records, wenn ich es richtig
0:03:58–0:04:03
gelesen habe. Also es fühlte sich so ein bisschen an wie so ein Promotion-Video für diese Rap-K.
0:04:04–0:04:08
So ein Lied, was irgendwie in gefühlt sieben unterschiedlichen Szenen irgendwie
0:04:08–0:04:10
nochmal so aufgeführt wurde.
0:04:11–0:04:15
Die haben auf alle Fälle, glaube ich auch, beim Abspann hat man gesehen,
0:04:15–0:04:18
die haben doppelt so viele Lieder gespielt wie, wie hieß die?
Florian Clauß
0:04:18–0:04:19
Maike Rosa.
Micz Flor
0:04:19–0:04:20
Vogel.
Florian Clauß
0:04:20–0:04:24
Vogel, genau. Das war eine Liedermacherin.
0:04:25–0:04:30
Also es war so ganz gut kontrastiert. Die Rapgruppe hat dann immer vor Publikum performt.
0:04:31–0:04:37
Und man ist denen gefolgt, man hat deren Kindergeschichten gehört,
0:04:37–0:04:42
die haben in irgendwelchen Hinterhöfen dann gesessen und die Niedermacherin,
0:04:43–0:04:49
Ja, die war immer so alleine auf der Bühne, ihre Songs. Und die war auch sehr
0:04:49–0:04:53
ergreifend, ja, so von den Texten. Kanntest du die auch?
Micz Flor
0:04:53–0:04:56
Ich kannte die gar nicht, aber ich fand die wirklich sehr gut.
0:04:56–0:05:02
Ich fand auch ihre Stimme und wie sie gesungen hat, passte wirklich dann sehr gut zu Rio Reiser.
0:05:02–0:05:07
Also irgendwie das Gefühl, dass gesungen wird, ohne dass man darüber nachdenkt
0:05:07–0:05:11
oder ohne dass man es merklich tut. Sondern es ist einfach so.
Florian Clauß
0:05:11–0:05:16
Ja, es ist halt so was ein bisschen Schnoddriges, dieses aber auch was total
0:05:17–0:05:19
Herzliches und was auch sehr kraftvoll ist.
0:05:20–0:05:25
Also diese Kraft in der Stimme, die auch bei Rio Reiser, wenn der dann so knarzt.
0:05:25–0:05:30
Und das ist ja das Unglaubliche von die Stimme von Rio Reiser.
0:05:31–0:05:35
Tonstein Schermann hat gar nicht so viel Platz in dem Film eingenommen,
0:05:35–0:05:39
wie ich ursprünglich erhofft habe, muss ich ehrlich sagen.
0:05:40–0:05:42
Ich dachte dann, es kommt noch mehr historisches Material vor.
0:05:43–0:05:44
Und ich hätte neulich auf Arte...
Micz Flor
0:05:44–0:05:48
Machst du Fotos ganz kurz? Machst du Fotos oder ich? Weil auf der Webseite unter
0:05:48–0:05:51
den Blogposts zu den einzelnen Episoden auch immer,
0:05:51–0:05:52
Bildgalerien.
Florian Clauß
0:05:52–0:05:57
Und den Track, wo wir lang gelaufen sind, findet ihr da auch.
0:05:57–0:06:01
Wir kommen jetzt an die Rummelsburger Bucht, an die Buchtzunge und laufen jetzt
0:06:01–0:06:06
entlang von Altstralau, die Insel, Halbinsellinien entlang.
Micz Flor
0:06:06–0:06:10
Ja, und wir wollen jetzt diesen Film besprechen und ich war skeptisch.
Florian Clauß
0:06:10–0:06:14
Das war jetzt vielleicht nochmal anders angefangen. Wir sind im Sommer mehr.
0:06:15–0:06:19
Wir haben dann eben auch unabhängig voneinander Ferien.
0:06:20–0:06:22
Du fährst weg, ich fahr weg. Und da haben wir ein bisschen gesagt,
0:06:22–0:06:27
was machen wir denn? Und möglichst mit wenig Vorbereitung kam halt die Idee,
0:06:27–0:06:28
wir gehen zusammen ins Kino.
Micz Flor
0:06:28–0:06:32
Wir gucken uns Scherben dann an und lernen von Rap K, dass wir einfach hier
0:06:32–0:06:35
rumlaufen und sagen, guck mal hier, da saß ich, ich hab mal Eis gegessen.
0:06:35–0:06:38
Da drüben hab ich auch ein Eis gegessen. Oder eine Zigarette gerucht.
Florian Clauß
0:06:38–0:06:39
Ich rauch nicht mehr.
Micz Flor
0:06:39–0:06:43
Das war früher. Hier die Tür, die war mal auf. Heute ist sie zu.
Florian Clauß
0:06:43–0:06:49
So war das halt. Da ist schon eine kleine Kritik. an den Akteuren.
Micz Flor
0:06:51–0:06:54
Ich werde das nachher noch ein bisschen framen, aber ich fand es trotzdem einfach interessant.
Florian Clauß
0:06:54–0:06:58
Du warst sehr skeptisch. Ich musste dich ein bisschen hinschubsen zu dem Film.
0:06:58–0:07:01
Ich habe tatsächlich das ganze Kinoprogramm angeguckt. Wir sind beide irgendwie
0:07:01–0:07:02
auf einen Anonalfilm gekommen.
0:07:03–0:07:06
Wir haben nicht Ingeborg-Machmann geguckt. Und wir haben nicht Ingeborg-Machmann.
0:07:07–0:07:12
Und irgendwie schien mir das hier so sehr passend, weil Tonstein-Scherben kam
0:07:12–0:07:14
schon mal vor in den vergangenen Folgen.
0:07:15–0:07:20
Kreuzberg ist quasi unser Chorkis, wo wir die meisten Tracks gelaufen sind und
0:07:20–0:07:25
Deine Heimat, dann warst du aber immer noch so, ich weiß nicht,
0:07:25–0:07:28
ich suche nochmal andere Filme raus.
0:07:28–0:07:32
Ja, aber jetzt, wenn ich dann jetzt hier so aus dem Film komme und das mit dir
0:07:32–0:07:35
zusammen gesehen habe, irgendwie passt es so für mich.
Micz Flor
0:07:35–0:07:36
Das war ein gutes Freund.
Florian Clauß
0:07:37–0:07:40
Irgendwie verpatzt.
Micz Flor
0:07:40–0:07:42
Ja, dann erzähl mal.
Florian Clauß
0:07:43–0:07:48
Ich habe mich tatsächlich noch mal so ein bisschen in die Stadtgeschichtsentwicklung
0:07:48–0:07:54
von Kreuzberg, in die ganzen Episoden des Stadtteils,
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aus den 60ern, 70ern, was hat sich da so entwickelt für eine alternative Szene,
0:08:00–0:08:02
warum hat sich die entwickelt,
0:08:02–0:08:07
bis jetzt dann über Maueröffnung, dann Nullerjahre, Zehnerjahre und letztendlich
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haben wir ein Porträt aus den 20ern, also aus mehr oder weniger zeitgenössisch.
0:08:13–0:08:16
Von Kreuzberg gesehen. Das habe ich halt nicht erwartet.
0:08:17–0:08:20
Ich muss sagen, ich dachte, das wäre viel mehr historisch.
Micz Flor
0:08:20–0:08:22
Viel mehr Dokumentarfilm.
Florian Clauß
0:08:22–0:08:26
Viel mehr historisch. Ja, es war ein Dokumentarfilm. Also es war,
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wie nennt man das, ein Musikfilm oder Musikdokumentation.
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Und ich hatte das Gefühl, es wird so ein bisschen die Klammer geschaffen über
0:08:37–0:08:38
Kreuzberg, über den Ort.
0:08:39–0:08:48
Aber die Frage, die sich jetzt auch beim Anschauen bei mir dann so aufgekommen
0:08:48–0:08:53
ist, ist inwieweit eben so die Musiker, die da dargestellt waren,
0:08:55–0:08:59
also diese politischen Botschaften, was die jetzt dann noch bedeuten.
0:08:59–0:09:04
Und gerade die Jetzt-Zeit in Form von dieser Hip-Hop-Gruppe, ja.
0:09:05–0:09:09
Und ich fand, das war so ein bisschen verlaufen dann.
0:09:09–0:09:16
Irgendwo wurde ja so ein Kreuzberg gezeigt, wo diese Utopie der Gesellschaft,
0:09:17–0:09:23
wo wir quasi so eine multikulturelle, diverse Gesellschaft, die irgendwo auch,
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zusammenlebt, ja, und wo bestimmte politische,
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Ideale dann verwirklicht waren. Das schien ja so ein bisschen,
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aber gleichzeitig wurde dann so eine Layer draufgelegt.
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Wo man dann auch so die Ungerechtigkeiten, eben auch diese Mietverhältnisse
0:09:41–0:09:46
in Kreuzberg, Wohnraum, alternativer Raum und so weiter, das wurde alles so
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angerissen, aber es wurde nicht weiter irgendwo verfolgt.
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Ich fand das so ein bisschen stecken geblieben und diese politische Haltung,
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die sich da in diesem alten mit Tonstein und Scherben sich noch viel krasse ausgedrückt hat.
0:10:01–0:10:06
Diese Konfrontation mit der Polizei, die sich dann auch bei den Bildern von
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der Räumung der Mainzer Straße.
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Und ja gut, das war dann halt der Ostteil der Stadt, wo sich dann halt noch
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viel mehr dann so diese Ungerechtigkeit dann halt auch gezeigt hat.
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Das fand ich, also das war vielleicht auch bewusst, dass man dann halt so ein
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harmonisches Kreuzbergbild zeichnet am Ende. So ein befriedetes Kreuzberg.
0:10:28–0:10:34
Aber da hat mir irgendwie so dieser politische Kampf dann oder die politische
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Attitüde gefehlt, weil das, was dann halt diese Band, Hip-Hop-Band dann so performt hat, das war,
0:10:41–0:10:43
ja, es war eher so ein gefühlte,
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so ein Lebensgefühl, was dann natürlich zu dieser, wie soll man sagen,
0:10:49–0:10:51
Identity Property von Kreuzberg gehört.
0:10:51–0:10:55
Dass du dich dann so die Attitüde, wir sind dann halt auf dem Malzdach und machen
0:10:55–0:11:03
dann direkt da in der Oranienstraße Musik ja und alle kennen die Texte und können
0:11:03–0:11:04
sich damit konzentrieren.
Micz Flor
0:11:04–0:11:09
Das ist so ein Lifestyle-Ding, so wie halt Berlin, du bist so wunderbar,
0:11:09–0:11:12
das war ja Kinowerbung früher immer. Also ich möchte das jetzt gar nicht kleiner
0:11:12–0:11:15
machen, weil ich muss sagen, weil die ganze Zeit, als ich während des Films
0:11:15–0:11:17
schon darüber nachdachte, darüber zu reden,
0:11:18–0:11:21
habe ich gedacht, ich muss im Abspann schauen, ob ich irgendjemanden kenne,
0:11:22–0:11:26
weil ich möchte niemandem Unrecht tun. Aber ich kannte auch niemanden vom Team.
0:11:26–0:11:30
Deshalb fühle ich mich da so ein bisschen befreit. Aber ich möchte trotzdem niemandem Unrecht tun.
0:11:30–0:11:35
Also ich sage das alles auch jetzt aus meiner, ich habe die Lyrics nicht ganz
0:11:35–0:11:38
im Kopf, auch wenn es für alles jetzt so englische Untertitel gab,
0:11:38–0:11:40
die man da hat lesen dürfen.
0:11:40–0:11:43
Also der Film auch gleich angelegt war, dass er über Berlin,
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über das Deutsche hinausgeht. Also der Film strahlt schon mit englischen Untertiteln
0:11:48–0:11:53
und zeigt sich aber super homey am Rio Reiserplatz.
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Ich kannte niemandem erklären, was dieser Film sagen will.
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Wenn wir uns jetzt vorstellen, da pitcht jemand. Jemand geht hin und sagt,
0:12:01–0:12:04
ich muss das jetzt pitchen, ich muss das verkaufen, ich brauche die Kohle.
0:12:04–0:12:09
Ich würde nicht draufkommen, was diese Person erzählt. Oder es war eine Lüge,
0:12:09–0:12:13
die vielleicht wirklich erzählt hat. Ja, wir wollen unterschiedliche Perspektiven,
0:12:13–0:12:14
unterschiedliche Dekaden.
0:12:16–0:12:20
Aber alles ist in einem Ort. Das ist dieses Berlin. Und wir zeigen,
0:12:20–0:12:23
wie die Geschichte in Layern übereinander steht. Und hat sich überhaupt was
0:12:23–0:12:24
verändert? Was hat sich verändert?
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Und dann hat jemand geklatscht und sagt großartig. Und schmeißt einen Scheck
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hin und sagt, mach das Ding. Und danach hat aber keiner mehr drauf geguckt.
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Ich entschuldige mich, wenn ich jetzt falsch liege. Aber wir müssen das nochmal
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aufsuchen. Diese Wasserwerfer mit den grünen Polizisten.
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Historisch kann ich es nicht genau einordnen. Ich schätze mal 70er,
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80er Jahre Westberliner Polizei mit drei Wasserwerfern. Weißt du,
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als sie reinkamen, während Rio Reiser am Klavier saß und nur mit Klavier gesungen hat?
Florian Clauß
0:12:54–0:12:55
Das war die Mainzer Straße.
Micz Flor
0:12:55–0:12:56
Dieses Land ist es nicht.
Florian Clauß
0:12:56–0:13:01
Das war die Mainzer Straße, die Räumung der Mainzer Straße 1990 oder 91.
Micz Flor
0:13:01–0:13:02
War das?
Florian Clauß
0:13:02–0:13:02
Ja.
Micz Flor
0:13:02–0:13:03
Okay.
Florian Clauß
0:13:03–0:13:04
Das haben die auch gezeigt.
Micz Flor
0:13:04–0:13:10
Also es gab einmal das, was später war, wo die auch dann hochgefahren sind mit den Leitern.
Florian Clauß
0:13:11–0:13:13
Das war die Liebigstraße.
Micz Flor
0:13:13–0:13:14
Liebigstahl, ja.
Florian Clauß
0:13:16–0:13:18
2021 wurde die gewollt.
Micz Flor
0:13:18–0:13:21
Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass die,
0:13:22–0:13:29
Räumungspolizeimaterial aus den 70er, 80er Jahren verschnitten haben mit dem
0:13:29–0:13:34
Konzert von Rio Reiser 1988 in Ostberlin.
Florian Clauß
0:13:34–0:13:37
Boah, weißt du, dass es Ostberlin noch voll Mauerfall war?
Micz Flor
0:13:38–0:13:43
Es gab diese Zeit, wo Westkünstler, Künstlerinnen auch so rüber konnten.
0:13:43–0:13:45
Rio Reiser hat ein Konzert auch gegeben in Ostberlin.
Florian Clauß
0:13:45–0:13:49
Also ich dachte, das wäre quasi nach Mauerfall, weil dieses Konzert war dann
0:13:49–0:13:55
tatsächlich Also auch mit einem Material nach Mauerfall, dann kam das ja quasi.
Micz Flor
0:13:55–0:13:59
Okay, und ich hatte in Erinnerung nur, dass dieses Konzert verschnitten war,
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eben mit einem 70er-Jahre-Polizei-Dings.
0:14:03–0:14:10
Ja, das fände ich halt irgendwie so verwirrend, weil dieses Konzert ist schon in Anführungszeichen,
0:14:11–0:14:14
weil ich bin jetzt auch nicht so drin, dass ich das wirklich behaupten kann,
0:14:14–0:14:17
aber es ist insofern legendär, als er ein Lied gespielt hat,
0:14:17–0:14:20
was er auch gesagt hat, zu eines seiner ersten Lieder, und das fiel ihm so ein,
0:14:20–0:14:23
hat er gesungen, und es altert nicht.
0:14:23–0:14:26
Und dann hat er halt 1988, in der DDR hat er es zum ersten Mal gelesen,
0:14:26–0:14:31
da war eben schon in der DDR die Stimmung auch so, dass nicht mehr klar war,
0:14:31–0:14:34
wie soll das weitergehen, kann das noch weitergehen, wird sich da was verändern,
0:14:34–0:14:35
wie kann sich was verändern?
0:14:35–0:14:38
Und er singt dann halt eben diese Zeilen, ich glaube,
0:14:39–0:14:44
Dieses Land ist es nicht. Und das klingt dann in dem. Und alle singen dann mit.
0:14:44–0:14:45
Er singt es viermal oder fünfmal.
0:14:45–0:14:49
Und das war halt so ein Moment, der irgendwie in dieser Bewegung in der DDR
0:14:49–0:14:53
wohl eine Rolle gespielt hat. Ich kann das nicht aus erster Hand.
Florian Clauß
0:14:53–0:14:55
Ich habe das wirklich anders weitgenommen. Ich glaube auch nicht,
0:14:55–0:14:57
dass es dieses Konzert in der DDR war.
0:14:58–0:15:05
Es war ja quasi so dieser Utopieraum, der sich nach Mauerfall dann auch,
0:15:05–0:15:10
in Ost-Berlin geöffnet hat, wo dann auch diese ganze Hausbesetzer-Szene,
0:15:10–0:15:14
die sich in den 70ern und 80ern in Kreuzberg entwickelt hat,
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dann quasi den Leerstand auch in Ost-Berlin aufgegriffen hat.
0:15:18–0:15:24
Und da auch quasi diese Häuser besetzt wurden in der Mainzer Straße,
0:15:24–0:15:29
in der Riga-Straße, in der Liebigstraße. Also diese legendären besetzten Häuser.
0:15:30–0:15:34
Und diese Räumung wurde dann dagegen geschnitten. Also es war dann eher so,
0:15:34–0:15:40
dass dieser Utopieraum, der Nachfall von der DDR,
0:15:41–0:15:45
der nach dem Fall davon, der sich dann aufgetan hat, dass der dann zusammengebrochen ist.
0:15:46–0:15:49
Und so habe ich es gesehen. Ich hatte nicht jetzt irgendwie den Eindruck,
0:15:49–0:15:52
dass es wirklich in der DDR dann aufgenommen wird. Das hätten die,
0:15:52–0:15:54
glaube ich, stärker rausgearbeitet.
Micz Flor
0:15:54–0:15:56
Die haben doch gar nichts rausgearbeitet.
Florian Clauß
0:15:56–0:15:57
Ja, doch.
Micz Flor
0:15:57–0:16:01
Du weißt doch nicht mal, wann, weil, wie gesagt, das Wrangelcafé war auf,
0:16:01–0:16:04
dann war das Wrangelcafé zum Verkauf und zu.
0:16:05–0:16:08
Ich finde, da gab es gar keinen Anker irgendwie.
0:16:08–0:16:11
Jetzt kann man halt eben beim Pitch sagen, genau das möchte man,
0:16:12–0:16:15
schaffen, dass man eben nicht mehr quasi linear durch die Zeit geht,
0:16:15–0:16:19
wie so ein klassischer langweiliger Dokumentarfilm, sondern dass man alles in
0:16:19–0:16:24
Layern übereinander legt, wie Pettersons Geburtstagspfannkuchen für Findus.
0:16:25–0:16:28
Und dann schneidet man so durch und alles passiert am gleichen Ort.
0:16:28–0:16:31
Kann man ja irgendwie alles machen, aber ich fand wirklich, ich fühlte mich
0:16:31–0:16:36
nicht angemessen wertgeschätzt als Publikum. Ich fühlte mich in die Irre geführt.
Florian Clauß
0:16:36–0:16:40
Ich fühle mich irgendwie ein bisschen wie bei Lola rennt, dass man dann halt
0:16:40–0:16:44
so, wenn sie dann rennt und auf einmal in die nächste Ecke einbiegt und eben
0:16:44–0:16:49
noch in Kreuzberg war und dann auf einmal in Wedding kommt, da fühle ich mich
0:16:49–0:16:51
komplett verarscht von dem Film.
Micz Flor
0:16:51–0:16:56
Von Bonadentity, gleiches Problem. Da rennt die Friedrichstraße lang und dann ist er mal nix.
Florian Clauß
0:16:56–0:17:01
Du lebst da in Kreuzberg und ich kann das schon verstehen, dass sich das aufbringt,
0:17:02–0:17:05
wenn da Cafés gezeigt werden, die schon lange, lange zu haben.
Micz Flor
0:17:06–0:17:10
Ja, aber es wird ja eine Geschichte dann doch erzählt. Natürlich ist jeder Dokumentarfilm
0:17:10–0:17:12
auch Fiktion und erzählt eine Geschichte.
0:17:12–0:17:14
Und wenn die Geschichte fertig ist, und die funktioniert ja auch,
0:17:15–0:17:17
dann ist der Dokumentarfilm auch okay.
0:17:17–0:17:21
Und da gehört vielleicht natürlich auch dazu, dass man manchmal irgendwelche
0:17:21–0:17:27
Aufnahmen von 2012 verschneidet mit Sachen von 2018, weil es halt irgendwie,
0:17:27–0:17:29
die Geschichte erzählt, die man erzählen will.
0:17:30–0:17:33
Aber wenn es halt nicht funktioniert, wenn es ein bisschen auseinanderfällt
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oder ich weiß nicht, hättest du es besser gefunden, wenn da Jahreszahlen eingeblendet
0:17:39–0:17:40
gewesen wären für die Einzelne?
Florian Clauß
0:17:40–0:17:46
Nee, dafür hat der einfach zu wenig historisches Material geliefert.
0:17:46–0:17:48
Also das ist so unbedeutend, um da Jahre zu...
0:17:48–0:17:54
Also es ging eher, also was der Film schon geschafft hat, ist so ein Gefühl zu vermitteln.
0:17:54–0:17:58
So ein Gefühl, das Tonstein und Scherben in dieser Musik.
0:17:58–0:18:02
Und das war auch dann die anfangs, also eine der ersten Szenen,
0:18:02–0:18:09
wo man Frau Vogel kennengelernt hat, wo sie von einer Ferienfahrt erzählt hat,
0:18:09–0:18:13
als sie das erste Mal mit 15 Tonsteinen und Scherben gehört hat.
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Und tatsächlich ist es für mich auch in meiner Biografie, ich kann mich genau
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daran erinnern, wann ich das erste Mal der Traum ist ausgehört habe.
0:18:22–0:18:27
Und das war für mich auch ein unglaublich prägendes Lied in meiner Teenie-Phase.
0:18:27–0:18:31
Also es ist echt interessant, das Tonsteinen und Scherben, einfach mit Rio Reiser.
0:18:31–0:18:35
Und es gibt diese Keine-Nacht-Macht-für-Niemand, ist es einfach,
0:18:35–0:18:40
diese Platte hat total geprägt mich in den 80ern.
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Ich weiß nicht, ob du dich an den Moment erinnern kannst, wo du das erste Mal,
0:18:44–0:18:46
Tonstein-Schermen gehört hast.
Micz Flor
0:18:48–0:18:51
Ich habe das nicht so bewusst gehört, hatte auch keine Platte davon.
0:18:51–0:18:57
Also es war so eher was, was so, ich war dann eher schon, sag ich mal,
0:18:57–0:19:00
in das, wo dann die Neudeutsche Welle,
0:19:02–0:19:05
Tonscheinscherben auch so abgehängt hatte. Also ich war dann eher schon auf
0:19:05–0:19:09
dieser Kommerzialisierung, so später 70er, Anfang 80er.
0:19:09–0:19:15
Dann war ich halt irgendwie so selber mit der Band zum ersten Mal 1983 aufgetreten,
0:19:15–0:19:19
mit 13 oder mit 12 oder so. Knallrot.
0:19:20–0:19:22
Genau, knallrot Musik gemacht. Und da war ich halt dann irgendwie so,
0:19:22–0:19:27
da habe ich so nach vorne geguckt immer. Was machen die denn jetzt gerade so? Wo geht das denn so hin?
0:19:27–0:19:30
Das war erst später und ich kann dir nicht sagen, wann es bewusst war.
0:19:30–0:19:38
Und ich finde aber, es ist eine unglaubliche Stimme.
0:19:39–0:19:42
Das ist, glaube ich, wirklich das, was das trägt. Man hat das Gefühl,
0:19:42–0:19:48
dass die Musik ist so, also gerade bei den frühen Sachen ist die Musik immer so, die funktioniert.
0:19:49–0:19:53
Man merkt auch, dass die viel geübt haben, dass die auch quasi sich erlauben,
0:19:53–0:19:57
am Rande ihrer Fähigkeiten zu sein. Also die geben alles.
0:19:59–0:20:01
Aber die Stimme könnte auch auf etwas ganz anderem funktionieren.
0:20:01–0:20:04
Ich finde einfach, die Stimme ist wirklich dieses, das ist halt eine Theaterstimme.
0:20:04–0:20:06
Es ist keine Singstimme.
Florian Clauß
0:20:06–0:20:08
Ja, stimmt.
Micz Flor
0:20:08–0:20:12
Der kommt ja auch ursprünglich aus, ja er kommt nicht aus dem Theater,
0:20:12–0:20:16
er war ja sehr, sehr jung, aber als er nach Berlin gekommen ist er auch so eine
0:20:16–0:20:21
Theatergruppe mit Lehrlingen oder sowas machen wollen.
0:20:21–0:20:25
Und die ersten Lieder waren auch Lieder, die eigentlich in Theaterstücken,
0:20:25–0:20:30
die er mit seinen zwei Brudern irgendwie zusammen gebastelt hatte, herkommen.
0:20:30–0:20:34
Und ich glaube auch, macht kaputt, was euch kaputt macht, war auch,
0:20:34–0:20:37
oder das mit dem, ich will nicht mein Vater sein, oder wie das heißt,
0:20:37–0:20:43
oder eins von denen war auch aus diesen frühen Theaterdingen so.
0:20:44–0:20:47
Und daraus entstand dann diese Band. Und die Stimme von ihm,
0:20:47–0:20:50
finde ich, hat halt irgendwas, was eher Theater ist.
0:20:50–0:20:53
Irgendwas passiert, was anderes. Da ist keiner, der versucht,
0:20:53–0:20:59
etwas zu spielen, sondern da ist jemand, der versucht zu vermeiden,
0:20:59–0:21:04
irgendwas zu spielen. Und das macht es, finde ich, so unfassbar intensiv.
Florian Clauß
0:21:05–0:21:06
Ja, intens, ja.
Micz Flor
0:21:06–0:21:08
Oder unvermittelt vielleicht.
Florian Clauß
0:21:08–0:21:14
Unvermittelt. Und in dem einen Ausschnitt, wo dann Rio Reiser bei einem Interview
0:21:14–0:21:17
damit konfrontiert hat, dass er total banale Texte hat, wo er erst mal sagt,
0:21:17–0:21:22
so ja, und dann aber auch so stutzt und das, nein, das sind nicht banal.
0:21:22–0:21:27
Das auch, also natürlich war das dann so diese,
0:21:28–0:21:31
öffentlich-rechtlichen Medien, die dann versucht haben, das irgendwie einzuordnen,
0:21:32–0:21:36
und dann auch damit einzuverleiben, sage ich mal, die Musik,
0:21:36–0:21:38
weil die ja erstmal was Bedrohliches hat, wenn,
0:21:39–0:21:43
man die dann so hört und gegen das Establishment geht.
0:21:43–0:21:48
Und deswegen, es ist ja ein banaler Text und dann so, nee, er will halt mit
0:21:48–0:21:54
einfachen, klaren Sätzen dann auch die Arbeiter, diese Idee der Arbeiterklasse
0:21:54–0:21:57
war noch so stark. Und das ist interessant.
Micz Flor
0:21:57–0:22:00
Weil das genau so ein Moment war, glaube ich, wo er sich zum ersten Mal,
0:22:00–0:22:04
weil eine Kamera lief und so ein bisschen auch so eine Identitäts-Meltdown hatte.
0:22:05–0:22:09
Was bin ich gerade oder spiele ich gerade? Die hatten ja dieses Manifest auch
0:22:09–0:22:12
geschrieben, Musik ist eine Waffe und da steht eben dann auch drin,
0:22:13–0:22:19
es gibt diesen Satz, der etwa geht, so, dass Musik kann eine Waffe sein, wenn du,
0:22:20–0:22:25
auf der Seite deines Publikums bist. Also wenn die alle zusammen quasi singen.
0:22:25–0:22:28
Und in diesem kurzen Moment, den du gerade auch so geschildert hast,
0:22:28–0:22:33
da passiert, finde ich, genau das. Also er spricht mit diesem Fernsehtyp und
0:22:33–0:22:35
dann ist er halt irgendwie quasi der Typ vor der Kamera.
0:22:35–0:22:41
Und dann wird ihm halt gesagt, er sagt halt ja zuerst in dem Zitat sowas wie, ja,
0:22:41–0:22:44
unsere Texte sind für Leute, die eigentlich, unsere Lieder sind für Leute,
0:22:44–0:22:48
die jünger sind, 15 bis vielleicht 22, die sind weniger für Schüler und mehr
0:22:48–0:22:53
für Lehrlinge Und dann sagt er, ach so, und deshalb sind die auch so banal?
0:22:53–0:22:57
Und dann sagt er, ja. Und dann springt er aber eben wieder zurück auf die Seite
0:22:57–0:23:00
seines Publikums. Sagt so, wenn sie sagen banal, dann heißt das doch,
0:23:01–0:23:04
man müsste banal reden mit diesen Lehrlingen. Das ist nicht der Fall.
0:23:04–0:23:08
Das sind nur einfach die Worte, die auf dieser Seite des Zauns,
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dass es dann eben wieder zurückkommt auf sein eigenes Manifest,
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auf dieser Seite des Zauns sind die real, echt.
Florian Clauß
0:23:17–0:23:22
Also diese Stimme, wir waren ja gerade bei der Stimme von Rio Reiser und ich
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habe vorhin das mit so einer Schnottrigkeit, aber auch mit so einer unglaublichen Klarheit. Und ich.
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Also ist erst mal so dieser Sound der 70er Jahre, also wenn du dann auch,
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keine Ahnung, dir dann Dokumentation von,
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jetzt fällt mir nur so Oskar Schilly, der dann halt als RAF-Anwalt dann auch,
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die Anwälte da vertreten hat.
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Also hast du auch gesehen, diese Dokumentation, wo dann diese Anwälte,
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also in den 70ern, die RAF und Schilly dann auch mit so einer Unglaubigkeit,
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klaren Stimme, dann auch dieser Sound.
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Dann weiß man nicht, ob es Mikrofon ist oder ob das wirklich diese Art Tonalität
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von damals war, um seine Sachen dann auch quasi nach außen zu bringen,
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also an so einem agitatorischen Ton, der dahinter steht.
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Während auch die Maike Vogel dann auch so eine ganz klare Stimme hat. Das fand ich auch gut.
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Und die Jungs dann von dieser Hip-Hop-Band, die hatten alle sehr klare Musikerstimmen.
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Das war dann so, auch wenn sie dann inhaltlich mal mehr und mal weniger geredet
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haben, hatten die doch dann immer eine sehr betonte Stimme. Und das war vielleicht,
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das, was dann halt auch die so ein bisschen zusammengebracht hat in ihrer Art.
Micz Flor
0:24:48–0:24:51
Ja, ich finde es interessant, ich meinte ja vorhin schon, ich möchte mal so
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ein bisschen reframen, weil ich glaube, dass ich, also wir sind ja auch Zugezogene,
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also ich bin jetzt, ja wir sind beide knapp über 30 Jahre jetzt in Berlin wahrscheinlich.
Florian Clauß
0:25:03–0:25:05
Ja, also ich bin 93,
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nach Berlin, also.
Micz Flor
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Ja, ich auch so um den Drehen, da war ich nochmal kurz weg und dann war ich
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jetzt ganz hier seit vielen Jahren. Ja, Maike Vogel, ich habe den Namen jetzt
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nicht noch so mitgebracht.
Florian Clauß
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Maike Rosa Vogel.
Micz Flor
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Ist aus frankfurt ja in hessen du bist aus hessen ich bin aus hessen also wir sind.
Florian Clauß
0:25:23–0:25:29
Da versuchst immer so eine aus so einer identität über lokalität rio reiser
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ist aus hessen nach berlin gekommen ich bin nicht so lange ich war wirklich
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nur so acht jahre genau du willst du.
Micz Flor
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Willst nicht so.
Florian Clauß
0:25:34–0:25:39
Richtig ich will nicht so summiert werden ja aber so handkäse mit musik geht
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halt auch also damit identifizieren grüne soße und so eine Soße auf jeden Fall.
Micz Flor
0:25:43–0:25:50
Der Gitarrist von Tonsteinscherben, der kannte Rio Reiser noch aus Kindergarten,
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aus Rottgau oder irgendwie in der Nähe, keine Ahnung, wie Rottgau,
0:25:53–0:25:56
Monotons, Flatsch, Badesalz, also irgendwie aus dieser Ecke.
0:25:56–0:26:01
Das heißt, Frau Vogel und Herr Reiser sind nach Berlin gegangen.
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Ich glaube, das ist, glaube ich, total wichtig in dem Film, das sich nochmal klarzumachen.
0:26:07–0:26:10
Die anderen drei von Rap K, die sind da geboren. Bei einem sehen wir sogar die
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Stelle auf dem Teppich, wo die Nabelschnur durchgeschnitten wurde.
Florian Clauß
0:26:14–0:26:16
Was hast du jetzt dazu gesprochen?
Micz Flor
0:26:17–0:26:18
Das wurde irgendwie im Klei.
Florian Clauß
0:26:18–0:26:21
Sein Vater hat gesagt, auf diesem Teppich wurdest du geboren.
Micz Flor
0:26:22–0:26:25
Und ich finde es aber, dass man das irgendwie, finde ich, nochmal so festhalten
0:26:25–0:26:30
muss, weil die, die nach Berlin gekommen sind und Maike Vogel sagt das ja explizit,
0:26:30–0:26:33
dass sie da auch sich, das war wie so ein Calling, also sie hat sich da,
0:26:34–0:26:37
gerufen und berufen gefühlt, um da hinzugehen.
Florian Clauß
0:26:37–0:26:37
Ja.
Micz Flor
0:26:38–0:26:42
Und diese Rap-Kalor, die sind halt von da. Ja.
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Für die ist es dann eher so, die sind halt eigentlich die Einheimischen.
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Die Einheimischen, die entschließen, irgendwie Musik zu machen.
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Und die haben aber keinen ungelösten Konflikt, mit dem sie nach Berlin kommen,
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um den da irgendwie aufzulösen.
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Sondern die sitzen halt dann so da und erzählen dann halt, okay,
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als ich in der Grundschule war, haben wir Mercedes-Sterne abgebrochen.
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Später saßen wir auf der Treppe, sind da unten, die anderen haben da ein bisschen gekickt.
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Also es ist halt komplett banal, aber so ist es halt.
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Es war wahrscheinlich, wenn man von außen drauf guckt,
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Bei Frau Vogel und bei Herrn Reiser oder Südhessen war es halt wahrscheinlich
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genauso banal. Bloß die haben sich da nie rausentwickelt. Die wollen gar nicht
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woanders hin. Die sind jetzt so da drinnen.
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Man hat so das Gefühl, denen fehlt auch so ein bisschen, wie du sagst, das Politische.
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Und warum möchte man denen das überhaupt andichten? Warum möchte man das von
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denen haben? Die sind halt so da.
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So ein bisschen wie wenn man jetzt nach Südfrankreich fährt und am Hafen sitzen
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dann in der siebten Generation Leute, die halt da sitzen und Kaffee trinken.
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Man guckt sie so an und erwartet von denen, seid ihr auch so interessiert an
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diesem Hafen wie ich, an diesem Azurblauen Meer?
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Möchtet ihr die Faszination, möchtet ihr nicht auch was verändern?
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Möchten die nicht, die sind da einfach hineingewachsen.
Florian Clauß
0:28:00–0:28:03
Die sind da, die sind wie die Fische am Dorf, am Meer.
Micz Flor
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Und der Vater, das ein Rap-K-Typen, der da geboren wird auf dem Teppich,
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wir sind mit der Kamera in dem Zimmer mit dem Teppich und dem Sohn,
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der seinen Vater mit dem Kamerateam überrascht, sagt Überraschung, dann gehen die rein.
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Und der Vater erzählt dann hier, ja, Eigenbedarf, Kündigung.
Florian Clauß
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Wie kommt denn so ein politischer Spin?
Micz Flor
0:28:25–0:28:27
So ganz kurz wird halt einfach über die Not...
Florian Clauß
0:28:27–0:28:29
Wir besetzen das auch, wir besetzen.
Micz Flor
0:28:29–0:28:33
Und du merkst aber natürlich, der Vater ist, ich glaube, der ist Franzose, kann das sein?
Florian Clauß
0:28:33–0:28:34
Ja, der hat gesagt, der ist Franzose.
Micz Flor
0:28:34–0:28:37
Hat sehr gut Deutsch gesprochen, aber der Sohn hat das vorher,
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glaube ich, auch schon mal erzählt.
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Und du merkst halt, dass der Vater da irgendwie der Gast ist,
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der in Anführungszeichen der Fremdere ist oder so. Und der Sohn geht halt so
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durch und sagt halt, naja, es hat Eigenbedarf, naja, ist halt so und geht raus
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auf den Balkon und guckt sich nochmal die Straße an, in der er kommt.
Florian Clauß
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Wo man das in der Flucht des Betanien sieht. Das ist Kreuzberg als so ein...
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Was ich mir schon meinte, so als Identitätsproperty. Das ist halt ein Wert,
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der über die Dekaden dann so als ein Corporate-Bezirk dann so geformt hat.
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Ich weiß nicht, ich kann mich auch daran erinnern, ich kann mich nicht nur daran
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erinnern, wie ich den ersten Don't Lieber in Schermann bin, sondern ich kann
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mich auch daran erinnern, wie ich dann halt wirklich so, das ist Kreuzberg,
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das ist erst mal ein Kreuzberg, dann halt ausgestiegen bin auf Klassenfahrt.
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Das war irgendwie 87, ich bin dann ein Kreuzberg gewesen. Und das war halt wirklich
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so ein, yeah, jetzt bin ich in Kreuzberg, was machen wir jetzt?
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Und dann sind wir auch erstmal in so einen Comicladen gegangen,
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weil wir wussten, okay, hier gibt es Comics und hier gibt es Fanscenes. Das waren die 80er.
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Man hatte noch so Fanscenes. Guck mal, die haben im Internet gedrucktes Internet.
Micz Flor
0:29:43–0:29:45
Sowas gibt es sonst nur im Internet.
Florian Clauß
0:29:45–0:29:47
Nein, das gab es noch nicht, das Internet.
Micz Flor
0:29:47–0:29:50
Eben, aber so heute würde man sagen, das ist gedrucktes Internet.
Florian Clauß
0:29:50–0:29:54
Ja, und das war halt so, das war halt wirklich so wie so ein Vorhang.
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Du kommst in so einen dichten, narrativen Ort, von dem du Geschichten hörst,
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von dem du Songs hast und so weiter und siehst ihn erwartet.
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Jetzt passiert auf einmal was,
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aber es ist banal. Das ist halt irgendwie genau das, was du schreibst.
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Sagst, das ist der Hinterhof, da bin ich aufgefahren. Also für diejenigen,
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die da sowieso groß geworden sind.
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Aber es ist halt immer so diese Erwartungshaltung, die man dann auch hat als
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jemand, der dann wirklich so aufgeladen ist von dem Ort.
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Und das ist halt so ein bisschen, das ist der Teppich in dem ganzen Film.
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Kreuzberg, Kreuzberg, so dieses Land Kreuzberg.
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Ist das, wie, ich weiß nicht genau, ich erinnere mich ganz im Text, im Refrain.
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Das ist ja das Land Kreuzberg, was dann halt auch diese Gruppe da singt,
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wo dann sich für alle so dieses Identifizierende bildet.
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Und das ist auch stark. Ich finde, das ist halt so dieser ...
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Emotionale Momente. Musiker müssen jetzt nicht unbedingt so reflektierend sein wie Rio Reiser.
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Es geht vielmehr um so ein Gefühl, was sich dann über die Musik transportiert.
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Die Beats von der Gruppe fand ich schon ganz mitreißend. Es war schon sehr elektronisch.
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Die haben ja auch Mood Selector Sample gehabt.
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Von Apparat, wo das New Arrow, diese Baseline da reinkommt.
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Das ist halt so das, das ist voll das, das Ding, was man halt wirklich sofort
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als Wiedererkennung hat. Das fand ich schon ganz gut.
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Das kann ich auch verstehen, dass dieses Konzert in der Columbia Halle,
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wo dann auch total alle mitgerissen waren.
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Also das war ja schon sehr, sehr stark in dem Moment.
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Und bei der Maike Vogel, Sängerin, Liedermacherin, da waren die Texte auch so.
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Also es klang irgendwie alles ein bisschen gleich so, aber man hat ja dann noch,
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Stücke von ihr gehört, die produziert waren, da war es halt nicht ganz so gleich.
0:31:58–0:32:02
Diese Alternativkultur, die sich auch mit Kreuzberg so entwickelt hat.
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Also das ist ja das war, was dann auch in den 70ern dann auch entstanden ist,
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oder früher noch in den 60ern, wenn die Studenten aufruhen.
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Und da war ja auch Kreuzberg so ein Zentrum.
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Und da sind ja eben Turnstern und Scherben groß geworden und haben sich in dieser
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Hausbesetzerszene dann auch etabliert.
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Und das ist ja auch nochmal von der Stadtentwicklung her ganz interessant,
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was da passiert ist in dieser der totalen Insel von Kreuzberg,
0:32:31–0:32:36
aber das kam halt nicht mehr so raus, das war jetzt das haben sie kurz mal erwähnt.
Micz Flor
0:32:36–0:32:40
Wo er am Tisch sagt, ja haben sie uns erklärt, das war der letzte Schnipsel
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so von Berlin und das war wirklich nicht mehr,
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Und er hat es ja selber gesagt, es gibt ja noch so die Ossis,
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die Wessis und so, aber das ist es unklar, wie viel, also von dem,
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was sie sagten, ist es unklar, wie viel Einfluss das noch hat aufs Denken und
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aufs Miteinander umgehen,
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aber es sind eher Geschichten aus der Vergangenheit.
Florian Clauß
0:33:02–0:33:08
Das war ja total konstituierend für diese Hausbesetzer-Szene,
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für diese politische Kultur, für diesen Aktivismus, der dann in Kreuzberg entstanden ist.
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Ganz viele selbstorganisierte Projekte sind daraus entstanden.
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Diese Studentenbewegung, die sich dann auch, wo dann irgendwann der Schwenk
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kam, also von diesem Aktivismus, außerparlamentarische Organisation,
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dann irgendwann das Privat ist, das Politische.
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Das ist ja dann auch so von einer feministischen Bewegung nach vorne.
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Also dass so wie man lebt auch entsprechend einfach ein politisches Statement
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hat oder eine politische Person ist, ein politisches Subjekt ist.
0:33:47–0:33:54
Und dann kam ja so auch aus diesem Gedanken heraus, dass eben nicht das Familienmodell
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das sein muss, wie man Kinder großzieht.
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Wie man dann quasi lebt und Beziehungen dann auch flechtet, sondern dass es
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auch andere, alternative Formen gibt.
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Das ist jetzt auch das Kinderladen als Organisationsform, ja,
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dann die anti-autoritäre Erziehung.
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Das waren ja alles so Bewegungen. Da war ja eben der Schmelztiegel, war ja in Kreuzberg.
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Das war ja so das Bild, was sich da so entwickelt hat. Und dann die Hausbesetzer-Szene,
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also da, wo sich dann auch tatsächlich so Eigentumsverhältnisse auch an der
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Frage aufgetan haben. Wem gehört das?
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Da ist dann, glaube ich, nochmal die Geschichte von Kreuzberg interessant, weil...
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Eingeschlossen eben von der Mauer gab es ganz viele Nischen,
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das waren so die Mietskaserne, die noch aus dem vorherigen, also aus dem 19.
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Jahrhundert gebaut wurden.
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Die wurden ja quasi dem Verfall preisgegeben, um dann irgendwann die Leute rauszubekommen,
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um dann neue Sachen hinzubauen.
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Das war genau diese Zeit der 70er, wo dann auch die meisten Häuser damals in Berlin besetzt wurden.
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Also es waren über 100 in Kreuzberg, die besetzt wurden, um diesen Verfall dann
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nicht diesen Kreuzern preiszugeben.
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Und wo dann diese starke Bewegung überhaupt entstanden ist.
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Und dann hat auch die Politik ja eingeschränkt. Also das heißt,
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sie haben dann nachgegeben. Es gab dann auch entsprechende städtebauliche Maßnahmen.
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Also das Kotti, also diesen Neubau, dieses Prägende, was wir da gesehen haben,
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das ist ja dann in den 70ern entstanden.
Micz Flor
0:35:29–0:35:33
Da ist doch vor ein paar Jahren auch irgendwie ein Dokumentarfilm über den Architekten
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oder Planer oder sowas, den können wir vielleicht auch noch mal gucken.
Florian Clauß
0:35:36–0:35:42
Wir hatten ja auch schon mal im Rahmen von unseren letzten gemeinsamen Kinoerlebnissen,
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das war ja zur Berlinale, dann sind wir ja zur Schwangeren ausgegangen.
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Haben wir ja so ein bisschen über diese Interbau 1957, das dann halt quasi so
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als Architektenveranstaltung oder so ein bisschen Free Speech und so weiter
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etablieren wollte im Westen als Gegenpol,
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zum Osten, als diese ganzen großen Bauten entstanden, die dann halt so diese
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Dominanz des Ostens auch zeigen sollten.
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Ja, also Stalinallee und so weiter. Da war Interbau, wo dann halt das Hansaviertel
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entstanden ist, das schwangere Ostern.
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Und es gab dann 20 Jahre später, also näher 30 Jahre später,
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die Interbau oder die, ich hieß glaube ich, ich weiß nicht, 57,
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Weltausstellung, Weltbau.
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Und das, was dann in Kreuzberg passiert war, das ist dann 87.
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Sind die Bauprojekte vorgestellt worden in Kreuzberg, wo es dann mehr so integrativer wurde.
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Wo dann auch zum Beispiel nachhaltiger saniert wurde, wo dann auch Sanierungsprogramme,
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die dann eben die Wohnform, die vorher besetzt hat und eingeschlossen haben.
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Das kam ja dann so, als so einen versöhnlichen Weg kam das ja dann raus.
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Das war ja auch letztendlich auch dann eine Frage von,
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Dass man da wieder zusammenkommt. Während man in so einer Gegenkultur guckt,
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ich will nicht mit denen zusammenarbeiten, den Staat.
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Das ist ja der Feind auf der anderen Seite. Heraus zum revolutionären 1. Mai.
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Es hat lange gedauert, bis Berlin eine andere 1. Mai-Politik gefahren hat,
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also mit den Straßenkampfen.
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Hatte ja auch dann irgendwie eine Art von Sport. Ich weiß nicht,
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ob du die Maifeste der 90er dann so mal mitgemacht hast?
Micz Flor
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Ja, so ein bisschen. Aber es fühlte sich für mich immer ein bisschen aufgesetzt
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an und schon sehr touristisch auch.
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Also dann kam halt, natürlich kam einerseits die Polizei aus allen anderen Bundesländern,
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wurden mit rangefahren. Das sieht man auch im Film, da steht ja immer so, als ob die Teams sind.
Florian Clauß
0:37:45–0:37:47
Ja, im NRW. Ja, genau.
Micz Flor
0:37:49–0:37:52
Aber andererseits gab es dann einfach natürlich auch unfassbar viele Touris,
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die für den ersten Mal nach Berlin gekommen sind, die dann da so mitmachen wollten.
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Wo ich nicht das Gefühl hatte, als ich hier ankam in den frühen 90ern.
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Dass das noch, also ich habe da keine Wurzeln gespürt.
Florian Clauß
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Ich war erstaunt, also wie du das beschreibst, das war dann irgendwie ritualisiert.
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Ja, also dann haben sich alle so drauf gefreut und es war auch ziemlich brutal.
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Also es wurde von beiden Seiten, wurde da relativ stark draufgehauen.
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Aber es war dann wie so ein Schalter, so zack, jetzt geht's los.
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Und es war für alle so, wir proben Straßenkampf. Also ich meine,
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macht man ja nicht oft die Erfahrung, wo kriegt man halt irgendwie Straßenkampferfahrung.
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Und ich meine, das ist halt auch so.
Micz Flor
0:38:35–0:38:38
Hast du das gemacht? Hast du Straßenkampf geprobt?
Florian Clauß
0:38:38–0:38:44
Nee, das war mir auch zu krass. Aber ich war schon so nah dran, sagen wir mal.
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Also ich habe nicht inhaliert.
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Aber es war dann schon im Osten so. Also ich habe das ja, da waren ja dann,
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ging es natürlich auch in Britannien und so weiter, das war ja auch mit dabei.
Micz Flor
0:38:57–0:39:02
Ich weiß noch, Ende der 90er-Jahre war das, glaube ich, da war irgendein Kette-Kollwitz-Platz,
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Da war das alles schon nicht mehr so wild, aber dann hatte die Polizei wirklich
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eine ganz neue Schikane gegen die Gewaltbereiten.
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Und zwar anstatt, dass die Polizei da stand, vermummt in Uniform,
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spielte am Geltekolbettsplatz am späten Nachmittag das Swingorchester der Berliner Polizei.
Florian Clauß
0:39:25–0:39:27
Das hat Schilds immer wieder gehört.
Micz Flor
0:39:27–0:39:30
Ich fand das einfach so genial, das ist so eine psychologische Kriegsführung.
Florian Clauß
0:39:30–0:39:34
Ja, dann machst du die schon wild, die ganzen.
0:39:34–0:39:38
Ja, ich meine, auch die Autonomen, also das wurde ja nicht so differenziert,
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also in dem Film jetzt, ich rede jetzt wieder im Dokumentarfilm,
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aber die Autonomenbewegung kam ja dann auch aus der Hausbesetzerszene ganz stark davon geprägt.
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Und die haben zum Beispiel dann sich immer gegen alle Angebote gestellt,
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die dann halt quasi von politischer Seite gemacht wurden.
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Dann eben so diese genossenschaftliche Transformation der besetzten Häuser,
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was dann halt auch im Osten passiert ist.
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Aber die Autonomen waren dann schon immer so, nein, Freiräume müssen dann auch staatsfrei bleiben.
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Also das finde ich halt auch bei Herr Lehmann, bei den Romanen so schön beschrieben,
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dieses Kreuzberg, was dann halt wirklich umschlossen ist.
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Und es gibt diese vier Seiten von dem Stadtbezirk, wo drei dann einfach so Nischen
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waren, wo die Mauer. Das kann man sich, glaube ich, nicht vorstellen.
Micz Flor
0:40:26–0:40:28
Du konntest nicht durchfahren.
Florian Clauß
0:40:28–0:40:32
Du konntest nicht durchfahren. Du hattest ganz viele so tote Ecken,
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wo keiner mehr hingekommen ist.
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Du hattest auch billigen Wohnraum. Da hattest du einen hohen Migrationsanteil,
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der dann in der Bevölkerung war, weil viele ja dann im Rahmen von,
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also dieses Prinzip, das ist ja so quasi die Schattenseite oder so das Windloch
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von dem Wirtschaftswunder Deutschland.
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Also da sind die ganzen migrantischen Bewohner, weil dann Deutschland so billige
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Arbeitskräfte gesucht hat, dann da hingezogen, wo es halt billige Wohnungen gab.
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Und die ganzen Fahnenflüchtigen, die halt keinen Bock hatten auf Zivildienst, sind auch nach Berlin.
Micz Flor
0:41:11–0:41:12
Fahnenflüchtige.
Florian Clauß
0:41:12–0:41:16
Ja, ja, so hieß das. Die sind dann auch nach Berlin gekommen.
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Die ganze Schwulen- und Lesbenszene hat sich ja dann auch in den 80ern da so ausgeprägt.
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Also das heißt, es gab einen unglaublichen Pott von verschiedenen Kulturen.
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Und das, was wir jetzt in diesem Film aus der heutigen Zeit,
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war ja dann so die Moulange, wenn alles zusammengemischt ist.
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Das war ja dann schon so, was sich früher eher separiert hat oder vielleicht
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auch nicht und dann schon Ansätze des Zusammenlebens entwickelt hat.
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Und ich glaube, das ist halt so der Jetztstand von jetzt sowieso.
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Aber ich glaube, auch politisch ist da jetzt nie mehr viel drin,
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außer quasi eine gewisse Ungerechtigkeit empfinden, weil man ja eben hier auch in eines der ärmsten,
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Viertel von Berlin wohnt.
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Ungerechtigkeit und Drogen- und Obdachlosigkeit ist ja super präsent.
Micz Flor
0:42:14–0:42:21
Ja, auf jeden Fall. Ja, ich glaube, dass dann, wenn man jetzt die MusikerInnen aus dem Film als,
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Zeitzeugen vielleicht auch der gegenwärtigen Geschichte sieht, dann,
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ist es schon irgendwie, dass die Frau Marie Vogel hat ja dann in gewisser Weise
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das Ende der Welt, weil der Kapitalismus gesiegt hat, besungen.
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Also die 70 Euro, die ihr Kind zusammenkratzt, damit man vielleicht jemanden
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bezahlen kann, der Welt mal zu erklären, wie Klimawandel funktioniert.
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Das ist sehr dystopisch und traurig und endet natürlich dann doch irgendwie,
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naja, vielleicht nicht ich, aber meine Kinder können Happy End noch erleben. Ähm...
0:42:58–0:43:01
Und da ist natürlich der Blick von draußen auf das System, auf die Verteilung
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und das, was Rap-K, ich nenne jetzt Rap-K.
Florian Clauß
0:43:05–0:43:09
Ich weiß nicht mehr. Ich weiß nicht, ob die R-P-K oder Rap-K,
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also ja, ich bin mir auch unsicher.
Micz Flor
0:43:12–0:43:16
Ja genau, also die dürfen mich auch falsch nennen, ich bin okay with it.
Florian Clauß
0:43:16–0:43:17
Der Miets?
Micz Flor
0:43:17–0:43:22
Genau, Miets, ich bin Miets. Die hatten ja dann weniger eben diesen Blick von
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draußen auf das ganze System, sondern den Blick von drinnen eben,
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weil die wieder von da kamen und haben dann so kurz gesagt, ja so Gang,
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ne, ist ja schon. schon so.
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Aber bei uns war es eigentlich immer, wenn es irgendwie passt,
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dann wird die Gänge auch größer.
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Das fand ich eher so ganz deutlich so auf einem sozialen, gegenwärtigen Gefühl
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von Inklusion und Interesse aneinander.
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Das fand ich so ein Gegenentwurf, der aber natürlich dann die Marie-Vogel-Texte nicht aushebeln kann.
Florian Clauß
0:43:49–0:43:49
Maike.
Micz Flor
0:43:50–0:43:56
Maike, Entschuldigung. Maike Vogel. Und das bleibt dann irgendwie so offen.
0:43:56–0:44:00
Aber auch da fand ich es wieder interessant, Und eben die, die da geboren sind,
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die sind da nicht hingegangen, um was zu bewegen oder was zu erleben,
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sondern die sind einfach da geboren, sind da geblieben.
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Vielleicht sogar, wie du sagst, schwache Infrastruktur in dem Gebiet,
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dann bleibt man halt irgendwie da, hat dann die Wohnung und machen was damit.
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Und das ist ja auch der totale Gegenentwurf, als der eine erzählt,
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dass ein Vater aus Norwegen kommt. Ich habe den Namen jetzt, das...
Florian Clauß
0:44:25–0:44:25
Gus.
Micz Flor
0:44:25–0:44:26
Gus?
Florian Clauß
0:44:26–0:44:27
Gustav war das...
Micz Flor
0:44:27–0:44:28
Ja genau, Gustav.
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Und der erzählt, wie am 1. Mai er sich vorgenommen hat, da mit einem Meilswagen,
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direkt ans Ende dieser Brücke, Eisenbahnstraße, direkt vor der Spree aufzuschlagen.
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Dann kommt er an, da sind ja schon zwei Bühnen, die aufgebaut werden.
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Er ist so früh dran und die Bühnen, und er hat wahrscheinlich den Kollegen schon
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gesagt, das klappt nicht.
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Und jetzt kommt halt dieser perverse Twist, den ganzen.
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Und dann ist die Polizei sein Freund und Helfer und Retter.
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Dann kommt die Polizei auch schon früh und checkt die Lage und sieht, dass die da aufbauen.
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Und wie er es dann sagt, ich kann es nur paraphrasieren, aber es war wie so
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ein Geschenk. Dann haben die einfach so Rabatts gemacht, alles abgenommen,
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waren die weg. Dann habe ich die gleich angerufen und gesagt,
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hey, es kann doch stattfinden.
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Und ich habe aufgebaut. Also die Rolle der Polizei in dem Ganzen ist dann nicht
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mehr Gegner, sondern es ist einfach nur eine Form der Kraft.
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Es ist wie so eine Tai-Chi, Aikido-Idee. Wir müssen mit diesen Kräften umgehen.
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Und dann war es halt die Polizei, die uns Gold macht. Hätte auch was anderes sein können.
Florian Clauß
0:45:31–0:45:35
Ja, ich meine, das war auch so, was in dem Film, was ich jetzt irgendwie so
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diese paar Kritiken, die ich gelesen habe, da wurde ja auch schon versucht,
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dann so quasi so diese übergreifenden, die kartenübergreifenden Themen dann zu spinnen.
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Und dann geht es um Polizeigewalt. Ich meine, klar, Polizeigewalt siehst du
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natürlich in der Räumung der besetzten Häuser.
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Aber die Polizeigewalt ist dann eine andere, das Beispiel, was du genannt hast,
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als jetzt irgendwie so in den 70ern.
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Da ist es, glaube ich, noch viel spaltender, noch viel mehr auseinander.
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Also ich glaube, das war dann wirklich viel weniger. Also jetzt ist es ja so, im Kodi ist das… Ja.
Micz Flor
0:46:08–0:46:10
Aber es ist ja auch eine andere Situation.
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Was Maike Vogel singt, wo sie das eine Lied singt, wie das ist,
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mit Kind und Arbeit und Geld verdienen und sich mit dem Vater des Kindes die
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Klinge in die Hand geben, dann muss der wieder arbeiten, um das irgendwie alles zusammenzuhalten.
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Und am Ende des Monats ist nichts übrig, so in der Art, was sie singt.
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Das ist dann so dieses Bild, vor dem man dann vielleicht irgendwie in der Hausplätze
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denkt, hey, das Haus steht leer, ich wohne jetzt hier. What's the fucking problem?
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Also dann ist es viel existenzieller, als wenn du am 1. Mai in der Wrangelstraße
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ein Kaipis verkaufen willst und die Bullen sagen, hey, mach dich vom Acker.
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Und du gehst zweimal um die Ecke und dann stehst du wieder da.
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Also ich glaube, die Dringlichkeit ist eine andere. Also deshalb meine ich.
Florian Clauß
0:46:54–0:46:58
Das ist... Also existenzieller Druck.
Micz Flor
0:46:58–0:47:02
Es ist in beiden Fällen ein System, also systembehaftet. Es hat in beiden Fällen
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mit Kapitalismus zu tun.
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Und es ist in beiden Fällen aber eine ganz andere Form des Kapitalismus,
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die da so wirkt. Und der eine hat ja auch ganz, fand ich vielleicht den schönsten
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Satz, wo er gesagt hat, ja Gang kommt ja von Gangster, aber wir waren eher so Gauner.
Florian Clauß
0:47:16–0:47:17
Ja, das fand ich auch super.
Micz Flor
0:47:17–0:47:19
Und das ist nicht irgendwie ganz gut, weil das auch schon so gut eintaktet,
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worum es jetzt hier geht. Also wir haben nicht die großen Fronten,
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aber wir lassen nicht alles mit uns machen und wir finden unseren Weg.
Florian Clauß
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Ja, ja. Also ich glaube, das ist auch, glaube ich, schon so dieser Street-Pressure,
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den du da hast, wenn du da aufwächst, vielleicht, weiß ich nicht,
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du hast ja noch, du bist ja da noch mehr connected.
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Deine Kinder wachsen ja da auf in dem Bezirk, sie brechen ja auch schon die Mercedes Sterne.
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Können sie ja nicht mehr abbrechen, weil es die gar nicht mehr gibt.
Micz Flor
0:47:46–0:47:47
Können sie nicht, ja.
Florian Clauß
0:47:47–0:47:51
Aber ich fand diese eine Sache, wo er dann auch sagt, ja genau,
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so Gang von Gauna und wir waren sehr offen, ja, und das sagt ja auch,
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Meike Vogel, dann eben, dass Berlin immer, egal wer du bist,
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egal woher du kommst, du wirst total offen von Berlin aufgenommen.
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Und ich glaube, das ist auch nochmal das Gefühl, was sich dann auch übertragen
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hat in dem Film, was ja auch schon so dieses Utopie-Bild von Berlin,
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speziell Kreuzberg, das ja nicht gefragt ist, also ein bisschen dieses Wild-West-Ding.
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Wir fragen nicht, woher du kommst, wir fragen nicht, was du gemacht hast und
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du bist da und du bist so, wie du bist und wir nehmen dich an.
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Das ist ja schon ein starkes Bild, wenn das jetzt irgendwie sich dann auch in
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Kreuzberg so ausdrückt.
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Und das ist ja auch dieser Freiraum, das ist diese Freiheit.
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Das ist das, was noch zählt und das ist ein Wert.
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Dem Film kann man das schon so zugutehalten, dass er das rüberbringt, emotional.
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Wie gesagt, das ist halt ein Patch mit einem Scherben-Stein-Ton, der dann richtig klebt.
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Also das kommt nicht so richtig zusammen in dieser Collage.
Micz Flor
0:48:57–0:49:04
Und das meine ich halt. Ich glaube, dass das, was vielleicht im Pitch als Thema
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ausgegeben wurde, ich habe da nicht viel mitgenommen.
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Ich fand, dass der im Schnitt entstanden ist, der Film. Und dass der ziemlich
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clever geschnitten wurde, wer auch immer die Sache montiert hat.
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Aber die Montage des Films irgendwie ein Versucher was zu retten,
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was irgendwie das Material nicht
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mehr hergegeben hat. Also mir fehlte mir fehlte zum Schluss ein Satz.
Florian Clauß
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Ja, verstehe ich, aber ich hatte das Gefühl, dass zum Beispiel Rap-K,
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die Band, ganz anders gefilmt war als das,
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Frau Vogel und dann natürlich die historischen Aufnahmen von Turnstein Scherben.
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Ich glaube, das sind unterschiedliche Kameramänner, Frauen gewesen,
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die das aufgenommen haben.
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Und ich glaube auch, also ich habe in irgendeiner Kritik gelesen,
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dass der, der dann auch die Regie geführt hat, der ist Jahrgang 2003,
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war im Prinzip so oder ist jetzt so an dieser Web-K-Geschichte dran gewesen.
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Und es kann wirklich sein, dass der dann halt so in dieser Pitch,
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dann müssen wir noch ein bisschen mehr reinbringen, damit sich das nochmal so
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ein bisschen politischer dann halt so auflädt.
Micz Flor
0:50:12–0:50:15
Also da führte sich an, ich habe nicht gesehen, nur darüber gelesen,
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aber so ein bisschen wie der Habeck-Film, wo man halt dann irgendwie so einen
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Politiker verfolgt und das Ganze wird dann öffentlich-rechtlich noch gezahlt
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und hergestellt und es geht sich irgendwie nicht so aus, aber man durfte mal so da zugucken.
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Ich hatte wirklich das Gefühl, dass diese,
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Die jüngste Band, ich will das gar nicht mehr Herr und Frau und sonst was sagen,
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aber die jüngste Band halt irgendwie, der so am meisten Credits bekommen hat
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und irgendwie sich so legitimieren durfte und man aber gleichzeitig im Material
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auch ein bisschen suchen musste, dass da genügend Zeit,
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reinkommen kann, dass da wirklich genügend Interessantes auch gesagt wird,
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wenn ich mal so frech sein darf.
Florian Clauß
0:50:52–0:50:57
Ja, das stimmt. Das war ja auch viel so Momentaufnahmen und es war eben eine Hommage an Kreuzberg.
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Es war eigentlich so wie du in meinen Cafés genau an den Orten sitzt und arbeitest.
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Ich habe jetzt nur gewartet, dass du irgendwo da bist oder wir dann die Aufnahme
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machen. Also irgendwie war es jetzt nicht so fern, weil es hätte passieren können.
Micz Flor
0:51:13–0:51:16
Das war auch ein bisschen verwirrende Sache, weil ich hatte diesen Effekt bei
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Lola Rent oder bei Born Identity, dass die Schnitte mich wirklich verwirrt haben in der Mitte.
Florian Clauß
0:51:22–0:51:22
Ich auch.
Micz Flor
0:51:24–0:51:28
Der Film wurde auseinandergerissen für mich. Und da war es jetzt eher anders,
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so wie ich mir das vorstelle.
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Ich komme halt eben auch aus einem kleinen Dorf in Südhessen und für mich war
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die große Stadt, oder Filme, die in großen Städten spielen, hatten halt immer
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die große Stadt nur als Hintergrund.
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Und jetzt fand ich es auch interessant, mal zu sehen, weil es ein Dokumentarfilm
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war, ist die Storyline nicht so zerrissen, aber diese ganzen Orte zu sehen.
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So, dass das Hirn, weil man alles kennt, das Hirn so kurz so rauszoomt und wieder
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reinzoomt in die Karte. Und jetzt ist es hier und jetzt hier und jetzt hier. Und das kenne ich doch.
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Das fand ich schon ganz interessant. Und wo man manchmal sogar die Kamera nach
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links drehen wollte und nach rechts drehen wollte. Ist da nicht links? Geht es nochmal rüber?
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Da fühlte es sich schon sehr heimatlich an. Klar, aber das ist natürlich dann
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auch eine Folklore, die kein Thema mitbringt.
Florian Clauß
0:52:13–0:52:17
Ja, wir wollten noch mal so einen Satz nachschieben von der jüngsten Band,
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weil wir das so ein bisschen despektierlich behandelt haben.
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Aber man muss schon sagen, dass es total sympathische Jungs sind.
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Also es sind irgendwie so, ich habe die letzte Dokumentation,
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die ich halt über so eine Rap-Band oder einen Rapper gesehen habe, war Haftbefehl.
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Das war halt so diese Netflix-Depotenz, der sich so kurz vor dem Abnippeln weggeguckt.
Micz Flor
0:52:38–0:52:40
Ja, habe ich auch gesehen, weil ich das nicht darüber gehört habe.
Florian Clauß
0:52:40–0:52:43
Und das war halt schon, ja genau, müssen wir nicht drüber reden,
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aber der war so unsympathisch einfach. Der hatte schon was total Verletzliches,
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Nahhaftes, aber der war halt so weit weg, ja.
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Und die Jungs waren das halt wirklich so die Jungs von der Ecke und man kann
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halt irgendwie so quatschen und so high und so. Ja, das stimmt.
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Und das fand ich halt irgendwie, das muss man nochmal sagen,
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diese Nahbarkeit von den Leuten und das finde ich schon super.
Micz Flor
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Ja, die haben total gut funktioniert und die waren, glaube ich,
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auch nicht, also die waren halt irgendwie ganz normal und trotzdem besonders
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und du hast auf der Bühne auch gemerkt, dass die da Spaß haben und connecten können.
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Das, ja, auf jeden Fall. Es hat auch funktioniert und auch dieses eine Lied
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mit Berlin, das kriege ich jetzt auch nicht mal richtig aus dem Kopf,
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aber ich kriege es auch nicht richtig rein.
Florian Clauß
0:53:26–0:53:29
Ja, die Velocity, diese Wiko-Geschichte.
Micz Flor
0:53:29–0:53:31
Ja, das hat gut funktioniert.
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Und manchmal war es dann halt trotzdem so ein bisschen Kiffer-Talk, weißt du?
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Es kommt so nicht so ganz unten runter, weißt du, wo der Typ dann von Sophia
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halt irgendwie erzählt, hier, ich muss aufpassen, ich darf jetzt nicht mehr die Tische, ne?
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Die Tische tragen oben schon rüber, die Füße unten, genau bis zu dieser Linie,
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sonst kommen die Ordnungsamt.
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Und ich habe mir jetzt schon so eine elektrische Schwertsäge gekauft bei Lidl
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oder was weiß ich. Und wenn die kommen, muss ich dann die Tische absägen. Und der eine dann so...
0:54:00–0:54:04
Der ist klug, er ist vorbereitet. Und das war so ein bisschen,
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er hat recht, mit dem er sagt, es war auch nett, dazu gehört das Gespräch.
Florian Clauß
0:54:07–0:54:09
Ja, aber das ist halt so ein Blub.
Micz Flor
0:54:09–0:54:12
Und er hat es so gesagt und hat es aber so quasi abgebunden.
0:54:12–0:54:15
Er hat gesagt, fragt mich bitte nicht mehr, ich habe den Anfang schon wieder vergessen.
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So war es alles irgendwie so eingefasst. Also da kamen halt die Sachen immer
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so raus, es ging nicht mehr als zwei Sätze.
Florian Clauß
0:54:23–0:54:28
Ja, genau, wo sie dann halt auch über diese Musik von Rio Reiter gesprochen
0:54:28–0:54:30
haben. Ich glaube, es war so eine Interviewsituation.
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Die wurden uns präsentiert und die waren alle so ein bisschen nervös,
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weil sie jetzt was Gehaltvolles sagen mussten. Und es ist halt nicht so richtig
0:54:38–0:54:39
was Gehaltvolles rausgekommen.
Micz Flor
0:54:39–0:54:40
Ja, ich glaube gar nicht, dass sie nervös waren.
Florian Clauß
0:54:40–0:54:44
Doch, die haben total nervös geguckt. Also ich glaube, die waren dann ja,
0:54:44–0:54:47
okay, jetzt muss ich was irgendwie was Diebes sagen.
Micz Flor
0:54:48–0:54:51
Ja, das war so ein bisschen, der eine hat ja angefangen, hat sich das angehört.
0:54:51–0:54:53
Die haben es scheinbar vorgespielt bekommen. Da hat er gesagt,
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ja, es war, kann ich unterschreiben.
0:54:56–0:54:58
Warum kannst du es unterschreiben?
0:54:59–0:55:04
Also dann war es wirklich so, dass man das Gefühl hatte, dass es inhaltlich
0:55:04–0:55:06
nirgendwo angebunden war, aber es fühlte sich gut an.
Florian Clauß
0:55:06–0:55:09
Wahrscheinlich war das halt nochmal so reingeschrieben, wir müssen in dem Pitch
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zu, ja dein Sohn heißt doch Rio Reiser, komm doch mal kurz runter.
0:55:13–0:55:16
Oder dein Sohn heißt Rio, nach Rio Reiser, komm doch mal kurz zu.
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Und dann halt so, ja jetzt sag doch mal, was zu der Musik hören.
0:55:19–0:55:22
Das war dann halt so der Kitsch zwischen den einzelnen.
0:55:23–0:55:26
Ich wollte noch mal erwähnen, ich hatte ja auch vor kurzem erst eine Dokumentation,
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auch Dekadenmusik, deutsche Musik.
0:55:30–0:55:36
Und das war, glaube ich, auf HD Mediathek. Und die hatten ziemlich viele Originalaufnahmen
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von auch in Kreuzberg und dann ging es Berlin Musik und so weiter.
0:55:40–0:55:43
Und da kam auch viel Tonstein Schärmen vor. Also deswegen war ich schon so ein
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bisschen, war auch tolles Material einfach von Kreuzberg da auch, von Berlin.
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Ich fand es interessant von der Entwicklung der Band, dass die auch in diesen
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alternativen Hausprojekten gewohnt haben,
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und die dann mit aufgebaut haben, aber dann waren da so Momente,
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dass die halt total unter Druck die ganze Zeit standen, weil die durften kein Geld machen.
0:56:08–0:56:12
Die mussten sich immer so, also man hat halt gemerkt, wenn wir spielen,
0:56:12–0:56:15
dann werden wir gebucht, dann müssen wir aber diese Soli-Veranstaltung und noch
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das unterstützen und wir dürfen nicht kommerziell wirtschaften und so.
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Und die waren halt, die hatten nie Geld. Also man hatte so ein bisschen das
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Gefühl, die waren halt schon so,
0:56:25–0:56:31
diese Frontband, die sich auch gut hat verkaufen lassen, wo halt viele hingekommen
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sind, aber konnten halt einfach aufgrund von ihrer Ideologie kein Geld so machen.
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Und da gab es halt so Situationen, das war ganz interessant,
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wo die dann so ein bisschen Backstage gefolgt, wo es dann halt um diese Soli-Geschichten
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ging und so, um das Ideologische, was da hinterhing.
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Und dann sind die ja komplett aus Berlin weg und haben ja dann irgendwo so ein...
0:56:53–0:56:55
Fresenland, Fresenland, glaube ich. Ja, da irgendwie an der Küste.
0:56:55–0:56:59
Bei der dänischen Grenze. Ja, haben die da Musik gemacht. Also das heißt,
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dann haben die dieses Kollektive weg von der Großstadt.
0:57:02–0:57:04
Und das wurde auch so ein bisschen begleitet, nochmal erklärt.
Micz Flor
0:57:05–0:57:07
Und das ging vor allen Dingen auch sehr schnell. Ich glaube,
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75 sind die raus und 70 ging es irgendwie erst los.
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Also in den ersten fünf Jahren nach Thunstein-Scherben-Konzerten gab es dann
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immer auch von Reiseaufrufe, so von wegen zum Beispiel das Rauchhaus.
0:57:20–0:57:23
Also da, wir müssen jetzt unterstützen und dann sind alle direkt vom Konzert
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eingeladen, da hinzugehen, weil die Bullen kommen sonst. Das heißt,
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da wurden dann Häuser besetzt nach den Konzerten. Das war sozusagen das Entree für die Hausbesitzung.
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Das weiß ich jetzt nicht. So hatte ich es aber irgendwie so ein bisschen gehört.
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Und da kam natürlich dann rückwärts fast schon die religiöse Jesusanspruch.
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Also die sind dann die sind dann so heilig in diesem linken,
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Genre, dass die halt dann wirklich das, wie würde man religiös sagen,
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päpstlich als der Papst, sagt man. Und die dürfen dann kein Geld damit verdienen.
Florian Clauß
0:57:56–0:57:56
Ja, genau.
Micz Flor
0:57:57–0:58:00
Und das war wohl wirklich so, ich weiß gar nicht mehr, wer mir das erzählt hat,
0:58:00–0:58:04
ich glaube sogar Philipp oder so, das war wirklich dann bei einem Soli-Konzert,
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wo sie dann endgültig entschieden haben zu gehen, weil,
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sie hatten alles aufgebaut, alles hochgeschleppt, alles hingestellt und dann
0:58:10–0:58:13
sollten sie noch einen Soli-Betrag abgeben für die Schmalzstullen auf dem Tisch.
Florian Clauß
0:58:14–0:58:17
Ja, genau, ich glaube, das war tatsächlich die Szene, die ich dann auch in dieser
0:58:17–0:58:18
Dokumentation gesehen habe.
Micz Flor
0:58:18–0:58:20
Sie wahrscheinlich, also wir wissen beide nicht 100 Prozent.
Florian Clauß
0:58:20–0:58:23
Aber das war so, genau, das ist das Gefühl, wir haben alles gemacht,
0:58:23–0:58:27
alles hergegeben und weil du dann halt so im Rampenlicht stehst,
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musst du halt irgendwie noch 180 Prozent mehr geben.
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Ja gut, das kam jetzt da gar nicht so zur Sprache, das war jetzt auch nicht so.
Micz Flor
0:58:35–0:58:37
Nee, genau, ich hatte auch ein bisschen mehr damit gerechnet,
0:58:37–0:58:41
dass das zeitlich noch ein bisschen einsortiert wird, dass es vielleicht solche
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Strecken von Kreuzberg gibt, das Kreuzberg der 70er Jahre, das Kreuzberg der
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90er Jahre, das Kreuzberg der 20er Jahre. Dass es sowas vielleicht gegeben hätte.
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Also ich war jetzt gerne in dem Film.
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Ist auch irgendwie schön im Kino, weil man nicht zappen kann.
0:58:56–0:59:00
Und ich bin kein Second-Screen-Typ. Bloß eine Sache muss ich noch kurz eintippen,
0:59:00–0:59:03
weil ich vergessen habe, jemandem abzusagen, dass hier noch ein Schlüssel vorbeibringt.
Florian Clauß
0:59:03–0:59:05
Ach so, okay. Ich habe mich schon gewundert, ob du dir Notiz machst.
Micz Flor
0:59:06–0:59:10
Nee, das war ganz wichtig, weil die Person sonst auf den Schlüssel gewartet hätte.
0:59:11–0:59:15
Aber ist ja wirklich auch schön, wenn man gezwungen wird, was zu gucken.
0:59:15–0:59:18
Also man kann die Geschwindigkeit nicht verändern, man kann nicht durchskippen,
0:59:18–0:59:21
weil den Doku über Haftbefehl, da habe ich dann irgendwann wirklich geskippt,
0:59:21–0:59:24
weil ich fand es total spannend.
Florian Clauß
0:59:24–0:59:26
Ja, aber es hat sich immer wiederholt.
Micz Flor
0:59:26–0:59:30
Also muss man Scherbenland gesehen haben.
Florian Clauß
0:59:32–0:59:36
Also ich glaube, wenn man einen Bezug zu Kreuzberg hat und...
0:59:37–0:59:42
Also es ist schon, wie ich sagte, eine Hommage an den Stadtteil.
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Und ich glaube, dann macht es halt Spaß. Also ich würde mich halt nochmal interessieren
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für jemanden, der dann halt wirklich sich so mit dieser jüngsten Band so gut
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identifizieren kann oder die mag halt.
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Wahrscheinlich ist es dann halt wirklich ein Mast, das zu sehen.
1:00:00–1:00:02
Weil die werden ja schon stark porträtiert.
Micz Flor
1:00:02–1:00:08
Einfach ja politisch fand ich das halt irgendwie für mich ich muss es mir dann
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irgendwie schön trinken indem ich sage okay die sind hier geboren, die dürfen alles,
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die bleiben das sind die, die geblieben sind, die sind nicht gekommen die sind
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nicht gegangen, die sind einfach geblieben und da ist es wahrscheinlich ein
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anderer Blick auf jeden Stein den du schon ewig kennst und wie auch der,
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Gas Gussi, gesagt hat, ach guck mal da oben noch ein altes Bild von mir.
Florian Clauß
1:00:36–1:00:40
Ich wusste aber, ich konnte die jetzt so vom Alter nicht einordnen.
1:00:40–1:00:43
Ich weiß nicht, ob die jetzt wahrscheinlich so Ende 20 oder so.
1:00:44–1:00:50
Und diese ganze Dent-Geschicht, was dann halt auch bei Haftbefehl dann auch
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nur so kompliziert wird, dann halt viel passiert, wenn du auf einmal dann halt
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so hochkatapultiert wirst.
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Wahrscheinlich sind die jetzt auch die haben nicht viel Geschichte.
Micz Flor
1:00:58–1:01:03
Die sind ja Mitte 20 hätte ich jetzt gedacht aber ist klar, ich meine,
1:01:03–1:01:06
das ist halt das Verblüffende an Zeit 2019 quasi.
Florian Clauß
1:01:06–1:01:12
Wo die bekannt geworden sind weiß ich nicht, würde ich mal nachschauen wollen ja.
Micz Flor
1:01:12–1:01:17
Aber es ist natürlich auch interessant das Zeit, diese Zeitgefühl,
1:01:17–1:01:25
das Thema wenn dir dann klar wird dass die Fahrradfahren gelernt haben,
1:01:25–1:01:29
zum Zeitpunkt, wo dieses Buch, was du letzte Woche gefunden hast,
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Das war da, als du das Buch gekauft hattest und seitdem immer wieder denkst,
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ach, bald lese ich es mal und auf einmal ist der schon Rapper.
Florian Clauß
1:01:39–1:01:42
Ja, aber dann dreht man sich um und der ganze Bezirk ist rentifiziert.
1:01:44–1:01:51
Ich meine, das war so die Zeit, also ich meine, diese intensive Erlebnisphase
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von ausgehen, feiern, tanzen, Stadt erleben, das war ja auch einfach die 90er für mich.
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Und dann waren die 2000er, das ist arm aber sexy, das war ja auch der Startschuss,
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für die Identifizierung.
Micz Flor
1:02:08–1:02:14
Was der Film da ganz gut hingekriegt hat, es gab ein Video, wo die sich beim
1:02:14–1:02:18
Lied geschnitten haben und auch Berlin im Hintergrund war, wo man den Alex gesehen hat.
1:02:18–1:02:22
Aber auch hier das neue Amazon-Gebäude an der Warschaustraße und ein paar andere
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Fassaden, wo unklar bleibt, ob das jetzt für die Symbole der Stadt sind,
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in der sie wohnen. Das kennt man.
1:02:29–1:02:32
Oder ob sie dazu eine Distanz oder einen Bezug aufbauen wollen.
1:02:32–1:02:36
Das wurde nicht klar. Aber im Schnitt des Films selbst fand ich es eigentlich
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schon, dass diese neuen Fassaden, die jetzt überall drumherum entstehen.
Florian Clauß
1:02:40–1:02:42
Und die City da und die Verandorgebäude.
Micz Flor
1:02:42–1:02:46
Das wurde, fand ich, relativ konsistent und gut geschnitten.
1:02:46–1:02:50
Dass man wirklich auf einmal, auch als jemand, der hier wohnt und zum Beispiel
1:02:50–1:02:54
dieses ganze Gebiet um den Ostbahnhof herum, Was sich sukzessive verändert.
1:02:54–1:02:57
Auf allem macht es Snap und du denkst, oh, wann ist das alles passiert?
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Und das war in dem Film irgendwie ganz gut festgehalten, dass man ein Gefühl hat von,
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wie immer und wow, ganz anders. Und dieser Sprung war im Bildmaterial fand ich ganz gut gemacht.
Florian Clauß
1:03:09–1:03:12
Ja, wo er dann auch meinte, dahinter ist so tote Landschaft.
1:03:14–1:03:18
Aber in dieser Stadt hat es sehr gut eingefangen. Weil wir hatten ja auch da,
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eine Berlinale-Folge vor zwei Jahren.
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Ich referenziere auf unsere Folge. Da sind wir ja auch bei der Kälte rausgegangen aus dem Film.
1:03:26–1:03:29
Und haben dann aufgenommen. Und es war wirklich so, wo du dann halt in so einem
1:03:29–1:03:32
Cut-Zeichenprogramm dann als Punkt dann dann gehst.
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Und es war ein Tod, es war einfach Tod.
Micz Flor
1:03:35–1:03:38
Ja, wo man selber schaut, ob die meinen Schatten berechnet haben oder nicht.
Florian Clauß
1:03:39–1:03:41
Und das ist schon, ja, das ist schon...
Micz Flor
1:03:41–1:03:44
Er meinte auch so, da sind da auch keine Menschen. Oder da sind schon Menschen,
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aber die sind ja auch gar nicht da.
1:03:47–1:03:50
Der wahr ist, aber der auch irgendwie schnell aufhören muss.
Florian Clauß
1:03:50–1:03:55
Ja, also Poetry Slam. Ja, gut. Okay, ich glaube, jetzt haben wir lang genug
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über Scherbenland geredet.
Micz Flor
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Mehr kriegen wir aus dem südhessischen Handkäse nicht ausgepresst.
Florian Clauß
1:04:01–1:04:02
Mit dem Zwiebeln.
Micz Flor
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Vor uns läuft auch schon jemand, der gerade ein YouTube-Video aufnimmt,
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wo wir hinten drauf sind. Mal schauen.
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In drei Jahren wird uns die KI uns finden können auf YouTube,
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wo wir jetzt gerade hier unter einer kleinen Trauerweite laufen.
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Danke auch für die schöne Tour, Flo.
Florian Clauß
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Ja, das ist hier quasi Homerun.
Micz Flor
1:04:22–1:04:23
Es ist Homerun.
Florian Clauß
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Früher war das mein Laufturf. Aber ich laufe ja nicht mehr. Das ist mir zu anstrengend.
Micz Flor
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Ja, ja. Exoskelette. Bald kommen sie.
Florian Clauß
1:04:33–1:04:34
Nein.
Micz Flor
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E-Bikes der Beine.
Florian Clauß
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Mache ich mit dem Fahrrad.
Micz Flor
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Gut, dann vielen Dank fürs Zuhören. Ja, wir dachten, wir hätten es uns leicht
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gemacht, diesen Film zu gucken.
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Aber an mir nagt es noch. Ich möchte jetzt eigentlich Salzgeber mal anschreiben,
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ob die noch mal klären können,
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ob dieses verschnittene Material zwischen den Wasserwerfern und Rio Reiser,
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ob das 10 bis 15 Jahre auseinander lag und das eine in der noch DDR war und
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das andere West Berlin. Das war mein Gefühl.
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Da hast du mir schon einen anderen Blick darauf gegeben. Aber für mich ist es
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noch nicht geklärt. Ich will das noch wissen.
Florian Clauß
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Ihr werdet es erfahren in einer der nächsten Folgen. Nein, ich glaube nicht.
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Mehr Material findet ihr auf eigentlich-podcast.de, da findet ihr auch die Map,
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wo wir langgegangen sind und das war jetzt tatsächlich noch eine Leerstelle, die wir noch nicht,
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mit einem unserer Touren erschlossen haben, aber wir haben uns hier aus das schon mal gestriffen.
Micz Flor
1:05:34–1:05:35
Gestritten?
Florian Clauß
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Gestriffen. Wir streiten uns nicht mit.
Micz Flor
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Gestreift. Also gestreift oder gestritten?
Florian Clauß
1:05:42–1:05:43
Ich meine geschnitten.
Micz Flor
1:05:44–1:05:44
Ah.
Florian Clauß
1:05:46–1:05:51
Okay, also dann bis zum nächsten Mal, macht's gut, tschüss.


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"Das Bindeglied zwischen Fristons Arbeit und meiner eigenen ist die Homöostase." Mark Solms, The Hidden Spring (deutsche Ausgabe 2023)

Diese Episode schafft es auf die ZWEI! Im Ranking der Episoden, die zeigen, was Krankheit mit Bewusstsein macht, steht Episode 18, „Schmerz, Rippenbruch und leiblich verankerte Kognition“, immer noch auf Platz eins, gefolgt von der hier vorliegenden Episode. Sie veranschaulicht die Wirkung einer Sommergrippe auf stringentes Denken. Verwunderlich ist nur, dass mir erst beim Schneiden auffällt, wie unzusammenhängend ich mich durch das Thema und den Berliner Norden knödele. Mit dieser Episode schlagen wir eine Brücke zurück zu Mark Solms und Episode 106: „Bewusstsein auf den Kopf gestellt“. Solms beschreibt eine plausible biologische Entwicklung, in der Bewusstsein graduell von der einfachen Selfhood einer Amöbe bis hin zu „uns“ entstanden sein könnte. Gemeinsam mit Karl Friston veröffentlichte er 2018 das Paper How and Why Consciousness Arises: Some Considerations from Physics and Physiology. Aufmerksame Leser:innen werden sofort mit dem Finger auf das Wort „physics“ im Titel zeigen, denn Solms befasst sich doch vor allem mit der „physiology“. Gut erkannt. Karl Friston ist zwar Neurowissenschaftler und arbeitet somit ebenfalls am Übergang von Körper und Geist. Sein Free Energy Principle ergänzt Solms' Modell jedoch kongenial, indem es die graduelle Entwicklung des Bewusstseins nicht nur biologisch, sondern bis zurück in Chemie und Physik nachzeichnet. Anders formuliert: Die Entwicklung verläuft graduell, nicht sprunghaft, und sie bleibt in den Gesetzmäßigkeiten der Natur verankert. Gerade das macht das Bündnis der beiden Ansätze so schlüssig und geschlossen. In dieser Episode versuchen wir, die (in Anführungszeichen) "mathematische, probabilistische Membran" zu erklären, die sich zwischen Organismus und Umwelt spannt: das Markov Blanket. Es beschreibt eine probabilistische Grenze, an der Innen und Außen voneinander getrennt werden. Diese Trennung ist einerseits biologisch gegeben, andererseits mathematisch beschreibbar. Ein System kann niemals unmittelbar auf die Welt zugreifen, sondern sie nur über sensorische Zustände wahrnehmen und über aktive Zustände auf sie einwirken. Alles, was wir Realität nennen, entsteht deshalb hinter dieser Membran als beständig aktualisierte Hypothese. Das Gehirn ist eine Vorhersagemaschine. Doch Fristons Konzept gilt nicht nur für lebendige Selfhood. Seine Ideen lassen sich ebenso auf die Wall Street übertragen, auf Künstliche Intelligenz, Wetterphänomene, Viren oder Einparkhilfen.

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
avatar
Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:01–0:00:04
Und für Lebewesen, die halt immer gegen die Entropie ankämpfen müssen,
0:00:04–0:00:06
ist immer diese Arbeit zu leisten.
0:00:06–0:00:13
Permanent ist die Situation, zu der wir hin tendieren, ein aktiver Akt,
0:00:13–0:00:15
den wir dauernd herstellen müssen. Wir können es nicht wie ein Pendel einfach
0:00:15–0:00:18
entspannen, sondern wir müssen aktiv darin arbeiten.
Florian Clauß
0:00:25–0:00:30
Hallo und herzlich Willkommen zu Eigentlich Podcast. Der Podcast,
0:00:30–0:00:33
bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:34–0:00:40
Und jetzt haben wir die Episode Eigentlich 109 vor uns.
Micz Flor
0:00:41–0:00:42
Ja.
Florian Clauß
0:00:42–0:00:50
Neben mir läuft Mitch. Ich hatte letztes Mal das Konzept des Bewusstseins,
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die Erfindung des Bewusstseins und der Empfindsamkeit von Niklas Humphrey vorgestellt.
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Und Mitch hat uns versprochen, dass er auch...
Micz Flor
0:01:00–0:01:02
Ich mache auch was zum Thema Bewusstsein.
0:01:05–0:01:10
Und hatte ja schon Mark Solms vorgestellt in einer Folge.
0:01:11–0:01:16
Und hatte in der Folge davor angekündigt, dass es ja auch dann noch die Folge mit Carl Fristen gibt.
0:01:17–0:01:19
Carl Fristen hat ein...
0:01:20–0:01:24
Tja, was ist das? Eine Theorie entwickelt, die heißt Free Energy Principle.
0:01:26–0:01:29
Ein stochastisches Verfahren, könnte man sagen.
Florian Clauß
0:01:29–0:01:31
Free Energy Principle. Free Energy.
Micz Flor
0:01:31–0:01:35
Prinzip, ja. Freie Energie. Freie Energie, ja.
Florian Clauß
0:01:36–0:01:37
Und das ist wissenschaftlich?
Micz Flor
0:01:38–0:01:42
Genau, das ist wissenschaftlich. Also Karl Fristen, so viel kann man vorne weg
0:01:42–0:01:46
sagen, bevor wir jetzt da irgendwie einsteigen, der hat, ist wohl der am meisten
0:01:46–0:01:48
zitierte Neurophysiologe.
0:01:48–0:01:50
Ja, das hast du schon mal gesagt.
Florian Clauß
0:01:50–0:01:53
Also das macht ihn quasi gut.
Micz Flor
0:01:53–0:01:57
Und du sagst jetzt quasi, ist das wissenschaftlich? Also es kommt alles irgendwie
0:01:57–0:02:01
auf der Physik, aber es lässt sich unfassbar gut auf alles Mögliche anwenden.
0:02:01–0:02:03
Und man kann...
0:02:04–0:02:09
Das zentrale Thema ist das Markov-Blanket. Das ist ein Markov-Blanket,
0:02:09–0:02:10
das werde ich alles noch erklären.
0:02:11–0:02:17
Man kann dieses Markov-Blanket auf Systeme anwenden, die einen selbst sind oder
0:02:17–0:02:21
die abgegrenzt sind von dem Rest der Welt und die eben über verschiedene,
0:02:22–0:02:26
eigentlich über zwei Interfaces mit der Welt verbunden sind und die Welt einerseits
0:02:26–0:02:28
wahrnehmen und andererseits in der Welt handeln.
0:02:28–0:02:34
Und deshalb kann man so ein Markov-Blanket und die Physik und Mathematik,
0:02:34–0:02:41
die da drin steckt, zum Beispiel auf einen Wirbelsturm, ein sich selbst stabilisierendes System anwenden.
0:02:41–0:02:46
Man kann es aber eben auch auf das Bewusstsein anwenden, das Gehirn oder den Menschen.
0:02:46–0:02:50
Und man kann es aber auch in der Mitte zum Beispiel bei Viren anwenden.
0:02:50–0:02:53
Und dann kommt dann an so ein Punkt, wo man da zum Beispiel über das Denken
0:02:54–0:02:59
des Konzepts von einem Markov-Blanket und Free Energy Principle an den Punkt
0:02:59–0:03:03
kommt, wo man wirklich nicht genau sagen kann, sind Viren lebendig oder nicht, was ja genau auch,
0:03:05–0:03:07
schon immer diese Ambivalenz ist.
Florian Clauß
0:03:07–0:03:13
Aber ist das jetzt quasi so eine Bewertungsmatrix oder ist das ein Rechenmodell
0:03:13–0:03:16
oder eine mathematische Ableitung?
Micz Flor
0:03:17–0:03:22
Kristen selbst sagt in einem Interview, weil ich ja parallel dann auch immer
0:03:22–0:03:25
versuche, noch Dinge zu lesen oder Dinge zu hören,
0:03:26–0:03:29
finde ich, sagt er das ganz gut, indem er sagt, es ist im Prinzip so eine Art
0:03:29–0:03:32
wie so eine iterative Annäherung an die Realität.
0:03:32–0:03:38
Also es gibt ein Grundkonzept und wenn man dieses Grundkonzept dann verfeinert
0:03:38–0:03:40
und iterativ annähert, dann passt das irgendwie.
0:03:40–0:03:44
Das sind ja so Sachen, die man aus der Mathematik auch kennt.
0:03:44–0:03:47
Wie kann man mit so Ecken einer Kurve nachbauen?
Florian Clauß
0:03:48–0:03:49
Wie kann man die Pi berechnen?
Micz Flor
0:03:49–0:03:53
Ein Pixel oder am Pixelscreen einen Kreis machen.
0:03:54–0:04:01
Das heißt, diese Idee, dass es ein mathematisches System ist, das gut in der Lage ist,
0:04:03–0:04:09
Systeme, die abgegrenzt sind von der Welt, die sich selbst stabilisieren,
0:04:12–0:04:18
zu erfassen, sagen wir mal so. Also es ist nicht so, dass man ein Markov-Blanket
0:04:18–0:04:23
entwirft und dann da drauf werfen muss, aber dann werde ich nachher mal sprechen.
0:04:24–0:04:26
Und es ist im Prinzip relativ einfach.
Florian Clauß
0:04:26–0:04:28
Also ein Game of Life, oder wie das heißt.
Micz Flor
0:04:29–0:04:32
Ich höre jetzt mal hier auf, ich mache mal hier einen Schnitt und fange mal
0:04:32–0:04:34
an, erst einmal von Marc Solms zurückzukommen.
0:04:34–0:04:38
Solms und Fristen haben halt dieses eine Paper geschrieben, ich weiß nicht mehr
0:04:38–0:04:42
genau, When and How Consciousness Arises oder so in der Art,
0:04:43–0:04:47
um The Heart Problem of Consciousness für sich zu lösen.
0:04:48–0:04:54
Solms hat Fristen irgendwann eingeladen und dann, wie er selber erzählt,
0:04:54–0:04:58
zum ersten Mal auch genau geguckt, was der eigentlich so macht.
0:04:58–0:05:01
Er hatte von dem schon vorher viel gehört und hat dann gemerkt,
0:05:01–0:05:04
dass das wie so eine fehlende Hälfte zu seinem Konzept ist. Also die beiden
0:05:04–0:05:06
haben sich auch irgendwie gefunden.
0:05:06–0:05:12
Und Fristen, der auch über Bewusstsein referiert, der hat nach Solms früher
0:05:12–0:05:17
auch eher The Cortical Fallacy am Bein gehabt. Also Bewusstsein immer vom Kortex her gedacht.
0:05:18–0:05:24
Und in der Zusammenarbeit mit Solms hat er dann diese Meinung revidiert und
0:05:24–0:05:26
hat sich dann eben Solms Konzept angeschlossen.
0:05:26–0:05:32
Angeschlossen, dass wie folgt ist, ganz kurz gefasst, Bewusstsein entsteht im
0:05:32–0:05:36
Prinzip aus der Notwendigkeit eines sterblichen Selbst.
0:05:37–0:05:40
Sich immer wieder neu zu kalibrieren, immer wieder zu checken,
0:05:40–0:05:41
wie bin ich gerade in der Welt.
0:05:42–0:05:48
Das kann auf einem sehr basalen Ebene einfach eine Amöbe, in dem sie bestimmten,
0:05:48–0:05:51
Switches folgt. Wenn zu viel Salz, dann weg.
0:05:51–0:05:54
Versuch wegzugehen. Wenn dann noch mehr Salz, dann versuch in eine andere Richtung.
0:05:55–0:06:01
Und je komplizierter die Organismen über die Zeit werden, desto komplizierter
0:06:01–0:06:08
wird auch das Management von diesen notwendigen Aktionen, um nicht zu sterben, ganz banal.
0:06:10–0:06:18
Und Solms Hypothese ist dann, dass im Stammhirn ein ganz kleiner Bereich von
0:06:18–0:06:22
2 Kubikmillimetern, wer es genauer alles hören will, geht nochmal in die alte
0:06:22–0:06:24
Folge rein, ich weiß die Nummer gerade nicht.
0:06:26–0:06:29
Der ist dafür zuständig, dass wir überhaupt bewusst sein können.
0:06:29–0:06:35
Also wenn der zerstört ist, dann ist Mensch und das Tier im Koma.
0:06:35–0:06:39
Aber wenn das nicht zerstört ist, dann ist das auch gleichzeitig der Raum,
0:06:39–0:06:43
in dem eine Aktivierung des Gehirns entsteht.
0:06:43–0:06:45
The Reticular Activating System.
0:06:46–0:06:54
Aber nicht nur Aktivität im Sinne von 0%, 50%, 100%, sondern auch eine Färbung,
0:06:54–0:06:57
also eine emotionale Färbung dieser Aktivität.
0:06:57–0:07:00
Und die Hypothese von Solms ist.
0:07:02–0:07:08
Dass in der Evolution Emotionen entstanden sind als eine Art Guiding System,
0:07:08–0:07:16
um diese teilweise konflikthaften Wünsche des Körpers beim Überleben miteinander abzugleichen.
0:07:16–0:07:21
Zum Beispiel, wenn es brennt oder ich am Verbrennen bin, ist es viel zu heiß,
0:07:21–0:07:26
dann warte ich mit dem Essen, bis ich wo bin, wo ich nicht verbrenne.
0:07:26–0:07:29
Weil ich kann nicht sagen, okay, aber Essen ist jetzt wichtiger.
0:07:29–0:07:38
Das heißt, Gefühle sind entstanden als Signale, die priorisieren, was man so tun könnte.
0:07:39–0:07:42
Und was wohl gerade für den Organismus am wichtigsten ist.
0:07:42–0:07:47
Es geht also um eine Form der Homöostase und es geht um eine Form des Überlebens.
0:07:48–0:07:52
Das ist erstmal so das ganz Kurzgefasste.
0:07:52–0:07:57
Und das langt eigentlich auch schon, um Fristen da anzudocken.
0:07:57–0:08:03
Was bei Solms auch noch alles mitdiskutiert wird, das kann man dann,
0:08:03–0:08:05
wie gesagt, in der anderen Folge sich nochmal anhören.
0:08:05–0:08:08
Aber wir springen jetzt mal zu Fristens Konzept.
0:08:10–0:08:17
Was Fristen mit an den Tisch bringt, ist, dass er die mathematischen Formeln und,
0:08:18–0:08:26
Ideen eines Systems anbietet, was sehr gut in Solms Konzept hineinpasst.
0:08:26–0:08:28
Das ergänzt sich wirklich sehr gut.
0:08:28–0:08:34
Dabei sagt Fristen ursprünglich einfach erst mal, wenn wir ein sich selbstorganisierendes System haben,
0:08:35–0:08:41
was in Homööstase sein muss, also irgendwie mit der Umwelt in Kontakt sein muss,
0:08:41–0:08:45
um auf Umweltreize zu reagieren,
0:08:45–0:08:49
dann hat dieses System auf alle Fälle zwei Interfaces.
0:08:49–0:08:59
Das eine ist ein sensorisches Interface, da kommt Information rein und ein aktives, da geht was raus.
0:09:02–0:09:09
Und über das Spiel dieser beiden Dinge, und ich möchte nachher dann auch ganz
0:09:09–0:09:14
speziell noch mal so ein bisschen in die psychotherapeutische Anwendung von diesem Denken gehen.
0:09:15–0:09:19
Nicht, dass ich jetzt sage, es sei richtig oder falsch, es sei erklärend oder
0:09:19–0:09:21
nicht, aber ich finde es interessant damit zu spielen.
0:09:22–0:09:27
Es ist auf jeden Fall so, dass ein Bild von der Welt im Inneren entsteht,
0:09:29–0:09:32
aus dem sensorischen Material, was reinkommt und den Handlungen,
0:09:32–0:09:34
die sich darauf beziehen.
0:09:36–0:09:40
Wir haben vorhin gesagt, die Amöbe ist salzig, das Salz wird irgendwie wahrgenommen
0:09:40–0:09:41
über den sensorischen Input.
0:09:42–0:09:46
Handlung heißt, ich paddel mal weg, das Salz wird weniger.
0:09:47–0:09:52
Und das Innere des Organismus oder Systems ist komplett blind.
0:09:54–0:09:58
Wenn also irgendwas wahrgenommen wird,
0:10:01–0:10:07
und dann gehandelt wird und dieses Handeln nicht den gewünschten Effekt hat,
0:10:08–0:10:14
dann kann das System entweder sagen, meine Sensorik ist falsch oder meine Handlung ist falsch.
0:10:16–0:10:20
So könnte man zum Beispiel, das ist ein bisschen ein psychotherapeutischer Ansatz,
0:10:20–0:10:25
könnte man zum Beispiel sagen, eine Person, die sich im Spiegel sieht und wirklich
0:10:25–0:10:31
so eine Fehlwahrnehmung hat und sich als sehr übergewichtig oder fett wahrnimmt,
0:10:32–0:10:35
und deswegen einfach immer weiter hungert,
0:10:36–0:10:40
hat in der Tat ein Problem auf der sensorischen Seite.
0:10:40–0:10:44
Und da setzt er dann auch bei magersüchtigen Menschen einen Teil der Therapie
0:10:44–0:10:46
an, in diesem falschen Selbstbild.
0:10:49–0:10:51
Wenn die Handlung falsch ist,
0:10:54–0:10:56
Mal helfen, fällt dir da irgendwas zu ein?
Florian Clauß
0:10:56–0:10:59
Du meinst jetzt nicht so was wie Addiction oder so?
Micz Flor
0:11:00–0:11:03
Es muss jetzt nicht psychotherapeutisch sein, es könnte irgendwas sein.
Florian Clauß
0:11:03–0:11:09
Es könnte irgendwas sein. Ja, ich weiß es nicht, wenn ich die ganze Zeit quasi,
0:11:10–0:11:15
wenn ich auf See reise, fahre und keine Zitronen dabei habe.
0:11:16–0:11:19
Und die ganze Zeit esse und mich wundere, dass die Zähne ausfallen.
Micz Flor
0:11:20–0:11:24
Und dann mal das anders probierst. Sehr interessant, weil das wäre genau schon
0:11:24–0:11:27
ein gutes Beispiel, wo eben das sensorische, es,
0:11:27–0:11:31
ist ein Wissen, was wir heute haben, aber was wir VTNC brauchen,
0:11:31–0:11:37
das hat der Körper als Mangelerscheinung, aber ohne Gefühl, was uns hilft, Zitronen zu suchen.
0:11:37–0:11:42
Aber es ist ein interessantes Beispiel, weil man würde irgendwie versuchen,
0:11:42–0:11:48
anders mit dem Defizit umzugehen, weil einem einfach die sensorischen daten
0:11:48–0:11:51
sind ja da fallen die zähne aus ist das ein symptom davon,
0:11:55–0:11:59
aber ich finde nichts so als handlung was da irgendwie.
Florian Clauß
0:11:59–0:12:06
Ja das stimmt die handlung ist halt irgendwie essen aber das ist ja essen fehlt
0:12:06–0:12:12
halt das vitamin c ja ja gut das handlungsmuster wäre anders.
Micz Flor
0:12:12–0:12:19
Jetzt machen wir mal ganz kurz einen Sprung und arbeiten mit dem Begriff des Attractors.
0:12:20–0:12:21
Den kennst du ja glaube ich auch.
Florian Clauß
0:12:21–0:12:27
Ja, der ist mir auch in meiner Auseinandersetzung mit Niklas Hanfie über den,
0:12:28–0:12:30
Weg gelaufen, der Attractor.
Micz Flor
0:12:30–0:12:37
Der Attractor, genau. Attractor ist ursprünglich aus der Mathematik-Chaos-Theorie
0:12:37–0:12:42
entnommen und beinhaltet einen Punkt,
0:12:43–0:12:46
zudem ein chaotisches System tendiert,
0:12:48–0:12:49
zu gehen.
Florian Clauß
0:12:49–0:12:53
Also quasi eine Verdichtung, eine Annäherung oder eine Häufung.
0:12:54–0:12:57
Also wenn du jetzt quasi ein chaotisches Pendel hast und das dann über so eine
0:12:57–0:13:00
Langzeitbelichtung machst, dann gibt es irgendwelche Gebiete,
0:13:00–0:13:03
die sind dann häufiger, wo sich das Pendel befindet.
Micz Flor
0:13:04–0:13:07
Es geht eher darum, dass es zum Stillstand kommt an einem bestimmten Ort.
0:13:07–0:13:11
Also so ein chaotisches Pendel, was ja oft dann eben ist, es hat nicht nur einen
0:13:11–0:13:13
Arm, sondern zwei an einem zweiten Arm.
0:13:14–0:13:17
Das ist dann was, was nochmal hin und her flickert und auch dann wiederum den
0:13:17–0:13:19
ersten Arm mit beeinflusst.
0:13:20–0:13:24
Aber wenn es nicht ganz im Gleichgewicht ist, der zweite Arm,
0:13:24–0:13:27
dann wird das immer irgendwann nach unten hängen. Und das ist dann der Attractor.
0:13:30–0:13:36
Dann gibt es noch den Pullback Attractor, das ist psychologisch oder psychotherapeutisch gut zu fassen.
0:13:37–0:13:42
Da geht es darum, dass das System einen vergangenen Attractor hat,
0:13:42–0:13:44
zu dem es dann wieder tendiert.
0:13:44–0:13:47
Wenn wir das zum Beispiel psychotherapeutisch fassen wollen,
0:13:48–0:13:51
warum geht es mir gut, wenn Stress ist? Warum geht es mir gut,
0:13:51–0:13:53
wenn irgendwie Konflikt im Raum ist?
0:13:53–0:13:57
Wenn irgendwie alles auf etwas Externes ausgerichtet ist? vielleicht,
0:13:57–0:14:01
weil ich groß geworden bin in einer Familie, wo immer irgendwie Stress war.
0:14:02–0:14:06
Ich fühle mich wohl, selbst wenn es mir nicht gut tut und ich irgendwie erst
0:14:06–0:14:10
mal denke, das ist ja nicht gut für mich, kann ja nicht gut sein, wenn immer Stress ist.
0:14:10–0:14:15
Aber dahinter verbirgt sich dann doch die Wahrheit, wo das System sich dann
0:14:15–0:14:19
wieder ausruht an einem Ort aus der Vergangenheit.
0:14:20–0:14:23
Und dann ganz wichtig, und das ist vielleicht der letzte Punkt,
0:14:23–0:14:26
bevor wir jetzt gleich die Pause machen, ist der strange attractor.
0:14:27–0:14:32
Der ist so mit am wichtigsten eigentlich, weil der gerade für Lebewesen am wichtigsten ist.
0:14:32–0:14:37
Wenn du dir jetzt so ein Pendel vorstellst, was dann stehen bleibt,
0:14:37–0:14:39
dann fühlt sich das sehr, sehr starr an.
0:14:40–0:14:44
Wenn du dir jetzt jemanden anschaust, der auf einem Seil mit einem ganz langen
0:14:44–0:14:49
Stab balanciert und über dieses Seil läuft, dann siehst du, dass der immer wieder korrigiert.
0:14:50–0:14:53
Wenn du ein Foto von dieser Person machst, dann steht der ganz still.
0:14:53–0:14:57
Aber wenn er so still stehen würde, oder sie, würde die Person wahrscheinlich runterfallen.
0:14:57–0:15:01
Aber wir gehen noch mal ganz kurz weg von dem Lärm, damit ich das noch fertig
0:15:01–0:15:02
machen kann, weil das ist ganz wichtig.
0:15:04–0:15:06
Lebende Organismen in diesem,
0:15:07–0:15:12
Markov Blanket, arbeiten eigentlich immer mit Strange Attractors,
0:15:12–0:15:16
also mit einem Equilibrium, was immer wieder hergestellt werden muss.
0:15:17–0:15:20
Keine zwei Herzschläge sind gleich, keine zwei Atemzüge sind gleich,
0:15:22–0:15:25
aber von außen betrachtet in der Summe hat man trotzdem das Gefühl,
0:15:25–0:15:26
es wiederholt sich alles.
0:15:27–0:15:32
Aber in der Wahrheit ist es so, wie jemand, der sich auf dem Drahtseil ausbalanciert,
0:15:32–0:15:37
wird eine Illusion von Attractor hergestellt, was kein Attractor wirklich ist,
0:15:37–0:15:41
weil es braucht permanent Energie, in diesem Stadium zu bleiben.
0:15:41–0:15:45
Und für Lebewesen, die halt immer gegen die Entropie ankämpfen müssen,
0:15:45–0:15:47
ist immer diese Arbeit zu leisten.
0:15:47–0:15:53
Permanent ist die Situation, zu der wir hin tendieren, ein aktiver Akt,
0:15:53–0:15:56
den wir dauernd herstellen müssen. Also wir können es nicht wie ein Pendel einfach
0:15:56–0:15:59
entspannen, sondern wir müssen aktiv daran arbeiten.
0:15:59–0:16:06
Und hier, meine Freunde, machen wir den Brake und entschwinden in die Halt.
Florian Clauß
0:16:06–0:16:08
Wollen wir hier mal durchgehen?
Micz Flor
0:16:08–0:16:10
Wollen wir ausmachen?
Florian Clauß
0:16:11–0:16:17
Äh, machen wir aus. Oder nehmen wir das noch als Atmegeräusch mit?
Micz Flor
0:16:17–0:16:18
Okay, wir können ja das so machen.
0:16:36–0:16:40
Ich wollte jetzt mal so noch ein bisschen auf zwei dinge gucken das eine ist,
0:16:42–0:16:47
dieser stochastische hintergrund das konzept von bedingten wahrscheinlichkeiten
0:16:47–0:16:53
was damit drin steckt und wie sich das entwickelt hat und was Frist dann daraus gemacht hat.
0:16:54–0:16:58
Und auf der anderen Seite dann nochmal an einem Beispiel,
0:16:59–0:17:03
der Objektbeziehungstheorie der guten unterbösen Brust, so ein bisschen zu gucken,
0:17:03–0:17:08
wie entwickelt sich so ein Markov-Blanket über die Zeit hinweg als Teil von
0:17:08–0:17:09
so einer frühkindlichen Entwicklung,
0:17:09–0:17:13
um dem so ein bisschen auch einen psychotherapeutischen Anstrich zu geben.
0:17:14–0:17:15
Also das Markov-Blanket.
0:17:17–0:17:22
Es geht um bedingte und unbedingte Wahrscheinlichkeiten. Und Markov,
0:17:22–0:17:25
da komme ich dann gleich nochmal drauf, der hatte, finde ich,
0:17:25–0:17:32
ein sehr schönes Beispiel für diese Situation dargestellt. Also erstmal geht es um,
0:17:34–0:17:40
zufällige Umgebung, eine zufällige Welt, auch in gewisser Weise ein zufälliger
0:17:40–0:17:42
Organismus, der sich aber eben als selbst strukturiert.
0:17:43–0:17:49
Und dieses Markov Blanket umgibt dieses System, also zum Beispiel uns einen Menschen,
0:17:51–0:17:58
Und über die Zeit versucht dieses Markov-Blanket über den sensorischen Input,
0:17:58–0:18:02
und den Handlungs-, also den aktiven,
0:18:02–0:18:08
das in die Welt greifen, ad gredi, also Aggression in die Welt greifen, das lernt daraus.
0:18:08–0:18:12
Und nachher gucken wir uns das nochmal an, wie das zum Beispiel in der kindlichen
0:18:12–0:18:17
Entwicklung bei dem Objektbeziehungstheorie mit der guten und bösen Brust, wie das da so ist.
0:18:18–0:18:21
Aber jetzt bleiben wir mal bei Markov. Ein Beispiel.
0:18:24–0:18:28
Was Markhoff gemacht hat, ist zu sagen, es gibt bedingte Wahrscheinlichkeiten,
0:18:28–0:18:33
aber wenn es bedingte Wahrscheinlichkeiten gibt, dann kann die Gesamtheit immer
0:18:33–0:18:39
noch dem Anspruch von großen Zahlenmengen, also von Zufälligkeit entsprechen.
0:18:39–0:18:44
Und er hat dazu Buchstaben auserkoren und hat gesagt,
0:18:45–0:18:49
Die Wahrscheinlichkeit, dass auf ein C ein H folgt, also wenn wir in deutscher
0:18:49–0:18:54
Sprache sind, ist relativ hoch, wahrscheinlich höher als ein zweites C.
Florian Clauß
0:18:55–0:19:03
Wie eine Vektor-Datenbank im Large Language Model, wo du dann im Prinzip auch solche Tokens bildest.
Micz Flor
0:19:03–0:19:06
Das ist alles, was jetzt kommt, wird auch Large Language Model benutzt.
0:19:06–0:19:09
Das ist Fristen, glaube ich, geht da auch so mit durch die Decke,
0:19:09–0:19:14
weil das ist alles an diese ganze LLM-Entwicklung irgendwie mit andockt.
0:19:15–0:19:20
Und er hatte das, glaube ich, mit Konsonanten und Vokalen gemacht und hatte
0:19:20–0:19:24
dann irgendwie zeigen können, dass er dann Texte durchgegangen ist und geguckt
0:19:24–0:19:27
hat, was sind die bedingten Wahrscheinlichkeiten für den nächsten Buchstaben.
0:19:27–0:19:28
Die kann er aufschreiben und
0:19:28–0:19:31
gleichzeitig kann er aber auch im Aufschreiben, was kommt als nächstes?
0:19:32–0:19:36
Vokal oder Konsonant oder Vokal oder Vokal oder Konsonant, Konsonant,
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Konsonant, Vokal, Vokal und konnte da zeigen, es folgt im Großen,
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den Regeln von Zufälligkeit, aber im Einzelnen gibt es eine bedingte Wahrscheinlichkeit.
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Der nächste Schritt zum Markov-Blankwert ist dann die Trennung von innen und
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außen durch bedingte Unabhängigkeit.
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Und da war, ich weiß nicht, wie man den genau, oder die, ich weiß nicht mal,
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ob es der oder die ist, aber Judea Pearl.
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Das Innen- und Außenfeld sind bedingt unabhängig gegeben einer Grenzstruktur.
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Dann können Außen und Innen komplett voneinander unabhängig sein.
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Und diese formale Grenze des Systems ist eben das sensorische und die aktiven
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Zustände, also die Handlung.
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Das System im Markov-Blanket kann über die Zeit lernen, kann Experimente machen,
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und kann sich damit vertrauen.
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Und das Ding ist, was ich auch nicht ganz durchdringe, ist, dass diese Idee
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vom Markov-Blanket auch nach Fristen, das ist eigentlich auch ein physikalisches Phänomen.
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Ich hätte vorhin gesagt, dass zum Beispiel auch Wirbelstürme sich als Systeme,
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aufrechterhalten. Oder so ein Kreisel, der sich wieder fängt.
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Aber natürlich ist das kein aktiv lernendes System. Aber ein System,
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das mit der Umgebung im Wechselkontakt steht.
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Und die Sensorik, da denken wir natürlich dann sofort in Psychologie.
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Aber die Sensorik ist auch nicht so gemeint, als da wird etwas beobachtet.
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Es gibt nicht unbedingt Beobachter. Es ist einfach nur eine Interaktion.
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Ja, der Wirbelsturm drängt sozusagen sich in die Welt drum herum und die Welt
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drum herum wird vom Wirbelsturm in gewisser Weise angenommen und die Temperaturunterschiede...
Florian Clauß
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Aber das ist jetzt unabhängig vom meteorologischen System oder ist das auch
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ein Algorithmus, der dann halt in der Wetterprognose eingesetzt wird?
Micz Flor
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Wie das eingesetzt wird, weiß ich jetzt nicht, aber der Wirbelsturm ist einfach
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nur mit der Umgebung verbunden und trotzdem abgetrennt.
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Und du kannst dann Vorhersagen über die Drehung und so weiter machen,
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wenn du auf diese Wechselwirkung schauen kannst. Aber es geht bei Sensorik und
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bei Handlung nicht direkt darum, dass es ein Bewusstsein haben muss.
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Es gibt auch so etwas wie einen Wirbelsturm. Aber natürlich gibt es so etwas wie Lernprozesse.
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Und da kommt auch Bays dann wieder rein, der Pfarrer, den ich glaube ich schon
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mal erwähnt hatte, der gesagt hatte, wo er gefragt wurde, warum er denn Mathematik
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macht und Pfarrer ist. Und er meinte, es gibt halt zwei Wege zur Wahrheit und er geht sie beide.
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Und der hatte festgestellt vor vielen hundert Jahren und erst posthum veröffentlicht,
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Zustände sind probabilistische Hypothesen. Wenn wir in die Welt gehen.
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Ist es nicht immer einfach zufällig, sondern wir bilden Hypothesen anhand von
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Wahrscheinlichkeiten.
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Also es ist nicht so, dass alles zufällig ist, sondern ein Lernprozess oder
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in der Welt zu sein, bedeutet auch, dass wir probabilistisch versuchen,
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uns immer besser anzunähern an dem, was wir als Ziel erreichen wollen in der Welt.
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Und das ist diese Verknüpfung zu diesem Prediction Machine, was ich auch bei
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Mark Sautes schon gesagt hatte.
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Also, dass wir als Lebewesen auch versuchen, bestimmte Zustände herzustellen,
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und wir dadurch in die Welt greifen müssen, unsere Experimente mit der Welt
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machen müssen, um zu schauen, wie kommen wir am besten zu dem gewünschten Ziel.
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So, Fristen bringt jetzt zusätzlich eben dieses Prediction mit rein,
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Prediction Model, als Lernprozess, als Anpassung.
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Und dahinter steht dann das Free Energy Principle, so hat er das genannt.
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Und das basiert auf Helmholtz, auf andere Formen von Energietheorien,
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energiebezogenen Theorien.
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Man könnte das bei Carl Fristons Konzept einfach zusammenfassen,
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vielleicht in dem Satz, in dem man sagt, dass lebende Systeme,
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also nicht der Wirbelsturm, aber lebende Systeme sind,
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umgeben von Markov Blankets oder können sich über Markov Blankets beschreiben lassen.
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Und diese Base-Inferenz, also dass Zustände probabilistische Hypothesen sind,
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wird von Fristen jetzt physikalisch implementiert in diesem Modell.
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Und darin kommt dann der Prediction oder Prediction Error rein und den beschreibt er als freie Energie.
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Und ich persönlich finde den Begriff der freien Energie schwierig zu fassen,
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also von der Bedeutung her.
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Freie Energie, je höher die Abweichung ist zwischen dem erwarteten Resultat
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und dem tatsächlichen Resultat, desto höher ist die freie Energie.
Florian Clauß
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Okay. Ja gut, aber da kommt man ja mit, ne?
Micz Flor
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Ja, helfen wir mal, weil ich kriege das...
Florian Clauß
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Naja, wenn wir mal bei dem,
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Drei-Körper-Phänomen bleiben. Nee, nicht bleiben, sondern wenn wir da hingehen.
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Also du hast ein chaotisches System.
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Und du hast ja quasi, wenn du dich klein reinzoomst, dann kannst du ja relativ,
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genau hervoraussagen, was dann so die nächsten Schritte sind der einzelnen drei Körper.
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Also das System ist ja quasi chaotisch, das heißt, du kannst ja längerfristig
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nicht vorhersehen, sagen, wo diese Bahn, Umlaufbahn, wie die sich und welcher
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Körper rausgeworfen wird.
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Kannst du ja quasi nicht auf einer langfristigen Ebene lösen.
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Du kannst halt quasi so in Zeitabschnitten, die kürzer, die Zeitabschnitten,
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desto besser wird deine Vorhersage.
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Und wenn du dir das anguckst und,
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jetzt so, wenn du weiter weg gehst, also das heißt, du eine größere Zeiteinheit
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nimmst, dann kannst du ja, dann wird ja genau diese Vorhersagequalität schlechter.
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Und damit ist diese Energie, die Prediction, Die Vorhersage und das,
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was eintritt, diese Toleranz, also dieses Delta, wird größer.
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Und das heißt, je größer deine Zeiteinheit wählst, um dieses Drei-Körper-Phänomen
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zu betrachten, desto größer wird deine freie Energie.
Micz Flor
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Interessant, was du sagst, weil ich hätte das jetzt so als Brücke gar nicht
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mehr hergestellt, aber das bezieht sich ja auch direkt auf diese Strange Attractor-Situation,
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diese Fluctuation, Random Fluctuation, die halt im Raum ist. Das heißt.
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Um die Homostase aufrechtzuerhalten, muss man permanent irgendwie etwas leisten
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als Organismus, weil ansonsten zerfließen wir einfach oder verbrennen oder sonst was. Ja, Entropie,
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Thermodynamik und diese aktive Leistung, wie du gerade gesagt hast, deshalb als Brücke,
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Es sind minimale Angleichungen, wenn ich das ja oft mache.
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Aber wenn ich am Lenkrad einschlafe und dann wieder aufwache und dann auf dem
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Standstreifen schon bin, muss ich schnell rumreißen.
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Und das ist vielleicht so ein bisschen das.
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Ich habe jetzt mit Free Energy und den Messabständen, da habe ich jetzt keinen,
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Text oder keinen Zusammenhang.
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Aber das ist eben diese Anbindung wieder auch an Marc Solms,
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diese Vorhersagemaschine.
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Wo es dann um das Bewusstsein geht. Also Solms sagt ja, um auch noch mal auf
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die Buddhismus-Folge zu gehen, wo die Frage war,
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hat der Erleuchtete noch oder die Erleuchtete noch Unbewusstes?
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Und vielleicht ist die Antwort zu sagen...
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Wenn alles unbewusst ist, dann ist man im Nirwana, dann ist man im kompletten Äquilierung.
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Man muss nicht mehr aktiv in die Welt eingreifen, man muss sich nichts mehr
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durchdenken, sondern das Bewusstsein wird ja nur nach Solms angeschaltet,
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um einen Prediction Error, also irgendwas ist gerade nicht so,
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wie ich es erwartet habe.
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Deshalb muss ich aktiv werden, um die Situation zu reflektieren,
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um die Situation eine Lösung zu finden oder mehrere Lösungen zu finden, eine auszuprobieren.
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Und wenn es dann klappt, dann kann das Wissen eben wieder ins Unbewusste automatisiert
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nach unten gedrückt werden.
Florian Clauß
0:27:57–0:28:02
Achso, okay, da fängt dann quasi das Markov-Blanket an.
Micz Flor
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Ja, und das ist diese Verbindung zwischen Solms und Friston, Prediction Error.
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Also dass er halt die Mathematik liefert aufgrund von den physikalischen Grundlagen,
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von bedingten und unbedingten Wahrscheinlichkeiten und von abgegrenzten Systemen. in denen alle,
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notwendigen Werte verfügbar sind, sodass das Blanket wirklich diese Abgrenzung
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sein kann zur Außenwelt.
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Und dann wird eben immer tariert.
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Aber ich nehme das mal einfach als Brücke jetzt in mein Objekt- beziehungs-theoretisches Beispiel.
Florian Clauß
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Die gute und die böse.
Micz Flor
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Die gute und die böse Brust, weil eine Sache, die,
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Die ich erstmal noch vorne wegnehme muss. Friston spricht auch immer wieder
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darum, dass es heißt dann anders, aber es ist mehr oder weniger dasselbe.
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Das wird an der Wall Street benutzt, das wird in allen möglichen Situationen
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benutzt, wo es um selbstorganisierende Systeme geht.
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Und bei ihm heißt es jetzt halt so und hat ein bisschen eigenes Flavor.
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Aber es ist jetzt, wenn man ihm zuhört, diese Art zu denken,
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ist natürlich in unterschiedlichsten Bereichen.
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Wahrscheinlich geht es natürlich auch bei der Kernfusion darum,
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dass man irgendwie so ein System beobachten kann, was irgendwie einerseits Zufälligkeit
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beinhaltet, aber auch Abhängigkeiten von anderen States.
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Wenn wir jetzt mal drauf gucken auf so ein System wie ein kleines Kind.
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In der Objektbeziehungstheorie ist das Kind, wenn es auf die Welt kommt,
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noch nicht in der Lage, ganze Gestalten oder ganze Objekte wahrzunehmen.
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Die Mutter ist nicht die Mutter, das Kind kann auch nicht scharf sehen und so
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weiter, sondern und das wird oft so beschrieben, es gibt die gute Brust und
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die böse Brust. Die gute Brust, die mich füttert und die böse Brust,
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die mich gerade nicht füttern will oder wo nichts mehr drin ist oder die sich zurückzieht.
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Und das Kind, das ist jetzt quasi ein Blick von außen, das Kind kann uns,
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Reportability kann uns nichts darüber sagen, aber in der Objektbeziehungstheorie
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wird dann eben gesagt, das ist ein,
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Paranoid-Shizui, der Raum, in dem das Kind sich bewegt.
Florian Clauß
0:30:10–0:30:15
Erkläre, Paranoid-Shizui, das klingt ja schon sehr pathologisch.
Micz Flor
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Ja, es ist sehr pathologisch und gemeint ist damit, dass es die ganze Zeit eben
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keine Vorhersage treffen kann.
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Wenn die Brust kommt, dann weiß es nicht, ist es die gute Brust oder die böse Brust.
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Jetzt nehmen wir den Prediction Error dazu. Das heißt, es gibt noch kein gutes,
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innerhalb dieses Markov-Blänkets, es gibt noch kein gutes Modell dafür,
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mit dieser Brust irgendwie angemessen umzugehen.
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Das heißt, das ist die ganze Zeit unfassbare Aufregung. Da ist die Brust.
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Was kann ich jetzt erwarten? Wenn ich jetzt, wenn ich jetzt frustriert oder
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darf ich trinken oder was ist jetzt los?
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Da ist sie schon wieder. Warum ist es jetzt wieder anders? Also das kleine Kind checkt es halt nicht so.
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Und in der Objektbeziehungsserie gibt es dann danach eben diese,
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diese Phase, die depressive Phase heißt.
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Inhaltlich bedeutet das, dass das Kind beginnt ganze Objekte zu sehen,
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als solche zu verstehen. Und das heißt.
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Depressiv eher im Sinne von,
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Oh Gott, ich war die ganze Zeit zu böse zu dieser bösen Brust,
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weil die war ja böse zu mir.
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Also das Kind hat immer noch keine Stimme oder keine Sprache dazu.
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Das sind alles Sachen, die sich noch im ersten Lebensjahr abspielen.
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Hoffentlich werde ich jetzt nicht bestraft oder verlassen oder habe ich da was verletzt.
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Kann ich dieses näherende Objekt, muss ich das irgendwie retten?
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Also solche Gedanken, dann auch so altruistische Hilfe-Gedanken für das,
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was die böse Brust, wo ich mich gerecht habe oder wo ich selber auch irgendwie
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mal reingebissen habe oder so, dann, mein Gott, das ist ja auch die,
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also auch Gott ist noch kein Konzept.
Florian Clauß
0:31:53–0:31:53
OMG!
Micz Flor
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Ja, aber da ist es vielleicht so, dass man merkt, dass jetzt ein Bild entsteht,
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diese Markov-Planke, das sagt, okay, diese Gute und die Bösebrust,
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die gehören zu einem Objekt.
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Das heißt, ich muss jetzt irgendwie eine andere Strategie fahren.
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Aber diese Free-Energy-Idee, also vorher war das Kind irgendwie sehr,
0:32:15–0:32:17
also das oszilliert extrem.
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Da ist eine Unvorhersehbarkeit. Man weiß überhaupt nicht, was jetzt los ist.
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Man ist in einer sehr, sehr unsicheren Welt. Ich weiß nicht,
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ob man frustriert, vielleicht sogar bestraft, subjektiv erlebt oder genährt
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wird oder gestreichelt wird.
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Das ist einfach nicht vorhersehbar.
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Und jetzt mit diesen ganzen Objekten gibt es immer noch Ambivalenzen.
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Das Kind ist also jetzt an einem Punkt, wo es auch Ambivalenzen entwickelt.
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Das andere mit der guten und bösen Brust ist quasi eine Spaltung. Die Spaltung ist ...
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Ein Abwehrmechanismus, der sehr archaisch ist,
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oder was man auch manchmal sagt, sehr unreif ist, aber der trotzdem auch was
0:33:01–0:33:05
Konstruktives hat, weil diese Spaltung in Gut und Bösebrust ist sozusagen die
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erste Ordnung, die das Kind herstellen kann.
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Es sieht also, okay, es gibt so etwas wie Gut und Böse.
0:33:12–0:33:14
Es ist eine Ordnung da.
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Junge, Mädchen, Alt, Jung. Also diese basalen Trennungen, Papa,
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Mama, das sind immer diese Spaltungen in zwei Extreme.
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Aber genau die, wir haben gerade ein bisschen Fußball gucken können,
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nebenher beim Voressen. Auch da hat man zwei Teams.
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Und wenn man reinguckt im Close-Up, wenn einer gefault wird,
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dann sieht man die Gesichter, wie die verziehen. Und dann merkt man,
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okay, das ist ein Team, das sind einzelne Menschen. Aber wenn man rauszoomt,
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sieht man nur diese beiden Farben, die halt auf dem Bildschirm hin und her laufen.
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Das heißt, die Spaltung von Team A gegen Team B.
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Und das Kind kommt dann in diese Situation rein, zu sagen, ach nee,
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guck mal, da sind 22 Menschen auf dem Platz.
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Und mit jedem kann ich irgendwie anders umgehen oder muss ich auch anders umgehen.
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Und das ist quasi dann diese nächste Phase.
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Und bezogen eben auf dieses Markov Blanket finde ich das ein ganz gutes Beispiel nochmal zu zeigen,
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der Feel Free Energy.
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Ich habe immer gedacht, das heißt verfügbare Energie, um irgendwas zu tun,
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aber das ist nicht gemeint.
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Free Energy Principle bedeutet, hohe Free Energy bedeutet, dass die Vorhersagemöglichkeiten
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des Systems bezüglich der Umwelt,
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sehr, sehr schlecht sind. Also die Prediction ist low.
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Und durch das Lernen, durch die Entwicklung wird das Markov-Blanket iterativ immer besser.
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Das heißt, wir haben also, wenn man jetzt nochmal zurückgeht zu ganz am Anfang,
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wo ich nochmal meinte, wo Friston selber sagte, das Markov-Blanket ist jetzt
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keine Erfindung oder es ist einfach eine mathematische Realität, also dass man,
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Formen entwickeln kann über abhängige und unabhängige oder bedingte und unbedingte
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Zustände und dass man dann irgendwie eine Schnittstelle machen kann und dann
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kann man das mit Formeln füllen und mit Sachen füllen.
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Und man kann darüber iterativ etwas abbilden und hat halt eine relativ hohe
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Exaktheit, Dinge abzubilden über matrisch-matische Formeln.
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Aber das heißt jetzt nicht, dass wir ein Markov-Planket in uns tragen.
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Und was Solms an anderer Stelle auch mal schreibt, ist, dass nicht jedes Markov-Planket,
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umgibt ein lebendes System.
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Aber jedes lebende System hat auch einen Markov-Planket. Und das ist auch nochmal
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so ein interessantes Bindeglied, auch in Bezug auf die letzte Folge von dieser Transition.
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Also das heißt, wir können eben auch beim Virus, habe ich vorhin gesagt,
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man kann Teile des Markov-Blankets da schon irgendwie erkennen.
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Also Dinge, die halt über einen bestimmten Zeitraum stabil sind,
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auch wenn sie sich dann wieder verlieren, die nehmen das an.
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Das heißt, wir haben da eine mathematische, physikalisch-mathematische Formel,
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mit der wir Zustände beschreiben können von leblos bis lebendig.
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Die Komplexität der Formeln, die
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das Ganze dann irgendwie auffüttern und abbilden, wächst halt natürlich.
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Also es ist auch so, ich habe jetzt viel darüber gelesen und auch viel darüber
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gehört und es ist jetzt nicht so, dass irgendwann irgendwer irgendwo mal eine
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Zahl ansetzt und dann kommt hinten fünf raus. Das ist dann irgendwie 42,
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die Antwort auf alle Fragen.
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Sondern es geht eher darum zu sagen, es ist ein Modell.
0:36:27–0:36:31
Und was an diesem Modell aber interessant ist, ist erstens, dass es diese Entstehung,
0:36:31–0:36:37
also diesen Gradienten von Tod bis Lebendig irgendwie begleiten kann.
0:36:37–0:36:42
Das Zweite ist, dass es ja auch de facto innerhalb der gleichen Naturwissenschaft sitzt.
0:36:42–0:36:45
Also es ist jetzt nicht so das Bewusstsein, was dann auch entstehen kann,
0:36:46–0:36:50
wenn man Solms und Tristan zusammenkriegt, dass das aus einer anderen Welt kommt,
0:36:50–0:36:52
sondern das passt da mit rein.
0:36:53–0:36:58
Die Entstehung der Gefühle ist halt über das Markov-Blanket eine zunehmende
0:36:58–0:37:02
bessere Möglichkeit, mit der Welt umzugehen.
0:37:02–0:37:05
Gefühle entstehen in ihrer Komplexität, Markov-Blanket, Abtrennung,
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die Gefühle als innere Zustände erzeugen dann Interaktionen mit der Welt.
0:37:11–0:37:15
Pinkeln gehen oder essen gehen oder auch auf einer sozialen Ebene Kontakte.
0:37:15–0:37:18
In der letzten Folge die Gorillas mit dem großen Hirn.
0:37:20–0:37:21
Wer es nochmal hören möchte?
0:37:23–0:37:28
Und da passt es eben sehr gut mit Marc Solms Neuropsychoanalyse zusammen.
0:37:29–0:37:35
Und es ist, glaube ich, gerade deshalb auch so gehypt, weil es irgendwie erst mal,
0:37:37–0:37:40
Also es hat so etwas Mystisches wegen der Formeln, sage ich mal.
0:37:40–0:37:44
Die sehen immer ganz einfach aus, aber natürlich sind die unendlich kompliziert
0:37:44–0:37:48
dahinter. Aber wie willst du dich jetzt als Markov-Blanket, wie soll ich dich in Zahlen abwenden?
0:37:49–0:37:54
Aber zweitens ist es so eine ganz einfache Idee, die man dann aber als Hypothese
0:37:54–0:37:56
so schön auf unterschiedlichste Dinge anwenden kann.
0:37:57–0:38:00
Und jetzt kommt die Trambor, wollen wir da reinspringen?
Florian Clauß
0:38:00–0:38:01
Würde ich schon sagen, oder?
Micz Flor
0:38:01–0:38:03
Okay, dann moderieren wir schnell ab.
Florian Clauß
0:38:03–0:38:05
Wir können ja in der Tram abmoderieren.
Micz Flor
0:38:05–0:38:09
In der Tram abmoderieren, okay. Und ich habe dann natürlich wie immer auf dem
0:38:09–0:38:12
Blogpost noch ein paar Zitate.
0:38:12–0:38:18
Das ist dem Kapitel 7 aus The Hidden Spring von Mark Solms entnommen.
0:38:22–0:38:27
Genau, und in Zeiten von Markov Blankets und Large Language Models finde ich
0:38:27–0:38:32
es gut, wenn man Zitate in Texten bringt. Obwohl man ja nicht immer mehr weiß,
0:38:32–0:38:36
ob die Zitate quasi auch originäre Autorenschaft haben.
0:38:37–0:38:40
Aber ich mache das in Seminaren jetzt auch so, ich mache eigentlich nur noch
0:38:40–0:38:44
Zitate, weil ich denke, das ist die einzige Brücke, die man zum Originaltext
0:38:44–0:38:46
noch hat, weil alles andere...
Florian Clauß
0:38:46–0:38:47
Ja, das ist KI gefiltert.
Micz Flor
0:38:47–0:38:49
Alles KI gefiltert, genau.
Florian Clauß
0:38:49–0:38:53
Stimmt, ja. Spannend. Ja, vielen Dank Mitch für die Ausbildung.
Micz Flor
0:38:53–0:38:54
Gerne, gerne.
Florian Clauß
0:38:54–0:38:56
Gerne, nächstes Mal auch, ja.
Micz Flor
0:38:56–0:38:59
Genau, wir müssen gucken, wo ist das Nächste kommt. Du hast den Backlog ja schon
0:38:59–0:39:00
angekündigt in der letzten Folge.
Florian Clauß
0:39:00–0:39:02
Und du? Hast du den Backlog?
Micz Flor
0:39:03–0:39:06
Ich würde gerne mit Nägel dieses,
0:39:08–0:39:13
What does it feel like to be a bat? Das ist indirekt eben auch mit Bewusstsein verbunden.
0:39:14–0:39:18
Solms beruft sich auf Nagel und oder Nagel.
0:39:18–0:39:24
Und der hat eben dieses Buch geschrieben, um zu erklären, wir werden nie wissen,
0:39:24–0:39:26
wie es sich anfühlt, eine Fledermaus zu sein.
0:39:26–0:39:31
Selbst wenn wir die Fledermaus stoppieren und diese Klicklaute und Ultraschall
0:39:31–0:39:35
und Slowmotion-Aufnahmen haben wie die Flügel. Das können wir alles erfassen.
0:39:35–0:39:38
Aber wie sich das anfühlt, eine Fledermaus zu sein.
Florian Clauß
0:39:38–0:39:41
Werden wir nie wissen. Dann warte mal ab, bis du diese Droge hier genommen hast.
0:39:43–0:39:44
Ja, der Word.
Micz Flor
0:39:44–0:39:48
Wir können auch deine Word-Folge mit reinnehmen in die Bewusstseins-Folge-Serie.
Florian Clauß
0:39:48–0:39:53
Ja, mal schauen, wie lange wir es jetzt schaffen, die Bewusstseins-Folgen auch recht zu halten.
0:39:54–0:39:58
Wir kommen ja langsam in die Sommerpause, hast du ja auch schon gesagt.
0:40:00–0:40:02
Du bist ja dann verreist über mehrere Wochen.
Micz Flor
0:40:02–0:40:02
Ich bin weg, genau.
Florian Clauß
0:40:02–0:40:07
Und ja, mal gucken, vielleicht soll ich dir das Ganze, ne, vielleicht nimmst
0:40:07–0:40:11
du ja noch mit jemand anderem eine Folge auf, oder ich eventuell.
0:40:13–0:40:15
Und dann so hüpfen wir dann durch den Sommer.
Micz Flor
0:40:16–0:40:17
Wie ein Stein über die Sprache.
Florian Clauß
0:40:17–0:40:24
Genau, im Herbst finden wir uns dann wieder zu unseren Wursteinsfolgen zusammen,
0:40:24–0:40:30
gehen wieder durch die periferen Gegenden von Berlin. Also die Tour fand ich toll.
Micz Flor
0:40:30–0:40:33
Großartig, ja. Ich habe so viele schöne Fotos gemacht.
Florian Clauß
0:40:34–0:40:38
Hat Spaß gemacht. Ja, Mitch, vielen Dank nochmal. Und ihr findet mehr,
0:40:39–0:40:42
wo wir langgegangen sind und Informationen, die Mitch noch zusammengetragen
0:40:42–0:40:45
hat. Vor allen Dingen Zitate, weil macht ja keine KI-Generierung mehr.
Micz Flor
0:40:46–0:40:50
Das kann die KI leider dann nicht. Das muss man selber machen.
Florian Clauß
0:40:50–0:40:56
Genau. Und findet ihr auf www.ein-podcast.de Dann sage ich Tschüss und bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
0:40:56–0:40:57
Macht's gut. Tschüss.

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"A creature is sentient if but only if it consciously experiences qualia, by virtue of which it becomes like something to be itself." — Nicholas Humphrey, Sentience (2023)

In dieser Folge spazieren wir während der Aufnahme durch das periphere Lichtenberg und erkunden dabei die Tiefen des evolutionären Bewusstseins. Flo stellt Micz das Buch „Sentience – The Invention of Consciousness" von Nicholas Humphrey vor, einem britischen Neurophysiologen, Psychologen und Philosophen, der auf 50 Jahre Forschung zurückblickt und dabei eine ziemlich umfassende These aufstellt: Bewusstsein, so Humphrey, ist eine biologische Erfindung der Evolution, und echtes, gefühltes „phänomenales Bewusstsein" haben nur Säugetiere und Vögel. Fische, Reptilien, Insekten und auch Oktopusse fallen da raus. Das zeigt auch das Arche-Noah-Gemälde von Bruegel dem Älteren: Darauf abgebildet sind lauter Tiere aus dem Zoo, wie Micz bemerkt, also Tiere, die nach Humphrey eine echte Empfindungsfähigkeit entwickelt haben. Bevor Flo die Kernthesen von Nicholas Humphrey ausführlicher vorstellt, machen wir einen Ausflug in die Verhaltensforschung, in dem es sehr anekdotisch zugeht: der blinde Affe Helen, der trotz herausoperiertem visuellen Kortex „wie ein Frosch" sehen kann (Blindsight); die tragische Geschichte der iranischen Frau HD, die nach einer Augen-OP zwar sehen könnte, sich aber als Blinde wohler fühlt; Affen, die bei Rot schneller reagieren als bei Blau - und das nicht, wie ursprünglich angenommen, aus einem Ästhetik-Empfinden, sondern aus dem puren Überlebenswillen; sowie die Sinnessuche bei Säugetieren und Vögeln, die sich auch in Masturbation ausdrücken kann. Warum können wir empfinden? Was ist der evolutionäre Vorteil? Kommen wir zum theoretischen Kern: Humphrey baut die Entwicklung von Bewusstsein wie ein Ingenieur auf dem Reißbrett in drei Stufen. Stufe 1 beschreibt die „Sentition" – eine der Wortschöpfungen von Humphrey, die sich aus Sensation und Action zusammensetzt: Reiz trifft auf Zelle, sichtbare Reaktion folgt, noch ganz ohne Gefühl. In der 2. Stufe ist schon ein Proto-Selbst entstanden, durch abgespeicherte Reiz-Reaktions-Kopien – d. h. das Tier verfügt über eine mentale Map, auf der Reiz und Reaktion im Inneren ablaufen können, ohne dass es zu einer äußeren Reaktion kommt. Und in Stufe 3 macht es schlagartig „Whoosh" (auch eine gern rezitierte Wortschöpfung): Durch Rückkopplungsschleifen im Gehirn entsteht das phänomenale Selbst. Voraussetzung dafür ist die Warmblütigkeit. Damit erhöhen sich die Reaktionsgeschwindigkeiten in den Leiterbahnen der Nervenzellen, und es entstehen bestimmte Zelltypen für die Rückkopplungseffekte, die die Grundlage für das phänomenale Bewusstsein sind. Deshalb fühlt der Hund mit seinem wertenden Selbst aber nicht der Oktopus. Micz ist recht angetan vom „Roh-Material" von Flos Erzählung, aber so recht „Whoosh" hat es bei ihm nicht gemacht: Dieser Sprung von mehreren Hundert Millionen Jahren aus dem Nichts zum phänomenalen Bewusstsein will nicht so recht zünden. Wir diskutieren zum Abschluss über Gradienten, Panpsychismus und die Frage, ob ein Tyrannosaurus Rex vielleicht doch masturbieren konnte. Am Ende bleibt die zentrale, starke Idee: Es gibt keine Stelle im Gehirn, die Rot sieht – es gibt nur das Erleben von „Redness". Qualia als Erlebnisfähigkeit. Und die Erkenntnis, dass jedes Tier auf der Arche sein eigenes kleines Fotoalbum der Empfindungen mit sich trägt...

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
Erzähler
avatar
Micz Flor

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:04
Und ich verwirrte jetzt gerade ziemlich viel mit den Aussagen,
0:00:04–0:00:05
aber wir lösen das alles noch auf.
0:00:06–0:00:11
Und das Ganze dient im Prinzip den Aufbau eines wertvollen Selbst.
0:00:11–0:00:17
Er verknüpft dieses Empfindungsfähigkeit und Selbst. Das sind so diese entscheidenden
0:00:18–0:00:21
Bausteine für das phänomenale Bewusstsein. Bis zum,
0:00:25–0:00:26
nächsten Mal.
Micz Flor
0:00:31–0:00:37
Hallo und guten Morgen, weil wir meistens schon vor sieben Uhr live gehen,
0:00:37–0:00:42
zur 108. Folge von Eigentlich Podcast.
0:00:42–0:00:47
Wir sind der Podcast, bei dem wir laufend reden und beim Laufen reden.
0:00:48–0:00:49
Flo, du hast was vorbereitet.
0:00:50–0:00:55
Magst du gleich raus damit oder gibt es noch ein bisschen was vorher zu erzählen?
Florian Clauß
0:00:55–0:01:00
Danke. Vielleicht nur so viel, dass ich jetzt mit meiner Folge heute so ein
0:01:00–0:01:06
bisschen anknüpfe an verschiedene Punkte, die wir in den letzten Folgen gesät haben. Mhm.
0:01:07–0:01:14
Ich hätte ja auch schon deine letzte Folge kommentiert, dass du diesen Bewusstseinsstrom
0:01:14–0:01:19
unterbrochen hast und noch mal eine Gitarrenfolge draus gestrickt hast.
Micz Flor
0:01:19–0:01:20
Strom.
Florian Clauß
0:01:21–0:01:23
Strom, genau, Bewusstseinsstrom Gitarren.
Micz Flor
0:01:24–0:01:25
Bewusstseinsstrom Gitarre 9.
Florian Clauß
0:01:28–0:01:32
Sehr gut. Vielleicht noch mal ganz kurz zu unserer Tour. Mitch hat ja schon
0:01:32–0:01:35
gesagt, wir sind ein Podcast, bei dem wir im Laufen reden und Laufen reden.
0:01:35–0:01:39
Und wir laufen meistens in Berlin, diesmal in Nichtenberg.
0:01:39–0:01:44
Ich habe hier so ein bisschen eine classical, periphere Track rausgesucht.
0:01:44–0:01:50
Wir haben uns hier am Victoria Center getroffen und werden jetzt durch den Kasske-Kiez
0:01:50–0:01:56
laufen und dann hoch in Nichtenberg, so an Seitenstraßen, Richtung Dong-Chwang
0:01:56–0:01:57
Center. Mal gucken, wie weit wir kommen.
Micz Flor
0:01:58–0:02:00
Ich würde total gerne dahin, dass wir es schaffen.
Florian Clauß
0:02:00–0:02:04
Vielleicht können wir noch einen Faux am Dong-Chwang Center essen.
Micz Flor
0:02:04–0:02:09
Und dann singe ich vor ein Tag, vor wunderschön. Und was ich schön finde,
0:02:09–0:02:12
was jetzt gerade in den ersten Strassen schon war, es gibt immer noch solche
0:02:12–0:02:17
Züge, wo in Berlin relativ viel zur relativ gleichen Zeit gebaut wurde.
0:02:17–0:02:22
Und das relativ mit Copy-Paste so in den Fassaden ist, wo man ja manchmal so,
0:02:23–0:02:27
ein First-Person-PC-Game irgendwie so im Kopf hat.
0:02:28–0:02:31
Also wenn man da gerade eben lang gelaufen ist, dann sieht es wirklich so aus.
0:02:31–0:02:35
Also die Bäume sind halt irgendwie computergeneriert, die Fassaden sind computergeneriert.
Florian Clauß
0:02:36–0:02:40
Aber das ist auch so ein bisschen aus den 90er Jahren noch, diese Pixel-Ästhetik.
Micz Flor
0:02:40–0:02:41
Ja, genau.
Florian Clauß
0:02:41–0:02:44
Das hättest du in Prag, hättest du da nicht die Auflösung gehabt,
0:02:44–0:02:46
weil da sind die Fassaden noch viel diverser.
Micz Flor
0:02:46–0:02:49
Ja, hier ist es schon wieder ein bisschen nicht verbombt.
Florian Clauß
0:02:49–0:02:53
Es ist hier so ein bisschen wie ein Potsdam, weil die Traufe ein Stock niedriger
0:02:53–0:02:55
ist teilweise. Hier ist es schon wieder höher.
0:02:56–0:03:00
Aber hier der Viktoria-Kiez ist dann generell, dass es alles ein bisschen niedriger ist.
0:03:01–0:03:05
Vielleicht gehen wir auch noch auf den Friedhof, aber da habe ich jetzt nichts vorbereitet.
Micz Flor
0:03:05–0:03:08
Ich habe auch nichts zum Anziehen dabei.
Florian Clauß
0:03:09–0:03:15
Mitch, das letzte Mal bin ich mit meiner Bewusstseinsfolge. Da habe ich geschaut,
0:03:15–0:03:20
wie sich im Buddhismus der Begriff Bewusstsein ausprägt.
0:03:21–0:03:26
Und bin von deiner Aussage ausgegangen, alles ist Gefühl.
Micz Flor
0:03:26–0:03:27
Emotion.
Florian Clauß
0:03:28–0:03:35
Genau, und das war ja auch so der Cliff-Hanger-Downer von Marc Solms,
0:03:37–0:03:41
der auch das alles ist Gefühl. Und da möchte ich so ein bisschen auf diese Furche weitergehen.
0:03:41–0:03:46
Und ich hatte es auch schon angedeutet, dass ich das Buch heute vorstellen werde
0:03:46–0:03:55
von Niklas Humphrey, der das Buch Sentience, The Invention of Consciousness.
0:03:57–0:04:03
Die Erfindung des Bewusstseins geschrieben hat, 2022 ist das rausgekommen.
0:04:04–0:04:15
Niklas Humphrey ist ein Neurophysiologe, Psychologe, hat auch Philosophie dann letztendlich gelehrt.
0:04:16–0:04:22
Seine Karriere, seine Laufbahn geht durch Oxford, Cambridge und verschiedene
0:04:22–0:04:24
andere Institute in Amerika.
0:04:24–0:04:31
Und er ist 1943 geboren, er ist in England geboren, aber lehrt auch in Amerika,
0:04:31–0:04:39
und blickt in seinem Buch Sentience auf mehr oder weniger auf seine 50 Jahre
0:04:40–0:04:43
lange Forschungsarbeit, Denkarbeiten und so weiter zurück,
0:04:44–0:04:50
und fasst dann auch so anekdotisch zusammen und geht aber der Frage nach,
0:04:52–0:04:59
was eben die Erfindung des Bewusstseins ist. Und da folgt er einen stark evolutionären Ansatz.
Micz Flor
0:04:59–0:05:03
Weil es ist ja interessant, wenn er sagt, die Erfindung, dann klingt es ein
0:05:03–0:05:08
bisschen eben, als ob es so den Grand Architect gibt, der es erfunden hat und dann da eingeimpft.
0:05:08–0:05:12
Ja, aber da... Weil wenn er es dann evolutionär argumentiert,
0:05:12–0:05:16
dann ist es ja eher so was Emergentes aus der Evolution.
Florian Clauß
0:05:17–0:05:21
Genau, da kommen wir nochmal drauf. Es gibt nämlich zwei verschiedene Formen
0:05:21–0:05:25
von Consciousness, die er da in seiner Theorie entwickelt.
0:05:26–0:05:33
Und das eine geht aus dem anderen schlagartig hervor und ist absolut evolutionsbiologisch der Kracher.
0:05:33–0:05:36
Vergleiche das dann so ein bisschen wie mit dem Urknall. Das musste so kommen.
0:05:37–0:05:41
Kommen wir nochmal drauf. Das Buch fängt an. Also ich muss sagen,
0:05:41–0:05:43
ich habe es als Hörbuch gehört, Englisch.
0:05:44–0:05:47
Und manchmal sind da so die Begriffe, und habe es mir dann halt aber auch nochmal
0:05:47–0:05:51
so mit KI-Hilfe auf Deutsch zusammenfassen lassen.
0:05:52–0:05:55
Und manchmal sind so diese Begriffe sehr englisch, ja.
0:05:55–0:05:59
Also du merkst, es ist halt eins zu eins, so der englische Begriff ins Deutsch
0:05:59–0:06:03
übersetzt, dann gibt es halt noch nicht so. Da weiß ich aber nochmal bei den Begriffen drauf.
Micz Flor
0:06:03–0:06:04
Aber du kannst aber bei den englischen Begriffen bleiben.
Florian Clauß
0:06:04–0:06:08
Da muss man dann schon so ein bisschen Übersetzungsarbeit leisten,
0:06:08–0:06:12
beziehungsweise diese Bilder, die es beschreibt, dann auch mit aufnehmen.
0:06:12–0:06:19
Marc Solms erwähnt er in seiner Theorie als Antipode oder wie man sagt.
0:06:19–0:06:23
Ich finde gar nicht, dass die so weit auseinander liegen an bestimmten Punkten.
0:06:23–0:06:27
Also das mit Alles ist Gefühl, das wird wieder aufgegriffen.
0:06:27–0:06:32
Er erzählt sehr eloquent, also er hat auch wirklich einen schönen Vortrag.
0:06:32–0:06:34
Ich habe dir auch mal, glaube ich, so ein YouTube-Video geschickt.
Micz Flor
0:06:34–0:06:38
Das habe ich gesehen, ja. Er ist wirklich so charmant englisch auch.
Florian Clauß
0:06:38–0:06:39
Ja, total.
Micz Flor
0:06:39–0:06:43
Diese interessante Mischung zwischen dominant und selbstverliebt,
0:06:43–0:06:47
aber gleichzeitig so ein bisschen submissiv und so gefühlte Weise so,
0:06:47–0:06:52
ja, ich weiß ja auch nicht genau, was ich sage, aber das können die Engländer sehr gut.
Florian Clauß
0:06:52–0:06:57
Das Buch fängt an, wie er sich selber Humphrey beschreibt, in einem Whirlpool
0:06:57–0:07:05
zu liegen, da in der Mujava-Wüste, guckt in den Sternenhimmel und wie man sich das so vorstellt.
0:07:05–0:07:07
Ja, da kann ich mich total mit relaten.
0:07:08–0:07:13
Gibt es da Leben im All und wenn ja, kann dieses Leben auch fühlen?
0:07:14–0:07:20
Das ist so die Frage, die er sich da stellt als Auftakt und übertragen auf die
0:07:20–0:07:22
irdische Welt. Fühlt ein Hund Schmerz.
0:07:24–0:07:30
Ich will nochmal kurz bei Humphrey seinen Werdegang präsentieren oder wie er
0:07:30–0:07:34
dann seine akademische Karriere aufgebaut hat, obwohl man sagen muss,
0:07:34–0:07:37
er ist immer so auch so jemand, der dann,
0:07:38–0:07:41
mit seinen Thesen auch sich revidiert hat.
0:07:42–0:07:47
Er hat bestimmte Sachen auch total umgeworfen und gesagt, da lag er falsch.
0:07:47–0:07:52
Also er ist nicht so ein typischer Karrierist in dem akademischen Umfeld, wo du halt,
0:07:53–0:07:57
an deinen Sachen so lange festhältst, bis du in Rente gehst,
0:07:57–0:08:00
sondern er hat ganz bewusst bestimmte Sachen in Frage gestellt und hat auch
0:08:00–0:08:02
totale Kehrtwendungen gemacht.
0:08:03–0:08:08
Also im Prinzip verschiedene wissenschaftliche Karrieren dann halt auch aufgebaut.
0:08:10–0:08:15
Und wo du ihnen auf jeden Fall schon mal so begegnet bist, ist bei der Blind Side.
Micz Flor
0:08:16–0:08:16
Ja.
Florian Clauß
0:08:17–0:08:21
Er ist derjenige, der den Affen Hellen das Sehen beigebracht hat,
0:08:21–0:08:25
wie er dann halt später zu Vice Friends, das war sein Doktorvater dann,
0:08:25–0:08:28
oder den er dann begleitet hat, gesagt hat.
0:08:28–0:08:32
Und der dann erst mal, nee, das kann doch gar nicht sein. Und das erzähle ich
0:08:32–0:08:33
aber auch etwas ausführlicher.
0:08:34–0:08:40
Humphrey hat 1961 in Cambridge quasi angefangen zu studieren,
0:08:41–0:08:47
und hat zuerst Neurowissenschaften studiert, dann Verhaltensforschung viel studiert
0:08:47–0:08:50
und dann schließlich Bewusstseinsphilosophie, was ich auch gerade gesagt habe.
0:08:53–0:08:58
Erster Doktorvater war auch Gilles Brintley.
0:08:59–0:09:03
Da gibt es auch so eine Anekdote beschrieben in dem Buch, wo er ihn dann das
0:09:03–0:09:07
erste Mal trifft. Und dann sieht er ihn in so einem Salzwasserbad.
Micz Flor
0:09:08–0:09:11
In der Wüste, nicht in die Sterne gucken.
Florian Clauß
0:09:11–0:09:15
Nein, dass er hier in seinem Labor in so einem Bad mit Salzwasser,
0:09:16–0:09:20
wie er mit irgendwelchen Phosphonen seine Netzhaut beträufelt.
0:09:20–0:09:26
Ja, um dann eben quasi da wirklich so nachzuweisen, dass eben elektrische Impulse
0:09:26–0:09:29
auch Lichtreflexe auslösen können.
0:09:29–0:09:32
Also ein bisschen wie die Anfangsjahre des Stroms.
0:09:33–0:09:38
Aber für ihn galt halt alles, alles sind Fakten. Ja, man muss es halt erfahren.
0:09:38–0:09:42
Ja, dann ist es da. Also es gab jetzt nicht so einen Theorieansatz,
0:09:42–0:09:47
sondern es gibt dieses totale Erfahren, was ihn da so bewegt hat.
0:09:48–0:09:53
Das auch nur als Randgeschichte dazu, um zu verstehen, was Humphrey für ein Charakter war.
0:09:54–0:10:00
Er war ja jetzt auch, also da kommen wir so ein bisschen in die Chaos-Magie-Folge rein,
0:10:01–0:10:04
er war dann halt auch zum Beispiel so, dass er nicht abgeneigt war oder er wollte
0:10:04–0:10:10
halt wissen, warum glauben denn Leute an sowas wie Geistergeschichten und so weiter.
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Und dann hat er sich mit jemandem getroffen, der sich dann auch so als starkes
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Medium bezeichnet hat und sind dann zusammen in irgendeinem Wohnwagen auf so
0:10:19–0:10:24
einer gemeinsamen Geisterjagd auf Elba gegangen. Und es hat nichts passiert.
0:10:25–0:10:28
Aber es war auch so, okay, ich will mal gucken, was passiert denn hier einfach.
0:10:28–0:10:32
Das fand ich auch so ganz charmant, dass er sich da auch einfach so diesen,
0:10:33–0:10:37
jetzt wissenschaftlich nicht zugänglichen Feldern, aber die dann auch einfach
0:10:37–0:10:40
mal so, ja, was passiert denn hier, sich das anschaut.
Micz Flor
0:10:40–0:10:43
Ja, es ist ja auch so ein ganz interessanter Punkt, das hatten wir in der Folge,
0:10:44–0:10:45
möchte ich jetzt kurz nochmal anführen,
0:10:46–0:10:51
Weil es ja so ist, dass wir mit Gedanken die Materie der Welt beeinflussen können.
0:10:52–0:10:55
Also es ist ja so diese Idee in den Horrorfilmen, wenn jemand dann das Flugzeug
0:10:55–0:10:59
anschaut und er stürzt ab, weil es nicht mehr lenkbar ist oder so.
0:10:59–0:11:03
Aber im Kleinen ist es ja wirklich so, wenn du mit diesen sichtgebenden Verfahren,
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Prozesse, Leute müssen bestimmte Emotionen hervorrufen oder bestimmte Gedanken.
0:11:08–0:11:11
Und dann siehst du, wo Glucose im Hirn verbrannt wird. Und diese Geist- und,
0:11:12–0:11:15
Körperverknüpfung, die finde ich da schon auch spannend.
0:11:16–0:11:21
Weil es ist wahr, wir können mit unseren Gedanken Materie verändern.
Florian Clauß
0:11:21–0:11:30
Ja, obwohl da quasi eine seiner Leitideen ist, dass das Bewusstsein uns systematisch täuschen könnte.
0:11:31–0:11:36
Und uns eine überrohte Vorstellung unserer metaphysischen Bedeutung geben.
0:11:36–0:11:39
Das war halt auch so eher, was er da rausgetragen hat.
0:11:39–0:11:45
Also warum laden wir das so aus, was passiert da? Also ein bisschen in die andere Richtung.
0:11:46–0:11:49
Und er selber hat sich dann auch immer so als so ein Outcast,
0:11:50–0:11:56
er ist dann immer so beschrieben als ich bin derjenige, der seine eigene Furche gräbt.
0:11:56–0:12:02
Also er ist da schon so sehr bei sich in der Forschung und ist auch in der Wissenschaft.
0:12:02–0:12:08
Er hat schon so ganz zentrale Sachen, hat er schon erforscht und erreicht,
0:12:08–0:12:10
akzeptiert in der allgemeinen Forschung.
0:12:11–0:12:18
Aber so wie er Schritte weitergegangen ist, war das dann auch schon sehr speziell,
0:12:18–0:12:22
und nicht überall anerkannt. Also das kommen wir auch noch nachher drauf zu sprechen.
0:12:23–0:12:27
Ich bin gespannt. Also eine Kernthese in Kürze.
0:12:28–0:12:33
Und jetzt kommt das Bewusstsein ist eine biologische Erfindung der Evolution,
0:12:34–0:12:36
entstanden durch natürliche Selektion.
0:12:37–0:12:39
Also total darwinistisch in dem Sinne.
0:12:40–0:12:46
Hat dann auch Abgrenzung zu zwei Seiten, nämlich dass auf der einen Seite gibt
0:12:46–0:12:51
es diese Strömung, dass alles irgendwo bewusst ist, Leben, Leben.
0:12:52–0:12:55
Also sobald Leben irgendwo entsteht, gibt es auch eine Form von Bewusstsein.
0:12:56–0:13:01
Davon grenzt er sich ab und auf der anderen Seite, also dass es quasi keine,
0:13:02–0:13:03
Grundeigenschaft der Matthäe ist.
0:13:04–0:13:08
Und das ist auch keine geistige Substanz, die es irgendwo, also quasi der Schöpfer
0:13:08–0:13:11
oder so, irgendwo gibt. Und das man dann halt Bewusstsein empfängt.
0:13:12–0:13:14
Da geht er auch nicht drauf ein.
Micz Flor
0:13:15–0:13:21
Das ist in der Tat etwas, was nicht zu stoppen war, was evolutionär entstanden
0:13:21–0:13:24
ist und rückblickend, weil nachher sind wir ja immer schlauer,
0:13:25–0:13:29
und rückblickend sagt er in gewisser Weise, gefühlter Weise,
0:13:29–0:13:30
dass es so darauf hinaus lief,
0:13:31–0:13:35
dass es in seinem Argument wahrscheinlich so ist, dass es nachvollziehbar ist,
0:13:35–0:13:36
warum es so gekommen ist.
Florian Clauß
0:13:36–0:13:39
Genau, also es ist tatsächlich so, dass wenn er diese Bewusstseins,
0:13:39–0:13:45
da gehe ich, also jetzt nur so kurz, wie ich das jetzt meine Geschichte aufgebaut habe,
0:13:46–0:13:51
meine Erzählung ist, dass ich erst so ein bisschen anekdotisch über seine ganzen
0:13:51–0:13:55
Tierexperimente und Verhaltensforschung gehe und dann eigentlich seine Theorie
0:13:55–0:13:58
erkläre und was daraus abgeleitet werden kann.
Micz Flor
0:13:59–0:14:03
Und du hast gerade eine Definition von Bewusstsein gegeben, die ja nicht sagt,
0:14:03–0:14:07
was Bewusstsein inhaltlich ist, sondern wie es entstanden ist.
Florian Clauß
0:14:08–0:14:12
Ja, genau, das ist die eine Sache. Aber gleichzeitig geht er in seiner Theorie,
0:14:13–0:14:14
fast ingenieurshaft vor.
0:14:14–0:14:19
Das heißt, er beschreibt, wie ein Bewusstsein entstehen könnte,
0:14:19–0:14:25
wie so auf einem Reißbrett, aufgrund seiner Beobachtung und Erfahrung über die Evolution.
0:14:25–0:14:27
Das heißt, er leitet sie jetzt nicht direkt auf Beobachtung,
0:14:27–0:14:31
sondern er macht ganz knallharte Thesen, die auch teilweise nicht ganz belegt sind.
Micz Flor
0:14:33–0:14:36
Ja, ich bin gespannt. Aber es bleibt dann trotzdem so, weil er sagt dann,
0:14:36–0:14:39
und jetzt ist es Bewusstsein, aber es fehlt ja immer noch eine Definition, die sie abgrenzt.
Florian Clauß
0:14:39–0:14:45
Genau, kommen wir gleich zu. Ich will Ihnen noch was zeigen. So, was siehst du hier?
Micz Flor
0:14:45–0:14:47
Das Bild, das ist jetzt on air.
Florian Clauß
0:14:47–0:14:52
Jetzt machst du das trocken. Das ist doch mein Handy. Das ist jetzt ein Gemälde
0:14:53–0:14:59
von Brügel dem Älteren von, ich glaube, 1600 Blar irgendwas.
Micz Flor
0:15:01–0:15:02
Was sehe ich da drauf?
Florian Clauß
0:15:04–0:15:08
Es ist ein biblisches Motiv. Es geht dann quasi um die Landung. Genau, Arche Noah.
Micz Flor
0:15:08–0:15:12
Also du siehst ganz viele Tiere, hauptsächlich Tiere, die man aus dem Zoo sieht.
0:15:14–0:15:17
Leoparden, Truthähne, Pferde.
0:15:18–0:15:21
Und bei manchen sind es zwei. Da hinten bei den Schafen scheinen es mehrere
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zu sein. Und es gibt auch ein paar Menschen.
Florian Clauß
0:15:25–0:15:30
Es geht eher so um diese Tierarten, die abgebildet sind. Und das hast du ja
0:15:30–0:15:33
schon beschrieben. Es sind vornehmlich Tiere aus dem Zoo.
0:15:35–0:15:39
Oder von der Arche Noah. Wir sehen überwiegend Vögel und Zäugetiere. Genau.
0:15:40–0:15:44
Und da komme ich jetzt wieder auf die Definition von seinem Bewusstseinsbegriff.
Micz Flor
0:15:44–0:15:44
Ja.
Florian Clauß
0:15:45–0:15:50
Ja, und das bedeutet nämlich, dass echtes, gefühltes, und jetzt kommt der Begriff,
0:15:50–0:15:55
phänomenales Bewusstsein, existiert nur bei Säugetieren und Vögeln.
0:15:56–0:15:59
In einem Vortrag belegt er das auch, indem er das Bild zeigt und sagt.
Micz Flor
0:15:59–0:16:02
Hier haben wir... Weil der das so gemalt hat, wissen wir.
Florian Clauß
0:16:03–0:16:05
Nein, es geht um...
Micz Flor
0:16:05–0:16:06
Ein altes Wissen.
Florian Clauß
0:16:06–0:16:08
Empfindungsfähigkeit.
Micz Flor
0:16:08–0:16:08
Ja.
Florian Clauß
0:16:09–0:16:10
Fähigkeit ist dabei.
Micz Flor
0:16:10–0:16:11
Aber was ist jetzt Empfindung?
Florian Clauß
0:16:11–0:16:15
Ausschluss sind halt sowas wie Fische, Reptilien und vor allen Dingen Oktopusse.
0:16:16–0:16:21
Und Insekten. Insekten sowieso. Die sind zwar schlau, die können Intelligenz
0:16:21–0:16:25
entwickeln, aber die haben nicht dieses phänomenale Bewusstsein.
Micz Flor
0:16:25–0:16:27
Also alles, was ein ordentliches Gesicht hat.
Florian Clauß
0:16:28–0:16:34
Genau. Empfindung entsteht aus einer reinen körperlichen Reaktion.
0:16:34–0:16:39
Und für erschöpfte Begriffe aus Sensation und Action nimmt er den Sanitation,
0:16:40–0:16:43
den Begriff. Also er zieht ihn zusammen. Senitation.
0:16:44–0:16:49
Das ist ein Kofferwort aus Sensation und Action. Und das bedeutet,
0:16:49–0:16:52
dass halt irgendwo ein Reiz da ist und eine Aktion folgt.
0:16:53–0:16:59
Und diese Rückkopplungsschleife im Gehirn, dann schafft er auch ein Wort.
0:16:59–0:17:02
Das Syndrom ist auch Ipse selbst.
0:17:03–0:17:08
Und das andere Wort ist im Prinzip dieses Dreieck, was dann nur aus einem bestimmten,
0:17:08–0:17:13
das unmögliche Dreieck, die Penrose-Körper, die dann nur aus einem bestimmten
0:17:13–0:17:17
Winkel sieht so aus, als ob das immer so einen rechten Winkel nach außen bildet.
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Dieses Bild aktiviert er hier.
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Und ich verwirrte jetzt gerade ziemlich viel mit diesen Aussagen,
0:17:25–0:17:26
aber wir lösen das alles noch auf.
0:17:27–0:17:31
Und das Ganze dient im Prinzip den Aufbau eines wertvollen Selbst.
0:17:32–0:17:38
Er verknüpft dieses Empfindungsfähigkeit und Selbst. Das sind so diese entscheidenden
0:17:38–0:17:41
Bausteine für das phänomenale Bewusstsein.
Micz Flor
0:17:42–0:17:42
Okay.
0:17:45–0:17:49
Empfindungsfähigkeit und Selbst, also ein Begriff von Selbst,
0:17:49–0:17:54
also Selfhood, sind notwendig und auch hinreichend oder nur notwendig?
Florian Clauß
0:17:55–0:17:58
Das Selbst entsteht aus einer Empfindungsfähigkeit.
Micz Flor
0:17:59–0:18:03
Okay, das Selbst entsteht aus der Empfindungsfähigkeit. Also,
0:18:03–0:18:05
okay, lass uns das mal hier stehen.
Florian Clauß
0:18:05–0:18:07
Lass uns das mal einfach mal so stehen. Jetzt gehen wir so ein bisschen in diesen
0:18:07–0:18:13
praktischen Tierteil, der allen Spaß macht an den Radiogeräten.
0:18:13–0:18:19
Das hängt an mit der Frage des Sehens. Das Sehen wird ja immer so als diese
0:18:19–0:18:23
Sinneswahrnehmung, die am höchsten entwickelt ist und am weitesten.
0:18:24–0:18:29
Aber Sehen ist ja, weil Sehen Dinge wahrnehmen kann, die jetzt weit,
0:18:29–0:18:31
weit weg vom Körper sind.
0:18:31–0:18:34
Wie hat sich denn Sehen entwickelt? Und das weißt du ja auch.
0:18:34–0:18:38
Sehen hat sich ja eigentlich ziemlich trivial. Da gibt es irgendwann eine Ausbuchtung.
0:18:38–0:18:42
Dann waren so Pärchenzellen, die dann halt irgendwann auch diese quasi,
0:18:43–0:18:48
oder andersrum, alle Sinneszellen, die wir haben, stammen aus einem Zelltyp, diesen Härchenzellen.
0:18:48–0:18:55
Das sind diese, die dann härchen quasi als Wahrnehmungsantennen in die Umwelt
0:18:55–0:18:58
und die haben mich dann halt transformiert. Also die Härchenzellen haben wir
0:18:58–0:18:59
ja teilweise noch in der Akustik.
Micz Flor
0:18:59–0:19:03
Die Härchen sind die, die auch die Einzeller haben da draußen.
Florian Clauß
0:19:03–0:19:06
Genau, genau, genau. Das heißt, es ist wirklich so ein ganz uralter Zelltyp,
0:19:06–0:19:08
der sich dann halt so differenziert hat.
0:19:08–0:19:11
Aber auf diese geht zum Beispiel auch die Entwicklung des Auges.
0:19:11–0:19:14
Und dann stand irgendwann eine Einbuchtung und dann waren diese Härchenzellen,
0:19:14–0:19:16
sind dann irgendwann lichtempfindlich geworden.
0:19:16–0:19:19
Und dann kam halt irgendwie so eine Hornhaut, um das Ganze zu schützen.
0:19:19–0:19:24
Und so, also teilweise hat man ja noch so eine primitive Augenform bei irgend
0:19:24–0:19:26
so einem Oktopus oder bei einem Kopffüßler.
0:19:26–0:19:28
Aber dann wurde es irgendwann sehr spezialisiert.
0:19:29–0:19:36
Eigentlich sind diese ganzen Sinneszellen, ist halt so ein originärer Zelltyp, der dahinter steht.
0:19:37–0:19:40
Und dann kommen wir zu einem anderen wichtigen Punkt.
0:19:41–0:19:46
Begriff, den er immer wieder nimmt, der aber so ein bisschen gewöhnungsbedürftig
0:19:46–0:19:48
ist. Und zwar geht es um den Wusch-Effekt.
0:19:48–0:19:53
Nicht der Wow-Effekt, sondern den Wusch-Effekt. Und den Wusch-Effekt hat Humphrey
0:19:54–0:20:00
beobachtet oder definiert, als er dann nachts zusammen im Labor mit den Affen
0:20:00–0:20:03
war, die anästhesiert in den Ecke rumhingen.
0:20:03–0:20:07
Da ist auch nochmal so das Ding, dass er auch, was ich anfangs gesagt habe,
0:20:07–0:20:10
dass er sich dann auch immer so ein bisschen anders entwickelt hat.
0:20:10–0:20:15
Ja, er ist jetzt sehr kritisch gegenüber die Experimenten, weil diese ganzen
0:20:15–0:20:17
Affen, mit denen dann halt diese Experimenten, die wurden dann halt irgendwie,
0:20:18–0:20:24
dem wurde der Cortex weggenommen, wegoperiert und die wurden dann auch getötet nach den Experimenten.
0:20:24–0:20:26
Also da ist er sehr sensibel geworden.
0:20:27–0:20:32
Der Wusch-Effekt ist, dass die haben Prinzipien, also es ging dann in der Forschungsarbeit
0:20:32–0:20:39
und das hängt auch zusammen mit dem Blindside und dem Superior Colliculus.
0:20:39–0:20:44
Also das ist im Prinzip der alte Sehnerv, der auch so ganz noch im Stammhörn
0:20:44–0:20:47
bei Reptilien und so weiter, ich weiß nicht, sagt dir das was?
Micz Flor
0:20:47–0:20:50
Ja, ja, also wir kommen ja zur Blindzeit jetzt.
Florian Clauß
0:20:51–0:20:58
Und die wurden dann untersucht und über einen Lautsprecher wurde dann quasi
0:20:58–0:21:02
die Zellaktivität hörbar gemacht, ja.
0:21:03–0:21:07
Und in einer Zufallsentdeckung wurde dann festgestellt, dass bei bestimmten,
0:21:08–0:21:12
Aktivitäten der Zelle, dass dann noch so quasi andere Zellen,
0:21:14–0:21:20
einen Verstärker, also das Signal, darauf reagiert haben. Und dann mit einer
0:21:20–0:21:23
weiteren Reizung nochmal heftiger darauf reagiert haben. Also das heißt...
Micz Flor
0:21:23–0:21:29
Ein bestimmtes Signal, was schon zu einer Erregung geführt hat, wurde quasi verstärkt.
Florian Clauß
0:21:29–0:21:35
Und es war dann nicht mehr quasi nur an dieser visuellen Sache gebunden,
0:21:35–0:21:37
sondern es war dann auch im Gehör.
0:21:37–0:21:41
Also das heißt, er konnte dieses Signal, wenn dieses visuell ausgelöste Signal
0:21:42–0:21:46
quasi hörbar über die Lautsprecher war, konnte er durch Klatschen das verstärken.
0:21:46–0:21:49
Und er hat dann festgestellt, es gibt diesen Wusch-Effekt.
0:21:49–0:21:54
Und dann kommt wieder die Entstehung der Sinneszellen. Es ist nicht bewiesen,
0:21:54–0:21:56
sondern es ist halt einfach so eine Theoriebausteine bei ihm,
0:21:57–0:22:02
dass diese Sinneszellen dann, dass es ein Zelltyp ist, dass die dann halt das so verstärkt haben.
0:22:02–0:22:06
Also es gibt quasi so Verstärkerzellen, die diesen Wusch-Effekt auslösen.
Micz Flor
0:22:06–0:22:10
Der Wusch-Effekt ist quasi, der Affe sieht was. Es wird hörbar gemacht, was der sieht.
0:22:11–0:22:14
Das heißt, der Affe hört das auch und sieht gleichzeitig.
0:22:15–0:22:17
Und wenn er dann klatscht, hört dann der Affe das Klatschen?
Florian Clauß
0:22:17–0:22:22
Also das ist nicht mehr Bewusstsein, ist der Affe. dann gibt es einen eindeutigen
0:22:22–0:22:25
Rückkopplungseffekt in dieser Reaktion.
0:22:25–0:22:29
Jetzt kommen wir zu Blindside, jetzt kommen wir zu unserem Lieblingsaffen Helen.
0:22:30–0:22:36
Der Wildcrunch hat dann quasi den Cortex rausgenommen und ist zu irgendeiner Konferenz gefahren.
0:22:36–0:22:42
Und in der Zwischenzeit hat Humphrey mit Helen die ganze Zeit irgendwie so gespielt
0:22:42–0:22:44
und hat dann festgestellt, das Helen,
0:22:45–0:22:48
hatten wir ja schon ausführlich beschrieben, dass die dann irgendwann auch eine
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Wahrnehmung entwickelt hat von Sachen, die sie eigentlich gar nicht sehen kann,
0:22:52–0:22:59
weil dieses ganze Organ der visuellen Verarbeitung, der Cortex, gefehlt hat.
0:22:59–0:23:01
Das hat er auch dann so beobachtet, dass,
0:23:02–0:23:06
Im Prinzip, je entspannter das Tier war, desto besser hat es agiert.
0:23:06–0:23:09
Wenn es dann halt irgendwie andere Verhaltensforscher ankamen,
0:23:09–0:23:12
die sie nicht kannte, dann war sie wieder quasi blind.
0:23:13–0:23:16
In diesem einen Video, was ich hier auch geschickt habe, was wir gesehen haben,
0:23:17–0:23:20
gibt es auch von Humphrey, wo er dann so einen Vortrag hält,
0:23:20–0:23:23
gibt es dann auch Original-Szenen von Helen.
0:23:24–0:23:27
Das ist ganz interessant, wie sie sich so bewegt. Also man hat schon das Gefühl,
0:23:27–0:23:31
sie kann irgendwie sehen, aber so richtig teilnahmsfreudig ist sie nicht dabei.
Micz Flor
0:23:31–0:23:34
Ja, es ist so eben in so einem kleinen Rondell, was weiß ist und dann liegen
0:23:34–0:23:39
zum Beispiel einfach schwarze Sachen auf dem Boden und man sieht, dass sie drum herum geht,
0:23:39–0:23:43
und man sieht auch, dass sie die Sachen anguckt, aber man sieht auch irgendwie,
0:23:43–0:23:46
dass sie sich gar nicht so mit auseinandersetzen möchte, sondern so.
0:23:46–0:23:51
Und dann stehen Dinge, sie stößt nichts an, sie stößt nichts um,
0:23:51–0:23:54
sie sieht dann auch, wenn der Käfig reingestellt wird, dann krabbelt sie da
0:23:54–0:23:55
wieder rein und wird rausgenommen.
0:23:55–0:24:00
Sie sieht auch die Hand mit Leckerli, die reinkommt, wo sie dann die Leckerli rausnimmt. Und...
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Ich würde gerne eine kurze Erfahrung von mir dazu erzählen, weil ich habe nämlich
0:24:06–0:24:10
genau dieses Video gerade in einem Seminar gezeigt und da ging es eben dann auch,
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Anknüpfung an unsere kleine Serie, das ist jetzt ja unsere Serie,
0:24:14–0:24:18
du steckst ja quasi mit ein in den Jacuzzi, wir gucken gemeinsam in die Sterne.
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Da ging es dann eben auch um dieses, what does it feel like to be a brain?
0:24:23–0:24:27
Also das Gefühl, die Emotion, dass es das Einzige ist, das Gehirn,
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was ein Gefühl dafür hat, zu sein.
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Und nichts im Universum, von dem wir sonst wissen, hat dieses Gefühl.
0:24:34–0:24:38
Und das ist ja so ein Satz von Marc Solms, ganz zentral. Und den habe ich halt
0:24:38–0:24:40
so am Anfang hingestellt und da ist aber nicht viel passiert.
0:24:40–0:24:44
Und dann war das Interessante, dass wir dann ein bisschen weitergegangen sind
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und dann habe ich dieses Video gezeigt und habe erst mal nicht gesagt.
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Was es damit auf sich hat, habe danach erzählt, dass diesem Affen der visuelle Cortex entfernt wurde.
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Also Cortex, ganz wichtig, eben nicht Stammhirn, sondern nur diese 40 Prozent,
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im Neokortex, die für die optische Verarbeitung zuständig ist.
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Und dass er trotzdem eben auf
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einer Blind Side, er hat kein Gefühl zum Sehen, aber er sieht trotzdem.
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Und man weiß inzwischen, dass man kein Gefühl vom Sehen hat,
0:25:13–0:25:16
weil Leute, das kann man inzwischen auch bei, also sowieso bei Menschen,
0:25:16–0:25:21
die einen ähnlichen Unfall hatten, wie das da chirurgisch rausgeschnitten wurde.
0:25:21–0:25:24
Oder man kann es auch temporär auslösen, glaube ich inzwischen,
0:25:24–0:25:30
dass die Leute dann in Experimenten nichts zu sehen glauben und trotzdem sehr
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viel öfter die richtige Farbe auf der Karte erraten, als es so ist.
0:25:34–0:25:36
Und jetzt kommt der interessante Punkt daran,
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Dann kam halt so bei dem so, hä? Dann kamen halt so Fragen im Seminar und dann,
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hatte jemand dann noch das Handy rausgeholt und dann hier noch was vorgelesen
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und da. Und dann wurde so drüber diskutiert, wie sich das wohl anfühlt,
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nichts zu sehen und trotzdem zu sehen.
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Und dann auch der kurze Bericht irgendwo im Netz gefunden von jemand,
0:25:56–0:26:01
der auch im Krankenhaus, der nichts sieht und trotzdem allen Sachen aus dem
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Weg geht, die so auf den Boden gelegt werden und nichts umstößt davon.
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Und wenn die jener fragen, wie haben sie das gemacht, sagt sie,
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wie, ich bin einfach durch den Korridor gegangen.
0:26:10–0:26:15
Und das Interessante war dieses subjektive Erleben, was am Anfang irgendwie
0:26:15–0:26:20
so nicht wirklich was ausgelöst hatte, aber in dem Moment, wo wir das dann reflektiert
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haben oder die von sich aus angefangen haben, das war bestimmt zehn Minuten,
0:26:23–0:26:24
vielleicht eine Viertelstunde,
0:26:25–0:26:30
da war auf einmal dieses subjektive Erleben, in der Welt zu sein und wie sich
0:26:30–0:26:33
das wohl anfühlt, diese Spekulation, das war auf einmal so ein ganz zentrales
0:26:33–0:26:34
Thema. Das fand ich ganz faszinierend.
Florian Clauß
0:26:34–0:26:43
Ja, super. Das ist genau der Kernpunkt von Humphrey, weil es geht hier um Wahrnehmung ohne Empfindung.
0:26:44–0:26:47
Es gibt kein phänomenales Bewusstsein in dem Moment.
0:26:47–0:26:51
Weißt du, warum diese Reaktion noch des Sehens passieren kann?
0:26:51–0:26:56
Denn der entscheidende Punkt ist, dass dann Helen, das Kapitel heißt so sinngemäß,
0:26:57–0:26:59
Seeing with a Frog's Brain.
0:27:00–0:27:05
Das Ding ist nämlich, dass wenn dieser Cortex fehlt, fängt dann irgendwann an,
0:27:05–0:27:09
diese ganz alte Leiterbahn aktiviert zu werden. Und das heißt,
0:27:09–0:27:13
dieser Affe sieht dann quasi wie ein Frosch.
0:27:14–0:27:18
Und das ist jetzt genau diese Abgrenzung, die dann halt auch Humphrey an dem
0:27:18–0:27:24
Punkt macht mit dieser Beobachtung, dass eben da der Frosch ohne Empfindung ist,
0:27:25–0:27:29
dass sich das unterscheidet von einem Säugetier. Aber da kommen wir nochmal weiter.
Micz Flor
0:27:29–0:27:33
Was da vielleicht noch eine kurze Fußnote, weil zumindest in dem Video stand,
0:27:33–0:27:38
dass dieser Filmaufnahmen wurden sechs Jahre nachdem der Cortex entfernt wurde,
0:27:38–0:27:39
aufgenommen, stand da drin.
0:27:39–0:27:43
Sechs Jahre ist eine lange Zeit für so ein Äffchen, aber Helen war dann wahrscheinlich
0:27:43–0:27:47
berühmt genug, dass sie nicht hingerichtet wurde und den Scheibchen zerschnitten.
0:27:47–0:27:50
Aber das Interessante finde ich, dass der Begriff der Neuroplastizität,
0:27:50–0:27:55
also auch die Art und Weise, wie die Hirnareale kompensatorisch auf Defizite
0:27:55–0:27:58
einwirken können, dass das damals noch nicht so ein Thema war.
0:27:58–0:28:01
Man dachte da sehr stark noch, das Hirn ist halt einmal da und wenn da was kaputt
0:28:01–0:28:02
geht, dann ist es kaputt.
0:28:03–0:28:06
Und das habe ich so ein bisschen gedacht, wie man weiß es jetzt nicht.
0:28:06–0:28:10
Ich weiß es nicht, ich habe keine Sachen dazu gelesen, aber wie das Gehirn nach sechs Jahren war.
0:28:11–0:28:16
Ob der Rest des Kortex visueller Signale wieder übernommen hat.
Florian Clauß
0:28:18–0:28:22
Ja, ob das irgendwie so weiterverarbeitet. Aber ich finde es interessant,
0:28:22–0:28:26
dass es halt quasi eine Leiterbahn gibt, die reaktiviert werden kann unter Bedingungen
0:28:26–0:28:29
und dann eigentlich auch nur unter günstigen Bedingungen, weil sobald Stress
0:28:29–0:28:32
ist, dann ist es wieder, dass wir diese nicht sehen können.
0:28:32–0:28:34
Also das sind alles sehr singuläre Dinge,
0:28:35–0:28:39
Beobachtungen, ja, also will ich auch noch mal so als Punkt anführen,
0:28:39–0:28:44
dass aufgrund dieser singulären Beobachtung eher so eine Universaltheorie entfaltet, ja.
0:28:44–0:28:47
Das ist halt so, da gibt es Helen und jetzt kommen wir zu einer anderen Geschichte,
0:28:47–0:28:51
es gibt eine iranische Frau, das spielt alles in den 70ern, so,
0:28:52–0:28:56
die wird mit HD bezeichnet, also diese beiden Buchstaben.
0:28:56–0:29:01
Tragische Lebensgeschichte, sie hat eine völlig verarmtes Kindheit gehabt,
0:29:01–0:29:06
Elternhaus, hat Pocken, Jungen bekommen mit drei Jahren.
0:29:06–0:29:10
Pocken führt, wenn man es nicht gut behandelt, dann eben auch zur Vernarbung
0:29:10–0:29:15
und bei ihr ist dann die ganze Hornhaut und quasi die Netzhaut vernarbt.
0:29:16–0:29:20
Das heißt, sie konnte dann mit drei Jahren nichts mehr sehen und.
0:29:21–0:29:25
Hat halt eine schlimme Kindheit gehabt und ist aber dann irgendwann in so ein
0:29:25–0:29:32
Hilfsprogramm gekommen und konnte dann studieren und hat dann auch Kontakte zu den USA geknüpft.
0:29:32–0:29:38
Dann hat sie die Möglichkeit bekommen, in so einem neuen Verfahren,
0:29:38–0:29:43
dass eben diese vernarbte Netzhaut ausgetauscht werden kann,
0:29:43–0:29:46
dass sie dann halt so richtig wieder sehen kann.
0:29:47–0:29:52
Und diese Operation wurde bei ihr gemacht und sie hatte diese Wunschvorstellung, endlich zu sehen.
0:29:52–0:29:58
Und als die Operation dann durch war, gab es die Erfahrung, dass sie überhaupt nicht sehen kann.
0:29:58–0:30:04
Ja, also, dass dieses, obwohl bei ihr eben nicht der Cortex irgendwie beeinflusst war,
0:30:05–0:30:08
hat sie nicht die Fähigkeit entwickelt, richtig zu sehen, obwohl,
0:30:08–0:30:13
also die Operation war erfolgreich, sie konnte dann auch wieder so hell-dunkel
0:30:13–0:30:17
und so weiter, so ähnlich wie von Leuten, denen eben der Cortex,
0:30:17–0:30:19
wie du das gerade beschrieben hast, im Gang ausweichen.
0:30:19–0:30:22
Sie konnte zu bestimmten Sachen aber auch nur im entspannten Zustand.
0:30:23–0:30:25
Und diese Erfahrung hat dazu geführt, dass die,
0:30:26–0:30:33
Genau umgekehrt, sich eben dieses richtige Sehen nur durch eine Interaktion.
0:30:35–0:30:40
Durch eine Reizung des visuellen Kortex, dann auch entsprechend das Sehen sich entwickeln kann.
0:30:41–0:30:44
Es ist nicht von sich aus so da, es kann verloren gehen und es hat sich auch
0:30:44–0:30:46
nie wieder hergestellt bei ihr.
0:30:46–0:30:51
Und dann hat sie sich in der Identität als Blinde dann halt so viel wohler gefühlt,
0:30:51–0:30:53
dass sie dann halt wirklich so, sie ist blind.
0:30:53–0:30:58
Man hat dann eben die Blindenbrille aufgesetzt und das Leben dann so weitergeführt
0:30:58–0:31:02
und hat sich damit einfach besser gefühlt, obwohl sie alle Voraussetzungen zum Sehen hätte.
Micz Flor
0:31:02–0:31:05
Was ja interessant ist, weil sie mit drei Jahren ja hätte schon sehen können.
Florian Clauß
0:31:05–0:31:10
Ja, wahrscheinlich schon. Ja, aber dann hat sich das so zurückgebildet,
0:31:10–0:31:15
dass diese Reize dann halt nicht mehr so kortikal verarbeitet werden können.
0:31:16–0:31:19
Jetzt kommen wir nochmal zum anderen Affenexperiment.
0:31:20–0:31:25
Und zwar, das ist auch interessant, das Experiment, weil es war die Annahme,
0:31:25–0:31:29
es geht um ein ästhetisches Empfinden. Es ging um die Frage nach ästhetischen
0:31:29–0:31:32
Empfinden von Tieren, von Affen wieder.
0:31:33–0:31:38
Und die Versuchsanordnung war so, dass ein blauer Bildschirm gezeigt,
0:31:38–0:31:42
mit blauer Farbe und ein roter mit roter Farbe. Und der Affe hatte dann einen
0:31:42–0:31:44
Knopf und konnte dann halt wechseln.
0:31:44–0:31:50
Was festgestellt war, dass die Affen bei roten Bildschirmen schneller gewechselt
0:31:50–0:31:51
haben als bei blauem Bildschirm.
Micz Flor
0:31:51–0:31:52
Gewechselt zu ...
Florian Clauß
0:31:52–0:31:54
Also es war dann nicht klar, ob dann rot oder blau erscheint.
0:31:55–0:31:58
Dann haben sie halt einen Knopf gedrückt und dann hat sich die Farbe wieder
0:31:58–0:32:01
geändert, zufällig, ob es rot oder blau. Und dann haben sie dann so festgestellt,
0:32:01–0:32:05
dass immer bei roter Farbe schneller gewechselt wird als bei blauer Farbe.
0:32:06–0:32:11
Und dann könnte man ja daraus ableiten, dass eben rot den Affen,
0:32:12–0:32:17
besser gefällt als blau. Oder umgekehrt, das Blau, weil das länger da ist.
0:32:18–0:32:23
Also das wäre jetzt so die direkte Annahme, aber... Oder er vergleicht es dann mit so einer Assel.
0:32:23–0:32:25
Die Assel, die dann halt in so einem
0:32:25–0:32:28
Karton ist und dann gibt es halt eine trockene und eine feuchte Seite.
0:32:28–0:32:30
Und die Assel bewegt sich wesentlich schneller,
0:32:31–0:32:34
auf der trockenen Seite als auf der feuchten Seite. Dann wird gesagt,
0:32:34–0:32:36
ja, der feucht, da fühlt sie sich wohl.
0:32:37–0:32:41
Aber der Grund ist halt viel trivialer. Wenn es feucht ist, kann er sich halt
0:32:41–0:32:42
nicht so schnell bewegen.
0:32:43–0:32:47
Also es ist evolutionsbiologisch dann so, ja gut, die Assel,
0:32:47–0:32:48
die bewegt sich halt nicht so viel.
0:32:48–0:32:52
Weil man sie einfach nicht kann. Und da muss man halt sagen,
0:32:52–0:32:56
dass diese Eigenschaft von Humphrey nicht irgendwie an seinen Forschungsergebnissen
0:32:56–0:32:59
dann so festhalten, sondern auch einzugestehen, dass er da falsche Annahmen
0:32:59–0:33:01
getroffen hat und da auch wieder umzuschwenken.
0:33:02–0:33:06
Also dann hat er auch daraus eine evolutionsbiologische Ableitung gemacht,
0:33:06–0:33:11
nämlich, dass die Affen, das ist eine reine Timing-Geschichte,
0:33:12–0:33:17
das heißt, die Affen können schneller bei rotem Licht reagieren. Warum, Mitch?
0:33:17–0:33:22
Ein Rätsel, weil die Affen evolutionsbiologisch morgens und abends,
0:33:22–0:33:26
wenn halt der Himmel rot ist, wesentlich bedrohter sind durch Feinde,
0:33:26–0:33:31
durch Fressfeinde, als quasi im Laufe des Tages, wo dann der Himmel blau ist.
0:33:32–0:33:36
Das heißt, es ist eine reine Timing-Geschichte, dass die schneller reagieren, wenn es rot ist.
Micz Flor
0:33:36–0:33:37
Das heißt, wenn die rot sind, kriegen sie Angst?
Florian Clauß
0:33:37–0:33:41
Nein, nein, nein, nicht Angst, sondern nur, dass die Reaktionsfähigkeit schneller
0:33:41–0:33:44
ist. Das ist quasi das Erleben im Roten.
Micz Flor
0:33:44–0:33:45
Ach so, okay.
Florian Clauß
0:33:45–0:33:48
Das Erleben im Roten ist halt einfach so getriggert, dass die halt schneller
0:33:48–0:33:51
reagieren müssen, ohne Emotionen jetzt. Sondern es geht nur so,
0:33:51–0:33:53
dass die Reaktionsfähigkeit dann einfach...
Micz Flor
0:33:53–0:33:54
Ich verstehe das Setting nicht so ganz.
Florian Clauß
0:33:54–0:33:59
Die Affen wurden quasi mit der Farbe Rot und Blau bespielt.
0:34:00–0:34:04
Und die Versuchsanordnung war, sie konnten wechseln oder sie können halt aktiv
0:34:04–0:34:07
wechseln zwischen den Farben. Oder es wurde zufällig einer ausgewählt.
0:34:08–0:34:12
Und die Sache war halt, wie schnell die bei einer bestimmten Farbe dann halt
0:34:12–0:34:14
zu der anderen Farbe gewechselt haben.
0:34:14–0:34:20
Das Ergebnis bei Blau war die Reaktionsgeschwindigkeit langsamer als bei Rot.
0:34:20–0:34:23
Willst du noch mehr Anekdoten aus dem Tierreich hören?
0:34:24–0:34:26
Okay, aber die ist so ein bisschen komisch.
Micz Flor
0:34:27–0:34:28
Dann nicht.
Florian Clauß
0:34:29–0:34:32
Nein, aber ich erzähle sie ja trotzdem. Weil da geht es auch um einen Punkt,
0:34:32–0:34:35
der dann später wichtig wird. Also es geht um Gorillas in Ruanda.
0:34:36–0:34:39
Diana Fossi, so eine Verhaltensforscherin.
Micz Flor
0:34:39–0:34:40
Ja, sehr bekannte.
Florian Clauß
0:34:41–0:34:42
Jetzt kommt gerade ganz viel.
Micz Flor
0:34:43–0:34:44
Wir gehen mal ein bisschen heraue.
Florian Clauß
0:34:44–0:34:48
Wir gehen mal ein bisschen beiseite. Also das erzählt halt diese Geschichte.
Micz Flor
0:34:49–0:34:56
Als die in Ruanda ihre Berggorillas beobachtet.
Florian Clauß
0:34:56–0:35:01
Über einen langen Zeitraum und so weiter, die war wohl auch so Alkoholikerin
0:35:01–0:35:06
und war wohl sehr rassistisch. Also es entsprach nicht dieses Bild von der Forscherin,
0:35:06–0:35:11
die man dann halt irgendwie sonst auf Empfängen im kulturellen Norden hatte.
0:35:11–0:35:15
Sondern die ist dann halt so ein bisschen wie bei Heart of Darkness,
0:35:15–0:35:21
dann halt so komisch geworden, hat dann wohl ein Kind entführt mit so einer Maske.
0:35:21–0:35:23
Deswegen, ich sage es, das ist komisch, die Episode.
Micz Flor
0:35:23–0:35:25
Hast du dann nochmal andere Quellen dazu?
Florian Clauß
0:35:25–0:35:30
Ne, habe ich jetzt nicht. Aber sie wird sehr ausgebreitet da.
0:35:32–0:35:35
Ich weiß auch nicht. Da musste man tatsächlich nochmal andere Quellen gucken.
0:35:35–0:35:40
Dann rächen sich die Indigenen, indem sie dann halt ihre Gorillas dann töten.
0:35:41–0:35:45
Und das ist eigentlich so die Vorgeschichte, weil es ging um diese Kooperation
0:35:45–0:35:47
zwischen Humphrey und Fossei.
0:35:47–0:35:55
Und dann kommt eben die Frage auf Humphrey, dass er dann die Gorillaskelette,
0:35:56–0:35:57
man kommt nicht so oft zu Gorillaskeletten,
0:35:58–0:36:04
zu ganz erhaltenen, ob er die dann präparieren kann und für seine Forschung.
0:36:05–0:36:09
Und dann fährt er da hin und kocht dann halt die Skelette aus,
0:36:09–0:36:14
und hat dann halt so, also die Körper, die noch irgendwie so verwest waren,
0:36:14–0:36:20
kocht er die dann halt in so einem Kerosinfass dann halt und hat dann halt diese diese vollen Skelette.
0:36:21–0:36:24
Und wundert sich darüber, warum die Gehirne so groß sind.
0:36:24–0:36:29
Ja, also das ist halt so diese Sache, weil es gibt für diese Tiere,
0:36:29–0:36:33
für die Gorillas in Ruanda, die haben keine natürlichen Feinde,
0:36:34–0:36:37
die haben ausreichend Nahrung, die leben quasi im Paradies.
0:36:38–0:36:44
Warum haben die so verdammt große Gehirne? Und das hast du glaube ich auch schon
0:36:44–0:36:48
mal erwähnt, das Ding dahinter ist einfach, dass,
0:36:49–0:36:55
Die eigentlichen Probleme dieser Gorillas oder dieser Gruppe sind soziale Probleme.
0:36:55–0:37:00
Das heißt, sie müssen die ganze Zeit diese Rangordnung, Gruppenzugehörigkeit,
0:37:00–0:37:06
Paarung und so weiter. Das ist unglaublich viel Verbrauchter.
0:37:06–0:37:10
Das wissen wir ja von Mark Solms. Einfach verbrennen, verbrennen.
0:37:10–0:37:16
Deswegen kam er dann hier. Das sind so alles diese Geschichten, die ich jetzt erzähle.
0:37:16–0:37:21
Das sind alles so Anekdoten oder Erkenntnisse, die er aus diesen Anekdoten dann
0:37:21–0:37:22
halt herausentwickelt hat.
0:37:23–0:37:30
Okay, also das heißt, soziale Komplexität ist quasi auch ein Antrieb für die
0:37:30–0:37:32
Hirn- und Intelligenz-Evolution, ja?
0:37:33–0:37:37
Das Übertragen auf den Menschen. Da gibt es halt so ein Gorilla,
0:37:37–0:37:40
hat dann vielleicht so 20 soziale Beziehungspunkte.
0:37:41–0:37:45
Und so ein Mensch hat ein dreimal größeres Gehirn. Ich kann mal mathematisch
0:37:45–0:37:47
wirklich so, dann hat er 150. Dann gibt es so eine Formel.
0:37:49–0:37:54
Das ist schon erstaunlich, dass das so aufgeht. Das ist die Dunbar-Zahl.
Micz Flor
0:37:54–0:37:56
Ach, das ist wirklich so? Ich dachte...
Florian Clauß
0:37:56–0:38:03
Er spricht dann von einem Natural-Psychologe. Also dieser natürliche Psychologe,
0:38:03–0:38:08
das heißt, die Tiere haben die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen.
0:38:09–0:38:15
Also das heißt, so dieses natürliche Wissen, was der andere so ungefähr jetzt
0:38:15–0:38:17
in dieser Situation vorhaben könnte.
0:38:17–0:38:21
Also ich will jetzt nicht von Empathie reden, aber es gibt so quasi so eine
0:38:21–0:38:27
Form von Möglichkeit, sich da so Mindreading, sagt er dann auch irgendwann später.
0:38:27–0:38:30
Also das heißt, Gedanken lesen. Es gibt die Möglichkeit, das dann halt auch
0:38:30–0:38:35
wirklich rauszulesen und entsprechend dann sich zu verhalten.
0:38:36–0:38:40
Das sind nochmal die Punkte in dieser Episode.
0:38:41–0:38:44
Und jetzt möchte ich noch zu einer Sache kommen.
0:38:45–0:38:49
Und zwar hat er auch wieder so sehr singuläre Erfahrungen mit seinem Hund Bernie.
0:38:52–0:38:55
Hat er auch dann so für seine Forschungszwecke benutzt.
0:38:56–0:39:00
Ja, zweifellos ein unglaublich empfindungsfähiges Tier, Bernie,
0:39:00–0:39:05
ja, es ist halt überschäumend an Lebensfreude, wenn es halt irgendwie zum Spaziergang
0:39:05–0:39:09
geht oder wenn es Essen gibt, ja, fängt der Hund halt total an, freizudrehen, so der,
0:39:09–0:39:14
ähm, und hier kommt nochmal ein Begriff rein, nämlich das...
0:39:15–0:39:16
Qualia Filia.
Micz Flor
0:39:16–0:39:18
Qualia Filia.
Florian Clauß
0:39:18–0:39:21
Das ist der Name von Bernie, sage ich jetzt mal.
Micz Flor
0:39:21–0:39:24
Aber was ist die Wortzusammensetzung? Qualia Filia?
Florian Clauß
0:39:24–0:39:30
Also Qualia von Qualität und Filia ist das Empfinden. Qualitätsempfinden.
Micz Flor
0:39:31–0:39:34
Aber Qualia ist ja glaube ich dieses Bewusstseinsempfinden, oder?
0:39:34–0:39:36
Ich weiß, ich kann es jetzt nicht genau in Deutsch übersetzen,
0:39:36–0:39:40
aber Qualia ist auch so ein stehender Begriff in der Bewusstseinsforschung.
0:39:41–0:39:45
Und Filia ist die Liebe vielleicht, oder? die Liebe zum Empfinden.
Florian Clauß
0:39:46–0:39:50
Ja, Filia ist glaube ich Liebe, du hast recht. Er hat jetzt auch so verschiedene,
0:39:51–0:39:58
Ausschlusstests gemacht, um so bestimmte Erkenntnisse oder es gibt ja oft diesen Spiegeltest,
0:39:59–0:40:03
die Frage, was Intelligenz ist und ob ein Tier intelligent ist.
0:40:03–0:40:06
Ja, ob es sich erkennt. So, sich erkennt, genau.
0:40:06–0:40:11
Und daran wird ja dann so eine Intelligenzfähigkeit abgeleitet.
0:40:11–0:40:16
Also da Da kritisiert er zum Beispiel, dass Intelligenz nicht unbedingt die
0:40:16–0:40:20
Selbstheit, also jetzt kommen wir wieder, das phänomenale Selbst,
0:40:20–0:40:23
dass das nicht unbedingt gleichgesetzt werden kann.
0:40:23–0:40:26
Also von wegen, du klebst dann halt irgendwie in der Schiene dann so einen Sticker
0:40:26–0:40:29
aufs linke Auge, ob der sich das wegmischt oder nicht.
0:40:30–0:40:32
Dann wird halt gesagt, das Gesicht ist eigentlich eine Seriennummer,
0:40:32–0:40:33
aber es ist nicht das Selbst.
0:40:34–0:40:38
Das heißt, das innere Empfinden ist nicht das Gesicht. Es gibt dann halt,
0:40:39–0:40:43
da trennt sich quasi noch mal so Intelligenz, weil ein Oktopus kann halt ein
0:40:43–0:40:47
Schloss knacken, ja, aber er hat kein Selbstempfinden. So, das ist so ganz...
Micz Flor
0:40:47–0:40:53
Aber wenn man sich erkennt im Spiegel und daraufhin diesen Punkt entfernt oder nicht...
0:40:54–0:40:56
Dann ist es kein Selbstbild?
Florian Clauß
0:40:56–0:41:00
Doch, es kann da dazukommen. Aber es ist nicht der Intelligenztest von,
0:41:00–0:41:05
es muss nicht damit einhergehen, dass das Tier eben kein Selbstempfinden hat.
0:41:05–0:41:11
Also zum Beispiel Hunde können das nicht. Aber Hunde riechen zum Beispiel ihren eigenen Urin.
Micz Flor
0:41:13–0:41:14
Und lecken sich am Penis.
Florian Clauß
0:41:15–0:41:21
Aber das heißt einfach, das geht wieder so auf dieses Anthropomorphe.
0:41:21–0:41:26
Das Auge ist das Erkennen. das ist das höchste Organ, aber für bestimmte Tiere
0:41:26–0:41:27
gilt es halt nicht. Da ist es
0:41:27–0:41:31
vielleicht dann die Nase, die dann viel empfindet ist. Und darüber diese.
0:41:31–0:41:34
Also das war nur diese Kritik an dem Spiegeltest.
Micz Flor
0:41:34–0:41:38
Also im Prinzip, dass man da wieder sehr stark den menschlichen Filter auf die
0:41:38–0:41:41
Welt dann auf alles auch anwendet.
Florian Clauß
0:41:41–0:41:45
Ja, also das ist nicht unbedingt der, wenn der Spiegeltest, wenn der nicht bestanden
0:41:45–0:41:46
wird, dass du dann halt dumm bist als dir.
0:41:47–0:41:49
Da hat er so ein bisschen dagegen gearbeitet.
0:41:49–0:41:54
Nochmal eine Frage nach der Empathie, also was dann auch festgestellt wurde,
0:41:54–0:41:59
zum Beispiel bei einem anderen Test, dass Ratten ihre Artgenossen vor dem Ertrinken,
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retten, dass diese Tendenz da ist, aber dass die stärker ausgeprägt ist,
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wenn die schon mal selber in dieser Situation waren.
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Also das heißt, die Erfahrung gemacht haben, wie es ist zu ertrinken oder nass zu werden.
0:42:14–0:42:16
Das ist auch noch mal eine Beobachtung.
Micz Flor
0:42:16–0:42:20
Das ist total interessant. Das ist ein bisschen wie so ein Cluedo in der Bewusstseinsforschung.
0:42:20–0:42:23
Also wir gucken jetzt so unter diesem Gorilla. Oh, ein Riesenhirn.
0:42:24–0:42:28
Dann gucken wir da drüben und sammeln es zusammen. Und mein Hund kann vielleicht
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den Fleck nicht entdecken, aber er ist trotzdem ein sehr intelligentes Tier.
Florian Clauß
0:42:32–0:42:34
Genau, die Selbstversammlung.
Micz Flor
0:42:34–0:42:38
Und es entsteht dann so ein Salat, so ein Fruchtsalat.
Florian Clauß
0:42:38–0:42:41
Ja, wir kommen gleich drauf. Wir kommen gleich zum Höhepunkt.
0:42:43–0:42:46
Auch in einem anderen Test wurde dann der Frage nachgegangen,
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inwieweit Tiere eine Vorstellung vom Tod haben.
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Da gibt es halt diese Hollywood-Geschichte, die schon mal gefilmt wurde von
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einem Hund, dessen Besitzer gestorben ist. Und der Hund liegt dann halt am Grab
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des Besitzers und wartet.
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Das heißt, Tiere haben auch keine Vorstellung vom Tod.
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Das ist so ein bisschen auch übertragen auf uns. So quasi Tod ist wie schlafen.
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Irgendwann kommst du halt wieder.
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Das wäre das erste Modell von dem, was dem nahe kommt.
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Aber diese Irreversibilität im Tod, das kann ja natürlich nicht erfahren,
0:43:22–0:43:26
das gibt es ja nicht in der Erfahrung des Selbst. Sondern die ist einfach in
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der Welt da, wenn derjenige, das Individuum weg ist.
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Das heißt, es kann nicht irgendwie in so einem Trainingslaufen ausgetestet worden sein.
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Und ja, das ist halt so, dieser Jenseitsglauben beim Menschen ist ja auch immer
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so ein bisschen verklärt, religiös aufgeladen.
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Also das ist unterschiedlich. Das ist eine Form von Bewusstsein bei Tieren.
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Und da ist die Frage nach dem Tod halt natürlich auch so ein Indikator für,
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inwieweit bestimmte Prozesse den Tieren bewusst sein können.
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Ja, wir kommen jetzt nochmal auf die Sinnessuche bei, um ihrer selbst willen
0:44:08–0:44:10
bei Tieren. Was kann das sein?
Micz Flor
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Sinn oder?
Florian Clauß
0:44:11–0:44:15
Sinnessuche. Sinnessuche, dieses Erleben. Ja, was kann das sein?
0:44:15–0:44:20
Da gibt es Beobachtungen von, dass Schimpansen am Wasserfall dann halt so ehrfürchtig
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tanzen, so rauschhaft, weil die halt irgendwie das so genial finden, diese Wasserfall.
Micz Flor
0:44:26–0:44:28
Ja, sei denn bedroht, dann drücken sie schnell den Stein.
Florian Clauß
0:44:31–0:44:38
Oder dass zum Beispiel Delfine über Wellen springen, obwohl das jetzt energetisch
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und so weiter überhaupt keinen Mehrwert bietet, dieses Gefühl von Schwerelosigkeit und so weiter erleben.
0:44:45–0:44:48
Oder bei Vögeln, bei Schwänen hat man das auch beobachtet.
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Aber das Entscheidendste ist, wo man die Sinnesuche bei den Tieren, bei der Masturbation.
0:44:58–0:45:05
Alle Tiere sind am Masturbieren. Vor allen Dingen Vögel und Säugetiere.
0:45:05–0:45:06
Das beobachte ich, das mache ich überall.
Micz Flor
0:45:06–0:45:11
Aber wie machen das Vögel? Ich habe noch keinen YouTube-Film gesehen.
Florian Clauß
0:45:12–0:45:16
Ich weiß es nicht. Aber es würde mich auch interessieren. Aber es gibt tatsächlich
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auch, es ist jetzt auch in der Forschung, glaube ich, so ein Ding,
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was dann nie so richtig ernsthaft dann,
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also was heißt nie, es wurde schon untersucht und so weiter,
0:45:24–0:45:28
aber es ist so ein bisschen so nicht so dieser klassische Forschungszweig über
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Wichsen der Tiere zu gucken.
0:45:30–0:45:34
Aber es zumindest festgestellt wurde, dass Männchen wie Weibchen das machen.
0:45:34–0:45:38
Und es gibt dann halt auch biologische Begründungen, dass wenn man dann halt
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für die Hygiene ist das gut, ejakulat, also man sagt halt irgendwie so und so.
Micz Flor
0:45:44–0:45:47
Zwerbezwerbe. Selten hat Hygiene, das hat Spaß gemacht.
Florian Clauß
0:45:48–0:45:51
Sollen wir die Spermienbahnen dann halt auch entsprechend beanspruchen.
0:45:52–0:45:56
Meistens ist ja so, die These ist ja eigentlich, also so rein aus einer biologischen
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Sicht macht es ja keinen Sinn, weil es dient ja nicht der Vorpflanzung. Warum machen die das?
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Und dann gibt es auch die These, ein Forscher hat dann gesagt,
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eigentlich ist ja auch Selbstbefriedigung,
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Viel befriedigender sexuell, als mit einem Partner zu schlafen.
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Klar, das ist halt viel einfacher. Es gibt dann auch so bei Schimpansen zum
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Beispiel, dass dann Werkzeuge genommen werden.
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Oder was man bei Delphinen auch entdeckt. Der ist dann mit seinem irrigierten
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Penis dann quasi über den Meeresboden fährt und dann so ein Aal dann aufbüht,
0:46:35–0:46:37
und sich auf den Rücken dreht.
0:46:37–0:46:42
Und der Aal sich dann so um den Penis wickelt und der macht dann halt so die ganze Arbeit.
Micz Flor
0:46:42–0:46:42
Okay.
Florian Clauß
0:46:43–0:46:46
Es gibt dann verschiedene Facetten der ganzen Sache.
Micz Flor
0:46:46–0:46:49
Ja gut, aber das ist ja nicht mehr Unani.
Florian Clauß
0:46:49–0:46:56
Also das ist halt irgendwie so, Tiere benutzen Werkzeuge. Aber zur eigenen Sinnesergötzung.
0:46:56–0:46:58
Ja, das ist aber auch interessant.
Micz Flor
0:46:59–0:46:59
Auf jeden Fall.
Florian Clauß
0:46:59–0:47:04
Das ist so passiert. So, und jetzt verlassen wir das anekdotische Feld.
0:47:05–0:47:09
Ich komme jetzt auf die Kernbegriffen und Thesen von Humphrey zu sprechen.
0:47:09–0:47:13
Okay, ich bin bereit. Also, ich hatte es ja schon ein bisschen angedeutet.
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Es gibt zwei Arten von Bewusstsein, die er dann auch so festmacht.
0:47:20–0:47:22
Es gibt das kognitive Bewusstsein.
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Das ist dann quasi ein introspektiver Zugang zu mentalen Zuständen.
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Und wo auch so eine Art von Intelligenz-Selbstkonzept drin liegt.
0:47:32–0:47:34
Und auch eine gewisse Planbarkeit da ist.
0:47:35–0:47:38
Er spricht dann, oder es wird in dem Buch von Zombies gesprochen,
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also Zombies sind im Prinzip Tiere mit kognitiven Bewusstsein,
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also so wie quasi der Frosch, der ohne Empfinden sehen kann, ist ein Zombie für ihn.
Micz Flor
0:47:49–0:47:51
Also das kognitive Bewusstsein ist?
Florian Clauß
0:47:52–0:47:55
Wir kommen nochmal drauf und dann gibt es das phänomenale Bewusstsein.
0:47:57–0:48:03
Also, dass zusätzlich noch die Information, wie es sich anfühlt, das ist Qualia.
0:48:04–0:48:09
Dass, wie es sich anfühlt, das ist das eigentliche Rätsel dabei.
0:48:09–0:48:15
Vielleicht könnte man da so als Idee heraus ableiten, dass klug sein ist nicht
0:48:15–0:48:17
dasselbe wie fühlen können.
0:48:18–0:48:23
Und dann sind wir wieder bei diesem Kernsatz von Solms. Alles ist Gefühl.
Micz Flor
0:48:24–0:48:27
Ist das das, wo er sich dann auch auf Solms bezieht?
Florian Clauß
0:48:27–0:48:34
Nein, nein, nein. Da geht es eher so darum, wo quasi dieses Bewusstsein,
0:48:34–0:48:37
das Phänomenale entstehen kann oder Bewusstsein überhaupt.
0:48:37–0:48:43
Und Solms geht dann eher in das Stammhirn, diese Verbindung zwischen Stammhirn und Cortical.
0:48:43–0:48:46
Und er sieht das dann in anderen Konstellationen.
0:48:47–0:48:52
Komm nochmal drauf. Also jetzt sind wir übertragen auf unsere Beobachtungen im Tierreich.
0:48:52–0:48:57
Oktopusse, die Schlösser klacken, die belegen eigentlich ein kognitives Bewusstsein,
0:48:58–0:49:01
aber müssen nicht unbedingt ein phänomenales Bewusstsein haben.
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Es gibt auf der einen Seite Empfindung und es gibt Wahrnehmung.
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Also die Wahrnehmung ist, du kannst sagen, das ist jetzt ein Auto,
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das vorbeifährt, das Geräusch eines Autos.
0:49:15–0:49:19
Das ist die Farbe von Gras. Also es ist immer sehr objektbezogen.
0:49:20–0:49:24
Die Empfindung ist halt viel körperzentrierter, bewertender.
0:49:24–0:49:26
Und vor allen Dingen persönlich.
0:49:26–0:49:30
Also das ist der süße Geschmack von Honig auf meiner Zunge.
0:49:31–0:49:35
Das ist eine Empfindung, die ich dann in dem Moment erlebe. Wenn wir das auf
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die Blindzeit beziehen.
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Also dieses Sehen ist halt wirklich mit dem Kortex verbunden. Ist halt ein Erleben.
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Während dieses Blindside ist einfach kein Erleben mehr, sondern das ist ja für
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den Affen, so wie er sich verhalten hat, einfach nur ein Programm, was da abläuft.
Micz Flor
0:49:54–0:50:02
Okay, verstehe. Und dieses Erleben kann dann qualitativ auch lustvoll eben sein. Man will erleben.
0:50:04–0:50:05
Doom-Scrolling sozusagen.
Florian Clauß
0:50:06–0:50:11
Richtig. Humphrey zerlegt nicht das fertige Bewusstsein, sondern versucht es
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wirklich so Schritt für Schritt, was ich vorhin meinte, wie so ein Ingenieur
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zu erfinden, so quasi herzuleiten.
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Also der Gedanke hier, was ihn dann so leitet, ist, dass er beim N-Punkt ansetzt,
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das Menschliche erleben.
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Und dann rekonstruiert er so, wie könnte es in der Evolution sich entwickelt
0:50:29–0:50:31
haben, dass es zu diesem Punkt gekommen ist.
0:50:31–0:50:35
Und das sind diese drei Stufen, die er da ableitet.
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Das haben wir ja auch festgestellt. Jede Stufe ist für sich lebensfähig.
0:50:39–0:50:44
Also wir haben immer noch ein Stückchen vom Reptil in unserem Gehirn drin.
0:50:44–0:50:45
Es wird ja immer drauf gepatcht.
0:50:46–0:50:52
Also funktioniert ja Evolution, Biologie und Individuation. Wie heißt das so? Das Ontogenese.
Micz Flor
0:50:52–0:50:56
Ja, also jetzt in der eigenen Biografie auch, wie man im Mutterleib entsteht.
Florian Clauß
0:50:56–0:51:02
Also da werden bestimmte evolutionäre Stufen in der Individualentwicklung eines
0:51:02–0:51:05
M-Modus durchlaufen, wie zum Beispiel diese...
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Kiemen.
Micz Flor
0:51:06–0:51:09
Genau, das ist alles mal Kiemen kriegen und so, ja.
Florian Clauß
0:51:09–0:51:13
Wenn wir jetzt auf die erste Stufe von Bewusstsein gucken,
0:51:14–0:51:19
dann ist es die, also Synthetition, da sind wir wieder bei diesem Zustand im
0:51:19–0:51:22
Urmeer, da kommt halt so eine Amöbe, was wir auch neulich hatten,
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die hat bestimmte, was wir auch bei Solms dann so beschrieben haben.
0:51:27–0:51:33
Es gibt dann Reize, die Amöbe bewegt sich dann halt von einem Reiz zum anderen,
0:51:33–0:51:37
je nachdem, ob sie davon angezogen wird oder nicht.
0:51:37–0:51:40
Also das heißt, Reize treffen auf die Oberfläche.
0:51:40–0:51:44
Manche signalisieren eben Essen, andere Gefahr.
0:51:45–0:51:49
Dementsprechend muss das Tier unterscheiden und reagieren, also mit Zucken,
0:51:50–0:51:51
Ablehnung oder Annäherung.
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Also im Prinzip einfach nur so ein Motor, der dann halt irgendwie so in so einem
0:51:55–0:51:58
Reizmeer dann halt entsprechend sich bewegt.
0:51:58–0:52:03
Also das heißt, es ist alles noch sehr externalisiert, sagen wir mal.
Micz Flor
0:52:03–0:52:05
Und automatisiert.
Florian Clauß
0:52:05–0:52:06
Und automatisiert.
Micz Flor
0:52:08–0:52:10
Es ist keine Entscheidung, sondern eine wirkliche Reaktion.
Florian Clauß
0:52:10–0:52:17
Aber auch dann bewertende Reflexreaktionen. Das ist dann nämlich der erste Schritt. Die Sentitition.
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Die Synthetition ist dann gleich schon eine Bewertung von Empfindung und Handlung.
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Also als Beobachter sehe ich ja quasi das System. Ich sehe ja,
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ob das Tier das mag oder nicht mag oder die Ermöbe.
Micz Flor
0:52:32–0:52:38
Also es geht so darum, dass es auf diesem Level schon nicht um reine Information
0:52:38–0:52:43
geht, sondern die Information wird eine Bedeutung, weil sie in diesem Reizreaktionsmuster
0:52:43–0:52:46
automatisiert wahrgenommen wird.
Florian Clauß
0:52:46–0:52:48
Wahrgenommen und unbeobachtet werden kann.
Micz Flor
0:52:48–0:52:49
Genau, das heißt, das würde dann
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evolutionär auch bedeuten, dass die Wahrnehmung sich auch so formt, dass,
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die Dinge überhaupt wahrgenommen werden können.
Florian Clauß
0:52:58–0:53:06
Ja, aber das Tier oder das System, das biologische, hat hier noch kein inneres
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Bild von dem, was dann passiert außen.
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Es hat noch keine eigenen Gefühle. Da wird unterschieden.
Micz Flor
0:53:14–0:53:15
Hat keine Gefühle?
Florian Clauß
0:53:16–0:53:19
Es hat keine Gefühle in dieser Stufe.
Micz Flor
0:53:20–0:53:22
Okay, das wäre ja jetzt zum Beispiel mit der Solmes-Folge noch...
Florian Clauß
0:53:24–0:53:25
Gehen wir mal weit.
Micz Flor
0:53:25–0:53:26
Ja, machen wir erst mal weiter, genau.
Florian Clauß
0:53:26–0:53:29
Dann kommt Stufe 2, die Empfindung, ja.
0:53:29–0:53:34
Also mit komplexerem Leben reicht der bloße Reflex nicht mehr.
0:53:34–0:53:37
Also diese bloße Reaktion auf die Umwelt reicht dann nicht mehr.
Micz Flor
0:53:37–0:53:38
Weil?
Florian Clauß
0:53:38–0:53:42
Ja, weil diese Lebensform komplexer geworden ist. Das heißt,
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es kann nicht nur hin und her geworfen werden von Wellen und Zucker und Licht.
0:53:47–0:53:51
Sondern das Tier braucht halt quasi speicherbare Informationen,
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verfügbare Informationen von bestimmten Situationen.
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Ja. Und da kommt quasi diese efferente Kopie ins Spiel.
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Kennst du das? Also das Prinzip, efferente Kopie ist auch so ein Begriff aus
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der Neurophysiologie, dass bestimmte Reaktionen als Kopie angelegt werden.
0:54:14–0:54:19
Es kommt ein Reiz rein, der Reiz wird dann quasi weitergeleitet und verarbeitet
0:54:19–0:54:24
und es kommt eine Reaktion raus als Reaktion von einem Reiz.
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Und das wird als Kopie angelegt und damit ist es als offline verfügbar.
0:54:31–0:54:33
Es klingt irgendwie sehr informatiktechnisch.
Micz Flor
0:54:33–0:54:36
Aber was ist jetzt gespeichert? Das, was reinkommt oder das,
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was man getan hat? Oder das Ergebnis dessen.
Florian Clauß
0:54:38–0:54:41
Was man getan hat? Es ist quasi der Reiz, es kann dann reverse-engineert werden.
0:54:41–0:54:48
Es gibt einen Reiz und so wie der Reiz verarbeitet wird, wie der sich anfühlt, der wird gespeichert.
0:54:48–0:54:52
Also das wird auch als Motorbefehl, weil Motorbefehl ist ja quasi das,
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was dann halt diesen Bewegungsapparat auslöst und macht dann eben diese Kopie des Befehls.
0:54:59–0:55:03
Und damit kann eben, die Kopie kann halt rückwärts gelesen werden.
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Und damit hast du bestimmte Reaktionen internalisiert.
0:55:09–0:55:17
Also das ist eine Repräsentation, wie das Tier reagiert und wie es sich fühlt.
0:55:17–0:55:22
Also du hast ein Repräsentationssystem geschaffen durch diese Kopie des Reizes.
Micz Flor
0:55:23–0:55:26
Das heißt, es kommt der Reiz und dann wird aber auch gespeichert,
0:55:27–0:55:31
die Empfindung wird gespeichert. Und aus der Empfindung heraus entsteht eine
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Reaktion und die wird auch gespeichert.
Florian Clauß
0:55:33–0:55:37
Genau, und du hast ein Repräsentationsmodell von Reizen. Da sind wir noch auf
0:55:37–0:55:43
relativ safem Boden. Das heißt, das ist auch neurophysiologisch alles bewiesen.
0:55:44–0:55:49
Es wird noch ein bisschen inkonsistenter oder spekulativer.
0:55:50–0:55:55
Und das ist jetzt so diese Stufe 2. Mit dieser Speicherung entsteht quasi ein
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Selbst, ein Proto-Selbst. Also quasi der Prototyp, ein Proto-Molekül, ein Proto-Selbst.
0:56:02–0:56:06
Das finde ich auch ganz interessant. Also das heißt, du hast irgendwas an Reizen,
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die du repräsentieren kannst in der neurologischen Schicht und damit eine Selbstwahrnehmung.
0:56:13–0:56:18
Aber die Empfindung ist noch flach. Das ist keine wirkliche Empfindung.
0:56:18–0:56:23
Und er spricht dann hier so von, das ist diese braune Tütenempfindung.
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Braune Tüten? Ja, das ist diese Art von schlechten Übersetzungen.
0:56:28–0:56:33
Also die Verpackung ist noch total banal. Ja.
Micz Flor
0:56:34–0:56:38
Aber dieses Proto selbst ist quasi eine Summe sozusagen wie,
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wir nennen es jetzt mal ein Fotoalbum, was natürlich nicht ein Fotoalbum ist,
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weil es werden ja irgendwie bildhafte Speicher und da stehen.
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Aber es ist wie so ein Album von, was mir alles so erfahren ist,
0:56:48–0:56:52
wie ich darauf reagiert habe und dann wahrscheinlich auch wieder die Rückmeldung
0:56:52–0:56:55
aus der Umgebung, was das in der Welt bewirkt hat.
0:56:56–0:57:01
Also es war sehr heiß, ich habe mich in den Schatten gestellt,
0:57:01–0:57:04
dann war es nicht mehr so heiß, das merke ich mir.
0:57:04–0:57:08
Es war sehr heiß, ich vergrabe mich, dann war es nicht mehr so heiß,
0:57:08–0:57:13
das merke ich mir. So entstehen dann quasi ein Selbst mit möglichen Handlungsaktionen,
0:57:13–0:57:15
die sich auf die Welt beziehen.
Florian Clauß
0:57:15–0:57:19
Ja, richtig. Also es ist noch nicht komplett internalisiert.
0:57:19–0:57:26
Das heißt, es ist noch immer eine Reaktion, ist noch immer eine echte äußere Handlung.
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Und das Tier tut dann wirklich etwas mit, keine Ahnung, wenn es zu heiß ist,
0:57:33–0:57:37
gehe ich in den Schatten. Also ich ziehe mir jetzt irgendwie eins von meinen
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100 Beinen dann quasi aus der Sonne raus.
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Und jetzt kommen wir zu der Stufe 3 und da sind wir jetzt in der Welt des phänomenalen Bewusstseins.
Micz Flor
0:57:48–0:57:49
Das ist ein Riesensprung.
Florian Clauß
0:57:49–0:57:53
Ja, pass auf. Also wir reden immer von einer Evolution. Das heißt,
0:57:53–0:57:55
es gibt eine Weiterentwicklung, wie auch immer.
0:57:56–0:58:03
Das Tier will jetzt nicht mehr nur reflexhaft zurückzucken, wenn dann halt irgendwie,
0:58:03–0:58:06
keine Ahnung, rotes Licht auf die Haut fällt.
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Also die äußere Reaktion ist dann irgendwann überflüssig geworden,
0:58:10–0:58:16
weil wir haben ja dieses Repräsentationsmodell in den Nerven verankert, ja, platt gesagt.
Micz Flor
0:58:17–0:58:18
Okay, wiederhol das nochmal.
Florian Clauß
0:58:19–0:58:23
Das heißt, die äußere Reaktion ist jetzt nicht mehr notwendig,
0:58:24–0:58:28
um bestimmte Entscheidungen, Reaktionen machen zu können.
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Aber, es ist wichtig, dass das Tier weiß, warum es bestimmte Handlungen macht.
0:58:38–0:58:42
Das heißt, es kann dieses Repräsentationsmodell abrufen.
0:58:43–0:58:50
Wenn das und das passiert, mache ich das und das. Das heißt, das ist irgendwo drin.
0:58:51–0:58:54
Gespeichert, diese Information.
Micz Flor
0:58:55–0:58:57
Aber es hat die Wahl.
Florian Clauß
0:58:58–0:59:02
Genau, es kommt jetzt natürlich, in verschiedenen Ausgangssituationen,
0:59:02–0:59:05
gibt es verschiedene Wahlmöglichkeiten oder Entscheidungsmöglichkeiten.
0:59:06–0:59:08
Und er spricht dann von einer Privatisierung.
0:59:09–0:59:15
Die Lösung der Evolution ist hier dann, dass die Reaktion internalisiert und privatisiert wird.
0:59:15–0:59:19
Das ist halt so dieser Schritt, wo dann halt vorher dieser Motorbefehl jetzt
0:59:19–0:59:25
nicht eine äußere Reaktion auslöst, sondern dass dieser, also Motorbefehl im
0:59:25–0:59:28
Sinne von dass der Körper dann irgendwie reagiert,
0:59:29–0:59:33
sondern es gibt dann halt eine Internal Map eine Internal Map,
0:59:33–0:59:35
die dann abgelaufen werden kann,
0:59:36–0:59:41
und das ist diese Repräsentationsebene und wo er dann von Internalisierung und
0:59:41–0:59:47
Privatisierung spricht, weil Privatisierung, diese Sinnesreize sind ja extrem
0:59:47–0:59:49
individuelle Erfahrungen,
0:59:49–0:59:52
Also du kannst es ja dann vorher nicht so mitgeben, dass es,
0:59:52–0:59:57
wenn es rot ist, ja, das wird ja dann erfahren. Das ist ja vorher nicht angelegt.
0:59:57–1:00:01
Das muss ja dann zu einem bestimmten Punkt, weil statistisch kommen halt die
1:00:01–1:00:07
Tiere in bestimmte Situationen, die dann halt irgendwie auch für alle dann ähnlich ist oder gleich.
1:00:08–1:00:11
Aber die spezielle Erfahrung, wie das jetzt gemacht wird, das passiert in dem
1:00:11–1:00:14
Moment. Und das wird dann quasi abgespeichert.
1:00:15–1:00:22
Verstehst du? Also deswegen ist es private, eine private Information im Sinne von individuell.
Micz Flor
1:00:22–1:00:27
Ja, ganz kurze Orientierung. Wo gehen wir so lang?
1:00:27–1:00:31
Das ist total schön übrigens, weil es erinnert mich alles hier an das Prag der
1:00:31–1:00:34
90er Jahre, dieser Minimarkt und alles was so.
1:00:35–1:00:38
Das ist interessant, das ist eine Zeitreise gerade.
Florian Clauß
1:00:38–1:00:41
Ja, wir gehen jetzt noch weiter hoch. Ich versuche mal ein bisschen,
1:00:41–1:00:44
dass wir von der Straße wegkommen. Vielleicht können wir da noch mal gucken,
1:00:44–1:00:48
ob wir da so reinkommen. Wir sind gerade hier an der Hauptstraße,
1:00:48–1:00:49
falls Sie das noch nicht gehört haben.
1:00:50–1:00:54
Also diese Ausführung des Motorreizes, das klingt halt auch so scheiße,
1:00:54–1:00:58
aber der Ausführung des Motorreizes wird quasi im letzten Moment unterdrückt.
1:00:58–1:01:03
Also das, was dann halt die Amöbe reflexartig gemacht hat, immer da rumgeschwommen
1:01:03–1:01:07
und so weiter. Es ist jetzt in einer zweiten Stufe so, dass es nicht mehr,
1:01:08–1:01:10
diese Reize müssen nicht mehr gemacht werden.
Micz Flor
1:01:11–1:01:15
Diese Reize müssen nicht mehr gemacht werden, weil das Wahrnehmungssystem erlaubt,
1:01:15–1:01:18
dass man es schon empfindet, wenn man es sieht und man muss es nicht erleben.
1:01:18–1:01:19
Also man muss es nicht...
Florian Clauß
1:01:20–1:01:23
Es entsteht nämlich eine sogenannte Rückkopplungsschleife. Und dann sind wir
1:01:23–1:01:26
wieder in diesem ganzen Meta-Universum.
1:01:26–1:01:32
Und das ist halt dieses Woosh-Effekt. Dieser Wow-Effekt, dass nämlich genau
1:01:32–1:01:35
dafür Zellen da sind, die diesen Rückkopplungsreiz dann verstärken,
1:01:36–1:01:39
und das genau dann so internalisieren können, indem die dann,
1:01:39–1:01:42
also das ist jetzt auch so ein bisschen, was nicht ganz belegt ist,
1:01:42–1:01:46
also was halt quasi so als Gedankenmodell ein Experiment hat.
1:01:46–1:01:51
Aber dass diese Verstärkerzellen quasi diese Internalisierung von Reizen befördern
1:01:51–1:01:53
und so eine innere Map aufbauen.
1:01:54–1:01:56
Damit entsteht halt quasi diese Rückkopplung.
1:01:57–1:02:00
Und es gibt einen sich selbst nähernden Kreislauf, der da rausfällt.
1:02:01–1:02:05
Also in dieser Selbstverstärkung wird auch davon gesprochen,
1:02:05–1:02:07
dass diese Zeitwahrnehmung verdickt.
1:02:08–1:02:11
Also das heißt, durch diese Verstärkung wird quasi das Erleben,
1:02:12–1:02:16
ausgeprägt in der Empfindung. Das heißt, du erlebst es viel intensiver.
1:02:16–1:02:19
Das sind halt so diese Momente, wo es dann halt irgendwie so,
1:02:19–1:02:22
wo du das Gefühl hast, alles läuft langsamer ab.
Micz Flor
1:02:22–1:02:26
Das heißt, dieser Wusch-Effekt, der ist bei Affen messbar, aber wir Menschen
1:02:26–1:02:29
kennen den irgendwie auch, was filmisch auch so dargestellt wird.
Florian Clauß
1:02:29–1:02:34
Wir kommen noch mal auf den Punkt, warum, was sind die evolutionären Voraussetzungen,
1:02:34–1:02:35
um davon sprechen zu können.
Micz Flor
1:02:36–1:02:40
Ist das so eine Art Wusch-Effekt, dass in dem Moment, wenn man in der Umgebung
1:02:40–1:02:43
noch was wahrnimmt, das mit inneren Modellen abgleicht und dann zum Beispiel
1:02:43–1:02:51
Gefahr spürt, dass man dann auf einmal ist und dann ist so Matrix-mäßig alles in Slow-Motion.
Florian Clauß
1:02:51–1:02:53
Ja, das ist vielleicht der Effekt des Erlebens, aber ich glaube,
1:02:54–1:02:57
das, was dich dann halt in diese Slow-Motion versetzen kann,
1:02:57–1:03:00
ist halt, dass diese Situation schon so stark,
1:03:02–1:03:06
aufgeladen oder gerückkoppelt ist, dass sie irgendwie in dieser Breite und dieser
1:03:06–1:03:08
Langsamkeit dann überhaupt erleben kann.
Micz Flor
1:03:08–1:03:11
Nee, das ist ja schon klar, also es ist ja ein subjektives Erleben.
Florian Clauß
1:03:11–1:03:17
Dieser Übergang von Stufe 2 zu Stufe 3 ist so, dass,
1:03:17–1:03:22
Das ist ja schlagartig passiert. Das heißt, er ist auf einmal da.
Micz Flor
1:03:22–1:03:23
Evolutionär.
Florian Clauß
1:03:23–1:03:26
Evolutionär wird dann behauptet.
Micz Flor
1:03:26–1:03:30
Also sobald aus dem Fisch ein Vogel wird, wupp, ist es da.
Florian Clauß
1:03:30–1:03:32
Wenn der Fisch aus dem Wasser springt.
Micz Flor
1:03:34–1:03:34
Ist es da.
Florian Clauß
1:03:35–1:03:40
Also ein bisschen die Analogie von, ich habe jetzt ein Mikrofon und gehe dann
1:03:40–1:03:43
so langsam an den Lautsprecher dran und habe dann die Rückkopplung.
1:03:43–1:03:45
Irgendwann ist dieses Pfeifen da.
1:03:45–1:03:48
Und vorher ist noch nichts zu hören, nichts zu hören und dann auf einmal bieb.
Micz Flor
1:03:49–1:03:52
Und ist das jetzt was Subjektives für jedes Individuum dieser Gattung,
1:03:52–1:03:56
die dazu in der Lage ist? Oder ist das auch was Darwinistisch-Evolutionäres
1:03:56–1:03:59
im Sinne von irgendwann gehen überall die Mikros an?
Florian Clauß
1:03:59–1:04:05
Ja, also wir kommen nochmal zu dem Punkt. Aber es ist ein kleiner Schritt fürs
1:04:05–1:04:07
Gehirn, aber ein großer Sprung für den Geist.
1:04:08–1:04:13
Die psychologische Folge ist die Erhebung des Selbst, die daraus resultiert.
1:04:14–1:04:18
Und in der Stufe 2 hatten wir noch kaum Selbst, in der Stufe 3 haben wir dann,
1:04:18–1:04:20
ein Selbst. Was bedeutet ein Selbst?
Micz Flor
1:04:20–1:04:22
Danke, dann brauche ich nicht fragen.
Florian Clauß
1:04:24–1:04:27
Also jetzt, wo alles mit mir geschieht.
1:04:28–1:04:31
Also so eindrucksvoll, mysteriös und exotisch.
1:04:33–1:04:36
Dann entsteht auch die Idee von was ich bin.
1:04:37–1:04:44
Also es entsteht eine gewisse Wertigkeit. Das Selbst hat einen Wert und hält sich auch für etwas.
1:04:45–1:04:48
Das ist diese Idee des Selbst, was dann da ist.
1:04:49–1:04:53
Anders gesagt, das Selbst ist das, was es wert ist, gehabt zu haben.
1:04:54–1:04:57
Du bist auf einmal jemand und hast was.
Micz Flor
1:04:58–1:05:01
Aber du kannst es ja auch nicht ändern wir können es ja jetzt dann nicht weg machen.
Florian Clauß
1:05:01–1:05:02
Es ist auf jeden.
Micz Flor
1:05:02–1:05:06
Fall da das Selbst ist das Gute es ist nicht so, dass es selbst jetzt irgendwie
1:05:06–1:05:11
so ein Zeiteffekt ist von dem, was uns evolutionär hilft, sondern es selbst.
Florian Clauß
1:05:11–1:05:16
Es gibt einen evolutionären Vorteil, ein Selbst zu haben sonst wäre es ja nicht da.
Micz Flor
1:05:19–1:05:20
Ja kann man das so sagen?
Florian Clauß
1:05:20–1:05:25
Ich glaube Aber das Prinzip ist ja so verbreitet, nach dieser Annahme,
1:05:26–1:05:27
dass man das so sagen kann.
1:05:28–1:05:31
Der Kerngedanke, der dahinter steht, ist,
1:05:32–1:05:39
Ich fühle, also bin ich. Das ist auch was dann Juhm, ein Philosoph aus dem 17.
1:05:39–1:05:41
Jahrhundert, also im Gegensatz zu Descartes.
1:05:42–1:05:47
Ich denke, also bin ich, ist ich fühle, also bin ich. Das ist ja so, was daraus resultiert.
1:05:48–1:05:54
Jede Empfindung trägt eigentlich auch so eine phänomenale eigene Signatur.
1:05:55–1:05:59
Du hattest vorhin dieses Beispiel gebracht mit dem Fotoalbum.
1:05:59–1:06:02
Er bringt dann auch so ein ähnliches Beispiel.
1:06:03–1:06:07
Jede Empfindung ist quasi wie in so einer Ahn-Galerie. Du siehst dann halt quasi
1:06:07–1:06:12
alle Empfindungen als Bilder so in der Signatur dann dargestellt.
Micz Flor
1:06:12–1:06:15
Mit Empfindung meint er aber nicht Emotionen, sondern Empfindungen sind eher
1:06:15–1:06:19
so ein Mosaik aus unterschiedlichen Emotionen, die da vielleicht mit reinstreuen.
1:06:19–1:06:21
Aber es geht jetzt nicht um so primäre Emotionen wie Eke.
Florian Clauß
1:06:21–1:06:25
Nein, nein, nein, genau. Ja, diese Erlebnisfähigkeit.
Micz Flor
1:06:26–1:06:29
Jedes Tier hat also ein Fotoalbum der Unanie.
Florian Clauß
1:06:33–1:06:36
Kommen wir zu der Frage, wie das entstehen könnte.
1:06:37–1:06:41
Und da hat er halt diese These, die ist jetzt auch recht bestritten,
1:06:41–1:06:43
umstritten, weil die jetzt auch nicht so belegt.
1:06:43–1:06:47
Ja, was war denn der Auslöser von diesem Phänomenalen selbst?
1:06:48–1:06:54
Der Urwusch. Der Ur-Wusch ist quasi die Fähigkeit der Tiere,
1:06:54–1:06:57
vor allem der Säugetiere und Vögel. Was haben die für Eigenschaften?
Micz Flor
1:06:58–1:07:01
Die können von oben auf die Erde gucken?
Florian Clauß
1:07:01–1:07:11
Nein, die sind Warmblütler. Das heißt, die haben eine Körpertemperatur von 35 plus minus Grad.
1:07:11–1:07:18
Und damit haben sich quasi so die Nervenbahnen und auch diese Wuschzellen,
1:07:18–1:07:22
was dann halt so als reflektierendes, als dieses Rückkopplungssystem,
1:07:22–1:07:26
was sich da etabliert hat, um das Phänomenale selbst zu erschaffen,
1:07:26–1:07:29
konnte sich das erst mal quasi entwickeln.
1:07:29–1:07:34
Weil das war genau dieser Punkt, auf einmal hast du die Voraussetzung,
1:07:34–1:07:37
um dann halt auch die elektrischen Signale so leiten zu können.
1:07:37–1:07:41
Also zum Beispiel braucht eine Boa, die dann so schwer ist wie ein Mensch,
1:07:42–1:07:46
die hat eine Körpertemperatur von 15 Grad und die braucht viel weniger Essen
1:07:46–1:07:48
als der Mensch. Sind das jetzt Fakten?
1:07:48–1:07:52
Ja, das sind Fakten. Also die Voraussetzung für diese dritte Stufe,
1:07:52–1:07:58
für diese Selbstentwicklung, ist quasi die Warmblütlichkeit. Das ist so der Kern.
1:07:58–1:08:02
Das ist ja zur Zeit der Dinosaurier entstanden. Ich glaube, es gibt auch schon
1:08:02–1:08:08
so Hybridformen von Dinosauriern, die dann diese Warmblütlichkeit entwickelt haben.
1:08:08–1:08:13
Und natürlich dann die Vögel als direkte Nachfahnder Dinosaurier haben das.
Micz Flor
1:08:14–1:08:18
Ja, und es gab auch schon eben Dinosaurier, die so groß waren vom Volumen her,
1:08:19–1:08:22
dass die eigentlich auch immer die gleiche Körpertemperatur hatten.
1:08:23–1:08:26
Weil die einfach so riesig waren. Diese ganz großen Fleischfresser,
1:08:26–1:08:31
die waren, also wenn man das ausmisst, dann ist es wohl so, dass die Tag-Nacht-
1:08:31–1:08:35
Temperaturänderung gar nicht so einen großen Einfluss hat auf die Kerntemperatur.
Florian Clauß
1:08:35–1:08:40
Ja, also könnte man sagen, dass dann halt auch die großen Dinosaurier auch dann
1:08:40–1:08:44
mehr oder weniger ein phänomenales Selbst entwickeln konnten.
Micz Flor
1:08:44–1:08:46
Also da müsste man jetzt irgendwann nochmal buddeln und gucken,
1:08:46–1:08:48
ob irgend so ein Brontosaurus unaniert hat.
1:08:50–1:08:52
Dann hätten wir da zumindest ein Zeichen.
Florian Clauß
1:08:54–1:08:58
Ich weiß nicht, ob ich das so plastisch machen könnte, diese drei Stufen,
1:08:58–1:09:01
aber die haben mich total das fand ich irgendwie eine ganz,
1:09:02–1:09:08
Tolle Ableitung, die Hanf wieder gemacht hat, weil wenn du dem nachgehst,
1:09:08–1:09:12
das heißt dieses Erlebnis, diese Erlebnisqualität,
1:09:12–1:09:17
dann ist es ja eigentlich nur so auf Tiere beschränkt, die dann quasi Warmblütler sind.
1:09:17–1:09:21
Und dann, wenn wir wieder dieses Gemälde von den alten Brügel anschauen,
1:09:21–1:09:24
dann haben wir ja auch nur Tiere, die da drauf abgebildet sind,
1:09:25–1:09:26
die empfindungsfähig sind.
1:09:27–1:09:32
Also diese Verknüpfung von Empfindungsfähigkeit und auch dieser evolutionäre
1:09:32–1:09:36
Sprung, diese Warmblütlichkeit zu haben, die da entwickelt wurden,
1:09:37–1:09:39
das finde ich schon grandios an dieser Stelle.
Micz Flor
1:09:39–1:09:44
Ja, ich finde es ein interessantes Bild. Ich habe wirklich so viele Definitionsfragen,
1:09:44–1:09:48
weil was heißt Bewusstsein in dem Moment? Was heißt Empfindung?
1:09:48–1:09:53
Also Empfindung ist keine Emotion, sondern Empfindung ist etwas, was ich...
Florian Clauß
1:09:53–1:09:54
Empfindungsfähigkeit.
Micz Flor
1:09:55–1:09:59
Empfindungsfähigkeit. Also aber was ist eine Empfindung? Weil wenn jetzt hier
1:09:59–1:10:03
es regnet gerade so ein bisschen, wenn mir die Tropfen auf die Innenhandflächen
1:10:03–1:10:06
irgendwie drauf fallen, dann empfinde ich etwas.
Florian Clauß
1:10:06–1:10:07
Ja.
Micz Flor
1:10:07–1:10:10
So und die sind irgendwie, die ditschen so ein bisschen und dann wird es ein
1:10:10–1:10:12
bisschen kühl, weil es verdunstet, so wenn ich das spüre.
1:10:13–1:10:17
Aber ich verstehe es nicht genau, weil das würde ja eine Echse auch erleben.
Florian Clauß
1:10:18–1:10:21
Ja, das ist halt die Frage, ob die das so erlebt oder ob die das jetzt,
1:10:21–1:10:23
also wenn wir das jetzt quasi mit dieser...
Micz Flor
1:10:23–1:10:26
Genau, wenn es die Frage ist, dann können wir ja auch,
1:10:27–1:10:30
Die Hypothese nicht stützen, zu sagen, also wir wissen nicht,
1:10:30–1:10:33
was Empfindung ist, also wir wissen nicht, ob wer empfindet oder nicht,
1:10:33–1:10:39
aber wir spekulieren jetzt darauf, dass Vögel und Säugetiere haben das,
1:10:40–1:10:42
die anderen haben das nicht.
Florian Clauß
1:10:42–1:10:47
Genau. Das ist die Ableitung aus dieser Blindside-Sache. Das ist halt genau,
1:10:48–1:10:54
diese Empfindungsfähigkeit, die dann mehr oder weniger empirisch belegt wurde.
1:10:54–1:10:57
Darauf baut jetzt diese ganze Theorie so auf.
1:10:57–1:11:00
Das müssen wir so annehmen. Aber es ist mehr oder weniger...
Micz Flor
1:11:00–1:11:06
Das heißt, wenn wir jetzt einen Fisch finden würden, dessen Gehirn komplex genug wäre,
1:11:07–1:11:13
oder vielleicht einfach in seinem Aufbau nahe an Kleinsäuger rankäme,
1:11:13–1:11:17
dann könnte man vermuten, dass dieser Fisch vielleicht doch auch empfindet.
Florian Clauß
1:11:17–1:11:21
Naja, das ist genau diese Streitfrage und die greift ja auch auf,
1:11:21–1:11:26
weil zu der Zeit, als Humphrey das Buch geschrieben wurde, da gab es auf Netflix,
1:11:27–1:11:29
zu diesem Film mein Freund der Oktopus.
Micz Flor
1:11:30–1:11:30
Ah ja, genau.
Florian Clauß
1:11:30–1:11:36
Und dann wurde auf einmal so gesagt, Oktopusse sind so empathisch.
1:11:37–1:11:44
Nein, der Oktopusse ist einfach kein Tier, was diese Empfindung wie Vögel und
1:11:44–1:11:48
Säugetiere haben können. Kann er ja nicht, weil er ist ein Kaltblütler.
1:11:48–1:11:52
Also das ist halt so diese radikale These.
Micz Flor
1:11:52–1:12:01
In gewisser Weise der Turing-Test, was ja auch für dieser Umgang mit KI gerade so ein Thema ist.
1:12:01–1:12:09
Also, dass ich als Mensch Bewusstsein und zielgerichtetes Denken und Empathie
1:12:09–1:12:11
alles wahrnehme bei der KI.
1:12:12–1:12:16
Oder beim Oktopus, aber das System das nicht hergibt.
Florian Clauß
1:12:16–1:12:19
Genau, das ist genau diese Aussicht, Ausblick, den er macht.
1:12:19–1:12:27
Nämlich können eben künstliche Intelligenz, kann das sowas wie eine Empfindungsfähigkeit
1:12:27–1:12:31
entwickeln? Nein, momentan nicht. Momentan sind diese Systeme nicht so ausgelegt.
1:12:31–1:12:36
Also das ist auch die Theorie. Man kann das natürlich dann halt diese Rückkopplungsschleifen,
1:12:37–1:12:38
die dann dafür nötig sind.
1:12:38–1:12:43
Ja, dieses Wuschzeug, wenn wir das dann halt auch in Silikon irgendwie simulieren
1:12:43–1:12:49
können, dann können durchaus Systeme, künstliche Systeme entstehen,
1:12:49–1:12:52
die dann so ein Selbstentwickeln können.
1:12:53–1:12:58
Wir sind jetzt auch so relativ am Ende. Ich meine, wir könnten jetzt natürlich
1:12:58–1:13:04
da nochmal so ethische Implikationen daraus ableiten, nämlich die Frage nach dem Tierwohl.
Micz Flor
1:13:04–1:13:05
Was darf man essen?
Florian Clauß
1:13:06–1:13:09
Ja, ist so. Also ich meine, weißt du, darfst du den Oktopus dann essen?
1:13:10–1:13:13
Ja, weil dann ist halt das Schmerz, darf man da sowas ableiten?
1:13:13–1:13:19
Weil dann hätte man gewisse Kriterien, nach denen man sich dann halt auch unterscheiden
1:13:19–1:13:20
kann. Das finde ich ja nicht verkehrt.
1:13:21–1:13:26
Also diese Wahrnehmung des Selbst, ja, oder überhaupt dieses Bewusstsein.
1:13:26–1:13:30
Es steht ja dahinter, dass es ein Bewusstsein dann gibt von den Tieren.
1:13:30–1:13:33
Also das wird denen ja nicht abgesprochen. sondern das heißt,
1:13:33–1:13:41
jedes Tier, was ein Warmblütler ist, hat die Fähigkeit, eine selbst zu entwickeln oder ist bewusst.
1:13:42–1:13:43
Das finde ich schon eine starke Aussage.
Micz Flor
1:13:43–1:13:47
Das ist eine starke Aussage. Ich finde, wie es mir so geht, ist,
1:13:47–1:13:51
ich finde das alles in sich selbst total interessant.
1:13:52–1:13:58
Aber ich finde, für mich greift das gar nicht so und so, also wenn wir jetzt in einer,
1:13:59–1:14:04
Form der Wissenschaft wäre und deshalb das und deshalb das und deshalb das,
1:14:05–1:14:08
da komme ich dann nicht so ganz hinterher.
1:14:08–1:14:13
Also klar, es bleibt immer spekulativ und kreativ an bestimmten Punkten und man macht das Sprünge.
1:14:14–1:14:19
Aber es ist ein bisschen für mich so, dass ich diese drei Beschreibungen,
1:14:20–1:14:22
da fehlt mir die Verbindung.
1:14:23–1:14:26
Weißt du, wie ich meine? Also wie komme ich von dem zu dem?
1:14:28–1:14:34
Dann fiel dieser Asteroid auf die Erde. Die Dinosaurier sind ausgestorben.
1:14:34–1:14:38
Der Himmel verdunkelte sich für mehrere Millionen Jahre. Keine Ahnung.
1:14:39–1:14:43
Und dann kamen die Säugetiere, dann bekamen die eine bestimmte Größe und auf
1:14:43–1:14:51
einmal zappt so eine Art Empfindungswusch durch die komplette Säugetierlandschaft.
1:14:51–1:14:57
Und die gucken sich auf einmal an und denken, ich weiß gerade, was du fühlst.
1:14:59–1:15:03
Ja, das ist so, das kann ja, also vielleicht kann es auch sein,
1:15:03–1:15:07
ich weiß es nicht, aber irgendwie finde ich, das greift in Argumenten nicht
1:15:07–1:15:11
so gut ineinander, sondern in Annahmen ist es sehr bildhaft.
Florian Clauß
1:15:11–1:15:20
Diese Frage von, was für ein evolutionärer Vorteil ein phänomenales Selbst zu haben, liegt dahinter.
1:15:20–1:15:27
Dann eben, dass diese Fähigkeit zu empfinden mit so einer Lust verbunden ist.
1:15:28–1:15:33
Und das ist ja schon interessant, dass man das dann so daraus ableiten kann.
1:15:34–1:15:38
Aber wie du es beschreibst, dieser Schritt dahin.
1:15:39–1:15:47
Der ist konstruiert, weil das jetzt quasi so am Reißbrett mit diesen singulären
1:15:47–1:15:51
Beobachtungen oder mit seiner Erfahrungsforschungsgeschichte.
1:15:51–1:15:56
Aber ich finde es einfach so einen interessanten Ansatz, weil der dann nochmal gerade aus einer.
1:15:58–1:16:01
Bewusstseinsphilosophischen Ecke dann die Möglichkeit gibt, dann nochmal so
1:16:01–1:16:03
einen anderen Vektor mit dieser
1:16:03–1:16:07
eben mit einer davinistischen Erklärung da rein zu gehen und zu sagen,
1:16:07–1:16:11
ja, die Warnbühel und dann entstand erstmal überhaupt dieses Selbst und jetzt
1:16:11–1:16:13
sind wir da mit unserem Selbst, was machen wir denn damit?
1:16:13–1:16:18
Aber da kannst du ja auch so bestimmte Sachen dann halt auch abführen mit irgendwie so, also,
1:16:18–1:16:23
in diese psychologische Richtung, also das Selbst, also ich habe mich dann auch
1:16:23–1:16:25
so ein bisschen wo diese, quasi diese Rückkopplungs,
1:16:26–1:16:30
wo dann diese Sinneseindrücke dann abgespeichert sind, das stelle ich mir dann
1:16:30–1:16:34
so ein bisschen vor, wie du es beschrieben hast bei Solms, wo dann halt so das Kind oder,
1:16:36–1:16:40
der Säugling, der noch keine Sprache hat, dann halt so diese Eindrücke irgendwo wegspeichert.
1:16:40–1:16:42
Und die werden dann halt nicht so richtig weggespeichert.
1:16:43–1:16:45
Jetzt auch so eine eigene Erfahrung.
1:16:45–1:16:48
Man ist ja so nah noch an diesem zum ersten Mal erleben.
1:16:49–1:16:53
Das sind ja so Sachen, die sind so drin. Du erlebst zum ersten und dann sehnst
1:16:53–1:16:57
du dich nach diesem Gefühl, das erste Mal dann halt das wieder so zu erleben.
1:16:57–1:17:02
Aber je älter man wird, desto weniger kommen diese Eindrücke dann irgendwie zusammen.
1:17:02–1:17:06
Es gibt dann so bestimmte Erklärungsmuster von der eigenen Erlebnisgeschichte,
1:17:07–1:17:11
die man so sich ableiten kann oder die man damit benutzen kann. Weißt du?
Micz Flor
1:17:11–1:17:14
Dieses Sprunghafte, da bin ich halt immer so suspekt. Ich meine,
1:17:14–1:17:19
einerseits finde ich, das hatte der Philosoph Metzing auch mal so schön beschrieben,
1:17:20–1:17:23
dass morgens das Bewusstsein anspringt wie so ein Neonlicht.
1:17:23–1:17:27
Da flackert das dreimal, blub, blub, und dann ist es da und du bist wach.
1:17:27–1:17:32
Also Bewusstsein hat als in seiner Natur, kann ich mich damit total verbinden.
1:17:32–1:17:38
Das ist auch so was Sprunghaftes, beziehungsweise aus dem Traum oder aus dem Schlaf.
1:17:39–1:17:46
Flickert man dann irgendwie mit zwei Schritten in einen Tag-Wach-Zustand,
1:17:46–1:17:48
eine andere Qualität des Bewusstseins.
1:17:49–1:17:52
Aber gleichzeitig kann ich mich auf dieser langen Linie,
1:17:53–1:18:01
Und diesen 820 Millionen Jahren oder so, die es dann irgendwie Kleinsäuger gab
1:18:01–1:18:04
und es ist nichts passiert und dann macht es wusch, auf einmal hat es Zoom gemacht.
1:18:04–1:18:10
Damit kann ich mich irgendwie nicht so gut anfreunden. Also es muss was Gradient
1:18:10–1:18:12
sein, da komme ich irgendwie besser mit klar.
1:18:12–1:18:21
Und zum Beispiel dieses panpsychische, was ich nicht, jetzt klingt das irgendwie
1:18:21–1:18:22
religiös, was ich nicht glaube.
1:18:25–1:18:30
Aber es ist trotzdem etwas, wo ich als Hypothese was mit anfangen kann,
1:18:30–1:18:33
weil es eben so ist zu sagen, ja das ist eh immer da und das wird dann halt
1:18:34–1:18:35
bei komplexeren Systemen auf
1:18:35–1:18:39
einmal auch berührt oder erfasst oder irgendwann dann auch reflektiert.
1:18:39–1:18:45
Das finde ich irgendwie interessant, weil parallel läuft so eine Art Komplexität
1:18:45–1:18:49
in der Entwicklung der Lebewesen mit.
1:18:51–1:18:56
Dafür ist Bewusstsein nicht gemacht, aber keiner weiß, wofür es gemacht ist oder wer es gemacht hat.
1:18:56–1:19:02
Aber wenn das dann an einem gewissen Grad ist, dann ist das sowieso schon in
1:19:02–1:19:07
allen Dingen und in den Menschen dann besonders und in anderen Säugetieren und
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Vögeln. Also damit kann ich irgendwie besser umgehen, aber dieses Wusch,
1:19:12–1:19:14
das ist wirklich schwierig.
Florian Clauß
1:19:15–1:19:18
Das als Hypothese anzunehmen. Kann ich schon nachvollziehen,
1:19:18–1:19:22
aber das ist auch tatsächlich der Punkt, der in dem Buch dann auch als sehr
1:19:22–1:19:25
umstritten gilt. Also das ist halt so diese Sprunghafte.
1:19:25–1:19:30
Und er erklärt es halt so, ja in der Biologie oder in der Entwicklungsgeschichte
1:19:30–1:19:33
gab es immer so sprunghafte Ereignisse, die da hingeführt haben.
Micz Flor
1:19:33–1:19:37
Du, wir sind jetzt hier irgendwie am Ende der Episode, aber sind gleichzeitig
1:19:37–1:19:40
auch irgendwie bei der Stalker-Episode gelandet, oder?
1:19:41–1:19:45
Wir sind in der Frontier deiner Stalker-Episode. Welche Nummer war das? Weißt du es noch?
Florian Clauß
1:19:45–1:19:46
Ich glaube, es war die...
Micz Flor
1:19:47–1:19:48
Lang, lang ist es her.
Florian Clauß
1:19:48–1:19:50
Oh, es war, glaube ich, die 6 oder...
1:19:51–1:19:54
Auf jeden Fall eine einstellige Nummer.
Micz Flor
1:19:55–1:19:57
Auch legendär. Und hier hätten wir uns mal verfangen müssen.
1:19:58–1:20:01
Glaubst du, wir kommen da raus? Ich meine, es ist ein Trampelpfad,
1:20:01–1:20:03
aber man weiß nicht, ob der Trampelpfad von Tieren ist.
1:20:04–1:20:07
Aber wenn er von Tieren ist, dann zumindest von welchen, die auch Wusch gemacht haben.
Florian Clauß
1:20:08–1:20:12
Aber ich glaube, hier kommen wir dann nicht mehr ganz raus.
Micz Flor
1:20:12–1:20:16
Wir kommen jetzt hier raus, ohne dass die Polizei gerufen wird.
1:20:16–1:20:20
Ah, die Tür ist auf. Gut.
Florian Clauß
1:20:21–1:20:25
Ja gut, vielleicht lag es auch so ein bisschen daran, dass ...
1:20:26–1:20:32
Also als ich das so gehört und gelesen habe, dann hat mich das total gepackt und begeistert.
1:20:33–1:20:35
Aber ich glaube, dir das zu erklären,
1:20:36–1:20:39
da ist so ein bisschen von dieser Begeisterung auf den Weg geblieben.
Micz Flor
1:20:40–1:20:41
Wegen der Erklärung meinst du das?
Florian Clauß
1:20:41–1:20:45
Ja, weil ich wahrscheinlich dann auch die Begriffe, das waren so Konzepte für
1:20:45–1:20:50
mich, die dann halt auch so neu sind. Und wo ich das dann auch erstmal so internalisieren
1:20:50–1:20:55
muss, um das dann entsprechend so rüberzubringen, dass es dann auch so nachvollziehbar wird.
Micz Flor
1:20:55–1:21:00
Aber nimmst du den Satz persönlich, was ich gesagt habe? Dass ich gesagt habe,
1:21:00–1:21:02
dass ich diesem Sprunghaften so nicht folgen kann?
Florian Clauß
1:21:03–1:21:07
Nein, nein, ich glaube, der Sprunghafte hat sich darauf bezogen,
1:21:08–1:21:13
dass diese Entwicklung nicht von meiner Erzählung, hoffe ich doch.
Micz Flor
1:21:14–1:21:16
Vielleicht ist es andersrum, vielleicht ist es ja genau das Sprunghafte,
1:21:17–1:21:18
was bei ihm so angelegt ist.
1:21:18–1:21:23
Und wenn man dann landet aus einer Insel der Anekdote, also aber wissenschaftlicher
1:21:23–1:21:29
Anekdote, also Blindside zum Beispiel, so ein Meilenstein in der Verhaltensforschung.
1:21:29–1:21:35
Ja, oder wie man drauf gucken möchte, Neurophysiologie ist halt so ein Ding.
1:21:35–1:21:41
Insofern kann man jetzt nicht sagen, dass da, aber die Ableitung aus den Anekdoten,
1:21:41–1:21:44
die blieb jetzt für mich so nicht zwingend nachvollziehbar.
Florian Clauß
1:21:44–1:21:49
Ja, genau. Ich glaube, der Punkt, der hat sich besser angefühlt in meinem Kopf,
1:21:49–1:21:54
als ich das dann rübergebracht habe. Aber gut.
Micz Flor
1:21:54–1:21:56
Das ist lustig, weil jetzt wir reden über Empfindungen. Du tust mir jetzt so
1:21:56–1:21:59
ein bisschen leid, weil ich bleibe bei meiner Meinung.
1:21:59–1:22:02
Ich müsste vielleicht das jetzt nochmal hören oder so, das Hörbuch,
1:22:03–1:22:06
um dann mich da reinzufinden. Ich habe auch das Video gesehen,
1:22:06–1:22:10
was du geschickt hast und ich fand das schon auch spannend in der Herleitung,
1:22:10–1:22:13
also mit den Herrchen und so. Das war ja auch in einem Video mit drin.
1:22:13–1:22:15
Sicherlich eine wichtige Stimme.
1:22:16–1:22:22
In der Summe dieser Hypothese, wie das alles ineinander greift.
1:22:22–1:22:25
Und voilà, deshalb gibt es ein Bewusstsein.
1:22:27–1:22:30
Das würde ich mal sagen, das kann ja noch keiner leisten.
1:22:31–1:22:38
Das bleibt ja im Endeffekt dann auch immer eine Leerstelle, weil wir können ja nur uns erleben.
1:22:39–1:22:42
Alles andere ist ja nur Empathie oder Mentalisierung. Das heißt,
1:22:43–1:22:47
keiner kann das leisten oder beweisen, dass deswegen Bewusstsein da ist.
1:22:48–1:22:53
Aber es fehlte mir einfach so die Verzahnung von Argumenten.
Florian Clauß
1:22:53–1:22:59
Verstehe. Vielleicht werde ich das in einer zukünftigen Episode nochmal vertiefen,
1:22:59–1:23:03
aber ich habe auf jeden Fall auch nochmal so diese biologische Sicht auf Bewusstsein,
1:23:04–1:23:05
nehme ich nochmal so mit.
1:23:06–1:23:14
Und ich habe auch schon in meinem Backlog andere Episoden, die dann auch sich damit befassen.
1:23:15–1:23:18
Muss ich mal gucken, ob ich das zum nächsten Mal so ein bisschen besser aufbereitet
1:23:18–1:23:21
bekomme, um das zu präsentieren.
1:23:22–1:23:29
Aber es war für mich auf jeden Fall nochmal so ein Gang in das Feld der Biologie,
1:23:31–1:23:37
was ich mir so erarbeiten musste. Aber ich fand es sehr spannend einfach und
1:23:37–1:23:38
wollte das mit dir so teilen.
Micz Flor
1:23:39–1:23:47
Ich finde, du hast es auch total super rübergebracht, weil deine Präsentation war total komplett.
1:23:47–1:23:52
Also es war ja alles da, fehlt ja auch nichts. Und in der Summe der Zutaten,
1:23:53–1:23:54
habe ich trotzdem das Gefühl,
1:23:57–1:24:01
dass es für mich irgendwie abstrakt bleibt. Ich kann nicht zupacken.
Florian Clauß
1:24:01–1:24:03
Es hat nicht Wusch gemacht.
Micz Flor
1:24:03–1:24:05
Genau, es hat Wusch gemacht.
Florian Clauß
1:24:06–1:24:11
Du nimmst die Bilder mit den ornernähenden Tieren. Das war das Eigentliche,
1:24:11–1:24:12
was ich da flanken wollte.
Micz Flor
1:24:12–1:24:16
Ich hatte immer früher diesen Schweizer Comedian Emil oder so.
1:24:16–1:24:20
Ich kann nicht Schweizer Comedian spielen, aber so ein bisschen.
1:24:20–1:24:25
Und dann die Tiere kommen zusammen und das sind die Tiere wärmer und andere
1:24:25–1:24:28
sind kälter und die warmen sind dann da und die schauen sich an,
1:24:28–1:24:32
und dann gucken die die Kalten an und die Kalten gucken irgendwo hin und gucken
1:24:32–1:24:35
sich nicht an und auf einmal macht es Wusch.
1:24:37–1:24:42
Und alle Tiere der Eiche Noah. Vielleicht ist es auf der Eiche Noah passiert.
1:24:44–1:24:48
Da war so eine kleine, das war wahrscheinlich wichtig, das Nadelöhr für die
1:24:48–1:24:51
Evolution des Wusch, dass eine begrenzte Anzahl,
1:24:53–1:24:57
von Säugetieren und Vögeln im ersten Untertitel.
Florian Clauß
1:24:57–1:25:00
Das ist tatsächlich auch eine Theorie dazu, dass es wirklich so Zweige,
1:25:00–1:25:05
die dann halt quasi diese Warmbütigkeit entwickeln konnten, auch aus so einem
1:25:05–1:25:08
dezimierten Abstammungsstamm kommen.
Micz Flor
1:25:08–1:25:12
Nee, natürlich. Also das ist ja alles... Also was ich mitnehme ist auf alle
1:25:12–1:25:19
Fälle, dass es eine biologische Erzählung ist, wie Bewusstsein halb zufällig,
1:25:19–1:25:21
aber auch zwingend entsteht durch die Komplexität.
1:25:21–1:25:26
Und natürlich ist das jetzt rückblickend zwingend entstanden,
1:25:26–1:25:28
weil sonst würden wir gar nicht drüber nachdenken können, weil wir könnten ja
1:25:28–1:25:31
ohne Bewusstsein nicht über Bewusstsein denken. Das heißt, es scheint jetzt
1:25:31–1:25:34
auch alles irgendwie so zu sein, als ob es so sein sollte.
Florian Clauß
1:25:34–1:25:41
Ja, was ich auch nochmal so stark finde an dieser Idee von eben,
1:25:41–1:25:47
dass sich bestimmte, diese Empfindungsfähigkeit, die sich dann halt so quasi
1:25:47–1:25:53
entwickelt hat, also aus so Pattern heraus, Rückkopplungspattern heraus,
1:25:53–1:25:56
die auf so einer Meta-Ebene passieren.
1:25:56–1:26:01
Also nicht im Sinne von kybernetisches System, das sich erstmal quasi orientieren
1:26:01–1:26:05
muss in einer Umwelt und dann erst wird es irgendwie, es gibt keine Stelle im
1:26:05–1:26:09
Gehirn und ich glaube, das ist halt so auch, was er dann so in dieser Gehirnforschung
1:26:09–1:26:11
dann auftut, die dann rot sieht.
1:26:11–1:26:16
Du kannst nicht sagen, dieses Areal im Gehirn ist für die Rotsehung zuständig,
1:26:16–1:26:21
sondern es gibt nur eine Empfindung, ein Pattern dafür, die ist quasi wie so...
Micz Flor
1:26:21–1:26:25
Redness. Also es geht nicht um die Farbe rot aus physikalischer Größe,
1:26:25–1:26:28
sondern es geht um das Redness als Qualia, als Erleben der Farbe Rot.
Florian Clauß
1:26:28–1:26:33
Genau, und das finde ich, diese Idee, dass Qualia das Erleben ist,
1:26:34–1:26:36
die Erlebnisfähigkeit, das finde ich halt so stark.
Micz Flor
1:26:41–1:26:42
Ja, Flo, vielen Dank.
1:26:45–1:26:49
Vielen Dank für deine Aufarbeitung und,
1:26:51–1:26:55
ja, ich finde es cool, dass wir uns jetzt auch ein bisschen gegenseitig verzahnen
1:26:55–1:26:59
und du jetzt Teil dieser Serie bist, für die wir aber noch keinen Serientitel haben müssen.
Florian Clauß
1:26:59–1:26:59
Doch, Bewusstsein.
Micz Flor
1:27:00–1:27:03
Ex-Post-Faktum, aber Bewusstsein hatten wir schon mal ganz früher mal.
Florian Clauß
1:27:03–1:27:04
Ja, wir haben Künziges Bewusstsein.
Micz Flor
1:27:04–1:27:07
Aber jetzt geht es um etwas anderes. Das war Künziges Bewusstsein.
1:27:07–1:27:10
Okay, jetzt geht es um biologisches Bewusstsein.
Florian Clauß
1:27:11–1:27:15
Um alles Bewusstsein. Aber auch religiös, wir hatten ja schon Buddhismus, Selbstbewusstsein.
Micz Flor
1:27:15–1:27:20
Also es geht um A-Wusstsein, B-Wusstsein, C-Wusstsein. Es geht jetzt um alles.
1:27:20–1:27:24
Ich mache dann die nächste Folge auch wieder zu diesem Thema.
1:27:25–1:27:28
Ja, die wird dann in zwei Wochen online sein.
Florian Clauß
1:27:28–1:27:29
Ja, ich freue mich drauf.
Micz Flor
1:27:30–1:27:31
Macht's gut, ihr VerbrecherInnen.
Florian Clauß
1:27:33–1:27:37
Ja, ich sage auch Tschüss und ich hoffe, ihr konntet ein bisschen was mitnehmen.
1:27:37–1:27:42
Dieser Episode aus dem Lichtenberg, aus dem Periferen.
1:27:42–1:27:47
Wir veröffentlichen unsere Bilder und auch weitere Informationen zu dieser Episode
1:27:47–1:27:53
auf eigentlich-podcast.de Schaut drauf und ich sage Tschüss, bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
1:27:53–1:27:54
Tschüss!


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Diese Folge ist anders als alles, was Flo erwartet hat. Micz trägt Liedtexte des Singer-Songwriters und Proto-Punkers Jonathan Richman vor, speziell "Fender, Fender, Fender" und "The Fender Stratocaster". Die wahrscheinlich bekannteste und beliebteste E-Gitarre ever, inzwischen über 70 Jahre alt (1954), beschreibt Richman passend: "Everythin’ your parents hated about rock ’n’ roll (...) Wangin’ and a twangin’, sounding so tough (...) And the kids in my corner, they can’t get enough. Fender Fender Fender". In dieser Episode reden wir darüber, wie Fender unter neuem Leadership ihre Community verstört, und über das vielleicht wichtigste "Gitarrenurteil" des Jahres. Das Landgericht Düsseldorf hat entschieden, dass die Korpusform der Fender Stratocaster als urheberrechtlich geschütztes Werk der angewandten Kunst gelten kann. Konkret ging es um einen chinesischen Hersteller, der Strat-Kopien über AliExpress in die EU verkauft hatte – der jedoch gar nicht vor Gericht erschienen ist. Das Urteil ist also ein "Versäumnisurteil", zu einer Verhandlung kam es nicht. Dabei kommen wir nicht umhin, einen Blick auf die Geschichte von Fender zu werfen. Legende Leo Fender verkaufte das Unternehmen bereits 1965. Heute gehört es mehrheitlich zur Servco-Gruppe, die während des Corona-Lockdowns massiv vom weltweiten Gitarrenboom profitierte. Wir diskutieren die Frage, ob die Branche die außergewöhnliche Nachfrage der Pandemie möglicherweise überschätzt hat und ob die aktuelle juristische Offensive auch vor dem Hintergrund eines schwächeren Marktes nach dem Boom betrachtet werden sollte (ausdrücklich eine Hypothese, keine belegte Tatsache). Fragt man die Kund:innen und die Gitarren-Community, dann gibt es zwar Verständnis dafür, gegen eindeutige Plagiate vorzugehen, aber auch viel Unmut über das rabiate Vorgehen mit Abmahnungen gegen kleine Hersteller:innen, Drohungen im sechsstelligen Euro-Bereich und Aufforderungen, Gitarren zu zerstören. Gehört die Stratocaster wirklich Fender allein – oder ist diese Gitarre nach 70 Jahren längst Gemeingut?

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Micz Flor
avatar
Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:02–0:00:07
Die Vermutung ist eher, dass während des Lockdowns dann die relativ neue Firma,
0:00:07–0:00:13
die es 2020 übernommen hat, gesagt, ey, das läuft ja wie geschnitten Brot, kauft Lagerräume,
0:00:14–0:00:21
produziert Gitarren in Mexiko, in Indonesien und dann haben die die Lager vollgebaut,
0:00:21–0:00:24
vollgemacht und werden das Zeug jetzt nicht los.
0:00:31–0:00:34
Ja, du sagst an, oder?
Florian Clauß
0:00:34–0:00:39
Ja. Hallo und herzlich willkommen zu Eigentlich Podcast Episode 107.
0:00:40–0:00:41
Kann das sein? Das stimmt.
0:00:42–0:00:51
107, genau. Letzte Episode hat Mitch uns noch mal vertieft über Marc Solms und,
0:00:51–0:00:56
seine Gedanken zu Bewusstsein erläutert.
0:00:56–0:01:01
Und wir hatten auch schon einen kleinen Ausblick gehört, dass heute Marc Solms
0:01:01–0:01:02
und, ich habe den Namen vergessen.
Micz Flor
0:01:02–0:01:03
Carl Fristen.
Florian Clauß
0:01:03–0:01:05
Carl Fristen, genau.
Micz Flor
0:01:05–0:01:06
Fristen.
Florian Clauß
0:01:06–0:01:11
Fristen zusammen gedacht werden und ich guck mal, ich hätte so eine Tour geplant.
Micz Flor
0:01:11–0:01:13
Aber der Mariannenplatz ist doch direkt da vorne.
Florian Clauß
0:01:13–0:01:14
Wollen wir da hingehen?
Micz Flor
0:01:14–0:01:15
Ja, das habe ich gedacht, wir gehen da hin.
Florian Clauß
0:01:15–0:01:18
Ich dachte, wir stimmen jetzt nochmal Turnstein und Schärmen an, aber...
Micz Flor
0:01:18–0:01:20
Das können wir ja machen, aber du kannst nochmal sagen jetzt.
Florian Clauß
0:01:21–0:01:27
Wir beginnen unsere tour marianplatz aber lass mich doch das so ich finde das
0:01:27–0:01:29
völlig okay ich muss nicht,
0:01:35–0:01:35
ja mit,
0:01:38–0:01:44
ich meinte ja schon dass durch die letzten episoden wir haben das ja das Bewusstsein,
0:01:44–0:01:49
aus verschiedenen philosophischen und spirituellen.
Micz Flor
0:01:49–0:01:53
Da brechte ich ganz kurz, was unsere Hörer schon wissen. Du weißt es noch nicht,
0:01:53–0:01:57
aber die haben die Überschrift gelesen. Wir haben heute ein anderes Thema.
0:01:58–0:02:00
Und die Hörer wissen, was es ist, aber du weißt es noch nicht.
0:02:01–0:02:05
Und deshalb fange ich jetzt einfach mal an.
Florian Clauß
0:02:05–0:02:08
Mein Freund Mensch fange ich jetzt einfach mal an.
0:02:09–0:02:12
Guck mal, da ist ein großes Loch, aber das siehst du noch nicht.
0:02:12–0:02:14
Das ist Speedart. Probier das mal aus.
Micz Flor
0:02:17–0:02:19
Ich fange einfach mal an, du musst dich da ein bisschen reinschauen,
0:02:19–0:02:21
aber ich glaube, als Thema wird es dich auch interessieren.
Florian Clauß
0:02:21–0:02:27
Oh, du machst jetzt auch so einen Sprung ins Schwimmbecken mit kaltem Wasser.
Micz Flor
0:02:27–0:02:31
Mit kaltem Wasser, genau. Rein mit dir kennst du Jonathan Richman.
Florian Clauß
0:02:31–0:02:32
Nee.
Micz Flor
0:02:33–0:02:38
Das ist so ein, könnte man sagen, Singer-Songwriter, so Punk, Post-Punk.
0:02:38–0:02:45
Der hat immer so auch so niedliche Lieder gemacht wie I'm a little dinosaur.
Florian Clauß
0:02:45–0:02:46
Ja, das kenne ich.
Micz Flor
0:02:49–0:02:53
Er schaut sich solche Dinge an und beschreibt sie dann eigentlich.
0:02:53–0:02:55
Zum Beispiel auch Pablo Picasso.
0:02:56–0:02:59
Jetzt werden wir gerade von hinten angesprochen, den lassen wir mal vorbeigehen.
0:03:03–0:03:08
Dann sagt er zum Beispiel über Pablo Picasso Well, some people try to pick up
0:03:08–0:03:11
girls and get called assholes.
0:03:11–0:03:14
This never happened to Pablo Picasso.
0:03:14–0:03:19
He could walk down your street and girls could not resist his stare.
0:03:19–0:03:24
And so Pablo Picasso was never called an asshole. Das ist quasi sein Text.
0:03:24–0:03:28
Also du merkst, das ist so sehr deskriptiv, so sehr an der Oberfläche mit so
0:03:28–0:03:31
Twists und Gedanken. Also er ist schon spürbar, was er so denkt,
0:03:32–0:03:33
aber es ist immer so deskriptiv.
0:03:34–0:03:37
Oder I'm a little airplane, da wird es noch fast schon naive Kunst,
0:03:37–0:03:40
wenn er sagt Well, I'm a little airplane, nioh,
0:03:41–0:03:45
I'm a little airplane, nioh, nioh, I'm a little airplane, nioh Ich sing es jetzt
0:03:45–0:03:48
nicht, aber es sind immer so einfache Rock'n'Roll-Sachen,
0:03:50–0:03:55
Wangety-wang, wangety-wang, I'm a little airplane, nioh, I fly in the dark over
0:03:55–0:04:00
the baseball park I fly at night, I got a little red light, wangety-wang,
0:04:00–0:04:02
wangety-wang, I'm a little airplane, you know,
0:04:03–0:04:08
Ist auch da wieder so ein Airplane, Dinosaur, Pablo Picasso und jetzt kommen
0:04:08–0:04:11
wir, weshalb ich den nehme, in unser Thema hinein ganz langsam.
0:04:12–0:04:16
Soll ich dir vorhin sagen, dass es sich hier um eine Stromgitarren-Folge handelt?
Florian Clauß
0:04:17–0:04:18
Nein, wirklich?
Micz Flor
0:04:19–0:04:22
Ich konnte dem nicht widerstehen, das Wetter ist so Stromgitarik.
0:04:22–0:04:24
Auch wenn Chris nicht hier ist.
0:04:25–0:04:30
Aus dem Jahr 1989, John Anderson Richmond, Fender Stratocaster.
0:04:31–0:04:36
Aus aktuellem Anlass. Es wird nachher um Copyright gehen, um die Frage,
0:04:36–0:04:38
was ist Kunst, was ist Marke.
0:04:38–0:04:41
Und ich glaube, dass es dich auch als Thema interessieren wird.
Florian Clauß
0:04:41–0:04:46
Du unterbrichst unseren Bewusstseins-Stream und kommst jetzt so quergeschossen
0:04:46–0:04:48
mit einer Stromgitarren-Folge.
Micz Flor
0:04:48–0:04:52
Ja, aber das ist ja diese Marc-Solm-Sache. In dem Moment, wenn so quasi von
0:04:52–0:04:56
unten fast schon sowas wie die Blase oder der Hunger drückt.
Florian Clauß
0:04:57–0:04:59
Was machen wir jetzt mit Friston und Marc-Solm?
Micz Flor
0:04:59–0:05:00
Der kommt noch.
Florian Clauß
0:05:00–0:05:01
Der kommt nächste Folge.
Micz Flor
0:05:01–0:05:05
Aber auf jeden Fall. Jonathan Richmond, The Fan der Stratocaster.
0:05:05–0:05:08
Ich kann das jetzt auch nicht singen, weil er singt auch so ein bisschen,
0:05:08–0:05:11
wie ich das vorhin versucht habe. Aber ich lese es einfach mal sofort.
Florian Clauß
0:05:11–0:05:15
Ja, aber ich kann nicht nur kurz eine Bebilderung machen von dem,
0:05:15–0:05:16
was ich jetzt gerade gehört habe.
0:05:16–0:05:23
Das klingt für mich wie so ein Indie-Strichzeichen-Comic. So einfachen Strichen
0:05:23–0:05:28
und so schlechten, also so ein bisschen wie Hab-mich-lieb-Charakter.
0:05:28–0:05:35
Die sind dann so ganz einfach und ein bisschen schmutzig, aber irgendwie sehr, sehr klar in der...
0:05:36–0:05:37
In der Richtung, sag ich mal.
Micz Flor
0:05:37–0:05:41
Ja, Jonathan Richmond ist den meisten vielleicht noch bekannt aus dem,
0:05:42–0:05:47
wie heißt das nochmal, A Girl Called Mary oder sowas mit Cameron Diaz.
Florian Clauß
0:05:47–0:05:50
Ja, nee, aus den 90ern.
Micz Flor
0:05:50–0:05:51
Ja, ja, ja.
Florian Clauß
0:05:51–0:05:54
War das, na, das war nicht A Girl Called Mary.
Micz Flor
0:05:54–0:05:56
Something About Mary.
Florian Clauß
0:05:56–0:06:02
Nein, nein, nein, nein. Okay, gut. Nein, der hieß ja anders. und dann gibt es immer so,
0:06:04–0:06:08
Zwischenspiele, wo dann halt so eine Band dann halt so singt oder.
Micz Flor
0:06:08–0:06:09
So ein Typ mit der.
Florian Clauß
0:06:09–0:06:10
Gitarre im Baum sitzt genau.
Micz Flor
0:06:10–0:06:15
Genau, genau das ist Jonathan Richmond das ist quasi sein Claim to Fame für den größeres Publikum,
0:06:16–0:06:19
und ich bin jetzt auch kein Jonathan Richmond Experte aber er kommt halt schon
0:06:19–0:06:24
aus so einer Punk Attitüde, weißt du aber eben nicht laut, sondern eher so Folk
0:06:24–0:06:28
Punk vielleicht, keine Ahnung steht da mit seiner Wandergitarre da und singt,
0:06:30–0:06:33
Und das Schöne bei ihm ist, dass er wirklich,
0:06:33–0:06:38
also er wirkt so völlig unberührt von der Tatsache, dass er auf einer Bühne
0:06:38–0:06:40
ist, aber gleichzeitig ist es schon irgendwie klar und spürbar,
0:06:40–0:06:41
dass er ein Künstler ist.
0:06:41–0:06:45
Aber wie du sagst, das sind so Strichzeichnungen, das ist wirklich so.
0:06:45–0:06:47
Und er sagt über die Fender Stratocaster, sagt er.
0:06:49–0:06:53
Born in the 50s, looking so bold, Fender Strattocaster.
0:06:54–0:06:57
Everything your parents hated about Rock'n'Roll, the Fender,
0:06:57–0:07:00
Fender, Fender. Ich singe jetzt doch ein bisschen.
0:07:00–0:07:05
Wanging and twanging, sounding so tough, Fender Strattocaster.
0:07:05–0:07:09
And the kids in my corner, they can't get enough, Fender, Fender, Fender.
0:07:10–0:07:13
Und dann singt er so weiter. Und da unten noch so ein bisschen Like,
0:07:13–0:07:15
also diese Beschreibung. Er versucht ja so Analogien zu finden,
0:07:15–0:07:18
wofür die Fender Strattocaster steht.
0:07:18–0:07:23
Like gasoline in the sand Fender Stratocaster Like a motorcycle at the hot dog
0:07:23–0:07:27
stand Fender Fender Fender Oh and the sound so,
0:07:27–0:07:33
thin It's barely there Like a bitchy girl who just don't care Fender Stratocaster,
0:07:34–0:07:38
Well that's something about that sound Like woo woo Ginsburg At the jukebox
0:07:38–0:07:41
joint You hear the sound and you get the point,
0:07:42–0:07:46
Wow Also irgendwie Das ist eine Hymne Ja es ist ein Monolith für diese Gitarre
0:07:46–0:07:49
Und natürlich, wenn er das singt, ja, und er merkt halt einfach,
0:07:49–0:07:51
die Gitarre ist so da und die Fender Stratocaster,
0:07:52–0:07:57
ich weiß gar nicht, 54 oder 55 wurde die entwickelt von Leo Fender.
0:07:57–0:08:03
Es gibt zum Beispiel diesen tollen Podcast 500 Songs von Andrew Hickey.
0:08:04–0:08:09
Und in diesem Podcast Five Funnels Songs, da gibt es auch eine Folge,
0:08:09–0:08:15
die beschreibt, wie auch in den 50er Jahren jemand von einer damals berühmten
0:08:15–0:08:18
britischen Band darauf wartet, dass endlich die Fender Stratocaster,
0:08:19–0:08:22
über den großen Teich, wie wir in Deutschland sagen, kommt.
Florian Clauß
0:08:22–0:08:26
Ja, willst du nochmal für unsere Hörerinnen und Hörer vielleicht sagen,
0:08:26–0:08:30
Stromgitarre, Fender, Stratocaster, also ein kurzes Recap machen?
Micz Flor
0:08:31–0:08:35
Ich bin ja gerade mitten da drin, oder? Was es ist, soll ich die Gitarren nochmal erklären?
Florian Clauß
0:08:35–0:08:40
Ja, nochmal kurz erklären, weil manche konnten das vergessen haben oder auch nicht wissen.
Micz Flor
0:08:41–0:08:46
Also die Fender Stratocaster kam damals aus Amerika, entwickelt von Leo Fender.
0:08:47–0:08:51
Und es gab schon E-Gitarren vorher, aber so the cool kid on the block in der
0:08:51–0:08:56
Zeit 50er Jahre war dann auf einmal Leo Fender. Vor allen Dingen auch deshalb,
0:08:56–0:09:01
weil der hat Gitarren hergestellt, wo die Hälse an den Körper angeschraubt wurden mit vier Schrauben.
0:09:02–0:09:07
Oder später mal drei, dann wieder vier und bei anderen ja heutzutage fünf, das ist nicht unüblich.
0:09:08–0:09:12
Und die war relativ straight, also einfach so ein Brett und ein Hals.
0:09:12–0:09:15
Dann konntest du zusammenschrauben und dann gab es halt so andere Firmen,
0:09:15–0:09:18
wie zum Beispiel die Gibson, die hatten ein Modell Les Paul.
0:09:20–0:09:24
Les Paul war auch ein Musiker, nachdem war das genannt. Heute kennen mehr Leute
0:09:24–0:09:27
das Gibson Les Paul Modell, den Musiker kennen die Leute nicht mehr so.
0:09:27–0:09:29
Verlinke ich einmal in die Shownotes vielleicht.
0:09:30–0:09:34
Und die zum Beispiel wäre so gebaut, dass der Hals eingeleimt war.
0:09:35–0:09:40
Und oben der Kopf, wo die Seiten aufgezogen werden und gestimmt wird,
0:09:40–0:09:44
der war so schräg und die war so ein bisschen fragil. Es gibt immer wieder mal
0:09:44–0:09:46
so, dass der Kopf abbricht, weil die umfällt.
0:09:47–0:09:50
Das heißt, dann musstest du irgendwie alles in Anführungszeichen wegschmeißen
0:09:50–0:09:52
oder leimen lassen. Das kriegst du nicht mehr so richtig hin.
0:09:52–0:09:57
Und die Fender konntest du einfach mit einem Schraubenzieher vier Schrauben
0:09:57–0:09:59
öffnen, einen neuen Hals dann machen, zuschrauben, fertig.
0:10:00–0:10:02
Und vom Sound her?
0:10:04–0:10:08
Der Sound der Zeit war anfangs erst mal der Single Coil Sound,
0:10:09–0:10:10
wer möchte kann dann irgendwie...
Florian Clauß
0:10:10–0:10:14
Auch hier unten rechts seht ihr die verlängten Episoden.
Micz Flor
0:10:14–0:10:16
Da haben wir ganz viel gemacht.
Florian Clauß
0:10:16–0:10:20
Das Single Coil, Humbucking-Effekt und so weiter. Abonniert unseren Kanal auf YouTube.
Micz Flor
0:10:24–0:10:28
Ursprünglich gab es die Esquire, das war eine der ganz frühen Telecaster-Modelle,
0:10:29–0:10:32
die hatte nur ein Pickup drin und dann gaben die Telecaster,
0:10:32–0:10:34
die hat der zweite, das ist jetzt ein bisschen vereinfacht gesagt,
0:10:34–0:10:40
weil Namen dann sich irgendwie immer wieder auch nicht nach den Pickups richteten,
0:10:40–0:10:43
aber es gab dann die Telecaster und dann später auch die Stratocaster.
0:10:44–0:10:49
Und die Stratocaster hat da so ein paar besondere Twists.
0:10:50–0:10:53
Eine Sache, die sie hat zum Beispiel, ist sie hat drei Single-Coil-Tonabnehmer.
Florian Clauß
0:10:54–0:10:57
Warum heißt es Single-Coil, wenn drei das?
Micz Flor
0:10:58–0:10:58
Genau.
Florian Clauß
0:10:59–0:11:00
Drei-Coil.
Micz Flor
0:11:00–0:11:06
Ja, Single-Coil, das stimmt. Also du konntest jeden Einzelnen ansteuern,
0:11:06–0:11:09
weil der Sound von der...
0:11:10–0:11:12
Also es ist interessant, weil wir machen jetzt so eine Basics-Folge draus.
0:11:12–0:11:16
Das ist eigentlich eher so, ich dachte, du bist ja schon ein bisschen weich. Ich bin aber ganz vorne.
0:11:18–0:11:22
Ich sage jetzt, ich mache es mal so, ich sage mal eher, warum die Pinderstrette-Kaste
0:11:22–0:11:25
besonders ist und ich nehme eine Folge mit dir.
Florian Clauß
0:11:25–0:11:28
Ich meine, das ist vier Jahre her, dass du mir darüber was erzählst.
Micz Flor
0:11:28–0:11:29
Dass du mir nicht zugehört hast.
Florian Clauß
0:11:30–0:11:37
Nein, dass du mir darüber... Das ist halt auch alles so gleich abzurufen. Kostet Energie.
Micz Flor
0:11:37–0:11:38
Kostet Energie.
Florian Clauß
0:11:38–0:11:39
Weißt du, weil Max war es.
Micz Flor
0:11:39–0:11:46
Was wir wissen müssen ist, es ist eine neue Gitarre, eine neue Erfindung,
0:11:46–0:11:49
hat so ein paar extra Tweaks drin.
0:11:51–0:11:55
Ganz praktisch, man kann den Hals abschrauben. Sie hat auch so einen Hebel unten
0:11:55–0:11:58
dran, also ein Tremolo, was immer auch Vibrato genannt wird,
0:11:58–0:12:01
wo man so draufdrücken kann und gehen die Seiten runter in der Stimme.
Florian Clauß
0:12:03–0:12:05
Das habe ich mir gemerkt.
Micz Flor
0:12:06–0:12:10
Und dann gibt es diesen, ich glaube sogar am Anfang war es ein Three-Way-Switch,
0:12:10–0:12:15
wo man die Single-Cost einzeln einstellen konnte, den ganz hinten.
0:12:16–0:12:21
Da, wo die, also ganz am Ende der Saiten, der klang so am schärfsten,
0:12:21–0:12:24
weil die Saiten da relativ wenig schwingt. Also es ist nicht viel Dynamik,
0:12:24–0:12:27
da ist eher so ein An-Off-Gefühl, das ist so ein sehr beißender Sound.
0:12:28–0:12:33
Und dann vorne am Hals, das ist dann der dritte, da ist eher so ein offener, blusiger Sound.
0:12:34–0:12:39
Und dann gab es noch diesen Middle-Pick-Up, der, ja, klingt in der Tat so ein
0:12:39–0:12:40
bisschen wie dazwischen.
0:12:41–0:12:45
Also der hat so einen guten Punch, aber ist jetzt nicht so super hart.
0:12:46–0:12:50
Und dann war interessanterweise so eine Weiterentwicklung von Fender,
0:12:50–0:12:52
ja, Listen to the Customer, da hat das viele,
0:12:53–0:12:59
GitarristInnen dann gemerkt haben, wenn man diesen Drei-Positions-Schalter so
0:12:59–0:13:04
in die Mitte stellt, dann gibt es so einen Punkt, wo dann zwei Tonabnehmer gleichzeitig an sind.
0:13:04–0:13:06
Und das hat nochmal so einen besonderen Sound gegeben.
0:13:07–0:13:11
Und das haben viele dann so eingesetzt, um halt die Bandbreite,
0:13:11–0:13:13
das haben sie noch ein bisschen zu erweitern. Und das wurde dann auch von Fender
0:13:13–0:13:15
übernommen, das haben die dann damit reingebaut.
0:13:16–0:13:20
Und haben dann auch noch angefangen.
0:13:21–0:13:26
Diese Wicklung der Tonabnehmer so zu gestalten, dass du diesen Middle Positions,
0:13:26–0:13:30
also wenn du den ganz hinten und Mitte hast oder ganz vorne und Mitte gleichzeitig
0:13:30–0:13:33
ein hast, dass du da diesen Humbucking-Effekt bekommst.
0:13:33–0:13:36
Also dass die nicht so brummen, wenn du auf der Bühne stehst.
0:13:36–0:13:39
Das hatte der Defender dann auch noch mit hinein entwickelt.
Florian Clauß
0:13:40–0:13:44
Ganz kurz zur Verortung. Wir gehen jetzt in die Adelbertstraße.
0:13:44–0:13:50
Da hinten ist ein ganz leckeres Restaurant, also die haben auch eine Abendkarte,
0:13:50–0:13:51
kann ich sehr empfehlen.
Micz Flor
0:13:52–0:13:55
Aber wir werden nicht bezahlt, dass die Leute denken, wir fangen jetzt langsam
0:13:55–0:13:57
an hier Werbung einzuschleifen.
Florian Clauß
0:13:58–0:14:00
Aber die haben ein super geiles Humus.
Micz Flor
0:14:01–0:14:02
Ja, die haben leckere Sachen.
0:14:03–0:14:08
Und ich finde es auch ganz schön gestaltet, weil das ist so ein Raum,
0:14:08–0:14:10
wo man auf den ersten Blick denkt, da kriegst du keine Gemütlichkeit hin.
0:14:10–0:14:14
Das haben sie auch nicht wirklich gemütlich gemacht, aber es bleibt irgendwie
0:14:14–0:14:16
funktional, aber es ist sehr angemündigt.
Florian Clauß
0:14:16–0:14:20
Die haben das gelöst mit diesem Schaumstoff in der Decke und dann,
0:14:20–0:14:23
weil das auch ein sehr großer Raum ist, du hast nicht das Hallige.
0:14:23–0:14:27
Das haben die ganz gut da rausgenommen, dass man sich dann halt auch irgendwie
0:14:27–0:14:32
so an Tischen noch ordentlich unterhalten kann. Und die haben so eine Kompostiermaschine.
Micz Flor
0:14:32–0:14:34
Ja, die habe ich auch schon gesehen.
Florian Clauß
0:14:34–0:14:34
Bertha.
Micz Flor
0:14:35–0:14:42
Ja, stimmt. Dicke Bertha. Ein bisschen martialische Analogie, aber lustig.
Florian Clauß
0:14:42–0:14:47
Guck mal, hier sind die Zeichen neu gemalt. Das müssen wir auch dokumentieren. So, jetzt weiter.
Micz Flor
0:14:48–0:14:52
Ja, weiter im Text. Also jetzt wissen wir ein bisschen.
Florian Clauß
0:14:52–0:14:55
Wie diese... Danke, Mitch, für die Erinnerung. Wir streifen jetzt wirklich vier
0:14:55–0:14:57
Jahre Stromgitarrenfolge.
Micz Flor
0:14:57–0:15:04
Ja, du bist auch gleich drin und erzählst uns, wie man Restaurants mit Decken
0:15:04–0:15:07
abhängt. Also dieses Soundthema greifst du gleich auf.
Florian Clauß
0:15:07–0:15:12
Ja, stimmt, das ist mir gar nicht aufgefallen. Aber danke, dass du mich so als Kooperativ warst.
0:15:12–0:15:16
Und nicht wieder wegläufst und mit dir alleine redest.
Micz Flor
0:15:16–0:15:19
Was auch schon für die, die es nicht wissen. das auch mal passiert,
0:15:20–0:15:23
weil wir mussten fertig werden und Flo hat gesucht, wo der Weg lang ist und
0:15:23–0:15:25
ich habe einfach einen Monolog gehalten.
0:15:27–0:15:31
Jetzt, wo ihr es wisst, könnt ihr mal, schreibt uns mal, wenn ihr rausfindet, wo das wohl war.
Florian Clauß
0:15:32–0:15:34
Ja, in Lichtenberg.
Micz Flor
0:15:36–0:15:40
Und diese Fender, wie gesagt, die war sehr, sehr beliebt. Buddy Holly ist zum
0:15:40–0:15:42
Beispiel jemand, der die gespielt hat.
0:15:42–0:15:45
Der ist fast ikonisch auch mit dieser Gitarre verbunden.
0:15:46–0:15:49
Und in England, wie ich vorhin schon angedeutet habe, ich glaube,
0:15:49–0:15:52
es waren die Yardbirds, aber ich glaube nicht.
0:15:52–0:15:55
Ich weiß es nicht mehr. Aber irgendein Gitarrist hat dann so drauf gewartet.
0:15:56–0:16:00
Und dann hat man in England darauf gewartet, dass die erste Fender Stratocaster,
0:16:01–0:16:02
die Musikszene aufmischt.
0:16:03–0:16:09
Leute wie Eric Clapton haben dann auch aus Amerika sich Fender Stratocasters mitgebracht.
0:16:10–0:16:12
Und das finde ich auch irgendwie interessant, so in diesem Zeitgefühl,
0:16:12–0:16:18
dass dann so eine Gitarre aus den 50ern, späten 50ern, die wurde dann Anfang
0:16:18–0:16:23
der 60er schon als früher so umgebaut, zusammengebaut.
0:16:23–0:16:26
Und das war halt nicht mal so zehn Jahre her, so wie wenn ich jetzt eine Gitarre
0:16:26–0:16:27
von vor zehn Jahren kaufen würde.
0:16:28–0:16:32
Da würde ich nie das Gefühl haben, das ist schon eine alte. Aber wenn man von heute in diese,
0:16:32–0:16:35
Zeit reinguckt, dann ist eben die ganz frühe Entwicklung von diesen Gitarren,
0:16:35–0:16:40
die haben noch andere Pickups, die sind anders gewickelt, manchmal stärker gewickelt
0:16:40–0:16:43
und dann wurde auch immer wieder so ein bisschen angepasst.
Florian Clauß
0:16:43–0:16:45
Ja, das ist ja interessant, weil das wirklich so, glaube ich,
0:16:45–0:16:50
bei allgemeinen Technologieentwicklungen, wenn dann eine neue Technologie,
0:16:50–0:16:54
dann gibt es halt ganz viele kleine Start-ups, die dann halt irgendwie so versuchen,
0:16:54–0:16:57
dann die Idee zu entwickeln und zu diesem Global Player zu werden.
0:16:58–0:17:01
Und das filtert sich ja dann erst nach fünf bis zehn Jahren.
0:17:01–0:17:02
Dann bleiben halt die Einzigen übrig.
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Und dann kommen wahrscheinlich noch mal so irgendwelche spezielleren Sachen,
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die dann halt damals entwickelt wurden. Wie jetzt zum Beispiel Dreamcast dann.
0:17:11–0:17:15
In der Spielkonsole. Die hatten ja nur eine Spielkonsole.
0:17:15–0:17:18
Und sind ja nie irgendwo. Dann haben die den Markt aufgemischt.
0:17:18–0:17:20
Aber gleichzeitig kriegt das wieder so ein Kultobjekt.
Micz Flor
0:17:20–0:17:27
Ja. Die Fender Stratocaster. wie viele dinge aus der zeit wurden die halt einfach
0:17:27–0:17:30
verkauft und diese idee von markenrecht schützen und,
0:17:31–0:17:36
und design schützen und so dass das wurde nicht so ernst genommen.
Florian Clauß
0:17:36–0:17:42
Ja und das ist eines meiner lieblings wir,
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gucken jetzt wirklich in die flucht zum koti auf der adelwald straße ich habe
0:17:47–0:17:51
gerade ein foto gemacht und an diesem haus das dann halt dieses diesen kott
0:17:51–0:17:57
das Conti umrahmt, steht er nur mit nervösen Buchstaben in der Uhr. A, B, H, S.
Micz Flor
0:17:57–0:18:00
Ja, das ist aber schon ewig.
Florian Clauß
0:18:00–0:18:05
Das ist, glaube ich, eines der heiligen Graffitis, die niemals übermalt werden,
0:18:05–0:18:07
weil alle das total respektieren.
Micz Flor
0:18:07–0:18:11
Ja, und jetzt keiner mehr aufs Dach kommt, als die Türen ausgetaucht wurden.
0:18:12–0:18:15
Warum spreche ich jetzt gerade über Fender?
0:18:15–0:18:20
Weil Fender hat vor, wenn ihr das hört, wahrscheinlich zwei,
0:18:20–0:18:28
drei Monaten, ein Gerichtsverfahren in Düsseldorf, Deutschland gegen eine chinesische Firma geschlossen.
0:18:30–0:18:32
Gewonnen, in Anführungszeichen.
Florian Clauß
0:18:32–0:18:36
Aber das ist nicht dieser Kraftwerkstreit, der war da auch neulich so,
0:18:36–0:18:38
wo die dann angeblich eine Einigung hatten.
0:18:38–0:18:41
Oder so einen, so einen, weiß ich nicht, so einen,
0:18:43–0:18:47
Ballermann-DJ, ist ein bisschen abwertend, aber der hat auch ein Sample von
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Kraftwerk genommen. Dieser Gerichtsstreit über Copyright ist auch jetzt irgendwie 20 Jahre alt.
0:18:52–0:18:56
Man dachte, man hätte jetzt eine Einigung, aber es ist wieder gekippt worden.
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Also weil du gerade Copyright gesagt hast. Aber erzähl weiter.
Micz Flor
0:19:02–0:19:07
Die hatten ein Gerichtsverfahren, haben geklagt gegen chinesische Firma,
0:19:07–0:19:10
die Kopien dieser Gitarre herstellt.
0:19:10–0:19:14
Und soweit ich weiß, ich habe das Original jetzt nicht gelesen,
0:19:14–0:19:18
soweit ich weiß, war das ein Hersteller, der wirklich eben auch das Logo oben
0:19:18–0:19:22
auf dem Kopf mit kopiert hat. Der wirklich quasi One-to-One-Copies,
0:19:22–0:19:25
also Fakes sozusagen hergestellt hat.
0:19:25–0:19:29
Und diese chinesische Firma ist aber zum Gerichtstermin nicht erschienen und
0:19:29–0:19:30
hat sich auch nicht verteidigt.
0:19:31–0:19:35
Und was ich auch nicht wusste, vielleicht wusstest du das, wenn man nicht erscheint,
0:19:36–0:19:39
dann kann das Gericht ein Versäumnisurteil erlassen. Das heißt,
0:19:39–0:19:43
in dem Fall heißt es, Fender hat in allen Punkten wohl Recht bekommen.
0:19:44–0:19:46
Obwohl einfach nur die Gegenpartei nicht erschienen ist.
Florian Clauß
0:19:47–0:19:50
Das ist interessant, weil du das jetzt gerade ansprichst mit Fender,
0:19:50–0:19:53
weil ich habe mich gefragt, ob Fender eine deutsche Firma ist,
0:19:53–0:19:57
Weil das irgendwie, warum wird das jetzt in Düsseldorf ausgefochten, aber,
0:19:58–0:20:01
wenn da ist eine amerikanische Firma, davon können wir glaube ich ausgehen aufgrund
0:20:01–0:20:05
der Historie von der Gitarren, die sie da mitbringt.
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Aber in Deutschland, in Düsseldorf ist nämlich...
0:20:11–0:20:16
Das renommierteste Gericht für Patent- und Markenrechtsstreitigkeiten.
0:20:17–0:20:20
Und deswegen werden da viele Prozesse, solche Prozesse geführt.
Micz Flor
0:20:20–0:20:21
Ah, okay, das wusste ich auch nicht.
Florian Clauß
0:20:21–0:20:28
Ja, das ist mir neulich auch begegnet in anderen Konstellationen, aber ja.
Micz Flor
0:20:29–0:20:35
Also der Hintergrund ist der, dass die einmal in Amerika bei dem Versuch,
0:20:35–0:20:41
Defender Stratocaster, die Körperform, die Korpusform für sich zu sichern und
0:20:41–0:20:44
dass sie die sozusagen lizenzieren könnten.
0:20:45–0:20:50
Da wurde geurteilt, dass das jetzt so viele Jahrzehnte her ist,
0:20:51–0:20:52
das war glaube ich Anfang der Nullerjahre,
0:20:53–0:20:58
dass einfach, wenn jemand sagt E-Gitarre, dann wird die gemalt.
0:20:58–0:21:02
Die ist quasi sozusagen auf einer, in Anführungszeichen, symbolischen Ebene,
0:21:02–0:21:05
sowas wie Public Domain. das ist einfach das Bild einer Gitarre,
0:21:05–0:21:07
die können das jetzt nicht mehr nach Jahrzehnten machen.
0:21:08–0:21:11
Und es ist auch wirklich so, dass es ein unfassbar großer Markt ist,
0:21:12–0:21:14
Stratocaster-Kopien herzustellen.
0:21:15–0:21:19
Du kennst ja vielleicht mal ein Projekt noch Kuckuckaster, wo ich so ganz viele
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Anleitungen, die ich jetzt auch aufgrund des Anlasses nochmal so ein paar rausposte,
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weil ich es so lustig finde.
0:21:25–0:21:28
Mein eigenes Projekt finde ich lustig, ja so ist es. Es ist lustig,
0:21:28–0:21:30
schaut es euch an auf Instagram.
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Weil Kuckuckassa ist halt, okay, schneide einfach, weil ich fand die Stratokasse
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immer hessig, schneide einfach Sachen weg und dann kommt innen drin was Schönes zum Fortschreiben.
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Und jetzt ist es absurde, dass Fender angefangen hat, nach diesem gewonnenen
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Urteil in Düsseldorf, so Seas and Desist, also so Abmahnungen an alle möglichen
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kleinen Gitarrenhersteller zu schicken.
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Und inzwischen auch in Amerika und inzwischen auch großen Konkurrenten,
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Konkurrentinnen, muss man das bei Firmen sagen, weiß ich nicht.
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Weil die denken, jetzt haben wir dieses Urteil und ich habe auf Instagram auch
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mal einen deutschen Gitarrenbauer dann gesagt, okay, hier ist es und hältst
0:22:10–0:22:12
du in die Kamera, Fender hat mir geschrieben,
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500.000 Euro Strafandrohung, wenn ich nicht sofort aufhöre, diese Gitarren herzustellen.
0:22:23–0:22:26
Wenn ich nicht alle Gitarren, die ich noch in Stock habe, vernichte.
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Und sie wünschen sich, dass ich auch die Liste der Kunden rausgebe,
0:22:32–0:22:37
damit die ihre Gitarren von mir gekauft auch zurückgeben müssten.
0:22:37–0:22:40
Das ist total over the top.
0:22:41–0:22:45
Und der rechtliche Hintergrund ist auch, es wird sehr spekuliert,
0:22:45–0:22:49
ob ein Säumnisurteil, was nur, weil die Gegenseite nicht da kam,
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dass das wirklich so eine Macht hat.
0:22:50–0:22:57
Aber natürlich, wenn du Fender gegen dich hast und die dann so auf dich drauf
0:22:57–0:23:01
crunchen, da möchtest du ja, du kriegst dann wahrscheinlich gleich erstmal eine
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Rechnung über 2000 Euro für die Rechtsansatzkosten.
0:23:04–0:23:06
Das heißt, du bist dann sofort mit dem Rücken zur Wand.
0:23:10–0:23:15
Und es ist interessant, es ist jetzt aber gerade relativ frisch.
0:23:15–0:23:17
Also wenn man es hört, ist es wahrscheinlich auch schon durch.
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Vielleicht kann ich es dann auch noch unten verlinken.
0:23:20–0:23:27
Aber es gibt PRS, das ist auch einer der großen Big Player aus Amerika im E-Gitarrenmarkt.
0:23:27–0:23:34
Die haben eine Stratocaster Body Copy, der Kopf ist unterschiedlich,
0:23:34–0:23:39
aber die ist qualitativ so hochwertig und zuverlässig, weil bei Fender hört
0:23:39–0:23:40
man immer wieder auch mal,
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dass dann die Gitarren, die da ankommen, manchmal auch einfach so nicht gut eingestellt sind.
0:23:46–0:23:50
Oder dann ist so eine typische Sache, so eine Montagsgitarre,
0:23:50–0:23:52
die läuft dann nicht so gut, die im Donnerstag sind die Besten so.
0:23:53–0:23:58
Und bei PRS ist halt wohl immer Top Standard, Top Innovation, perfekter Sound.
0:23:58–0:24:03
Und die ist gerade die beliebteste Stratocaster, weil Musikern,
0:24:03–0:24:06
die sich Dinge über 2000 Euro leisten können.
0:24:07–0:24:11
Und Fender versucht jetzt das irgendwie wieder zurückzuholen.
Florian Clauß
0:24:11–0:24:15
Dieses Top-Level, das rechts unten Modell, wie man so sagt. Aber das macht ja
0:24:15–0:24:16
die Firma nicht sehr sympathisch.
Micz Flor
0:24:16–0:24:20
Das ist dieses super Backlash, was gerade rum geht. Also wenn ich mal so eine
0:24:20–0:24:23
Skizze mache, was ich heute vorstellen wollte, ist genau das.
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Das eine ist halt diese Fender Stratocaster Innovation.
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Dann hatten die und das ist finde ich auch interessant hatten die einfach ein
0:24:30–0:24:34
geiles produkt der body war nicht geschützt über jahrzehnte wird es halt einfach
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populär alle wollen sowas haben du kannst sie dann,
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billig anbieter so ab 49 euro auch kaufen und jahrzehnte später kommen die um
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die ecke sagen und jetzt wollen wir es zurück haben.
Florian Clauß
0:24:48–0:24:54
Die ja in investorengruppe die da gerade investiert hat und hat geguckt wo kriegen wir jetzt das geld.
Micz Flor
0:24:55–0:24:58
Es ist wirklich so, wie du sagst, es sind Investoren jetzt drin.
0:24:58–0:25:03
Also zehn Jahre lang oder über zehn Jahre hat Leo Fender die Firma selbst geführt
0:25:03–0:25:10
und dann, so hatte ich es im Artikel gelesen, hatte er von einem Arzt so gesagt bekommen,
0:25:12–0:25:17
dass er tödlich erkrankt sei und hat dann die Firma verkauft an CBS.
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Und CBS hat 13 Millionen US-Dollar dafür gezahlt und er war raus.
Florian Clauß
0:25:21–0:25:23
Das ist ja eigentlich nicht vielen, oder?
Micz Flor
0:25:24–0:25:28
Ja, ich weiß nicht, man muss doch immer so Investitionen sporadieren und E-Gitarren
0:25:28–0:25:29
mag, das ist irgendwie schwer.
Florian Clauß
0:25:29–0:25:36
Aber man ist irgendwie so diese Milliarden Übernahmen von irgendwelchen Softwareunternehmen
0:25:36–0:25:39
gewohnt und dann denkst du, die machen Hardware, das ist überall in der Welt.
Micz Flor
0:25:39–0:25:41
13 Millionen kriegen wir so.
Florian Clauß
0:25:41–0:25:45
Als ob die einen Druckschalter erfunden haben. Das ist halt gerade mal so am
0:25:45–0:25:46
Wannsee eine Villa oder so was.
Micz Flor
0:25:46–0:25:48
Ja, genau, das stimmt.
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20 Jahre lang hatte CBS das und die hatten dann versucht, das irgendwie zu zeigen.
0:25:52–0:25:53
Aber das war so ein bisschen wie Apple.
Florian Clauß
0:25:53–0:25:55
Okay, das war vor 20 Jahren.
Micz Flor
0:25:55–0:26:02
20 Jahren, 65, von 65 bis 85 hatten die das. Und das war so ein bisschen dieser Effekt, so wie...
Florian Clauß
0:26:02–0:26:05
Inflationsbereinigt ist ja dann total viel, 13 Millionen. Ich dachte,
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das ist dann jetzt gewesen.
Micz Flor
0:26:08–0:26:12
Und so ein bisschen wie, du erinnerst dich an Apple, als Steve Jobs wegging.
0:26:13–0:26:16
Das ist genau das Gleiche, was da auch passiert ist. Also diese Gitarren aus
0:26:16–0:26:19
der Zeit, da wurden dann teilweise so Dinge rumgebaut, wo dann
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ein Gitarrenkopf für eine zwölfseitige Gitarre, der so lang ist,
0:26:22–0:26:26
der wurde dann halt mit einem Body geschraubt, dann haben sie ein bisschen rumgespielt
0:26:26–0:26:29
und dann wollten sie auch Hamburger Pickups machen, aber die liefen nicht.
0:26:29–0:26:34
Also es war so eine Zeit, wo dann teilweise auch die Qualität nicht so gut war,
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die Ideen nicht so gut waren, aber natürlich auch trotzdem einige dieser
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Sachen, von denen dann wirklich nur 200 Stück gebaut wurden,
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heute sehr viel wert sind, einfach weil es so Unikate sind.
Florian Clauß
0:26:45–0:26:47
Wenn man mit Apple vergleicht, das war ja die Zeit, wo dann halt auch Apple
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dann quasi die Hardware rausgegeben hat. Und dann konnte UMAX oder so auf einmal
0:26:52–0:26:56
Apple dann Rechner herstellen, die viel günstiger waren.
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Ich weiß nicht, ob das noch erinnert ist. Aber das war dann halt so,
0:27:00–0:27:03
da hat sich jeder diesen UMAX, oder ich glaube, die hieß den UMAX,
0:27:03–0:27:07
hat sich das dann halt geholt, weil der dann halt irgendwie besser von der Hardware war.
0:27:08–0:27:11
Aber die Mac-Software lief drauf, das Betriebssystem.
0:27:12–0:27:16
Aber es sah halt ganz schlimm aus. Es ging gar nicht.
Micz Flor
0:27:16–0:27:17
Es gab sogar mal.
Florian Clauß
0:27:17–0:27:19
Und dann hat man halt dieses,
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OSX, das 10er-System dann.
Micz Flor
0:27:24–0:27:29
Ja, ich glaube, es gab sogar mal einen Acer-Laptop oder so, wo man OSX draufsteht.
Florian Clauß
0:27:29–0:27:35
Ja, ich meine, gut, diese, nee, wir wollen jetzt nicht in eine Wecklohn-Geschichte einsteigen.
Micz Flor
0:27:36–0:27:39
Aber wir haben ähnlichen Effekten. Und dann gab es von Bill Schulz,
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der früher bei Fender gearbeitet hat, 1985 den Buyout. Der hat sich quasi das
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Produkt wieder zurückgeholt.
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Aber seit 2020 ist eine neue Firma, die heißt Surfco.
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Surfcore gehört jetzt Fender und das ist wohl ein hawaiianischer Familienkonzern,
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keine Ahnung, wie das irgendwie dazu gekommen ist.
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Aber das ist quasi der eine Teil, du hast so Innovationen am Anfang,
0:28:06–0:28:11
dann einfach gute Produkte herstellen, Produkte verkaufen, diese Idee von Copyright, also so.
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Virtueller Besitz, also wie Marktgerecht, so ist nicht so ein Thema.
0:28:16–0:28:17
Die Marke wird dann verkauft.
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Fender war dann übrigens nicht todkrank, hat die Firma verkauft und hat dann
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wieder erfolgreich eine zweite Firma mitbegründet, Music Man,
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die vor allen Dingen auch für Music Man Bässe sehr berühmt geworden ist.
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Und dann hat er mit G&L, das ist ein Kollege Fullerton, George Fullerton,
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glaube ich G, und L für Leo Fender, die haben dann zusammen auch noch eine Gitarrenfirma
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gebaut, haben auch wieder,
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viele Innovationen betrieben.
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Ich habe so eine Reihe von Artikeln aus unterschiedlichen Quellen im Netz runtergeladen,
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wo ich dann auch mal gehört habe, wie Leo Fender so ein bisschen was mit den Ohren hatte.
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Und da hat die Sounds immer super grell gemacht, als ob er so hohe Frequenzen hier so gut gehört hat.
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Das war öfter so, dass wenn er dann so Prototypen gezeigt haben.
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Ja, ist toll, aber nicht so viel. Die Höhen runter. Und dann haben sie es gemacht.
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Aber kurz bevor es in die Produktion ging, hat dann Leo nochmal wieder hingegangen
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zum Conveyor Belt und hat gesagt, weißt du was, hier, nimm die, nimm die Tonabnehmer.
0:29:23–0:29:26
Also er hat dann aber eben auch so Dinger, ich glaube, das hat D&L,
0:29:26–0:29:31
die zum ersten Mal, du kannst dich erinnern, Hamburger Single Coil, die Diskussion.
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Single Coil sind quasi einfach nur eine Kupferspule, vielleicht 8.000 Wicklungen,
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um ein Magnet drumherum oder um kleine Magnetstäbchen.
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Und wenn die Saite drüber schwingt, dann kommt da hinten eine Schwingung raus,
0:29:49–0:29:50
die wird verstärkt als der Gitarren-Sound.
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Ein Single-Coil hat einfach einen sehr klaren, offenen, dynamischen Sound.
0:29:55–0:29:59
Du schlägst wenig an, kommt wenig raus, schlägst viel an, kommt viel raus.
0:29:59–0:30:02
Problem ist nur, Radio und alles brummt.
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Und dann kam jemand auf die Idee, wir machen den Hamburger, wir nehmen zwei
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von diesen Single-Coils, wo die Magnete genau gegenteilig sind und auch die
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Wicklung genau andersrum ist.
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Und dann ist es so, wenn ein Signal jetzt dann oder wenn ein Signal hergestellt
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wird mit der schwingenden Seite, dadurch, dass die Spulen gegenläufig sind und
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die Magnete gegenläufig sind,
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ist es so, dass der Sound sich nicht gegenseitig auflöst, also nicht so Welle
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auf Tal und sowas fällt, sondern der Sound bleibt bestehen.
0:30:35–0:30:40
Aber das Brummen durch diesen Flip von Magnet und Spule, das läuft gegen sich
0:30:40–0:30:41
selbst und löscht sich aus.
Florian Clauß
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Das ist mal ganz schön,
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plastisch beschrieben mit dem Bild von den Wellen, die dann so leicht...
0:30:50–0:30:52
Mit so einem Schüsselrand schwappen?
Micz Flor
0:30:52–0:30:54
Nein, das waren die Kondensatoren.
Florian Clauß
0:30:54–0:30:55
Ah ja, okay.
Micz Flor
0:30:56–0:30:57
Das war eine Folge.
Florian Clauß
0:30:57–0:31:02
Die war ein Mauerpark. Genau, das ist mir noch so im Gedächtnis geblieben,
0:31:02–0:31:04
weil das sehr plastisch war, das Bild.
Micz Flor
0:31:06–0:31:12
Hier ist es jetzt eher so, dass es geht darum, dass halt die eine Spule erzeugt
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ein Signal, die andere Spule erzeugt auch ein Signal.
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Und die Signale, wenn die sich mischen, sollen sich nicht gegenseitig auslöschen.
0:31:20–0:31:21
Was man ja bei so Kopfhörungen...
Florian Clauß
0:31:22–0:31:23
Ja, das Prinzip ist klar, ja.
Micz Flor
0:31:23–0:31:28
Und so wurden dann die Hamburger entwickelt. Und dann gab halt das Problem,
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der Single-Coy, der hat halt so einen schönen Verlauf, so einen klaren Sound,
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ist so offen und spricht so gut an auf wenig oder viel Anschlag.
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Der Hamburger wiederum ist so gut, dass er nicht brummt. Und dann war es,
0:31:41–0:31:43
glaube ich, Leo Fender, der auch dann als erster die Idee hatte,
0:31:44–0:31:47
Ich habe eine Idee, wir machen so, wir machen die drei obersten Seiten,
0:31:47–0:31:51
kriegen eine Spule, die drei untersten Seiten, kriegen eine Spule, dann flippen wir die,
0:31:52–0:31:56
und dann haben wir quasi einen Humbug-Effekt, aber jede einzelne Seite schwingt
0:31:56–0:31:58
nur über eine Single-Coil-Spule.
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Also solche Kniffe, die irgendwie, wenn man sie erstmal gehört hat,
0:32:02–0:32:04
dann denkt man, ah, ja, ganz einfache Idee.
0:32:05–0:32:08
Aber das waren Sachen, die dann Leo Fender immer so mit an den Tisch gebracht hat.
0:32:10–0:32:15
Also das war diese frühe Zeit, dann wurde Buyout, Leo Fender hat andere Sachen
0:32:15–0:32:19
gemacht und Leo Fender hat aber in diese Company von G&L, diese Company,
0:32:19–0:32:21
die jetzt inzwischen auch,
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ja nicht pleite gegangen ist, aber die quasi aufgekauft wird,
0:32:26–0:32:31
in den Prozess pleite zu gehen, Konkurs anzumelden, von der gleichen Firma,
0:32:31–0:32:34
der auch schon Fender gehört.
0:32:34–0:32:41
Also die haben jetzt nicht nur Fender von CBS und dann so diese Firma übernommen,
0:32:41–0:32:47
sondern sie haben von G&L eben auch noch Rechte,
0:32:48–0:32:50
muss ich jetzt sagen, weiß nicht genau, was es ist, Rechte, aber Urheber und
0:32:50–0:32:54
sowas von Lio Fender, der Fender gegründet hat, mit.
0:32:54–0:32:57
Also sie haben jetzt quasi das Komplettpaket und auch die restlichen,
0:32:57–0:33:01
die Werkbänke und alles möglich von Leo Fender, alles jetzt mit eingekauft.
0:33:01–0:33:05
Sind scheinbar nicht sehr, so sagt zumindest die Tarren-Community,
0:33:05–0:33:10
sind nicht sehr nett damit umgegangen, haben seinen Arbeitsplatz quasi in den Müll geschmissen.
0:33:11–0:33:15
Wollten aber halt dieses ganze Intellectual Property, IP, das wollten die halt haben.
0:33:16–0:33:19
Und haben dann jetzt in Düsseldorf geklagt, wahrscheinlich eben auch,
0:33:19–0:33:25
wie du gesagt hast, weil das ein wichtiger Ort ist für die Klage europäischer Ort.
0:33:25–0:33:28
Europa ist auch ein Drittel des E-Gitarren-Markts.
Florian Clauß
0:33:28–0:33:33
Ja, und wahrscheinlich, also auch nur Spekulationen, aber wenn das gegen China
0:33:33–0:33:38
lief, kann ich mir vorstellen, dass da jetzt Austragungseuropa für so einen
0:33:38–0:33:42
Markenrechtsstreit wahrscheinlich neutraler ist als in Amerika.
0:33:42–0:33:46
Ja, deswegen haben wir das wahrscheinlich danach in den Südorf verlegt.
Micz Flor
0:33:47–0:33:50
Das weiß nicht. Ich meine, ich kann aber mit zu tun haben, dass die,
0:33:51–0:33:56
das ist ja ein bisschen anders, das Urheberrecht zum Beispiel ist ja anders
0:33:56–0:33:58
in Amerika als in Europa.
0:33:58–0:34:03
Ich glaube, in Europa kannst du dein Copyright, dein Urheberrecht niemandem verkaufen.
Florian Clauß
0:34:03–0:34:04
Das bist du einfach.
Micz Flor
0:34:05–0:34:08
Du kannst dann zum Beispiel Publishing Rights verkaufen. Du kannst das Buch
0:34:08–0:34:09
schreiben, das ist Copyright.
0:34:10–0:34:14
Du verkaufst die Publishing Rights für dein Buch an einen Verlag und die vertreiben
0:34:14–0:34:17
das dann. Vielleicht hat es auch damit zu tun.
Florian Clauß
0:34:17–0:34:18
Vielleicht,
0:34:20–0:34:21
ja.
Micz Flor
0:34:21–0:34:23
Nein, den nächsten. Wenn das Ganze dann weiter Wellen schlägt,
0:34:23–0:34:24
dann kann ich da nochmal reingucken.
Florian Clauß
0:34:24–0:34:25
Wir spekulieren.
Micz Flor
0:34:27–0:34:34
Das Ding ist, dass Fender schon geklagt hatte in Amerika und da das auch zurückgewiesen
0:34:34–0:34:39
wurde und was jetzt zum Beispiel Patent angeht, die Sachen aus den 50er Jahren
0:34:39–0:34:40
sind auch einfach so durch.
0:34:41–0:34:48
Markenrecht hatten sie nicht angemeldet für den Körper, es geht nicht um Geschmacksmuster,
0:34:48–0:34:50
weil das gibt es ja schon ewig auf dem Markt.
0:34:50–0:34:56
Und jetzt geht es halt über das Urheberrecht nach europäischem Recht und weil
0:34:56–0:35:01
die jetzt, so war mein Verständnis davon, weil die jetzt über G&L auch diese ganze Fender,
0:35:02–0:35:06
also diese Linie, man muss dann glaube ich diese Linie beweisen,
0:35:06–0:35:10
dass Leo Fender Fender gegründet hat, dann G&L und jetzt kaufen wir G&L auch
0:35:10–0:35:16
noch und damit haben wir diese durchgängige Linie von Fenders,
0:35:18–0:35:23
Entwicklungen bis heute und melden jetzt an und das war wohl eben auch dieser Kniff daran,
0:35:24–0:35:28
nicht irgendein Patent oder sowas sondern wir melden an, dass die Form,
0:35:30–0:35:34
Die Body-Form der Gitarre ist quasi ein Kunstwerk.
Florian Clauß
0:35:34–0:35:35
Okay.
Micz Flor
0:35:35–0:35:42
Sie argumentieren wohl, dass ein weiblicher Korpus, also eine abstrakte weibliche
0:35:42–0:35:44
Frau, die eine Hand hebt und so was. Echt?
Florian Clauß
0:35:45–0:35:49
Ja, vielleicht ist es ja wirklich, du musst eine Story dazu erzählen,
0:35:49–0:35:53
damit du das schützen kannst. Dann brauchst du halt irgendwie so eine Idee.
Micz Flor
0:35:53–0:35:57
Und die Situation ist halt eben, dass die Gegenpartei nicht erschienen.
0:35:57–0:36:02
Das hat keiner hinterfragt. Es gab kein Gegenargument und somit ist es jetzt erstmal durch.
0:36:03–0:36:07
Und jetzt kommt halt diese Welle von Cease and Desist, also von Abmahnung und
0:36:08–0:36:11
was halt in der Community passiert ist. und das finde ich ziemlich interessant
0:36:11–0:36:18
ist, dass Fender sich halt irgendwie total ins Upside gespielt hat.
0:36:18–0:36:23
Es gibt viele Leute, die sagen, ja, also wenn Fender jetzt vorgeht gegen Leute,
0:36:23–0:36:25
die eins zu eins Kopien herstellen mit Logo und allem drohendran,
0:36:26–0:36:27
ja klar, das sollte man nicht machen.
0:36:28–0:36:34
Aber wenn ein anderer Gitarrenhersteller sich diese Körperform nimmt und dann
0:36:34–0:36:37
Innovation betreibt, ob die Fender einfach nicht hinkriegt.
0:36:37–0:36:41
Und das ist auch ein großes Argument, dass gesagt wird, wenn Fender einfach
0:36:41–0:36:46
nicht die Gitarren baut in der höheren Preisklasse, die die Leute kaufen wollen,
0:36:46–0:36:50
sondern wenn das andere Hersteller machen, weil die einfach zum gleichen Preis
0:36:50–0:36:51
besser Qualität liefern,
0:36:52–0:36:56
dann sollen die sich einfach irgendwie Arschpacken zusammenkneifen und bessere Gitarren herstellen.
0:36:56–0:36:58
Warum dann diesen Streit entfachen?
Florian Clauß
0:36:58–0:36:59
Naja, wahrscheinlich nicht.
Micz Flor
0:36:59–0:37:01
Es gibt noch einen zweiten Twist dahinter
0:37:01–0:37:04
und den habe ich so ein bisschen mitbekommen während des Lockdowns.
0:37:05–0:37:10
War es so, dass weltweit eben der Verkauf von Elektrogetallen total hoch ging.
0:37:12–0:37:16
Nicht nur bei Fender, aber vor allem auch bei Fender, weil Fender parallel dazu
0:37:16–0:37:20
wohl auch noch so eine Plattform aufgebaut hat zum Online Musik,
0:37:20–0:37:24
Gitarre lernen und sowas, einfach generell Musik lernen, aber eben auch Gitarre.
0:37:24–0:37:27
Und die haben sie während des Lockdowns quasi freigeschaltet.
0:37:27–0:37:28
Du musstest dich nur registrieren.
0:37:28–0:37:32
Dann konnte jeder, der sich eine Gitarre gekauft hat, gratis diese ganzen Stunden
0:37:32–0:37:34
machen. Und die haben unfassbar viele Fender-Gitarren verkauft.
0:37:34–0:37:40
Und vor nicht allzu langer Zeit, als ich dieses Kuckuckaster-Projekt auch noch
0:37:40–0:37:46
hatte und für so einen Workshop für unser Band-Jubiläum da im Kindl.
Florian Clauß
0:37:46–0:37:47
Ja, in dieser Bauerei.
Micz Flor
0:37:47–0:37:50
Ja, da hatte ich so einen Workshop zum Kuckuckaster getan.
0:37:51–0:37:55
Da war es wirklich so, dass du halt für 25 oder 30, dann konntest du so eine
0:37:55–0:37:57
billige Fender-Strat-Kopie kaufen.
0:37:57–0:38:02
Jetzt nicht von Fender, aber du hast einfach gemerkt, ganz viele Leute haben
0:38:02–0:38:03
sich Haustiere gekauft.
0:38:04–0:38:09
Oder E-Gitarren gekauft, wenn es Lockdowns und die Haustiere ausgesetzt und
0:38:09–0:38:10
die E-Gitarren auf Kleinanzeigen verkauft.
Florian Clauß
0:38:10–0:38:14
Ja, deswegen gibt es jetzt halt auch da, der Markt ist wahrscheinlich dann so
0:38:14–0:38:20
wieder zusammengebrochen und die müssen halt gucken, dass die ihre Investkurve nach oben halten.
Micz Flor
0:38:20–0:38:23
Ja, und vor allen Dingen, und das ist wohl das Ding, die haben,
0:38:23–0:38:27
so wird vermutet, also man weiß nicht von innen, man spekuliert,
0:38:27–0:38:34
Es werden jetzt auch gerade bei Fender Massenentlassungen gemacht und da ist also viel in Bewegung.
0:38:35–0:38:39
Und vor allen Dingen war es wohl so, dass zu Lockdown...
Florian Clauß
0:38:39–0:38:40
Wegen der KI.
Micz Flor
0:38:40–0:38:46
Ja, das ist eben die Idee. Also wie viel KI hängt in der Produktion drin.
0:38:46–0:38:51
Aber die Vermutung ist eher, dass halt während des Lockdowns dann die relativ
0:38:51–0:38:55
neue Firma, die es 2020 übernommen hat, gesagt hat, das läuft ja wie geschnitten
0:38:55–0:38:57
Brot, kauft Lagerräume,
0:38:58–0:39:05
produziert Gitarren in Mexiko, in Indonesien, in Korea. in...
Florian Clauß
0:39:06–0:39:08
Ja, da war noch mal eine totale Marktverzerrung.
Micz Flor
0:39:08–0:39:14
Und dann haben die die Lager vollgebaut, vollgemacht und werden das Zeug jetzt nicht los.
0:39:15–0:39:19
Und das ist so, auch weil jetzt eben viele Entlassungen bei Fender sind und
0:39:19–0:39:22
das wird nicht so sein wie in Softwarebranchen wie LinkedIn oder so,
0:39:22–0:39:27
sondern da ist noch, glaube ich, genug handwerklicher Anteil drin,
0:39:28–0:39:33
dass es irgendwie ein bisschen darauf deutet, dass da was total schiefläuft.
0:39:34–0:39:38
Wir haben es 2020 übernommen, haben richtig Kohle reingezogen,
0:39:38–0:39:43
haben rein investiert und jetzt gibt es keinen Return of Investment und dann
0:39:43–0:39:45
gehen die halt jetzt den letzten Weg noch.
0:39:45–0:39:51
Okay, wir kaufen alles, was Leo Fender gehört hat und jetzt gehen wir nach Düsseldorf
0:39:51–0:39:55
of all places, verklagen die Chinesen, sind froh, wenn die nicht kommen,
0:39:55–0:39:58
vielleicht haben sie sogar gebribed, dass die nicht kommen, keine Ahnung,
0:39:59–0:40:01
und sind jetzt einfach richtig hart so am Pushen.
0:40:02–0:40:06
Es gibt diese eine Top-Level-Gitarre, also Top-Chef-Gitarre da von PRS,
0:40:06–0:40:13
die von dem Gitarristen John Mayer, der heißt quasi der Brand-Name da drauf.
0:40:14–0:40:19
Und Fender geht die jetzt ganz gezielt auch an. Und das ist jetzt nochmal was
0:40:19–0:40:21
anderes. Und da gucken jetzt gerade alle drauf.
0:40:22–0:40:24
Es ist einfach so gerade interessant zu sehen, was passiert.
0:40:24–0:40:30
Weil PRS, wurde auch von anderen Firmen schon verklagt wegen Copyright Infringement
0:40:30–0:40:32
und so und haben das bis jetzt wohl immer gewonnen.
0:40:33–0:40:40
Nicht von Fender, sondern von Gipsen, glaube ich, auch. Und wenn du jetzt eben so eine kleine Firma.
0:40:42–0:40:46
Die, was weiß ich, zwei Gitarren im Monat herstellen, so nebenher,
0:40:46–0:40:49
und sonst Gitarren reparieren, und wenn du die halt irgendwie angehst,
0:40:50–0:40:51
so, das ist ja auch ein bisschen Apple-Parallel.
0:40:51–0:40:55
Kannst du dich daran erinnern, als Apple sein Apfel-Logo so verklagt hat und
0:40:55–0:41:00
irgendein Hamburger Kindergarten den Apfel im Logo hatte, hat dann so eine Rechtsanwaltesgriff gekommen?
Florian Clauß
0:41:00–0:41:01
Hast du dich erinnert? Nee.
Micz Flor
0:41:01–0:41:03
Ich soll gucken, ob ich das noch finde, weil das glaubt sein.
0:41:05–0:41:07
Aber so fühlt sich das so ein bisschen an.
Florian Clauß
0:41:08–0:41:12
Ja, nee, das ist so diese Haifisch-Mentalität, die dahinter steht.
0:41:12–0:41:15
Ja, interessant. Das war deine Geschichte heute.
Micz Flor
0:41:15–0:41:16
Das war meine Geschichte heute.
Florian Clauß
0:41:17–0:41:20
Ich fühle mich so ein bisschen erinnert an Geschichten aus der Geschichte.
0:41:20–0:41:22
Aber trotzdem spannend.
Micz Flor
0:41:23–0:41:25
Ja, ich habe es jetzt so ein bisschen auch so reingeschoben,
0:41:25–0:41:28
wie gesagt, weil wir haben im Sommerloch immer Gitarrenfolgen.
Florian Clauß
0:41:28–0:41:32
Ja, das ist ja völlig okay. Wenn euch die Episode gefallen hat,
0:41:32–0:41:38
dann liked uns auf einer Plattform eurer Wahl.
0:41:39–0:41:42
Wie gesagt, Informationen findet ihr unter eigentlich-podcast.de,
0:41:42–0:41:44
wo wir langgelaufen sind.
0:41:44–0:41:47
Ich mache noch ein Bild, hier auch ganz klassisch am Samstag,
0:41:47–0:41:52
Markthalle 9. Da gibt es immer ganz lecker Zeug.
0:41:53–0:41:54
Und wir essen jetzt auch nochmal eine Falafel.
Micz Flor
0:41:54–0:41:55
Genau. Macht's gut.
Florian Clauß
0:41:55–0:41:56
Bis dahin. Tschau.
Micz Flor
0:41:56–0:41:57
Tschüss.

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Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:03–0:00:07
Wir brauchen die Emotionen, um zu priorisieren, was gerade wichtig ist,
0:00:08–0:00:11
in einer bewussten Verarbeitung durch die kortikalen Strukturen.
0:00:11–0:00:15
Und wenn wir es dann bearbeitet haben, muss es abgespeichert werden,
0:00:15–0:00:17
weil es kostet einfach viel zu viel Energie.
0:00:18–0:00:21
Und wenn es abgespeichert ist, aber nicht richtig abgespeichert ist,
0:00:22–0:00:24
dann kommt es halt immer wieder hoch.
Florian Clauß
0:00:31–0:00:34
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast.
0:00:35–0:00:39
Der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und Laufend reden.
0:00:40–0:00:46
Und diesmal sind wir unterwegs in Orten von Berlin, wo wir noch nicht vorher lang gelaufen sind.
0:00:47–0:00:51
Das heißt, hier werden wir garantiert nicht uns aus unseren vorherigen Folgen
0:00:51–0:00:54
kreuzen. Wir sind nämlich Rehberge ausgestiegen.
0:00:55–0:01:03
Rehberge in Wettigen laufen jetzt zum Volkspark Rehberge. und zurück Richtung U8.
0:01:03–0:01:06
Mal gucken, was uns da noch unter die Füße kommt.
0:01:06–0:01:11
Mit mir ist mein Freund und, wie sagt man?
Micz Flor
0:01:12–0:01:12
Retter.
Florian Clauß
0:01:12–0:01:15
Retter. Mitstreiter. Mitstreiter.
Micz Flor
0:01:15–0:01:16
Mitstreiter, ja.
Florian Clauß
0:01:17–0:01:18
Mitch. Hallo Mitch.
Micz Flor
0:01:18–0:01:19
Hallo Flo.
Florian Clauß
0:01:20–0:01:24
Wir haben eigentlich Podcast Episode 106.
0:01:25–0:01:29
Mitch, wir hatten die letzten beiden Episoden, habe ich ja bestritten mit dem
0:01:29–0:01:34
Thema, was sich dann auch über zwei lang hingezogen hat, nämlich Buddhismus.
0:01:35–0:01:39
Und wir bleiben in dem Bewusstseinsstrom.
0:01:40–0:01:47
Hast ja auch vor drei Folgen angekündigt, dass du heute über Solms eine Episode machen willst.
0:01:48–0:01:53
Und ich bin tatsächlich total unbeleckt und gespannt auf das Thema.
0:01:54–0:02:02
Du hattest ja schon in deiner Folge 103 war das über das Unbewusste von Freud.
0:02:03–0:02:05
Da hat es ja schon ein paar Appetizer eingestreut.
Micz Flor
0:02:07–0:02:14
Ja, in der 103, da hatte ich ja versucht, ganz kurz noch mal Freud als Nervenarzt
0:02:14–0:02:18
oder als jemanden vorzustellen, der nach 20 Jahren wissenschaftlicher Arbeit
0:02:18–0:02:20
und Forschung sich entschieden hat,
0:02:21–0:02:24
die Psychoanalyse zu begründen.
0:02:25–0:02:27
Ohne da jetzt nochmal ins Detail reingehen zu wollen, ist mir jetzt einfach
0:02:27–0:02:32
nur wichtig zu sagen, das war jetzt keine Erfindung, sondern das war von ihm ein Versuch,
0:02:33–0:02:40
Worte zu finden, Begriffe zu finden und vor allen Dingen auch Prozesse zu beschreiben
0:02:40–0:02:45
und damit irgendwie einem wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden.
0:02:45–0:02:49
Nach 20 Jahren wirklich wissenschaftlicher Forschung, wie man sie einfach damit
0:02:49–0:02:52
auch betrieben hat, mit Skalpell und Schneiden und so.
0:02:53–0:02:58
Und hat viele Dinge benannt und vermutet, die man nicht wirklich beweisen konnte.
0:02:58–0:03:01
Er wollte eben auch, dass die Biologie irgendwann die Worte dazu gibt.
0:03:01–0:03:06
Das habe ich auch im Blogpost auf der 103 mit reingenommen, ein paar Zitate dazu.
0:03:07–0:03:11
Und war sehr daran interessiert, wie das in der Zukunft wohl sein wird,
0:03:11–0:03:15
dass man das, was er versucht zu beschreiben, besser beschreiben kann und wie
0:03:15–0:03:18
viel davon, wie er sagte, umgepustet wird oder umgeweht wird.
0:03:19–0:03:24
So, und jetzt kommt eben der Sprung zu Mark Solms und der Neuropsychoanalyse.
0:03:24–0:03:30
Also Mark Solms ist 1961 geboren und ich werde ihn jetzt einerseits vielleicht
0:03:30–0:03:34
biografisch manche mit ranziehen für seine Motivation, warum er das macht,
0:03:34–0:03:36
was er macht, weil er schon sehr auch versucht,
0:03:36–0:03:42
diese freudianischen Gedanken noch mal anhand von.
0:03:44–0:03:49
Wissenschaftlicher, empirischer Forschung mit neuen, sichtgebenden Verfahren der letzten 30 Jahre.
0:03:51–0:03:57
Zu korrigieren, Vorschläge zu machen oder eben auch zu belegen,
0:03:57–0:03:59
dass er sich auch da abbilden lässt.
0:04:00–0:04:05
Und ich werde aber eben auch über seine Biografie vielleicht ein bisschen sprechen,
0:04:05–0:04:09
von dem, was ich aus seinen eigenen Worten weiß, aus Interviews,
0:04:09–0:04:12
die er gegeben hat, was seine Motivation war, weil ich das finde,
0:04:12–0:04:13
finde ich auch ganz interessant.
0:04:13–0:04:21
Er hat Psychologie und Neuropsychologie studiert in Johannesburg und vielleicht
0:04:21–0:04:23
erst mal zu seiner Biografie,
0:04:23–0:04:27
weil er das in dem Buch The Hidden Spring, das ist eins der Quellen,
0:04:27–0:04:29
ist auch verlinkt jetzt auf unserem Blogpost.
0:04:30–0:04:34
Das zweite Buch, was jetzt ein bisschen aktuell ist, das heißt The Only Cure,
0:04:34–0:04:38
will ich da auch verlinken. Da geht es explizit um evidenzbasierte Forschung
0:04:38–0:04:41
für die Wirksamkeit von psychoanalytischen Verfahren.
0:04:43–0:04:48
Und dann habe ich noch zwei, drei Artikel, die ich auch verlinke im Blogpost als Quelle.
0:04:49–0:04:54
Und in The Hidden Spring, in dem Buch, fängt er auch an, mit seiner Motivation
0:04:54–0:04:55
in dieses Feld hineinzugehen.
0:04:56–0:05:00
Und zwar war er vier Jahre alt, als sein älterer Bruder einen Unfall hatte,
0:05:01–0:05:02
von einem Haus gefallen ist.
0:05:02–0:05:06
Und danach, wie er es beschreibt, für das kleine Kind, das er damals war,
0:05:06–0:05:09
kam er aus dem Krankenhaus zurück. Und er sah halt immer noch aus wie sein Bruder,
0:05:09–0:05:10
aber er war ein ganz anderer Mensch.
0:05:11–0:05:15
Also er war einfach, hatte Schädigungen im Gehirn, das weiß ich jetzt nicht genau was.
0:05:15–0:05:21
Was aber den Kleinen dazu geführt hat, dass er auf einmal seinen Bruder nicht
0:05:21–0:05:22
wiedererkannte, aber es war immer noch sein Bruder.
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Es war wohl, wie er es beschreibt, so ein bisschen was Unheimliches.
0:05:25–0:05:28
Was Vertrautes und gleichzeitig Fremdes.
0:05:29–0:05:35
Und er beschreibt dann eben auch immer, dass er sehr bald schon irgendwie auch
0:05:35–0:05:39
als Kind schon so eine gewisse Sterblichkeit, Depression, depressives Erleben
0:05:39–0:05:42
hatte und irgendwie merkte, wenn man nur so kurz auf dieser Welt ist,
0:05:42–0:05:47
dann muss man sich doch irgendwie damit befassen, was das psychische,
0:05:47–0:05:51
also das subjektive Erleben, was dieses Erleben am Leben zu sein,
0:05:51–0:05:53
ja was das ist, das war so sein Forschungsdrang.
0:05:53–0:05:57
Und so kam er dann eben in die Neuropsychologie
0:05:57–0:06:00
oder in diesen Bereich der neurophysiologischen Forschung rein.
0:06:01–0:06:05
Und war dann aber erst mal sehr enttäuscht, weil er meinte,
0:06:05–0:06:10
dass halt eben nach Freud und dann nach dem Krieg und am Beginn des Behaviorismus,
0:06:10–0:06:14
da sprach man halt nicht über das subjektive Erleben, über die Psyche,
0:06:14–0:06:17
sondern man sprach eben immer nur über diese messbaren Dinge,
0:06:17–0:06:25
diese Kartografien, aber auch eben Prozesse, die da entdeckt wurden im Kortex hauptsächlich.
0:06:25–0:06:29
40 Prozent des Cortex beschäftigt sich mit dem visuellen System und er wollte
0:06:29–0:06:36
aber nicht diese Werkzeuge oder diese kognitiven Fähigkeiten erforschen,
0:06:36–0:06:37
sondern wirklich die Psyche erforschen.
0:06:38–0:06:42
Zuerst hat er angefangen mit seiner Doktorarbeit, wo er sich mit Traum beschäftigt hat.
0:06:42–0:06:49
Und das war so eine Schnittstelle, meint er. Das ist eine Schnittstelle zwischen diesen kognitiven,
0:06:49–0:06:53
strukturellen und teilweise funktionalen Prozessen im Gehirn,
0:06:53–0:06:58
die halt mit REM-Schlaf, gerade auch so seit den 50er Jahren auch bekannt waren
0:06:58–0:07:02
und weiter erforscht wurden und gleichzeitig aber natürlich der Traum ist ja
0:07:02–0:07:05
mit das Subjektivste, was man eigentlich erleben kann.
0:07:05–0:07:08
Also der Stand der Traumforschung damals.
0:07:10–0:07:15
Aus diesem Beobachten aus einer dritten Instanz heraus in das Hirn hinein war
0:07:15–0:07:22
halt das REM-Schlaf, den kannte man seit 1953 und wurde mit EEG gemessen und
0:07:22–0:07:25
das wurde halt untersucht.
0:07:25–0:07:32
Und man wusste auch, dass REM-Schlaf und Träumen scheinbar zusammenhängt.
0:07:33–0:07:39
Und es gab dann dieses Activation Synthesis Model von Alan Hobson,
0:07:39–0:07:45
in dem das Träumen dann bewiesenermaßen, in Anführungszeichen,
0:07:45–0:07:48
so eine Art Nebenprodukt von diesem REM-Schlaf ist.
0:07:48–0:07:52
Und der RM-Schlaf wird im Stammhirn in einem Bereich ausgelöst,
0:07:52–0:07:57
der jetzt überhaupt nichts irgendwie mit Gefühlen oder Emotionen zu tun hat.
0:07:57–0:08:03
Und es wurde dann halt irgendwie gesagt, dass das freudsche Idee von Traum als
0:08:03–0:08:07
Wunscherfüllung und das Unbewusstsein jetzt widerlegt, weil man weiß jetzt,
0:08:07–0:08:11
RM ist halt was, was im Gehirn irgendwie angeschaltet wird und nebenher entstehen
0:08:11–0:08:14
Träume und die sind eher Nebenprodukte.
0:08:14–0:08:18
Ja, und in den 90er Jahren kenne ich das auch noch, dass halt irgendwie damals
0:08:18–0:08:22
dann gesagt wurde, dass zum Beispiel der Körper muss halt manchmal wach werden,
0:08:23–0:08:26
damit man gucken kann, ob jetzt die Kerntemperatur noch stimmt und zu gucken,
0:08:26–0:08:27
dass man halt nicht erfriert oder sowas.
0:08:28–0:08:31
Und um wach zu werden, muss man halt das Gehirn anschmeißen und so wie man halt
0:08:31–0:08:36
im Auspuff im Auto kommt halt hinten Dampf raus, genauso kommen halt dann Träume raus.
0:08:37–0:08:41
Und das sei so ein Nebenprodukt von dem Versuch, dass der Körper feststellen
0:08:41–0:08:45
kann, ob er noch warm genug ist oder nicht zu heiß wird. Also das war dieser
0:08:45–0:08:48
Blick auf Träume und Marc Solms hat dann.
0:08:49–0:08:53
In einer sehr, sehr weiten Studie einfach viele Menschen auch getroffen,
0:08:53–0:08:59
die träumten, aber keinen REM-Schlaf hatten, weil diese Stelle im Hirnstamm,
0:08:59–0:09:02
in dem der REM-Schlaf gesteuert wird, die war kaputt.
0:09:04–0:09:05
Und umgekehrt gab es aber auch Menschen, die...
Florian Clauß
0:09:05–0:09:07
Aber die konnte man schon lokalisieren dann.
Micz Flor
0:09:07–0:09:11
Ja, die hatte man lokalisiert. Und umgekehrt war es aber auch so,
0:09:12–0:09:19
dass er Menschen hatte, wo RRM-Schlaf gegeben war, also die Phasen waren gegeben,
0:09:20–0:09:21
aber es gab keine Träume.
0:09:22–0:09:25
Und dann kam er halt so an den Punkt, wo er gemerkt hat, ach Moment,
0:09:25–0:09:30
die Sachen sind zwar korreliert, aber es ist nicht so, dass sie sich gegenseitig bedingen.
0:09:30–0:09:34
Es gibt keine Hierarchie, das heißt, da ist eine Korrelation da.
0:09:34–0:09:39
Und er hat das, war halt seine Doktorarbeit, das nochmal rauszustellen und hat
0:09:39–0:09:44
dann nochmal irgendwie geguckt, was ist denn das in eben sichtgebenden Verfahren,
0:09:45–0:09:48
welcher Teil ist denn aktiv beim Träumen, was ist denn da los im Gehirn?
0:09:48–0:09:56
Ja, und sonst merkt man halt Menschen, die Träume verloren haben oder die Fähigkeit
0:09:56–0:09:58
zu Träumen verloren haben,
0:09:58–0:10:01
die hatten eine Beschädigung eben in fast dem gleichen Teil,
0:10:01–0:10:04
der früher auch für die Lobotomie eingesetzt wurde.
0:10:04–0:10:08
Wo psychotische Menschen, die zu irre denken, die zu verrückte Sachen denken,
0:10:08–0:10:10
die wurden insofern ihren Träumen braucht.
Florian Clauß
0:10:11–0:10:11
Ja, oder?
Micz Flor
0:10:11–0:10:14
Genau, so neben dem Nase hat man da reingestellt. Ja, egal.
0:10:14–0:10:21
Aber auf jeden Fall, das System, das halt dahinter steht, ist das mesokortikalimbische Dopaminergesystem.
Florian Clauß
0:10:21–0:10:21
Oh ja.
Micz Flor
0:10:21–0:10:26
Ja, das ist quasi so ein Bindebereich zwischen dem Cortex, also diesen ganz
0:10:26–0:10:34
hohen Schädeldeckenahen Strukturen und dem Stammhirn oder den älteren Teilen des Hirns.
0:10:35–0:10:42
Ja, dieser Bereich, wo Solms sagt, das ging dann irgendwie an wie so die Lichter
0:10:42–0:10:47
auf so einem Rummelmarkt, wenn jemand träumt, das ist halt eine unfassbar große Energie.
0:10:48–0:10:51
Diese energetische Glucoseverbrennung, die er dann irgendwie sehen konnte,
0:10:52–0:10:57
in dem Bereich, den man allgemein hin als eben dieses Wunschzentrum,
0:10:57–0:10:59
dieses Lustzentrum beschreiben kann.
0:11:00–0:11:06
Und das ist sehr interessant. Also RRM-Schlaf und Träumen, das hängt gar nicht
0:11:06–0:11:07
zusammen, das korreliert nur.
0:11:07–0:11:13
Und wenn man träumt, wer träumen kann, der schmeißt volle Energie in diesen
0:11:13–0:11:15
Bereich rein im Hirn. Wozu ist das denn gut? Was ist denn das?
0:11:15–0:11:16
Was ist das für ein Bereich?
0:11:17–0:11:22
Und dann kam wohl bei ihm so ein bisschen diese Sache, hat nicht der Freud darüber
0:11:22–0:11:29
mal irgendwie, dass es darum geht, dass alle Träume irgendwie so was wie verkorkste
0:11:29–0:11:30
Wunscherfüllungen sind?
0:11:31–0:11:35
Und er war vorher noch von diesem Alan Hobson, der dieses Activation Synthesis
0:11:35–0:11:40
Model für REM schlaf, von dem wurde er eingeladen, seine Doktorarbeit vorzustellen.
0:11:40–0:11:44
Und im Anschluss daran hat Solmstel irgendwie gemeint, naja,
0:11:45–0:11:46
vielleicht müsste man sich bei Freud erst mal entschuldigen,
0:11:47–0:11:49
dass man dem irgendwie das um die Ohren gehauen hätte, so postum.
0:11:50–0:11:54
Und als er dann wieder zu Hause war, kam wohl eine E-Mail von eben dem Typ,
0:11:54–0:11:59
der meinte, also wenn er jetzt wirklich seine Forschungsergebnisse pro Freud
0:11:59–0:12:02
deuten würde, da müsste ihm leider seine Unterstützung entziehen.
0:12:02–0:12:04
Das ist jetzt nicht, dass ich das, ich habe da keine Belege für,
0:12:05–0:12:06
außer dass er das im Gespräch mal gesagt hat.
0:12:07–0:12:11
Und er meinte, er hat das ja gar nicht irgendwie pro Freud, aber das war so eine Brücke.
0:12:12–0:12:16
Wo er sich dann geöffnet hat dafür zu sagen, okay, ich bin in der Neurophysiologie
0:12:16–0:12:20
enttäuscht, weil ich möchte mit der Psyche auseinandersetzen,
0:12:20–0:12:23
aber die Psyche kommt in der Psychologie hier nicht vor.
0:12:23–0:12:27
Es geht immer nur darum, dass man von außen eben Prozesse erkennt und beschreibt.
0:12:27–0:12:32
Aber das subjektive Erleben, was es überhaupt bedeutet,
0:12:32–0:12:38
ein Gefühl dafür zu haben, jemand zu sein, das wird hier einfach nicht erforscht
0:12:38–0:12:46
und hat sich dann mehrere Jahre in auch eine eigene Psychoanalyse begeben und
0:12:46–0:12:50
hat dann 1999 eben diese Neuro-Psychoanalyse,
0:12:50–0:12:52
dieses Magazin mitgegründet.
0:12:53–0:12:58
Und das ist jetzt quasi der Punkt, an dem die beiden Sachen zusammenkommen.
0:12:58–0:13:05
Also wir haben jetzt vor Freud vor über 100 Jahren, der nicht die Mittel hatte,
0:13:05–0:13:10
da reinzugucken und seine kompletten Hypothesen,
0:13:12–0:13:16
Wenn dann überhaupt nur über Umwege belegen oder widerlegen können.
0:13:16–0:13:22
Und auf der anderen Seite dann auf einmal seit den 90er Jahren neue Mittel,
0:13:22–0:13:27
wirklich ins Gehirn zu gucken, während was passiert, während gedacht wird,
0:13:27–0:13:30
während geträumt wird, während was angeguckt wird.
0:13:30–0:13:35
Mit diesen Mitteln hat Marc Solmster angefangen, systematisch die Dinge nochmal abzuklopfen.
0:13:35–0:13:40
Und das ist das, was wir uns heute ein bisschen auch anschauen wollen.
Florian Clauß
0:13:40–0:13:43
Ja, okay, also das heißt, jetzt sind wir an dem Punkt,
0:13:44–0:13:49
wo wir aus einer Annahme von vor 100 Jahren jetzt eine Wissenschaft,
0:13:50–0:13:53
die erstmal diese Kurve gemacht hat, und wenn es bei Solms immer die gleiche
0:13:53–0:13:57
Frage gestellt wird, aber mit einem anderen Wissenschaftshintergrund.
Micz Flor
0:13:58–0:14:03
Und diese Faszination mit Freud und die Einstellung von Solms zufreut.
0:14:04–0:14:11
Marc Solms hat 2006, erschienen ist auch in der Zeitschrift Psyche, etwas zum 150.
0:14:11–0:14:13
Geburtstag von Freud veröffentlicht.
0:14:14–0:14:18
Und das Ganze habe ich jetzt aus einem anderen Reader nochmal,
0:14:18–0:14:20
der verlinkt ist im Blogpost.
0:14:20–0:14:23
Und das Zitat geht so.
0:14:23–0:14:29
Die angemessene Form, Freuds 150. Geburtstag zu feiern, ist nicht etwa ein Rückblick,
0:14:29–0:14:31
sondern der Blick voraus.
0:14:31–0:14:36
Deshalb möchte ich in diesem Beitrag den aktuellen wissenschaftlichen Rang von
0:14:36–0:14:38
Freuds Verständnis der Psyche resümieren.
0:14:38–0:14:43
Dabei geht es mir weder darum, Freuds Loblied zu singen, noch soll ein Schlussstrich
0:14:43–0:14:45
unter sein Werk gezogen werden.
0:14:45–0:14:49
Vielmehr möchte ich eine Bestandsaufnahme seines wissenschaftlichen Erbes vornehmen,
0:14:50–0:14:53
um einen realistischen Weg in die Zukunft aufzuzeigen.
0:14:53–0:14:58
Auf schönere Weise können wir einem echten Wissenschaftler unsere Hochachtung
0:14:58–0:15:01
meiner Ansicht nach nicht bezeigen.
0:15:01–0:15:04
Also das ist das Zitat. Man merkt halt eben, was ich meinte.
0:15:04–0:15:10
Er ist schon dafür, Freud ernst zu nehmen, sich das ernsthaft anzugucken.
Florian Clauß
0:15:12–0:15:14
Ja, okay, ist gekauft.
Micz Flor
0:15:14–0:15:17
In dem Artikel, aus dem ich dieses Zitat auch entnommen habe,
0:15:19–0:15:20
den finde ich dann in der Summe aber nicht so spannend.
0:15:21–0:15:23
Und ich habe mich auch dagegen entschieden, weil der dann wirklich versucht,
0:15:23–0:15:28
in so kleinen Unterkapiteln wirklich freudsches Konzept A, B,
0:15:28–0:15:32
C, D, E, F so irgendwie abzuklopfen und zu sagen, wie könnte man das mit der
0:15:32–0:15:39
heutigen Forschung leinen und muss man es, fühlt es sich bestätigt oder muss man es widerlegen?
0:15:39–0:15:42
Also es ist irgendwie sehr kleinteilig und ich habe stattdessen mir vorgenommen,
0:15:42–0:15:47
dass ich jetzt eher versuche, noch mal so ein paar Dinge in der Art,
0:15:47–0:15:53
wie soll es, die sich zusammenfasst, darzustellen.
Florian Clauß
0:15:53–0:15:53
Ja.
Micz Flor
0:15:54–0:15:59
Und da ist das Thema Bewusstsein und das Unbewusste...
0:16:00–0:16:05
Ein Teil davon und gleichzeitig auch ein Teil, der in die nächste Folge dann geht.
0:16:05–0:16:07
Und da muss ich echt schauen, wie ich das irgendwie gut trennen kann,
0:16:07–0:16:10
weil das muss ich ein bisschen auseinanderhalten.
0:16:10–0:16:17
Ich muss auch dazu sagen, dass ich gerade zum neuen Buch auch eine Besprechung, also The Only Cure,
0:16:18–0:16:21
habe ich eine Besprechung gelesen, wo im Guardian, glaube ich,
0:16:22–0:16:29
wo der Autor geschrieben hat, Ja, aber hat denn der Solms überhaupt die ganzen Artikel gelesen?
0:16:29–0:16:33
Weil ich habe sie jetzt mal gelesen und ganz so klar ist es ja wohl auch nicht.
0:16:33–0:16:38
Also da ist, ja, das letzte Wort ist nicht gesprochen.
0:16:38–0:16:44
Solms selbst meinte auch, dass die Idee von Sigmund Freud die Leute halt wirklich polarisiert.
0:16:44–0:16:49
Es gibt einerseits die, die halt wirklich gottgleich an Freud glauben.
0:16:49–0:16:52
Freud hat alles entdeckt und was Freud hat, ist irgendwie gesetzt.
0:16:52–0:16:53
Und da braucht man nichts mehr dazu machen.
0:16:54–0:16:57
Wir haben ja auch in der anderen Folge dann noch mal über Freud gesprochen, als jemand,
0:16:57–0:17:02
der auch seine eigene Theorie dann, obwohl er das immer wissenschaftlich auch
0:17:02–0:17:06
falsifizierbar machen wollte und auch den Austausch darüber gesucht hat,
0:17:06–0:17:10
dann doch eben diese geheime Gruppe gegründet hat,
0:17:10–0:17:15
um Freuds Arbeit so zu erhalten, wie sie bleibt, nachdem Alfred Adler da irgendwie
0:17:15–0:17:20
abgesprungen ist und mit seinem Konzept der Organminderwertigkeit dann irgendwie
0:17:20–0:17:23
eine neue Schule begründet hat. Das fand er irgendwie ganz fürchtlich.
Florian Clauß
0:17:23–0:17:24
Ja, wir haben darüber berichtet.
Micz Flor
0:17:24–0:17:25
Wir haben es ja.
Florian Clauß
0:17:25–0:17:27
You heard it here first.
Micz Flor
0:17:28–0:17:32
Und die andere Seite ist halt die, die Solms auch beschreibt,
0:17:32–0:17:38
dass halt die Psychoanalyse als Old Head, also als alter Hut gesehen wird.
0:17:38–0:17:41
Und das ist alles widerlegt, da ist nichts mehr zu holen.
0:17:41–0:17:45
Und er meint halt, beides ist falsch. Und auch inzwischen gibt es seit über
0:17:45–0:17:52
30 Jahren Evidenzforschung, was die Wirksamkeit von psychoanalytischer Psychotherapie belegt.
0:17:52–0:17:58
Ja und auch wohl sehr positiv belegt auch dazu gibt es dann in eine ganze reihe
0:17:58–0:18:00
von verweisen er eben in dem buch,
0:18:01–0:18:01
The only cure.
Florian Clauß
0:18:02–0:18:07
Ich bin mal im Vorschlag, weil wir sind jetzt hier auch am Laufen und reden,
0:18:07–0:18:11
aber vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht, wenn wir uns hier auf diese
0:18:11–0:18:13
schöne Wiese setzen und weitersprechen,
0:18:13–0:18:18
so wie wir es zuletzt bei meiner Folge gemacht haben. Oder möchtest du lieber im Laufen?
0:18:18–0:18:21
Nein, ich möchte lieber im Laufen reden. Okay, du bist der Klassiker.
Micz Flor
0:18:21–0:18:22
I'm the Klassiker.
Florian Clauß
0:18:22–0:18:27
Du bist der Newton unter den Einstein. Genau. Quanten, what the fuck?
0:18:27–0:18:29
Ich will die Rakete hochkriegen.
Micz Flor
0:18:31–0:18:37
Ich habe also jetzt mir eine Sache rausgenommen von Solms und das ist ein Artikel
0:18:37–0:18:41
aus dem Buch The Unconscious, das ist auch ein Reader zu einer Konferenz.
0:18:41–0:18:46
Anhand dessen möchte ich so ein bisschen versuchen, die Art darzustellen,
0:18:46–0:18:50
wie er mit der Psychoanalyse und Freud'schen Gedanken und Konzepten umgeht.
0:18:51–0:18:56
Wer will, kann sich dann zum Beispiel eben diesen anderen Artikel von der Psyche
0:18:56–0:19:02
2006 nochmal holen und dann diese Minikapitel durchlesen, wo er das irgendwie
0:19:02–0:19:03
an unterschiedlichsten konzentriert hat.
Florian Clauß
0:19:03–0:19:09
Ich kann mich noch kurz fragen, dieses Buch, was besprochen wurde, Cure, wie heißt es Cure?
Micz Flor
0:19:09–0:19:10
The Only Cure.
Florian Clauß
0:19:10–0:19:15
The Only Cure. Ist das ein Musikbuch?
0:19:18–0:19:19
Wann ist das erschienen?
Micz Flor
0:19:20–0:19:21
Freude, don't cry.
0:19:24–0:19:26
Die Onycure, das ist jetzt gerade erst erschienen. Ich weiß es,
0:19:26–0:19:29
ja, weiß nicht genau, aber ich würde sagen 23, vielleicht 24.
Florian Clauß
0:19:30–0:19:30
Okay, das können Sie mal.
Micz Flor
0:19:30–0:19:31
Vielleicht sogar 25.
Florian Clauß
0:19:32–0:19:35
Aber neulich, als wir in der Solmstraße waren, das war nicht die Solmstraße,
0:19:35–0:19:36
die in der Solms benannt wird.
Micz Flor
0:19:37–0:19:37
Nein.
Florian Clauß
0:19:37–0:19:44
Na gut, das war ich. Aber es war die Solmstrasse. Ah ja, jetzt verstehe ich deinen Witz.
Micz Flor
0:19:44–0:19:48
Ein lustiger Zufall. Und jetzt darfst du dir aussuchen, was wir zuerst machen.
Florian Clauß
0:19:48–0:19:49
Eine Consciousness.
Micz Flor
0:19:50–0:19:50
Zuerst Consciousness?
Florian Clauß
0:19:50–0:19:51
Ja klar.
Micz Flor
0:19:51–0:19:53
Okay und dann die Psycho-Nachrichtung.
Florian Clauß
0:19:53–0:19:55
Und dann die Brücke zur Psycho-Nachrichtung.
Micz Flor
0:20:00–0:20:03
Consciousness. Wie entsteht Bewusstsein bzw.
0:20:04–0:20:08
Der Begriff des Unbewussten bei Freud als erstes jetzt mit Marc Solms und dann
0:20:08–0:20:14
gehen wir ganz tief rein in der nächsten Folge mit Carl Fristen und Solms und
0:20:14–0:20:16
The Free Energy Principle und so weiter.
0:20:17–0:20:21
Aber jetzt, wenn wir erstmal von vorne drauf gucken, ich hatte ja schon in der
0:20:21–0:20:25
103 ganz kurz angesprochen, des Solms, obwohl er des Deutschen mächtig ist und
0:20:25–0:20:29
auch Texte von Freud neu übersetzt hat und Texte redigiert hat,
0:20:30–0:20:37
erlaubt er sich, finde ich, so die Frechheit, dass er Unconsciousness manchmal
0:20:37–0:20:41
gleichsetzt im Deutschen nicht nur mit dem Unbewussten, sondern auch mit der Bewusstlosigkeit.
Florian Clauß
0:20:41–0:20:43
Ja, das heißt, ich chauffiere drüber.
Micz Flor
0:20:45–0:20:49
Dem bist du ja ein bisschen auf die Spur gekommen. Du hast ja die Frage gestellt,
0:20:49–0:20:51
sonst hätte ich es ja unter den Teppich gekehrt eventuell.
0:20:53–0:20:58
Und das ist aber gleichzeitig, wir nehmen es jetzt einfach mal so hin,
0:20:58–0:21:00
weil die Argumentation ist jetzt nicht falsch.
0:21:01–0:21:04
Also Solms sagt halt, wer heute Bewusstseinsforschung macht,
0:21:04–0:21:08
der fängt gleich irgendwie bei den kompliziertesten, komplexesten an.
0:21:08–0:21:10
Warum guckt man nicht erstmal die Basics?
0:21:10–0:21:13
Warum guckt man nicht erstmal, was könnte denn bewusst sein auf einer ganz basalen?
0:21:13–0:21:15
Was braucht es denn für Bewusstsein?
0:21:16–0:21:22
Und nimmt dann eben die Grasgow Comascale als Vorlage, um zu gucken,
0:21:22–0:21:24
was gibt es da für Staffelungen.
0:21:24–0:21:31
Und diese Urschalter von komatös zu bewusst, das ist halt ein Bereich,
0:21:31–0:21:35
auch wieder ganz in der Nähe von dem RRM-Schlaf, also auch im Hirnstamm.
0:21:37–0:21:44
Periaqueductale Grau. Das ist auch im Hirnstamm drin, subkortikale Struktur.
0:21:45–0:21:50
Und in dieser Struktur geht es primär auch um Emotionen.
0:21:50–0:21:54
Man ist da auch manchmal zufällig darauf geschossen. Ein Beispiel war,
0:21:54–0:22:00
dass bei bestimmten Parkinson-Erkrankungen kann man auch über Elektroden,
0:22:00–0:22:08
die tief eben auch ins Stamm hin eingeführt werden, kann man die Symptome sehr gut reduzieren.
0:22:09–0:22:13
Und das geht nicht bei allen, aber bei manchen. Und da wurde dann auch berichtet,
0:22:13–0:22:17
dass eine Frau, steht in dem Hidden Spring auch drin,
0:22:17–0:22:22
bei einer Frau wurde dann diese Elektrode etwas falsch gesetzt und eben genau
0:22:22–0:22:24
in dieses PAG in diesem Bereich.
0:22:24–0:22:29
Und die hatte von jetzt auf gleich suizidale, depressive Stimmung.
0:22:30–0:22:35
Die war fertig. Und dann hat man das wieder ausgemacht.
0:22:35–0:22:40
Und es hat dann wohl über eine Stunde gedauert, wenn ich mich recht erinnere.
0:22:40–0:22:43
Es war eine Zeit, also wirklich länger, bis sich das System wieder reguliert
0:22:43–0:22:44
hat. Dann war sie wieder normal.
0:22:47–0:22:54
Und man hat einfach gemerkt, dass da unten ganz, ganz Ruhe, wie Solm sagt, Emotionen stehen.
0:22:54–0:23:03
Und diese Emotionalität ist sehr eng verbunden mit dem retikularen Aktivierungssystem,
0:23:04–0:23:12
von dem man schon länger sagt, das sei notwendig, dessen Aktivität macht sozusagen die Lichter an.
0:23:12–0:23:17
Wir können ohne dieses retikulare Aktivierungssystem, wenn der Schalter nicht
0:23:17–0:23:23
auf an ist, dann gibt es kein höheres Bewusstsein.
0:23:23–0:23:24
Das ist notwendig.
0:23:27–0:23:32
Die Theorie dazu besagte immer, Bewusstsein passiert natürlich,
0:23:32–0:23:35
das war schon zu Freuds Zeiten so und das hat sich einfach gehalten,
0:23:36–0:23:37
passiert natürlich im Kortex.
0:23:37–0:23:40
Weil der Mensch hat den Kortex, die Tiere haben den Kortex nicht,
0:23:40–0:23:44
wir sind bewusst, Tiere sind nicht bewusst, das heißt, das muss da oben passieren.
0:23:44–0:23:48
Und Freud argumentiert auch in einem Zitat, was ich auch in der 103 schon drin
0:23:48–0:23:54
habe, argumentiert auch, sagt glaube ich wörtlich sogar, dem können wir uns anschließen.
0:23:54–0:23:58
Wir müssen davon ausgehen, oder dem können wir uns anschließen,
0:23:58–0:24:00
dass Bewusstsein entsteht an dem Moment,
0:24:00–0:24:06
wo in Freud's Hypothese eben diese triebhaften, affektiven Strömungen nach oben
0:24:06–0:24:11
kommen und dann die Wahrnehmungsbereiche berühren, wie mit so Schnecken,
0:24:12–0:24:13
Räuchchen, Fühlern.
0:24:14–0:24:19
Und in dem Moment dann eben über das Ich ein Realitätsabgleich passieren muss
0:24:19–0:24:23
und an diesem Realitätsabgleich mit der Außenwelt über das Cortical-System,
0:24:23–0:24:26
da wo das von unten kommt, da passiert dann das Bewusstsein.
0:24:28–0:24:33
Das ist so, und das meint halt Freud, das davon wahr auszugehen und das kann er nur bestätigen.
0:24:34–0:24:38
Und das ist ein Punkt, bei dem Solms jetzt wirklich nochmal nachhakt und sagt,
0:24:39–0:24:42
das Einzige, was wirklich funktionieren muss, damit überhaupt irgendwo die Lichter
0:24:42–0:24:48
angehen können, ist dieses PAG, dieser Bereich, und der hat primär mit Emotionen zu tun.
0:24:48–0:24:52
Das ist eine emotionale Stelle im Gehirn.
0:24:53–0:24:58
Es gibt da nicht nur an aus, sondern wenn an, dann hat dieses an immer auch eine Qualität.
0:24:58–0:25:06
Dann geht es ein an wegen Hunger, ein an wegen Müdigkeit, ein an wegen Kälte,
0:25:06–0:25:09
ein an wegen Sexlust. Ein Anwägen.
Florian Clauß
0:25:10–0:25:13
Immer eine Qualität im Sinne von Emotionen.
Micz Flor
0:25:13–0:25:16
Genau, es hat immer eine Qualität. Und es gibt vor allen Dingen,
0:25:16–0:25:20
und das ist der wichtige Teil, es gibt vor allen Dingen eben dort auch...
0:25:23–0:25:27
Konflikthafte Ruheemotion. Es kann jetzt sein, dass sich organisch deine Blase
0:25:27–0:25:32
meldet, aber die meldet sich irgendwie erst, nachdem du deinen Vortrag fertig hast.
0:25:32–0:25:36
Oder nachdem du dein Git-Commit gemacht hast. Und dann denkst du,
0:25:36–0:25:38
nee, nee, Leute, jetzt muss ich aufs Klo. Jetzt geht es nicht mehr.
Florian Clauß
0:25:38–0:25:39
Wie kommst du auf das Ball?
Micz Flor
0:25:40–0:25:42
Ja, irgendwas Alltägliches.
Florian Clauß
0:25:43–0:25:45
Ja, gut, du kannst es halt irgendwie so, ich verstehe schon,
0:25:46–0:25:50
es gibt dann andere Bedürfnisse, die auf einmal irgendwie priorisiert sind,
0:25:50–0:25:55
aber die führen zu einer gewissen Unterdrückung und dann kommt das wieder hoch,
0:25:55–0:25:57
sobald eben der andere Impuls weg ist.
Micz Flor
0:25:58–0:26:00
Und jetzt ist es so, dass wir jetzt dann doch eben in diese Bewusstseinsache
0:26:00–0:26:02
erstmal tiefer reingehen, hast du ja auch so gewischt.
0:26:02–0:26:04
Und jetzt gehen wir noch mal einen Schritt zurück, jetzt gehen wir zurück in
0:26:04–0:26:10
diese Amöbe oder so ganz kleine Zellen. Da kennst du dich, glaube ich, auch besser aus als ich.
Florian Clauß
0:26:10–0:26:11
Einzeller oder Mehrzeller.
Micz Flor
0:26:11–0:26:14
Auch ganz kleine Strukturen. Ganz kleine Strukturen.
0:26:15–0:26:18
Und es gibt ja diesen Begriff, also unterschiedliche Begriffe zu Bewusstsein
0:26:18–0:26:21
und so ein ganz basales Thema ist ja Selfhood.
0:26:22–0:26:25
Also was ist das Self? Etwas, was abgegrenzt ist von der Umwelt.
0:26:26–0:26:31
Und da ist es ja auch so, dass diese Kleinstorganismen, die reagieren natürlich
0:26:31–0:26:35
auch auf Wärme, auf zu viel Salz in der Lösung.
0:26:35–0:26:41
Die reagieren ja auch auf Umweltsituationen und mit bestimmten Dingen davon
0:26:41–0:26:42
können die auch gut umgehen.
0:26:43–0:26:46
Wenn sie die wahrnehmen können und sie können sie wahrscheinlich nicht wahrnehmen,
0:26:46–0:26:50
was sie wichtig für sie sind, für die Lebenserhaltung, dann reagieren die darauf,
0:26:50–0:26:52
bewegen sich zum Beispiel weg.
0:26:52–0:26:58
Oder hin. Oder hin, ja genau, weil es irgendwie Nutrition ist oder so.
0:26:58–0:27:05
Das heißt, da gibt es ein ganz basales Konzept von Selfhood, das bedeutet, ich bin,
0:27:06–0:27:12
Also ich, Self, ich bin ummantelt, ich bin abgegrenzt von der Umwelt,
0:27:12–0:27:15
ich bin nicht Teil von einem großen Chaos und schwimme da so rum,
0:27:15–0:27:22
sondern ich habe eine Grenze und um mich weiterhin am Leben zu erhalten,
0:27:22–0:27:25
darum geht es, Leben, das wird uns auch in der nächsten Folge noch mal interessieren.
0:27:26–0:27:29
Da vorne haben wir ein lautes Motorrad, aber da müssen wir jetzt durch.
0:27:30–0:27:31
Das sind Triebe, die wir hören.
Florian Clauß
0:27:33–0:27:35
Petro-Maskulinität wird hier exerziert.
Micz Flor
0:27:35–0:27:42
Ja, genau, Petrol. Und was aber wichtig ist, im Anschluss an das,
0:27:42–0:27:49
was ich vorhin meinte mit dem PHG, ist, diese Dinge sind, die Amöbe hat keine Wahl.
0:27:49–0:27:54
Die Sachen sind fast schon wie vorprogrammiert. Das sind Reaktionen,
0:27:54–0:27:56
die auf etwas passieren.
0:27:56–0:27:59
Da geht es nicht darum, dass die Amöbe sagt, boah, hey Leute,
0:27:59–0:28:01
jetzt lasst mich mal in Ruhe, ich muss erst mal pissen gehen.
0:28:02–0:28:06
Sondern die Amöbe reagiert. Und wenn die überfordert ist, dann geht sie auch
0:28:06–0:28:09
kaputt. Also irgendwann platzt das Ganze.
Florian Clauß
0:28:09–0:28:11
Ja, im Prinzip ist es ja mehr oder weniger...
0:28:12–0:28:20
Also wenn wir jetzt wieder Leben als einen Gegenvektor gegen Entropie sehen,
0:28:20–0:28:25
ja, und dadurch, dass die Amöbe dann eine gewisse Organisation,
0:28:26–0:28:28
eine Fortbewegung hat, ja,
0:28:28–0:28:33
kann die ja bestimmte Sachen dann eben gegen die Entropie schaffen, ja.
0:28:33–0:28:37
Das heißt, es ist ja eigentlich eine statistische mehr oder weniger Bewegungskraft.
0:28:38–0:28:41
Du hast da eine Sättigung und hier eine Sättigung und dann gibt es halt einen
0:28:41–0:28:42
Pfad, aber der ist sehr eng.
0:28:43–0:28:46
Also dieser Horizont, wie dann eine Amöbe reagieren kann.
0:28:47–0:28:54
Aber Leben würde ich auch immer so, ich finde immer diese Idee von Leben ist quasi Entropie,
0:28:55–0:29:02
was dann mehr oder weniger eine Gleichverteilung von Stoffen ist irgendwann.
0:29:04–0:29:10
Hast du ja in so einem lebenden System immer irgendwo eine Anhäufung von Ordnung.
0:29:11–0:29:17
Ein lebendes System kann Ordnung schaffen. Und das ist ja auch in der Möbel so.
Micz Flor
0:29:17–0:29:22
Und genau das wird uns dann auch eben in dieser nächsten Folge interessieren.
0:29:22–0:29:24
Da schicke ich dir noch mal das Paper, dann kannst du es doch lesen.
Florian Clauß
0:29:24–0:29:25
Ja, gerne.
Micz Flor
0:29:27–0:29:32
Weil worum es jetzt ganz basal erstmal geht, wenn wir uns das erstmal so aus
0:29:32–0:29:35
der Distanz anschauen, geht es natürlich um so eine Form der Homööstase,
0:29:36–0:29:37
also das heißt so ein Gleichgewicht herstellen.
0:29:38–0:29:42
Wenn die Umgebung übersäuert ist oder zu heiß ist, muss ich mich wegbewegen
0:29:42–0:29:44
und idealerweise fühle ich sogar, wo ich hin muss.
0:29:44–0:29:47
Kann ja sein, dass ich das gar nicht fühle, sondern ich fühle nur weg und dann
0:29:47–0:29:48
einfach weg, weg, weg, weg.
0:29:48–0:29:52
Und wenn ich aber auch noch von vorne fühle, ah dahin, dann kann ich mich aus
0:29:52–0:29:58
solchen bedrohlichen, lebensbedrohlichen, buchstäblich lebensbedrohlichen Bereichen
0:29:58–0:30:02
entfernen und kann diese Homööstase wiederherstellen.
0:30:02–0:30:07
Diese Homööstase, das ist das, was die Amöbe auch schon kann.
0:30:07–0:30:09
Aber was sie nicht kann, ist abwägen.
0:30:10–0:30:13
Und das Argument von Solms und diese Entwicklung ist halt, ja,
0:30:13–0:30:18
wir haben eine Entwicklung in der Biologie bis hin zu uns.
0:30:19–0:30:23
Wir sind dann schon irgendwie mit das komplexeste System. Es gibt aber auch
0:30:23–0:30:25
andere komplexe Systeme.
0:30:25–0:30:32
Und was bei uns auf alle Fälle notwendig ist, dass wir diese Homööstase nicht
0:30:32–0:30:38
einfach als in Anführungszeichen instinkthafte Reaktion auf die Umwelt machen können,
0:30:39–0:30:42
sondern wir müssen diese unterschiedlichen Anforderungen dieses komplexen Systems
0:30:42–0:30:44
immer wieder miteinander abwägen.
0:30:45–0:30:49
Und das ist der springende Punkt, passiert über Emotionen.
0:30:50–0:30:57
Die Emotion ist nämlich in ihrer Intensität, aber vor allen Dingen auch in ihrer
0:30:57–0:31:02
möglichen Befriedigung, nicht einfach nur eine Zahl.
0:31:02–0:31:06
Die sagt nicht, ich bin 50 Prozent, mach nur mal 50 Prozent mehr,
0:31:06–0:31:10
dann bin ich wieder 100 Prozent. Sondern das, was da reguliert werden muss,
0:31:10–0:31:16
sind halt Anforderungen, die unterschiedliche Zielpunkte haben.
Florian Clauß
0:31:16–0:31:27
Ja, verstehe. Emotion hat eigentlich eine ganz tiefe biologische Motivation.
0:31:28–0:31:29
Biologisch im Sinne von Lebenserhalten. erhalten.
Micz Flor
0:31:30–0:31:37
Ja. Und jetzt nehmen wir mal ein paar Dinge, die Solms Überemotionen sagt.
0:31:37–0:31:38
Und da gibt es noch einige andere.
0:31:39–0:31:43
Jörg Pankzip ist einer, der auch viel von Solms zitiert wird,
0:31:43–0:31:47
dem er auch das Buch The Hidden Spring gewidmet hat, inzwischen verstorben.
0:31:48–0:31:55
Der hat in den 90er Jahren das Buch Affective, also Affektive Neuroscience,
0:31:55–0:31:57
glaube ich, Neurowissenschaft, geschrieben.
0:31:58–0:32:05
Und hat sich auch immer mit diesem emotionalen Teil der Neurowissenschaft beschäftigt.
0:32:05–0:32:08
Und das ist eben das, was subjektiv wird.
0:32:09–0:32:12
Da wird es eben subjektiv und jetzt müssen wir ein paar Sprünge machen, glaube ich.
0:32:12–0:32:15
Ich weiß nicht, ob ich das gut zusammenfassen kann, so kohärent.
0:32:15–0:32:19
Aber bleibt mal dabei, versuch es mal so aufzunehmen. Ich werde jetzt ein paar
0:32:19–0:32:20
Sachen parallel machen.
Florian Clauß
0:32:20–0:32:22
Springen, du kleiner Reiter.
Micz Flor
0:32:22–0:32:28
Springen, genau, hin und her. Das eine ist jetzt, dass wir erst mal drauf gucken,
0:32:30–0:32:34
Dieses kortikale Bewusstsein, von dem oft gesprochen wird, das ist,
0:32:35–0:32:37
sagt Solms, größtenteils unbewusst.
0:32:37–0:32:40
Freud hat noch, habe ich in der letzten Folge gesagt, hat noch gesagt,
0:32:40–0:32:45
ja, dass es das Unbewusste geben sollte, das wird uns oft abgesprochen oder so.
0:32:45–0:32:51
Und heute ist es einfach, also je nachdem, wo du liest, bis zu dem Punkt,
0:32:51–0:32:55
dass nur 5% der kortikalen Aktivitäten bewusst sind. Alles andere ist unbewusst.
0:32:56–0:32:59
Und das ist nochmal eine wichtige Sache für Solms, der halt sagt,
0:32:59–0:33:00
wir müssen da das umdrehen.
0:33:02–0:33:05
Kortikale Prozesse sind größtenteils unbewusst.
0:33:06–0:33:10
Und, und dann kommen wir wieder auf dieses ganz, dieses biologische Thema.
0:33:10–0:33:15
Es ist ja auch gut wenn sie unbewusst sind weil dann braucht man eben nicht
0:33:15–0:33:18
so viel glukose verbrennen um das herzustellen sondern die werden in gewisser
0:33:18–0:33:23
weise automatisiert so als ob man sich selber quasi bestimmte so.
Florian Clauß
0:33:23–0:33:24
Ein agent system.
Micz Flor
0:33:24–0:33:25
Das orchestriert.
Florian Clauß
0:33:25–0:33:29
Wird und dann geht jeder los und hat eine kleine die diagnostische aufgabe zu
0:33:29–0:33:32
lösen und kommt damit ein arbeitspaket zurück und sagt ja,
0:33:33–0:33:33
weiter.
Micz Flor
0:33:34–0:33:38
Aber Agent-System sagt mir nichts, aber das musst du ja kurz erklären.
Florian Clauß
0:33:38–0:33:42
Ja, das ist in der generativen KI ist gerade ganz groß, dass alles irgendwie
0:33:42–0:33:43
über Agents abgebildet wird.
0:33:43–0:33:48
Dass du nicht mehr so ein Haupt Thread hast, sondern dass du ganz viele kleine
0:33:48–0:33:50
Threads loslässt, wie so eine Swarm.
0:33:50–0:33:55
Und je kleiner die Aufgabe ist, je genauer die spezifiziert ist,
0:33:55–0:34:00
desto besser kann die quasi durch so eine generative KI abgearbeitet werden.
Micz Flor
0:34:00–0:34:03
Ja, und genau das müssen wir alles noch in die nächste Folge nehmen.
0:34:03–0:34:04
Ich freue mich da auch drauf.
0:34:04–0:34:08
Wir gehen jetzt irgendwie so durch etwas durch, um dann da wieder uns zu erlauben
0:34:08–0:34:12
oder wo auch dann Karl Fristen und Marc Sollens, wo die sich auch erlauben,
0:34:12–0:34:15
im Prinzip das Gleiche zu machen, was Sigmund Freud damals gemacht hat.
0:34:15–0:34:21
In Ermangelung an wirklichen Hard Facts Modelle zu bauen, die plausibel sind
0:34:21–0:34:25
und die jetzt inzwischen auch durch computergestützte Prozesse irgendwie dargestellt
0:34:25–0:34:28
werden können, abgeglichen werden können mit realen Beobachtungen.
0:34:28–0:34:31
Aber es bleibt eben dann, im Prinzip ist es ja genau wieder diese Frontier,
0:34:32–0:34:33
in der man noch nicht zupacken kann.
0:34:34–0:34:38
Man hat die Gravitationswellen schon vorhergesehen, aber nicht gemessen.
0:34:38–0:34:41
Und so, da sind wir ja gerade mit diesem Bewusstsein. Und das finde ich halt
0:34:41–0:34:44
eben auch wieder spannend, um auf das zurückzugreifen, weil Solms versucht,
0:34:45–0:34:49
bei Freud einfach mit heutigen Mitteln Dinge zu belegen oder zu korrigieren.
0:34:50–0:34:53
Und natürlich ist aber die Frontier wieder etwas, was nicht messbar ist,
0:34:53–0:34:56
sondern was auch spekulativ bleibt.
Florian Clauß
0:34:56–0:34:57
Ja, ja, okay.
Micz Flor
0:34:58–0:35:01
So, aber wie gesagt, wir springen jetzt im Endeffekt her und jetzt habe ich
0:35:01–0:35:07
das gesagt, der Cortical Fallacy nennt es Solms.
0:35:07–0:35:11
Wir haben uns zu lange damit beschäftigt, dass das Bewusstsein das sei,
0:35:11–0:35:15
was da im corticalen Bereich passiert.
0:35:16–0:35:21
Und wenn wir jetzt an die Entstehung des Bewusstseins in diesem PAG-System im
0:35:21–0:35:24
Stammhirn gucken, Wenn die Emotion hochschießt,
0:35:25–0:35:31
dann ist diese Emotion und dann passiert das Bewusstsein, ist,
0:35:33–0:35:37
Also heute würde er vielleicht sagen, mit Blick auf die nächste Folge,
0:35:37–0:35:40
es ist ein Vorhersagefehler, Prediction Error.
0:35:40–0:35:43
Das heißt, in dem Moment, wenn ich sage, fuck, was war das? Da ist ein Elefant
0:35:43–0:35:46
auf der Straße. Dann bist du wieder wach, die ganze Zeit bist du unbewusst gefahren.
0:35:47–0:35:51
Und auf einmal steht da so ein rosa Elefant und du musst dann, äh, musst dann.
0:35:51–0:35:57
Das heißt, das Bewusstsein wird angeschmissen von dieser Stammhirnemotion, die so hoch schießt.
Florian Clauß
0:35:58–0:36:01
Ja, sobald irgendwie so eine Patternverschiebung da ist.
Micz Flor
0:36:01–0:36:04
Ja, Prediction Error ist. Also in dem Moment, wenn du kein Agent,
0:36:04–0:36:07
wie du gesagt hast vorhin, hast, der das schon alles für dich durchgerechnet
0:36:07–0:36:11
hat und dann fast schon wie ein Stückchen Hardware das einfach so abarbeiten kann jedes Mal.
0:36:12–0:36:17
Es wird in diesem Moment, wird dir, wie man so schön sagt, heiß und kalt.
0:36:18–0:36:22
Das heißt ja, der Körper reagiert. Es ist ein unfassbarer Energieverbrauch,
0:36:22–0:36:24
so ein rosa Elefant auf der Autobahn.
0:36:24–0:36:27
Also was man da irgendwie machen muss. Oh wow, der Eiffelturm.
0:36:29–0:36:32
Entschuldigung, das wäre jetzt ein bisschen tue. Jetzt müssen wir kurz rausspringen.
0:36:32–0:36:34
Wir stehen hier neben einem... Was ist das denn?
Florian Clauß
0:36:35–0:36:41
Ja, das ist hier so... Warte mal, ich kann das hier... Ich wurde ausgesetzt. Achso, die Haustiere.
0:36:42–0:36:47
Das ist aber hier so eine kleine Installation, die aussieht wie ein Eiffelturm.
0:36:48–0:36:50
Und daneben ist eine Telefonzelle.
Micz Flor
0:36:50–0:36:54
Und natürlich wird da aber auch Beton gespielt.
0:36:57–0:36:58
Gehen wir hier rein?
Florian Clauß
0:36:58–0:36:59
Ja, wir gehen hier rein.
Micz Flor
0:36:59–0:37:03
Also wieder rein parken. So, jetzt hast du mir gerade den Enthusiasmus rausgenommen.
Florian Clauß
0:37:04–0:37:04
Nein, das tut mir leid.
Micz Flor
0:37:05–0:37:07
Macht nichts, weil der Eiffelturm ist ja auch toll. Aber es ist genau diese
0:37:07–0:37:09
conflicting Sachen, also Prediction-Error.
0:37:10–0:37:13
Eiffelturm, wo ist der Elefant? In dem Moment bin ich ganz woanders und bin raus.
0:37:13–0:37:17
Jetzt muss ich mich wieder zurückarbeiten in diese Situation,
0:37:17–0:37:22
in der man, wenn einem heiß und kalt wird, dann heißt es ja,
0:37:22–0:37:25
da wird Glucose verbrannt, da wird geguckt, da wird umgeschaut,
0:37:25–0:37:27
da wird Angst generiert.
0:37:27–0:37:32
Da ist man wirklich sehr, sehr aktiv und wir sind jetzt hier neben der Baustelle,
0:37:32–0:37:34
das untermalt das jetzt auch akustisch.
0:37:36–0:37:41
Und das ist so eine Kernsache von Solmstedt, das sagt, okay, diese Emotionen,
0:37:43–0:37:49
sind roh. Ja, die sind erstmal sehr ungerichtet. Die triggern aber ein Bewusstwerden.
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Und dieses Bewusstwerden ist dann in der Tat ein kortikaler Prozess.
Florian Clauß
0:37:54–0:37:57
Und da bekommt der Bewegungsvektor rein.
Micz Flor
0:37:57–0:38:01
Der kriegt quasi, dieses Bewusstwerden bedeutet, emotional ist was vorgefallen.
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Und ich sage jetzt immer emotional, wichtig ist, er sagt einfach immer auch Gefühle.
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Man fühlt was. Und er sagt es deshalb, weil das seine Essenz von Bewusstsein auch ist.
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Also er sagt halt, how does it feel to be a brain?
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What does it feel like to be this brain? Also dieses subjektive Erleben ist
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ja im Zentrum seines Interesses. Und deshalb sagt er immer, ja,
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subjektiv sind Gefühle.
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Freud hat auch schon gesagt, würde er sagen, dass natürlich das,
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was gefühlt wird, das ist ja per Definition bewusst.
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Man kann nicht unbewusst fühlen.
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Ja, dann würde man sprechen, also Gefühle verdrängt oder so.
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Nee, das kann man so nicht aufrechterhalten.
Florian Clauß
0:38:45–0:38:47
Auch das fühlt man dann quasi, ja.
Micz Flor
0:38:47–0:38:51
Das Gefühl ist das, was gefühlt wird. Und Freud hatte ja dann eben diese Triebe
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und diese Repräsentanzen auf den Trieben und die Verdrängung oder andere Abwehrmechanismen,
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wo dann die Triebabfuhr über auch Kultur passieren kann. Das waren ja schon freudsche Gedanken.
Florian Clauß
0:39:05–0:39:05
Ja.
Micz Flor
0:39:05–0:39:08
Aber, und das ist jetzt der erste springende Punkt bei Solms,
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dass er sagt, also anhand dessen, was wir heute so wissen, kann man mit Freud
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mitgehen, kann sagen, ja, es gibt das Unbewusste.
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Das würde niemand mehr in meinem Feld, also würde dem widersprechen.
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Aber, Freuds Idee von diesem es oder id, wie es im Englischen heißt,
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das wurde ja alles so ein bisschen medizinisiert und lateinisiert.
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Das ist bei Freud so ein bisschen so ein Pool und Solms möchte das teilen.
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Solms möchte das teilen, möchte ich sagen, es gibt unbewusste Prozesse, kortikale Prozesse.
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Das ist etwas anderes als das Triebhafte.
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Also er würde das teilen und würde halt sagen, es gibt kortikale, unbewusste Prozesse.
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Und kortikale Prozesse haben immer das Ziel, unbewusst zu werden.
0:40:05–0:40:11
Und auf der anderen Seite gibt es eben diese affektiven Strömungen, die von unten kommen.
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Die eher dementsprechend, was Freud als Triebe genannt hat.
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Ich möchte jetzt nochmal ganz kurz ein bisschen tiefer reingehen wie so eine Fußnote in dieses PAG,
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in dem ich nochmal sage, dass es wichtig ist festzuhalten, das was eben Freud
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auch schon 1891 gesagt hat, diese Verbindung von diesen Teilsystemen oder von diesen Strukturen,
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dieser Informationsfluss nenne ich es jetzt mal im Gehirn, ist irgendwie das,
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was notwendig ist, um diese ganze Funktionalität überhaupt herzustellen.
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Und das ist auch das, was mit dem PAG verbunden ist.
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Das ist zwar einerseits lokalisierbar, ist dieser Bereich im Hirnstamm zwei
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Kubikmillimeter groß. Wenn der zerstört wird, dann ist die Person im Koma.
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Das heißt, der ist notwendig für die einfachste Form des Bewusstseins.
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Und dieser Bereich, Solms ist in den 90er Jahren zum ersten Mal darauf gestoßen,
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als er gemerkt hat, dass dieser mesokortikale Bereich, wo er diese Träume sehen konnte,
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dass der eben auch über Projektion mit dem PAG verbunden ist.
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Das PAG ist rohe Emotionen, aber die fließen von dort in weite Projektion, heißt es.
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Also auch in kortikale Strukturen und es ist wie so ein Bindeglied und es ist
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nicht einfach nur ein Punkt, sondern es ist vernetzt. Das ist nochmal wichtig.
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Und das eine, was es eben auf alle Fälle auch misst, sind die Körperzustände.
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Die werden auf alle Fälle auch über das PAG genommen.
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Und bei Freud war es halt eben so, um das nochmal zusammenzufassen,
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bei dem war das Unbewusste halt alles im Es verankert und alles war über Triebe organisiert.
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Und das Bewusstsein war bei ihm eben sehr kortikal, das entsteht oben erst im
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Ich, im Realitätsabgleich, im Wahrnehmungssystem.
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Und das war das, was Solms hinterlegt hat oder was die Forschung nicht nur Solms,
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was in vielen Forschungen widerlegt wurde und was Solms dazu anregt,
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zu sagen, diese Trennung herzustellen zwischen dem Unbewussten und dem Es.
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Das ist eben nicht ein Bereich, sondern die sind qualitativ voneinander getrennt,
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weil eben auch viel unbewusstes Cortikal passiert.
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Da wird dann manchmal so gesagt, da stellt dir das alles so ein bisschen auf den Kopf.
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Und du wolltest ja ein bisschen über Bewusstsein sprechen, wenn wir da jetzt
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nochmal kurz reingehen, dann war es Freud, der, wie ich eben schon sagte,
0:42:42–0:42:47
meinte, Bewusstsein entsteht halt im Zusammenhang mit Wahrnehmung und auch mit
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Sprache, ist also sehr reifer Prozess und über Realitätsabgleich und über Ich-Strukturen.
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Und solm sagt, okay, nee, wir müssen eigentlich das unterteilen.
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Es gibt zwei Bewusstseinsformen.
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Primär ist es eher affektiv, also dieses Gefühl.
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Und sekundäre Bewusstsein ist dann eher deklarativ. Also das ist das,
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was wir als versprachlich, das wollte ich jetzt sagen, aber das ist vielleicht
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falsch, als symbolisiertes Bewusstsein irgendwie wahrnehmen.
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Also das, was gemeinhin als bewusst beschrieben wird.
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Und das ist nochmal wichtig und da kommen wir dann gleich noch in Bezug auf Bindungstheorie dazu,
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dass dieses affektive primäre Bewusstsein ist wirklich auch eher erstmal sprachlos
0:43:38–0:43:41
und das war auch das, was Freud dann meinte.
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Also wohin dieses Triebhafte dann drängt, das entscheidet sich eigentlich mit
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den Abwehrmechanismen.
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Eins ist nur klar, das E ist, darf nie einfach in die Welt knallen.
0:43:50–0:43:52
Es muss irgendwie verformt werden.
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Und die einen schreiben dann ein Gedicht, die anderen schlagen ihren Hund und
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die Dritten, die verdrängen das einfach und vergessen das so.
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Also das heißt, es gibt da...
0:44:05–0:44:10
Die Interpretation von dem, was da drängt, die ist unterschiedlich.
Florian Clauß
0:44:11–0:44:13
Interessant, ja. Ja, das war schön plastisch jetzt.
Micz Flor
0:44:15–0:44:19
Solms sagt dann, und das ist jetzt der nächste Schritt, der sagt dann,
0:44:19–0:44:23
okay, wozu braucht es denn überhaupt Bewusstsein?
0:44:24–0:44:27
Und das war ein bisschen das, was ich vorhin meinte mit dem kleinen Eiffelturm,
0:44:27–0:44:30
den wir als Foto auch unten im Block wahrscheinlich jetzt angehängt haben inzwischen.
0:44:32–0:44:35
Und dem rosa Elefanten auf der Autobahn. Also in dem Moment werden irgendwie
0:44:35–0:44:36
Prediction Error entstehen.
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Also Dinge sind nicht mehr durch Agents, würde man sagen scheinbar heute,
0:44:41–0:44:47
schon fassbar und werden sozusagen unbewusst abgewickelt oder prozessiert.
0:44:47–0:44:54
In dem Moment schmeißt die Emotion das Bewusstsein an und dann haben wir cortikale
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Funktionen, die versuchen, diesen Prediction Error, eine Lösung für das Problem zu finden.
0:45:00–0:45:05
Und wenn dieses Problem gelöst ist, dann wird es einfach wieder abgespeichert.
0:45:07–0:45:12
Die Arbeit, die dann erledigt wird, ist halt so eine Idee von Vorhersage oder
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Kontrollsystem, die dann normalerweise unbewusst mit allem umgehen können.
0:45:16–0:45:19
Aber wenn Probleme entstehen, dann müssen diese Lösungen gefunden werden.
0:45:20–0:45:24
Das ist, glaube ich, jetzt erst mal nachvollziehbar. Und das Bewusstsein ist
0:45:24–0:45:30
eben der Teil, der unfassbar viel Kraft kostet eigentlich und den man eigentlich
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so schnell als möglich auch wieder loswerden möchte.
0:45:33–0:45:39
Und wo man dann eben bei PET-Imaging auch sieht, wo Glucose verbrannt wird im Gehirn.
0:45:39–0:45:44
Also da wird einfach viel zu viel Energie verbraten, wenn man solche Probleme lösen muss.
Florian Clauß
0:45:44–0:45:49
Also es ist quasi so auch wieder das Leben dann als Optimierungs-Engine.
Micz Flor
0:45:49–0:45:52
Ja, wir sind eigentlich immer noch in diesem homoestatischen Amöbendenken,
0:45:53–0:45:55
aber auf einem sehr komplexen System.
0:45:55–0:45:58
Und da geht es nicht mehr darum, dass man sagt, reagiere halt immer das,
0:45:59–0:46:02
als letztes Reinkommen muss zuerst abgearbeitet werden, wie so im Hamburger
0:46:02–0:46:06
Laden, sondern es geht halt darum zu gucken, wir müssen eine Wertigkeit,
0:46:06–0:46:09
wir müssen Konkurrenzen finden und das ist das, was die Emotionen leisten.
Florian Clauß
0:46:09–0:46:14
Ja, es ist faszinierend. Also wenn man jetzt hier in Software denkt,
0:46:15–0:46:19
das ist einfach nur eine Masse, eine wabernde Masse, wo ab und zu immer es hochkommt
0:46:19–0:46:23
und man sagt, wie, wie, wie, wie, runter, runter, runter.
Micz Flor
0:46:23–0:46:27
Ja, aber das ist ja auch das, was mein Körper erlebt. Wer sich das Bein bricht
0:46:27–0:46:29
und Gips hat und der Gips geht ab, dann muss man die Muskeln wieder aufbauen.
0:46:30–0:46:34
Das heißt, der Organismus ist daran interessiert, möglichst wenig Glucose zu
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verbrennen, möglichst wenig machen zu müssen.
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Und das ist jetzt nochmal der springende Punkt, da wollte ich dann exemplarisch
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an diesem einen Beispiel nochmal Solms Denken illustrieren.
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Es gibt hier spätestens seit, also schon länger, Aber dann jenseits des Lustprinzips
0:46:55–0:46:59
hat Freud nochmal eben sich auch mit, würde man jetzt sagen, so...
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Traumathemen auseinandergesetzt, mit Gedanken und Träumen, die immer wieder
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kommen, die seiner Idee des Lustprinzips widersprechen.
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Lustprinzip, das bedeutet, dass man eigentlich immer Unlust vermeidet,
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Lust sucht und insofern alles sich immer schön malt und Träume dann auch so
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etwas wie unbewusste Wünscherfüllung sind.
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Also der Organismus strebt dahin, wie er sagt, zu so einem Nirvana,
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wo eigentlich dann eben so ein Äquilibrium herrscht, wo nichts zu tun ist.
0:47:28–0:47:32
Aber es gibt diese Dinge, die immer wieder hochkommen.
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Return of the repressed, das ist auch so ein Slava Shizek-Ding oder was man
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dann auch in unseren Horrorfolgen auch schon mal irgendwie so gesagt hat.
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Um das jetzt mit Solms Worten an Solms Idee anzukoppeln,
0:47:50–0:47:57
würde er sagen, diese immer wiederkehrenden,
0:47:57–0:48:04
verdrängten Themen ist ein Prediction Error über die Welt,
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der fehlerhaft abgespeichert wird und der jedes Mal dann wieder nicht ganz passt.
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Es klappt da nicht. Ja, wir nehmen jetzt mal so ein typisches aus der Praxis Beispiel.
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Jedes Mal an Weihnachten hat man sich vorher schön geredet und hat irgendwie
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alles geplant und mal was Neues.
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Und ich habe mir diesmal ein Zimmer gebucht. Ich wohne gar nicht mehr zu Hause.
0:48:25–0:48:30
Und dann kommt halt Weihnachten und dann ist die Kommunikation,
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diese ganze Dynamik, die Gefühle, das ist dann alles doch wieder nicht so,
0:48:33–0:48:36
wie man es sich eigentlich erwünscht hätte und wie man es gerne einmal hätte.
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Also dann ist diese Diese Idee von dem Verdrängten, bei Solms ist es halt ein
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Prediction Error, das Ganze muss wieder reaktiviert werden.
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Die Emotionen kommen wieder hoch, weil der Organismus merkt,
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ich kann leider nicht ruhig bleiben.
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Die Emotionen schießen hoch, okay, also gucken wir uns das alles nochmal an.
0:48:54–0:48:57
Und dann wird es wieder weggespeichert.
0:48:59–0:49:02
Und wenn es dann immer noch nicht gut gespeichert ist, nochmal angucken,
0:49:02–0:49:05
wieder weggespeichert. Man kann sich ja sehr gut vorstellen,
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dass traumatische Erinnerungen nicht einfach gut integriert,
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würde man vielleicht sagen.
0:49:10–0:49:14
Also die können nicht einfach so abgespeichert werden und dann ist es auch gut,
0:49:14–0:49:20
sondern die sind in der Tat einfach so bedrohlich, auch in der Erinnerung,
0:49:20–0:49:22
dass man die irgendwie nicht gut hinkriegt.
0:49:23–0:49:29
Und die zum Beispiel EMDR, diese neuen neuropsychotherapeutischen,
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traumatherapeutischen Ansätze, die funktionieren auch, dass die damit arbeiten,
0:49:34–0:49:38
dass die versuchen, eben wirklich auch auf der einen Seite anzunehmen.
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Die Erinnerung an traumatische Erfahrungen nochmal hochzuholen, zu aktivieren.
0:49:45–0:49:52
Und gleichzeitig dann aber auf einer anderen Ebene das Nervenkostüm,
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nenne ich es mal, durcheinander bringen, sodass das Abspeichern das Ganze nicht
0:49:55–0:49:58
mehr so alarmiert wird. Man hat das auch gemerkt.
Florian Clauß
0:49:59–0:50:01
Okay, was sind die Methoden dafür?
Micz Flor
0:50:02–0:50:06
Das war halt das Interessante. Ursprünglich war die Methode,
0:50:06–0:50:10
so habe ich es zumindest zum ersten Mal gehört,
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dass du ins Gespräch gehst, also dass du das auch umbringst und dass du mit
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dem Finger so eine Rechts-Links-Bewegung machst.
Florian Clauß
0:50:18–0:50:19
Ja, ja, genau. Das hast du, ich verstehe.
Micz Flor
0:50:19–0:50:21
Und dann guckt man da drauf und dann muss man...
Florian Clauß
0:50:21–0:50:25
Also ein bisschen hypnotisch und dann halt so.
Micz Flor
0:50:27–0:50:34
Aber ich finde es immer noch am besten, wenn man auch evidenzbasiertes Wissen,
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Man hat früher bei Autounfällen immer gedacht, das ist gut, wenn man den Leuten nochmal so erklärt,
0:50:39–0:50:42
was da gerade passiert ist. Nimm mal was passiert.
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Ihr Auto ist zwar ein Totalschaden, aber sie haben einen gebrochenen Fuß,
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das ist auch schon geschehen.
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Man hat ja gedacht, wenn man den Leuten einfach so ein Debriefing gibt von dem,
0:50:51–0:50:56
was da passiert ist, dass die es dann besser einordnen können und dann auch besser ablegen können.
0:50:57–0:50:59
Aber? Aber es ist nicht so.
Florian Clauß
0:50:59–0:51:00
Ach krass, ja.
Micz Flor
0:51:00–0:51:05
Und viel effektiver ist, wenn du den Leuten direkt nach dem Unfall einen Tetris
0:51:05–0:51:07
in die Hand drückst und sagt, spielen Sie mal ein bisschen Tetris,
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ich komme nachher noch zu Ihnen, aber legen Sie es bitte nicht weg.
0:51:09–0:51:14
Und wenn die dann sich darauf konzentrieren, dann ist das Gehirn in diesem Hier
0:51:14–0:51:17
und Jetzt in so einer Zone drin, da muss ich ja die ganze Zeit auseinandersetzen,
0:51:17–0:51:21
und ist nicht in der Lage, das gerade Erlebte so abzuspeichern.
0:51:21–0:51:23
Das ist dann später nochmal Haunting.
0:51:25–0:51:29
Und dann gibt es eben noch was, was ich jetzt auch bei deiner Buddhismus-Folge
0:51:29–0:51:31
schon ein bisschen rausgezogen hatte.
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Es gibt aus der Bindungsforschung, also auch in der Entwicklung,
0:51:38–0:51:42
des Menschen, also in der biologischen, biografischen Entwicklung des Menschen,
0:51:42–0:51:48
also diese frühkindlichen Zeiten, bis vielleicht zum zweiten Lebensjahr,
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eineinhalb, zweites Lebensjahr,
0:51:50–0:51:56
da ist das Kind nicht symbolisierungsfähig.
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Das ist eher, da kommt das alles so rein.
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Es gibt keine Sprache dafür, es kann nicht benannt werden.
0:52:05–0:52:08
Und trotzdem sind ja diese ersten eineinhalb, zwei Jahre unfassbar wichtige
0:52:08–0:52:10
Zeiten, in denen das Kind sehr
0:52:10–0:52:13
wohl in der Lage sein muss, Bindungen herzustellen, um versorgt zu werden.
0:52:14–0:52:18
Auf die Bedürfnisse dann auch der versorgenden Person zu reagieren.
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Das Ganze aber ohne drüber nachzudenken, ohne drüber zu reden,
0:52:22–0:52:24
sondern würde man sagen aus dem Bauch heraus.
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Oft sagt man ja dann heute auch so bei so Traumagedächtnis, Körpergedächtnis,
0:52:29–0:52:36
also solche Begriffe, die versuchen zu beschreiben, dass es hier um eine Form
0:52:36–0:52:40
des Wissens geht, das vorsprachlich ist oder nicht benannt werden kann.
0:52:40–0:52:45
Das per se und das ist halt eben auch das, was die Neurophysiologie inzwischen
0:52:45–0:52:51
dann weiß, was nicht bewusst abgespeichert ist.
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Wenn wir jetzt eben in so Bindungserfahrungen nochmal reinschauen,
0:52:55–0:52:59
dann ist es ja was, was wirklich auch viele Menschen einfach über das Leben hin beschäftigt.
0:53:00–0:53:04
Also wie kriege ich Beziehungen hin? Warum erwische ich immer wieder den Falschen oder die Falsche?
0:53:05–0:53:08
Warum ist es mir nicht möglich, in Gruppen auch mal frei zu sprechen?
0:53:08–0:53:09
Warum habe ich immer Angst?
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Oder warum muss ich mich immer beweisen? All diese Themen sind ja immer so interpersonelle
0:53:14–0:53:16
Prozesse auch, soziale Prozesse.
0:53:17–0:53:22
Und die Vermutung liegt nahe, dass es halt auch auf frühe Bindungserfahrungen zurückzuführen ist.
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Und das ist genau der Teil, an dem man eben heute weiß, dass diese ganz frühen,
0:53:27–0:53:34
man spricht ja von On-Stream, Off-Stream, also diese bewussten Erinnerungskapazitäten,
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die sind noch nicht On-Stream.
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Man kann sich das nicht dann, so wie wir heute Erwachsene, sagen wir mal,
0:53:38–0:53:40
ich habe es gleich, ich habe es gleich, ah ja, da ist es.
0:53:40–0:53:43
Und ich kann das bewusst herrufen, ich kann es suchen, ich weiß,
0:53:43–0:53:44
dass ich es weiß, es liegt mir auf der Zunge.
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Diese Sachen gibt es in der Art nicht, sondern diese frühen Bindungserfahrungen,
0:53:48–0:53:52
die werden nicht als bewusste Erinnerung gespeichert, sondern als prozedurale
0:53:52–0:53:55
oder als implizite Inhalte.
0:53:56–0:53:59
Und wenn wir jetzt das versuchen, so ein bisschen zu alignen,
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also dieses, es gibt in der Tat...
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Ganz wichtige Bindungserfahrung aus ganz frühen Tagen, die vielleicht nicht
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optimal liefen, aber damals gut funktioniert haben und als solche irgendwie auch gespeichert sind.
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In der Natur der Sache sind die nicht intellektuell fassbar.
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Und das ist vor allen Dingen auch unfassbar schwer. Da muss ich ein bisschen lachen.
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In der Psychotherapie sowas, gerade in der Gruppenpsychotherapie ist immer so
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dieser Wunsch, Tipps zu kriegen von anderen oder so.
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Also die Qualität, die die Beziehung in der Gruppe hat, die Art,
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wie man in der Gruppe neue Modalitäten von Beziehungsaufbau probieren könnte.
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Das sind eigentlich sehr wertvolle Erlebnisse.
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Die Tipps, die sind manchmal eben auch wichtiger für die Herstellung einer guten
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Bindung zu anderen in der Gruppe, mehr als ob die wirklich funktionieren oder nicht.
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Aber das ist natürlich sehr schwierig, weil wir, wenn wir erst mal erwachsen
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sind, über die Sprache kommen, über dieses bewusste Denken kommen.
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Und das, was damals eben an Bindungserfahrungen und auch Strategien eben so
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gespeichert wurde, dass es bewusst nicht mehr fassbar werden kann,
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ist allerdings prozedural.
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Das heißt, es kann korrigiert werden durch Erleben.
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Und das ist das, was Freud eben die Übertragungsneurose nennt.
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Und es gibt eben diese über 40 Prozent oder knapp über 40 Prozent,
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die immer wieder zitiert werden.
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Denn die Arbeitsbeziehung TherapeutInnen und PatientInnen ist für die Vorhersage
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eines Therapieerfolgs knapp über 40 Prozent verantwortlich.
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Also die Beziehung ist ganz, ganz essentiell.
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Freud spricht von der Übertragungsneurose als etwas, was die Übertragung von früh Erlebten,
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Bindungsthemen, Defiziten, destruktiven Bindungskonzepten, die passieren dann
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eben in dieser Arbeitsbeziehung.
Florian Clauß
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Und das ist jenseits der Sprache, weil die Bindungen zu einer Zeit,
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wie du das auch gerade gesagt hast,
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passiert sind, wo das noch ein sehr frühkindlicher Prozess war,
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wo es eigentlich eher ein Empfinden körperlich,
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also eine unorganisierte Emotionssuppe, wo ich noch nicht so ein Ordnungssystem
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wie Sprache drauf habe oder so ein Logiksystem oder sowas, sondern das hat sich
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da irgendwo reinkonditioniert.
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Und dieses, wie auch immer, Abgespeicherte, kriegst du in dieser Beziehung zwischen
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Psychotherapeutin und Patientin dann wiederbelebt und bearbeitbar.
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Jetzt mal so quasi so Happy Path-mäßig beschrieben.
Micz Flor
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Ja, und dieses Erleben ist der einzige Zugang dafür.
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Und jetzt mache ich nochmal so einen großen Aufwasch. Die Idee von Solms mit
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Blick auf, was die Psychoanalyse nachfreut.
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Was können wir davon noch gebrauchen? Was können wir irgendwie annehmen?
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Mit was können wir arbeiten? Er sagt, das Unbewusste gibt es auf alle Fälle.
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Man muss es vielleicht aber ein bisschen anders aufteilen, als Freud es ursprünglich dachte.
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Es gibt nicht dieses eine Unbewusste und das Triebe, sondern es gibt auf alle
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Fälle kortikalen unbewussten Teil.
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Und es gibt einen emotionalen Teil, der sehr roh erstmal von unten reinschießt
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und der dann wirklich ähnlich wie das Freud auch über die Repräsentanzen der
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Triebe beschrieben hat,
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die dann erst im Kortikalen vielleicht auch wirklich die Worte finden.
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Und diese Idee von.
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Von Verdrängung und wiederkehrenden Themen bei Solms wäre dann zu sagen,
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wir müssen, wir brauchen die Emotionen, um zu priorisieren, was gerade wichtig
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ist, in einer bewussten Verarbeitung durch die kortikalen Strukturen.
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Und wenn wir es dann bearbeitet haben, muss es abgespeichert werden,
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weil es kostet einfach viel zu viel Energie.
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Und wenn es abgespeichert ist, aber nicht richtig abgespeichert ist,
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dann kommt es halt immer wieder hoch.
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Dann denken wir, jetzt weiß ich, wenn ich jetzt losgehe und mir einen Anzug
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ausprobiere und der gefällt mir nicht, dann kaufe ich ihn nicht.
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Diesmal schaffe ich es und dann läuft man mit zwei Anzügen gekaufterweise wieder
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nach Hause und denkt, warum wieder nicht? Das heißt, dann muss das nochmal gemacht werden.
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Ein Bild dafür für mich ist, für so ein fehlerhaftes Abspeichern,
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ist zum Beispiel, die Familie bricht auf mit dem Auto. Also wir haben vorhin
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auch fossile Brennstoffe noch gehört, also man steigt alles ins Auto.
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Und man muss los und muss die Fähre noch kriegen.
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Und es passierte bei mir zumindest in meiner Kindheit öfter,
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dieses Packen des Autos sehr strukturiert begann.
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Und zum Schluss war so Stopf, ey mach hin, wir schaffen das nicht.
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Und dann sind da die letzten Koffer, das ist offen und dann wird der Orangensaft rein, der läuft aus.
Florian Clauß
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Die Skye ist tausend Kilometer weit weg.
Micz Flor
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Man muss da aber hin. Das heißt, man hat dann irgendwann das Packen,
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ist sozusagen diese Corticolor versucht, das ein für alle Mal zu lösen.
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Und der Realitätsbezug sagt einfach, uns geht jetzt die Energie aus.
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Die Ressource, Zeit haben wir nicht mehr.
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Deshalb machen wir jetzt hinten Chaos und dann muss es halt auch mal gut sein
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und auf der Fähre können wir es dann machen.
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Und auf der Fähre sind dann irgendwie hartgekochten Eier zerdrückt und so.
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Versucht ihr zu retten, macht es ein bisschen besser, aber es kommen wieder neue Anforderungen.
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Dann hat auf einmal...
Florian Clauß
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Ja, und natürlich auch der Konflikt der Eltern beim Packen.
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Und dieser Stress dann...
Micz Flor
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Das ist dann das Interfellende dabei.
Florian Clauß
1:00:09–1:00:12
Man hat dann auch selber so das mitgenommen, ja.
Micz Flor
1:00:13–1:00:14
Und was ich vielleicht abschließend sage...
Florian Clauß
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Deswegen ist es auch kein Auto, ne?
Micz Flor
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Nicht mehr, genau. Ich bin befriedet. Aber ich möchte vielleicht ein anderes
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Bild noch mal so abschließend machen, zu sagen,
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Freud und Solms und sowas, da geht es irgendwie immer so wissenschaftlich ein bisschen darum.
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Man hat so punktuell irgendein Wissen und im Englischen sagt man Connecting the Dots.
Florian Clauß
1:00:34–1:00:36
Ja, ja, Connecting the Dots.
Micz Flor
1:00:36–1:00:40
Connecting the Dots, genau. Und dann entstehen diese Konzepte,
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diese Hypothesen über Abläufe und sowas. Und das, finde ich,
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ist auch das, was da passiert.
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Also Freud hat schon Dots gemacht, manche Dots hat man jetzt verworfen,
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andere konnte man bestärken.
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Neue Dots kommen dazu und jetzt ist halt Connecting the Dots,
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man hat mehr Dots. Es bleibt immer noch in vielen Punkten hypothetisch,
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aber an manchen Punkten ist es irgendwie erstaunlich plausibel.
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Und auch eben über Neurophysiologie inzwischen.
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Belegbar ist vielleicht das falsche Wort, aber kann man es untermauern.
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Und das finde ich jetzt so, wo wir jetzt gerade sind.
1:01:10–1:01:14
Und wenn wir in die nächste Folge gehen, dann geht es darum,
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was du auch schon angesprochen hast, Stochastik, Probabilistik.
1:01:18–1:01:26
Es geht halt irgendwie darum, wie ein so abgegrenztes System mit der Umwelt in Kontakt zu,
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Und wie eben genau aus dieser Notwendigkeit, Homöstase herzustellen,
1:01:34–1:01:36
bestimmte Punkte, wie da eben ein Bewusstsein entsteht.
Florian Clauß
1:01:36–1:01:41
Ah ja, sehr gut. Sehr gut, weil ich halt auch überlege dann in einer der nächsten
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Folgen über Biologie und Bewusstsein.
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Ich habe da auch so ein, zwei Papers und Aufsätze, die ich da einbringen könnte.
1:01:52–1:01:57
Ich gucke mal, dass ich da das Thema auch in die Richtung dann finde.
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Ja, toll Mensch, toll. Also ich habe auch das Gefühl, dass jetzt mit den ganzen,
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vorherigen Folgen, wo wir immer wieder so oder wo du vor allen Dingen das Thema
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immer wieder so bearbeitet hast, mit verschiedenen Zugängen,
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von den frühen Folgen, wo wir auch schon über Freud gesprochen haben,
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aber auch über Teweleid und so weiter, wo dann halt auch diese frühkindlichen Sachen und jetzt,
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dieses Connecting the Dots sollen es da reinzubringen.
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Das finde ich total spannend und ich habe wirklich heute, also ich habe es echt verstanden.
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Ich fand es super, diese Hinleitung.
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Also ganz toll. Vielen Dank.
Micz Flor
1:02:36–1:02:40
Du, das freut mich, dass es dir so ging, weil das war genau das,
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was bei mir auch so ein bisschen passiert ist, dass man Dinge in einem positiven
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Sinne irgendwie entzaubert.
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Man muss nicht mehr über das E sprechen.
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Man kann auf einmal bestimmte Dinge lokalisieren, man kann sie nicht wirklich
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begreifen, im Sinne von jedes Neuron definieren, was dann von A nach B und so weiter.
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Aber man hat auf einmal das Gefühl, dass dieses funktionale Gefüge,
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diese Architektur in gewisser Weise, in ihrer Funktion auf einmal wirklich dann
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auch die Sprache verbessert, wenn man darüber spricht.
1:03:13–1:03:14
Gut, gut.
Florian Clauß
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Also das war Episode 106. Wenn ihr mehr noch wissen wollt von Informationen,
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die Mitch zusammengetragen hat, links und so weiter,
1:03:27–1:03:32
dann schaut auf unserer Webseite,
1:03:33–1:03:35
eigentlich-podcast.de.
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Dort ist auch der Track zu sehen, in dem wir langgelaufen sind,
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durch einen Teil von Berlin, den wir beide so noch nie gesehen haben.
Micz Flor
1:03:43–1:03:46
Das ist wirklich kurios hier oben. Es ist vor allen Dingen auch über so eine
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lange Strecke so gleich, als ob wir im Kreis laufen.
Florian Clauß
1:03:50–1:03:54
Wir sind gestartet auf der Rehberge.
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Das ist dann der Strang von der U6, der nach oben nach Norden führt.
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Und wir sind so quergelaufen und steigen gleich in die U7 ein.
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So viel zu unserem Dreck. Also, dann bis zum nächsten Mal. Macht's gut.
Micz Flor
1:04:11–1:04:12
Macht's gut. Tschüss.

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