"affects are not stable structures that persist in the mind whether activated or not; they discharge the activation itself." -- Mark Solms (2017) „The unconscious“ in psychoanalysis and neuroscience.

Endlich mal eine Episode, die alles auf den Kopf stellt, "turned on its head"! In der zweiten Episode unserer kleinen Reihe über Neuropsychologie, Psychoanalyse und die Frage, welche Rolle Emotionen spielen, folgen wir dem südafrikanischen Neurpsychologen Mark Solms, der sich mit heutigem Fachwissen Sigmund Freuds Theorien von vor hundert Jahren angenommen hat. (Vgl. Folge 103, Freud: "Das Unbewußte" von 1915.) Aus Solms’ Artikel "The Unconscious" von 2017 lässt sich ein Zitat nehmen (im Original auch im Blogpost weiter unten), in dem Solms betont, wie gegenwärtige neurophysiologische Erkenntnisse alte Annahmen auf den Kopf stellen, "The classical conception is turned on its head": Bewusstsein wird nicht im Kortex erzeugt, sondern im Hirnstamm. Es ist nicht primär perzeptiv, sondern affektiv organisiert. Grundlegendes Bewusstsein besteht nicht aus Bildern, sondern aus Zuständen. Die relevanten Hirnstammstrukturen kartieren nicht die äußeren Sinne, sondern den inneren Körperzustand. Diese Kartierung erzeugt keine Wahrnehmungsobjekte, sondern das Subjekt der Wahrnehmung selbst, den Hintergrundzustand des bewussten Seins. Wahrnehmung setzt damit immer schon ein empfindungsfähiges Subjekt voraus. Diese Strukturen sind evolutionär sehr alt und lassen vermuten, dass alle Säugetiere und eventuell sogar Fische eine basale Form von Bewusstsein aufweisen. Das wird uns aber in der kommenden Folge der Mini-Serie, in der Zusammenarbeit von Mark Solms und Karl Friston, mehr interessieren. Insbesondere auch das Free Energy Principle, die Rolle von Emotionen und von Sterblichkeit für das Bewusstsein. Jetzt also auf den Kopf stellen, dann den Kopf verdrehen. Viel Spaß dabei.

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:03–0:00:07
Wir brauchen die Emotionen, um zu priorisieren, was gerade wichtig ist,
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in einer bewussten Verarbeitung durch die kortikalen Strukturen.
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Und wenn wir es dann bearbeitet haben, muss es abgespeichert werden,
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weil es kostet einfach viel zu viel Energie.
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Und wenn es abgespeichert ist, aber nicht richtig abgespeichert ist,
0:00:22–0:00:24
dann kommt es halt immer wieder hoch.
Florian Clauß
0:00:31–0:00:34
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast.
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Der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und Laufend reden.
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Und diesmal sind wir unterwegs in Orten von Berlin, wo wir noch nicht vorher lang gelaufen sind.
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Das heißt, hier werden wir garantiert nicht uns aus unseren vorherigen Folgen
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kreuzen. Wir sind nämlich Rehberge ausgestiegen.
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Rehberge in Wettigen laufen jetzt zum Volkspark Rehberge. und zurück Richtung U8.
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Mal gucken, was uns da noch unter die Füße kommt.
0:01:06–0:01:11
Mit mir ist mein Freund und, wie sagt man?
Micz Flor
0:01:12–0:01:12
Retter.
Florian Clauß
0:01:12–0:01:15
Retter. Mitstreiter. Mitstreiter.
Micz Flor
0:01:15–0:01:16
Mitstreiter, ja.
Florian Clauß
0:01:17–0:01:18
Mitch. Hallo Mitch.
Micz Flor
0:01:18–0:01:19
Hallo Flo.
Florian Clauß
0:01:20–0:01:24
Wir haben eigentlich Podcast Episode 106.
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Mitch, wir hatten die letzten beiden Episoden, habe ich ja bestritten mit dem
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Thema, was sich dann auch über zwei lang hingezogen hat, nämlich Buddhismus.
0:01:35–0:01:39
Und wir bleiben in dem Bewusstseinsstrom.
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Hast ja auch vor drei Folgen angekündigt, dass du heute über Solms eine Episode machen willst.
0:01:48–0:01:53
Und ich bin tatsächlich total unbeleckt und gespannt auf das Thema.
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Du hattest ja schon in deiner Folge 103 war das über das Unbewusste von Freud.
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Da hat es ja schon ein paar Appetizer eingestreut.
Micz Flor
0:02:07–0:02:14
Ja, in der 103, da hatte ich ja versucht, ganz kurz noch mal Freud als Nervenarzt
0:02:14–0:02:18
oder als jemanden vorzustellen, der nach 20 Jahren wissenschaftlicher Arbeit
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und Forschung sich entschieden hat,
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die Psychoanalyse zu begründen.
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Ohne da jetzt nochmal ins Detail reingehen zu wollen, ist mir jetzt einfach
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nur wichtig zu sagen, das war jetzt keine Erfindung, sondern das war von ihm ein Versuch,
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Worte zu finden, Begriffe zu finden und vor allen Dingen auch Prozesse zu beschreiben
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und damit irgendwie einem wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden.
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Nach 20 Jahren wirklich wissenschaftlicher Forschung, wie man sie einfach damit
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auch betrieben hat, mit Skalpell und Schneiden und so.
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Und hat viele Dinge benannt und vermutet, die man nicht wirklich beweisen konnte.
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Er wollte eben auch, dass die Biologie irgendwann die Worte dazu gibt.
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Das habe ich auch im Blogpost auf der 103 mit reingenommen, ein paar Zitate dazu.
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Und war sehr daran interessiert, wie das in der Zukunft wohl sein wird,
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dass man das, was er versucht zu beschreiben, besser beschreiben kann und wie
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viel davon, wie er sagte, umgepustet wird oder umgeweht wird.
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So, und jetzt kommt eben der Sprung zu Mark Solms und der Neuropsychoanalyse.
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Also Mark Solms ist 1961 geboren und ich werde ihn jetzt einerseits vielleicht
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biografisch manche mit ranziehen für seine Motivation, warum er das macht,
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was er macht, weil er schon sehr auch versucht,
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diese freudianischen Gedanken noch mal anhand von.
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Wissenschaftlicher, empirischer Forschung mit neuen, sichtgebenden Verfahren der letzten 30 Jahre.
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Zu korrigieren, Vorschläge zu machen oder eben auch zu belegen,
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dass er sich auch da abbilden lässt.
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Und ich werde aber eben auch über seine Biografie vielleicht ein bisschen sprechen,
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von dem, was ich aus seinen eigenen Worten weiß, aus Interviews,
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die er gegeben hat, was seine Motivation war, weil ich das finde,
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finde ich auch ganz interessant.
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Er hat Psychologie und Neuropsychologie studiert in Johannesburg und vielleicht
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erst mal zu seiner Biografie,
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weil er das in dem Buch The Hidden Spring, das ist eins der Quellen,
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ist auch verlinkt jetzt auf unserem Blogpost.
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Das zweite Buch, was jetzt ein bisschen aktuell ist, das heißt The Only Cure,
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will ich da auch verlinken. Da geht es explizit um evidenzbasierte Forschung
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für die Wirksamkeit von psychoanalytischen Verfahren.
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Und dann habe ich noch zwei, drei Artikel, die ich auch verlinke im Blogpost als Quelle.
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Und in The Hidden Spring, in dem Buch, fängt er auch an, mit seiner Motivation
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in dieses Feld hineinzugehen.
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Und zwar war er vier Jahre alt, als sein älterer Bruder einen Unfall hatte,
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von einem Haus gefallen ist.
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Und danach, wie er es beschreibt, für das kleine Kind, das er damals war,
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kam er aus dem Krankenhaus zurück. Und er sah halt immer noch aus wie sein Bruder,
0:05:09–0:05:10
aber er war ein ganz anderer Mensch.
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Also er war einfach, hatte Schädigungen im Gehirn, das weiß ich jetzt nicht genau was.
0:05:15–0:05:21
Was aber den Kleinen dazu geführt hat, dass er auf einmal seinen Bruder nicht
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wiedererkannte, aber es war immer noch sein Bruder.
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Es war wohl, wie er es beschreibt, so ein bisschen was Unheimliches.
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Was Vertrautes und gleichzeitig Fremdes.
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Und er beschreibt dann eben auch immer, dass er sehr bald schon irgendwie auch
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als Kind schon so eine gewisse Sterblichkeit, Depression, depressives Erleben
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hatte und irgendwie merkte, wenn man nur so kurz auf dieser Welt ist,
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dann muss man sich doch irgendwie damit befassen, was das psychische,
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also das subjektive Erleben, was dieses Erleben am Leben zu sein,
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ja was das ist, das war so sein Forschungsdrang.
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Und so kam er dann eben in die Neuropsychologie
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oder in diesen Bereich der neurophysiologischen Forschung rein.
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Und war dann aber erst mal sehr enttäuscht, weil er meinte,
0:06:05–0:06:10
dass halt eben nach Freud und dann nach dem Krieg und am Beginn des Behaviorismus,
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da sprach man halt nicht über das subjektive Erleben, über die Psyche,
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sondern man sprach eben immer nur über diese messbaren Dinge,
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diese Kartografien, aber auch eben Prozesse, die da entdeckt wurden im Kortex hauptsächlich.
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40 Prozent des Cortex beschäftigt sich mit dem visuellen System und er wollte
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aber nicht diese Werkzeuge oder diese kognitiven Fähigkeiten erforschen,
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sondern wirklich die Psyche erforschen.
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Zuerst hat er angefangen mit seiner Doktorarbeit, wo er sich mit Traum beschäftigt hat.
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Und das war so eine Schnittstelle, meint er. Das ist eine Schnittstelle zwischen diesen kognitiven,
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strukturellen und teilweise funktionalen Prozessen im Gehirn,
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die halt mit REM-Schlaf, gerade auch so seit den 50er Jahren auch bekannt waren
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und weiter erforscht wurden und gleichzeitig aber natürlich der Traum ist ja
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mit das Subjektivste, was man eigentlich erleben kann.
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Also der Stand der Traumforschung damals.
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Aus diesem Beobachten aus einer dritten Instanz heraus in das Hirn hinein war
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halt das REM-Schlaf, den kannte man seit 1953 und wurde mit EEG gemessen und
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das wurde halt untersucht.
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Und man wusste auch, dass REM-Schlaf und Träumen scheinbar zusammenhängt.
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Und es gab dann dieses Activation Synthesis Model von Alan Hobson,
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in dem das Träumen dann bewiesenermaßen, in Anführungszeichen,
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so eine Art Nebenprodukt von diesem REM-Schlaf ist.
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Und der RM-Schlaf wird im Stammhirn in einem Bereich ausgelöst,
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der jetzt überhaupt nichts irgendwie mit Gefühlen oder Emotionen zu tun hat.
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Und es wurde dann halt irgendwie gesagt, dass das freudsche Idee von Traum als
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Wunscherfüllung und das Unbewusstsein jetzt widerlegt, weil man weiß jetzt,
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RM ist halt was, was im Gehirn irgendwie angeschaltet wird und nebenher entstehen
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Träume und die sind eher Nebenprodukte.
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Ja, und in den 90er Jahren kenne ich das auch noch, dass halt irgendwie damals
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dann gesagt wurde, dass zum Beispiel der Körper muss halt manchmal wach werden,
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damit man gucken kann, ob jetzt die Kerntemperatur noch stimmt und zu gucken,
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dass man halt nicht erfriert oder sowas.
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Und um wach zu werden, muss man halt das Gehirn anschmeißen und so wie man halt
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im Auspuff im Auto kommt halt hinten Dampf raus, genauso kommen halt dann Träume raus.
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Und das sei so ein Nebenprodukt von dem Versuch, dass der Körper feststellen
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kann, ob er noch warm genug ist oder nicht zu heiß wird. Also das war dieser
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Blick auf Träume und Marc Solms hat dann.
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In einer sehr, sehr weiten Studie einfach viele Menschen auch getroffen,
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die träumten, aber keinen REM-Schlaf hatten, weil diese Stelle im Hirnstamm,
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in dem der REM-Schlaf gesteuert wird, die war kaputt.
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Und umgekehrt gab es aber auch Menschen, die...
Florian Clauß
0:09:05–0:09:07
Aber die konnte man schon lokalisieren dann.
Micz Flor
0:09:07–0:09:11
Ja, die hatte man lokalisiert. Und umgekehrt war es aber auch so,
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dass er Menschen hatte, wo RRM-Schlaf gegeben war, also die Phasen waren gegeben,
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aber es gab keine Träume.
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Und dann kam er halt so an den Punkt, wo er gemerkt hat, ach Moment,
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die Sachen sind zwar korreliert, aber es ist nicht so, dass sie sich gegenseitig bedingen.
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Es gibt keine Hierarchie, das heißt, da ist eine Korrelation da.
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Und er hat das, war halt seine Doktorarbeit, das nochmal rauszustellen und hat
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dann nochmal irgendwie geguckt, was ist denn das in eben sichtgebenden Verfahren,
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welcher Teil ist denn aktiv beim Träumen, was ist denn da los im Gehirn?
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Ja, und sonst merkt man halt Menschen, die Träume verloren haben oder die Fähigkeit
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zu Träumen verloren haben,
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die hatten eine Beschädigung eben in fast dem gleichen Teil,
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der früher auch für die Lobotomie eingesetzt wurde.
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Wo psychotische Menschen, die zu irre denken, die zu verrückte Sachen denken,
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die wurden insofern ihren Träumen braucht.
Florian Clauß
0:10:11–0:10:11
Ja, oder?
Micz Flor
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Genau, so neben dem Nase hat man da reingestellt. Ja, egal.
0:10:14–0:10:21
Aber auf jeden Fall, das System, das halt dahinter steht, ist das mesokortikalimbische Dopaminergesystem.
Florian Clauß
0:10:21–0:10:21
Oh ja.
Micz Flor
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Ja, das ist quasi so ein Bindebereich zwischen dem Cortex, also diesen ganz
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hohen Schädeldeckenahen Strukturen und dem Stammhirn oder den älteren Teilen des Hirns.
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Ja, dieser Bereich, wo Solms sagt, das ging dann irgendwie an wie so die Lichter
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auf so einem Rummelmarkt, wenn jemand träumt, das ist halt eine unfassbar große Energie.
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Diese energetische Glucoseverbrennung, die er dann irgendwie sehen konnte,
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in dem Bereich, den man allgemein hin als eben dieses Wunschzentrum,
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dieses Lustzentrum beschreiben kann.
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Und das ist sehr interessant. Also RRM-Schlaf und Träumen, das hängt gar nicht
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zusammen, das korreliert nur.
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Und wenn man träumt, wer träumen kann, der schmeißt volle Energie in diesen
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Bereich rein im Hirn. Wozu ist das denn gut? Was ist denn das?
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Was ist das für ein Bereich?
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Und dann kam wohl bei ihm so ein bisschen diese Sache, hat nicht der Freud darüber
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mal irgendwie, dass es darum geht, dass alle Träume irgendwie so was wie verkorkste
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Wunscherfüllungen sind?
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Und er war vorher noch von diesem Alan Hobson, der dieses Activation Synthesis
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Model für REM schlaf, von dem wurde er eingeladen, seine Doktorarbeit vorzustellen.
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Und im Anschluss daran hat Solmstel irgendwie gemeint, naja,
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vielleicht müsste man sich bei Freud erst mal entschuldigen,
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dass man dem irgendwie das um die Ohren gehauen hätte, so postum.
0:11:50–0:11:54
Und als er dann wieder zu Hause war, kam wohl eine E-Mail von eben dem Typ,
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der meinte, also wenn er jetzt wirklich seine Forschungsergebnisse pro Freud
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deuten würde, da müsste ihm leider seine Unterstützung entziehen.
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Das ist jetzt nicht, dass ich das, ich habe da keine Belege für,
0:12:05–0:12:06
außer dass er das im Gespräch mal gesagt hat.
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Und er meinte, er hat das ja gar nicht irgendwie pro Freud, aber das war so eine Brücke.
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Wo er sich dann geöffnet hat dafür zu sagen, okay, ich bin in der Neurophysiologie
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enttäuscht, weil ich möchte mit der Psyche auseinandersetzen,
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aber die Psyche kommt in der Psychologie hier nicht vor.
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Es geht immer nur darum, dass man von außen eben Prozesse erkennt und beschreibt.
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Aber das subjektive Erleben, was es überhaupt bedeutet,
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ein Gefühl dafür zu haben, jemand zu sein, das wird hier einfach nicht erforscht
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und hat sich dann mehrere Jahre in auch eine eigene Psychoanalyse begeben und
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hat dann 1999 eben diese Neuro-Psychoanalyse,
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dieses Magazin mitgegründet.
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Und das ist jetzt quasi der Punkt, an dem die beiden Sachen zusammenkommen.
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Also wir haben jetzt vor Freud vor über 100 Jahren, der nicht die Mittel hatte,
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da reinzugucken und seine kompletten Hypothesen,
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Wenn dann überhaupt nur über Umwege belegen oder widerlegen können.
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Und auf der anderen Seite dann auf einmal seit den 90er Jahren neue Mittel,
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wirklich ins Gehirn zu gucken, während was passiert, während gedacht wird,
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während geträumt wird, während was angeguckt wird.
0:13:30–0:13:35
Mit diesen Mitteln hat Marc Solmster angefangen, systematisch die Dinge nochmal abzuklopfen.
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Und das ist das, was wir uns heute ein bisschen auch anschauen wollen.
Florian Clauß
0:13:40–0:13:43
Ja, okay, also das heißt, jetzt sind wir an dem Punkt,
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wo wir aus einer Annahme von vor 100 Jahren jetzt eine Wissenschaft,
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die erstmal diese Kurve gemacht hat, und wenn es bei Solms immer die gleiche
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Frage gestellt wird, aber mit einem anderen Wissenschaftshintergrund.
Micz Flor
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Und diese Faszination mit Freud und die Einstellung von Solms zufreut.
0:14:04–0:14:11
Marc Solms hat 2006, erschienen ist auch in der Zeitschrift Psyche, etwas zum 150.
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Geburtstag von Freud veröffentlicht.
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Und das Ganze habe ich jetzt aus einem anderen Reader nochmal,
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der verlinkt ist im Blogpost.
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Und das Zitat geht so.
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Die angemessene Form, Freuds 150. Geburtstag zu feiern, ist nicht etwa ein Rückblick,
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sondern der Blick voraus.
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Deshalb möchte ich in diesem Beitrag den aktuellen wissenschaftlichen Rang von
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Freuds Verständnis der Psyche resümieren.
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Dabei geht es mir weder darum, Freuds Loblied zu singen, noch soll ein Schlussstrich
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unter sein Werk gezogen werden.
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Vielmehr möchte ich eine Bestandsaufnahme seines wissenschaftlichen Erbes vornehmen,
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um einen realistischen Weg in die Zukunft aufzuzeigen.
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Auf schönere Weise können wir einem echten Wissenschaftler unsere Hochachtung
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meiner Ansicht nach nicht bezeigen.
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Also das ist das Zitat. Man merkt halt eben, was ich meinte.
0:15:04–0:15:10
Er ist schon dafür, Freud ernst zu nehmen, sich das ernsthaft anzugucken.
Florian Clauß
0:15:12–0:15:14
Ja, okay, ist gekauft.
Micz Flor
0:15:14–0:15:17
In dem Artikel, aus dem ich dieses Zitat auch entnommen habe,
0:15:19–0:15:20
den finde ich dann in der Summe aber nicht so spannend.
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Und ich habe mich auch dagegen entschieden, weil der dann wirklich versucht,
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in so kleinen Unterkapiteln wirklich freudsches Konzept A, B,
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C, D, E, F so irgendwie abzuklopfen und zu sagen, wie könnte man das mit der
0:15:32–0:15:39
heutigen Forschung leinen und muss man es, fühlt es sich bestätigt oder muss man es widerlegen?
0:15:39–0:15:42
Also es ist irgendwie sehr kleinteilig und ich habe stattdessen mir vorgenommen,
0:15:42–0:15:47
dass ich jetzt eher versuche, noch mal so ein paar Dinge in der Art,
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wie soll es, die sich zusammenfasst, darzustellen.
Florian Clauß
0:15:53–0:15:53
Ja.
Micz Flor
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Und da ist das Thema Bewusstsein und das Unbewusste...
0:16:00–0:16:05
Ein Teil davon und gleichzeitig auch ein Teil, der in die nächste Folge dann geht.
0:16:05–0:16:07
Und da muss ich echt schauen, wie ich das irgendwie gut trennen kann,
0:16:07–0:16:10
weil das muss ich ein bisschen auseinanderhalten.
0:16:10–0:16:17
Ich muss auch dazu sagen, dass ich gerade zum neuen Buch auch eine Besprechung, also The Only Cure,
0:16:18–0:16:21
habe ich eine Besprechung gelesen, wo im Guardian, glaube ich,
0:16:22–0:16:29
wo der Autor geschrieben hat, Ja, aber hat denn der Solms überhaupt die ganzen Artikel gelesen?
0:16:29–0:16:33
Weil ich habe sie jetzt mal gelesen und ganz so klar ist es ja wohl auch nicht.
0:16:33–0:16:38
Also da ist, ja, das letzte Wort ist nicht gesprochen.
0:16:38–0:16:44
Solms selbst meinte auch, dass die Idee von Sigmund Freud die Leute halt wirklich polarisiert.
0:16:44–0:16:49
Es gibt einerseits die, die halt wirklich gottgleich an Freud glauben.
0:16:49–0:16:52
Freud hat alles entdeckt und was Freud hat, ist irgendwie gesetzt.
0:16:52–0:16:53
Und da braucht man nichts mehr dazu machen.
0:16:54–0:16:57
Wir haben ja auch in der anderen Folge dann noch mal über Freud gesprochen, als jemand,
0:16:57–0:17:02
der auch seine eigene Theorie dann, obwohl er das immer wissenschaftlich auch
0:17:02–0:17:06
falsifizierbar machen wollte und auch den Austausch darüber gesucht hat,
0:17:06–0:17:10
dann doch eben diese geheime Gruppe gegründet hat,
0:17:10–0:17:15
um Freuds Arbeit so zu erhalten, wie sie bleibt, nachdem Alfred Adler da irgendwie
0:17:15–0:17:20
abgesprungen ist und mit seinem Konzept der Organminderwertigkeit dann irgendwie
0:17:20–0:17:23
eine neue Schule begründet hat. Das fand er irgendwie ganz fürchtlich.
Florian Clauß
0:17:23–0:17:24
Ja, wir haben darüber berichtet.
Micz Flor
0:17:24–0:17:25
Wir haben es ja.
Florian Clauß
0:17:25–0:17:27
You heard it here first.
Micz Flor
0:17:28–0:17:32
Und die andere Seite ist halt die, die Solms auch beschreibt,
0:17:32–0:17:38
dass halt die Psychoanalyse als Old Head, also als alter Hut gesehen wird.
0:17:38–0:17:41
Und das ist alles widerlegt, da ist nichts mehr zu holen.
0:17:41–0:17:45
Und er meint halt, beides ist falsch. Und auch inzwischen gibt es seit über
0:17:45–0:17:52
30 Jahren Evidenzforschung, was die Wirksamkeit von psychoanalytischer Psychotherapie belegt.
0:17:52–0:17:58
Ja und auch wohl sehr positiv belegt auch dazu gibt es dann in eine ganze reihe
0:17:58–0:18:00
von verweisen er eben in dem buch,
0:18:01–0:18:01
The only cure.
Florian Clauß
0:18:02–0:18:07
Ich bin mal im Vorschlag, weil wir sind jetzt hier auch am Laufen und reden,
0:18:07–0:18:11
aber vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht, wenn wir uns hier auf diese
0:18:11–0:18:13
schöne Wiese setzen und weitersprechen,
0:18:13–0:18:18
so wie wir es zuletzt bei meiner Folge gemacht haben. Oder möchtest du lieber im Laufen?
0:18:18–0:18:21
Nein, ich möchte lieber im Laufen reden. Okay, du bist der Klassiker.
Micz Flor
0:18:21–0:18:22
I'm the Klassiker.
Florian Clauß
0:18:22–0:18:27
Du bist der Newton unter den Einstein. Genau. Quanten, what the fuck?
0:18:27–0:18:29
Ich will die Rakete hochkriegen.
Micz Flor
0:18:31–0:18:37
Ich habe also jetzt mir eine Sache rausgenommen von Solms und das ist ein Artikel
0:18:37–0:18:41
aus dem Buch The Unconscious, das ist auch ein Reader zu einer Konferenz.
0:18:41–0:18:46
Anhand dessen möchte ich so ein bisschen versuchen, die Art darzustellen,
0:18:46–0:18:50
wie er mit der Psychoanalyse und Freud'schen Gedanken und Konzepten umgeht.
0:18:51–0:18:56
Wer will, kann sich dann zum Beispiel eben diesen anderen Artikel von der Psyche
0:18:56–0:19:02
2006 nochmal holen und dann diese Minikapitel durchlesen, wo er das irgendwie
0:19:02–0:19:03
an unterschiedlichsten konzentriert hat.
Florian Clauß
0:19:03–0:19:09
Ich kann mich noch kurz fragen, dieses Buch, was besprochen wurde, Cure, wie heißt es Cure?
Micz Flor
0:19:09–0:19:10
The Only Cure.
Florian Clauß
0:19:10–0:19:15
The Only Cure. Ist das ein Musikbuch?
0:19:18–0:19:19
Wann ist das erschienen?
Micz Flor
0:19:20–0:19:21
Freude, don't cry.
0:19:24–0:19:26
Die Onycure, das ist jetzt gerade erst erschienen. Ich weiß es,
0:19:26–0:19:29
ja, weiß nicht genau, aber ich würde sagen 23, vielleicht 24.
Florian Clauß
0:19:30–0:19:30
Okay, das können Sie mal.
Micz Flor
0:19:30–0:19:31
Vielleicht sogar 25.
Florian Clauß
0:19:32–0:19:35
Aber neulich, als wir in der Solmstraße waren, das war nicht die Solmstraße,
0:19:35–0:19:36
die in der Solms benannt wird.
Micz Flor
0:19:37–0:19:37
Nein.
Florian Clauß
0:19:37–0:19:44
Na gut, das war ich. Aber es war die Solmstrasse. Ah ja, jetzt verstehe ich deinen Witz.
Micz Flor
0:19:44–0:19:48
Ein lustiger Zufall. Und jetzt darfst du dir aussuchen, was wir zuerst machen.
Florian Clauß
0:19:48–0:19:49
Eine Consciousness.
Micz Flor
0:19:50–0:19:50
Zuerst Consciousness?
Florian Clauß
0:19:50–0:19:51
Ja klar.
Micz Flor
0:19:51–0:19:53
Okay und dann die Psycho-Nachrichtung.
Florian Clauß
0:19:53–0:19:55
Und dann die Brücke zur Psycho-Nachrichtung.
Micz Flor
0:20:00–0:20:03
Consciousness. Wie entsteht Bewusstsein bzw.
0:20:04–0:20:08
Der Begriff des Unbewussten bei Freud als erstes jetzt mit Marc Solms und dann
0:20:08–0:20:14
gehen wir ganz tief rein in der nächsten Folge mit Carl Fristen und Solms und
0:20:14–0:20:16
The Free Energy Principle und so weiter.
0:20:17–0:20:21
Aber jetzt, wenn wir erstmal von vorne drauf gucken, ich hatte ja schon in der
0:20:21–0:20:25
103 ganz kurz angesprochen, des Solms, obwohl er des Deutschen mächtig ist und
0:20:25–0:20:29
auch Texte von Freud neu übersetzt hat und Texte redigiert hat,
0:20:30–0:20:37
erlaubt er sich, finde ich, so die Frechheit, dass er Unconsciousness manchmal
0:20:37–0:20:41
gleichsetzt im Deutschen nicht nur mit dem Unbewussten, sondern auch mit der Bewusstlosigkeit.
Florian Clauß
0:20:41–0:20:43
Ja, das heißt, ich chauffiere drüber.
Micz Flor
0:20:45–0:20:49
Dem bist du ja ein bisschen auf die Spur gekommen. Du hast ja die Frage gestellt,
0:20:49–0:20:51
sonst hätte ich es ja unter den Teppich gekehrt eventuell.
0:20:53–0:20:58
Und das ist aber gleichzeitig, wir nehmen es jetzt einfach mal so hin,
0:20:58–0:21:00
weil die Argumentation ist jetzt nicht falsch.
0:21:01–0:21:04
Also Solms sagt halt, wer heute Bewusstseinsforschung macht,
0:21:04–0:21:08
der fängt gleich irgendwie bei den kompliziertesten, komplexesten an.
0:21:08–0:21:10
Warum guckt man nicht erstmal die Basics?
0:21:10–0:21:13
Warum guckt man nicht erstmal, was könnte denn bewusst sein auf einer ganz basalen?
0:21:13–0:21:15
Was braucht es denn für Bewusstsein?
0:21:16–0:21:22
Und nimmt dann eben die Grasgow Comascale als Vorlage, um zu gucken,
0:21:22–0:21:24
was gibt es da für Staffelungen.
0:21:24–0:21:31
Und diese Urschalter von komatös zu bewusst, das ist halt ein Bereich,
0:21:31–0:21:35
auch wieder ganz in der Nähe von dem RRM-Schlaf, also auch im Hirnstamm.
0:21:37–0:21:44
Periaqueductale Grau. Das ist auch im Hirnstamm drin, subkortikale Struktur.
0:21:45–0:21:50
Und in dieser Struktur geht es primär auch um Emotionen.
0:21:50–0:21:54
Man ist da auch manchmal zufällig darauf geschossen. Ein Beispiel war,
0:21:54–0:22:00
dass bei bestimmten Parkinson-Erkrankungen kann man auch über Elektroden,
0:22:00–0:22:08
die tief eben auch ins Stamm hin eingeführt werden, kann man die Symptome sehr gut reduzieren.
0:22:09–0:22:13
Und das geht nicht bei allen, aber bei manchen. Und da wurde dann auch berichtet,
0:22:13–0:22:17
dass eine Frau, steht in dem Hidden Spring auch drin,
0:22:17–0:22:22
bei einer Frau wurde dann diese Elektrode etwas falsch gesetzt und eben genau
0:22:22–0:22:24
in dieses PAG in diesem Bereich.
0:22:24–0:22:29
Und die hatte von jetzt auf gleich suizidale, depressive Stimmung.
0:22:30–0:22:35
Die war fertig. Und dann hat man das wieder ausgemacht.
0:22:35–0:22:40
Und es hat dann wohl über eine Stunde gedauert, wenn ich mich recht erinnere.
0:22:40–0:22:43
Es war eine Zeit, also wirklich länger, bis sich das System wieder reguliert
0:22:43–0:22:44
hat. Dann war sie wieder normal.
0:22:47–0:22:54
Und man hat einfach gemerkt, dass da unten ganz, ganz Ruhe, wie Solm sagt, Emotionen stehen.
0:22:54–0:23:03
Und diese Emotionalität ist sehr eng verbunden mit dem retikularen Aktivierungssystem,
0:23:04–0:23:12
von dem man schon länger sagt, das sei notwendig, dessen Aktivität macht sozusagen die Lichter an.
0:23:12–0:23:17
Wir können ohne dieses retikulare Aktivierungssystem, wenn der Schalter nicht
0:23:17–0:23:23
auf an ist, dann gibt es kein höheres Bewusstsein.
0:23:23–0:23:24
Das ist notwendig.
0:23:27–0:23:32
Die Theorie dazu besagte immer, Bewusstsein passiert natürlich,
0:23:32–0:23:35
das war schon zu Freuds Zeiten so und das hat sich einfach gehalten,
0:23:36–0:23:37
passiert natürlich im Kortex.
0:23:37–0:23:40
Weil der Mensch hat den Kortex, die Tiere haben den Kortex nicht,
0:23:40–0:23:44
wir sind bewusst, Tiere sind nicht bewusst, das heißt, das muss da oben passieren.
0:23:44–0:23:48
Und Freud argumentiert auch in einem Zitat, was ich auch in der 103 schon drin
0:23:48–0:23:54
habe, argumentiert auch, sagt glaube ich wörtlich sogar, dem können wir uns anschließen.
0:23:54–0:23:58
Wir müssen davon ausgehen, oder dem können wir uns anschließen,
0:23:58–0:24:00
dass Bewusstsein entsteht an dem Moment,
0:24:00–0:24:06
wo in Freud's Hypothese eben diese triebhaften, affektiven Strömungen nach oben
0:24:06–0:24:11
kommen und dann die Wahrnehmungsbereiche berühren, wie mit so Schnecken,
0:24:12–0:24:13
Räuchchen, Fühlern.
0:24:14–0:24:19
Und in dem Moment dann eben über das Ich ein Realitätsabgleich passieren muss
0:24:19–0:24:23
und an diesem Realitätsabgleich mit der Außenwelt über das Cortical-System,
0:24:23–0:24:26
da wo das von unten kommt, da passiert dann das Bewusstsein.
0:24:28–0:24:33
Das ist so, und das meint halt Freud, das davon wahr auszugehen und das kann er nur bestätigen.
0:24:34–0:24:38
Und das ist ein Punkt, bei dem Solms jetzt wirklich nochmal nachhakt und sagt,
0:24:39–0:24:42
das Einzige, was wirklich funktionieren muss, damit überhaupt irgendwo die Lichter
0:24:42–0:24:48
angehen können, ist dieses PAG, dieser Bereich, und der hat primär mit Emotionen zu tun.
0:24:48–0:24:52
Das ist eine emotionale Stelle im Gehirn.
0:24:53–0:24:58
Es gibt da nicht nur an aus, sondern wenn an, dann hat dieses an immer auch eine Qualität.
0:24:58–0:25:06
Dann geht es ein an wegen Hunger, ein an wegen Müdigkeit, ein an wegen Kälte,
0:25:06–0:25:09
ein an wegen Sexlust. Ein Anwägen.
Florian Clauß
0:25:10–0:25:13
Immer eine Qualität im Sinne von Emotionen.
Micz Flor
0:25:13–0:25:16
Genau, es hat immer eine Qualität. Und es gibt vor allen Dingen,
0:25:16–0:25:20
und das ist der wichtige Teil, es gibt vor allen Dingen eben dort auch...
0:25:23–0:25:27
Konflikthafte Ruheemotion. Es kann jetzt sein, dass sich organisch deine Blase
0:25:27–0:25:32
meldet, aber die meldet sich irgendwie erst, nachdem du deinen Vortrag fertig hast.
0:25:32–0:25:36
Oder nachdem du dein Git-Commit gemacht hast. Und dann denkst du,
0:25:36–0:25:38
nee, nee, Leute, jetzt muss ich aufs Klo. Jetzt geht es nicht mehr.
Florian Clauß
0:25:38–0:25:39
Wie kommst du auf das Ball?
Micz Flor
0:25:40–0:25:42
Ja, irgendwas Alltägliches.
Florian Clauß
0:25:43–0:25:45
Ja, gut, du kannst es halt irgendwie so, ich verstehe schon,
0:25:46–0:25:50
es gibt dann andere Bedürfnisse, die auf einmal irgendwie priorisiert sind,
0:25:50–0:25:55
aber die führen zu einer gewissen Unterdrückung und dann kommt das wieder hoch,
0:25:55–0:25:57
sobald eben der andere Impuls weg ist.
Micz Flor
0:25:58–0:26:00
Und jetzt ist es so, dass wir jetzt dann doch eben in diese Bewusstseinsache
0:26:00–0:26:02
erstmal tiefer reingehen, hast du ja auch so gewischt.
0:26:02–0:26:04
Und jetzt gehen wir noch mal einen Schritt zurück, jetzt gehen wir zurück in
0:26:04–0:26:10
diese Amöbe oder so ganz kleine Zellen. Da kennst du dich, glaube ich, auch besser aus als ich.
Florian Clauß
0:26:10–0:26:11
Einzeller oder Mehrzeller.
Micz Flor
0:26:11–0:26:14
Auch ganz kleine Strukturen. Ganz kleine Strukturen.
0:26:15–0:26:18
Und es gibt ja diesen Begriff, also unterschiedliche Begriffe zu Bewusstsein
0:26:18–0:26:21
und so ein ganz basales Thema ist ja Selfhood.
0:26:22–0:26:25
Also was ist das Self? Etwas, was abgegrenzt ist von der Umwelt.
0:26:26–0:26:31
Und da ist es ja auch so, dass diese Kleinstorganismen, die reagieren natürlich
0:26:31–0:26:35
auch auf Wärme, auf zu viel Salz in der Lösung.
0:26:35–0:26:41
Die reagieren ja auch auf Umweltsituationen und mit bestimmten Dingen davon
0:26:41–0:26:42
können die auch gut umgehen.
0:26:43–0:26:46
Wenn sie die wahrnehmen können und sie können sie wahrscheinlich nicht wahrnehmen,
0:26:46–0:26:50
was sie wichtig für sie sind, für die Lebenserhaltung, dann reagieren die darauf,
0:26:50–0:26:52
bewegen sich zum Beispiel weg.
0:26:52–0:26:58
Oder hin. Oder hin, ja genau, weil es irgendwie Nutrition ist oder so.
0:26:58–0:27:05
Das heißt, da gibt es ein ganz basales Konzept von Selfhood, das bedeutet, ich bin,
0:27:06–0:27:12
Also ich, Self, ich bin ummantelt, ich bin abgegrenzt von der Umwelt,
0:27:12–0:27:15
ich bin nicht Teil von einem großen Chaos und schwimme da so rum,
0:27:15–0:27:22
sondern ich habe eine Grenze und um mich weiterhin am Leben zu erhalten,
0:27:22–0:27:25
darum geht es, Leben, das wird uns auch in der nächsten Folge noch mal interessieren.
0:27:26–0:27:29
Da vorne haben wir ein lautes Motorrad, aber da müssen wir jetzt durch.
0:27:30–0:27:31
Das sind Triebe, die wir hören.
Florian Clauß
0:27:33–0:27:35
Petro-Maskulinität wird hier exerziert.
Micz Flor
0:27:35–0:27:42
Ja, genau, Petrol. Und was aber wichtig ist, im Anschluss an das,
0:27:42–0:27:49
was ich vorhin meinte mit dem PHG, ist, diese Dinge sind, die Amöbe hat keine Wahl.
0:27:49–0:27:54
Die Sachen sind fast schon wie vorprogrammiert. Das sind Reaktionen,
0:27:54–0:27:56
die auf etwas passieren.
0:27:56–0:27:59
Da geht es nicht darum, dass die Amöbe sagt, boah, hey Leute,
0:27:59–0:28:01
jetzt lasst mich mal in Ruhe, ich muss erst mal pissen gehen.
0:28:02–0:28:06
Sondern die Amöbe reagiert. Und wenn die überfordert ist, dann geht sie auch
0:28:06–0:28:09
kaputt. Also irgendwann platzt das Ganze.
Florian Clauß
0:28:09–0:28:11
Ja, im Prinzip ist es ja mehr oder weniger...
0:28:12–0:28:20
Also wenn wir jetzt wieder Leben als einen Gegenvektor gegen Entropie sehen,
0:28:20–0:28:25
ja, und dadurch, dass die Amöbe dann eine gewisse Organisation,
0:28:26–0:28:28
eine Fortbewegung hat, ja,
0:28:28–0:28:33
kann die ja bestimmte Sachen dann eben gegen die Entropie schaffen, ja.
0:28:33–0:28:37
Das heißt, es ist ja eigentlich eine statistische mehr oder weniger Bewegungskraft.
0:28:38–0:28:41
Du hast da eine Sättigung und hier eine Sättigung und dann gibt es halt einen
0:28:41–0:28:42
Pfad, aber der ist sehr eng.
0:28:43–0:28:46
Also dieser Horizont, wie dann eine Amöbe reagieren kann.
0:28:47–0:28:54
Aber Leben würde ich auch immer so, ich finde immer diese Idee von Leben ist quasi Entropie,
0:28:55–0:29:02
was dann mehr oder weniger eine Gleichverteilung von Stoffen ist irgendwann.
0:29:04–0:29:10
Hast du ja in so einem lebenden System immer irgendwo eine Anhäufung von Ordnung.
0:29:11–0:29:17
Ein lebendes System kann Ordnung schaffen. Und das ist ja auch in der Möbel so.
Micz Flor
0:29:17–0:29:22
Und genau das wird uns dann auch eben in dieser nächsten Folge interessieren.
0:29:22–0:29:24
Da schicke ich dir noch mal das Paper, dann kannst du es doch lesen.
Florian Clauß
0:29:24–0:29:25
Ja, gerne.
Micz Flor
0:29:27–0:29:32
Weil worum es jetzt ganz basal erstmal geht, wenn wir uns das erstmal so aus
0:29:32–0:29:35
der Distanz anschauen, geht es natürlich um so eine Form der Homööstase,
0:29:36–0:29:37
also das heißt so ein Gleichgewicht herstellen.
0:29:38–0:29:42
Wenn die Umgebung übersäuert ist oder zu heiß ist, muss ich mich wegbewegen
0:29:42–0:29:44
und idealerweise fühle ich sogar, wo ich hin muss.
0:29:44–0:29:47
Kann ja sein, dass ich das gar nicht fühle, sondern ich fühle nur weg und dann
0:29:47–0:29:48
einfach weg, weg, weg, weg.
0:29:48–0:29:52
Und wenn ich aber auch noch von vorne fühle, ah dahin, dann kann ich mich aus
0:29:52–0:29:58
solchen bedrohlichen, lebensbedrohlichen, buchstäblich lebensbedrohlichen Bereichen
0:29:58–0:30:02
entfernen und kann diese Homööstase wiederherstellen.
0:30:02–0:30:07
Diese Homööstase, das ist das, was die Amöbe auch schon kann.
0:30:07–0:30:09
Aber was sie nicht kann, ist abwägen.
0:30:10–0:30:13
Und das Argument von Solms und diese Entwicklung ist halt, ja,
0:30:13–0:30:18
wir haben eine Entwicklung in der Biologie bis hin zu uns.
0:30:19–0:30:23
Wir sind dann schon irgendwie mit das komplexeste System. Es gibt aber auch
0:30:23–0:30:25
andere komplexe Systeme.
0:30:25–0:30:32
Und was bei uns auf alle Fälle notwendig ist, dass wir diese Homööstase nicht
0:30:32–0:30:38
einfach als in Anführungszeichen instinkthafte Reaktion auf die Umwelt machen können,
0:30:39–0:30:42
sondern wir müssen diese unterschiedlichen Anforderungen dieses komplexen Systems
0:30:42–0:30:44
immer wieder miteinander abwägen.
0:30:45–0:30:49
Und das ist der springende Punkt, passiert über Emotionen.
0:30:50–0:30:57
Die Emotion ist nämlich in ihrer Intensität, aber vor allen Dingen auch in ihrer
0:30:57–0:31:02
möglichen Befriedigung, nicht einfach nur eine Zahl.
0:31:02–0:31:06
Die sagt nicht, ich bin 50 Prozent, mach nur mal 50 Prozent mehr,
0:31:06–0:31:10
dann bin ich wieder 100 Prozent. Sondern das, was da reguliert werden muss,
0:31:10–0:31:16
sind halt Anforderungen, die unterschiedliche Zielpunkte haben.
Florian Clauß
0:31:16–0:31:27
Ja, verstehe. Emotion hat eigentlich eine ganz tiefe biologische Motivation.
0:31:28–0:31:29
Biologisch im Sinne von Lebenserhalten. erhalten.
Micz Flor
0:31:30–0:31:37
Ja. Und jetzt nehmen wir mal ein paar Dinge, die Solms Überemotionen sagt.
0:31:37–0:31:38
Und da gibt es noch einige andere.
0:31:39–0:31:43
Jörg Pankzip ist einer, der auch viel von Solms zitiert wird,
0:31:43–0:31:47
dem er auch das Buch The Hidden Spring gewidmet hat, inzwischen verstorben.
0:31:48–0:31:55
Der hat in den 90er Jahren das Buch Affective, also Affektive Neuroscience,
0:31:55–0:31:57
glaube ich, Neurowissenschaft, geschrieben.
0:31:58–0:32:05
Und hat sich auch immer mit diesem emotionalen Teil der Neurowissenschaft beschäftigt.
0:32:05–0:32:08
Und das ist eben das, was subjektiv wird.
0:32:09–0:32:12
Da wird es eben subjektiv und jetzt müssen wir ein paar Sprünge machen, glaube ich.
0:32:12–0:32:15
Ich weiß nicht, ob ich das gut zusammenfassen kann, so kohärent.
0:32:15–0:32:19
Aber bleibt mal dabei, versuch es mal so aufzunehmen. Ich werde jetzt ein paar
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Sachen parallel machen.
Florian Clauß
0:32:20–0:32:22
Springen, du kleiner Reiter.
Micz Flor
0:32:22–0:32:28
Springen, genau, hin und her. Das eine ist jetzt, dass wir erst mal drauf gucken,
0:32:30–0:32:34
Dieses kortikale Bewusstsein, von dem oft gesprochen wird, das ist,
0:32:35–0:32:37
sagt Solms, größtenteils unbewusst.
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Freud hat noch, habe ich in der letzten Folge gesagt, hat noch gesagt,
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ja, dass es das Unbewusste geben sollte, das wird uns oft abgesprochen oder so.
0:32:45–0:32:51
Und heute ist es einfach, also je nachdem, wo du liest, bis zu dem Punkt,
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dass nur 5% der kortikalen Aktivitäten bewusst sind. Alles andere ist unbewusst.
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Und das ist nochmal eine wichtige Sache für Solms, der halt sagt,
0:32:59–0:33:00
wir müssen da das umdrehen.
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Kortikale Prozesse sind größtenteils unbewusst.
0:33:06–0:33:10
Und, und dann kommen wir wieder auf dieses ganz, dieses biologische Thema.
0:33:10–0:33:15
Es ist ja auch gut wenn sie unbewusst sind weil dann braucht man eben nicht
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so viel glukose verbrennen um das herzustellen sondern die werden in gewisser
0:33:18–0:33:23
weise automatisiert so als ob man sich selber quasi bestimmte so.
Florian Clauß
0:33:23–0:33:24
Ein agent system.
Micz Flor
0:33:24–0:33:25
Das orchestriert.
Florian Clauß
0:33:25–0:33:29
Wird und dann geht jeder los und hat eine kleine die diagnostische aufgabe zu
0:33:29–0:33:32
lösen und kommt damit ein arbeitspaket zurück und sagt ja,
0:33:33–0:33:33
weiter.
Micz Flor
0:33:34–0:33:38
Aber Agent-System sagt mir nichts, aber das musst du ja kurz erklären.
Florian Clauß
0:33:38–0:33:42
Ja, das ist in der generativen KI ist gerade ganz groß, dass alles irgendwie
0:33:42–0:33:43
über Agents abgebildet wird.
0:33:43–0:33:48
Dass du nicht mehr so ein Haupt Thread hast, sondern dass du ganz viele kleine
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Threads loslässt, wie so eine Swarm.
0:33:50–0:33:55
Und je kleiner die Aufgabe ist, je genauer die spezifiziert ist,
0:33:55–0:34:00
desto besser kann die quasi durch so eine generative KI abgearbeitet werden.
Micz Flor
0:34:00–0:34:03
Ja, und genau das müssen wir alles noch in die nächste Folge nehmen.
0:34:03–0:34:04
Ich freue mich da auch drauf.
0:34:04–0:34:08
Wir gehen jetzt irgendwie so durch etwas durch, um dann da wieder uns zu erlauben
0:34:08–0:34:12
oder wo auch dann Karl Fristen und Marc Sollens, wo die sich auch erlauben,
0:34:12–0:34:15
im Prinzip das Gleiche zu machen, was Sigmund Freud damals gemacht hat.
0:34:15–0:34:21
In Ermangelung an wirklichen Hard Facts Modelle zu bauen, die plausibel sind
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und die jetzt inzwischen auch durch computergestützte Prozesse irgendwie dargestellt
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werden können, abgeglichen werden können mit realen Beobachtungen.
0:34:28–0:34:31
Aber es bleibt eben dann, im Prinzip ist es ja genau wieder diese Frontier,
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in der man noch nicht zupacken kann.
0:34:34–0:34:38
Man hat die Gravitationswellen schon vorhergesehen, aber nicht gemessen.
0:34:38–0:34:41
Und so, da sind wir ja gerade mit diesem Bewusstsein. Und das finde ich halt
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eben auch wieder spannend, um auf das zurückzugreifen, weil Solms versucht,
0:34:45–0:34:49
bei Freud einfach mit heutigen Mitteln Dinge zu belegen oder zu korrigieren.
0:34:50–0:34:53
Und natürlich ist aber die Frontier wieder etwas, was nicht messbar ist,
0:34:53–0:34:56
sondern was auch spekulativ bleibt.
Florian Clauß
0:34:56–0:34:57
Ja, ja, okay.
Micz Flor
0:34:58–0:35:01
So, aber wie gesagt, wir springen jetzt im Endeffekt her und jetzt habe ich
0:35:01–0:35:07
das gesagt, der Cortical Fallacy nennt es Solms.
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Wir haben uns zu lange damit beschäftigt, dass das Bewusstsein das sei,
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was da im corticalen Bereich passiert.
0:35:16–0:35:21
Und wenn wir jetzt an die Entstehung des Bewusstseins in diesem PAG-System im
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Stammhirn gucken, Wenn die Emotion hochschießt,
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dann ist diese Emotion und dann passiert das Bewusstsein, ist,
0:35:33–0:35:37
Also heute würde er vielleicht sagen, mit Blick auf die nächste Folge,
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es ist ein Vorhersagefehler, Prediction Error.
0:35:40–0:35:43
Das heißt, in dem Moment, wenn ich sage, fuck, was war das? Da ist ein Elefant
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auf der Straße. Dann bist du wieder wach, die ganze Zeit bist du unbewusst gefahren.
0:35:47–0:35:51
Und auf einmal steht da so ein rosa Elefant und du musst dann, äh, musst dann.
0:35:51–0:35:57
Das heißt, das Bewusstsein wird angeschmissen von dieser Stammhirnemotion, die so hoch schießt.
Florian Clauß
0:35:58–0:36:01
Ja, sobald irgendwie so eine Patternverschiebung da ist.
Micz Flor
0:36:01–0:36:04
Ja, Prediction Error ist. Also in dem Moment, wenn du kein Agent,
0:36:04–0:36:07
wie du gesagt hast vorhin, hast, der das schon alles für dich durchgerechnet
0:36:07–0:36:11
hat und dann fast schon wie ein Stückchen Hardware das einfach so abarbeiten kann jedes Mal.
0:36:12–0:36:17
Es wird in diesem Moment, wird dir, wie man so schön sagt, heiß und kalt.
0:36:18–0:36:22
Das heißt ja, der Körper reagiert. Es ist ein unfassbarer Energieverbrauch,
0:36:22–0:36:24
so ein rosa Elefant auf der Autobahn.
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Also was man da irgendwie machen muss. Oh wow, der Eiffelturm.
0:36:29–0:36:32
Entschuldigung, das wäre jetzt ein bisschen tue. Jetzt müssen wir kurz rausspringen.
0:36:32–0:36:34
Wir stehen hier neben einem... Was ist das denn?
Florian Clauß
0:36:35–0:36:41
Ja, das ist hier so... Warte mal, ich kann das hier... Ich wurde ausgesetzt. Achso, die Haustiere.
0:36:42–0:36:47
Das ist aber hier so eine kleine Installation, die aussieht wie ein Eiffelturm.
0:36:48–0:36:50
Und daneben ist eine Telefonzelle.
Micz Flor
0:36:50–0:36:54
Und natürlich wird da aber auch Beton gespielt.
0:36:57–0:36:58
Gehen wir hier rein?
Florian Clauß
0:36:58–0:36:59
Ja, wir gehen hier rein.
Micz Flor
0:36:59–0:37:03
Also wieder rein parken. So, jetzt hast du mir gerade den Enthusiasmus rausgenommen.
Florian Clauß
0:37:04–0:37:04
Nein, das tut mir leid.
Micz Flor
0:37:05–0:37:07
Macht nichts, weil der Eiffelturm ist ja auch toll. Aber es ist genau diese
0:37:07–0:37:09
conflicting Sachen, also Prediction-Error.
0:37:10–0:37:13
Eiffelturm, wo ist der Elefant? In dem Moment bin ich ganz woanders und bin raus.
0:37:13–0:37:17
Jetzt muss ich mich wieder zurückarbeiten in diese Situation,
0:37:17–0:37:22
in der man, wenn einem heiß und kalt wird, dann heißt es ja,
0:37:22–0:37:25
da wird Glucose verbrannt, da wird geguckt, da wird umgeschaut,
0:37:25–0:37:27
da wird Angst generiert.
0:37:27–0:37:32
Da ist man wirklich sehr, sehr aktiv und wir sind jetzt hier neben der Baustelle,
0:37:32–0:37:34
das untermalt das jetzt auch akustisch.
0:37:36–0:37:41
Und das ist so eine Kernsache von Solmstedt, das sagt, okay, diese Emotionen,
0:37:43–0:37:49
sind roh. Ja, die sind erstmal sehr ungerichtet. Die triggern aber ein Bewusstwerden.
0:37:50–0:37:54
Und dieses Bewusstwerden ist dann in der Tat ein kortikaler Prozess.
Florian Clauß
0:37:54–0:37:57
Und da bekommt der Bewegungsvektor rein.
Micz Flor
0:37:57–0:38:01
Der kriegt quasi, dieses Bewusstwerden bedeutet, emotional ist was vorgefallen.
0:38:03–0:38:07
Und ich sage jetzt immer emotional, wichtig ist, er sagt einfach immer auch Gefühle.
0:38:08–0:38:13
Man fühlt was. Und er sagt es deshalb, weil das seine Essenz von Bewusstsein auch ist.
0:38:13–0:38:17
Also er sagt halt, how does it feel to be a brain?
0:38:18–0:38:23
What does it feel like to be this brain? Also dieses subjektive Erleben ist
0:38:23–0:38:25
ja im Zentrum seines Interesses. Und deshalb sagt er immer, ja,
0:38:25–0:38:26
subjektiv sind Gefühle.
0:38:26–0:38:31
Freud hat auch schon gesagt, würde er sagen, dass natürlich das,
0:38:31–0:38:35
was gefühlt wird, das ist ja per Definition bewusst.
0:38:35–0:38:37
Man kann nicht unbewusst fühlen.
0:38:38–0:38:41
Ja, dann würde man sprechen, also Gefühle verdrängt oder so.
0:38:42–0:38:45
Nee, das kann man so nicht aufrechterhalten.
Florian Clauß
0:38:45–0:38:47
Auch das fühlt man dann quasi, ja.
Micz Flor
0:38:47–0:38:51
Das Gefühl ist das, was gefühlt wird. Und Freud hatte ja dann eben diese Triebe
0:38:51–0:38:58
und diese Repräsentanzen auf den Trieben und die Verdrängung oder andere Abwehrmechanismen,
0:38:59–0:39:04
wo dann die Triebabfuhr über auch Kultur passieren kann. Das waren ja schon freudsche Gedanken.
Florian Clauß
0:39:05–0:39:05
Ja.
Micz Flor
0:39:05–0:39:08
Aber, und das ist jetzt der erste springende Punkt bei Solms,
0:39:09–0:39:14
dass er sagt, also anhand dessen, was wir heute so wissen, kann man mit Freud
0:39:14–0:39:18
mitgehen, kann sagen, ja, es gibt das Unbewusste.
0:39:18–0:39:23
Das würde niemand mehr in meinem Feld, also würde dem widersprechen.
0:39:25–0:39:29
Aber, Freuds Idee von diesem es oder id, wie es im Englischen heißt,
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das wurde ja alles so ein bisschen medizinisiert und lateinisiert.
0:39:33–0:39:42
Das ist bei Freud so ein bisschen so ein Pool und Solms möchte das teilen.
0:39:42–0:39:47
Solms möchte das teilen, möchte ich sagen, es gibt unbewusste Prozesse, kortikale Prozesse.
0:39:51–0:39:54
Das ist etwas anderes als das Triebhafte.
0:39:55–0:40:00
Also er würde das teilen und würde halt sagen, es gibt kortikale, unbewusste Prozesse.
0:40:01–0:40:04
Und kortikale Prozesse haben immer das Ziel, unbewusst zu werden.
0:40:05–0:40:11
Und auf der anderen Seite gibt es eben diese affektiven Strömungen, die von unten kommen.
0:40:11–0:40:15
Die eher dementsprechend, was Freud als Triebe genannt hat.
0:40:17–0:40:22
Ich möchte jetzt nochmal ganz kurz ein bisschen tiefer reingehen wie so eine Fußnote in dieses PAG,
0:40:22–0:40:26
in dem ich nochmal sage, dass es wichtig ist festzuhalten, das was eben Freud
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auch schon 1891 gesagt hat, diese Verbindung von diesen Teilsystemen oder von diesen Strukturen,
0:40:33–0:40:37
dieser Informationsfluss nenne ich es jetzt mal im Gehirn, ist irgendwie das,
0:40:37–0:40:42
was notwendig ist, um diese ganze Funktionalität überhaupt herzustellen.
0:40:42–0:40:45
Und das ist auch das, was mit dem PAG verbunden ist.
0:40:45–0:40:51
Das ist zwar einerseits lokalisierbar, ist dieser Bereich im Hirnstamm zwei
0:40:51–0:40:55
Kubikmillimeter groß. Wenn der zerstört wird, dann ist die Person im Koma.
0:40:56–0:41:01
Das heißt, der ist notwendig für die einfachste Form des Bewusstseins.
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Und dieser Bereich, Solms ist in den 90er Jahren zum ersten Mal darauf gestoßen,
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als er gemerkt hat, dass dieser mesokortikale Bereich, wo er diese Träume sehen konnte,
0:41:14–0:41:18
dass der eben auch über Projektion mit dem PAG verbunden ist.
0:41:18–0:41:25
Das PAG ist rohe Emotionen, aber die fließen von dort in weite Projektion, heißt es.
0:41:25–0:41:31
Also auch in kortikale Strukturen und es ist wie so ein Bindeglied und es ist
0:41:31–0:41:35
nicht einfach nur ein Punkt, sondern es ist vernetzt. Das ist nochmal wichtig.
0:41:36–0:41:40
Und das eine, was es eben auf alle Fälle auch misst, sind die Körperzustände.
0:41:40–0:41:43
Die werden auf alle Fälle auch über das PAG genommen.
0:41:44–0:41:47
Und bei Freud war es halt eben so, um das nochmal zusammenzufassen,
0:41:48–0:41:53
bei dem war das Unbewusste halt alles im Es verankert und alles war über Triebe organisiert.
0:41:55–0:42:00
Und das Bewusstsein war bei ihm eben sehr kortikal, das entsteht oben erst im
0:42:00–0:42:03
Ich, im Realitätsabgleich, im Wahrnehmungssystem.
0:42:04–0:42:08
Und das war das, was Solms hinterlegt hat oder was die Forschung nicht nur Solms,
0:42:08–0:42:13
was in vielen Forschungen widerlegt wurde und was Solms dazu anregt,
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zu sagen, diese Trennung herzustellen zwischen dem Unbewussten und dem Es.
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Das ist eben nicht ein Bereich, sondern die sind qualitativ voneinander getrennt,
0:42:25–0:42:28
weil eben auch viel unbewusstes Cortikal passiert.
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Da wird dann manchmal so gesagt, da stellt dir das alles so ein bisschen auf den Kopf.
0:42:36–0:42:39
Und du wolltest ja ein bisschen über Bewusstsein sprechen, wenn wir da jetzt
0:42:39–0:42:42
nochmal kurz reingehen, dann war es Freud, der, wie ich eben schon sagte,
0:42:42–0:42:47
meinte, Bewusstsein entsteht halt im Zusammenhang mit Wahrnehmung und auch mit
0:42:47–0:42:53
Sprache, ist also sehr reifer Prozess und über Realitätsabgleich und über Ich-Strukturen.
0:42:53–0:42:56
Und solm sagt, okay, nee, wir müssen eigentlich das unterteilen.
0:42:56–0:42:58
Es gibt zwei Bewusstseinsformen.
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Primär ist es eher affektiv, also dieses Gefühl.
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Und sekundäre Bewusstsein ist dann eher deklarativ. Also das ist das,
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was wir als versprachlich, das wollte ich jetzt sagen, aber das ist vielleicht
0:43:16–0:43:19
falsch, als symbolisiertes Bewusstsein irgendwie wahrnehmen.
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Also das, was gemeinhin als bewusst beschrieben wird.
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Und das ist nochmal wichtig und da kommen wir dann gleich noch in Bezug auf Bindungstheorie dazu,
0:43:32–0:43:38
dass dieses affektive primäre Bewusstsein ist wirklich auch eher erstmal sprachlos
0:43:38–0:43:41
und das war auch das, was Freud dann meinte.
0:43:41–0:43:46
Also wohin dieses Triebhafte dann drängt, das entscheidet sich eigentlich mit
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den Abwehrmechanismen.
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Eins ist nur klar, das E ist, darf nie einfach in die Welt knallen.
0:43:50–0:43:52
Es muss irgendwie verformt werden.
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Und die einen schreiben dann ein Gedicht, die anderen schlagen ihren Hund und
0:43:57–0:44:00
die Dritten, die verdrängen das einfach und vergessen das so.
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Also das heißt, es gibt da...
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Die Interpretation von dem, was da drängt, die ist unterschiedlich.
Florian Clauß
0:44:11–0:44:13
Interessant, ja. Ja, das war schön plastisch jetzt.
Micz Flor
0:44:15–0:44:19
Solms sagt dann, und das ist jetzt der nächste Schritt, der sagt dann,
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okay, wozu braucht es denn überhaupt Bewusstsein?
0:44:24–0:44:27
Und das war ein bisschen das, was ich vorhin meinte mit dem kleinen Eiffelturm,
0:44:27–0:44:30
den wir als Foto auch unten im Block wahrscheinlich jetzt angehängt haben inzwischen.
0:44:32–0:44:35
Und dem rosa Elefanten auf der Autobahn. Also in dem Moment werden irgendwie
0:44:35–0:44:36
Prediction Error entstehen.
0:44:37–0:44:40
Also Dinge sind nicht mehr durch Agents, würde man sagen scheinbar heute,
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schon fassbar und werden sozusagen unbewusst abgewickelt oder prozessiert.
0:44:47–0:44:54
In dem Moment schmeißt die Emotion das Bewusstsein an und dann haben wir cortikale
0:44:54–0:44:59
Funktionen, die versuchen, diesen Prediction Error, eine Lösung für das Problem zu finden.
0:45:00–0:45:05
Und wenn dieses Problem gelöst ist, dann wird es einfach wieder abgespeichert.
0:45:07–0:45:12
Die Arbeit, die dann erledigt wird, ist halt so eine Idee von Vorhersage oder
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Kontrollsystem, die dann normalerweise unbewusst mit allem umgehen können.
0:45:16–0:45:19
Aber wenn Probleme entstehen, dann müssen diese Lösungen gefunden werden.
0:45:20–0:45:24
Das ist, glaube ich, jetzt erst mal nachvollziehbar. Und das Bewusstsein ist
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eben der Teil, der unfassbar viel Kraft kostet eigentlich und den man eigentlich
0:45:30–0:45:32
so schnell als möglich auch wieder loswerden möchte.
0:45:33–0:45:39
Und wo man dann eben bei PET-Imaging auch sieht, wo Glucose verbrannt wird im Gehirn.
0:45:39–0:45:44
Also da wird einfach viel zu viel Energie verbraten, wenn man solche Probleme lösen muss.
Florian Clauß
0:45:44–0:45:49
Also es ist quasi so auch wieder das Leben dann als Optimierungs-Engine.
Micz Flor
0:45:49–0:45:52
Ja, wir sind eigentlich immer noch in diesem homoestatischen Amöbendenken,
0:45:53–0:45:55
aber auf einem sehr komplexen System.
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Und da geht es nicht mehr darum, dass man sagt, reagiere halt immer das,
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als letztes Reinkommen muss zuerst abgearbeitet werden, wie so im Hamburger
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Laden, sondern es geht halt darum zu gucken, wir müssen eine Wertigkeit,
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wir müssen Konkurrenzen finden und das ist das, was die Emotionen leisten.
Florian Clauß
0:46:09–0:46:14
Ja, es ist faszinierend. Also wenn man jetzt hier in Software denkt,
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das ist einfach nur eine Masse, eine wabernde Masse, wo ab und zu immer es hochkommt
0:46:19–0:46:23
und man sagt, wie, wie, wie, wie, runter, runter, runter.
Micz Flor
0:46:23–0:46:27
Ja, aber das ist ja auch das, was mein Körper erlebt. Wer sich das Bein bricht
0:46:27–0:46:29
und Gips hat und der Gips geht ab, dann muss man die Muskeln wieder aufbauen.
0:46:30–0:46:34
Das heißt, der Organismus ist daran interessiert, möglichst wenig Glucose zu
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verbrennen, möglichst wenig machen zu müssen.
0:46:37–0:46:41
Und das ist jetzt nochmal der springende Punkt, da wollte ich dann exemplarisch
0:46:41–0:46:46
an diesem einen Beispiel nochmal Solms Denken illustrieren.
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Es gibt hier spätestens seit, also schon länger, Aber dann jenseits des Lustprinzips
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hat Freud nochmal eben sich auch mit, würde man jetzt sagen, so...
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Traumathemen auseinandergesetzt, mit Gedanken und Träumen, die immer wieder
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kommen, die seiner Idee des Lustprinzips widersprechen.
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Lustprinzip, das bedeutet, dass man eigentlich immer Unlust vermeidet,
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Lust sucht und insofern alles sich immer schön malt und Träume dann auch so
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etwas wie unbewusste Wünscherfüllung sind.
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Also der Organismus strebt dahin, wie er sagt, zu so einem Nirvana,
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wo eigentlich dann eben so ein Äquilibrium herrscht, wo nichts zu tun ist.
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Aber es gibt diese Dinge, die immer wieder hochkommen.
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Return of the repressed, das ist auch so ein Slava Shizek-Ding oder was man
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dann auch in unseren Horrorfolgen auch schon mal irgendwie so gesagt hat.
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Um das jetzt mit Solms Worten an Solms Idee anzukoppeln,
0:47:50–0:47:57
würde er sagen, diese immer wiederkehrenden,
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verdrängten Themen ist ein Prediction Error über die Welt,
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der fehlerhaft abgespeichert wird und der jedes Mal dann wieder nicht ganz passt.
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Es klappt da nicht. Ja, wir nehmen jetzt mal so ein typisches aus der Praxis Beispiel.
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Jedes Mal an Weihnachten hat man sich vorher schön geredet und hat irgendwie
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alles geplant und mal was Neues.
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Und ich habe mir diesmal ein Zimmer gebucht. Ich wohne gar nicht mehr zu Hause.
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Und dann kommt halt Weihnachten und dann ist die Kommunikation,
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diese ganze Dynamik, die Gefühle, das ist dann alles doch wieder nicht so,
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wie man es sich eigentlich erwünscht hätte und wie man es gerne einmal hätte.
0:48:37–0:48:43
Also dann ist diese Diese Idee von dem Verdrängten, bei Solms ist es halt ein
0:48:43–0:48:46
Prediction Error, das Ganze muss wieder reaktiviert werden.
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Die Emotionen kommen wieder hoch, weil der Organismus merkt,
0:48:49–0:48:51
ich kann leider nicht ruhig bleiben.
0:48:51–0:48:54
Die Emotionen schießen hoch, okay, also gucken wir uns das alles nochmal an.
0:48:54–0:48:57
Und dann wird es wieder weggespeichert.
0:48:59–0:49:02
Und wenn es dann immer noch nicht gut gespeichert ist, nochmal angucken,
0:49:02–0:49:05
wieder weggespeichert. Man kann sich ja sehr gut vorstellen,
0:49:05–0:49:09
dass traumatische Erinnerungen nicht einfach gut integriert,
0:49:09–0:49:10
würde man vielleicht sagen.
0:49:10–0:49:14
Also die können nicht einfach so abgespeichert werden und dann ist es auch gut,
0:49:14–0:49:20
sondern die sind in der Tat einfach so bedrohlich, auch in der Erinnerung,
0:49:20–0:49:22
dass man die irgendwie nicht gut hinkriegt.
0:49:23–0:49:29
Und die zum Beispiel EMDR, diese neuen neuropsychotherapeutischen,
0:49:29–0:49:34
traumatherapeutischen Ansätze, die funktionieren auch, dass die damit arbeiten,
0:49:34–0:49:38
dass die versuchen, eben wirklich auch auf der einen Seite anzunehmen.
0:49:40–0:49:45
Die Erinnerung an traumatische Erfahrungen nochmal hochzuholen, zu aktivieren.
0:49:45–0:49:52
Und gleichzeitig dann aber auf einer anderen Ebene das Nervenkostüm,
0:49:52–0:49:55
nenne ich es mal, durcheinander bringen, sodass das Abspeichern das Ganze nicht
0:49:55–0:49:58
mehr so alarmiert wird. Man hat das auch gemerkt.
Florian Clauß
0:49:59–0:50:01
Okay, was sind die Methoden dafür?
Micz Flor
0:50:02–0:50:06
Das war halt das Interessante. Ursprünglich war die Methode,
0:50:06–0:50:10
so habe ich es zumindest zum ersten Mal gehört,
0:50:10–0:50:15
dass du ins Gespräch gehst, also dass du das auch umbringst und dass du mit
0:50:15–0:50:18
dem Finger so eine Rechts-Links-Bewegung machst.
Florian Clauß
0:50:18–0:50:19
Ja, ja, genau. Das hast du, ich verstehe.
Micz Flor
0:50:19–0:50:21
Und dann guckt man da drauf und dann muss man...
Florian Clauß
0:50:21–0:50:25
Also ein bisschen hypnotisch und dann halt so.
Micz Flor
0:50:27–0:50:34
Aber ich finde es immer noch am besten, wenn man auch evidenzbasiertes Wissen,
0:50:34–0:50:39
Man hat früher bei Autounfällen immer gedacht, das ist gut, wenn man den Leuten nochmal so erklärt,
0:50:39–0:50:42
was da gerade passiert ist. Nimm mal was passiert.
0:50:43–0:50:45
Ihr Auto ist zwar ein Totalschaden, aber sie haben einen gebrochenen Fuß,
0:50:45–0:50:46
das ist auch schon geschehen.
0:50:47–0:50:51
Man hat ja gedacht, wenn man den Leuten einfach so ein Debriefing gibt von dem,
0:50:51–0:50:56
was da passiert ist, dass die es dann besser einordnen können und dann auch besser ablegen können.
0:50:57–0:50:59
Aber? Aber es ist nicht so.
Florian Clauß
0:50:59–0:51:00
Ach krass, ja.
Micz Flor
0:51:00–0:51:05
Und viel effektiver ist, wenn du den Leuten direkt nach dem Unfall einen Tetris
0:51:05–0:51:07
in die Hand drückst und sagt, spielen Sie mal ein bisschen Tetris,
0:51:07–0:51:09
ich komme nachher noch zu Ihnen, aber legen Sie es bitte nicht weg.
0:51:09–0:51:14
Und wenn die dann sich darauf konzentrieren, dann ist das Gehirn in diesem Hier
0:51:14–0:51:17
und Jetzt in so einer Zone drin, da muss ich ja die ganze Zeit auseinandersetzen,
0:51:17–0:51:21
und ist nicht in der Lage, das gerade Erlebte so abzuspeichern.
0:51:21–0:51:23
Das ist dann später nochmal Haunting.
0:51:25–0:51:29
Und dann gibt es eben noch was, was ich jetzt auch bei deiner Buddhismus-Folge
0:51:29–0:51:31
schon ein bisschen rausgezogen hatte.
0:51:33–0:51:37
Es gibt aus der Bindungsforschung, also auch in der Entwicklung,
0:51:38–0:51:42
des Menschen, also in der biologischen, biografischen Entwicklung des Menschen,
0:51:42–0:51:48
also diese frühkindlichen Zeiten, bis vielleicht zum zweiten Lebensjahr,
0:51:48–0:51:49
eineinhalb, zweites Lebensjahr,
0:51:50–0:51:56
da ist das Kind nicht symbolisierungsfähig.
0:51:56–0:51:59
Das ist eher, da kommt das alles so rein.
0:52:00–0:52:03
Es gibt keine Sprache dafür, es kann nicht benannt werden.
0:52:05–0:52:08
Und trotzdem sind ja diese ersten eineinhalb, zwei Jahre unfassbar wichtige
0:52:08–0:52:10
Zeiten, in denen das Kind sehr
0:52:10–0:52:13
wohl in der Lage sein muss, Bindungen herzustellen, um versorgt zu werden.
0:52:14–0:52:18
Auf die Bedürfnisse dann auch der versorgenden Person zu reagieren.
0:52:18–0:52:21
Das Ganze aber ohne drüber nachzudenken, ohne drüber zu reden,
0:52:22–0:52:24
sondern würde man sagen aus dem Bauch heraus.
0:52:24–0:52:29
Oft sagt man ja dann heute auch so bei so Traumagedächtnis, Körpergedächtnis,
0:52:29–0:52:36
also solche Begriffe, die versuchen zu beschreiben, dass es hier um eine Form
0:52:36–0:52:40
des Wissens geht, das vorsprachlich ist oder nicht benannt werden kann.
0:52:40–0:52:45
Das per se und das ist halt eben auch das, was die Neurophysiologie inzwischen
0:52:45–0:52:51
dann weiß, was nicht bewusst abgespeichert ist.
0:52:51–0:52:54
Wenn wir jetzt eben in so Bindungserfahrungen nochmal reinschauen,
0:52:55–0:52:59
dann ist es ja was, was wirklich auch viele Menschen einfach über das Leben hin beschäftigt.
0:53:00–0:53:04
Also wie kriege ich Beziehungen hin? Warum erwische ich immer wieder den Falschen oder die Falsche?
0:53:05–0:53:08
Warum ist es mir nicht möglich, in Gruppen auch mal frei zu sprechen?
0:53:08–0:53:09
Warum habe ich immer Angst?
0:53:09–0:53:14
Oder warum muss ich mich immer beweisen? All diese Themen sind ja immer so interpersonelle
0:53:14–0:53:16
Prozesse auch, soziale Prozesse.
0:53:17–0:53:22
Und die Vermutung liegt nahe, dass es halt auch auf frühe Bindungserfahrungen zurückzuführen ist.
0:53:22–0:53:27
Und das ist genau der Teil, an dem man eben heute weiß, dass diese ganz frühen,
0:53:27–0:53:34
man spricht ja von On-Stream, Off-Stream, also diese bewussten Erinnerungskapazitäten,
0:53:34–0:53:35
die sind noch nicht On-Stream.
0:53:35–0:53:38
Man kann sich das nicht dann, so wie wir heute Erwachsene, sagen wir mal,
0:53:38–0:53:40
ich habe es gleich, ich habe es gleich, ah ja, da ist es.
0:53:40–0:53:43
Und ich kann das bewusst herrufen, ich kann es suchen, ich weiß,
0:53:43–0:53:44
dass ich es weiß, es liegt mir auf der Zunge.
0:53:44–0:53:48
Diese Sachen gibt es in der Art nicht, sondern diese frühen Bindungserfahrungen,
0:53:48–0:53:52
die werden nicht als bewusste Erinnerung gespeichert, sondern als prozedurale
0:53:52–0:53:55
oder als implizite Inhalte.
0:53:56–0:53:59
Und wenn wir jetzt das versuchen, so ein bisschen zu alignen,
0:53:59–0:54:03
also dieses, es gibt in der Tat...
0:54:04–0:54:12
Ganz wichtige Bindungserfahrung aus ganz frühen Tagen, die vielleicht nicht
0:54:12–0:54:17
optimal liefen, aber damals gut funktioniert haben und als solche irgendwie auch gespeichert sind.
0:54:17–0:54:22
In der Natur der Sache sind die nicht intellektuell fassbar.
0:54:23–0:54:27
Und das ist vor allen Dingen auch unfassbar schwer. Da muss ich ein bisschen lachen.
0:54:27–0:54:31
In der Psychotherapie sowas, gerade in der Gruppenpsychotherapie ist immer so
0:54:31–0:54:34
dieser Wunsch, Tipps zu kriegen von anderen oder so.
0:54:34–0:54:39
Also die Qualität, die die Beziehung in der Gruppe hat, die Art,
0:54:39–0:54:45
wie man in der Gruppe neue Modalitäten von Beziehungsaufbau probieren könnte.
0:54:45–0:54:48
Das sind eigentlich sehr wertvolle Erlebnisse.
0:54:48–0:54:55
Die Tipps, die sind manchmal eben auch wichtiger für die Herstellung einer guten
0:54:55–0:54:59
Bindung zu anderen in der Gruppe, mehr als ob die wirklich funktionieren oder nicht.
0:54:59–0:55:03
Aber das ist natürlich sehr schwierig, weil wir, wenn wir erst mal erwachsen
0:55:03–0:55:06
sind, über die Sprache kommen, über dieses bewusste Denken kommen.
0:55:06–0:55:14
Und das, was damals eben an Bindungserfahrungen und auch Strategien eben so
0:55:14–0:55:17
gespeichert wurde, dass es bewusst nicht mehr fassbar werden kann,
0:55:17–0:55:20
ist allerdings prozedural.
0:55:20–0:55:24
Das heißt, es kann korrigiert werden durch Erleben.
0:55:25–0:55:29
Und das ist das, was Freud eben die Übertragungsneurose nennt.
0:55:30–0:55:35
Und es gibt eben diese über 40 Prozent oder knapp über 40 Prozent,
0:55:35–0:55:38
die immer wieder zitiert werden.
0:55:38–0:55:46
Denn die Arbeitsbeziehung TherapeutInnen und PatientInnen ist für die Vorhersage
0:55:46–0:55:51
eines Therapieerfolgs knapp über 40 Prozent verantwortlich.
0:55:51–0:55:54
Also die Beziehung ist ganz, ganz essentiell.
0:55:55–0:56:04
Freud spricht von der Übertragungsneurose als etwas, was die Übertragung von früh Erlebten,
0:56:06–0:56:12
Bindungsthemen, Defiziten, destruktiven Bindungskonzepten, die passieren dann
0:56:12–0:56:15
eben in dieser Arbeitsbeziehung.
Florian Clauß
0:56:15–0:56:25
Und das ist jenseits der Sprache, weil die Bindungen zu einer Zeit,
0:56:25–0:56:27
wie du das auch gerade gesagt hast,
0:56:27–0:56:32
passiert sind, wo das noch ein sehr frühkindlicher Prozess war,
0:56:32–0:56:35
wo es eigentlich eher ein Empfinden körperlich,
0:56:36–0:56:42
also eine unorganisierte Emotionssuppe, wo ich noch nicht so ein Ordnungssystem
0:56:42–0:56:46
wie Sprache drauf habe oder so ein Logiksystem oder sowas, sondern das hat sich
0:56:46–0:56:48
da irgendwo reinkonditioniert.
0:56:48–0:56:54
Und dieses, wie auch immer, Abgespeicherte, kriegst du in dieser Beziehung zwischen
0:56:54–0:57:00
Psychotherapeutin und Patientin dann wiederbelebt und bearbeitbar.
0:57:00–0:57:05
Jetzt mal so quasi so Happy Path-mäßig beschrieben.
Micz Flor
0:57:06–0:57:09
Ja, und dieses Erleben ist der einzige Zugang dafür.
0:57:10–0:57:15
Und jetzt mache ich nochmal so einen großen Aufwasch. Die Idee von Solms mit
0:57:15–0:57:19
Blick auf, was die Psychoanalyse nachfreut.
0:57:21–0:57:24
Was können wir davon noch gebrauchen? Was können wir irgendwie annehmen?
0:57:24–0:57:29
Mit was können wir arbeiten? Er sagt, das Unbewusste gibt es auf alle Fälle.
0:57:30–0:57:35
Man muss es vielleicht aber ein bisschen anders aufteilen, als Freud es ursprünglich dachte.
0:57:35–0:57:39
Es gibt nicht dieses eine Unbewusste und das Triebe, sondern es gibt auf alle
0:57:39–0:57:41
Fälle kortikalen unbewussten Teil.
0:57:41–0:57:47
Und es gibt einen emotionalen Teil, der sehr roh erstmal von unten reinschießt
0:57:47–0:57:52
und der dann wirklich ähnlich wie das Freud auch über die Repräsentanzen der
0:57:52–0:57:54
Triebe beschrieben hat,
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die dann erst im Kortikalen vielleicht auch wirklich die Worte finden.
0:57:57–0:58:02
Und diese Idee von.
0:58:04–0:58:10
Von Verdrängung und wiederkehrenden Themen bei Solms wäre dann zu sagen,
0:58:11–0:58:17
wir müssen, wir brauchen die Emotionen, um zu priorisieren, was gerade wichtig
0:58:17–0:58:21
ist, in einer bewussten Verarbeitung durch die kortikalen Strukturen.
0:58:21–0:58:24
Und wenn wir es dann bearbeitet haben, muss es abgespeichert werden,
0:58:25–0:58:27
weil es kostet einfach viel zu viel Energie.
0:58:28–0:58:31
Und wenn es abgespeichert ist, aber nicht richtig abgespeichert ist,
0:58:32–0:58:33
dann kommt es halt immer wieder hoch.
0:58:34–0:58:39
Dann denken wir, jetzt weiß ich, wenn ich jetzt losgehe und mir einen Anzug
0:58:39–0:58:42
ausprobiere und der gefällt mir nicht, dann kaufe ich ihn nicht.
0:58:42–0:58:45
Diesmal schaffe ich es und dann läuft man mit zwei Anzügen gekaufterweise wieder
0:58:45–0:58:50
nach Hause und denkt, warum wieder nicht? Das heißt, dann muss das nochmal gemacht werden.
0:58:50–0:58:55
Ein Bild dafür für mich ist, für so ein fehlerhaftes Abspeichern,
0:58:55–0:59:01
ist zum Beispiel, die Familie bricht auf mit dem Auto. Also wir haben vorhin
0:59:01–0:59:05
auch fossile Brennstoffe noch gehört, also man steigt alles ins Auto.
0:59:06–0:59:09
Und man muss los und muss die Fähre noch kriegen.
0:59:10–0:59:13
Und es passierte bei mir zumindest in meiner Kindheit öfter,
0:59:14–0:59:17
dieses Packen des Autos sehr strukturiert begann.
0:59:18–0:59:21
Und zum Schluss war so Stopf, ey mach hin, wir schaffen das nicht.
0:59:21–0:59:27
Und dann sind da die letzten Koffer, das ist offen und dann wird der Orangensaft rein, der läuft aus.
Florian Clauß
0:59:27–0:59:30
Die Skye ist tausend Kilometer weit weg.
Micz Flor
0:59:30–0:59:34
Man muss da aber hin. Das heißt, man hat dann irgendwann das Packen,
0:59:34–0:59:39
ist sozusagen diese Corticolor versucht, das ein für alle Mal zu lösen.
0:59:39–0:59:43
Und der Realitätsbezug sagt einfach, uns geht jetzt die Energie aus.
0:59:43–0:59:44
Die Ressource, Zeit haben wir nicht mehr.
0:59:45–0:59:48
Deshalb machen wir jetzt hinten Chaos und dann muss es halt auch mal gut sein
0:59:48–0:59:49
und auf der Fähre können wir es dann machen.
0:59:50–0:59:53
Und auf der Fähre sind dann irgendwie hartgekochten Eier zerdrückt und so.
0:59:53–0:59:57
Versucht ihr zu retten, macht es ein bisschen besser, aber es kommen wieder neue Anforderungen.
0:59:57–0:59:58
Dann hat auf einmal...
Florian Clauß
0:59:58–1:00:03
Ja, und natürlich auch der Konflikt der Eltern beim Packen.
1:00:04–1:00:07
Und dieser Stress dann...
Micz Flor
1:00:07–1:00:09
Das ist dann das Interfellende dabei.
Florian Clauß
1:00:09–1:00:12
Man hat dann auch selber so das mitgenommen, ja.
Micz Flor
1:00:13–1:00:14
Und was ich vielleicht abschließend sage...
Florian Clauß
1:00:14–1:00:15
Deswegen ist es auch kein Auto, ne?
Micz Flor
1:00:16–1:00:21
Nicht mehr, genau. Ich bin befriedet. Aber ich möchte vielleicht ein anderes
1:00:21–1:00:23
Bild noch mal so abschließend machen, zu sagen,
1:00:25–1:00:28
Freud und Solms und sowas, da geht es irgendwie immer so wissenschaftlich ein bisschen darum.
1:00:28–1:00:33
Man hat so punktuell irgendein Wissen und im Englischen sagt man Connecting the Dots.
Florian Clauß
1:00:34–1:00:36
Ja, ja, Connecting the Dots.
Micz Flor
1:00:36–1:00:40
Connecting the Dots, genau. Und dann entstehen diese Konzepte,
1:00:40–1:00:43
diese Hypothesen über Abläufe und sowas. Und das, finde ich,
1:00:43–1:00:44
ist auch das, was da passiert.
1:00:45–1:00:48
Also Freud hat schon Dots gemacht, manche Dots hat man jetzt verworfen,
1:00:48–1:00:49
andere konnte man bestärken.
1:00:50–1:00:52
Neue Dots kommen dazu und jetzt ist halt Connecting the Dots,
1:00:52–1:00:56
man hat mehr Dots. Es bleibt immer noch in vielen Punkten hypothetisch,
1:00:56–1:00:59
aber an manchen Punkten ist es irgendwie erstaunlich plausibel.
1:00:59–1:01:02
Und auch eben über Neurophysiologie inzwischen.
1:01:04–1:01:07
Belegbar ist vielleicht das falsche Wort, aber kann man es untermauern.
1:01:08–1:01:10
Und das finde ich jetzt so, wo wir jetzt gerade sind.
1:01:10–1:01:14
Und wenn wir in die nächste Folge gehen, dann geht es darum,
1:01:14–1:01:18
was du auch schon angesprochen hast, Stochastik, Probabilistik.
1:01:18–1:01:26
Es geht halt irgendwie darum, wie ein so abgegrenztes System mit der Umwelt in Kontakt zu,
1:01:27–1:01:33
Und wie eben genau aus dieser Notwendigkeit, Homöstase herzustellen,
1:01:34–1:01:36
bestimmte Punkte, wie da eben ein Bewusstsein entsteht.
Florian Clauß
1:01:36–1:01:41
Ah ja, sehr gut. Sehr gut, weil ich halt auch überlege dann in einer der nächsten
1:01:41–1:01:45
Folgen über Biologie und Bewusstsein.
1:01:46–1:01:52
Ich habe da auch so ein, zwei Papers und Aufsätze, die ich da einbringen könnte.
1:01:52–1:01:57
Ich gucke mal, dass ich da das Thema auch in die Richtung dann finde.
1:01:58–1:02:02
Ja, toll Mensch, toll. Also ich habe auch das Gefühl, dass jetzt mit den ganzen,
1:02:03–1:02:06
vorherigen Folgen, wo wir immer wieder so oder wo du vor allen Dingen das Thema
1:02:06–1:02:10
immer wieder so bearbeitet hast, mit verschiedenen Zugängen,
1:02:10–1:02:13
von den frühen Folgen, wo wir auch schon über Freud gesprochen haben,
1:02:13–1:02:18
aber auch über Teweleid und so weiter, wo dann halt auch diese frühkindlichen Sachen und jetzt,
1:02:19–1:02:23
dieses Connecting the Dots sollen es da reinzubringen.
1:02:23–1:02:29
Das finde ich total spannend und ich habe wirklich heute, also ich habe es echt verstanden.
1:02:30–1:02:32
Ich fand es super, diese Hinleitung.
1:02:34–1:02:36
Also ganz toll. Vielen Dank.
Micz Flor
1:02:36–1:02:40
Du, das freut mich, dass es dir so ging, weil das war genau das,
1:02:40–1:02:44
was bei mir auch so ein bisschen passiert ist, dass man Dinge in einem positiven
1:02:44–1:02:45
Sinne irgendwie entzaubert.
1:02:46–1:02:48
Man muss nicht mehr über das E sprechen.
1:02:48–1:02:52
Man kann auf einmal bestimmte Dinge lokalisieren, man kann sie nicht wirklich
1:02:52–1:02:57
begreifen, im Sinne von jedes Neuron definieren, was dann von A nach B und so weiter.
1:02:57–1:03:00
Aber man hat auf einmal das Gefühl, dass dieses funktionale Gefüge,
1:03:00–1:03:09
diese Architektur in gewisser Weise, in ihrer Funktion auf einmal wirklich dann
1:03:09–1:03:11
auch die Sprache verbessert, wenn man darüber spricht.
1:03:13–1:03:14
Gut, gut.
Florian Clauß
1:03:14–1:03:23
Also das war Episode 106. Wenn ihr mehr noch wissen wollt von Informationen,
1:03:23–1:03:26
die Mitch zusammengetragen hat, links und so weiter,
1:03:27–1:03:32
dann schaut auf unserer Webseite,
1:03:33–1:03:35
eigentlich-podcast.de.
1:03:35–1:03:39
Dort ist auch der Track zu sehen, in dem wir langgelaufen sind,
1:03:39–1:03:43
durch einen Teil von Berlin, den wir beide so noch nie gesehen haben.
Micz Flor
1:03:43–1:03:46
Das ist wirklich kurios hier oben. Es ist vor allen Dingen auch über so eine
1:03:46–1:03:49
lange Strecke so gleich, als ob wir im Kreis laufen.
Florian Clauß
1:03:50–1:03:54
Wir sind gestartet auf der Rehberge.
1:03:55–1:03:59
Das ist dann der Strang von der U6, der nach oben nach Norden führt.
1:04:00–1:04:04
Und wir sind so quergelaufen und steigen gleich in die U7 ein.
1:04:05–1:04:11
So viel zu unserem Dreck. Also, dann bis zum nächsten Mal. Macht's gut.
Micz Flor
1:04:11–1:04:12
Macht's gut. Tschüss.

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Das Ich ist nicht Herr im eigenen Hause – weder bei Freud noch bei Buddha.

Im zweiten Teil unserer Buddhismus-Folge wagen wir den Brückenschlag. Was hat die jahrtausendealte buddhistische Lehre mit der Neuropsychoanalyse eines Sigmund Freuds oder Mark Solms zu tun? Und was sagt beides über die große Frage aus, was eigentlich Bewusstsein ist? Flo nimmt Micz zunächst mit in die Welt des tibetischen Buddhismus (Vajrayana). Wir sprechen über Erleuchtung als Erfahrung des Unveränderlichen, über Übertragungslinien von Lehrer zu Schüler, über Marpa und Milarepa, über Mantras, Visualisierungen und die geheimnisvolle Phowa-Praxis. Wir streifen die Geschichte der Verbreitung der buddhistischen Lehre nach Tibet, die vier großen Schulen und die Frage, wie eine Lehre über 2500 Jahre hinweg bewahrt werden kann, von der Mnemotechnik bis zum Pali-Kanon. Dann kommen wir zur eigentlichen Leitfrage: Lässt sich der Buddhismus mit der (Neuro)Psychoanalyse zusammendenken? Wir vergleichen Freud und Buddha, ihre überraschenden Gemeinsamkeiten (der Mensch als Getriebener unbewusster Kräfte, das Begehren als Quelle des Leidens, die Methode der inneren Beobachtung) und ihre entscheidenden Unterschiede: Während Freud das Ich stärken will, will der Buddhismus es auflösen. Im Zentrum der Folge steht ein gemeinsames „Mapping": Wir legen die fünf buddhistischen Daseinsfaktoren, die Skandhas - Körperlichkeit, Empfindung, Wahrnehmung, geistige Prägung und Bewusstsein – neben die moderne Neuropsychoanalyse von Mark Solms. Dabei kommen wir zu erstaunlichen Berührungspunkten: Bewusstsein wurzelt vielleicht nicht im Denken, sondern im Fühlen. Das buddhistische Karma findet eine Entsprechung im prozeduralen Gedächtnis und im Wiederholungszwang. Und wir gehen unter anderem den Fragen nach, warum die Psychoanalyse als Beziehungserfahrung wirkt und warum Leid sich transgenerational fortpflanzt. Am Ende bleibt es aber offen: Hat ein erleuchteter Mensch eigentlich noch ein Unbewusstes? Eine Frage, die dort ansetzt, wo sich naturalistisches und spirituelles Denken scheiden. Diese Folge ist der perfekte Appetizer für die nächste Episode, die Micz vorbereiten wird, in der wir tiefer in die Neuropsychoanalyse von Mark Solms eintauchen.

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
Erzähler
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Micz Flor

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:04
Also Mitch, ich muss ja nochmal einen zentralen Punkt sagen,
0:00:04–0:00:11
den ich so noch gar nicht explizit erwähnt habe, wenn es um Erleuchtung geht.
0:00:11–0:00:17
Ich habe jetzt immer gesagt, die Überwindung von Leid und das Leid,
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das eben entsteht, dass alles Zusammengesetzte auseinanderfällt.
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Und das, was die Erleuchtung ist, ist genau dieses, dahinter das Unveränderliche,
0:00:28–0:00:30
das Unveränderliche, was da ist.
0:00:31–0:00:36
Also das ist auch wirklich sehr, wie soll man sagen, umfassend und massiv,
0:00:36–0:00:42
dass hier im Buddhismus auch von etwas gesprochen wird, was unveränderlich ist.
0:00:42–0:00:45
Es wird immer gesagt, die wahre Natur des Geistes.
0:00:45–0:00:52
Und es gibt etwas, was sich nicht verändert. Und diesen Zustand zu erleben, das ist Erleuchtung.
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Das ist so der Kern im Betuismus.
Micz Flor
0:01:01–0:01:07
Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge von Flo's Großer Folge,
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die wir jetzt in der Mitte geschnitten haben.
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Folge 105 vom eigentlich Podcast, bei dem wir laufend reden und beim Laufen
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reden. Und so rede auch ich jetzt beim Laufen.
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Die letzte Folge begann Flo, ich wusste nicht, worum es ging,
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und begann damit, über den Buddhismus im Ganzen zu sprechen,
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im Großen zu sprechen, ein bisschen auch über sich zu sprechen,
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in Bezug auf Buddhismus.
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Und wir haben dann an einer Stelle aufgehört, wo wir durcheinander gekommen
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sind, weil jemand uns immer, oder mich zumindest,
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abgelenkt hat und um uns rumgelaufen ist und die ganze Zeit über Psyche gesprochen hat mit dem Telefon.
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Der zweite Teil von der Episode, da wird Flo, glaube ich, jetzt noch mal ein
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bisschen anfangen, weiter das auszubreiten.
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Aber wer es noch nicht gehört hat, empfehle ich trotzdem erstmal die erste Folge zu hören.
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Und dann hatte Flo angekündigt auch schon, dass es dann um ein bisschen eine
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Öffnung geht in Fragen, Diskussionen hinein.
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Und die interessante Frage, die du formuliert hast, ist, wie kann man das mit
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Psychoanalyse erleinen?
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Da bin ich natürlich unter Druck gesetzt. Wir werden einfach mal drüber sprechen.
Florian Clauß
0:02:19–0:02:23
Keiner ist unter Druck gesetzt, aber es war ja auch deine Erfolge,
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die wir vor meiner letzten gemacht haben,
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als es dann bei dir um das Unbewusste, das Unbewusste von dem Aufsatz von Freud
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ging und du auch so ein bisschen was aufgemacht hast und dann mit dem Satz, alles ist Emotion.
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Und das habe ich so mitgenommen und dachte, was ist Bewusstsein,
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was ist Emotion, was ist Motivation.
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Und dann bin ich auch irgendwie auf das Thema gestoßen worden.
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Also irgendwie hat mich Karin darauf gebracht.
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Buddhismus, ich hatte es schon letzte Folge erzählt, hat einen großen Teil zeitlich
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auch mein Leben beansprucht.
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Buddhismus, wo ich dann auch viel praktiziert habe, war über,
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weiß ich nicht, 15 Jahre bestimmt.
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In Summe, wie wir auch in der letzten Folge festgestellt haben,
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dass ich gar nicht so viel davon dir damals erzählt habe, außer dass du das
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so okay fandst und es hat gepasst und so weiter.
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Aber du hast auch nicht gefragt, also irgendwie war es zwischen uns noch nie
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so richtig ausgesprochen.
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Aber ich merke, dass wir immer wieder an so Punkte kommen in unseren Episoden,
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wo wir auf so eine spirituelle Ebene irgendwie kippen und ich dann meistens
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irgendwie das, ist das dann messbar?
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Und dann du mit deinem Messbar. Darum geht es jetzt gerade nicht.
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Es geht um die Information.
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Der Raum ist Information.
Micz Flor
0:03:47–0:03:51
Ja, ich habe aber, weil du es jetzt sagst, ich habe das wirklich oft auch gedacht,
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nie drüber gesprochen, weil warum auch ich habe, es ist ja interessant,
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dass Flo jetzt oft eben diese sehr materialistisch-biologischen Fragen stellt.
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So als ob das weiß, dass du lange im Buddhismus warst und da wäre das jetzt
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ja nicht so eine relevante Frage, wo genau ist denn der Knorpel im Gehirn,
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wo man da drücken muss und dann kommt diese Sozialenergie raus,
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kommt die dann als Saft oder als Duft?
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Also das hat mich nicht verwundert. Ich finde es total konkurrent,
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mit dem ich dich so erlebe.
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Aber dass du jetzt mit dem Buddhismus kommst, ich bin auch gespannt,
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wo das hingeht. Ob das jetzt der Anfang von wieder was Neuem ist, doch eine Religion.
Florian Clauß
0:04:28–0:04:29
Religion, ja.
Micz Flor
0:04:29–0:04:33
Oder ob du da jetzt einfach was für dich nochmal durcharbeitest oder vielleicht
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auch einfach in Ermangelung eines Themas diese Kiste aufgemacht hast und da
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passiert natürlich was.
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Das sind Sachen, die weiß ich nicht, aber ich bin gespannt, wo das hingeht.
Florian Clauß
0:04:41–0:04:45
Buddhismus ist meine Stromgetarren folgen. Da kann ich einfach viel mehr so
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erzählen, um eine große Worte zu bereiten.
Micz Flor
0:04:47–0:04:51
Also jetzt erzähle ich dir mal von einer Geschichte, da sind vier Diamanten,
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zwei weiße Elefanten und vier Tropfen aus Gold.
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Ich möchte mich darüber jetzt gar nicht lustig machen. Ich hoffe, das ist jetzt okay.
Florian Clauß
0:04:58–0:05:03
Das ist völlig okay. Ich habe dir die Vorlage hingelegt. In der letzten Folge
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habe ich so ein bisschen darüber geredet,
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wie Buddha, also der historische Buddha, wie er zu der Lehre gekommen ist,
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dass er eben festgestellt hat, dass Alterkrankheit Tod jeden Menschen betrifft
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und dass man dagegen was machen kann, nämlich die Erleuchtung.
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Die hat er dann auch erreicht und hat die dann 45 Jahre lang gelehrt.
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Und in seinem Tod hat er noch gesagt, ja, alles ist vergänglich,
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auch ich bin vergänglich. So what?
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Also das ist halt so stark. ja und das ist ich muss ja auch sagen das ist bei
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mir so drin also egal ich weiß nicht aber du hast ja auch deinen zivildienst
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dann damals gemacht und bist auch mit dem tod konfrontiert worden ja als junger
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mensch ist das ja sicher verstörend auch nicht nur als junger aber,
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irgendwie ist diese also diese einsicht.
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Dass wir nicht ewig leben, dass ich nicht ewig lebe, dass Tod eigentlich immer präsent ist,
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dass alles irgendwie vergänglich ist, ist mir schon sehr nah,
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sage ich mal, im Sinne von, daran denke ich oft.
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Also egal, in welchen Situationen. Es ist immer irgendwie so als Weisheit da
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und dass es auch so ein Gleichmacher ist.
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Also das finde ich auch so befreiend. Es ist so eine, wenn man das so für sich,
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oder wenn ich das für mich so angenommen habe, ich meine, das ist natürlich nicht einfach.
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Aber trotzdem, ja, ist es das Leben.
Micz Flor
0:06:37–0:06:42
Also da bin ich bei mir auch, also ich habe überhaupt keine Sorge darum,
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dass es endlich ist, also dass es dann aufhört. Da habe ich überhaupt kein Problem mit.
Florian Clauß
0:06:46–0:06:47
Ja, das habe ich auch nicht.
Micz Flor
0:06:47–0:06:51
Das Sterben, das wurmt mich so ein bisschen. Wie ich sterben werde,
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was ich werde, da gibt es kein so großes Interesse, das herauszufinden.
Florian Clauß
0:06:59–0:07:05
Nicht so wie in einem einen Film von der Kurzgeschichte von Stephen King. Spoiler.
Micz Flor
0:07:05–0:07:08
Es gibt ja diesen Film, den ich auch interessant finde, jetzt weil wir über
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Bedichtungsreden hier mit Tom Cruise, weißt du nochmal, Live, Die, Repeat oder so.
Florian Clauß
0:07:13–0:07:13
Ja, stimmt.
Micz Flor
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Wo der ganze Film darauf aufgebaut ist, dass er immer wieder dieses Leben durchgeht.
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Und was er immer nur um wenige Stunden, also er wacht da auch ins Leben hinein,
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versucht was und kommt immer weiter, immer weiter, immer weiter.
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Und dann irgendwann hat er halt so einen Punkt, wo er doch nicht weiterkommt,
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dann kommt er doch wieder weiter. Da musste ich vorhin dran denken.
Florian Clauß
0:07:28–0:07:28
Stimmt, ja.
Micz Flor
0:07:28–0:07:30
Das hat ja auch was Buddhistisches allerdings.
Florian Clauß
0:07:30–0:07:32
Was sehr... Ja, also was Repetitives, ja.
Micz Flor
0:07:32–0:07:35
Was Repetitives und natürlich auch was sehr zielgerichtet ist.
Florian Clauß
0:07:35–0:07:36
Ja, das stimmt, ja.
Micz Flor
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Aber der hat ja ganz viele Todeserlebnisse
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und muss sich auch immer wieder angehen. Und das will ich nicht.
Florian Clauß
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Ich habe letzte Folge auch davon berichtet, dass eben Buddha,
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neben dieser Erkenntnis von alter Krankheit Tod, dann auch, es gibt einen Weg
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aus dem Leid und da die Erleuchtung und den achtfachen Pfad entwickelt hat,
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der dann bestimmte, nicht Anweisungen, aber Empfehlungen gibt für rechtes Handeln
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und eine gewisse Ethik aufbaut.
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Also Mitch, ich muss dir nochmal einen zentralen Punkt sagen,
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den ich so noch gar nicht explizit erwähnt habe, wenn es um Erleuchtung geht.
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Das ist, ich sage immer, ich habe jetzt immer gesagt, die Überwindung von Leid.
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Und das Leid, das eben entsteht, dass alles Zusammengesetzte auseinanderfällt.
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Das ist nochmal so dieses Entropie.
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Also das Vergängliche bedeutet ja nur, dass die Stoffkombination dann nicht
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mehr so besteht, ständig im Wechsel sowieso ist,
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biologisch, chemisch austauschbar, aber ab einem gewissen Punkt dann halt einfach...
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Zu Pilzen würde oder so. Aber das, was dieses Bewusste oder das,
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was die Erleuchtung ist, ist genau dieses, dahinter das Unveränderliche,
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das Unveränderliche, was da ist.
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Also das ist auch wirklich sehr, wie soll man sagen, umfassend und massiv,
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dass hier im Buddhismus auch von etwas gesprochen wird, was unveränderlich ist.
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Es wird immer gesagt, die wahre Natur des Geistes. Und es gibt etwas,
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was sich nicht verändert.
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Und diesen Zustand zu erleben, das ist Erleuchtung.
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Das wollte ich nochmal so explizit sagen, weil ich es noch nicht so gesagt habe.
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Aber das ist so der Kern im Buddhismus.
Micz Flor
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Ja, interessant. Also wenn du es sagst, dann denke ich natürlich daran,
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wer ist der subjektive oder die subjektive Beobachterin für diesen erleuchteten
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Moment, das zu erkennen, was, wie war das?
Florian Clauß
0:09:54–0:09:59
Die unveränderliche Natur des Geistes. Das gibt es ja nicht mehr.
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Es gibt ja kein Subobjekt, sondern das ist alles dann in dem Moment aufgelöst.
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Wenn du dann darüber nachdenkst, du merkst, wie sich die Zunge dann anfängt
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zu knoten oder das Gehirn.
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Das kannst du nicht fassen einfach in dem Moment, sondern das kann man nur erleben.
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Und deswegen diese Empirie, dass es rein Erfahrungszustand ist und keine Erklärung oder sowas.
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Und alles, was damals ist, achtfach war und so weiter, das ging nur dazu,
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die dahin zu bringen, dass Alter, Krankheit und Tod überwunden werden kann in dem Moment.
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Und diese Unveränderlichkeit als Zustand dann erlebt werden kann.
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Und das ist das, was Buddha dann letztendlich unter dem Bodhi-Baum erlebt hat.
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Buddha hat dann eben, wie gesagt, dann 45 Jahre gelehrt, dabei 88.000 Belehrungen gegeben,
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wovon, so wird es gesagt, 44.000 an Mönche und Nonnen ist, weil die nochmal
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spezielle Bedingungen haben, eben mit der Sexualität umzugeben.
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Deswegen kriegen die mehr Belehrungen.
Micz Flor
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44.000, das ist ja ganz schön viel Arbeit.
Florian Clauß
0:11:13–0:11:19
Ja, genau, musst du erstmal durchmachen. Dann 22.000 für die Laien und 22.000
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für die sogenannten Yogis. Das sind Praktizierende, die außerhalb der Gesellschaft
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leben, also diese Höhenmenschen.
Micz Flor
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Gibt es die, diese 88.000? Sind die irgendwo aufgeschrieben?
Florian Clauß
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Das ist der Pali-Kanon, das ist, was ich auch letzte Folge erwähnt habe.
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Pali ist die Sprache, Kanon ist im Prinzip das Gesamtwerk.
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Wir waren ja auch so ein bisschen da an der Frage hängen geblieben,
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als du dann abgedenkt worden bist.
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An der Frage hängen geblieben, wie diese Übertragung ist.
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Von Memotechnik hatte ich geredet. Nämlich, dass Buddha zu der Zeit wurde noch
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nicht viel aufgeschrieben.
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Sondern es galt noch, dass die Schülerinnen und Schüler von Buddha dann das
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sehr wortgetreu wiedergegeben haben. Es waren auch sehr viele.
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Das heißt, wir können davon ausgehen, dass über diese ganzen Jahrtausende,
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das ist ja über 2500 Jahre her, dass darüber auch noch recht genau die Wortlaute
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von Buddha enthalten sind.
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Also weil eben das sehr genau rezitiert wurde, von Generation zu Generation,
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von Schüler zu Schüler dann halt auch quasi übertragen wurde und dieser Palikanon,
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das war dann irgendwann so ein,
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ja wie so beim Skat-Kongress, dass irgendjemand dann halt angefangen hat,
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wie wir die Regeln jetzt mal aufschreiben, ja der wurde dann aufgeschrieben
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und es war dann halt auch tatsächlich so diese Sache von den Klöstern dann halt auch das zu verwahren.
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Es gab Riesenbibliotheken, die diese Schriften enthalten haben,
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weil dann irgendwann kam das Schriftsystem rein. Das war ja so 400 Jahre später.
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Also wir sind dann so um 483 vor Christi ist oder vor der Zeitenwende ist Buddha gestorben.
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Dann 400 Jahre später. Also wir sind dann so bei den Römern.
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Und dann gab es natürlich diese Schriftkultur schon und dieses Aufschreibungssystem.
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Und es war vor allen Dingen Indien, die dann halt auch diese Schriften bewahrt haben.
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Und ich wollte jetzt diese Folge so nochmal über den Vajrayana,
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also wir haben in der letzten Folge schon festgestellt, dass es hier drei Fahrzeuge,
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das kann man auch vielleicht nochmal so ein bisschen weiter aussagen,
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der Theravada, Mahayana und Vajayana im Buddhismus gibt.
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Buddhismus selber hat über 500 Millionen Anhängerinnen.
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Also das heißt, eine Weltreligion kann man schon sagen.
Micz Flor
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Wie ordnet man das denn so ein? Also ich weiß nicht, wie groß das so bei anderen Religionen hat.
Florian Clauß
0:13:56–0:14:03
Also ich glaube, das ist so von der Stellengröße vielleicht die Vierte oder Dritte, weiß ich nicht.
0:14:03–0:14:07
Können wir nochmal recherchieren. Und besonders im asiatischen Raum hat sich
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der Buddhismus verbreitet.
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Dann hat sich die Möglichkeit aufgetan, dass der Buddhismus,
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also dass diese Lehre, nach Tibet kam.
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Und zwar war das die erste, es gab so zwei Wellen.
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Ja, das erste Mal war so um 700 nach Christi, wo dann von einigen Rinpoche,
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also Guru Rinpoche war glaube ich da, maßgeblich hat das dann nach Tibet gebracht.
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Und es wurde auch dann so mehr oder weniger von dem tibetischen König dann unterstützt,
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weil seine Frau da auch sehr drin war und hat sich dann auch verbreitet.
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Aber es ist dann aufgrund von Streitigkeiten dann zusammengefallen.
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Und die Klöster sind dann auch erstmal quasi so brach gelegen. 150 Jahre lang.
Micz Flor
0:14:58–0:14:58
Oh, wow.
Florian Clauß
0:14:58–0:15:03
Ja, ja, es war wirklich so eine recht lange Zeit. Und dann gab es halt den Umstand...
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Dass die islamischen Besatzungen dann von Indien angefangen hat,
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dass die auch da große Bibliotheken wiedergebrannt haben mit den Schriften.
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Dann kam quasi aus dem Zwang heraus, da auch diese Lehre irgendwo zu bewahren,
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wurde die nach Tibet dann wiedergebracht.
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Und weil der da eine große Rolle gespielt hat und der auch der eine Begründer
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der Linie ist, wo ich auch damals praktiziert habe, Katschulinie ist Mapa.
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Mapa ist der Übersetzer, wird ja auch genannt.
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Eigentlich ein Laienbuddhist. Es gibt ja auch so, das habe ich auch noch gar
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nicht erwähnt, es gibt so verschiedene Formen von, wer quasi wie praktizieren kann.
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Also es gibt Mönche und Nonnen auf der einen Seite, aber bei der normalen Bevölkerung,
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was als Laienbuddhismus bezeichnet wird,
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ist das auch so völlig verbreitet gewesen, dass man halt so buddhistisch war
0:16:01–0:16:06
Und im Alltag dann halt ganz normal seine Sachen gemacht hat und Kinder bekommen hat und so.
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Und Mapa ist dann unter großen Anstrengungen mehrmals von Indien nach Tibet
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gereist und hat dann auch da die Lehren quasi mit übersetzt.
0:16:17–0:16:24
Und hat dann auch so das Mahamudra, das ist so eine zentrale Praxis der Kaji-Linie,
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hat der dann halt auch quasi mitgebracht.
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Tibet hat sich deswegen so gut geeignet, weil es eben so abwegig ist,
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also die durchschnittliche Höhe der Landschaft, der Pegel, wie sagt man,
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Landschaftsmarken ist so 4500 Meter, also das heißt.
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Das ist alles sehr schwierig dann halt da irgendwie zu erobern.
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Also das heißt, da haben sie auch die Klöster auch in irgendwelchen Tälern oder
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auf irgendwelchen Bergspitzen und so weiter gefunden.
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Und das ist so, aber das hat sich dadurch, dass es eine sehr lebendige Klösterkultur
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gibt und Austausch und so weiter, hat sich das auch so bewahrt.
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Es gibt vier Schulen im tibetischen Buddhismus.
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Die erste, wo dann auch Guru Rinpoche, der dann auch das Guru-Yoga mitgebracht
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hat, Guru Rinpoche dann mitbegründet hat, ist die Ningmas, heißen die.
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Dann gibt es noch die Katschis, die Satschis und die Gelupas. Die Gelupas kennt man.
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Das ist nämlich die Schule, aus der der Dalai Lama kommt.
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Ich hatte auch letzte Folge schon erwähnt, der tibetische Buddhismus Vajrayana.
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Ist eben sehr stark darauf ausgelegt, auf diese Schüler-Meisterverbindung,
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also Guru, Guru, Yoga, Lama,
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die dann anhand von tantrischen Übungen, Meditationsübungen,
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diese Übertragung so intensiv macht, das klingt jetzt ein bisschen dubios,
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aber dass du innerhalb von einem Leben dann die Buddhaschaft erreichen kannst.
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Weil das ist halt so, in Anzählungen ist es dann,
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ja, da braucht man halt irgendwie so und so lange einen Theravada,
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der dann eher auf die Befolgung dieser acht Pfade dann Wert gelegt hat.
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Also eher so Theravada, eher so dann halt diese ganze Ethik des Buddhismus praktiziert hat.
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Ja, Mahayana hat auch so Ansätze von solchen starken Schülermeisterverbindungen
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und im Bajayana wurde es sehr intensiviert.
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Ja, deswegen gibt es immer auch bei den einzelnen Schulen des tibetischen Buddhismus
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immer eine ganz starke Übertragungslinie.
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Also es wird gesagt quasi, da wo Buddha war, hat er erstmal so einen Tibetischen.
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So unglaubliche Energie entfacht und das dann in allen seinen Schülerinnen und
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Schülern ausgestrahlt hat und die dann aber auch wirklich so face to face dann
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weitergegeben wurden. Das ist halt so die Übertragung.
0:19:10–0:19:18
Und da wird immer ganz genau gesagt, wer, wann, wo, von wem und welche Familie da und so.
0:19:18–0:19:23
Und das ist auch so, dass dann halt die Geluppers, eine recht späte Schule,
0:19:23–0:19:26
die haben sie erst so im 14. Jahrhundert dann begründet.
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Und diese haben ja so dieses politische Zepter dann halt in die Hand genommen.
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Das heißt, die haben sich dann halt um die administrativen Sachen gekümmert.
0:19:35–0:19:39
Also der Buddhismus war dann schon immer Staatsreligion, mehr oder weniger.
0:19:40–0:19:44
Sie war dann sehr umfassend im Tibet. Und die Geluppers haben dann halt auch
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diese politische Repräsentation gemacht.
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Deswegen ist der Dalai Lama jetzt immer noch derjenige, der dann mehr oder weniger
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alle Anhänger des tibetischen Buddhismus vertritt, nach außen hin.
0:19:55–0:20:01
Bei den Katschüs, wo ich mit dabei war, ist es Kamapa.
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Und da ist jetzt der 17. Kamapa am Start. Es gibt dann immer eine aktive...
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Also wenn dann halt quasi das Oberhaupt gestorben ist, dann gibt es immer so
0:20:12–0:20:18
auch bestimmte Zeichen und so weiter, die dann von dem Vorgänger hinterlassen wurden.
0:20:18–0:20:26
Dann gibt es bestimmte Ämter, die nur die Aufgabe haben, dann entsprechend,
0:20:26–0:20:31
also Schamapaar ist das dann in der Katschulinie, der dann auch eben bestimmen
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kann, wer dann der Nachfolger ist.
0:20:33–0:20:39
Geheimer Brief und so weiter, dann bestimmte Zeichen, wo dann die Wiedergeburt von dem Kamerpaar ist.
0:20:39–0:20:42
Das wird dann rausgesucht und so weiter.
0:20:43–0:20:46
Also das ist auch sehr speziell, sage ich mal,
0:20:46–0:20:51
weil natürlich mit so einem Amt oder dann eben als Wiedergeburt erkannt zu werden,
0:20:52–0:20:59
als quasi Rinpoche oder als Tulku, das ist so eine sehr weitentwickelte Form
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von wiedergeborenen spirituellen Oberhäuptern.
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Ja, Turku, die haben natürlich dann auch einen entsprechenden Status.
0:21:08–0:21:13
Das geht nicht immer mit ganz reinen Dingen. Da gibt es halt auch echt schräge Geschichten.
Micz Flor
0:21:14–0:21:18
So wie der Papst. Das ist anders als die Wahl des Papstes.
0:21:19–0:21:22
Das ist angelegt. Zumindest wird es auch immer so verkauft, wenn man Filme drüber
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guckt, wie dann ein kleiner Junge auf einmal entdeckt wird und so weiter.
Florian Clauß
0:21:25–0:21:25
Genau.
Micz Flor
0:21:25–0:21:27
Aber die Politik steckt da auch schon.
Florian Clauß
0:21:28–0:21:32
Ja, die Politik natürlich. Und auch du kannst noch so um Löcher meditieren.
0:21:32–0:21:37
Das ist ja nicht irgendwie so da, rau kriegst du ja nicht raus das ist ja auch
0:21:37–0:21:40
menschlich angelegt die Störgefühle sind halt überall genau.
Micz Flor
0:21:40–0:21:45
Das ist eben der mittlere Weg, das ist ja auch einfach Teil davon Teil davon.
Florian Clauß
0:21:45–0:21:50
Dass man in der quasi, dass man da auch wie du letzte Folge gesagt hast dass
0:21:50–0:21:52
man so in der Welt bleibt mich.
Micz Flor
0:21:52–0:21:56
Würde jetzt ganz pragmatisch nochmal interessieren, oder nicht pragmatisch, aber ähm,
0:21:56–0:22:00
so realitätsbezogen, administrativ vielleicht sogar.
0:22:00–0:22:05
Du hast vorhin gesagt, dass über Memotechnik diese 88.000 Sachen übergeben wurden
0:22:05–0:22:07
und dies und die Lehren und so weiter und so fort.
0:22:07–0:22:11
Und parallel zu diesem reinen Wissen, was ja dann auch die Praxis ist,
0:22:12–0:22:16
das Meditieren und das Wissen und wie auch immer, gibt es jetzt aber auch noch
0:22:16–0:22:20
Informationen, die du mir gegeben hast, über welche Schriftrolle waren von wo
0:22:20–0:22:22
nach wo und wie der hieß und sowas.
0:22:22–0:22:25
Das muss ja auch irgendwie memotechnisch dann übergeben worden sein.
0:22:25–0:22:29
Es gibt so eine zweite Ebene von dem, was den Buddhismus ausmacht.
0:22:29–0:22:33
Das ist diese Abfolge bis hin zu dem Punkt, dass du sagst, dass die auch noch
0:22:33–0:22:36
wissen und das ist ja ähnlich wie eine Psychoanalyse, wer war dein Lehranalytiker
0:22:36–0:22:40
oder Analytikerin, dass es immer so weitergegeben wird, fast wie in einem Adelsgeschlecht
0:22:40–0:22:42
und da wurde die Erleuchtung weitergegeben.
0:22:42–0:22:45
Das heißt, es gibt zwei Formen des Wissens.
0:22:45–0:22:50
Das eine ist einfach scheinbar ein zeitloses Wissen der Lehre.
0:22:50–0:22:54
Und das andere ist, das Werden und Fortbestehen des Buddhismus,
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wer wann wo wie in den 2400 Jahren sind oder 2500 Jahre fast, da so durchgeht.
Florian Clauß
0:23:02–0:23:04
Ja, natürlich, aber das hängt miteinander zusammen.
Micz Flor
0:23:04–0:23:06
Aber das wurde dann auch memotechnisch übergeben.
Florian Clauß
0:23:06–0:23:11
Na, also ich kann dir das jetzt gar nicht so sehr in den Anfängen noch sagen.
0:23:12–0:23:17
Aber da gibt es sicher irgendwelche Überlieferungen.
0:23:18–0:23:23
Also zu der Zeit, je näher du dran bist, desto mehr, rein statistisch,
0:23:23–0:23:26
desto mehr Leute haben da noch Kontakt gehabt.
0:23:26–0:23:30
Und das dünt sich ja eher so dann aus mit der Zeit, wo sich dann halt Leute
0:23:30–0:23:33
vielleicht nicht mehr mehr da praktiziert haben und das weitergegeben haben.
Micz Flor
0:23:33–0:23:37
Und 150 Jahre ist natürlich, wenn das vor der Verschriftlichung war, eine lange Zeit.
Florian Clauß
0:23:38–0:23:39
Naja, das waren 400 Jahre.
Micz Flor
0:23:39–0:23:43
Nein, aber du meintest ja, 150 Jahre waren die Klöster leer und der Buddhismus war.
Florian Clauß
0:23:43–0:23:45
Ach so, du redest jetzt vom tibetischen Buddhismus.
Micz Flor
0:23:45–0:23:47
Ach, das war nur der tibetische Buddhismus.
Florian Clauß
0:23:47–0:23:48
Wo 150 Jahre war.
Micz Flor
0:23:49–0:23:51
Ich dachte, es gab eine Pause von 150 Jahren.
Florian Clauß
0:23:51–0:23:57
Nein, sorry, das war missverständlich. Es gab eine erste Verbreitung des tibetischen
0:23:57–0:23:59
Buddhismus, die war ungefähr 700.
0:24:00–0:24:04
Und dann hat es so 100 Jahre irgendwie so sich kultiviert.
0:24:04–0:24:08
Und dann 150 Jahre lag es brach, die Klöster sind auseinandergefallen und so
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weiter. Und dann kam die zweite Welle und aus diesem Druck heraus eben auch
0:24:12–0:24:16
die Leere zu konservieren, so in den Kühlschrank zu legen.
0:24:16–0:24:20
Oben Himalaya, Dach der Welt, zack, ganz gut einfrieren, die ganze Leere.
0:24:21–0:24:27
Aber da genau, aus dieser Motivation heraus. Und die ganze Hinführung,
0:24:27–0:24:32
wer was wie miteinander zusammenhängen, welche Schule, wer dann Lehrer war,
0:24:32–0:24:34
das war ja auch recht übersichtlich, sag ich mal.
0:24:34–0:24:38
Also sie kannten ja dann irgendwie ihre drei, vier Klöster in Reichweite,
0:24:38–0:24:40
es gab unterschiedliche Schulen und so weiter.
0:24:40–0:24:43
Aber das war, glaube ich, sehr übersichtlich organisiert.
0:24:44–0:24:49
Das war so die Zeit, wo dann halt diese Übertragungslinien entstanden sind.
0:24:49–0:24:53
Und eine ganz zentrale Übertragung aus dem.
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Von jetzt der Schule der Katschis ist dann Mapa und der steht dann in der Tradition
0:25:01–0:25:04
zum Mapa, der war dann Lehrer von Milarepa.
0:25:04–0:25:08
Milarepa ist dann halt auch eine ganz zentrale Figur.
0:25:09–0:25:12
Dann gab es vorher Mapa, glaube ich, von Naropa.
0:25:13–0:25:21
Und das sind so die, weißt du, wenn man dann halt bei diesen ganzen Vorträgen,
0:25:21–0:25:24
dann gibt es immer wieder die gleichen Namen und da werden Geschichten erzählt
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und dann entsteht ja so ein Bounding.
0:25:26–0:25:28
Und dann hast du halt irgendwie gesagt, okay, der cooler Typ,
0:25:28–0:25:29
der hat das und das gemacht.
0:25:31–0:25:34
Und Milarepa ist halt auch so ein Volks, also es war halt derjenige,
0:25:34–0:25:37
der dann halt so grün geworden ist, weil er so viele Brennwässlinge gegessen hat und so.
0:25:37–0:25:41
Also das Mahmoud-Rad ist halt auch nochmal so ganz interessant,
0:25:41–0:25:42
weil es wird halt gesagt so,
0:25:43–0:25:49
dass die Erleuchtung quasi durch so ein Schnipsen passieren kann,
0:25:49–0:25:52
wenn der Lehrer zur richtigen Zeit den Schüler erwischt und dann halt einfach
0:25:52–0:25:54
nur zack macht und eine Geste und auf einmal bau.
0:25:56–0:25:59
Das sind auch immer so ein bisschen diese Lagerfeuergeschichten.
Micz Flor
0:26:01–0:26:04
Und die Schüler dann die ganze Zeit neben dem Lehrer nebenherlaufen und wünschen,
0:26:04–0:26:07
dass er einfach dauernd schnippt. Da müssten wir doch irgendwann den richtigen Moment treffen.
Florian Clauß
0:26:08–0:26:11
Ja, oder mit einem Schuh auf den Kopf geschlagen hat. Da gab es auch eine Geschichte.
0:26:13–0:26:16
Auf einmal bist du dann halt so durch so einen Schlag erleuchtet.
Micz Flor
0:26:17–0:26:24
Also mir geht es jetzt gerade so, das ist jetzt so sehr Backstory von Herr der
0:26:24–0:26:26
Ringe oder Backstory von Game of Thrones. wird sowas.
Florian Clauß
0:26:26–0:26:30
Nee, das wird aber auch so. Dann sind es tatsächlich, nein, es ist nicht so.
Micz Flor
0:26:30–0:26:33
Nee, aber die Frage ist ja, was ist jetzt das Publikum, wenn du es erzählst?
0:26:33–0:26:36
Weil das Publikum ist ja da, du warst ja das Publikum davon.
0:26:36–0:26:40
Wenn du es jetzt mir erzählst, erzählst du es ja nicht mir, sondern du erzählst
0:26:40–0:26:44
es jetzt ja eigentlich für die, die das hören im Podcast, weil du weißt ja,
0:26:44–0:26:48
das geht bei mir jetzt quasi Matscha, Palamuzka und der, das ist so,
0:26:48–0:26:50
Brennnesseln kann ich mir merken.
0:26:50–0:26:54
Aber die anderen Sachen, die sind quasi wichtig für dich jetzt mitzuteilen,
0:26:54–0:26:56
nicht wegen mir, sondern wegen und,
0:26:56–0:27:02
Also du bist jetzt quasi Teil der buddhistischen Tradition, Dinge zu verwahren auch?
Florian Clauß
0:27:02–0:27:03
Ja, vielleicht.
Micz Flor
0:27:03–0:27:04
Okay, gut, dann machen wir da weiter.
Florian Clauß
0:27:04–0:27:06
Vielleicht, wenn das jemand hört und das interessant findet,
0:27:06–0:27:10
dann kann er sich ja da irgendwie mal so ein, weiß ich nicht, das mal anschauen.
Micz Flor
0:27:10–0:27:13
Ja, dann kann ich es auch wieder verstehen, dann ist es wieder sinnhaft,
0:27:13–0:27:16
weil ich jetzt gerade dachte, du denkst, dass ich mir das alles merken kann.
Florian Clauß
0:27:17–0:27:20
Nee, du sollst es dir nicht merken, es sind Anekdoten. Ja, ja,
0:27:20–0:27:22
gut. Du musst es dir nicht merken.
0:27:22–0:27:25
Aber es sind so Anekdoten, die man sich da so erzählen kann.
0:27:25–0:27:29
Aber ich möchte jetzt nochmal auf diesen, ich hatte das ja auch letzte Folge
0:27:29–0:27:35
erzählt, was jetzt diesen Vajrayana so ausmacht, nämlich dann stark mit Visualisierung zu arbeiten,
0:27:35–0:27:39
auch eben das erwähnte Tantra-Yoga, das klingt immer so ein bisschen,
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wie sagt man, schlupfrig.
0:27:43–0:27:48
Aber es sind so Methoden, um dann halt auch da diese Versenkung und auch die
0:27:48–0:27:50
Erleuchtung zu erreichen.
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Ich muss jetzt hier, weil ich das jetzt nicht alles aus dem Kopf dann so rezitieren
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kann, deswegen habe ich mir jetzt hier mal mein Handy mit den Notizen rausgeholt.
0:27:59–0:28:05
Es gibt dann nämlich diese Geistesgifte oder Störgefühle.
0:28:05–0:28:12
Das bedeutet, dass bestimmt so ein emotionales Set, was man so mit sich herumträgt
0:28:12–0:28:16
oder grammatisch sich dann entwickelt hat, oder durch irgendwas,
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das sagt im tibetischen Buddhismus, dass diese Störgefühle dann transformiert
0:28:23–0:28:29
werden können in Weisheiten, die sich dann wirklich zu so einer Erleuchtung bringen können.
0:28:30–0:28:35
Und dass viele von diesen Bodhisattvas, Bodhisattvas sind im Prinzip Aspekte.
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Des Buddhas, also der Erleuchtung, aber Teilaspekte, die bestimmte Sachen dann
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ausdrücken oder verstärken.
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Und das ist sehr kategorisiert. Es gibt dann sogenannte Buddha-Familien,
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die fünf Buddha-Familien gibt es.
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Grundprinzip ist, dass jede Emotion enthält bereits die erleuchtete Essenz.
0:29:02–0:29:06
Man hört das und denkt so, komisch.
0:29:06–0:29:10
Aber das sind so alte Lehren, die sind jetzt wirklich so über tausend Jahre
0:29:10–0:29:15
alt und irgendwie klingt es nicht ganz falsch, wenn man es hört.
0:29:15–0:29:23
Also da steckt schon eine Menge von Beobachtung hinter und auch Schlüsse.
0:29:23–0:29:26
Ja, natürlich, es geht um die Erleuchtung, aber was man sagen kann,
0:29:26–0:29:30
durch diese Praxis kriegst du halt die volle Erleuchtung.
0:29:31–0:29:36
Enorm. Und diese einzelnen Buddha-Familien prägen sich dann aus in,
0:29:36–0:29:44
also es gibt dann als Gefühlsform die Verblendung, was dann mehr oder weniger so Dummheit ist,
0:29:45–0:29:46
die Aggression, der Hass.
Micz Flor
0:29:47–0:29:49
Das sind die Emotionen, in denen die Erleuchtung schon steckt.
Florian Clauß
0:29:49–0:29:53
Genau, das sind die Emotionen und das ist glaube ich auch so das,
0:29:53–0:29:59
was mir jetzt nochmal wichtig war, mit dir zu besprechen, weil das erinnert mich dann wieder an,
0:30:00–0:30:04
Encanto, wo dann halt auch diese ganzen pathologischen Ausprägungen,
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die dann halt durch die drei Geschwister, die werden ja auch mit Farben und
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so weiter repräsentiert und durch Stimmung und so weiter,
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man könnte dann halt sagen, okay, das ist jetzt diese Prägung,
0:30:14–0:30:20
wenn man das jetzt noch ein bisschen Richtung dann könnte das jetzt dieses mentale
0:30:20–0:30:22
Krankheitsbild sein oder sowas, ja,
0:30:24–0:30:28
aber Verblendung, Hass, Stolz ist halt auch eine Sache Begierde und Eifersucht.
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Das sind so diese Grundgefühle.
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Die stehen dann halt für verschiedene Farben.
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Also die Verblendung ist weiß, der Hass ist...
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Blau, glaube ich. Jetzt kann sich das dann auch umdrehen, hatte ich letzte Folge
0:30:45–0:30:50
auch gesagt, die Aggression kann dann zu einer spiegelgleichen Weisheit führen.
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Der Stolz ist die Weisheit der Gleichheit, weil Stolz ist ja immer,
0:30:55–0:30:57
du fühlst dich immer ein bisschen besser als die anderen.
0:30:57–0:31:03
Wenn du das aber dann umdrehst dann hast du die Gleichheit auf einmal so im
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Raum und das heißt du unterscheidest nicht mehr dadurch dass du dann mal sehr stolz warst,
0:31:09–0:31:14
hast du es ja schon mal erlebt und kannst es dann quasi umdrehen.
0:31:15–0:31:20
Transformieren also das ist so diese Idee dahinter jeder hat die Buddha Natur
0:31:20–0:31:25
in sich also jeder ist Buddha man muss es halt nur noch irgendwie so entwickeln,
0:31:26–0:31:30
und hier hast du schon mal so ein Werkzeugkasten wenn du denkst,
0:31:30–0:31:34
du bist eher so ein stolzer Typ dann mach doch mal hier guck doch mal,
0:31:34–0:31:40
dass du dann bei der Begierde, also Begierde ist ja quasi so diese Hingabe ja
0:31:40–0:31:43
auch viel mit Suchtverhalten und sowas zu tun,
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die wird dann auch eine Hingabe, also so ein,
0:31:48–0:31:55
wie sagt man, Attachment, aber ohne zu greifen, weil das ist ja wieder so,
0:31:55–0:31:59
man will es erleben und diese Begierde festhalten, aber dann eben,
0:32:00–0:32:03
loslassen und dann aber trotzdem so diese Hingabe zu empfinden.
Micz Flor
0:32:04–0:32:06
Beziehungsfähigkeit? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, was du meinst,
0:32:06–0:32:07
also ich habe kein Wort dafür.
Florian Clauß
0:32:08–0:32:11
Bei Eifersucht, da ist ja immer so,
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oder dann, was macht der andere, du willst da auch irgendwie mitmachen und bist
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dann eifersüchtig, dass du halt nicht das kriegst, ja, oder den.
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Die, das ist dann auch die Tatkraft ohne Konkurrenz.
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Also diese Eifersucht passiert ja immer irgendwie in so einem Konkurrenzdenken.
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Das kannst du auch auflösen, ja. Diese Familien sind dann auch in bestimmte
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Himmelsrichtungen mit Farben und so weiter.
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Und dann gibt es halt so bestimmte Bodhisattvas, die du dir dann visualisieren kannst bei der,
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begierde das ist nämlich die farbe roh
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und da gibt es eine ganz zentrale figur im
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tibetischen buddhismus das ist öpame und das ist im prinzip ist der bodhisattva
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der dann dieses freudvolle gibt es dann wird von reinen ländern gesprochen und
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da wird schon so ein bisschen von reinen ländern also es gibt eine meditationspraxis.
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Die heißt Powa, wo man im Prozess des Sterbens dann quasi die Erleuchtung erfahren kann.
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Und das wird dann also als Aufsteigen in ein reines Land.
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Und diese Powa-Praxis, die kann auch nur von Lehrern übertragen werden,
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die dann halt auch entsprechend in dieser Übertragungslinie stehen.
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Und Ole, also der Lama Ole, bei dem ich damals Zuflucht genommen habe,
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der war auch Lehrer des Powa.
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Und da hat der Prober gelehrt. Und das ist eine sehr intensive Praxis,
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die dann halt über mehrere Tage gemacht wird.
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Und du lernst quasi dann in dieser Praxis dein Bewusstsein rauszuschleudern.
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Und dann quasi das, was im Tod passiert, so wird es gesagt, die Energie.
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Das klingt schon sehr esoterisch, aber die Energie,
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die dann halt in deinem Zentralkanal verläuft,
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die dann über eine bestimmte Form der Tonnotation dann aus dem Kopf zu schleudern
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und dann in das reine Land,
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du hast dann auch diese Visualisierung von Öpamer,
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dass du dich dann mit dem Öpamer verbindest und da bleibst.
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Und dann bist du eigentlich schon eine Leute. Wenn du Pover hast,
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wird immer gesagt, dann hast du Fast Track, dann bist du einmal Pover Praxis
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gemacht, da kann dir nichts passieren.
Micz Flor
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Aber da muss man doch sterben, hast du gesagt.
Florian Clauß
0:34:47–0:34:52
Ja, aber du übst diese und dann in dem Moment, wenn du stirbst, machst du diese Praxis.
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Und das ist tatsächlich, da wird das jetzt auch so ein bisschen fishy, aber es geht,
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ganz viele Funde oder belegte Schädelfunde von Menschen, die dann tatsächlich
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da oben in ihrem Schädel ein Loch haben.
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Weil das quasi die Energie ist, die so rausschleudert.
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Also das gibt es halt. Das hat man gefunden, wie das jetzt wissenschaftlich
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haltbar ist, sei dahingestellt.
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Aber es ist untermalt nochmal so diese Form der Praxis.
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Also auch das ist so in dieser Katschi-Linie, also unter Ningmas gibt es auch
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dann halt einige, die das lehren.
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Diese wurden dann auch im Westen verbreitet, weil das ist nochmal der andere
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Teil der Geschichte, dass es sehr lange sehr konserviert war,
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das was ich am Anfang letzter Episode erzählt habe,
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dass eben mit dieser Besetzung, mit der Kulturrevolution, mit der Besetzungsgeschichte
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von den Chinesen musste der Dalai Lame fliehen.
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Es gibt viele, wie heißt es, Migration, die sind in Nordindien,
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sind viele tibetische Klöster, die sich da angesiedelt haben, in der Diaspora.
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Mit dieser Besetzung war halt auch die Frage, wie kriegen wir das dann halt auch...
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Weiter dann noch erhalten, ja, und da war dann tatsächlich so,
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dass sich der tibetische Buddhismus im Westen dann so geöffnet hat und dann
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auch eben so die ganzen Hippies, die dann nach Tibet gefahren sind,
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dann tatsächlich auch so aufgenommen hat und die Lehre dann denen gegeben hat, ja,
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also gelehrt und so ist zum Beispiel Ole und es gibt auch viele andere,
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die dann halt auch damit in Kontakt gekommen sind und haben dann auch das dann in Amerika,
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im Westen und Europa verbreitet, Es gibt dann einige Klöster und so weiter und
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die stehen dann halt auch in den Kontakt zu bestimmten Linien, die aus Tibet kommen.
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Also man findet auch da die Übertragungslinie, zum Beispiel der 17.
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Kamapaar, da gibt es aber auch zwei Kamapaars, geschichtlich gerade,
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gibt auch ein großes Kamapaar-Konflikt.
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Jetzt ist der, glaube ich, so auf beiden Seiten stillhalten ausgeschieden.
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Aber da denkst du halt irgendwie so, ja gut, machen wir das,
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die sollen doch mal irgendwie die Politik draußen lassen, aber kriegst du halt nicht.
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Ja, und der Kamapa, der Taille-Dorche, heißt jetzt der, der sich da jetzt in
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dieser einen, also weil die Katschi-Linie dadurch auch gespalten wurde,
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also sich auf den Taille-Dorche berufen, der besucht dann auch öfters mal Europa
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und kommt dann halt zu den verschiedenen Zentren und so weiter.
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Und es wird immer sehr genau drauf geachtet, weil es wird gesagt,
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das ist nicht die eine Sache mit der anderen vermischend, weil das ist eine
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andere Schule und so weiter.
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Also da wird immer sehr drauf geachtet, dass das so diese konservierte Lehre
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aus dieser Schule dann halt...
Micz Flor
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Das klingt ein bisschen nach psychoanalytischen Schulen.
Florian Clauß
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Ja, also noch eine Parallelität zu nehmen. Genau, und das ist so,
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wie sich das dann halt auch bekannt geworden ist in Europa.
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Und wo sich dann auch hier auch in Berlin, ist glaube ich, das eines der Städte,
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wo die meisten buddhistischen Zentren sind, wo auch verschiedene Schulen sind,
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also du hast ja auch alles.
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Ich bin heute zum Beispiel, ich habe eine Fahrradtour gemacht und wir sind durch
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den Tegeler Forst gefahren und dann bei Frohnau rausgekommen.
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Und dann war ich vor dem buddhistischen Haus und dachte so, wow,
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ich habe immer davon gehört, das buddhistische Haus ist von Paul Dahlke irgendwie 1920 gebaut worden.
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Er war dann eher so ein Rationalist, also er hat diese Theravada-Tradition,
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also die Lehren, jetzt nicht so sehr, also dieses tibetische Buddhismus konnte,
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glaube ich, nicht so viel anfangen.
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Aber das war dann lange so das Haus in Berlin, wo dann dieser Weg dann geleert wurde.
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Und jetzt ist es aber sehr recht offen. Also das heißt, da gibt es verschiedene
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Schulen, die dann halt auch da. Es ist ein tolles, also ein schönes Haus, eine Riesenvilla.
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Und es gibt dann wohl einige Buddhas und so weiter auf den Geländer, Statuen und so weiter.
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Und das ist halt auch bei dem tibetischen Buddhismus, du hast viel so Stupa.
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So Stupas sind so Säulen, die dann halt so auch sehr aufgeladen sind mit irgendwelchen
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Mantren, Gebeten und so weiter.
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Und das sind dann halt so mehr oder weniger verdichtete Energie für so einen gewissen Aspekt.
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Ja, da gibt es halt irgendwie so Friedenstupas oder sowas. Und die werden dann
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halt auch so zur Rezitation von Mantren verwendet.
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Dann kann man auch außen rum gehen und rezitiert. Und dann wird halt gesagt,
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wenn du halt bei so einer Stupa, da hast du ein starkes Energiefeld.
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Und du bist dann halt so mehr in den Strom von dieser Idee.
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Also es ist vielleicht auch, wenn ich mich so selber reden höre,
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weiß ich auch, warum ich dann irgendwann dann so das Gefühl hatte,
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auch weil sich das in so einer selbstbestärkenden Weise fortgetragen,
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dass mir dann irgendwann die Wissenschaftlichkeit gefehlt hat.
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Weil dann das, was Buddha gesagt hat, prüfe immer selber, bevor du irgendwas glaubst.
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War bei mir auch so, dass ich dann das Gefühl hatte, dass zu viel Glauben und
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zu wenig irgendwie erleben oder sowas dabei ist und deswegen ich dann irgendwann nicht mehr so...
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Konnte. Aber es sind halt irgendwie gute Geschichten. Es macht halt irgendwie Spaß.
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Und das war dann tatsächlich für mich dann auch vor über zehn Jahren,
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wo ich dann halt nicht mehr praktiziert habe, dann die Frage,
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dass mich mehr so diese wissenschaftliche Seite interessiert und dass ich die
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dann jetzt nicht mehr so mit dem Buddhismus dann zusammenbringen konnte.
Micz Flor
0:40:30–0:40:33
Ja, aber das ist natürlich, was meinst du dann genau mit Wissenschaft?
0:40:33–0:40:35
Auf der einen Seite sprichst du die ganze Zeit von Empirie.
Florian Clauß
0:40:35–0:40:36
Ja.
Micz Flor
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Und mit Empirie könnte man ja auch eine Form der Wissenschaft verbinden,
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also etwas, was Wissenschaft über empirische...
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Daten nenne ich es jetzt mal. Es ist immer schwer, wenn man anfängt,
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sich damit dann irgendwie in Worten ausdrücken zu wollen.
Florian Clauß
0:40:55–0:40:55
Ja, das stimmt, ja.
Micz Flor
0:40:56–0:41:00
Und dann sagst du jetzt aber sehr groß Wissenschaft. Aber das ist dann irgendwie,
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du willst lieber die Wissenschaft als die Empirie.
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Weil die Wissenschaft ist ja auch ganz viel. Das haben wir auch schon irgendwie
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besprochen. Was ist denn, Religionen haben ja auch Wissenschaft.
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Da wird ja auch Wissen geschaffen.
Florian Clauß
0:41:10–0:41:15
Ja, aber ich glaube, ich habe es gerade so versucht, dass es dieser Aspekt,
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dass sich durch diese ständige Wiederholung Sachen dann angenommen werden,
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die ich nicht unbedingt erlebe, sondern eher glauben muss.
Micz Flor
0:41:24–0:41:28
Aber ist es so, dass die Sachen irgendwann beim zehnten Mal den gleichen Film
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gucken, macht der nicht mehr das Gleiche mit dir und trotzdem kannst du dir besser mitreden?
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Weil das wäre ja auch nochmal wichtig zu überlegen, weil meine große Frage an
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dich ist in der Tat damit verbunden und die bezieht sich nicht auf das Ende, sondern auf den Anfang,
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weil ich dich ja als jemand kenne, der gut, du bist immer auch ein ästhetischer
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Mensch gewesen, du bist also ich weiß nicht, was du wirst, aber soweit ich dich kenne,
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solltest du in deinem Werden bleiben wie du bist, dann bist du ein ästhetischer
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Mensch und wirst du noch weiter sein einfacher zu formulieren und,
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eben auch das technische, das wissenschaftlich, das hat dich immer sehr interessiert,
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du hast auch so eine pragmatische, flapsige Art manchmal und sagst immer,
0:42:20–0:42:23
gerade wenn es um Glauben geht, sagst du dann immer so ein bisschen,
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da bist du so ein bisschen und für den Buddhismus aber, da hattest du eben genau
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diese Hingabe oder diese Öffnung oder wie du das dann noch nennen möchtest.
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Und das würde mich wirklich interessieren und ich sage es jetzt mal überspitzt,
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gar nicht direkt an dich, sondern vielleicht wirklich für Leute,
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die es zuhören, weil ich schon mal gesagt hatte, das klingt ja wie so eine absolut.
0:42:45–0:42:50
Irre Backstory. So ein bisschen wie bei Star Wars, da hatte der,
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George Lucas hatte eine Backstory, der hatte vier Romane geschrieben,
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bevor überhaupt dann diese kleine Episode rausgeschnitten wurde und die wurde
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dann Star Wars Teil 3, nee, Teil 4 oder so.
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Also diese Idee von einer Backstory oder ich muss dann auch irgendwie so ein
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bisschen, es ist so viel, was da drin hängt,
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wo ich mich dann frage, wenn dir jemand diese Religion unter einem anderen Titel
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erklärt hätte und dann ist der und das hier und dann wurde das und dann 88.000,
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44.000, 22.000, dann musst du 11.1111 Liegestütze machen und so weiter.
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Und dann würdest du, du hast da gesagt, ja, das ist genau mein geistiger Weg.
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Und wenn ich dir das jetzt so vorsage, klingt das für dich selbst,
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verwirrend, wie du dich dem so öffnen konntest und gedacht hast,
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Das ist wirklich eine Form von, wie würde man sagen, Meta-Psyche?
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Nee, gar nicht. Aber das ist es. So ist das.
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So ist das Gewebe des Seins.
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Das brauche ich nicht mehr unterschreiben, weil es ja so ist.
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Du hast dich dem ja so ganz geöffnet.
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Wo kam das her? Also was war der Auslöser? War das, dass du,
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es ging nicht um Macht, es ging nicht um Geld, es ging nicht um Frauen.
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Ich weiß nicht, worum es ging, aber weißt du, natürlich ging es um dich.
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Du hast dich dem geöffnet, aber was war es, weshalb du da diese Bereitschaft entwickeln konntest?
Florian Clauß
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Ja, also ich glaube, das waren so mehrere Sachen, die hier zusammengekommen sind.
Micz Flor
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Du musstest auch nicht jetzt hier alles aufholen.
Florian Clauß
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Nein, nein, nein, aber ich will dir eins sagen. Ich weiß noch ganz genau,
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wie damals in meinem Schulheft von der Religionskunde die Seite aussah,
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wo die drei Fahrzeuge erklärt wurden.
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Und das war dann Theravada, Mahayana und Vajayana.
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Und dann weiß ich noch, da stand dann halt dieser diamantene Weg halt so für
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wenige, aber sehr, also die Erleuchtung, ich weiß nicht mehr genau, was das heißt.
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Aber dann dachte ich, warum machen nicht alle das, wenn das das Schnellste ist? Und das ist Diamant.
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Also da war das so dieses Kindheitsding, klein, scheiße, groß, okay, aber Diamant.
0:45:30–0:45:35
Das war erst mal so dieses, was sich bei mir dann halt in dieser Religionskunde
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eingebrannt hat und dann war es so, dass viele meiner,
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also was heißt viele, aber einige von meinen Freunden damals,
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das waren alles so Punks und aber auch viel mit Kunst gemacht und so weiter,
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der eine ist dann irgendwann so.
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Losgefahren nach Frankreich und meinte, er will jetzt beim Kloster da mitmachen.
0:45:54–0:45:55
Er will sich mehr mit Esoterik beschäftigen.
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Und er hatte dann halt Kontakt zu dieser Caciolini. Der andere ist tatsächlich Mönch geworden.
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Und mein anderer guter Freund, der hat mich dann zum Ohle-Vortrag mitgenommen.
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Und dann kam auf einmal so dieses... Also es gibt schon eine intensive Erfahrung,
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je nachdem wie offen man ist und so weiter.
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Aber wo ich dann halt geschwürt habe, wow, da passiert was, ja, das ist ja interessant.
0:46:22–0:46:26
Und das hat mich immer losgelassen die ganze Zeit, weil dann kamen halt Kinder
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und so weiter und man musste sich immer so gucken, ich wollte es mehr machen, mal weniger.
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Wenn du dich dann halt auf diesen Weg einstellst, dann gibt es die Grundübungen,
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auch im tibetischen Buddhismus, das Nandroa nennt sich das, teilt sich in vier Grundübungen auf.
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Die erste Grundübung ist dann, dass man sich diese Niederwerfung,
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heißen die, Das heißt, du machst dann immer eine Übung 100, 111, 111 Mal.
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Also immer 100.000, dann 10.000, dann 1.000 und irgendwann ist nur noch eine Übung da.
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Diese Wiederholung machst du, du rezitierst ein Mantra, dann machst du eine spezielle Übung.
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Du musst dich dann immer so hinknien bei der ersten, also quasi hinwerfen.
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Das sieht man auch häufig, diese Niederwerfungen machen dann auch die.
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Mönch ja auch in Tibet. Das ist halt auch so eine Art von morgens,
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dann ist der ganze Körper aktiv.
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Aber was du da Zuflucht nimmst, du nimmst Zuflucht zu den drei Juwelen,
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das ist Buddha, Dharma, Sangha.
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Und zu den drei Wurzeln, das sind dann Jedam, Lama, Jedam, Schützer.
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Also es ist quasi vertikal, horizontal.
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Und dieser Zusatz, als wir in der letzten Folge diese Meditation am Anfang gemacht
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haben, wenn man auch diese genehm Zuflucht zu, diese Zuflucht und dann ist ein
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Buddha-Dharma-Sanga und jeder Lama-Schützer,
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das ist dann halt quasi diese tibetische Linie, die da reinkommt,
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diese tantrische Verstärkung davon.
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Und das visualisierst du, machst dann halt die Verbeugung und so weiter.
0:48:00–0:48:04
Und dann die zweite Übung ist, dass du das Diamantgeist-Mantra machst,
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ja, das Diamantgeist-Mantra wird gesagt, da wird quasi sein ganzes Kaman da rein.
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Ein hundertsübriges Mantra, dass du dann halt auch diese Wiederholung machst.
0:48:15–0:48:19
Beim dritten Nönoübung machst du Mandala-Gaben.
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Das heißt, du baust ganz viele gute Eindrücke auf. Du machst ganz viel Verschenkung im Geist.
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Das ist halt auch immer, wenn du anderen was schenkst und denen alles Gute wünschst.
0:48:29–0:48:33
Das macht man dann auch. Dann hat man so einen gefärbten Reis.
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Der Reis wird auf so eine Schale gekippt. Und dann wird auch ein Mantra rezitiert.
0:48:38–0:48:42
Du kannst auch alles Mögliche in den Reis tun, was dann halt irgendwie Schmuck
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ist oder irgendwas. Ja, also man wertet es so richtig aus.
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Und das vierte Nindo ist dann quasi so das Guru Yoga, wo du dann schon in Richtung
0:48:50–0:48:55
dann diese tantrische Verstärkung machst mit deinem Lehrer. Da bin ich gar nicht hingekommen.
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Also ich bin dann irgendwann bei den Mandala-Gaben verstecken gewesen.
0:49:00–0:49:04
Ganz so schön. Ja, ich habe jetzt neulich meinen Reis, den habe ich bestimmt
0:49:04–0:49:06
zehn Jahre lang nicht ausgepackt.
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Den habe ich dann mit Karin so, oh, hoffentlich sind keine Tiere drin.
Micz Flor
0:49:11–0:49:14
Da ist ja schon ein Tier. Die Hunde sind heute bei uns.
Florian Clauß
0:49:16–0:49:18
Wenn jemand spielen, ja.
Micz Flor
0:49:18–0:49:20
Alles gut, ne?
Florian Clauß
0:49:20–0:49:24
Hoffentlich sind keine Tiere drin, Hunde, weiß man nicht.
0:49:24–0:49:28
Also das sind schon tolle Übungen. Dann gibt es halt quasi, wenn du das Nendo
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abgeschlossen hast und dann so eine spirituelle Reife hat, dann kommt heute
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der Lama und sagt dann, mach mal irgendwie, keine Ahnung,
0:49:36–0:49:41
dann diese Übung oder diese Übung oder so. Mach nochmal Nendo, kommt auch vor.
0:49:42–0:49:47
Also genau, wie bin ich jetzt da hingekommen? Genau, deine Frage war ja,
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wie sie mich das denn so begeistert.
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Und das war erstmal so diese Verbindung zu den Menschen, Freunden, die mir sehr nahe waren.
0:49:55–0:49:59
Dann war das wirklich diese Sangha, die auch eine unglaubliche Energie,
0:50:00–0:50:05
und wo halt immer viel auf den Kursen, man geht dann halt zu Kursen,
0:50:05–0:50:10
dann zeltet man meistens, bist du auch freiwillig immer am Helfen und so weiter,
0:50:10–0:50:13
wie das halt so organisiert ist. So ein bisschen wie der Kongress halt nur.
Micz Flor
0:50:14–0:50:17
Ja, aber es ist interessant, weil du spielst jetzt ein bisschen runter,
0:50:17–0:50:19
aber es war ja erfüllend für dich und jetzt gerade Nein.
Florian Clauß
0:50:21–0:50:24
Nein, nein, ich spiele es nicht runter weil es ist immer so in meinem Leben,
0:50:25–0:50:31
sage ich mal, dass ich immer so nie 100% irgendwo reingehen kann Also es ist immer so eine,
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weiß nicht so ein, ich weiß nicht wie es dir geht aber es gibt mir immer so
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es gibt immer so einen kritischen Abstand also es gibt eine unglaubliche das
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Gefühl dahin gezogen zu sein und Teil davon zu werden,
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aber ich habe immer noch irgendwie so eine Instanz, die dann halt irgendwie dann sagt,
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ne, das ist ja so.
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Und das hindert mich dann auch immer, dann so voll einzusteigen.
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Das ist halt so dieser kritische Abstand, irgendwie die Angst,
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sich da komplett aufzulösen oder aber auch irgendwie so ein gesunder Menschenverstand,
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der dann halt irgendwie bestimmt so, pass mal auf und ist das nicht hier und so.
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Und deswegen ist es, glaube ich, das ist bei mir so. Das ist halt einfach so
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in meiner Natur des Geistes.
Micz Flor
0:51:20–0:51:24
Aber das ist ja dann auch so diese menschliche Existenz, dass man halt so dieses
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Leben als Schwimmbad vor sich hat und man steigt da so ein.
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Man ist aber dann nie der Schwimmbad, obwohl man die ganze Zeit ja Teil des
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Schwimmbads schon ist, weil man ist ja Mensch. Also das ist so.
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Und das ist natürlich aber auch eine notwendige, dieses Ich,
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Ja, auch wenn man sagt, das Ich gibt es nicht.
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Und trotzdem ist es dann natürlich in bestimmten Zuständen, wie vielleicht in
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diesem Swimmingpool, gar nicht schlecht, wenn diese Hauthülle dich noch abgrenzt
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von dem Wasser, das sich umgibt, von dem du auch Teil sein möchtest.
0:51:53–0:51:55
Bist ja auch Schwimmender.
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Du magst das Gefühl ja auch, Teil davon zu sein, ohne wirklich Teil zu sein.
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Das heißt, man braucht diese Grenze da.
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Und ich finde das jetzt, ich finde das ganz, also meine Gedanken gehen gerade
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in so eine Richtung, wenn du das beschreibst.
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Dass es eigentlich natürlich keinen angemessenen Beobachtungspunkt gibt,
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den wir beide einnehmen können, um da drauf zu gucken, um darüber zu sprechen.
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Wir können jetzt nicht über den Buddhismus allgemein sprechen als Religion und
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was das politisch bedeutet und die Geschichte.
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Den Glauben, ja, wir können das jetzt psychologisieren, Glaube, was bedeutet das?
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Und dann denke ich wieder an die andere Folge hier mit Chaos-Magie.
0:52:46–0:52:54
Das ist ja dann auch immer so diese Frage, ist das, was da an Magie passiert, nur Psycho-Zeug?
0:52:54–0:52:57
Was man sich irgendwie schönredet, dass es mehr ist?
0:52:57–0:53:02
Oder ist es möglich, darin etwas zu erleben, was im Rückschluss sagt,
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es kann nicht psychisch sein.
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Also es kann nicht was sein, was ich mir aufgrund meiner Bedürfnisse und Fähigkeiten
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in Kopf und Leib zusammenrechne.
0:53:14–0:53:16
Weißt du, was ich meine? Also wenn wir jetzt drüber sprechen,
0:53:16–0:53:20
und ich muss dazu sagen, wir sind jetzt auch die dritte Stunde in so einem Marathon,
0:53:20–0:53:21
da wird die Energie aufgehen.
0:53:21–0:53:24
Aber das ist so das, wo ich so gerade denke, wenn wir darüber sprechen,
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wie bist du dazu gekommen, was bedeutet das für dich, dann kann man,
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ja, welche Sprache, wie sprechen wir da jetzt drüber? Weißt du,
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wie sprechen wir da drüber, ohne?
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Dass wir es affirmativ noch mal
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sagen oder dass wir es psychologisierend abgrenzen und mit Blick da drauf.
Florian Clauß
0:53:45–0:53:49
Verstehst du, wie ich meine? Ja, ich versuche es gerade so ein bisschen einzuordnen,
0:53:49–0:53:53
weil du mir ja, also du hast mir ja die Frage gestellt, die große Frage.
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Das war ja eben, wo ich dann auch versucht habe zu erklären,
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wie das ist oder wie ich mich da empfunden habe, wie ich da hingekommen bin.
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Und ich habe noch nicht so jetzt tiefer erzählt, außer eben,
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dass ich da bestimmte Sachen nicht connecten konnte, wo ich dann halt wieder
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ausgestiegen bin und wo für mich dann erstmal die Episode abgeschlossen war.
0:54:12–0:54:19
Aber die Frage ist, wie uns das jetzt so, also wir reden ja nicht mehr über
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Buddhismus, sondern wir reden darüber, wie ich das dann erlebt habe,
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praktiziert habe und das ist ja sehr stark jetzt auf mich dann quasi.
0:54:27–0:54:31
Ich habe dir vorher dann halt so Tatsachen und dann dann kommt bei dir die Assoziation
0:54:31–0:54:38
das ist ja wie eine Tech Story von Worldbuilding, was willst du mir erzählen ich möchte.
Micz Flor
0:54:38–0:54:40
Das gar nicht sagen, was willst du mir erzählen das war.
Florian Clauß
0:54:40–0:54:40
Keine Konfrontation,
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du hast ja gesagt das sind ja alles Geschichten interessant, aber,
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ich hatte das jetzt so verstanden du kannst es dir nicht alles so merken,
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das ist ja jetzt dann quasi, welche Informationen möchtest du jetzt dann nochmal
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Und dann bist du ja zu dem Punkt gekommen, was mich dann dazu...
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Das war ja so die Brücke dazu.
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Und das war ja so in diesem Fluss drin. Also insofern, aber du wolltest gerade einhacken.
Micz Flor
0:55:10–0:55:15
Vielleicht wäre es dann interessant, in diese Frage da reinzugehen.
0:55:15–0:55:18
Du gestellst, wie kann man das... Oder was ist dein Interesse,
0:55:18–0:55:20
das mit Psychoanalyse zu erleiden?
Florian Clauß
0:55:20–0:55:24
Genau, das wollte ich jetzt nämlich... Ich wollte diese Brücke jetzt nämlich fragen.
Micz Flor
0:55:24–0:55:28
Da gibt es jetzt ein Interesse von dir, das zu tun. Und dieses Interesse ist
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jetzt eher einer weltlich-wissenschaftlichen Haltung heraus?
Florian Clauß
0:55:33–0:55:36
Nein, ich glaube, es ist eher eine Frage von...
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Textbetrachtung. Also das ist vielleicht so eine Form von, wie ich mir dann
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auch irgendwie so einen Film angucke und dann bestimmte Schlüsse mache und weil
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ich die dann irgendwie so erkenntnisreich finde, dann teile.
0:55:51–0:55:57
Und das ist dieser Punkt. Und der Punkt war der Auslöser von deiner Geschichte
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mit den Emotionen, mit dem Unbewussten.
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Und die Frage, die sich ja auch damals, Also es war ja so auch,
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als sich dann der Buddhismus als der Bekannter geworden ist im Westen, war ja auch die Zeit so,
0:56:16–0:56:20
als sich die Psychoanalyse dann auch verbreitet hat. Also 19.
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Jahrhundert, 1910 und so weiter, diese Jahre, wo dann auch Anthroposophie,
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Digitalismus und so weiter.
0:56:27–0:56:31
Das kam ja so alles als Konzepte, so die ersten Liebens. Ja, das sind Kulte.
Micz Flor
0:56:31–0:56:32
Wir haben ja jetzt hier die Jungen.
Florian Clauß
0:56:32–0:56:36
Genau, diese ganze Kamera. Und dann kann man, Buddhismus war ja auch ein Teil
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von dieser, also so dieses Verständnis der 20er Jahre, das sich dann halt auch
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so, wo ich dann halt nochmal schön fand, dann das buddhistische Haus zu sehen,
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weil das ja dann, auch in Berlin gab es ja dann so den Austausch,
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die Achse Wien Berlin, ja,
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wo dann im Prinzip diese mit Hans Sachs und Abraham, was wir dann auch in einer anderen Folge,
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die Geheimnisse einer Seele, wo wir dann über den Film von Papst gesprochen
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haben, der der erste psychoanalytische Film, diese Lehre. Es war ja alles so dieses,
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Berlin-Weimarer Republik, dann Wien mit Freud, mit auch den anderen Vertretern,
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also Zige Jung und so weiter.
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War ja dann in der Schweiz, aber es war ja so ein Umfeld, wo das dann entstanden
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ist und das fand ich halt spannend.
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Okay, was passiert da, dass das dann so offen wird?
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Was hat das mit Buddhismus zu tun? Das sind ja die ersten Wurzeln des Hippitums,
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die sich dann halt auch da quasi so gebildet haben, ja.
Micz Flor
0:57:33–0:57:38
Die Waldzitter, die um 1900 erfunden als Banda Musik.
Florian Clauß
0:57:39–0:57:42
Da stellt sich ja gesellschaftlich die Frage,
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Nach Bewusstsein, Unterbewusstsein, ich meine, dann kommt die Quantenphysik,
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dann kommt irgendwann die Atombombe, also das ist ja quasi das Ende der Moderne, was da so passiert.
Micz Flor
0:57:56–0:57:59
Du machst gerade ein Outline für die vierte Staffel von Twin Peaks,
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also wir können jetzt nochmal über den Buddhismus, die vierte Staffel,
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da schneiden sich die Atombomben mit Buddhismus und Freud.
Florian Clauß
0:58:07–0:58:13
Und dann natürlich diese absolute Katastrophe des Nationalsozialismus, wo dann,
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wir hatten das ja in den Folgen über den Holocaust ausführlich berichtet,
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wo ja dann eine Menschlichkeit so dermaßen verschwunden ist.
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Das ist ja auch alles innerhalb von 20 Jahren passiert.
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Das ist, glaube ich, das, was mich da so auf der einen Seite berührt, interessiert.
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Und wo ich dann diese Brücke dann einfach nur so, auch wenn sich das vielleicht
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gar nicht so zusammenführen lässt, ähnlich wie Buddha mit Heraklit,
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ähnliche Ideen entwickelt hat.
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Aber die Frage, warum sich dann in der Zeit dann freut das Unbewusste,
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erstmal auch nur aus einer Beobachtung heraus, das war auch so diese Sache die
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ich angemerkt habe bei deiner Episode das ist ja eigentlich mehr oder weniger so,
0:59:03–0:59:08
Buddha auch mehr oder weniger so nur beobachtend ist erstmal diese Empirie,
0:59:08–0:59:12
du beobachtest was und ziehst dann Schlüsse das ist ja quasi so diese.
0:59:13–0:59:21
Grundlegende Oder wenn du Phänomene beobachtest und dann im Prinzip mehr oder
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weniger ein wissenschaftliches System drauf aufbauen kannst,
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durch Beobachtung und das dann eine gewisse Erfahrung mit sich bringt.
0:59:30–0:59:37
Du bist ja damit eingestiegen bei Freud, dass er an einem bestimmten Punkt dann die Neuro-
Micz Flor
0:59:38–0:59:40
Neuropsychologie, Neurologie, also Neurologie.
Florian Clauß
0:59:40–0:59:46
Dann halt dann nicht mehr weiterkam mit den Mitteln da drin und sich dann andere,
0:59:46–0:59:52
also einen anderen Zugang entwickelt hat und dann erst mal dieses topische Modell
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entwickelt hat und dann irgendwann das, das Ich, Er ist über Ich Modell, ja,
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das ist nochmal strukturelle Modell, genau.
1:00:00–1:00:03
Das waren ja erst mal nur so Sachen, die er sich zu überlegen konnte.
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Das war ja so ein Naturforscher. Du guckst dann den Gegenstand an und der Baum.
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Was ist denn da drunter? Und du siehst dann auf einmal das Mizen.
1:00:14–1:00:20
Aber nur aus einer Überlegung heraus. Das ist ja das Tolle, dass man das erkennen
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kann und weiterdenken kann.
1:00:23–1:00:26
Das ist ja unglaublich, dass du dann Erkenntnisse, die dann,
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wie Kepler dann irgendwann berechnen konnte, wie die Bahn des Mars ist und dass
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die elliptisch verlaufen.
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Einfach weil er diese Berechnung gesehen hat. Und dann, na gut,
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der hat ja Mathematik als Werkzeug.
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Aber das sind ja so Sachen, die sind ja unglaublich.
Micz Flor
1:00:46–1:00:50
Ja, was ich dir nach der letzten Folge auch noch geschickt habe mit diesem Beobachten.
1:00:50–1:00:50
Das fand ich auch interessant.
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Das wusste ich auch nicht mehr, ich habe es nochmal selber nachgucken müssen.
1:00:53–1:00:59
Aber dass für, also in der Diagnostik von neurologischen Problemen im Gehirn,
1:00:59–1:01:00
ja die Gehirnschädigung,
1:01:01–1:01:05
sodass da 90 Prozent immer noch einfach mit Fragebögen, mit Befragung,
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mit Beobachtung korrekt diagnostiziert werden können. Und das ist schon erstaunlich.
1:01:11–1:01:14
Man würde denken, dass heute gehen die bestimmt alle in die Röhre und wird alles
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geguckt. Nein, das ist immer noch so.
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90 Prozent davon kann man wirklich über die Lokalisierbarkeit von bestimmten
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Funktionalitäten im Gehirn ableiten, wenn man mit den Leuten einfach ins Gespräch
1:01:25–1:01:27
kommt und die beobachtet und anguckt.
1:01:27–1:01:31
Und gleichzeitig ist das auch damit verbunden,
1:01:33–1:01:36
in Übertragung, das ist in die Psychonahrung, das, was entsteht,
1:01:37–1:01:41
nicht mehr so leicht über Lokalisierung und sowas, weil es zwischen Menschen passiert.
1:01:41–1:01:43
Jetzt rutsche ich aber ein bisschen in eine Sache, die ich gar nicht so gut
1:01:43–1:01:47
sagen kann, wollte aber was wollte ich da noch sagen?
1:01:47–1:01:50
Habe ich hier mein Bein gestellt? Das lokalisierbare.
Florian Clauß
1:01:50–1:01:55
Also ich fand es auch interessant, dass es allein also diese Erkenntnisse über
1:01:55–1:02:01
die welche Funktionen im Gehören was für Ausprägungen an Verhalten und so weiter da machst.
1:02:01–1:02:04
Das ist halt, was du meintest, das ist halt Kriegsverletzungserfahrungen haben.
1:02:04–1:02:07
Also man braucht ja erstmal irgendwie die Bomben, die dann halt entsprechende
1:02:07–1:02:10
Teile vom Gehirn weggebombt haben, damit man die Erfahrung macht.
1:02:11–1:02:17
Wenn das fehlt, dann fehlt halt, keine Ahnung, das Sehen oder sowas.
Micz Flor
1:02:17–1:02:21
Ja, das ist natürlich ethisch-moralisch auch so. Man kann die Menschenversuche nicht mehr machen.
Florian Clauß
1:02:21–1:02:22
Es gibt genügend Versuche.
Micz Flor
1:02:22–1:02:26
Die auch in der Psychologie gemacht wurden, mit Menschen, wo man versucht hat,
1:02:26–1:02:28
die halt zu schocken oder zu verschrecken.
1:02:28–1:02:30
Das würde man durch den Ethikrat nicht mehr durchkriegen.
1:02:30–1:02:33
Und damals hatte man scheinbar da gar kein Gespür für.
1:02:33–1:02:37
Aber im Endeffekt war es dann der Krieg. Der Krieg, der dafür gesorgt hat,
1:02:37–1:02:42
dass Menschen einfach bestimmte Fähigkeiten ihres Kortex verloren haben,
1:02:42–1:02:44
nicht mehr sprechen konnten, nicht mehr Farbe sehen konnten,
1:02:44–1:02:46
keine Gesichter mehr kennen konnten.
1:02:46–1:02:49
Und auf einmal begann man so eine Karte zu finden.
Florian Clauß
1:02:49–1:02:57
Das ist ja auch wieder aus Beobachtungen, durch Umstände, die ja nicht so positiv sind.
1:02:57–1:03:01
Und das finde ich halt schon, sind ja wieder so Konstellationen, die zusammenkommen.
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Damit dann Wissenschaft oder Erkenntnis einen Schritt weiter gehen kann.
Micz Flor
1:03:06–1:03:09
Und das ist eben das, was mich dann, glaube ich, an dir interessiert und diese
1:03:09–1:03:12
Buddhismussache. Weil du hast den Begriff des Bewusstseins auch ganz am Anfang
1:03:12–1:03:13
mit reingenommen, in der letzten Folge.
1:03:14–1:03:16
Und jetzt sagst du wieder Bewusstsein, aber es fühlt sich so an,
1:03:16–1:03:18
als ob du was anderes damit meinst.
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Und es gibt in dieser buddhistischen Lehre ja dieses, wie ich dich verstanden
1:03:23–1:03:26
habe, dieses Ich nicht so richtig.
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Und C.G. Jung hatten wir auch in der Folge, wo ja auch dieses,
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kollektive Unbewusste bei C.G. Jung ja auch so ein Raum wird,
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wo man je nachdem, welche Texte man liest und wie man sie deutet.
1:03:39–1:03:45
Dann auch sich das natürlich sehr stark auch etwas potenziell Unnatürlichem
1:03:45–1:03:47
öffnet, im Sinne von, es ist nicht mit dieser Natur verbunden.
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Und das ist ja diese uralte Körper-Geist-Problematik. Wie können Geist und Körper,
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also der Körper ist ausgedehnt, der Geist ist nicht ausgedehnt oder hat keinen
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Raum in dem Sinne. Wie kann das sein?
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Und gleichzeitig haben wir aber jetzt durch die Kriegsversehrten,
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können wir, dass sehr viel von dem Geist sehr wohl in den Gehirn weggeschnitten werden kann.
1:04:10–1:04:15
Und trotzdem ist das in dem Austausch mit jemandem, ist es trotzdem immer noch
1:04:15–1:04:19
mehr als dieser Ort. und es ist ein Gefühl, das ist das Ding,
1:04:19–1:04:22
es fühlt sich wie etwas an, ein Gehirn zu sein.
1:04:22–1:04:28
Es fühlt sich an, das ist das, was vielleicht in der Natur nicht so oft passiert,
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was vielleicht öfter passiert, als wir wollen.
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Das wäre dann auch meine nächste Folge, das ist dann die 106,
1:04:35–1:04:37
über Marc Solms Neuropsychoanalyse.
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Deshalb möchte ich da nicht so viel reingehen. Und da wird es eben auch nochmal
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darum gehen, welche Rolle spielen Emotionen und der Körper und auch sogar die
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Mortalität, also die Sterblichkeit des Organismus.
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Wie wichtig ist das für Bewusstsein, wenn man diese Idee des Bewusstseins aus
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der neuropsychoanalytischen Richtung verfolgt? Und ich finde das total spannend.
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Das ist wirklich so für mich gerade gleichzeitig, aber auch so ein Bild,
1:05:08–1:05:15
gerade weil es einerseits sehr weit offen ist, ohne panpsychisch oder sowas zu sein.
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Und auch sehr konkret eigentlich über die Entstehung des Bewusstseins geht und
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trotzdem aber auch explizit,
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nicht davon ausgeht, dass es etwas gibt, was außerhalb der Natur ist.
1:05:28–1:05:33
Und das ist ja dann dieser Sprung hinein, das kollektiv unbewusste bei C.G. Jung.
1:05:34–1:05:37
Und da musste ich aber auch dran denken und möchte vielleicht so ein bisschen
1:05:37–1:05:42
was sagen zu deiner Frage, wie kann man die Psychoanalyse und diesen Buddhismus so zusammenschrauben.
Florian Clauß
1:05:42–1:05:48
Darf ich da vielleicht wieder ins Thema einsteigen? Ich freue mich voll auf die Solms-Episode.
1:05:48–1:05:52
Wir waren ja schon in der Solmsstraße. Insofern ist die schon abgelaufen.
1:05:54–1:05:58
Aber da bin ich sehr gespannt auf die nächste Episode. Ich möchte jetzt nochmal
1:05:58–1:06:01
so diesen, ich habe jetzt wieder meine Notizen rausgeholt, weil das sozusagen,
1:06:01–1:06:04
die ich nicht unbedingt aus dem Gedächtnis rezitieren kann.
1:06:05–1:06:10
Die Frage, was fürs Bewusstsein, weil diese Frage ist gerade so zentral durch
1:06:10–1:06:14
diese ganzen generativen KI-Modelle und so weiter, ist ja immer die Frage,
1:06:14–1:06:17
was ist Bewusstsein und das ist ja auch so das, was uns die ganze Zeit auch,
1:06:18–1:06:23
über die Jahre unseres Podcasts beschäftigt. Es ist eine tiefst philosophische Frage.
1:06:23–1:06:28
Und ich finde, da kommt nochmal durch die Sichtweise von Buddha und die Definition,
1:06:28–1:06:33
was er bewusst hat, kommt nochmal eine andere Ebene rein, die völlig konkurrent
1:06:33–1:06:37
zu seiner Lehre ist, aber die nochmal so eine andere Blickrichtung.
1:06:38–1:06:41
Ich gehe mir jetzt mal so, also wir hatten schon gesagt, bei Freud,
1:06:41–1:06:43
ja, ist das nochmal so die Wiederholung.
1:06:44–1:06:47
Also wir haben das Strukturmodell mit Es, Ich, Überich.
1:06:48–1:06:55
Es gibt das Topische, das Bewusste, das Verdrängte und das Vorbewusste,
1:06:55–1:06:57
das Unbewusste als Abstufung.
1:06:57–1:07:04
Wir haben diese Felder von Trieb und Verdrängung, Eros und Thanatos.
1:07:05–1:07:09
Die Frage, wo es war, soll ich werden. Also wo es war.
1:07:09–1:07:16
Ja, also das heißt, das shiftet sich ja so, da wird ja quasi die Kulturtechnik,
1:07:16–1:07:22
wird ja dann durch diese Kultivierung der Triebe, entsteht ein Ich,
1:07:23–1:07:26
ja, und das sich natürlich spiegelt durch das Über-Ich, ne, also das ist so
1:07:26–1:07:30
ganz so, was ich davon noch irgendwie im Kopf habe, ja, so, also, und,
1:07:30–1:07:37
Da hingegen, der Buddhismus, der sieht ja durch diesen achtfachen Pfad,
1:07:37–1:07:41
ist ja quasi die Erleuchtung mehr oder weniger die Kulturtechnik.
1:07:41–1:07:45
Also wenn bei Freud ja die Kulturtechnik auch immer wieder so,
1:07:46–1:07:50
als wenn wir die Triebe nicht rauslassen, dann kriegen wir ja nicht das Unbewusste mit.
1:07:50–1:07:55
Also wenn bei Buddha ja sagt, na gut, vielleicht mach ich mal eine Schicht drüber,
1:07:56–1:07:59
ich will ja gar nicht wissen, was dann karmamäßig alles da abläuft.
1:07:59–1:08:03
Die Berührungspunkte zwischen den beiden, jetzt mal so zusammengefasst,
1:08:03–1:08:07
also Mensch wird von unbewussten Kräften gesteuert.
1:08:08–1:08:12
Also der eine sagt halt irgendwie so Geistesgifter-Kammer, der andere dann halt
1:08:12–1:08:16
Es oder Trieb oder Unbewusst oder sowas.
1:08:17–1:08:22
Der Impuls, dass das passiert, ist ja auch bei beiden vergleichbar.
1:08:22–1:08:28
Begierde, Trieb, Leid, nicht Leid, aber Trieb.
1:08:29–1:08:33
Daraus entsteht Leid, aber es ist im Prinzip ein Trieb, eine Begierde oder ein
1:08:33–1:08:36
Störgefühl, was dann halt quasi diese ganze Maschinerie da in Gang sitzt.
1:08:36–1:08:41
Beide sagen ja auch so, das Ich ist nicht der Herr im eigenen Haus.
1:08:42–1:08:47
Was auch dann eine interessante Parallelität ist, dass der Freud eine ähnliche
1:08:47–1:08:51
Methode entwickelt hat, um dann halt quasi in diese Schichten zu kommen.
1:08:52–1:08:56
Nämlich dann die gleichschwebende Aufmerksamkeit, also dieses Freisprechende.
1:08:58–1:09:00
Diese Assoziation oder was auch immer.
1:09:01–1:09:05
Und im Buddhismus ist ja diese buddhistische Achtsamkeit. Also das heißt,
1:09:05–1:09:06
die Methodik ist irgendwie so ähnlich.
1:09:07–1:09:11
Aber ich will jetzt mal zu den Unterschieden kommen und dann zu dem eigentlichen
1:09:11–1:09:14
Punkt, nämlich das Ich-Verständnis.
1:09:14–1:09:19
Also bei Freud will das Ich eher stärken, so als Institution während im Buddhismus
1:09:19–1:09:23
ja das Ich ja eher aufgelöst werden soll, weil es eine Illusion ist und weil
1:09:23–1:09:25
es ja dann diese Trennung macht und so weiter.
1:09:26–1:09:32
Das Ziel der Therapie, also Buddha will ja die vollständige Erleuchtung haben,
1:09:32–1:09:36
während bei Freud das gewöhnliche Unglück.
1:09:38–1:09:40
Einer ist eher so sehr positiv.
Micz Flor
1:09:41–1:09:45
Ich glaube, ich beschreibe das gewöhnliches Unglück. Also der Mittelweg.
Florian Clauß
1:09:45–1:09:50
Der mittlere Weg. Damit es dir nicht so schlecht geht. Zum Scheißen reicht es halt.
1:09:53–1:09:57
Ich glaube, das nur das Therapieziel.
1:09:58–1:10:01
Die Therapie, du willst da quasi den Menschen so weit wieder herstellen,
1:10:01–1:10:04
dass er sich dann halt morgens in den Spiegel angucken kann,
1:10:04–1:10:06
ohne halt irgendwie, dass es ihm schlecht dabei geht.
1:10:08–1:10:09
Oder wie auch immer.
Micz Flor
1:10:09–1:10:13
Gut, aber jemand anders könnte sagen, das ist der mittlere Weg bei Buddha.
1:10:13–1:10:17
Du musst jetzt nicht asketisch und päpflisch als der Papst. und du musst jetzt aber auch nicht hin.
Florian Clauß
1:10:17–1:10:19
Nein, nein, der mittlere Weg ist nur eine Form der Einrichtung.
1:10:20–1:10:24
Du musst nicht dich in, also es geht immer um Erleuchtung, es geht immer um das Absolute.
1:10:24–1:10:28
Der mittlere Weg ist nur die Methode dafür, dass du,
1:10:29–1:10:34
jetzt dir nicht auf diesen Weg zur Erleuchtung zu viele Hindernisse einbaust,
1:10:35–1:10:40
sollst du dann halt nicht irgendwie... Aber natürlich, du hast diese totale Sonne.
Micz Flor
1:10:40–1:10:43
Aber das ist vielleicht schon mal wichtig festzuhalten, eher als großer Unterschied,
1:10:43–1:10:45
es gibt diese Erleuchtung nicht.
Florian Clauß
1:10:46–1:10:47
Nein, natürlich.
Micz Flor
1:10:50–1:10:51
Diese Karotte da drüben.
Florian Clauß
1:10:51–1:10:56
Nein, nein, die haben wir nicht. Es ist absolut wichtig, dass wir hier das Ziel
1:10:56–1:11:01
der ganzen Übungen oder der Praxis dann auch komplett unterschiedlich ist.
Micz Flor
1:11:02–1:11:05
Und ich möchte damit aber nochmal jetzt explizit festhalten,
1:11:06–1:11:12
in Freuds Denken über, wie das alles funktioniert und wie man daraus dann auch
1:11:12–1:11:15
so ein Modell entwickeln kann und wie man daran anknüpft,
1:11:15–1:11:19
auch klinisch wirksam werden kann und das immer wieder dann auch in einer sehr
1:11:19–1:11:23
besonderen Form der Wissenschaft wieder reflektieren kann und verbessern kann
1:11:23–1:11:25
oder verändern kann oder fallen lassen kann.
1:11:26–1:11:32
Da kommt Erleuchtung nicht vor. Aber bei Menschen kommt Erleuchtung vor oder
1:11:32–1:11:34
so ein Wunsch oder der Glaube.
1:11:34–1:11:40
Das heißt, ich wollte jetzt nicht sagen, es gibt Erleuchtung nicht.
Florian Clauß
1:11:40–1:11:47
Sondern es ist nicht die Frage, die ich jetzt in diesem Kontext stelle,
1:11:47–1:11:52
sondern es war ja der Ausgang, dies zu vergleichen, was will Freud an Erleuchtung?
1:11:52–1:11:55
Was ist Bewusstsein? Das ist die Frage.
Micz Flor
1:11:55–1:11:59
Ich habe wieder viel zu viel Redezeit. Okay, ich warte jetzt auf die Frage.
Florian Clauß
1:12:00–1:12:04
Die Frage ist halt, was ist das Bewusstsein? Bei Freud, das hast du ja so,
1:12:04–1:12:09
das Wahrnehmungsorgan, Bewusstsein, das eine kleine Spitze des Eisberges dann
1:12:09–1:12:14
irgendwo lokalisieren kann. So ganz platt gesprochen.
1:12:15–1:12:21
Und da kommt Buddhismus mit einer ganz anderen Antwort, nämlich Bewusstsein
1:12:21–1:12:24
ist eines von fünf Daseinsfaktoren.
1:12:25–1:12:27
Und das finde ich ganz interessant, diese fünf,
1:12:28–1:12:33
Daseinsfaktoren, weil die sind sehr universell und die kann man so als System,
1:12:33–1:12:36
glaube ich, auch auf andere Sachen übertragen.
1:12:36–1:12:41
Und ich glaube, mit dieser Unterscheidung bekommt man in dieser Diskussion um
1:12:41–1:12:46
KI und allen, bekommt man nochmal eine andere Ebene rein. Und das ist,
1:12:46–1:12:47
glaube ich, da, wo ich hin will.
1:12:47–1:12:51
Also es werden fünf Faktoren unterschieden.
1:12:52–1:12:57
Der erste Faktor ist Rupa, also das sind jetzt die Sanskrit-Begriffe.
1:12:57–1:13:00
Rupa ist Körperlichkeit, Form.
1:13:00–1:13:05
Der zweite ist Vedana und das ist die Empfindung.
1:13:05–1:13:10
Also ob was angenehm, unangenehm ist, also quasi so die Rückkopplung mehr oder
1:13:10–1:13:15
weniger von Körper und, also das heißt die Interpretation.
1:13:15–1:13:22
Samtna ist die Wahrnehmung, das Erkennen, also allein nur so Reize,
1:13:22–1:13:24
die dann halt irgendwo durch den Körper,
1:13:25–1:13:30
durch einen Prozess, dann Samskara ist, da kommt wieder so diese,
1:13:30–1:13:34
Samskara ist im Prinzip so diese Geistesprägung, das Karma,
1:13:34–1:13:37
das ist so dieses Mindset oder, nee, nicht Mindset, Quatsch,
1:13:37–1:13:43
also zu welchem Zustand du gerade so da bist und was du halt irgendwie so an
1:13:43–1:13:47
Altlasten dann quasi in deinem Geist hast, ja.
1:13:47–1:13:54
Und da kommt erst als fünfte als fünften Punkt das Vichnana ist das Bewusstsein
1:13:54–1:14:00
das heißt und die sind gleichwertig mehr oder weniger und wenn du jetzt so guckst.
1:14:01–1:14:06
Diese fünf Punkte, diese Daseinsfaktoren wir hatten dann auch über die Tierwelt
1:14:06–1:14:11
gesprochen als eigene Kaste da kannst du auch alles wiederfinden in bestimmten
1:14:11–1:14:14
Ausprägungen also die Körperform erkennen,
1:14:14–1:14:17
angenehmen Gefühle Empfindsamkeit ist ja alles da.
1:14:17–1:14:21
Bewusstsein, es gibt kein selbst reflexives Bewusstsein.
1:14:21–1:14:25
Das heißt, die Erkennung des Selbst ist,
1:14:26–1:14:32
beschränkt, aber es gibt genauso und da drückt sie ja auch Bewusstsein aus, Traumbewusstsein.
1:14:33–1:14:38
Tiere träumen ja auch nachweislich oder es gibt andere Formen von Bewusstsein.
1:14:39–1:14:43
Und das ist halt so die Form und das finde ich eigentlich eine ganz gute Schablone,
1:14:43–1:14:47
um auch jetzt Sachen einordnen zu können.
1:14:47–1:14:51
Also wenn du dann auf KI guckst, gibt es da einen Körper? Gibt es da einen Erkennen?
1:14:51–1:14:52
Gibt es da irgendwas? Nee?
1:14:53–1:14:56
Okay. Aber es gibt einen extrem hoher Bewusstseinszustand.
Micz Flor
1:14:56–1:15:00
Ja, aber kein Bewusstsein, sondern Intelligenz. Es gibt viele Werksteigen.
Florian Clauß
1:15:00–1:15:04
Ja, es ist die Frage, ob dann halt irgendwie nicht Intelligenz dann gleich Bewusstsein ist, aber stimmt.
1:15:04–1:15:07
Ja, nee, also Bewusstsein ist ja in so einem kybernetischen System das,
1:15:07–1:15:12
was dann halt auch irgendwie die Eindrücke wieder verarbeiten kann und dann
1:15:12–1:15:14
Kurskorrekturen machen kann.
1:15:14–1:15:17
Aber kann ja auch eine KI. Kannst du das sagen?
Micz Flor
1:15:17–1:15:24
Ja, aber dann sind wir eher wieder bei dem hier Dings-Test, also Turing-Test, also wenn...
Florian Clauß
1:15:24–1:15:24
Ja, genau.
Micz Flor
1:15:25–1:15:27
Dann fallen wir darauf hinein.
Florian Clauß
1:15:27–1:15:29
Ja, dann ist die Vollständigkeit einer...
1:15:31–1:15:36
Ganzen Kette. Das wollte ich vor allen Dingen mit dir teilen.
1:15:36–1:15:40
Diese Frage und kommen wir doch nochmal auf die Erleuchtung.
1:15:41–1:15:46
Und die Frage ist, ist die Erleuchtung sowas wie die Überbrückung des Unbewussten?
1:15:46–1:15:52
Also wenn wir jetzt quasi das Ziel des Buddhismus meppen auf die Psychoanalyse.
Micz Flor
1:15:52–1:15:53
Also.
Florian Clauß
1:15:53–1:15:54
Ist das oder.
Micz Flor
1:15:54–1:15:57
Wie sagt nochmal den Satz? Ist die Erleuchtung?
Florian Clauß
1:15:57–1:16:02
Die Erleuchtung, das Ziel, die Überwindung des Unbewussten.
1:16:02–1:16:06
Also die Frage ist, wenn wir uns den Menschen Buddha anschauen,
1:16:06–1:16:10
der erleuchtet ist, hat der noch ein Unterbewusstes?
Micz Flor
1:16:12–1:16:12
Unbewusstes.
Florian Clauß
1:16:12–1:16:13
Unbewusstes.
Micz Flor
1:16:13–1:16:16
Ja, es ist total spannend, was du sagst. Wir können es ja mal versuchen.
1:16:16–1:16:20
Also das ist dann, wie gesagt, ich werde das jetzt, wer jetzt noch zuhört.
1:16:21–1:16:24
Ich habe das Gefühl, vielleicht versteht man uns gar nicht mehr und wir verstehen
1:16:24–1:16:27
das vielleicht selber nicht mehr, wenn wir das dann hören, wenn es dann fertig ist.
1:16:27–1:16:30
Weil es ist jetzt irgendwie, finde ich, sehr, wir sind gerade sehr ineinander verdreht.
1:16:31–1:16:33
Aber im Tanz.
1:16:34–1:16:36
Genau, wir sind im kosmischen Tanz miteinander verdreht.
Florian Clauß
1:16:36–1:16:37
Nicht verrenkt.
Micz Flor
1:16:38–1:16:42
Ich könnte ja mal so als Vorgriff auf die nächste Folge versuchen,
1:16:42–1:16:49
nicht zu stolpern, wenn du mir die Sachen alle nochmal, diese fünf Daseins Faktoren,
1:16:50–1:16:56
sagst und ich sage dazu irgendwie nur fünf bis zwölf Sätze, wie ich das jetzt
1:16:56–1:17:03
einordnen würde und sage jetzt, liebe ZuhörerInnen, das ist jetzt einfach ein Spiel.
Florian Clauß
1:17:04–1:17:05
Okay, wow.
Micz Flor
1:17:06–1:17:11
Das hat kein... Also das ist jetzt eher so dieses Lexikonspielen.
1:17:11–1:17:14
Ich versuche jetzt, diese Begriffe mit...
1:17:15–1:17:22
Solche neuropsychoanalytischen Ideen zu füllen und gleichzeitig von den anderen abzugrenzen.
Florian Clauß
1:17:22–1:17:24
Okay, ich fange an. Körperlichkeit.
Micz Flor
1:17:25–1:17:30
Körperlichkeit, der Leib, genau. Das ist sowohl bei Freud als auch in dieser
1:17:30–1:17:34
Neuropsychoanalyse von Marc Solms ist noch einer, die ich vorstellen werde,
1:17:34–1:17:36
ist das ein wichtiges Thema.
1:17:37–1:17:42
Körperlichkeit, es kommt aus dem tiefsten Inneren, das Viszerale,
1:17:43–1:17:44
das körperliche Empfinden.
1:17:45–1:17:49
Dieser Wunsch nach Homöostase, auf den komme ich gleich in einer anderen Charaktion,
1:17:50–1:17:54
diese Körperlichkeit, das ist der Ort, an dem, wenn der nicht gegeben ist,
1:17:54–1:17:56
dann kann es auch Bewusstsein nicht geben.
1:17:57–1:18:00
Und das hat dann gleich mit, machen wir den nächsten?
Florian Clauß
1:18:02–1:18:02
Empfindung.
Micz Flor
1:18:02–1:18:10
Empfindung. Und das hat mit Emotionen zu tun. Weil wenn man ein ganz gut objektivierbares
1:18:10–1:18:16
Modell für Bewusstsein anlegt, dann geht es nach der Glasgow-Koma-Scale.
1:18:16–1:18:20
Bin ich im Koma oder auf welcher Stufe von Bewusstsein bin ich?
1:18:20–1:18:23
Natürlich bin ich ganz oben, kann ich irgendwie rechnen und gleichzeitig tanzen,
1:18:24–1:18:26
auf einem Bein stehen und noch eine Oper singen oder so.
1:18:26–1:18:29
Aber die Frage ist, wo bin ich aus dem Koma raus?
1:18:29–1:18:38
Und da gibt es einen Ort eben im Brainstamp, der eben diese zwei Kubikmillimeter groß ist.
1:18:38–1:18:40
Wenn der zerstört ist, dann ist die Person im Koma.
1:18:41–1:18:44
Und da bricht es ab. Und, und das ist jetzt diese Körperlichkeit,
1:18:46–1:18:55
das ist verbunden, dadurch kommen die Emotionen des Körpers ins Hirn, sag ich mal so.
1:18:55–1:18:58
Also man geht jetzt davon aus, dass das Empfinden, die Emotionen,
1:18:59–1:19:02
sind das wirklich Notwendige,
1:19:05–1:19:08
damit nicht nur der Mensch, sondern eben andere auch, glaube ich,
1:19:08–1:19:11
später noch darauf einfach so sich öffnen können, sage ich mal so.
Florian Clauß
1:19:11–1:19:11
Okay.
Micz Flor
1:19:11–1:19:12
Also dann machen wir weiter.
Florian Clauß
1:19:13–1:19:17
Darf ich hier noch einen kurzen Einschub? Sorry, dass ich dich da unterbreche.
1:19:17–1:19:20
Aber das ist mir nochmal, das habe ich noch nicht erwähnt, weil das ist nochmal
1:19:20–1:19:23
ein ganz zentraler Baustein vom Buddhismus.
1:19:23–1:19:29
Der Buddhismus sagt, dass überall, überall ist Information, überall ist Geist.
1:19:30–1:19:33
Das ist so, der Raum ist Information und Geist.
Micz Flor
1:19:34–1:19:34
The Matrix.
Florian Clauß
1:19:35–1:19:40
Und das Gehirn ist quasi nur ein Organ, um diesen Geist zu transformieren.
1:19:40–1:19:45
Also das heißt, wir haben jetzt ein Gehirn und können jetzt anhand des Gehirns,
1:19:45–1:19:50
wie auch immer, da sein, können wir jetzt auch diesen Geist wahrnehmen.
1:19:51–1:19:54
Das wollte ich nochmal sagen. Das Dritte ist die Wahrnehmung.
Micz Flor
1:19:55–1:20:00
Die Wahrnehmung, genau. Das ist Perception. Das passiert im Kortex,
1:20:00–1:20:02
in dem Neokortex, im Großen, was uns wirklich groß macht.
1:20:03–1:20:07
Was uns auch irgendwie nicht komplett von anderen Tieren abgrenzt haben, Ratten und so auch.
1:20:07–1:20:13
Aber wir haben so viel davon, dass der Blick der Menschen auf die Menschen,
1:20:13–1:20:16
dass die Krönung der Schöpfung immer auf diesen Kortex gerichtet war.
1:20:16–1:20:21
Und auch Freud, das hatte ich ja kurz angerissen, in seiner Entstehung von Bewusstsein,
1:20:21–1:20:26
was man heute wahrscheinlich erst deklaratives Bewusstsein beschreiben würde.
1:20:26–1:20:30
Also als etwas, was uns im besten Sinne bewusst ist und notwendig,
1:20:30–1:20:35
um Rechnungen vorzumachen, um eben diese Informationswelle durchzuarbeiten,
1:20:35–1:20:39
ist die Wahrnehmung, die verschränkende Wahrnehmung mit dem Gehirn bei Freud
1:20:39–1:20:41
der Ort, an dem Bewusstsein entsteht.
1:20:42–1:20:49
Und dieses Bewusstsein ist nach Marc Solms aber genau das, was wir als Gesamtorganismus
1:20:49–1:20:50
eigentlich gar nicht wollen.
1:20:50–1:20:56
Das, was wir als Krönung des Ganzen ansehen, ist eigentlich nur ein unfassbar
1:20:56–1:21:01
fürchterliches Verbraten von Energie für Dinge. Und darum geht es dann auch in der nächsten Folge.
1:21:02–1:21:07
Der wir in der Welt begegnen, für die wir aber noch kein gutes Modell haben,
1:21:07–1:21:08
wie wir damit umzugehen haben.
Florian Clauß
1:21:09–1:21:12
Das hattest du auch in einer anderen Folge erwähnt. Das heißt,
1:21:12–1:21:16
wie viel Rechenkapazität wir dann halt für diese ganzen lebenserhaltenden Funktionen
1:21:16–1:21:19
und Wahrnehmung und sowas verbraten. Das ist halt enorm.
Micz Flor
1:21:19–1:21:23
Die lebenserhaltende Funktion eben nicht, aber dieser Begriff der Wahrnehmung
1:21:23–1:21:24
ist die Bindung mit der Welt.
1:21:26–1:21:30
Also wenn wir da mit der Welt verbunden sind und dann die Welt auf uns zukommt
1:21:30–1:21:33
und uns auffordert, dann müssen wir darauf reagieren.
1:21:33–1:21:36
Die stellt Fragen an uns, so diese Informationen, könnte man vielleicht sagen.
1:21:37–1:21:41
Und da entsteht auch eine Form von Bewusstsein in diesem Zusammenspiel zwischen
1:21:41–1:21:46
den organismischen, aber eben auf einer sehr hohen Ebene.
1:21:47–1:21:51
Da spricht Freud dann auch ähnlich wie Lacan, der ja sagt, er ist Freudianer,
1:21:51–1:21:55
dann auch, er spricht sehr viel dann über auch die Wortdingbindung und so,
1:21:55–1:21:57
also signified, signified und so.
1:21:57–1:22:01
Das haben wir dann bei Lacan so ein bisschen, der das noch weiter ausbaut.
1:22:02–1:22:08
Aber die Wahrnehmung ist natürlich das Interface und an der Wahrnehmung entstehen
1:22:08–1:22:12
auch Dinge, die uns bewusst sind.
1:22:13–1:22:17
Und da nur noch mal das Fußnote, dieses Blind Side, was du auch angesprochen hast.
1:22:18–1:22:21
Es ist allerdings auch wieder nachweisbar, empirisch nachweisbar,
1:22:22–1:22:29
dass zum Beispiel ein Affen, dem der kompletter Sehbereich im Kortex rausgeschnitten
1:22:29–1:22:31
wird, trotzdem sehen kann.
1:22:31–1:22:35
Aber er sieht nicht bewusst und wir können uns das nicht vorstellen und das
1:22:35–1:22:37
ist aber auch nachweisbar eben für andere.
Florian Clauß
1:22:38–1:22:40
Jetzt kommen wir so in den Bereich
1:22:40–1:22:44
der wahrscheinlich am ehesten so spirituell ist, mit Karma Prägung.
Micz Flor
1:22:44–1:22:47
Da bin ich jetzt voll dabei, jetzt pass mal auf jetzt.
1:22:48–1:22:51
Ich bleibe in der Natur, ich bleibe in der Natur.
1:22:51–1:22:56
Natürlich spricht, das ist das Repressed, das ist das Verdrängte von Freud.
1:22:58–1:23:01
Und jetzt springe ich gleich zu Marc Solms in der nächsten Folge,
1:23:01–1:23:05
der Marc Solms sagt halt, es gibt inzwischen, also sowieso das Unbewusste,
1:23:05–1:23:10
als Freud sagte, dass er damals so, ja, da gibt es viel Gegenwind,
1:23:10–1:23:12
wenn man sagt, es gibt was Unbewusstes. Inzwischen überhaupt nicht mehr.
1:23:13–1:23:16
Das meiste, die meisten Neurophysiologen, also Neurowissenschaften sagen,
1:23:17–1:23:19
ja klar, das meiste ist unbewusst, das kriegen wir gar nicht mit.
1:23:20–1:23:25
Das Karma-Thema würde ich jetzt so definieren mit den Worten von Marc Solms gesagt.
1:23:25–1:23:29
Wenn etwas passiert, gerade so frühkindlich passiert,
1:23:29–1:23:34
bevor wir, und das ist jetzt scheinbar die Sprache, bevor diese ganzen kortikalen
1:23:34–1:23:39
Prozesse und auch Symbolisierungsfähigkeit on stream sind, solange das noch
1:23:39–1:23:42
off stream ist, wir haben keine Worte dafür, aber die Empfindungen sind da.
1:23:42–1:23:45
Das Kind hat unfassbare Empfindungen, wenn es auf die Welt kommt.
1:23:46–1:23:52
Dann entstehen Emotionen diese Emotionen erwecken das Bewusstsein,
1:23:52–1:23:56
das Bewusstsein kann die Welt aber noch überhaupt nicht einordnen das ist alles
1:23:56–1:23:59
vorsprachlich und da gibt es die ganze Zeit dann das Problem,
1:24:00–1:24:03
dass Dinge fehlerhaft passieren und fehlerhaft auch wieder abgespeichert werden
1:24:03–1:24:07
und das ist das Interessanteste für mich an dem Ganzen, nee das zweite Interessante
1:24:07–1:24:11
vielleicht weiß ich noch nicht, muss man gucken in der nächsten Folge aber die Speicherung,
1:24:12–1:24:16
von Die Theorie von Solms ist zu sagen.
1:24:17–1:24:24
Weil es unfassbar anstrengend ist, auf dieser kortikalen Wahrnehmungsbewusstseinsebene,
1:24:24–1:24:28
deklarative Bewusstsein, alles durchzurechnen und zu planen zu machen,
1:24:28–1:24:34
wird es einfach manchmal fehlerhaft weggespeichert, nicht gut weggespeichert.
1:24:34–1:24:40
Und dann kommt es halt wieder, weil du hast einfach immer noch keinen guten Umgang damit.
1:24:40–1:24:45
Du hast den Umgang mit jeder Form von Autorität, egal ob Lehrer,
1:24:45–1:24:49
Lehrerin, Vater, Mutter, Boss, Partnerin oder was auch immer.
1:24:49–1:24:54
Ja, jedes Mal kommst du wieder in diese gleichen Modi von, ich hatte ja einmal
1:24:54–1:25:00
im Umgang mit der Welt, die ich wahrgenommen habe, schon einen Modus gefunden und ich.
1:25:01–1:25:04
Und reaktiviere den immer wieder und der passt immer wieder nicht.
1:25:05–1:25:08
Und die Psychoanalyse würde dann den Raum geben, wo er auch reaktiviert wird.
1:25:08–1:25:14
Und das ist jetzt ein ganz wichtiger Punkt, weil diese verdrängten oder diese,
1:25:14–1:25:18
wie sie auch heißen, unconscious memories, also die Unbewusstsein,
1:25:18–1:25:20
die sind nicht bildhaft.
1:25:20–1:25:23
Das sind jetzt nicht auch David Lacan, das sind keine Bilder,
1:25:24–1:25:26
sondern die sind eher prozesshaft, könnte man sagen.
1:25:27–1:25:31
Und um die zu verändern, wir können Erinnerungen verändern, das kann man gut
1:25:31–1:25:34
beweisen, dass wenn die reaktiviert werden, werden die neu gespeichert,
1:25:34–1:25:35
reaktiviert, neu gespeichert.
1:25:36–1:25:40
Und für Bilder, wie war das nochmal, war der Willi einfach, war der bei der
1:25:40–1:25:40
Hochzeit überhaupt dabei?
1:25:41–1:25:43
Ja, der war, ah ja klar, okay, gespeichert. Dann hast du das irgendwie rein
1:25:43–1:25:47
und dann hat man auch inzwischen experimentell bewiesen, dass man da auch gut
1:25:47–1:25:49
Fehler reinschmuggeln kann in Erinnerungen.
1:25:49–1:25:53
Aber diese unbewussten Erinnerungen und auch frühkindliche Erinnerungen sind
1:25:53–1:25:55
in dieser Form, da gibt es auch Bereiche dafür.
1:25:55–1:25:59
Alles, was jetzt, was ich sage, ist neurophysiologisch irgendwie in Anführungszeichen
1:25:59–1:26:02
belegt. Es ist immer noch interpretiert und abstrakt, aber es ist belegt.
1:26:03–1:26:07
Diese Bereiche speichern eben was Prozesshafteres ab.
1:26:07–1:26:12
Und deshalb funktioniert die Psychoanalyse, ohne dass Freud vielleicht sofort wusste, warum.
1:26:14–1:26:18
Weil, um diese Erinnerung verändern zu können, können wir nicht drüber sprechen.
1:26:19–1:26:24
Wir müssen die im Übertragungsgemenge als Beziehungserfahrung reaktivieren,
1:26:24–1:26:28
um dann eine korrigierende emotionale Erfahrung in dieser Beziehung zu haben
1:26:28–1:26:29
und die wieder abzuspeichern.
1:26:30–1:26:34
So, das ist jetzt eine sehr einfache Erklärung für den Begriff Karma.
1:26:35–1:26:39
Aber warum das für mich passt, ist, weil es ist ein unfassbares Leid.
1:26:40–1:26:43
Und für das Ich, was jetzt natürlich im Buddhismus nicht viel wert ist,
1:26:43–1:26:46
aber das ist ein unfassbares Leid, dass man da nicht weiterkommt.
1:26:46–1:26:48
Warum passiert mir das immer wieder?
1:26:48–1:26:51
Ja, diese wiederholenden Sachen, das Verdrängte, was immer wieder kommt,
1:26:52–1:26:56
ist einfach eine schlechte Adaption an die Anforderungen der Welt,
1:26:56–1:26:59
die aber abgespeichert wurde und nicht verändert wird.
1:26:59–1:27:03
Und die kann eben nur dann verändert werden, wenn wir ein Übertragungsgefüge
1:27:03–1:27:08
haben, in dem wir in der Beziehung mit der anderen Person das verändern können, was dann...
1:27:10–1:27:12
Was dann eben neu abgespeichert wird.
Florian Clauß
1:27:12–1:27:19
Toll, toll, toll. Super. Großartig. Ich musste auch an unsere Episode Männerfantasien denken.
1:27:19–1:27:24
Teveleit, wo du auch über die Psychoanalytikerin, wie heißt sie noch?
1:27:24–1:27:25
Die auch genau dieses...
Micz Flor
1:27:25–1:27:26
Melanie Klein.
Florian Clauß
1:27:26–1:27:33
Melanie Klein. In der frühkindlichen Erfahrung von Kindern, was du jetzt beschrieben
1:27:33–1:27:37
hast, da gibt es ja noch nichts, wie sich das ausprägt.
1:27:37–1:27:40
Erfahrungen werden gemacht, aber ich habe ja noch kein Apparat,
1:27:40–1:27:43
wie ich dann halt quasi wieder in die Verbindung mit der Welt ging.
1:27:43–1:27:49
Je nachdem, bei Männerfantasien, Karma, die Männer, die geschlagen wurden und
1:27:49–1:27:51
dann den Körperpanzer entwickelt haben,
1:27:52–1:27:57
und dann wieder Leid weiter übertragen haben, das ist ja so eine Verkettung
1:27:57–1:27:59
von Leid, die da passiert,
1:28:00–1:28:05
die ja auch genau so da die Erklärung aufgreift und umsetzt,
1:28:05–1:28:08
übersetzt in Psychoanalyse von Karma. Finde ich sehr schön.
Micz Flor
1:28:08–1:28:11
Man könnte jetzt sogar noch eins weitergehen können, die Wiedergeburt mal rein
1:28:11–1:28:14
rechnen. Ja, das ist irgendwie ein bisschen frech.
1:28:14–1:28:18
Aber das heißt, ich bin jetzt in einer Situation, in der ich,
1:28:19–1:28:22
in meinem, wir nennen es jetzt mal Karma-Gedächtnis, das ist ein fürchterliches Wort, aber,
1:28:24–1:28:28
immer wieder an unsere eigenen Grenzen stoßen, das zu verändern,
1:28:28–1:28:33
die Aufforderung der Welt quasi neu zu beantworten und das Ganze mit uns durchtragen,
1:28:34–1:28:36
und einfach nicht gut damit umgehen.
1:28:37–1:28:41
Und diese Person wird es Vater oder Mutter und hat ein Kind,
1:28:41–1:28:46
das wieder eine Bindung fordert, eine Bindung an die Eltern fordert.
1:28:47–1:28:51
Und dieses Karma-Gedächtnis-Defizit, was einen im eigenen Leben schon bis zum
1:28:51–1:28:53
Elternwerden betroffen hat,
1:28:54–1:28:58
Passiert jetzt irgendwie, da kommt wieder eine ganz große Anforderung,
1:28:58–1:28:59
versorge mich, versorge mich, versorge mich.
1:29:00–1:29:04
Es gibt auch Care-Systeme, das ist eine Emotion.
1:29:04–1:29:09
Caring ist eine Emotion in diesem neuropsychoanalytischen Denken oder affektiven Denken.
1:29:09–1:29:15
Und da wird das dann weitergegeben, weil die inadäquate Response auf die Anforderung
1:29:15–1:29:17
des Kindes natürlich da wiederum weitergetragen wird.
1:29:17–1:29:24
Also man könnte sogar sagen, dass Wiedergeburt nicht als realer Tunnel von Leben
1:29:24–1:29:32
in Leben, aber als Übergabe von Bindungsdefiziten, von Bindungsstörungen passt da sogar irgendwie auf.
Florian Clauß
1:29:32–1:29:37
Ja toll, das ist großartig, wie sich das ausgeht. Fünfter Punkt, Bewusstsein.
Micz Flor
1:29:38–1:29:42
Bewusstsein, genau. Das ist eben dann diese Frage, von was man spricht.
1:29:42–1:29:47
Wir haben Wahrnehmung gesprochen, wir haben Emotionen gesprochen und der Begriff
1:29:47–1:29:51
von Bewusstsein auf der ganz basalen Ebene ist halt das,
1:29:51–1:29:58
was durch die Emotion über diesen Reticular Activating System,
1:29:59–1:30:01
durch diesen kleinen, Da habe ich jetzt den Namen vergessen,
1:30:01–1:30:04
kommt er nächstes Mal, habe ich in meinen Notizen drin.
1:30:04–1:30:13
Das Bewusstsein entsteht durch Emotionen und durch die Aktivierung im oberen
1:30:13–1:30:18
Stammhirn, was dann nach oben eben auch mit dem Kortex verbunden ist.
1:30:20–1:30:24
Es ist wichtig, dass es nicht ein Schalter ist, wo es an und aus geht,
1:30:24–1:30:25
sondern es hat drei Qualitäten.
1:30:25–1:30:28
Es hat einfach erstmal eine emotionale Qualität.
1:30:29–1:30:30
Und zum Beispiel Hunger ist auch eine Emotion.
1:30:32–1:30:35
Müdigkeit, das würde alles damit reinfallen, dass der Körper will irgendwas.
1:30:36–1:30:39
Das heißt, es ist nicht einfach nur an, aus oder 80 Prozent,
1:30:39–1:30:41
sondern es hat eine Färbung.
1:30:41–1:30:44
Du kannst nicht Hunger durch Schlafen lösen.
1:30:45–1:30:49
Das ist das eine. Das andere ist, aber es hat auch eine Intensität und es kann
1:30:49–1:30:50
sich auch aufeinander addieren.
1:30:50–1:30:54
Wenn du jetzt irgendwie eh schon spät dran bist und das und das und das und
1:30:54–1:30:57
dann auch noch pinkeln musst, dann wirst du noch unwirscher.
1:30:57–1:31:00
Also dann ist quasi viel Druck drauf, aber du kannst auch das wiederum eben
1:31:00–1:31:03
nicht einfach durch mehr Schlafen lösen, sondern du musst die Dinge einfach
1:31:03–1:31:04
irgendwie einzeln angehen.
1:31:05–1:31:07
Und das dritte ist mir jetzt gerade entfallen, das kommt in der nächsten Folge.
Florian Clauß
1:31:08–1:31:11
Du sagst nochmal da den Begriff des Bewusstseins, das heißt,
1:31:11–1:31:13
dass du die Reihenfolge richtig einhältst.
1:31:14–1:31:16
Nein, nein, der wusste.
Micz Flor
1:31:16–1:31:16
Genau.
Florian Clauß
1:31:16–1:31:20
Du hast jetzt nicht versucht, irgendwie dein Pinkeln durch Schlaf zu lösen.
Micz Flor
1:31:20–1:31:27
Also Bewusstsein wird da verstanden in dem philosophischen Konzept von Aboutness.
Florian Clauß
1:31:28–1:31:28
Aboutness.
Micz Flor
1:31:29–1:31:29
Aboutness.
Florian Clauß
1:31:29–1:31:30
Consciousness.
Micz Flor
1:31:31–1:31:35
It feels like something. I feel this about that. Okay.
1:31:36–1:31:39
Ich kann dir vielleicht nur aus der Gestalttherapie-Folge sagen,
1:31:39–1:31:43
da gibt es diesen Begriff der Konfluenz. Die Gestalttherapie ist interessanterweise
1:31:43–1:31:45
auch nah an diesem Denken schon dran.
1:31:46–1:31:53
Konfluenz ist quasi, ich bin eigentlich im Nirwana, ich bin erst mal so wunschlos.
1:31:53–1:31:59
Und die Kontaktkurve bedeutet halt von diesem Wunschlosen bis hin zur vollen
1:31:59–1:32:03
Hingabe, das heißt die Erfüllung meines Bedürfnisses und danach gehe ich wieder in so eine Entspannung.
1:32:03–1:32:07
Und in der Konfluenz entsteht auf einmal was Unwirsches im Körper.
1:32:08–1:32:13
Wir sitzen jetzt hier, wird der Boden nass oder habe ich einen Sonnenstich bekommen,
1:32:13–1:32:14
habe ich Hunger, bin ich müde?
1:32:15–1:32:19
Ich weiß es nicht genau, aber ich merke halt so, irgendwie fühlt es sich nicht
1:32:19–1:32:23
mehr sauber an. Die Homöostase, und das ist dann eben wieder in diesem Hirnstamm,
1:32:23–1:32:26
die Homöostase ist gestört, da drängt was hoch.
1:32:26–1:32:30
Das wäre bei Freud dann eben auch dieses Triebhaft, das drängt so von unten hoch.
Florian Clauß
1:32:30–1:32:32
In der Gestalttherapie?
Micz Flor
1:32:32–1:32:36
In der Gestalttherapie finde ich es deshalb interessant, weil die Konfluenz
1:32:36–1:32:41
beschreibt das ganz gut, dass manche Menschen einfach nicht benennen können,
1:32:42–1:32:46
was das für eine Emotion ist oder was für ein Bedürfnis daraus entsteht aus diesem Drängen.
1:32:46–1:32:50
Und dann einfach immer zu dem Immergleichen greifen. Also mir geht es gerade
1:32:50–1:32:52
nicht gut, ich mache Fernseher, mir geht es gerade nicht gut,
1:32:52–1:32:54
ich esse was, mir geht es gerade nicht gut, ich trinke ein Bier.
1:32:55–1:32:58
Irgendwas stimmt nicht, aber ich habe einfach nicht das Samusurium.
1:32:58–1:33:01
Und auch das wäre natürlich in der Psychoanalyse oder Psychotherapie,
1:33:01–1:33:05
wir reden jetzt viel über Analyse, weil das so kulturell auch so ein wichtiges
1:33:05–1:33:08
Wort ist, aber Psychotherapie allgemein geht es ja oft auch um die Benennung
1:33:08–1:33:11
von Emotionen, die überhaupt zu erleben, Wünsche und so weiter.
Florian Clauß
1:33:11–1:33:13
Und ist das jetzt Bewusstsein?
Micz Flor
1:33:13–1:33:16
Das Bewusstsein entsteht,
1:33:17–1:33:21
durch Gefühle. Wir können sagen, es sind Affekte, wir können sagen, es sind Emotionen.
Florian Clauß
1:33:22–1:33:22
Alles sind Gefühle, ja.
Micz Flor
1:33:23–1:33:29
Aber das Gefühl, das Gefühl heißt ja schon, dass wir bewusst sind.
1:33:29–1:33:31
Wenn wir etwas fühlen, Gefühle sind immer bewusst.
1:33:32–1:33:34
Wir können nicht unbewusst sein.
Florian Clauß
1:33:34–1:33:39
Ja, ich finde, da ragt es nach dieser Einteilung doch in Wahrnehmung rein,
1:33:39–1:33:41
also ob das angenehm ist oder nicht angenehm ist.
1:33:42–1:33:47
Während das Bewusstsein ist ja dann doch nochmal eine andere Instanz, die eine gewisse...
Micz Flor
1:33:47–1:33:52
Genau, das ist das, was Marc Solms so ein bisschen auf den Kopf stellt und da
1:33:52–1:33:55
bräuchte dann vielleicht auch ein bisschen mehr Anlauf, ein bisschen mehr Hirnschmelz
1:33:55–1:33:57
auf meiner Seite, um das noch mal ganz aufzuschlüsseln.
1:33:57–1:34:02
Aber was Solms sagt, das bewusste ist, nicht das Unbewusste.
1:34:02–1:34:06
Freud sagt er, das sei irgendwie unbewusst, dann kommt es nach oben und Bewusstsein,
1:34:06–1:34:09
dann streckt es so Fühle aus und schrabbelt so ein bisschen am Kortex mit der
1:34:09–1:34:12
Wahrnehmung und da entsteht dann irgendwie Bewusstsein.
1:34:13–1:34:16
Und Solms sagt, das ist so nicht falsch, aber wir müssen erstmal davon ausgehen,
1:34:16–1:34:21
dass es ist immer bewusst, weil es ist Emotion. Emotion ist das Erste, was passiert.
1:34:21–1:34:28
Und wenn Emotion passiert, dann ist das Bewusstsein an. Wir haben nämlich ein Gefühl.
1:34:28–1:34:32
Wir können ein Gefühl, wir gefühlen ein Gefühl immer.
1:34:32–1:34:35
Wenn wir über ein Gefühl sprechen, dann fühlen wir es nicht.
1:34:35–1:34:36
Wir können über die Freude reden.
1:34:37–1:34:42
Da macht uns das vielleicht auch ein bisschen freudig, wenn wir uns so Bilder einfallen lassen. Aber,
1:34:43–1:34:49
Wenn das bewusste kortikale Top-Down-Rechengerüst über Freude reflektiert,
1:34:49–1:34:52
dann ist das nicht das Gefühl. Das Gefühl fühlen wir.
1:34:52–1:34:58
Und es gibt eben auch die Beobachtung, bei Ratten kann man den größten Teil
1:34:58–1:34:59
des Cortex irgendwie wegschneiden.
1:35:00–1:35:03
Und die sind immer noch in der Lage, soziales Leben zu führen, so Blindside-mäßig.
1:35:05–1:35:08
Die kopulieren, die kriegen Kinder, die ziehen die auch hoch.
1:35:08–1:35:13
Also das ist halt so von außen betrachtet, fehlt das Corticale, da fehlt nicht so viel.
1:35:13–1:35:18
Und das zweite ist, es gibt auch eine seltene Schädigung des Gehirns,
1:35:18–1:35:24
wo in der frühkindlichen Entwicklungsphase das Stammhirn alles intakt ist,
1:35:24–1:35:27
aber der Kortex wird nicht entwickelt. Die haben keinen Kortex.
1:35:27–1:35:31
Und diese Kinder haben ganz oft auch so Anfälle, so Seizures.
1:35:32–1:35:37
Aber es ist trotzdem so, dass deren Eltern genau wissen, wann die da sind und wann die schlafen.
1:35:38–1:35:42
Die haben ein Bewusstsein, die haben Emotionen, die freuen sich,
1:35:42–1:35:45
wenn man denen was irgendwie in einer Katze auf den Schoß setzt.
1:35:45–1:35:50
Da hat Marc sonst in einem Interview gesagt, die können es halt nicht sagen,
1:35:50–1:35:52
die können nicht drüber reden, das haben die alles nicht.
1:35:52–1:35:55
Aber wenn du den Eltern sagst, sie haben kein Bewusstsein, dann sagen die Eltern,
1:35:55–1:35:59
du spinnst wohl, die sind bewusst, ich kann mit denen spielen,
1:35:59–1:36:00
wir können Interaktionen eingehen.
1:36:01–1:36:04
Und er meint halt so, es gibt halt diesen Begriff der Reportability.
1:36:05–1:36:07
Aber wenn die dir das nicht sagen wollen, willst du wissen, dass sie wirklich
1:36:07–1:36:09
bewusst haben? Die Katze kann es auch nicht sagen.
1:36:10–1:36:12
Aber ich kann dir sehr schnell einen Roboter bauen, der dir sagt,
1:36:12–1:36:14
ich habe ein Bewusstsein.
1:36:14–1:36:16
Das dreht sich dann irgendwie so um.
1:36:18–1:36:21
Es ist sehr einfach, Reporte zu bekommen, dass da ein Bewusstsein ist.
1:36:21–1:36:25
Aber das ganz kurz abschließend, Bewusstsein allgemein würde,
1:36:25–1:36:31
würde Max Holm sagen, es gibt so ein primäres Bewusstsein, das ist ein Bewusstsein
1:36:31–1:36:36
der Gefühle und das ist notwendig, um das andere überhaupt obendrauf aufzupacken.
1:36:36–1:36:40
Und dieses andere Bewusstsein, was oft als Bewusstsein beschrieben wird,
1:36:40–1:36:44
das ist eben das, was unfassbar viel Energie kostet und was in erster Linie
1:36:44–1:36:50
dafür da ist, die Anforderungen der Welt zu lösen und dann wieder abzuspeichern.
1:36:50–1:36:53
Das heißt, das Bewusstsein, von dem wir die ganze Zeit sagen,
1:36:53–1:36:56
das ist so toll und wir wollen es feiern, der Körper will immer,
1:36:56–1:36:58
dass das nicht aktiv ist.
1:36:59–1:37:04
Weil das kostet nur Geld. Das heißt, das Problem soll gelöst sein und dann wird
1:37:04–1:37:08
es wieder runtergespeichert in die unbewussten Memories.
1:37:08–1:37:11
Das ist zum Beispiel auch das Kleinhirn ist auch so ein Ort,
1:37:11–1:37:15
wo man immer schon diese ganzen Tanzabfolgen, Autofahren, was auch immer.
1:37:15–1:37:16
Das wird irgendwie gespeichert.
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Und im Kleinhirn ist so ein Ort, wo es passiert.
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Da passiert auch gerade ganz viel neue Forschung, weil man merkt,
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dass auch viel soziales Verhalten damit abgespeichert wird.
1:37:24–1:37:29
Alles wird quasi, das Problem wird erkannt, wird bearbeitet, gelöst, verdrängt.
1:37:30–1:37:33
Weg. Brauchen wir uns nicht mehr darum kümmern. Sprechen, wir brauchen uns da
1:37:33–1:37:36
nicht mehr wirklich darum kümmern. Immer wenn wir...
1:37:37–1:37:42
Die Homöstase des Körpers gefährdet ist, kommt eine emotionale Reaktion,
1:37:42–1:37:48
die kommt ins Großhirn, die feuert ein Bedürfnis hoch und dann fängt das oben
1:37:48–1:37:50
alle Lichter an und dann muss das irgendwie gelöst werden.
1:37:50–1:37:53
Und wenn es halt zu lange dauert, weil es nicht gut lösbar ist,
1:37:53–1:37:55
dann wird es eben schlecht abgespeichert.
Florian Clauß
1:37:55–1:37:58
Weißt du, was mich an das erinnert? Das ist ja sehr algorithmisch.
1:38:00–1:38:05
Wie so ein Buffer-Overflow. und dann gibt es halt irgendwie so einen Zombie,
1:38:05–1:38:09
der legt sich dann halt irgendwie anders hin, aber im Prinzip ist es ja so ein
1:38:09–1:38:11
reiner Algorithmus, der da abläuft.
Micz Flor
1:38:11–1:38:15
Es ist ein Prozess, wir müssen auch das jetzt, das ist auch schon wirklich spät,
1:38:15–1:38:17
ich freue mich dann jetzt auch auf die Folge.
Florian Clauß
1:38:17–1:38:20
Ich möchte da noch tiefer reingehen. Ich meine, ich glaube, wir hätten noch
1:38:20–1:38:24
nie so einen saftigen Appetizer im Sinne von, der es so satt machen.
1:38:24–1:38:27
Aber was ist denn das Letzte? Wir haben nicht das Letzte.
1:38:28–1:38:31
Ich würde vielleicht zum Ende hin nochmal so kurz,
1:38:32–1:38:38
darüber mit dir sprechen, ob dann die Erleuchtung, die Überwindung des Unbewussten ist.
Micz Flor
1:38:40–1:38:45
Also Freud spricht auch von einem Nirvana-Zustand. Und dieser Nirvana-Zustand
1:38:45–1:38:47
ist aber im Prinzip der Wettstüppel-Zustand.
1:38:47–1:38:52
Also im Prinzip der Zustand einfach der homostatischen Ausgeglichenheit.
Florian Clauß
1:38:52–1:38:57
Ich glaube auch Freud, der war, also zumindest was ich an Zitaten da gefunden
1:38:57–1:39:03
habe, der hat jetzt nicht unbedingt da an diese ganze spirituelle Religion,
1:39:04–1:39:07
Buddhismus oder so, da konnte er nicht so andocken.
1:39:07–1:39:10
Das war für ihn dann halt einfach so...
Micz Flor
1:39:10–1:39:13
Da weiß ich biografisch, weiß gar nicht, wie sehr er sich damit auswählen ist.
Florian Clauß
1:39:13–1:39:18
Ich habe dann irgendwas auf Wikipedia gefunden, wo es dann halt auch um diese
1:39:18–1:39:23
ganzen Zeitgenössischen, wo dann Jung dann halt eher, weil er sich ja dann 1913
1:39:23–1:39:26
abgespalten hat von Freud und der ist dann so abgegibt. Ich glaube,
1:39:26–1:39:28
das war für Freud dann eher so ein bisschen...
Micz Flor
1:39:28–1:39:29
Der ist ja nicht so abgekippt.
Florian Clauß
1:39:29–1:39:31
Naja, der ist ja schon so, also...
Micz Flor
1:39:31–1:39:32
Wir laufen mal ein bisschen wieder.
Florian Clauß
1:39:32–1:39:34
Wir laufen jetzt mal wieder. Wir laufen mal ein bisschen reden.
1:39:34–1:39:38
Im Sinne von abgekippt, Freud gegenüber abgekippt und in eine andere Richtung gegangen.
1:39:39–1:39:43
Und der hatte natürlich diese Spiritualität, das Mystische, hat die Reisen gemacht,
1:39:43–1:39:45
die indigenen Kulturen erforscht und so weiter.
1:39:45–1:39:50
Ich glaube, das war so dieses mystische Ganze, diese Ganzheitserfahrung,
1:39:50–1:39:55
die Freud dann erstmal nicht so einordnen wollte oder Aufmerksamkeit.
1:39:55–1:39:57
Aufmerksamkeit. Es ist eine reine Spekulation.
Micz Flor
1:39:57–1:39:59
Es gibt das, ich weiß nicht, ich glaube, es heißt das schwarze Buch von Jung.
1:40:00–1:40:02
Und da habe ich jetzt für einen Freund auch gerade ein paar Sachen rauskopiert
1:40:02–1:40:04
und habe noch ein bisschen drin rumgeblättert. Und da gibt es auch ein paar
1:40:04–1:40:08
Briefe von Freud an Jung, wo ich gar nicht genau weiß, warum die da drin sind.
1:40:09–1:40:13
Aber Jung kam ja mit diesem Okkulten immer so rein. Und ich habe auch ein Zitat,
1:40:13–1:40:15
das kann ich nochmal raussuchen, wenn du es brauchst.
1:40:16–1:40:20
Wo Freud sagt, ja, C.G. Jung, bevor er noch Religionsgründer werden wollte,
1:40:20–1:40:23
hat man das und das gesagt, das hat er im Vortrag, das kann ich ja mal rausnehmen.
Florian Clauß
1:40:23–1:40:25
Ein Religionsgründer, ja, vielleicht, vielleicht.
Micz Flor
1:40:25–1:40:31
Und da ist es so, dass Freud da auch irgendwie so schon in den Briefen so ein
1:40:31–1:40:32
bisschen mit durchgegangen ist.
1:40:32–1:40:34
Da gab es ein Treffen wohl, wo die über irgendwas gesprochen haben,
1:40:34–1:40:37
da gab es einen riesen Knall und keiner wusste, was der Knall war.
1:40:37–1:40:40
Und für Jung war das halt eine Synchronicität von irgendwas.
1:40:41–1:40:48
Und Freud wollte dann dieses Okkulte irgendwie und hat aber dann so ein bisschen um Jung auch geworben.
1:40:48–1:40:51
Also es ist eine ganz komische Spannung, die da entstanden ist.
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Und wir sind natürlich auch, wenn wir jetzt Buddha und Freud vergleichen,
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wir sind natürlich bei Freud auch bei jenen.
1:40:59–1:41:03
Da haben wir auch drüber gesprochen, bei der Papstfolge, der dann diese geheime
1:41:03–1:41:06
Gesellschaft gegründet hat, um seinen Gedanken gut festzuhalten.
1:41:06–1:41:10
Also da ist ja auch viel drin, wo man das Gefühl hat,
1:41:11–1:41:14
dass der nicht sehr entspannt davon ausgeht, dass,
1:41:14–1:41:18
also einerseits sagt er die ganze Zeit, hey, also ich wünschte,
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ich könnte schon hier die Worte der Biologie und Chemie einsetzen,
1:41:22–1:41:27
aber ich muss leider die Termini der Psyche benutzen, die für viele vielleicht
1:41:27–1:41:29
nicht so gut rumkommen, aber wir sind halt noch nicht so weit.
1:41:29–1:41:32
Also da hat er schon dann irgendwie und hat dann auch gesagt und vielleicht
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ist mein ganzes Gedankengebäude dann umgeblasen.
1:41:36–1:41:38
Das heißt, er war da schon offen für Veränderung und gleichzeitig hat er sehr
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stark seine Lehre so einmeiseln wollen und alle so in Linie halten.
1:41:44–1:41:51
Sind da schon auch Widersprüche drin und sicherlich hätte er mit dem Okkulten
1:41:51–1:41:55
keine Probleme oder großes Interesse, oder eine Vermittlung,
1:41:55–1:41:59
dann wäre das mit Jungen vielleicht auch nicht so gebrochen, das weiß ich nicht.
1:42:00–1:42:01
Komm, weiß keiner.
Florian Clauß
1:42:01–1:42:03
Ja, lassen wir mal so stehen.
Micz Flor
1:42:04–1:42:05
Ich will nicht das letzte Wort haben.
Florian Clauß
1:42:06–1:42:12
Nein, nein, nein. Ich will jetzt nochmal so diese Frage aufgreifen, was das Unbewusste,
1:42:13–1:42:19
also wenn wir uns den erleuchteten Buddha vorstellen, wie viel Unbewusstes hat
1:42:19–1:42:21
er noch? Und dann auch so da antworten.
1:42:22–1:42:24
Also drei Möglichkeiten gibt es.
1:42:25–1:42:26
Du hast es ja gerade so ausgefunden.
Micz Flor
1:42:27–1:42:29
Aber das ist die Definition, was du von unbewusst definierst,
1:42:29–1:42:36
Weil das Unbewusste wird aktuell beschrieben als alles, was uns nicht bewusst
1:42:36–1:42:39
wird, aber teilweise auch nicht bewusst werden kann.
1:42:39–1:42:44
Wenn Buddha da jemanden sieht, den erkennt und wiedererkennt.
Florian Clauß
1:42:44–1:42:48
Nehme mal dieses Beispiel, oder was du gerade ausgeführt hast.
1:42:48–1:42:52
Dieses Bewusstsein, was dann halt die ganze Zeit damit bemüht ist,
1:42:52–1:42:57
nach der Definition von Solln, das dann wegzuschreiben und möglichst wenig da
1:42:57–1:42:58
irgendwie betrieben zu werden.
1:42:58–1:43:02
Dann haben wir diesen ganzen Apparat da drunter, der die ganze Zeit irgendwie
1:43:02–1:43:07
diese Information organisiert oder ablegt oder sonst was.
1:43:07–1:43:11
Und die Frage ist jetzt auch rein spiritueller Ebene.
1:43:12–1:43:17
Wenn jemand erleuchtet, ist dieses Ganze, was da drunter liegt,
1:43:17–1:43:25
komplett weg oder ist es durchdrungen oder ist es im Bewusstsein?
1:43:25–1:43:32
Ist diese ganze Maschinerie, und das wird auch vom Buddha oder von Tulkus gesagt,
1:43:33–1:43:37
Menschen, die so einen Erleuchtungszustand haben, können keinen Karma mehr ansammeln.
Micz Flor
1:43:39–1:43:43
Also dann würde Marc Solms wahrscheinlich sagen, das Gegenteil ist der Fall.
1:43:43–1:43:47
Und das klingt wie Slava Szicek. Wenn es jetzt darum geht, so diesen absolut
1:43:47–1:43:51
entspannten, erleuchtenden Zustand sich vorzustellen, dann ist es so,
1:43:51–1:43:56
dass diese Person kein Bewusstsein mehr braucht. Die hat nur noch Unbewusstes.
Florian Clauß
1:43:56–1:44:00
Ja, weiß ich nicht. Was auch immer. Also ich meine, Bewusstsein im Sinne von,
1:44:01–1:44:04
dass da nichts verdrängt ist, dass da keine Triebe, also jetzt in der Definition,
1:44:04–1:44:08
die wir sie gerade aufgebaut haben, dass das Unbewusste für die Verdrängung,
1:44:08–1:44:12
für die Triebe und so weiter, dann wäre es wahrscheinlich nicht so.
Micz Flor
1:44:12–1:44:17
Aber da würde ja Säumstüder sagen, genau das, die Trieb und die Emotionen,
1:44:17–1:44:20
die sind ja immer bewusst. Die sind ja nicht unbewusst.
1:44:21–1:44:28
Freud würde sagen, der Trieb ist auch bewusst, aber womit der Trieb jetzt gekoppelt
1:44:28–1:44:29
ist, das kann verdrängt werden.
1:44:29–1:44:35
Ja, man kann irgendwie Lust begehren, nicht deines Nachbarn Weib oder sowas
1:44:35–1:44:39
und man kann das vielleicht begehren und kann sich das aber nicht zugestehen.
1:44:39–1:44:43
Ja, und dann bleibt das Gefühl da und dann hat man eine andere Triebopform.
Florian Clauß
1:44:43–1:44:46
Genau, also vielleicht so als bewusst, als so ein Erleuchteter,
1:44:46–1:44:51
siehst du den Trieb und kannst den halt auflösen, weil du den halt so erkennst
1:44:51–1:44:54
und da bleibt nichts zurück. Vielleicht so.
1:44:54–1:44:58
Und noch ein anderer, bevor wir da jetzt, also ich will jetzt eher so einen
1:44:58–1:45:00
anekdotischen Abschluss finden.
1:45:01–1:45:07
Aber die andere Sache wäre so ein bisschen, dass die Erleuchtung jetzt auch
1:45:07–1:45:09
so als komplette Überwindung der Subjektoptikation,
1:45:10–1:45:14
Spaltung dann. Das ist nie mehr diese. Und dann haben wir diesen Matrix-Moment.
1:45:15–1:45:20
Im Prinzip, alles sich auflöst, die Person wird zu einer Schrift und die Schrift
1:45:20–1:45:27
ist einfach mit allen verbunden und alles ist dann im Prinzip nur miteinander.
1:45:27–1:45:34
Das ist ja diese Erleuchtung, die Matrix ja schon schön visualisiert in der Stimmung.
1:45:34–1:45:40
Das wäre so voll spirituell und das wäre so dieser Moment, den man die man sich so vorstellt.
1:45:40–1:45:45
Das andere ist ja schon irgendwo nachvollziehbar mit bestimmten didaktischen
1:45:45–1:45:50
oder mit bestimmten Modellen, aber das wäre so glaube ich das Extrem davon.
1:45:51–1:45:56
Da hast du ja nichts mehr, wo sich dann irgendwie Bewusstsein operational oder
1:45:56–1:45:59
überhaupt kalkulierbar wird. Das ist ja dann...
Micz Flor
1:46:00–1:46:05
Ja, die Frage ist nur, dann bist du vielleicht wirklich nicht mehr in der Welt.
1:46:05–1:46:08
Das ist ja die Sache, was du von gemeint hast, man ist ja nie ganz drin.
1:46:09–1:46:10
Also man ist ja immer so wie im Pool.
1:46:11–1:46:15
Und die Idee dieser Erleuchtung wäre vielleicht wirklich dann zu sagen,
1:46:16–1:46:21
dann bin ich ein Beobachter, der von außen auf das schauen kann.
Florian Clauß
1:46:21–1:46:28
So, genau. Aber du kannst beide Positionen einnehmen, weil Neo in Matrix,
1:46:28–1:46:30
der kann ja auch interagieren.
1:46:30–1:46:35
Er nutzt das ja als Superkraft, um dann interagieren zu können.
Micz Flor
1:46:35–1:46:36
In der Simulation allerdings.
Florian Clauß
1:46:37–1:46:39
In der Simulation, das stimmt. Aber wir reden ja von Butter,
1:46:39–1:46:40
da ist ja richtig erleuchtet.
Micz Flor
1:46:41–1:46:45
Ja, genau. Aber die Tatsache, dass er das in der Simulation sehen kann,
1:46:45–1:46:48
geht vielleicht nur deshalb, weil er ja eigentlich nicht da drin ist.
1:46:48–1:46:50
Er ist ja eigentlich da außerhalb.
1:46:51–1:46:55
Also ich weiß nicht, ob sich das so leicht lösen lässt. Also vielleicht habe
1:46:55–1:46:58
ich weder Energie noch Wissen noch Konsequenzen.
1:46:59–1:47:04
Kognitiven Kapazitäten in meinem Bewusstsein, das gut zu Ende zu bringen.
1:47:04–1:47:07
Aber mein Gefühl dazu ist, also diese Idee von der Leuchtung,
1:47:07–1:47:11
das Bild, was ich jetzt davon hätte, wenn ich im Buddhismus denke,
1:47:11–1:47:13
dann wäre das eher wie bei C.G.
1:47:13–1:47:18
Jung das kollektiv Unbewusste, ein Ort, der anders ist als die Natur, in der wir jetzt sind.
1:47:19–1:47:22
Also der ist, keine Ahnung, anders im Sinne von, vielleicht würde irgendjemand
1:47:22–1:47:24
sagen, eine höhere Dimension oder sowas.
1:47:24–1:47:28
Aber es ist irgendwie nicht, es ist nicht hier in dem, wo wir sind.
1:47:28–1:47:34
Also diese Form von Erleuchtung wäre für mich so gesehen ein Standpunkt,
1:47:34–1:47:39
wo man von außen auf das gucken kann, aber dann ist man auch nicht mehr Teil davon.
Florian Clauß
1:47:39–1:47:46
Okay, aber ich glaube, wir können es nicht ganz lösen, wie das Unbewusste sich
1:47:46–1:47:48
im Erleuchtungszustand verhält.
1:47:48–1:47:52
Wir müssten dann mal wirklich jemanden fragen, dem man dann sagt,
1:47:53–1:47:54
das ist ein Erleuchteter.
1:47:55–1:47:58
Mal schauen, wann wir das nächste Mal den Dalai Lama treffen.
Micz Flor
1:47:58–1:48:01
Ja, ich bin auch jetzt gerade wirklich, wie viel Uhr haben wir denn jetzt?
Florian Clauß
1:48:01–1:48:02
Wir sind schon recht spät.
Micz Flor
1:48:02–1:48:02
Wow.
Florian Clauß
1:48:03–1:48:05
Wir sind schon recht spät und wir haben echt lange aufgenommen.
Micz Flor
1:48:06–1:48:06
Lange aufgenommen, ja.
Florian Clauß
1:48:06–1:48:09
Und ich finde, wir haben einen sehr...
1:48:10–1:48:11
Intensives Gespräch und es hat
1:48:11–1:48:16
sich toll einfach ergänzt mit deinen Vorbereitungen für die nächste Folge.
1:48:16–1:48:20
Ich hoffe nicht, dass du das jetzt alles so verheizt hast, dass du nächste Folge
1:48:20–1:48:23
nur noch eine halbe Stunde machen kannst.
Micz Flor
1:48:23–1:48:27
Ich werde in der nächsten Folge nicht mehr über Karma sprechen wahrscheinlich,
1:48:28–1:48:30
aber trotzdem ähnliche.
1:48:30–1:48:32
Oder ich kann ja noch mal zurückverweisen.
Florian Clauß
1:48:34–1:48:38
Ja Mensch, mit vielen Dank für diesen, wir haben ja nicht mehr,
1:48:38–1:48:40
wir sind ja nicht mehr gegangen.
1:48:40–1:48:43
Wir sind ja die ganze Zeit stehen geblieben. Wir sind viel stehen geblieben.
Micz Flor
1:48:43–1:48:45
Also ich fand es auch eine interessante Folge, so energetisch interessant,
1:48:45–1:48:48
die Räume. Wir haben zwei Tempelhunde gehabt.
1:48:48–1:48:52
In der ersten und in der zweiten Folge. Nee, beides war in der zweiten Folge, glaube ich.
1:48:53–1:48:57
Sind Hunde zu uns gekommen und wollten bei uns liegen, aus von erfindlichen Gründen.
1:48:57–1:49:01
Du hattest eine Stelle, wo du irgendwas gesagt hattest, über was dieses,
1:49:01–1:49:03
ich glaube, diese Umkehrung der Dinge.
1:49:03–1:49:08
Sie können ganz schlimm sein und dann können sie aber auch ganz erleuchtet Da
1:49:08–1:49:12
war so ein kleiner Junge, der mit dem Stock die ganze Zeit und Pum, Pum, Pum drauf kam.
1:49:13–1:49:16
Es gab also viele Jungen, würde ich sagen, Synchronicitäten,
1:49:16–1:49:18
die da aufgetreten sind.
1:49:18–1:49:21
Und es ging los mit der Frau, die hinter uns gelaufen ist.
Florian Clauß
1:49:21–1:49:23
Wo wir dann den Platz wechseln mussten.
Micz Flor
1:49:23–1:49:24
Da musst du den Platz wechseln, ja.
Florian Clauß
1:49:24–1:49:29
Ja, sehr schön. Ja, ich hoffe auch, ihr habt es so lange ausgehalten, durchgehalten.
1:49:30–1:49:34
Wenn ihr noch mehr wollt, dann guckt auf eigentlich-podcast.de.
1:49:35–1:49:39
Da tragen wir noch ein paar Informationen zusammen. Und ihr könnt sehen,
1:49:39–1:49:42
wie wir nicht so viel gelaufen sind.
1:49:42–1:49:46
Weil wir veröffentlichen auch immer die Tracks, wo wir langlaufen.
1:49:46–1:49:51
Weil eigentlich Podcast ist der Podcast, bei dem wir im Laufen reden. Laufend reden.
1:49:51–1:49:56
Und auch das nächste Mal, habt ihr schon gehört, Folge dann 106.
1:49:57–1:50:01
Womit ich dann mehr über Säulen, die Theorien?
1:50:02–1:50:04
Präsentiert, erzählt.
Micz Flor
1:50:04–1:50:06
Genau, die nächste Folge werde
1:50:06–1:50:11
ich dann diese Marc-Solm-Sache nochmal ein bisschen besser aufdröseln.
Florian Clauß
1:50:11–1:50:13
Ich fand das schon sehr applauswebel.
Micz Flor
1:50:13–1:50:15
Ein bisschen wacher aufdröseln.
Florian Clauß
1:50:15–1:50:18
Nee, es war auch sehr wach. Ich konnte es sehr gut folgen.
1:50:19–1:50:23
Sehr spannend. Also ich freue mich auf die nächste Folge. Bis dahin. Macht's gut. Tschüss.

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"Die Mängel unserer Beschreibung würden wahrscheinlich verschwinden, wenn wir anstatt der psychologischen Termini schon die physiologischen oder chemischen einsetzen könnten." -- Sigmund Freud 1925: Jenseits des Lustprinzips S. 87

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Mitwirkende

Transcript

Micz Flor
0:00:02–0:00:08
Niemand würde Isaac Newton vorwerfen, dass er das mit den Quanten nicht gecheckt hat.
Florian Clauß
0:00:16–0:00:21
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast, der Podcast,
0:00:21–0:00:24
bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:24–0:00:33
Heute sind wir wieder in Kreuzberg am Kamisso-Platz und Mitch hat ein Thema vorbereitet,
0:00:33–0:00:39
ein kleines Thema, ein Teaser, ein Appetizer, das wir gleich nochmal näher ausführen.
0:00:40–0:00:48
Wir haben jetzt die Episode 103, sind seit drei Episoden über die 100.
Micz Flor
0:00:50–0:00:55
Das stimmt. Gut, dass du es nochmal ausrollst wie ein Pizzateig.
0:00:55–0:00:56
Den muss man auch zweimal rollen.
Florian Clauß
0:00:57–0:01:02
Genau, und dann einmal falten dabei. Richtig. Ich bin immer wieder überrascht,
0:01:02–0:01:04
dass wir es so lange durchgehalten haben.
0:01:06–0:01:08
Also, Mitch, hallo Mitch.
Micz Flor
0:01:09–0:01:13
Hallo Flo. Heute die Folge wird so ein bisschen, du sagst Teaser,
0:01:13–0:01:18
aber es ist für mich auch so ein bisschen eine Hirnmassage oder so eine allmähliche
0:01:18–0:01:21
Verfertigung der Gedanken beim Reden Episode,
0:01:22–0:01:26
weil ich jetzt eine Kurzserie ankündige.
0:01:26–0:01:31
Also ein bisschen, es geht um Bewusstsein, es geht um das Unbewusste, es geht um Freud,
0:01:32–0:01:37
es geht um Neurophysiologie, Neuropsychoanalyse und es geht dann zum Schluss
0:01:37–0:01:44
auch um ein physikalisch-mathematisches Modell, was man mittels dieser neuropsychoanalytischen
0:01:44–0:01:46
Konzepte vielleicht wirklich anwenden kann,
0:01:47–0:01:51
um noch einen Schritt näher daran zu kommen, zu wissen, wie Bewusstsein funktioniert.
Florian Clauß
0:01:51–0:01:56
Okay, aber aus einer psychoanalytischen Sicht heraus?
Micz Flor
0:01:56–0:01:59
Das ist eben das Spannende. Also es ist eigentlich so ein bisschen wie diese
0:01:59–0:02:03
Folge, die ich mal gemacht habe, wo es um Psychotherapie ging und dann um Chaosmagie.
0:02:04–0:02:07
Und irgendwie passt es so zusammen. Und jetzt geht es um Psychoanalyse,
0:02:07–0:02:09
um Freud. Wir müssen darum.
0:02:10–0:02:15
Es geht dann auch um den Psychoanalytiker, der aber seine Karriere als Neuropsychologe
0:02:15–0:02:17
begonnen hat, Marc Solms.
0:02:17–0:02:21
Deshalb gehen wir jetzt auch gleich hier in die Solmstraße oder die Solmstrasse,
0:02:21–0:02:23
wie wir sie dann nennen können.
0:02:24–0:02:27
Zufall? Passt eigentlich ganz gut.
0:02:28–0:02:32
Und zum Schluss kommt dann noch Carl Fristen dazu.
0:02:32–0:02:38
Der ist ein Psychiater und auch Physiker oder Mathematiker, der eine ganze,
0:02:38–0:02:43
Reihe von Modellen entwickelt hat, also mit Mathematik, mit Algorithmen,
0:02:44–0:02:48
mit Wahrscheinlichkeitsmatrizen und zu versuchen, wie sich selbst regulierende
0:02:48–0:02:52
Systeme wie ein Bewusstsein vielleicht hergerechnet werden könnten.
0:02:53–0:02:56
Also wir beginnen mit Freud und das ist jetzt aber nochmal anders,
0:02:56–0:03:01
neu oder wichtig zu sagen, wir gucken heute auf die Neuronen.
0:03:01–0:03:05
Wir schauen auf die Arbeit von Sigmund Freud vor dem Hintergrund,
0:03:05–0:03:07
dass er ja Nervenarzt war.
Florian Clauß
0:03:07–0:03:12
Also schon so aus einer, ich sag mal so recht medizinischen Sicht?
Micz Flor
0:03:14–0:03:18
Er war Nervenarzt, also jetzt aber eher wirklich als Neurophysiologe,
0:03:18–0:03:19
würde man vielleicht täuschen sagen.
Florian Clauß
0:03:19–0:03:23
Physiologe, aus physiologischer Sicht. So, jetzt betreten wir die Solmstraße.
Micz Flor
0:03:24–0:03:25
Ja, hier ist er.
Florian Clauß
0:03:25–0:03:30
Und ihr habt das vielleicht gemerkt, Mitch, das ist eine der wenigen Aufnahmen,
0:03:31–0:03:33
bei denen Mitch eine Richtung vorgibt.
0:03:34–0:03:40
Ich bin das Lamm, das durch die Straßen trottet. Mitch weist mir den Weg.
Micz Flor
0:03:40–0:03:41
Das haben wir ganz selten.
Florian Clauß
0:03:41–0:03:42
Aber ich zeichne auf.
Micz Flor
0:03:42–0:03:47
Ja, also es geht um das Unbewusste. Das ist sozusagen für heute,
0:03:47–0:03:48
glaube ich, das Kernthema.
0:03:48–0:03:54
Ein längerer Artikel, der ursprünglich dann 1915 auch in zwei Teilen erschienen
0:03:54–0:03:58
ist damals, später immer wieder aufgegriffen wurde, dann auch nochmal ein bisschen
0:03:58–0:04:01
umgebaut wurde. Von Freud. Von Freud, genau.
0:04:02–0:04:09
Und der 1915 eben erschien und der nochmal so versucht, das Unbewusste auch
0:04:09–0:04:11
eben neurophysiologisch zu beschreiben.
0:04:12–0:04:17
Irgendwie dann aber auch so ein Peak nochmal darstellt von eben neurophysiologischen
0:04:17–0:04:24
Gedanken. Die Freud schon 1891, was über Aphasien, also Sprachstörungen, geschrieben hat.
0:04:24–0:04:29
Dann 1895, was über Neuronen und Energie und den Versuch wirklich dann auch
0:04:29–0:04:34
sowas wie Blutbahn, bloß eben Nervenbahn und Nervenleitzungen und Energie.
0:04:35–0:04:38
Bevor er dann, und das ist dann dieser springende Punkt, bevor er dann gemerkt
0:04:38–0:04:41
hat, wir können neurophysiologisch.
0:04:43–0:04:46
Damals in der Zeit, wir können da eigentlich nichts Cleveres sagen,
0:04:46–0:04:47
das kriege ich nicht so richtig hin.
0:04:48–0:04:52
Ich muss einen anderen Ansatz wählen und dieser andere Ansatz war dann das,
0:04:52–0:04:56
was heute allgemein in Psychoanalyse genannt wird, wo man dann denkt,
0:04:56–0:05:01
ja das hat ja nichts mit Neurophysiologie zu tun, aber das stimmt nicht.
0:05:01–0:05:04
Im Prinzip, und das wird dann auch in dieser ganzen Entwicklung nochmal so ein
0:05:04–0:05:10
bisschen eine Schablone sein, Es gibt ja immer diesen Begriff über die Verhaltenstherapie,
0:05:10–0:05:13
ganz am Anfang, da ging es ja nur darum, diese Black Box.
0:05:13–0:05:17
Man hat dann irgendwie einfach nur Werkzeuge entwickelt, evidenzbasiert geguckt, was funktioniert.
0:05:17–0:05:21
Und das ist dann quasi in der Werkzeugkiste der PsychotherapeutInnen.
0:05:21–0:05:26
Und da möchte ich, glaube ich, nochmal so diese Idee von Freud und diese frühe
0:05:26–0:05:33
Idee von Behaviorismus nebeneinander legen und sagen, eigentlich sind die sich
0:05:33–0:05:35
sehr ähnlich. Okay. Das wird ein Thema sein.
0:05:36–0:05:39
Vielleicht ist das auch die Folge heute schon. Muss noch mal gucken, wie weit wir kommen.
Florian Clauß
0:05:39–0:05:40
Alles klar.
Micz Flor
0:05:40–0:05:45
Und die zweite Folge geht dann eben 100 Jahre später sozusagen.
0:05:46–0:05:53
Also 1891, dann 1991, 90er Jahre hat Marc Solms angefangen, ganz gezielt dahin zu forschen.
0:05:53–0:05:57
Er war halt eben Neurophysiologe und hat dann eine psychoanalytische Ausbildung
0:05:57–0:06:00
gemacht und beschreibt es immer gerne so,
0:06:00–0:06:05
dass seine Kollegen und Kolleginnen dann erschreckt waren, als sie das hörten,
0:06:05–0:06:09
weil sie gemeint haben, ey, das ist so, wie wenn ein Astronom auf einmal Astrologie
0:06:09–0:06:11
studiert. Das geht nicht.
0:06:11–0:06:14
Du machst dir die Karriere kaputt mit diesem Schritt. Das geht nicht.
0:06:15–0:06:19
Und warum geht das nicht? Weil in den 70er, 80er Jahren ist viel im Bereich
0:06:19–0:06:25
neurophysiologische Forschung, auch in Anführungszeichen Bewusstseinsforschung, passiert.
0:06:26–0:06:31
Aber eben immer ohne wirklich auf das zu gucken, was wirklich die Psyche ausmacht.
0:06:32–0:06:35
Sondern eher einen Blick darauf zu haben, was sind denn die Werkzeuge,
0:06:35–0:06:40
die dem Kortex zur Verfügung stehen, um die so unfassbar tollen Leistungen der
0:06:40–0:06:41
Wahrnehmung zu schaffen.
Florian Clauß
0:06:43–0:06:47
Ja, ich stelle mir aber auch vor, dass in der Zeit also Freud,
0:06:47–0:06:52
der zum ersten Mal auch bestimmte psychoanalytische Konzepte formuliert und
0:06:52–0:06:57
Beobachtungen macht und als praktizierender Arzt dann natürlich auch einen gewissen
0:06:57–0:06:59
naturwissenschaftlichen Blick drauf hat.
0:06:59–0:07:10
Wie damals auch Naturwissenschaftler dann Beobachtungen in der Natur in irgendeiner
0:07:10–0:07:11
Form dann versucht haben,
0:07:11–0:07:14
ein Gesetz daraus abzuleiten oder sowas.
0:07:15–0:07:20
Und so ein bisschen stelle ich mir dann Freud auch so vor, dass er vor dem Unbewussten
0:07:20–0:07:24
steht und dann anfängt, okay, was sind hier die Gesetzmäßigkeiten in seiner
0:07:24–0:07:26
Arbeit, da irgendwie was rauszuschließen.
0:07:27–0:07:33
Das ist die eine Sache. Die andere Sache ist, 100 Jahre später ist ja auch sehr
0:07:33–0:07:35
viel Forschung da ins Land gegangen.
0:07:35–0:07:40
Und der Gegenstand wurde ja dann auch irgendwie naturwissenschaftlich versucht zu beschreiben.
0:07:41–0:07:45
Und was kam denn da raus? Was sind die Erkenntnisse?
0:07:45–0:07:49
Und wie lässt sich das jetzt noch mit Freuds Theorien verbinden?
0:07:49–0:07:54
Wir hatten ja schon ein paar Mal festgestellt, dass es ja dann irgendwie nicht mehr so haltbar ist.
0:07:54–0:07:57
Aber Freud hat ja doch ganz grundsätzliche Entdeckungen gemacht,
0:07:58–0:08:03
die er dann halt auch so in der Theorie dann festgehalten hat. Ich weiß nicht.
0:08:03–0:08:05
Musst du sagen, ob ich mich da jetzt irgendwie...
Micz Flor
0:08:05–0:08:08
Nee, nee, auf jeden Fall. Das ist wichtig. Also was du sagst,
0:08:08–0:08:11
drehe ich mal so ein bisschen und gucke nochmal von der anderen Seite drauf.
0:08:11–0:08:15
Weil es gibt da, finde ich, so zwei interessante Gedanken zu dem,
0:08:16–0:08:18
was du gerade sagst. Weil das eine wäre jetzt...
0:08:22–0:08:28
Niemand würde Isaac Newton vorwerfen, dass er das mit den Quanten nicht gecheckt hat.
0:08:28–0:08:30
Er würde sagen, ja, Newton kann
0:08:30–0:08:32
sich in die Tonne treten. Das ist total veraltet, das gilt nicht mehr.
0:08:34–0:08:38
Bei der Neurophysiologie oder eben auch bei der Psychotherapie,
0:08:38–0:08:43
möchte man vielleicht heute sagen, da ist Freud einfach so in die Ecke gedrängt worden.
0:08:43–0:08:47
Und so abgedrängt worden. Und das sei alles nicht mehr, das sei alles überhaupt
0:08:47–0:08:52
nicht mehr neurophysiologisch zu halten. Aber ich finde es völlig legitim,
0:08:52–0:08:55
Freud eben trotzdem einfach sich anzugucken.
0:08:55–0:08:58
Es geht ja nicht darum, ob alles, was er sich so ausgedacht hat,
0:09:00–0:09:02
den Zeit der wissenschaftlichen Forschung überlebt hat.
0:09:02–0:09:05
Aber das macht man ja auch nicht bei anderen Forschern oder Forscherinnen,
0:09:05–0:09:07
die aus der Chemie oder aus der Physik kommen.
0:09:08–0:09:12
Da liegt vielleicht ein bisschen eben auch genau das dran, was dann der Gegenstand
0:09:12–0:09:17
von der Forschung heute mehr wird, ist dieses Bewusstsein. Die Sachen,
0:09:18–0:09:21
die Freud sagt, haben immer...
0:09:22–0:09:26
Um direkt oder indirekt dann doch auch mit uns und wie wir funktionieren zu tun.
0:09:27–0:09:31
Und sagen ja auch immer so unangenehme Sachen wie, das meiste sei unbewusst,
0:09:31–0:09:34
was bedeutet das denn? Ich weiß ja, was ich tue und was ich sage und das ist doch richtig.
0:09:35–0:09:39
Das heißt, da gibt es immer auch so eine persönliche potenzielle Verletzung
0:09:39–0:09:43
oder einen Widerstand zumindest, dass der einem erklären will, wie man so ist.
0:09:45–0:09:49
Und da hat man vielleicht mehr dagegen, als wenn einem jemand sein Blutbild erklärt.
0:09:49–0:09:53
Wenn dir jemand die Psyche erklärt, ist es was anderes, als wenn er sagt,
0:09:53–0:09:54
okay, da müssen sie mir Eisen nehmen.
0:09:55–0:09:59
Das ist das eine. Also die Psyche kommt eben ins Spiel. Wenn bei Freud die Psyche
0:09:59–0:10:03
ins Spiel kommt und er damals eben die Neurophysiologie hat fallen lassen und
0:10:03–0:10:06
gesagt hat, ich muss da anders rangehen, da gehen wir gleich nochmal rein,
0:10:06–0:10:08
dann ist vieles hypothetisch.
0:10:09–0:10:15
Und das andere ist dann, wenn wir dann heute auf das, was Marc Solms entwickelt
0:10:15–0:10:19
hat, da kommt nochmal dieser Effekt. Und zwar, lange Zeit wurde halt bei dieser
0:10:19–0:10:23
Bewusstseinsforschung sehr genau immer auf den Kortex geschaut.
0:10:23–0:10:26
Das, was den Menschen ausmacht, diese Riesenmasse, die wir oben drauf haben,
0:10:27–0:10:30
dieses Stammhirn und so, das haben sie ja alle.
0:10:30–0:10:34
Also Mammels haben das ja, sogar die Echsen haben das in gewisser Weise.
0:10:34–0:10:39
Und was uns als Menschen, als bewusst, also das muss ja alles im Kortex sein.
0:10:40–0:10:45
Und das hat Freud auch schon behauptet. Das wird jetzt auch so nochmal zurechtgeruckt.
0:10:45–0:10:46
Das ist dann die zweite Folge.
0:10:47–0:10:52
Nochmal genau zu schauen, wie entsteht denn Bewusstsein? Was sind notwendige
0:10:52–0:10:55
Hirnfunktionen, sozusagen um die,
0:10:56–0:11:00
bewusst zu werden, auf einer ganz basalen Ebene.
Florian Clauß
0:11:00–0:11:06
Also im biologischen Sinne oder im höher entwickelten Sinne,
0:11:06–0:11:10
dass man auch eine gewisse Selbstreflexivität hat?
Micz Flor
0:11:10–0:11:14
Ja, erstmal auf einer Ebene von, was ist wirklich notwendig?
0:11:15–0:11:18
Und das Notwendige, was gemacht wird, also wenn du dein Akku,
0:11:19–0:11:22
dein Handy auflädst, dein Akku, dein Fahrrad auflädst, du hast kein E-Bike,
0:11:22–0:11:28
nicht, dass die Leute falsch über dich denken, Aber das brauchst du halt mindestens.
0:11:28–0:11:33
Und lange Zeit hat man halt gedacht, okay, dass im Hirnstamm,
0:11:33–0:11:35
also in alten Strukturen des Gehirns,
0:11:35–0:11:40
gibt es auch so einen Rousal-Bereich, der muss irgendwie aktiviert sein,
0:11:40–0:11:44
damit die Lichter angehen und alles andere ist dann im Kortex.
0:11:45–0:11:50
Und das ändert sich jetzt gerade. Man merkt mehr und mehr, dass Emotionen eine
0:11:50–0:11:56
sehr wichtige Rolle spielen. Das ist dann auch eben so ein Teil von diesen ersten beiden Folgen.
0:11:57–0:11:58
Emotionen spielen eine wichtige Rolle.
Florian Clauß
0:11:59–0:12:00
Bei der Bewusstseinsbildung?
Micz Flor
0:12:01–0:12:04
Diese Bewusstwerdung ist nicht einfach an oder aus.
0:12:04–0:12:08
Es ist aber auch nicht einfach ein Regler von 10 Prozent oder 50 Prozent,
0:12:09–0:12:13
sondern diese Bewusstwerdung kommt mit einer Färbung sozusagen.
0:12:14–0:12:16
Und diese Färbung ist eine Emotion.
0:12:17–0:12:18
Das heißt, es ist immer...
0:12:20–0:12:25
Der Teil des Gehirns, der notwendig ist und der ist so zwei Kubikmillimeter
0:12:25–0:12:30
groß und in alten Hirnregionen,
0:12:30–0:12:35
der notwendig ist oder wenn der, andersrum gesagt, wenn der zerstört ist,
0:12:36–0:12:37
dann ist die Person im Koma.
0:12:38–0:12:45
Und wenn die ja aktiv ist, dann ist das immer auch mit Emotionen verbunden.
0:12:46–0:12:50
Diese Aktivität hat eine Wertigkeit, nicht nur eine Prozentzahl.
Florian Clauß
0:12:51–0:12:57
Okay, wie ist in diesem Zusammenhang dann Emotion definiert? Ist das messbar?
Micz Flor
0:12:58–0:13:02
Ja, du mit dem messbar bist gut, dass wir drüber reden. Du klopfst das gleich ab.
0:13:03–0:13:07
Aber ich flüchte jetzt zurück in den Auftrag, erstmal über Freud zu reden,
0:13:07–0:13:11
weil wir sind da nämlich an einem wichtigen Kipppunkt, weil vieles von dem,
0:13:11–0:13:14
was Freud vermutet hat, anhand des...
0:13:15–0:13:22
Eher der beschränkten Möglichkeit, man konnte es sich einfach nicht anschauen.
0:13:22–0:13:25
Du konntest quasi erst, wenn die Person tot war oder die Ratte tot war oder
0:13:25–0:13:29
der Fisch tot war, dann konntest du den sezieren und konntest drüber nachdenken.
0:13:29–0:13:34
Und du konntest halt eben nicht das Ganze am Anführungszeichen lebendigen Leibe sehen.
Florian Clauß
0:13:34–0:13:41
Also wir reden jetzt quasi in einem ausgehenden 19. Jahrhundert.
0:13:42–0:13:47
Und wo dann so die ersten Erkenntnisse von Freud in der Theorie verdichtet werden.
Micz Flor
0:13:47–0:13:49
Genau, und wir machen aber gleich einen Sprung, auch bei den ersten Sachen,
0:13:49–0:13:52
die ich sagen werde, zum Beispiel zu Michael Levin.
Florian Clauß
0:13:52–0:13:58
Oh, Michael Levin, ja. Das heißt, hast du da auch nochmal Informationen rausgekramt?
Micz Flor
0:13:58–0:14:02
Da habe ich keine Informationen rausgekramt, aber ich knüpfe einfach das an.
0:14:02–0:14:08
Du wirst dann auch gleich wissen, warum. Ein Artikel, der wichtig ist in seiner Genese,
0:14:08–0:14:17
war von 1891 ein Artikel über Sprachstörungen oder Sprechstörungen,
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organisch bedingte Sprechstörungen.
0:14:19–0:14:27
Und zwar war das eine Zeit, in der im Hirn unfassbar viele Lokalitäten entdeckt wurden.
0:14:28–0:14:33
Sprachzentrum, aktives Sprechen, Sprachverständnis, es wurden immer mehr Orte
0:14:33–0:14:39
gefunden im Gehirn, die scheinbar bestimmte Dinge leisteten,
0:14:39–0:14:41
so wie Organe im Gehirn drin.
0:14:42–0:14:44
Und man hat diese Orte gefunden.
0:14:45–0:14:56
Und Freud hat in diesem Artikel 1891 festgehalten, dass es nicht darum gehe,
0:14:57–0:15:00
in seiner Sicht, wobei das immer eben auch eine Spekulation ist,
0:15:00–0:15:05
nicht darum gehe, diese Orte alle zu finden, sondern was wichtig ist,
0:15:05–0:15:08
ist die Verbindung, die diese Teilregionen miteinander haben.
0:15:08–0:15:16
Es geht also weniger um das Denken an einen Organ, an eine Untergruppe von Gehirnzellen,
0:15:16–0:15:20
die eine Sache tun, sondern Dinge stehen miteinander in Austausch.
0:15:21–0:15:24
Und deshalb ist es so, dass zum Beispiel bei Sprachproduktion oder Sprachverstehen,
0:15:25–0:15:28
bei bestimmten Gehirnregionen, wenn die nicht funktionieren,
0:15:28–0:15:30
andere Teile der Sprache noch gehen.
0:15:30–0:15:33
Also es geht nicht darum, dass es an oder aus ist. Es geht nicht darum,
0:15:33–0:15:38
dass diese Region in sich das tut oder sie tut es eben nicht,
0:15:38–0:15:41
sondern er hat so ein Begriff oder so ein Bild entwickelt,
0:15:42–0:15:45
dass es mehr darum geht, wie Prozesse
0:15:45–0:15:50
im Gehirn ablaufen, als wie diese Gehirnregionen aufgebaut werden.
0:15:51–0:15:54
Und das, finde ich, ist so ein bisschen diese Michael-Levin-Idee,
0:15:54–0:15:56
weil ich da sehr schnell dran denken musste.
0:15:57–0:16:02
Die hatten ja diese Experimente auch mit Elektrizität in der Biologie,
0:16:02–0:16:08
wo die so einem ganz bestimmten Wurm eine Elektrizität aufgespielt haben.
0:16:09–0:16:13
Womit die dann in der nächsten Generation bestimmen konnten,
0:16:14–0:16:15
wo die Augen sind oder so.
0:16:15–0:16:18
Die konnten eine Veränderung vorführen. Das war dein Thema.
Florian Clauß
0:16:19–0:16:23
Ich habe tatsächlich den biologischen Namen des Wurmes vergessen.
0:16:24–0:16:27
Es war jetzt nicht Fadenwurm, es war ein anderer Wurm. Aber das,
0:16:27–0:16:33
was den Wurm dann so auszeichnet, ist, dass der eine unglaublich hohe Resistenz gegenüber Krebs hat.
0:16:33–0:16:40
Also der kommt so gut wie nie vor, prägt sich nie so aus, dass es das Tier umbringt, das Individuum.
0:16:40–0:16:45
Sondern die Krebszwellen werden sofort dann quasi abgetragen.
0:16:45–0:16:50
Er hat eine ziemliche Resistenz in der Geburtstag und das Ding ist halt,
0:16:50–0:16:52
dass die den so verformt haben,
0:16:52–0:16:58
dass die tatsächlich die Zellen unter Elektrizität und das war das Verfahren,
0:16:58–0:17:00
was Michael Levin entwickelt hat,
0:17:00–0:17:06
dass dann diese ganze Schwanzregion des Wurms zu einem zweiten Kopf gewachsen ist,
0:17:07–0:17:09
der auch eine volle Funktionalität hatte. Und das ist auch verantwortlich.
0:17:10–0:17:15
Konnte, wenn ich mich recht erinnere. War das nicht auf Generationen? Das weiß ich nicht mehr.
0:17:15–0:17:19
Das weiß ich nicht mehr, aber es ging darum, dass es wirklich so eine eingreifende
0:17:19–0:17:26
und dass diese Autonomie der Zellen, also diese Zellen, die dann nach der Definition,
0:17:26–0:17:27
die wir da auch gefolgt sind,
0:17:27–0:17:32
von Joshua Bach, dass es im Prinzip mehr oder weniger eine, jede Zelle ist eine
0:17:32–0:17:40
Turing-Maschine und dadurch halt quasi als einzelne Zelle schon so eine Robustheit da ist,
0:17:40–0:17:45
dass bestimmte Entscheidungen auf zellulärer Ebene getroffen werden können.
0:17:45–0:17:50
Ja, und dass ich dann quasi darüber, weil das war immer so eine amorphe Betrachtung.
0:17:52–0:17:58
Wie weiß eine Zelle von einem Frosch, der die Möglichkeit hat oder die Fähigkeit
0:17:58–0:18:03
besitzt, oder ein Salamander, dann kann er den Schwanz abstoßen,
0:18:03–0:18:06
dass der Schwanz dann sich wieder komplett erneuert.
0:18:06–0:18:11
Und wie kann diese Zelle, die sich da wächst, genau diesen Ort dann wieder einnehmen,
0:18:12–0:18:14
der dann halt quasi einprogrammiert war.
0:18:14–0:18:19
Was bei der Erblichkeit dann auch so ist, dass auch wenn ein völlig deformierter
0:18:19–0:18:24
Frosch im Gesicht kann, hat diese Information, jede Zelle hat diese Information,
0:18:24–0:18:26
wo sie eigentlich hingehört, um ein Ganzes zu bilden.
0:18:26–0:18:31
Und das ist halt so dieses in der Morphologie, was dann betrachtet wird.
Micz Flor
0:18:31–0:18:38
Ja, das ähnliche Gefühl, was ich bei dem Michael Levin bei deiner Episode hatte,
0:18:38–0:18:44
diese Dinge zu hören, welche Rolle Elektrizität wirklich als Informationsverfahren,
0:18:44–0:18:49
Angebot an eine biologische Masse in sich hat, welche Kraft da drin steckt und
0:18:49–0:18:52
wie das korrespondieren könnte und die auch Forschung betreiben,
0:18:52–0:18:58
wie man eben über diese Erkenntnis auch das Nachwachsen von Organen beschleunigen kann und solche Sachen.
0:18:58–0:19:03
Ich glaube, ähnlich war dieser Sprung für Freud damals zu sagen,
0:19:03–0:19:04
wir gucken hier uns Orte an, aber
0:19:04–0:19:08
Leute, eigentlich geht es doch um eine Verbindung zwischen diesen Orten.
0:19:08–0:19:13
Und diese Verbindung, dieser Transfer, dieses Hin und Her, wie können wir das gut beobachten?
0:19:14–0:19:18
Und das wollte er eigentlich als Nervenarzt machen und ist dann noch tiefer
0:19:18–0:19:26
eingestiegen und hat dann eben 1895 angefangen, ein Modell zu entwickeln,
0:19:26–0:19:29
wo er eben wirklich auf die Neuronen guckt, auf Energieniveaus.
0:19:29–0:19:36
Hat dann irgendwie eine Einheit Q definiert, die dann irgendwie messbar ist
0:19:36–0:19:41
und versuchte irgendwie sowas aufzubauen, was analog zu Helmholtz und der Messung
0:19:41–0:19:44
von Nervenleitgeschwindigkeit und so ging,
0:19:44–0:19:48
was ja auch damals ganz, ganz, also da konnte viel Neues gemessen werden und
0:19:48–0:19:50
da war Freud irgendwie mittendrin.
0:19:50–0:19:55
Und hatte aber dann scheinbar irgendwann dieses Gefühl, weil er das dann hat
0:19:55–0:20:00
fallen lassen und der Artikel von 1915 ist so ein Hybrid aus dem Nervenarzt
0:20:00–0:20:04
und aus dem Psychoanalytiker, weil er irgendwie gemerkt hat,
0:20:04–0:20:05
ich komme hier nicht richtig weiter.
0:20:06–0:20:07
Mit dem, was wir hier wissen können.
0:20:10–0:20:15
Da kriege ich jetzt kein konsistentes Modell und schon gar nicht,
0:20:15–0:20:19
dass ich das verifizieren oder falsifizieren kann. Ich muss da irgendwie anders mit umgehen.
0:20:19–0:20:24
Wenn ich jetzt von unten hochrechne, komme ich nie auf dieser Ebene an,
0:20:24–0:20:29
wo ich eben wirklich über Psyche und Bewusstsein und Erleben und so sprechen kann.
Florian Clauß
0:20:29–0:20:37
Ich kann mir das sehr gut vorstellen, also jetzt mal so aus so einer Frustrationsschwelle
0:20:37–0:20:41
eines Wissenschaftlers, dass der dann an einer bestimmten Stelle Informationen,
0:20:41–0:20:44
wo die einfach fehlen und der weiß genau,
0:20:45–0:20:49
also ich projiziere das jetzt so rein, aber ich kann mir vorstellen,
0:20:49–0:20:51
dass man zu dem Zeitpunkt weiß, okay,
0:20:51–0:20:54
ich brauche hier mehr Erkenntnis, aber diese Erkenntnis steht mir gerade nicht
0:20:54–0:20:57
zur Verfügung, weil die Wissenschaft noch gar nicht so weit ist,
0:20:57–0:21:01
um das irgendwie auch in einer Form gebracht zu haben.
0:21:01–0:21:06
Ja, so ein bisschen wie, gleichzeitig ist es ja so, dass es mehr oder weniger
0:21:06–0:21:10
dieses Denkvermögen uns ja nicht unterscheidet von den heutigen Menschen.
0:21:11–0:21:12
Wir haben ja nur einen Wissensvorsprung.
0:21:12–0:21:16
Ich kann mir das nur so, weil ich jetzt neulich in Canac war, habe ich schon erzählt.
0:21:17–0:21:24
Diese Canac ist in Frankreich an der Bretagne ein Ort, wo ganz viele so neolithische Steine stehen.
0:21:24–0:21:29
Also die Alignments, Alignments, Elimots, oder wie das heißt auf Franzisisch,
0:21:30–0:21:34
ja, die Steine, die dann so, und man weiß nicht warum, ja, und dann ist halt so...
Micz Flor
0:21:34–0:21:37
Obelix und die Hinkelsteine, das ist ja ein, deshalb funktioniert der Witz ja,
0:21:38–0:21:39
weil der hat die alle überall hingestellt.
Florian Clauß
0:21:39–0:21:44
Ja, er hat die hingestellt, genau, ja, diese, diese, diese Megalithen,
0:21:44–0:21:48
die da so eingereiht, man weiß, warum machen die das, wie auch immer,
0:21:48–0:21:50
ja, und dann gleichzeitig...
0:21:50–0:21:54
Und dieser Umstand hatte ich auch ein paar Mal, wenn mich das beschäftigt.
0:21:54–0:21:57
Die Eiszeit, da steht halt einfach so ein Stein im Feld.
0:21:57–0:22:02
Und die Leute sehen diesen Stein und wissen halt nicht, wer hat den da hingepackt.
0:22:02–0:22:06
Das müssen ja magische Kräfte gewesen sein, die diesen Stein hier erscheinen
0:22:06–0:22:07
lassen, weil den kann doch keiner tragen.
0:22:08–0:22:12
Also dann gibt es auf der einen Seite so eine mystische Erklärung,
0:22:12–0:22:15
auf der anderen Seite gerade diese Information, dass dann halt eine Eiszeit
0:22:15–0:22:22
und das Geröllfeld vom Gletscher und so weiter, hat da diese ganzen Feldsteine
0:22:22–0:22:23
hingetragen und bla bla bla.
0:22:23–0:22:25
Diese Informationen gibt es ja nicht in dem Moment.
0:22:26–0:22:29
Vielleicht bekommt ein großer Stein dann auf einmal so eine Wertigkeit,
0:22:30–0:22:34
weil das unglaublich viel Kalorien bedarf, um einen Stein irgendwo hinzubetragen.
0:22:34–0:22:36
Diese Erfahrung wurde ja gemacht.
0:22:36–0:22:40
Und ich glaube auch, dass man eine gewisse Kritizität, dass dann immer welche
0:22:40–0:22:43
daneben standen, ja, scheiß drauf.
0:22:43–0:22:47
Irgendwas ist krumm, aber ich mache es trotzdem. Ich glaube,
0:22:47–0:22:52
dieses Dagegendenken war auch schon immer so eine Art des menschlichen Denkens.
0:22:53–0:22:57
Und ich glaube auch, dass man dann halt so steht, okay, lassen Sie es mal jetzt
0:22:57–0:22:58
was ganz anderes versuchen.
Micz Flor
0:22:58–0:23:02
Ja, aber wir gehen nochmal zurück in dem, was Freud jetzt macht,
0:23:02–0:23:04
weil einerseits, und das ist dann eben diese Sache, die ich meinte,
0:23:04–0:23:06
die halt viel angefeindet wurde,
0:23:06–0:23:09
sie alle Spekulationen, was weiß man schon über den Grundkonflikt,
0:23:09–0:23:13
was weiß man schon über das erste Lebensjahr, was weiß man schon über die frühen
0:23:13–0:23:16
Bindungserfahrungen, was bei Freud ja nicht primär Thema war,
0:23:16–0:23:17
das kam auch später dazu.
0:23:18–0:23:23
Da bleibt viel Spekulation und wird dann eben mit Patient, Patientin erarbeitet.
0:23:23–0:23:27
Aber bei Freud, der hatte ja mit den Aphasien, also mit diesen Sprachstellen,
0:23:27–0:23:31
das war jetzt diese Kartografie des Gehirns, die da passiert ist,
0:23:31–0:23:36
die ist ja auch deshalb passiert, weil Verletzungen des Gehirns uns Menschen,
0:23:37–0:23:39
wie er damals den ForscherInnen gezeigt hat.
0:23:40–0:23:46
Wir können relativ genau Dinge lokalisieren, wenn wir wirklich nur zuhören.
0:23:46–0:23:54
Wenn die Person so lallt, dann können wir feststellen, dass das da irgendwie was ist.
0:23:54–0:23:58
Das heißt, es gab schon eine Form,
0:23:59–0:24:05
Freud konnte schon erleben, dass wenn man sensibel ist und drauf guckt,
0:24:06–0:24:12
dann kann man eben auch über die Wahrnehmung dessen, was die andere Person sagen
0:24:12–0:24:16
kann oder nicht sagen kann, kann man dann verorten, wo wahrscheinlich was nicht mehr funktioniert.
0:24:16–0:24:19
Und wenn man das jetzt auf einen anderen Wissenschaftsbereich überträgt,
0:24:19–0:24:23
ist das zum Beispiel sowas wie die Gravitationswelle.
0:24:23–0:24:26
Die hat man irgendwie in der Physik mathematisch irgendwie vorhergesagt,
0:24:26–0:24:31
aber man konnte sie nie messen. Aber man musste sie irgendwann messen können,
0:24:31–0:24:34
weil sonst stimmt diese Berechnung nicht.
0:24:34–0:24:38
Diese Hypothese braucht die Gravitationswelle und irgendwann konnte man,
0:24:39–0:24:45
die messen oder das Boson-Higgs-Teilchen. Higgs-Boson-Teilchen, genau.
0:24:45–0:24:48
Das musste dann auch irgendwie, wobei ich glaube, das ist immer noch nicht gemessen
0:24:48–0:24:49
worden, oder haben die das jetzt auch?
Florian Clauß
0:24:50–0:24:54
Ne, das war ja auch schon wieder 15 Jahre alt, aber es gab doch den Nobelpreis.
Micz Flor
0:24:54–0:24:58
Ach so, okay, siehste, bin ich jetzt 15 Jahre hinterher.
0:24:58–0:25:03
Aber das Bild, was ich damit malen möchte, ist, dass es auch in der Neurophysiologie,
0:25:05–0:25:09
ähnliche Situationen gibt, dass jemand was beobachtet, daraus etwas erschließt,
0:25:10–0:25:13
auch wenn die Werkzeuge der Messung noch nicht da sind, genauso wie das in der
0:25:13–0:25:14
Physik eben auch passiert.
Florian Clauß
0:25:14–0:25:20
Ja, gut, aber gleichzeitig ist es ja so, wenn man sich jetzt die ganzen,
0:25:21–0:25:23
also komme ich wieder mit der Kiste.
0:25:23–0:25:28
Messen, wo ist der Zucker? Nein, Zucker nicht, aber da kommt es ja so,
0:25:28–0:25:33
die Quanteninformationen, in der ganzen esoterischen Produktwelt,
0:25:33–0:25:37
da gibt es halt irgendwie, Das misst halt irgendwie die Quanten oder Wasser.
Micz Flor
0:25:37–0:25:39
Groß geht raus an methodisch inkorrekt.
Florian Clauß
0:25:39–0:25:44
Nein, aber ich meine, das ist ja genau das Ding. Du kannst darüber bestimmte
0:25:44–0:25:50
Sachen legitimieren, die jetzt gefühlt erst mal sich so, okay, kann man sich so denken.
0:25:51–0:25:56
Ist ja eigentlich, also ich meine, du brauchst ja trotzdem eine Belegbarkeit
0:25:56–0:26:00
von bestimmten Positionen, bevor du dann halt da Rückschlüsse tust.
0:26:01–0:26:05
Und viel wird ja in der Esoterik dann halt argumentiert, ja man weiß doch,
0:26:06–0:26:12
dass Quanten Informationen in sich tragen, nach der und der, keine Ahnung.
0:26:12–0:26:18
Also, das heißt, du greifst da auf so einen Fundus zurück, der sich erstmal
0:26:18–0:26:22
so, okay, ja, Physik ist doch physikalisch gewesen.
0:26:23–0:26:27
Gleichzeitig, wir können nicht alles wissen, Information ist doch nicht da.
0:26:27–0:26:29
Also, okay, alles gut, Haken hinter.
Micz Flor
0:26:30–0:26:34
Das waren jetzt so viele Bruchteile von dem Satz. Was willst du genau sagen?
Florian Clauß
0:26:34–0:26:40
Naja, wir haben ein wissenschaftliches System, bei dem man halt quasi nach Karl
0:26:40–0:26:46
Propper bestimmte Ideen dann halt zu einem bestimmten Zeitpunkt diskutiert und
0:26:46–0:26:47
guckt, ob die jetzt zutreffen oder nicht zutreffen.
0:26:48–0:26:51
Und wenn die zutreffen, dann ist das erstmal allgemein anerkannt.
0:26:51–0:26:57
Wenn jemand anders was anders beweisen kann, dann wird das halt anerkannt.
0:26:57–0:27:00
Das ist ja ein Wettstreit der Ideen, die dahinter liegen.
Micz Flor
0:27:00–0:27:02
Genau, das ist der Wettstreit und das ist nochmal wichtig zu sagen.
0:27:02–0:27:09
Die Idee ist, dass man etwas so genau beschreiben und erforschen sollte,
0:27:09–0:27:14
dass dieses Experiment wiederholbar ist und vor allen Dingen aber auch,
0:27:15–0:27:18
ups, da vorne ist gerade Streit, wollen wir die Seite wechseln?
0:27:21–0:27:26
Es eine Konstruktion gibt, die es ermöglicht, die Ergebnisse zu wiederholen
0:27:26–0:27:34
und auch, dass die Hypothese falsifizierbar bleibt.
0:27:34–0:27:40
Das ist von Karl Popper. Also die Möglichkeit, sie zu widerlegen,
0:27:40–0:27:49
muss gegeben sein. Das ist ja dann so eine Anforderung an, sollte man Hard Science sagen?
Florian Clauß
0:27:49–0:27:52
Hard Science, das haben wir doch aus dem Science Fiction.
Micz Flor
0:27:52–0:27:58
Ja, Hard Science Fiction, genau. Aber die Sache, die dann eben die Physik,
0:27:59–0:28:03
die ja irgendwie immer auch einen Algorithmus hat, der dann genau belegen kann,
0:28:03–0:28:06
wie der Tischtennisball den Jupiter trifft, wenn ich ihn jetzt rechtzeitig loswerfe,
0:28:08–0:28:12
hat, den hat die Psychoanalyse natürlich so nicht. Das ist dann immer.
Florian Clauß
0:28:14–0:28:16
Der Gegenstand ist halt ein anderer.
Micz Flor
0:28:16–0:28:18
Der Gegenstand ist ein anderer, genau. Und trotzdem ist es so,
0:28:19–0:28:22
diese Idee, dass man jemandem gegenüber sitzt und irgendwie merkt,
0:28:23–0:28:27
dass was nicht stimmt, ohne dass man genau den Finger drauf halten kann,
0:28:27–0:28:30
die kann ja einfach auch wahr sein.
0:28:30–0:28:37
Und wenn du jetzt in einem rein physikalischen Raum bist und die Billardkugel
0:28:37–0:28:38
nicht das tut, was sie tun sollte,
0:28:39–0:28:43
dann denkst du, ja gut, da muss der Tisch tief stehen oder der Fels ist irgendwie
0:28:43–0:28:45
angeschmiert oder so oder die Kugel eiert.
0:28:46–0:28:50
Auf eine abstrakteren Ebene, wenn es um Bewusstsein geht, freut sich eben auch diese,
0:28:52–0:28:57
Diese Idee beibehalten, zuzuhören, irgendwie dran zu bleiben und mit dem zu
0:28:57–0:29:02
arbeiten, was dieser Apparat, dieses Gehirn, das sagt ja auch der mentale Apparat.
0:29:05–0:29:09
Wie der arbeitet, was der verarbeitet, was reingeht, was rauskommt und so.
0:29:09–0:29:11
Dazu hat er dann eben Theorien aufgebaut.
0:29:11–0:29:15
Und diese Idee einfach zuzuhören und damit zu gehen, okay, was haben wir denn
0:29:15–0:29:19
vor uns? Wir haben limitiertes neurophysiologisches Wissen.
0:29:20–0:29:28
Wir können mit der aktuellen Messmethodik, können wir die Dinge nicht wirklich ergründen.
0:29:28–0:29:31
Aber er hat ja immer auch gesagt, aber irgendwann werden wir es finden können.
0:29:32–0:29:36
Das ist ja anders als C.G. Jung, der halt das nicht im Körper sucht,
0:29:36–0:29:43
sondern der das dann ja auch in dem nach unten offenen Archetypen und kollektiven
0:29:43–0:29:47
Unbewussten irgendwie dann wirklich Größe anlegt über den Menschen hinaus.
0:29:47–0:29:48
Das hat Freud ja nie gemacht.
0:29:48–0:29:53
Für den war das ja immer irgendwie hauptsächlich im Hirn, sozusagen.
Florian Clauß
0:29:54–0:30:00
Aber es ist lokalisierbar, weil du versuchst ja quasi jetzt in der Praxis nach
0:30:00–0:30:03
Freud, das Zuhören, das ist ja auch eine Methode.
0:30:04–0:30:09
Versuchst ja was zu begreifen, was du selber quasi, was selber dein Werkzeug ist.
0:30:09–0:30:16
Also jetzt mit das Gehirn quasi du kommunizierst und gleichzeitig versuchst
0:30:16–0:30:21
zu erfassen mit dem eigenen Apparat was du jetzt irgendwie auch auseinander auch.
Micz Flor
0:30:21–0:30:28
Analysieren möchtest das ist eben weil es um die Psyche geht und ja dann auch
0:30:28–0:30:31
die Person die da dir gegenüber sitzt mit reingerechnet werden muss,
0:30:33–0:30:38
ist es immer was was potenziell konflikthaft ist weil es immer auch um Menschenbild
0:30:38–0:30:41
geht, um Selbstwertgefühl, um das Gefühl,
0:30:41–0:30:43
vielleicht auch vereinfacht zu werden.
0:30:43–0:30:47
Ich will doch nicht einfach nur eine Triebabfuhr sein oder so.
Florian Clauß
0:30:47–0:30:48
Okay, verstanden.
Micz Flor
0:30:49–0:30:54
Ich möchte jetzt die Brücke nochmal schlagen von diesen frühen Artikeln.
0:30:55–0:31:03
Über die Aphasie, dann sein Versuch, da eben diese Ströme auf Neuronenebene
0:31:03–0:31:06
irgendwie abzubilden und zu hoffen, daraus könnte man irgendwie ein Modell entwickeln,
0:31:06–0:31:08
was die Psyche beschreiben kann.
0:31:08–0:31:15
Dann dieses Losschütteln davon und zu sagen, damit kann ich nicht arbeiten,
0:31:15–0:31:17
ich kann es nicht messen.
0:31:17–0:31:22
Ich kann meinen Ansprüchen als Arzt und Wissenschaftler nicht gerecht werden.
0:31:23–0:31:27
Und sich dann zu trauen, zu sagen, okay, dann steige ich mal aus.
0:31:27–0:31:35
Mein Wunsch ist jetzt, auf die Prozesse zu schauen und gucke mir das mal ganz genau an.
0:31:35–0:31:38
Also er hat es ja auch bei sich ganz genau angeguckt, bei anderen auch ganz genau angeguckt.
0:31:39–0:31:41
Brauchen wir jetzt nicht reingehen, ist ja quasi so ein Opener,
0:31:41–0:31:44
wo ich diesen Artikel kurz anreißen möchte.
0:31:45–0:31:51
Und 1915 hatte dann in diesem das Unbewusste das auch nochmal beschrieben.
0:31:51–0:31:55
Dass es nicht möglich ist, zu sagen, dass alles immer bewusst ist.
0:31:55–0:31:59
So wie ich jetzt gerade auch mir einen Weg zurechtgelegt hatte.
0:31:59–0:32:01
Und dann sind wir einfach gelaufen und mich vom Weg abgekommen,
0:32:02–0:32:06
weil ich kann auch laufen ohne zu denken. Wir können so viele Dinge tun ohne zu denken.
0:32:07–0:32:11
Und das ist dann auch eine wichtige Forschung bei Marc Solms nochmal,
0:32:11–0:32:17
der das Ganze sogar nochmal umdreht und sagt, das meiste, was der Kortex tut, ist unbewusst.
0:32:18–0:32:23
All diese wahnsinnigen Leistungen, die wir schaffen können, die sind eigentlich komplett unbewusst.
0:32:24–0:32:25
Gesichtserkennung und so weiter.
Florian Clauß
0:32:25–0:32:28
Ja, alleine Farben sind auch nicht echt da.
0:32:28–0:32:36
Wenn wir alles in Farbe sehen, ist einfach nur eine Leistung vom Gehirn zu extrapolieren.
0:32:36–0:32:39
Aber diese Farben werden eigentlich nicht wahrgenommen.
0:32:39–0:32:45
Es ist ganz viel, was da im Gehirn dazukommt, was einfach so reingerechnet wird.
Micz Flor
0:32:45–0:32:49
Ja, oder auch, im Prinzip ist dann, aber da springen wir, ich möchte eigentlich
0:32:49–0:32:52
nicht reinspringen, aber diese Idee von Embedded Cognition, das war ja dann
0:32:52–0:32:55
auch eine Zeit lang so ein wichtiges Buzzword.
0:32:55–0:32:59
Und da ging es einfach um genau diese Bereiche, die jetzt, oder die Prozesse
0:32:59–0:33:03
eher, zum Beispiel Gesichtserkennung, Bewegungserkennung oder man kann die öptischen
0:33:03–0:33:05
Täuschungen ja auch dahin machen, was du gesagt hast.
0:33:05–0:33:10
Freud spricht ja von dem Bewussten und sagt, das Wenigste von dem,
0:33:10–0:33:11
was wir tun, ist bewusst.
0:33:12–0:33:18
Oder was wir denken, ist bewusst, was die Neurophysiologie inzwischen auch experimentell
0:33:18–0:33:21
beobachten kann oder auch nachweisen kann,
0:33:21–0:33:28
bis hin zu komischen Zeitphänomenen, dass manchmal der Impuls, die Hand zu bewegen,
0:33:28–0:33:31
früher über eine Messung wahrgenommen
0:33:31–0:33:34
werden kann, als dass die Person den Wunsch überhaupt äußern kann.
0:33:34–0:33:41
Was du ja auch kennst, dieses Blindsight so als Beispiel.
0:33:41–0:33:48
Blindsight geht zurück auf ein Experiment mit einem Affen, bei dem im Kortex
0:33:48–0:33:54
große Teile des visuellen Zentrums zerstört wurden. Der konnte also nicht mehr sehen.
0:33:56–0:34:02
Und es gibt Videos von diesem Affen, in denen wir sehen, wie er sieht,
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wie eine Hand in so einen Käfig reinkommt.
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Diese Hand hält was zu essen. Er geht da hin und nimmt es zu essen.
0:34:11–0:34:14
Er isst es auch, setzt sich dann wieder hin.
0:34:15–0:34:19
Dann wird so eine Kiste, ein Deckel aufgemacht. Dann sieht er das,
0:34:19–0:34:21
läuft da rein, dann wird die Kiste zugemacht, dann wird wieder rausgehoben.
0:34:21–0:34:22
Das ist so ein kurzes Video.
0:34:23–0:34:26
Und irgendwie bewegt er sich komisch.
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Man hat das Gefühl, der ist nicht gut orientiert, aber macht alles sehr zielgerichtet.
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Und der Begriff Blindside bezieht sich eben genau darauf, was man bei Menschen,
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die eben reden können, die erklären können, was sie leben, auch zeigen kann, ist,
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dass visuelle Informationen verfügbar sind, obwohl sie kein Bewusstsein darüber haben, dass sie sehen.
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Also da gibt es ein Sehen, was dem Bewusstsein verschlossen bleibt.
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Es gibt auch ein anderes Beispiel, was Marc Solms mal dargestellt hat,
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dass eine Frau mit Amnesie.
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Die die Person, die sie trifft, jedes Mal, wenn sie trifft, nicht wiedererkennt.
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Und ich weiß, wie die heißt.
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Alle Anzeichen zeigt, dass sie die Person noch nie gesehen hat.
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Und diese Person war ein Arzt. Und der Arzt hat sich dann den Schabernack erlaubt,
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das würde man heute nicht mehr
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durchkriegen beim Ethikrat, dass er eine Reißzwecke in der Hand hatte.
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Und immer, wenn er die Hand gedrückt hat, hat er sie gepiekst an der Hand. Das war unangenehm.
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Und das hat er jeden Tag gemacht. Und jeden Tag konnte die Frau seinen Namen
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nicht benennen und zeigte immer, dass sie ihn noch nie vorher gesehen hatte.
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Aber mit jedem Tag wollte sie ihm immer weniger die Hand geben.
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Also das ist auch so ein Beispiel. Das ist dieses Bewusstsein,
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was wir haben, dieses Selbstbild und so weiter.
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Und was Freud dann eben noch gemacht hat, er hat dann eben versucht,
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diese Verbindung mit Bewusstsein herzustellen, aufgrund seiner Konzeption von Trieben und Affekte.
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Also wir gehen jetzt in die Emotionen und die Emotionen werden ein zentrales
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Element sein, wenn wir dann über Marc Solms Neuropsychoanalyse und seine Konzepte sprechen.
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Was für Freud nochmal wichtig war, ist auch zu betonen, dass die Emotionen per
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se nicht unbewusst sein können.
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Und das ist wichtig, das auch nochmal genau anzuschauen, weil,
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Da wird es potenziell auch so ein bisschen schwammig, weil man spricht ja viel
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vom Unbewussten, das hat irgendwie mit Emotionen zu tun, das ist was Verdrängtes oder so weiter.
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Wie hängt das alles zusammen?
Florian Clauß
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Aber so wie ich das auch verstanden habe bei Freud, ist Unbewusste auch nicht
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gleich das Verdrängte, sondern das ist vielleicht ein Teil des Unbewussten.
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Unbewusste ist auch so ein Becken, wo sich alles Mögliche quasi passiert.
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Also wie wir gerade auch festgestellt haben, diese ganzen Prozesse,
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die im Gehirn ablaufen, die sind ja auch unbewusst, aber unglaublich rechenintensiv.
Micz Flor
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Genau, es ist gut, dass du noch was sagst, weil, glaube ich,
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das sind unbewusste Anteile und es fühlt sich manchmal schwierig an,
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das gleiche Wort für zu benutzen, aber es geht im Prinzip um die Dinge,
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die wirklich unser Bewusstsein nicht erreichen oder,
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wie du schon gesagt hast, das verdrängte, was aus dem Bewusstsein wieder abgeschnitten wird.
Florian Clauß
0:37:24–0:37:29
Das ist das Klassische, was man mit Freude und das Unbewusste,
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was man dann so diese Küchenphilosophie-Meinung, das verdrängte, das Unbewusste ist.
Micz Flor
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Für Freud sind also Emotionen immer eben auch bewusst. Das ist eine Definition.
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Du kannst keine unbewusste Freude haben, sondern du freust dich,
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aber es kann halt irgendwie sein, dass die Repräsentanz zu dieser Freude oder
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zu dieser Trauer, dass die verdrängt ist.
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Dass die nicht mehr dem Bewusstsein verfügbar ist und die Psychoanalyse versucht,
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unbewusst oder zum Vorbewussten und zum Bewussten zu machen.
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Der Traumdeutung ist ein Weg dahin.
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Also die Brücke jetzt, wollen wir mal schnell durch diesen Artikel das Unbewusste von 1915 durchgehen,
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um dann eben in der nächsten Folge auch bei der Neuropsychoanalyse und Marc
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Solms anzukommen und der Art und Weise, wie man mit dem heutigen Wissen, sage ich mal,
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diese Psychoanalyse nochmal an vielen Punkten bestätigt auch.
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Und an einigen Punkten sogar auf den Kopf stellen kann.
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Das gehen wir jetzt noch mal ganz kurz in dieses Thema der Triebe.
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Des Unbewussten oder wie Freud aufteilt Unbewusste, Vorbewusste und das Bewusstsein.
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Das Vorbewusste ist so dieser Zwischenraum, wo dann in der Psychoanalyse oder
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in der Traumdeutung auf einmal Dinge wirklich ins Bewusste geholt werden kann.
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Mit Bedeutung aufgeladen werden können und für Freud ist es so,
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dass diese Triebe, die sind einfach da.
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Das sind einfach somatische Energien, die bewirken, dass wir uns,
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ganz kurz gesagt, nicht wohlfühlen.
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Und das Lustprinzip von Freud heißt halt, der Organismus möchte dann Situationen
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herstellen, wo diese...
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Dieses Unwohlsein der Triebe, diese Energie, die da ist, abgeführt wird.
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Und dazu sucht sich dann der Organismus zum Beispiel den Apfel,
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um den Hunger zu stillen, ganz kurz gesagt. Das wird so ein körperlicher Trieb des Hungers.
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Es gibt aber auch eben andere Triebe, die dann der Sexualtrieb zum Beispiel.
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Und es gab, das hatte ich in einer anderen Folge schon mal gesagt,
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auch so eine richtige Hochzeit von Trieben, wo alles Mögliche,
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ein Reisetrieb und alles Mögliche wurde dann vor allem so postuliert.
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Und so dieser Trieb, an den bindet sich eine Emotion und die Emotion ist sozusagen das,
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was wir auch benennen können oder was in vielen Fällen in der zum Beispiel emotionsfokussierten
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Psychotherapie oder auch allgemein jetzt in der emotionalen Wende der Verhaltenstherapie
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oder eben auch in der psychodynamischen Therapie sind,
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Emotionen benennen können, Wünsche benennen zu können.
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Das ist ein ganz wichtiger Teil, weil das eben diese symbolisierte Ebene ist,
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auf der aus dem Trieb dann wirklich auch eine Richtung bekommt.
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Weil wenn wir jetzt nochmal in die kindliche Entwicklung gucken,
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so ein Kind hat ja schon Emotionen, das kann es am Anfang gar nicht regulieren,
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dann hat es Emotionen und kann mit denen irgendwie besser umgehen,
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kann die auch ein bisschen regulieren und kommt dann in der Entwicklung irgendwann
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an den Punkt, wo es nicht nur Emotionen erlebt,
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sondern dann auch sagen kann, ich habe das Gefühl in mir.
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Zu diesem Ding. Es bezieht sich auf was da draußen auch noch.
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Und dann entsteht halt eben so eine Verbindung, ein bewusstes Benennen und eine
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bewusste Wahrnehmung von einem Impuls oder von einem Bedürfnis,
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wo dann der Trieb sich eben in der Welt was sucht, womit der,
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sage ich mal, befriedet werden kann. Das ist primär das Lustprinzip.
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Und wenn das schief geht, dann ist es so, dass diese Repräsentanz,
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also der bewusste Teil, der kann verdrängt werden.
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Das heißt, du verdrängst in gewisser Weise deinen Unmut mit irgendetwas und
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das kann dann eben in der Theorie,
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aber da möchte ich jetzt gar nicht so reingehen, weil wir in Neurophysiologie
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bleiben wollen, aber es geht dann ein bisschen auch darum zu sagen,
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so entsteht zum Beispiel Psychosomatik.
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Also das direkte Ziel ist verdrängt, die Emotion ist vielleicht noch benennbar, aber wird diffus,
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der Trieb bleibt da, die Energie kann nirgendwo hin, wir fangen an uns zu verspannen
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oder wir kriegen das irgendwie, es schlägt uns buchstäblich auf den Magen, solche Sachen.
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Und was Freud eben gemacht hat, ist, weil er dieses Bewusstsein und die Wahrnehmung,
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ich hatte das ja dir auch mal gezeigt, dieses kleine topische Modell,
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das erste, wo dieser kleine,
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ich glaube es zum Hören, so ein kleiner Würfel drauf gesetzt hat auf diesem Blob.
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Weil das ist quasi der Schnitt, wo das Ich entsteht, der Schnitt zwischen der
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Außenwelt und der Innenwelt.
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Der Trieb dringt von innen, die Welt fordert von außen und diese Wahrnehmung ist ganz essentiell.
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Und er hat dann eben auch gesagt, dass das Bewusstsein muss eben irgendwo im Neokortex entstehen.
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Er hat auch so vermutet an bestimmten Stellen, weil ohne die Wahrnehmung der Außenwelt.
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Kann Bewusstsein ja nicht entstehen aus dem, was sozusagen bildlos und ohne
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Narrative ist, ohne Zeitgefühl.
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Das Triebhafte ist immer, das Triebhafte weiß nicht mal, dass es sterben muss.
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Das ist schon eine kortikale Leistung. Also das heißt.
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Er hat immer gesagt oder er hat immer das Gefühl gehabt, dass Wahrnehmung essentiell ist.
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Und die Wahrnehmung, das passiert halt, und das weiß man dann auch über die
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Aphasien oder im Zweiten Weltkrieg noch viel mehr. Da konnte man das Gehirn
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aufgrund dieser ganzen Verwundung im Krieg, konnte man halt wirklich so Karten bauen.
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Und da war dann für Freud die These, das Bewusstsein entsteht durch das Triebhafte im Kortex.
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Erst da, wenn die Wahrnehmung der Welt sich mit dem berührt.
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Da irgendwie muss es entstehen. Das konnte er so nicht genau fassen.
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Aber das war erst mal so seine Theorie.
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Und wenn wir dann die nächste Folge gehen mit Marc Solms. Ich habe jetzt so
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ein bisschen hier so durchgehuddelt.
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In der nächsten Folge mit Marisolms gucken wir dann nochmal genau auf die Punkte,
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die mit dem heutigen Stand das gleiche nochmal aufgreifen.
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Und was ich jetzt als letztes noch sagen wollte, die Parallelität eben zwischen
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dem frühen Behaviorismus und Freud, ist eigentlich verblüffend ähnlich.
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Freud hat versucht, als Nervenarzt über die Nerven damit zu arbeiten.
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Hat halt gemerkt, okay, dann bleibe ich verklebt in so Ionenkanälen und so.
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Wie kann ich da jemals irgendwie ein großes Bild machen?
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Ich muss mich trauen, das zu verlassen.
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Ich möchte trotzdem wissenschaftlich arbeiten und ich möchte immer deduktiv
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anhand von Beobachtungen, phänomenologisch arbeiten auch, gegen Übertragung
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irgendwann eben auch sich selber mit hineinrechnen. reinrechnen, was erlebe ich da?
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Ich erlebe etwas, wo kann ich das verorten?
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Hatte im Prinzip eben so ein Black-Box-Modell, wie der Behaviorismus das auch
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hatte. Die von vornherein gesagt haben, wir wollen gar nicht spekulieren.
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Wir arbeiten mit dem, was reingeht und was rauskommt.
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Und das war auf den ersten Blick anders, weil die haben mit Reiz und Reaktion gearbeitet.
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Und nicht mit Affekten und Trieben. Affekte und Triebe, das fühlt sich ja dann
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so warm und wülstig an. Und Reizreaktion ist ja eher wie so ein... Put-out, bitte. Genau.
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Aber wenn du dir diese ganz primitiven Ideen von Belohnung, Bestrafung anschaust,
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die ja in dieser Verknüpfung von so einem behavioristischen Lernen damit verbunden
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sind, die Klingel und das Essen und der Hund und der Speichelfluss... Ja, klar.
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Da nennt man das Reiz Reaktion, aber de facto geht es da ja auch um Emotionen.
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So, mh, Fleisch, sagt der Hund. Und dann fließt in das Sabber.
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Es geht auch bei Bestrafung, es geht ja um eine emotionale Reaktion auf die Welt.
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Diese Lernprozesse sind im Prinzip eigentlich auch in Emotionen gefasst.
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Und wenn du das auch noch akzeptierst, dann ist der Unterschied zwischen Psychoanalyse
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und frühem Behaviorismus. Später war das dann irgendwie, der Behaviorismus ging
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dann in so eine Welt hinein, in der man sagte, man kann den Menschen zu allem irgendwie erziehen.
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Das Blank Slate, das gibt quasi keine vorgegebenen Sachen, das ist alles nur erlerntes Verhalten.
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Wir können uns eine Gesellschaft bauen, wo die Steuerberater glücklich sind,
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weil wir sie zu Steuerberatern gezogen haben und wo die Bergkletterer brauchen wir gar nicht.
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Das war dann noch eine andere Idee von Behaviorismus.
Florian Clauß
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Da wurde das Ganze dann wirklich auch ein bisschen dubios da sind wir ja wieder
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bei Männerfantasien, Körperpanzer und so weiter das ist ja die Psychodynamik.
Micz Flor
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Aber die Idee ist jetzt zu sagen, es gibt Freud mit seinem Modell irgendwie
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zu sagen ich steige aus, aus der harten Wissenschaft mit Neuronen,
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weil da komme ich einfach nicht weiter, da können wir ja nicht genug wissen
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ich möchte trotzdem an diesem Feld dranbleiben, mal schauen,
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was mir gelingt Der Behaviorismus, der gesagt hat,
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wir können nichts wissen, was da wirklich neuronal oder so passiert.
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Wir können einfach nur Experimente basteln, indem wir sehen,
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was funktioniert und vielleicht eben später kam daraus sogar eine psychotherapeutische Richtung.
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Aber eigentlich sehr ähnliche Ideen, also gar nicht so weit voneinander entfernt,
0:46:41–0:46:42
sondern in beiden Fällen zu sagen,
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Wir wollen vermeiden zu spekulieren und wir wollen so wissenschaftlich als möglich arbeiten.
Florian Clauß
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Klingt total nachvollziehbar. Also dann ist es wieder eine Frage von Definitionen, Worten und Emotionen.
0:46:58–0:47:02
Ist halt natürlich der Impulsmacher von allem, was jetzt so,
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ich sag mal, bewusst lebende Organismen dann irgendwie auch antreibt.
Micz Flor
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Du bist ja auch ein Fuchs, weil der Flo jetzt, da muss ich das doch noch als
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Cliffhanger reinmachen. Du bist ja ein Fuchs, wenn es um die Definition der
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Worte geht, weil natürlich die Psychoanalyse wurde immer falsch übersetzt oder
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es passt immer da nicht so richtig.
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Zum Beispiel in den ersten Übersetzungen, die halt dann weit gelesen wurden,
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wurde Triebe als Instinkt übersetzt.
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Aber wenn Freud von Trieben sprach und von Instinkten sprach,
0:47:31–0:47:33
wurde beides mit Instinkt übersetzt.
Florian Clauß
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Das hast du schon mal erwähnt in der Freud-Folge.
Micz Flor
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Und jetzt, und das ist dann der Cliffhanger, den du ankitzelst, ist, dass Marc Solms,
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der Deutsch spricht, der auch selber die freudschen, englischen Übersetzungen
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alle noch mal überarbeitet hat, glaube ich 30 Jahre dran gesessen hat,
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immer wieder mal und sich durchgearbeitet hat.
Florian Clauß
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Andere Bauern Eisenbahn.
Micz Flor
0:47:54–0:47:58
Das ist sein Kirschgarten, sein Zen-Garten.
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Der hat dann trotzdem, bewusst oder unbewusst, kann man jetzt auch drüber schreiten,
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The unconscious ist das englische Wort. Und da ist es deckungsgleich mit dem
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Unbewussten und das Bewusstlose.
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Wenn du bewusstlos bist.
Florian Clauß
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Interessant.
Micz Flor
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Und im Deutschen sind das unterschiedliche Begriffe.
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Und the unconscious, also das Bewusstlose ist unbeweist sehr unterschiedlich.
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Aber Marc Solms benutzt das, finde ich, manchmal ganz keck.
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Deckungsgleich. Also das ist irgendwie so ein bisschen Teil seines Arguments.
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Und da, finde ich, ist es ein bisschen keck oder frech. Da reden wir dann zum nächsten Mal.
Florian Clauß
0:48:39–0:48:48
Ja, toll. Mitch, vielen Dank für diesen, ich sage mal, Upramping in die Bewusstseinsepisoden.
0:48:49–0:48:55
Das nächste Mal werfen wir uns ein paar Tabletten ein und dann geht es los mit der Bewusstseinsmau.
0:48:55–0:49:04
Nein, das war jetzt eigentlich Podcast Episode 103 und wir können gespannt sein,
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ob dann 105 und 107 wir uns dann weiter über das Bewusstsein unterhalten.
Micz Flor
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Ich würde es mir wünschen. Es liegt mir schon lange irgendwie,
0:49:13–0:49:16
ich muss mich jetzt auch da ran satzen. Ich musste mir das durcharbeiten.
Florian Clauß
0:49:16–0:49:18
Eine Filmepisode geht immer mit, ne?
Micz Flor
0:49:18–0:49:19
Eine Filmepisode geht immer, genau.
Florian Clauß
0:49:21–0:49:24
Es muss ja nicht immer so ein Vortrag sein.
0:49:26–0:49:31
Okay, das sind auch diese Art von Episoden, wo du deinen Redeanteil extrem hoch siehst.
0:49:32–0:49:34
Wo ich dann wieder hier gegen Null gehe.
0:49:36–0:49:38
Aber macht's gut und bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
0:49:38–0:49:39
Bis zum nächsten Mal.
Florian Clauß
0:49:39–0:49:39
Macht's gut.
Micz Flor
0:49:40–0:49:40
Tschüss.

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"Sexualität bestimmt nicht das ganze Leben [...], weshalb ich den Begriff der Triebenergie durch den Begriff der Sozialenergie ersetzt habe." - Günther Ammon, 1982

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Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
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Florian Clauß
0:00:25–0:00:30
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Und er möchte hier nochmal so ein paar theoretische Sachen exponieren.
0:01:14–0:01:19
Doch, wenn ihr sehen wollt, wo wir langlaufen, weil das ist immer so die...
Micz Flor
0:01:19–0:01:20
Doch.
Florian Clauß
0:01:20–0:01:21
Doch, aber.
Micz Flor
0:01:22–0:01:28
Wenn ihr nur sehen wollt, wo wir langlaufen, dann schaltet jetzt raus und geht auf unsere Website.
0:01:28–0:01:35
Eigentlich-podcast.de denn zu jeder Episode gibt es auch einen Walk mit ganz,
0:01:35–0:01:36
ganz wenigen Ausnahmen.
Florian Clauß
0:01:37–0:01:39
Mit einer Ausnahme nur.
Micz Flor
0:01:39–0:01:39
Glaube ich.
Florian Clauß
0:01:40–0:01:49
Wir haben schon drei oder zwei, wo wir dann tatsächlich Body Horror und einmal über die,
0:01:50–0:01:56
Chris über den Film Nosferatu, die wir dann im Sitzen aufgenommen haben.
0:01:57–0:02:02
Genau. Nee, aber wenn ihr den Podcast mögt, wir müssen jetzt auch mal ein bisschen
0:02:02–0:02:07
Werbung machen, dann bitte geht auf den einschlägigen Portalen und gebt uns,
0:02:08–0:02:10
Sternchenbewertungen. Darüber würden wir uns sehr freuen.
0:02:11–0:02:17
Ja, soziale Energie, Mitch. Da hattest du ja noch so ein bisschen dich mit beschäftigt
0:02:17–0:02:22
und wolltest dann nochmal so Theorien nachliefern und hast mir gesagt,
0:02:22–0:02:24
ich brauche noch jemanden, mit dem ich darüber sprechen kann.
Micz Flor
0:02:25–0:02:29
Ja, ich glaube, vorgestern ist der online gegangen mit Anja.
0:02:29–0:02:35
Wir arbeiten beide als PsychotherapeutInnen und sind irgendwie,
0:02:35–0:02:37
hatte ich das Gefühl, rückblickend,
0:02:40–0:02:45
zu sehr so in Themen reingerutscht, auch praktische Themen.
0:02:45–0:02:49
Mit Flo ist das nochmal anders, weil wenn ich mit Flo spreche,
0:02:49–0:02:52
dann entsteht eine andere Geschichte und jetzt habe ich gedacht,
0:02:52–0:02:57
ich würde gerne mit dir als Kompagnon nochmal das so ein bisschen aufrollen
0:02:57–0:03:02
und mit deinen Fragen vielleicht gucken, ob man da Lücken von der Herleitung
0:03:02–0:03:05
nochmal schließen kann und aber auch,
0:03:06–0:03:11
Selber wissentlich vom letzten Mal schon diese Herleitung psychische Energie,
0:03:11–0:03:13
soziale Energie, Gruppenbezogenheit.
0:03:13–0:03:17
Das möchte ich irgendwie mal so ein bisschen doch versuchen,
0:03:17–0:03:21
gut hintereinander wegzuerklären.
Florian Clauß
0:03:22–0:03:25
Da kann man vielleicht nochmal so grundlegend kurz erklären,
0:03:25–0:03:28
weil ja, was ist denn eigentlich soziale Energie, psychische Energie?
Micz Flor
0:03:28–0:03:37
Oder für diese Folge wichtiger zwei Blicke auf diesen Begriff von Sozialenergie, den Hartmut Rosa nutzt,
0:03:37–0:03:43
der als Soziologe darauf blickt und mit seinem Forschungshintergrund und auf
0:03:43–0:03:48
der anderen Seite der Begriff der Sozialenergie vom Psychiater und Psychoanalytiker Günther Ammon,
0:03:48–0:03:52
der eben als Arzt oder Psychotherapeut,
0:03:53–0:03:57
Psychoanalytiker auf die psychische Energie blickt,
0:03:58–0:04:03
und der dann auch eben sagt, das soziale, gruppenbezogene, die Energie, die da entsteht,
0:04:04–0:04:06
die ist vielleicht sogar der stärkste Motor in uns.
0:04:07–0:04:13
Und das ist bei Günther Ammann ein Sich-Weg-Bewegen vom freudianischen Libido-Konzept.
0:04:14–0:04:20
Und bei Hartmut Rosa wiederum ist dieses interpersonelle soziale Energie,
0:04:20–0:04:23
die zirkulär entsteht, wenn Menschen in Kontakt sind,
0:04:23–0:04:26
eher auch ein Versuch, Lücken in seiner Theorie zu schließen,
0:04:26–0:04:29
der angefangen hat, darüber zu reflektieren.
0:04:30–0:04:35
Dass bei uns auf dem Planeten alles in Bewegung ist.
0:04:35–0:04:39
Also diese Gesellschaft, die wir sind, die alles bewegt und auch Menschen immer
0:04:39–0:04:45
mehr als Folge davon sich innerlich bewegen, Burnout-Phänomene existieren und so weiter,
0:04:46–0:04:51
der auf einer gesellschaftlichen Ebene da drauf geschaut hat und dann später
0:04:51–0:04:57
in der interpersonellen Beziehung in gewisser Weise auch so Konzepte von Martin
0:04:57–0:04:58
Buber aufgegriffen hat,
0:04:58–0:05:02
glaube ich, wo Martin Buber spricht, es gibt eine Ich-Es-Beziehung.
0:05:03–0:05:06
Es ist eben keine Beziehung, sondern es ist ein Zustand, ich es,
0:05:06–0:05:10
ich beschäftige mich der Welt und es gibt eine Ich-Du-Beziehung,
0:05:10–0:05:11
ich beschäftige mich mit anderen Menschen.
0:05:14–0:05:20
Und bei Hartmut Rosa, der hat es als Resonanz beschrieben, also Menschen treten
0:05:20–0:05:26
miteinander in Resonanz und die Resonanz ist eine Sache, die wenig fassbar ist,
0:05:27–0:05:30
aber die auch nicht immer entsteht.
0:05:30–0:05:39
Aber wenn sie entsteht, das kann ich jetzt nicht genau in Hartmut Rosers Worten sagen.
0:05:39–0:05:42
Zitate dazu habe ich auf der Webseite noch. Also da kommen noch Sachen hinterher.
0:05:43–0:05:45
Ich werde viele Sachen jetzt nur paraphrasieren können.
0:05:46–0:05:52
Aber wenn Resonanz entsteht, dann ist die auch eingefasst in einer gewissen
0:05:52–0:05:54
Art von Unterscheidung.
0:05:54–0:05:58
Also wenn man sich zu ähnlich ist, passiert das nicht. Wenn man sich zu unterschiedlich
0:05:58–0:05:58
ist, passiert das nicht.
0:05:59–0:06:04
Man kann keine Panflöte und eine Mandoline nebeneinander stellen und schlägt
0:06:04–0:06:07
die Mandoline an und die Panflöte fängt an zu singen.
0:06:07–0:06:11
Aber man kann zwei Gitarre nebeneinander stellen und schlägt die an und die
0:06:11–0:06:12
fangen irgendwie an miteinander.
0:06:13–0:06:18
Also die Schwingungen der einen werden von der anderen quasi auch aufgenommen und bewegen sich.
0:06:18–0:06:26
Und diese Resonanztheorie, die ich eine wunderbar auch poetische Theorie finde
0:06:26–0:06:31
für die Beziehung zwischen Menschen, wie die entstehen und wie die in Energie
0:06:31–0:06:32
treten, also die Resonanz.
0:06:33–0:06:35
Und da aber natürlich auch die Lücke entsteht für Hartmut Rosa.
0:06:36–0:06:38
Woher kommt denn diese Energie für die Resonanz?
0:06:38–0:06:43
Wir können irgendwie uns das als Bild herleiten, aber trotzdem ist ja unklar,
0:06:44–0:06:46
woher diese Energie kommt.
0:06:46–0:06:53
Und bei Hartmut Rosa, kurz gefasst, ist es eben das Konzept zu sagen.
0:06:54–0:06:57
Und da geht noch einen kleinen Umweltumweg.
0:06:58–0:07:01
Über auch eine philosophische Grundhaltung.
0:07:02–0:07:06
Er hat festgestellt, dass der Begriff der Energie so in einer in Anführungszeichen
0:07:06–0:07:09
westlichen Philosophiegeschichte gar nicht so sehr vorkommt,
0:07:10–0:07:15
während in anderen Kulturkreisen die Energie sehr wohl so eine Grundlage ist
0:07:15–0:07:18
überhaupt über philosophisches Denken usw.
0:07:18–0:07:22
Und er vermutet, dass es hilfreich wäre, wenn wir im Westen,
0:07:23–0:07:30
die sehr viel eben auch damit zu tun haben, dass der Planet gerade gefährdet
0:07:30–0:07:32
ist durch das menschliche Tun,
0:07:32–0:07:37
dass wir vielleicht gut daran täten, auch dieses Energiedenken noch mehr in
0:07:37–0:07:43
unseren Alltag, in unsere Philosophie, in unsere ethisch-moralischen und anderen
0:07:43–0:07:45
Entscheidungen mit reinfließen zu lassen.
Florian Clauß
0:07:45–0:07:49
Ja, aber vielleicht hier die Anmerkung, das war nämlich auch was,
0:07:49–0:07:54
was bei dem Artikel, den du mir von Hartmut Rosa gegeben hast,
0:07:55–0:08:03
angeklungen ist, nämlich, dass es in dieser Betrachtungsweise dann schon...
0:08:05–0:08:08
Ins Esoterische abkippen kann. Das sieht er selber als Gefahr.
0:08:09–0:08:13
Das ist nicht quantifizierbar, das ist jetzt erst mal nur so postulierbar.
0:08:14–0:08:21
Und das hat mich dann so ein bisschen gestört hat, das ist halt häufig bei so
0:08:21–0:08:24
Erklärungsmodellen, dann wird halt irgendwie drunter geschoben,
0:08:25–0:08:28
indigene Völker, indigene Kulturen.
0:08:28–0:08:32
Und dann hast du halt so einen Brocken von indigenen Kulturen und dann erklärst
0:08:32–0:08:35
du halt ein Energiekonzept. Und das finde ich halt irgendwie,
0:08:35–0:08:39
da wird ja so etwas Politisches mit verwoben.
0:08:39–0:08:43
Und man sagt halt, das Politische ist auf einmal präsent und dann geht es zurück.
0:08:43–0:08:45
Aber das Thema geht ja nicht zurück.
0:08:46–0:08:50
Also ich meine, das führt ja selber an, dass dieser Klimawandel und das Menschgemachte,
0:08:51–0:08:54
dass das ja katastrophal ist und sich gerade so,
0:08:54–0:08:59
also wie du auch gerade selber gesagt hast, dass dann halt eben von anderen
0:08:59–0:09:03
Kulturen könnte man sich da was abschneiden, die halt einfach auch harmonischer
0:09:03–0:09:06
mit der Umwelt umgegangen sind. Also das ist halt so.
Micz Flor
0:09:08–0:09:13
Ja, da wäre ich wie du sehr vorsichtig, weil das ist dann den Vortrag,
0:09:13–0:09:18
der da in der Zeit erschienen ist und der dann auch online in Erfurt,
0:09:19–0:09:22
auf dem Institut zu finden ist.
0:09:22–0:09:26
Den verlinke ich auch in Shownotes. Und dazu gibt es dann auch von 2024,
0:09:26–0:09:32
glaube ich, einen Vortrag von ihm als Video auf YouTube in der UNESCO in Englisch.
0:09:32–0:09:39
Und vor dem Hintergrund der UNESCO ist es natürlich schön, das auch globaler zu fassen.
Florian Clauß
0:09:40–0:09:41
Ah, okay, das war jetzt quasi dein Thema.
Micz Flor
0:09:41–0:09:43
Aber das war, glaube ich, nicht der Grund für den Artikel.
Florian Clauß
0:09:43–0:09:43
Okay, alles klar.
Micz Flor
0:09:43–0:09:45
Den Artikel, den du gesehen hast, der hatte...
Florian Clauß
0:09:45–0:09:48
Ja, aber dann verstehe ich das, warum man das als Beispiele so mit angeführt hat.
Micz Flor
0:09:48–0:09:51
Ja, aber das war eben der... Ich sehe es eher andersrum. Ich glaube,
0:09:51–0:09:53
der UNESCO-Vortrag war dieser Artikel.
0:09:54–0:09:57
Also es war zuerst da. Aber da sagt er auch nochmal explizit,
0:09:57–0:10:04
dass er eben erstaunt ist mit diesem Burnout-Thema, dass das als Soziologe das
0:10:04–0:10:08
irgendwie sich genau angeschaut hat, dass wohl aus aller Welt Anfragen kamen, wo er dachte,
0:10:08–0:10:13
ich dachte, das sei so ein westeuropäisches Problem oder ein nordamerikanisches Problem,
0:10:14–0:10:15
aber dass es wohl überall so ist.
0:10:16–0:10:21
Und darüber hat er reflektiert. Du hast dann immer das Exotische als Beweis
0:10:21–0:10:23
von was Lokalem und das finde ich schwierig.
Florian Clauß
0:10:23–0:10:27
Ja, und es wird dann halt häufig, es ist halt wirklich auch sehr platt dann
0:10:27–0:10:33
zusammen gefaltet. Also er wirft dir da alles rein an die Indigene.
0:10:33–0:10:39
Und das wird häufig gemacht, dass die Indigene so als Erklärungsschablone für die Ursprünglichen.
Micz Flor
0:10:40–0:10:45
Ups, ein Auto. Ja, wir sind jetzt wieder hier. Weißt du, in welche Richtung
0:10:45–0:10:48
wir müssen? Ich dachte wir müssen, da geht's lang? Ja.
Florian Clauß
0:10:49–0:10:57
Wir sind jetzt hier auf einer Straße mitten in Brandenburg und jetzt sind wir
0:10:57–0:11:00
wieder sicher vor den Jägern, aber nicht vor den Autos.
0:11:03–0:11:07
Okay, verstehe ich, ja, kann ich akzeptieren, finde ich gut unter diesen Prämissen,
0:11:07–0:11:12
aber ich will halt gucken, also so ein bisschen wie Homöopathie,
0:11:13–0:11:14
ja, wenn man dran glaubt, dann wirkt es doch.
0:11:16–0:11:20
Also, ja, kann man machen, ja, ist halt nur ein Gedankenkonstrukt und das hast
0:11:20–0:11:23
du ja auch schon so angeklungen in der Folge mit Anja, ne?
0:11:24–0:11:28
Also das heißt, irgendwie funktioniert es, aber man weiß noch nicht genau wie.
Micz Flor
0:11:28–0:11:31
Ja, also nicht, dass es irgendwie funktioniert. Irgendwie passt es,
0:11:31–0:11:33
würde ich ja sagen. Irgendwie beschreibt es Prozesse.
0:11:34–0:11:38
Und in beiden Fällen, also sowohl in der sozialen Energie bei Hartmut Rosa als
0:11:38–0:11:44
auch in der Günther Ammannschen Sozialenergie, geht es darum, die Notwendigkeit...
0:11:45–0:11:50
Zu erfüllen, ein Energieproblem zu erklären.
0:11:50–0:11:54
Das Energieproblem ist halt, warum tut man eigentlich überhaupt irgendwas?
0:11:55–0:11:58
Ich drehe es jetzt mal um. Das Soziale ist wirksam.
Florian Clauß
0:11:58–0:12:04
Ja, und das ist erfahrbar auch. Das Soziale ist erfahrbar, so jetzt rein von
0:12:04–0:12:06
seinem eigenen Erfahrungshorizont.
Micz Flor
0:12:07–0:12:12
Ja, ich nehme in unser Archiv bald 100. Folgeblick nach hinten die Skat-Folge,
0:12:12–0:12:15
dass du singst in der Skat-Folge.
0:12:15–0:12:18
Das hättest du nicht gemacht, wenn du gewusst hättest, wie viele Leute da zuhören.
0:12:18–0:12:22
Hätten wir alle ZuhörerInnen vor dich hingestellt und du hättest diese Sache
0:12:22–0:12:25
singen sollen, dann hättest du vielleicht sowas wie Lampenfieber erlebt.
0:12:25–0:12:28
Und vielleicht hätte es eine Möglichkeit gegeben, mit dieser Gruppe irgendwie
0:12:28–0:12:33
zusammen sich irgendwie in eine Verfassung zu bringen, wo dann alle singen und
0:12:33–0:12:37
dann wärst du da auch wieder frei gewesen zu singen. Aber das Soziale tut was.
0:12:37–0:12:41
Bis hin zu, du kannst auch den Hautwiderstand messen.
0:12:42–0:12:46
Und misst den Hautwiderstand in dem Moment, wenn du dir eine mathematische Gleichung
0:12:46–0:12:49
gibst und nach einer Lösung fragst, ändert sich der Hautwiderstand.
0:12:50–0:12:53
Aber der Hautwiderstand ändert sich genauso, wenn du dir einen Namen rufst,
0:12:53–0:12:55
aber nicht, wenn du einen anderen Namen rufst.
0:12:55–0:13:00
Das heißt, das Soziale angesprochen werden, angerufen zu werden, das hat einen Einfluss.
0:13:00–0:13:05
Und das ist etwas, was übers Psychische kommt und sich dann aber auch im Körperlichen manifestiert.
0:13:05–0:13:14
Das heißt, wir haben die Notwendigkeit in einer Theorie, die versucht soziale
0:13:14–0:13:17
oder interpersonelle Dynamiken zu erklären,
0:13:17–0:13:21
aber auch intrapsychische Dynamiken zu erklären, psychosomatische Dinge zu erklären,
0:13:21–0:13:26
kommen wir nicht drum rum, auch das Soziale mitzufassen,
0:13:26–0:13:27
mitzubeschreiben.
0:13:27–0:13:29
Das ist einfach Teil davon.
0:13:30–0:13:36
Es wäre nicht zeitgemäß, den Mensch komplett materialistisch zu durchleuchten
0:13:36–0:13:40
und nur auf Synapsen und Transmitterstoffe runterzubrechen.
0:13:41–0:13:46
Das wäre, glaube ich, nicht mehr so, wie man es holistisch fassen würde.
Florian Clauß
0:13:46–0:13:48
Also ich meine, das, was du beschreibst,
0:13:49–0:13:59
Das ist ja so quasi mehr oder weniger erstmal so, dass eine Stoffwechselfunktion im Körper messbar wird,
0:13:59–0:14:05
wenn bestimmte soziale Interaktionen ausgenöst werden.
0:14:05–0:14:13
Das heißt, das ist ja nichts anderes als, dass irgendein Zucker verbrannt wird.
Micz Flor
0:14:14–0:14:17
Ja, aber auf das Glatteis möchte ich jetzt gar nicht drauf.
Florian Clauß
0:14:17–0:14:18
Warum Glatteis?
Micz Flor
0:14:18–0:14:22
Weil du jetzt natürlich sagst, sagst du gerade, es sei messbar in gewisser Weise?
0:14:23–0:14:25
Kann man es in Kohlenhydrate umsetzen?
Florian Clauß
0:14:25–0:14:28
Nein, nein, ich will nur darüber hinaus. Und das ist so ein bisschen das,
0:14:28–0:14:34
was ich mir in Gedanken im Vorfeld dieser Folge gemacht habe, nämlich die Frage,
0:14:36–0:14:41
also gerade mit dieser Energie, die halt irgendwie erstmal sozial erlebt wird.
0:14:41–0:14:45
Aber eigentlich muss es ja auch nichts anderes sein als so ein biologischer
0:14:45–0:14:48
Prozess, der da abläuft, der dir auch irgendwie, weiß ich nicht,
0:14:49–0:14:52
bei bestimmten Sachen dann halt auch Energie braucht.
0:14:52–0:14:56
Und den Körper, und je mehr du das trainierst, desto besser bist du da drin.
0:14:56–0:15:00
Also vielleicht ist es ja auch dann wirklich so, wenn man sich darauf einlässt,
0:15:00–0:15:05
und je öfter, dann hast du halt mehr Psychoenergie und kannst dann irgendwann den Stein bewegen.
0:15:06–0:15:09
Nein, aber ich will es nicht, ich will dich nicht so lustig machen.
0:15:09–0:15:14
Ich will nur so ein bisschen so, weil diese Form, weil eben das Wort Energie da drin steckt.
Micz Flor
0:15:15–0:15:15
Ja, genau.
Florian Clauß
0:15:15–0:15:16
Ja, das dann halt irgendwo auch.
Micz Flor
0:15:16–0:15:19
Was würdest du denn eher als Wort verwenden da drin?
Florian Clauß
0:15:20–0:15:24
Nee, Energie finde ich super. Also ich meine, Energie ist einfach eine Form von,
0:15:26–0:15:33
Organisation und Umwandlung. Das hast du ja auch irgendwo in jeder Zelle ist
0:15:33–0:15:37
ja ein System, was gegen die Entropie wirkt.
Micz Flor
0:15:37–0:15:42
Und dann ist es aber Hartmut Rosa, der ja dann auch sagt, aber ist es denn so,
0:15:42–0:15:47
dass wenn er sagt, ich fühle mich heute so energielos, dass da weniger Zucker
0:15:47–0:15:49
im Blut ist oder weniger Fett im Bindigen?
Florian Clauß
0:15:49–0:15:52
Ich frage mich halt, ob das vielleicht auf einer anderen Ebene,
0:15:52–0:15:56
ob dann in bestimmten Arealen im Gehirn dann halt ein bisschen Zucker fehlt.
0:15:57–0:16:02
Ganz blöd gesprochen, aber das ist halt vielleicht auch irgendwo quasi so eine,
0:16:02–0:16:06
jetzt noch nicht so eine durchgemessene wie halt im Sportbereich,
0:16:06–0:16:10
wo du genau sagen kannst, das ist VO2 Max und so weiter.
0:16:10–0:16:14
Vielleicht gibt es ja dann in dem anderen, weißt du, in dem anderen noch nicht
0:16:14–0:16:17
so, da gibt es vielleicht noch keine Messapparate, aber vielleicht kann man
0:16:17–0:16:19
das auch irgendwann sagen, okay, kein Wunder,
0:16:19–0:16:24
weil hier, da, da hat er noch nicht, da hat er zu lange das Handy dran gehalten,
0:16:24–0:16:26
an der an der Seite vom Kopf.
Micz Flor
0:16:28–0:16:32
Ja, natürlich kann man das wahrscheinlich immer mehr erforschen und jetzt mit
0:16:32–0:16:36
sichtgebenden Verfahren kann man ja auch schon sehen, wo Spiegelneuronen aktiv
0:16:36–0:16:39
sind, wenn ich mit einer Menschen in Kontakt trete und solche Sachen.
0:16:39–0:16:40
Das ist auf jeden Fall richtig.
0:16:41–0:16:44
Aber die Frage ist ja auch immer, was ist auf welcher Ebene hilfreich?
0:16:45–0:16:50
Hilft es mir wirklich, wenn ich auf einer neurophysiologischen Ebene irgendwelche,
0:16:51–0:16:53
kleinen Hirnareale beschaue, um da irgendwas zu verstehen?
0:16:53–0:16:58
Hilft mir das, Wenn jemand vor mir sitzt und sagt, ich fühle mich die letzten
0:16:58–0:17:01
zwei Wochen, meine Batterien sind alle und ich sage,
0:17:01–0:17:05
das sind Bilder, die benutzt werden und deshalb habe ich vorhin gefragt mit Energie,
0:17:05–0:17:10
weil dieser Energiebegriff ist natürlich jetzt auch da falsch und zum Beispiel
0:17:10–0:17:16
sagt Hartmut Rosa explizit, das funktioniert nicht wie das, was wir normalerweise
0:17:16–0:17:18
als Energie betrachten, weil...
0:17:19–0:17:23
Er beschreibt es dann jetzt erstmal testweise als so eine zirkuläre Energie,
0:17:23–0:17:29
die zwischen den Menschen in der Gruppe so zirkuliert und dann bleibt sie.
0:17:29–0:17:35
Und als Beispiel führt er nochmal auf, dass eben bei Corona sozialen Aktivitäten runtergingen.
0:17:35–0:17:38
Einsamkeit ist in der Gesellschaft auch generell bei uns ja schon ein großes Thema.
0:17:39–0:17:42
Es wird immer schwieriger, Kontakte zu finden, auch wenn man selber scheinbar
0:17:42–0:17:48
verliert, diese Möglichkeit, so mal ganz entspannt jemandem gegenüber zu treten.
0:17:48–0:17:52
Es gibt Menschen, die haben soziale Angststörungen. Das ist eher so ein Thema,
0:17:52–0:17:57
wo ich mich immer frage, warum wird soziale Energie denn nur positiv beschrieben?
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Weil für viele Menschen ist es extrem schwierig, das auszuhalten.
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Und dann geht es natürlich, wenn man in einen, sag ich mal, realen Kontakt mit
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dem Menschen tritt, also resoniert.
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Wenn man in einer wirklichen Beziehung ist, geht es natürlich oft um die Sorge,
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bewertet zu werden, entwertet zu werden.
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Es geht um Konkurrenzthemen, aber soziale Ängste sind ja auch wirksam,
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wenn es einfach nur darum geht, einen Fahrstuhl zu besteigen oder in eine Tram
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einzusteigen, wenn da andere Menschen drin sind oder nicht.
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Und da setze ich so die Frage an, warum wird Energie da immer nur positiv konnotiert?
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Bei Hartmut Rosa scheint das gerade so. Also entweder ist es nichts oder es ist positiv.
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Aber es gibt in der Sozialenergie bei Günther Ammon gibt es da noch andere Konzepte,
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wie das sein kann. Da komme ich dann irgendwie gleich noch drauf.
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Die Frage ist jetzt, kann ich weitermachen?
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Oder bist du an einem Punkt, wo du denkst, nee, das möchte ich erst für mich
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nochmal klären, dass ich dann wirklich wieder offen bin, weiter zuzuhören?
Florian Clauß
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Ja, vielleicht will ich noch einen,
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Auch eine Überlegung, die ich im Vorfeld hatte, weil du auch gerade darüber
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gesprochen hast, über soziale Ängste.
0:19:17–0:19:22
Und ich kann mich noch daran erinnern, dass es mir, also auch zur Stundenzeit
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und so weiter, unglaublich dann schwer gefallen ist, vor mehreren Leuten zu sprechen.
0:19:27–0:19:32
Dass ich dann so eine Art Lampenfieber hatte oder so und dann halt auch wirklich
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so körperliche Reaktionen.
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Dass ich dann halt einen trockenen Mund bekommen habe, dass ich wusste,
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gleich werde ich halt drangenommen, dass ich dann halt irgendwie so unglaublich geschluckt habe.
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Also ich hatte wie auch auf so ein, weiß ich nicht, was man dann halt irgendwie
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dehydriert oder sowas, tatsächlich so Reaktionen dann körperlich ausgeprägt habe.
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Und das finde ich interessant, dass man das dann halt so erleben kann, Aufreaktion.
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Ich meine, wahrscheinlich wirst du in deinem Patientinnenumfeld viele solche
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Situationen haben, die dann halt berichtet werden.
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Aber das gibt ja schon eine Form von, ich sage mal, Umfeld, wo man halt diese Sachen erleben kann.
Micz Flor
0:20:22–0:20:27
Ja, und wenn man das als Beispiel nimmt, dann finde ich eben interessant,
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dass man traditionell dann eher,
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an die vortragende Person tritt und sagt, das müssen Sie ändern und Sie können das ändern.
0:20:40–0:20:44
Und man könnte natürlich auch andersrum rangehen, angenommen,
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du bist ein Veranstalter von einem großen Event wie Republika und alle berichten.
0:20:49–0:20:53
Boah, ich bin immer so nervös bei den Vorträgen bei euch, es ist total schwierig.
0:20:53–0:20:56
Dass man dann vielleicht nochmal guckt, was ist denn da in dem Raum los,
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wie wir das positioniert haben, wo ist das Pult? Also die anderen Menschen, wie sitzen die?
0:21:01–0:21:05
Ist das zu hoch, zu weit weg? Sollte das näher ran? Also dass man Parameter
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auch im Raum verschieben kann, um dieses Gefühl vielleicht besser zu kontrollieren.
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Damit vielleicht auch besser umgehen zu können. Also dass man eben nicht nur
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in die Person hineinschaut, in so ein intrapsychisches Thema.
0:21:17–0:21:22
Das ist natürlich das, was hauptsächlich auch in die Psychotherapie kommt, sondern...
0:21:23–0:21:27
Wie kann man einen Raum herstellen, sowohl materiell,
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kein Licht ins Gesicht oder wie auch immer, aber auch vielleicht im Sozialen,
0:21:32–0:21:36
dass man erstmal irgendwie vielleicht Kontakt herstellt, dass man sich selber
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auch befreien kann, indem man solche Sachen macht, was ja auch viele machen.
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Ich möchte erstmal wissen, wie viele von Ihnen haben schon mal Diddede und dann
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heben die die Hände und irgendwie ist dann Form der Partizipation der Gruppe
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und das entspannt dich auch. Du merkst, die hören mich, die reagieren auf mich,
0:21:49–0:21:50
gibt dir Selbstwert und so.
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Also da passieren Dynamiken, die man jetzt nicht nur runterbrechen kann auf
0:21:56–0:22:01
intrapsychische Themen, sondern auch in der Art der Vorbereitung,
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in der Art der Durchführung.
0:22:02–0:22:05
Aber jetzt sind wir natürlich wieder bei einer Person, bei dir.
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Und du hast das ja dann scheinbar auch lösen können. Du bist jetzt ja auch als
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Projektleiter immer gefragt, mit mehreren gleichzeitig.
0:22:13–0:22:15
Nicht nur, oh, guck mal, ein Reh.
Florian Clauß
0:22:15–0:22:17
Oh, was ist denn hier?
Micz Flor
0:22:20–0:22:26
Aber jetzt die Frage wäre an dich, wie hast du das dann in den Griff bekommen?
Florian Clauß
0:22:28–0:22:34
Ja, ich glaube, das war halt irgendwie ein Prozess einfach und mit Übung.
Micz Flor
0:22:36–0:22:37
Sich dem zu stellen auch einfach, ne?
Florian Clauß
0:22:37–0:22:46
Sich dem zu stellen, genau. Und dann auch eben, ja, sich dem jetzt nicht so
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auszuliefern, sondern einfach zu machen, so ein bisschen, ne?
0:22:50–0:22:52
Also an den Aufgaben dann.
Micz Flor
0:22:52–0:22:57
Ja, auch Freud hatte das schon am Dirigenten, der ihn mal angefragt hat,
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gesagt hat, das fällt ihm immer schwer zu dirigieren, er hat immer mehr Ängste da vorne.
0:23:01–0:23:05
Was soll ich tun? Und dann hat Frau Zeske, auf jeden Fall dirigieren Sie.
0:23:06–0:23:12
Also diese Exposition mit der Situation, die halt eben eine körperliche Reaktion
0:23:12–0:23:15
hat, Lampenfieber ist erwähnt, was ja auch ein wunderbares Beispiel ist,
0:23:15–0:23:16
dass das Soziale wirksam ist.
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Da passiert so viel Körperliches.
0:23:20–0:23:25
Ich möchte so ein bisschen jetzt die Brücke machen hinein, aus dem Sozialen
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wieder heraus eigentlich erstmal hinein in das Intrapsychische, was wir auch hatten.
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Also Freud hat auch schon sehr früh versucht, psychische Energie zu erklären.
0:23:37–0:23:44
Und daher kommt halt das, was wir als Sexualtrieb, generell als Triebenergie
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oder auch als Libido kennen. Das wollte ich nochmal kurz herleiten.
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Und Freud hat gesagt.
0:23:52–0:23:57
Und die Sachen sind jetzt bei uns dann in dem Blogpost auf der Webseite,
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da mache ich die Zitate hin und die Quellen.
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Aber der hat, ich glaube es war 1895 angefangen, schon ein System zu entwerfen,
0:24:06–0:24:09
was sehr stark an dem orientiert ist, was du gerade gesagt hast.
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Kann man das denn irgendwo messen? Wo fließt das denn? Und so weiter.
0:24:12–0:24:20
Und hat eine Art Teilchenstrom entwickelt für ein Teilchen, das er Kuh genannt
0:24:20–0:24:24
hat und halt überlegt, wo könnte das denn fließen, ist es vielleicht in den
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Neuronen und wo könnte man das denn messen und wie,
0:24:27–0:24:31
um zu erklären, dass es da was gibt, was über den Blutzucker hinaus,
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ganz banal gesagt,
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diese psychische Energie ist, sich für irgendwas zu interessieren oder von irgendwas,
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also das jenseits der Instinkte, das was Freud an Triebe genannt hat, Wie gehen wir damit um?
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Da gehen wir eben nicht auf einer rein mechanischen Ebene um,
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aber er hat trotzdem dieses mechanistische Modell genommen, Triebabfuhr.
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Also wenn zu viel Trieb da ist, dann muss man quasi durch ein Ventiltrieb Abfuhr machen.
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Das sind dann so Impulskontrollstörungen oder Übersprunghandlungen oder über Abwehrmechanismen.
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Geht dann diese ganze sexuelle Energie, die ich nicht auslebe oder der ich mich
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nicht stelle, geht dann dahin, dass ich, keine Ahnung, Romane schreibe oder Filme mache oder.
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Marathon laufe, um dem zu entkommen. Also bei ihm war es sehr stark schon ein Bild, was,
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noch auf solchen Kesseldruckideen aufbaute. Und das hat sich aber über die Zeit verändert.
0:25:32–0:25:38
In der ganz frühen Idee von Freud gab es halt den Sexualtrieb.
0:25:39–0:25:44
Es ging eigentlich immer um Sexualität. Libido war immer sexuell konnotiert.
0:25:44–0:25:45
Das hat sich später auch verändert.
0:25:46–0:25:51
Und da hat er zum Beispiel für Zwangsstörungen oder Angststörungen,
0:25:51–0:25:55
aber Zwangsstörungen finde ich noch besser zu sehen,
0:25:56–0:25:59
Freud hatte ein Konfliktmodell, das heißt es gibt einen inneren Konflikt,
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der aufgedeckt, erkannt und gelöst werden kann oder müsste, um die Symptome zu beseitigen.
0:26:08–0:26:14
Und eine Zwangsstörung ist die Art, dass dieser Konflikt in Anführungszeichen,
0:26:14–0:26:17
Episodentitel, eigentliche Konflikt ist.
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Der bleibt verdeckt und man muss sich mit dem nicht auseinandersetzen,
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weil man obendrauf einen anderen Konflikt, nämlich den Zwang, generiert,
0:26:26–0:26:33
der einem erlaubt, sich nicht mit in der Uridee seinen sexuellen Themen auseinandersetzen
0:26:33–0:26:38
zu müssen, sondern diesen Zwang davor setzt.
0:26:39–0:26:43
Und ein Beispiel, was er da auch aufführt, ist eine junge Frau,
0:26:43–0:26:47
die zwanghaft ein Ritual hat, wenn sie ins Bett geht.
0:26:47–0:26:51
Und das Ritual ist, das Kissen darf das Brett oben nicht berühren.
0:26:53–0:26:57
Die Vasen müssen alle in der Mitte auf dem Tisch stehen, dass sie nicht runterfallen.
0:26:57–0:27:04
Die Uhren müssen alle aus dem Zimmer geschoben werden. Und in der Analyse mit
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dieser Patientin, die war, glaube ich, 18, 19 oder 17, ich weiß nicht mehr, in dem Alter irgendwie,
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da kommt Freud dann eben in der Analyse dahinter, dass es sich vielleicht um
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sexuelle Themen handelt.
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Das ist dann eben auch wieder in der Analyse entstehen dann natürlich auch Momente,
0:27:24–0:27:25
wo man neue Ideen bekommt.
0:27:26–0:27:30
Und bei diesem Mädchen war das so, sie hat gesagt, dass das Kissen,
0:27:30–0:27:35
darf da oben die Holzwand nicht berühren, für sie war als Kind schon immer das
0:27:35–0:27:37
Kissen die Mama und die Wand der Papa oder sowas in der Art.
0:27:37–0:27:39
Und wenn die sich berühren, hochgefährlich.
0:27:40–0:27:44
Und es stellte sich dann auch raus, die Uhren hatten eine bestimmte Symbolik
0:27:44–0:27:50
und die Vasen werden ja jetzt, glaube ich, sagt sogar Freud in dem Originaltext
0:27:50–0:27:53
fast schon sowas Zige-Jugend-mäßiges.
0:27:53–0:27:56
Wir wissen ja alle, dass Vasen der weibliche Körper sind, so in der Art.
0:27:56–0:27:58
Also so würde man es vielleicht heute nicht mehr sagen.
0:27:59–0:28:02
Aber da geht es auch darum, diesen Körper zu schützen. Der darf nicht runterfallen,
0:28:02–0:28:07
obwohl das ist bei Zwangsstörungen eigentlich immer der Fall oder muss der Fall
0:28:07–0:28:08
sein. Das ist Teil der Diagnose.
0:28:09–0:28:13
Patient oder Patientin wissen, dass das ganze Blödsinn ist, aber sie können nicht anders.
0:28:14–0:28:17
Und das wäre so ein gutes Beispiel, um.
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Diese freudsche Sexualtrieb, wie kommt es zu Symptomen, so ein bisschen zu erklären.
0:28:26–0:28:33
Und was aber wichtig ist, dass die Psychoanalyse auch von Freud weiterentwickelt wurde.
0:28:33–0:28:37
Und wenn man jetzt sich irgendwas rausnimmt, dann ist man irgendwo immer auf
0:28:37–0:28:40
diesen mehreren Jahrzehnten von Entwicklungszeit.
0:28:40–0:28:44
Und diese Uridee von Triebabfuhr, Sexualtrieben,
0:28:45–0:28:50
die wurde dann vor allen Dingen auch mit einer Entwicklung hinein in die Ich-Psychologie
0:28:50–0:28:56
von Hartmann und auch von Freuds Tochter Anna Freud, die aber weniger jetzt
0:28:56–0:28:59
an solchen topischen Modellen gearbeitet hat,
0:28:59–0:29:02
aber Hartmann sehr explizit, der
0:29:02–0:29:07
parallel zu der Säuglingsforschung der damaligen Zeit in Frage stellte,
0:29:07–0:29:15
dass alles wirklich aus Konflikten zwischen dem Es und den Triebhaften und der Umwelt entstehen muss.
0:29:15–0:29:18
Gibt es nicht auch konfliktfreie Zonen?
0:29:18–0:29:24
Und die Säuglingsforschung gab ihm recht. Entstehen Dinge in der Entwicklung?
Florian Clauß
0:29:24–0:29:25
Ja, verstehe.
Micz Flor
0:29:26–0:29:29
Muss man immer alles über Konflikte sehen oder geht es auch anders?
0:29:29–0:29:37
Und in diesem Dialog, weil Freud auch von vielen Seiten Kritik bekam,
0:29:37–0:29:43
dass nicht alles psychische Geschehen sich über Sexualität erklären ließe,
0:29:43–0:29:49
hat er sich dieser Idee geöffnet und hat dann das Libido-Konzept,
0:29:51–0:29:56
Er hat dann gesagt, okay, in seiner alten Idee gibt es so etwas wie Ich-Triebe und Sexualtriebe.
0:29:56–0:29:59
Ich-Triebe sind zum Beispiel Hunger und Schlaf und solche Dinge,
0:29:59–0:30:00
die der Körper zur Erhaltung braucht.
0:30:01–0:30:05
Sexualtriebe ist das, was der Körper für die Erhaltung der Art braucht.
Florian Clauß
0:30:06–0:30:06
Sozusagen.
Micz Flor
0:30:07–0:30:11
Auch da merkst du, es ist ein einfaches Modell und gleichzeitig aber erstmal sehr griffig.
0:30:12–0:30:17
Und diese Ich-Triebe und Sexualtriebe, die sind irgendwie auch im Konflikt miteinander.
0:30:17–0:30:21
Man muss schon verdammt viel Hunger haben, wenn man nicht Sex haben will und so weiter und so fort.
0:30:22–0:30:28
Aber er hat dann irgendwann gedacht, gibt es diese Unterscheidung überhaupt?
0:30:29–0:30:33
Und das Zitat kommt auch bei uns auf die Seite mit der Quelle auch und hat dann
0:30:33–0:30:36
sinnbildlich oder paraphrasiert gesagt, Er sagt,
0:30:37–0:30:41
je mehr wir uns, wir, das ist dann er und die psychoanalytische Forschung,
0:30:41–0:30:44
aber je mehr ich, hätte er auch sagen können, mich damit auseinandergesetzt
0:30:44–0:30:48
habe, was das Ich selbst, also in seinem Konstrukt,
0:30:48–0:30:52
tut, desto mehr wurde ihm dann klar gesagt,
0:30:53–0:30:58
Das sind jetzt seine Worte oder desto mehr wurde mir klar, muss ich dann sagen,
0:30:59–0:31:03
dass man nicht einfach sagen kann, es gibt Ich-Triebe und Sexualtriebe,
0:31:04–0:31:11
sondern es ist vielmehr so, dass die Libido entweder nach außen auf Objekte geschmissen wird,
0:31:12–0:31:14
was mich da draußen interessiert.
0:31:14–0:31:17
Können andere Menschen sein, können auch Dinge in der Welt sein.
0:31:18–0:31:23
Oder ich auf mich selbst. Also die Libido wurde in gewisser Weise ein bisschen
0:31:23–0:31:27
wie eine Abstraktion von diesem Triebding, was entweder ich triebe oder Sexualtriebe waren.
0:31:28–0:31:34
Es war eine Energie, eine psychische Energie, die vielseitig eingesetzt werden konnte.
Florian Clauß
0:31:35–0:31:35
Okay.
Micz Flor
0:31:35–0:31:38
So ein bisschen wie Geld eigentlich. Geld ist ja auch sowas,
0:31:38–0:31:43
du kannst jetzt selber Tomaten anbauen, kannst ja selber eine Gitarre bauen.
0:31:43–0:31:48
Oder du erwirtschaftest irgendwie Geld, um diese Dinge zu bekommen.
0:31:48–0:31:53
Libido ist nicht gleich Geld, aber die Idee zu sagen, Libido ist eine Energie,
0:31:53–0:31:58
es gab dann für ihn auch im Ich ein Energiereservoir, was für mich im Bild immer
0:31:58–0:32:01
so ist wie in Dune 2, diese Riesenhöhle mit dem Wasser von allen,
0:32:03–0:32:07
wo diese Libido in dieses Hauptreservoir zurückfließt.
0:32:09–0:32:13
Und von dort dann entweder als Libido für draußen oder für drinnen passiert.
0:32:14–0:32:18
Hartmann hat dann auch gesagt, ja, es muss auch einen Prozess der Neutralisierung
0:32:18–0:32:21
geben, weil wie kann es denn sein, dass die psychische Spannung dann auch wieder abnimmt?
0:32:22–0:32:31
Und dann wurde aus diesem sehr einfachen, gut greifbaren Konzept,
0:32:31–0:32:38
wurde dann auf einmal ein sehr komplizierter Apparat, den Freud auch nicht wirklich gelöst hat.
0:32:38–0:32:42
Also er konnte kein Modell, in meiner Meinung, das sehen andere anders,
0:32:42–0:32:45
aber in meiner Meinung habe ich das Gefühl, dass diese Libido,
0:32:45–0:32:49
Veränderung des Libido-Konzeptes bleibt,
0:32:50–0:32:55
In seiner Lebzeit, glaube ich, für ihn ungelöst. Früher fühlte es sich besser an.
0:32:56–0:33:00
Ich triebe, Sexualtriebe, eine Erhaltung des Organismus, andere Erhaltung der Art.
0:33:01–0:33:06
Alles darf sich nicht immer gleichzeitig ausleben. Deshalb muss Triebabfuhr
0:33:06–0:33:09
über andere Kanäle passieren. Hatte man irgendwie ein griffiges Bild?
0:33:10–0:33:13
Später, hast du gerade schon gemerkt, fühlt es sich so ein bisschen an,
0:33:13–0:33:17
wie man sagt, okay, wenn wir jetzt noch diese Ajax-Ebene einziehen,
0:33:17–0:33:20
dann können wir gleichzeitig, Also wo man so merkt, da baut man sich so einen
0:33:20–0:33:24
Stack auf von unterschiedlichen Funktionalitäten und Ebenen.
0:33:27–0:33:32
Und dahinter stand immer noch dieser Wunsch eben zu sagen, ich möchte die psychische Energie,
0:33:33–0:33:37
ich fasse das jetzt in diesem Satz zusammen, um dann zu Günther Ammann zu springen
0:33:37–0:33:42
und zur Humanstrukturmodell, die psychische Energie erklären,
0:33:42–0:33:46
denn irgendwoher muss ja diese Energie kommen.
0:33:46–0:33:49
Irgendwie müssen wir die Dynamik der Energie doch fassen können.
0:33:50–0:33:57
Und das wäre jetzt so eine kurze Pause mit Fragen, bevor ich dann zur Sozialenergie
0:33:57–0:33:58
komme und wie das da reinkommt.
0:33:59–0:34:05
Was jetzt dieser Schritt in die Sozialenergie ist, wir waren jetzt quasi an dem Punkt,
0:34:05–0:34:11
das Libidomodell wurde aktualisiert, überarbeitet, wurde erweitert,
0:34:11–0:34:16
um mehrere gerechtfertigte Nachfragen zu klären.
0:34:17–0:34:22
Kamen da vielleicht nie mehr so richtig auf diese gleiche Griffigkeit wie ganz am Anfang.
0:34:23–0:34:29
Und eine Entwicklung dann, das ist eben diese Ich-Struktur oder Human-Strukturmodell,
0:34:30–0:34:35
der dynamischen Psychiatrie, wie es auch heißt, die sich über die Ich-Psychologie
0:34:35–0:34:40
gebildet hat und die anfangs, da muss ich jetzt so schnell durchspringen,
0:34:40–0:34:44
anfangs erst mal angefangen hat, so bestimmte,
0:34:45–0:34:49
freudianische Triebmodelle zu hinterfragen und umzuformulieren und dann zu prüfen,
0:34:49–0:34:54
ob die Hypothese immer noch gleichermaßen griffig ist.
0:34:54–0:34:56
Sind wir wieder am Fahrrad, aber noch gar nicht fertig.
Florian Clauß
0:34:57–0:35:01
Ja, ganz kurz eine Frage. Mein Vorschlag wäre, dass wir die Fahrräder jetzt
0:35:01–0:35:06
mitnehmen, falls es sich zu sehr stört, und dann aber in Richtung der Neuchen gehen.
Micz Flor
0:35:07–0:35:09
Machen wir einen Stopp und lassen wir weiterlaufen.
Florian Clauß
0:35:11–0:35:13
Man kann ja gleich weitersprechen.
Micz Flor
0:35:15–0:35:18
Dann machen wir jetzt einfach mal weiter beim Fahrradschieben,
0:35:18–0:35:20
schiebend reden und beim Schieben reden.
0:35:22–0:35:25
Also ich habe mich jetzt auch ein bisschen verheddert gehabt,
0:35:25–0:35:31
aber es ging halt noch mal kurz zu sagen, es gibt die Aggression als Weiterentwicklung
0:35:31–0:35:33
von oder Weckentwicklung von Freuds Triebkonzept,
0:35:34–0:35:40
wurde dann nicht mehr als reine Abwehr von Todestriebimpulsen gesehen,
0:35:40–0:35:43
sondern es gibt die Aggression als eine Ich-Funktion.
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Also es ist einfach Teil von uns als Mensch, deshalb auch Ich-Funktion,
0:35:48–0:35:50
Ich-Struktur oder Human-Struktur-Modell.
Florian Clauß
0:35:50–0:35:52
Oder ja, um das einfach auch zu schützen.
Micz Flor
0:35:53–0:35:58
Ja, dass man Ich-Funktion, dass man sagt, es gibt konstruktive Aggressionen,
0:35:58–0:36:00
sie wollen in der Welt sein, sie wollen die Welt mitgestalten,
0:36:00–0:36:01
da müssen sie zugreifen.
0:36:02–0:36:05
Und für diesen Weg hin zur Sozialenergie ist jetzt nochmal wichtig,
0:36:06–0:36:10
dass der Begriff des Narzissmus und der Narzissmus,
0:36:11–0:36:17
das Wort oder das Konzept Narzissus, das gibt es ja schon lange.
0:36:18–0:36:20
Das ist ja ein mythologischer Begriff von einem Jungen, der sich im Spiegel
0:36:20–0:36:22
selbstverliebt anschaut.
0:36:22–0:36:27
Aber in die Psychotherapie kam es über den Umweg der Onanie,
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weil es wurde Ende des 19.
0:36:29–0:36:33
Jahrhunderts, wurde Narzissmus erst mal als eine sexuelle Störung,
0:36:33–0:36:36
nämlich eine Onanie, bezeichnet.
0:36:36–0:36:39
Wo man heute weiß, dass Onanie natürlich gut für die Prostata ist.
0:36:39–0:36:42
Aber damals war ja eher so die Frage, kann man davon entblinden?
Florian Clauß
0:36:44–0:36:45
Oder was sonst?
Micz Flor
0:36:46–0:36:51
Und Freud dann gesagt hat, im Moment, Narzissmus ist nicht immer eine Störung,
0:36:51–0:36:56
sondern es ist ein notwendiger Teil der menschlichen Entwicklung in frühkindlichen Erfahrungen.
0:36:57–0:37:00
Eben die Libido, mit der ich auf die Welt komme, da sind wir schon wieder bei
0:37:00–0:37:04
der Energie, die muss ja erstmal an mir kleben, wir haben ja noch keine Welt um uns drumherum.
0:37:05–0:37:08
Und dann in der Diade, oft mit der Mutter oder mit der primären Bezugsperson,
0:37:09–0:37:14
entwickelt sich dann die Fähigkeit, diese Libido eben auch auf andere,
0:37:14–0:37:16
auf die Welt, auf Objekte zu übertragen.
Florian Clauß
0:37:16–0:37:20
Okay, dann ist die Libido so ein wabbelndes Ding, was erst einmal so zwischen
0:37:20–0:37:23
Kind und Mutter und dann wabbelt das immer weiter raus.
0:37:24–0:37:29
Und je nach Entwicklung des Kindes und der Fähigkeit, sich zu bewegen,
0:37:30–0:37:32
wabbelt es immer so weiter und wird dann zu so einem Feld.
Micz Flor
0:37:32–0:37:36
Ja, ich erlebe da eine verpackte...
0:37:37–0:37:41
Die Frage, die da heißt, muss man das alles glauben?
0:37:41–0:37:45
Aber das ist dann wieder natürlich eine Hypothese. Und wenn wir jetzt über Bindungstheorien
0:37:45–0:37:50
sprechen, ich würde sagen, frühkindliche Bindung, wie die geschieht und was da möglich ist.
0:37:51–0:37:55
Mit dem Wort Bindung würde man, glaube ich, das Ganze schneller abnicken,
0:37:55–0:37:56
würde er sagen, das verstehe ich.
0:37:57–0:38:01
Und das ist jetzt eine Fußnote für mich selbst.
0:38:01–0:38:06
Freud hat, was ich vorhin meinte mit dem Libido-Begriff, so haben wir Hauptreservoir
0:38:06–0:38:09
und ich Libido und Objekt-Libido, ist eigentlich das Gleiche.
0:38:10–0:38:14
Hat er selber irgendwann mal gesagt, man könnte den Begriff der Libido vielleicht
0:38:14–0:38:16
auch einfach fallen lassen und nur psychische Energie sagen.
0:38:17–0:38:21
Und ich finde das ganz interessant, weil Freud früher nämlich auch immer eine
0:38:21–0:38:26
sehr greifbare, einfache Sprache verwendet hat. Es gibt ein Ich und ein Es.
Florian Clauß
0:38:26–0:38:27
Ja, das hattest du auch mal in einer Folge.
Micz Flor
0:38:27–0:38:30
Das hatte ich schon mal in einer Folge. Und dieser Begriff der Libido,
0:38:30–0:38:36
auf den du gerade auch so komisch eingestiegen bist, der passt da eigentlich auch gar nicht an.
Florian Clauß
0:38:36–0:38:41
Ja, weil der halt auch irgendwie besetzt ist, Libido. Also psychische Energie
0:38:41–0:38:42
ist ja nochmal so ein bisschen neutraler.
0:38:43–0:38:48
Aber Libido ist so durch alle möglichen Werke und Referenzen.
Micz Flor
0:38:48–0:38:51
Ja, inzwischen auf alle Fälle. Das kommt ja auch gerade aus der Psychoanalyse.
0:38:52–0:38:54
Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Freud selber dachte, ich führe jetzt
0:38:54–0:38:57
hier einen Begriff ein, der ist nicht selbsterklärend damals.
0:38:57–0:39:00
Heute weiß jeder gleich was, sich darunter vorzustellen.
0:39:00–0:39:02
Und vielleicht war er auch irgendwie ein bisschen erleichtert,
0:39:03–0:39:06
den loszulassen und zu sagen, ich nenne es jetzt vielleicht einfach mal nur psychische Energie.
0:39:06–0:39:11
Dann kann ich wieder leichter eigentlich mit allen reden. Und meine Theorie
0:39:11–0:39:21
ist wieder zumindest auf so einer Ebene, quasi frei von abstrakten Wörtern.
0:39:22–0:39:23
Der Narzissmus überfreut.
0:39:25–0:39:30
Als primärer Narzissmus Teil der Entwicklung, als sekundärer Narzissmus dann
0:39:30–0:39:34
später, allerdings quasi wie eine Psychose.
0:39:34–0:39:39
In einer Psychose sind Menschen nicht in der Lage, mit der Welt Kontakt aufzubauen,
0:39:39–0:39:41
weil sie nicht in der Lage sind,
0:39:42–0:39:45
diese, sage ich mal, psychische Energie, probieren wir es mal,
0:39:45–0:39:50
auch auf die Welt da draußen zu richten, sondern alles bei sich selbst ist.
0:39:50–0:39:54
Dass wer dieser psychischen Person, psychotischen Person gegenüber sitzt,
0:39:54–0:39:56
ist jetzt gar nicht so wichtig.
0:39:56–0:40:00
Die Person kann keine Übertragungsdynamik aufbauen und ist deshalb nicht therapierbar.
0:40:00–0:40:06
Das war so ein Argument und das war dieser Narzissmusbegriff bei Freud.
0:40:07–0:40:11
Und was dann passierte bei dem humanen Strukturmodell ist eben,
0:40:12–0:40:17
dass wir haben die Ich-Funktion der Aggression, die Ich-Funktion der Angst und
0:40:17–0:40:21
der Narzissmus wurde dann auch als Ich-Funktion angeschaut.
Florian Clauß
0:40:21–0:40:21
Ja.
Micz Flor
0:40:23–0:40:24
Der Narzissmus...
0:40:25–0:40:29
Kann ja auch konstruktiv sein. Also zum Beispiel, was ich heute anhabe,
0:40:30–0:40:32
das würde ich jetzt in Berlin, glaube ich, nicht anziehen.
0:40:33–0:40:37
Aber es ist kalt und ich habe genommen, was warm ist. Ich habe es einfach so
0:40:37–0:40:39
in mehreren Schichten über mich drüber gezogen.
0:40:39–0:40:43
Und du hast vorhin gefragt bei der Jacke, weil wir sind ja im Podcast,
0:40:43–0:40:47
kann man hören, sie auf diese Flecken gezeigt hat, da gehen die nicht mehr weg.
Florian Clauß
0:40:48–0:40:54
Und du so, ich weiß nicht. Ich habe mir noch nie mit dieser Jacke im Spiegel angeguckt.
Micz Flor
0:40:56–0:40:59
Die konstruktive Narzissmus, das konstruktive, eher zu sagen,
0:40:59–0:41:02
so ein bisschen das eigene Bild von in der Welt sein. Wie möchte ich mich zeigen?
0:41:03–0:41:06
Form von Hygiene, sich um sich kümmern, aber auch reflektieren schon.
0:41:07–0:41:09
Wem begegne ich? Heute nur Flo.
0:41:10–0:41:13
Den habe ich auf meiner Seite, da kann ich anziehen, was ich will.
Florian Clauß
0:41:14–0:41:17
Okay, das hast du jetzt ziemlich aufgefächert.
Micz Flor
0:41:17–0:41:19
Das habe ich aufgefächert. So, und jetzt kommt der springende Punkt, genau.
0:41:20–0:41:26
Mit dieser Umwandlung von vielen eher triebtheoretischen Aspekten aus der freudianischen
0:41:26–0:41:34
Lehre hat Günther Ammon dann irgendwann gesagt, der Narzissmus ist einerseits eine Ich-Funktion,
0:41:35–0:41:40
aber es geht da auch mehr als bei anderen Sachen wirklich primär ums Soziale.
0:41:40–0:41:44
Das Soziale ist dann in gewisser Weise so ein Motor.
0:41:44–0:41:50
Und er hat dann gesagt, der Narzissmus ist für mich beides.
0:41:50–0:41:57
Einerseits eine Form der Ich-Struktur, aber es ist auch eine Zufuhr von gewisser Weise Energie.
0:41:57–0:42:06
Diese Aktion zwischen Kind und Bezugsperson, dieses Aufmuntern oder dieses Erklären
0:42:06–0:42:12
oder auch das Beschwichtigen, das sind alles interpersonelle Dinge, die.
0:42:13–0:42:17
Die er auch als narzisstische Zufuhr beschrieben hat.
0:42:18–0:42:24
Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen, weil er dann natürlich auch den gleichen
0:42:24–0:42:25
Begriff für zwei sehr unterschiedliche Dinge hat.
0:42:26–0:42:28
Das eine ist meine innere Struktur.
0:42:28–0:42:32
Das andere ist Energiefluss zwischen Menschen und den Gruppen.
0:42:33–0:42:39
Und da wurde dann aus diesem, so zumindest erkläre ich es mir und gerne auch
0:42:39–0:42:48
dir und anderen, Aus diesem Narzissmus als energetisches Prinzip wurde dann die Sozialenergie.
0:42:49–0:42:51
Die Sozialenergie beschreibt eigentlich etwas sehr Ähnliches.
0:42:52–0:43:00
Und die ist dann die Energie, die entsteht in gruppenbezogenen Situationen.
0:43:00–0:43:05
Günther Amon hat bei allen Dingen gemerkt, es geht beim Menschsein eigentlich
0:43:05–0:43:11
immer um mehrere Menschen als nur einen. was wir auch bei dir in der Ameisenfolge hatten.
0:43:11–0:43:17
Eine Ameise allein erklärt den Bau nicht wirklich. Und.
0:43:18–0:43:21
Da ist ja viel dran.
0:43:21–0:43:26
Zum Beispiel haben auch andere Psychoanalytiker wie Winnicott,
0:43:26–0:43:28
der hat diesen schönen Satz geprägt.
0:43:28–0:43:31
There is no such thing as an infant.
0:43:32–0:43:36
Also ein Säugling gibt es nicht. Und hat das gesagt, damit man ihm die Frage
0:43:36–0:43:38
stellt, wie meinst du das?
0:43:38–0:43:43
Und er hat gemeint, was ich damit sagen will ist, da wo ein Säugling ist,
0:43:43–0:43:45
ist immer auch ein anderer Mensch.
0:43:45–0:43:49
Da sind wir auch wieder bei Tokio Godfathers. Dieser Säugling muss versorgt
0:43:49–0:43:51
werden, sonst gibt es ihn einfach nicht mehr.
0:43:51–0:43:58
Die Menschen mehr als andere Tiere sind notwendigerweise damit beschäftigt,
0:43:58–0:44:02
ihren Nachwuchs lange zu betreuen.
0:44:03–0:44:08
Und dieses Thema Gruppenbezug, nicht nur natürlich die Mutter,
0:44:09–0:44:15
sondern die Urgruppe wäre bei Amon eben die Herkunftsfamilie.
0:44:16–0:44:20
Und er hat sich dann irgendwie darauf eingelassen, irgendwann zu sagen,
0:44:21–0:44:27
probiere ich doch mal, diese Libido-Theorie wegzulassen und sage nicht mehr,
0:44:27–0:44:31
es gibt ein Libido-Reservoir in uns, das ist diese Energie.
0:44:32–0:44:35
Ich kann dir nicht sagen, wo das Reservoir ist. Ich kann dir nicht sagen,
0:44:35–0:44:37
wie man die Energie misst.
0:44:37–0:44:39
Ich kann dir nicht sagen, wie man die Energie neutralisiert,
0:44:40–0:44:44
aber im Modell wäre das notwendig. Ich kann dir nicht sagen,
0:44:44–0:44:48
wie man die libidogene Energie von Ich auf Objekt umwandelt.
0:44:48–0:44:52
Vielleicht ist es nicht notwendig. Ich habe also viele Fragen,
0:44:52–0:44:54
du musst es trotzdem glauben, hat Amon gesagt.
0:44:55–0:45:00
Aber könnten wir nicht einfach das Libidotriebthema rausnehmen und sagen,
0:45:00–0:45:08
die Kraft, die Menschen als soziale Wesen vorantreibt, vor allen Dingen auch in ihrer Entwicklung,
0:45:08–0:45:10
in ihrer Identität,
0:45:12–0:45:19
ist soziale Interaktion, diese Energie, die da entsteht. Die ist jetzt auch
0:45:19–0:45:20
nicht direkt messbar und so weiter.
0:45:21–0:45:31
Aber wäre es nicht möglich, das anstatt der Trieb-Libido-Theorie als Motor einzusetzen
0:45:31–0:45:32
für psychische Energie?
Florian Clauß
0:45:33–0:45:37
Okay, darf ich gleich nochmal zusammenfassen, ob ich das auch so verstanden
0:45:37–0:45:45
habe, wie du das gemeint hast. Also es bedeutet, ausgehend von dem Mensch in seiner...
0:45:46–0:45:55
In seiner Entwicklung als Säugling ist extrem auf ein soziales Netz angewiesen.
0:45:56–0:46:00
Und in diesem Netz, was wir dann vorher als so diese wabbelnde Debido,
0:46:01–0:46:04
die sich dann halt so nach und nach entfaltet, weil es halt irgendwie mehr...
0:46:04–0:46:10
Aber das heißt auch umgekehrt, um den Säugling herum entsteht halt quasi so
0:46:10–0:46:18
ein Aufmerksamkeitsnetz. Und das ist irgendwo auch implementiert dann in dieser sozialen Beziehung.
0:46:19–0:46:22
Das hat sowohl das Netz wie auch der Säugling erfahren.
0:46:22–0:46:30
Und wenn man das jetzt quasi noch weiter skadiert, das heißt der Säugling wird
0:46:30–0:46:34
dann halt irgendwann zum Menschen heranwachsen und so weiter.
0:46:34–0:46:37
Aber das ist so quasi dieses Restrauschen von sozialer Energie,
0:46:38–0:46:45
die dann am Anfang extrem intensiv erlebt wird und dann aber noch so als Energie
0:46:45–0:46:50
noch immer so im Raum vorhanden ist, weil es irgendwo in dieser Phase des Säuglings gelernt wurde.
Micz Flor
0:46:50–0:46:56
Ja, die soziale Energie muss nicht nur in dieser frühkindlichen Phase so wirksam sein.
0:46:56–0:47:02
Was du beschrieben hast mit vor Menschen reden, Referate halten,
0:47:02–0:47:06
das sind alles Momente, in denen soziale Energie passiert.
0:47:07–0:47:12
Es ist schwierig, alles damit zu beschreiben, auch da kommen wir wieder an Grenzen,
0:47:12–0:47:13
weil zum Beispiel eine Mobbing-Situation,
0:47:14–0:47:21
in der eine Person ausgegrenzt wird und dadurch aber andere Personen auch Gemeinsamkeit
0:47:21–0:47:24
entwickeln und einen größeren Zusammenhalt entwickeln, wenn man das so versucht
0:47:24–0:47:26
abstrakt zu formulieren.
0:47:26–0:47:28
Auch da ist soziale Energie wirksam.
0:47:28–0:47:35
Also es entsteht sozusagen eher ein Feld, in dem, ein sozialenergetisches Feld,
0:47:35–0:47:40
in dem Dinge miteinander in Kontakt sind und das ist vielleicht eine Brücke zu Hartmut Rosa.
0:47:40–0:47:45
Man könnte vielleicht sagen, Sozialenergie als Feld ist etwas,
0:47:45–0:47:48
was diese Resonanz dann ermöglicht, in der.
0:47:51–0:47:55
In der die Menschen miteinander in Kontakt treten. Wo hilft uns das denn?
0:47:56–0:47:59
Und dann finde ich, bei ein paar Dingen ist es erstaunlich, wenn wir sagen,
0:47:59–0:48:02
die Gruppenbezogenheit als Energiereservoir,
0:48:03–0:48:10
in der wir dann konstruktive oder destruktive oder defizitäre Beziehungserfahrungen machen,
0:48:11–0:48:13
die ist zum Beispiel eine sehr
0:48:13–0:48:19
einfache Art, in der man transgenerationale Prozesse beschreiben kann.
0:48:19–0:48:23
Das hatte ich auch in der Encanto-Folge vor vielen, vielen Jahren schon mal kurz erwähnt.
0:48:24–0:48:30
Ich gebe dir da mal ein Beispiel, weil die transgenerationale oder intergenerationale
0:48:30–0:48:34
Traumata-Thematik versucht ja auch immer zu überlegen, ist das jetzt wirklich körperlich?
0:48:35–0:48:40
Ist es notwendig zu wissen, was da passiert ist der Urgroßmutter,
0:48:40–0:48:42
was ist da überhaupt direkt los.
0:48:43–0:48:51
Und im Humanstrukturmodell könnte man einfach sagen, die Weitergabe von Traumata
0:48:51–0:48:53
ist jetzt nicht das Narrativ des Traumata,
0:48:53–0:48:58
was vielleicht, weil diese Menschen ja teilweise auch alle gleichzeitig in der
0:48:58–0:49:05
Welt sind, vielleicht erzählt wird, Tja, vielleicht erzählt die Uroma, was passiert ist,
0:49:06–0:49:07
vielleicht aber auch nicht erzählt
0:49:07–0:49:11
wird und trotzdem ist es vielleicht weitergegeben. Wie passiert das?
0:49:11–0:49:19
Und mit der sozialen Energie würde man sagen, es gibt destruktive und defizitäre Dinge.
0:49:23–0:49:28
Beziehungsstrukturen in der frühen Kindheit. Die Urgroßmutter,
0:49:28–0:49:30
die was Traumatisches erlebt hat,
0:49:31–0:49:35
die ist einfach aufgrund ihres traumatischen Erlebens nicht in der Lage,
0:49:35–0:49:39
ihr eigenes Kind jetzt nicht perfekt,
0:49:39–0:49:43
das ist auch nochmal wichtig, es geht nicht um perfekt, aber sie ist nicht in
0:49:43–0:49:46
der Lage, das Kind so gut zu spiegeln, zu begleiten,
0:49:47–0:49:51
mit Frustration gut umzugehen, selber auch Dinge mal auszuhalten,
0:49:52–0:50:00
dass das Kind angemessen aufwachsen darf, sondern sie wirkt vielleicht oft depressiv, abwesend,
0:50:01–0:50:03
zurückhaltend, aufbrausend,
0:50:03–0:50:10
sodass das Kind keine guten Beziehungserfahrungen macht, da destruktive Elemente
0:50:10–0:50:14
erlebt oder defizitäre Elemente erlebt, bestimmte Dinge gar nicht Thema sind.
0:50:15–0:50:19
Zum Beispiel hatten wir vorhin gesagt, der Narzissmus vielleicht gar nicht Thema
0:50:19–0:50:22
ist, Körperhygiene oder wie man sich anzieht oder wie auch immer.
0:50:23–0:50:29
Das heißt, das Kind einer traumatisierten Person hat Defizite.
0:50:31–0:50:35
In dem eigenen frühen Beziehungserleben und ist dann vielleicht auch selber
0:50:35–0:50:41
nicht gut in der Lage, das dann in der nächsten Generation weiterzumachen.
0:50:41–0:50:47
Das heißt, diese Traumata sind nicht, dass da der Krieg, der Brand,
0:50:47–0:50:55
der Verlust des Geldes, der Tod weitergegeben wird, sondern die Schieflage in
0:50:55–0:51:00
frühen Beziehungserfahrungen über das sozial-energetische Prinzip wird quasi
0:51:00–0:51:02
von Generation zu Generation weitergegeben,
0:51:02–0:51:04
kann aber natürlich dann auch irgendwie verändert werden.
Florian Clauß
0:51:04–0:51:08
Ja, verstehe. Ja, ja, nee, ist klar. Es ist halt quasi eine Fehlstellung,
0:51:08–0:51:13
eine Fehlhaltung, Fehlstellung im Sinne, in Anführungsstrichen.
0:51:13–0:51:19
Das wird jetzt so als normal wahrgenommen von dem anderen und der übernimmt
0:51:19–0:51:27
das irgendwie mit dem defizitären Fade.
Micz Flor
0:51:27–0:51:33
Und wenn wir jetzt dann uns im Extrem wieder zurückziehen auf intrapsychische
0:51:33–0:51:38
Phänomene, dann ist transgenerational Traumata immer wie so ein kleines Wunder.
0:51:38–0:51:41
Wir wissen nicht, wie das in diesen kybernetischen Prozess reinkam,
0:51:42–0:51:44
aber irgendwie scheint es einen Einfluss zu haben.
Florian Clauß
0:51:45–0:51:47
Was meinst du mit kybernetisch?
Micz Flor
0:51:47–0:51:50
Naja, so einen intrapsychischen, physischen Prozess.
Florian Clauß
0:51:50–0:51:52
So ein Feedback-System hast du da.
Micz Flor
0:51:52–0:51:57
Ja, mein Bild sollte da sein, ein in sich geschlossener. Eine Person sitzt vor
0:51:57–0:52:02
mir und diese Person nehme ich als die ganze Welt wahr, in der wir arbeiten.
0:52:03–0:52:05
Und wie kommen da Dinge von außen rein?
0:52:06–0:52:13
Und das musste man dann irgendwie erklären, während man über diese Beziehungsbindung, Sozialenergie,
0:52:13–0:52:20
Weitergabe gar nicht notwendigerweise erklären muss, ob das jetzt eine Mitteilung
0:52:20–0:52:24
war und die Tochter genauso geschockt war wie die Mutter oder ob es nur überbindet.
0:52:24–0:52:28
Das ist nicht so wichtig, sondern die Weitergabe ist leicht zu erklären.
0:52:28–0:52:30
Ich muss gerade überlegen, ich hatte gerade noch ein anderes Beispiel.
Florian Clauß
0:52:30–0:52:31
Ich wollte gerade abmoderieren.
Micz Flor
0:52:32–0:52:33
Und das war's.
Florian Clauß
0:52:33–0:52:40
Das war ein Wege über. Nee, aber ich glaube, du bist jetzt ganz zufrieden,
0:52:40–0:52:44
dass du da so den Begriff so aufgefächert hast, oder?
Micz Flor
0:52:44–0:52:49
Also ich wollte mal ganz kurz die Brücke zwischen Hartmut Rosa und Günther Ammon
0:52:49–0:52:52
schließen, weil die kommen ja von unterschiedlichen Richtungen.
0:52:52–0:52:57
Der eine aus der Soziologie von außen, ja, über sein Reflektieren auf Gesellschaftsniveau,
0:52:58–0:53:04
überhitzte Gesellschaft, alles voller Energie. Energie dann über das Resonanzthema
0:53:04–0:53:05
und dann die Frage, wo kommt die Energie her?
0:53:07–0:53:12
Und Günther Ammon aus diesem intrapsychischen freudianischen Triebkonzept erweitert
0:53:12–0:53:14
um Sozialenergie später,
0:53:14–0:53:22
also als gruppenbezogene Dynamik, die dann auch bei Ammon natürlich in der Einzel-
0:53:22–0:53:27
und Gruppentherapie erst mal verhaftet bleibt, aber von der dann auch sagt,
0:53:27–0:53:28
das kommt auch als Zitat im Blog,
0:53:29–0:53:31
dass diese Sozialenergie.
0:53:34–0:53:38
Die Begegnung erst mal umfasst. Also ich glaube nicht nur ab drei Leute,
0:53:38–0:53:41
sondern auch einfach die Begegnung, die Gruppe.
0:53:42–0:53:48
Dann aber auch die umgebende Gruppe, die Gemeinschaft, aber auch die Gesellschaft.
0:53:48–0:53:52
Ich glaube, die Unterscheidung da ist eher so zwischen dem eher emotionalen,
0:53:52–0:53:54
aber auch dem regelhaften, strukturierten.
0:53:55–0:54:00
Und er stellt dann schon auch eine Brücke her hinein in so kulturelle Kreise, Gesellschaftskreise.
0:54:01–0:54:07
Und das ist, glaube ich, der Punkt, an dem er dann sich auch mit dieser Resonanz,
0:54:07–0:54:13
also nicht Resonanztheorie, aber mit dieser Frage, wie Resonanz entsteht und
0:54:13–0:54:18
was die soziale Energie ist, die Hartmut Rosa stellt, diese Fragen, da verbinden kann.
0:54:20–0:54:27
Das wäre jetzt mal so ein Versuch, diese Brücke von beiden Seiten in der Mitte zu schließen.
Florian Clauß
0:54:27–0:54:34
Es ist ja schon so, also ich glaube, ich weiß nicht, ob das jetzt zu methodologisch
0:54:34–0:54:39
ist, aber es ist ja schon so ein bisschen, was du aus deiner Gestalttherapieausbildung
0:54:39–0:54:41
dann mit anwenden kannst, oder?
Micz Flor
0:54:41–0:54:45
Ja, ich habe ja das Institut, wo ich die Ausbildung gemacht habe,
0:54:45–0:54:47
jetzt für die Psychodynamik, für den TP,
0:54:48–0:54:52
auch ausgesucht, gerade weil es diesen Gruppenbezug hat, den ich halt bei der
0:54:52–0:54:58
Gestalttherapieausbildung leben durfte und ich jetzt auch merke in der Praxis,
0:54:58–0:55:01
dass mir das irgendwie hilft. Ja, ich habe bestimmte Dinge,
0:55:03–0:55:08
die man jetzt nicht in der TP-Ausbildung machen würde, die ich aus der Geschalttherapie
0:55:08–0:55:15
nehme und das auch gut argumentieren kann, vor dem psychodynamischen theoretischen Gebäude dahinter,
0:55:16–0:55:20
die sehr viel aktionsbezogener sind.
0:55:21–0:55:25
Wo man gerade in der Gruppe, glaube ich, ist es auch sinnvoll,
0:55:25–0:55:29
dass man nicht nur über das da draußen spricht,
0:55:30–0:55:35
sondern wirklich auch im Hier und Jetzt aktiv ist und dann passiert was du ja
0:55:35–0:55:41
vorhin auch gesagt hast dann hat man seine Versuchsanordnung direkt vor sich
0:55:41–0:55:44
dazu gehört halt dass die Person im Hier und Jetzt ist,
0:55:46–0:55:47
und dann ist es nicht.
0:55:49–0:55:55
An irgendjemandem zu sagen das ist doch im Prinzip gerade genau das was wir
0:55:55–0:55:59
mit ihrem Bruder erlebt haben sondern da muss die Person schon selber drauf kommen,
0:56:00–0:56:04
vielleicht ist es auch eine falsche Hypothese und was geht ganz woanders hin,
0:56:04–0:56:08
aber der Konflikt, der zwischen zwei Menschen in der Gruppenpsychotherapie entsteht,
0:56:09–0:56:14
der ist in der Gruppe auch immer viel einfacher zu lösen, weil die Gruppe Menschen
0:56:14–0:56:19
sind, die sich füreinander öffnen, damit es allen irgendwie besser geht,
0:56:19–0:56:24
die bereit sind, selber daran zu lernen, dass jemand anders mit ihnen ein Problem hat.
0:56:24–0:56:30
Und solche Gruppen hast du halt in der normalen, in Anführungszeichen, Welt nicht wirklich.
0:56:30–0:56:35
Es gibt immer die Möglichkeit, Sachen auszusprechen, Sachen zu stoppen,
0:56:36–0:56:41
Sachen zu wiederholen, Sachen auszuprobieren in einem sozialen Gefüge.
0:56:42–0:56:47
Ja, und du weißt, das weiß jeder aus Erfahrung, den Luxus hätte man mancher
0:56:47–0:56:51
gerne auch, war da, keine Ahnung, Weihnachtsfest.
0:56:52–0:56:55
Können wir den Tag nochmal anfangen, bitte? Das lief alles schief,
0:56:55–0:56:57
aber können wir es nochmal anders probieren?
0:56:58–0:57:02
Und das ist halt ein unfassbares Geschenk in der Gruppenpsychotherapie,
0:57:02–0:57:04
dass so viele Menschen für einen da sind.
Florian Clauß
0:57:05–0:57:09
Ja, ich habe auch von Leuten schon gehört, die in Gruppentherapie sind,
0:57:09–0:57:14
dass sie dann halt so, oh schön, das Thema nehme ich mit und bespreche jetzt in meiner Gruppe.
0:57:17–0:57:21
Also die Gruppe dann halt schon so auch als so ein Konfliktslösungsraum.
0:57:21–0:57:30
Ja, dann und aber ja, nee, ich glaube allein, wie du sagst, dass die einzelnen
0:57:30–0:57:32
Gruppenmitglieder dann die,
0:57:33–0:57:39
Zeit sich nehmen, die Energie dahin zu kommen und dann auch auf sich nehmen
0:57:39–0:57:43
und zusammen zu kommen, das ist ja dann erstmal hast du ja dann auch das ist
0:57:43–0:57:45
dann auch, glaube ich, ganz wichtig von diesem,
0:57:46–0:57:48
Heilvertrag, ne, dass du halt irgendwie so,
0:57:48–0:57:52
dass dir schon mal so diesen Raum für sich persönlich einräumen,
0:57:52–0:57:57
um dann halt da wirken zu können.
0:57:58–0:58:04
Das ist, glaube ich, so wichtig als Voraussetzung. Da ist ja schon mal eine Grundeinstellung da.
Micz Flor
0:58:04–0:58:07
Ja, das ist schön. Wollen wir es dabei belassen?
Florian Clauß
0:58:07–0:58:16
Ja, gerne. Und ja, vielen Dank, Mitch. Also es war jetzt in der Kälte des Dezembers
0:58:16–0:58:22
auf dem Brandenburger Land, zwischen den Mindmühlen war das jetzt nochmal hier,
0:58:23–0:58:25
Recht erhellen.
Micz Flor
0:58:27–0:58:31
Die Sozialenergie ist der Glühwein für die Gruppenseele.
Florian Clauß
0:58:33–0:58:38
Ich freue mich jetzt auch schon auf die Suppe in der Neuen. Okay, das war...
Micz Flor
0:58:38–0:58:39
Steigen wir gleich auf die Räder.
Florian Clauß
0:58:40–0:58:46
Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann hinterlasst uns gerne irgendwo eine positive Bewertung.
0:58:47–0:58:51
Und wir sagen Tschüss. Bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
0:58:51–0:58:53
Ja, macht's gut. Tschüss.

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"... chaos magic has no history. Every culture and generation rewrites the eternal verities of magic in terms of its own symbolism and idiosyncrasies; only the underlying practical techniques of magic really matter." -- Peter J. Carroll in Liber Null

Diesen zweiten Teil der Episode über Wissenschaft, Evidenz, C. G. Jung und "Das Rote Buch" beginnen wir mit einem Ausflug in die Magie. Zuerst hören wir noch einmal einen Auszug aus dem zauberhaften Roman "Jonathan Strange & Mr. Norrell". Damit hatten wir auch den ersten Teil abgeschlossen. Und dann stolpern wir hinein in die sogenannte Chaosmagie, eine magische Praxisform, die in den späten 1970er-Jahren entstand. Der Übergang ist so holprig, dass Flo anfangs vermutet, Peter Carroll sei ein weiterer Charakter des Romans. Vielmehr hat Peter J. Carroll mit den Werken "Liber Null" und "Psychonaut" eine theoretische und praktische Grundlage für eine neue Praxis der Magie formuliert, die heute als Chaosmagie bezeichnet wird. Carrolls Ansatz betont den pragmatischen Umgang mit magischen Techniken und versucht, diese von überlieferten rituellen und symbolischen Systemen zu lösen. Und – deshalb kommt die Chaosmagie in dieser Folge vor – er beansprucht ein empirisch orientiertes Vorgehen, das die Wirksamkeit von Praktiken anhand subjektiver Erfahrung überprüft. Wir befinden uns also mitten in der Frage: Was ist Wissenschaft? Und drehen jetzt das Rad noch einmal weiter: Ist Magie Wissenschaft? Wir drehen das Rad dann noch ein Stück weiter und erreichen so wieder die Praxen der Psychotherapeut:innen, beziehungsweise die psychotherapeutische Praxis – insbesondere Körperarbeit und Atemtechniken.

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

Florian Clauß
0:00:04–0:00:04
Läuft.
Micz Flor
0:00:04–0:00:11
Ja okay wir sind immer noch am höchsten punkt unserer tour im zweiten teil.
Florian Clauß
0:00:18–0:00:25
Ja hier ist eigentlich podcast episode 80 mit als wir unseren podcast angefangen
0:00:25–0:00:31
haben haben wir darüber diskutiert, sollen wir eine Null vor den zwei Stellen machen oder nicht?
0:00:31–0:00:36
Jetzt bekommen wir tatsächlich der 100 nahe und es hat sich dann als gut bewiesen,
0:00:36–0:00:39
dass wir eine Null, dass wir dreistellig gestartet sind.
Micz Flor
0:00:39–0:00:45
Wir sind schon bei 80, genau. Aber das 80 natürlich evoziert auch sowas wie ein Altersjubiläum.
0:00:46–0:00:49
Schön wäre es, wenn wir nur zwei Nullen gehabt hätten, weil wir dann wissen,
0:00:49–0:00:53
dass wir höchstwahrscheinlich noch am Leben sind, wenn dieser Podcast hineingefindet.
0:00:53–0:00:57
Jetzt ist die tragische Wahrheit, dass wir wahrscheinlich das Ende des Podcasts
0:00:57–0:01:00
auf einer numerischen Ebene nicht erleben werden.
Florian Clauß
0:01:00–0:01:05
Oh wei. Mitch, jetzt ist es so ein trauriger Einstieg. Da hatten wir so einen
0:01:05–0:01:08
Cliffhanger zum Ende gebaut, der ersten Episode.
0:01:08–0:01:12
Der erste von dieser Episode, nämlich Episode 78. Wir wechseln uns immer mit
0:01:12–0:01:15
einem Thema ab. Wir laufen beim Reden.
0:01:15–0:01:18
Das heißt, wir suchen uns eine Strecke in Berlin aus, meistens Berlin,
0:01:19–0:01:23
und laufen gemeinsam und sprechen über das Thema, das dieses Mal auch Mitch
0:01:23–0:01:24
weiter vorbereitet hat.
Micz Flor
0:01:24–0:01:30
Genau. Der Cliffhanger Das habe ich gerade in meiner Biografie vor einer Minute
0:01:30–0:01:32
schon mal gelesen, aber ich lese noch mal die letzten Zeilen.
0:01:33–0:01:37
Mr. Norris kleine blauen Augen wurden härter und leuchteten und er knifft die
0:01:37–0:01:40
Lippen zusammen, als wollte er eine große heimliche Freude unterdrücken.
0:01:41–0:01:46
Die Quelle ist in den Shownotes oder eben Folge 78 noch mal hören,
0:01:46–0:01:47
weil das ist jetzt eigentlich nur ein Foto.
0:01:48–0:01:52
Es war so, dachte Mr. Segundus, als hätte er lange Zeit darauf gewartet,
0:01:52–0:01:56
dass ihm jemand diese Frage stellte und als hätte er die Antwort darauf seit Jahren parat.
0:01:56–0:01:59
Mr. Norrell sagte, ich kann Ihnen bei Ihrer Frage nicht helfen,
0:02:00–0:02:03
Sir, denn ich verstehe Sie nicht. Es ist die falsche Frage, Sir.
0:02:04–0:02:10
In England wird noch gezaubert. Ich selbst bin ein ziemlich passabler, praktischer Zauberer.
0:02:11–0:02:16
Das war der Cliffhanger. Flo, jetzt hattest du vier Wochen Zeit, darüber nachzudenken.
Florian Clauß
0:02:18–0:02:20
Ich bin wahr, jetzt waren es vier Minuten.
Micz Flor
0:02:21–0:02:21
Worum geht es denn?
Florian Clauß
0:02:21–0:02:26
Nein, nein, ich erwarte, ich bin gespannt auf deine Auflösung.
Micz Flor
0:02:26–0:02:30
Kennst du das bei ChatGPT, wenn der fragt, welche Antwort gefällt Ihnen besser?
Florian Clauß
0:02:31–0:02:33
Ich kriege meistens nur eine Antwort.
Micz Flor
0:02:34–0:02:39
Es gibt ja manchmal, gut, meine Fragen schlecht formuliert. Ich bin der Project
0:02:39–0:02:40
Manager, den jeder hasst.
0:02:41–0:02:47
I think we need buttons. Ja, da steht dann manchmal so da, wähle aus,
0:02:47–0:02:51
was dir besser passt und dann so die kurze Info auch noch, das wird jetzt quasi
0:02:51–0:02:54
als Wissen mitgespeichert, also seine Aktion wird gespeichert.
0:02:55–0:02:59
Und ich habe zwei Pfade in diese Folge oder in diesen Abschnitt gelegt,
0:02:59–0:03:00
wo ich dachte, der ist in der gleichen Folge.
0:03:01–0:03:04
Das eine ist die Chaosforschung, da haben wir ganz kurz vorhin drunter gesprochen.
0:03:05–0:03:09
Und das andere ist jetzt eben dieser Mr. Norrell, der Zauberer.
0:03:10–0:03:12
Und jetzt gehe ich noch mal eine dritte.
Florian Clauß
0:03:12–0:03:17
Aber das ist so ein bisschen auch wie so ein Logikrätsel, ne?
0:03:18–0:03:22
Dass irgendwie zwei, einer lügt und dann weiß es nicht wer.
0:03:24–0:03:26
Dieses Paradox, was da auch mit drin hängt.
Micz Flor
0:03:27–0:03:33
Ja, wir kamen ja aus jung raus, als auch ambivalent bleiben,
0:03:33–0:03:39
der halt irgendwie ja auch nicht ganz greifbar ist.
0:03:39–0:03:45
Ist er jetzt wirklich abgedriftet in esoterische, spirituelle, metaphysische Räume?
Florian Clauß
0:03:45–0:03:45
Wieso auch?
Micz Flor
0:03:47–0:03:51
Weil wir ja jetzt einen Magier, den wir jetzt den Norrell gehört haben.
0:03:54–0:04:01
Oder ist er Wissenschaftler, der bestimmte Dinge in ihrer Wirksamkeit anbietet
0:04:01–0:04:04
und prüft und dann auch in psychotherapeutischer Arbeit einsetzen kann.
0:04:05–0:04:09
Dieses rote Buch, was wir erwähnt haben, ist dann wirklich so ein Grenzbereich,
0:04:10–0:04:17
in dem die Art, wie er schreibt und sich selbst auch mit in die Schrift hinein
0:04:17–0:04:22
holt, schon manchmal so anmutet, als ob da jemand eine Religion begründet.
0:04:22–0:04:27
Er hat auch mit viel Liebe das Ganze in gotischen, handschriftlichen Schrift
0:04:27–0:04:30
geschrieben, mit Zeichnungen, für die er auch Vorzeichnungen gemacht hat.
0:04:30–0:04:32
Also es ist alles schon etwas, was er wirklich inszeniert hat.
0:04:33–0:04:37
Ein großer Klotz, vielleicht war der ihm sogar deshalb zu schwer geworden,
0:04:37–0:04:40
als dass er ihn dann nicht mehr publizieren wollte, weil die Leute vielleicht
0:04:40–0:04:43
denken, was ist denn das für ein Egomane oder so.
0:04:43–0:04:48
Aber es war auf jeden Fall etwas, was ihn über ein Jahrzehnt begleitet hat in der Herstellung.
0:04:50–0:04:54
Und das sind zwei Abschnitte. Das ist, glaube ich, das, ich weiß nicht mehr
0:04:54–0:05:01
genauen Wort, ich glaube, Lieber Novus, nee, Lieber Primus und Lieber Sekundus war es.
Florian Clauß
0:05:01–0:05:01
Ja.
Micz Flor
0:05:01–0:05:06
So nennt er diese beiden Bereiche, also Lieber. Und wir werden jetzt uns mit
0:05:06–0:05:10
einem Buch beschäftigen, das Lieber Null heißt.
Florian Clauß
0:05:10–0:05:11
Lieber Null?
Micz Flor
0:05:11–0:05:12
Lieber Null.
Florian Clauß
0:05:12–0:05:14
Okay, also Nulltes Buch.
Micz Flor
0:05:14–0:05:15
Null, genau.
Florian Clauß
0:05:15–0:05:18
Also wie die Null, die man auch beim Programmieren verwendet.
Micz Flor
0:05:18–0:05:23
Genau. Und das zweite Buch aus der Serie von dem gleichen Autor,
0:05:23–0:05:27
das ist entstanden in den 70er Jahren, Peter J. Carroll.
0:05:28–0:05:32
Das zweite Buch hieß dann aber nicht mehr lieber Uno oder sowas,
0:05:32–0:05:37
sondern das hieß Psychonaut, also Psychonaut, aber englisch geschrieben,
0:05:37–0:05:39
woher wir dann auch schon wissen, wo das herkommt.
0:05:42–0:05:45
Wir gehen jetzt, wir gehen jetzt in die Magie.
Florian Clauß
0:05:46–0:05:46
Oh.
Micz Flor
0:05:49–0:05:55
Jetzt wird es ganz okkult. Wir haben ja jung was gewusst. Wir gehen jetzt hinein in die Magie.
Florian Clauß
0:05:55–0:05:55
Ja.
Micz Flor
0:05:56–0:06:01
Aber ich muss vorneweg sagen, ich bin kein Magier.
0:06:01–0:06:05
Ich habe keine magischen, weder Rituale noch Handlungen vollbracht.
0:06:05–0:06:09
Und ich spreche jetzt als jemand, der sich dafür interessiert,
0:06:09–0:06:11
weil sich die Themen überschnitten haben.
Florian Clauß
0:06:11–0:06:11
Okay.
Micz Flor
0:06:13–0:06:18
Peter J. Carroll hat das in den 70er Jahren die Chaos-Magie begründet.
0:06:19–0:06:22
Warum die Chaos-Magie? Du wirst gerade so... Hast du Angst?
Florian Clauß
0:06:22–0:06:26
Nee, ich überlege. Ich versuche gerade jetzt... Wie hast du jetzt den Carroll
0:06:26–0:06:28
eingeordnet? Das war jetzt was für ein...
Micz Flor
0:06:28–0:06:29
Das ist ein Magier.
Florian Clauß
0:06:30–0:06:32
Achso, okay. Also du bist jetzt noch im Buch denn?
Micz Flor
0:06:33–0:06:37
Nee, das ist jetzt ein Magier. Also Peter J.
0:06:37–0:06:42
Carroll kommt nicht als Charakter im Buch vor, sondern ich habe ein sehr schönes
0:06:42–0:06:44
englisches Buch auch deshalb vorgelesen, weil in England Magie,
0:06:44–0:06:46
glaube ich, nochmal anders verankert ist als bei uns.
0:06:47–0:06:53
Wir sind jetzt in England, in England der 70er Jahre und Carol schreibt das
0:06:53–0:06:57
Buch Lieber Null in eine Szene hinein, in der das dann auch,
0:06:58–0:07:02
vor dem kulturellen Hintergrund der Zeit manchmal so Chaos, also Chaos Magie,
0:07:02–0:07:04
aber so Punk. Das war so Punk.
Florian Clauß
0:07:04–0:07:08
Das heißt, das ist wirklich so ein selbsternannter Magier.
Micz Flor
0:07:08–0:07:15
Das ist ein Magier, genau. Genau, und zwar die neueste Generation und da knüpfen
0:07:15–0:07:18
wir an das Hauptthema wieder an, so bin ich nämlich überhaupt drauf gekommen,
0:07:18–0:07:22
über diese ganzen Umwege, hat die Chaos-Magie von sich gesagt, okay.
0:07:24–0:07:28
Den ganzen Kladderadatsch der Jahrhunderte lassen wir jetzt mal außen vor.
0:07:28–0:07:32
Wir brauchen keine rote Robe oder Zauber, das brauchen wir alles nicht.
0:07:33–0:07:37
Nur was wirklich funktioniert, es geht nur um den Akt der Magie.
0:07:38–0:07:40
Es geht nur um das, was funktioniert.
0:07:41–0:07:46
Es gibt dann auch eine Anweisung in dem Lieber Null Buch.
0:07:46–0:07:52
Man soll bitte Notizen machen, aufschreiben, was man gemacht hat,
0:07:52–0:07:56
wie man es gemacht hat, was passiert ist. Also es ist quasi eine empirische,
0:07:56–0:07:59
fast schon medizinische Herangehensweise.
0:07:59–0:08:02
Alle Variablen werden aufgeschrieben und dann wird gezaubert.
0:08:02–0:08:05
Und dann wird geguckt, ob was passiert oder nicht passiert. Es wird auch vermerkt,
0:08:05–0:08:09
wenn was passiert, dann solle man bitte seine Befunde mit anderen teilen.
0:08:09–0:08:11
Die sollen es auch probieren. Wenn das auch klappt, dann ist es auch gut.
0:08:12–0:08:17
Und es muss quasi eine empirische Validität geben von Magie.
0:08:20–0:08:22
Ich glaube, diese Folge werde ich ganz viel alleine reden.
Florian Clauß
0:08:22–0:08:28
Ich versuche gerade rauszuhören, wo es hingeht. Ich bin gespannt.
Micz Flor
0:08:31–0:08:35
Die Magie nennt sich auch eklektische Magie.
0:08:35–0:08:38
Und ist in der Herangehensweise nicht unähnlich der Verhaltenstherapie,
0:08:38–0:08:45
die auch hauptsächlich über Evidenzforschung, Interventionen für valide erklärt.
Florian Clauß
0:08:46–0:08:51
Das ist jetzt nicht fiktional. Das ist wirklich eine Geschichte von diesem.
Micz Flor
0:08:53–0:08:56
Aber es ist genau ja auch diese Ambivalenz, die ich spannend finde,
0:08:56–0:09:03
weil ich habe, als ich das gefunden hatte, dann halt im deutschsprachigen Raum
0:09:03–0:09:06
oder im englischen Raum auch natürlich, wie man das so macht auf Podcasts,
0:09:06–0:09:07
man ist ja viel unterwegs,
0:09:07–0:09:12
geguckt, was wird denn da so diskutiert und dann habe ich viel Chaos Magic gefunden
0:09:12–0:09:18
oder Chaos Magie, Chaos Magie Hexen, die darüber sprechen, wie sie arbeiten und so.
0:09:21–0:09:25
Und das ist aber auch nochmal eine interessante Abtrennung davon,
0:09:25–0:09:33
weil in den Podcasts habe ich selten wirklich Leute sprechen hören über ihre
0:09:33–0:09:38
magischen Wirkungsweisen und in Anführungszeichen Erfolge oder so.
0:09:38–0:09:42
Das wird nicht besprochen, es wird aber viel über Chaos, Magie und über den
0:09:42–0:09:44
Punk darin immer gesprochen.
0:09:44–0:09:50
Es gab einen Herrn Crowley, der vorher schon so eher zeitgleich auch mit der
0:09:50–0:09:56
Psychoanalyse und mit Jungen in England so ein Magier war,
0:09:56–0:10:00
der auch Drogen genommen hat und der auch versucht hat, die Magie zu revolutionieren.
0:10:01–0:10:04
Aber in den 70er Jahren wurde dann nochmal gesagt, wir machen jetzt einen Cut.
0:10:05–0:10:11
Wir sind ganz eklektisch wir gehören keiner Schule an ist jetzt auch so,
0:10:11–0:10:16
wenn man Punkmusik wir sind jetzt nicht irgendwie die die mit Stringorchester
0:10:16–0:10:17
oder Folk oder sonst was,
0:10:17–0:10:21
das ist so ein Schnitt wir machen das alles ganz neu und jeder kann anfangen,
0:10:21–0:10:24
auch Punk nimm Gitarre in die Hand und mach,
0:10:25–0:10:29
und dann wird Magie gemacht und Carol hat dann,
0:10:31–0:10:36
Sachen auch aufgeschrieben in dem Lieber Null Buch was einem helfen kann,
0:10:36–0:10:38
Magie zu machen, also Grundvoraussetzungen.
0:10:39–0:10:41
Und die sind sehr körperlich auch.
0:10:42–0:10:49
Also man soll üben, wann immer man kann, eine statische Position einzunehmen
0:10:49–0:10:53
und sich gar nicht zu bewegen, das so lange als möglich auszuhalten.
0:10:53–0:10:56
Weil wenn man Magie macht, dann ist es wichtig, dass man das kann.
0:10:57–0:11:02
Wir erinnern uns an die letzte Folge, an einen Jungen, der so lange das Bild
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seines Opas angeschaut hat, bis er dann wirklich die Treppe runterkam.
0:11:05–0:11:10
Der hatte auch da schon scheinbar, vielleicht hat Carol auch jung gelesen.
0:11:11–0:11:15
Dann geht es um Trance-ähnliche Zustände, wo dann später auch in anderen Büchern
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dazu dann Atemtechniken auch angesprochen werden.
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Wie kann man sich in hohen energetischen Zustand, Trance-Zustände irgendwie reinarbeiten?
0:11:27–0:11:31
Ich glaube, erst im zweiten Buch schreibt Carol dann auch selber über seine,
0:11:32–0:11:35
also wie das, was ich für ein Junggeschmied habe, über seine Magie so ein bisschen.
0:11:35–0:11:39
Er erinnert sich noch, dass er als Teenager sich dafür interessiert hat,
0:11:39–0:11:41
damit angefangen hat, einfach mal so Dinge zu machen.
0:11:41–0:11:45
Und dann aber auch in seiner revolutionären Haltung gegenüber allem,
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was es schon gibt, hat er dann einfach so vor sich hin gemacht.
0:11:51–0:11:54
Das erste Erlebnis, was er wohl hatte, wo er gespürt hat, dass er was bewirken
0:11:54–0:11:59
kann, magisch ist, als er mal einen Schaffner an der Bushaltestelle,
0:11:59–0:12:03
muss ich nochmal gucken, Das Buch ist gratis auch in archive.org runterzuladen.
0:12:04–0:12:05
Das ist also verlinkt, kann jetzt jeder.
0:12:05–0:12:10
Ich möchte es nicht in die Welt streuen, aber es ist einfach da. Es ist ja schon da.
0:12:10–0:12:13
Und da hat er den so lange angeguckt, bis der auf einmal so hochgesprungen ist,
0:12:13–0:12:15
als ob er mir hintergetreten hätte.
0:12:16–0:12:18
Und dann hat er gemerkt, was habe ich da gemacht, was kann ich?
0:12:18–0:12:23
Und dann beschreibt er bestimmte Sachen, die er kann oder die er schon erlebt
0:12:23–0:12:27
hat. Und dazu gehören auch Dinge wie zum Beispiel in einem trance-ähnlichen
0:12:27–0:12:30
Zustand in einen anderen Ort zu gehen.
0:12:30–0:12:33
Also quasi wie so Teleporting, den zu sehen, nicht anwesend zu sein,
0:12:34–0:12:37
aber das zu sehen, also wie in so eine Kugel hineinschauen.
0:12:39–0:12:43
Bei einem Ort hat er gedacht, es hätte nicht geklappt und er war total verwirrt,
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was da passiert war, bis er dann verstanden hat, ach nee, es war der richtige
0:12:47–0:12:51
Ort, aber er war upside down, also er war verkehrt rum, dass man das nicht so richtig sehen kann.
0:12:51–0:12:55
Was auch noch mal wichtig ist, der Begriff der Magie, wie er da beschrieben
0:12:55–0:13:01
wird, der ist ganz kurz gefasst eigentlich. Da steht nicht so viel drin.
0:13:02–0:13:07
Magie ist die Kunst, Veränderungen in Übereinstimmung mit dem Willen herbeizuführen.
0:13:07–0:13:11
Das heißt, du hast einen eigenen Willen, du möchtest was in der Welt verändern
0:13:11–0:13:13
und dann möchtest du mit der Welt,
0:13:16–0:13:21
Die angestrebte Veränderung in der Welt durch deinen Willen erzeugen.
Florian Clauß
0:13:21–0:13:21
Okay.
Micz Flor
0:13:23–0:13:24
Welcher Film fällt dir dazu ein?
0:13:32–0:13:33
Männer, die auf Ziegen starren.
Florian Clauß
0:13:34–0:13:35
Ja, klar, natürlich.
Micz Flor
0:13:38–0:13:43
Also das ist ja auch irgendwie so diese Zeit. Das war noch ein bisschen später,
0:13:43–0:13:45
aber da ist das so mit entstanden.
0:13:46–0:13:50
Und die Chaos-Forschung habe ich da einfach so mit reingebracht auch,
0:13:50–0:13:55
weil in der Chaos-Forschung ist ja dieser Butterfly-Effekt. Ich habe das nicht gefunden.
0:13:55–0:13:58
Ich weiß nicht, warum das Chaos-Magie heißt. Das steht im Buch nicht drin.
0:13:59–0:14:03
Später wird nochmal über Chaos-Forschung oder Science, glaube ich,
0:14:03–0:14:06
wird sogar genannt, gesprochen.
0:14:09–0:14:13
Aber nicht erklärt, warum das Chaos-Magie heißt. Gerne in den Kommentaren nachreichen.
0:14:14–0:14:15
Ich habe es nicht gefunden.
0:14:17–0:14:21
Aber meine Assoziation, deshalb wollte ich die Chaosforschung damit reinnehmen,
0:14:22–0:14:28
wenn du es schaffen kannst, zu sagen, ein Tornado entsteht durch das Flappen
0:14:28–0:14:30
von einem Schmetterling in Brasilien.
0:14:31–0:14:37
Dann ist es doch eigentlich irgendwie denkbar, dass wir irgendwie mit der Energie,
0:14:37–0:14:40
die wir haben, wir haben ja zumindest Körpertemperatur, die können wir vielleicht
0:14:40–0:14:43
sogar verändern, irgendwelche anderen, man kann ja Alpha-Wellen,
0:14:44–0:14:46
bitte, was weiß ich, was wir am Körper alles messen können, dass jemand sagt,
0:14:47–0:14:51
wenn wir uns dieser Idee verschreiben, dass wir in der Welt etwas verändern
0:14:51–0:14:59
können, im Kleinen und dadurch dann aber auch was Großes passieren kann, das ist doch Magie.
0:15:00–0:15:03
Und jetzt kann ich auf eine Magie zu sprechen kommen, die in meinem E-Reader
0:15:03–0:15:06
inne wohnt, die ich dir schon mal erzählt habe.
0:15:06–0:15:10
Ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich hatte als erstes Buch auf meinen E-Reader
0:15:10–0:15:16
damals 2001 von Arthur C. Clarke draufgemacht.
0:15:16–0:15:20
Weil ich wollte das immer mal lesen und das war dann irgendwie greifbar,
0:15:20–0:15:23
sag ich mal. Und dann hatte ich das als erstes drauf und dann kam andere danach.
0:15:24–0:15:28
Immer wenn ich neue Sachen drauf lade, dann werden die in der Timeline oben
0:15:28–0:15:31
reingefüttert. Das heißt, das letzte reingeladen ist immer ganz oben.
0:15:32–0:15:36
Aber immer wenn ich neue reinlade, ist Arthur C. Clarke 2001 das allererste Buch.
0:15:37–0:15:40
Das zweite Buch ist das letzte reingeladen und dann geht es so weiter nach unten.
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Arthur C. Clarke wird dann irgendwie durch Lesefalten auch mit runtergedrückt.
0:15:44–0:15:49
Aber immer wenn ich eins drauf schiebe, habe ich Arthur C. Clarke ganz oben. Magia for Me Reader.
Florian Clauß
0:15:49–0:15:54
Du hast auch gerade bewiesen, dass es nicht die alphabetische Reihenfolge ist,
0:15:54–0:15:57
sondern die zuletzten. Die zuletzten, genau.
0:15:57–0:16:05
Aber vielleicht hat Arthur C. Clarke 2001 einen Timestamp von 2048.
Micz Flor
0:16:05–0:16:10
Das kann sein, muss man mal gucken. Good thinking. I like your thinking, man.
0:16:11–0:16:15
Und Arthur C. Clarke hat ja mal diesen Satz gesagt, sinngemäß.
0:16:15–0:16:18
Jede fortschrittliche Technik muss
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wie Magie wirken in einer anderen Zivilisation, in einer anderen Zeit.
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Und das finde ich schon auch nochmal einen tollen Satz, wenn man Magie und Technik
0:16:29–0:16:31
zueinander reibt, genauso wie wir,
0:16:35–0:16:40
dass Okkulte, also die Empirie in der Wissenschaft oder die Empirie,
0:16:40–0:16:44
wie Jungseferstande aneinander reiben, dass da so Übergänge drin sind.
0:16:45–0:16:48
Und Cat Weasel kennst du vielleicht auch noch aus den 70er Jahren,
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diese Serie, mit dem durch die Zeit gereisten Mittelaltertyp mit so einem Spitzbart.
0:16:53–0:17:00
Der kommt halt aus dem Mittelalter ins England der 70er Jahre und ist einfach total, was ist das?
0:17:00–0:17:03
Er hat so eine kleine Kröte dabei. Und der hat dann auch immer,
0:17:04–0:17:09
wenn das Licht anmacht, sagt immer, kleine Sonne brennt und drückt auf den Lichtschalter
0:17:09–0:17:10
und dann geht das Licht an.
0:17:10–0:17:13
Also diese Idee, dass Technik auch wie Magie wirken kann.
Florian Clauß
0:17:13–0:17:17
Vielleicht hier nochmal zum Ort, wo wir überhaupt sind. Wir sind vom Kienberg
0:17:17–0:17:21
runtergelaufen und jetzt streifen wir den Garten der Welt.
0:17:21–0:17:25
Hier ist quasi das gleiche Areal. Der Garten der Welt ist aber durch den Zaun
0:17:25–0:17:28
abgetrennt und hier haben wir so eine Sommerbopfbahn aufgebaut.
0:17:29–0:17:34
Die bin ich auch mal irgendwie, denn Neujahr war die mal auf,
0:17:34–0:17:35
da bin ich runtergefahren.
0:17:35–0:17:38
Das war toll, hat Spaß gemacht, ja.
Micz Flor
0:17:38–0:17:44
Ja, also ein schönes Gewinne. Diese Kleine, das geht da oben hoch.
Florian Clauß
0:17:44–0:17:49
Ja, das startet da oben, wo wir gerade runtergekommen sind, da ist bei diesem
0:17:49–0:17:54
Wolkenhain, ist dann nochmal so, links daneben ist dieser Eingang zur Bobbahn,
0:17:54–0:17:56
was auch relativ steil runtergeht.
Micz Flor
0:17:56–0:17:57
Ja, okay. Spannend.
Florian Clauß
0:17:58–0:18:00
Also wenn du mal mit deinen Kindern...
Micz Flor
0:18:00–0:18:02
Haben wir eigentlich auf dem Aufnahmegerät gecheckt, ob beide Kanäle drauf sind?
Florian Clauß
0:18:03–0:18:04
Sind beide Kanäle drauf, ja.
0:18:06–0:18:08
Sorry, kleine Sonne brennen.
Micz Flor
0:18:08–0:18:09
Nee, auf jeden Fall kleine Sonne.
Florian Clauß
0:18:09–0:18:11
Schreib, ich liebe dich in den Himmel.
Micz Flor
0:18:12–0:18:16
Okay, und das heißt, vor dem Hintergrund fand ich das dann halt nochmal zu denken.
0:18:17–0:18:20
Also wie sind die Zusammenhänge? Was ist das? Diese Alchemie,
0:18:20–0:18:22
diese Magie? Wie hängt das so zusammen?
0:18:23–0:18:26
Und vor allen Dingen, weil ich auch dann immer mehr gemerkt habe,
0:18:26–0:18:29
das war mein Umweg von hinten, also es war sozusagen Reverse Technology.
0:18:29–0:18:36
Ich kam über jung zur Chaos-Magie, weil viele, und das fand ich spannend dran,
0:18:36–0:18:42
viele über diese Thematiken, wie zum Beispiel Atemübungen oder dieses Körperliche,
0:18:44–0:18:47
das ist ein ganz kleiner Schritt hinein in Psychotherapie.
0:18:47–0:18:54
Also da gibt es einen ganz großen Fundus an psychodynamischen PsychotherapeutInnen,
0:18:54–0:18:56
also in England habe ich so ein paar gefunden,
0:18:57–0:19:09
die Jung die Archetypen und das kollektive Unbewusste als metaphysische Realität annehmen.
Florian Clauß
0:19:09–0:19:10
Ja.
Micz Flor
0:19:12–0:19:16
Und die sich dadurch natürlich auch für das Okkult oder für das Mystische und
0:19:16–0:19:17
auch für Zauberei irgendwie öffnen.
0:19:18–0:19:22
Und für die Träume dann eben auch Zustände sein können, in denen wir entweder
0:19:22–0:19:24
wahrhaftig woanders sind.
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Das wäre dann bei der Magie eben, ich war wirklich an diesem Ort, das war kein Traum.
0:19:29–0:19:31
Oder einfach ein Traum von diesem Ort.
0:19:33–0:19:40
Und Jung dann ja sagen müsste, siehe letzte Folge, in solchen Situationen muss
0:19:40–0:19:42
man schon einfach Experte sein.
0:19:42–0:19:46
Dass man genau weiß, ob es jetzt wirklich das kollektive Unbewusste ist,
0:19:46–0:19:48
was man da erlebt oder ob es halt nur ein Traum ist.
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Und wenn man diese Unterscheidung machen kann... Die Magier.
0:19:52–0:19:56
Nee, die Magier, die sind, glaube ich, von der Magie her in die Psychotherapie,
0:19:56–0:19:58
das ist, glaube ich, gar nicht so das Thema.
0:19:58–0:20:02
Aber ich fand es halt total interessant, dass über diese Diskussion,
0:20:02–0:20:07
wenn wir in der MPRI halt über ein hartes Wissenschaftskonzept,
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evidenzbasierte forschung und so was sprechen auf der anderen seite natürlich dann
0:20:11–0:20:15
auch zulassen dass whatever works
0:20:15–0:20:19
vielleicht manchmal auch nicht unangebracht ist und das ist dann auch also da
0:20:19–0:20:22
wenn ich mich da wieder reinsetze ich habe mich ja ganz am anfang mit jung reingesetzt
0:20:22–0:20:26
habe irgendwie gesagt so ja diese zwei naturwissenschaften oder bei mir waren
0:20:26–0:20:31
es eher musische soziale fächer wo möchte ich hingehen in meinem leben bin bei
0:20:31–0:20:33
psychologie gelandet wo ich das gefühl hatte da kommt beides zusammen.
0:20:34–0:20:37
Und Jung, der auch Naturwissenschaften versus der auch dann irgendwie bei Psychiatrie
0:20:37–0:20:40
gelandet ist, nachdem er Medizin studiert hatte, da kommt irgendwie beides zusammen.
0:20:41–0:20:46
Wir sind uns da nicht gleich. Ich bin auch nicht jung und so gut oder so schlecht
0:20:46–0:20:49
wie jung, darum geht es gar nicht, aber ich konnte mich damit irgendwie identifizieren
0:20:49–0:20:50
an so bestimmten Sachen.
0:20:51–0:20:55
Und mit der Magie, ja.
0:20:57–0:21:05
Es gab, bevor die Chaos-Magie wirklich in die Welt kam, gab es schon eher eben.
0:21:06–0:21:11
Im ersten Viertel des Jahrhunderts gab es, wie hieß der nochmal, Osman Spare.
0:21:11–0:21:15
Also gab es einen Künstler, der sich auch in so magische Praktiken reingedacht
0:21:15–0:21:20
und reingearbeitet hat, der eigentlich sehr viel ähnliche Annahmen hatte.
0:21:20–0:21:23
Der auch gesagt hat, wir brauchen keine Rituale, wir brauchen keine Tradition.
0:21:24–0:21:27
Also eher so gesagt hat, whatever works. wir müssen
0:21:27–0:21:30
gucken dass es funktioniert müssen achten wie
0:21:30–0:21:34
es besser funktioniert und eine wichtige
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sache dann noch bei bei ich
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glaube es muss man spare auch schon aber dann auch bei carrie später ist dieser
0:21:41–0:21:48
paradigm shift oder man kann dann sich aber auch sehr schnell dadurch dass man
0:21:48–0:21:51
als punk musiker irgendwie gelernt hat einfach die gitarre in die hand zu nehmen
0:21:51–0:21:56
mitzumachen kann man sich sehr schnell auch in anderen Bands einfach erstmal so, man kann mitmachen.
0:21:57–0:22:02
Das hat man gelernt, weil die Chaos-Magier wohl auch immer wieder sich gegenseitig
0:22:02–0:22:06
fordern und dann bestimmte Rituale machen.
0:22:06–0:22:09
Man kann alles möglich machen. Man kann ein Mickey-Maus-Ritual machen.
0:22:09–0:22:10
Man kann sich ja alles ausdenken.
0:22:11–0:22:14
Das ist quasi wirklich so ein Spielfeld, weil im Endeffekt geht es darum,
0:22:14–0:22:21
in der Welt Experimente zu gestalten, in denen man dann Magie findet,
0:22:22–0:22:26
dann zu validieren, dass das wirklich mit dem getanen zusammenhängt und dann
0:22:26–0:22:29
den Weg zu finden, um mit dem eigenen Willen,
0:22:30–0:22:31
etwas in der Welt herzustellen.
Florian Clauß
0:22:32–0:22:36
Interessant, ja. Ja, aber dann auch die Wiederholbarkeit, wenn man dann halt
0:22:36–0:22:40
das How-To schreibt und dann sagt, hier, so und so ist es gelaufen,
0:22:40–0:22:43
dann habe ich das und das erlebt, macht mal.
0:22:43–0:22:45
Und dann fängst du ja wieder an zu konservieren.
Micz Flor
0:22:46–0:22:49
Und das ist auch interessanterweise im Psychonaut ist das, glaube ich.
0:22:49–0:22:53
Also, Liebe Null heißt das, wir brauchen keine Orden, wir brauchen keine Roben,
0:22:53–0:22:56
wir brauchen keine Rituale, aber dann kommt später doch was rein.
0:22:56–0:23:02
Wie sehen denn Rituale aus, wenn jemand in eine Gruppe von Chaos-Magier innen integriert wird.
0:23:02–0:23:06
Also Aufnahmerituale, wie kann das gestehen, was muss man da achten?
0:23:06–0:23:10
Also ich glaube, dass im zweiten Buch schreibt dann Carol dann schon auch wieder
0:23:10–0:23:14
so Dinge auf, die dann erstaunen, nachdem man das erste Buch so gelesen hat.
Florian Clauß
0:23:15–0:23:19
Ja, interessant. Also darüber, das habe ich wirklich noch gar nicht so gehört,
0:23:19–0:23:24
aber ich finde, das lässt sich so rein von der Kulturgeschichte ganz gut da
0:23:24–0:23:26
einordnen, in den 70er Jahren.
0:23:26–0:23:28
Und auch von der Attitüde her.
0:23:29–0:23:38
Und ich habe ja nur die Assoziation von dem Chaos-Umfeld, also Chaos-Computer-Club.
Micz Flor
0:23:38–0:23:39
Auch da ist Chaos drin.
Florian Clauß
0:23:39–0:23:46
Da ist Chaos halt auch drin. Und es gibt auch diese Nähe, es gibt die Hexen,
0:23:46–0:23:51
aber die dann mit H-A, H-E geschrieben, also von Hacken.
0:23:52–0:23:57
Und da ist so eine gewisse Anlehnung in diesem Okkulten. Aber dann natürlich
0:23:57–0:24:02
auch der Anfang mit eben Technik, die dann auch in den 70ern magisch wurde.
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Wo du dann auf einmal so Zustände oder Sachen machen konntest,
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die du vorher so nicht gedacht hast.
0:24:08–0:24:14
Also das ist vielleicht die Analogie noch dazu. Aber gut, was bringt es uns
0:24:14–0:24:15
dann wieder zurück zu Jungen?
0:24:16–0:24:20
Also ich meine, diese Nähe zum Okkulten, also als ich mich jetzt da letzte Folge
0:24:20–0:24:22
auch im Vorfeld damit beschäftige.
0:24:22–0:24:29
Fand ich bei Jung nochmal interessant, dass er, und da hast du mich in der letzten
0:24:29–0:24:30
Folge so ein bisschen abgewürgt.
0:24:31–0:24:38
Aber ich glaube, diese Nähe zum Schamanismus, und da sind wir wieder beim Okkulten, in seiner Lehre,
0:24:39–0:24:45
und da, wo er auch dann quasi indigene Völker dann besucht hat und auch untersucht
0:24:45–0:24:50
hat, beobachtet hat, und sich da mit diesen Ritualen auch sehr auseinandergesetzt hat.
0:24:50–0:24:58
Und das finde ich halt interessant, weil nämlich gerade in indigenen Kulturen,
0:24:58–0:25:04
die dann nicht auf Schrift und, also die eher auf Rituale basiert sind,
0:25:05–0:25:11
wo dann genau diese Phasen der Individuation auch ausgestellt werden.
0:25:11–0:25:17
Nämlich das Aufnahme des Jugendlichen, das heißt der Abschluss der Kindheit
0:25:17–0:25:22
durch so ein Initiationsritual, das heißt ja in ganz vielen indigenen Kulturen.
0:25:23–0:25:27
Und das, was dann so ein bisschen übergeordnet ist und was sich bei Jung auch
0:25:27–0:25:31
im Roten Buch wiederfindet, der Animismus.
0:25:31–0:25:37
Also die meisten indigenen Kulturen gehen davon aus, und deswegen gibt es da
0:25:37–0:25:42
auch so ein ökologisches Gleichgewicht, dass die Umwelt belebt ist.
0:25:43–0:25:50
Dass wir eine belebte Umwelt haben und dass dann dieser Zustand zwischen Mensch,
0:25:50–0:25:54
Gesellschaft und Umwelt, dass der harmonisiert werden muss.
Micz Flor
0:25:54–0:25:54
Ja.
Florian Clauß
0:25:55–0:25:58
Und das hast du ja, die Figuren hast du ja auch im roten Buch,
0:25:58–0:26:04
in den Mysterien, Anima und Animus, als das Weibliche und ich weiß nicht, ob das dieses Anima...
Micz Flor
0:26:04–0:26:08
Das hat mit dem belebten Materien nicht viel zu tun, aber es ist so,
0:26:08–0:26:12
dass Jung, ich weiß, dann habe ich ja schon gesagt, ich bin ja kein Experte, aber Jung hat,
0:26:13–0:26:18
wenn ich mich recht erinnere, schon eine Theorie, in der Materie und Psyche
0:26:18–0:26:23
oder Seele oder wie auch immer, ähm...
0:26:24–0:26:30
Nicht getrennt sind, sondern die sind beides sozusagen Abkömmlinge von was Drittem, könnte man sagen.
0:26:31–0:26:35
Und damit kann ich dann jetzt zum Beispiel auch wieder in die Chaosmagie reingehen,
0:26:35–0:26:39
weil die Chaosmagier, zum Beispiel, wenn die über Ufos reden,
0:26:39–0:26:41
dann klingt das gar nicht so viel anders als bei Jung.
0:26:41–0:26:44
Aber jetzt habe ich dich wieder abgewirkt mit dem Schamanen.
Florian Clauß
0:26:44–0:26:48
Nein, nein, nicht wirklich. Aber das war nochmal so der Punkt,
0:26:48–0:26:52
den ich da gesehen habe und das interessant finde.
0:26:52–0:27:01
Und dann auch in diesem Kontext der Märchen, wo wir auch viele von diesen Unbewussten,
0:27:02–0:27:06
auch von den Archetypen, auch mit reinkodiert haben.
0:27:06–0:27:09
Und was immer wieder zu entschlüsseln gilt.
0:27:09–0:27:14
Und was dann auch in der einen Folge, ich hatte letzte Folge darüber gesprochen,
0:27:15–0:27:17
die Glutkerne, also irgendwelche Traumaten.
Micz Flor
0:27:17–0:27:19
Glut, also mit Gustav.
Florian Clauß
0:27:19–0:27:19
Glut.
Micz Flor
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Es klang jetzt gerade wie Blutklühen.
Florian Clauß
0:27:23–0:27:29
Von Glühen. Das ist der eine, der eine Literaturwissenschaftler so herausgearbeitet hat,
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dass nämlich bei Händel und Gretel war das ja, dass die Glutkerne wie Kannibalismus,
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Hungersnöte und so weiter da
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irgendwo mit eingepackt sind, aber in einer Geschichte, die gut ausgeht.
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Und diese,
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Archetypen, ja, die, ja, ich meine, wir haben noch gar nicht so richtig über,
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über tatsächlich über diese Mandalas und diese ganzen Bilder,
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wir haben darüber gesprochen, dass Jung dann auch das rote Buch illustriert hat,
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ja, aber die, die sind ja nicht veröffentlicht worden mit, diese Bilder,
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aber hat ja auch eine Technik,
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ähm, neben dem, der aktiven Imagination, weil ja auch so Mandala malen,
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was jetzt hier so jeder macht.
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Mandala malen war ja auch so.
Micz Flor
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Ein Impulskaufartikel in einem Bahnhof.
Florian Clauß
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Genau, also dieses Mustermalen. Und das ist halt auch genau eine Methode,
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um sich dann in so einem Zustand zwischen Wach und Traum zu bewegen.
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Und da eben so Wellen von Unbewussten hochkommen zu lassen, um dann damit weiterarbeiten zu können.
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Aber ich kann mir auch vorstellen, dass diese Methode von Jung, weil er eben auch schon,
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ich sag mal so, haben wir ja in der letzten Folge so ein bisschen drüber berichtet,
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dass er dann schon sehr psychotisch von außen, aber er konnte es dann auch ganz
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gut nutzen für seine Arbeit.
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Aber es hätte von außen psychotisch wirken können, was er da für Visionen hat.
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Wenn du das in der klassischen Psychotherapie siehst, dann sind das ja schon
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teilweise pathologische Zustände.
Micz Flor
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Ja, man kann jetzt auch da wieder einfach Modelle, wenn man über Psychosen spricht,
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man kann aber jetzt zum Beispiel mit so einem Ich-Funktionsmodell oder Humanstrukturmodell
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psychotisch auch als etwas beschreiben, wo zwei Ich-Funktionen,
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die wir haben, die Abgrenzung nach innen,
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die Abgrenzung nach außen, was bedeutet das, dass wir zum Beispiel so etwas wie Scham erleben?
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Und da was ganz Inneres nicht so leicht rauskommt. Wir haben unsere Geheimnisse,
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wir haben unsere Wünsche, die wir dann irgendwie auch strategisch vielleicht
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anbringen oder die wir als Mitteilung dann auch vieldeutig anbringen.
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Dass ich dir das jetzt sage, bedeutet mehr über meine Gefühle für dich als über
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das, was ich dir mitgeteilt habe. Solche Sachen.
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Und sowas kann bei Menschen einfach nicht so gut funktionieren.
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Das heißt, dass die eigenen Wünsche und sowas einfach so durchfließen,
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man die nicht richtig greifen kann und so, die bleiben alle unklar.
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Und in der Gestalt Psychotherapie spricht man dann manchmal auch von einer Konfluenz.
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Also eine Konfluenz heißt, dass alles irgendwie so in so einem schwammigen Sud
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bleibt und man nicht in der Lage ist, klare Formen darin zu erkennen.
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Und das sind zum Beispiel dann Menschen, die, wenn sie sich unwohl fühlen,
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ihr Unwohl nicht richtig fassen können und dann einfach mal was essen.
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Also irgendwas muss jetzt quasi dieses Unwohl wegmachen.
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Und das ist aber nicht an der Botschaft oder an dem Wunsch des Unwohlseins gekoppelt,
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weil man das nicht wirklich identifizieren kann.
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Und das zweite Abgrenzung außen bei der Psychose ist dann, wo höre ich auf, wo fängst du an?
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Die psychotische Situation, in der man sich selbst in den anderen sieht,
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die Projektion, einfach da ist keine Filterung mehr möglich.
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Und wenn beide Grenzen irgendwie offen sind, dann werden deine tiefsten Wünsche
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und Ängste auf andere projiziert,
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deine tiefsten Gewalt, also die laufen dann quer durch dich durch und du bist
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einfach in einem Raum, in dem du nicht mehr als Individuum vorkommst,
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sondern die Welt dich durchdringt die ganze Zeit.
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Du bist einfach so offen zu deinem eigenen Inneren und zu der äußeren Welt.
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Und das als Psychoseerklärung ist so, dass wenn man Jung in seiner Biografie
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anschaut, und er hatte diese Phase nach der Trennung von Freud und dann Schreiben des Roten Buches,
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und dass er es aber geschafft hat, und das ist ja dann auch,
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und er sagt, er ist Experte, diese Grenzen sich wieder zu erarbeiten,
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sich daraus zu arbeiten.
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So wie man ja auch gerne sagt, sich aus der Depression rausarbeiten, tun wir was.
Florian Clauß
0:31:46–0:31:51
Ja, aber dann hat er das ja auch produktiv für seine Methoden quasi genutzt.
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Und die dann halt auch als Methoden dann eben für sich, für andere erschließbar gemacht.
Micz Flor
0:31:57–0:32:00
Und da macht er ja dann eben auch diesen großen Unterschied,
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dass die Psychose krankhaft ist, wenn man bestimmte Unterschiede nicht mehr sehen kann.
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Und bei ihm war, er hatte ja auch Angst, dass er wahnsinnig wird, wie Zaratustra.
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Er hatte Angst, dass ihm das auch wieder fährt, aber er hat sich rausgearbeitet,
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um wieder Grenzen einzuziehen, Realitätsbezug einzuziehen, das Ganze einzudämmen.
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Und das ist dann der große Unterschied.
Florian Clauß
0:32:25–0:32:30
Aber damit hat er ja quasi das Ganze, die Büchse der Pandora im ersten Sinne
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geöffnet, indem er das ganze kollektive Unbewusste rausgelassen hat.
Micz Flor
0:32:35–0:32:37
Genau, und dann die Brücke zu den ganzen,
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Zu den ganzen Theorien heute, wer dann schnell eben auch über sein letztes Werk
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über die UFOs, was wir in der anderen Folge hatten, weil da jetzt vieles heute andockt.
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Zum Beispiel, er sagt ja, diese UFOs, die wir jetzt oben im Himmel sehen,
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die sind das Gleiche, was im Mittelalter irgendwelche Feuerwälder waren.
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Also das sind quasi Ausdruck von psychotischem Erleben, Halluzinationen,
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die aufgrund der großen kollektiven Unruhe in kriegsnahen Kriegssituationen und sowas vorkommen.
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Ja, er selber hat auch beschrieben, dass er einmal so aus dem Fenster geguckt
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hat in der Schweiz Richtung Norden und hatte dann vor allem die Vision,
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dass vor dem Weltkrieg, dass Europa von Blut überströmt wird.
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Also da war er nicht der Einzige, der im Vorkriegsstimmung irgendwie,
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bei ihm hat es sich in psychotischen Visionen ausgedrückt, bei anderen hat es
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sich dann einfach in was Beschreibenden ausgedrückt.
Florian Clauß
0:33:32–0:33:40
Das ist halt irgendwie auch so, wenn man quasi den Zeitgeist als so ein Teilchen
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fällt, was sich dann an der aktuellen politischen,
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gesellschaftlichen und so weiter Situation ausprägt.
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Ja, und dann, also jetzt auch in diesen ganzen esoterischen Bildern zu bleiben,
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dann dieses Feld dann halt auch natürlich je nachdem, wie empfindlich die einzelnen Individuen sind,
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die dann in dieses Feld von Zeitgeist kommen, dann bestimmte Ideen entwickeln oder Bilder sehen, ja,
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also das ist halt so, ich meine, das ist ja, der Zeitgeist, ja, also der Zeitgeist, ja,
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Es ist ja immer wieder so eine Geschichte, dass zu bestimmten Zeiten dann Erfindungen
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gemacht wurden, die nichts voneinander wussten, aber die im Prinzip das Gleiche
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waren, weil es zu dieser Zeit genau das Gleiche war.
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Also es gibt ja dann irgendwo eine Verbundenheit von Gesellschaft,
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von Kultur, die ja nicht beschreibbar ist, die ja über so eine nichtstoffliche Ebene wirken können.
Micz Flor
0:34:41–0:34:45
Ja, wobei natürlich das oft schon an Handelsstraßen dann diese Gleichzeitigkeit
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gibt, weil andererseits du ja schon gesagt hast, dass auch Anfang des 20.
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Jahrhunderts noch irgendwann Leute mit Jackett bei irgendwelchen indigenen Stämmen,
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die überhaupt nicht in diesem feinstofflichen, was du beschrieben hast,
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eingebunden waren, dann forschen wollten, wie dann das Menschensein an sich war.
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Also das sind quasi genauso Menschen wie wir, bloß halt auch noch auf einer
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anderen Entwicklungsstufe kulturellen. Mal gucken, was die so denken.
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Also das war ja nicht so, dass die Menschheit insgesamt sich überall gleich
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angehoben hat und Schwarzpulver überall gleich entstanden ist.
Florian Clauß
0:35:19–0:35:21
Das stimmt, das muss man auf jeden Fall dann nochmal unterscheiden,
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aber zu der Zeit war es dann halt so, dass dann eben die Anthropologie dann
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so weit war, hier geht mal alle raus, aber das ist natürlich dann der westliche,
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der nordeuropäische Diskurs, der dahinter liegt.
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Ja, das sollte man da schon mal abheben.
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Ja, aber trotzdem ist ja interessant, dass sich ja da dieses,
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was jetzt bei Jung dann, wo dann also einzelne Leute mehr oder weniger empfänglich
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für solche Sachen sind und dementsprechend das halt auch künstlerisch oder wie
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auch immer privat oder in der Psychose verarbeiten.
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Ja, und das ist dann aber auch wieder Aussagen über die Zeit macht. Also das heißt,
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Und da eben den Grad zu finden, inwieweit das dann jetzt wirklich ein individuelles
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Verhalten oder ein individuelles Erleben ist.
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Oder inwieweit das dann halt auch tatsächlich die Gesellschaft betrifft.
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Das hatte ja Jung dann versucht, ja auch als Regelwerk einzuführen,
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so wie ich das jetzt verstanden habe.
Micz Flor
0:36:23–0:36:29
Ja, also es bleibt dann immer ein bisschen unklar. Er hat ja auch mit den Ufos
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gesagt, dass hinter diesen Bildern dann die gleichen Archetypen stecken.
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Aber aufgrund des Zeitgeistes sich das Bild der Archetypen, das Gesicht sozusagen verändert.
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Aber gleich bleibt zum Beispiel, Ufos sind rund oder zigarrenförmig.
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Früher sah man runde Feuerbälle.
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Die Sonne ist rund, der Mond ist rund.
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Also da hat er schon versucht, hinter den Dingen Gleichheit zu sehen.
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Das ist ja auch in gewisser Weise ein göttliches Thema. So was ist Gottes Idee vom Baum?
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Also wie sehen alle Bäume bei Playmobil aus?
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Aber sich das dann eben doch verändern kann. Und ich möchte jetzt aber,
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wenn das für dich okay ist, mal eine zeitgenössische Theorie hinlegen zu UFOs,
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die vielleicht heute auch von Jung geschrieben worden wäre.
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Ich sage sie mal so und vielleicht kannst du da mal kurz innerlich abgleichen,
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ob die Tatsache, dass Jung jetzt 100 Jahre überlebt hat,
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den irgendwie fundierter erscheinen lassen, als wenn ich dir das jetzt so erzähle.
0:37:39–0:37:45
Ufos, ja? Wir wissen ja wegen der String Theory oder sowas, dass es mindestens neun Dimensionen gibt.
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Wir kennen davon nur drei.
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Ja, ein-, zwei- und dreidimensional. Und das war in einer Expanse-Folge,
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hatte ich das ja, glaube ich, auch mal gesagt.
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Wie sieht das denn aus, wenn man zum Beispiel einen Kreis auf zwei Dimensionen
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durch eine eindimensionale Sichtweise drückt?
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Eindimensional gucken heißt ja nur on oder off. Das heißt, der Kreis wird gar
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nicht als Kreis erkannt, sondern er wird nur als off und dann wieder on,
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wenn der Kreis durchgedrückt ist.
Florian Clauß
0:38:13–0:38:14
Durch den Lichtstrahl.
Micz Flor
0:38:14–0:38:19
Wenn wir eine Kugel, ein dreidimensionales Objekt, durch Zweidimensionen drücken,
0:38:19–0:38:23
dann sieht man auf den Zweidimensionen auf einmal einen Punkt.
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Wenn die Kugel die Fläche berührt, dann wächst es zu einem Kreis,
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der Kreis wird hier kleiner, verschwindet.
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Also ein dreidimensionales Objekt durch eine Zweidimension durchgedrückt ist auch zweidimensional.
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Und in Expans in einem Buch gibt es ja diese Bilder, wo mehrdimensionale Objekte
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durch Dreidimensionen gedrückt werden. Und das sieht dann wirklich so aus wie kugelförmige.
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Ausschnitte, da wird auf einmal ist was weg. Also auf den Schiffen auch verlieren
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die Beine und so, weil höherdimensionale Objekte durch die dritte Dimension geschossen werden.
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Die erscheinen dann eben als Punktkugel, zerstören dabei und verschwinden wieder.
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Also das ist so die Dimensionalität. Und jetzt können wir uns nur diese drei
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Dimensionen vorstellen.
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Die vierte, was ich gerade gesagt habe, so ein bisschen ableiten.
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Aber in Wahrheit ist die vierte ja Zeit.
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Die gilt also nicht. Die hat ja Einstein schon beschrieben. Die fünfte Dimension
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ist eigentlich das, was wir immer als vierte Dimension bezeichnen werden.
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Und diese UFOs werden fälschlicherweise immer als Boten von anderen Planeten.
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Das ist völlig Pille-Palle, weil in diesem dreidimensionalen Universum ist das so nicht möglich.
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Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass das Boten aus anderen Dimensionen
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sind, aus höheren Dimensionen, die dann einfach erscheinen und verschwinden können.
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Weil für die ist die dritte Dimension wie für uns das Leben einer Ameise, zweidimensional.
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Also die gucken da auf uns drauf, die können mit ihrem Finger runter oder hoch.
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Das sind mehrdimensionale Wesen, die wir da im Himmel sehen.
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Nicht UFOs von anderen Sonnensystemen oder Galaxien.
Florian Clauß
0:40:00–0:40:00
Ja.
Micz Flor
0:40:01–0:40:07
Und somit ist es auch eine Frage des Wachstums der Menschheit,
0:40:07–0:40:12
diese anderen Dimensionen sich zu erschließen. Und warum können wir nicht auch
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irgendwann mal in andere Dimensionen reisen?
0:40:16–0:40:24
Das ist jetzt zum Beispiel die Mitteilung eines Chaosmagiers gewesen in einem Podcast.
Florian Clauß
0:40:25–0:40:26
Selbsternannten.
Micz Flor
0:40:26–0:40:32
Ja, genau. Nicht selbsternannten, praktizierenden. Aber das ist ja nicht so
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weit weg wie die damalige Zeitgeistzeit mit Psychosen.
Florian Clauß
0:40:37–0:40:42
Ja, aber die Frage ist jetzt, was müssen wir machen, um in diese fünfte Dimension
0:40:42–0:40:44
zu kommen und die zu entwickeln?
Micz Flor
0:40:44–0:40:49
Siehst du, jetzt habe ich dich am Hasen. Diesen Podcast können wir mit unseren
0:40:49–0:40:53
drei Ziffern nicht mehr abdecken, wenn wir das wissen.
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Die Antwort ist irgendwo jenseits unserer...
Florian Clauß
0:40:56–0:41:01
Aber sind diese Dimensionen nicht rein mathematisch?
Micz Flor
0:41:02–0:41:05
Ich weiß es nicht, das ist auch nicht so wichtig. Also das weiß ich wirklich nicht.
0:41:05–0:41:10
Aber ich wollte nur sagen, diese Erzählungen, die sind gar nicht unähnlich.
0:41:10–0:41:12
Und das ist jetzt eben aus diesem Bereich von der Chaos-Magie,
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die ich vorhin angesprochen habe, wo dann gesagt wird, eben Menschen,
0:41:16–0:41:20
die auf Ziegen starren, also die Idee zu sagen, wenn ich es schaffe,
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mit meinem Willen die Welt ein bisschen zu beeinflussen, wer weiß.
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Wenn mein Wille mit dem Aligned ist, was dann als Folge passiert,
0:41:32–0:41:36
dann habe ich Magie gemacht.
0:41:37–0:41:40
Ich habe eine Ursache-Wirkungskette hergestellt, die nicht erklärbar ist oder
0:41:40–0:41:43
wie Arthur C. Clark wird, vielleicht irgendeine Technik benutzt aus einer Zukunft,
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die wir noch gar nicht kennen.
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Aber ich habe etwas geschaffen und ich kann es sogar wiederholen.
0:41:55–0:41:59
Synchronicitäten hattest du mal angesprochen. Die sind auch am besten mit der
0:41:59–0:42:00
fünften Dimension zu erklären.
Florian Clauß
0:42:01–0:42:04
Die Frage ist, wie nutzt du das jetzt bei deiner Arbeit als Psychotherapeut?
Micz Flor
0:42:05–0:42:08
Die Dimension ist sowas gar nicht, aber dieses Konzept von Magie,
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das kennst du vielleicht auch bei Menschen mit Traumaarbeit.
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Da gibt es diesen inneren, sicheren Ort.
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Der hat sogar ein Bild gefunden in Inception, in dem Film, wo ganz zum Schluss
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dieses kleine Windrad in dem Safe neben dem sterbenden Vater in dieser Burg
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liegt. Kannst du dich erinnern?
Florian Clauß
0:42:30–0:42:35
Das ist die letzte Dimension, wo alles so am Meer, also alles kaputt geht.
Micz Flor
0:42:35–0:42:39
Nee, das ist auf diesem Berg mit dem Schnee und einem Maschinenfeuer,
0:42:39–0:42:40
also so richtig sozialisch.
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Und da findet er dann dieses Windrad, eine sehr ergreifende Szene auch,
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weil man hat das Windrad schon vergessen.
0:42:46–0:42:50
Das ist quasi der Schlitten von, also Rosebud von Orson Welles,
0:42:50–0:42:52
das ist wirklich ein schönes Bild.
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Aber irgendwie in so einem psychologischen Konstrukt.
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Ist es oft so in der Traumatherapie, dass man erst mal einen sicheren Ort etabliert.
Florian Clauß
0:43:01–0:43:03
Also einen Schutz.
Micz Flor
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Und wenn die Person es schafft, halt dieses innere Bild herzustellen,
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daran arbeitet man, dann kann man da mal reingehen.
0:43:11–0:43:15
Das habe ich auch mal irgendwo gelesen bei der Behandlung von Asthma.
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Also von jemand, der wirklich asthmasomatische Reaktionen auf innere Prozesse
0:43:21–0:43:23
hatte oder Konflikte hatte.
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Dass die Person Asthma-Attacken loswerden konnte, indem sie sich dann auch wieder
0:43:28–0:43:32
an einen kargen Ort in der Wüste begeben hat.
0:43:32–0:43:36
Da war in Pollen kein Thema mehr. Und das hatte dann wirklich somatisch gleich auch eine Veränderung.
Florian Clauß
0:43:37–0:43:44
Ja, da sind wir wieder beim Anfang der letzten Episode. Und deine Synchronicitätserfahrung.
Micz Flor
0:43:44–0:43:47
Die kommt gleich noch. Das ist ein bisschen anders. Aber was ich erst mal jetzt
0:43:47–0:43:52
sagen wollte, ist dieses Konzept der Magie, der Hasenfuß, etwas anzufassen,
0:43:52–0:43:57
der Handschmeichler, also Dinge herzustellen in der Welt, die dem eigenen Willen entsprechen.
0:43:58–0:44:01
Und da dann in der Therapie über den sicheren Ort einfach nur Bilder zu schaffen,
0:44:01–0:44:06
mit der die Person sich verbinden kann, sich darauf einlassen kann und sie fühlt sich sicher.
0:44:07–0:44:12
Und das ist ja natürlich komplett abstrakt, was heißt sich sicher fühlen.
0:44:12–0:44:13
Das können wir alles gar nicht sagen.
0:44:13–0:44:17
Aber ich finde es schon, dass in der Psychotherapie auch viel Magie gemacht wird.
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Vor allen Dingen auch, weil man ja wirklich über die Dinge spricht.
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Wir haben auf einer Ebene die Sprache als Kommunikationswerkzeug.
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Natürlich auch die Körpersprache, die Intention, mit der das geht.
0:44:30–0:44:34
Oder auch in der Körperpsychotherapie geht es nochmal um ganz andere Themen.
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Aber es gibt immer eine Interface-Thematik.
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Und man muss quasi Dinge übersetzen und wieder dekodieren. und in diesem,
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ja, wie würde Bube, würde sagen, in diesem Ich-Du-Zustand, in dieser Verbindung,
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als Ich-Du-Ding mit dieser anderen Person, wird das dann wirksam.
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Also das ist schon immer auch irgendwie eine Form von Magie und ich habe mir
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was ausgedacht, das ist vielleicht ein bisschen albern, aber ich möchte jetzt
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auch mal einen kurzen Moment der Mind-Control nicht nur für dich,
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sondern vielleicht auch für einen Großteil unserer Zuhörerschaft.
Florian Clauß
0:45:07–0:45:09
Ich würde immer mehr zum Mitmach-Podcast.
Micz Flor
0:45:09–0:45:13
Auf jeden Fall. Ich werde jetzt Mind-Control ausüben.
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Und das ist jetzt einerseits wirklich vielleicht witzig, aber ich möchte es
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einfach auch mal anschaulich machen.
Florian Clauß
0:45:20–0:45:20
Ja, gerne.
Micz Flor
0:45:21–0:45:27
In dieser Verknüpfung, wie das so ist. Also ich werde jetzt ein Wort bei dir evozieren im Gehirn.
0:45:29–0:45:32
Und du musst es dann sagen. Bist du soweit?
Florian Clauß
0:45:32–0:45:32
Ja.
Micz Flor
0:45:33–0:45:36
Ist dein Hirn jetzt frei? Du musst dich dem auch öffnen. Du kannst es nicht
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sagen. Lakritze, Lakritze, Lakritze, Lakritze.
Florian Clauß
0:45:39–0:45:41
Sag ich die ganze Zeit Lakritze.
Micz Flor
0:45:42–0:45:46
Sag das nicht, sondern mach dich frei von allen. Sei offen für mich.
0:45:46–0:45:49
Ich werde jetzt ein magisches Spruch sagen.
0:45:49–0:45:53
Und dann wird ein Wort in dir entstehen. Und das sagst du mir dann. Bist du soweit?
Florian Clauß
0:45:53–0:45:54
Ich bin soweit.
Micz Flor
0:45:55–0:45:58
Häschen in der Grube. Ja, Grube.
0:46:00–0:46:05
Und wir haben wieder gesungen in diesem Podcast. Aber da passiert ja auch etwas,
0:46:05–0:46:08
das passiert jetzt mit dir, wenn wir das jetzt testen würden,
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dann würde das bei nicht allen passieren können, weil man muss das Lied schon
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irgendwie kennen und gleichzeitig ist das, was ich anfange zu sagen,
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engt dich immer mehr ein.
0:46:17–0:46:21
Irgendwann gibt es den Punkt, wo du wirklich merkst, wupp, ich bin jetzt auf sowas fokussiert.
Florian Clauß
0:46:21–0:46:22
Ja, verstehe.
Micz Flor
0:46:22–0:46:24
Und diese ganzen Prozesse,
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wenn wir jetzt bei einer Definition bleiben, dass es darum geht,
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wirklich einfach in der Welt was herzustellen oder zu evozieren,
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was dem eigenen Willen folgt, dann würde sich das schon erfüllen lassen.
0:46:39–0:46:43
Wir haben ein anderes Bild von Magie, ja, auch das Buch, das Zitat,
0:46:43–0:46:47
was ich vorgelesen habe am Anfang, über die englischen Gilden der Zauberer,
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wo die einen nur reden über Zauberei und Geschichte und die anderen,
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oder Herr Norrell, der einzig ist, der wirklich sagt, ich kann zaubern.
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Das ist großartig, also ich kann es wirklich sehr empfehlen.
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Das erste Drittel macht total Spaß und wer dann vielleicht mehr Spaß hatte als
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ich sogar, schafft den Rest auch noch.
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Aber es ist total irre. Ich glaube, das Mr.
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Norrell, der beschwört dann irgendeine irische Fee, um jemanden wieder zum Leben zu erwecken.
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Wo alle schon sagen, ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist,
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die zum Leben zu erwecken. Ja, die Eltern sind traurig, aber wollen sie wirklich zum Leben erwecken?
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Ich könnte es doch mal probieren. Also der will auch was Gutes tun mit der Magie,
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dass die Magie einen guten Ruf geht.
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Und dann kriegt er es alleine nicht hin, ohne diese Fee, holt die Fee noch mit dazu.
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Das ist eine männliche Fee und dann stehen die neben dem Leichnam und reden
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so und Norrell ist auch so ein bisschen abhängig jetzt davon.
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Der muss ihm jetzt ja irgendwie helfen. Und dann sagt er dann irgendwann,
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ich will aber auch was mitnehmen dürfen.
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Norrell so. Und du weißt ja nicht genau, was passiert ist, Aber später siehst
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du dann in der Szene oder kriegst sie geschrieben, die Szene,
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wie die Frau wieder lebt, ist von den Toten auferstanden,
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und es wirkt auch völlig unverändert. Bloß fehlt ihr der kleine Finger.
Florian Clauß
0:48:08–0:48:09
Sehr schön.
Micz Flor
0:48:09–0:48:12
Also es ist wirklich so, es ist wirklich schön geschrieben. Ich mag es ja.
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Aber diese Idee von Magie jetzt, wenn man in solche Bilder geht,
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von den Toten auferstanden, dann ist man woanders. Aber.
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Ist das denn, wenn eine Person gestresst ist und sich an dem Stuhl festkrallt?
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Was ist das denn? Oder wenn man ein Seminar halten muss und dann hat man die
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Blätter in der Hand und hält sich daran fest.
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Also das tut ja was. Dieser Gegenstand macht was mit einem, versetzt einen in bestimmte Stimmung.
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Also die Psychotherapie hat auf dieser Ebene, denke ich, schon ganz viele in
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Anführungszeichen eben magische Rituale oder Themen oder Objekte. so.
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Der Placebo-Effekt ist in gewisser Weise ja auch magisch, den kann man ja gar
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nicht fassen, das ist gar nichts wirksam und genau das wirkt.
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Aber ich möchte natürlich jetzt nicht sagen, dass es Magie ist in einer Definition,
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wie ich normalerweise darüber gedacht habe.
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Aber ich fand das schon mit der Chaos-Magie,
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mich auseinanderzusetzen, auf dieser Ebene über Magie nachzudenken und über
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diesen Zusammenhang zwischen in Anführungszeichen Wille und Welt oder Zusammenleben
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nachzudenken, fand ich sehr interessant.
0:49:28–0:49:32
Und dann ganz explizit auch ist eine, hatte ich ja gesagt, eine Technik ist
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diese so Atemtechniken, um
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sich in bestimmte Entspannungs- oder auch Erregungszustände zu versetzen.
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Diese ich habe jetzt den Namen vergessen, aber diese UR-Idee kam wirklich,
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nachdem LSD in Amerika verboten wurde, hat jemand angefangen mit Atemtechniken
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zu arbeiten, wenn ich ganz tief das glaube ich im Woodstock-Film sieht man auch
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einen, der halt dann so mit einem Nasenloch einatmet, mit dem anderen ausmacht mit vollem Druck.
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Und da gibt es viele Techniken dazu und ich habe die auch das ist jetzt nicht,
0:50:06–0:50:09
die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie aber in der Gestalttherapie-Ausbildung
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habe ich auch Atemtechniken mit gelernt, auch als Übung, ganze Wochenende dazu gemacht.
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Und es ist schon echt erstaunlich, wie du mit bestimmten Atemrhythmen,
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mit bestimmten Ritualen sagen, Luft einatmen, bis drei zählen ausatmen,
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bis fünf zählen einatmen.
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Also solche Sachen dann zu vollführen, das ist dann schon eine Form von,
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in Anfangszeichen, Magie, die man sich dann so macht.
Florian Clauß
0:50:30–0:50:37
Ja, ja, also kommt ja quasi in so hypnotische Zustände und das Hypnose dann auch.
Micz Flor
0:50:37–0:50:39
Hier sind wir aber in keinem hypnotischen Zustand.
Florian Clauß
0:50:39–0:50:42
Hier sind wir in einem recht realen Zustand.
Micz Flor
0:50:42–0:50:45
Die Irre-Maman-Fotos sieht aus wie das Playmobil. Als ob man die Dächer abheben
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könnte, um die Leute da drin umzusetzen.
Florian Clauß
0:50:48–0:50:53
Ja, wir sind hier noch immer an der Wuhle entlang gegangen.
0:50:54–0:51:00
Und jetzt so ein bisschen mehr in Richtung U-Bahn, würde ich jetzt sagen,
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bewegen wir uns, damit wir hier wieder wegkommen.
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Aus diesem paradiesischen Wuhletal. Ja.
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Ja, aber Hypnose ist halt irgendwie so ein Mittel, was ja dann in der Medizin
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auch so eingesetzt wird.
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Es gibt ja so verschiedene. Und ich meine auch klar, natürlich diese ganze,
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in der Religion, Buddhismus, Meditation, das sind ja alles Achtsamkeitsübungen und so weiter.
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Das sind ja alles so Übungen, wo du dann angeblich dein Gehirn in Schwingung
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setzen kannst, die normalerweise so im Tiefschlaf auftauchen.
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Und damit halt auch wieder diesen Wachheitsdurchlässigkeitszustand,
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damit wir die kollektiven Archetypen nach oben suppen können,
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um sich dann halt nochmal so an andere Eindrücke zu geben.
0:51:48–0:51:51
Also das sind ja alles so Methoden, um halt von dem Gewohnten,
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von dem Geebneten, wie man es immer erfahren hat, so ein bisschen wegzukommen
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und andere Einsichten zu bekommen.
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Das ist, glaube ich, auch so eine Methode, um halt auch mit solchen Situationen umgehen zu können.
Micz Flor
0:52:05–0:52:09
Und dann sind wir, bevor ich meine Synchronicität, das müssen wir machen,
0:52:10–0:52:14
aber wir sind jetzt auch wieder in unserer Jubiläumsfolge bei der ersten Folge,
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weil ich hatte dir erzählt, wie im Buch diese tolle Szene beschrieben ist,
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dass die Wissenschaftlerin, gespielt von Jodie Foster, dass die dann von diesem...
Florian Clauß
0:52:24–0:52:25
In Kontakt.
Micz Flor
0:52:25–0:52:29
In Kontakt, genau. Von dieser Alien-Entity, wo wir auch nicht wissen,
0:52:29–0:52:32
ist das jetzt überhaupt eine Maschine oder was Lebendiges?
0:52:32–0:52:35
Ist ja wurscht, aber auf jeden Fall kriegt die mitgeteilt, dass sie ja gerade
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ganz viel daran forschen mit ganz vielen transgalaktischen ForscherInnen.
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Ich weiß nicht, wie viele Genes es dann da gibt, aber die...
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Haben festgestellt, dass eben ganz hinten, wenn man Pi, die Zahl Pi ganz nach
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hinten verfolgt, und so endlich irgendwann entsteht ein Block,
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der, wenn man ihn dann in Zeilen aufbricht, einen Kreis bildet.
0:53:00–0:53:03
Und dann hatte ich ja gesagt, das fand ich so einen absolut geilen Moment,
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so mit Gänsehaut, so wie irre,
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stell dir mal vor, also was für eine Erkenntnis du in dem Moment hättest,
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dass wir wirklich in der simulation und irgendeiner
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von den leuten die simulation geschrieben hat hat hier ein easter egg
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reingelegt und zu merken wie das ganze weltbild sich da irgendwie zerspringt
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und du dann ganz trocken als antworten ist nö das ist doch klar wenn es möglich
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ist dann wird es auch passieren wenn es unendlich ist also muss man nur lange
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genug gucken und da hast du das so gesagt dass wir ja wie genial diese dinge
0:53:35–0:53:38
aneinander liegen also was das bedeuten kann oder nicht,
0:53:38–0:53:41
Und erinnert sich vielleicht noch an diesen, ich glaube, Nullerjahre-Roman.
Florian Clauß
0:53:41–0:53:47
Auch dann an der Stelle noch mal kurz eingehakt. Das ist ja der Grund,
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warum wir überhaupt leben.
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Nämlich dieser Fusionsreaktor am Himmel.
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Der steht ja auch nur dadurch, dass ein unmöglicher Zustand eingetreten ist
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mit diesem Tunneleffekt.
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Das heißt, eigentlich können Atome nicht miteinander verschmelzen.
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Aber es gibt dann halt, wenn so und so viele, so und so ganz dicht sind,
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dann irgendwann springt dann doch einer rüber.
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Wie wenn du halt irgendwie zwei Milliarden jahrelang gegen diese Hauswand mit
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einem Ball wirfst, irgendwann fliegt der Ball rein.
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Und das ist halt genau dieses Ding. Es passiert auf einmal und es muss nur eine gewisse Masse da sein.
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Also das ist halt so der Effekt dahinter.
Micz Flor
0:54:32–0:54:36
Und damit hast du mit dem Zeitaspekt nochmal ganz genial diese Synchronicität
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von Jung irgendwie so hochgehoben, dass Dinge, die gleichzeitig sind,
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die man als Zufälle bezeichnet,
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aber dass wenn die dann auffallen und dass die dann eben bei einer Synchronicität
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haben, die eine Bedeutung,
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dann ist das auch, wenn man es wieder in einem Bild darstellen möchte,
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zum Beispiel dieses Möbiusband,
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wo so ein Stückchen Papier einmal an sich selbst geklebt ist,
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aber darum gedreht ist, sodass man da in der Oberfläche rumlaufen kann,
0:55:04–0:55:09
das Gefühl hat, dass Ameise, man läuft unendlich immer auf diesem Papier.
Florian Clauß
0:55:09–0:55:10
Ja, weil du immer oben bist.
Micz Flor
0:55:10–0:55:14
Du bist immer oben, du guckst da drauf und wenn du dann aber mit einer Nadel
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da durchstechst, dann verbindest du zwei Oberflächenpunkte miteinander,
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die für die Ameise unendlich weit weg sind, aber für uns als Dreidimensionale
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dann einfach direkt aneinander liegen.
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Und diese Idee der Synchronicitäten auch als Bild jetzt vielleicht so wie so
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ein Durchstoß sind, so durch die Dinge, bringen irgendwie was zusammen.
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Und jetzt erinnerst du dich bestimmt gleich an etwas, was ich dann abgebogen
0:55:36–0:55:42
habe, weil ich hatte dieses Frühjahr eine ziemlich schwere Bronchitis und hatte
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dann in unserem eigentlich Plus.
Florian Clauß
0:55:44–0:55:46
Ich glaube, wir kommen hier nicht mehr weiter.
Micz Flor
0:55:47–0:55:48
Jetzt wird es knapp mit deinem Zug, oder?
Florian Clauß
0:55:49–0:55:53
Nee, nee, passt schon. So schlimm ist es jetzt nicht.
Micz Flor
0:55:53–0:55:57
Also da hatten wir, auf jeden Fall hatte ich schwere Bronchitis,
0:55:57–0:55:59
hatte große Angst, dass ich wieder eine Lungenentzündung habe,
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die ich schon mal hatte und bin gleich zum Röntgen gegangen und so,
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stellte sich aber raus, dass zumindest zu dem Zeitpunkt rechtzeitig zwar eine
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schwere Bronchitis war, aber noch nichts in den Lungenlappen drin war und ich hatte das bei der,
0:56:16–0:56:19
Lungenentzündung schon so, dass ich danach, wenn ich da rausgekommen bin,
0:56:19–0:56:21
war ich auch im Hirn so ein bisschen flirrig.
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Damals habe ich die Phonybox angefangen zu programmieren, weil ich irgendwie
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hatte ich so gedacht, es war jetzt keine Vision, aber ich dachte,
0:56:28–0:56:30
das müsste man noch machen können, so oder so.
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Ich hatte ganz viele Ideen, irgendwie musste ich kreativ werden,
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so als ob ich zurück ins Leben komme.
Florian Clauß
0:56:34–0:56:37
Auf diesen halbtoten Zustand.
Micz Flor
0:56:37–0:56:42
Und so jetzt auch und habe dann halt irgendwie so flirre Gedanken gehabt und habe dann geguckt,
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Synchronicitäten und hatte euch dann geschrieben, auf der eigentlich Plus-Signal-Community.
0:56:53–0:56:56
Wie krass, ich kann das jetzt so alignen. Ich kann halt sagen,
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als ich meine Lungenentzündung hatte, war meine Tochter genau 928 Tage alt.
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Und als ich jetzt diese schwere Bronchitis hatte, mit den gleichen Symptomen
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wie damals, und man muss dazu sagen, ich bin sehr wenig krank.
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Ich bin wirklich sehr wenig krank. Der Rippenbruch ist festgehalten auf einer
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Episode. Aber eigentlich ist es wirklich für mich.
Florian Clauß
0:57:17–0:57:18
Eine Lungenentzündung jetzt auch.
Micz Flor
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Und als ich jetzt diese schwere Bronchitis hatte, war mein Sohn 921 Tage alt.
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Aber das war der Zeitpunkt der Diagnose und ich habe das verschleppt, die Lungenentzündung.
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Wenn wir die Woche noch abziehen. Und die kam übrigens, nachdem wir uns getroffen
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haben. Ja, noch so ein Zufall.
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Kannst du dich erinnern? Da waren wir, ja egal, aber auf jeden Fall habe ich
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dann gedacht, okay, 921 Tage, jetzt, 928 damals, sehr ähnlich und dann habe ich gedacht,
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was, warum, wie kann das sein, dass es so nah aneinander ist?
0:57:57–0:58:00
Also im Prinzip der gleiche Tag, wenn ich jetzt ein bisschen großzügig rechne.
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Und dann habe ich in meinem Leben nachgeguckt, wo gibt es denn den Abstand von
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920 Tagen oder sagen wir mal 918.
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Also bis die Symptome auftauchen, dauert es ja immer ein bisschen.
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Und dann habe ich festgestellt, es gibt wirklich ein tiefes Erlebnis,
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das genau 918 Tage in meinem Leben abspannt.
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Und dann habe ich aber gedacht, das möchte ich jetzt nicht so da rausgeben,
0:58:36–0:58:41
weil es war was sehr Persönliches, aber ich möchte jetzt noch viel persönlicher quasi.
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Das hat auch mit Chris zu tun natürlich, der ja auch da mitten in der Gruppe
0:58:45–0:58:49
war, weil ich war genau, also.
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Elsa war genau 918 Tage alt, als ich die Lungenentzündung bekommen habe.
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Samuel war 918 Tage alt, als ich diese Schwerobonchitis bekommen habe.
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Und ich war genau 918 Tage alt, als Chris geboren wurde.
Florian Clauß
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Oh, okay. Connecting the dots.
Micz Flor
0:59:05–0:59:08
Ja, ich finde das schon. Also wenn du da jetzt anfängst zu spekulieren.
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Ja, es gibt diese beiden Kinder.
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Ich sehe meine Tochter, ich sehe meinen Sohn und ihr Reichen.
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Genau das Alter, in dem ich war, als mein Bruder geboren wurde.
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Und ich werde schwer krank.
Florian Clauß
0:59:18–0:59:20
Ja, dann kannst du mal drüber nachdenken.
Micz Flor
0:59:20–0:59:23
Genau, und das war mir jetzt in der Signal-Gruppe irgendwie nicht so.
0:59:23–0:59:25
Aber kannst du verstehen?
Florian Clauß
0:59:26–0:59:31
Ja, ich weiß nicht. Ich fand es auch, als du das dann so geschrieben hast.
Micz Flor
0:59:32–0:59:34
Ich habe ja die Auflösung so nicht geschrieben.
Florian Clauß
0:59:34–0:59:38
Ja, du hast ja auch, als du das so geschrieben hast, das war so ein bisschen fiebrig.
0:59:38–0:59:44
Und dann hatte ich das Gefühl, ich muss nochmal da ran quietschen und dann komme ich auf die 9,18 Tage.
0:59:45–0:59:48
Das war so ein bisschen schon so konstruiert, aber irgendwie ist es ja auch
0:59:48–0:59:51
egal. weil das sagt ja was aus.
Micz Flor
0:59:51–0:59:54
Und das ist ja vor allen Dingen jetzt völlig absurd zu überlegen,
0:59:54–0:59:59
das sei vielleicht wahr, weil das da ein Zusammenhang besteht und dass ich,
0:59:59–1:00:02
dass ich, wenn man ein Kind das Alter erreicht, in dem ich war,
1:00:02–1:00:03
als mein Bruder geboren wurde,
1:00:03–1:00:06
woher wusste ich dann damals, dass das irgendwie genau so lang war?
1:00:07–1:00:10
Ja, da habe ich ja als Kind in meinem Erleben, das war ja alles unbewusst,
1:00:10–1:00:14
ich habe erst jetzt nachträglich diese Zusammenhänge irgendwie mir abgeleitet
1:00:14–1:00:16
und die haben eine gewisse Plausibilität.
1:00:16–1:00:19
Man könnte natürlich jetzt sagen, ja gut, ob du als Kind erlebt hast,
1:00:20–1:00:22
dass es 9, 18 Tage waren und nicht, da wurscht, du warst da irgendwie,
1:00:23–1:00:26
es geht ja darum, was du machst mit dir als Erwachsener.
1:00:26–1:00:30
Und wir wissen von dir, siehe kreisrunde Haarausfall und Brandblase,
1:00:30–1:00:35
du kannst somatisch reagieren auf bestimmte Stressoren, die dir unbewusst passieren.
Florian Clauß
1:00:35–1:00:38
Ja, und das heißt, mit der Geburt, also wenn man das Mindset feilt,
1:00:39–1:00:43
mit der Geburt von Chris ist da so ein kleiner Turn reingekommen,
1:00:44–1:00:46
so ein kleiner Butterfly Flügelschlag,
1:00:47–1:00:52
der dann die die Bakterien-Viren aufgewirbelt hat, die dich jetzt dann halt,
1:00:53–1:00:55
krank gemacht haben. Genau in dieser Korrelation.
Micz Flor
1:00:56–1:00:59
Nee, meine Fantasie dazu ist eine andere. Und ich muss das, ihr habt das jetzt,
1:00:59–1:01:05
also Chris hört das jetzt auch zum ersten Mal, aber ich möchte jetzt mal mit
1:01:05–1:01:07
meiner Mutter drüber sprechen, weil meine Fantasie dazu ist,
1:01:08–1:01:10
dass man die Geburt meines Bruders sehr, sehr schwer war.
1:01:11–1:01:14
Das ist meine Fantasie. Und dass irgendwie in der Familie diese Zeit einfach
1:01:14–1:01:18
sehr, sehr einschnürend war.
Florian Clauß
1:01:20–1:01:23
Interessant. Da bist du ja dann wirklich wieder bei der Familie,
1:01:24–1:01:28
die Folge du mit Anja gemacht hast.
Micz Flor
1:01:29–1:01:30
Systemische Themen.
Florian Clauß
1:01:32–1:01:34
Na gut, nicht ganz. Systemisch ist er nicht.
Micz Flor
1:01:36–1:01:41
Ja, aber das irgendwie, das Narrativ ist ja auch nicht ganz gut zu erklären.
1:01:41–1:01:47
Aber es ist sowas, in dem Moment, wenn ich mein Kind in diesem Alter erlebe,
1:01:47–1:01:52
in dem ich damals mich, in dem was nicht verstandesmäßig Greifbares,
1:01:52–1:01:54
Schlimmes, aber auf einmal in der Familie war.
1:01:54–1:01:57
Aber ich weiß nicht, das kann auch fiktiv sein. Kann auch einfach sein,
1:01:58–1:02:02
dass Chris mich genervt hat, dass er zum Krankenhaus zurückkam und das war so
1:02:02–1:02:03
schlimm. Ich konnte nicht mehr schlafen.
1:02:03–1:02:06
Keine Ahnung, ich weiß es nicht, aber mein Gefühl dazu ist irgendwie sowas.
Florian Clauß
1:02:07–1:02:11
Das finde ich gut. Also ich meine, du löst es ja in einer gewissen Produktivität,
1:02:12–1:02:14
im Dialog mit deiner Mutter zu gehen.
Micz Flor
1:02:14–1:02:15
Ja, das ist immer gut.
1:02:18–1:02:20
Nein, das war umlastig. Ich meine, das ist wirklich.
Florian Clauß
1:02:20–1:02:21
Es ist immer gut.
Micz Flor
1:02:21–1:02:22
In Dialog zu gehen.
Florian Clauß
1:02:22–1:02:26
In diesem Fall mit meiner Mutter. Ein Psychotherapeut mit seiner Mutter ist immer gut.
1:02:28–1:02:34
Da können wir alle von lernen. Das ist ein bisschen gemein, aber lustig.
Micz Flor
1:02:34–1:02:36
Es ist wirklich lustig, ich finde es auch lustig.
Florian Clauß
1:02:37–1:02:47
Ja, aber interessant. Diese Folge, diese Fortsetzung von Jung ist wirklich interessant
1:02:47–1:02:51
geworden, weil es hat so viele Hasen,
1:02:52–1:02:57
wie sagt man das, wenn der Hase vor dir wegläuft und dann so Kurven läuft.
Micz Flor
1:02:57–1:02:58
Jetzt bei Harry Potter?
Florian Clauß
1:02:58–1:02:59
Nee, so allgemein.
Micz Flor
1:03:00–1:03:01
Schlägt Haken.
Florian Clauß
1:03:02–1:03:04
Wir haben viele Haken geschlagen.
Micz Flor
1:03:06–1:03:11
Also in diesem eindimensionalen Podcast sicherlich, aber in einem mehrdimensionalen
1:03:11–1:03:14
Podcast wäre es natürlich alles ein Punkt, hängt alles miteinander zusammen.
Florian Clauß
1:03:15–1:03:18
Wir haben einfach viel liegen lassen in einem mehrdimensionalen Podcast.
Micz Flor
1:03:18–1:03:25
Und die Essenz ist natürlich, dass für mich diese Frage des Glaubens,
1:03:26–1:03:29
es ist ein Bedürfnis, zu glauben.
1:03:30–1:03:32
Das würde ich jetzt einfach mal so in den Raum stellen.
Florian Clauß
1:03:32–1:03:33
Ich will to believe.
Micz Flor
1:03:34–1:03:35
Fände ich eigentlich sehr gut.
1:03:39–1:03:43
Jeder zieht sich dann irgendwie solche Grenzen und bei den Dingen,
1:03:43–1:03:48
die teilweise bei Jungen noch für ihn als rational wissenschaftlich erklärt
1:03:48–1:03:49
waren, kann ich nicht mitgehen.
Florian Clauß
1:03:50–1:03:50
Und das ist.
Micz Flor
1:03:50–1:03:57
Aber auch okay. Ich möchte überhaupt nicht ein Bild öffnen, in dem Wahrheit was Subjektives wird.
1:03:58–1:04:06
Das denke ich nicht, aber es ist eher so das Gefühl von Wahrheit und Glaube und Wissenschaft und,
1:04:07–1:04:13
religiösen Gefühlen, dass es immer auch an Kommunikation gekoppelt ist.
Florian Clauß
1:04:13–1:04:18
Ja, es ist spannend. Also ich habe jetzt noch mal so andere Einsichten und Impulse
1:04:18–1:04:22
bekommen, wo ich wahrscheinlich früher etwas Feuer gezuckt hätte.
Micz Flor
1:04:23–1:04:28
Ja, stimmt. Aber du hast dein Floh-Gesicht aufgesetzt, als ich mit Chaos-Magie rauskomme.
1:04:29–1:04:31
Also das ist jetzt ein Charakter aus dem Buch. Nee, nee.
1:04:33–1:04:38
Da war so ganz kurz. Da musstest du Die Chaos-Magie sagt ja,
1:04:38–1:04:39
du musst einfach dich locker machen.
1:04:40–1:04:45
Du musst den Paradigmen-Schiff zulassen. Ein neues Paradigma springen,
1:04:45–1:04:48
indem wir jetzt einfach mal sagen, okay, wenn das und das und das gesetzt ist,
1:04:48–1:04:51
dann sprechen wir jetzt hier über Magie. Okay, bin ich dabei.
Florian Clauß
1:04:52–1:04:55
Ja, das ist halt Punk, ne? Du bist ja auch in einer Punk-Band.
Micz Flor
1:04:56–1:05:00
Ich bin im Orchester. Art Critics Orchestra.
Florian Clauß
1:05:00–1:05:03
Aber ist ja Post-Punk. Post-Punk, ja. Oder?
Micz Flor
1:05:03–1:05:04
Nee, Adult-Punk.
Florian Clauß
1:05:04–1:05:11
At altpunk. Ja, dann kannst du, vielleicht kannst du noch mal so ein Befreul raushauen.
Micz Flor
1:05:12–1:05:15
Jetzt gerade nicht. Nein, also tschüss, Leute.
1:05:18–1:05:22
Das war's von mir. Meine Batterie ist alle.
Florian Clauß
1:05:23–1:05:27
Ja, das war eigentlich Podcast. Irgendwie so derartig. Es geht nicht immer so,
1:05:28–1:05:32
aber diesmal sind wir da schon ganz schön tief reingegangen.
1:05:32–1:05:35
Wir haben auch in einem Stück aufgenommen. so viel muss man sagen,
1:05:35–1:05:39
ja also, wenn es euch gefallen hat dann,
1:05:40–1:05:44
empfehlt uns weiter, ihr könnt auf eigentlich-podcast.de sehen,
1:05:44–1:05:51
wo ihr langgelaufen sind Bilder von der Strecke finden und Mitch wird auch sicher ein paar,
1:05:52–1:05:57
Shownotes und Links und so weiter dazu packen also schaut auf eigentlich-podcast.de
1:05:57–1:06:01
und ansonsten hören wir uns in zwei Wochen macht's gut.
Micz Flor
1:06:01–1:06:02
Tschüss tschüss,
1:06:05–1:06:06
Das ist auch so ein magischer Moment.
Florian Clauß
1:06:06–1:06:11
Wenn wir klappen, das machen wir. Ja, machen wir. Aua, jetzt habe ich einen fliehen.
Micz Flor
1:06:12–1:06:12
Sehr gut!
Florian Clauß
1:06:13–1:06:14
Bist du zufrieden?
Micz Flor
1:06:15–1:06:18
Ich glaube, es ist auch gut, jetzt zwei Teile draus zu machen.
Florian Clauß
1:06:18–1:06:19
Ja, auf jeden Fall.

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"Deine Stimme, den seltensten Wohllaut, wird man vernehmen im Gestammel des Ungeordneten, des Weggeworfenen und des als wertlos Verdammten." -- C.G. Jung: "Das Rote Buch" Liber Novus, Kapitel 8 "Gottes Empfängnis"

Zwischen Empirie und Vision, Wissenschaft und Glauben. Wir nehmen uns der Frage an: Wie unterscheidet sich klassische empirische Forschung von C.G. Jungs Ansatz einer "neuen empirischen Psychologie"? Jung verstand unter Empirie nicht nur die systematische Beobachtung äußerer Phänomene, sondern auch die methodische Erkundung innerer Erlebniswelten. Für viele überschreitet er spätestens da die Grenzen der Wissenschaft, indem er subjektive Überzeugungen in seine Methodik mit einschließt. Seine Psychologie basiert auf der Überzeugung, dass solche subjektiven Erfahrungen, insbesondere Träume, Imaginationen und archetypische Bilder, wissenschaftlich ernst genommen und erforscht werden können. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht *Das Rote Buch*, eine Art psychologisches Tagebuch und zugleich ein symbolisch verdichteter Erfahrungsraum, in dem Jung seine eigenen inneren Bilder und psychischen Prozesse dokumentierte und interpretierte. Die über zehn Jahre dauernde Entstehung des Buches werden auch beschrieben als eine Zeit, in der Jung fast schon psychotische Phasen hatte und regressiv mit Holzklötzen seiner Kindheit spielte. Schwer erschüttert von der Trennung Freuds, öffnete er seine tiefenpsychologische Theorie symbolischen, mythologischen und spirituellen Dimensionen. Ist das noch Wissenschaft? Tune in an find out (what we think).

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:03
Und da gibt es doch, glaube ich, auch dann diese Gondelbahn.
Florian Clauß
0:00:03–0:00:04
Ja, genau, das ist Kienberg.
Micz Flor
0:00:04–0:00:09
Meine Eltern sind da gerne mit hingegangen und dann sind Elsa und ich und meine
0:00:09–0:00:11
Eltern diese Gondelbahn gefahren.
Florian Clauß
0:00:11–0:00:14
Und dann seid ihr auch am Wolkenhain vorbeigekommen.
Micz Flor
0:00:14–0:00:15
Den Wolkenhain kenne ich nicht.
Florian Clauß
0:00:15–0:00:17
Leute, es ist diese Stahlkonstruktion.
Micz Flor
0:00:18–0:00:20
Die auf der Spitze von Kienberg auch.
Florian Clauß
0:00:20–0:00:24
Und da gehen wir jetzt hin. Ja, hallo und herzlich willkommen.
0:00:24–0:00:28
Eigentlich Podcast, der Podcast, wo wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:28–0:00:33
Und wie ihr schon gehört habt, wir sind jetzt in Wuhletal, S-Bahnhof,
0:00:33–0:00:38
ausgestiegen und wollen den wunderschönen Wuhle-Wanderweg heute laufen.
Micz Flor
0:00:38–0:00:39
Heißt du so? www?
Florian Clauß
0:00:40–0:00:41
Www.www.
Micz Flor
0:00:41–0:00:46
Kann man weglassen. Eigentlich-podcast.de. Findet ihr dann die Strecke auch.
0:00:48–0:00:58
Und jetzt teilt es hier sehr schön, weil wir noch mit diesen wunderschönen Farben der ja noch ddr.
Florian Clauß
0:00:58–0:01:03
Fließen hier sind das ist glaube
0:01:03–0:01:10
ich hier noch so aus der aus den 50er jahren gefließt ja und ja wir wollen dann
0:01:10–0:01:16
den den kinnberg hochsteigen und auf dem wolkenhain und mit mit hat uns diesmal
0:01:16–0:01:20
ein thema mitgebracht ich bin gespannt hallo mit.
Micz Flor
0:01:20–0:01:23
Hallo das thema du bist gar nicht so, also du bist halt voll gespannt.
0:01:24–0:01:26
Das Thema habe ich dir schon verraten, indirekt.
Florian Clauß
0:01:26–0:01:28
Ja, ich wollte jetzt ein bisschen Suspens für die Zuhörer.
Micz Flor
0:01:29–0:01:35
Ja, genau, aber die lesen ja immer den Titel schon. Wir haben nochmal die CG
0:01:35–0:01:38
Jung Folge aus dem Giftschrank geholt, oder ich?
0:01:39–0:01:44
Wo wir damals, man erinnere sich, ein bisschen darüber gesprochen haben, wie C.G.
0:01:44–0:01:52
Jung in den 50er Jahren als eine seiner ganz späten Schriften über moderne Mythen,
0:01:52–0:01:54
über UFOs geschrieben hat.
0:01:54–0:01:58
Und versucht hat, die in sein Archetypen-Weltbild mit einzupacken und damals
0:01:58–0:02:02
dann auch geschrieben hat, dass Archetypen ja auch veränderlich seien und nicht
0:02:02–0:02:04
so festgeschrieben, wie man das vielleicht annehmen würde.
Florian Clauß
0:02:04–0:02:07
Also wir haben schon ein paar Mal über Zige Jung gesprochen.
0:02:08–0:02:09
Wir müssen das dann nochmal so ein bisschen...
Micz Flor
0:02:09–0:02:10
Einmal haben wir.
Florian Clauß
0:02:10–0:02:14
Nein, wir hatten zwei Folgen. Die andere Folge war über Märchen.
0:02:15–0:02:18
Da hattest du ja auch schon Zige Jung rausgeholt.
Micz Flor
0:02:19–0:02:21
Mit Freude und Fromm zusammen.
Florian Clauß
0:02:21–0:02:27
Das ist ja, also Zige Jung ist ein fortwährender Gast in unserem Sinne.
Micz Flor
0:02:27–0:02:33
Ja, es ist so, dass diese nachhaltiges dran knabbern an Jungen,
0:02:34–0:02:37
und das war bei der Folge mit den Ufos auch so ein bisschen unser Thema,
0:02:38–0:02:42
dass Jungen dann irgendwie sich so zwischen den Welten positioniert und trotzdem
0:02:42–0:02:44
einfach immer darauf pocht. Ich bin Empiriker.
0:02:45–0:02:52
Die Naturwissenschaftler sagen, ich sei religiös, metaphysisch.
0:02:52–0:02:58
Das ist falsch. Und die ReligionswissenschaftlerInnen sagen,
0:02:58–0:03:02
ich sei naturwissenschaftlich, das ist auch falsch. Also alle sind falsch.
0:03:02–0:03:07
Er ist halt einfach Empiriker. Und dieser Empiriebegriff, da wollen wir heute
0:03:07–0:03:11
nochmal ein bisschen drauf gucken, aber auch nochmal ein bisschen eben dadurch
0:03:11–0:03:13
auch nochmal auf Jung zu gucken,
0:03:13–0:03:19
weil speziell das rote Buch, was auch jetzt ein bisschen vorkommt,
0:03:20–0:03:22
Was ja wirklich auch in einem Giftschrank war.
0:03:22–0:03:26
Jung hatte damals per Testament verfügt, dieses rote Buch, was er gemacht hat,
0:03:26–0:03:28
sollte nur in der Familie bleiben.
0:03:29–0:03:31
Da gehen wir gerade rein.
Florian Clauß
0:03:31–0:03:32
Weil es auch sehr persönlich ist.
Micz Flor
0:03:32–0:03:36
Es ist sehr persönlich, es sind viele Träume drin und Traumdeutungssachen drin.
0:03:36–0:03:43
Aber es ist für viele einfach auch so eine metaphysische Bibel geworden für die Verbindung.
0:03:44–0:03:48
Also in so einem esoterischen Weltbild, wo alles miteinander verbunden ist.
0:03:48–0:03:51
Und eben Jung dazu einlädt.
0:03:51–0:03:54
Und wir werden ein bisschen über diese Ambivalenz sprechen.
Florian Clauß
0:03:54–0:03:54
Ja.
Micz Flor
0:03:55–0:03:57
Weil, ähm...
0:03:58–0:04:04
Bei allen Dingen, die irgendwie ins Religiös-Metaphysische abdriften,
0:04:04–0:04:09
gibt es dann immer so letztendlich keinen Beweis oder Falsifikation,
0:04:09–0:04:11
sondern man muss es dann halt glauben.
0:04:11–0:04:14
Wir kommen also eben zurück auf dieses Thema Glauben.
Florian Clauß
0:04:14–0:04:15
Auf das Glaubenthema.
Micz Flor
0:04:15–0:04:17
Ich weiß nicht, ob ich das Wort Glauben in den Titel nehme.
Florian Clauß
0:04:18–0:04:19
Ja, vielleicht Empfinden auch.
Micz Flor
0:04:20–0:04:21
Empfinden, okay.
Florian Clauß
0:04:22–0:04:29
Aber vielleicht, ich weiß nicht, wie du jetzt dir die Folge so eingeleitet gedacht hast.
Micz Flor
0:04:29–0:04:31
Ich habe auch noch einen riesen Twist drin. Ich weiß gar nicht,
0:04:31–0:04:35
ob es eine oder zwei Folgen sind. Du wirst wahrscheinlich hinten umfallen.
0:04:35–0:04:37
Ich muss dich wahrscheinlich wieder benehmen.
Florian Clauß
0:04:37–0:04:40
Wenn ich dann diesen Twist... Wir haben ja schon so ein paar eigentlich...
0:04:42–0:04:47
Aber wollen wir vielleicht noch mal um so die Grundlagen von Freud,
0:04:47–0:04:49
wollte ich schon sagen, Grundlagen von Jungen.
0:04:49–0:04:56
Wollen wir die vielleicht noch mal so voranstellen, bevor wir dann in die Empirie gehen?
0:04:57–0:05:03
Weil das ist ja so ganz fundamental, ist ja so ein bisschen diese Idee der Archetypen
0:05:03–0:05:07
und des Unbewussten vielleicht da auch in Abgrenzung zu Freud.
0:05:09–0:05:14
Ich weiß nicht, ob ich dich jetzt auf einen kalten Fuß erwische oder kann man
0:05:14–0:05:20
das noch mal so ganz kurz zumindest so in den Grundbegriffen sortieren?
Micz Flor
0:05:20–0:05:23
Ja, es ist gut, weil man dann einfach auch oder ich nochmal vorne heranstellen
0:05:23–0:05:31
kann, dass ich sehr ambivalente Haltung gegenüber dem habe, was ich weiß und ich bin kein Experte.
0:05:31–0:05:34
Das heißt, ich habe mich da so reingelesen und,
0:05:35–0:05:39
Und wahrscheinlich auf einer Ebene wie viele andere Esoteriker,
0:05:39–0:05:44
die sich damit auseinandersetzen, die dann halt ein paar Primärtexte,
0:05:44–0:05:46
viel Sekundärmaterial und was vom Netz ist.
Florian Clauß
0:05:49–0:05:53
Gut, du bist aber Tiefenpsychologe, das heißt, du kommst auch aus einer gewissen
0:05:53–0:05:56
Richtung. Du kannst zumindest fachlich beurteilen.
Micz Flor
0:05:57–0:06:00
Ja, fachlich. Gut, das ist aber interessant, weil da geht es ja um Empirie und
0:06:00–0:06:04
Wissenschaft, wissenschaftliche Haltung. Und also man kann erst mal sagen,
0:06:04–0:06:10
und da kann ich mich so ein bisschen alignen, wie man neudeutsch sagt, so align mit Jung.
0:06:11–0:06:16
Der hatte schon als Kind irgendwie dann oder als Jugendlicher so eine Beschreibung
0:06:16–0:06:19
von sich selbst, dass er eigentlich so zwei Personen ist, so zwei Typen.
0:06:20–0:06:26
Der erste Typ ist quasi der alltäglich rationale Schuljunge aus Basel und der
0:06:26–0:06:30
halt Schwermut hinterlich lassen will, so ein bisschen lebenslustiger ist und
0:06:30–0:06:33
sowas. und der so naturwissenschaftlich geprägt ist.
0:06:33–0:06:39
Und er hat immer wieder auch so diesen zweiten, der ist so eher rückzügig introvertiert
0:06:39–0:06:42
und der beschäftigt sich eher mit religiösen Themen, den verknüpft er so ein
0:06:42–0:06:43
bisschen mit dem Mittelalter auch.
0:06:44–0:06:50
Und die zwei zum Beispiel sah die eins immer nur als so eine notwendige Seite.
0:06:51–0:06:53
Mit der man halt so in der Welt war.
0:06:53–0:06:57
Und diese zwei, die war irgendwie für ihn halt mit was Vergangenem verbunden.
0:06:57–0:07:01
Und da sind wir dann schon auch bei diesen Grenzen. Also das Bild war für ihn
0:07:01–0:07:04
gleich so, das ist von früher. Auch schon relativ jung hat er es gedacht.
0:07:06–0:07:13
Und diese Person 2 war mit den Geisteswissenschaften verbunden und der Theologie.
0:07:13–0:07:17
Und bei mir kann ich mich da insofern mit verbinden, weil ich auch irgendwie
0:07:17–0:07:24
damals nach dem Abi so zwei Dinge hatte. Ich hatte Abi in Mathe und Bio gemacht
0:07:24–0:07:27
und wollte eigentlich in die Naturwissenschaften gehen.
0:07:27–0:07:31
Biologie war mir schon fast so ein bisschen zu weich. Ich hatte überlegt,
0:07:31–0:07:32
vielleicht sogar Physik zu machen oder so.
0:07:33–0:07:35
Und dann hatte ich die anderen beiden Fächer, waren halt Musik und,
0:07:36–0:07:38
vielleicht vergessen, wie hieß das nochmal?
0:07:38–0:07:45
Ich wollte sagen Geisteswissenschaften, aber diese Gemeinschaftskunde, nee, wie hieß das?
0:07:45–0:07:52
Gesellschaftskunde oder so? Das waren dann eher so musisch, softe und so soziale Interessen.
0:07:52–0:07:57
Und ich hatte die so beide und hatte mich dann nach dem Abi entschieden für Naturwissenschaften.
0:07:57–0:08:00
So, deshalb sage ich Alligning, so wie Jung sich zuerst für Medizin entschieden hat.
0:08:01–0:08:06
Und dann habe ich aber später, als die, damals war Zivildienst 20 Monate,
0:08:06–0:08:11
habe ich in der mobilen Altenpflege viele alte Männer beim Sterben betreut.
Florian Clauß
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Die zu Hause gestorben sind.
Micz Flor
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Und hatte dann da mich, glaube ich, für dieses Sozialpsychologische schon ein
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bisschen auch erwärmt und hatte dann wirklich auch so ein,
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Ja, so eine ganz seltsame psychosomatische Erfahrung, als ein Patient,
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der einen Dekubitus hatte, also wundgelegen war, den ich halt betreut habe und
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immer so auf die Seite gedreht und dann mit ihm gesprochen, öfter mal da und so.
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Und der heilte dann, das ist zugeheilt.
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Und das hat mich einfach irgendwie sehr gefreut und ich wusste gar nicht,
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wie wichtig mir das war, bis es dann passierte, dass das irgendwann wieder aufgebrochen ist.
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Und als es ihm dann schnell schlechter ging und als ich ihn dann morgens besucht
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hatte zum Bett wechseln, Windel wechseln, reden und gesehen habe,
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dass das wieder wund geworden ist.
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In der Nacht habe ich auf, ich bin am nächsten Morgen der Nacht,
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nach der Nacht aufgewachen und hatte so eine Hühnerei große Brandblase an der Hüfte.
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Also ich hatte mich in der Nacht wund gelegen, Es war voller Wasser und das
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war wirklich ein komisches Erleben.
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Ich hatte später nochmal sowas, als ich in Manchester studiert habe,
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da hatte ich einen Mitbewohner, der war komplett kahl.
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Ich habe zum Anfang gar nicht gecheckt, der hatte entweder so ein Kopftuch auf
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oder hat so eine Mohiken-ähnliche Punk-Frisur.
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Ich habe mich immer gefragt, wer die Haare unter dem Kopftuch liegt,
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wie sie gecheckt haben. Das war eine Perücke.
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Hat er mir dann erklärt und hat erzählt, das heißt glaube ich im Deutschen Kreisrunde Haarausfall.
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Und da habe ich gedacht, nie gehört, man weiß nicht warum, aber das fängt dann
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an und dann hast du wie so eine Münze, auf einmal keine Haare mehr und das ist
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dann über seinen ganzen Kopf gewandert und er hat einfach alle Haare verloren.
Florian Clauß
0:09:58–0:09:58
Okay.
Micz Flor
0:10:00–0:10:05
Und was ist ein paar Tage später passiert, bei mir unten am Kinn sind so ein
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paar Haare, war so ein bisschen so eine Fleischstelle und die ist dann größer
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geworden, bis auf so eine, würde man heute mit 10 Cent großes,
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hatte ich hier einfach keine Haare mehr.
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Und ich hab im Spiegel gedacht, das darf doch nicht wahr sein.
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Und dann ist es aber stehen geblieben.
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Dann war es irgendwann nachgewachsen, dann waren die weiß, die Haare,
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und dann wurden sie wieder dunkel am Bart.
Florian Clauß
0:10:26–0:10:28
Ja, Stalker-mäßig.
Micz Flor
0:10:28–0:10:31
Es war wirklich, wirklich, also ich habe gedacht, so Mensch,
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ey, mitschwingen ist ja schön und gut.
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Aber wie kann es sein, dass ich über dieses psychische Mitschwingen bis auf
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den Körper, in der Brandblase und im kreisruhen Haarausfall,
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da diese Symptome, die jetzt wirklich nicht psychisch sind, ja.
0:10:47–0:10:50
Also man kann ja auch messen, dass wenn ein Team einer Stress hat,
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kriegen alle Stress. Kann man jetzt drüber philosophieren, wie die stressige
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Interaktion dann auch die Stresshormone freisetzt.
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Okay, aber das waren wirklich so Sachen, wo ich auch dachte, krass.
Florian Clauß
0:11:02–0:11:05
Ja, ich meine, diese Synchronicität, das ist ja, glaube ich,
0:11:05–0:11:11
schon so ein übergreifendes Konzept da auch in der Jungschenlehre.
Micz Flor
0:11:12–0:11:14
Das ist nochmal was anderes, dazu habe ich aber auch ein Beispiel aus meiner
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Biografie, das du auch schon ein bisschen kennst.
0:11:18–0:11:22
Also ich kann jetzt schon sagen, es werden zwei Folgen. Ich werde diese Folge
0:11:22–0:11:26
beenden mit dem Intro für den Twist für die zweite Folge.
Florian Clauß
0:11:26–0:11:34
Okay, das heißt ein Cliffinger. Das können wir auf dem Wolkenhain auf Kienberg dann machen.
Micz Flor
0:11:35–0:11:41
Zum Beispiel. So, jetzt ist dann, wir waren bei Jung, der hatte dann eben die
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Psychiatrie für sich entdeckt, so wie ich damals die Psychologie entdeckt habe.
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Ich möchte mich damit gar nicht erhöhen.
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Ich möchte mich insofern alignen, als dass ich in diesen Folgen wahrscheinlich
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immer wieder auch zwischen diesem sehr naturwissenschaftlichen Kopfschütteln
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und diesen selbst erlebten Synchronicitäten komme ich gleich das Beispiel an.
Florian Clauß
0:12:02–0:12:03
Vielleicht heißt die Folge dann Ich und Jung.
Micz Flor
0:12:05–0:12:06
Ewig Jung.
0:12:10–0:12:15
Es gibt auf alle Fälle aber auch Unterschiede. Also zum Beispiel beschrieb Jung
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auch dann später, dass er schon als Kind auch viele Halluzinationen hatte.
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Er hatte dann auch in der Mitte des Lebens, so Mitte 30, nachdem er von Sigmund
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Freud damals ja sozusagen als Prinz, als Kronprinz erkoren wurde und rangezogen wurde,
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gab es dann den Bruch, nachdem die beiden irgendwie gemerkt haben,
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dass sie nicht zusammenpassen.
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Für Freud war Jung dann irgendwie doch zu okkult und schlammig und metaphysisch.
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Für Jung war Freud dann eben doch auch ein Vater, gegen den er rebellieren wollte,
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könnte man vielleicht mal so sagen.
Florian Clauß
0:12:57–0:13:00
Darf ich da vielleicht mit meinem angelesenen Halbwissen nochmal rein?
Micz Flor
0:13:00–0:13:01
Ja.
Florian Clauß
0:13:01–0:13:08
Und behaupten, dass sich ja die Lehre von Jung und von Freud in einem Punkt
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des Unbewussten noch, die Interpretation des Unbewussten noch, unterscheidet.
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Freud, derjenige, der sehr viel aus diesem Trieb und Sexualität erklärt hat,
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hat das alles im Unbewussten mitgeparkt und daraus sehr viel Theorie entwickelt.
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Und Jung hat ja die Idee der Archetypen im Unbewussten gepflanzt.
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Und das ist, glaube ich, nochmal so, was die beiden unterscheidet,
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jetzt auch für unseren Zugang.
Micz Flor
0:13:44–0:13:47
Ich versuche es nochmal, also was du sagst, noch mal bildlich darzustellen, weil,
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Das ist rückblickend zusammengefasst wahr, aber beide haben ihre Theorien ja
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immer wieder auch umgebaut.
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Aber es gibt so fundamentale Ideen, die sich da unterscheiden.
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Und diese ganze Idee mit dem Archetypen und dem kollektiven Unbewussten,
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Fußnote kommt auch noch drin, während des Dritten Reichs nannte Jung,
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weil er nämlich dann sehr gerne diesen Job auch angenommen hat,
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Das offizielle psychoanalytische Magazin, was dann aber schon nicht mehr,
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also ihm wurde angetragen, das zu übernehmen, nachdem die ganze psychoanalytische
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Vereinigung dann von Juden gesäubert wurde.
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Und er hat das gerne übernommen und hat dann auch sehr opportunistisch in gewisser
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Weise gleich sein kollektives Unbewusstes in ein Rassenunbewusstes umbenannt.
Florian Clauß
0:14:43–0:14:49
Ja, ich glaube, die Gefahr des Totalitären im Universellen ist sehr nah.
Micz Flor
0:14:50–0:14:53
Ja, und man könnte aber vielleicht das, was du sagst, als Bild,
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habe ich mir auch nämlich überlegt, das habe ich jetzt vorhin verpasst.
0:14:58–0:15:02
Ich wollte es so auch einführen zu sagen, wenn man sich das so anschaut, bei Freud war es so,
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dass das Unbewusste, auch in seinen ganz frühen Zeichnungen,
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gibt es halt eben diesen Blob, das habe ich ja glaube ich in einer anderen Folge
0:15:09–0:15:13
schon mal beschrieben, wo das Unbewusste ist, Vorbewusste ist Bewusste und dann
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gibt es so einen kleinen Würfel, das ist quasi das auditive Interface zur Welt.
0:15:17–0:15:22
Also der so ein organismus und diffusen organismus den er da malt der ist geschlossen
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ja das unbewusste ist unten drin nimmt viel platz ein aber ist geschlossen da drin später nimmt die,
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freut das Über-Ich mit dazu, als auch noch etwas, was wirksam ist.
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Und da öffnet er natürlich dann diesen Organismus für, sage ich mal,
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den Zeitgeist, soziale Interaktionen, soziale erwünschte Themen und so.
0:15:48–0:15:55
Aber bei Jung ist es fundamental unterschiedlich, weil bei dem ist das Unbewusste nach unten offen.
Florian Clauß
0:15:56–0:15:56
Ja.
Micz Flor
0:15:57–0:16:01
Und da geht es dann, also man kann sich das wirklich sofort in so einem esoterischen
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Bild auch vorstellen. Also da ist oben das Individuum und nach unten raus ist
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es aber verbunden mit so tiefen Wurzeln.
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Und da geht es durch das eigene Unbewusste durch.
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Und dann gibt es noch, ich weiß nicht mehr genau, wie ihr das nennt,
0:16:15–0:16:18
diese tiefe Stimme oder sowas.
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Also wie gesagt, das wandelt sich ja auch mit der Zeit so ein bisschen.
0:16:21–0:16:24
Ich lese, glaube ich, danach auch ein Stück was vor aus dem Roten Buch.
0:16:25–0:16:28
Aber ich glaube, ich habe mich jetzt gegen diese tiefe Stimme entschieden,
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sondern eher was, was ihn so ein bisschen auch als Religionsgründer so etabliert.
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Aber diese Verbindung des Unbewusstes nach unten offen, das ist dann der Ort,
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wo sich dann das kollektive Unbewusste trifft.
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Also die, die Dune 2 gesehen haben, alles Wasser fließt in diesen unterirdischen Pool.
0:16:47–0:16:54
Also alle Seelen der Gestorbenen vom Dune-Planeten sind da unten drin.
Florian Clauß
0:16:54–0:17:00
Ja, also ich habe das auch jetzt nochmal so in Vorbereitung,
0:17:01–0:17:05
muss ich gestehen, bei Wikipedia so, was sehr handfest war, um dieses kollektive
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Unbewusste zu beschreiben.
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Und was mich auch wieder sehr ergriffen und beschäftigt hat.
0:17:10–0:17:14
Nämlich, dass dieses kollektive Unbewusste, wir haben es ja auch in anderen
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Folgen schon erwähnt, könnte ja sowas wie...
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Wie wir bei den Märchen gesprochen haben, ein Meme sein.
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Das heißt, ein kollektives Gedächtnis, was sich weiterpflanzt.
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Keine Gene, sondern ein Meme.
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Beziehungsweise auch die Glutkerne, die in Märchen auch irgendwo drin sind.
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Und dann sind wir an der Grenze zum Schamanismus und dann kommen wir wieder zum Roten Buch.
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Das ist ja der Bogen. Aber das finde ich halt total stark, dieses Bild.
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Das ist fast sehr wissenschaftlich beschrieben.
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Wenn dann eben ein Säugling auf der Welt ist und es gibt ja kein genetisch vererbtes Bild der Mutter.
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Sondern es gibt ja irgendwie nur so ein gefühltes Bild der Mutter.
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Das heißt, es gibt ein gefühltes Pattern. Wenn ich schreie, dann kriege ich was.
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Woher weiß dieser Säugling, dass er das so tun muss? Und das ist ja so dieses
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kollektive Unbewusste, was dann erst mal so wirkt. Und dann prägt sich ja erstmal
0:18:15–0:18:17
diese Individuation aus.
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Aber erstmal ist dieser Druck da, dieses Archetyp, was dann eben den Säugling
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zum Schreien und zum Verhalten drängt.
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So ganz grob beschrieben. Und das ist halt, was es dann im Unterschied,
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vielleicht kann man nicht sagen, ob es bei Tieren anders ist.
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Ich meine, wenn eine Giraffe geboren wird, dann steht die auf und läuft weg. Woher kann die das?
Micz Flor
0:18:44–0:18:48
Das ist instinktiv. Die Ameisen, das ist ja auch deine Ameisenfolge.
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Da ist es, finde ich, am anschaulichsten. In keiner einzelnen Ameise ist das
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komplexe System verhaftet.
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Und trotzdem ist das komplexe System mit Absurdesten. Also wer es noch nicht
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gehört hat, das ist echt auch eine meiner Favorite-Folgen.
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Auch weil wir eine tolle Wanderung dabei hatten.
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Da kann jeder gerne mal nachgehen. Im Sommer hat es gebrutzelt. War super.
0:19:07–0:19:11
Aber das ist ja wirklich dann so, dass in keiner Ameise ist es drin und trotzdem
0:19:11–0:19:13
ist es zwischen allen Ameisen gegeben.
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Und mit dem, was du sagst, also das Bild der Mutter...
0:19:20–0:19:23
Ich versuche das manchmal immer so ein bisschen zu beschreiben,
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das ist zumindest in meinem Verständnis, jetzt sind wir auch wieder natürlich
0:19:27–0:19:30
bei sehr individuellen Erklärungsmodellen für solche Sachen.
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Bei den Large Language Models habe ich mal so einen kurzen Vortrag gesehen,
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wo jemand meinte, was ist denn eigentlich eine Idee?
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Und es gibt bei den Large Language Models dann so eine Phase von,
0:19:42–0:19:45
in Anführungszeichen, Interneuronen zwischen irgendwie, keine Ahnung,
0:19:45–0:19:49
es ist ja alles quasi von Menschen gemacht, das Abbild von irgendetwas.
0:19:49–0:19:53
Also im Endeffekt im Computer, aber eine Vorstufe von dem, was dann als Output kommt.
0:19:54–0:19:58
Der Output ist immer wieder einzigartig, wird ja auch immer wieder quasi tabula
0:19:58–0:19:59
rasa und neu rausgepusht.
0:20:00–0:20:05
Aber die Idee sei sozusagen ein Freeze von dem, bevor der Output kommt.
0:20:06–0:20:11
Und ähnlich habe ich oft das Gefühl, dass es weniger die Mutter und das Kind
0:20:11–0:20:16
sind, sondern was angelegt ist im Formmodell, sind die Möglichkeiten der Verbindung.
0:20:16–0:20:21
Ja, die Bindung ist das, was wir eben als soziale Verbindung,
0:20:22–0:20:23
aber auch Interaktion können.
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Und das ja in sich selbst, da sind wir wieder bei den Ameisen,
0:20:29–0:20:33
aber bei uns trägt ja dieses zwischen den Menschen auch noch die ganze Kultur,
0:20:33–0:20:36
das ganze Wissen, ja, generational, was da weitergegeben wird.
0:20:36–0:20:39
Also irgendwo ist das hier festgehalten.
0:20:39–0:20:45
Und solche Bilder wie zum Beispiel bei dem vorletzten Alien-Film,
0:20:45–0:20:50
glaube ich, wo dann die ganzen Menschen-Embryos halt so Deep Freeze mäßig einfach
0:20:50–0:20:53
rausgeschossen werden ins Universum.
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Und ein Androide kommt halt mit, der ja dann auch eben diesen einen Alien mit reinsetzt.
0:20:58–0:21:02
Das war jetzt der Plot-Spoiler, dass die Menschen nie ankommen, so nur Aliens.
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Man die einfach so wegschicken könnte und dann entsteht da wieder Menschheit.
0:21:08–0:21:10
Das ist wahrscheinlich nicht so leicht.
0:21:11–0:21:14
Oder, wir werden es ja wissen, vielleicht ist es ja viel leichter als gedacht.
Florian Clauß
0:21:14–0:21:20
Ja, ich meine, was du sagst, auf der einen Seite ist es halt ein ganz biologischer Trieb.
0:21:20–0:21:22
Es ist die Geburt, es ist die Paarung.
0:21:23–0:21:29
Das sind ja so diese Initiationsmomente von Menschheit, Menschheitsgeschichte.
0:21:29–0:21:34
Das heißt, irgendwas muss ja da ein Ideebild sein, wie sich das halt zu gestalten
0:21:34–0:21:37
habe. Deswegen ist es irgendwo eingepflanscht.
0:21:38–0:21:43
Und auf der anderen Seite entsteht daraus Kultur, weil dieses Ideenbild lässt
0:21:43–0:21:48
sich ja nicht eins zu eins immer so umsetzen, sondern du hast ja so einen Möglichkeitsraum
0:21:48–0:21:52
und einen Wirklichkeitsraum, der dann irgendwann in dem Moment,
0:21:53–0:21:59
ja vielleicht, da sind dann die Traumata bei Jung, wenn halt eben das Schreien
0:21:59–0:22:03
des Säuglings nicht beantwortet wird. Ja, dann entsteht ja eine Störung.
0:22:03–0:22:08
Ja, so wie beim Urknall, dann irgendein Teilchen anders gedreht hat und damit
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halt die Expansion ausgelöst hat und damit dieses ganze Ungleichgewicht reingebracht
0:22:13–0:22:15
hat und damit wieder diese Entstehung der Sterne.
0:22:16–0:22:20
Also das ist ja irgendwie so das kleinste Teil, was dann halt nicht mehr so
0:22:20–0:22:24
in diesem Wirklichkeitsraum da ist, wo es halt irgendwie, das kann man ja auch
0:22:24–0:22:26
nicht sagen, man kann ja nicht sagen, du bist falsch hier,
0:22:26–0:22:31
sondern es ist ja irgendwie die Prozesshaftigkeit, die da in dem Modell drin wird.
Micz Flor
0:22:31–0:22:35
Und die Prozesse generieren dann, und dann sind wir bei einer Form der Emergenz,
0:22:35–0:22:41
also das Ungreifbare, Strukturierte, was dann so dazwischen passiert.
0:22:41–0:22:48
Aber ich wollte noch eine Sache sagen zu diesem Archetypenbild und so.
0:22:50–0:22:55
Also vorher sage ich noch was anderes. Und zwar hat, wenn es darum geht,
0:22:55–0:22:57
diese Modelle zu bauen, hat Jung auch,
0:22:58–0:23:04
nicht Jung Freud, einen interessanten Subtext eingepackt in seinem wichtigen
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Artikel, ich glaube von 24 über Narzissmus.
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Und zwar hat er dann irgendwie mehr gesagt, stopp, jetzt muss ich mal hier was loswerden.
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Und er sagt dann irgendwie nochmal kurz, ja, wie ist es denn jetzt mit der Libido,
0:23:17–0:23:21
die sich als Objekt-Libido und da muss die wieder umgewandelt werden in freie
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Energie. Und wo passiert das denn?
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Also so wurde dann, wenn du es alleine liest, denkst du, hä?
0:23:28–0:23:31
Selbst wenn du dem Thema vertraut bist, jetzt macht das aber echt kompliziert.
0:23:31–0:23:34
Und dann sagt er nämlich nochmal Stopp im Stopp und sagt, ja,
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so ist es halt. Ja, so müssen wir halt arbeiten.
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Wir müssen halt Modelle bauen und wir denken, das sei Wissenschaft,
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aber dieses Modell ist natürlich völlig fiktiv.
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Freud selbst, und er ist ja auch als Mediziner und Wissenschaftler,
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war immer der Meinung, irgendwann wird man das alles finden können,
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aber jetzt muss er es halt ableiten.
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Er baut diese Modelle und wo wird das denn dann wissenschaftlich?
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Und er sagt, ja, wissenschaftlich wird es in dem Moment, wo wir unsere Modelle
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dann in der klinischen Praxis erproben.
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Weil aufgrund dieser Modelle entstehen ja auch Hypothesen über Veränderung dieses Modells.
0:24:04–0:24:11
Und wenn wir die dann probieren und wir haben einen Erfolg, dann können wir
0:24:11–0:24:15
dieses Modell erstmal nutzen. Es ist quasi, so würde der Mediziner denken, es funktioniert.
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Und in der ganzen Psychopharmaka ist es ja auch so, dass die Kategorisierung,
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welches Medikament jetzt als antipsychotisch oder angstlösend eingestuft wird,
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ist nicht in der Chemie, sondern ist erstmal hauptsächlich in der Wirkweise.
0:24:34–0:24:42
Da werden die halt erst mal kategorisiert und sagen, okay, das ist ein Neuroleptika,
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hatte man früher gesagt Antipsychotika, das ist gut gegen Stimmenhören,
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gegen Warnhafte und so weiter.
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Aber in geringer Dosierung bei manchen Menschen ist es total gut als Schlafmittel.
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Aber es wird nicht im Schlafmittel, das ist dann Off-Label-Use.
0:24:55–0:25:01
Aber das heißt, diese ganzen Sachen, die sind auch immer Sachen, die so gebaut werden.
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Und Freud hat dann 1924 eben gesagt, um das Ganze auch noch mal auf die Hand
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mit der Faust auf den Tisch zu sagen, das ist völlig okay so.
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Indem er sagt, schauen wir doch mal an die Physik. Weil das war ja gerade Oppenheimer,
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die Quantenphysik in der Zeit.
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Da ist es ja auch so, dass auf einmal alle Wissenserfahrungen durch den Boden
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fallen, weil wir auf einmal völlig neu denken müssen. Und da gibt es auch noch
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keine guten Modelle und man ist einfach am Forschen.
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Also das finde ich auch nochmal einen wichtigen kleinen Exkurs, dann mal reinzugucken.
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Wir sind immer im Plausiblen, nicht wirklich im Wissen.
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Und auch schön nochmal zu sagen, ja 1924 hatte man das Gefühl,
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dass man bei der Quantenphysik auch nicht im Wissen ist, sondern auch noch im Stochern.
Florian Clauß
0:25:52–0:25:56
Ja, und dann, ja, das war ja quasi der Höhepunkt der Moderne und in dem Moment,
0:25:56–0:26:02
wo dann Trinity losging und Oppenheimer und die Atombombe, ist ja die Postmoderne
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quasi mehr oder weniger angefangen.
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Also dann ist ja wieder dieses, also auf einer Kulturgeschichte betrachtet.
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Aber noch ein anderer Gedanke dazu, zu den Wirkweisen der Medikamente jetzt
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nochmal zurückzuhalten.
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Fromm, freut Jung, Fromm.
Micz Flor
0:26:18–0:26:19
Fromm kommt, glaube ich.
Florian Clauß
0:26:19–0:26:20
In dieser Folge eigentlich gar nicht vor.
Micz Flor
0:26:21–0:26:23
Das ist aber lustig, eine Jung, freut Fromm.
Florian Clauß
0:26:23–0:26:24
Ja, das ist deine Folge.
Micz Flor
0:26:25–0:26:30
Wenn die Schmidt, Schulze und Schuster gehen, dann werden wir so gerne über die reden.
Florian Clauß
0:26:31–0:26:36
Ja, das könnte man auch übertragen. Aber das auf die Psychotherapie dann übertragen
0:26:36–0:26:40
ist natürlich auch, der Ansatz zur Heilung ist ja quasi das Unbewusste,
0:26:40–0:26:43
sich irgendwie zugänglich zu machen in verschiedenen Methoden.
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Und bei Jung ist ja dann eine Methode diese aktive Imagination.
0:26:51–0:26:58
Das heißt, sich das in so einem Halbwachzustand, dann eben seinen Traumbildern
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nachzugehen und da zu schreiben, beschreiben, zu malen, zeigen und so weiter.
0:27:02–0:27:06
Das heißt, da gibt es ja auch die Möglichkeit zu heilen.
0:27:07–0:27:11
Das ist ja ähnlich wie das Medikament, dann auch irgendeine Disposition mitbringt.
0:27:11–0:27:15
Und auch hier eigentlich ist es ein Methodenwerk dann letztendlich,
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was daraus abgeleitet werden kann.
0:27:17–0:27:21
Und das ist natürlich total flexibel. Also das ist dann auch immer,
0:27:21–0:27:26
also das ist glaube ich das, was du ursprünglich zu Freud gesagt hast, dass es,
0:27:27–0:27:31
man kann nicht sagen, dass es diese eine Methode ist, die dann wirkt,
0:27:31–0:27:36
sondern das ist ja dann im kulturellen Kontext sind es unterschiedliche Möglichkeiten.
0:27:36–0:27:41
Jetzt kannst du vielleicht Large Language Models einsetzen, die auch eine heilende
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Wirkung, eine methodische Wirkung haben können. Die ist halt irgendwie vor einer Zeit nicht klar.
Micz Flor
0:27:45–0:27:53
Ja, klar. Genau, aber jetzt habe ich den Faden für mich ganz kurz verloren, weil diese,
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was du sagst, es wirkt in Anfangszeichen, ist natürlich dann auch noch ein ganz großes Thema,
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weil die Psychoanalyse ursprünglich gar nicht unbedingt so denken wollte wie
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die medizinische Empirie oder Evidenzforschung.
0:28:15–0:28:18
Aber inzwischen, vor allen Dingen auch in Deutschland, weil halt alles über
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die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet wird, Evidenz vorliegen muss,
0:28:22–0:28:27
damit der soziale Pool das auch zahlt.
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Deshalb war ja Homöopathie einfach so lange auch unter Beschuss,
0:28:31–0:28:37
weil es einfach überhaupt keine Evidenzbeweise gab, dass es wirkt.
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Und das Geld, was alle in einen Pool stecken, was dann allen auch helfen darf,
0:28:45–0:28:46
wird halt danach auch geprüft.
0:28:46–0:28:51
Aber die Evidenzforschung ist halt so nah an der Medizin, dass du halt so ein
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Doppelblindverfahren, Psychopharmaka zum Beispiel, testen kannst.
0:28:54–0:28:57
Kann man sich ja vorstellen, wie das geht. Und dann hast du bestimmte Varianzen,
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in denen Symptome reduziert werden und dann kannst du gucken,
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sind die signifikant oder nicht, gibt es Nebenwirkungen, wird alles dann geschaut
0:29:04–0:29:05
und dann kommt es auf den Markt.
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Psychotherapie, deshalb auch manualisierte psychotherapeutische Verfahren,
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die auch versuchen, eben möglichst gleich die Prozesse, Intervention in der Therapie,
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auszuführen, nenne ich es mal, sodass man zum Schluss dann wirklich sagen kann,
0:29:29–0:29:35
dieses manualisierte psychotherapeutische Verfahren für Angst ist wirksam und
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deshalb zahlt das die Kasse und empfiehlt es auch.
Florian Clauß
0:29:38–0:29:42
Ja, ja, ich meine, das hattest du ja auch so exponiert in der einen Folge.
Micz Flor
0:29:42–0:29:49
Genau, und dann ist es aber eben, um darauf zurückzukommen, mit den psychodynamischen
0:29:49–0:29:52
Verfahren geht es ja immer um das ganz spezielle.
0:29:52–0:29:54
Warum jetzt? Warum das?
0:29:55–0:29:57
Warum Angst vor Pferden?
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Das heißt, da wird ja immer ein Schritt, eben laut language,
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man ist ein Schritt hervorgeguckt. Da wird ja halt gesagt, okay,
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es gibt eine Angst, zum Beispiel die klassische Geschichte mit Angst vor Pferden vom kleinen Hans.
0:30:12–0:30:17
Der Papa und der Junge hatte dann Angst vor dem Papa, würde man dann natürlich
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gleich sagen Kastrationsangst.
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Aber das darf er sich nicht gestehen oder zulassen, das ist nicht ausführbar.
0:30:26–0:30:29
Und dann hat er auf einmal Angst vor Pferden, also es verschiebt sich.
0:30:29–0:30:33
Das ist ja ein ganz schillernder Fall, jetzt ganz kurz erklärt.
0:30:33–0:30:37
Das heißt, würdest du jetzt empirisch sagen, Pferdeangst müssen wir wegmachen,
0:30:37–0:30:41
was gibt's? Können wir mal unter P wie Pferde gucken und was machen wir jetzt?
Florian Clauß
0:30:43–0:30:45
Da steht nur ein Penis.
Micz Flor
0:30:49–0:30:53
Papa und Penis und Pferde, alles passt ja sogar, also sind wir sogar mit drin.
0:30:54–0:30:58
Aber deshalb ist natürlich oft diese Evidenzbasierung, gerade auch bei psychodynamischen
0:30:58–0:30:59
Verfahren, einfach nicht so.
Florian Clauß
0:30:59–0:31:02
Ja, das ist spannend, das finde ich jetzt, das ist mir jetzt wirklich tatsächlich
0:31:02–0:31:04
zum ersten Mal so klar geworden.
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Da knüpfe ich wieder an, was wir gerade gesagt haben, diese unendlichen Möglichkeiten,
0:31:10–0:31:19
die erstmal in diesem Unbewussten drinnen liegen, die dann halt einen potenziellen 2 hoch N Raum hat,
0:31:20–0:31:25
wie sich das dann ausprägen kann in der konkreten Wirkungsweise und so weiter.
0:31:26–0:31:28
Wie du das gerade beschrieben hast, und dann sind es auf einmal Pferde.
0:31:29–0:31:31
Bei den anderen sind es vielleicht Gartenzwerge oder sowas.
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Das heißt, dieses Objekt oder das Subjekt oder das, was dann die Angst bereitet,
0:31:37–0:31:44
ist dann quasi nur der Endpunkt eines Prozesses, der vorher dann irgendwo anders angefangen hat.
0:31:44–0:31:47
Und das heißt, es ist deswegen nicht wiederholbar.
Micz Flor
0:31:47–0:31:51
Und das ist dann oft auch eine Kritik, die aber auch nicht bewiesen ist,
0:31:51–0:31:55
aber oft eine Kritik vom psychodynamischen Verfahren, früher in verhaltenstherapeutischen
0:31:55–0:32:00
Verfahren, die dann zum Beispiel nachweislich in der Expositionstherapie sehr
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gut, sowas wie Höhenangst, bearbeiten können.
0:32:02–0:32:06
Sogar per SMS, es gab eine Zeit lang, bevor es dann die Apps gab,
0:32:07–0:32:11
schon Angebote auch von Krankenkassen, dass man per SMS eine Expositionstherapie machen kann.
0:32:11–0:32:15
Man wird dann in bestimmten Abständen hingehalten, bestimmte Dinge zu tun,
0:32:15–0:32:21
dann auszuhalten, bis die innere Aufregung wieder abschwillt und dass man sich
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dann wieder völlig entspannt fühlt und so weiter.
0:32:23–0:32:27
Es gibt bestimmte Methoden, es funktioniert und die Psychodynamik hat dann immer
0:32:27–0:32:30
den Vorwurf parat, ja gut, dann entsteht halt Symptomverschiebung.
0:32:31–0:32:37
Wenn der eigentliche Konflikt nicht gelöst ist, dann bleibt der psychische Druck
0:32:37–0:32:45
erhalten und wenn dieser psychische Druck da ist, dann wird sich ein neues Symptom finden.
0:32:45–0:32:50
Und es gibt auch einen Text, den hatte ich neulich, weiß gar nicht,
0:32:50–0:32:54
ob ich den nochmal finde, aber wo jemand auch bei Zwangspatienten darüber gesprochen
0:32:54–0:32:55
hat, welche Rolle hat denn eben Zwänge?
0:32:56–0:33:01
Das war, ich habe den Namen, Lerch, glaube ich, heißt der, der gehemmte Rebell
0:33:01–0:33:03
ist das Buch, was er geschrieben hat über Zwänge.
0:33:04–0:33:08
Und der hat halt gesagt, dass anhand der PatientInnen, mit denen er gearbeitet
0:33:08–0:33:13
hat, eine meinte, dass die Zwänge auf einmal weg waren und dann fehlte ihr was.
0:33:14–0:33:18
Dann fehlte auf einmal was und dann hat sie irgendwie was anderes gefunden,
0:33:19–0:33:23
was sie zwanghaft annehmen konnte, um halt so eine bestimmte Struktur,
0:33:23–0:33:25
die sie scheinbar einfach braucht.
Florian Clauß
0:33:25–0:33:31
Ja, es ist im Prinzip wie dann auf der anderen Seite, wenn du dann halt medikativ
0:33:31–0:33:36
da eingreifst, dann wird wahrscheinlich dieser Druck,
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gedämpft, aber der ist nicht wirklich weg. Also die Frage ist,
0:33:42–0:33:46
ob das dann eine Form von Heilung ist oder Verschiebung.
Micz Flor
0:33:47–0:33:51
Da gibt es dann eben die ganzen Abwehrmechanismen, die ausgelegt sind,
0:33:51–0:33:54
um diese inneren Unruhezustände zu bändigen.
0:33:55–0:33:59
Und dann kann zum Beispiel Somatisierung, also das war dann meine Brandblase,
0:33:59–0:34:01
das hat mich so tief erschüttert, Ich habe das nicht zugelassen,
0:34:01–0:34:08
ist ja nur mein, das wäre jetzt die Theorie dazu, die ist ja hier nur mein Zivildienst.
0:34:08–0:34:12
Ich kenne den Typ ja eigentlich gar nicht und dann kommt halt die Brandblase
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an meine Hüfte raus. Ich habe die Narbe immer noch, kann ich dir mal im Intim-Moment zeigen.
Florian Clauß
0:34:18–0:34:19
Beim Schneiden.
Micz Flor
0:34:20–0:34:21
Beim Schneidung im Himmels Willen.
0:34:24–0:34:28
Ich wollte eine Sache noch sagen mit diesem Archetypen-Ding.
0:34:28–0:34:32
Also auch da haben wir schon, so wie wir drüber gesprochen haben, du genauso wie ich,
0:34:33–0:34:38
ich hatte ein bisschen gehofft, dass du der methodisch inkorrekt Gegenspieler
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bist, der sagt, Leute, so muss es gemacht werden.
0:34:42–0:34:49
Aber du hast ja jetzt auch selber schon gesagt, man kann bei einer starken Plausibilität
0:34:49–0:34:52
schnell auch mal schulterzuckend sagen, kann ich glauben.
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Und dann sind wir bei unserer allerersten Folge Contact.
0:34:57–0:35:02
Also Jodie Foster, die halt irgendwann glaubt, dass es Aliens gibt.
0:35:03–0:35:08
Und es ist in dem Buch, weiß ich gar nicht mehr, aber im Film ist es dann wirklich
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so, dass der Vorwurf, den sie kriegt, ist, dass sie halt fantasiert und sie
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war ja ohnmächtig in dieser großen Kugel.
0:35:14–0:35:19
Das hat sie alles nur so Hingespinste, der wird im Film ja ausgehebelt,
0:35:20–0:35:25
weil dann nochmal jemand sagt, also sie sagt halt so, das Tape,
0:35:25–0:35:26
die Videoaufnahme, da ist nichts drauf.
0:35:26–0:35:30
Und dann ist das Gespräch vorbei und dann sagt die Kollegin von dem aber,
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trotzdem, es waren 17 Stunden Aufnahme, auf denen nichts drauf war.
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Während eigentlich nur die Kugel ist. Also Jodie Foster glaubt an Aliens und
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vorher war sie die Wissenschaftlerin, die halt jeden Schritt so,
0:35:43–0:35:46
und jetzt ist sie die Einzelkämpferin mit ihrem Glauben.
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Und jetzt ist es bei dem, was wir mit den Archetypen gesagt haben,
0:35:50–0:35:57
also Archetypen, die erstmal auch so in Mythen immer vorkommen, da hat.
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Da ist es so, dass in der Hirnforschung, in der angstbezogenen Hirnforschung
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ist es so, dass man inzwischen festgestellt hat,
0:36:14–0:36:19
dass über die Signale, die halt reinkommen, zum Beispiel über was man sieht,
0:36:19–0:36:26
werden an der Ermückterlage gesplittet in schnelle Sachen, die zum Hypothalamus
0:36:26–0:36:31
geschossen werden und langsameren Sachen, die halt hinten zum visuellen Kortex geschickt werden.
0:36:32–0:36:36
Im Hypothalamus wird in irgendeiner Form, wie auch immer, schnell mal abgeglichen.
0:36:36–0:36:39
Das ist das Angstgedächtnis quasi, kenne ich das schon.
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In der Exposition, in der Expositionstherapie der VT wird erfolgreich dieses
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Angstgedächtnis umgebaut.
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Da habe ich dann keine Höhenangst mehr. Das ist da rausgenommen.
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Aber was da ankommt als Signal, wird abgeglichen und dann wird halt gleich gesagt
0:36:55–0:36:56
Gefahr oder nicht Gefahr.
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Und wenn es Gefahr ist, dann entsteht halt so eine Übernahme des ganzen Systems
0:37:01–0:37:06
und in drei Phasen werden dann Stresshormone ausgeschüttet und der Körper ist gestresst.
0:37:06–0:37:18
So, aufgrund dieser Struktur ist es gut erklärbar, warum es sehr viel mehr Hühnerphobien
0:37:18–0:37:21
gibt als Starkstromphobien.
0:37:21–0:37:21
Ja.
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Es ist empirisch nicht nachweisbar, dass Hühner tödlicher sind für Menschen
0:37:27–0:37:30
als irgendwelche Zwischenfälle mit Steckdosen oder so.
Florian Clauß
0:37:30–0:37:30
Ja.
Micz Flor
0:37:32–0:37:37
Aber es ist einfach so. Schlangen, Insekten, das ist alles, da sind wir sehr anfällig.
0:37:38–0:37:43
Und das ist zumindest auch eine plausible Erklärung, zu sagen,
0:37:43–0:37:53
dass eine Weitergabe auf einer genetischen Ebene von solchen Archetypen möglich zu sein scheint.
Florian Clauß
0:37:53–0:37:57
Aber da ist vielleicht diese mimetische Weitergabe, dass du die Bilder dann
0:37:57–0:38:02
irgendwie vererbst, in der Kultur eingebettet.
Micz Flor
0:38:04–0:38:08
Ja, das ist Das kann man nicht ausschließen,
0:38:08–0:38:13
aber zumindest ist es so, dass das Huhn nachweislich, ich weiß nicht wie das
0:38:13–0:38:17
mimetisch erhalten blieb, dass das Huhn so gefährlich ist, aber es gibt Hühnerphobien
0:38:17–0:38:19
oder Vögelphobien, die einfach nicht wirklich,
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Die irgendwie nach Jahrhunderten jetzt, glaube ich, dann vielleicht auch mal
0:38:25–0:38:26
nicht mehr notwendig sind, aber die es immer noch gibt.
Florian Clauß
0:38:27–0:38:33
Vielleicht hier noch mal die Anekdote, als ich von Benjamin Worf ein Buch mal
0:38:33–0:38:37
gelesen habe über den Sprachanalytiker.
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Und er hat die Sprache der Hopi-Indianer untersucht.
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Und das ist eine völlig andere Struktur in der Sprache. Hat mich sehr fasziniert damals.
0:38:49–0:38:53
Und die jetzt ganz anders strukturell aufgebaut ist.
0:38:53–0:38:57
Und da ist sowas, weil wir hier gerade durchs Gebüsch laufen,
0:38:57–0:39:03
da ist zum Beispiel der Satz, ich schiebe einen Ast beiseite oder ich habe einen
0:39:03–0:39:06
zusätzlichen Zeh an meinem Fuß, das ist das Gleiche.
Micz Flor
0:39:07–0:39:07
Echt?
Florian Clauß
0:39:09–0:39:16
Wie geht das? Aber es ist halt diese Struktur, die das in dieser Hopi-Indianer-Sprache
0:39:16–0:39:20
beschreibt. und vielleicht ist es genau das gleiche wie mit Enten und Starkstrom.
0:39:20–0:39:24
Es ist dann halt irgendwie eine Hülle für irgendwas, was man erst mal wieder
0:39:24–0:39:26
füllen muss mit Bildern.
Micz Flor
0:39:26–0:39:31
Also die Hörer und Hörerinnen, die jetzt nicht dabei waren, während wir hier
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lang liefen, müssen wissen, wir sind gerade über einen kleinen Fluss gelaufen und da waren Enten.
0:39:35–0:39:39
Deshalb hat Flo jetzt von Enten gesprochen. Er meinte Hühner.
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Ja, im Deutschen gibt es das ja auch. Das erzählt Elsa immer gerne anderen Menschen.
0:39:48–0:39:52
Nur durch die Betonung werden diese beiden Sätze sehr unterschiedlich.
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Ich werde dich umfahren oder ich werde dich umfahren.
Florian Clauß
0:39:57–0:39:58
Das sind andere Konsequenzen.
Micz Flor
0:39:58–0:40:03
Das ist ein sehr, sehr anderer. Der eine ist eher altruistisch mitdenkend und
0:40:03–0:40:06
der andere ist eher übergriffig, invasiv.
0:40:07–0:40:10
Aber das nochmal ganz kurz mit diesen Ängsten.
0:40:11–0:40:16
Es ist scheinbar möglich, dass in gewisser Form wirklich solche Sachen übergeben
0:40:16–0:40:23
werden und dann auch wieder evidenzbasierter Daten, sich da bestimmte Sachen festkrallen,
0:40:25–0:40:27
Und das muss man einfach mal so hinnehmen.
Florian Clauß
0:40:28–0:40:33
Ja, das muss man mal so hinnehmen. Okay, es ist natürlich ein heikles Gebiet,
0:40:33–0:40:40
weil du dann auch anfängst, ja, Homopathie und Evidenz und die Frage,
0:40:40–0:40:42
was dann eben Heilung bringt.
0:40:42–0:40:47
Aber ich meine, was in diesem Zusammenhang auch immer wieder gesagt wird und
0:40:47–0:40:53
als Sticker vom Böhmermann rausgekommen ist, ist halt, es ist,
0:40:54–0:40:57
jetzt fällt mir eine Spur nicht mehr ein. Warte mal, wie ging es nochmal?
0:41:00–0:41:03
Also Placebo-Effekt ist wirksam.
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Das ist ja so die Essenz davon. Das heißt, die Homöopathie liefert ja ein Konstrukt,
0:41:09–0:41:11
ein Erklärungsmuster, von dem sie sagen, das ist wahr so.
0:41:12–0:41:17
Aber dieser Placebo-Effekt, der ist ja wissenschaftlich anerkannt.
0:41:17–0:41:20
Man weiß es nicht, wie es funktioniert in Teilen.
0:41:21–0:41:24
Aber es ist so, dass es eine unglaubliche Wirkung hat.
0:41:25–0:41:32
Und das ist, glaube ich, das, wo jetzt die Medizin noch nicht in diese Gefilde gekommen ist.
0:41:33–0:41:38
Aber es wird nach wie vor, also dieser Placebo-Effekt wird ja so angewandt.
0:41:38–0:41:42
Und das ist ja auch in dem Bereich, ist es dann auch wieder wissenschaftlich
0:41:42–0:41:46
akzeptiert, wenn du nicht sagst, ich habe jetzt hier irgendwie Hühneraugen und
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Entenfüße, mixe ich zusammen und dann wirkt das 100% so.
0:41:52–0:41:55
Sondern du sagst halt irgendwie so, okay, ich baue dir jetzt mal ein Konstrukt
0:41:55–0:41:58
und ob du dran glaubst oder nicht, ist mir egal, aber es wirkt.
Micz Flor
0:42:00–0:42:03
Und jetzt habe ich eine absolute Déjà-vu Sache.
0:42:04–0:42:10
Da musst du jetzt sagen, habe ich neulich schon mal in unserem Podcast über
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EMDR gesprochen, über die,
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Diese Traumatherapie, psychotherapische Traumatherapie, EMDR?
Florian Clauß
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Ich glaube, wir haben darüber gesprochen.
Micz Flor
0:42:22–0:42:24
Also gut, ich sage es jetzt einfach nochmal, weil es so gut passt.
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Bei EMDR ist es auch so, dass man,
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versucht, mit bestimmten Augenbewegungen, die durch den Finger,
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den der Therapeutin bewegt, das traumatische Erleben dann abgeschwächt werden kann, die Erinnerung.
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Also es ist eine Traumatherapie, ohne in die Symptome reinzugehen.
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Und man hat aber irgendwann gemerkt, dieser Finger, das muss man gar nicht machen.
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Man kann auch auf den Handrücken tippen oder man kann auch im Vorhang auf und
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zu machen. Das ist nicht so wichtig.
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Lange hielt man an diesen Finger fest. Und jetzt ist die neue plausible Theorie
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einfach zu sagen, es geht um geteilte Aufmerksamkeit.
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Es geht darum, dass das Trauma nicht die ganze Aufmerksamkeit bekommt,
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sondern dass ein Teil der Aufmerksamkeit auf etwas anderem bleibt.
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Sodass dann traumatische Erlebnisse nochmal berichtet werden können und dann
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besser integriert werden können, sich entspannen können.
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Und bei meinem Modell dazu merkt man schon, wie plausibel und gleichzeitig lose
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das dann auch wieder ist.
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Aber es ist gerade wohl der aktuelle Stand in der Forschung zu diesem Thema.
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Warum muss man nur irgendwas machen und EMDR funktioniert?
0:43:37–0:43:43
Während man lange Zeit sich überlegt hat, was ist es denn bei dieser Augenbewegung,
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was dann im Gehirn wirklich passiert.
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Aber es war gar nicht das, sondern das Thema war Aufmerksamkeit.
Florian Clauß
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Ja, interessant. Jetzt kommt da wieder so ein bisschen so, dass da quasi eine
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Bewegungsstruktur hinterliegt.
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Das ist dann wieder auf einer komplett strukturellen Ebene, aber sobald es eben
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materiell wird, dann vielleicht gar nicht so interessant.
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Also das ist dann das Augenfälligste, was man erstmal untersuchen möchte.
Micz Flor
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Augenfälligste war jetzt auch wegen Augen, meinst du?
Florian Clauß
0:44:09–0:44:13
Ja, das, was man dann halt anfassen kann, weil es halt irgendwie konkret wird.
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Aber es ist vielleicht gar nicht das, worum es da geht. So ein bisschen,
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das hatten wir auch erwähnt,
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ich glaube, als wir das erste Mal über Large Language Models gesprochen haben,
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dass dann der Hautkrebs oder Krebs in so Modellen,
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wo verschiedene Bilder waren und so weiter, dann irgendwann ein Bios drin hatte,
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das im Krebs immer nur dann erkannt wurde, wenn halt so ein Lineal daneben liegt.
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Also dann hat man die ganze Zeit, okay, das ist Lineal, das muss irgendwas bedeuten.
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Da muss ich mal hin. Das ist ein bisschen wie der Finger, der Finger, der Finger.
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Dabei geht es eigentlich um eine andere Sache, die dahinter liegt,
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die dann halt irgendwie unterschiedlich ausgeführt werden kann.
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Und vielleicht geht es dann immer eher um Bewegung als um irgendwas Materielles.
Micz Flor
0:44:58–0:45:01
Wir haben jetzt irgendwie das Eigentliche, Eigentlich Thema ja so ein bisschen
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übersprungen, also Jung ist jetzt so ein bisschen hinten dran.
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Ich wollte da aber noch so ein paar Sachen dazu sagen, dass wir vielleicht das,
0:45:10–0:45:14
was wir besprochen haben, was wir eigentlich später hätten besprechen können,
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aber jetzt nochmal hinten dran zu setzen, was eigentlich vorne dran gewesen
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wäre, wäre halt der Jung in seiner Genese hin zum Psychiater und dann Psychoanalytiker.
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Also er hat analytische Psychotherapie oder Psychologie dazu gesagt. Oder analytische oder?
Florian Clauß
0:45:36–0:45:36
Analytische, glaube ich.
Micz Flor
0:45:36–0:45:41
Analytische Psychologie, genau. Und bei ihm war es so, das hatte ich ja gesagt,
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biografisch, er schon von sich auch gesagt hat, das Kind schon immer auch mal Halluzination.
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Und ein kindliches Beispiel auch, was ja 1935 nochmal in einem Vortrag eben
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auch angeführt hat, Was ich jetzt anführen werde als etwas,
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was sehr fragwürdig ist, als empirische Evidenz, aber was er da angeführt hat,
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als Kind schon das konnte, er hatte einmal so lange das Bild des Großvaters
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angeschaut, was vor ihm war,
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bis diese dann wahrhaftig die Treppe runtergekommen ist.
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Und jetzt würde man mal methodisch inkorrekt natürlich gleich sagen,
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wie oft hast du das wiederholen können?
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Hast du da sieben Stunden gesessen oder war das immer nach maximal 20 Sekunden passiert?
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Hast du auch mal versucht, den Aschenbecher vom Opa anzugucken oder irgendwas anderes?
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Also all diese Sachen, die einem sofort als wissenschaftlich empirisch denkender
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Mensch in den Kopf kommen, die sind dann bei Jungen nicht fassbar.
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Und als es dann, also ich rutsche, jetzt ein bisschen die Biografie,
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weil ich finde das schon immer wichtig auch.
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Als es dann darum ging, dass,
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Ja, Freud und Jung sich getrennt haben, aber jetzt bin ich ein bisschen von
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den Hunden abgelenkt hier, aber ich muss ja laufend reden beim Laufen.
Florian Clauß
0:47:09–0:47:12
Ja, du musst dich mal konzentrieren einfach beim Laufen.
Micz Flor
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Nach der Trennung, Freud hat dann letztendlich Schluss gemacht und war dann
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auch total erleichtert, hat dann wohl jemanden auch mal geschrieben,
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ich bin so froh, dass wir den los sind und seine Anhänger,
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ist Jung wohl richtig in eine tiefe Krise gestürzt.
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Das war 1912, 1913 und hat da angefangen dann auch an diesem roten Buch zu arbeiten.
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Wird beschrieben auch von anderen, er hat dann angefangen wie mit Bauklötzen zu spielen.
0:47:41–0:47:44
Er hatte früher auch schon Angst, dass es bei ihm diese psychotischen Anteile,
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dass er das Schicksal von Zarathustra teilen könne.
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Nietzsche, dass er dann eben auch wahnsinnig sei.
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Und das musste er dann irgendwie für sich auch nochmal wieder sich da rausarbeiten.
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In der Zeit hat er ja ganz viele Visionen gehabt und hat dann auch das,
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was du vorhin schon beschrieben hast, diese Mechanik erfunden,
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wie er auch im Tage, nicht nur über Träume, sondern im Tage auch aktiv diese.
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Aktive Imagination, dass er das auch am Tag machen kann, weil er auch dachte,
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die Träume sind meistens auch so ein bisschen verwässert, aber da wirklich,
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einzusteigen, so, als ob diese Tagträume dann wirklich auch der Ort ist,
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wo er wirklich in Kontakt treten kann, die auch nicht mehr auslassen kann.
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Die Methode hat er dann auch einer Patientin erklärt, die es aufgeschrieben
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hatte, wo dann das ganz schön nochmal beschrieben ist, auch im Vorwort,
0:48:37–0:48:41
von das rote Buch, das so war, er hat dann die Augen beschlossen und hat dann
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quasi durch die Augenlider einfach über die, weil ja doch immer irgendwas blitzt und blinkt,
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hat er im Prinzip sowas wie einen permanenten animierten Rohrschachttest und
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hat halt geguckt, was sehe ich denn aus dem, was da in meinen Augenlidern,
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ja, wo sehe ich da Menschen, was sind das für Menschen und hat dann mit denen Dialog aufgegriffen.
Florian Clauß
0:48:58–0:49:01
Hat er schon so eine Engine eingebaut.
Micz Flor
0:49:01–0:49:09
Hat er sich, genau, er hat quasi in so einem Tagtraum, in einem leicht hypnotischen
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Zustand hat er das dann so erlebt.
Florian Clauß
0:49:12–0:49:12
Wahnsinn.
Micz Flor
0:49:15–0:49:17
Vorgeschichte auch nochmal, er kommt auch, muss man dazu sagen,
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sein Vater war Pfarrer und wohl auch lange von Zweifel am Glauben geschüttelt.
Florian Clauß
0:49:26–0:49:27
Ja, das passiert mir auch immer.
Micz Flor
0:49:30–0:49:34
Aber das war dann so auch ein Auftrag des Vaters, dass er hatte wohl auch einmal
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einen Traum, wo er auf dem Boot eingeschlafen ist.
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Und dann im Halbschlaf auf einmal das Gefühl hat, dass sein inzwischen verstorbener
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Vater legt ihm die Hand auf die Schulter und sagt, gut gemacht.
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Als Zwölfjähriger war er in Basel und sieht dieses wunderschöne Kirchendach
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und hat dann wohl auch so ein inneres Bild, was er ganz fürchterlich wegdrängen wollte.
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Und dann habe er aber wohl, ich weiß gar nicht mehr als Stimme oder wie auch
0:50:01–0:50:04
immer gehört, nein, nein, ist schon okay, lass es zu, lass es zu.
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Und das sieht er wohl als eine Stimme Gottes oder so.
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Und das Bild war, dass Gott von oben auf diese Kirche scheißt und einen riesen
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Scheißhaufen auf diese Kirche drauf geht.
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Und in dieser Anekdote ist es so, dass das Jung da rausgeht und sagt,
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es gibt Gott, er hat auch mit mir gesprochen.
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Diese Bilder sind auch nicht zufällig, sondern gewollt. Also er kommt jetzt dahin, während Freud,
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wenn er vielleicht dann jemanden analysierte, er versuchen würde,
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warum ist es, dass das Kind, das
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so unter diesem Pfarrer, Vater und dessen Depressivität so leiden musste.
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Interessant, dass der solche Bilder träumt.
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Aber bei Jung ist immer wieder auch dieses Ermächtigung, bei mir ist es anders.
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Und er hat auch mal beschrieben, das Psychotische, was er erlebt hat,
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dass daraus kommt dann auch in dem Roten Buch, kommen dann auch eben so Bilder,
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wo diese tiefe Stimme, das ist quasi unter dem persönlichen Unbewussten,
0:51:06–0:51:10
das kollektive Unbewusste, diese tiefe Stimme, mit der er dann spricht,
0:51:11–0:51:14
mit der muss man sich dann irgendwie, die muss man integrieren.
0:51:14–0:51:19
Das eigene Unbewusste und das kollektive Unbewusste, das kann zusammenspielen,
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aber man muss halt in der Lage sein und deshalb eben das Expertentum,
0:51:24–0:51:29
das voneinander erst auch mal trennen zu können, zu wissen, was ist bei mir, was ist im Kollektiven.
0:51:29–0:51:34
Und da wird es natürlich hochgradig, hochgradig grauzonig, aber das ist das,
0:51:34–0:51:40
wo er dann auch über sich gesagt hat, weil er das Göttliche, so nennt das dann auch,
0:51:40–0:51:45
trennen kann von diesem individuellen, persönlichen, deshalb kann er dann auch,
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hat er keine Psychosen, sondern hat er einfach Erleuchtung.
0:51:50–0:51:51
Und der Unterschied.
0:51:52–0:51:56
Von außen betrachtet ist natürlich vielleicht gesellschaftlich gesehen erst
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mal die Produktivität. Bist du produktiv, dann keine Fragen.
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Oder bist du psychotisch dann stationär untergebracht, dann bist du krank,
0:52:04–0:52:07
wenn man das mal so gemein sagen könnte.
0:52:07–0:52:13
Aber für dieses Selbstverständnis von Jung und in dem Roten Buch arbeitet er
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sich durch ganz viele solcher Visionen durch.
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Natürlich kommt er immer wieder hinten raus und sagt, weil ich der bin,
0:52:19–0:52:21
erstens, der es erkannt hat, zweitens, der es beschrieben hat,
0:52:21–0:52:26
drittens, der es auch beherrschen kann und viertens auch bei anderen analysieren
0:52:26–0:52:28
kann, eben nicht deuten, sondern,
0:52:29–0:52:31
das ist nochmal ein Unterschied, ja, es geht um die Wahrheit,
0:52:31–0:52:36
nicht um eine Deutung eines Bildes, sondern es geht um die Wahrheit,
0:52:36–0:52:38
die Trennung zwischen dem Kollektiv und dem eigenen zu sehen.
Florian Clauß
0:52:38–0:52:42
Ja, also vielleicht muss man da ja nochmal den Einschnitt machen,
0:52:42–0:52:49
dass eben dieses kollektive Unbewusste natürlich einen unglaublichen Universalitätsanspruch
0:52:49–0:52:53
hat, so einen Wahrhaftigkeitsanspruch, so eine Wahrheit, die dahinter liegt.
0:52:53–0:52:56
Und wenn er das so sagt,
0:52:57–0:53:03
sich dann quasi als ein Advokat desjenigen einrichten kann, der sagt,
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das ist jetzt deine individuelle Psychose und das ist jetzt aber der Teil,
0:53:10–0:53:14
der dann auch kollektiv uns betrifft.
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Das ist ja schon, wie du sagst, ein schmaler Grat, eine absolute Grauzone.
Micz Flor
0:53:21–0:53:28
Das ist dann auch so, dass zum Beispiel im Umgang mit Toten,
0:53:28–0:53:31
wenn Tote in Träumen erscheinen, dann,
0:53:34–0:53:36
Dann ist es so, dass, jetzt habe ich den Namen gerade vergesst,
0:53:36–0:53:39
ich glaube von Franz heißt sie, Marie-Louise von Franz, genau.
0:53:40–0:53:47
Die beschreibt dann in ihren Schriften über das Tote Ding, dass man da einen Unterschied weiß.
0:53:47–0:53:50
In den Träumen, wenn tot und trocken, dann weiß man einen Unterschied,
0:53:50–0:53:58
ob das wirklich jetzt der, die Tote ist oder ob das nur ein Traum über die ist.
0:53:58–0:54:01
Und das ist natürlich auch schwierig.
0:54:02–0:54:05
Und wenn es wahr ist, wie Placebo, was du ja schon gesagt hast,
0:54:06–0:54:09
und Placebo ja nachweislich sogar dann funktioniert, wenn die Leute wissen,
0:54:09–0:54:11
dass kein Wirkstoff drin ist.
0:54:11–0:54:13
Nicht bei allen, aber bei vielen.
0:54:14–0:54:18
Aber da wird es natürlich dann schwierig zu sagen, okay, wie kann man das jetzt
0:54:18–0:54:22
greifen? Und dann auch noch die Frage, muss man das greifen?
0:54:25–0:54:33
Ich bin jetzt auch oft total froh, wenn Patienten oder Patientinnen sozial eingebunden
0:54:33–0:54:38
sind mit bestimmten Störungen, einfach auch wenn es eine kirchliche Gemeinde
0:54:38–0:54:39
ist, die sich dann trifft.
0:54:39–0:54:42
Und dann haben die so einen Bibelkreis und treffen sich jeden Donnerstag.
0:54:43–0:54:46
Und ich denke dann aber, du verstehst, was ich meine.
Florian Clauß
0:54:46–0:54:52
Es ist egal, letztendlich. Da fehlt die soziale Interaktion.
Micz Flor
0:54:52–0:54:59
Ich glaube Seligmann, so ein 70er Jahre Psychologe und Professor aus Amerika,
0:54:59–0:55:03
der hat irgendwann mal ein Vorwort gesagt, in unserer Gesellschaft ist es so,
0:55:03–0:55:07
dass wenn man mit Gott spricht, dann ist man gläubig, wenn Gott antwortet, ist man verrückt.
Florian Clauß
0:55:07–0:55:15
Ja, ja, das ist ein klassisches Zitat. Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, ja. Das ist das zweite.
Micz Flor
0:55:16–0:55:17
Und dann ist es halt so, dass,
0:55:20–0:55:24
Das Jung in seiner Biografie mit dem Bruch in diese lange Phase von,
0:55:24–0:55:30
also hat gleichzeitig seine Privatpraxis aufgemacht und hat dann dieses rote Buch geschrieben.
0:55:30–0:55:34
Parallel auch noch vorher hauptsächlich noch ein schwarzes Buch.
0:55:34–0:55:40
Das ist auch was Erinnerung, irgendwas ist seine Memoiren quasi offiziell dazu gehandelt.
0:55:40–0:55:43
Und das rote Buch war eben im Giftschrank, war weggesperrt.
0:55:44–0:55:49
Und ich zück jetzt mal ganz kurz mein Handy aus der Tasche, weil ich...
Florian Clauß
0:55:49–0:55:54
Wir sind jetzt hier am Fuße des Kienbergs und wir haben die Möglichkeit,
0:55:54–0:55:59
den offiziellen Wanderweg zu gehen oder halt querfeldein und so ein bisschen
0:55:59–0:56:01
alpines Gefühl zu bekommen,
0:56:02–0:56:06
indem wir dann halt wieder schnaufen beim Reden. Ja, wollen wir das?
Micz Flor
0:56:06–0:56:09
Schnaufen beim Reden. Hast du das gerade ausgedacht oder hast du schon öfter
0:56:09–0:56:12
gesagt, schnaufen beim Reden und schnaufend reden?
Florian Clauß
0:56:12–0:56:15
Ja, das mache ich ja immer. Ich höre mich doch.
Micz Flor
0:56:15–0:56:17
Okay, dann kann ich ja vorlesen.
Florian Clauß
0:56:17–0:56:19
Und ich schnaufe, du musst nicht rausnehmen.
Micz Flor
0:56:20–0:56:23
Also wie ich gerade schon angesagt habe, ich habe jetzt Handy aus der Tasche
0:56:23–0:56:27
gezogen, um ganz kurz hier was vorzulesen, wenn ich gleichzeitig versuche, nicht überwurzeln.
0:56:28–0:56:33
Also perfekte EMDR-Situation, geteilte Aufmerksamkeit, wahrscheinlich zulasten
0:56:33–0:56:35
meiner Betonung des Textes.
0:56:36–0:56:40
Mitten rausgegriffen, das ist jetzt aus dem achten Kapitel über Gottes Empfängnis.
0:56:42–0:56:46
Als ich so sprach, da brach plötzlich der Geist der Tiefe hervor.
0:56:47–0:56:52
Das ist diese Tiefe, also eben das Göttliche, ja, unter dem persönlichen Unbewussten.
0:56:52–0:56:55
Nach unten offen und damit auch gleichzeitig nach oben offen.
0:56:57–0:57:01
Plötzlich der Geist der Tiefe erfüllte mich mit Rausch und Nebel und sprach
0:57:01–0:57:02
mit starker Stimme diese Worte.
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Ich habe deinen Keim empfangen, du Kommender.
0:57:07–0:57:11
Ich habe ihn in tiefer Not, in tiefster Not und Niedrigkeit empfangen.
0:57:12–0:57:17
Ich hüllte ihn in fratzenhafte Lappen und bettete ihn auf das Lager arme Worte.
0:57:18–0:57:23
Und der Spott betete ihn an, dein Kind, dein wundersames Kind,
0:57:23–0:57:27
das Kind eines Kommenden, das den Vater verkündigen soll, eine Frucht,
0:57:27–0:57:30
die älter ist als der Baum, an dem sie wuchs.
0:57:31–0:57:35
Mit Schmerzen wirst du empfangen und Freude ist deine Geburt.
0:57:35–0:57:41
Angst ist dein Herold, Zweifel steht zu deiner Rechten, Enttäuschung zu deiner Linken.
0:57:42–0:57:45
Wir vergingen in unserer Lächerlichkeit und Vernunftlosigkeit,
0:57:46–0:57:47
als wir dich erblickten.
0:57:47–0:57:53
Unsere Augen erblindeten und unser Wissen verstummte, als wir deinen Glanz empfingen.
0:57:54–0:58:00
Du neuer Funke vom ewigen Feuer, in welche Acht bist du hineingeboren.
0:58:01–0:58:06
Du wirst von deinen Gläubigen wahrhafte Gebete erzwingen und sie müssen zu deiner
0:58:06–0:58:09
Ehre in Zungen reden, die ihnen ein Graul sind.
0:58:10–0:58:14
Du wirst über sie kommen in der Stunde ihrer Schmach und du wirst ihnen offenbar
0:58:14–0:58:18
werden in dem, dass sie hassen, fürchten und verabscheuen.
0:58:19–0:58:25
Deine Stimme, den seltensten Wohllaut wird man vernehmen, Im Gestammel des Ungeordneten,
0:58:25–0:58:29
des Weggeworfenen und des als wertlos Verdammten.
0:58:29–0:58:33
So, und da höre ich jetzt mal auf. Es ist einfach so von der,
0:58:33–0:58:36
also es ist einfach sehr,
0:58:38–0:58:42
biblisch. Von der Sprache und auch.
Florian Clauß
0:58:43–0:58:43
Mysterienhaft.
Micz Flor
0:58:44–0:58:49
Ja, und auch dann wird er halt angesprochen von der Tiefe. Du bist das.
0:58:51–0:58:53
Jetzt hatte ich dir einen Link geschickt.
0:58:55–0:59:01
Sternstunden der Philosophie, wo Verena Kast als Leiterin des,
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ich glaube, Züricher Junginstituts, oder ich weiß nicht genau, wie es heißt,
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eingeladen war zum Erscheinen des Roten Buchs, was erst noch über 40 Jahre nach
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seinem Tod veröffentlicht wurde.
Florian Clauß
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2007 wurde das veröffentlicht. Ohne Zeichnung, ohne die Zeichnung.
Micz Flor
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Und hat und Brena Kast ist so ein bisschen, hat man das Gefühl,
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die sagt sehr schnell, naja, der war in der Lebenskrise.
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Gerade Bruch mit Freud, Midlife-Crisis, wo Junge auch selber gesagt hat,
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da hat man gerne mal Depressionen.
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Und sagt dann auch sehr schnell, es ist nichts Neues.
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Vieles kennen wir schon aus dem Schwarzen Buch. Aber hier ist so ein rotes Buch,
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was Jung auch mit eigenen Zeichnungen, künstlerischen Zeichnungen,
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für die auch Entwürfe gemacht hat. Und nicht nur Skizzen.
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Er hat das Ganze kalligrafisch aufgearbeitet, ich glaube in der gotischen Schrift.
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Also da ist wirklich viel Arbeit reingeflossen in dieses Werk.
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Und...
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Und jetzt kann man, was ich vorgelesen habe, natürlich, wenn jemand jetzt beweisen
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möchte, anhand des Textes zu sagen, das klingt doch verdammt nach einem,
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der sich als Religionsgründer in die Welt stellt.
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Wenn der Geist der Tiefe die Stimme Gottes ihn anruft und sagt,
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du, deine erhabenen Worte, dann könnte man sagen, ja, plausibles Argument,
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sind wir wieder bei Plausibilität.
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Und wenn wir aber dann wieder sagen, das ist der Psychiater und analytische Psychologe C.G.
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Jung in einer Midlife-Crisis, in der er hier sich mal öffnet und vulnerabel
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zeigt, mit welchen Eingebungen und psychotischen Erleben er da umgegangen ist
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und das für uns dokumentiert hat,
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kann man jetzt auch mal von außen drauf gucken und sagen nein,
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das ist doch nicht wahr sondern das sind Visionen das hat er doch klar gemacht das wissen wir doch ja.
Florian Clauß
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Zumal das Buch oder die Schriften sind ja über einen Zeitraum von über 17,
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18 Jahren 1913 bis 1930 oder so entstanden also das könnte ja nicht eine Midlife Crisis ja.
Micz Flor
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Es war parallel er hat ja parallel auch wirklich gearbeitet aber hatte wohl auch ganz viel Rückzug.
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Und wie gesagt, wirklich irgendwo stand das mal, hat mit Holzklötzen Häuser
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gebaut, also mit der Kindheit. Also hat ganz viel Regress.
Florian Clauß
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Und er hat auch einige Reisen unternommen, nur noch zu indigenen Kulturen.
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Er war in Mexiko und er war in Zentralafrika und hat da die Kulturen untersucht.
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Also da kommt immer so die Untersuchung zum Schamanismus.
Micz Flor
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Ja, und gleichzeitig war es, glaube ich, auch eine kulturelle Einbettung.
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Also die Mittel des Reisens waren auf einmal verfügbar geworden.
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Man musste nicht sieben Wochen auf so einem Holzschiff sitzen,
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sondern konnte dann auch mal fliegen oder so. Sage ich jetzt mal so,
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weiß ich gar nicht genau.
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Aber sind ja viele gereist in der Zeit. Also wenn du im Humboldt-Forum in die
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Archive guckst, was da reiche Bürger und Bürgerinnen, hauptsächlich Bürger,
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aus allen Teilen der Welt nach Berlin gezerrt haben und das ist dann da jetzt
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irgendwie archiviert und indiziert wurde,
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das war glaube ich wirklich einfach sowas, was auch im Zeitgeist mit angelegt war.
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Freut ab, wenn man jetzt überlegt, was ist er denn?
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Ist er Religionsgründer oder nicht Gründer, aber zumindest Verkünder?
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Ja, genau. In seiner Selbsteinschätzung.
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Oder ist er Wissenschaftler, der auch seine eigenen Untiefen mit der Welt teilt und verfügbar macht?
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Er selbst hat später im Leben nochmal in einem Interview, was auch auf YouTube
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zu finden ist, ganz kurz nochmal über diesen Glauben gesprochen.
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Glauben Sie an Gott? Oder so war die Frage.
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Und er hat dann so eine kurze Pause.
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Und dann sagt er, ich muss nicht glauben, ich weiß es. Und dieser Satz ist natürlich
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auch wieder perfekt ambivalent.
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Was hat er in dieser kurzen Pause gedacht? Er hat gedacht, wie sage ich jetzt
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nichts? Oder wie sage ich es clever?
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Oder hat er vielleicht sogar gedacht, die Frage ist falsch, aber ich weiß doch.
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Also man kann es nicht wirklich genau sagen, aber der Eindruck,
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der entsteht, ist, dass er mit diesem Satz, der vieldeutig bleibt,
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sagen kann, ich weiß, dass es einen Gott gibt.
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Und wenn das dann eben die Essenz ist, und wir hatten ja auch am Anfang des Spätwerks,
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moderne Mythen über Ufos, auch diese Age of Aquarius, die Sternkonstellation,
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die sich alle 2000 Jahre verändert und jetzt Age of Aquarius beginnt,
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da spricht der am Anfang auch ganz stark darüber,
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dass jetzt ganz viele Dinge hochkommen werden.
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Der 90er Jahre X-Files, I want to believe, lässt sich auf alle Fälle irgendwie
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auf ihn, finde ich, anwenden.
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Also der Glaube war hinter allen Dingen dann auch was, was er sich beweisen musste.
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Auf dem Sterbebett wiederum habe er dann gesagt, weil sich dann eben mit der
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Wiedergeburt, auf buddhistischer Wiedergeburt beschäftigt hat,
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habe er wohl gesagt, na ja, bald werde ich es wissen.
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Das finde ich auch nochmal so ein schöner Satz, bald werde ich es wissen.
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Also er bleibt irgendwie ambivalent, aber er grenzt sich irgendwie...
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Nicht davon ab.
Florian Clauß
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Ja, also das ist ja so, greicht ja so ein bisschen in die Lehre von ihm über
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die Grundfunktion des Bewusstseins.
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Er stellt ja dann so diese Paare Denken-Fühlen und Empfindung-Intuition gegenüber.
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Und das Denken ist halt quasi das Ich, dass du den halt kausal logisch und Zusammenhänge
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erschließen kannst und beurteilen kannst.
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Und Fühlen ist dann eher nach so einer Bewertung von Sachen, die dann halt aus diesem,
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Raum des Denkens dann irgendwo empirisch sind und bei den Empfinden ist es ja
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klar, du hast dann einen Sinne zum Wahrnehmen,
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aber die Intuition ist quasi so das Instinktive,
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was dann auch wieder so ein bisschen an dem kollektiven Unbewussten dranhängt
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und dir so eine Möglichkeit der Einschätzung auf so einer Empfindungsbasis gibt.
Micz Flor
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Was ja dann auch irgendwie mit dieser Phänomenologie von Husserl verbunden ist,
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also dieses als wahrnehmende Person Teil der Messung zu sein gewisserweise,
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der Beschreibung zu sein,
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was wir in der Gestalttherapie-Folge 2, glaube ich, noch mehr hatten als 1.
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Das ist cool, wir machen jetzt auf dem höchsten Punkt unserer Wanderung den
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Schnitt und wir nehmen dann weiter auf und machen daraus eine zweite Folge, die dann aber erst in 2.
Florian Clauß
1:06:16–1:06:19
Also wir stehen jetzt hier vor dem Wolkenhain.
Micz Flor
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Wir gehen jetzt ganz kurz zum Balkon, weil ich muss jetzt noch zwei Dinge machen.
Florian Clauß
1:06:24–1:06:24
Okay.
Micz Flor
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Ich werde ganz oben noch aus einem Buch vorlesen.
Florian Clauß
1:06:28–1:06:29
Okay.
Micz Flor
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Ganz kurz. Und das ist dann die Bridge in die nächste Folge.
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Und ich werde hier unten aber noch mal ganz kurz über so in Anführungszeichen strenge Wissenschaft.
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Es gibt ja diese Grauzone in der Wissenschaft, in der Chaosforschung.
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Und in der Chaos-Forschung ist es ja so, dass man eben nicht Ursache,
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Wirkung und das so genau beschreibt, sondern da geht es eher darum,
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Prozesse zu beschreiben, Möglichkeiten zu beschreiben.
Florian Clauß
1:06:56–1:06:59
Möglichkeiten zu räumen. Drei Körperprobleme sind wir mit dem Drei Sonnen.
Micz Flor
1:07:00–1:07:07
Und da gibt es ja diesen Lorenz Attractor, heißt das.
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Attraktoren, Attractors sind in der Chaos-Sache, wenn ich ein Pendel schwingen
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habe, das bleibt irgendwann an diesem Punkt stehen.
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Das Schwingen kann immer wieder unterschiedlich sein, unterschiedliche Formen
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beschreiben, aber der Attraktor, wo das dann stehen bleibt, ist halt dieser eine Punkt unten.
Florian Clauß
1:07:21–1:07:25
Ja, das ist dann diese Zeitrafferaufnahme, wenn man dann halt irgendwie eine
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Nichtquelle an dem Pendel hängt oder so.
Micz Flor
1:07:27–1:07:30
Ja, beim Drei-Körper-Problem zum Beispiel gibt es auch einen Attraktor,
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weil die müssen sich ja nicht verlieren. Und das gibt dann so eine dichte Wolke,
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wenn die so miteinander kreisen.
Florian Clauß
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Ja, das ist dann ein gutes Zeitalter.
Micz Flor
1:07:38–1:07:45
Ja, genau. Genau. Und dieser Lawrence Attractor, da war jemand ein Wetter,
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ich habe den Namen jetzt vergessen, ein Meteorologe, der mit diesen frühen Computern gearbeitet hat.
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Und dann hatte er irgendwann für irgendwelche Werte mal statt,
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sieben Stellen nach dem Komma, nur drei Stellen nach dem Komma reingegeben,
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um schnelle Ergebnisse zu kriegen.
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Und hat gemerkt, dass diese Ergebnisse total voneinander ab,
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also er ließ das Ding laufen, es wich aber das Ergebnis immer voneinander ab.
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Und hat gemerkt, das kann doch nicht sein. Und hat dann gemerkt,
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es ist wirklich sieben Stellen nach dem Komma, kriege ich mehr oder weniger
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immer das gleiche Gemisch, da nicht so, was ist denn da eigentlich los?
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Und hat dann angefangen, damit rumzuspielen und hat dann eine Sache genommen, da geht es um diese,
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wenn du zum Beispiel Wasser auf den Gastopf stellst, steigt in der Mitte das
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warme Wasser auf und nach außen, also wie der Atompilz auch,
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nach außen kräuselt sich das so.
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Und das hat er dann irgendwie mit durchgerechnet und hat dann da eben so ein
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Attraktorenbild gemacht, mit unterschiedlichen Ausgangswerten,
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in welchem Rahmen das bleibt.
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Es bleibt halt im gewissen Rahmen, es sprengt nicht aus. Es ist eben nicht chaotisch,
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aber es ist auch nicht vorhersehbar.
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Und das ist eine neue Form vom wissenschaftlichen Denken eigentlich.
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Und dieser eine Attrakte sah halt so ein bisschen aus wie ein Schmetterling
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und da kam er dann zum Schluss eben auf diesen Spruch, den alle kennen,
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so ein Schmetterling, der in Brasilien die Flügel schlägt, kann in Florida ein Tornado auslösen.
Florian Clauß
1:09:04–1:09:09
Oder sowas in der Art. Russell. Oder wer war das?
Micz Flor
1:09:09–1:09:09
Russell.
Florian Clauß
1:09:10–1:09:12
Wer war das jetzt? Lorenz hieß der. Lorenz, ja.
Micz Flor
1:09:13–1:09:16
Und das ist nochmal sowas, das wollte ich einfach nochmal so mit hinten ranflanschen,
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weil gerade auch in der Neurophysiologie natürlich diese Chaos-Operationen,
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mit denen man arbeitet, wichtig sind. Weil du hast nie zweimal das gleiche Gehirn.
1:09:25–1:09:29
Und trotzdem musst du bestimmte Bereiche bestimmen in sichtgebendem Verfahren,
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wo du dann 400 Aufnahmen machst und die übereinanderlegst und dann Sachen rausrechnest
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wie zufälliges Rauschen.
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Und versuchst, dann kannst du Regionen identifizieren, aber du kannst es nicht
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abgrenzen, nicht sagen, von diesem Neuron zu dem ist ein Sprung.
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Also diese Unschärfe, auch in der tiefsten wissenschaftlichen Arbeit an Gehirn, bleibt es drin.
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Das wollte ich nochmal sagen, weil das hebt gerade nochmal auch diese Klausibilitätsfrage
1:09:57–1:10:00
und diesen Wunsch nach klaren Antworten nochmal auch, finde ich,
1:10:00–1:10:04
so eine greifbare Entspannung zu sagen, nee, stimmt, kann ich was mit anfangen.
Florian Clauß
1:10:04–1:10:09
Ja, also das ist ja dann auch wieder dieser, was wir zu Anfang der Episode hatten,
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dass wir einen unglaublichen Möglichkeitsraum haben, also wo wir dann halt wirklich
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so einen potenziellen Raum sind von verschiedenen,
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wo sich die Teilchen, wo unglaublich viele Teilchen in Bewegung,
1:10:19–1:10:21
also wenn man das auf so einer Entropiebasis sieht,
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eigentlich ein hoher Entropiezustand, das heißt, ja jetzt verwechsel ich wieder
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hoch und niedrig, also wo sich ja jetzt quasi das System noch nicht diffundiert hat.
1:10:30–1:10:35
Also das heißt, ein hoher Wert, wo noch viele Möglichkeiten bestehen.
1:10:35–1:10:39
Und da kannst du ja nicht sagen, das prägt jetzt diese Gestalt aus,
1:10:40–1:10:42
sondern du kannst ja nur Räume angeben.
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Das ist ja dann dieser Accelerator, wo du dann Räume angibst.
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Gleichzeitig, wenn wir das jetzt wieder auf Jung mappen, oder auf die Individualität,
1:10:54–1:10:56
das Gehirn, jeder Mensch ist unglaublich individuell.
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Es gibt dann halt so, wie du es gerade gesagt hast, das Gehirn.
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Man kann nur so bestimmte Bereiche festlegen, aber es nicht scharf abgrenzen.
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Gleichzeitig gibt es aber so Dispositas, die dann halt alle Menschen beschäftigen.
1:11:12–1:11:19
Wie eben so diese ganz archaischen Sachen von wegen, ich brauche jetzt als Säugling
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Milch, um halt wachsen zu können.
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Oder ich möchte mich als Jugendlicher paaren.
1:11:24–1:11:27
Das sind ja so Sachen, die vereint ja alle.
1:11:27–1:11:32
Das ist halt so, diese kollektive Menschsein.
Micz Flor
1:11:32–1:11:38
Aber das ist ja genau interessant, wie dann eben auch die freudianische Triebkonzeption arbeitet.
1:11:40–1:11:42
Da würde man vielleicht sagen, der kleine Säugling, der weiß nicht,
1:11:42–1:11:44
dass er Milch braucht, der hat,
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In Amerika wird das dann immer so in diesen Kategorien gesagt,
1:11:48–1:11:52
entweder hat das Kind Hunger oder es will in den Arm genommen werden oder die
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Windel muss gewechselt werden oder es will schlafen.
Florian Clauß
1:11:54–1:11:56
Ja gut, das hat einen Ausdruck.
Micz Flor
1:11:57–1:12:00
Ja und dann wird eben dieses Chaos wieder zusammengeschrumpft.
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Da muss man halt gucken, willst du Milch? Nein. Willst du schlafen? Sieht nicht so aus.
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Windel ist auch okay, dann nehme ich dich mal ein bisschen in den Arm. Wir spielen.
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Und dann wird das so abgearbeitet. Aber das Kind selber, so würde man jetzt
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psychodynamisch zumindest argumentieren, weiß nicht, dass es Durst hat.
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Es weiß nur, dass es gerade einen unfassbar schlechten inneren Zustand hat.
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Und die Mutter als Teil dieser emotionalen Matrix ist die Person,
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die dem Kind spiegeln muss, was da gerade los ist.
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Diese frühen Spiegelungen in der Bindung sind wir genau wieder bei dem,
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was wir vorhin gesagt haben, dass bei dir die Graffe steht auf und läuft weg.
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Aber beim Kind, das zu früh geboren wurde, um aufzustehen, wegzulaufen,
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muss soziale Kommunikation passieren und passiert dann eben auf dieser Ebene,
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dass die Bezugsperson, die Primäre in dem Moment,
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angehalten ist, zu spiegeln und zu handeln, nicht zu imitieren,
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nicht, hör auf, zu spiegeln, oh Mensch,
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da geht es gerade nicht gut, mal gucken, vielleicht hast du ja Hunger,
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also auch wenn das nicht.
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Unbedingt immer angemessen und wirksam scheint, ist das der Prozess,
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in dem das Kind dann irgendwann in der Lage sein wird, eigene innere Emotionen
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zu verstehen und zu halten und auch nicht auszuagieren.
Florian Clauß
1:13:20–1:13:27
Das ist ja quasi die Entwicklung von Grammatik, Syntax, also Sprache.
Micz Flor
1:13:28–1:13:28
Symbolisierung.
Florian Clauß
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Symbolisierung. So, jetzt sind wir auf den höchsten Punkt.
Micz Flor
1:13:33–1:13:33
Der Tour.
Florian Clauß
1:13:34–1:13:35
Der Tour, ja.
Micz Flor
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Aus dem Atem und hole jetzt trotzdem mal den Text raus und lese es jetzt vor,
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weil jetzt kommt der Cliffhanger für dich Flo.
Florian Clauß
1:13:45–1:13:45
Oh ja.
Micz Flor
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Muss mal gucken, wo habe ich das denn? Achso, ich hatte ja noch dieses Synchronicitätsbeispiel
1:13:52–1:13:56
aus meiner Biografie, das mache ich dann in der kommenden Folge jetzt,
1:13:56–1:14:00
für die, die sich jetzt fragen, ob ich alle offenen Enden zusammengeknotet habe.
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Folgendes wirst du wahrscheinlich nicht das Buch lesen. Das gibt es aber auch als BBC-Serie von 2015.
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Im Original von Susanna Clark 2004 geschrieben.
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2005 hat sie damit den Hugo Award und den World Fantasy Award in der Kategorie
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Beste Roman bekommen und den Locus Award als Bester Erstlingsroman.
1:14:22–1:14:26
Da lese ich jetzt die ersten Absätze und die letzten Absätze aus dem ersten
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Kapitel dieses Buchs vor.
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Und das Buch heißt das kann ich jetzt hier in der Sonne nicht so gut sehen.
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Jonathan Strange und Mr. Norrell glaube ich.
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Die Bridge in die zweite Folge. Vor Jahren gab es in der Stadt York eine Gilde von Zauberern.
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Sie trafen sich jeden dritten Mittwoch des Monats und lasen sich lange,
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langweilige Traktate über die Geschichte der englischen Zauberkunst vor.
1:14:56–1:15:00
Sie waren Gentleman-Zauberer, das heißt, sie fügten niemandem mit Zauberei Schaden
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zu, taten aber auch niemandem etwas Gutes damit.
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Um der Wahrheit die Ehre zu geben, keiner dieser Herren hatte auch je nur den
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kleinsten Zauber getrieben, noch durch Zauber ein Blatt an einem Baum erzittern lassen,
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ein Staubkörtchen vom Weg abgebracht oder ein einziges Haar auf einem Kopf verwandelt.
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Aber abgesehen von dieser geringfügigen Einschränkung standen sie in dem Ruf
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zu den weisesten und zauberischsten Männern im ganzen Yorkshire zu gehören.
1:15:29–1:15:33
Ein großer Zauberer sagte einmal über die Angehörigen seines Berufsstandes,
1:15:33–1:15:38
dass sie, Zitat, sich das Hirn zermatern und den Kopf zerbrechen müssen,
1:15:38–1:15:43
damit ein Mindestmaß an Gelehrtheit hineingeht. Aber am liebsten streiten sie.
1:15:43–1:15:49
Und seit Jahren stellten die Zauberer von Jörg die Wahrheit dieser Behauptung unter Beweis.
1:15:49–1:15:51
Also da geht es um das Gilde von Zauberern.
1:15:52–1:15:55
Dann geht in dem Kapitel weiter, dass jemand die Frage stellt,
1:15:55–1:16:02
sagt gibt's können wir mal was sehen? Irgendwas?
Florian Clauß
1:16:03–1:16:04
Wir wollen Beweise.
Micz Flor
1:16:05–1:16:11
Und dann, oh, unfassbar! Frevel! Also dann geht es das erste Kapitel darum.
1:16:12–1:16:15
Und es gäbe aber wohl einen, dem habe man auch mal einen Brief geschrieben.
1:16:16–1:16:18
Und der hat das dann aber abgelehnt. Ein gewisser Mr. Norrell.
1:16:18–1:16:22
Und den könnte man doch, also vielleicht der hat auch mit Zauberei zu tun.
1:16:22–1:16:24
Können wir den mal, irgendwie ist der interessant.
1:16:25–1:16:29
Und das ist das Ende des ersten Kapitels. Fange ich jetzt mit an.
1:16:29–1:16:35
Das sind zwei Leute, die da hingegangen sind, um ihn zu treffen.
1:16:35–1:16:37
Und das ist auch total schön, also wirklich schön geschrieben.
1:16:37–1:16:40
Ich habe ihn irgendwann ausgestiegen, weil es mir dann wirklich als Buch auch
1:16:40–1:16:42
schon zu sehr eine Serie wurde.
1:16:42–1:16:46
Aber es ist wirklich eine eigene Schrift. Es ist nicht so ein Harry Potter-Ding.
1:16:47–1:16:50
Es ist total knuffig und gleichzeitig aber auch sehr smart geschrieben.
1:16:52–1:16:58
Und am Ende sind zwei Leute jetzt bei diesem Mr. Norrell, der Herr Segundus und der Herr Honeyfoot.
1:16:59–1:17:02
Und Norrell lädt die auch ein und führt die dann durch sein Haus.
1:17:03–1:17:05
Und die haben das Gefühl, das Haus war doch gar nicht so groß.
1:17:05–1:17:08
Auf eine riesen Bibliothek, aber wir sind wieder hingekommen.
1:17:08–1:17:11
Wir waren stundenlang in diesen Gängen. Also sie sind wirklich in so einem Zustand,
1:17:11–1:17:13
als ob sie Pilze gegessen hätten.
1:17:13–1:17:17
Und das ist schon zauberhaft, schön beschrieben und trotzdem natürlich nicht
1:17:17–1:17:19
wirklich zauber, sondern nur deren Erfahrung wird beschrieben.
1:17:20–1:17:22
Und jetzt sind sie dann zum Schluss wieder im Salon.
1:17:23–1:17:27
Als sie erneut im Salon saßen, wandte sich Mr. Honeyfoot an Mr. Norrell.
1:17:27–1:17:31
Was ich heute hier gesehen habe, Sir, bestärkt mich in der Überzeugung,
1:17:31–1:17:34
dass sie die Person sind, die uns helfen kann in diesen Streit.
1:17:35–1:17:41
Mr. Segundus und ich sind der Ansicht, dass moderne Zauberer sich auf einem Irrweg befinden.
1:17:41–1:17:44
Sie verschwenden ihre Energie auf Nichtigkeiten.
1:17:44–1:17:49
Sind sie nicht auch dieser Meinung, Sir? Oh, aber gewiss, sagt Mr. Norrell.
1:17:50–1:17:55
Unsere Frage lautet, fuhr Mr. Honeyfoot-Wort, warum die Zauberei in unserem
1:17:55–1:17:57
großen Land ihren einst großen Ruf verloren hat.
1:17:57–1:18:01
Unsere Frage lautet, Sir, warum wird in England nicht mehr gezaubert?
1:18:02–1:18:07
Mr. Norrells kleine blauen Augen wurden härter und leuchteten und er kniff die
1:18:07–1:18:11
Lippen zusammen, als wollte er eine große heimliche Freude unterdrücken.
1:18:12–1:18:16
Es war so, dachte Mr. Sekundus, der andere beobachtet die beiden,
1:18:17–1:18:20
als hätte er lange Zeit darauf gewartet, dass ihm jemand diese Frage stellte
1:18:20–1:18:24
und als hätte er die Antwort darauf seit Jahren parat.
1:18:24–1:18:29
Mr. Norrell sagte, ich kann Ihnen bei Ihrer Frage nicht helfen,
1:18:29–1:18:31
Sir, denn ich verstehe Sie nicht.
1:18:31–1:18:35
Es ist die falsche Frage, Sir. In England wird noch gezaubert.
1:18:35–1:18:39
Ich selbst bin ein ziemlich passabler, praktischer Zauberer.
1:18:40–1:18:45
Ende erstes Kapitel. Und auch Ende unserer Folge. Es geht in 14 Tagen weiter.
1:18:45–1:18:48
Wie kommt dieser Zauberer zu jung?
Florian Clauß
1:18:49–1:18:54
Wow. Okay, das war eigentlich Podcast Episode 78.
1:18:55–1:19:01
Und Mitch, weißt du, dass diese Episode der auch unsere dreijährige Jubiläumsfolge ist.
Micz Flor
1:19:02–1:19:07
Das weiß ich sehr wohl, Florian. Denn wir haben besprochen, ob wir was Besonderes
1:19:07–1:19:09
machen. Aber wir hatten alle nicht die Zeit dazu.
Florian Clauß
1:19:09–1:19:12
Aber es ist schon was sehr Besonderes geworden, muss ich sagen.
1:19:12–1:19:16
Es hat so ein bisschen den Spillt unseres, weil wir sind auch hochgewandert,
1:19:16–1:19:22
außer Atem gekommen, so ein bisschen den Spillt unseres Gründungsmythos.
1:19:22–1:19:23
Unseres Bildkampspitzen.
Micz Flor
1:19:24–1:19:24
Genau.
Florian Clauß
1:19:24–1:19:30
Ja, genau. Ihr könnt mehr Informationen zum Podcast über uns und zu der Episode
1:19:30–1:19:32
auf eigentlich-podcast.de finden.
1:19:33–1:19:38
Jetzt seid ihr wahrscheinlich gespannt, was dann in 14 Tagen Mitch aufklären wird.
1:19:38–1:19:41
Wie kommt Mr. Norrell zu...
Micz Flor
1:19:41–1:19:41
Norrell.
Florian Clauß
1:19:41–1:19:45
Norrell zu jung. Bis dahin, macht's gut. Tschüss. Tschüss.
Micz Flor
1:19:46–1:19:48
Und Klappe.
Florian Clauß
1:19:48–1:19:49
Ja, sehr schön.
Micz Flor
1:19:49–1:19:50
Mal kurz stoppen.
Florian Clauß
1:19:50–1:19:51
Ja, alles stoppen.
Micz Flor
1:19:52–1:19:54
Alles stoppen.
Florian Clauß
1:19:54–1:19:57
Also ich stopp die Aufzeichnung.

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Congress-Walk mit Ali Hackalife

In dieser Folge trifft Flo den Programmierer, Künstler und Podcaster Ali Hackalife auf dem 38c3 in Hamburg. Der Chaos Communication Congress findet vom 27.12. bis 30.12. im Congress Center Hamburg (CCH) statt. Ali ist auch 2024 wieder dabei und Flo nutzt die Gelegenheit, um mit ihm eine Episode aufzunehmen. Ali produziert seit gut einem Jahr den Podcast "Auch interessant" und präsentiert darin eine große Themenvielfalt. Mit verschiedenen Gästen nimmt er Sendungen über Pilze, Segelfliegen, Hitlers Drogenkonsum, wie man einen Wingsuit fliegt, verschiedene Literaturrezensionen, Neuigkeiten aus der Tech-Welt und vieles mehr auf. Bevor wir "Reden beim Laufen", sitzen wir im 3. Stock des Kongresszentrums und sprechen über die Entwicklung der Kongresse in den letzten 10 Jahren. Ali erzählt, wie er zum Chaos kam und was er auf den Kongressen alles getrieben hat. Wir sprechen auch über einzelne Sendungen von "Auch interessant", die Flo besonders bemerkenswert fand. Darunter das Interview mit Norman Ohler, der in seinem Buch "Der totale Rausch" über die Rolle der Drogen im Dritten Reich und in der Biografie Hitlers berichtet. Dann verlassen wir den 38c3, um getreu dem Prinzip des Eigentlich Podcasts laufend zu reden und bewegen uns zum Alsterufer. Das eigentliche Thema soll Kochen sein und wir tauchen ein wenig in die Frühgeschichte des Menschen ein, um die evolutionäre und kulturgeschichtliche Rolle des Kochens zu beleuchten. Der Homo sapiens mit seinem hohen Kalorienverbrauch war auf gekochte Mahlzeiten angewiesen und soll auch zum Aussterben des Neandertalers beigetragen haben. Zurück in der Jetztzeit erzählt uns Ali von seiner Sehbehinderung und wie er "Kochen ohne Gucken" kann. Als wir wieder vor dem CCH stehen, stellt Ali fest, dass er keine der Notizen, die er sich vorher gemacht hat, angesprochen hat. Wir beenden die Folge mit der Aussicht, bei der nächsten Chaos-Veranstaltung eine neue Folge aufzunehmen. Viel Spaß beim Hören.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Ali Hackalife
Gast
avatar
Florian Clauß

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:05
Okay, ich bin ein bisschen aufgeregt, weil das wirklich das erste Mal ist in
0:00:05–0:00:08
dieser Konstellation, aber...
Ali Hackalife
0:00:08–0:00:09
Ich kann dir ja was über Gitarren erzählen.
Florian Clauß
0:00:11–0:00:17
So, hallo und herzlich willkommen bei eigentlichpodcast, eigentlich-podcast.de.
0:00:17–0:00:22
Der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden, ja,
0:00:22–0:00:28
aber wir haben hier was Neues, Nämlich wir sind gerade auf dem Chaos Communication
0:00:28–0:00:36
Congress und neben mir ist und läuft nicht Mitch, sondern neben mir sitzt Ali. Ali Hackeleif, hallo.
Ali Hackalife
0:00:36–0:00:40
Hallo, freut mich, dass du mich eingeladen hast. Und ja, wir sind hier auf dem
0:00:40–0:00:42
38. Chaos Communication Congress in Hamburg.
0:00:43–0:00:45
Wir laufen noch nicht, aber das wird später noch passieren.
0:00:45–0:00:47
Und deswegen reden wir jetzt erstmal.
0:00:48–0:00:50
Wie war das? Laufend reden, redend laufen.
Florian Clauß
0:00:50–0:00:55
Laufend reden und im Reden laufen. Ja, genau. Wir suchen uns hier an der Strecke rundum aus.
0:00:55–0:00:58
Ich dachte erst, dass wir so ein bisschen im Planten und Blumen flanieren.
0:00:58–0:01:02
Ja, Planten und Blumen, der Chaos Communication Congress ist,
0:01:03–0:01:07
im zweiten Jahr in Hamburg. Das CCH ist direkt am Dammtor.
0:01:08–0:01:12
Das ganze Kongressgebäude wurde renoviert die letzten fünf Jahre.
0:01:12–0:01:17
Und dann ist der Kongress, der war vorher in Leipzig, über Corona erstmal nicht aktiv.
0:01:18–0:01:24
Also letztes Jahr hier im CCH den 37 C3 und wir sind jetzt auf den 38 C3.
0:01:24–0:01:30
Das CCH liegt direkt an Planten und Blumen, aber der Park ist ordentlich hier
0:01:30–0:01:32
kultiviert in Hamburg und er schließt.
0:01:33–0:01:36
Wir werden wahrscheinlich nicht über den Park planieren können,
0:01:37–0:01:41
aber eventuell draußen Richtung Außenalster. Hamburg hat ja schöne Ecken.
Ali Hackalife
0:01:42–0:01:45
Ich war auch ganz beeindruckt, den ganzen Tag, auch schon gestern hängt hier
0:01:45–0:01:49
so eine Nebelglocke über der Stadt. Es sieht alles sehr mystisch aus mit den Scheinwerfern und so.
0:01:50–0:01:53
Ja, so ist das nun mal, wenn man mitten im Gewässer wohnt.
0:01:54–0:01:59
Und wir haben im Vorfeld kurz gesprochen, dass wir möglicherweise über das Thema
0:01:59–0:02:00
Kochen ohne gucken reden wollen.
0:02:01–0:02:04
Aber bevor es dahin kommt, würde ich mal den Ort als solchen nutzen und ein
0:02:04–0:02:06
bisschen über den Kongress mit dir reden.
Florian Clauß
0:02:06–0:02:06
Sehr gerne.
Ali Hackalife
0:02:07–0:02:13
In meinem Fall, ich war das erste Mal auf dem 32C3 2015 hier vor Ort.
0:02:13–0:02:18
Da war ich aber auf dem Camp schon vorher gewesen und wusste ungefähr, was mich erwartet.
0:02:18–0:02:20
Und du sagtest, du bist auch schon öfter hier gewesen.
Florian Clauß
0:02:20–0:02:26
Ja, ich war das erste Mal, das muss 2014, der 31 C3.
0:02:26–0:02:31
Es war so Deutschland im Jahre Null, also im Jahre Null nach Snowden.
0:02:31–0:02:35
Es war dann, als hier der Poitras-Film präsentiert wurde.
0:02:36–0:02:41
Citizen Four, heißt der? Von Laura Poitras, die dann halt dokumentiert hat,
0:02:41–0:02:48
wie Snowden quasi die ganzen Enthüllungen, die Leaks und so weiter und wie sie ihn geschützt haben.
0:02:48–0:02:54
Und so diese ganzen Geschichten, das war hier und ja, das war der 31 C3.
0:02:54–0:03:00
Das war ein sehr hängengebliebener Kongress. Dann war ich eigentlich fast jedes Jahr da.
0:03:01–0:03:03
Ich glaube, einmal habe ich ausgesetzt und dann natürlich über Corona.
Ali Hackalife
0:03:03–0:03:07
Ich habe das letzte Jahr, also den 37 C3 ausgesetzt.
0:03:08–0:03:11
Ich finde es sehr gut, wie hier Rücksicht genommen wird und niemand wird dich
0:03:11–0:03:13
jetzt schräg angucken, wenn du eine Maske trägst.
0:03:13–0:03:17
Aber vor einem Jahr war ja die Situation noch eine andere und mir fehlt ein
0:03:17–0:03:20
bisschen was vom Zusammensein, wenn alle maskiert sind.
0:03:21–0:03:25
Also ich finde völlig okay, dass sie es machen, aber ich sehe schon sehr wenig Mimik.
0:03:25–0:03:29
Und wenn dann noch ein Großteil der Mimik fehlt, dann ist das immer ein bisschen eine Herausforderung.
0:03:29–0:03:33
Und jetzt würde ich sagen, ist ja der Umgang so, ich rechne fest damit,
0:03:33–0:03:35
dass man nach dem Kongress eine Erkältung haben wird oder so.
0:03:35–0:03:37
Aber ja, das war schon immer so.
Florian Clauß
0:03:37–0:03:42
Ich bin geimpft, ich bin Erkältung geimpft und ich hätte vor anderthalb Wochen Corona.
0:03:43–0:03:47
Also das heißt, ich fühle mich da ganz gut aufgestellt. Da hast du auch sicher
0:03:47–0:03:50
mitbekommen, das fand ich sehr faszinierend, dass jetzt der Grippe-Impfstamm
0:03:50–0:03:54
nicht mehr auf vier Virenstämme läuft, sondern auf drei.
0:03:54–0:03:59
Weil einer quasi durch Corona, durch diese Maßnahmen komplett ausgestorben ist.
0:03:59–0:04:04
Deswegen sind die Grippe-Impfungen jetzt beinhaltet nur noch drei Impfstämme
0:04:04–0:04:07
quasi. Also fand ich jetzt auch mal so einen guten Nebeneffekt,
0:04:08–0:04:10
dann spart man sich einen Impfstand. Ich habe das gesehen.
Ali Hackalife
0:04:10–0:04:14
Aber ich muss ganz ehrlich sagen, technisch verstehen tue ich es nicht.
0:04:15–0:04:18
Ich arbeite mit Computern in der Biologie, aber ich habe Bio in der 10.
0:04:18–0:04:21
Klasse abgewählt. Also ich bin immer fasziniert, wenn Biologen mir Dinge erzählen.
0:04:21–0:04:25
Aber mein technisches Verständnis Biologie ist auf einen sehr engen Bereich
0:04:25–0:04:26
Neurobiologie beschränkt.
0:04:27–0:04:29
Und alles andere, ja, ich weiß, dass es Viren gibt und ich weiß,
0:04:29–0:04:32
wie sie funktionieren. Also ich sehe die Schlagzeile, ich bin fasziniert und
0:04:32–0:04:34
denke mir, aha, sie hätten jetzt aber auch schreiben können,
0:04:34–0:04:38
statt vier müssen wir jetzt leider gegen fünf impfen. Ich hätte keine qualifizierte Meinung dazu.
Florian Clauß
0:04:38–0:04:42
Ich fände es so faszinierend, dass diese Maßnahmen dann halt wirklich was Sichtbares,
0:04:43–0:04:47
was Signifikantes durch Corona dann auch dahin getrieben haben,
0:04:47–0:04:50
dass es eben ein kompletter Grippestamm dann ausgestorben ist.
0:04:50–0:04:54
Das fand ich halt so das Interessante an dieser Meldung.
Ali Hackalife
0:04:54–0:04:58
Wobei, also da wäre ja jetzt auch wieder interessant, wie sich das mit den Grippetoten
0:04:58–0:05:00
verändert hat. Weil ich glaube, die haben sich gar nicht so sehr verändert,
0:05:00–0:05:04
was dann immer als Kriterium angeführt wurde von wegen, wie gut können die Pandemie-Maßnahmen
0:05:04–0:05:06
sein, wenn die Zahl der Grippetoten sich ähnlich verhält.
0:05:06–0:05:08
Aber kein Experte, kein Virologe.
Florian Clauß
0:05:09–0:05:14
Ja, genau, da steigen wir in ein Thema ein. Vielleicht lassen wir dieses Rapid-Fold
0:05:14–0:05:17
zu. Aber du hast es gerade erwähnt, du bist auch interessant.
Ali Hackalife
0:05:17–0:05:18
Danke, danke.
Florian Clauß
0:05:18–0:05:23
Auch interessant, der Podcast, den du machst und bei dem auch viele unterschiedliche
0:05:23–0:05:26
Gäste und vor allen Dingen auch Themen.
0:05:26–0:05:31
Also du hast eine Themendiversität, habe ich selten in der Podcast-Landschaft
0:05:31–0:05:32
so in dieser Form gesehen.
0:05:33–0:05:35
Und ich überlege gerade, wie machen wir das am besten?
0:05:35–0:05:42
Also du kommst aus der Junghacker-Szene. Das war auch dein Kontakt hier zum Kongress.
0:05:42–0:05:48
Warst du da auch mit Jugendhack? Ich habe zumindest in deiner Wikipedia Benutzereintrag
0:05:48–0:05:55
gesehen, dass du im Bereich von Hackathons und Jugendhakt dann dich auch hervorgetan hast.
Ali Hackalife
0:05:55–0:05:59
Das ist das mysteriöse Jahr 2015. Also es war,
0:06:01–0:06:05
12 bin ich ins Internat gekommen, weil ich nicht gut gucken kann und wenn du
0:06:05–0:06:08
in Deutschland ein Abitur machen möchtest, gibt es da eigentlich nur zwei Orte
0:06:08–0:06:12
für, einen bei Berlin und einen in Marburg, wo eine Schule mit,
0:06:12–0:06:14
also ein Gymnasium mit dem Förderschwerpunkt sehen ist.
0:06:14–0:06:19
Deswegen bin ich auch weiterhin großer Fan von Förderschulen mit einem Schwerpunkt,
0:06:19–0:06:21
weil das halt solche Institutionen dann rettet.
0:06:21–0:06:24
Ansonsten bedeutet Inklusion in den meisten Fällen sehr konkret,
0:06:24–0:06:26
ja wir haben eine Rolli-Rampe und wenn du andere Hilfe brauchst,
0:06:26–0:06:30
musst du die irgendwie selbst improvisieren können, aber wir haben noch eine Rolli-Rampe, hey.
0:06:30–0:06:35
Und long story short, ich war auf einmal im Internat und Internet war limitiert,
0:06:35–0:06:37
aber das war ja keine wirkliche Hürde.
0:06:37–0:06:41
Und dann relativ schnell herausgefunden, wie ich nicht von dem Router in der
0:06:41–0:06:43
Zeit begrenzt werde und dann meinen Marburg umgeschaut.
0:06:43–0:06:47
Computer waren schon immer ein Interesse, den örtlichen Hackspace gefunden,
0:06:47–0:06:48
da Leute kennengelernt.
0:06:48–0:06:52
Also ich erinnere mich, dass ich zu meinem 14. Geburtstag in dem Hackspace schon aktiv war.
0:06:52–0:06:56
Und wir noch am Vorabend überlegt haben, was ich jetzt noch alles hätte tun
0:06:56–0:06:59
können, solange ich minderjährig bin. Also dass ich natürlich diesen Leak und
0:06:59–0:07:00
diesen Hack verantwortet habe.
0:07:02–0:07:07
Naja, auf jeden Fall, so kam eins zum anderen und ich war in dem Umfeld der Leute,
0:07:07–0:07:11
die dann, also vorher gab es einen Stammtisch vom Chaos Computer Club,
0:07:11–0:07:15
gab es einen offenen Linux Computertreff in Marburg, Unistadt,
0:07:15–0:07:18
viele Informatikstudenten und darüber war ich dann im Umfeld.
0:07:18–0:07:22
Und dann hieß es 2014, alle fahren zum Kongress, das hatte ich noch nicht so richtig auf dem Schirm.
0:07:23–0:07:25
Und 2015 ist ja wieder Camp und das ist ja nur alle vier Jahre,
0:07:25–0:07:28
da möchte man auf jeden Fall hin, auch wenn du dir unsicher bist. Also ...
0:07:29–0:07:34
Dahin. Und dann war ich in dem Umfeld. Dann habe ich Leute kennengelernt.
0:07:34–0:07:37
Dann war die Frage, hier, es gibt Jugendhekt, möchtest du da nicht mal hin?
0:07:37–0:07:39
Dann war ich Jugendhekt in Berlin.
0:07:39–0:07:42
Damals gab es noch nur die Events in Berlin.
0:07:43–0:07:46
Da erinnere ich mich, da habe ich Markus Richter das erste Mal getroffen,
0:07:46–0:07:49
weil der die Veranstaltung moderiert hat. Und ich war sehr ehrfürchtig.
0:07:49–0:07:51
Da hat er gesagt, ich hatte einen Podcast, danke.
0:07:52–0:07:55
Meinte er, welchen? Ich habe nicht damit gerechnet, dass eine Rückfrage kommt.
0:07:56–0:08:01
Wie heiße ich eigentlich und wo bin ich? Auf jeden Fall, da haben wir damals
0:08:01–0:08:04
in Haskell eine Ricochet-Implementierung gebaut.
0:08:04–0:08:08
Also Ricochet ist ein auf dem Tor-Netzwerk basierender Chat-Client,
0:08:08–0:08:11
der Chat-Protokoll. Und wir haben das Ganze in Haskell gebaut.
0:08:11–0:08:14
Und das war dann so, hier, cool Jungs, was ihr gemacht habt,
0:08:14–0:08:16
hier ist ein Preis. Verrückt, dass ihr Computer bedient.
0:08:18–0:08:22
Und das war aber ganz lustig. Das war ein Hackathon voll mit jungen Leuten,
0:08:22–0:08:23
die auch Spaß an Computern hatten.
0:08:23–0:08:29
Und dann gab es noch ein Regional-Event in Köln, auf dem ich noch mit dabei war, Jugendhekt West.
0:08:29–0:08:33
Da haben wir was zum Thema Smart Home Devices für Flut- und Hochwasserschutz
0:08:33–0:08:36
gebaut und auch da gewonnen. Und danach haben sie Gewinn abgeschafft bei Jugendhekt.
0:08:38–0:08:41
Also ich verstehe, dass das pädagogisch bestimmt irgendeinen Wert hat,
0:08:41–0:08:42
aber ich habe gerne gewonnen.
0:08:42–0:08:45
Ja, dann war man aber auf jeden Fall in dem Umfeld. Dann war klar,
0:08:45–0:08:47
man fährt zum nächsten Kongress und so weiter.
0:08:48–0:08:54
2015 hier der Kongress, wenn ich zurückblicke, da war dann noch jemand in Hamburg,
0:08:54–0:08:56
hat jemanden gefragt, ob wir bei ihm übernachten können.
0:08:56–0:09:00
Und dann hat der zu allen Ja gesagt und da waren wir mit zwölf Leuten in einer Zwei-Zimmer-Wohnung.
0:09:00–0:09:04
Ja, also man hat in Schichten geschlafen, hat sehr wenig geschlafen und im Vergleich
0:09:04–0:09:09
dazu jetzt mit eigenem Hotelzimmer und dem Zugang zu einer Dusche und vor allem
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der Möglichkeit in neun Minuten von hier zum Hotel zu spazieren und sich dann
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einfach mal hinzulegen zwischendurch, Das hat die Qualität schon massiv verbessert,
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aber wenn ich zurückschaue auf die Anfangsjahre Kongress, das war,
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also einerseits, man hat mehr abgekonnt, mehr vertragen, es war jetzt nicht
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so schlimm, eine Nacht durchgemacht zu haben, das merke ich jetzt.
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Ich gehe das gerne an die Resilie.
Florian Clauß
0:09:28–0:09:30
Du bist nicht mehr Jugendhackt?
Ali Hackalife
0:09:30–0:09:33
Ich bin nicht mehr Jugendhackt, nein. Also ich habe dieses Jahr erst erfahren,
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dass man eine Einführung für die Aufzüge braucht.
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Und ich habe gedacht, naja, weil ich habe auf allen von diesen Aufzügen schon
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mal oben im Wartungskörbchen gestanden.
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Also gut, die Einführung beinhaltet, wie man ihn richtig beläht und welchen
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Knopf man drücken muss. Aber es war halt so.
Florian Clauß
0:09:48–0:09:49
Aber nicht, wie man hochkommt.
Ali Hackalife
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Man war halt hier und beim ersten Kongress meinte jemand, weißt du,
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wie man den fährt? Und ich meinte, ja, man drückt den Knopf.
0:09:55–0:09:56
Und er meinte, nein, guck mal hier.
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Da oben beim Eingang, drehst du mit dem Vierkant, dann ist dein Wartungsmodus.
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Dann gehst du raus, drückst den Runterknopf, der fährt auf die halbe Höhe.
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Dann kannst du oben auf das Körbchen einsteigen und das Wartungspanel bedienen.
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Und so war es, dass ich mit 15 im Aufzugsschacht stand und mal selber diesen Knopf gedrückt habe.
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Und ich weiß nicht gegen wie viele, also es ist ja verjährt,
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aber es waren bestimmt viele Sicherheitsvorschriften.
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Und dementsprechend habe ich eine recht enge Bindung zu dem CCH gehabt.
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Es liegt hier immer noch überall Teppich, aber damals lag noch mehr Teppich
0:10:26–0:10:30
und der war ein bisschen dämpfender. Das war halt wirklich so ein großes Wohnzimmer.
0:10:31–0:10:34
Und ich habe auch gesehen, sie haben jetzt angefangen Spaß zu verbieten.
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Früher konnte man auf eine Dachterrasse, auf der konnte man frei rumlaufen.
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Jetzt ist das ein Flatterband eingezogen.
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Und ich erinnere mich daran, dass ich, also hier drin ist ja alles mit LEDs,
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es funkelt, es blinkt, man verliert ein bisschen das Zeitgefühl.
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Und ich erinnere mich, dass ich damals den Thomas Brand, der macht auch Podcasts, der.
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Macht einen eigenen Podcast, der heißt irgendwas mit Vektor.
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Auf jeden Fall, er macht Podcasts darüber, dass er Politiklehrer ist und erklärt
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Politik, redet über Probleme von Auszubildenden und Schülern und so weiter.
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Auf jeden Fall, ihn lernte ich kennen und man quatscht über Politik.
0:11:08–0:11:12
Und dann passiert es, dass man irgendwie an dieser großen Fensterfront vorbeilief
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und auf einmal ging die Sonne auf.
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Dann erinnere ich mich, wie ich auf diesem Dach stand und wir haben aus Bechern
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Tee getrunken, weil da so ein Zelt aufgebaut war, wo Leute einfach eine Teeküche hingestellt haben.
0:11:24–0:11:27
Und jetzt, wenn ich das Dach sehe und das Flatterband, dann denke ich mir,
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früher haben sie uns schon noch mehr erlaubt. Es war weniger verboten.
Florian Clauß
0:11:31–0:11:35
Ja, jetzt kannst du auch das Lied von früher singen.
0:11:35–0:11:39
Also als ich dann noch auf Dachterrassen stand und die Nächte durchgemacht habe,
0:11:40–0:11:42
das war dann zu Lovebraid-Zeiten.
Ali Hackalife
0:11:43–0:11:46
Ich verstehe auch, warum. Also der Kongress ist seit dann ja dann nochmal ein
0:11:46–0:11:46
bisschen größer geworden.
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Dieses Jahr gab es, das ist ja glaube ich auch schon, Evacuation Angel.
0:11:50–0:11:56
Also Leute, die nur für den Fall, dass es ein Brandmelder einen Feueralarm gibt,
0:11:56–0:12:00
nur für den Fall sind hier Leute, die sagen alle da lang, nicht da lang, nein da lang.
Florian Clauß
0:12:00–0:12:04
Das sind quasi so Schläferinnen, die dann geweckt werden, sobald ein Brandalarm...
Ali Hackalife
0:12:04–0:12:06
Die sitzen an kritischen Abzweigungen der Fluchtwege.
Florian Clauß
0:12:06–0:12:08
Die müssen, die sind die ganze Zeit stationiert.
Ali Hackalife
0:12:08–0:12:12
Das sind Schichten, da sitzen Engel die ganze Zeit an den Fluchtwegen und sagen
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dir, nein, da Fluchtweg, wir haben Feueralarm, da ist jetzt nicht da lang, da Fluchtweg.
Florian Clauß
0:12:16–0:12:19
Ja, ich meine, das ist die Gefahr des Over-Engineerings, Aber vielleicht sind
0:12:19–0:12:25
auch diese Sicherheitsauflagen so streng geworden, dass eben so ein Apparat da auch nötig ist.
0:12:25–0:12:27
Ich weiß nicht, wie die Bedingungen sind jetzt für das neue CCH.
Ali Hackalife
0:12:27–0:12:30
Ja, also ich habe auch Dinge erlebt, so sicherheitstechnisch.
0:12:31–0:12:33
Auf meinem allerersten Kongress habe ich mich beinahe,
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Sagen wir es so, es gibt in diesem Gebäude jede Menge City-Roller.
0:12:37–0:12:41
City-Roller haben, damit das Brett fester ist, unten so einen T-förmigen Träger,
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der ein bisschen nach unten rausschaut.
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Hier liegen überall dicke Kabel auf dem Boden und ich bin mit dem City-Roller
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rumgefahren und in so ein Kabel.
0:12:47–0:12:50
Und auf einmal stand der Roller unter Strom und ich habe mächtig eine gewischt
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bekommen. Aber ich hatte halt total Glück, dass ich mit beiden Füßen auf dem Roller stand.
0:12:53–0:12:57
Also ich nicht in den Boden geleitet habe, sondern der Roller in den Boden geleitet
0:12:57–0:12:59
hat. Und der Roller ist ja okay isoliert.
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Also es war für mich nur unangenehm, aber hätte ich in dem Moment Schwung geholt,
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dann hätte ich mir, glaube ich, mächtig einen gezwiebelt.
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Und dann halt durch das Griffbrett, durch die Hände einmal runter in den Boden.
0:13:07–0:13:10
Das hätte unschön ausgehen können. Also es gibt einen Grund für Sicherheitsregeln.
Florian Clauß
0:13:12–0:13:15
Und wir haben ja Experten ja hier auf diesem Kongress. Sicherheit.
Ali Hackalife
0:13:16–0:13:21
Also wir haben das CERT, das Cars Emergency Response Team, die hier rumlaufen. und Dinge verarzten.
0:13:22–0:13:24
Das ist das erste Mal, dass ich erfahren habe, dass es Ketamin gibt.
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Das war mein zweiter oder dritter Kongress. Da lag ein Herr ohne Hose im Bällebad.
0:13:29–0:13:32
Das war drei oder vier Uhr morgens. Und der hatte eine Begleitperson dabei.
0:13:33–0:13:35
Und dann fragte ich, ob alles gut ist, weil das ist halt so ein verwirrender
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Anblick. Und dann meinte er, ja, der hat seine Hose verloren,
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aber er glaubt, er ist seine Hose.
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Der Umgang damit ist hier sehr locker. Ich finde das ja grundsätzlich gut,
0:13:43–0:13:46
weil dafür, wie viele Leute hier sind, es ist eine relativ sichere Veranstaltung.
0:13:46–0:13:50
Aber das geht halt eben nur, nur weil es Sicherheitsvorgaben gibt,
0:13:50–0:13:53
wo man dann Bereiche der Dachterrasse verbietet und es Engel gibt,
0:13:53–0:13:57
die unermüdlich rumlaufen und gucken, dass niemand richtig abschmiert.
Florian Clauß
0:13:57–0:14:01
Ich kann mich noch daran erinnern, ich weiß nicht, welches Jahr das war, aber es war Hamburg,
0:14:01–0:14:09
wo eine große Kugel, ein Plastikbeil aufgeblasen war und der war hier zur Parkseite
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und da war die ganze Zeit, tags und nachts, war halt Techno drin.
0:14:12–0:14:17
Ab und zu lief da mal so ein Konfetti-Kanode und eine Nebelmaschine,
0:14:17–0:14:18
dann konnte man nichts sehen.
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Also man war dann quasi so einen
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transparenten Plastikball, der einen Durchmesser von fünf Metern hatte.
0:14:23–0:14:26
Das war auch auf jeden Fall eine Experience da.
Ali Hackalife
0:14:26–0:14:30
Ich erinnere mich auch daran, vor allem zu dem Zeitpunkt gab es eine Undercover-Security.
0:14:30–0:14:34
Es gibt ja hier die Security, die rumläuft mit den Jacken, auf denen auch Security steht, und die,
0:14:35–0:14:38
Und dann gibt es hier Leute, die unauffällig sein sollen. Das Problem ist,
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die Leute, die hier sind, würde ich sagen, würden dir für gewöhnlich auffallen,
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weil sie alle sehr ähnlich aussehen.
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Und wenn jemand dann da ein bisschen rausfällt, dann war relativ schnell klar,
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also zum einen Verteidigung, wir waren 15 oder 16, aber wir haben uns dann halt
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den Spaß daraus gemacht, die Undercover-Security rauszusuchen.
0:14:53–0:14:56
Und dann die Leute halt zusammengefragt, was ist denn dein Nick?
0:14:56–0:14:57
Und dann meinte er, ich heiße nicht Niklas.
0:14:58–0:15:01
Naja, das ist hier auf dieser Veranstaltung kein guter Satz.
0:15:02–0:15:04
Welches Betriebssystem benutzt du denn?
Florian Clauß
0:15:06–0:15:10
Also ihr habt ja quasi Social Engineering betrieben genau.
Ali Hackalife
0:15:10–0:15:17
So eine Unterhaltung hatte ich in einer von diesen Outdoor Kugeln ich erinnere mich an die,
0:15:17–0:15:22
und jetzt ist es halt wenn man ein paar Jahre dabei ist ich laufe eigentlich
0:15:22–0:15:25
nicht mehr durch dieses Gebäude ohne dass mich Leute zwischendurch abfangen und grüßen und so weiter,
0:15:26–0:15:31
das ist schon verrückt also wenn ich überlege als ich auf diese ganze Computerbubble
0:15:31–0:15:35
gestoßen bin und Bits und so gehört Tim Pridloves Produktion gehört.
0:15:36–0:15:39
Jetzt rede ich halt relativ regelmäßig mit dem Alex von Bits und so und dem
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Basti von Bits und so und Tim Pridloves hatte ich jetzt auch schon im Gespräch
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und es gibt Nachfolgetermine und das sind jetzt halt auf einmal auch alles Leute, die einen ja kennen.
0:15:46–0:15:50
Also man hat Zeit miteinander verbracht, man war auf denselben Veranstaltungen
0:15:50–0:15:54
und so weiter und man kann hier sehr schnell reinwachsen, wenn man Interesse
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an den Leuten hat und wenn man so ein bisschen was zurückgibt.
0:15:56–0:15:58
So wie Community Podcast.
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Also ich finde, es ist eigentlich ein total angenehmes Gefühl.
0:16:01–0:16:06
Ich habe jetzt diesen Kongressaufenthalt im Wesentlichen finanziert durch Leute geben Support.
0:16:06–0:16:08
Und Leute geben nicht Support, weil ich sage, hier ist eine Paywall,
0:16:08–0:16:10
wenn du mir zuhören möchtest, kostet das Geld, sondern ich sage,
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hier ist ein Hut, wenn es dich interessiert, wirf halt Geld rein.
0:16:14–0:16:17
Und das ist nochmal eine ganz andere Form der Dankbarkeit, als ein tatsächliches
0:16:17–0:16:20
Produkt zu verkaufen, weil die Leute wissen ja, was sie haben und entschließen
0:16:20–0:16:23
dann, dass es mir Geld wird und nicht, ich kaufe mal auf Verdacht,
0:16:23–0:16:26
weil es gut sein könnte und dadurch entsteht dann ein Einkommen.
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Ja, dieser Kongress, nachdem ich einen Transparenzbericht veröffentlicht habe
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über meinen Podcast, kam noch mal relativ viel Geld rein.
0:16:32–0:16:36
Die Leute gesagt haben, sie finden nicht richtig, dass das auf Null rausgeht.
0:16:36–0:16:38
Ich schon. Ich meine, es bezahlt mir ein sehr luxuriöses Hobby.
0:16:39–0:16:42
Ich habe viel Literatur, Audio-Equipment und so weiter gekauft.
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Ich zahle Gästen Honorare und ich habe keine Kosten, die dadurch entstehen.
0:16:45–0:16:47
Einfach, weil die Leute hören wollen, was ich da mache.
0:16:47–0:16:51
Und ja, jetzt habe ich den Kongress effektiv durch den Podcast finanziert.
0:16:51–0:16:53
Und sehe das dann auch so ein bisschen als Mission dann hier.
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Also du hast es ja gefragt, Podcast, habe ich gesagt, natürlich können wir es
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sehr gerne machen. freut mich auch. Also ich fühle mich geehrt,
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dass jemand anderes zuhören möchte.
0:17:01–0:17:03
Und ja, das ist so, man wächst sehr gut in die Community rein,
0:17:04–0:17:05
wenn man etwas rausgibt, was die Community hört.
0:17:06–0:17:09
Ich glaube, von den paar tausend Leuten, die da monatlich draufklicken,
0:17:09–0:17:12
die Dichte der Hörer wird hier so hoch sein wie sonst nirgendwo.
Florian Clauß
0:17:12–0:17:16
Also erst mal die Art, wie du an das Podcasting rangegangen bist.
0:17:17–0:17:20
Du hast es ja einen Transparenzbericht total offen gemacht. Das fand ich super
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ehrlich und total klar, wie du das auch strukturiert hast. Ich fand jetzt nicht
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so viel, dass da rausgekommen ist, unterm Strich für dich.
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Und dann dachte ich so, okay, jetzt spende ich auch was. Und dann frage ich
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mal, vielleicht können wir jetzt noch einen Podcast aufnehmen.
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Er kann nicht Nein sagen.
Ali Hackalife
0:17:35–0:17:39
Also das ist natürlich eine gute Bestechung. Ich hätte mit dir aber auch ohne die Unterstützung.
Florian Clauß
0:17:39–0:17:42
Ja, aber ich finde es auch toll, dass du dann deinen Gästinnen und Gästen ein
0:17:42–0:17:44
entsprechendes Entgelt anbietest.
Ali Hackalife
0:17:44–0:17:48
Ich finde, die meisten lehnen es ab. Aber ich finde, grundsätzlich gehört sich das bei Freiberuflern.
0:17:48–0:17:52
Die könnten mit ihrer Zeit ja genauso gut arbeiten. Und sie schenken diese Zeit
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mir. Und also mittlerweile bringe ich ja ein bisschen Reichweite mit,
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aber anfangs war das ja nichts.
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Also anfangs war das, sie reden mit jemandem, der meine freundliche E-Mail formuliert hat.
0:17:59–0:18:03
Und da finde ich, wirkt es einfach seriöser, wenn ich sage, das hier ist Community
0:18:03–0:18:06
finanziert. Ich verdiene daran eh nichts, aber es gibt hier diesen Topf Geld.
0:18:06–0:18:09
Und ich habe angeboten, ich habe angefangen mit, ich kann Aufwandsentschädigungen
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zahlen. Und meinte dann irgendwas zwischen 30 und 50 Euro, wenn wir Stunde anderthalb miteinander reden.
0:18:15–0:18:19
Man macht es nicht fürs Geld, aber die Leute müssen es nicht völlig umsonst machen.
0:18:19–0:18:22
Die kennen mich ja nicht. Was ist, wenn das Gespräch wirklich zäh ist,
0:18:22–0:18:24
wenn es sie nicht interessiert und sie jetzt aber ein Gesicht wahren wollen?
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Dann machen sie es immerhin nicht für umsonst.
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Das ist das Schöne, wenn Leute dann wiederkommen oder sich selbst wieder einladen.
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Ich hatte ja auch unter anderem den Norm Ola da, da hatten wir ja drüber gesprochen.
0:18:34–0:18:38
Norm Ola hatte vorher bei Joe Rogan im Podcast geredet, war also jemand,
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der jetzt in der Podcast-Welt die Reichweite haben konnte, die man haben kann.
Florian Clauß
0:18:40–0:18:42
Ja, da geht nichts drüber.
Ali Hackalife
0:18:42–0:18:44
Nee, wurde auch ein bisschen bespöttelt, ob ich jetzt versuche,
0:18:44–0:18:48
der deutsche Joe Rogan zu werden. Die ehrliche Antwort ist, ich bin der deutsche Joe Rogan.
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Na, auf jeden Fall hatte ich ihn dann angefragt und hatte aber auch geschrieben,
0:18:52–0:18:54
ich würde gerne mit ihm über alle seine Bücher reden.
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Ich hatte sein neuestes Buch auch gelesen und dann war er sofort interessiert,
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weil sein neuestes Buch ist sein Liebhaberprojekt über die Geschichte des Zauberbergs.
0:19:02–0:19:04
Und Thomas Mann und den Zauberberg. Und er schreibt halt über die Geschichte,
0:19:05–0:19:06
wie der Zauberberg entstehen konnte.
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Das ist sowas, das verkauft sich nicht im Ansatz so gut wie,
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guck mal, die Drogen, die die Nazis genommen haben.
Florian Clauß
0:19:11–0:19:12
Ja, die Hitler genommen hat.
Ali Hackalife
0:19:13–0:19:17
Ja, das waren ja beides seine Themen. Also in Tript geht es darum,
0:19:18–0:19:21
was die Aufputschdrogen im Zweiten Weltkrieg für den Blitzkrieg waren.
0:19:21–0:19:24
Also Perfettin und die Methamphetamine. Und es geht um das, was Hitler selbst genommen hat.
0:19:24–0:19:33
Vor allem Eukodal, das heute das Chemie-identische Formel von Oxykotten.
0:19:33–0:19:37
Und das ist schon eine verrückte Geschichte, wie das so direkt miteinander zusammenfällt.
Florian Clauß
0:19:37–0:19:40
Völlig verrückt. Das war wirklich für mich ein totaler Eye-Opener.
0:19:41–0:19:42
Ich habe erst das Interview mit
0:19:42–0:19:46
dir gehört, Norm Ola, und dann habe ich nochmal den Joe Rogan geklickt.
0:19:46–0:19:51
Und dann bin ich also auch in diese ganzen Geschichten von, wie eben Hitler
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da den Drogenkonsum, wie sich das vorbereitet hat.
0:19:53–0:19:56
Das am Anfang hatte er ja von deinem Arzt, ja?
Ali Hackalife
0:19:57–0:19:57
Ähm, Morell.
Florian Clauß
0:19:58–0:19:58
Morell.
Ali Hackalife
0:19:58–0:20:01
Das war, ähm, ich meine...
Florian Clauß
0:20:01–0:20:03
Patient A hieß Hitler bei ihm.
Ali Hackalife
0:20:03–0:20:04
Theodor Morell war der Name.
Florian Clauß
0:20:05–0:20:10
Theodor Morell, genau. Und er hat ihm am Anfang dann eben so Vitamine übersprittet,
0:20:11–0:20:16
Ja, weil das auch damals auch total, also es war nicht verbreitet.
0:20:16–0:20:20
Und dann, wie er dann nach und nach eben die Opiate, aber auch alle mögliche
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an anderen Ruhm verabreicht hat.
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Und wie dann so zwei Ärzte um die Gunst bei Hitler gebettelt haben.
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Der eine hat ihnen Kokain, der andere Opiate gespritzt.
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Und er hat dann so einen Snowball-Effekt am Ende gehabt.
0:20:34–0:20:37
Ich hatte es immer so am Rand gehört, so anekdotisch, aber mir war es nicht
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klar. Und das, was ich absolut faszinierend von Olaf fand, dass er dann tatsächlich
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einer der Ersten war, die dann auch diese Tagebücher wirklich mal durchgelesen haben.
Ali Hackalife
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Also das war auch was, worüber ich mit ihm länger dann noch auf Erger geredet
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habe, denn das hatte mich ein bisschen gewundert.
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Es klingt verdächtig, aber I can explain. Ich habe ein schweres Interesse für
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alles rund um die Nazi-Zeit, weil ich mich frage, wie kann das passieren,
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dass aus einer Gesellschaft,
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die sich so technisch entwickelt, Die Denkelite, die intellektuelle Elite Europas
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kam nach Deutschland zum Studieren und verlässt auf einmal dieses Land in den 30ern.
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Und es kippt wirklich in, wir benutzen jetzt unsere guten Erkenntnisse aus dem
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Pressen, aus dem Gießen, aus der Elektrotechnik, um Kampfmittel zu bauen.
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Und dieselben Leute, also auch so ein Werner Heisenberg, der ja wirklich einer
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der Frontier-Physics-Nerds war, der dann sagt, es ist für ihn einfacher,
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hier mitzuforschen, als das Land zu verlassen, weil er dann Angst hat,
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dass er das, was er sich da in der Akademie aufgebaut hat, alles verliert.
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Das ist so eine der Sachen, die mich dann doch sehr fasziniert,
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wie Menschen, die noch zehn Jahre vorher so wirken, als wären sie wirklich weltoffen,
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progressiv auf einmal in so ein System mit reinfallen können.
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Und ich hatte die Memoiren von der Traudel Junge gelesen, das ist die Sekretärin
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von Hitler gewesen, die auch bis zuletzt im Führerbunker mit dabei war.
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Und deswegen waren mir ganz viele Namen aus dem Umfeld, also Linge,
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der Leibwächter, Junge, die Sekretärin und so weiter.
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Waren mir geläufig und ich kannte relativ viel davon.
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Ich wusste auch um den schlechten Gesundheitszustand. Also sie schreibt das
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halt unwissend, relativ naiv als Anfang 20-Jährige, wie sie ihn dann begleitet
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und auch auf dem Obersalzberg sind.
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Und er zwischen den Teezeiten dann wahlweise sehr aufgekratzt ist oder nicht
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ansprechbar erschöpft.
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Und entweder ist er immer in Visionen davon, wie jetzt die Zukunft zu gestalten
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ist und er sieht immer noch den Weltsieg oder er ist total niedergeschlagen.
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Und sie sieht das einfach nur als der Mann hat starke Gefühlsschwankungen,
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weil er gerade sich das größte militärische Unterfangen der Welt vorgenommen hat.
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Und jetzt mit dem Wissen von Norm Ohler, der ja auch ganz viele Dokumente eingesehen
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hat, über dann tatsächlich die Ärztetagebücher.
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Ich hatte vorher von Erwin Kirchow das Buch gelesen, einfach nur Hitler.
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Kirchow hat die größte Hitler-Biografie bis dahin geschrieben, 1200 Seiten.
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Sieht auch nicht gut aus im Bücherregal, weil es steht halt auf dem Rücken groß
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Hitler und es ist ein sehr dickes Buch.
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Es ist auch ein super Geschenk, wenn man in Restaurants Geschenke überreicht.
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Auf jeden Fall. Jim Curzio hat halt so diese Komplettbiografie nachgezeichnet.
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Und der erwähnt natürlich Morell. Um den kommt man nicht rum.
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Bei Trolljunge wird Morell auch erwähnt, weil das schon eine wichtige Person
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ist, der ja immer in Rufweite ist oder immer nur ein Telefonat weit weg.
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Wenn Hitler verreist ist, war er mit dabei.
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Und auf einmal dann aus Morells Sicht das Ganze zu lesen, der am Anfang nur
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Vitamine gibt und dann anfängt, Hormoncocktails und so zu bauen.
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Und Hormone zu dem Zeitpunkt auch total mystifiziert. Ich glaube,
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1934 wurde das erste Mal Testosteron überhaupt synthetisiert.
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Und das war ja noch alles super neue Forschung. und man hat mal so ein bisschen
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das Blaue rein experimentiert und wenn Morell dann auch so was schreibt,
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dass Hitler der Kuchen zerdrückt werden musste, weil er so sehr mit dem Kiefer
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geklappert hat, dass er den nicht mehr kauen konnte, sondern nur noch löffeln,
0:23:41–0:23:44
das ist schon ein krasser Einblick.
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Und ja, Norm Ola, um den Bogen zuzumachen, den ich anfing, der war das erste
0:23:48–0:23:51
Mal da gegen Aufwandsentschädigung und dann hat er erzählt, was sein neues Buch
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ist, dass es da um Stone Sapiens geht, also um die Kultur- und Menschheitsgeschichte
0:23:56–0:23:57
rund um den psychoaktiven Rausch.
0:23:57–0:24:01
Und da hatte ich ihn gefragt, ob er aus der Bibel die Stelle mit dabei hat,
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wo Moses in das Zelt geht und ein Rauchsäule steigt auf und er redet mit Gott.
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Weil ich finde, das beschreibt halt die Hotbox.
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Nur er darf in den Tempel, es steigt Rauch auf, er kommt raus und er kann dir
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sagen, was Gott ihm gesagt hat, also das Zelt.
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Und das war so eine der Sachen. Ich habe in der Corona-Pandemie,
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wenn andere Leute spazieren gegangen sind und Podcasts gestartet haben.
Florian Clauß
0:24:20–0:24:21
Ich weiß nicht, wie du meinst.
Ali Hackalife
0:24:21–0:24:27
Naja, das waren wohl einige. Habe ich viel im Bett gelegen und darüber nachgedacht,
0:24:27–0:24:31
was ich jetzt mit meiner Zeit tue, die ich nicht im Hackspace und auf Veranstaltungen
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verbringen kann. Ich habe von Rufus Beck liest die Bibel gehört.
0:24:34–0:24:37
93 Stunden. Und das war halt so das Ding von wegen...
Florian Clauß
0:24:37–0:24:38
In einfacher Geschwindigkeit?
Ali Hackalife
0:24:39–0:24:43
Nee, doppelte natürlich. Also, ja, ich habe mich nur 47 Stunden mit dem Lass allein.
0:24:43–0:24:47
Aber da fällt man dann in dieses Rabbit Hole mit Leuten, die dann auch...
0:24:47–0:24:50
Also es gibt so viel Literatur, die sich zu einzelnen Büchern der Bibel äußern.
0:24:50–0:24:53
Ich war total beeindruckt von dem Buch des Propheten Habakkuk,
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weil es dann darum geht, wie die Seuche übers Land zieht und die Städte werden
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zerstört und sie werden dreimal zerstört.
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Einmal, wenn sie ausgehungert werden, dann, wenn sie eingenommen werden und
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dann, wenn die Seuche kommt, diese Beschreibung zu lesen, was Menschen für aufschreibenswert
0:25:06–0:25:07
halten und so weiter, hat es mich fasziniert.
0:25:07–0:25:10
Auf jeden Fall, da bin ich dann über die Rauchssäule gestolpert,
0:25:10–0:25:13
hat Norm Uller gefragt, wenn man über Stone Sapiens schreibt,
0:25:13–0:25:16
finde ich, ist das Wichtigste zu schauen, das Alte Testament,
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eine der umfassendsten, meist kopierten Schriftquellen, die wir haben, was schreiben die denn?
0:25:20–0:25:24
Und das hatte er noch nicht auf dem Schirm und dann sind wir so in Kontakt gekommen
0:25:24–0:25:25
und haben auch noch ein bisschen weitergequatscht.
0:25:25–0:25:28
Wenn dieses Buch rauskommt, dann werden wir auf jeden Fall da noch mal drüber reden.
0:25:30–0:25:33
Ich schließe durch diesen Podcast Netzwerke. Also da ist es für mich völlig
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okay, dass ich da viel Zeit als Hobby reinwerfe, aber ich schließe Netzwerke
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zu Leuten, die jetzt auf einmal von mir Inhalte mit syffliert bekommen und die
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dann zurückkommen, um darüber zu reden.
0:25:42–0:25:45
Und das ist so der eigentliche Mehrwert, dass jetzt Leute, die ich früher immer
0:25:45–0:25:48
nur gehört oder gelesen habe, weil ich es interessant fand, jetzt so in Anführungszeichen
0:25:48–0:25:51
zur Verfügung stehen, dass man mal reden kann, dass ich die Fragen stellen kann.
Florian Clauß
0:25:51–0:25:55
Was deinen Podcast ausmacht, ist einfach diese Themenvielfalt.
0:25:55–0:26:00
Da ist dieses auch interessant. Es ist lustig, weil ich habe dich angefangen zu hören.
0:26:00–0:26:05
Ich hätte Malek in einer anderen Sendung gehört. Malek, der dann mit Audiodump
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macht und ab und zu auch mal bei Freakshow auftaucht.
0:26:09–0:26:12
Da hatte ich seine Referenzen mal angeguckt auf seiner Netzseite.
0:26:12–0:26:16
Und dann kam irgendwann, dass er bei dir zu Gast war. Und dann dachte ich, da rühr ich mal rein.
0:26:16–0:26:18
Auch interessant, klingt so ein bisschen wie Eigentlich-Podcast.
0:26:20–0:26:23
Und war wirklich überrascht. Und vor allen Dingen, ich finde,
0:26:23–0:26:27
du triffst ganz gut das Mindset, mit dem man sich gerade so beschäftigt,
0:26:27–0:26:30
weil das ist so eine Themenvielfalt, wo ich auch immer dachte,
0:26:30–0:26:32
ja stimmt, das ist interessant, ja,
0:26:32–0:26:37
also dieses Segelfliegen, dann hattest du über Pilze, Pilze ist natürlich der Dauerbrenner.
Ali Hackalife
0:26:37–0:26:40
Also Pilze ist auch ein Thema, das mich schon in der Recherche nicht mehr losgelassen
0:26:40–0:26:43
hat und ich habe ein bisschen Angst, dass wir der große Pilz-Podcast werden,
0:26:43–0:26:47
denn ich habe danach natürlich Tipps bekommen, über dieses Buch sollte man auch
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gelesen haben und dieses Buch auch und jetzt habe ich gerade Entangled Life gelesen und bin,
0:26:50–0:26:55
also meine Freizeitliteratur besteht im Moment nur aus Pilzen und das wird nochmal
0:26:55–0:26:58
ein großes Thema werden, denn also so Sachen mit,
0:26:59–0:27:04
es gibt, der Austernseitling enthält Ergotricin oder so, also ein Antioxidant
0:27:04–0:27:07
und er enthält das in einer super großen Dose.
0:27:07–0:27:11
Und wir haben eine direkte Bio-Verfügbarkeit dessen als Menschen.
0:27:11–0:27:14
Die Frage ist jetzt, warum haben wir das? Also, dass Antioxidantien für uns
0:27:14–0:27:17
wichtig sind, das wissen wir, die brauchen wir auch für unsere roten Blutkörperchen und so weiter.
0:27:17–0:27:22
Aber die Vorstellung, dass dieser Pilz und der Mensch sehr konkret in Ko-Evolution
0:27:22–0:27:26
sich entwickelt haben über die letzten 100.000 Jahre, der war in Europa verfügbar.
0:27:26–0:27:28
Deswegen haben wir viel gegessen, deswegen können wir mit dem Stoff.
0:27:29–0:27:32
Fasziniert mich total. Und Pilze sind eines der wenigen Themen,
0:27:32–0:27:33
wo ich im Moment Optimismus verspüre.
0:27:33–0:27:37
Denn, das habe ich in der Pilz-Folge auch gesagt, befasse mich berufsbedingt viel mit Computern.
0:27:37–0:27:40
Computer machen mir eigentlich schlechte Laune, weil ich das Gefühl habe,
0:27:40–0:27:43
habe ich mit dem Michael Seemann auch darüber geredet, wir laufen viel zu sehr
0:27:43–0:27:46
in Selbstzensur und Überwachungsmöglichkeiten.
0:27:47–0:27:51
Und ich hatte früher einen großen Technik-Optimismus, der flaut von Jahr zu Jahr ab.
0:27:52–0:27:56
Und jetzt sind Pilze aber etwas, die moderne Pilzforschung bringt so viel hervor
0:27:56–0:28:00
mit Filtern, durch die Abwässer durchgefiltert werden, um den Nitratgehalt in
0:28:00–0:28:05
Wasser von Äckern zu senken mit Pilzen, die enzymatisch Mikroplastik zerteilen können.
0:28:05–0:28:09
Also tatsächlich nicht nur kleiner machen, sondern auch verstoffwechseln und
0:28:09–0:28:12
in Dinge aufspalten, die dann leichter wieder abbaubar sind und nicht über Jahrtausende
0:28:12–0:28:14
mit in unseren Gewässern drin sind.
0:28:14–0:28:18
Pilze, die Radioaktivität, radioaktive Isotopen einlagern können und dann sind
0:28:18–0:28:21
sie zwar im Pilz, aber dann sind sie im Pilz konzentriert und nicht mehr irgendwo in der Erde.
0:28:22–0:28:25
Und Pilze machen mich total optimistisch, wenn wir sehen, was da alles,
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also gerade in den letzten zehn, zwanzig Jahren erst erforscht wird,
0:28:29–0:28:31
dass ich glaube, dass wir viel, wir werden die Welt damit nicht retten,
0:28:31–0:28:35
aber auf dem Weg zur Rettung der Welt brauchen wir etwas, um aufzuräumen und da sind Pilze ideal.
Florian Clauß
0:28:36–0:28:39
Ja, vielleicht wenn man das dann so auf die Computerwelt überträgt,
0:28:39–0:28:42
ne, Viren haben wir ja in Computern, Pilze, was sind Pilze?
0:28:42–0:28:45
Das ist wahrscheinlich am ehesten so ein Netzwerk, eine Mycena,
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das ist diese Vernetzung von, also ich weiß nicht, ob das jetzt ausgeht,
0:28:49–0:28:52
aber also Pilze finde ich auch absolut faszinierend.
0:28:52–0:28:55
Ich merke, dass ich noch nicht so ganz so tief drin bin wie du.
0:28:56–0:28:59
Aber ich freue mich auf die Sendungen, die dann noch folgen werden.
0:29:00–0:29:05
Noch eine andere Sendung, die ich auch wirklich mit totaler Spannung gehört
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habe, war die Sendung mit dem Wingsweet.
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Also es ist gut, als der Fallschirm...
Ali Hackalife
0:29:11–0:29:13
Ah, mit Kalle. Ja, Kalle ist irre sympathisch und irre.
Florian Clauß
0:29:13–0:29:16
Ja, der ist Wahnsinn. Der ist wirklich so ein sympathischer Mensch,
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ein junger Mann, aber auch von seinem Unfall so detailliert beschreibt.
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Also beschreibt, das ist ja wirklich Wahnsinn, was er da auch so reportiert,
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wie er dann für andere, was man eben beachten sollte, also dann wirklich ein
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How-To rausgibt, was passiert, wenn du auf einer Klippe liegst mit deinem Fallschirm
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und wie man das überleben kann.
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Also unglaublich, weil ich auch immer so, also ich habe, das ist länger her,
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aber ich habe natürlich dann auch diese ganzen Sprünge mit diesen Anzügen,
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wo man dann auch nochmal viel mehr Erfahrung mitbringen muss,
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als mit reinen Fallschirmspringen.
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Das ist wirklich absolut faszinierend und wie der davon berichtet hat,
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also da blieb mir wirklich die Spucke weg und ich musste auch dann halt einfach
0:29:58–0:30:02
auch wieder so auf YouTube die ganzen Filme gucken, weil das ist eine Welt,
0:30:02–0:30:06
wo ich auch nie, nie irgendwo sein werde, aber trotzdem total interessant finde.
Ali Hackalife
0:30:06–0:30:09
Ja, das war so ein bisschen das Ding, ich hatte einen Gast angefragt und der
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ist in Österreich etwas größer und, ach so, vom Profil her, der baut beruflich
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in seinem Dayjob, baut der so Sofalandschaften für Lobbys von Hotels, Banken und so weiter.
0:30:21–0:30:25
Am Wochenende wird dann der Anzug ausgepackt und der stürzt sich von irgendeinem Berg runter.
0:30:26–0:30:28
Und wir hatten eigentlich auch schon die Sendung so geplant.
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Also ich biete dann immer an, ich würde gerne dann mit dir reden, alles remote.
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Ich kann dir im Vorfeld Fragen schicken. Meistens ist es so,
0:30:33–0:30:36
dass ich zu dem Zeitpunkt noch keine Fragen habe, weil ich warte ja erstmal,
0:30:36–0:30:38
dass sie zusagen und dann schreibe ich mir Fragen runter. Aber ich habe so eine
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grobe Idee, wo ich hin möchte.
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Und oft habe ich keinen Moderationsbogen, wenn es losgeht, sondern habe nur
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so vier, fünf Stichpunkte da stehen, bei denen ich mir denke,
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ich würde mich ärgern, wenn ich die nicht eingebracht habe.
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Bei dem Wingsuit-Herren war es so, dass ich das schon alles ausformuliert hatte,
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weil er dann meinte, ja, schickt gerne die Fragen.
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Er möchte nicht, dass der Sport falsch dargestellt wird. Und dann ist er mir
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kurz vorher, Achtung Wortwitz, abgesprungen und hat die Sendung nicht mitgemacht.
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Und dann saß ich da mit diesem fertig formulierten Fragebogen und erzählte einem
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Kollegen, klappt jetzt nicht. Und dann meinte er, er hat hier einen Kollegen, der macht das auch.
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Und dann war halt so die Verbindung zu Kalle relativ zügig da.
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Kalle ist ein netter Typ. Also ich kenne niemanden, der sich nicht mit ihm versteht.
0:31:12–0:31:17
Aber er hat ein Risikobewusstsein. Also ich glaube, man muss ein bisschen verrückt
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sein, um diesen Sport überhaupt zu machen.
Florian Clauß
0:31:18–0:31:19
Ja, völlig.
Ali Hackalife
0:31:19–0:31:22
Und das war dann auch so was, also in den kann man ja auch keine Vernunft reinreden.
0:31:23–0:31:25
Also ich habe dann mit ihm noch ein bisschen drüber gesprochen,
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so wie das der mit den Folgen aussieht.
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Und da meinte er, ja, das ist schon jetzt ärgerlich mit den Kosten,
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auf denen er sitzen bleibt, wegen der Bergrettung und so. Aber wenn die abbezahlt
0:31:32–0:31:33
sind, dann geht es natürlich wieder los.
Florian Clauß
0:31:33–0:31:36
Das ist verrückt, ja. Es ist wirklich so, ich meine, auch wie er erzählt hat,
0:31:37–0:31:38
dass man wird nicht alt in dem Sport.
Ali Hackalife
0:31:39–0:31:42
Ja, das ist ein Ding. Also die Leute, die alt werden, sind ausgestiegen und
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die sind dann Instructor.
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Und das war auch so was, was er ganz nebenbei erzählt hat. dass der Typ,
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der ihm das Ganze gezeigt hat und ihn da eingelernt hat, den gibt es auch nicht mehr.
Florian Clauß
0:31:49–0:31:53
Ja, das fand ich auch total krass. Genau, der war bei einem Punkt,
0:31:53–0:31:56
wo ich dann dachte, wie, der ist jetzt auch nicht mehr.
Ali Hackalife
0:31:56–0:32:01
Ja, aber ich glaube, vergleichbar ist das noch mit Leuten, die so Rennmotorrad
0:32:01–0:32:04
fahren, wo bei dem Isle of Man Motorradrennen auch eigentlich jedes Jahr sich
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mindestens einer so sehr aus der Kurve fliegt, dass es den nicht mehr gibt.
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Und trotzdem gibt es super viele Menschen, die als Traum haben,
0:32:10–0:32:11
irgendwann da mal mitzufahren.
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Also niemand von denen will sterben, aber alle nehmen es in Kauf.
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Deswegen passiert da so viel.
Florian Clauß
0:32:18–0:32:22
Wir steigen so ein bisschen in die Themenvielfalt ein, die du mitbringst.
0:32:22–0:32:25
Aber ein, ich sag mal so ein Leuchtturm, der immer wieder kommt,
0:32:25–0:32:30
ist die Sendung mit dir und Basti, wo ihr dann über die Tech-News sprecht und
0:32:30–0:32:34
was für Projekte oder was für Hobbys ihr gerade so ausgebuddelt habt und mit
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was ihr euch beschäftigt.
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Auch sehr unterhaltsam auf dem Niveau. Macht es Spaß, einfach so zu hören und
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man hat dann das Gefühl, okay, jetzt weiß ich den Monat Bescheid.
Ali Hackalife
0:32:43–0:32:46
Ja, also wir senden ja nicht nur einmal im Monat. Wir senden fast wöchentlich
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eine Textsendung. Wir haben dieses Jahr 33 Textsendungen gemacht.
Florian Clauß
0:32:49–0:32:50
Oh, okay.
Ali Hackalife
0:32:50–0:32:55
Und ja, das ist die sehr angenehme Ausgangssituation. Basti ist Fachinformatiker,
0:32:55–0:32:56
leitet eine IT-Abteilung.
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Ich bin komplett quernsteig. Also ich habe nie irgendwas mit Informatik studiert
0:33:00–0:33:02
oder gelernt. Ich mache das einfach als Hobby.
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Und die Schlagzeilen liest man eh. Und jetzt haben wir ein geteiltes Dokument.
0:33:05–0:33:07
Da werfen wir Schlagzeilen rein. Es wird schon noch ein bisschen sortiert.
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Was ist unterhaltsam? Was bildet eine Brücke? Und dann grasen wir das ab.
0:33:11–0:33:13
Aber es gibt so ein paar Dinge, um die kommt man nicht drum herum.
0:33:13–0:33:16
Der XZ-Hack war vermutlich eine der größten Geschichten dieses Jahr,
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weil es auch nochmal die Art und Weise wie Open Source Software entsteht,
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infrage gestellt hat und da haben wir dann ausgiebiger drüber geredet und das
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ist schnell produziert.
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Also das ist halt was beim Techniknachrichten die Woche lesen eh anfällt und
0:33:27–0:33:28
das sendet man dann runter.
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Und die anderen Sendungen, also im Moment sende ich im Schnitt alle vier Tage,
0:33:31–0:33:33
die anderen Sendungen gehen dann meistens, ich habe ein Buch gelesen,
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ich frage den Autor an, ob er mit mir reden möchte oder ich habe ein Thema,
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zu dem ich mit jemandem reden möchte und dann suche ich mir jemanden und dann
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schreibe ich zwei, drei Leute an und man hat ja schon einen gewissen Vorfilter,
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wer wird zusagen, wer spielt in meiner Liga und von denen sagen dann auch super viele zu.
0:33:47–0:33:50
Also die Leute, die absagen, das sind wenige und die Leute, die sich gar nicht
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melden, sind noch weniger.
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Ja, so sammelt man sich dann so seine Leute zusammen und jetzt auch.
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Mit diesem Kongress habe ich jeden Tag eine Sendung.
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Also wir machen heute eine, dann rede ich morgen mit einer Frau,
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die ist Amerikanerin, die ist nach Deutschland gekommen, um Medizin zu studieren.
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Und sie hat in kürzester Zeit Deutsch gelernt. Sie spricht mittlerweile so gut
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Deutsch, dass Leute glauben, sie macht diesen amerikanischen Akzent als Witz.
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Und da reden wir in einer Folge auf Englisch dann über Deutschland und in einer
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Folge auf Deutsch dann über die USA. und dann am letzten.
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Da rede ich mit dem Michael Seemann, dem Dr. Michael Seemann,
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der ist Technikphilosoph.
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Und wir reden über die Entwicklung des letzten Jahres. Der Talk heißt Technikthemen
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2024, Klima, Krypto und KI.
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Und ich glaube, das KI-Thema ist so eins, das mich dann doch sehr pessimistisch
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macht, weil ich das Gefühl habe, dass wir gerade vor allem, wir sehen riesige
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Sprünge, aber wir sehen vor allem auch riesige Sprünge bei der Überwachung.
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Und Leute überwachen es einfach geworden wie noch nie. Leute überwachen sich
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selbst viel strikter. Das ist alles mit Infrastruktur von Firmen.
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Also ich weiß nicht, wie gut OpenAI ihre Sachen verschlüsselt am Ende des Tages.
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Und dann, dass Apple sich so hervorgehoben hat mit hier, guck mal,
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wenn wir OpenAI integrieren und ChatGPT, dann hat es diesen verschlüsselten Kanal.
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Das hat ja nochmal aufgezeigt, dass das standardmäßig nicht so ein verschlüsselter Kanal ist.
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Das lässt dann doch nochmal sehr zu denken übrig, weil was weiß ich,
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wer als Machine in the Middle vor dem Datencenter von OpenAI sitzt und dann
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alles abschnorchelt, was Leute da reinwerfen.
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Der Umstand, dass heute alles irgendeine KI-Integration braucht und alles bei
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OpenAI landet, heißt halt von Tagebüchern über Kalender und so weiter und so
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fort am Ende des Tages läuft super viel bei diesem Konzern zusammen.
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Du hast das ja gerade auch gesehen. Also meine Notizen, die wichtig sind,
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die schreibe ich auf Papier. Da vertraue ich keinem Computer.
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Und das ist nicht verschlüsselt, das ist richtig. Aber ich gehe davon aus,
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dass wenn man mir den Rucksack klaut, ich eh andere Probleme habe als meine Notizen.
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Und das sind dann auch so Sachen, wenn ich irgendwas mittracken,
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wenn ich gerade das Gefühl habe, ich habe eine Erkältung oder so,
0:35:45–0:35:47
dann schreibe ich mir das in den Papierkalender, weil ich nicht möchte,
0:35:48–0:35:50
dass zufällig die Daten bei meiner Krankenkasse landen.
0:35:50–0:35:52
Und die Krankenkasse sagt, oh, er hat sich in sein Tagebuch aber notiert,
0:35:52–0:35:56
er hatte hier zwei Erkältungen. wir sagen mal, das nächste Jahr wird der Beitrag ein 20er teurer.
Florian Clauß
0:35:58–0:36:03
KI bringt eben aufgrund der Infrastruktur und aufgrund dieser Aggregierung von
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Informationen, du musst ja einfach ganz strikt Informationen aggregieren,
0:36:07–0:36:09
um dann halt auch die Modelle trainieren zu können.
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Das ist einfach eine Monopolbildung, die du eigentlich nirgendwo sonst so stark
0:36:14–0:36:17
hast, gerade in der Tech-Welt als bei diesen ganzen KI-Firmen.
0:36:17–0:36:21
Das bringt die Gefahr mit sich. Ich weiß nicht, ob das dann irgendwie so ein
0:36:21–0:36:25
Hoffnungsschimmer ist, aber die ganzen Open-Source-KI-Modelle sind vielleicht
0:36:25–0:36:26
so ein, zwei Jahre hinterher.
0:36:26–0:36:30
Und so wie man jetzt so KI einsetzt, ich weiß nicht, also ich habe es häufig
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als Assistenzsystem, es ist
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super, sich mit so Sonnet oder Claude oder OpenAI unterhalten zu können.
Ali Hackalife
0:36:38–0:36:41
Ja, das stimmt. Das tue ich auch durchaus zu Fachthemen dann.
Florian Clauß
0:36:41–0:36:44
Ja, man kann wirklich Dialoge führen, man kann Fragen stellen,
0:36:45–0:36:49
wo man sonst mit anderen Suchmaschinen erst länger Antworten suchen muss,
0:36:49–0:36:52
bis man dann halt auch die Antworten findet, die man haben will.
0:36:52–0:36:56
Und wenn man dann gezielt, also ich mache das gerne dann als Vorbereitung für den Podcast,
0:36:56–0:37:00
dass ich dann wirklich gezielt dann Fragen stelle und dann in den Dialog gehe
0:37:00–0:37:04
und dann tatsächlich auch so daraus sich dann so das Skript ableitet,
0:37:04–0:37:08
die Erzählung, die ich dann irgendwo in dem Podcast dann später verfolge.
0:37:08–0:37:11
Das ist sehr effektiv, ja, aber ich glaube, ich brauche nicht mehr.
0:37:11–0:37:15
Also es ist dann schon wieder so ein Assistenzsystem, wenn sich das besser integriert
0:37:15–0:37:18
und so weiter, aber so die Informationsdichte, die ich da bekommen kann,
0:37:19–0:37:20
die reicht mir erstmal so aus.
Ali Hackalife
0:37:21–0:37:21
Ich weiß,
0:37:23–0:37:26
Von wegen, die Open-Source-Systeme sind nur zwei, drei Jahre hinterher.
0:37:26–0:37:31
Das stimmt, aber das Problem ist ja nicht die Technik. Also die Modelle sind
0:37:31–0:37:34
im letzten Jahr im Compute skaliert, nicht in der Art und Weise, wie sie rechnen.
0:37:34–0:37:37
Und das ist ja das Erschreckende, dass wir jetzt einfach an dem Punkt sind,
0:37:37–0:37:41
dass genug Investoren erkannt haben, das ist so lukrativ, wir werfen da Milliarden
0:37:41–0:37:45
und Milliarden für Compute, also für Rechenleistung rein, damit wir es dir so
0:37:45–0:37:48
günstig anbieten können, dass wir dann mit deinen Daten spielen können.
0:37:48–0:37:52
Und würden wir tatsächlich sehen, dass der Sprung von Anfang des Jahres zu jetzt
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ein algorithmischer, ein mathematischer ist, dann würde ich dir zustimmen,
0:37:56–0:37:57
dass die Open-Source-Systeme aufholen.
0:37:57–0:38:00
Aber die Open-Source-Systeme, denen fehlt im Moment diese massive Menge Compute.
0:38:01–0:38:04
Und da haben wir dann einfach technische Kosten. Also selbst wenn Strom günstiger
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wird, Silizium wird nicht so viel günstiger, als dass ich jetzt sagen kann,
0:38:09–0:38:12
OpenAI hat von Versionsmodell zu Versionsmodell die Art und Weise,
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wie viele Tokens sie da einrechnet, immer um Faktoren erhöht.
0:38:15–0:38:19
Ich kann nicht ohne weiteres sagen, ich stelle bis die zehnfache Rechenleistung nächstes Jahr hin.
0:38:19–0:38:22
Das heißt, ich werde immer deutlich weiter Open Source hinterherhängen.
0:38:23–0:38:27
Ja, also für Assistenzsysteme hat das viel Potenzial, das stimmt.
0:38:27–0:38:31
Ich habe nur das Gefühl, wir laufen wieder in so eine göttliche Hochheit rein.
0:38:31–0:38:35
Also so wie in der Kirche über 2000 Jahre die Instanz für Wissen und Wahrheit
0:38:35–0:38:38
war, ist jetzt, also ich habe Leute im Bekanntenkreis, für die ist,
0:38:38–0:38:41
ja, ChatGPT sagt das ein valides Argument, weil ihr denkt sich das ja nicht
0:38:41–0:38:43
aus der Luft aus, naja, außer wenn er es doch tut.
Florian Clauß
0:38:43–0:38:49
Ja, ich meine das, was jetzt auch Microsoft in der ganzen Produktfamilie aufgebaut
0:38:49–0:38:53
hat, wie dann da die KI integriert ist bei denen.
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Also wenn du dich einmal darauf eingelassen hast, ist es schwierig,
0:38:57–0:38:58
irgendwie davon wieder loszukommen.
0:38:59–0:39:02
Und das ist halt so dieses einmal anfixen und dann halt am Zug bleiben,
0:39:03–0:39:06
weil du willst ja nicht mehr, du willst ja quasi diesen Schritt nicht mehr zurück machen.
0:39:06–0:39:10
Du willst ja diesen Komfort nicht verlieren, der sich durch diese Integration aufgebaut hat.
0:39:10–0:39:13
Und da ist es halt irgendwie da den Grad zu finden, dass ich es halt irgendwie
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nicht zu sehr mich abhängig mache von einem Global Player,
0:39:17–0:39:20
sondern dass ich dann auch gucke, dass ich das entsprechend streue auf verschiedene
0:39:20–0:39:25
Modelle, die dann eben nicht in einer festen in unserem Global Player mit integriert sind.
Ali Hackalife
0:39:26–0:39:28
Wollen wir mal im Sinne dieses Podcasts ein paar Schritte laufen?
Florian Clauß
0:39:28–0:39:30
Wir wollen ein paar Schritte laufen, das ist eine gute Idee.
Ali Hackalife
0:39:31–0:39:35
Dann möchte ich dich darauf hinweisen, dass während des Laufens so es passieren
0:39:35–0:39:38
kann, dass wir kurz in Frankreich landen. Ja, das ist nämlich so,
0:39:38–0:39:41
dass irgendjemand hier als Scherzvogel das GPS manipuliert.
0:39:42–0:39:45
Es ist mir jetzt mehrfach passiert, dass meine Bank, Bunk, gesagt hat,
0:39:45–0:39:49
ich hoffe, du hast eine schöne Reise in Frankreich, weil das GPS-Signal halt gejammt wird.
0:39:50–0:39:54
Und dementsprechend, wir laufen jetzt auf dem Weg raus zur Tür einmal quer durch Frankreich.
Florian Clauß
0:39:54–0:39:58
So, guter Stichpunkt, nämlich ich fange jetzt mit der Aufzeichnung an.
0:39:58–0:40:03
Ist das so? Ja, ich hätte sonst nur hier so einen kleinen Punkt,
0:40:03–0:40:08
auf dem wir dann halt geblieben wären. So, jetzt mache ich den GBS-Track an.
Ali Hackalife
0:40:09–0:40:13
Ah, Punkt von unserem Spaziergang. Ich dachte, der Podcast ist bisher noch...
0:40:14–0:40:16
Du wolltest dir also eine private Folge ergleichen.
Florian Clauß
0:40:17–0:40:21
Das ist jetzt der Punkt der Aufzeichnung.
Ali Hackalife
0:40:23–0:40:28
Ich würde mal im Sinne von Datensparsamkeit auf dem direkten Weg zur Tür gehen.
Florian Clauß
0:40:28–0:40:33
Ja, lass uns das machen. Wollen wir nochmal so die Klammer zum Kongress schließen
0:40:33–0:40:35
und sagen, warst du in Leipzig?
Ali Hackalife
0:40:35–0:40:38
Ich war in Leipzig und ich war auch großer Fan der Glaswurst.
Florian Clauß
0:40:39–0:40:42
Genau, wie Tim Pritlaff sie dann auch getauft hat.
Ali Hackalife
0:40:43–0:40:47
Ja, es ist ein sehr deskriptiver Begriff. Also alle wissen, was gemeint ist mit der Glaswurst.
0:40:47–0:40:51
Und ich fand den Kongress in Leipzig okay, was mich ein bisschen,
0:40:52–0:40:56
also was mir hier besser gefällt ist, die Messe in Leipzig ist so raus aus der Stadt,
0:40:56–0:41:00
also du bist vom Hauptbahnhof bis zur Messe auf jeden Fall eine halbe Stunde
0:41:00–0:41:06
unterwegs und damit bist du halt zum Kongress immer gut und gerne von ich möchte jetzt dahin,
0:41:07–0:41:11
bis ich bin da, war eine Stunde um und mir geht da ein bisschen viel verloren,
0:41:11–0:41:15
also wie gesagt, meine ersten Jahre hier das war,
0:41:15–0:41:18
ich hatte einen Rucksack voll Klamotten mit und den Laptop.
Florian Clauß
0:41:18–0:41:20
Wie können wir rausgehen? Lass uns mal gucken.
Ali Hackalife
0:41:20–0:41:22
Ja, das ist die Dachterrasse, wo der Spaß verboten ist.
Florian Clauß
0:41:23–0:41:24
Aber hier war auch die Kugel, ne?
Ali Hackalife
0:41:25–0:41:26
Ja, genau.
Florian Clauß
0:41:26–0:41:29
Hier, wo diese Spiegelinstallation ist, da war hier, glaube ich, die Kugel.
Ali Hackalife
0:41:29–0:41:34
Lass uns mal vor den Kongress rausgehen. Wir haben gerade kurz einen Blick auf
0:41:34–0:41:35
die Dachterrasse geworfen.
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Das ist so ein Kiesbeet und die Dachterrasse ist auch dafür designt,
0:41:40–0:41:43
dass Leute drauf rumlaufen, aber wie gesagt, man kann jetzt nicht mehr so sehr.
0:41:45–0:41:50
Ich finde, das Notausgangsschild, das runter vom Dach zeigt, ist ein bisschen...
Florian Clauß
0:41:51–0:41:53
Ja, sieht aus wie Weihnachtsbeleuchtung.
Ali Hackalife
0:41:53–0:41:59
Wir laufen jetzt durch den Eingangsraum des CCH und hier steht seit ungefähr
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18 Uhr ein totaler Nebel in der Luft.
0:42:02–0:42:05
Die Leute haben hier eine Nebelmaschine angemacht, es gibt so eine Diskokugel
0:42:05–0:42:09
und in alle Richtungen wird Licht verteilt. Also es sieht schon sehr salber aus alles.
Florian Clauß
0:42:10–0:42:16
Warst du schon in den einzelnen Hallen hier drumherum? Hast du da auch ein Homespace?
Ali Hackalife
0:42:17–0:42:20
Dieses Jahr nicht. Ich war sonst immer mit den Marburger Hackern hier.
0:42:20–0:42:24
Die haben dieses Jahr kein Assembly, aber ich habe dieses Jahr ein Hotelzimmer
0:42:24–0:42:25
8 Minuten von hier entfernt.
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Also ich habe im Rucksack, was ich brauche und ansonsten laufe ich halt hin und her.
0:42:29–0:42:32
Ja, das ist so ein bisschen der Luxus, der mit der Zeit reinkommt.
0:42:33–0:42:36
Deswegen, ich erinnere mich daran, am Anfang, als ich hier war ohne Hotel und
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mit der Schlafgelegenheit bei jemandem, der allen zugesagt hat,
0:42:39–0:42:44
Es ist dann durchaus auch passiert, dass man hier vor Ort mal irgendwo einen Nap machen wollte.
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Früher waren die Rolltreppen hier alle verschalt im alten CCH, waren mit einem,
0:42:51–0:42:54
Ich mache Anführungszeichen hier die Luft, denn wir sind hier umgeben von einer
0:42:54–0:42:57
Gruppe. Also ich habe, glaube ich, zwei, vier Kantschlüssel im Rucksack und
0:42:57–0:42:59
bin damit keine Seltenheit hier.
Florian Clauß
0:42:59–0:43:00
Ich glaube auch.
Ali Hackalife
0:43:00–0:43:03
Und dann haben wir unter den Rolltreppen, also es brummt die ganze Zeit im Hintergrund,
0:43:03–0:43:05
das ist auch ein bisschen Einschläfern, das ist dunkel, dann haben wir unter
0:43:05–0:43:07
den Rolltreppen Sitzsäcke hingelegt und geschlafen.
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Und im Vergleich dazu ist jetzt in wenigen Metern Entfernung ein Hotel haben
0:43:12–0:43:14
schon ein ziemlicher Fortschritt.
0:43:14–0:43:16
So, ich ziehe mal eben meine Jacke an.
Florian Clauß
0:43:16–0:43:21
Ja, also es gibt dieses Jahr auch die Möglichkeit, dass man in Turnhallen schläft.
0:43:21–0:43:25
Das finde ich auch für junge Kongressbesucherinnen, finde ich,
0:43:25–0:43:27
das ist eine ganz komfortable Lösung.
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Du hast dann 10 Euro, wird am Tag, kann man sich dann melden,
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möchte in der Tonhalle schlafen.
0:43:33–0:43:36
Erinnert mich so ein bisschen an die Jugendfreizeiten von früher,
0:43:36–0:43:40
aber es ist besser, es gab auch Kongresse, wo die Leute direkt auf dem Kongress
0:43:40–0:43:43
geschlafen haben, aber es ist dann irgendwann nicht mehr geblieben.
Ali Hackalife
0:43:43–0:43:47
Also es ist ja auch nicht erlaubt. Und die Security ist früher rumgegangen und
0:43:47–0:43:51
hat dir dann immer gesagt, ja, bitte nicht machen. Und das macht ja auch Sinn.
0:43:52–0:43:59
Es können nur oh so many Leute tatsächlich im Kongresszentrum schlafen,
0:43:59–0:44:00
bis du irgendwann ein Sicherheitsproblem bekommst.
Florian Clauß
0:44:00–0:44:06
Ich finde, die Stimmung hier ist, seit gestern liegt Hamburg und auch der Weg
0:44:06–0:44:10
nach Hamburg alles so in einem Nebel. Ja, man kann nicht weiter als,
0:44:10–0:44:14
ich sage mal 100 Meter, aber das hat so mal so eine besondere Stimmung.
Ali Hackalife
0:44:15–0:44:16
Ja, absolut.
Florian Clauß
0:44:16–0:44:18
Ich mag diese Stimmung.
Ali Hackalife
0:44:18–0:44:21
Vor allem mit den Lichtinstallationen, die hier um den Kongress gebaut sind,
0:44:21–0:44:25
sieht es halt einfach noch mehr abgefahren aus, weil jetzt die Lichtkegel alle
0:44:25–0:44:26
sehr, sehr weit einsehbar sind.
Florian Clauß
0:44:27–0:44:32
Mein eigentliches Thema, was ich mir hier bevor... Deswegen heißen wir auch
0:44:32–0:44:37
eigentlich Podcast, weil wir machen immer so ein paar Schwenks thematisch.
Ali Hackalife
0:44:37–0:44:38
Und jetzt geht es um E-Gitarren.
Florian Clauß
0:44:39–0:44:42
Jetzt geht es endlich um E-Gitarren. Vielleicht kannst du mir das mal erklären.
0:44:42–0:44:44
Nein! Also, ein Hamburger.
Ali Hackalife
0:44:46–0:44:48
Es wurde ja völlig falsch erklärt. Benannt ist das nach Thomas Hambacker.
Florian Clauß
0:44:50–0:44:54
Genau. Da habe ich zum ersten Mal ein Aha-Erlebnis gehabt. Achso.
0:44:56–0:44:59
Sir Thomas Hambacker. Der berühmte Physiker.
Ali Hackalife
0:45:00–0:45:05
Ich hoffe, die Leute haben die anderen Folgen auch gehört und verstehen jetzt den Insider.
0:45:06–0:45:09
Wir hatten uns auf dem Kongress getroffen, aber wir hatten im Vorfeld noch über
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andere mögliche Themen geredet.
Florian Clauß
0:45:11–0:45:18
Und eines davon war, ich habe auch eine Folge gehört von dir über Anbau, also Gärtnern.
0:45:18–0:45:23
Die hast du auch mit einem bekannten YouTuber gemacht. Ich weiß jetzt nicht dessen Namen.
Ali Hackalife
0:45:23–0:45:27
Felix Hobbygarten heißt der. Felix Lösch oder Lisch oder so auf jeden Fall.
0:45:28–0:45:30
Felix Hobbygarten heißt das YouTube von ihm.
0:45:30–0:45:34
Da zeigt er, wie er Hobbygärtnert auf einer relativ großen Parzelle.
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Also er hat mittlerweile, glaube ich, 1200 Quadratmeter, auf denen er eigene
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Pflanzentunnel und Bete hat.
Florian Clauß
0:45:40–0:45:43
In diesem Zusammenhang habe ich auch erfahren, dass du selber anbaust,
0:45:43–0:45:48
auch dich da so in dieses ganze Thema reingenördet hast und auch Erfahrungen gesammelt.
0:45:49–0:45:54
Und angefangen hast selber dann, hast du auch schon Mycena und so weiter kultiviert?
Ali Hackalife
0:45:54–0:45:54
Ja.
Florian Clauß
0:45:54–0:45:56
Das hattest du in der Pilzsendung erwähnt.
Ali Hackalife
0:45:56–0:46:00
Ja, aber das war nur so mittelerfolgreich. Also das war auch total verrückt.
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Ich habe Pilzsporn, also es gibt so relativ easy, du kaufst sie,
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du machst sie auf, du stellst sie kühl.
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Aus denen dann Pilze wachsen. Das ist aber ja nur der halbe Spaß.
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Ich möchte ja verstehen, wie das funktioniert.
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Also habe ich dann Sägespäne steril bekommen.
0:46:17–0:46:19
Das, glaube ich, habe ich falsch gemacht. Aber ich habe es halt auf jeden Fall
0:46:19–0:46:22
mal versucht, sie mit Hitze einfach steril zu bekommen.
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Und danach habe ich bei AliExpress Pilzspuren gekauft für Champignons.
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Und dann kam Luftpost aus China.
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Kein Zettel, was das ist. Einfach ein Beutelchen, in dem es ein Präparat lag.
0:46:34–0:46:36
Also ich hätte da auch, keine Ahnung, Milzbranderreger kaufen können oder so.
0:46:36–0:46:40
Das hat niemanden vom Zoll interessiert, war ziemlich zügig da und dann habe
0:46:40–0:46:42
ich damit versucht, Jumping-Jones zu ziehen. Die sind aber nicht so geworden,
0:46:42–0:46:43
wie ich mir das erhofft habe.
0:46:44–0:46:48
Und mein nächster Anlauf wird jetzt daraus bestehen, dass du hast Pilze,
0:46:49–0:46:53
die der Fruchtkörper selbst so viele Sporen enthält in so einer Konzentration,
0:46:53–0:46:56
dass du den einfach aufbrechen kannst und daraus dann eine neue Seele,
0:46:56–0:46:59
also ein neues Mycel ziehen kannst aus dem Schirm.
0:46:59–0:47:04
Und da wollte ich mich jetzt demnächst mal reinstürzen, weil ich erwähnte ja,
0:47:04–0:47:06
Pilze sind ein größeres Thema geworden.
Florian Clauß
0:47:06–0:47:10
Das fand ich auch nochmal bei der Pilzfolge, das wollte ich gerade auch so nochmal nachfragen.
0:47:11–0:47:14
Wie heißt es, da gibt es so eine Substanz, die ihr erwähnt habt,
0:47:14–0:47:18
die auch ein bestimmter Pilz absondern hat, die jetzt nicht so psychoaktiv ist,
0:47:18–0:47:20
aber deine Gehirnaktivitäten so anregen kann?
Ali Hackalife
0:47:20–0:47:25
Genau, der Pilz ist der Löwenmähne, Lion's Mane im Englischen,
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auf Deutsch ist das der Igelstachelbartpilz.
0:47:28–0:47:31
Der hat tatsächlich nootropische Effekte.
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Also Neurotropics sind die Klassifizierung von allem, was man an Präparaten nehmen kann.
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Was deine Hirnaktivität wahlweise verbessert oder erhält.
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Und ein paar Probleme, die unser Gehirn hat, ist, unser Gehirn ist ja auch nur
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so ein Organ und unser Gehirn kann auch Cholesterin ansetzen.
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Also unser Gehirn kann degenerieren, wenn wir uns schlecht ernähren.
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Und das Problem ist, in der Gesellschaft, in der wir leben, sind hochverarbeitete
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Fette keine Seltenheit, im Gegenteil.
0:47:56–0:47:59
Ich kann die Zahl der Tage, an denen ich keine hochverarbeiteten Fette diesen
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Monat habe, an den Händen noch abzählen.
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Die hat man dann entsprechend auch im Gehirn. Und dieser Pilz sorgt dafür,
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dass der Biostoffwechsel das halt besser abbaut.
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Und das ist einer der wenigen Pilze, also Lion's Mane, bei dem es auch klinische Studien gibt.
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Das ist in der Pilzszene leider ein riesiges Problem, dass super viele Leute
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unterwegs sind mit, ja, hier diese Rattenstudie hat das und das gezeigt.
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Und dann waren das halt 20 Ratten und ein drei Monate Versuch.
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Und deswegen schreiben sie aber auf ihr Produkt, verstärkt die Potenz.
Florian Clauß
0:48:26–0:48:26
Ja, in Mais.
Ali Hackalife
0:48:27–0:48:30
Gute Pilzstudien gibt es wenige. Und ich glaube, das hat ein bisschen damit
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zu tun, dass generell Naturheilmittel haben zwei Probleme.
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Das eine ist, dass die nicht so kontrolliert dosiert sind, also wenn ich einen
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synthetischen Stoff herstelle, dann kann ich den aufs Nanogramm genau dosieren.
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Bei der Pflanze muss ich dann, wenn die Dosierung nicht so wichtig ist,
0:48:48–0:48:51
sehr gut mit dem Klonen von Kulturen an die ähnlichen Werte rankommen,
0:48:51–0:48:52
das ist aber bedeutend schwerer.
0:48:52–0:48:57
Deswegen sind alle in der Forschung, also alle Phytogenetiker,
0:48:57–0:49:00
die ich kenne, landen früher oder später in Ludwigsberg.
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Aber die Umsetzung für den Massenmarkt, da versucht man, so wenig Pflanzen wie
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möglich zu nehmen, damit du halt mit den Rohstoffen, mit den Chemikalien selbst arbeitest.
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Und das bremst die Naturheilkunde ein bisschen aus. Und die Esoteriker machen
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die Naturheilkunde kaputt.
Florian Clauß
0:49:15–0:49:15
Verstehe.
Ali Hackalife
0:49:15–0:49:17
Weil sie dann sagen, ja, ich möchte aber was rein Pflanzliches.
Florian Clauß
0:49:17–0:49:18
Ja.
Ali Hackalife
0:49:18–0:49:21
Naja, also nicht wirklich. Du möchtest den Rohstoff aus dieser Pflanze haben
0:49:21–0:49:23
und du redest dir das jetzt schön.
0:49:24–0:49:27
Und ja, das ist so ein bisschen das, was der Pilzforschung im Weg steht.
0:49:27–0:49:30
Deswegen gibt es so wenig gute Studien zu tatsächlichen Effekten bei Pilzen.
Florian Clauß
0:49:30–0:49:34
Diese Studie hat auf jeden Fall gezeigt, dass dieser Abbau von Fetten,
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aber auch die Psychoaktivität im Gehirn eine gewisse Erfrischung hat.
0:49:39–0:49:42
Das ist das, was dann, wir kommen hier auf Norm Ola zu sprechen,
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aber bei diesem Buch, ich weiß gar nicht, wie der deutsche Titel heißt,
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sollte LSD für Mama heißen?
Ali Hackalife
0:49:49–0:49:52
Genau, das heißt Tripped auf Englisch.
Florian Clauß
0:49:52–0:49:54
Tripped und ich glaube der große Rausch.
Ali Hackalife
0:49:54–0:49:59
Ja, der größte Rausch oder so. Der totale Rausch.
Florian Clauß
0:50:00–0:50:04
Der totale Rausch. Oder war das nicht Blitz, der totale Rausch?
0:50:04–0:50:06
Aber auf jeden Fall irgendein super Lativ.
Ali Hackalife
0:50:06–0:50:07
Eins von beiden Büchern lest sie beide.
Florian Clauß
0:50:09–0:50:16
Wo dann er sich mit LSD und Alzheimer auseinandergesetzt hat und festgestellt hat,
0:50:16–0:50:20
dass seine Mutter, er beschreibt das da in dem Buch, dass seine Mutter an Alzheimer
0:50:20–0:50:26
und wenn sie dann Mikrodisierung von LSD bekommt, dann bestimmte Momente auch etwas lichter wird.
Ali Hackalife
0:50:26–0:50:30
Das ist allerdings noch so eine der Sachen. Also ich habe eine sehr gute Freundin,
0:50:30–0:50:35
die arbeitet im Bereich adulte Neurogenese, also das Neubilden von neuronalen
0:50:35–0:50:37
Verbindungen bei Erwachsenen.
Florian Clauß
0:50:37–0:50:39
Ja, in Richtung Alster.
Ali Hackalife
0:50:39–0:50:40
Und das Problem ist,
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Wenn ich bei Fischen zum Beispiel adulte Neurogenese untersuche,
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dann spritze ich ein Kontrastmittel und dann mache ich mit den Fischen Lernexperimente
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und sehe, die Fische, die im Experiment das gelernt haben im Vergleich zu den
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anderen, bilden neue Neuronen.
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Das sehe ich, weil ich ihre Gehirne dann am Ende unter dem Mikroskop habe und
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sehe, wie das Kontrastmittel sich in den neu gebildeten Neuronen verteilt hat,
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die noch nicht da sein konnten, bevor wir die Experimente angefangen haben.
0:51:04–0:51:07
Bei Menschen kannst du halt nicht regelmäßig das Gehirn aufschneiden und mikroskopieren.
0:51:07–0:51:11
Das heißt, wir vermuten, weil die Neuronen sehr ähnlich sind wie zum Beispiel
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bei Zebrafischen, dass es adulte Neurogenese gibt. Wir haben die aber noch nicht nachgewiesen.
0:51:16–0:51:19
Und das ist so das Ding, wenn Leute sagen, die Psychoaktivität sorgt dafür,
0:51:19–0:51:21
dass neue Neuronen gebildet werden.
0:51:21–0:51:24
Also was wir sicher wissen, es werden neue neuronale Verbindungen geknüpft.
0:51:24–0:51:28
Und das ist ja auch das mit dem Psilocybin und der L-6-Säure-D-Thylamid,
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also LSD und Psilocybin, die dazu führen, dass die Synchronicität deiner Hirnareale
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durcheinandergebracht wird.
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Das heißt, um so Sachen zu machen wie Gleichgewicht zu halten,
0:51:37–0:51:40
Dinge zu fokussieren und so weiter, muss dein Gehirn einen neuen Pfad finden
0:51:40–0:51:42
und dabei baut es tatsächlich neue Pfade.
0:51:42–0:51:46
Aber es werden nicht neue Neuronen gebaut. Das große Problem bei Alzheimer ist
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ja die Degeneration, also dass tatsächlich Verbindungen kaputt gehen.
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Und du kannst die zwar untereinander besser verbinden, beziehungsweise du kannst
0:51:55–0:51:58
die Geschwindigkeit, in der die Verbindungen kaputt gehen, reduzieren.
0:51:58–0:52:01
Aber was einmal weg ist, kannst du nicht wieder zurückholen.
Florian Clauß
0:52:01–0:52:04
Und dann kannst du neue Wege, wie du das beschreibst.
0:52:05–0:52:10
Aber ich glaube, da ist die Forschung relativ am Anfang, was Norm Ohler in seinem
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neuen Buch beschreibt, das heißt,
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soll es wohl heißen. Und zwar die Entwicklung des Großhirns in der Evolution,
0:52:20–0:52:22
in der Anthropologie beim Homo Sapiens.
0:52:23–0:52:27
Ich weiß nicht, das ist wirklich so das, was ich da noch dazu gehört habe. Mehr nicht.
0:52:27–0:52:29
Aber ich fand es eine starke These.
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Ich bin gespannt, was er dazu herausfindet, ob das jetzt auch wissenschaftlich fundiert ist.
0:52:35–0:52:40
Ja, ich meine, Norm Ohler hat als einer, wir hatten ja gerade drüber gesprochen,
0:52:40–0:52:43
dann auch die Hitler-Tagebücher sich da mal genauer angeguckt und hat dann eben
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auch solche wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse rausgezogen.
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Das fand ich auch nochmal interessant in dem Zusammenhang, dass die,
0:52:51–0:52:55
Historiker, die großen Historiker gar nicht auf die Idee gekommen sind,
0:52:55–0:52:58
dass eben Hitler unter Drogen stand und dass das aber so ein Puzzleteil war,
0:52:58–0:53:03
was Ola durch seine Bücher oder so mit dazugefügt hat im historischen Bild von Hitler.
Ali Hackalife
0:53:04–0:53:06
Das ist ein bisschen das Ding mit nicht auf die Idee gekommen,
0:53:06–0:53:11
am Ende des Tages müssen die ja auch Forschungsanträge durchbekommen und ihre Forschung begründen.
0:53:11–0:53:16
Und wenn du in den 60er und 70er Jahren versucht darüber zu forschen.
0:53:16–0:53:20
Die Geschichtswissenschaften sind wohl in ihrer Forschung etwas konservativer, naturbedingt.
0:53:21–0:53:23
Ich kann mir auch vorstellen, dass viele die Vermutung hatten,
0:53:23–0:53:26
aber nicht wussten, wie sie als Forschungsantrag danach suchen können.
0:53:26–0:53:30
Jetzt leben wir halt in der Zeit, dass es für freie Autoren möglich ist,
0:53:30–0:53:31
in diese Archive überhaupt reinzugucken.
0:53:31–0:53:35
Also Ola ist ja mit keiner Institution verbandelt, sondern hat eine,
0:53:35–0:53:39
es ist eine Ein-Mann-Firma, fragt einfach mal so die Archive an, um da drin zu stöbern.
0:53:39–0:53:42
Ist ein Geschäftsmodell, von dem vorher wenige Leute überhaupt existieren konnten.
Florian Clauß
0:53:42–0:53:46
Ja, das stimmt. Das ist dann auch wieder das strukturelle Phänomen,
0:53:46–0:53:49
was dahinter liegt. Und dass es dann erstmal jetzt so dazu kommen konnte.
Ali Hackalife
0:53:49–0:53:54
Und viele arbeiten mit Aufarbeitung dieser Quellen. Also vor allem Geschichte
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ist natürlich auch in großen Teilen auf Englisch.
0:53:56–0:53:59
Und dann nimmst du halt die Zusammenfassung, die jemand schon geschrieben hat
0:53:59–0:54:02
und gehst nicht nochmal selber in die Dokumente und leihst sie aus.
0:54:02–0:54:06
Deswegen sind da die Verzeichnisse so kurz, weil für den Amerikaner oder für
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den internationalen Forscher ist das einfache, das ist der Forschung,
0:54:10–0:54:13
Überblick über die Dokumente zu gucken, als in die Dokumente selbst.
0:54:13–0:54:16
Also das hatte mich gewundert, aber es ist nicht so völlig unerklärlich,
0:54:16–0:54:18
wie es dann am Anfang wirkte von wegen, wie kann es sein, dass er als Dritter
0:54:18–0:54:20
oder Vierter erst das ausleitet.
Florian Clauß
0:54:20–0:54:25
Und dann eben bei so einem meistbeforschtesten Phänomen wie Hitler in der Geschichte.
0:54:25–0:54:27
Das ist ja nochmal das, was dann wirklich so.
0:54:27–0:54:32
Aber gut, wir sind jetzt so ein bisschen wieder gehüpft über die Pilze vom eigentlichen Thema.
0:54:33–0:54:37
Nämlich das eigentliche Thema, was ich mit dir besprechen wollte, ist Essen, Kochen.
Ali Hackalife
0:54:37–0:54:37
Das Großhirn.
Florian Clauß
0:54:38–0:54:42
Das Großhirn, genau. Die Entwicklung des Homo sapiens in der...
0:54:42–0:54:44
Ja, das ist aber auch, das gehört dazu.
Ali Hackalife
0:54:44–0:54:47
Das ist ja tatsächlich auch faszinierend, weil das Hirnvolumen des Homo sapiens
0:54:47–0:54:50
im Vergleich zum Neandertaler massiv abgenommen hat.
0:54:50–0:54:54
Das heißt, wir haben es geschafft, mit weniger Hirnmasse effizienter zu werden.
Florian Clauß
0:54:54–0:55:00
Ja, aber der Homo Neandertalus, der zur gleichen Zeit gelebt hat wie der Homo
0:55:00–0:55:03
Sapiens, der hatte mehr Gehirnvolumen.
0:55:03–0:55:09
Aber das Verhältnis von Gewicht und Gehirn, das war beim Homo Sapiens ausgeprägter.
0:55:09–0:55:13
Das heißt, die Energie, die der Homo Sapiens für sein Gehirn braucht,
0:55:13–0:55:16
war höher als beim Neandertaler.
0:55:16–0:55:21
Der Neandertaler war ja von der Bauweise so, dass der eher Proteine brauchte
0:55:21–0:55:26
für seine Muskeln, weil der auf Kälteregionen quasi spezialisiert war.
Ali Hackalife
0:55:26–0:55:32
Und wir wissen mittlerweile, ob Neandertaler Neandertaler gegessen haben, ist schwer zu erklären.
0:55:32–0:55:34
Aber wir wissen, dass super viele Neandertaler gegessen wurden.
0:55:35–0:55:40
Und es ist eigentlich eher üblich, dass es Spuren an ihnen gab.
0:55:40–0:55:44
Und es gibt eine Theorie, die ein bisschen ethischer und angenehmer klingt,
0:55:44–0:55:49
die da besagt, dass die um Fressfeinde, also Raubkatzen, die es zu dem Zeitpunkt
0:55:49–0:55:52
gab, und Bären und so weiter fernzuhalten, dass man deswegen das Fleisch von
0:55:52–0:55:53
den Knochen geschabt hat.
0:55:54–0:55:59
Aber viele Knochenreste, die wir haben, zeigen halt eindeutige Schnittmale auf,
0:55:59–0:56:02
die man kennt, wenn man Tierknochen auseinandernehmen würde.
0:56:03–0:56:05
Und es gibt auch Zahnspuren an Knochen.
0:56:05–0:56:08
Das heißt, es ist relativ plausibel, dass Neandertaler gegessen wurden,
0:56:08–0:56:09
vermutlich vom Homo Sapiens.
0:56:10–0:56:14
Also, dass wir die aufessen konnten, weil wir unter anderem eine bessere Sprache
0:56:14–0:56:15
hatten, eine bessere Kommunikation.
0:56:16–0:56:19
Und Frühgeschichte ist so ein bisschen ein Ding, in das ich auch mal reingefallen bin.
0:56:20–0:56:24
Ich hatte den Mirko Gutjahr auch mal zu Gast.
0:56:24–0:56:27
Und das ist so ein bisschen eine der Sachen, die mich schwer fasziniert,
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weil der Homo Sapiens hat sich in den letzten 40.000 Jahren nicht so gigantisch
0:56:32–0:56:35
viel verändert von der Art und Weise, wie wir funktionieren.
0:56:36–0:56:39
Das ist sehr verrückt, wenn man sich dann überlegt, wie die Lebenswirklichkeit
0:56:39–0:56:43
für diese Menschen aussah, die im Alter dieselben Knieprobleme bekommen haben und so weiter.
Florian Clauß
0:56:44–0:56:47
Ja, und vor allen Dingen, die ähnlich ausgesehen haben und auch ähnlich denken
0:56:47–0:56:52
konnten wie wir heute. Also das heißt dann wieder so, natürlich nicht diesen
0:56:52–0:56:53
kulturellen Hintergrund, aber,
0:56:55–0:57:00
genauso die psychologischen, soziologischen Typen da mit drin hattest,
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wie in der heutigen Gesellschaft.
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Man hat ja immer so ein Bild von seinen Vorfahren, die dann nichts wissend und
0:57:06–0:57:09
eben nicht diesen Stand hatten wie wir heute,
0:57:10–0:57:15
aber eigentlich von der Physikonomie genauso sind wie wir und genauso gedacht
0:57:15–0:57:17
haben. Das finde ich so faszinierend.
Ali Hackalife
0:57:17–0:57:21
Apropos faszinierend, ich bin fasziniert, wenn die Aufnahme wirklich gut wird.
0:57:21–0:57:24
Also ich vertraue dir und deiner Kenntnis, da Berlin ist ja auch immer laut.
Florian Clauß
0:57:25–0:57:29
Ja, wir sind hier an den Straßen, ich versuche so ein bisschen,
0:57:29–0:57:33
das liegt daran, ich bin hier nicht zu Hause, ich weiß nicht genau, wo die guten Wege sind.
0:57:34–0:57:38
Ich versuche die ganze Zeit zur Alster zu kommen. Ich vertraue auch auf Wondek,
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die uns da auch ganz gut die Spuren zusammenrechnen.
0:57:41–0:57:50
Aber Essen, Kochen ist die größte Kultur, die längste Kulturgeschichte des Menschen.
0:57:51–0:57:55
Also Kochen, was ich jetzt auch nochmal so im Vorfeld zusammengelesen habe,
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vor 1,4 Millionen Jahren gab es schon Nachweise, dass eben Humanoide,
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also jetzt war Homo erectus damals,
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dass Humanoide dann auch schon gekocht haben.
0:58:08–0:58:14
Also das heißt so, man hat Feuerstellen gefunden, aber es ist ziemlich weit.
Ali Hackalife
0:58:15–0:58:18
Ja, also da reden wir von einem Kochen, das vor allem so aussieht,
0:58:18–0:58:24
dass du in Vertiefungen, in denen Wasser sich befindet, legst du Steine,
0:58:24–0:58:28
die aus dem Feuer kommen und kannst damit dann das Wasser erhitzen.
0:58:28–0:58:32
Also auf dem Feuer zu braten ist eine relativ, also in Anbetracht von wie lange
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es Menschen gibt, eine relativ neue Geschichte. Aber mit der Hitze von Feuer
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Dinge heiß zu machen, mit denen man dann andere Dinge heiß macht und dadurch
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leichter verdaubar, das ist richtig, das ist schon relativ alt.
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Ein großes Problem ist, dass die erste Pottery, also die erste Töpferei, die war nicht glasiert.
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Und das heißt, das war halt im Wesentlichen lehmige Erde, die dann auch relativ
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schnell wieder die Substanz aufgegeben hat.
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Und ich glaube, die aktuell ältesten Funde von Töpfen sind aus China.
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Und jetzt bei den Zahlen nicht ganz sicher, aber so in der Größenordnung von
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26.000 Jahre alt ist der älteste Topf, den man in China gefunden hat.
Florian Clauß
0:59:10–0:59:15
Ja, klar. Man braucht erstmal eine gewisse Infrastruktur, sage ich, um topfern zu können.
0:59:15–0:59:20
Also das heißt, da muss ja schon der Zustand, dass man eben die ganze Zeit als
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Nomaden übers Feld zieht und dann sich dann nochmal irgendwie so ein neues Lager
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auflegt, muss ja dann zu einer gewissen Selbsthaftigkeit übergegangen sein,
0:59:27–0:59:30
um dann halt auch überhaupt topfern zu können.
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Das ist dann, was wir mit der Neolithischen Revolution am Ende der letzten Eiszeit haben.
0:59:37–0:59:43
Da gibt es natürlich solche Pfunde, dass Töpfe haben, dass du Gefäße entwickelst,
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dann überhaupt das ganze Feuer auch von der Struktur her so dann domestizieren kannst.
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Ständige Stellen hast, wo Feuer dann eben genutzt werden kann.
Ali Hackalife
0:59:53–0:59:55
Auch da wieder Pilze als Zünder relevant.
Florian Clauß
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Ja, Pilze und Knochen wurden, glaube ich, auch häufig verwendet.
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Eine Form, wo noch nicht so das Gefäße verbreitet waren beim Kochen,
1:00:07–1:00:10
fand ich auch sehr interessant, nämlich dass quasi in Tiermägen,
1:00:10–1:00:12
Rindermägen dann gekocht wurde.
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Weil ähnlich wie so eine Tüte, die kannst du ja auch aufs Feuer halten,
1:00:16–1:00:20
wenn da Wasser drin ist, dann leidet das. Dann wird da auch kein Loch reingebrannt.
1:00:20–1:00:24
So wurde halt auch der Magen vom Rind genommen und das Rind in sich selbst gekocht.
1:00:25–1:00:30
Und das waren so die ersten Praktiken, als wir noch überhaupt keine Gefäßentwicklung hatten.
1:00:30–1:00:33
Fand ich auch sehr interessant.
Ali Hackalife
1:00:33–1:00:36
Ja, auch interessant. Wir laufen jetzt an der Alster, glaube ich,
1:00:37–1:00:38
bereits lang. Also es sieht nach Gewässer aus.
Florian Clauß
1:00:39–1:00:45
Wir sind hier an der Alster. Es zeichnet auch unseren Podcast so aus,
1:00:45–1:00:49
dass wir in vielen peripheren Teilen von Berlin unterwegs sind.
1:00:49–1:00:53
Und meistens plane ich die Route mit, weiß dann immer nicht,
1:00:53–1:00:55
wo wir sind und frage die ganze Zeit, wo sind wir jetzt?
1:00:56–1:01:01
Und ähnlich geht es mir gerade hier, also im Nebel in Hamburg in einer fremden
1:01:01–1:01:05
Stadt mit nicht meinem üblichen Podcast-Partner.
Ali Hackalife
1:01:06–1:01:10
Um nochmal aufs Kochen zurückzukommen. Joachim Ringelnatz hat ein Gedichtband
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über seine Jugend und sein Leben geschrieben, in dem er erzählt,
1:01:13–1:01:15
wie es war, an der alten Alster groß zu werden.
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Und da erzählt er, wie sie mit den Absätzen ihrer Schuhe Pfirsiche knacken und
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dann das Innere gegessen haben, weil es so bitter geschmeckt hat.
1:01:24–1:01:29
Wie gesagt, kein Biologe, aber als Botaniker würde ich davon dringend abraten, weil Blausäure.
1:01:30–1:01:35
Aber ja, Menschen und Essen ist eh faszinierend, weil Menschen essen.
1:01:36–1:01:40
Den Bogen zu mir schließen. Nicht Menschen essen, sondern ich bin komplett farbenblind.
1:01:41–1:01:44
Und eigentlich ist das so etwas, wo du in der Evolution keine guten Karten hast.
1:01:44–1:01:47
Weil das, was wir essen, schon sehr davon abhängt, welche Farben es hat. Und es gibt,
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Pilze, die sehr ähnlich aussehen und die sich nur durch eine leichte Färbung
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unterscheiden und der eine macht, dass du dich den ganzen Tag erbrichst und
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der andere macht, dass du satt bist?
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Oder kann man das noch essen? Das ist eine Frage, die immer in der Menschheit relevant war.
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Und da ist es eigentlich sehr kontraintuitiv, dass man als Farbenblinder überlebt,
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außer man ist in der Lage, irgendeinen anderen Skill der Gruppe beizufügen,
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dass die Gruppe also erstmal nicht so schnell merkt, dass man nicht gut gucken
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kann und dann dir weiter mit dem Essen aushilft.
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Und das ist eine der Sachen, über die ich sehr viel nachgedacht habe,
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weil Leben schon sehr faszinierend so im Allgemeinen.
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Bei David Grabber können wir lesen.
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Er hat das Buch geschrieben, The Dawn of Everything, wie die indianischen Kulturen
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Nordamerikas funktioniert haben, als die Europäer auf sie getroffen sind.
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Und da war halt auch ein Ding, dass Alte und Behinderte, wenn sie tatsächlich
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eine zu große Last für die Gruppe waren, aussortiert wurden.
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Und ich glaube, dass das etwas ist, was eher menschheitstypisch ist.
1:02:46–1:02:48
Das ist auch einer der Gründe, warum ich Angst habe vor Anarchie,
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aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Spaziergang.
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Dementsprechend halte ich es für sehr plausibel, dass mit einer starken Form
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von Sehbehinderung du irgendwann zu sehr außen vor bist, als dass du der Gruppe
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noch etwas beitragen kannst.
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Also das ist schwierig zu erklären, warum eine Gruppe, die ums Überleben kämpfen
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muss von 20, 30 Individuen, dann noch den Komplettblinden mitnehmen sollte,
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weil der sehr viel Aufwand bedeutet
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und vor allem jemanden, der auch seine täglichen Kalorien haben möchte.
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Irgendwo muss es diesen Grad geben von, du wirst zwar stark sehbehindert,
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aber du kannst noch gut genug an der Gruppe teilnehmen, dass du da mitmachen kannst.
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Und da fällt meine Sehbehinderung, also Akromatopsie, die komplette Farbenblindheit,
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irgendwie mehr oder weniger mit rein.
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Wir hatten im Vorfeld geschrieben und ich hatte dir gesagt, wir können gerne
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über das Thema Kochen ohne Kucken reden.
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Denn das ist so eine der Sachen, die mir passiert. Wie gesagt, ich sehe keine Farben.
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Das heißt, ich sehe nicht unbedingt, was gerade in der Pfanne passiert oder im Topf.
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Und das bedeutet dann entsprechend, dass man sich Praktiken aneignet. Und ich bin...
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Vegetarier seit jungen Jahren. Ich habe früher mal so eine sehr liberale,
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libertäre Position vertreten, von wegen, wenn ich das Tier umbringen könnte,
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dann soll ich es ja auch essen dürfen.
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Und dann ist mir aber irgendwann aufgefallen, ich bin aber nicht so wirklich
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in der Situation, ständig Tiere umzubringen. Vielleicht stört mich das schon ein bisschen.
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Also Tiere umbringen. Und dann habe ich mich mit Videos aus der ganzen Welt
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befasst von der Lebendküche in China.
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Also wenn man Fische so aufschneidet, dass sie noch Atmen, also dass es noch
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Muskelkontraktion gibt, während sie serviert werden.
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Mit Seeschlangen, die so zertrennt werden, dass sie auf dem Teller noch zucken,
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also dass die Muskeln noch so Spassmann haben.
1:04:24–1:04:27
Und bin dann irgendwann gelandet bei Industrie-Schlachtung in Deutschland.
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So, wie sieht das eigentlich aus, wenn bei Tönnies den ganzen Tag Schweine zersägt
1:04:31–1:04:32
werden? Was macht das mit den Menschen, die das machen?
1:04:32–1:04:38
Und dann war mir relativ über einen Abend hinweg klar, eigentlich möchte ich kein Teil davon sein.
1:04:38–1:04:42
Also ich möchte nicht, dass für mich irgendwelche ungelernten Hilfsarbeiter
1:04:42–1:04:45
aus Rumänien den ganzen Tag mit der Kettensäge Schweine halbieren.
1:04:45–1:04:50
Ja, das hat dann dazu geführt, dass ich aus einer ziemlich moralischen Abwägung
1:04:50–1:04:53
relativ jung mich für den Vegetarismus entschieden habe.
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Und das war dann auch so eine der Entscheidungen, die ich nie bereut habe.
1:04:56–1:05:00
Also ich habe viele Positionen über die Zeit gehabt und verworfen,
1:05:00–1:05:04
aber der Vegetarismus ist eine der Positionen, die dann doch relativ konsequent geblieben sind.
Florian Clauß
1:05:04–1:05:08
Und die hat sich auch dann gestärkt, also mit dem ganzen Veganismus-Trend.
Ali Hackalife
1:05:08–1:05:11
Genau. Und andererseits das, also als ich damit angefangen habe,
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war die Menge der vegetarischen und veganen Produkte noch sehr klein.
1:05:16–1:05:20
Das ist ja um einiges besser geworden, auch wenn da vieles auf den Markt gekommen
1:05:20–1:05:24
ist, wo ich sagen würde, dass es zu hoch verarbeitet oder versucht etwas zu sein, was es nicht ist.
1:05:24–1:05:27
Das muss jetzt nicht unbedingt für mich sein. Aber ein erfreulicher Nebeneffekt
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ist, ich habe sehr wenig in meiner alltäglichen Ernährung, was gekühlt werden muss.
1:05:31–1:05:35
Gute Arbeitstage sehen so aus, dass ich irgendwo zwischendrin eine Mittagspause
1:05:35–1:05:37
mache und dann Gemüse kaufen gehe.
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Und das Gemüse dann wahlweise mit Reis oder Nudeln zubereitet wird.
1:05:41–1:05:44
Und da bleibt nicht so viel über, als dass man es kühlen müsste,
1:05:44–1:05:47
weil zwei Portionen, eine Portion wird jetzt gegessen, eine Portion wird dann
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später oder am nächsten Tag gegessen.
1:05:50–1:05:52
Ich führe ein Leben, das sehr wenig Kühlung braucht.
Florian Clauß
1:05:53–1:05:55
Ja, also du hast den Kühlschrank abgeschaut.
Ali Hackalife
1:05:55–1:06:00
Also wir haben einen Kühlschrank, weil Wohnsituationen, aber ich benutze ihn quasi nicht.
Florian Clauß
1:06:00–1:06:01
Okay.
Ali Hackalife
1:06:01–1:06:05
Und ich hatte vorher einen Mitbewohner, der ein sehr gutes Gespür dafür hatte,
1:06:06–1:06:09
dann auch mal in Pestogleiser mit reinzugucken und so, weil ich sehe Schimmel nicht.
Florian Clauß
1:06:09–1:06:10
Okay.
Ali Hackalife
1:06:10–1:06:12
Und du möchtest Schimmel nicht erst dann schmecken, wenn du gerade in den großen
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Topf Nudeln das Pesto geleert hast.
1:06:16–1:06:19
Dementsprechend, er hatte da einen ganz guten Radar für und hat da mit reingeguckt.
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Aber das sind halt so Sachen, wo ich mir immer denke, das funktioniert nur,
1:06:22–1:06:23
wenn man eine funktionierende Gruppe um sich herum hat.
1:06:24–1:06:28
Kochen ist ja nicht so richtig mechanisierbar, weil die Toleranzen,
1:06:28–1:06:30
die du beim Kochen hast, viel zu klein sind.
1:06:30–1:06:35
Also wenn ich was, vor allem wenn ich Tier zubereiten würde,
1:06:35–1:06:39
dann ist ja der Rahmen zwischen, das Hähnchen ist so roh, dass du Salmonellen
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gefahrst und das Hähnchen ist so durch, dass es nicht mehr schmeckt.
1:06:41–1:06:44
Das ist ein relativ schmaler Korridor, wenn man jetzt davon ausgeht,
1:06:44–1:06:46
dass du die Verfärbung des Hähnchens nicht siehst.
1:06:46–1:06:48
Da bin ich dann irgendwann bei Airfryern gelandet.
Florian Clauß
1:06:48–1:06:54
Ja, das ist eines von deinen, wenn man dich dann auf GitHub findet,
1:06:55–1:06:57
gibt es ein paar Einträge zur Airfryer.
Ali Hackalife
1:06:58–1:07:02
Ja, ich dachte mir dann, ich möchte für mich selbst notieren, was so funktioniert.
1:07:02–1:07:06
Von Kuchenrezepten vor allem, die sind jetzt online, aber auch so generell,
1:07:06–1:07:07
ich koche mit dem Airfryer.
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Der hat die schönen Angewohnheiten, die Temperaturen sind sehr konstant,
1:07:10–1:07:14
die Zeiten sind sehr konstant und die Toleranzfenster werden größer.
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Weil im Airfryer das Zeug im Zweifel dröge wird, aber nicht so schnell anbrennt.
1:07:19–1:07:23
Und das war für mich, fürs Selbstkochen, eine große Verbesserung.
1:07:24–1:07:25
Das sind so Dinge, wo ich mir dann oft denke,
1:07:26–1:07:31
Es gibt in dem Internat, in dem ich war, gibt es Kurse zum Thema lebenspraktische
1:07:31–1:07:36
Fertigkeiten und da geht es dann darum, wie du als Sehbehinderter dir etwas zusammenkochst,
1:07:36–1:07:40
ohne es wirklich zu sehen, also wie du mehr Plattenkoordination lernst,
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damit Dinge zum gleichen Zeitpunkt fertig sind und nicht alles sehr real passieren
1:07:42–1:07:43
muss und so weiter und so fort.
1:07:44–1:07:49
Und die würden sich so viel Zeit mit einem guten Airfryer sparen,
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weil einfach das Risiko, Dinge aus Versehen zu lang zu kochen.
1:07:54–1:07:57
Also Dinge zu zerkochen ist ärgerlich, aber ist nicht schlimm,
1:07:57–1:08:00
weil in Zweifel schmecken sie nicht mehr so interessant und die Konsistenz ist ein bisschen mehr.
1:08:00–1:08:04
Aber es ist nicht ungesund. Dinge zu wenig kochen, macht keinen Spaß, weil da sind sie zu fest.
1:08:04–1:08:08
Das sind so Sachen, die sich in meinem Leben dann doch bedeutend verändert haben.
Florian Clauß
1:08:08–1:08:12
Also mit einem Airfryer kannst du eine gewisse Wiederholbarkeit dann auch erreichen.
Ali Hackalife
1:08:12–1:08:16
Ich habe eine konstante Temperatur, die ich so auf dem Ofen nicht unbedingt,
1:08:16–1:08:20
also auf dem Herd nicht unbedingt hätte, weil Herd ist viel abhängiger von,
1:08:20–1:08:23
welche Pfanne verwende ich gerade, was ist die allgemeine Außertemperatur,
1:08:24–1:08:26
wie viel Öl war dieses Mal drin im Vergleich zur letzten Mal und so weiter.
1:08:27–1:08:31
Und der Airfryer macht halt, dass die Dinge einfacher reproduzierbar sind.
Florian Clauß
1:08:31–1:08:33
Gehen wir noch ein Stückchen weiter, dann kommen wir durch den Park und dann
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machen wir so einen Bogen zurück und gehen dann wieder Richtung CCH.
Ali Hackalife
1:08:38–1:08:39
Also dann links und machen einen Kreis daraus?
Florian Clauß
1:08:40–1:08:43
Genau, wir machen dann hier so ein kleiner, ich würde auch sagen,
1:08:43–1:08:45
wir sind schon ganz gut dabei.
Ali Hackalife
1:08:45–1:08:46
Ja.
Florian Clauß
1:08:46–1:08:51
Aber wir sind ja auch beim Kernthema gerade mit Kochen. Wie sieht es aus mit
1:08:51–1:08:53
deinem angebauten Gemüse?
1:08:54–1:08:59
Und hast du da bestimmte Techniken, um zu konservieren? Bist du auch in dieser
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Fermentierblase mit dabei?
Ali Hackalife
1:09:03–1:09:08
Ich habe bisher eine Gemüseproduktion, die sich darauf begrenzt,
1:09:08–1:09:12
ich ziehe unterm Dach Vorkulturen, die ich dann in den für mich verfügbaren
1:09:12–1:09:14
Töpfen und Hochbilden und so weiter aussehe.
1:09:14–1:09:17
Ich glaube, wenn wir hier zum CCH zurücklaufen, sind wir in einer halben Stunde
1:09:17–1:09:19
oder so auch wieder da, oder?
Florian Clauß
1:09:20–1:09:22
Ich denke, wir brauchen weniger als eine halbe Stunde.
Ali Hackalife
1:09:24–1:09:29
Genau, ich ziehe Vorkulturen unterm Dach und die sind dann relativ gesund,
1:09:29–1:09:31
weil sie unter sehr kontrollierten Bedingungen groß werden.
1:09:32–1:09:38
Und da ist das Einzige, was ich wirklich regelmäßig kontrolliere,
1:09:38–1:09:44
sind die Stunden an Licht, die die Pflanzen hatten und die Feuchtigkeit.
Florian Clauß
1:09:44–1:09:47
Also machst du das komplett mit einer künstlichen Beleuchtung?
Ali Hackalife
1:09:47–1:09:51
Genau, ich habe Pflanzzelte im Dachboden stehen, der sonst leerer Stauraum wäre
1:09:51–1:09:54
und in denen hängen LEDs,
1:09:54–1:10:00
LED-Paneele und ich habe Zeitschaltuhren mit HomeKit-Integration,
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dass ich vom iPhone aus die Lampen ausmachen kann und die machen dann zu den
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Zeiten, wenn die Vorkulturen ziehen,
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also die keimen ja erstmal und da ist Wärme wichtiger als das Licht,
1:10:13–1:10:16
bis auf Basilikum und andere Dinge, die Lichtkeimer sind.
1:10:16–1:10:20
Aber so bei den meisten geht es dann erstmal darum, dass sie auf so einer Wärmematte
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liegen, die ihnen vorgaukelt, dass die Aluminiumserum jetzt so 18 bis 20 Grad hat.
1:10:25–1:10:30
Und dann sprießen sie und ab dem Moment, wo die ersten Blätter rauskommen, kommt dann Licht dazu.
1:10:30–1:10:34
Dann ziehe ich die am Anfang mit etwas mehr Licht vor und je nachdem,
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was es für Pflanzen sind, reduziere ich das dann, damit sie keinen kompletten
1:10:37–1:10:40
Schock bekommen, wenn sie ausgesetzt werden.
1:10:40–1:10:44
Das ist aber in einer Dimension von, ich habe viele Chilis gehabt,
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die habe ich aber auch mit großer Begeisterung gegessen, denn Schafsessen ist sehr gut.
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Ich habe sehr viel Basilikum gehabt, daraus wurden Pestos, aber die wurden dann
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auch relativ schnell gegessen, weil wenn so ein Pesto erst mal im Haus ist,
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dann kann man das ja die ganze Woche über essen.
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Ansonsten die Gurken, die ich gezogen habe, sind auch recht gut geworden,
1:10:59–1:11:02
aber Salatgurken sind jetzt noch nichts auf dem Level von, ich muss das jetzt
1:11:02–1:11:05
unbedingt einlegen, sondern das war alles so, ich kann das heute ernten,
1:11:05–1:11:06
ich kann das in der Woche essen, dann ist es weg.
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Ich habe mir auch das natürlich angeschaut, dass Leute so basteln,
1:11:11–1:11:12
um Nahrung länger zu konservieren.
1:11:13–1:11:18
Denn ich finde die Idee super attraktiv, dass man substanziell Nahrung anbaut.
1:11:18–1:11:19
Da reden wir jetzt nicht von alles.
1:11:20–1:11:22
Das ist ein Vollzeitjob und da brauchst du mehrere Leute für.
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Aber so auf dem Niveau von, also das höchste der Gefühle war bisher eine Kirschmarmelade,
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die tatsächlich auch mal länger gehalten hat.
1:11:30–1:11:34
Weil ansonsten war es immer so, ich habe jetzt gutes Essen im Haus mit meiner Hände Arbeit.
1:11:34–1:11:36
Ich möchte, dass es so schnell es geht alles gegessen haben.
1:11:36–1:11:41
Ich habe so ein paar Einnachgläser und ich habe auch ein paar Ideen über Dinge, die man einmachen kann.
1:11:41–1:11:45
Also man kann ja auch viele Speisepilze gut dehydrieren oder in Öl einlegen.
1:11:45–1:11:50
Aber bisher war ich immer noch in der Situation, dass die Ernteerträge überschaubar
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groß waren. Und das war dann mehr so ein allgemeines Faszinosum.
1:11:54–1:12:01
In den USA gibt es eine größere Influencerin, die Home Farm oder so.
1:12:01–1:12:04
Und sie zeigt halt, wie sie selbst anbaut und einlegt und so weiter.
1:12:04–1:12:11
Und die war auf einer dieser Watchlists zum Thema, ist sie ein Gateway in rechte
1:12:11–1:12:16
Verschwörungsmythen, weil Leute, die anfangen, sich dafür zu interessieren,
1:12:16–1:12:18
wie man seine eigenen Lebensmittel konserviert,
1:12:18–1:12:22
die vertrauen vielleicht den Lebensmittelsupplies nicht so sehr,
1:12:22–1:12:23
die vertrauen vielleicht dem ganzen System nicht so sehr.
1:12:25–1:12:28
Das ist so ein bisschen ein Ding, das mich auch aktiv gestört hat.
1:12:28–1:12:34
Ich wollte wissen, wie ziehe ich Karotten in meinem Boden mit dem und dem Temperatur- und Bodenprofil.
1:12:34–1:12:38
Und ich finde jemanden, der sagt, übrigens, Karotten sind gut für deine Augen.
1:12:39–1:12:42
Ist viele Karotten, dann kannst du erkennen, wenn jemand dich anlügt, wie diese Politiker.
1:12:42–1:12:46
Ich denke, ja, okay, also die Storytime hätte es jetzt nicht gebraucht.
1:12:46–1:12:49
Du sollst mir einfach nur erzählen, welche Temperatur und welcher Boden.
Florian Clauß
1:12:50–1:12:52
Ja, da muss man Inhalte weggürzen.
Ali Hackalife
1:12:52–1:12:56
Ja, das ist so ein bisschen das Ding, dass die Leute, die Off-Grid gehen,
1:12:56–1:13:01
von denen tun das einige, weil sie so ein Umweltbewusstsein haben oder eine Faszination dafür.
1:13:01–1:13:05
Aber richtig viele von denen tun das, weil sie eine große Ablehnung gegen den Staat haben.
Florian Clauß
1:13:06–1:13:10
Na gut, ich meine, man muss ja sagen, dass die Qualität von industriell gefertigten
1:13:10–1:13:15
Produkten, also Lebensmitteln in den USA auch wirklich sehr viel schlechter ist als in Europa.
1:13:15–1:13:21
Weil viel weniger Prüfsiegel und Qualitätsmessungen da passieren.
1:13:21–1:13:23
Also das ist schon ein Unterschied.
1:13:24–1:13:30
Aber es vermischt sich dann in so einem Bereich, wo diese Ablehnung dem Staat
1:13:30–1:13:34
gegenüber dann einfach auch so zu einer ideologischen Haltung wird,
1:13:34–1:13:36
die man nicht heilen möchte an der Stelle.
Ali Hackalife
1:13:37–1:13:40
Auf deiner Seite in Deutschland lernst du in den Schulen die Ernährungspyramide.
1:13:41–1:13:42
Ich weiß nicht, ob du die auch gelernt hast.
Florian Clauß
1:13:43–1:13:44
Ich habe die neulich bei meinem Arzt gesehen.
Ali Hackalife
1:13:45–1:13:50
Und diese Ernährungspyramide hat halt nichts damit zu tun, wie gut gesunde Ernährung
1:13:50–1:13:54
aussieht, sondern vor allem damit, welche Agrarsektoren in Europa groß subventioniert sind.
Florian Clauß
1:13:54–1:13:58
Ich bin jetzt von der Ernährungspyramide ausgegangen, was man eben am meisten
1:13:58–1:14:03
isst, was dann unten den Sockel bilden sollte und das ist dann Gemüse und Obst.
Ali Hackalife
1:14:04–1:14:08
Das wäre wünschenswert, aber die, mit der ich groß geworden bin,
1:14:08–1:14:10
aber Getreide sollte den Großteil ausmachen.
1:14:10–1:14:14
Da gibt es von Baskass ein sehr gutes Buch, beziehungsweise er hat zwei sehr
1:14:14–1:14:16
gute Bücher geschrieben, Das eine Buch ist der Ernährungskompass.
1:14:16–1:14:23
Da erklärt er mal für Laien und Interessierte, was denn so gesättigte Fettsäuren
1:14:23–1:14:28
sind und was man zu verstehen hat unter Fruktose und Laktose, Laktase und so weiter.
1:14:28–1:14:32
Also so die Basics, die man wissen sollte, wenn man bewusst essen möchte.
1:14:33–1:14:36
Also dass man nicht dann sich fragt, komisch, warum konnte ich so schlecht einschlafen,
1:14:36–1:14:38
nachdem ich die Tüte Chips gegessen habe?
1:14:38–1:14:41
Sondern vielleicht auch ein Bewusstsein dafür entwickelt, was sind geertete
1:14:41–1:14:45
Fette und warum braucht es so lange für den Körper die zu verdauen oder warum
1:14:45–1:14:50
kann ich mich nicht satt essen an Gurken, weil der Aufwand sie zu zersetzen
1:14:50–1:14:53
mehr braucht, als sie an Kalorien beinhalten und dann sind sie halt im Wesentlichen Wasser.
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Das klingt vielleicht naiv, aber ich habe das halt irgendwann so mit 17,
1:14:57–1:14:59
18 erst durch dieses Buch wirklich verstanden.
1:14:59–1:15:03
Bis dahin war es so, ja, Mittelmeer-Diät, schon irgendwie gesund hat man gehört.
1:15:03–1:15:07
Aber ich bin jung, mein Körper kann ausschließlich funktionieren von Marge und
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Pringles. Warum sollte ich etwas ändern?
Florian Clauß
1:15:09–1:15:14
Ja, ich muss auch gestehen, dass ich erst so seit kurzem dann darauf achte,
1:15:14–1:15:16
ordentlich diese Proteine zu essen.
1:15:16–1:15:20
Ich meine, liegt auch sicher am Alter, aber vorher hat mich das auch nicht interessiert.
1:15:20–1:15:23
Und jetzt überlegt man, wie schafft man eine ausgewogene Mahlzeit,
1:15:24–1:15:28
dass Kohlenhydrate, Gemüse und Proteine dabei sind. Und damit muss man sich beschäftigen.
1:15:29–1:15:34
Und das Prinzip dann auch erstmal so zu verstehen, das dauert manchmal eine Weile.
1:15:35–1:15:40
Aber bist du eigentlich auch in das Brotbacken eingestiegen mit Corona?
Ali Hackalife
1:15:40–1:15:44
Nein, also ich habe während Corona, wie gesagt, erstmal die Bibel studiert.
1:15:45–1:15:48
Und das klingt immer wie ein Witz, aber ich habe das ja wirklich gemacht.
Florian Clauß
1:15:48–1:15:54
Und 73 Bücher oder so sind die Bibel, oder? Im Verbund? Ich weiß es nicht genau.
Ali Hackalife
1:15:54–1:15:57
Also zur Bibel gehört dann ja auch zwangsläufig, dass man sich mit den Apokryphen
1:15:57–1:16:01
befasst. Die Apokryphen sind die biblischen Geschichten, die nicht zum Kanon gehören.
1:16:02–1:16:05
Und dann fängt man an, sich anzuschauen, was war denn damals eigentlich das
1:16:05–1:16:11
politische Thema beim Zweiten Vatikanischen Konzil, weshalb einige Bücher drin sind und andere nicht.
1:16:11–1:16:17
Der Begriff Kanon kommt ja überhaupt erst daher. Also der Kanon ist die gesammelte
1:16:17–1:16:24
kanonische Version der Bibelbücher und heute ist das für Nerds ein völlig geläufiger Begriff zu sagen,
1:16:25–1:16:27
ja das und das ist Star Wars Arc Kanon und so weiter.
1:16:28–1:16:32
Hat aber eine ganz andere Tradition auf jeden Fall. Dann habe ich mit dem Gemüsezeug
1:16:32–1:16:36
so richtig während Corona losgelegt, also dass man Quickpots kauft,
1:16:36–1:16:39
das sind so Platten, in denen dann kleine Erdförmchen drin sind,
1:16:39–1:16:41
in denen man dann das Saatgut aussetzen kann und so.
1:16:43–1:16:48
Und das ist so eins der Hobbys, wo du, es gibt kein Ende, also du bist dann
1:16:48–1:16:49
irgendwann an dem Punkt, dass du dich fragst,
1:16:50–1:16:55
möchte ich vielleicht einen Reverse-Osmose-Filter haben, damit ich mein eigenes
1:16:55–1:16:58
Wasser aufbereiten kann, weil du in Großstädten ja so Probleme hast,
1:16:59–1:17:03
dass, wenn auch nicht viel, aber durchaus ja Chemikalien zum Wasseraufbereiten
1:17:03–1:17:04
da sind, die dann immer noch da sind,
1:17:04–1:17:07
also da kannst du beliebig tief ins Rabbit Hole fallen und dann denkst du dir,
1:17:07–1:17:11
ja, aber auch wenn ich es nicht für die Pflanzen brauche, Also so eine Regentonne
1:17:11–1:17:12
aufstellen ist sehr einfach.
Florian Clauß
1:17:12–1:17:13
Ja, so ein Lüftigesystem, ja.
Ali Hackalife
1:17:14–1:17:16
Hätte ich jetzt nicht nur eine Regentonne, sondern hätte auch die Möglichkeit,
1:17:16–1:17:17
das als Trinkwasser aufzubereiten.
1:17:17–1:17:22
Das ist so richtig. Also ich habe im Moment Aktivkohlefilter und hier von Livestraw,
1:17:22–1:17:25
das ist eine Firma, die baut einen Strohhallen, der besteht aus sehr vielen dünnen Röhrchen.
1:17:26–1:17:31
Und sie sagen, dass statistisch sie damit halt sehr viel grobe Verschmutzung rausmischen können.
1:17:31–1:17:34
Und sie sagen angeblich auch bakteriell, aber das ist ein statistischer Effekt. Long story short.
1:17:35–1:17:40
Ich möchte eigentlich in der Lage sein, es nie zu brauchen, aber zu wissen,
1:17:40–1:17:41
wie ich Trinkwasser aufbereite.
Florian Clauß
1:17:41–1:17:46
Ja, verstehe. Falls die Zombie-Apokalypse einfällt und du musst die Badewanne
1:17:46–1:17:50
voller Wasser machen und das musst du drei Monate reichen. Und dann musst du
1:17:50–1:17:51
mit einem Strohhalm draus trinken.
Ali Hackalife
1:17:51–1:17:55
Und da ist die Vorstellung, wenn es regnet, habe ich halt wieder 100 Liter fast
1:17:55–1:17:56
voll, eigentlich ganz angenehm.
Florian Clauß
1:17:57–1:17:58
Ja, nee, Katastrophenschutz unbedingt.
Ali Hackalife
1:17:58–1:18:02
Ja, das ist ja, das ist dieser schmale Grat zwischen, ich bin lieber zu sehr
1:18:02–1:18:06
vorbereitet für eine Situation, die nie eintritt, als in der Situation untervorbereitet zu sein.
Florian Clauß
1:18:06–1:18:10
Ja, das stimmt. Ich muss sagen, da ist meine Freundin auch sehr viel besser als ich.
1:18:10–1:18:14
Und ich mache mich regelmäßig darüber lustig, dass wir jetzt die drei Jahre
1:18:14–1:18:20
alten Wasserflaschen aus dem Vorratsschrank wieder trinken müssen und sie dann neu anlegen.
Ali Hackalife
1:18:20–1:18:23
Ja, rollen nennen wir Prepper das, dass du die Dinge rechtzeitig rollst.
Florian Clauß
1:18:23–1:18:24
Ja, genau, rollen, ja.
1:18:26–1:18:31
Aber ich bin da ganz froh und dankbar, dass sie dann so ein bisschen da den
1:18:31–1:18:32
Katastrophenschutz überlegen hat.
Ali Hackalife
1:18:32–1:18:35
Alleine als es hieß, oh, Corona ist jetzt ein Ding. Es wird Zeit,
1:18:35–1:18:39
dass die Bevölkerung sich für einen Tag, Quatsch, für eine Woche Lebensmittel
1:18:39–1:18:41
zu Hause einlagert. Für sieben Tage.
1:18:41–1:18:45
Da habe ich mir gedacht, Entschuldigung, aber also, wenn wir heute alles abbrechen
1:18:45–1:18:49
würden, dann habe ich einfach Notrationen für drei Monate. Und das sorgt dafür,
1:18:49–1:18:52
dass man sehr viel entspannter auf Dinge schaut, wie schwankende Getreidepreise,
1:18:53–1:18:54
schwankende Speiseölpreise.
1:18:55–1:19:00
Weil, also, es ist nicht schön, Nutrationen zu essen, aber es ist besser als nichts zu essen.
1:19:00–1:19:04
Und das ist ein bisschen das Ding, ich habe auch einen Wikipedia-Backup.
1:19:04–1:19:07
Nicht, weil ich darin regelmäßig suche, sondern weil das nur 20 Gigabyte sind,
1:19:07–1:19:09
die Text-Wikipedia zu haben, auf Englisch.
1:19:09–1:19:12
Und im Fall der Fälle möchte ich nicht sagen, ich hätte jetzt sagen können,
1:19:12–1:19:15
wie ich es finde, sondern ich möchte sagen, das gibt es hier zu lesen.
Florian Clauß
1:19:15–1:19:19
Ja, das ist auf jeden Fall vorausschauend, ja. Wir sind jetzt wieder an dem
1:19:19–1:19:23
Punkt, wo wir gestartet haben, nämlich vor dem CCA.
1:19:23–1:19:28
Das H hat sich zu einem C geformt, ja, also CCC, Chaos Communication Congress.
1:19:29–1:19:34
Ich sage vielen Dank, Ali, für deine Zeit, vielen Dank für die Inhalte.
1:19:34–1:19:38
Es hat mich sehr unterhalten, ja, also ich kann nur allen empfehlen,
1:19:38–1:19:42
heute auch, auch interessant, wenn ich gerade nochmal die Kurve bekomme.
Ali Hackalife
1:19:42–1:19:45
Danke für das liebe Shoutout. Ich habe von den Notizen, die ich mir aufgeschrieben
1:19:45–1:19:47
habe, ungefähr noch gar keinen angesprochen.
1:19:47–1:19:50
Aber vielleicht ergibt es sich ja mal, dass man zu einem weiteren Chaos-Event
1:19:50–1:19:51
nochmal einen Spaziergang macht.
Florian Clauß
1:19:52–1:19:52
Ja, sehr gerne.
Ali Hackalife
1:19:52–1:19:56
Hat mich auf jeden Fall sehr gefreut und ich möchte nochmal den Disclaimer rausschicken.
1:19:56–1:19:58
Das ist alles so, was ich mir irgendwo zusammengesammelt habe.
1:19:59–1:20:00
Ich bin kein Experte in irgendwas.
1:20:00–1:20:03
Ich bin Programmierer und Künstler.
1:20:03–1:20:05
Keine Biotipps von mir nehmen. Lese die Bücher, die ich erwähnt habe.
1:20:05–1:20:07
Da haben schlaue Leute schlauere Dinge geschrieben.
1:20:08–1:20:10
Danke, Flo, für deine Zeit und hat mich sehr gefreut.
Florian Clauß
1:20:10–1:20:13
Sehr gerne, vielen Dank. Bis zum nächsten Mal. Macht's gut.
Ali Hackalife
1:20:13–1:20:18
Jetzt sagen wir noch so ein paar Outtakes ein. Wie? Wer sind sie? Was ist denn das hier?

Mehr

"Ich bin ein Empiriker, der sich innerhalb der ihm gesetzten erkenntnistheoretischen Grenzen hält." C.G. Jung, 1985

Drei Jahre vor seinem Tod veröffentlichte Carl Gustav Jung 1958 ein kleines Büchlein über UFOs: "Ein moderner Mythus". Jung war zu diesem Zeitpunkt über 80 Jahre alt. Man könnte also vom Spätwerk des Schweizer Arztes und Psychoanalytikers sprechen, dem wir diese Episode widmen. Aus der Vogelperspektive betrachtet, befasst sich dieses Buch mit dem UFO-Phänomen aus einer psychologischen Perspektive und stellt die Frage, ob es sich bei den Sichtungen um reale Objekte oder symbolische Projektionen des kollektiven Unbewussten handelt. Doch wir wählen den Weg durch das Unterholz und folgen einer Spur von Zitaten über fliegende Untertassen, Archetypen, atomare Bedrohung, Parapsychologie und kollektive Visionen, um schließlich bei einem Gedankengebäude anzukommen, das – wie ein Vexierbild – je nach Blickwinkel naturwissenschaftliches Forschungsinstitut oder okkulter Tempel sein könnte. C.G. Jung erscheint als gespaltenes Selbst: In ihm leben naturwissenschaftliche Ansprüche und metaphysische Überzeugungen konfliktfrei zusammen, ohne den Widerspruch auszulösen, den viele Leser:innen bei der Lektüre verspüren müssten. Und vielleicht ist es ja wirklich das Spätwerk Jungs, in dem er die UFOs als Korrektiv nutzt, das sein Konzept der Archetypen zukunftsfähig macht?

Mitwirkende

avatar
Micz Flor
Erzähler
avatar
Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:00
Du fängst an.
Florian Clauß
0:00:03–0:00:06
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast.
0:00:07–0:00:15
Der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden. Das bedeutet, Mitch und ich.
Micz Flor
0:00:15–0:00:18
Wir, ich bin Flo. Ich bin Mitch.
Florian Clauß
0:00:19–0:00:24
Wir zusammen nehmen ab und zu einen Podcast auf, treffen uns irgendwo in Berlin.
0:00:25–0:00:29
Jetzt haben wir uns am S-Bahnhof Charlottenburg getroffen. und wir sind tief
0:00:29–0:00:33
im Westen von Berlin, also Wilmersdorfer Straße,
0:00:33–0:00:39
da starten wir und wir wollen einen Schwenker laufen Richtung Halensee und mal
0:00:39–0:00:42
gucken wie weit, aber Ziel ist Grunewald,
0:00:43–0:00:47
und wir sind jetzt auch wieder bei der Jahreszeit, wo es früher dunkel wird,
0:00:47–0:00:52
das heißt ich habe eine Taschenlampe dabei und wenn wir in Grunewald sind,
0:00:53–0:00:58
dann werden wir vielleicht auf diese taschen angewiesen sein gucken wie lange
0:00:58–0:01:04
uns diese folge trägt ja lange mit ich bin auch völlig blank sage ich mal ich
0:01:04–0:01:06
weiß nicht was du jetzt schon thema.
Micz Flor
0:01:06–0:01:07
Als fühlst du es ja schon.
Florian Clauß
0:01:08–0:01:09
Fühlen kann ich da gar nichts.
Micz Flor
0:01:09–0:01:12
Also und ich fange mal
0:01:12–0:01:16
an ohne dir zu sagen worum es geht und die leute die schon dass die überschrift
0:01:16–0:01:20
gelesen haben von dem was wir heute machen die wissen hier ums geht aber du
0:01:20–0:01:28
weißt es noch nicht und ich möchte dann mal zitate aus einem text vorlesen laufen
0:01:28–0:01:30
wir jetzt auf die andere seite.
Florian Clauß
0:01:30–0:01:35
Wir gehen noch ein bisschen hier an dieser seite lang und wir kreuzen aber gleich wieder eine episode.
Micz Flor
0:01:35–0:01:40
Ja ja ja ich weiß nicht mehr welche lustigerweise habe ich dann noch das bild
0:01:40–0:01:46
im kopf zwar auch spät abends aber ich weiß nicht mehr was wir Da haben wir
0:01:46–0:01:50
Ghost in the Shell aufgenommen und die Anschluss-Episode.
Florian Clauß
0:01:50–0:01:54
Das war deine erste Folge zu Dan Sims.
Micz Flor
0:01:57–0:01:58
Ach, und dann sind wir genau um den See gelaufen.
Florian Clauß
0:01:58–0:02:02
Dann sind wir aber nicht im Hallensee, sondern im Liebnitzsee. War das Liebnitzsee?
Micz Flor
0:02:02–0:02:03
Ja, ja.
Florian Clauß
0:02:03–0:02:03
War Liebnitzsee.
Micz Flor
0:02:03–0:02:05
Ja, das war gruselig.
Florian Clauß
0:02:06–0:02:06
Gruselig.
Micz Flor
0:02:06–0:02:11
So, und jetzt geht's los. Jetzt kommt ein Zitat aus einem Büchlein.
0:02:11–0:02:12
Mehr sage ich erstmal nicht.
0:02:13–0:02:16
Und ich lese das jetzt einfach mal vor. Es ist relativ viel.
Florian Clauß
0:02:16–0:02:17
Ja, okay.
Micz Flor
0:02:17–0:02:21
Und meine Frage oder Aufforderung oder Anforderung an dich wäre jetzt,
0:02:23–0:02:29
Anrufung an dich wäre jetzt, mal zu überlegen und frei zu assoziieren,
0:02:29–0:02:32
worum es da gehen könnte oder was das ist, wo das herkommt.
0:02:33–0:02:38
Also hier das kurze Zitat. Es wäre leichtsinnig von mir, meinem Leser verheimlichen
0:02:38–0:02:43
zu wollen, dass dergleichen Überlegungen nicht nur äußerst unpopulär sind,
0:02:43–0:02:47
sondern sich sogar in bedrohlicher Nähe jener wolkigen Phantasma bewegen,
0:02:48–0:02:52
die das Gehirn von Zeichendeutern und Weltverbesserern beschatten.
0:02:53–0:02:59
Ich muss das Risiko auf mich nehmen und meinen mühsam erkämpften Ruf der Wahrhaftigkeit,
0:03:00–0:03:05
der Vertrauenswürdigkeit und der wissenschaftlichen Urteilsfähigkeit aufs Spiel setzen.
0:03:07–0:03:12
Es geschieht dies, wie ich meinen Lesern versichern kann, nicht leichten Herzens.
0:03:12–0:03:17
Ich bin aufrichtig gesagt bekümmert um das Los derer, die unvorbereitet von
0:03:17–0:03:23
den Ereignissen überrascht werden und ahnungslos deren Unfassbarkeit ausgeliefert sind.
0:03:23–0:03:26
Seite 10, das ist noch in der Einleitung.
Florian Clauß
0:03:28–0:03:31
Okay, okay. Das ist Beltristic?
Micz Flor
0:03:32–0:03:36
Nee, das ist kein Quiz jetzt. Einfach machen. Du musst es nicht erraten,
0:03:36–0:03:38
sondern ich will einfach so, das ist eine Bestimmung.
0:03:38–0:03:41
Wie so ein Keks eben oder wie so ein Skat.
Florian Clauß
0:03:41–0:03:45
Ich will so langsam, okay, ich muss jetzt kein Rätsel, kein Quest.
Micz Flor
0:03:45–0:03:48
Was passiert in dir? Wir hatten ja auch mal über Gestalttherapie,
0:03:48–0:03:50
Phänomenologie diese Folge.
0:03:50–0:03:53
Einfach von innen, was von innen so jetzt in deinem Erkennen,
0:03:53–0:03:55
Hören, was passiert in dir?
0:03:55–0:03:59
Bist du eher skeptisch, bist du eher interessiert, ablehnt, hast du jetzt schon
0:03:59–0:04:02
die Schnauze voll oder möchtest du mehr wissen, stört dich meine Stimme?
Florian Clauß
0:04:04–0:04:10
Ja, ich bin jetzt schon, weil ich so ein bisschen so, ich muss jetzt erraten, was es ist.
Micz Flor
0:04:10–0:04:12
Nicht erraten, wir haben ja nur die Mitte.
Florian Clauß
0:04:12–0:04:16
Aber insofern habe ich die ganze Zeit geguckt, wie kann ich das eigentlich,
0:04:16–0:04:19
ist das jetzt Anfang 20. Jahrhundert oder ist es jetzt schon 21. Jahrhundert.
0:04:19–0:04:24
Also deswegen habe ich immer diese Quest-Fragen im Kopf gehabt.
0:04:24–0:04:35
Aber wenn du jetzt fragst, es scheint ja eine Entdeckung oder der Erzähler,
0:04:35–0:04:37
der den Leser direkt anspricht,
0:04:38–0:04:49
der hat ja quasi eine Art von Offenbarung und lässt jetzt quasi seine Leserschaft daran teilhaben.
0:04:49–0:04:51
Und man weiß es noch nicht, was es ist.
0:04:51–0:04:53
Es wird so ein Suspens gepflanzt.
Micz Flor
0:04:53–0:04:57
Also ein bisschen, wenn du sagst Offenbarung, hat das so was Geheimwissenmäßiges,
0:04:57–0:05:06
beziehungsweise was allgemein Sichtbares, was aber von ihm jetzt nochmal gezündet
0:05:06–0:05:08
werden kann, eine Stufe oder so in der Art.
Florian Clauß
0:05:08–0:05:11
Wenn du es so übersetzen willst, du weißt mehr als ich.
Micz Flor
0:05:14–0:05:18
Ja, klar, genau. Das habe ich von meinem Hintergrund deine Worte wieder weitergetrieben.
0:05:19–0:05:26
Jetzt kommt das zweite Zitat. Ich habe vier am Anfang, um die Folge zu öffnen.
0:05:28–0:05:34
Es ist schwierig, die Tragweite zeitgenössischer Ereignisse richtig einzuschätzen.
0:05:34–0:05:38
Und die Gefahr, dass das Urteil im Subjektiven befangen bleibt, ist groß.
0:05:38–0:05:43
Ich bin mir daher des Wagnisses bewusst, wenn ich mich anschicke denen,
0:05:44–0:05:49
die mich geduldig anhören wollen, meine Auffassung von gewissen zeitgenössischen
0:05:49–0:05:52
Ereignissen, die mir bedeutend erscheinen, mitzuteilen.
0:05:52–0:05:58
Es handelt sich um jene Kunde, die uns von allen Ecken der Erde erreicht,
0:05:59–0:06:04
jenes Gerücht von runden Körpern, die unsere Tropo wie Stratosphäre durchstreifen,
0:06:04–0:06:08
genannt Saucers, Teller, Discs und UFOs.
0:06:09–0:06:11
Unidentified flying objects.
Florian Clauß
0:06:12–0:06:16
Ja, okay. So, das ist I see the chemtrails at night.
Micz Flor
0:06:18–0:06:21
Also, aber was passiert in dir, wenn du diesen...
Florian Clauß
0:06:21–0:06:28
Ja, jetzt wird es ja konkret. Jetzt wird es ja quasi so in Richtung ja, in Richtung,
0:06:31–0:06:37
Geheimwissen, was du schon gesagt hast. Das heißt, der Erzähler Der Berichter
0:06:37–0:06:38
berichtet von einem Ereignisstrom,
0:06:38–0:06:47
der erstmal so zeitgenössisch, also das heißt, die Ereignisse tauchen überall auf und sind global.
0:06:48–0:06:52
Das heißt, es ist nicht nur so seine Empfindung jetzt, sondern es ist ein globales
0:06:52–0:06:55
Ereignis, was er hier so konspirativ mitteilt.
Micz Flor
0:06:59–0:07:03
Und dieses Ereignis benennt er auch, da geht es um?
Florian Clauß
0:07:03–0:07:06
Ja, es geht so um fliegende Untertassen.
Micz Flor
0:07:06–0:07:08
Fliegende Untertassen, genau.
Florian Clauß
0:07:08–0:07:10
Ganz klassisch, ganz klassisch.
Micz Flor
0:07:11–0:07:14
Heute hätte man die heute zum ersten Mal, aber heute werden es wahrscheinlich fliegende CDs.
Florian Clauß
0:07:18–0:07:19
Unidentified Objects, oder? UFO.
Micz Flor
0:07:20–0:07:22
Unidentified Flying Objects.
Florian Clauß
0:07:22–0:07:25
Flying, ich habe gerade überlegt, das F kann ich nicht auflösen.
Micz Flor
0:07:28–0:07:31
Das ist aus dem buch so viel gebe ich jetzt auch noch mit
0:07:31–0:07:38
dazu das ist zum ersten mal erschienen in zürich beim bei rascher 1958 habe
0:07:38–0:07:42
ich habe jetzt allerdings in denen ich werde die kurz also natürlich auch auf
0:07:42–0:07:49
der webseite publischen mit seitenzahlen allerdings aus dem buch von 92 von,
0:07:51–0:07:55
es fällt mir der Verlag nicht ein, aber das wurde dann später von Padmus aufgekauft.
0:07:55–0:08:00
Aber was ist jetzt so deine Haltung gegenüber dem Autor oder der Autorin?
0:08:03–0:08:06
Wenn du willst, wie stehst du dem gegenüber, was du bis jetzt gehört hast?
Florian Clauß
0:08:06–0:08:07
Na, skeptisch.
0:08:09–0:08:10
Was erwartest du?
0:08:12–0:08:14
Erzähl mal mir, das ist eine Sache.
Micz Flor
0:08:16–0:08:20
Wir bleiben mal die Skepsis und diese Skepsis, okay, dann frage ich gleich vorneweg
0:08:20–0:08:27
die Skepsis, deshalb, weil es hier um etwas geht, was nicht sein kann.
Florian Clauß
0:08:30–0:08:34
Was nicht sein kann? Was ist die Frage?
Micz Flor
0:08:34–0:08:38
Es geht um, was ist es, was dich so skeptisch macht? Also Skepsis bedeutet immer,
0:08:38–0:08:39
nee, das kann ja wohl nicht sein.
Florian Clauß
0:08:39–0:08:44
Das kann ja nicht sein. Es klingt so,
0:08:44–0:08:51
als ob dieser Erzähler Erfahrungen mit eben solchen außerirdischen Objekten
0:08:51–0:08:57
gemacht hat und die mitteilen will und dass die ja weltweit auftreten.
0:08:57–0:09:04
Das ist ja schon eigentlich eine Sache, die man mit gesunden Menschenverstand
0:09:04–0:09:06
nicht nachvollziehen kann.
Micz Flor
0:09:07–0:09:12
Okay, weiter geht's. Jetzt kommt das dritte Zitat und danach noch eins und dann
0:09:12–0:09:15
sind wir quasi mitten auf der Bühne.
Florian Clauß
0:09:15–0:09:21
Jetzt müssen wir unter die Schienen durch, über die Straße, weil sonst zweigen wir auf die anderen.
Micz Flor
0:09:21–0:09:22
Sind wir hier lang gelaufen?
Florian Clauß
0:09:22–0:09:25
Sonst müssten wir hier die Den Sims-Folge weitermachen.
Micz Flor
0:09:28–0:09:33
Fertig. Drittes Zitat. Es ist keine Anmaßung, die mich treibt.
0:09:37–0:09:41
Oh mein Gott, siehst du das? Nein, unter der Wolke. Nein, da drüben. Siehst du das?
0:09:42–0:09:46
Nein, das war nur eine S-Bahn. Ich war jetzt so gefangen schon.
0:09:46–0:09:50
Ich war schon so geprimed für meine Wahrnehmung. Ich war jetzt schon bei UFOs.
0:09:50–0:09:54
Aber es war nur eine S-Bahn. Weiter geht's. Es ist keine Anmaßung,
0:09:54–0:09:57
die mich treibt, sondern mein ärztliches Gewissen, das mir rät,
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meine Pflicht zu erfüllen, um die wenigen, denen ich mich vernehmbar machen kann, vorzubereiten.
0:10:03–0:10:08
Dass der Menschheit Ereignisse warten, welche dem Ende eines Äon entsprechen,
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wie wir schon aus der altägyptischen Geschichte wissen,
0:10:13–0:10:19
sind es psychische Wandlungsphänomene, die jeweils am Ende eines platonischen
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Monats und zum Anfang des nachfolgenden auftreten.
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Es sind, wie es scheint, Veränderungen in der Konstellation der psychischen
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Dominanten, der Archetypen, der Götter, welche säkuläre Wandlungen der kollektiven
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Psyche verursachen und begleiten.
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Diese Wandlung hat innerhalb geschichtlicher Tradition angehoben und ihre Spuren hinterlassen.
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Zunächst im Übergang des Stierzeitalters zu dem des Aries,
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also wieder vom Zeitalter des Aries zu dem der Fische, dessen Anfang mit der
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Entstehung des Christentums zusammenfällt.
0:10:59–0:11:09
Und wir nähern uns jetzt der großen Veränderung, die mit dem Eintritt des Frühlingspunktes
0:11:09–0:11:12
in, welches Sternzeichen fällt?
Florian Clauß
0:11:13–0:11:14
Keine Ahnung.
Micz Flor
0:11:14–0:11:18
Wassermann. Aquarius. Erwartet werden darf.
0:11:20–0:11:26
Oder bei Jesus Christ Superdar. Age of Aquarius. Aquarius.
0:11:27–0:11:30
Okay, habe ich dich jetzt komplett verloren?
Florian Clauß
0:11:30–0:11:35
Ja, so ein bisschen hast du mich verloren tatsächlich. Aber gleichzeitig bekommt
0:11:35–0:11:41
das ja dann nochmal ein mächtiges Fundament an Theorien.
0:11:41–0:11:50
Wie auch immer Theorien, die so über Zeitalter und irgendwelche Dynastien,
0:11:50–0:11:54
die da aufgezeigt werden.
Micz Flor
0:11:56–0:11:57
Du kannst dich vielleicht an den
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Film 2012 erinnern. Da war doch diese End-of-the-World-Prophezeiungssache,
0:12:04–0:12:06
wo es auch diesen einen Film gab.
Florian Clauß
0:12:07–0:12:08
Von Emmerich.
Micz Flor
0:12:08–0:12:09
Emmerich, genau.
Florian Clauß
0:12:10–0:12:12
Wo der Countdown läuft.
Micz Flor
0:12:12–0:12:15
Genau, also diese Zeit, in der wir jetzt leben, das ist ja auch bei Jesus Christ
0:12:15–0:12:16
Superstar, Age of Aquarius,
0:12:16–0:12:22
das ist halt dieser große Umbruch und auch diese große Hoffnung von einem neuen
0:12:22–0:12:27
Zeitalter, das sich wegbewegt von den Kriegen, von dem Kapitalismus und so weiter.
Florian Clauß
0:12:27–0:12:31
Ja, also die Äonen, dass sich das Zeitalter wechselt.
Micz Flor
0:12:31–0:12:34
Das sind wohl, also ich kenne mich da nicht so aus, da bist du ja eher als,
0:12:34–0:12:36
du bist ja Astrologe, Hobbyastro.
0:12:38–0:12:41
Entschuldigung, Hobbyastronom, hau mich nicht. Aber trotzdem,
0:12:41–0:12:47
diese Form der Astrologie knüpft sich ja glaube ich schon auch an astronomische Beobachtungen an.
Florian Clauß
0:12:47–0:12:52
Ja, ich glaube, das sind jetzt aber nur reine Beobachtungen bzw.
0:12:55–0:12:55
Sternzeichenanalogien.
Micz Flor
0:12:56–0:13:00
Also steht ja hier, der Frühlingspunkt wandert von Sternzeichen zu Sternzeichen,
0:13:00–0:13:05
Weil über die Jahrtausende hinweg sich einfach die Konfiguration wahrscheinlich
0:13:05–0:13:10
unseres Sonnensystems ein bisschen kippt oder irgendwie sowas in der Art muss das sein.
Florian Clauß
0:13:10–0:13:16
Naja klar, es gibt ja Schwankungen und da ändern sich halt auch diese Fixsterne am Himmel.
0:13:16–0:13:22
Über tausende von Jahren ist das Sternenbild im Himmel, am Himmel etwas anders, etwas verschoben.
0:13:22–0:13:26
Aber es hat mich so ein bisschen an Winter is Coming von Game of Thrones,
0:13:26–0:13:29
wo dann halt auch Winter nicht saisonal ist, wenn man dann halt wirklich so
0:13:29–0:13:31
über mehrere Jahre geht.
0:13:31–0:13:35
Ja, das finde ich dann immer so eine Jahrzehnte, das finde ich ja schon auch
0:13:35–0:13:36
eine starke Vorstellung.
0:13:36–0:13:38
Das ist narrativ ziemlich stark.
Micz Flor
0:13:39–0:13:44
Ja, tolles Bild. Und das ist, glaube ich, auch in meinem absoluten distanzierten
0:13:44–0:13:50
Laienverständnis, so um die 2000 Jahre ist das wohl, wo immer ein solches Äon sich abwechselt.
0:13:50–0:13:57
Deshalb war der letzte Wechsel, fällt eben zusammen mit der Zeit,
0:13:57–0:14:01
die man jetzt so um Christi Geburt nennt,
0:14:01–0:14:07
was natürlich jetzt dann unserem Autoren, das ist ein Mann, so viel verrate ich schon mal,
0:14:07–0:14:12
natürlich auch klar macht, dass Religion eine Rolle spielt.
0:14:12–0:14:20
Also er verhärtet jetzt nochmal, also er knüpft quasi dieses UFO-Thema an die
0:14:20–0:14:21
Sterne und gleichzeitig an Jesus.
0:14:21–0:14:27
Das macht er da drin und was er auch macht, das möchte ich jetzt nochmal,
0:14:27–0:14:32
ich glaube, weil das ist schon wichtig für das Feindheilige in diesen Gedanken,
0:14:32–0:14:34
die nachher noch so kommen, er sagt auch,
0:14:38–0:14:41
Dieser Satz ist, glaube ich, ganz wichtig. Es sind, wie es scheint,
0:14:41–0:14:44
Veränderungen in der Konstellation der psychischen Dominanten,
0:14:44–0:14:48
kommen der Archetypen, der Götter, welche säkulare Wandlungen der kollektiven
0:14:48–0:14:50
Psyche verursachen oder begleiten.
0:14:50–0:14:53
So, das ist, glaube ich, so ein Dreh- und Angelpunkt für mich.
0:14:54–0:14:58
Da drin steht erstmal der Begriff der Archetypen.
Florian Clauß
0:14:58–0:14:59
Ja.
Micz Flor
0:15:00–0:15:05
Diese Archetypen sind von diesem Menschen ein Begriff, der nach hinten raus
0:15:05–0:15:09
irgendwie so eine Öffnung hat, eben auf sowas, was wir auch eben Götter nennen.
0:15:10–0:15:14
Er nennt es die psychischen Dominanten, eben die Archetypen.
0:15:16–0:15:22
Aber so eine religiöse, was sich dann auch hinten so in was Religiöses,
0:15:22–0:15:27
in sowas Bestimmtes, in den letzten Grund irgendwie so hineinöffnet,
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wo er aber gleichzeitig sagt,
0:15:30–0:15:35
und das hat jetzt eine säkuläre Wandlung, also weg vom Religiösen,
0:15:36–0:15:37
der kollektiven Psyche.
0:15:37–0:15:42
Also die kollektive Psyche, so was die Menschheit so vor sich hin psycht,
0:15:43–0:15:49
das hat sich gewandelt, wurde säkularisiert, eben weg von diesen Göttern,
0:15:49–0:15:52
in Anführungszeichen, ist hier auch in Anführungszeichen.
0:15:54–0:15:54
Und,
0:15:56–0:16:00
Das ist dann der Punkt in diesem Nebensatz, der wichtig ist,
0:16:01–0:16:04
weil da knüpft dann auf einmal eben dieses UFO-Thema an.
0:16:05–0:16:12
Also vorher gab es diese Götter, diese Archetypen, diese Mythen und er nennt
0:16:12–0:16:14
das mit den UFOs auch einen modernen Mythos.
Florian Clauß
0:16:15–0:16:19
Also es wird quasi dass das mystische
0:16:19–0:16:27
thema wird säkularisiert und verwissenschaftlich durch durch solche ufos.
Micz Flor
0:16:27–0:16:33
Ja und er sagt ja auch am anfang das ist keine anpassung sondern mein ärztliches gewissen.
Florian Clauß
0:16:33–0:16:38
Genau das hat mir auch stütze gemacht dass er als arzt spricht ja ja.
Micz Flor
0:16:38–0:16:42
Es handelt sich bei diesem Autor um jemanden, der uns schon mal begegnet ist,
0:16:42–0:16:47
mit dem ich irgendwie, den jeder namentlich kennt, aber mit dem ich mich nie
0:16:47–0:16:49
wirklich auseinandergesetzt habe und gemerkt habe, das ist jetzt irgendwie dran.
0:16:53–0:16:59
Dann habe ich mir diesen Text rausgenommen, den ich wiederum über eine Empfehlung
0:16:59–0:17:06
von Chris für eine Folge von Weird Studies, wo es auch um UFOs geht und die auch C.G.
0:17:06–0:17:08
Jung, das ist er nämlich, also Karl Gustav Jung.
Florian Clauß
0:17:09–0:17:10
Ach, das ist ja interessant.
Micz Flor
0:17:10–0:17:18
Und dieser Schweizer Arzt, der war bei der Veröffentlichung 1958,
0:17:18–0:17:22
war schon im hohen Alter geboren, 75, 1875,
0:17:22–0:17:26
also der war schon über 80, ist 61 auch gestorben.
0:17:26–0:17:31
Also wenige Jahre vor seinem Tode hat er hier einen Text über UFOs geschrieben,
0:17:31–0:17:38
hat UFOs aber auch schon seit den 40er Jahren irgendwie länger verfolgt.
0:17:38–0:17:41
Also er hat das begleitet, hat ein ganz großes Archiv von Texten gesammelt.
0:17:43–0:17:47
Und ich weiß gar nicht genau, merke ich gerade, wo ich hin will mit dieser Folge,
0:17:47–0:17:50
weil es gibt verschiedene Sachen. Das eine ist ja das Thema per se.
0:17:52–0:18:01
Ein Arzt, analytischer Psychologe und auch Psychoanalytiker beschäftigt sich mit UFOs.
0:18:01–0:18:06
So, da ist man vielleicht interessiert, wie bringt er das alles so zusammen,
0:18:06–0:18:10
dass man irgendwie dann noch einen Wissenschaftsanspruch sehen kann,
0:18:10–0:18:14
weil deine Reaktion fand ich deshalb halt wichtig, wenn man unvorbereitet diese
0:18:14–0:18:15
Texte, weil man nicht weiß, von wem das ist,
0:18:15–0:18:20
dann klingt es jetzt eher sowas wie so ein Regenbogen-Abreiß-Kalender,
0:18:20–0:18:27
wo dann wir so ein bisschen mit Teil-Diabatik versuchen, unser Sonnensystem nachzugestalten.
0:18:28–0:18:32
Aber jetzt haben wir halt irgendwie so eine Koryphäe, einen Namen,
0:18:32–0:18:39
einfach der eher sogar konservativ klingt und der kommt uns da jetzt mit diesem astrologischen,
0:18:41–0:18:45
christlichen Begriffen und
0:18:45–0:18:49
auch schmeißt seinen eigenen Begriff eben des Archetyps da so mit rein.
Florian Clauß
0:18:50–0:18:56
Ja, ich meine, wir können das Phänomen ja auch in anderen Biografien beobachten,
0:18:56–0:19:01
dass je älter berühmte Wissenschaftler oder Wissenschaftlerinnen werden,
0:19:01–0:19:09
dass die dann auch teilweise ins Esoterische abdriften und ganz komische Theorien spinnen.
0:19:09–0:19:11
Ja, also das gibt es ja häufiger.
Micz Flor
0:19:12–0:19:17
Kannst du dich noch ein bisschen erinnern, wie wir damals über Ziggy Jung gesprochen
0:19:17–0:19:17
haben? Welche Folge war das?
Florian Clauß
0:19:17–0:19:22
Ja, das kann ich tatsächlich. Das war eigentlich Podcast 33.
Micz Flor
0:19:23–0:19:25
Quatsch. Echt 33, oh Gott.
Florian Clauß
0:19:25–0:19:30
Ja, eigentlich Podcast 33. Und da haben wir über Ziggy Jung,
0:19:30–0:19:31
über die Archetypen gesprochen.
0:19:31–0:19:36
Und das verglichen mit Erich Fromm und Freud und vor allen Dingen der Einblick übers Träumen.
Micz Flor
0:19:36–0:19:42
Ja, genau. Da ging es auch um Mythen und Träume durch den Blick von Fromm,
0:19:42–0:19:44
die Neopsychoanalyse und eine
0:19:44–0:19:54
eher realitäts- und rational verankerte Blickweise auf was sind Träume,
0:19:54–0:19:57
wie können wir mit Träumen arbeiten, was ist Traumdeutung.
0:19:57–0:20:02
Und der hatte eben dann Freud Jung verglichen mit dem Ansatz,
0:20:03–0:20:06
den er in Anführungszeichen seine Schule auch ein bisschen die Gestalttherapie vertritt.
0:20:07–0:20:10
Und da fand ich interessant, da habe ich nämlich über Jung irgendwie mich gar
0:20:10–0:20:15
nicht getraut, wirklich was Eigenes zu sagen so richtig und habe dann als Zitat
0:20:15–0:20:21
da auch was erwähnt, aber das war fromm, der Jung zitiert und deutet.
Florian Clauß
0:20:21–0:20:22
Ja.
Micz Flor
0:20:22–0:20:29
Und jetzt nehme ich die Zitate selber in den Mund oder baue so ein Puzzle, eine Collage daraus.
0:20:31–0:20:39
Und da war es auch so, dass in den Träumen Fromm Jung so interpretiert und das mit Zitaten belegt,
0:20:39–0:20:50
dass Jung in den Träumen in gewisser Weise kein individuelles Geschehen sieht,
0:20:50–0:20:53
sondern als ob das so ein Portal in einer kollektiven Psyche,
0:20:53–0:20:55
in so einem Hintergrund öffnet,
0:20:56–0:21:03
was wir ja eben auch mit Penrose, mit diesem Mikrotubuli bei der einen KI-Folge,
0:21:03–0:21:05
hatte ich das glaube ich auch nochmal besprochen,
0:21:05–0:21:10
dass es halt ja auch diese Bewusstseinsansicht gibt, dass es palmpsychischerweise
0:21:10–0:21:14
das Bewusstsein ist in der Welt und wir sind jetzt komplex genug,
0:21:15–0:21:17
um damit irgendwie in Kontakt zu treten.
Florian Clauß
0:21:17–0:21:22
Ja, also ich meine mich daran zu erinnern, du hast dann auch in dem Zusammenhang,
0:21:22–0:21:26
aber ich glaube, das waren eher so Kategorien von fromm über das Träumen.
0:21:27–0:21:31
Nämlich, da ging es um, wann das Symbole ging.
0:21:31–0:21:37
Das waren doch die, es gibt allgemeine Symbole im Traum, die dann für,
0:21:38–0:21:43
die dann so allgemeingültig sind, wo dann halt dieses Prinzip der Archetypen von Jung greift.
0:21:43–0:21:46
Und dann gibt es halt individuelle Symbole.
0:21:46–0:21:50
Ja, also das heißt, jemand, der eine bestimmte Erfahrung mit was gemacht hat,
0:21:50–0:21:55
dass die Symbole dann im Traum auftauchen können.
Micz Flor
0:21:55–0:22:01
Ja, aber diese Archetypen, wenn wir das jetzt mal rausgreifen als Fortführung,
0:22:01–0:22:06
da greift nämlich jetzt dann eben dieser eine Satz jung, der, wie du gesagt hast,
0:22:07–0:22:10
wie vielleicht viele zum Ende des Lebens hin auch ein bisschen großzügiger war,
0:22:11–0:22:13
wenn er in den Himmel geguckt hat.
Florian Clauß
0:22:13–0:22:16
Der gleichzeitig... Das ist aber sehr positivistisch.
Micz Flor
0:22:16–0:22:18
Der gleichzeitig auch...
Florian Clauß
0:22:18–0:22:19
Der ein großes Herz hatte.
Micz Flor
0:22:19–0:22:24
Der gleichzeitig einfach auch viel von seinem Denken eben über diese Archetypen
0:22:24–0:22:29
auch seine Theorien formuliert hat und dann gleichzeitig irgendwie auf einmal merkt,
0:22:29–0:22:36
geboren 1975 und zwischen 1875 und dann Anfang 60er Jahre, bald war die erste
0:22:36–0:22:39
Rakete auf dem Mond gelandet.
0:22:39–0:22:42
Also es ist halt so, da viel passiert ist in diesen Jahren und der hinten raus
0:22:42–0:22:45
dann irgendwie auch nochmal sagt, sagt so, ja, diese Säkularisierung,
0:22:46–0:22:47
die jetzt so weltweit irgendwie passiert,
0:22:48–0:22:54
das kann ich mit meinem Archetypendenken, mit meinen mythologischen Sachen irgendwie in Einklang bringen.
0:22:55–0:23:01
Also dieses UFO-Phänomen passiert spät in seinem Leben und in diesem Text habe
0:23:01–0:23:04
ich so das Gefühl, dass er ein bisschen das auch nutzen kann und möchte,
0:23:06–0:23:11
um seine Theorie hinten raus nochmal auf so ein neues Fundament zu stellen und
0:23:11–0:23:14
zu sagen, Ja, und das kommt nachher noch.
0:23:15–0:23:19
Archetypen dürfen sich verändern. Aber jetzt erst mal das letzte Zitat,
0:23:20–0:23:22
bevor wir dann wirklich einsteigen und dann können wir ein bisschen,
0:23:23–0:23:28
Er hat dann eine Fußnote gemacht. Und das ist jetzt in gewisser Weise eine Brücke
0:23:28–0:23:29
zu deiner letzten Folge.
0:23:29–0:23:34
Jetzt habe ich den genauen Ausdruck vergessen, wo es um diese soziologische
0:23:34–0:23:38
Forschung am Einzelnen, in einer einzelnen Biografie, in einem einzelnen Setting ging.
0:23:38–0:23:41
Und von der man dann allerdings rauszoomt und versucht generell...
Florian Clauß
0:23:41–0:23:43
Der sozio-anthropologische Blick.
Micz Flor
0:23:43–0:23:48
Genau. Und das ist jetzt da, wo ich meinte, ach, lustig in der nächsten Folge.
Florian Clauß
0:23:48–0:23:50
Ja, da warst du so ein bisschen wuschig.
Micz Flor
0:23:50–0:23:56
Ja, genau. Und ich habe es jetzt nicht wirklich da nochmal abgeglichen,
0:23:56–0:23:58
aber du wirst vielleicht merken und vielleicht gibt es danach noch eine Folge,
0:23:58–0:24:05
wo ich diese Idee von Wissenschaft,
0:24:06–0:24:11
Empirie, Daten, Experimente, alles mal so ein bisschen angucke.
0:24:11–0:24:15
In der Fußnote in dem Text, also unten kleingedruckt, schreibt er irgendwann
0:24:15–0:24:18
mal so als saloppes Zitat über sich selbst.
0:24:19–0:24:23
Es ist ein geläufiges und durch nichts gerechtfertigtes Missverständnis bei
0:24:23–0:24:28
naturwissenschaftlichen Gebildeten, dass ich die psychischen Hintergründe als
0:24:28–0:24:30
metaphysisch verstehe.
0:24:31–0:24:36
Während umgekehrt mir die Theologen vorwerfen, dass ich die Metaphysik psychologisiere.
0:24:37–0:24:44
Beide treffen daneben. Ich bin ein Empiriker, der sich innerhalb der ihm gesetzten
0:24:44–0:24:45
erkenntnistheoretischen Grenzen hält.
0:24:46–0:24:48
Punkt. So ein kurzes Zitat.
Florian Clauß
0:24:48–0:24:52
Ja, dann wehrt er so ein bisschen seinen Kritikern, oder?
Micz Flor
0:24:53–0:24:59
Ja, also ich finde, man könnte, wenn es ein Schlawiner ist, könnte man sagen Perfide.
0:24:59–0:25:03
Ein schönes Wort, deshalb verwende ich das jetzt. Weil er so ein bisschen sagt,
0:25:03–0:25:06
naja, also die Naturwissenschaftler, die denken, ich sei Metaphysiker.
0:25:06–0:25:09
Mit der Physiker, das heißt, aber die Theologen wiederum denken,
0:25:09–0:25:15
ich sei psychologischer Wissenschaftler und beide haben nicht Recht.
0:25:16–0:25:19
Und das heißt jetzt, wo steht er? Gibt es dazwischen einen Raum?
Florian Clauß
0:25:19–0:25:23
Ja, er macht es empirisch halt auf, aber gleichzeitig als Wissenschaftler kommt
0:25:23–0:25:25
dann wieder die Evidenz rein und sagt Evident.
0:25:26–0:25:32
Also wo ist es denn Evidenz, die Empirie? Oder ist es jetzt eine singuläre Erfahrung?
Micz Flor
0:25:34–0:25:37
Und das finde ich halt eben knüpft dann gewissermaßen an, weil man dann eben
0:25:37–0:25:45
dieses, er ist als Individuum empirisch, also er erfährt und das, was er erfährt.
0:25:46–0:25:52
Er sieht eine komplette Hälfte wissenschaftlichen Arbeitens als metaphysisch.
0:25:52–0:26:00
Die andere Wissenschaft, die Religionswissenschaft, sieht es als materialistisch,
0:26:00–0:26:01
wie man es auch nennen möchte.
0:26:02–0:26:06
Und er sagt, nee, nee, beide haben nicht recht. Und dann ist die Frage, wo steht er jetzt?
0:26:07–0:26:11
Also steht er mit einem Bein hier, mit einem Bein da und keiner kann ihn wirklich
0:26:11–0:26:13
fassen? Oder gibt es dazwischen noch irgendwas?
0:26:13–0:26:17
Oder steht er an einem dritten Ort? Das sagt er ja nicht. Also er sagt so Empiriker,
0:26:17–0:26:22
aber, und das ist eben genau der Punkt, was ich meinte in der Folge,
0:26:22–0:26:26
ist, wenn das Individuum, also hier eben Jung sagt, hey, ich bin Empiriker,
0:26:26–0:26:27
ich habe es mit eigenen Augen gesehen,
0:26:28–0:26:33
das UFO oder was auch immer, dann muss es doch wohl wahr sein,
0:26:33–0:26:35
sonst hätte ich es ja nicht sehen können. Dann muss es ja auch da sein.
0:26:35–0:26:41
Und das ist halt immer das Problem, wenn man dann versucht, also ich kann auch
0:26:41–0:26:43
sagen, Wenn man versucht,
0:26:43–0:26:46
allgemeine Phänomene zu beschreiben, dann sind die vielleicht nicht unbedingt
0:26:46–0:26:50
so komplex und vielleicht sogar gar nicht so spannend.
0:26:51–0:26:55
Und wenn man ganz konkrete, individuelle, idiosynkratische Phänomene beschreibt,
0:26:55–0:26:59
wie jetzt Jung mit den Archetypen oder seinen Theorien, dann ist es vielleicht
0:26:59–0:27:00
nicht so allgemein gültig.
0:27:01–0:27:06
Aber ich finde, dass er da ganz geschickt versucht, sich irgendwie rauszuziehen
0:27:06–0:27:08
und zu sagen, ich darf das.
Florian Clauß
0:27:08–0:27:14
Ich darf das. Aber dann auch die Frage, ich meine, klar, es gibt ja wissenschaftliche
0:27:14–0:27:17
Überprüfbarkeit, je nachdem, in welchem System du dich bewegst.
0:27:17–0:27:20
In der Religionswissenschaft gibt es ja auch die Scholastik,
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die dann auch eben genau in so eine Art pseudowissenschaftliche Überprüfung
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von Thesen dann durchkloppt. Das ist die eine Sache.
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Die andere Sache ist, natürlich in der Wissenschaft hast du halt diesen klassischen
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Apparat von Prüfung, was dann eben wissenschaftliche Thesen anbelangt.
0:27:44–0:27:49
Und wenn er sagt, ich bin Empiriker, dann hat er ja noch immer einen Wahrheitsanspruch irgendwo.
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Es ist die Frage, wo liegt für ihn die Wahrheit, wenn es um diese Beschreibung,
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also du hast ja diesen Kontext jetzt zusammengerückt mit diesen Erscheinungen.
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Also er versucht sich ja dann irgendwie selber so zu befruchten in der Annahme,
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dass das, was er erfahren hat, dann irgendwo auch wahr ist.
Micz Flor
0:28:10–0:28:14
Ja, und das ist, wie gesagt, vielleicht wirklich eine eigene Folge,
0:28:14–0:28:21
die jetzt nicht heavy wird oder sowas, weil ich einfach auch das Thema total spannend finde,
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jetzt aber nicht Gegenstand meiner Arbeit ist, sodass ich ja wirklich viel darüber sagen kann.
0:28:25–0:28:29
Aber ich finde, wenn wir uns daran aufhängen und dann eben auch da in der letzten
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Folge da nochmal mit reinnehmen und einfach nochmal gucken, was ist eigentlich
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das Konzept von Wissenschaft,
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was ist das heißt Wissen, was sind Daten, was ist Empirie, was sind Experimente
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und warum macht man die und warum machen manche die nicht und warum ist gerade
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in der Psychologie da so ein Riesenkonflikt, weil in der Psychologie ist es wirklich zweigeteilt.
0:28:50–0:28:51
Bitte sehr,
0:28:55–0:29:00
so das war unser kapitel chapter markt dankeschön aber.
Florian Clauß
0:29:00–0:29:02
Das war jetzt nur die hinleitung zu dem thema ja.
Micz Flor
0:29:02–0:29:03
Wer aber wir sind das.
Florian Clauß
0:29:03–0:29:09
Beginnt jetzt noch so ein jetzt gehen wir ganz kurz mal mit den worten weil
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wir sind jetzt hier das aber ich bin super wir laufen jetzt gerade über die avos und ist.
Micz Flor
0:29:17–0:29:18
Das schon heißt es hier schon.
Florian Clauß
0:29:18–0:29:23
Das ist da sind die ja gut du stellst natürlich die frage aber es ist hier die
0:29:23–0:29:25
avos dahin muss die tribüne diese.
Micz Flor
0:29:25–0:29:31
Straße von mir sagt manche sagen ich sei die avos die andere sagen ich sei nur eine stadt autobahn.
Florian Clauß
0:29:31–0:29:38
Leider sie liegen hier raus ist die avos und da ist auch irgendwo der.
Micz Flor
0:29:41–0:29:43
Der Bierpinsel, oder was?
Florian Clauß
0:29:43–0:29:45
Der Bierpinsel ist doch ein Stehplatz.
Micz Flor
0:29:45–0:29:52
Ja, eben. Aber wenn man von hier runterfährt...
Florian Clauß
0:29:52–0:29:53
Aber ich bin aufgeregt, als ob es die Arme wäre.
Micz Flor
0:29:54–0:29:57
Wenn man hier die Kurve nimmt, dann kommen doch irgendwann diese drei Häuser,
0:29:57–0:30:02
die auch bei der Himmel über Berlin, wo diese Kamera vorbeifährt,
0:30:03–0:30:04
als Establishing-Shot für Berlin.
Florian Clauß
0:30:05–0:30:09
Du meinst das Elektrizitätswerk?
Micz Flor
0:30:09–0:30:14
Nee, nee, das sind einfach so ganz normale Brandmauern, weißt du,
0:30:14–0:30:15
so Nachkriegsbrandmauern.
Florian Clauß
0:30:15–0:30:17
Okay, müssen wir mal raussuchen.
Micz Flor
0:30:17–0:30:21
Ja, können wir gerne machen, aber man sieht es eh nicht.
0:30:23–0:30:25
Was wir alles nicht gesehen haben, könnt ihr hier sehen.
0:30:27–0:30:30
Ich rase jetzt mal durch ein paar Sachen, weil ich möchte das nochmal ein bisschen verorten.
0:30:30–0:30:33
Im Leben von Jung haben wir das jetzt verortet, das ist so zum Ende seines,
0:30:33–0:30:38
drei Jahre vor seinem Tod. und er hat mit den UFOs irgendwie sich viel auseinandergesetzt
0:30:38–0:30:43
und sein Archetypenmodell da irgendwie mit verbunden. Da gucken wir gleich nochmal drauf.
Florian Clauß
0:30:43–0:30:48
Darf ich nochmal eine Anmerkung machen? Ich habe das jetzt wirklich so unter,
0:30:48–0:30:52
ich weiß nicht, ganz lange mal her vielleicht irgendeine Studie davon gehört.
0:30:53–0:30:58
Es gibt ja so eine vermehrte Wahrnehmung von UFOs ab einer gewissen Zeit,
0:30:59–0:31:03
was dann aber auch mit einem militärgeschichtlichen Zusammenhang steht.
0:31:03–0:31:06
Hast du dazu informationen.
Micz Flor
0:31:06–0:31:07
Das ist.
Florian Clauß
0:31:07–0:31:13
Das dann quasi ufos vermehrten wahrgenommen wurden als dann quasi so dieses
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ganze diese diese angst vor dem atomschlag größer wurde da das gibt es dazu
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noch kommst du darauf zu sprechen.
Micz Flor
0:31:21–0:31:25
Also da weiß jung mehr als du dich zusammen wahrscheinlich weil das richtig
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recherchiert hat deshalb lese ich jetzt einfach wirklich das nächste zitat vor
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Der Auftakt zu den UFOs bildeten die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges
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gemachten Beobachtungen geheimnisvoller Geschosse über Schweden,
0:31:37–0:31:41
deren Erfindung man den Russen zuschob, und die Berichte über Foo Fighters,
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welche der alliierten Bomber über Deutschland begleiteten. Also Fou,
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Feu, das französische für Feuer.
0:31:49–0:31:53
Darauf folgten dann die abenteuerlichen Beobachtungen von Flying Saucers in den USA.
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Die Unmöglichkeit, eine irdische Basis für die UFOs zu finden und ihre physikalischen
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Eigenschaften zu erklären, führte dann bald zur Vermutung eines extraterrestrischen Ursprungs.
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Das ist jetzt so, wie er das zusammenfasst als ersten Schnitt.
0:32:09–0:32:13
Und gleichzeitig, das habe ich hier nicht mehr drin als Zitat oder sowas,
0:32:13–0:32:16
Aber am Ende gibt es einen Abschnitt in diesem Buch, wo er wirklich dann mal
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zurückguckt in der Zeit und Erscheinungen, Empiriker, es erscheint,
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also Erscheinungen, die man heute vielleicht Ufos nennen würde,
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die damals allerdings gesehen wurden, natürlich nicht als Identified Flying Object,
0:32:33–0:32:38
sondern einfach als Scheiben im Himmel und sowas.
0:32:38–0:32:41
Da gibt es auch Holzschnitte aus dem Mittelalter.
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Aus der Schweiz hat er, glaube ich, zwei Sachen länger auch ausgeführt,
0:32:45–0:32:51
wo jemand berichtet, wie man solche fliegenden Scheiben gesehen hat und im Himmel
0:32:51–0:32:54
so Scheiben sieht und nicht wusste, was das sein könnte.
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Und dem Beobachter wurde dann, glaube ich, kurz elend und so.
0:32:56–0:32:59
Vielleicht war es nur ein Kater, auf jeden Fall hat er sie gesehen,
0:32:59–0:33:02
hat dann auch einen Holzschnitt gemacht, wo diese Bilder drin sind.
0:33:02–0:33:03
Das ist auch im Buch drin.
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Das heißt, Jünger argumentiert.
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Jünger, das bringst du mich jetzt auf diese Fährte, aber Jünger argumentiert
0:33:13–0:33:15
auch mit diesen alten Bildern, mit dem,
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was ich eben mit der Zirkularisierung dieser Archetypen gesagt habe und dieser
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Einleitung argumentiert er in einer Richtung zu sagen, Diese Archetypen können als Projektion,
0:33:28–0:33:33
also als Illusion gewisserweise,
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er nennt sie auch nicht Halluzination,
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sondern er vermeidet ein Wort, ich glaube er vermeidet Halluzination,
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weil es pathologisch klingt, er nennt sie Vision.
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Und er sagt in diesem Abschluss hinten,
0:33:54–0:34:00
diese Flying Discs oder so, die gab es schon durch die Jahrhunderte immer wieder
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mal und wir nennen sie jetzt und da schließt dann wahrscheinlich diese kurze.
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Einleitung, wo kommt es eigentlich her an. Wir nennen sie jetzt nur anders und
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wir aufgrund der eigenen technischen Entwicklung,
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der kulturell technischen Entwicklung, denken wir jetzt an Ufos,
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extraterrestrisches Leben, sowas, aber in Wahrheit ist es auch nichts anders
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wie das, was man im Mittelalter mal am Himmel gesehen hat und,
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was man aber damals anders,
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erklärt hat oder nicht mehr in unserer Notwendigkeit gut zu erklären einpasst,
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indem man sagt, ich habe auch so ein Ufo gesehen.
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Das entlastet ja auch, wenn man keine Angst haben muss, was das war.
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Wir kommen jetzt hier schon langsam ...
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Weg von der Stadt.
Florian Clauß
0:34:43–0:34:48
Ja, wir sind hier am Hainsee. Ist lange her, dass ich hier war.
Micz Flor
0:34:48–0:34:49
Ich war noch nie hier.
Florian Clauß
0:34:49–0:34:55
Das letzte Mal tatsächlich mit Chris habe ich hier eine Fahrradtour gemacht. In den 90ern. Wow.
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Ich glaube, wir sind auch hier ab Baden gewesen.
Micz Flor
0:34:59–0:35:03
Ja, das war nach 89. Da war alles gut. Da hat keiner UFOs gesehen. Alles Peace.
Florian Clauß
0:35:03–0:35:09
Aber darf ich noch mal eine These zu dieser, weil das auch so ein bisschen da hakt,
0:35:10–0:35:15
in der was wir hatten, das ist jetzt so ein Eon, also ein Zeitalter zu Ende
0:35:15–0:35:19
ging, ja, und wenn man sich jetzt vorstellt,
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dass aufgrund von irgendwas, aufgrund von äußeren Umständen, das heißt,
0:35:26–0:35:32
weil sich eben die Militarisierung des Luftraumes so entwickelt hat seit den
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40ern, seit dem Zweiten Weltkrieg, ja, und seit der Angst eben vor der Atombombe,
0:35:37–0:35:39
gucken immer mehr Leute hoch.
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Und das Hochgucken ist ja schon an sich nicht ein gutes, also es ist ja von
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der menschlichen Physiognomie, es ist ja nicht sehr gesund.
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Und dann klemmst dir irgendwas ab.
0:35:50–0:35:53
Dann hast du halt irgendwie so im Auge so ein Perplex.
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Und dann sind vielleicht Leute mehr hoch und vielleicht ist es immer am Ende
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von so einem Zeitalter, da gucken Leute mehr in den Himmel.
0:36:00–0:36:03
Vielleicht war das dann im Mittelalter dann sowas wie der Himmel fällt uns auf
0:36:03–0:36:06
den Kopf, was wir von Asterix kennen.
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Ja, deswegen haben wir hochgeguckt, haben mehr dann diese Phänomene auf einmal
0:36:09–0:36:15
wahrgenommen, die dann aber jetzt, also nicht die Phänomene nicht wirklich da
0:36:15–0:36:18
sind, sondern sich dann eher so durch diese,
0:36:19–0:36:23
Quantifizierung, also im Sinne von, dass mehr das gemacht haben, gehäuft haben.
Micz Flor
0:36:24–0:36:28
Also da würde, wenn jetzt Jung und du auf dem Panel sitzen im Haus der Kultur
0:36:28–0:36:31
in der Welt und darüber sprechen, dann würde Jung sagen, genau so ist es.
0:36:31–0:36:34
Das ist in der Tat eine seiner Hypothesen.
Florian Clauß
0:36:34–0:36:36
Ja, ich wusste es.
Micz Flor
0:36:36–0:36:43
Und hat davor, hat er aber eben noch eine für ihn wichtige Theorie dazwischen
0:36:43–0:36:47
geschaltet, um auch diese anfängliche Skepsis vielleicht so ein bisschen zu
0:36:47–0:36:49
moderieren jetzt von dir,
0:36:49–0:36:52
also was will der mit UFOs, was soll das denn?
0:36:52–0:36:57
Er sieht nicht extraterrestrisches Leben, was auf der Erde landet in der Form,
0:36:57–0:37:02
sondern er sieht darin eben eine Vision,
0:37:03–0:37:08
die er nicht Halluzination Halluzination, Halluzination würde ja wirklich definitiv
0:37:08–0:37:13
pathologisch sein, da sehe ich was, was da gar nicht ist, sondern wenn das alle
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sehen, muss es ja da sein, wenn es alle auf der Welt gleichzeitig,
0:37:16–0:37:20
es gibt ja gruppenmäßig auch solche Visionen, also da spricht er auch mehr drüber
0:37:20–0:37:26
und kommt dann zu diesem Schluss mit dem am Himmel sehen in folgendem Zitat,
0:37:26–0:37:29
aber ich muss dann immer zurück, aber vielleicht mache ich nochmal ein anderes
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Zitat später über die Herleitung der Aber jetzt erst mal das,
0:37:34–0:37:37
weil du es gerade gesagt hast. Also diese...
0:37:38–0:37:48
Also dass man eigene innere, auch unbewusste innere Thematiken selber nicht
0:37:48–0:37:50
bewusst werden lassen kann.
0:37:50–0:37:53
Die sind einfach zu schrecklich, zu fürchterlich. Und deshalb projiziert man
0:37:53–0:37:55
die in andere hinein, mal ganz verkürzt gesagt.
0:37:55–0:37:59
Also meine eigene Aggression ist mir so unheimlich. Ich habe immer Angst,
0:37:59–0:38:03
dass ich, wenn ich explodiere, die ganze Welt zerschlagen könnte.
0:38:04–0:38:08
Aber nicht von ungefähr sehe ich immer wieder aggressive Menschen, die auf mich zukommen.
0:38:08–0:38:15
Also das heißt, man projiziert eigene, unbewusste oder nicht verarbeitbare,
0:38:15–0:38:17
nicht aushaltbare Anteile in andere hinein.
Florian Clauß
0:38:17–0:38:21
Oder jetzt auch ganz so Sachen, mit denen man sich beschäftigt,
0:38:21–0:38:28
dass zum Beispiel als Schwangere oder als Mann, der eine Schwangere begleitet,
0:38:28–0:38:31
siehst du über Kinder wegen. Ja. Also sowas halt.
0:38:32–0:38:35
Weil vorher fällt es dir nicht auf, aber dann gibt es diese selektive Wahrnehmung,
0:38:35–0:38:40
die auf einmal geschärft ist, weil du selber davon betroffen bist.
Micz Flor
0:38:41–0:38:44
Ja, und diese selektive Wahrnehmung ist aber gerade nicht das,
0:38:44–0:38:47
was hier gemeint wird, weil es eben das Unbewusste ist. das Bewusste.
0:38:47–0:38:51
Wenn du sagst, ey, lustig, seit du schwanger bist, dich über Kinderwägen. Das ist...
Florian Clauß
0:38:52–0:38:56
Das ist zu trivial. Es ist zu wenig Metaphysik drin.
Micz Flor
0:38:57–0:39:00
Das ist... Der Kinderwagen ist ja auch real da.
0:39:03–0:39:07
Hier wäre... Mir fällt jetzt mit Kinderwägen und so kein gutes Beispiel ein,
0:39:07–0:39:12
aber es geht hier darum, dass eine Projektion... Ich lese es mal einfach vor.
0:39:12–0:39:13
Eine Projektion beim Individuum.
0:39:14–0:39:17
Jungen sagt, beim Individuum kommen derartige erscheinungen wie
0:39:17–0:39:21
abnorme überzeugung vision illusion usw ebenfalls nur
0:39:21–0:39:25
dann vor wenn es psychisch dissoziiert ist das
0:39:25–0:39:30
heißt wenn eine spaltung zwischen der bewusstseins einstellung und den dazu
0:39:30–0:39:37
entgegengesetzten inhalten des unbewussten eingetreten ist das heißt also das
0:39:37–0:39:42
unbewusste eine beispiel der aggression ist es abgespalten Das heißt,
0:39:42–0:39:44
du nimmst deine eigenen aggressiven Potenziale gar nicht da,
0:39:44–0:39:47
sondern du bist vielleicht,
0:39:47–0:39:52
was oft auch passieren kann, werden diese ganzen Wutimpulse und aggressiven
0:39:52–0:39:57
Impulse abgewehrt und du fällst in eine Depression, um die Füße stillzuhalten.
0:39:57–0:40:02
Aber die sind da und die werden dann aus dir heraus projiziert und du siehst sie in anderen.
0:40:04–0:40:10
Das heißt, wenn die Spaltung zwischen den Inhalten des Unbewussten eingetreten
0:40:10–0:40:14
ist, weil das Bewusstsein um eben diese Inhalte nicht weiß und deshalb mit einer
0:40:14–0:40:17
anscheinend ausweglosen Situation konfrontiert ist,
0:40:17–0:40:21
so können die fremdartigen Inhalte nicht direkt und bewusst integriert werden,
0:40:22–0:40:26
sondern suchen sich indirekt auszudrücken, indem sie unerwartete und zunächst
0:40:26–0:40:30
unerklärliche Meinungen, Überzeugungen, Illusionen und Visionen erzeugen.
Florian Clauß
0:40:30–0:40:39
Okay, also es gibt ein Spannungsgefälle. Eine Dissonanz, die erstmal in der
0:40:39–0:40:44
Abweichung wichtig ist, damit sich da überhaupt ein Austausch ergeben hat.
Micz Flor
0:40:44–0:40:49
Ja, oder um dann Lacan ranzuziehen, den wir ja bei Stanislav Lem schon mal bemüht
0:40:49–0:40:51
haben. Das Subjekt ist geteilt.
0:40:52–0:40:58
Also nicht das kantianische Bild vom rationalen Selbst,
0:40:58–0:41:02
das halt irgendwie selbstethische Normen aufstellen kann, die immer allgemein
0:41:02–0:41:05
gültig sein kann, sondern Lacan sagt, wir wissen seit Freud,
0:41:05–0:41:10
und das war eben Freuds Ruf, dass es dieses Unbewusste, dieses Drängende gibt,
0:41:10–0:41:13
was im Endeffekt dazu führt, wir sind geteilt.
0:41:15–0:41:23
Zizek nennt das in der Regel immer bei Filmkritik, also das ist immer dieses, beides ist wahr.
0:41:24–0:41:29
Und bei Lacan ist es auch so, dass dein Gegenüber ist gleichzeitig immer jemand,
0:41:30–0:41:35
der oder die oder ein Mensch, der dir einerseits ähnlich ist,
0:41:35–0:41:39
wenn du ihn anschaust, siehst du auch dich und der aber gleichzeitig immer auch
0:41:39–0:41:40
in Konkurrenz mit dir tritt.
0:41:40–0:41:43
Ja, diesen Ort, den dieser Mensch hat, da wo du bist, kann ich nicht sein.
0:41:44–0:41:49
Das ist auch so ein ewiger Konflikt. Und das Geteilte selbst ist halt so, dass beides immer...
0:41:50–0:41:55
Beides ist immer wahr. In der Comedy würde man auch irgendwie Jim Carrey sehen,
0:41:55–0:41:57
der sagt, ja, natürlich helfe ich dir.
0:41:58–0:42:01
Und wenn die Person sich umdrückt, dann hat sie eine Faust und macht so ein Gesicht.
0:42:01–0:42:04
Beides ist wahr. Du bist altruistisch und lieb und gut.
0:42:05–0:42:08
Und es gibt aber auch immer diese beiden Sachen, das geteilte Selbst.
Florian Clauß
0:42:08–0:42:11
Also quasi so eine Dialektik dann auch in der.
Micz Flor
0:42:12–0:42:18
Ja, eine Dialektik. Das wäre dann vielleicht eine Form, wie man Psychoanalyse beschreiben könnte.
0:42:18–0:42:24
Und den Versuch, das Unbewusste, was ja nicht gewusst ist, das ist ja per Definition nicht bewusst,
0:42:25–0:42:29
insoweit irgendwie spürbar zu machen, vielleicht über Emotionen,
0:42:29–0:42:35
vielleicht über Assoziationen, dass man beginnen kann, das in eine Form von
0:42:35–0:42:37
Dialog mit sich selbst bringen zu können.
0:42:38–0:42:43
Also lang verschüttete, vergessene, verdrängte Triebe, Impulse,
0:42:43–0:42:47
Träume, Introjekte, Sätze der Eltern, Gewalt.
Florian Clauß
0:42:47–0:42:51
Also du meinst Dialog, das ist dann halt auch auf einer Ausdrucksebene erscheint.
0:42:51–0:42:53
Sonst ist es ja quasi verborgen.
Micz Flor
0:42:54–0:42:59
Also die Idee von Freud war zu sagen, was unbewusst ist, muss bewusst gemacht werden.
Florian Clauß
0:42:59–0:42:59
Genau.
Micz Flor
0:43:02–0:43:08
Aber solange es unbewusst ist, kann es im besten Fall erraten oder erahnt werden,
0:43:09–0:43:14
aber kann deshalb trotzdem noch nicht wirklich erfahren und in Dialog treten.
0:43:14–0:43:16
Das ist dann der Prozess.
Florian Clauß
0:43:16–0:43:23
Und dann eben in dieser Bewusstwerdung, dann auch wieder, dann können ja die
0:43:23–0:43:27
schrecklichsten Vorkommnisse, können ja dann bearbeitet werden.
0:43:27–0:43:32
Also das ist, glaube ich, so dieser ärztliche Ansatz von Freud.
Micz Flor
0:43:32–0:43:37
Ja, aber wir müssen jetzt wieder zurück zu dem, weil das alles,
0:43:37–0:43:41
was du gefragt hast, ist bezogen eben auf das Klassische.
0:43:45–0:43:48
Individuum, das Innere, was da so vor sich geht. Aber wir wollen jetzt mal,
0:43:51–0:43:56
gucken, wo ich da bin im Zitat. Wir wollen jetzt ja über das Archetyp mal, dieses Große sprechen.
0:43:57–0:44:01
Ich bin jetzt einfach mal hier. Es werden ungewöhnliche Naturereignisse wie
0:44:01–0:44:05
Meteore, Kometen, Blutregen, ein Kalb mit zwei Köpfen oder sonstige Missgeburten
0:44:05–0:44:10
im Sinne drohender Ereignisse gedeutet oder es werden Zeichen am Himmel gesehen.
0:44:11–0:44:14
Das ist halt das, was er sagt. Und er sagt halt in dem Moment,
0:44:14–0:44:19
wenn kollektiv die Anspannung sehr groß ist, und da gibt es ein Zitat,
0:44:19–0:44:21
was ich nur paraphrasieren kann, das habe ich nicht rausgenommen,
0:44:22–0:44:24
aber es spricht auch explizit eben um diese Zeit.
0:44:24–0:44:31
Er spricht auch hier von A War of the Worlds, von dem Radioplay, wo war auch eine Panik.
Florian Clauß
0:44:31–0:44:31
Außenwelt.
Micz Flor
0:44:33–0:44:37
Das lief im Radio und das war gemacht in einer sehr innovativen Form,
0:44:37–0:44:40
so als ob das eine News-Dokumentation war.
Florian Clauß
0:44:40–0:44:45
Ja genau, so eine News- Nachrichten-Live-Berichterstattung.
Micz Flor
0:44:45–0:44:48
Leichte Jazzmusik. Wir unterbrechen diese Sendung für eine wichtige Durchsage.
0:44:48–0:44:52
Und dieser Formatspring, also die fünfte Wand im Radio gesprengt.
Florian Clauß
0:44:53–0:44:57
Das war ein genialer Kniff, um das Wort zu wiederholen.
Micz Flor
0:44:58–0:45:04
Und da ist es so, dass er das auch zitiert und halt irgendwie sagt,
0:45:04–0:45:08
dass es eine Bereitschaft gibt auf einer kollektiven Ebene.
0:45:08–0:45:12
Und auch, was du schon gesagt hast, das sagt er auch, Wir gucken nach oben,
0:45:12–0:45:18
die Foo Fighters, die Raketen, der Zweite Weltkrieg, atomare Bedrohung,
0:45:18–0:45:22
die Atombombe, der ganze Godzilla-Mutus und sowas.
0:45:22–0:45:25
Also da ist ja so viel entstanden und du hast recht, es kommt alles von oben.
0:45:25–0:45:27
Und er sagt, Zeichen am Himmel.
0:45:28–0:45:34
Und dann ist es nicht von ungefähr, dass mit dieser großen Angst etwas sehen zu können,
0:45:35–0:45:39
vielleicht sogar jemand, um jetzt bei so einem Game-of-Thrones-Bild wieder zu
0:45:39–0:45:44
bleiben, Also jemand, der bei der Wache nachts dann halb einschläft und dann
0:45:44–0:45:46
nicht mehr weiß, hat sich da was bewegt oder nicht.
0:45:46–0:45:51
Auf einmal ist da so eine, habe ich das geträumt? Aber es wäre naheliegend,
0:45:51–0:45:54
das zu träumen, weil die Bedrohung einfach den Alltag so durchdringt.
0:45:54–0:45:57
Und da sagt er genau wie du, man sieht dann diese Zeichen am Himmel.
0:45:58–0:46:02
Und das sind dann eben in unserer Zeit die UFOs.
Florian Clauß
0:46:04–0:46:10
Ja, okay. Das macht dann wieder mehr Sinn. Es wird dann wieder wissenschaftlicher.
0:46:10–0:46:14
Und es ist jetzt nicht nur eine Prophezeiung.
Micz Flor
0:46:15–0:46:20
Hier noch ein Zitat, um das nochmal abzugrenzen. Persönliche Verdrängungen und
0:46:20–0:46:24
Unbewusstheiten offenbaren sich an der nächsten Umgebung, dem Verwandten- und
0:46:24–0:46:26
Bekanntenkreis, dem Psychotherapeut oder sowas.
0:46:27–0:46:31
Kollektive Inhalte dagegen, wie zum Beispiel religiöse, weltanschauliche und
0:46:31–0:46:36
politisch-soziale Konflikte, erwählen sich entsprechende Projektionsträger.
0:46:37–0:46:39
Jetzt fängt er ganz hinten in der Geschichte an sozusagen.
0:46:41–0:46:44
Projektionsträger wie die Freimarer, Jesuiten, Juden, Kapitalisten,
0:46:44–0:46:46
Bolschewisten, Imperialisten und so weiter.
0:46:46–0:46:52
Also die sind dann verantwortlich. Also die Angst wird projiziert auf diese Gruppe. So.
0:46:54–0:46:59
In der Bedrohlichkeit der heurigen Weltsituation, wo man einzusehen anfängt,
0:46:59–0:47:04
dass es ums Ganze gehen könnte, greift die projektionsschaffende Fantasie über
0:47:04–0:47:09
den Bereich irdischer Organisationen und Mächte hinaus in den Himmel.
0:47:09–0:47:14
Das heißt in den kosmischen Raum der Gestirne, wo einstmals die Schicksalsherrscher,
0:47:14–0:47:16
die Götter in dem Planeten ihren Sitz hatten.
0:47:17–0:47:21
Das ist jetzt auch spannend, ist er jetzt religiös und sagt das so oder ist
0:47:21–0:47:25
es natürlich für ihn dann in unserer Kulturgeschichte war das der Ort der Götter?
0:47:26–0:47:29
Und jetzt ist eben genau, was du auch gesagt hast, manche hättet da auf dem
0:47:29–0:47:32
Panel wahrscheinlich beide genickt, wenn er das so sagt,
0:47:32–0:47:38
ja, ich kann jetzt nicht mehr die Nachbarn verantwortlich machen für heutzutage
0:47:38–0:47:44
Klimaerwärmung, für atomare Bedrohungen oder so, Das ist etwas,
0:47:44–0:47:53
wo es ums Ganze geht und was dann eben auch eine Bedrohung projiziert, die von außen kommt.
0:47:54–0:47:58
Das sind dann eben diese globalen Berichte von UFOs.
Florian Clauß
0:48:01–0:48:06
Ja, also sind wir da wieder so quasi übertragen gesprochen bei den Archetypen,
0:48:06–0:48:08
was dann auch eine globale Schablone ist.
Micz Flor
0:48:09–0:48:15
Ja, und die Archetypen, da habe ich auch ein paar Zitate dazu.
0:48:15–0:48:20
Wieder eine Fußnote als Zitat. Ich muss hier den Leser bitten,
0:48:20–0:48:26
dem landläufigen Missverständnis, dass diese Archetypen metaphysisch seien, nicht Raum zu geben.
0:48:27–0:48:34
Also es geht hier nicht um Metaphysik und das wiederum ganz so leicht kann man
0:48:34–0:48:38
ihn da nicht mit der Fußnote entkommen lassen, weil es gibt schon auch wohl,
0:48:38–0:48:42
aber da habe ich jetzt keine Zitate dazu, das habe ich dann nur auf Sekundär.
0:48:42–0:48:47
Er sagt halt hier diese Hintergründe sind nicht metaphysisch so.
0:48:48–0:48:51
Diese Auffassung ist eine grobe Fahrlässigkeit, die
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sich auch akademischen Geister dazu schulde kommen lassen es handelt sich vielmehr
0:48:55–0:49:00
um instinkte die nicht nur das äußerliche verhalten sondern auch die psychische
0:49:00–0:49:04
struktur beeinflussen die psyche ist keine willkürliche fantasie sondern eine
0:49:04–0:49:09
biologische tatsache welche den lebensgesetzen unterworfen ist da.
Florian Clauß
0:49:09–0:49:17
Ist der floh und kurz vor dem café floh sehr.
Micz Flor
0:49:17–0:49:17
Schön hier.
Florian Clauß
0:49:17–0:49:22
Ja ich war auch tatsächlich bin immer nur dran vorbei gefahren aber ich bin hier nie ausgestiegen.
Micz Flor
0:49:26–0:49:30
Jetzt springen wir mal kurz wieder zurück in diese Archetypen-Sache,
0:49:30–0:49:36
da habe ich noch ein paar Sachen und zwar ist in diesem Text selbst auch noch mal ein Zitat,
0:49:36–0:49:44
in dem er auch noch mal anknüpft an diese Beobachtung, dass diese UFOs jetzt
0:49:44–0:49:47
als dass technische außerirdische Wesen irgendwie gesehen werden,
0:49:48–0:49:57
die scheinbar über so abgefahrene Technik verfügen, dass sie wie so ein Kolibri
0:49:57–0:49:59
hin und her fliegen können, was so massenmäßig gar nicht möglich ist.
0:50:00–0:50:03
Motiv wäre es, was ja bei The Expanse mit dem Protomolekül auch nochmal aufkommt,
0:50:03–0:50:10
als Eros dann halt seine Flugbahn ändert in einer Art, die man irgendwie energetisch
0:50:10–0:50:15
in unserem oder in dem zukünftigen Raum gar nicht irgendwie erklären könnte.
0:50:21–0:50:25
Das heißt, diese Wahrnehmungen werden technisch interpretiert oder als solche
0:50:25–0:50:28
wahrgenommen und er sagt dann hier, die Stimme hat sich jetzt bei mir ein bisschen
0:50:28–0:50:30
verändert, weil wir gerade hier durch eine Unterführung laufen.
0:50:31–0:50:35
Es liegt hier wohl ein Beispiel von Modifikation älterer Traditionen durch neuere
0:50:35–0:50:37
Erkenntniszuwachs vor.
0:50:37–0:50:44
Also eine Beeinflussung urtümlicher Verbildlichungen durch rezente Erwerbung
0:50:44–0:50:49
des Bewusstseins, wie die in modernen Zeiten häufigen Ersetzung der Tiere und
0:50:49–0:50:52
Monster durch Automobile und Flugzeuge in Träumen.
0:50:52–0:50:57
Also Traumleitung, Jung, also er hat dann, an den Archetypen hält er fest.
0:50:57–0:51:01
Und es gibt dann aber jetzt hier angedeutet schon so eine Art Übersetzung,
0:51:01–0:51:06
wo wir auch wieder beim Register sind. Man sagt, okay, dieses Tier ist eigentlich
0:51:06–0:51:08
ein Löwe, eigentlich Podcast.
0:51:08–0:51:14
Also wir werden die Archetypen nochmal übersetzen in neuere Einzelhandel.
Florian Clauß
0:51:14–0:51:18
Gibt es da einen Übersetzungsprozess, wo das dann auch quasi passieren kann?
Micz Flor
0:51:19–0:51:23
Ja, er muss ja, denke ich, also er ist ja in einer Zeit mit seinen Theorien
0:51:23–0:51:30
auch groß geworden. meine ich jetzt nicht als Kind, sondern eben auch als Wissenschaftler,
0:51:30–0:51:33
in der gleichzeitig diese Archetypen immer mehr verschwanden.
0:51:33–0:51:38
Wenn man von einem Kelch spricht oder eine Rose oder eine Vase oder so,
0:51:38–0:51:40
das sind natürlich Alltagsgegenstände, die es immer noch irgendwie gibt.
0:51:41–0:51:44
Aber er bezieht sich hier drauf, dass es ihm scheinbar öfter,
0:51:46–0:51:51
träumen, dann von Autos geträumt werden, wo der Inhalt des Traums für ihn eigentlich,
0:51:52–0:51:57
deutlich macht, dass es hier viel eher um eine Spinne geht oder um Löwen oder sowas.
0:51:58–0:52:02
Also das hat er ja am Anfang auch schon gesagt, dass diese Ufos säkularisierte,
0:52:03–0:52:05
Versionen der Götter sind Zeichen am Himmel.
0:52:05–0:52:08
Das ist denke ich die Kernthese bei ihm.
Florian Clauß
0:52:08–0:52:09
Ganz kurz.
Micz Flor
0:52:09–0:52:10
Ja.
Florian Clauß
0:52:10–0:52:14
Wir sind jetzt unter dem S-Bahnhof Grunewald durchgelaufen.
Micz Flor
0:52:14–0:52:14
Und.
Florian Clauß
0:52:14–0:52:22
Jetzt kommen wir tatsächlich unter die abos das ist die arbeit also streifen doch die aros.
Micz Flor
0:52:22–0:52:30
Rechts ist sarajevo das restaurant links ist scheune die landkneipe nicht schon
0:52:30–0:52:37
in das bier was ist scheune das ist die landkneipe als scheune und jetzt gehen
0:52:37–0:52:39
wir noch mal durch da unten durch unter.
Florian Clauß
0:52:39–0:52:40
Der aus durch.
Micz Flor
0:52:40–0:52:44
Unter der Arbus. Und ich werde da einfach drüber sprechen.
0:52:48–0:52:53
Nochmal zu seinem Empiriebegriff. Also wo wir schon vorhin gesagt haben,
0:52:53–0:53:00
er scheint sich da so ein bisschen als sehr genaues Messinstrument darzustellen. Und.
0:53:03–0:53:09
Ist ja auch offen für Dinge, die wie real wahrgenommen werden,
0:53:09–0:53:11
obwohl sie vielleicht Projektionen sind.
0:53:12–0:53:20
Visionen sind und ich finde diesen Teil jetzt aber nochmal ganz schön,
0:53:20–0:53:22
weil es wieder sowas ist, wo ich denke,
0:53:25–0:53:29
besser als die anderen, weil da steht folgendes, abgesehen von Kollektivvisionen,
0:53:29–0:53:34
das sind eben diese, wo man Archetypen auf einmal projiziert, also das Archetypus,
0:53:34–0:53:41
kollektiv Unbewusste auf gesellschaftlicher Ebene generiert die UFO-Sichtungen.
0:53:42–0:53:46
Es gibt aber auch solche Fälle, wo eine bis mehrere Personen etwas sehen,
0:53:46–0:53:48
das physisch nicht vorhanden ist.
0:53:48–0:53:52
So war ich einmal bei einer spiritistischen Sitzung zugegen,
0:53:52–0:54:00
wo von den anwesenden fünf Beobachtern vier einen kleinen mondartigen Körper
0:54:00–0:54:07
über dem Abdomen des Mediums schweben sahen und mir als dem fünften, der nichts sah,
0:54:07–0:54:10
genau die Stelle bezeichneten, wo er zu sehen war.
0:54:12–0:54:16
Es war ihnen schlicht und unbegreiflich, dass ich nichts dergleichen sehen konnte.
0:54:19–0:54:26
Und gleichzeitig sagte dann 36 Seiten später, es gibt parapsychologische Erfahrungen,
0:54:26–0:54:29
die heutzutage nicht mehr unter den Tisch gewischt werden können,
0:54:30–0:54:35
sondern bei der Beurteilung psychischer Vorgänge mit berücksichtigt werden müssen.
0:54:36–0:54:39
Also die Parapsychologie öffnet er dann hier die Tür.
0:54:39–0:54:43
Das ist dann eben der Bereich, in dem auch versucht wird,
0:54:43–0:54:52
experimentelle Formen zu finden, um Phänomene, metaphysische Phänomene,
0:54:52–0:54:57
eben parapsychologische Phänomene wiederholt auftreten lassen zu können und messen zu können.
Florian Clauß
0:54:59–0:55:02
Also da greift ja auch quasi die moderne Zauberei,
0:55:03–0:55:08
die man dann halt auch, wo dann Massentäuschungen passieren können,
0:55:08–0:55:15
in dem das Publikum dann auch mit bestimmten Begriffen aufgeladen wird und auf
0:55:15–0:55:17
einmal dann bestimmte Sachen wahrnehmen kann.
0:55:17–0:55:20
So, jetzt betreten wir den Grunewald.
0:55:20–0:55:23
Jetzt sind wir tatsächlich im Grunewald.
Micz Flor
0:55:24–0:55:25
Darf ich meine Angel schon auspacken?
Florian Clauß
0:55:25–0:55:28
Nee, wir müssen ja erst mal das Zelt aufbauen.
Micz Flor
0:55:29–0:55:35
Weil wir machen eine Seance heute. Wir wollen Dinge über unseren Abdomen sehen.
0:55:37–0:55:40
Eine Sache möchte ich auf alle Fälle noch machen. Ich komme so ein bisschen
0:55:40–0:55:43
zum Ende und du merkst, ich habe jetzt nicht ein großes Fazit.
0:55:43–0:55:46
Vielleicht fällt mir gleich noch was ein, wenn ich es selber mal zusammenfasse,
0:55:46–0:55:51
weil ich auch unklar in diese Folge gegangen bin mit vielen Zitaten und nicht
0:55:51–0:55:56
genau wusste, wie sich das dann alles im Gespräch mit dir zu einem Gewebe des
0:55:56–0:55:59
Wissens vereint. Das wissen wir nicht.
0:55:59–0:56:02
Wenn ich mit jemand anders gesprochen hätte und so unklar bin,
0:56:03–0:56:05
dann wäre vielleicht was ganz anderes entstanden.
Florian Clauß
0:56:05–0:56:08
Ja, aber da kamen ja schon ein paar Erkenntnisse raus.
Micz Flor
0:56:08–0:56:12
Ja, für mich auch Klarheiten wie dieser Archetyp. Da muss ich dann nachher nochmal
0:56:12–0:56:14
sagen, wo ich weiterwischen werde.
Florian Clauß
0:56:15–0:56:17
Du wolltest jetzt nochmal in die Archetypen rein?
Micz Flor
0:56:17–0:56:20
Nein, ich meine jetzt was anderes. Wir machen dann die Archetypen jetzt nur
0:56:20–0:56:24
ganz kurz noch als kleines Zwischenkapitel. Einfach nochmal historische Einbettung.
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Wir sind in den 50er Jahren.
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Und ich fand es einfach nochmal irre, das Zitat, das ich jetzt vorlese,
0:56:31–0:56:32
ist aus dem gleichen Text.
0:56:33–0:56:35
Vieles davon könnte man heute einfach noch so stehen lassen.
0:56:35–0:56:38
Vieles davon war vielleicht vor 200 Jahren auch schon denkbar.
0:56:38–0:56:41
Und vor 400 Jahren gab es auch schon Holzschnitte mit Discs in the Sky.
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Aber das jetzt zeigt nochmal, wie wenig Bilder man von dem Universum hatte.
0:56:49–0:56:53
Er schreibt hier nochmal, die neueren atomischen Explosionen auf der Erde,
0:56:53–0:56:56
so wird vermutet, das ist eine Theorie über die Flying Discs.
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Hätten die Aufmerksamkeit dieser so viel weiter fortgeschrittenen Mars- oder
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Venusbewohner erregt und Besorgnisse hinsichtlich möglicher Kettenreaktion und
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der damit verbundenen Zerstörung der Erde wachgerufen.
0:57:11–0:57:17
Da eine derartige Möglichkeit auch eine katastrophale Bedrohung unserer Nachbarplaneten bedeuten würde,
0:57:18–0:57:22
so sähen sich deren Bewohner veranlasst, die Entwicklung der Dinge auf der Erde
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sorgfältig zu beobachten, in voller Erkenntnis der ungeheuren Gefahr,
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welche unsere Nuklearversuche verursachen könnten.
0:57:31–0:57:35
Das fand ich nochmal so ein tolles Bild. Also die Venus und der Mars waren in
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den 50er Jahren immer noch potenziell bewohnt.
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Ich weiß nicht, da weißt du vielleicht mehr, was für Bilder man da schon machen
0:57:43–0:57:45
konnte oder nicht machen konnte, aber das fand ich schon nochmal irre,
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um das einfach so ein bisschen nochmal da zu verorten.
0:57:48–0:57:50
Das ist die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
0:57:50–0:57:53
Die Atombomben, zwei sind schon im Krieg losgegangen.
0:57:54–0:57:55
Die Welt ist im kalten Krieg.
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Jung sieht, dass das Kollektiv Unbewusste einfach so dermaßen abgespalten ist
0:58:05–0:58:09
von dem Versuch der Menschheit, den Alltag irgendwie friedlich zu gestalten,
0:58:09–0:58:15
dass man auf einmal die Projektion des Kollektiv Unbewussten als Kollektivvision
0:58:15–0:58:17
im Himmel als UFOs irgendwie sehen kann.
0:58:20–0:58:24
Und gleichzeitig war das in einer zeit in der man noch so wenig wusste wie du
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mal gesagt das von der tiefsee weiß man es heute immer noch nicht aber damals
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wusste man scheinbar nicht genug über venus und mars und wirklich im allgemeinen
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diskurs ausschließen zu können ja.
Florian Clauß
0:58:33–0:58:39
Gut das ist schon sehr grenzwertig wie erinnert das so ein bisschen an oppenheimer
0:58:39–0:58:44
an diesem schlüsselmoment dass eben mit der Zündung der Atombombe doch ein ganz
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geringer Prozentteil nicht ausgeschlossen werden kann,
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dass sich die komplette Atmosphäre dann in Luft auflöst.
Micz Flor
0:58:55–0:58:57
Aber du wolltest zu den Archetypen...
Florian Clauß
0:58:57–0:59:02
Ich wollte auch zu den Archetypen was sagen. Und ich meine, das hätten wir auch
0:59:02–0:59:07
in dieser einen Folge besprochen, Nämlich, dass ja die Archetypen mehr oder
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weniger eine statische Konstante sind,
0:59:11–0:59:17
irgendwo in diesem instinktiven Bereich eingepfremd, gelötet.
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Gleichzeitig gibt es ja auch so kulturelle Bedingungen oder beziehungsweise
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geografische Bedingungen.
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Das war, glaube ich, das Beispiel, was gebracht wurde, dass jetzt im Norden
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die Sonne immer sehr positiv besetzt ist, weil die Sonne natürlich dann irgendwann
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die Ernte bringt und den Frühling einleitet und so weiter.
0:59:37–0:59:42
Während dann in sehr heißen Regionen die Sonne eben nicht ganz so positiv,
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weil es eben Dürre und Durst und Katastrophen auslösen kann.
0:59:50–0:59:56
Das ist ja nochmal so. Und das ist aber auch so, wenn man jetzt die Archetypen betrachtet,
0:59:57–1:00:02
ob dann auch solche Abweichungen da irgendwo mit feststellbar sind.
Micz Flor
1:00:03–1:00:07
Ja, also bei dem Text, den ich jetzt gelesen habe, hat Jung versucht,
1:00:08–1:00:15
auf zwei Arten diese Archetypen, also diese UFOs und diese Archetypen zu harmonisieren.
1:00:15–1:00:17
Er hat ja eben gesagt, das ist die Säkularisierung.
1:00:18–1:00:22
Und deshalb sieht man da wohl früher Götter und Scheiben und was weiß ich was.
1:00:22–1:00:26
Oder Wägen, die am Himmel lang fliegen oder so. Da sieht man jetzt auf einmal
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UFOs, die sind technisch.
1:00:28–1:00:31
Determiniert, was ihm auch in Träumen scheint. Es gibt auch einen ganzen Abschnitt
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da, wo UFO-Träume, wo er auch betont, dass die Leute noch nie was von UFOs gehört
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hatten, dass sie einen Traum hatten.
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Was ich auch wieder lustig finde, dass er es nochmal so betonen muss,
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weil das dann seiner Hypothese auch ein bisschen besser passt.
1:00:46–1:00:50
Aber diese Archetypen beschreibt er eben als diese runden Dinge.
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Das ist eben auch die Einigkeit, das Mandala, das Yin-Yang, also ein globales Bild.
1:00:56–1:01:00
Diese Discs sind ja rund. Es gibt sicherlich auch die Zigarrenförmigen.
1:01:00–1:01:04
Das hat dann vielleicht was Falsches, aber hauptsächlich geht es halt um diese
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Bilder, die halt in allen Religionen, in allen Kulturen, wo man die Sonne drin sehen könnte.
1:01:14–1:01:17
Also das Runde, das hebt dann nochmal richtig hervor.
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Einfach um das Gegenteil von dem zu sagen, was du gerade sagst,
1:01:21–1:01:26
Nämlich, wir sehen da auch wieder nur Mandalas, wie vor 3000 Jahren.
1:01:26–1:01:31
Wir sehen da auch wieder nur Yin-Yang, wie vor 5000 Jahren. Wir sehen da auch
1:01:31–1:01:33
wieder, also das ist einfach für ihn...
Florian Clauß
1:01:33–1:01:36
Es ist noch ein Abstraktionslevel drüber, oder was?
Micz Flor
1:01:36–1:01:41
Ja, wir nennen es UFOs und es erscheint uns ganz neu, es ist eine neue Bedrohung.
1:01:41–1:01:44
Aber er sieht da, und in gewisser Weise ist mir das sympathisch,
1:01:44–1:01:46
weil diese Idee, Jedes halt, haben wir auch schon mal darüber gesprochen,
1:01:47–1:01:51
dass genau jetzt hier welche ankommen.
1:01:53–1:01:58
Und das, also, ja, also entweder sind die immer und überall hier und deshalb
1:01:58–1:02:01
ist es natürlich, dass wir welche sehen oder es ist wirklich was Besonderes.
1:02:01–1:02:06
Dann wäre es schon ein wahnsinnig kosmischer Zufall, dass wir jetzt gerade welche davon sehen würden.
1:02:07–1:02:11
Aber er sagt, das ist eben diese kollektive Projektion in den Himmel,
1:02:11–1:02:14
wo früher hat man da Götter gesehen, jetzt sieht man da UFOs.
1:02:14–1:02:19
Aber es geht um das Gleiche, es geht um kollektive Vision vor dem Hintergrund einer,
1:02:20–1:02:23
globalen Bedrohung durch einen atomaren Krieg.
Florian Clauß
1:02:23–1:02:26
Ja, gut. Und die ist halt rund, ne?
Micz Flor
1:02:27–1:02:34
Ja, ne, rund ist eben, das kollektiv Unbewusste wird falsch gesehen.
1:02:34–1:02:36
Das ist, vielleicht kann man es so sagen. Okay.
1:02:37–1:02:42
Oder es wird immer als das gesehen, was gerade in der Kultur vorherrscht.
1:02:42–1:02:45
Und jetzt sehen wir halt UFOs, wo wir vielleicht früher... Ja, verstehe.
Florian Clauß
1:02:45–1:02:49
Aber es ist eigentlich so, die Projektionsfläche ist rund Und deswegen guckt
1:02:49–1:02:52
er dann halt noch eine Ebene höher und sieht halt einen Kreis.
1:02:53–1:02:57
Und damit ist er so weg von diesen ganzen Boundaries, die dann kulturell oder
1:02:57–1:03:00
zeitlich da reingelesen werden können.
Micz Flor
1:03:00–1:03:03
Genau, und dann ist es eben wieder so ein bisschen nur, wie du gesagt hast,
1:03:03–1:03:07
das ist halt was Menschliches, was Kollektives und doch Menschliches.
1:03:07–1:03:11
Jetzt gerade aufgrund der Bedrohung, wenn wir Zeichen im Himmel sehen,
1:03:11–1:03:15
dann sehen wir extraterrestrisches Leben, die ja auch wieder das gespaltene
1:03:15–1:03:16
Selbst. Sie sind ja beides.
1:03:16–1:03:19
Sie sind ja auch Glücksbringer. Sie sind ja auch Hoffnungsträger.
1:03:19–1:03:22
Wenn wir diese Technik hätten, dann wären alle Energieprobleme gelöst.
1:03:23–1:03:25
Und gleichzeitig aber auch bedrohlich.
1:03:25–1:03:28
Mein Gott, die wollen uns bestimmt überfallen und alle erschießen.
1:03:28–1:03:34
Also das gespaltene Selbst, was wir da hinein projizieren, ist ja auch wieder telling.
1:03:34–1:03:38
Also wir sehen auch wieder beide menschlichen Seiten in unserer Kollektivvision.
Florian Clauß
1:03:38–1:03:41
Und wir kennen die Kosmos-Ozeanologie,
1:03:43–1:03:45
so hieß das doch bei Drei Sonnen.
Micz Flor
1:03:46–1:03:47
Ah, okay.
Florian Clauß
1:03:47–1:03:48
Das hieß das so, oder?
Micz Flor
1:03:48–1:03:53
Ja. Ach doch, genau, das war das mit dem dunklen Wald, ne?
Florian Clauß
1:03:53–1:03:53
Der dunkle Wald.
Micz Flor
1:03:58–1:04:05
Ich möchte abschließend noch eine Sache vorlesen. Ich scrolle hier hin und her und finde es nicht.
1:04:06–1:04:09
Das ist ein bisschen längerer Text, aber der scheint mir nochmal wichtig.
1:04:09–1:04:13
Also es geht jetzt dann, wir sind jetzt ja, man versucht so ein bisschen eben
1:04:13–1:04:17
aus diesem Anfänglichen mit den Äonen und sowas. Das ist ja auch jung, das hat er ja gesagt.
1:04:17–1:04:21
Es geht ja schon eben um diese Jahrtausende und da sind wir jetzt wieder an so einer Schwelle.
1:04:21–1:04:25
Und dann kommt dieser Mittelteil, in dem es dann ein bisschen darum geht,
1:04:25–1:04:28
das wieder einzufangen und sagen, es geht hier um
1:04:28–1:04:32
empirisch beobachtbare psychologische phänomene
1:04:32–1:04:35
unter großer psychischer last
1:04:35–1:04:38
werden abgespaltene verdrängte dinge
1:04:38–1:04:41
hinaus projiziert und die sehen wir dann und nach jungen geht das halt nicht
1:04:41–1:04:46
nur individuen so sondern auch im kollektiv das sind die archetypen für diese
1:04:46–1:04:50
archetypen fußnote gibt es wohl auch texte muss ich mal suchen kommt vielleicht
1:04:50–1:04:55
mal später in den jungen sehr wohl sagt dass die archetypen er so eine eine
1:04:55–1:04:56
Art kosmisches Gewebe sind,
1:04:56–1:04:59
was vom Menschen unabhängig ist.
1:05:00–1:05:05
Aber das ist dann sozusagen wahrscheinlich nochmal vor der Evolution im Menschlichen.
1:05:05–1:05:06
Das ist dann wahrscheinlich eher diese.
1:05:09–1:05:15
Mikrotubuli-Idee von dem Palmpsychischen. Aber jetzt abschließend nochmal zurück
1:05:15–1:05:16
in die Speculative Fiction.
1:05:16–1:05:19
Hier Science Fiction aus den 50er Jahren von C.G. Jung.
1:05:20–1:05:25
Es erscheint ein rundes, metallenes Gebilde, das als fliegende Spinne charakterisiert wird.
1:05:25–1:05:28
Das ist in einem bestimmten Kapitel da drin.
1:05:29–1:05:35
Dieser Beschreibung entspricht das UFO, was die Bezeichnung als Spinne betrifft.
1:05:35–1:05:40
So ist es an die Hypothese zu erinnern, dass die UFOs eine Art von Insekten
1:05:40–1:05:46
seien, die von einem anderen Planeten stammen und ein metallisch glänzendes Gehäuse besitzen.
1:05:46–1:05:52
Eine Analogie dazu wäre die ebenfalls metallisch aussehenden Schittinpanzer unserer Käfer.
1:05:53–1:05:56
Jedes UFO sei ein einzelnes Tier, das ist ein Traum einer Patientin.
1:05:57–1:06:01
Bei der Lektüre der zahlreichen Berichte ist, wie ich gestehen muss,
1:06:02–1:06:05
mir selber auch der Gedanke gekommen, das spricht ja über sich,
1:06:05–1:06:12
dass das eigentümliche Verhalten der UFOs am ehesten an das gewisse Insekten erinnere.
1:06:12–1:06:15
Und wenn man schon über eine solche Annahme spekulieren will,
1:06:15–1:06:20
also er verleitet uns darüber zu spekulieren, spekulieren.
1:06:21–1:06:25
So besteht die Möglichkeit, dass unter entsprechenden Lebensbedingungen die
1:06:25–1:06:27
Natur auch imstande wäre, ihr,
1:06:27–1:06:33
in Anführungszeichen, Wissen noch in anderer Richtung als derjenigen der physiologischen
1:06:33–1:06:38
Lichterzeugung und dergleichen mehr zu betätigen, zum Beispiel in,
1:06:39–1:06:40
Antigravitation.
1:06:42–1:06:48
Unsere technische Fantasie hinkt ja sowieso öfters derjenigen der Natur Alle
1:06:48–1:06:55
Dinge unserer Erfahrung unterliegen der Gravitation, bis auf die eine große Ausnahme, die Psyche.
1:06:55–1:06:59
Sie ist sogar die Erfahrung der Gewichtslosigkeit selber.
1:06:59–1:07:06
Das psychische Objekt und die Gravitation sind unseres Wissens inkonsumerabel.
1:07:07–1:07:11
Sie scheinen prinzipiell verschieden zu sein. Die Psyche repräsentiert den einzigen
1:07:11–1:07:16
uns bekannten Gegensatz zur Gravitation. Das ist wiederum auch philosophisch.
1:07:16–1:07:17
Das ist ja wirklich ein Thema.
1:07:17–1:07:21
Wo ist die Verschränkung eben zwischen das Körper-Geist-Dilemma?
1:07:22–1:07:23
Wie hängen die Dinge miteinander zusammen?
1:07:24–1:07:27
Wie kann etwas Nichträumliches das Räumliche berühren?
1:07:33–1:07:38
Die Psyche repräsentiert den einzigen uns bekannten Gegensatz der Gravitation.
1:07:38–1:07:41
Sie ist eine Antigravitation im eigentlichen Sinn des Wortes.
1:07:41–1:07:46
Wir können zur Bestätigung dieser Überlegung auch die Erfahrung der Parapsychologie
1:07:46–1:07:52
heranziehen, wie zum Beispiel das Schweben, also Levitation, und andere.
1:07:52–1:07:59
Zeit- und Raumrelativierende psychische Phänomene, die nur von den Unwissenden geleugnet werden.
1:08:01–1:08:04
Da sind wir wirklich noch im Cypher der 50er Jahre.
1:08:04–1:08:10
Also diese Idee, dass man aus der Natur die Antikravitation erwarten darf.
1:08:10–1:08:17
Natürlich haben wir auch darüber gesprochen, wie die Quantenphysik bei Photosynthese
1:08:17–1:08:21
dafür sorgt, dass über 99% des Lichts in Energie umgewandelt werden können.
1:08:21–1:08:27
Das gibt da schon fantastisch anmutende Möglichkeiten in einer Physik,
1:08:27–1:08:28
die ich überhaupt nicht kapiere.
1:08:29–1:08:32
Und trotzdem liest sich das dann ein bisschen so wie 50er Jahre.
1:08:32–1:08:35
Also Insekten von einem anderen Stern, die die Antigravitation erfunden haben.
1:08:38–1:08:43
Das wäre jetzt das letzte Zitat und ich danke dir Flo,
1:08:43–1:08:49
dieses beim Laufen reden und laufend reden ist jetzt wirklich im Gespräch mit
1:08:49–1:08:55
dir, sind so neue Gedanken und auch ein besseres Verständnis für mich,
1:08:55–1:08:57
für dieses Konzept von Archetypen gekommen.
1:08:57–1:09:06
So, das kam so im Dialog, was ja auch Learning by Teaching in gewisser Weise,
1:09:06–1:09:07
nicht, dass ich dir etwas beibringe,
1:09:07–1:09:11
aber die Idee, dass wenn man Dinge formulieren muss und sie dann hinterfragt
1:09:11–1:09:14
werden, entsteht natürlich dann auch immer eine andere Form von Wissen.
1:09:14–1:09:19
Etwas erklären zu müssen, ist etwas anderes, als etwas intuitiv erfasst zu haben.
1:09:20–1:09:21
Und das fand ich jetzt schon ganz spannend.
Florian Clauß
1:09:22–1:09:24
Ich freue mich, dein Schmierzettel zu sein.
Micz Flor
1:09:24–1:09:25
Nein, du bist nicht mein Schmierzettel.
Florian Clauß
1:09:26–1:09:31
Dein Draft. Nein, du bist mein spiritueller Lehrer.
Micz Flor
1:09:32–1:09:35
Ich komme jeden Tag an mit einem Schmierzack. Guck mal, Chef,
1:09:35–1:09:39
was ich gefunden habe. Und du sagst, gibt es schon.
Florian Clauß
1:09:40–1:09:46
Ich freue mich. Ich fand es total spannend. Danke auch für deine Geschichte.
1:09:48–1:09:53
Für deine Narration, deine Erzählung. Das Ganze könnt ihr...
1:09:53–1:10:01
Ich finde auch den Weg, den wir gegangen sind, Und es hat auch für mich viele Archetypen gerüttelt.
1:10:01–1:10:04
Weil irgendwie dachte ich die ganze Zeit, hier war ich schon mal.
1:10:04–1:10:06
Aber ich bin hier in die Land gegangen.
1:10:06–1:10:12
Und irgendwie kommen dann wieder so Erinnerungen raus, die aber nie da waren. Ja, das ist komisch.
Micz Flor
1:10:12–1:10:16
Kann man, aber das nehme ich auch nochmal auf. Weil das ging mir auch so aus,
1:10:16–1:10:17
wie beim Halensee hieß der, wo wir ankamen.
Florian Clauß
1:10:17–1:10:18
Halensee, ja.
Micz Flor
1:10:18–1:10:23
Der war natürlich landschaftsarchitektonisch und architektonisch mit den Villen,
1:10:23–1:10:27
mehrstöckige Häuser und so eine Bucht und sowas alles angelegt.
1:10:27–1:10:29
Aber es macht ja was mit einem.
1:10:30–1:10:34
Und auch das, was du sagst jetzt, wir sind hier, es wird langsam dunkel.
1:10:34–1:10:37
Wir sind mit dem Waldlaufen immer tiefer in den Wald, die Stadt wird immer leiser.
1:10:38–1:10:43
Wir sind auf so einem breiten Weg, rechts und links sind Kiefern,
1:10:44–1:10:45
die in den Himmel steigen.
1:10:46–1:10:47
Das macht ja auch was mit einem.
1:10:47–1:10:52
Da kommen schon auch Kindheitsgefühle hoch. Man geht so am Ende des Tages vom
1:10:52–1:10:55
Meer weg zurück zum Campingplatz.
Florian Clauß
1:10:55–1:10:59
Ja, genau, so dieser typische ostdeutsche Seeweg,
1:10:59–1:11:11
mit dem Geruch vom See auf der Haut und dann von den Kiefern. Das ist so klassisch.
1:11:12–1:11:17
Das sind auch so Bilder, die dann halt bleiben. Ja und vor allen Dingen,
1:11:17–1:11:23
ich bin hier am Grunewald schon öfters mal im Jahr, fahre ich halt Rad hier,
1:11:23–1:11:27
diese Havelchaussee, klassische Rennradstrecke.
1:11:27–1:11:30
Und jetzt aber so mitten durch zu gehen, ist für mich auch neu.
Micz Flor
1:11:31–1:11:34
Und ich bin auch froh, dass ich mit dir gehe und du GPS hast.
1:11:34–1:11:39
Ich müsste jetzt noch, sobald ich die Autos nicht mehr höre, hätte ich ein Problem.
1:11:40–1:11:41
Jetzt weiß ich noch, wo ich hinmüsste.
Florian Clauß
1:11:42–1:11:49
Ja, wenn ihr sehen wollt, wo wir langgelaufen sind, dann guckt auf eigentlich-podcast.de
1:11:49–1:11:55
Das ist die Episode 63 gewesen. Ja, 63.
1:11:56–1:12:06
Auch Mitch wird einige Infos links und Text wahrscheinlich auch ein bisschen ablegen auf der Seite,
1:12:06–1:12:10
guckt euch das an wenn euch das Thema interessiert und guckt euch an,
1:12:10–1:12:11
wo wir langgelaufen sind,
1:12:11–1:12:17
ist auf jeden Fall mal so ein Wochenendausflugswert hier gibt es viele Biergärten
1:12:17–1:12:18
die man dann besuchen kann,
1:12:19–1:12:26
ja, so viel von uns das war eigentlich Podcast mit Mitch und Flo vielen Dank und,
1:12:30–1:12:31
Ja.
Micz Flor
1:12:33–1:12:34
Jetzt habe ich den Abschlag.
Florian Clauß
1:12:35–1:12:36
Jetzt hast du es verkackt.
Micz Flor
1:12:36–1:12:37
Macht's gut.
Florian Clauß
1:12:37–1:12:37
Tschüss.

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Satorius: „Sie sind keine Frau, Harvey ist tot. Sie sind eine mechanische Wiederholung, eine Kopie, eine Matrize!” Harvey: „Ja, schon möglich. Aber ich werde zu einen Menschen. Ich kann schon auskommen ohne Kris. Ich liebe ihn, ich bin ein Mensch.”

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Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
Erzähler
avatar
Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:03
Oder nicht mehr? Schön, oder?
Florian Clauß
0:00:05–0:00:08
Ist das, was du dir sagen willst? Ganz schön.
Micz Flor
0:00:10–0:00:11
Ja, ja.
0:00:14–0:00:20
Hallo! Und? Wir machen einfach weiter, aber jetzt sind zwei Wochen vergangen,
0:00:20–0:00:21
bis das hier hochgeladen wurde.
0:00:21–0:00:26
Und zwar ist es der zweite Teil zu unserer kleinen Trilogie,
0:00:26–0:00:34
das 3-Body-Problem Solaris, also Buch, Solaris als Film von Tarkovsky und Solaris
0:00:34–0:00:36
als Film von Soderbergh.
0:00:37–0:00:43
Wir sind jetzt sozusagen mittendrin und diese Folge hat Flo vorbereitet und
0:00:43–0:00:46
wird jetzt gleich tief einsteigen.
0:00:46–0:00:50
Für die, die denken, die kommen jetzt aber erst langsam im Schwung, das ist wirklich so.
0:00:50–0:00:53
Wir haben jetzt gerade schon die, für die, die es noch nicht gehört haben,
0:00:53–0:00:58
die letzte Folge war wirklich lang, Da haben wir über das Buch von Lemm gesprochen, Solaris.
0:00:59–0:01:02
Und jetzt befinden wir uns quasi ein bisschen mehr als zehn Jahre später,
0:01:02–0:01:05
wurde das dann von Tarkovsky nochmal verfilmt.
Florian Clauß
0:01:07–0:01:12
Genau, auch Hallo von mir. Das Ganze könnt ihr auch nachlesen,
0:01:12–0:01:14
eigentlich-podcast.de.
0:01:14–0:01:19
Da haben wir noch ein paar Informationen zusammengetragen. Und zu unserer letzten
0:01:19–0:01:23
Folge, Mitch hat das schon erwähnt, die war sehr ausführlich.
0:01:23–0:01:26
Und wir setzen auch so ein paar Sachen voraus, würde ich sagen.
0:01:26–0:01:30
Also wir fangen jetzt nicht nochmal alles an, an der Solaris-Geschichte,
0:01:30–0:01:33
die zu erzählen, sondern das, was wir jetzt auch machen werden im Folgen,
0:01:33–0:01:37
Es sind die Unterschiede zu der Romanvorlage, die nochmal herauszuarbeiten.
0:01:37–0:01:40
Aber die Geschichte setzen wir jetzt als bekannt voraus.
Micz Flor
0:01:41–0:01:43
Also das heißt, du willst jetzt nicht den Film nochmal erzählen?
Florian Clauß
0:01:44–0:01:49
Den Film will ich ansatzweise, also stellenweise erzählen, da wo sich das unterscheidet.
0:01:50–0:01:54
Aber ich würde jetzt nicht nochmal so eine ausführliche, du hast ja zwei Inhaltsangaben
0:01:54–0:01:56
gemacht, eine kleine und eine große.
0:01:58–0:02:04
Und da gehen wir jetzt nicht noch mal in diese epische Breite rein,
0:02:04–0:02:09
sondern wir halten uns so ein bisschen konzentrierter auf die filmische Umsetzung.
Micz Flor
0:02:09–0:02:10
Ja.
Florian Clauß
0:02:11–0:02:15
Solaris! Das ist von Tarkovsky eine,
0:02:15–0:02:22
ja, ich glaube, es gibt wenig, wenig Regisseure im Bereich des Kunstfilmes,
0:02:22–0:02:29
die so eine Gravitation haben wie Tarkovsky, um bei den Bildern von Solaris zu bleiben.
Micz Flor
0:02:30–0:02:31
Darf ich kurz was fragen?
Florian Clauß
0:02:32–0:02:32
Ja, gerne.
Micz Flor
0:02:32–0:02:35
Weil jetzt, wenn du anfängst, habe ich auch das Gefühl, man könnte vielleicht
0:02:35–0:02:39
sagen, wer will oder noch nicht weiß, worum es geht bei Solaris,
0:02:39–0:02:43
der soll sich die letzte Folge anhören, dass wir jetzt einfach den Spaß entwickeln,
0:02:43–0:02:44
uns über den Film zu unterhalten,
0:02:45–0:02:48
und jetzt nicht erst mal eine halbe Stunde den Film erklären müssen.
Florian Clauß
0:02:48–0:02:50
Ne, würde ich auch so sehen. Also ich will jetzt auch nicht.
Micz Flor
0:02:50–0:02:54
Gut, dann sage ich es einfach mal. Also wer Solaris noch gar nicht kennt,
0:02:54–0:03:00
aber vielleicht wegen Tarkowski hier gelandet ist, der kann sich im Detail nochmal
0:03:00–0:03:02
die Geschichte in der letzten Folge anhören.
0:03:02–0:03:06
Da sprechen wir über das Buch und jetzt sprechen wir über Tarkovskys Verhältnis.
Florian Clauß
0:03:08–0:03:11
Okay, danke. Aber das habe ich doch gerade gesagt.
Micz Flor
0:03:11–0:03:12
Ja, aber ich wollte mal klarstellen.
Florian Clauß
0:03:13–0:03:16
Das ist für dich okay. Also für mich ist es auch okay.
0:03:17–0:03:20
Deswegen können wir jetzt weitermachen. Also, genau.
0:03:20–0:03:23
Ich will aber nochmal kurz ein bisschen was zu Tarkovsky sagen,
0:03:24–0:03:28
weil das ja schon eine interessante Figur ist.
0:03:29–0:03:30
Tarkovsky ist nicht sehr alt geworden.
0:03:32–0:03:41
Geboren, er ist aus russischer Abstammung. Er ist geboren 1932 im Nordosten
0:03:41–0:03:46
von Moskau, so ungefähr 300-400 Kilometer in so einer Provinz.
0:03:48–0:03:53
Gestorben ist er schon 1986 in Paris.
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Er ist dann nach Paris umgesiedelt, erst später in der späteren Phase seines Lebens.
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1982 ist er dann tatsächlich aus der Sowjetunion ausgewandert.
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Da kommen wir auch nochmal darauf zu sprechen.
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Also er ist ausgewandert, weil er natürlich gar nicht so die Bedingungen,
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er hatte immer mit der Zensur zu kämpfen, er hatte immer Probleme dann auch
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mit den Behörden, auch mit der Anerkennung von seinen Werken,
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von der Finanzierung auch.
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Also die hat nicht großartiges Budget bekommen und so weiter.
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Tarkowski hat angefangen erstmal zu studieren.
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Ja genau, Tarkowski war schon in jungen Jahren künstlerisch aktiv.
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Also er hat ein sehr ausgeprägtes Kunstbewusstsein, schon als Kind entwickelt.
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Er kommt aus einer guten, gutbürgerlichen Familie. Familie und seine Mutter
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hat vor allen Dingen seine Kunsttalente gefördert.
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Er hat dann Arabas, er hat glaube ich so orientalische Sprachen studiert,
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das aber abgebrochen und ist an die Filmhochschule gegangen,
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und hat in der Filmhochschule studiert in Moskau und hat das auch fertig studiert.
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Sein Abschluss war dann 1960.
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Er hat 1962 1962, Ivans Kindheit, gedreht.
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Ein Film über die Geschichte eines Spilions im Zweiten Weltkrieg.
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Dieser Film hat ihn dann schon internationaler Anerkennung gebracht,
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vor allen Dingen im Westen.
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Der Film hat den Goldenen Löwen auf den internationalen Festspielen von Venedig gewonnen.
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Vier Jahre später hat er Andrei Rubeljov, da geht es quasi um ein historisches
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Werk, über den Ikonenmaler Rubeljov gedreht.
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Und dann, das ist der dritte Film von ihm, 1972 Solaris.
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Und ich weiß nicht, wie viele Filme du von Tarkovsky gesehen hast und wie du
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die so wahrgenommen hast.
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Ich muss gestehen, dass als ich jetzt diese Folge vorbereitet habe und mir Solaris
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nochmal angeguckt habe, ich habe den auch vor Jahren gesehen,
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aber als ich mir den nochmal angeguckt habe,
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habe ich den nicht in Originalgeschwindigkeit geguckt, sondern ich habe den
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einfach in 1,5-facher Geschwindigkeit gesehen. Hat aber auch noch funktioniert.
Micz Flor
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Also ich habe den das erste Mal gesehen vor 25 Jahren etwa.
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Und zwar hatte unsere damalige Filmredakteurin 30.
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Geburtstag und hat sich das organisiert oder von manchen im Freundeskreis geschenkt bekommen.
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Aber wir waren auf der Torstraße, da war so ein Jugendzentrum irgendwie,
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so an der Ecke Richtung Moranienburger Tor.
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Und da war ein Kino drin und das hatten die gemietet. und dann ging abends um
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10 ging dann die Vorführung nur für sie und die Geburtstagsgemeinschaft los.
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Tarkowski Solaris und das fand ich schon, das war total großartig.
Florian Clauß
0:06:56–0:06:58
Ja, das ist sehr passend, das Kino, das kenne ich. Das ist, glaube ich,
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auch so ein Kinderkino. Ich weiß gar nicht.
Micz Flor
0:07:01–0:07:03
Ob es das noch gibt. Das war so ein Kinder-Jugendzentrum.
Florian Clauß
0:07:03–0:07:07
Ja, ja, doch, doch. Da habe ich auch Flussfahrt mit Huhn geguckt mal.
0:07:09–0:07:11
Den hessischen Film. Kennst du den?
Micz Flor
0:07:11–0:07:11
Nee.
Florian Clauß
0:07:11–0:07:19
Da musst du gucken. Flussfahrt mit Huhn, das ist so eine Kanufahrt auf der Fulda,
0:07:19–0:07:25
wo dann so Kinder dann quasi abhauen und Abenteuer erleben, super, super Kinderfilm.
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Ich habe den auch im Rahmen meines Studiums geguckt, Tarkowski-Seminar und was
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ich da so faszinierend finde, auch bei Stalker,
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Ich finde, Tarkovsky hat eine Filmsprache und eine Filmpoesie geschaffen,
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die so eine unglaublich hypnotische Wirkung hat beim Schauen.
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Und ich habe dann nochmal geguckt und das wäre auch irgendwie so,
0:07:50–0:07:55
das würde ich gerne, ich würde gerne für diese Art von Filmen ein Genre schaffen.
0:07:55–0:08:01
Ja, also diese Hypnose, zumal Hypnose kriegt ja auch gerade in Form,
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Es wird ja immer, ich sag mal so, geläufiger in so alltäglichen,
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also in der Psychotherapie, das kannst du ja verstehen.
Micz Flor
0:08:09–0:08:13
Aber kann man es vielleicht nicht lieber Meditation nennen, meditative Filme?
Florian Clauß
0:08:13–0:08:14
Ja, kann man auch.
Micz Flor
0:08:14–0:08:17
Das ist ja dieses Slow Movies, hast du ja schon mal erwähnt,
0:08:17–0:08:17
das ist aber was anderes.
Florian Clauß
0:08:18–0:08:24
Nein, genau, Slow Cinema ist was anderes, Slow Cinema hat aber auch Ausprägung davon.
0:08:24–0:08:27
Warum sträufst du dich gegen hypnotische Filme?
Micz Flor
0:08:27–0:08:33
Weil der Hypnosebegriff, glaube ich, irgendwie so einen in zwei Dinge reißt.
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Das eine ist quasi Jahrmarkt, also beißen Sie mal die Zitronen und denken,
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das ist ein Apfel, Sie sind jetzt ein Huhn.
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Und das andere ist eben schnelle Psychotherapie, ich will mit Rauchen aufhören,
0:08:45–0:08:47
ich mache drei Hypnose-Termine.
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Und dann ist das irgendwie so damit, also ich finde, das tut so,
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als ob dem Film eine Intention innewohnt,
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der man sich dann hingeben könnte und die einen in eine bestimmte Richtung rückt.
0:09:06–0:09:10
Und ich habe eher das Gefühl, dass es gerade bei dem Film Solaris,
0:09:10–0:09:12
weil ich möchte auch darüber reden, weil ich das so wichtig finde,
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gerade der Anfang, das ist eher so wie bei, wie hieß denn der nochmal,
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der Dogma-Film, der schwarz-weiß vom Europa.
Florian Clauß
0:09:20–0:09:21
Das von Trier.
Micz Flor
0:09:21–0:09:26
Auf jeden Fall geht es da los, der Sprecher am Anfang sagt, you are entering
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Europa by the count of ten.
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Also das ist ja auch so eine Sache, wo man in den Film hineingeführt wird und
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das Gefühl hat, lassen Sie jetzt alles hinter sich, schließen Sie Ihre Augen,
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es geht los. Also man verlässt.
Florian Clauß
0:09:38–0:09:42
Genau, und auf 10 bist du tot, ist ja das Ende von Europa.
0:09:43–0:09:47
Genau, ja, okay, ich verstehe deinen Punkt, ja, gehe ich mit.
0:09:47–0:09:52
Aber ich glaube, es ist einfach auch so, das ist das Gefühl von Meditation.
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Ich glaube, das überlappt sich auch sehr.
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Hypnose ist im Prinzip, ja, man kriegt nochmal von außen eine Handlung,
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eventuell nicht bewusst, dann mit.
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Vielleicht kann man das eher passiver als Meditation,
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indem du in so einem Zustand kommst, wo du dann nicht mehr im Vorbewusstsein
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den Film erlebst, sondern auch Entspannung erfährst.
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Das ging mir bei Stalker so. Ich fand den so unglaublich entspannend.
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Und in diesem Zustand, also man hat einen anderen Geisteszustand,
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würde ich behaupten, In diesem Geisteszustand bekommt man auf einmal Bilder
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und Zusammenhänge dann präsentiert,
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die vielleicht andere Einsichten nochmal mit sich bringen.
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Aber dafür würde ich gerne, ich finde auch ganz krass, und wo ich,
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hatte ich auch schon mal in einer anderen eigentlich Folge erwähnt.
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Bei den Filmen von Ulrike Ottinger. Und wo wir alle im Kino eingeschlafen sind.
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Und das war auch wirklich so eine physische Reaktion. Wo man überhaupt nicht
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wusste, was macht dieser Film mit mir?
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Warum passiert das auf einmal? Und es ging allen so.
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Also es war jetzt nicht so ein singuläres Erlebnis, sondern es war auf einmal
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dieser Film. Und es war halt wirklich so ein Schnapp.
Micz Flor
0:11:19–0:11:22
Es war der beste Schlaf, den du seit langem hattest wahrscheinlich.
Florian Clauß
0:11:22–0:11:27
Ja, es war irgendwie so ein bisschen magisch einfach.
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Deswegen habe ich jetzt von hypnotischen Filmen, und ich würde gerne so diese
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Kategorie, die hat man auch wahrscheinlich schon, aber Slowest Cinema und so
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weiter, aber dass man das irgendwie so kategorisieren kann.
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Und es ist wirklich so, dass Tarkowski diese Art von Filmen geschaffen hat,
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Man taucht in diese Filme ein und kommt dann irgendwie als Leute raus.
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Also es passiert tatsächlich körperlich mit einem was, ne? Also so ging es mir zumindest.
Micz Flor
0:11:59–0:12:03
Also ich kann ja mal ganz kurz den Anfang von Solaris beschreiben,
0:12:03–0:12:07
dass man das vielleicht so ein bisschen bildlich im Podcast dann trotzdem sich...
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Also ich versuche jetzt mit Sprache Bilder zu generieren. Und zwar beginnt der
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Film in der Natur und man weiß natürlich vorher schon, es geht irgendwie um Weltraum.
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Das heißt, man weiß nicht genau, auf welchem Planeten man ist,
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weil die Kamera am Anfang auf so einen Fluss hält.
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Und in diesem Fluss sind so Algen, die sind so gebogen unter der Wasseroberfläche
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und die dann in diesem, also fischähnlich sich zu bewegen scheinen.
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Aber man sieht eindeutig, es sind Pflanzen.
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Die Kamera hält so lange drauf, dass man sich dem hingibt und gleichzeitig natürlich
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auch Erwartungen im Kopf durchläuft.
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Dass man denkt, wo bin ich denn gerade? Was passiert denn jetzt gleich?
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Da kommt doch jetzt bestimmt was hin. Da kommt ja dann doch nichts.
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Ist das jetzt schon der Planet Solaris? Was ist eigentlich Solaris?
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Aber das ist doch ein Fluss. Ist das ein Low-Budget-Film? Also man hat so ganz
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viele Gedanken und vor allem bleibt das Bild unverändert, leicht schwingend.
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Und irgendwann kommt man an einen Punkt, wo man dann wirklich,
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wie du sagst, so loslässt. Sagt, okay, ich bin bereit.
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Dann kommt ein Schnitt und dann sehen wir quasi, wir werden Schritt für Schritt
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eingeführt in die Szene und wir sehen einfach nur so ein bisschen wie wir bei
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dieser Wanderung vor zwei Wochen und heute wieder.
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Man sieht so Natur, aber auch besondere Natur.
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Dann sind wir auf einmal in so einer Fläche voller Büsche und dann sehen wir
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auch zum ersten Mal den Chris Kelvin,
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also die Hauptperson gewisserweise, den Main Protagonist von Solaris,
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der dann da so steht und so rumguckt und der sich dann da durchbewegt.
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Aber der nicht auf einer Straße oder auf einem Pfad ist, sondern der geht auch durch die Natur.
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Sind wir da irgendwo gelandet? Also man weiß wirklich gerade am Anfang nicht, wo bin ich gerade?
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Man ist orientierungslos, man hat die Bilder, versucht sich mit den Bildern zu verbinden,
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aber sie geben einem nicht wirklich antworten dann
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schnapp kommt ein pferd da sieht
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man so ein pferd das guckt man dahin dann guckt man dahin weiß nicht also es
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bleibt er stehen aber irgendwie ist auch ein bisschen angestrengt aus und dann
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denkt man wir sind auf der erde sehen wir in dem pferd und dann geht es wieder
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zurück auf den protagonisten dann sehen wir ein see dann wird alles irgendwie vertraute auf einmal.
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Und dann zeigt die Kamera so ein See und da sind so gelbe Streifen nach unten.
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Und wir lernen dann auf einmal beim Gucken, entsteht das Bild in uns.
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Das ist das Spiegelbild im See von einem Haus.
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Und dann fährt die Kamera hoch und dann sind wir in dem Haus.
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Und da vergeht noch viel mehr Zeit, als ich das jetzt schon langsam erzählt
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habe. Es ist wirklich ein ganz langer Stretch am Anfang.
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Und das finde ich total spannend, da einzusteigen, weil es so traumhaft ist.
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Und auch, weil das Haus zuerst über sein Spiegelbild erlebt wird.
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Wir kommen quasi aus einem traumhaften Raum in dieses Haus hinein,
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was auch eine wichtige Rolle spielt bis zum Schluss des Films oder besonders nochmal zum Schluss.
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Und das war für mich schon unglaublich mächtig.
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Also diese Bildsprache einfach mit so absoluten Lo-Fi-Mitteln,
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so einen Sog herzustellen, wo man sich darauf einlassen muss.
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Am Anfang möchte man so ein bisschen ausbrechen, möchte wissen,
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nein, ich will wissen, was du hier zeigst.
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Und das ist dann, um Chris wieder mit der Lacan-Flagge zu winken.
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Also wir sehen die Bilder, wir sind also im Imaginären und wir versuchen,
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diese Zerrissenheit der Bilder irgendwie zusammenzusetzen.
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Weil wenn wir nur über die bildebene kommen sind
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wir wollen wir den körper sozusagen zusammensetzen
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dass er in sich geschlossen ist und uns irgendwie sicherheit gibt dass es eine
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innen und außen grenze gibt aber das kriegen die bilder alleine nicht hin erst
0:15:56–0:16:01
wenn das haus kommt sind die bilder vollkommen dann haben wir okay haus wir
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sehen vorher man fährt haus okay irgendwie entsteht dann so was wo man sich festhalten kann.
0:16:07–0:16:11
Aber wir sind in diesem Moment noch ohne die symbolische Ebene,
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keine Sprache, keine Wörter.
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Und das finde ich ist echt, das macht was mit einem, wenn man sich nur an Bildern orientieren muss.
Florian Clauß
0:16:20–0:16:26
Es ist wirklich faszinierend, mit welchen einfachen Mitteln Tarkovsky das gelingt,
0:16:26–0:16:32
diesen hypnotischen oder meditativen Sog in den Bildern zu schaffen.
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Das hat er ja auch in Stalker so grandios inszeniert.
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Diese eine Szene, wo die Charaktere dann auf dem Weg zum Raum der Wünsche halb im Wasser liegen.
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Und es ist ein Innenraum, der ist überflutet. und man sieht dann so Relikte
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der Zivilisation, eine Spritze, eine Pistole, eine Ikone, wie die dann auch
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im Wasser liegen zwischen den Menschen dort,
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die so halb im Wasser dann und die Kamera ganz langsam fährt,
0:17:04–0:17:10
also von oben das Ganze einfängt und man die ganze Zeit sich fragt, wie kommt das da hin?
0:17:10–0:17:17
Man kriegt so ein einfacher Gegenstand, der so auch dekontextualisiert auftaucht,
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Auf einmal so eine Bedeutung.
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Man möchte die Bedeutung in irgendeinen Sinnzusammenhang spannen.
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Aber es gibt nichts, wo man es aufhängen kann.
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Und das finde ich halt so. Das ist dieses Pferd wieder. Das ist so ein weißes
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Pferd. Es steht für den Tod. Wer stirbt?
Micz Flor
0:17:35–0:17:37
Ein braunes Pferd. Ist es weiß?
Florian Clauß
0:17:37–0:17:37
Weiß.
Micz Flor
0:17:38–0:17:41
Mann, was du wieder weißt. Ich weiß nicht, dass es weiß ist.
Florian Clauß
0:17:41–0:17:46
Ich weiß. Ich glaube nicht, dass es ein weißes Pferd ist. Ich glaube, es wird Fuchs genannt.
Micz Flor
0:17:46–0:17:47
Es heißt Lars von Bier.
Florian Clauß
0:17:49–0:17:57
Ich las fast von hier. Ja, so viel zu der Ausdrucksweise und zu den ersten, zu dem Auftakt.
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Wir wissen, wir sind auf der Erde und dann sind wir schon bei dem ersten großen
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Unterschied zwischen Roman und Verfilmung von Tarkovsky.
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Das ist Tarkovsky, 40 Minuten des Filmes.
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Insgesamt hat der Film 162 Minuten, glaube ich, oder irgendwas,
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auf jeden Fall über 150 Minuten.
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Davon ist ein großer Teil, 40 Minuten des Anfangs, ist eben auf der Erde.
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Und es wird auch eine Geschichte quasi vorweggenommen, nämlich in der Solaristik,
0:18:28–0:18:32
haben wir in der letzten Folge kennengelernt, nämlich die Geschichte von den Bertong.
0:18:33–0:18:36
Der Bertong ist nämlich ein Freund des Vaters von Chris Calvin.
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Der kommt als alter Mann und erzählt eben genau diese Geschichte,
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wie er dann das Kind gesehen hat auf der Oberfläche von dem Ozean auf Solaris,
0:18:48–0:18:50
wie er dann mit dem Raumschiff drüber gefahren ist.
0:18:50–0:18:56
Und er zeigt auch diese unter Verschluss gehaltenen Aufnahmen von dem Ausschuss,
0:18:56–0:19:04
der damals über seine Sinneswahrnehmung dann quasi urteilen musste, über seine Verfassung.
0:19:04–0:19:09
Und er kommt dann nochmal und sagt auch da nochmal explizit, er hat das gesehen, ja.
0:19:09–0:19:13
Er hat diese, also er wurde da auch eben...
0:19:14–0:19:20
Abgezogen und er wurde ja verurteilt. Aber es ist ja so ein wichtiges Kapitel in der Solaristik.
Micz Flor
0:19:20–0:19:25
Er verurteilt, glaube ich, nicht. Er wurde einfach nur als wahnsinnig abgestimmt.
0:19:25–0:19:26
Aber das finde ich ganz wichtig.
0:19:26–0:19:30
Das ist jetzt andersrum. Für mich nochmal ganz wichtig zu betonen.
0:19:30–0:19:34
Erstens, dass wir anfangen im Elternhaus von Chris Calvin auf der Erde.
0:19:34–0:19:36
Das ist quasi da, wo wir hingeführt werden durch diesen Gang.
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Das heißt, wir lernen Chris Familie kennen.
0:19:39–0:19:41
Papa und Mama und Haus.
Florian Clauß
0:19:42–0:19:44
Das ist nicht die Mutter. Es ist nicht die Mutter.
Micz Flor
0:19:44–0:19:45
Die Tante.
Florian Clauß
0:19:45–0:19:46
Es ist die Tante.
Micz Flor
0:19:46–0:19:49
Und dann gibt es noch diese kleinen Kinder, zwei Kinder gibt es.
Florian Clauß
0:19:49–0:19:53
Ich weiß gar nicht, es war in einer Fassung und da hat er sich mit Lem angelegt.
0:19:54–0:19:58
Er hat tatsächlich nochmal die Frau von Chris Calvin inszeniert.
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Also er hat dann auch in der Zwischenzeit geheiratet nach der Geschichte mit Harvey.
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Und die Kinder sind glaube ich dann auch seine Kinder, die aus dieser Ehe entstanden
0:20:06–0:20:11
sind. Aber Lem hat ihm so dagegen gewehrt, dass diese noch eine zusätzliche
0:20:11–0:20:16
Frauenfigur, dass die dann rausgestrichen wurde.
Micz Flor
0:20:16–0:20:19
Muss man dazu sagen, Lem fand den Film insgesamt als gar nicht gelungen.
0:20:19–0:20:25
Er fand irgendwie auch, dass auf einer gewissen narrativen Ebene auch Russland
0:20:25–0:20:27
da irgendwie eingeführt worden wäre.
0:20:27–0:20:31
Ich weiß, das habe ich nicht gesehen, also ich verstehe nicht genau das Argument.
0:20:31–0:20:36
Aber er war insgesamt nicht mit der Verfilmung einverstanden.
Florian Clauß
0:20:36–0:20:40
Und das werden wir vielleicht dann in deiner nächsten Folge nochmal erfahren.
Micz Flor
0:20:40–0:20:42
Das wird nicht besser.
Florian Clauß
0:20:42–0:20:49
Dass eben diese Zuspitzung der ganzen Thematik von Solaris auf diese Beziehung
0:20:49–0:20:52
zwischen Harvey und Chris hinausläuft.
0:20:52–0:20:58
In dem Film von Tarkovsky gibt es noch ein paar andere Dimensionen, die da mitschwingen.
0:20:58–0:21:04
Aber soweit will ich vorausgreifen, dass in der Soderbergh-Verfilmung das als
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so ein zentrales Motiv gesetzt wird, dass da kaum noch eine andere Geschichte
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mit erzählt wird, außer diese Beziehung zwischen den beiden.
0:21:10–0:21:14
Und worauf es eben dann Lem immer ankommt, das hatten wir das letzte Mal so
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ausgebreitet, eben auf diese menschliche Ohnmacht gegenüber einem Phänomen,
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was der Mensch nicht verstehen kann.
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Das ist eben dieser Ozean, das ist eben diese ganze Beziehung zwischen dem Ozean
0:21:30–0:21:31
und dem Menschen, in der Forschung und so weiter.
0:21:31–0:21:38
Das wird bei Tarkowski, kommt es eben durch diese Figur des Bertons mit zum
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Tragen, aber tatsächlich wird
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dieser ganze Solaristik-Diskurs gar nicht irgendwie weiter ausgeführt.
Micz Flor
0:21:46–0:21:51
Aber das muss man auch dazu sagen, dass bei der Verfilmung des Buches das natürlich
0:21:51–0:21:54
die Frage ist, wie kriegst du das hin, Tarkowski,
0:21:55–0:22:04
dass du diese Erzählung, dieses Gespräch von Calvin über die Solaristik mit
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dem Publikum, das ist ja quasi ein 1 zu 1 Gespräch, er erklärt uns ja,
0:22:08–0:22:10
und dann gab es das, und dann gab es das.
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Wie willst du das hinkriegen? Soll da einer vor der Kamera sitzen und da reinsprechen?
0:22:14–0:22:17
Und dann haben die halt überlegt, okay, es ist wichtig, und dann haben die halt,
0:22:17–0:22:22
finde ich, einen okayen Kniff eingebettet, zu sagen, können wir nicht einfach
0:22:22–0:22:26
das, was beschrieben wird, inszenieren?
0:22:26–0:22:32
Zum Beispiel diesen Schlüsselmoment mit Berton oder wie wir ihn auch nennen,
0:22:33–0:22:39
wie er da Fechner sucht, dann diese Gebilde findet und dann das Kind sieht.
0:22:39–0:22:43
Das finde ich erstmal nachvollziehbar, weil wie willst du das sonst hinkriegen,
0:22:43–0:22:47
wenn er eine nur erzählt oder du musst es selber lesen als Titel.
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Aber, und das finde ich eine Katastrophe, darf man das sagen Katastrophe in
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dem Zusammenhang, wenn es um Film geht das krasse daran ist halt ganz am Anfang wird der Planet,
0:23:00–0:23:06
also wird alles das Planet, was der Planet uns bietet wird sofort in den Kopf
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des Beobachters zurückgeschoben, weil Bertrand sagt bei der Verhörung es gibt Gärten, es gibt,
0:23:14–0:23:18
Städte, also was wir auch in der letzten Folge erklärt haben Dann ein riesiges
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Kind, was mit den Armen wedelt, ganz unheimlich, als ob es sich erprobt mit
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allem, was es machen könnte.
0:23:23–0:23:26
Und dann sagt er, schaut euch die Filme an. Ich habe alles gefilmt,
0:23:26–0:23:27
da muss alles drauf sein.
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Und dann wird er in dem Moment als wahnsinnig abgekapselt, wenn verständlicherweise
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auf dem Film nichts zu sehen ist.
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Da ist einfach nichts zu sehen. Und Berthold guckt dann so nach unten auch,
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resigniert, in dem Wissen, ich habe es aber doch gesehen.
0:23:44–0:23:49
Also auch als er selber seine aufnahmen sieht aber was daher passiert ist dass
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diese geschichte in dem moment völlig umgekrempelt wird es ist keine kein planet
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mehr denn das alles tut was die solarist innen da oder meistens solaristen dann irgendwie,
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kartografieren und aufschreiben sondern,
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es ist nur eine wahnvorstellung weil die kamera und die ist ja quasi physikalisch exakt,
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Und das finde ich fürchterlich in dem Film. Es ist halt so.
Florian Clauß
0:24:13–0:24:16
Damit hast du es völlig umgedreht. Ja gut, aber ich meine.
Micz Flor
0:24:16–0:24:17
Ich habe es so verstanden.
Florian Clauß
0:24:17–0:24:23
Dass das tatsächlich nicht gezeigt wird, weil an der Stelle der Nebel noch zu
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dicht ist. Ich dachte, es wäre immer hinter dem Nebel.
Micz Flor
0:24:26–0:24:29
Nee, er hat ja alles gesehen. Er war ja unter dem Kind.
Florian Clauß
0:24:30–0:24:34
Ja, aber trotzdem, ich dachte, er sieht es halt nicht, weil es,
0:24:34–0:24:38
oder man sieht es halt nicht, weil es quasi vernebelt ist.
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Ich habe es jetzt nicht so als katastrophal empfunden wie du,
0:24:41–0:24:43
sondern ich dachte einfach, okay, das ist jetzt kein Beweis,
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weil, und ich meine, in dem Moment, wenn die auch gezeigt werden, die Aufnahmen,
0:24:49–0:24:51
dann hat man ja nicht das Gefühl, dass ihr dann auf einmal das Kind da in den
0:24:51–0:24:54
Aufnahmen sieht, sondern das kennt ja die Aufnahmen.
Micz Flor
0:24:54–0:25:01
Also für mich war es so, um das Lied Zombie zu zitieren, It's in your head,
0:25:01–0:25:08
in your head, Zombie. Also das ist wirklich, es ist nicht wahr,
0:25:08–0:25:09
es ist nur in deinem Kopf.
0:25:09–0:25:13
So war das für mich. Und damit, ich habe den Film vor der Geschichte gelesen,
0:25:14–0:25:17
deshalb habe ich den Film damals auch gesehen als einen Film von,
0:25:18–0:25:24
was das zu welchen Sonderungen das menschliche Psyche irgendwie fegt.
Florian Clauß
0:25:24–0:25:28
Also das heißt, damit war für dich mehr oder weniger die Stage gesetzt.
Micz Flor
0:25:28–0:25:28
Ich war im Traum.
Florian Clauß
0:25:28–0:25:34
Und dann war auch quasi alles, was folgt auf der Station, mehr oder weniger eine Suggestion.
Micz Flor
0:25:34–0:25:38
Eine fantastische Geschichte, eine gut erzählte, fantastische Geschichte,
0:25:38–0:25:42
aber rückblickend eben dann auch dieser Spiegeleffekt, du kommst halt in dieses
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Haus des Vaters, über das Spiegelbild des Hauses, war für mich auch quasi so, okay,
0:25:48–0:25:52
wir kommen quasi schon im Traum an, das ist von Anfang an eigentlich natürlich
0:25:52–0:25:54
fiktiv, das ist ja sowieso, aber,
0:25:55–0:26:00
Aber für mich war das wirklich in dem Moment, als ich die Geschichte gelesen
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hatte, war das für mich wirklich, wie ich sagte, katastrophal. Wie kannst du das tun?
0:26:06–0:26:09
Dann lass es doch weg. Es braucht doch keiner. Keiner muss jetzt die Filme sehen.
0:26:09–0:26:11
Das war für die Handlung nicht notwendig.
Florian Clauß
0:26:11–0:26:15
Okay, also wie gesagt, ich habe es so nicht so wahrgenommen.
0:26:15–0:26:19
Ich habe das jetzt als eine mögliche Perspektive und deswegen auch glaubhaft,
0:26:19–0:26:27
dass der Berton dann auch erstmal als Sinnestäuschung dann abgestempelt wurde.
0:26:27–0:26:30
Ja, diese Geschichte wird dann halt vorweggenommen.
0:26:30–0:26:35
Ich finde es auch gut erzählt, so in der Form, weil, wie du sagst,
0:26:36–0:26:41
im Film muss man ja immer überlegen, wie schafft man diese, jetzt auch im Falle
0:26:41–0:26:43
von Chris Calvin, diese Ich-Perspektive da rein zu bekommen.
0:26:44–0:26:50
Wie kannst du dann halt als, wie kannst du diese Ich-Geschichte in irgendeiner Form erzählen?
Micz Flor
0:26:50–0:26:54
Ja und vor allen Dingen die Solaristik, das Vorlesen rauslassen und dass es
0:26:54–0:26:58
das schon lange gibt, hat er ja über den Vater quasi etabliert.
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Der Vater war ja auch schon Solaristiker.
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Das heißt, wir haben da schon etabliert, dass es diese ganze Sache schon lange gibt.
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Und das hat er alles geschafft, ohne dass jemand irgendwas erklären musste.
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Er konnte das filmisch zeigen, hat das gut umgesetzt, aber eben leider dann
0:27:12–0:27:15
diese eine Abwägung gemacht.
Florian Clauß
0:27:15–0:27:22
Und man muss auch noch dazu sagen, der Vater ist todkrank und es kommt dann
0:27:22–0:27:27
noch mal zu einem Affront zwischen Berton und Chris Kelvin.
0:27:28–0:27:35
Nämlich er wird mehr oder weniger hochgeschickt, um das Ende der Station zu verkünden.
0:27:39–0:27:40
Wie soll man sagen?
Micz Flor
0:27:40–0:27:43
Das ist total gut, dass du das sagst, weil nämlich das ist auch eine absurde
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Situation, weil Calvin ja mit dem Gedankenspiel zu empfehlen,
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mit harter Radioaktivität auf das Meer zu schießen.
0:27:54–0:27:58
Das ist ja, glaube ich, sogar Calvins Idee. Der Vater sagt das,
0:27:58–0:28:01
glaube ich, Bertrand irgendwie so. Ja, Calvin denkt...
Florian Clauß
0:28:01–0:28:04
Genau, genau. Er ist nämlich der, der diese destruktive Rolle annimmt.
0:28:04–0:28:11
Und Bertrand will ihn zurückhalten und gerät dann wirklich so fast handgreiflich in den Konflikt mit ihm,
0:28:11–0:28:19
wo er sagt Nein und verlässt dann auch eben das Haus des Vaters und sagt auch nochmal dem Vater,
0:28:20–0:28:24
dass er nicht mit der Meinung von Chris Calvin da übereinstimmt.
0:28:24–0:28:31
Und dann kommt diese absurde Szene, nämlich diese vier Minuten Fahrt von Bertrand.
Micz Flor
0:28:31–0:28:33
Ja, die wollte ich, dass du mir die erklärst. Da habe ich mich die ganze Zeit
0:28:33–0:28:35
darauf gefreut. Das will ich wissen.
Florian Clauß
0:28:36–0:28:43
Man sieht einfach, also man sieht, wie der Tom in einem Auto sitzt und fährt,
0:28:43–0:28:45
wahrscheinlich gefahren wird.
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Das ist so einer der wenigen futuristischen Momente in dem Film.
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Nämlich man kann davon ausgehen, dass es ein selbstfahrendes Auto ist.
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Und er fährt durch eine asiatische Stadt.
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Man sieht überall, ja man ist im Prinzip eine Autobahn. Man sieht eigentlich
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nur Autoverkehr, man sieht es nur aus der Perspektive des Fahrers, also des Fensters,
0:29:07–0:29:13
des Frontfensters und man hört die ganze Zeit eine synthetische Musik dazu und
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irgendwelche japanischen Schilder fahren dann dran vorbei.
0:29:19–0:29:25
Und diese Szene erzeugt eine Form von Stress, Stresssituation.
0:29:26–0:29:30
Und die wurde auch übrigens in Tokio gedreht. das ist Tokio.
Micz Flor
0:29:30–0:29:34
Und da hast du diese ganzen Spaghetti-Junctions. Also wo halt so...
Florian Clauß
0:29:34–0:29:36
Diese Autobahnen, die dann ineinander greifen.
Micz Flor
0:29:36–0:29:37
Ja, also wirklich.
Florian Clauß
0:29:38–0:29:43
Ich finde das hier übrigens völlig absurd. Ich habe den nicht ausgesucht,
0:29:43–0:29:44
weil der hier so leer ist, der Weg.
0:29:45–0:29:49
Aber hier ist ein ganzes... Also wir sind die ganze Zeit mitten im Marzahn unterwegs.
Micz Flor
0:29:49–0:29:52
Die Sechsburgestraße ist nur für uns gesperrt.
Florian Clauß
0:29:52–0:29:56
Wir sind hier von einer Branche... Ja, ich dachte, hier wird es laut,
0:29:56–0:30:00
weil hier eine Straße ist, aber die ist komplett stillgelegt, die Straße.
0:30:00–0:30:04
Wir gehen jetzt über die Brücke und ja, es ist ein toller Moment.
0:30:05–0:30:07
Und es ist auch keiner unterwegs.
Micz Flor
0:30:07–0:30:10
Das ist die ganze Folge schon irgendwie so für,
0:30:12–0:30:13
Natürlich in Stalker sind es da.
Florian Clauß
0:30:13–0:30:18
Ja. Also für mich ist diese Szene von diesem, von Bertong in dem Auto,
0:30:19–0:30:23
für mich ist es so quasi dieses Tor von dieser,
0:30:23–0:30:27
also ich hatte es erst mal so interpretiert, die fahren zur Landebahn,
0:30:27–0:30:30
die fahren quasi zum Abschluss zur Rakete, aber dann habe ich,
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nee, das ist ja überhaupt nicht der Charakter, aber es ist so quasi dieses Tor,
0:30:35–0:30:42
also dieses Tor von übervölkert Erde irgendwie in so einer Zivilisations-Crouch,
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kriegst du das als Stresspaket mit, bevor du dann wirklich in Solaris eintauchst.
0:30:48–0:30:53
Also das ist für mich so eine Verdichtung, quasi die Idee der Zivilisation.
0:30:54–0:30:59
Du hast auf der einen Seite, hast du ja sehr poetisch beschrieben,
0:30:59–0:31:05
diese Einführung über diese Natur in das Haus des Vaters Und dann das,
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was du von der Erde mitbekommst, ist halt diese Stresssituation da und dann
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ist dann damit ist auch der Absprung in den,
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also das ist ja quasi, danach kommt dann halt quasi die,
0:31:20–0:31:23
Reise, beziehungsweise man sieht dann auch wieder nur das Ergebnis,
0:31:23–0:31:26
nämlich wie Chris Kelvin auf der Station ankommt.
Micz Flor
0:31:26–0:31:29
Also da fällt mir jetzt gerade noch mal eine Sache ein dazu,
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weil du nochmal Japan gesagt hast, Vielleicht ist es auch diese Reise,
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vielleicht ist das sozusagen der Blick in Bertrands innere Welt.
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Also die innere Welt, die durcheinander ist seit dieser Erfahrung.
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Er ist zwar nicht wahnsinnig, weil er hat ja recht, aber er ist irgendwie trotzdem
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wahnsinnig geworden von dem, was er gesehen hat. Das hat ihn ja alles total fertig gemacht.
0:31:52–0:31:57
Und dann so ein bisschen wie, weil du Japan gesagt hast, so Manga-Filme,
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das ist ja auch manchmal, dass die Emotion des gezeichneten Manga-Charakter
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dann in der Umgebung sich ablichtet.
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Weißt du, wenn jemand sich erschreckt, das ist dann so und dann hast du so Blitze
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oder Donner, sowas drumherum.
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Und das ist halt dieses, ich komme hier nicht raus, ich fahre immer wieder die
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gleichen Wege. Es dreht sich alles irgendwie im Kreis.
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Es beschäftigt mich, es stresst mich, wie du auch gesagt hast,
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dass das Innere seiner Seele über diese verquacksten Autobahnfahrten, er kann nicht anhalten.
0:32:24–0:32:27
Und dann ist es aber so, dass sie ihn auch nochmal anrufen. Da rufen sie ihn
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ja mit dem Videotelefon noch mal.
Florian Clauß
0:32:28–0:32:29
Ja, stimmt.
Micz Flor
0:32:30–0:32:34
Was natürlich nicht die Autobahnfahrt sozusagen legitimiert.
Florian Clauß
0:32:34–0:32:37
Es scheint einfach ein großer Proberaum zu sein.
Micz Flor
0:32:38–0:32:43
Frank-Zapper-Straße. Großartig! Das ist wirklich die Frank-Klapper-Straße.
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Da wird überall geknüppelt.
Florian Clauß
0:32:57–0:33:02
Das ist ja auch Primetime jetzt zum Band-Po, oder? Man trifft sich ja dann immer ab 19 Uhr, oder?
Micz Flor
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Dann ist endlich wieder Montag.
Florian Clauß
0:33:07–0:33:14
Wann ist endlich wieder Montag? Ich sehe es so ein bisschen als Zivilisationskritik, die dahinter liegt.
0:33:14–0:33:19
Vielleicht auch um so einen größtmöglichen Kontrast zu dem Solaris zu schaffen.
0:33:20–0:33:25
Auch überhaupt zu der bekannten Situation, weil ich glaube auch keiner konnte
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das so visuell dann so richtig einordnen damals, als dann Tarkovsky den Film gemacht hat.
0:33:31–0:33:34
Also was kann er dann halt als Kontrapunkt nehmen? Also ich glaube,
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es ist auch so ein bisschen so ein kleiner filmischer Kniff,
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um halt so diese Überbevölkerung und diese futuristische Welt darzustellen.
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Weil erst noch mal auf der Erde, das ist relativ einfach, dann so einen Naturraum
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zu zeigen, weil das wird es wahrscheinlich auch in 100 Jahren so geben, ja mehr oder weniger.
0:33:52–0:33:55
Aber in dem Moment, wenn du halt irgendwie dich in der Stadt reinbewegst,
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dann musst du ja auch irgendwie diese Stadt darstellen.
0:33:58–0:34:00
Und vielleicht hat er da einfach gesagt, okay, ich kürze das ab und mache dann
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einfach so eine Situation.
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So, selbst fahrendes Auto und dann so, um dann halt so ein bisschen diese Futur,
0:34:07–0:34:14
diese futuristische Vision dann auch oder die filmische Vision von Zukunft dann darzustellen.
Micz Flor
0:34:15–0:34:17
Ist das hier noch deine Tour? Ja, das ist meine Tour.
Florian Clauß
0:34:18–0:34:21
Wir sind genau hier über die Straße, weil die ist so schwierig,
0:34:21–0:34:24
auch irgendwie anders zu klären. Das ist total irre.
Micz Flor
0:34:24–0:34:27
Die Tour, die du ausgesucht hast, die passt sowas zum Thema.
0:34:27–0:34:31
Also man muss jetzt natürlich wissen, dass wir schon über zweieinhalb Stunden
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in der letzten Folge gelaufen sind.
0:34:33–0:34:38
Und jetzt geht es einfach weiter und wir bewegen uns hier entweder in den verwilderten,
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verwachsenen Grünstreifen, die liebevoll vernachlässigt wurden.
0:34:45–0:34:49
Oder halt eben hier in diesem monolithischen Plattenbau-Dschungel und großen
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Sechsspur-Autobahnen, die halt für uns extra stillgelegt wurden.
Florian Clauß
0:34:54–0:34:58
Das ist eigentlich Podcast. Das ist Wahnsinn. Das ist genau das,
0:34:59–0:35:03
was uns dann auch zu diesem Podcast geführt hat.
Micz Flor
0:35:04–0:35:08
Genau. Und dabei noch mit deinem guten Freund reden.
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Toll. Ja, wir kommen dann eben an und fliegen auf die Station.
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Wir hatten schon, wie du sagst, über 40 Minuten oder so was vorbau auf der Erde.
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Ich weiß nicht mehr genau, welches Detail Bertrand aus der Autofahrt noch mitteilt,
0:35:28–0:35:31
aber da war irgendeine Frage, die sie noch hatten, die wurde dann auch gelöst.
0:35:32–0:35:38
Und dann fragt Berton noch, wann fliegt der los und dann sagt der Vater,
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morgen ist er nicht mehr hier.
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Und dann geht's los.
Florian Clauß
0:35:43–0:35:48
Dann geht's los und er kommt auch gleich an. Also hier gibt es,
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glaube ich, eine aufwendigere Szene von den Effekten,
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nämlich die Darstellung, wie er auf diese Stationen fliegt.
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Tarkovsky selber war ja nicht ein Freund von 2001 von Stanley Kubrick.
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Ihm war der Film zu kühl.
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Aber gleichzeitig ist das, diese Szene, wie er dann auf die Station zufliegt, ist ein Zitat an 2001.
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Das ist auch eines der aufwändigeren visuellen Effekte. Es sieht auch wirklich
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heute noch ganz brauchbar aus.
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Das ist jetzt nicht so wie andere Sachen, die halt schlecht altern.
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Da kommt es auf die Station. Die Station, ich finde vom Interieur finde ich
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das auch ziemlich abgefahren.
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Ja, also ich meine, das ist natürlich schon so ein bisschen gealtert,
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die Darstellung, das Filmset zu der Station.
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Im Prinzip Gänge, die dann immer so mit Stahlblech ausgelegt sind.
Micz Flor
0:36:52–0:36:56
Ja, so ein bisschen die Fantasie, die ich hatte, dass ein altes E-Werk oder
0:36:56–0:36:59
sowas leer steht und wo die drin drehen durften. Und man nimmt dann einfach
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diese großen Räume einfach mit.
Florian Clauß
0:37:03–0:37:11
Ja, und auch wenn er da ankommt, da wo die Rakete quasi, seine Transporter-Rakete
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landet, Dann hat er so eine Art Seesack mit dem.
Micz Flor
0:37:15–0:37:15
Ja.
Florian Clauß
0:37:16–0:37:19
So wie er dann gekleidet ist, so ein Seesack, ja.
0:37:20–0:37:25
Ich glaube, das ist dann so diese militärische Form, wie man dann halt irgendwo
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im Einsatzgebiet dann fliegt, ja.
0:37:27–0:37:33
Man hat halt so einen Sack, wobei der dann auf Solaris so ein bisschen futuristischer aussieht, ne.
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Er kommt auf diese Station und man sieht eben auch, dass diese Station irgendwo
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Ende ihres Lebenszyklus ist, ne.
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Alles ist ein bisschen ungeordnet, liegt herum, er trifft keinen richtig,
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trifft dann auf Snout, redet dann kurz mit ihm, ist dieser verwirrte Zustand,
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wo dann eben Snout sehr zurückhaltend doch ist, wo man nicht genau weiß,
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ja kommen sie erstmal an, holen sie sich aus, leg dich hin und so weiter.
0:37:59–0:38:03
Und ich will ein bisschen abkürzen, weil die Geschichte haben wir ja schon in
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der letzten Folge sehr ausführlich erzählt.
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Aber es ist dann auch so, dass dann Harvey, die sich umgebracht hat,
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die Freundin von Chris Calvin, die erscheint dann auch in einer sehr schönen Szene.
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Also da ist nochmal so die Farbgebung.
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Die Farbgebung bei dem Film, sehr gesättigt, in so Gelbtönen.
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Auf einmal ist sie dann im Raum da. Und er kann das natürlich erstmal nicht glauben, was da ist.
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Hält es für einen Traum, reagiert panisch.
0:38:35–0:38:42
Er schickt dann eben Harvey mit der Rakete aus der Station, verbannt sie.
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Und man sieht dann auch, wenn sie dann rausfliegt, das ist auch ein schöner
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Moment, wie man einfach ihr Gesicht, dieses Gesicht aus dem Bullauge von der
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Rakete, eben noch so völlig entsetzt anschaut.
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Also er kann es eben nicht glauben, dass es sie ist und unterhält sich dann
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mit Snout und bekommt dann halt eben mehr Informationen zu der Situation.
Micz Flor
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Genau, das ist eigentlich relativ ähnlich, auch wie im Buch,
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so vom Rhythmus her. Es ist natürlich
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anders, also da sind wirklich viele Strecken und viele Längen drin.
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Aber von der handlung ist es da relativ ähnlich auch
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zum beispiel was du schon beschrieben hat es in der letzten folge die
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die situation so sartorius dann die tür hinter sich zu hält während er mit calvin
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spricht zum ersten mal wirklich und dann sagen wo kevin sagt ich komme jetzt
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rein und er sagt nein nein bleiben sie draußen ich komme ich komme alles gut
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also will nicht dass er sieht was da drin los ist dann hält sartorius die tür
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zu und es zappelt so und dann Und dann kommt wirklich kurz,
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geht die Tür auf und da kommt ein,
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sieht man nur ganz kurz, ein kleinwüchsiger Mann, kommt dann raus und er zieht
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ihn halt dann irgendwie ins Zimmer rein, dann schmeißt er die Tür wieder zu.
0:39:50–0:39:53
Das ist dann dieser Moment, wo ich das Gefühl hatte,
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wäre schöner gewesen wenn man es im fantastischen gelassen hätte also im sinne
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von ich stelle mir das vor.
Florian Clauß
0:40:00–0:40:02
Ja aber.
Micz Flor
0:40:02–0:40:07
Es ist dann sehr nah schon irgendwie eine handlung dran finde ich was nicht vor.
Florian Clauß
0:40:07–0:40:13
Film hält sich da recht nah an der an dem buch das tatsächlich,
0:40:14–0:40:19
also die zweite habe ich um wieder auch diese szene mit dem kleid das ist aufgeschnitten
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wird ja ja wird da inszeniert und auch das zweite kleid,
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bekommt da auch den stellenplatz in dem
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buch von stanislaw lemm wird das zweite kleid so beschrieben wie das wäre das
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schmerzhafteste was er je gesehen hätte was ihm so ein also den chris hat den
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ich erzähler das hätte ihnen so einen starken stich gegeben als er das zweite Kleid.
0:40:49–0:40:53
Ich fühle mich echt so ein bisschen wie hier irgendwie twenty eight days later.
Micz Flor
0:40:53–0:40:58
Es ist völlig ausgestorben. Die Fotos kann man kann man sich nicht vorstellen.
0:40:58–0:41:01
Also gerade wenn man so das Gefühl hat, dass Berlin ist inzwischen auch so dicht
0:41:01–0:41:03
geworden, so viel los und wir sind hier draußen.
Florian Clauß
0:41:04–0:41:07
Es sind nur noch ein paar Autos, wo man dann auch so gehetzte Leute sieht und wir.
Micz Flor
0:41:07–0:41:10
Müssen uns langsam Sorgen machen, ob wir vielleicht verdursten,
0:41:10–0:41:14
weil wir kein Wasser mithaben, weil hier scheint keine Zivilisation mehr zu sein.
Florian Clauß
0:41:14–0:41:19
Das ist echt verrückt. Die Geschichte geht also so weiter wie im Buch.
0:41:19–0:41:26
Das heißt, es ist eine andere Beziehung, die sich zwischen Chris und Harvey entwickelt.
Micz Flor
0:41:26–0:41:29
Es gibt ja dann auch diese eine Szene, wo eben Harvey dabei ist.
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Die anderen Gäste sind ja nicht dabei bei den anderen.
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Wo die in so einem, wie in so einem Offiziersspeisesaal oder sowas drin sitzen.
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Also wo man wirklich das Gefühl hat, das ist schon wieder fast auf der Erde.
0:41:41–0:41:44
Da hat man Woodpaneling und die sitzen da irgendwie rum.
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Das fand ich auch irgendwie sehr erstaunlich, dass die Innenarchitektur dann
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irgendwie dann, als diese Beziehung zwischen den beiden so fest war,
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dass er sie auch einfach mitnimmt zu solchen Meetings, dass es dann wirklich
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so richtig häuslich wird.
Florian Clauß
0:41:57–0:42:00
Genau, aber das ist nochmal eine zentrale Szene, die wollte ich auch genauer
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nochmal eingehen. Du meinst die Szene in der Bibliothek, ne?
Micz Flor
0:42:04–0:42:04
Ja.
Florian Clauß
0:42:04–0:42:08
Das ist nochmal eine Schlüsselszene für mich in dem Film.
0:42:08–0:42:12
Sonst entwickelt der sich, also das heißt auch, das hattest du ja auch letzte
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Folge beschrieben, Die war sehr schön inszeniert, wie dann Harvey sich eingesperrt
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fühlt und diese Stahltür niederreißt und dabei sich schneidet.
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Und dann auf einmal sehen Snout und Calvin, wie schnell sich die Schnittwunden
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dann regenerieren können.
0:42:30–0:42:35
Dass da eben eine Kraft dahinter ist. Und auch Harvey selber...
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Beginnt über sich zu reflektieren. Also das heißt, ihr ist klar, dass sie eine Kopie ist.
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Und dass sie dann nur eine Abbildung ist. Eine Kopie, aus der aus dem Gedächtnis von Chris ist.
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Und das heißt, sie kriegt da viel stärker die Vorstellung, dass sie als Figur,
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und das finde ich auch toll, dass sie wirklich dann anfängt,
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eine Identität zu entwickeln.
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Stärker als in der Romanvorlage. weil sich eben dann eben diese Beziehung zwischen
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den beiden tatsächlich in einer neuen Art der Liebe ausdrückt.
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So möchte ich das mal formulieren.
Micz Flor
0:43:18–0:43:23
Also diese Tour, die du rausgesucht hast, ist viel phänomenaler als du dachtest.
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Konnte keiner erahnen, aber wir laufen wirklich wie 28 Days Later,
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28 Weeks Later über leere Autobahnzubringer.
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Die Natur scheint hier schon Teile der Straßen zurückerobert zu haben.
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Es ist alles abgesperrt.
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Die Illusion hält nicht ganz, weil im Hintergrund hört man ein paar Autos fahren.
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Aber es ist wirklich ein sehr, sehr ungewöhnliches Stadtgefühl.
Florian Clauß
0:43:53–0:43:58
Vor allen Dingen, dass man mitten in der Stadt ist, aber wie tot einfach auch
0:43:58–0:44:00
Marzahn ist hier an solchen Stellen.
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Und ich dachte, wir könnten da noch essen gehen. Also, es gibt,
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das ist dir sicher auch aufgefallen, es gibt auch relativ Anfang an einem Film,
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gibt es dieses Schwenk auf das Ohr von Snout.
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Hast du das noch im Kopf?
Micz Flor
0:44:18–0:44:20
Jetzt, wo du sagst, kommt es wieder hoch.
Florian Clauß
0:44:20–0:44:28
Ja, und das passiert zweimal. Das ist dann so ein Zoom in das Ohr von Snout.
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Ja, und man fragt sich, warum? Warum?
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Was will denn jetzt Tarkovsky uns damit zeigen?
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Und hast du da irgendeine Idee? Also ich habe da auch keine größere Theorie
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zu, außer dass es so um diese Sinnlichkeit geht.
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Weil der Film hat schon was extrem Sinnliches.
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Die Frage ist nämlich von der Erscheinung der Gäste, dass es ja eine körperliche
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Beziehung dann auf einmal bekommt.
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Und diese sinnliche Beziehung zu dem Ohr, diese Wahrnehmung.
0:44:58–0:45:02
Also es wird ja irgendwie, es wird ja auch diese, grundsätzlich ist es ja auch,
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der ganze Roman geht ja immer auch um Erkenntnistheorie.
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Also was können wir erkennen? Also die ganze Erkenntnistheorie im klassischen
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Sinne wird ja auch in Frage gestellt durch solche Modelle.
Micz Flor
0:45:14–0:45:17
Das ist jetzt irre, weil ich das irgendwie als Bild im Kopf habe,
0:45:17–0:45:21
aber jetzt nicht genug, als dass ich da irgendwie eine Beziehung zu entwickeln
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könnte, um dir so aus dem Bauch heraus ein Gefühl zu geben, was ich denke, was es bedeutet.
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Aber es ist so, das wäre jetzt alles irgendwie vom Kopf her.
0:45:29–0:45:34
Ich habe dann, ist aber auch Blödsinn, ich habe mir gedacht,
0:45:34–0:45:38
weil er sich ja als Ratte vorstellt, dass er, he's a rat, also er ist ein Spion,
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ob er da jetzt irgendwie alle hören mit, so, das weiß ich nicht.
0:45:43–0:45:47
Vielleicht ist das eine Symbolik, die dann damals,
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Und in den politischen Verhältnissen Bedeutung hatte. Aber es ist jetzt wirklich
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nicht so stark aufgeführt.
Florian Clauß
0:45:55–0:45:58
Also ich finde auch gut, dass du jetzt in dem Zusammenhang nochmal ansprichst,
0:45:59–0:46:07
das repressive System, weil natürlich auch Tarkovsky immer auch Systemkritik
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irgendwo impliziert in seinen Filmen.
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Und können wir auch nochmal nachher besprechen.
0:46:14–0:46:18
Aber es gibt diesen, also ich würde es auch eher so um diese Sinnlichkeit,
0:46:19–0:46:23
um diese Körperlichkeit, um dann nochmal diese Wahrnehmung und dieses Trügen
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von Wahrnehmung, dass du deinem Sinnesorgan nicht mehr vertrauen kannst.
0:46:29–0:46:36
Oder dass du diese Erkenntnis, und da sind wir jetzt wieder bei unseren KI-Folgen von früher,
0:46:37–0:46:43
dass eben für wirkliche Intelligenz ja auch eine Körperlichkeit,
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zumindest in unserem menschlichen Kontext, vorausgesetzt wird.
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Das heißt, um Sachen zu erkennen, muss man ja die auch irgendwo sinnlich erfahren.
0:46:55–0:46:59
Gehen wir nochmal auf diese Szene in der Bibliothek. In dieser Szene,
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da habe ich ja auch tatsächlich nochmal viel mitgeschrieben aus dem Film,
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weil das für mich, wie ich schon sagte, eine Schlüsselszene ist.
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Und da möchte ich dir den Dialog vorlesen.
0:47:11–0:47:14
Also es ist die Geburtstagsfeier von Snout in der Bibliothek und da taucht er
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auch viel später aus und völlig betrunken.
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Sartorius und Kelvin mit Harvey sind ja schon da und Snout sagt als er erscheint,
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wir wollen doch, ja und das ist genau das,
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was er zum Ende der letzten Folge vorgelesen hat, wir wollen doch die Erde nur
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ausweiten bis an ihre Grenzen, wir brauchen keine anderen Welten,
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wir brauchen einen Spiegel, wir plagen uns ab mit dem Kontakt,
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aber wir werden ihn nie bekommen und Kelvin sagt Giberian starb vor Ausweglosigkeit.
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Sartorius, ich kenne meinen Platz, ich arbeite. Der Mensch wurde von der Natur
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geschaffen, um sie zu erkennen.
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Also hier hast du genau diese unterschiedlichen Positionen herausgearbeitet.
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Harvey sagt, Chris verhält sich viel menschlicher als ihr beide.
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Unter unmenschen Bedingungen sucht er Menschlichkeit, während sie,
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also Sartorius, so tun, als ginge sie das nicht an. Er versucht zu lieben.
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Unterbrechen Sie mich nicht. Ich bin eine Frau. Das sagt der Terrorist.
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Und dann sagt er, unterbrechen Sie mich nicht. Ich bin eine Frau. Sie sind keine Frau.
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Harvey ist tot. Sie sind eine mechanische Wiederholung. Eine Kopie, eine Matrize.
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Eine Matrize ist auch schön, weil es ist wie das Carbon-Copy.
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Und Harvey sagt, ja, schon möglich. Aber ich werde zu einem Menschen.
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Ich kann schon auskommen ohne ihn. Ich liebe ihn.
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Ich bin ein Mensch und sie sind sehr grausam.
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Und das finde ich halt so ganz toll, weil nämlich in dieser Form von dieser
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unwirklichen, unnatürlichen Harvey wird auf einmal so ein Menschlichkeitsdiskurs geführt.
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Und der dann genauso gleichwertig ist, wie jetzt, als wäre sie ein echter Mensch.
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Also genau in dieser Fremdartigkeit, in dem sie dann halt diese Liebe dann auch
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wirklich als Emotion auch glaubhaft dann entwickelt, fängt sie ja dann an,
0:49:20–0:49:22
diese Menschlichkeit zu entwickeln.
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Und das ist halt irgendwie interessant, dass Menschlichkeit ja gleichzeitig
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so eine Wertigkeit ist, so eine moralische Implikation hat an der Stelle.
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Und dann kommt auch diese Szene, wo dann Snout schon vorher angekündigt hat,
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es wird Schneewerelosigkeit geben. Und man sieht dann in der Bibliothek nur
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noch, wie dann Chris und Harvey zusammen Arm in Arm auf der Bank sind.
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Auf einmal fliegt ein Buch dann
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so durch das Bild und man hört so einen Kling, so einen Kling von Glas.
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Und dann ist der Kronleuchter, der in der Bibliothek hängt, der faltet sich
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quasi aufgrund der Schwerlosigkeit zusammen.
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Und dann kommt halt dieses Kling von Glas und man sieht dann halt die beiden,
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wie sie schweben. Das ist aber auch so, wie du schon beschrieben hast, so ein heimeliger Raum.
0:50:11–0:50:16
Also das heißt, es ist wirklich so noch mit so ganz kulturellen Gegenständen
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aufgeladen. Du siehst das Bücherregal, du siehst dann halt auch Ikonen.
0:50:20–0:50:23
Und dann kommt halt dieses Bild von Heimkehr der Jäger.
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Das ist ja dieses ganz berühmte Gemälde, wo du dann so eine Winterlandschaft siehst.
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Und dieses von Brügel ist das, glaube ich.
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Und diese Winterlandschaft wird dann in so Close-Ups nochmal so näher herangesoomt.
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Du siehst dann die Hunde von den Jägern. Das kennt, glaube ich, jeder, dieses Bild, ne?
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Du siehst dann im Hintergrund dann so diesen Teich, da wird auch nochmal näher drauf geguckt.
0:50:46–0:50:50
Wie der Teich zugefroren wird, wie dann eben Menschen auf den Teich Schlittschuh laufen.
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Und du siehst dann halt auch so, im Prinzip siehst du eine Winterlandschaft,
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die halt nichts mit dieser unwirklichen Atmosphäre von dem Planeten zu tun hat.
0:51:02–0:51:10
Und Chris und Harvey liegen da Arm in Arm und sind dann wirklich so für sich auf einmal, so als Paar.
Micz Flor
0:51:10–0:51:14
Ja, das ist, glaube ich, auch so eine richtige Tarkovsky-Einstellung,
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wo man so merkt, das ist ihm jetzt unglaublich wichtig, dieses Bild.
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Und in Bezug zum Dialog ist es so,
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dass das Bild Snouts Ansicht quasi verifiziert in dem Moment und sagt,
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ja, wir nehmen die Erde überall hin mit.
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Auch hier sind wir in dieser Bibliothek bis hin zu einem Winterbild von Jägern und Hunden.
Florian Clauß
0:51:47–0:51:52
Ja, also wir können ja auch nur mal sagen, ich würde es jetzt ein bisschen anders
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einschätzen, aber es ist auf jeden Fall so ein Tarkovsky-Moment,
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weil Tarkovsky diese Schwerelosigkeit in einigen Filmen verwendet hat.
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Also bei Stalker haben wir es jetzt nicht, aber bei Stalker gibt es diesen Montage-Cut,
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wo auf einmal etwas Übernatürliches passiert, unerwartet in einem Setting, was übernatürlich ist.
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Aber es gibt bei Andrei Rubeljov so eine Einstellung, wo dann auf einmal so
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ein Kind zu schweben anfängt.
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Die ganze Zeit nicht, aber das Kind fängt an zu schweben und hebt sich dann
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auch über die ganzen Brückenwälder.
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Aber es ist auch so ein ganz starker Moment aus so einer Ruhe heraus.
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Also er hat dann halt auch wieder so eine Kraft, einfach so eine filmische Kraft,
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die dann auch sich auf den Körper auswirkt in dem Moment.
0:52:43–0:52:45
Also eine Ruhe, meditativ, hypnotisch, wie auch immer.
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Diese drei Stränge, die in Figuren angelegt sind, aber die auch nicht so richtig gewichtet sind.
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Sondern es ist auch immer in den einzelnen Figuren unterschiedlich von der Gewichtung drin.
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Das ist einmal der wissenschaftliche und zivilisatorische Strang,
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der so ein bisschen durch Sartorius verkörpert ist.
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Dann haben wir die Naturverbundenheit und die Transzendenz, die da auch zum
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Ausdruck kommt. Das sind die Natur-Szenen, die Schwebe-Szenen,
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die Musik auch, die im Hintergrund dann immer kommt.
0:53:18–0:53:22
Und es gibt das Metaphysische, das Bewusstsein, das Gewissen.
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Das ist quasi der Planet, also der Ozean, das außerirdische Leben.
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Und diese Stränge werden ja immer so hin und her gewuchtet.
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In dem Film. Und jetzt aber noch mal so, was heißt das denn eigentlich?
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Wir haben dann am Ende, wir kommen jetzt mal zum Ende, also ich glaube,
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wir können das, das ist auch relativ nah.
0:53:45–0:53:51
Das heißt, auch hier folgt der Film, dem Buch, dann bringt sich eben oder in
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Abstimmung, also das ist nochmal wichtig, Calvin fällt dann in einen.
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Fiebertraum. Und dann vermischen sich, dann träumt er eben, Dann träumt er von seiner Kindheit.
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Er als Kind wird von seiner Mutter, im Traum ist er dann aber nicht gealtert,
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sondern wird als alter Mann oder als der Mann, in dem Alter er gerade ist,
0:54:14–0:54:16
wird er dann von seiner Mutter gepflegt.
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Gleichzeitig schwenkt die Kamera im Raum und die Mutter sieht dann auch sehr
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ähnlich zu Harvey. Also es vermischt sich diese Figuren.
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Es ist dann Harvey, es ist die Mutter, die Mutter, man sieht sie dann auch gelangweilt,
0:54:28–0:54:33
wie sie raucht und dann auch in der Winterlandschaft dann irgendwie,
0:54:33–0:54:37
also man sieht halt so Kindheitsszenen irgendwo da so in diesem Traum.
0:54:37–0:54:41
Und am Ende ist es dann so, dass wenn er dann erwacht von dem Traum,
0:54:41–0:54:46
hat Harvey sich dann halt auch in ihrem eigenen Willen dazu entschlossen,
0:54:46–0:54:49
dass sie dann annulliert wird.
0:54:50–0:54:56
Das heißt, sie ist dann auch nicht mehr da. Für Calvin ist es auch so ein Moment des Verzweifelns.
Micz Flor
0:54:56–0:55:00
Und da ist es nochmal anders, in beiden Filmen, glaube ich, anders als im Buch.
0:55:00–0:55:05
Im Buch verabreicht Javier Calvin Schlaftabletten.
0:55:06–0:55:09
Aber in beiden Filmen hat Calvin diesen Fiebertraum.
0:55:11–0:55:13
Also Clooney hat den ja auch.
Florian Clauß
0:55:13–0:55:17
Und was dann quasi zum Ende des Filmes führt, dann heißt es auch,
0:55:18–0:55:23
dann diskutiert er eben mit Snout, dass er auf die Erde zurückkehrt.
0:55:23–0:55:30
Es gibt dann einen Schuss und auf einmal siehst du dann Calvin wieder an diesem
0:55:30–0:55:34
See, an dem Haus von dem Vater,
0:55:34–0:55:38
wieder dann auch da in der Landschaft. und denkt man, okay, er ist jetzt wieder auf der Erde.
0:55:38–0:55:44
Dann sieht er seinen Vater im Haus und es fängt an zu regnen.
0:55:44–0:55:50
Und da ist wieder so dieses Glitching, diese Glitches, nämlich das regnet im Haus.
0:55:50–0:55:53
Und er sieht seinen Vater und er lehnt sich so an die Scheibe.
0:55:53–0:55:58
Sein Vater tritt vor die Tür und er kniet vor seinem Vater nieder und umschlingt seine Hand.
0:55:58–0:56:06
Dann fährt die Kamera raus und auf einmal sieht man dann diese ganze Szene mit Haus, mit Teich.
0:56:06–0:56:12
Quasi so eine Scholle ist im Ozean. Und die Kamera verliert sich dann in den Wolken. Das heißt,
0:56:14–0:56:18
ist dann in dieser Simulation auf dem Ozean zurückgeblieben.
0:56:18–0:56:22
Wobei man nicht weiß, ist das jetzt... Also es wird noch offener.
0:56:22–0:56:27
Während bei dem Roman sich dann Chris entschieden hat, bewusst dann weiterzumachen,
0:56:27–0:56:31
kann das auch quasi so ein Ende sein.
0:56:31–0:56:38
Das kann der alte Memoid sein oder er ist dann wirklich gefangen im Ozean und kommt nicht mehr raus.
0:56:38–0:56:43
Also wie so die Muschel, die Perle in der Muschel. Und er ist dann verschlungen jetzt.
Micz Flor
0:56:43–0:56:48
Ja, und das ist dann das Ende und das ist quasi genau, wie du sagst,
0:56:48–0:56:50
nochmal das Haus wie vom Anfang.
0:56:50–0:56:56
Und das ist dann so eine Klammer um die ganze Geschichte, wo ich,
0:56:56–0:56:59
was ich am Anfang schon sagte, auch wieder eine Klammer.
0:57:00–0:57:04
Zuerst den Film gesehen, beide Filme gesehen, dann das Buch gelesen.
0:57:04–0:57:06
Jetzt zum ersten Mal das Buch gelesen.
0:57:06–0:57:11
Und dann frage ich mich wirklich, warum hat Tarkovsky das so gesetzt?
0:57:12–0:57:15
Warum hat der, also gut, filmisch, ich muss irgendwie sagen,
0:57:16–0:57:20
seit 100 Jahren gibt es Solaristik, dann reden halt die älteren Menschen auch schon darüber.
0:57:20–0:57:22
Aber warum ist er wieder zum Schluss beim Vater?
0:57:23–0:57:27
Ich habe es nicht so ganz gecheckt. War mir nicht klar.
Florian Clauß
0:57:27–0:57:31
Also ich Ich kann dir ja mal vielleicht einen Interpretationsansatz geben dafür,
0:57:31–0:57:33
wie ich das jetzt sehen würde.
0:57:34–0:57:39
Es ist ja eigentlich so eine, also eigentlich ist es eine Erläuterungsgeschichte.
0:57:40–0:57:46
Das heißt, Harvey erscheint, entwickelt eine Beziehung, er überdenkt seine aggressive
0:57:46–0:57:49
Haltung, den Ozean in die Luft zu jagen,
0:57:50–0:57:54
empfindet wieder Liebe, er kriegt dann wieder eine Identität,
0:57:54–0:58:01
ein Heimatgefühl, er kriegt eine Verbundenheit, er versöhnt sich mit seinem todkranken Vater.
0:58:02–0:58:06
Es gibt ja so eine, und das ist so ein bisschen wie unser Podcast,
0:58:07–0:58:11
man hat so eine Verknüpfung von Ort und Wort.
0:58:13–0:58:20
Diese Verbundenheit und diese Identität zu einem Ort, wo man erstmal überhaupt
0:58:20–0:58:22
ein Ich-Bewusstsein aufbauen kann.
0:58:23–0:58:27
Und das ist glaube ich so dieses, und da wird es wieder so politisch,
0:58:27–0:58:30
das ist halt natürlich ein total russisches Ding.
0:58:30–0:58:33
Mütterchen Russland, das ist so tief drin.
0:58:34–0:58:37
Das ist, glaube ich, auch was man kulturell eben jetzt nicht so nachvollziehen kann.
0:58:37–0:58:44
Aber dieses Mütterchen Russland, diese Verbindung zur Erde, diese Heimat,
0:58:44–0:58:49
die dann auch so tief drin ist in den Charakteren, dass sie darüber überhaupt
0:58:49–0:58:51
ihre eigene Existenz erfahren können.
0:58:51–0:58:55
Und das ist dann so ein bisschen konträr. Und da will man dann so ein bisschen
0:58:55–0:58:58
noch die Systemkritik herausholen.
0:58:58–0:59:06
Nämlich konträr zu diesem Ansatz von dieser Gesellschaft, dieses UdSSR,
0:59:07–0:59:10
eben diese Gesellschaft von Gleichmachung.
0:59:11–0:59:15
Also es wird einfach eine gewisse Leistung erwartet.
0:59:15–0:59:24
Es wird jetzt quasi nicht unterschieden. Also das ist nochmal so die Kritik an das Regime.
0:59:27–0:59:31
An den Staatsapparat, dass diese bedingungslose Rationalisierung,
0:59:31–0:59:37
die geht in so einer, da geht halt in dieser Form, geht halt die Menschlichkeit irgendwo verloren.
0:59:38–0:59:42
Und das führt eben zu so einer Heimat und zu einer Wurzellosigkeit,
0:59:44–0:59:45
Orientierungslosigkeit.
0:59:45–0:59:49
Und ich glaube, das damit, mit diesem Bild, hat das so Tarkovsky so ein bisschen
0:59:49–0:59:55
entgegengesetzt und wollte da quasi so eine Staatskritik dran üben.
0:59:55–0:59:59
Das wäre jetzt so ein Ansatz, den man da so reinlesen könnte.
0:59:59–1:00:03
Gleichzeitig wird es halt auch in anderen Kritiken, wird es dann auch sehr,
1:00:04–1:00:13
ja, dann ist halt einfach diese Liebe von Harvey zu Chris und dann ist es dieser Läuterungsprozess.
1:00:13–1:00:15
Das ist eine sehr kitschige Geschichte dann wieder.
1:00:16–1:00:20
Also es wird dann, wenn man die reine Geschichte rauszieht, ist die halt einfach
1:00:20–1:00:26
viel zu kitschig. Und man muss es, glaube ich, einbetten, einfach in den kulturellen Kontext da.
Micz Flor
1:00:27–1:00:31
Ja, das kann ich nicht so gut. Aber jetzt, wo du darüber sprichst,
1:00:31–1:00:35
kommt in mir so das Bild hoch, dass es ja auch vielleicht, er zieht ja los,
1:00:35–1:00:37
Calvin, als der, der das jetzt alles zerstören will.
1:00:38–1:00:44
Und er kommt dann zurück und der Vater ist natürlich im echten Leben schon inzwischen längst gestorben.
1:00:44–1:00:50
Das ist ja auch so ein Thema, also dass er seinen Vater nicht begraben wird.
1:00:50–1:00:53
Das wird ja auch am Anfang wirklich angesprochen.
1:00:54–1:01:01
Und dass er dann aber dieses Bild herstellt, wo er vielleicht einfach das Lebenswerk
1:01:01–1:01:07
des Solaristen, also sein Vater ist ja Solarist gewesen, von Geburt bis Tode sozusagen,
1:01:07–1:01:14
dass er dann in seinem Bild zum Schluss sich mit dem Vater irgendwie verbindet.
1:01:14–1:01:18
Und aufgrund der Erfahrung, die er dort hatte mit Harvey, dann einfach seine
1:01:18–1:01:21
Meinung ändert und als Wunschvorstellung dann auch umgesetzt wird,
1:01:22–1:01:25
dass er dem Vater gegenüber das noch mal zeigen kann.
1:01:25–1:01:30
Dass er sich dem unterwirft, buchstäblich. Das ist ja auch so ein Boden.
Florian Clauß
1:01:30–1:01:35
Ja, vielleicht, wenn man das dann halt in diesem Solaristik-Diskurs dann auflösen möchte.
1:01:36–1:01:43
Übertragen gesprochen wäre es dann auch so, wenn das Ende, der hat ja auch so
1:01:43–1:01:45
eine gewisse Metaphysik.
1:01:45–1:01:51
Also das heißt, es ist ja mystisch. Es ist irgendwie so kein klares Ende.
1:01:51–1:01:56
Und das ist ja genau der Gegenpol zu diesem wissenschaftlichen Aufklärungsdiskurs,
1:01:56–1:01:59
der immer wieder unternommen wird, um halt den Planeten zu untersuchen.
1:01:59–1:02:03
Also so findest du auch irgendwie so einen anderen Ansatz.
1:02:04–1:02:07
Das ist halt quasi nicht diese Unterwerfung nach Solaristik,
1:02:07–1:02:09
sondern das ist ja dann eher so die Frage...
1:02:10–1:02:15
Wie passiert das jetzt gerade hier? Und das wäre auch nochmal so,
1:02:16–1:02:23
dann eher dieses nach Menschlichkeit, nach Ungeklärtheit, nach Offen und nicht
1:02:23–1:02:25
nach Rationalisierung.
1:02:25–1:02:29
Es gibt viele Ansätze in Darkowskis Werken.
Micz Flor
1:02:29–1:02:36
Es ist auch total schwierig, finde ich, den Film in seiner Wirkweise in Sprache zu fassen.
1:02:36–1:02:41
Das ist wieder das, was wir immer versuchen. versuchen, wir erklären hier ja
1:02:41–1:02:43
auch die Umgebung, durch die wir laufen.
1:02:43–1:02:46
Manchmal mit einer verzweifelten, appellativen Haltung.
1:02:48–1:02:50
Keiner wird sich vorstellen können, wie irre das gerade aussieht,
1:02:50–1:02:51
dass hier alles abgesperrt ist.
1:02:51–1:02:54
Aber da versuchen wir Bilder, die wir erleben, mit Worten zu fassen.
1:02:54–1:02:59
Ein Film, der davon lebt, dass er so eine mächtige Bildsprache hat und auch
1:02:59–1:03:02
mal auskommt, ein paar Minuten einfach überhaupt keinen Text zu haben.
1:03:02–1:03:09
Das ist ja schon auch in sich selbst eine Haltung, wo man sagen muss, das muss man erleben.
1:03:09–1:03:12
Also man muss das irgendwie sehen. Das ist bei Tarkowski, glaube ich, sehr, sehr schwer.
Florian Clauß
1:03:12–1:03:20
Ja, genau. Dieses Erleben, dieses Leiden, Leben und dieses Zurückbesinnen auf das Menschliche.
1:03:20–1:03:25
Das ist vielleicht so das, was das Humane ausmacht und was dann in diesem ganzen
1:03:25–1:03:28
Solaristik-Diskurs irgendwo verloren gegangen ist.
Micz Flor
1:03:28–1:03:32
Und das ist vielleicht dann auch dein Begriff oder das Wort der Hypnose,
1:03:32–1:03:37
was du am Anfang für dieses Format genommen hast, ist dann vielleicht doch passend,
1:03:37–1:03:38
weil das ja auch sowas ist.
1:03:38–1:03:41
Die Hypnose kann man sich nicht vom Kopf her erklären und dann wird es genauso
1:03:41–1:03:48
sein, sondern die Hypnose ist etwas, dem man sich hingeben muss und dann ist
1:03:48–1:03:50
der Ausgang vielleicht ungewiss und so, aber es ist auf alle Fälle nichts,
1:03:50–1:03:52
was man einfach in Worte fassen kann.
Florian Clauß
1:03:52–1:03:57
Ja, es ist ein suggestiver Akt. Also es geht irgendwo, man weiß nicht, was rauskommt.
1:03:58–1:04:02
Okay, soweit. Wir wussten auch am Anfang nicht, was rauskommt.
Micz Flor
1:04:02–1:04:05
Genau. Wo wir rauskommen.
Florian Clauß
1:04:05–1:04:07
Wie wir und wo wir rauskommen.
Micz Flor
1:04:07–1:04:10
Wir sind auf dem wunderschönsten Planeten, auf dem ich jemals war.
Florian Clauß
1:04:10–1:04:13
Auf dem Planeten Marzahn.
1:04:16–1:04:21
Also das war jetzt eigentlich Episode 54.
1:04:22–1:04:26
Wow, 54 sind wir jetzt mittlerweile. Es geht weiter mit dem Thema.
1:04:26–1:04:32
Freut euch auf die nächste Episode, wo wir dann nochmal tiefer in den Film,
1:04:32–1:04:36
in der filmischen Interpretation von Söderberg einsteigen.
1:04:36–1:04:39
Das war's für uns soweit. Macht's gut.

Mehr

"Wir möchten einen unbekannten aber existierenden Planeten erforschen, stattdessen untersuchen wir Menschen." Snaut, Kybernetiker

Das dritte Jahr "Eigentlich Podcast" beginnen wir mit einer Solaris-Trilogie. In dieser ersten Episode geht es um den Science-Fiction-Roman "Solaris" von Stanisław Lem (1961); in den folgenden um die Verfilmungen des Stoffs durch Andrei Tarkowski (1972) und Steven Soderbergh (2002). Der Roman "Solaris" spielt auf einer Raumstation, die den gleichnamigen, mysteriösen Planeten erforscht. Im riesigen Ozean, der Solaris bedeckt, scheint eine außerirdische Intelligenz verortet zu sein. Der Psychologe Kris Kelvin landet zu Beginn der Erzählung auf der Forschungsstation, von der aus sein Kollege Gibarian ihn zu Hilfe gerufen hatte. Doch Gibarian hat sich am Tag vor Kelvins Ankunft umgebracht, sagt Snaut, einer der beiden verbliebenen Forscher auf der Station. Es bleibt unklar, was vorgefallen ist und was Kelvin jetzt tun sollte oder hätte tun sollen. In diesem Schwebezustand erfahren wir viel über die inzwischen 100-jährige "Solaristik", die Spekulationen und Erforschung der wilden Phänomene des Ozeans. Dann erscheint eine Replik von Kelvins verstorbener Geliebten, was ihn zwingt, sich seinen eigenen inneren Dämonen zu stellen. Bald erfahren wir, dass die anderen beiden auch "Gäste" haben, wie sie die von Solaris erschaffenen, menschenähnlichen, doppelgängerhaften Kopien nennen. Das Buch untersucht Themen wie das Wesen des Bewusstseins, die Grenzen der menschlichen Erkenntnis und die Schwierigkeit, das Fremde zu verstehen. Was wir bei "Eigentlich Podcast" so noch nicht gemacht haben: Alle drei Folgen zeichnen wir in einer langen Wanderung durch Berlin auf – während wir, wie immer, "beim Laufen reden und laufend reden". Flo hat eine Tour geplant, die uns von den verwachsenen Grünflächen und Grabsteinen bei Herzberge, entlang übergroßer Rohrsysteme zur abgesperrten sechsspurigen Stadtautobahn in Marzahn führt. Berlin und Solaris verschmelzen beim Wandern wie in einem Fiebertraum. Und wir erkennen: jetzt sind auch wir "Solaristen" als Teil jener Gruppe, die seit Jahren spekuliert worum es bei Solaris eigentlich geht...

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
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Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:01
Gut.
Florian Clauß
0:00:02–0:00:03
Kommen Sie gerade von der Arbeit?
Micz Flor
0:00:04–0:00:11
Ja. Ich komme von der Arbeit. Und es war auch Arbeit. Und deshalb machen wir jetzt...
Florian Clauß
0:00:11–0:00:12
Arbeit!
Micz Flor
0:00:12–0:00:18
Nee, auch Arbeit. Schon aus Arbeit. Hallo! Willkommen zu Eigentlich Podcast.
0:00:19–0:00:24
Der Podcast, bei dem wir laufend reden und beim Laufen auch noch reden.
Florian Clauß
0:00:24–0:00:25
Ja, laufend reden quasi.
Micz Flor
0:00:25–0:00:27
Neben mir ist...
Florian Clauß
0:00:27–0:00:29
Oh, läuft auch dabei?
Micz Flor
0:00:29–0:00:33
Und ich bin Mitch und wir haben heute eine ganz besondere Folge,
0:00:33–0:00:39
nämlich die Folge nach der 52. Wie viele Wochen hat das Jahr?
Florian Clauß
0:00:39–0:00:40
52, oder?
Micz Flor
0:00:40–0:00:44
Wie oft erscheinen unsere Folgen?
Florian Clauß
0:00:44–0:00:46
Alle zwei Wochen.
Micz Flor
0:00:46–0:00:48
Das heißt, wir sind jetzt in
0:00:48–0:00:53
der ersten Episode des dritten Jahres und das ist schon ganz schön viel.
Florian Clauß
0:00:53–0:00:55
Zwei Jahre eigentlich Podcast.
Micz Flor
0:00:55–0:00:58
Genau, und zu drei Jahren machen wir dann auch gleich eine Trilogie und wir
0:00:58–0:01:01
nehmen heute alles in einem Fluss auf.
0:01:01–0:01:05
Die erste Folge ist quasi eine Gemeinschaftsfolge, die aber dann Flo schneiden
0:01:05–0:01:07
wird. Die zweite Folge ist Flo's Folge.
0:01:08–0:01:13
Ich habe ja zwei geschnitten, als du nach Freiburg warst. Und jetzt fährst du
0:01:13–0:01:14
wieder nach Freiburg, da schneidest du zwei.
0:01:15–0:01:21
Und dann die dritte Folge, die wahrscheinlich nur zwölf Minuten lang in die
0:01:21–0:01:24
Luft raus ist bei uns. Das ist dann meine Folge.
0:01:24–0:01:28
Und wir haben uns ein ganz besonderes thema ausgedacht was uns alle irgendwie
0:01:28–0:01:31
schon immer so ein bisschen kribbelt und auch irgendwie verbindet uns als ein,
0:01:32–0:01:36
typisches also ich denke viele menschen die ich kenne können mit dem oberthema
0:01:36–0:01:42
was ihr alle jetzt schon gelesen habt das hättet ihr einfach runter gesagt und,
0:01:43–0:01:46
schon kennt und das wird jetzt Flo kurz vorstellen.
Florian Clauß
0:01:46–0:01:51
Genau, weil dieses Thema ist auch schon lange, lange auf meiner Backlog-Liste
0:01:51–0:01:55
von eigentlich Themen, nämlich Solaris.
0:01:55–0:01:59
Und Mitch hat dann den Vorschlag gemacht, Mensch, hier zum zweijährigen Jubiläum,
0:01:59–0:02:05
lass uns doch über Solaris von Lem reden und dann über die jeweiligen filmischen
0:02:05–0:02:11
Adaptionen, nämlich von Tarkovsky und von Soderbergh.
Micz Flor
0:02:11–0:02:12
Soderbergh, genau. Genau.
Florian Clauß
0:02:12–0:02:18
Und so teilen wir uns auch an auf Mitch und ich machen zusammen von Stanisław.
Micz Flor
0:02:19–0:02:22
Stanisław, ja, lass mich da ganz kurz noch mal was zu sagen.
Florian Clauß
0:02:22–0:02:22
Stanisław Lem.
Micz Flor
0:02:23–0:02:31
Wir werden vielleicht sagen Lem, aber bevor wir den Namen kürzen,
0:02:31–0:02:36
dachte ich, wir können den ganz kurz uns noch mal richtig anhören,
0:02:36–0:02:37
wie er eigentlich klingt.
0:02:37–0:02:43
Und zwar spricht jetzt hier die Patentante deines Patenkindes.
0:02:44–0:02:51
Man spricht das so Stanislaw Lem. Okay, Stanislaw Lem. Stanislaw Lem.
Florian Clauß
0:02:51–0:02:54
Wir sagen aber Lem im Folgenden.
Micz Flor
0:02:54–0:02:56
Ich habe mein Leben lang Stanislaw gesagt.
Florian Clauß
0:02:57–0:03:04
Ich habe auch Stanislaw. Es hat diesen Buchstaben mit dem Strich von links unten.
0:03:04–0:03:06
Wusste ich auch nicht. Wir haben...
Micz Flor
0:03:06–0:03:06
Wie?
Florian Clauß
0:03:06–0:03:07
Wusste ich auch nicht.
Micz Flor
0:03:07–0:03:11
Ja, ich habe mit dem Standes... Also, Herr Lem,
0:03:11–0:03:16
die Frage, wie man das richtig ausspricht, meine Anekdote zu diesen Buchstaben
0:03:16–0:03:18
ist so, dass ich mit der Band mal in,
0:03:18–0:03:25
was wir im deutschen Schlager Lodz nennen, Theo, wir fahren nach Lodz,
0:03:25–0:03:31
was aber auch einen Strich vorne hat, das heißt W, und man spricht es aus.
0:03:33–0:03:38
Und als wir das dann erfahren haben, dann hat die Sängerin natürlich gleich
0:03:38–0:03:44
mit dem ersten Anspruch ans Publikum, wir waren damals Vorgruppe von Lydia Lunch,
0:03:45–0:03:49
und dann ist sie auf die Bühne und stellt sich vorhin hin und Wulz hat ganz
0:03:49–0:03:52
technisch mal gesagt so, hello Lutsch,
0:03:52–0:03:58
woraufhin die ganze Band halt ins Lachen ausgebrochen ist, was aber dann natürlich
0:03:58–0:04:02
für alle überhaupt nicht komisch war. Aber, ja.
Florian Clauß
0:04:02–0:04:07
Ja, wie ihr vielleicht hört, haben wir uns hier auch an einem Hauptverkehrspunkt
0:04:07–0:04:11
im Osten getroffen, nämlich dem Bahnhof Lichtenberg.
0:04:11–0:04:16
Und passend zu unserer Folge heute habe ich noch eine Tour ausgesucht,
0:04:16–0:04:21
die auch lange auf meiner Liste steht, weil ich finde die Tour super.
0:04:23–0:04:26
Beziehungsweise ich bin ja auch schon oft gefahren. Wir werden jetzt so Richtung
0:04:26–0:04:31
Herzberge gehen. und der eigentliche Grund, warum wir nach Herzberg gehen,
0:04:31–0:04:36
ist, da schließt sich neben dem die Allee der Kosmonauten an.
0:04:36–0:04:41
Und was gibt es Besseres, als die Allee der Kosmonauten zu diesem Thema zu begehen?
Micz Flor
0:04:41–0:04:43
Zwei Alleen der Kosmonauten.
Florian Clauß
0:04:43–0:04:48
Die Allee der Kosmonauten ist ja auch so verschachtelt, dass wir einmal auf
0:04:48–0:04:52
die Hauptstraße kommen, aber der Anfang der Allee der Kosmonauten liegt wirklich
0:04:52–0:04:54
in Herzberg herein und ist halt total im Grün.
0:04:54–0:04:58
Das ist wirklich überraschend, weil mit Allee der Kosmonauten stellt man sich
0:04:58–0:05:03
immer so eine Stalinallee im Osten vor, die gepickt ist von allen möglichen
0:05:03–0:05:06
Hochhäusern, aber ist nicht so.
0:05:06–0:05:09
Aber erstmal müssen wir noch ein bisschen den Lärm ertragen.
0:05:09–0:05:13
Wir gehen jetzt über diese Riesenbrücke, wo die Schienen drunter langführen.
0:05:15–0:05:18
Deswegen brauchen wir jetzt noch irgendein leichtes Thema, bevor wir in das
0:05:18–0:05:20
eigentliche Thema einsteigen.
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Wir haben vor zwei Jahren am 26.05.
0:05:26–0:05:30
Unsere nullte Episode online gebracht.
0:05:34–0:05:34
Ja, stimmt.
Micz Flor
0:05:35–0:05:37
Worum ging es denn da nochmal?
Florian Clauß
0:05:37–0:05:40
Ja, was war denn das noch? Eigentlich die Nullte.
Micz Flor
0:05:42–0:05:44
Eigentlich die Nullte. Ja, das war der Trailer.
Florian Clauß
0:05:44–0:05:49
Da kam der Streicherchor noch mit rein, den du gebaut hast. Wir hatten ja noch viel vor.
0:05:49–0:05:53
Wir wollten ja noch rein musikalisch dann noch viel mehr machen.
0:05:53–0:05:58
Du wolltest ja auch irgendwie so eine MIDI-Matrix dann entwickeln, oder? Weißt du das noch?
Micz Flor
0:05:58–0:06:01
Ja, ja, ich hatte die Idee, dass man das vielleicht so computergeneriert,
0:06:01–0:06:07
immer Variationen eines ähnlichen Motivs und jede Folge hat eine gleiche und
0:06:07–0:06:09
immer doch wieder neue Intro-Musik und das,
0:06:09–0:06:13
was ich da hatte, war glaube ich, weiß nicht, Rübezahl, ich weiß gar nicht mehr genau.
0:06:13–0:06:16
Aber wo wir auf der brücke sind wollen wir zum
0:06:16–0:06:20
dritten jahr ich habe meine frage an dich weil ich
0:06:20–0:06:23
mache diesen podcast mit dir und ich
0:06:23–0:06:25
höre ja auch podcast und dann gibt es
0:06:25–0:06:28
ja so podcast wo man einfach die leute kennenlernen will und
0:06:28–0:06:33
dann hat man halt so zu und alles ist so ein bisschen locker und der infogehalt
0:06:33–0:06:39
ist da aber hat er so was panoramamäßiges und dann gibt es solche wissens podcast
0:06:39–0:06:42
die halt irgendwie so eine überschrift haben wo man denkt das will ich jetzt
0:06:42–0:06:45
aber auch wissen und wenn die dann aber vorneweg auch,
0:06:45–0:06:49
was man manchmal so Laber-Podcast nennt, wenn die vorneweg so viel sagen,
0:06:50–0:06:54
ey, wie geht es deinem Skateboard oder so, dann merke ich, dass es ungeduldig werde.
0:06:54–0:06:57
Du hast ja auch neulich in der Folge schon angesprochen, hast gesagt,
0:06:58–0:07:01
naja, wenn bei der tiefsten Folge unsere,
0:07:01–0:07:05
wie hast du das gesagt, so ein Marketing-Experte oder Expertin würde wahrscheinlich
0:07:05–0:07:09
Finger drauf halten und sagen, ihr müsst euch fokussieren, ihr habt keine klare
0:07:09–0:07:11
Botschaft, was ist euer Brand und so.
0:07:11–0:07:13
Und du meintest, aber das ist doch genau unser Brand.
0:07:14–0:07:16
Wir reden laufend und sind laufend.
0:07:17–0:07:24
Aber meine Frage wäre, sollten wir schneller im Thema einsteigen,
0:07:24–0:07:28
also wenn wir die Brücken vermeiden jetzt, oder sollten wir...
Florian Clauß
0:07:28–0:07:30
Ich habe deine Frage nicht verstanden.
Micz Flor
0:07:30–0:07:32
Sollten wir was ändern zum Jahr 3?
Florian Clauß
0:07:33–0:07:38
Wir hatten ja auch in den ersten Folgen, oh, der macht einen Wheelie.
0:07:42–0:07:47
Ein verrückter Ort, wirklich, so ein bisschen Lust hier.
0:07:47–0:07:52
Wir hatten ja also verschiedene Formate auch mal, die so, wie sagt man so,
0:07:52–0:07:56
in unserer Folge dann zum Schluss, was war dann eigentlich ja,
0:07:56–0:08:01
was war dann Wow-Effekt oder was war dann eigentlich Effekt bei dieser Folge, was hast du gelernt?
0:08:02–0:08:06
Das haben wir ja dann irgendwie ausgeschlichen, das hat sich ja auch nicht so richtig getragen.
0:08:06–0:08:10
Jetzt ist die Frage, was können wir ändern? Ich weiß nicht, fällt mir spontan
0:08:10–0:08:12
nichts ein. Nein, ich finde, wir haben uns jetzt ganz gut...
Micz Flor
0:08:13–0:08:16
Wir können alles verändern, aber wollen wir was verändern?
0:08:17–0:08:22
Wollen wir zum Beispiel schneller mit dem Thema einsteigen und nach hinten rausplaudern?
Florian Clauß
0:08:22–0:08:26
Ja, ich glaube, das wächst sich so. Also das geht schon so.
0:08:27–0:08:30
Ich fand jetzt, die letzten Folgen waren von der Dynamik her,
0:08:30–0:08:34
weil wir halt immer irgendwie auch auf den Weg reagieren und haben ja nicht
0:08:34–0:08:36
unser Skript vor uns liegen.
0:08:36–0:08:41
Manchmal gucken wir auf unsere mobilen Phones, was wir da noch an Notizen haben.
0:08:42–0:08:47
Ich will auch gleich mit einem Zitat einsteigen, weil wir haben uns ein bisschen aufgeteilt.
0:08:47–0:08:51
Ich habe gesagt, Mitch, mach du doch die Zusammenfassung, das kannst du so gut.
Micz Flor
0:08:51–0:08:56
Nach Expansion. Drei Bücher in 50 Minuten. Bitte sehr, danke schön.
Florian Clauß
0:08:57–0:08:59
Dann habe ich auch aus der Hörerschaftsrückmeldung gekommen.
0:09:00–0:09:02
War schon Wahnsinn, was der Mitch da alles im Kopf hat.
0:09:03–0:09:08
Wie er das da so, einen Geschichtstrang nach dem anderen einfach runterbeten
0:09:08–0:09:10
kann, ohne auszusetzen.
0:09:10–0:09:15
Beeindruckende Leistung. Deswegen mache ich so ein bisschen die Biografie von Lampen.
0:09:16–0:09:19
Wann hast du das erste Mal Solaris gelesen?
Micz Flor
0:09:19–0:09:20
Jetzt.
Florian Clauß
0:09:20–0:09:21
Wirklich?
Micz Flor
0:09:21–0:09:22
Du hast es nie gelesen?
Florian Clauß
0:09:23–0:09:25
Ich habe es nie gelesen. Ich war auch erschüttert.
Micz Flor
0:09:25–0:09:29
Da können wir gleich noch drüber reden. Ich habe schon die Episode angelegt,
0:09:29–0:09:31
weil ich so eine kleine Tabelle gegenübergestellt habe.
0:09:31–0:09:34
Eine Gegenüberstellung der drei Übersetzungen, die mir verfügbar waren.
0:09:35–0:09:36
Die eine deutsche und zwei englische.
0:09:36–0:09:39
Wobei eine englische aus dem französischen, was ich auch interessant fand.
0:09:40–0:09:46
Weil ich ja die Übersetzung war es wirklich der Bekost. Aber Entschuldigung,
0:09:46–0:09:47
das erste Mal und bei dir?
Florian Clauß
0:09:47–0:09:55
Ich habe das erste Mal, also ich habe ja viel in meinen Zwanzigern und als Jugendlicher
0:09:55–0:09:56
habe ich ja viel gelesen.
0:09:56–0:10:02
Und Solaris habe ich tatsächlich, glaube ich, so mit Anfang Zwanziger das erste Mal gelesen.
0:10:03–0:10:05
War sehr beeindruckt von der.
0:10:06–0:10:10
Ich mochte es sofort. Aber kann man auch gleich über ihn reden.
Micz Flor
0:10:10–0:10:15
Genau, dann würde ich sagen, wir fangen einfach mal mit Stanislaw Lem an.
0:10:17–0:10:25
Und du erzählst mal so ein bisschen etwas über den Autoren und Wissenschaftler oder Ingenieur.
Florian Clauß
0:10:26–0:10:32
Na, Stanislaw Lem ist 1921 in Lemberg, das ist so heute Ukraine, geboren.
0:10:33–0:10:37
Machen wir gleich das Todesdatum 2006. Also er ist relativ alt geworden.
0:10:37–0:10:42
Also 2006 ist ja noch nicht so lange her. Und hatte dann auch noch bis ins hohe
0:10:42–0:10:44
Alter hinein immer wieder eine Stimme.
0:10:44–0:10:53
Viel Essays verfasst in seinem Leben, die dann häufig anekdotisch philosophisch
0:10:53–0:10:58
waren und veröffentlicht in Zeitlogen und Zeitschriften, Magazin.
0:10:58–0:11:05
Ich habe dann bei meinen Recherchen im Netz eine auf der Wayback-Maschine,
0:11:05–0:11:07
weil die Seite war gar nicht mehr online,
0:11:08–0:11:14
von dem polnischen, von der polnischen Botschaft, die haben quasi so ein von
0:11:14–0:11:18
Stanislaw Lem, eine Biografie veröffentlicht mit seinen Werken und so weiter.
0:11:18–0:11:23
Also es ist im Rahmen von bekannten Persönlichkeiten aus der Kultur, aus Polen.
0:11:23–0:11:28
Und da ist ein Zitat, was ich gerne jetzt vorlesen möchte, weil da,
0:11:28–0:11:30
glaube ich, sehr viel zusammenkommt.
0:11:30–0:11:35
Und zwar, das Gedankengebäude, das uns Lem in seiner Prosa präsentiert,
0:11:35–0:11:40
ist dies jedoch keine in Traktaten erstarrte Philosophie.
0:11:40–0:11:44
Bei Lem ist Philosophie in ungeheuerliche Visionen verpackt,
0:11:44–0:11:50
in heilsbrecherische Abenteuer und in Erzählungen, die einem wohligen Schauer über den Rücken jagen.
0:11:51–0:11:55
Man kann die Helden von Lem begleiten, auch wenn man gar nicht bemerkt,
0:11:55–0:11:59
wie tiefschürfend die Probleme sind, die in seinen Abenteuerromanen illustriert werden.
0:12:00–0:12:04
Lem bleibt nämlich als Autor und Fantast immer noch ein Kind,
0:12:05–0:12:10
sicher ein nizianisches Kind, aber immer, genauso wie vor vielen Jahren,
0:12:10–0:12:14
dürstet es ihn nach Abenteuern in der unermesslichen Welt der Fantasie.
0:12:15–0:12:18
Das Tor zu dieser Welt ist leicht passierbar.
0:12:18–0:12:24
Es kann auch der Halbwüchsige leicht hindurch, der über die Abenteuer des Pilot Pirx begeistert ist,
0:12:24–0:12:30
der sich über die kosmischen Herrscher der Robotermärchen oder über die exzellenten
0:12:30–0:12:34
Lügengeschichten des Münchhausen-Tichy amüsieren will.
0:12:34–0:12:39
Kaum hat er es sich jedoch versehen, hat ihn der Autor schon in die fröstigen
0:12:39–0:12:43
Höhen entführt, auf denen er sich sogleich mit Fragen befassen muss,
0:12:43–0:12:45
die ihn als Mensch betreffen.
0:12:45–0:12:50
Den Menschen, der die sich immer weiterentwickelnde Intelligenz und Biologie
0:12:50–0:12:54
verkörpert, der schlussendlich Mitstreiter Gottes bei der Schöpfung ist,
0:12:55–0:12:59
wobei seine Aufgabe nicht nur im Schöpfungsvorgang besteht,
0:12:59–0:13:02
sondern auch im Verstehen und Erkennen von Wertigkeiten.
0:13:03–0:13:08
Also das fasst das, glaube ich, ganz gut nochmal zusammen, was für ein Panoptikum
0:13:08–0:13:11
von Geschichten Lem erschaffen hat.
0:13:12–0:13:17
Nämlich die ersten Bücher, aber das hast du doch gelesen, die Sterntagebücher.
0:13:19–0:13:23
Die Sterntagebücher mit der Hauptfigur Pürx, die sind großartig.
Micz Flor
0:13:24–0:13:28
Stimmt, ich erinnere mich jetzt auch an die 1990er-Jahre, hast du mir davon
0:13:28–0:13:32
auch schon mal erzählt. Kann es sogar sein, dass du mir die zugesteckt hast?
Florian Clauß
0:13:32–0:13:37
Das weiß ich nicht, aber das ist bestimmt. Was wir auf jeden Fall zusammen dann
0:13:37–0:13:39
auch mal geschaut haben, ist die Adaption.
0:13:39–0:13:44
Es gab vom ARD, ich glaube, das war in den 2000ern, sondern so eine Verfilmung
0:13:44–0:13:48
von den, es war nicht Sternenwerke, es war Ijen Tiché, Sternenwerke.
Micz Flor
0:13:49–0:13:49
Ja, genau.
Florian Clauß
0:13:49–0:13:52
Und das spielt in so einer Altbauwohnung.
Micz Flor
0:13:52–0:13:53
Ja, das ist großartig.
Florian Clauß
0:13:53–0:13:58
Also sehr trashig produziert, aber unglaublich, also war unglaublich lustig.
Micz Flor
0:13:59–0:14:02
Ja, du hattest die, glaube ich, gerippt irgendwie da und dann kam die Nummer
0:14:02–0:14:05
auf DVD raus und da hatten die dann, jetzt habe ich den Namen vergessen,
0:14:06–0:14:09
die, wie hieß die denn nochmal, das war quasi die virtuelle Frau,
0:14:09–0:14:13
die eine Schauspielerin, die damals auch sehr trending war und den Namen vergessen.
0:14:13–0:14:15
Die wurde dann, glaube ich, später noch reingeschnitten.
Florian Clauß
0:14:15–0:14:19
Ja, genau, stimmt. Die haben das dann mal so digital veredelt. Ja, die hatten das.
Micz Flor
0:14:19–0:14:21
Glaube ich, aufgemotzt. Die war, glaube ich.
Florian Clauß
0:14:21–0:14:22
Vorher gar nicht drin.
Micz Flor
0:14:22–0:14:24
Oder die hatten die vorher rausgeschnitten und dann wieder reingenommen.
Florian Clauß
0:14:24–0:14:26
Ich glaube, die haben die jetzt wirklich, weil es zu trashig war,
0:14:26–0:14:29
wollten die noch eine Leia draufsetzen, damit es noch ein bisschen schicker wird.
Micz Flor
0:14:29–0:14:30
Eine Leia Organa.
Florian Clauß
0:14:31–0:14:37
Eine Leia, genau. Lem ist in einem gutbürgerlichen Haushalt aufgewachsen.
0:14:37–0:14:40
Er kommt aus einer jüdischen Familie,
0:14:41–0:14:46
recht wohlhabend und hat am Anfang auch mit, also er ist, wie gesagt,
0:14:46–0:14:51
1921 geboren, hat dann Philosophie und Medizin studiert, keine Abschlüsse gemacht,
0:14:51–0:14:52
der Krieg kam dazwischen.
0:14:52–0:14:56
Also er galt auch damals, das finde ich ganz interessant, er galt.
0:14:58–0:15:03
Intelligentesten Kinder in Südpol. Es gab so eine Vorform von einem,
0:15:05–0:15:13
IQ-Test, der ihm dann so eine Intelligenz-Prozent von 180 attestierte. Keine Ahnung.
Micz Flor
0:15:13–0:15:15
Also nicht nur Stannis Waff, sondern auch Stannis Wow.
Florian Clauß
0:15:16–0:15:20
Genau. Stannis Wow. Ich finde, man merkt es schon so.
0:15:21–0:15:26
Man kriegt schon so eine Persönlichkeit damit, die schon sehr nerdig ist,
0:15:26–0:15:30
die sich da schon sehr der in diese Themen reinwuchsen kann und gleichzeitig
0:15:30–0:15:34
aber auch so ein Freigeist ist, weil er wirklich dann in keinem,
0:15:34–0:15:35
also er hat keinen Abschluss gemacht,
0:15:35–0:15:40
das hat ihn nicht so interessiert, dieses Studium der Medizin.
0:15:40–0:15:43
Er hat sich dann wirklich so diesen künstlerischen, diesen literarischen Themen
0:15:43–0:15:47
zugewandt. Das ist ja auch erstmal ein Schritt, den muss man ja machen in der Zeit.
0:15:47–0:15:52
Und sich da auch so ein Feld erarbeiten zum Mal Science Fiction als Genre,
0:15:52–0:15:56
ja nicht das höchst anerkannteste war damals.
0:15:56–0:16:04
Das war ja eher so ein B-Movie, im B-Picture-Bereich. Auch in der Literatur war das ja auch sehr...
Micz Flor
0:16:04–0:16:06
Na gut, in der Zeit weiß ich nicht. Aber das war, glaube ich,
0:16:06–0:16:11
schon die Zeit, wo auch in Amerika unglaublich viele Analogien,
0:16:11–0:16:13
War of the Worlds, das war ja alles schon...
Florian Clauß
0:16:13–0:16:18
Das kam, ja, stimmt. Also genau, Orson Welles und Huxley.
0:16:19–0:16:24
Also die erste Roman, die Sterntagebücher, kamen dann 1957 raus.
Micz Flor
0:16:24–0:16:27
Und noch später als ich dachte also da war ja
0:16:27–0:16:31
wirklich schon diese auch diese ganze assoziation der
0:16:31–0:16:36
assoziative raum mit dem anderen mit dem feind mit den russen in amerika war
0:16:36–0:16:40
ein riesenthema also diese ich denke dass da schon science fiction also eine
0:16:40–0:16:47
hochburg war in der zeit allerdings natürlich nicht innerhalb des literaturbetriebs
0:16:47–0:16:50
so so hoch angesehen also etwas.
Florian Clauß
0:16:50–0:16:56
Was leben auch so nachgesagt wird, ist, dass in seinen ersten Werken noch so
0:16:56–0:17:01
eine ganz große Begeisterung für Technologie und Wissenschaft herrscht.
Micz Flor
0:17:01–0:17:04
Du bist jetzt aber komplett über den Zweiten Weltkrieg drübergegangen.
Florian Clauß
0:17:04–0:17:08
Ja, er war ein sehr intelligenter junger Mann und hatte auch,
0:17:09–0:17:10
glaube ich, Kriegserfahrung.
0:17:10–0:17:14
Aber ich habe jetzt auch nicht weiter gelesen, was er da gemacht hat.
0:17:14–0:17:18
Aber mit so einem Schwung kam er dann quasi in die Welt und hat dann auch angefangen
0:17:18–0:17:23
zu schreiben, relativ schnell, in den 50er Jahren. und hat seine ersten Romane
0:17:23–0:17:28
und Schriften veröffentlicht, Poser da auch, also Fiction quasi geschaffen.
0:17:28–0:17:32
Und genau, da habe ich jetzt nicht so viel dazu gefunden.
Micz Flor
0:17:33–0:17:37
Das ist eine Sache, ja, weil ich habe da gar nicht mehr so in die Biografie
0:17:37–0:17:39
reingelegt, aber ich hatte irgendwo das mal so aufgegriffen,
0:17:40–0:17:46
dass er zum Beispiel sich natürlich keine Gedanken gemacht hat, dass er jüdisch sei.
0:17:46–0:17:49
Ich habe sogar, glaube ich, irgendwo gelesen, er wusste gar nicht,
0:17:49–0:17:53
dass er jüdisch sei. Bis das dann irgendwie auf einmal Thema wurde, politisch.
0:17:57–0:18:00
Da war ich jetzt, also ich bin da jetzt nicht tiefer eingestiegen,
0:18:00–0:18:04
aber es ist halt eben so ein Identitätsthema.
0:18:04–0:18:08
Also das glaube ich auch so ein bisschen dieses, was in Solaris so ein bisschen
0:18:08–0:18:13
auftaucht, auch dieses dysphorische Humanismusbild, so von wegen,
0:18:13–0:18:16
wie kann man jemanden erkennen,
0:18:17–0:18:21
wie kann man jemanden sehen, was heißt Identität, kann man das duplizieren, erschaffen oder so.
0:18:21–0:18:24
Also das, was da so ein bisschen für mich mitschwingt, eben da kam ich drauf.
0:18:24–0:18:27
Also dass das für ihn die Identität auf einmal sich als jüdisch zu verstehen,
0:18:28–0:18:32
für ihn, das ist jetzt keine bewertende gut oder schlecht natürlich,
0:18:32–0:18:34
aber einfach für ihn ein völlig neuer Aspekt war, das eigene,
0:18:34–0:18:38
also sein Selbst quasi zu konstituieren vor diesem Hintergrund,
0:18:38–0:18:41
was einfach für ihn die Thema war. So hatte ich das wahrgenommen.
0:18:41–0:18:46
Und dass dann natürlich die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und dieser Identitätswandel,
0:18:46–0:18:47
den er durchziehen musste,
0:18:48–0:18:53
weil er von außen eben als solcher gesehen wurde, ihn auch wohl in seinem Blick
0:18:53–0:18:58
auf Menschheit und Wissenschaft und so ein bisschen geprägt hat und er sich
0:18:58–0:19:01
eher der Wissenschaft zugehörig fühlte als dem Humanismus.
0:19:01–0:19:05
Das ist jetzt aber von mir ganz unten aus dem Regal gegriffen.
Florian Clauß
0:19:05–0:19:09
Aber was meinst du mit er der Wissenschaft als den Humanismus?
0:19:09–0:19:13
Weil ihm wird ja so noch ein ganz starker Humanismus,
0:19:13–0:19:17
wird mit ihm Verbindung gebracht, weil er ja da diese Wertigkeit,
0:19:17–0:19:20
die Moral auch, was wir da gerade in dem Zitat gehört haben,
0:19:20–0:19:27
immer wieder darauf zurückgeht und guckt, was ist die Menschlichkeit in den Systemen.
Micz Flor
0:19:27–0:19:31
Gut, aber dann kritisch gegenüber einem Humanismus, also da kommen wir dann
0:19:31–0:19:35
bei Solaris natürlich gleich noch drauf, dass der Mensch vielleicht ja gar nicht
0:19:35–0:19:39
in der Lage ist, anderes wirklich wahrzunehmen, sondern immer nur sich selbst sucht.
0:19:39–0:19:42
Das ist ja auch ein Zitat, was dann in Solaris so direkt vorkommt.
0:19:42–0:19:48
Also dass er da große Defizite in dem humanistischen Menschenbild sieht,
0:19:48–0:19:54
weil man nie hinter den Mensch schauen kann.
Florian Clauß
0:19:55–0:19:56
Dieser Anthropomorphismus.
Micz Flor
0:19:56–0:20:01
Ja, der aber eben in der Wissenschaft auch immer eine große Gefahr sein kann,
0:20:01–0:20:03
weil man eben immer per se biased ist.
0:20:04–0:20:09
Und dass das irgendwie als Spur gelegt wurde in dieser Jugendzeit,
0:20:09–0:20:10
frühen Erwachsenenzeit.
Florian Clauß
0:20:10–0:20:15
Okay, können wir mal mitnehmen, vielleicht ist es irgendwie die jüdische Identität,
0:20:15–0:20:21
die auf einmal quasi zum Thema wird, weil es eigentlich eine politische Motivation dahinter steht.
Micz Flor
0:20:22–0:20:25
Ich würde es da abstrahieren, weil ich würde sagen, es geht nicht um die jüdische
0:20:25–0:20:29
Identität, sondern um diese Erfahrung an sich selbst, dass man auf einmal etwas
0:20:29–0:20:32
ganz anderes ist, als man sich selbst gesehen hat und sich auch mit diesem Blick
0:20:32–0:20:34
der anderen auf sich auseinandersetzen muss.
Florian Clauß
0:20:35–0:20:36
Aber durch äußere Umstände.
Micz Flor
0:20:36–0:20:40
Genau. Und da ist es egal, was dieser Swap ist.
0:20:40–0:20:44
Also es geht einfach nur darum, wie schnell deine eigene Identität von außen
0:20:44–0:20:47
umgekrempelt wird und du dann dich damit arrangieren musst.
0:20:47–0:20:53
So und die Wahrheit natürlich oder das Reale dann dahinter nicht mehr ergreifbar ist.
Florian Clauß
0:20:54–0:20:59
Ja, also was wir auf jeden Fall auch bei Lem so mitnehmen, ist,
0:20:59–0:21:07
dass er ein, wenn er sich mit Technik beschäftigt, ist er da so tief durchgedrungen.
0:21:07–0:21:11
Ja, also er hat viele Erfindungen, die dann später dann tatsächlich produziert
0:21:11–0:21:15
wurden, wie zum Beispiel so eine 3D-Brille oder sowas, hat er schon so gedanklich
0:21:15–0:21:18
vorweggenommen, hat auch da Zeichnungen gemacht und so weiter.
0:21:18–0:21:23
Also das heißt, er hatte eine unglaublich visionäre Kraft, in dem er sich auch
0:21:23–0:21:28
ganz intensiv mit bestimmten technischen Entwicklungen auseinandergesetzt hat.
0:21:28–0:21:31
Mit wissenschaftlichen Entwicklungen, mit technischen Entwicklungen.
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Tatsächlich so weit, dass er so eine Informationsgesellschaft hat,
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die er auch so vorweggenommen hat.
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Also diese Nähe zur Kybernetik, die er auch da mit aufbaut, auch bei seinen
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Figuren immer mit reinholt.
Micz Flor
0:21:44–0:21:47
Auch ein Charakter in Solaris ist der Kybernetiker.
Florian Clauß
0:21:47–0:21:52
Ist Kybernetiker, genau. Das hat er so weit durchdacht, dass er darauf auch
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wieder eine Kritik formulieren kann.
0:21:54–0:21:58
Also das heißt, wenn wir wieder von diesem Begriff des Worldbuildings ausgehen,
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die Welt, die Lem auch gebaut hat, hat teilweise Leerstellen,
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teilweise aber so unglaubliche Entwicklungsvorsprünge, die er da gemacht hat, geleistet hat.
0:22:08–0:22:14
Und darauf baut er dann ein gewisses moralisches System auf oder eine Wertigkeit.
0:22:14–0:22:19
Das ist das Spannende, wie er dann damit umgeht und wie er da die Geschichten entwickelt.
0:22:20–0:22:24
Und das ist eigentlich so auch der Spätere. Es wird ihm dann nachgesagt,
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die ersten Romane, die er da geschrieben hat, also Sterntagebücher,
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die sind auch so teilweise humoristisch, sehr lustig und paradox.
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Dann gibt es Eden von 1959, habe ich nicht gelesen, Erforschung eines fremden Planetens.
0:22:41–0:22:47
Dann kommt 1961 Solaris und Solaris ist ja so eines der bekanntesten Bücher,
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die aber am Anfang gar nicht so sich im Westen und im Osten,
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also von Deutschland, so verbreitet haben.
0:22:54–0:22:58
Deswegen ist die westdeutsche Übersetzung auch sehr schlecht.
0:22:59–0:23:01
Das habe ich da in dem Zusammenhang gelesen, dass die da halt so.
0:23:02–0:23:07
Das irgendwann verlegt wurde, aber eine nicht so qualitativ hochwertige Übersetzung.
0:23:07–0:23:14
Und im Osten wurde es ihm aufgrund dieser, ja, diesen Zustands,
0:23:14–0:23:18
den Solaris beschreibt, wurde er jetzt nicht so verlegt.
0:23:18–0:23:25
War doch als etwas, ja nicht systemkritisch, aber war zumindest so in die Ecke da eingestuft worden.
Micz Flor
0:23:25–0:23:29
Also es war so, in der DDR erschien das auch nicht, wobei das ist jetzt in der
0:23:29–0:23:31
Biografie natürlich nicht wirklich Thema, sondern später.
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Aber es war so, dass es gibt eine deutsche Übersetzung aus der DDR,
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die ich nicht gelesen habe und wo es hieß von dem, was ich darüber gelesen habe,
0:23:40–0:23:47
dass die DDR-Ausgabe auch gekürzt wurde oder deutlich gekürzt oder umgestellt
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wurde, vor dem Hintergrund zu sagen, es sei insgesamt so deprimierend.
Florian Clauß
0:23:52–0:24:00
Ja, 1968 hat der Pilot Pirx geschrieben, dann kommt mit 1971 der Fotorologische
0:24:00–0:24:02
Kongress, auch ein großartiges Buch.
0:24:03–0:24:09
Hast du den gelesen? Da geht es auch um eine Figur aus seinem Figuren-Universum,
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nämlich Tichet besucht einen futurologischen Kongress.
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Die kriegen alle so bewusstseinserweiternde Drogen. Ich weiß nicht,
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ob die das bewusst nehmen oder ob das wieder übers Trinkwasser kommt.
0:24:24–0:24:31
Und alles geht aus den Fugen. Und es wird wie so ein Drogentrip beschrieben,
0:24:31–0:24:34
aber gleichzeitig halt dieser Futurismus, der dahinter steht.
0:24:34–0:24:39
Also ich finde auch bei Lem hat man deswegen hier diese Tour,
0:24:39–0:24:43
dieses osteuropäische Ästhetik da mit drin.
0:24:43–0:24:47
Also wir waren mal zusammen in Prag, da gab es ja auch diesen Fernsehturm,
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der 1989 dann fertiggestellt wurde.
Micz Flor
0:24:50–0:24:51
Täter heißt der, glaube ich.
Florian Clauß
0:24:51–0:24:57
Ja, und an diesem Turm hängen dann so Babys oder Kleinkinder,
0:24:57–0:25:04
die dann krabbelnd auf die Turmspitze zu, als riesendimensionierte Kinder da.
Micz Flor
0:25:05–0:25:08
Ja, die sind bestimmt 15 Meter hoch oder sowas, muss man dazu sagen.
0:25:08–0:25:10
Ich weiß nicht, ob die noch da sind, ich weiß auch länger nicht in Prag,
0:25:10–0:25:12
weil die kamen später dazu.
Florian Clauß
0:25:12–0:25:16
Die kamen später dazu, richtig. Aber es hat mich auch an eine Szene aus Solaris
0:25:16–0:25:18
erinnert, als ich das gesehen habe.
0:25:18–0:25:23
Und diese Ästhetik, die auch dieser Turm hat, so in der Kosmologie,
0:25:23–0:25:30
sich dann wiederfindet. Also dieses unglaubliche Fassaden von...
Micz Flor
0:25:30–0:25:32
Diese brutale Architektur.
Florian Clauß
0:25:32–0:25:36
Nicht Brutalismus, sondern es ist ja auch irgendwie auch verschnörkelt,
0:25:36–0:25:39
wenn du dir die Stalinallee anguckst.
0:25:39–0:25:45
Die ist ja auch dann immer so quasi so gebaut, dass es jetzt im Detail jetzt nicht,
0:25:46–0:25:50
dich erschlägt, sondern es hat ja dann durchaus so ästhetische Elemente.
0:25:50–0:25:52
Wer im Brutalismus ist, ist ja teilweise total erschlagen.
0:25:53–0:25:54
Das ist ja nicht schön dann mehr.
Micz Flor
0:25:55–0:25:57
Ja, das stimmt. Also ich glaube schon, dass der Eindruck da im S,
0:25:57–0:26:00
wobei Prag nochmal anders ist, weil die Stadt auch viel mehr Knochen hat,
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finde ich. Da sind so Berge und Gebirge und so. Die Häuser jetzt aus den Vorwendezeiten
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hier gebaut wurden, die finde ich schon teilweise sehr,
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mächtig im Sinne von bestimmend und bedrohlich.
0:26:16–0:26:21
Und generell habe ich immer das Gefühl, es gibt sowas wie eine Fassade der Gesellschaft.
0:26:21–0:26:27
Und das war für mich so ein Aha-Effekt, als ich erfahren habe nach dem Mauerfall,
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dass es halt so bestimmte Häuser gibt hier oben im Prenzlauer Berg,
0:26:33–0:26:36
wo immer, wenn einmal im Jahr die Kameras draufstanden und Honecker da irgendwie
0:26:36–0:26:40
durchgefahren ist, da wurden halt bestimmte Häuser scheinbar angemalt und fertig gemacht.
0:26:40–0:26:43
Aber halt nur die, die in der Kamera waren, alles da neben rechts und links.
Florian Clauß
0:26:43–0:26:47
Ja, ich glaube, die Anekdote läuft auch so, dass es wirklich so ist.
0:26:47–0:26:49
Er ist ja immer im Volvo gefahren, Honecker.
0:26:49–0:26:53
Und das heißt, die Sichtkante von seinem Fenster, das, was er,
0:26:53–0:26:55
Honecker selber sieht, nicht nur die Kamera, sondern Honecker selber,
0:26:56–0:26:58
das heißt, die Sichtkante von seinem Volvo-Fenster.
Micz Flor
0:26:58–0:26:58
Er auch, ja.
Florian Clauß
0:26:58–0:27:02
Das war quasi die Linie, wo dann halt die Fassaden renoviert wurden.
Micz Flor
0:27:02–0:27:06
Müssen wir nochmal proben, diese Theorien, weil das sind jetzt zwei sehr gegensätzliche
0:27:06–0:27:07
Blickwinkel natürlich. Natürlich.
0:27:07–0:27:13
Aber das ist, finde ich, so ein bisschen Veranschaulichung dieses fassadären
0:27:13–0:27:17
Themas der Gesellschaft, so dass da hinter den Masken, was passiert denn da?
0:27:17–0:27:21
Und in gewisser Weise, um wieder zu Solaris zu greifen, hat man das Gefühl,
0:27:21–0:27:24
da gibt es so eine Station und die ist ganz wichtig.
0:27:24–0:27:29
Und gleichzeitig, was da genau passiert, so richtig weiß es dann doch keiner.
0:27:29–0:27:31
Die sind alle sehr alleingelassen.
Florian Clauß
0:27:32–0:27:37
Ja, das stimmt. Also um die Biografie, wir können ja jetzt gleich in den Roman
0:27:37–0:27:38
einsteigen, abzuschließen.
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Also der Stanislav Lem war so ein Freigeist.
0:27:43–0:27:49
Er war auch so einer, der dann wirklich entgegen von anderen Meinungen doch
0:27:49–0:27:51
immer sehr diskursbestimmt war.
0:27:51–0:27:56
Mit seiner Form dann auch wirklich so in sein Zimmer sich einzuschließen,
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Sachen zu durchdenken und dann
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so ein Essay zu veröffentlichen oder eben diese Bücher zu produzieren.
0:28:02–0:28:06
Solaris wurde, glaube ich, in einem Jahr geschrieben.
0:28:07–0:28:14
1960 angefangen und 1961 wurde es veröffentlicht und hat das dann durchweg durchgeschrieben.
0:28:15–0:28:20
Und am Ende, also seinen letzten Roman, das war dann so in den 80ern,
0:28:21–0:28:23
hat er geschrieben. Dann hat er irgendwann auch das Schreiben aufgehört.
0:28:23–0:28:28
Und es gibt noch so ein legendäres Interview, was er noch so kurz vor seinem Tod gehalten hat.
0:28:28–0:28:31
Das können wir nochmal verlinken. Das ist ganz interessant, weil er dann auch
0:28:31–0:28:35
selber sagt, Nee, ich bin dann auch irgendwann nicht mehr, habe ich die geistige
0:28:35–0:28:39
Kapazität, nicht mehr so Romane zu schreiben. Und das ist ganz gut, wenn das andere machen.
0:28:39–0:28:44
Und er hat dann auch immer noch so Zeitgeschichte kommentiert und dazu sich
0:28:44–0:28:48
geäußert. Aber er hat dann so ein bisschen so sich nicht mehr in den Romanen
0:28:48–0:28:54
dann halt auch ausgedrückt, sondern eher so in Artikeln und Essays und so weiter.
0:28:54–0:28:57
Ja, genau so viel zu Stonis Wavlem.
Micz Flor
0:28:57–0:29:01
Ja, da möchte ich eine Anekdote, die ich irgendwo gelesen hatte,
0:29:01–0:29:05
noch anhängen. Kennst du die mit Philip K. Dick und Stanislaw Lem?
Florian Clauß
0:29:06–0:29:06
Nein.
Micz Flor
0:29:06–0:29:11
Weil da war es wohl so, dass Lem hatte schon natürlich so eine bestimmte Macht
0:29:11–0:29:15
im Literaturbetrieb und der hat sich eingesetzt, dass Philip K.
0:29:15–0:29:18
Dick wohl übersetzt wird ins Polnische, glaube ich, oder so.
0:29:18–0:29:21
Also da hat er sich so stark gemacht und hat dann auch versucht, Kontakt aufzunehmen.
0:29:21–0:29:26
Und Philip K. Dick war da scheinbar schon nicht mehr in der besten Phase seines Lebens.
0:29:26–0:29:30
Der ist dann wohl zum CIA gegangen und hat gesagt, dass irgendeine russische,
0:29:30–0:29:33
die wollen ihn da irgendwie unterlaufen. Die hießen Stanislaw Lem.
0:29:33–0:29:37
Und da müsste er es ja eh mal gucken, weil er möchte ja nichts mit zu tun haben.
0:29:37–0:29:40
Wollte es irgendwie weghalten. Hatte halt Sorge, als Stanislaw Lem,
0:29:40–0:29:44
der dann selber dachte, qua persona, hallo, ich bin es.
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Wir sprechen auf Augenhöhe. Trifft dann auf einen verstörten,
0:29:47–0:29:49
alkoholisierten Philipp K. Dick.
Florian Clauß
0:29:49–0:29:54
Ja, aber der war ja eh, der Teil hat mir ja doch schon mal drüber gesprochen.
Micz Flor
0:29:54–0:29:55
Ja, ja, genau. Aber deshalb kam ich noch mal.
Florian Clauß
0:29:55–0:29:56
Voll in dieser Nixon-Ära.
Micz Flor
0:29:56–0:30:01
Es passt einfach so gut in dieses Bild rein. Die Russen haben mich kontaktiert.
0:30:02–0:30:03
Das muss ich übernehmen.
Florian Clauß
0:30:05–0:30:08
So, wir sind jetzt hier in der Herzberge. Das ist die Stadtfarm.
Micz Flor
0:30:08–0:30:10
Hat sich hier aufgebaut.
Florian Clauß
0:30:10–0:30:13
Auch so, ich glaube, das ganze Gebiet war dann so vor 20 Jahren.
0:30:14–0:30:17
Da hat er dann die Stadt überlegt, was macht sie hier mit dem Gebiet.
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Stadtfarm ist so ein kleiner Betrieb, städtisch gefördert.
0:30:21–0:30:27
Und ich glaube, hier ist die größte Produktion an Fisch aus der Stadtfarm.
0:30:27–0:30:29
Hier gibt es nämlich so Viktoria-Seebarsch.
Micz Flor
0:30:29–0:30:29
Ja, wirklich.
Florian Clauß
0:30:29–0:30:33
Ja, und die bauen den an. Und die haben dann auch so ein Anbausystem.
0:30:34–0:30:36
Ja, die werden tatsächlich,
0:30:36–0:30:40
also das heißt, aus dem Fischkot und so weiter werden dann halt so schwimmende
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Hochbeete gemacht, wo dann der Salat drauf wächst und so weiter.
0:30:45–0:30:48
Also die haben da so ein ganzes Kreislaufsystem hier aufgebaut,
0:30:48–0:30:50
aber es sieht so ein bisschen verwahrt aus.
Micz Flor
0:30:51–0:30:56
Es sieht lustigerweise halt so aus, wie in Tarkovskys Solaris-Verfilmung irgendwas aussehen könnte.
0:30:56–0:31:01
Es ist einer von diesen Orten, die finde ich eigentlich immer wunderbar,
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wo die Orte funktional hergestellt werden und dann so ein Patina entwickeln,
0:31:06–0:31:08
weil keiner so richtig draufschaut.
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Es wird immer noch mal gemäht, aber es wird trotzdem halt auch viel gelassen,
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was im Westdeutschland ich immer nur an Zug, so Bahnhöfen kannte.
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Da gab es immer zwei, drei Gleise bei größeren Bahnhöfen, wo dann einfach so
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Holunderbüsche aus den schienen. Das fand ich immer ganz zauberhaft.
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Und das hier ist so ein Ort mit
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ein paar Neuerungen, die dann hier ganz pragmatisch diese Pipeline Also.
Florian Clauß
0:31:30–0:31:34
Die hatten auch eben das Modell, dass hier gibt es einen Markt,
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da war ich auch schon ein paar Mal, da kann man Samstag und Sonntags kann man
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hier einkaufen oder Samstag glaube ich nur, kann man halt Gemüse kaufen aus
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dieser Anbau aber ich habe jetzt gelesen im Wikipedia Artikel,
0:31:46–0:31:49
dass dann nach Corona, also während Corona ist es komplett,
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eingebrochen und Der Markt. Der Markt, ja.
0:31:53–0:31:57
Und dann hatten die halt so ein Abo-Modell aufgebaut.
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Das heißt, dass du halt hier für eine gewisse Gebühr dann halt immer deinen
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Obst- und Gemüsekorb bekommst.
Micz Flor
0:32:03–0:32:09
Also wo wir jetzt gerade vorstehen, das sieht so aus wie der größte urbane Ort,
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wo Viktoriabarsche abwesend sind.
Florian Clauß
0:32:11–0:32:15
Ja, weil da hinten sind tatsächlich, wenn du mal guckst, hier kommt noch eine
0:32:15–0:32:20
Halle und da hinten sind so die ganzen Aquarien drin.
0:32:22–0:32:25
Und ich dachte, wir könnten hier nochmal, da kann man nochmal auf den Friedhof
0:32:25–0:32:27
gehen. Ach, ganz toll. Angrenzen.
Micz Flor
0:32:28–0:32:30
Herzberge, war das nicht auch diese große Nerven-Highland-Stadt?
Florian Clauß
0:32:30–0:32:37
Genau, genau. Also Herzberge, das ist das königliche Elisabeth-Krankenhaus Herzberge.
0:32:38–0:32:42
Also kommen wir gleich nochmal nachher zu. Und hier ist der Friedhof.
0:32:42–0:32:45
Ich glaube, der gehört mit zu dem Krankenhaus.
0:32:46–0:32:48
Aber ich war jetzt hier vor einigen...
Micz Flor
0:32:48–0:32:50
Das ist die beste Werbung für ein Krankenhaus, ein riesen Friedhof.
Florian Clauß
0:32:50–0:32:55
Ja, das hat auf jeden Fall eine lange Tradition, der Friedhof hier auch.
0:32:56–0:33:02
Es gibt einige Veteranengräber für den antifaschistischen Kampf.
0:33:03–0:33:07
Zumal habe ich mal hier so eine Gruppe von Antifa-Leuten, die auch so eine Flagge
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hochgehalten haben und dann halt so eine Gräberpflege gemacht haben.
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Fand ich so ganz interessant.
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Okay, also gehen wir jetzt hier auch von diesem absonderlichen Ort in einen
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anderen absonderlichen jenseitigen Ort. Solaris.
Micz Flor
0:33:24–0:33:24
Solaris.
Florian Clauß
0:33:24–0:33:31
Genau. Ich würde vorschlagen, du erzählst so ein bisschen Geschichtstrang und
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wir steigen dann so an bestimmten Punkten auch gleich in die Interpretation an.
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Das ist, glaube ich, einfacher, das wirklich so zu machen als im Nachhinein, oder? Wie würdest du?
Micz Flor
0:33:39–0:33:44
Dann mache ich eine ganz kurze zusammenfassende Klammer und dann fangen wir an.
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Die kurz zusammenfassende Klammer ist halt, der Roman beginnt damit,
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dass jemand im Anflug auf eine Raumstation ist vor einem Planeten.
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Und dieser Planet wird immer beschrieben als ein großer Ozean.
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Der wurde zu Hilfe gerufen in gewisser Weise und als er landet,
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kümmert man sich aber gar nicht um ihn.
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Und alle scheinen irgendwie sehr seltsam zu sein. Es gibt noch zwei andere auf
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dieser Raumstation und der, der ihn um Hilfe gerufen hat, hat sich wohl an dem
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Tag, an dem er kam, umgebracht.
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Alle sind komisch und sage ihm die ganze Zeit, also er spricht eigentlich nur
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mit einem, er soll immer so abwarten, er wird schon noch sehen.
Florian Clauß
0:34:20–0:34:24
Es sind noch drei Besatzungsmitglieder.
Micz Flor
0:34:24–0:34:26
Drei? Snout?
Florian Clauß
0:34:26–0:34:28
Nein, eher Snout und Sartorius.
Micz Flor
0:34:28–0:34:33
Gut, er kommt an und es sind noch zwei und der dritte, jetzt habe ich den Gabriel.
Florian Clauß
0:34:33–0:34:34
Sartorius.
Micz Flor
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Sartorius ist noch da und Giberian, der hat sich umgebracht und das war ein
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alter Bekannter noch von dem Planeten Erde. Und auf jeden Fall ist er dann da,
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es ist alles irgendwie komisch.
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Er wacht am nächsten Tag auf, nachdem er so ein bisschen sich in das Thema nochmal
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eingelesen hat, warum dieser Planet so wichtig ist für die Menschheit.
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Dann ist auf einmal seine verstorbene Frau neben ihm.
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Das ist für ihn total unheimlich er
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entledigt sich ihr wird dann so irgendwie manchmal flapsig
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gesagt also er sperrt sie ein in eine kapsel und schießt die weg dem nächsten
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da kommt die wieder dann lernte dass alle irgendwie solche gäste haben jetzt
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geht ich aufs gaspedal die scheinbar irgendwie mit diesem planeten zu tun haben
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der scheinbar irgendwie die gedanken lesen kann und Und diese Gäste kreieren kann.
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Die stellen dann fest, dass die aus einem ganz seltsamen subatomaren Stoff von
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Neutrinos gebaut wurden.
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Und er, Calvin, unser Held sozusagen, der entscheidet sich dann,
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bei seiner Frau zu bleiben, die sich auf der Erde umgebracht hat,
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wo er sich auch ein bisschen verantwortlich fühlt.
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Die anderen sagen, das geht aber gar nicht, weil sie wahrscheinlich die Station nie verlassen können.
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Weil dann würde die vielleicht zerfallen. Er weiß das auch, sie weiß das auch.
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Auch sie wird immer bewusster.
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Sie weiß allerdings natürlich nicht alles.
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Und das Ganze endet dann darin, dass sie selber entscheidet,
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dass sie nicht sie selber ist oder nicht genau weiß,
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wo sie herkommt und irgendwie etwas ist, was sie nicht weiß zu sein und lässt
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sich dann von den anderen beiden Wissenschaftlern umbringen.
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Und weil sie am Tag vorher noch von Calvin die Gehirnwellen per harten Röntgenstrahlen
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auf den Planeten geschickt haben, hat sich da auch was verändert und diese Gäste
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werden auch nicht wieder erschaffen.
Florian Clauß
0:36:23–0:36:27
Wir müssen, ich glaube, wir haben noch nicht einmal gesagt, dass diesen Planeten,
0:36:27–0:36:31
der Ozean, dass das eine außerirdische Intelligenz darstellt.
Micz Flor
0:36:31–0:36:35
Ja, das ist etwas, wo lange darüber diskutiert wurde.
0:36:35–0:36:39
100 Jahre wird über diesen Planeten schon diskutiert, ob der intelligent ist
0:36:39–0:36:43
oder nicht oder wie das sein kann, weil der eben sogar die Möglichkeit hat,
0:36:43–0:36:49
physikalische Gesetze so zu beugen, dass er als Planet, der um Doppelsterne kreist,
0:36:49–0:36:51
trotzdem eine stabile Laufbahn hat.
0:36:52–0:36:57
Da kommen wir dann gleich noch mal ein bisschen mehr dazu. Und zum Schluss entscheidet
0:36:57–0:37:02
Calvin, auf dem Planeten zu landen und in gewisser Weise auch auf der Station
0:37:02–0:37:03
zu bleiben und nicht mehr zur Erde zurück zu gehen.
0:37:05–0:37:06
Das ist die kurze Fassung.
Florian Clauß
0:37:07–0:37:15
Danke, Mitch. Ja, sehr cool. Sehr fixiert auf die Beziehung zwischen Harvey und Chris.
0:37:15–0:37:21
Die auch sicher dadurch jetzt so fixiert, weil die filmischen Umsetzungen sich
0:37:21–0:37:23
auch immer sehr auf diese Beziehung fixieren.
0:37:24–0:37:28
Kommen wir da später zu? Kommen wir in den nächsten Episoden zu?
Micz Flor
0:37:28–0:37:32
Dann kommt jetzt die lange. Fangen wir mal woanders an. Also nicht Calvin und
0:37:32–0:37:35
seine Frau, sondern die Erde, die Menschheit.
Florian Clauß
0:37:35–0:37:38
Darf ich noch ganz kurz die Geschichte dazu erzählen?
0:37:38–0:37:42
Das erste Mal, und das fand ich so ganz interessant, weil wir uns das erste
0:37:42–0:37:46
Mal dieses Solaris gelesen haben, dann hatte ich so rückblickend im Kopf,
0:37:47–0:37:53
dass auf den ersten 80 Seiten nur über die Solaristik, das ist quasi dieser
0:37:53–0:37:58
Diskurs, dieser wissenschaftliche Diskurs, der über diesen Ozean geführt wird,
0:37:58–0:38:01
wo dann verschiedene Lager und so weiter, Also das ist wirklich,
0:38:01–0:38:05
über 100 Jahre gibt es dann halt schon diese, vor 100 Jahren wurde er entdeckt,
0:38:05–0:38:07
dann gibt es halt diese Station und so weiter.
0:38:07–0:38:11
Aber es wurde ganz massiv dann immer diskutiert und es gab verschiedene Lage.
0:38:11–0:38:15
Das hat mich damals total fasziniert an dem Buch, dass es zwar auf einmal so
0:38:15–0:38:19
ein Wissenschaftsdiskurs da stattfindet, ja, über eine Sache und dann aber auch
0:38:19–0:38:24
mit so verschiedenen Positionen, die alle irgendwo auch sich versuchen zu belegen,
0:38:24–0:38:26
ja, also wie halt ein Wissenschaftsbetrieb läuft.
0:38:26–0:38:29
Und dann hattest du mir aber gesagt, als ich das nochmal gelesen habe,
0:38:30–0:38:32
dann dachte ich so, habe ich eine falsche Ausgabe vielleicht?
0:38:33–0:38:37
Ich hatte das Gefühl, es wäre viel, viel länger. Und dann meinte ich so,
0:38:37–0:38:39
nee, nee, das sind erst mal die ersten Seiten.
0:38:39–0:38:44
Und dann, als ich das dann ganz gelesen habe, dann dieser Diskurs über die Solaristik,
0:38:44–0:38:48
das wird ja überall eingeflochten, das wird ja dann auch später immer weiter ausgebalzt.
0:38:48–0:38:51
Aber ich hatte dann im Rückblick, hatte ich so die komprimierte Vorstellung,
0:38:51–0:38:53
sind die ersten 100 Jahre.
Micz Flor
0:38:53–0:38:57
Nee, es sind zwei große Blöcke, wo das passiert. Am Anfang so ein bisschen und
0:38:57–0:38:58
dann halt diese eine große.
0:38:58–0:39:02
Nee, und dann sind es sogar drei Teile, weil er dann nochmal diese kleine Akrophyfe
0:39:02–0:39:03
oder wie das heißt, sucht da.
Florian Clauß
0:39:04–0:39:07
Ja, die kleine Akrophyfe. Weißt du, was eine Akrophyfe ist?
Micz Flor
0:39:07–0:39:07
Nee.
Florian Clauß
0:39:07–0:39:09
Da habe ich nämlich nur nachgeschlagen extra.
Micz Flor
0:39:10–0:39:12
Danke fürs Bloßstellen und danke für die Hilfe.
Florian Clauß
0:39:14–0:39:19
Nein, weil ich auch dachte, was ist das denn? Akrophyfe werden die Teile genannt.
Micz Flor
0:39:19–0:39:21
Ich muss sagen, ich weiß nicht, ob es Akrophyfe ausgesprochen wird.
0:39:21–0:39:23
Mit ein bisschen immer nach Apokryph.
Florian Clauß
0:39:24–0:39:30
Apokryph wird es ausgesprochen. Und zwar ist ein Apokryph die Teile,
0:39:30–0:39:31
die es nichts in die Bibel geschafft haben.
0:39:32–0:39:36
Das sind so quasi die geheimen Bibelteile. Also entweder, weil es halt nicht
0:39:36–0:39:39
so Mainstream war oder aber, weil dann halt so Geheimnisse drin sind.
0:39:40–0:39:47
Und das Ding ist ja, dass das Buch von Gibertian, wo er bestimmte Zitate oder
0:39:47–0:39:50
bestimmte Bücher der Solaristik,
0:39:51–0:39:56
referenziert, die Hinweise enthalten, dass es halt nicht ganz so ein Mainstream-Diskurs ist.
0:39:57–0:40:03
Also die geheimen Botschaften und die geheimen Wahrheiten über Solaris sozusagen.
0:40:04–0:40:06
Also so würde ich das lesen.
Micz Flor
0:40:06–0:40:10
Das Kapitel. Ja, so wird es auch beschrieben.
0:40:10–0:40:13
Das sind ja quasi die Take-outs, die Sachen, wie du sagst, die es nicht in den
0:40:13–0:40:17
Kodex geschafft haben als wissenschaftlicher Kanon.
Florian Clauß
0:40:17–0:40:21
Das ist sehr schön, der wissenschaftliche Kanon. Und dann kommt halt dieser
0:40:21–0:40:25
Bertrand, der dann zum Beispiel in Tarkovsky eine viel größere Rolle hat.
Micz Flor
0:40:25–0:40:27
Ja, das finde ich auch spannend, wenn wir über die Filme sprechen,
0:40:27–0:40:32
was da so umgestellt wurde und verständlicherweise und gleichzeitig aber auch
0:40:32–0:40:34
leider, wie ich manchmal denke.
0:40:34–0:40:39
Aber jetzt kommt die lange Zusammenfassung, wo wir dann einsteigen werden.
Florian Clauß
0:40:39–0:40:40
Ja, sehr gerne.
Micz Flor
0:40:40–0:40:43
Mit Fußnoten und Interpretation, wann immer es gerade passt.
Florian Clauß
0:40:44–0:40:45
Also jetzt quasi.
Micz Flor
0:40:45–0:40:50
Also es geht allgemein um Solaris. Es ist der Name eines Planeten,
0:40:50–0:40:51
auf dem ein großer Ozean ist.
0:40:52–0:40:56
Und in der Erforschung von extraterrestrischem Leben auf der Erde wurde man
0:40:56–0:41:00
auf diesen Planeten aufmerksam, weil man anfangs einfach nur gemerkt hat,
0:41:00–0:41:04
dass das ein Planet in einem System mit zwei Sonnen ist.
0:41:04–0:41:08
Und wie wir seit Trisolaris und dem Dreikörperproblem jetzt alle wissen,
0:41:08–0:41:11
sind die Flugbahnen da nicht gut vorhersehbar.
0:41:11–0:41:13
Zwei Körper geht, drei Körper geht nicht.
0:41:14–0:41:20
Längst hätte Solaris in eine der Sonnen fallen müssen, beziehungsweise man konnte
0:41:20–0:41:24
dann merken, dass die vorhergesehene Bahn nicht gehalten wird.
0:41:24–0:41:29
Und hat sich dann überlegt, wie kann das sein und dann irgendwie begonnen,
0:41:29–0:41:33
diesen Solaris-Planeten sich genauer anzuschauen und gemerkt,
0:41:33–0:41:37
dass der fast komplett von einem Ozean bedeckt ist.
0:41:37–0:41:43
Der bei Tarkovsky, finde ich, sehr schön visualisiert wird, auch wenn Lem das
0:41:43–0:41:49
nicht so dachte. Und dieser Ozean allerdings irgendwie sich auch zu bewegen
0:41:49–0:41:50
scheint, zu wandern scheint.
0:41:50–0:41:51
Es gibt immer wieder auch mal
0:41:51–0:41:55
trockene Plätze, Inseln, einen ganz kleinen Prozentsatz der Oberfläche.
0:41:55–0:42:01
Aber die ganze Zeit ist der Ozean wie, wie soll ich sagen, wie lebendig.
0:42:01–0:42:05
Später merkt man, da greife ich jetzt schon mal voraus, dass da aber keine Zellen
0:42:05–0:42:06
gibt oder keine Strukturen gibt.
0:42:07–0:42:10
Also man kann sich das alles gar nicht erklären. Man merkt aber nur,
0:42:10–0:42:17
dass dieser Planet in der Lage ist, aktiv sich oder die physikalischen Gesetze um ihn zu biegen.
0:42:17–0:42:21
Da sind wir ein bisschen wieder bei Expanse, wo dann auch die Physik ein bisschen
0:42:21–0:42:25
gebogen wird, um Ionenkanäle zu verändern.
0:42:26–0:42:31
Was dazu führt, dass dieser Planet eine stabile Umlaufbahn um diese beiden Sonnen halten kann.
0:42:31–0:42:33
Ich weiß nicht, ob es jetzt ein ist, das wird nicht genau erklärt,
0:42:33–0:42:34
aber auf jeden Fall erstürzt es nicht.
Florian Clauß
0:42:34–0:42:35
Es sind zwei Sonnen.
Micz Flor
0:42:35–0:42:36
Zwei Sonnen, aber...
Florian Clauß
0:42:36–0:42:37
Es ist eine rote und eine blaue Sonne.
Micz Flor
0:42:37–0:42:41
Aber was seine Umlaufbahn ist, ob das jetzt quasi ein Kreis ist,
0:42:41–0:42:41
das wird doch genau gesagt.
Florian Clauß
0:42:41–0:42:45
Du hast ein chaotisches System. Entweder, wie du sagst, stürzt der Planet in
0:42:45–0:42:48
der Sonne raus oder er wird weggepfeffert.
Micz Flor
0:42:48–0:42:55
Und wir kommen in die Geschichte, als es schon 100 Jahre von Forschung gibt über...
Florian Clauß
0:42:55–0:42:59
Ja, die Station, das wird auch nicht irgendwo genau beschrieben,
0:43:00–0:43:03
aber wahrscheinlich ist, dass diese Station auch schon seit mehreren Jahrzehnten,
0:43:03–0:43:05
wenn nicht sogar das Jahrhundert, schon da ist.
0:43:05–0:43:09
Und in dem Zusammenhang finde ich auch nochmal interessant,
0:43:09–0:43:16
wie kunstvoll das Lemm arrangiert, nämlich er macht sich da jetzt auch so rein
0:43:16–0:43:20
fiktional nicht angreifbar, nämlich diese Frage von Entfernung,
0:43:20–0:43:24
Zeitreise, also überhaupt Raumreise.
Micz Flor
0:43:25–0:43:28
Zeitschuld, wie wir bei Imperium gesagt haben.
Florian Clauß
0:43:28–0:43:31
Genau, weil das kommt auch in irgendeiner Beschreibung, nämlich dann,
0:43:31–0:43:37
wenn am Ende, wenn dann eben der Bericht von Snout verfasst und von Chris Kelvin,
0:43:37–0:43:39
so heißt unsere Hauptfigur, dem Protagonisten.
0:43:40–0:43:44
Der dann halt mehrere Monate unterwegs ist, wenn nicht sogar Jahre.
0:43:44–0:43:46
Also da wird beschrieben von Orion und so weiter.
0:43:46–0:43:51
Vermutlich ist wirklich Solaris, das ganze System, ist halt Lichtjahre entfernt von der Erde.
0:43:52–0:43:56
Und das finde ich halt so toll, dass das halt wirklich überhaupt gar nicht so
0:43:56–0:43:57
beschrieben ist. Und es wird auch in keinem Film...
Micz Flor
0:43:58–0:43:59
Die Lichtjahre nicht viele Monate.
Florian Clauß
0:43:59–0:44:03
Ja, viele Monate. Aber man weiß ja nicht, ob trotzdem die Technologie...
0:44:03–0:44:09
Also es wird... Also da die Lokalisation des Planetens ist Lichtjahre von der Erde entfernt.
0:44:09–0:44:13
Also muss ja quasi. Aber Monate vielleicht haben die eine Technik entwickelt,
0:44:13–0:44:18
wo die halt so Spice-mäßig schneller als Licht reisen können oder sowas.
0:44:18–0:44:19
Also es wird überhaupt nicht beschrieben.
0:44:20–0:44:23
Und das ist für mich aber so ein genialer Kniff, um dann halt auch nicht in
0:44:23–0:44:25
diese Erklärungsnot zu kommen.
Micz Flor
0:44:25–0:44:30
Das bringt mich dann, ich glaube wir brauchen, wir müssen eine zweite Wanderung machen zum Reden.
0:44:30–0:44:32
Wir werden wahrscheinlich gar nicht durchkommen, weil was mich ja immer,
0:44:33–0:44:38
das ist eine grundfesten Frage, weil es wird dann immer von Hard Science Fiction
0:44:38–0:44:41
und eher so Fantasy Science Fiction. Das hatte ich ja auch bei Dan Simmons schon
0:44:41–0:44:44
besprochen, dass da immer gesagt wird, das ist ja eher Fantasy.
0:44:45–0:44:49
Und Stanislaw Lem wird immer hochgehalten als Hard Science Fiction.
0:44:50–0:44:54
Aber What the F ist da irgendwie Hard Science Fiction? Was ist da?
Florian Clauß
0:44:54–0:44:59
Ja, aber das würde mich wundern, weil ich habe es anders gelesen,
0:44:59–0:45:02
dass nicht der Science Fiction so ausschließlich zuordnenbar ist.
0:45:03–0:45:09
Weil du hast ja wirklich hier auch ein Genre-Crossover. Es fängt an wie so ein Horror-Setup.
Micz Flor
0:45:09–0:45:09
Das Ganze.
Florian Clauß
0:45:10–0:45:14
Es wird aber dann mehr Science-Fiction oder wissenschaftlicher Roman.
0:45:15–0:45:19
Und dann am Ende ist es dann irgendwie so ein philosophisches Grundstück,
0:45:19–0:45:20
was dann beschrieben wird.
0:45:20–0:45:26
Also das heißt, Lem lässt sich eigentlich nie in diese, also dass er hart Science-Fiction
0:45:26–0:45:30
ist, im Sinne hart von, dass bestimmte Voraussetzungen gemacht werden,
0:45:31–0:45:35
die es halt irgendwie gar nicht mehr so, die es halt nur in der Zukunft als Annahmen gebe.
Micz Flor
0:45:35–0:45:41
Ja, so eine Möglichkeit. Also das ist die Möglichkeit, eine extrapolierte Tangente
0:45:41–0:45:46
in die Zukunft könnte sein, dass, wie du schon gesagt hast, aus dem Fernseher
0:45:46–0:45:48
ein Tablet wird oder ein Handy.
Florian Clauß
0:45:49–0:45:53
Aber darf ich nur mal ganz kurz, weil ich das auch so, das fand ich so abgefahren,
0:45:53–0:45:56
das ist für mich halt wirklich so, weil auf der einen Seite gibt es halt dieses,
0:45:56–0:46:02
man weiß nicht, wie der da hingekommen ist, wie er diese extreme Distanz überwunden hat.
0:46:02–0:46:05
Aber dann ist man doch irgendwie so verhaftet wieder in so...
0:46:06–0:46:10
In so Interfaces, weil das wird so kurz beschrieben, dann wird halt irgendwie
0:46:10–0:46:12
so eine Plakette leuchtet auf mit dem Erde.
0:46:13–0:46:19
Und das heißt, es gibt halt nichts von so kontextbasiert Darstellung von UI oder sowas.
0:46:19–0:46:24
Also von so Interface, das ist halt wirklich so, damals konnte man sich das ja nicht denken.
0:46:24–0:46:29
Du hast den Bildschirm und der Bildschirm sich dann halt aufgrund seines Kontextes
0:46:29–0:46:30
dann quasi funktional anpassen kann.
0:46:31–0:46:35
Mit den ganzen Buttons drauf und so weiter. Es ist alles hart verdrahtet,
0:46:35–0:46:39
es sind die Kippschalter und es gibt dann halt vielleicht so eine Matrize,
0:46:39–0:46:43
die du dann halt überlegen kannst, wenn du diesen Schalter umschaltest,
0:46:43–0:46:44
dann haben die alle eine neue Funktionseinheit.
0:46:45–0:46:50
Das ist immer noch so in diesem Raumschiffsdesign so mit reingestrickt,
0:46:50–0:46:53
ja, aber das kannst du dir halt auch nicht anders vorstellen.
Micz Flor
0:46:53–0:46:59
Aber das ist ja dann dieser Witz in dem dritten Prequel von Star Wars,
0:46:59–0:47:06
wo dann Darth Vader das erste Mal atmet, wo dann irgendwie die ganze Zeit diese
0:47:06–0:47:09
absoluten Hightech-CGI-Roboter irgendwie rumgurken.
0:47:10–0:47:14
Und dann kommt halt dieser alte End-70er-Jahre mit diesen drei großen Buttons,
0:47:14–0:47:18
die rote Lampe, ein Drehknopf am Bauch.
Florian Clauß
0:47:18–0:47:20
Und das haben die so konsequent durchgehalten.
Micz Flor
0:47:20–0:47:24
Musst du ja auch, das ist ja ikonisch. und das ist genau das, was du,
0:47:24–0:47:28
sagst, was man halt Darth Vader damals reingeschrieben hat, wo man dachte,
0:47:28–0:47:33
so sieht die Zukunft aus, es gibt große Buttons auf dem Bauch und dann später
0:47:33–0:47:37
siehst du das nirgends, also genau, so sah die Vergangenheit der Zukunft aus.
Florian Clauß
0:47:37–0:47:41
Ja, aber das finde ich auch, wie sie konsequent das am Set-Design durchgezogen
0:47:41–0:47:43
haben, jetzt auch bei diesen ganzen neuen Spin-Off-Serien.
Micz Flor
0:47:43–0:47:46
Weil Solaris ist ein gutes Beispiel für das, was du sagst, auch,
0:47:46–0:47:50
dass er dann in diesem Raum, wo er später dann irgendwie sich einrichtet,
0:47:50–0:47:54
unter dem Bett ein Tonbandgerät findet und dieses Tonbandgerät dann auch von
0:47:54–0:47:58
seiner verstorbene Frau später entwendet wird und er es gerne wieder hätte.
Florian Clauß
0:47:58–0:48:04
Genau, wo dann die Dead Media quasi drin vorkommt. Also alte Aufzeichnungstechnologien.
0:48:05–0:48:09
Kommen wir auch nochmal zu einem ganz kurzen Sidekick zu Mondnacht.
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Hast du mir nochmal geschickt den Link?
0:48:11–0:48:14
Ja, ich habe es nämlich genau dieses, wo er auch unglaublich intelligent,
0:48:15–0:48:17
also... Das ist jetzt eine andere Geschichte.
0:48:17–0:48:21
Eine andere Geschichte, die heißt Ich weiß gar nicht, ob das nur eine Hörbuchfassung
0:48:21–0:48:22
ist oder auch eine Kurzgeschichte.
0:48:23–0:48:28
Aber es geht auch darum, dass eben zwei Astronauten auf dem Mond,
0:48:28–0:48:32
auf der Mondstation, in eine Situation kommen, dass sie keinen Sauerstoff mehr kriegen.
0:48:33–0:48:36
Und ich kriege sie mir ganz zusammen, weil ich es wirklich so auch immer beim
0:48:36–0:48:37
Einschlafen gehört habe.
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Und dass eben die in so einer Situation sind, dass sie das Tonband überlisten müssen.
0:48:43–0:48:48
Also quasi diese ganze Observer-Technologie, die heute, also wo du halt auch
0:48:48–0:48:51
wirklich schon heute so dieses Angriffsszenario, Mario, wie schaffe ich das,
0:48:51–0:48:55
bestimmte Observer-Technologien zu umgehen, um dann zu meinem Ziel zu kommen?
0:48:56–0:49:00
Hat er das als dramaturgischer Aufbau in diese Geschichte mit reingeschrieben?
0:49:00–0:49:07
Ich kriege es aber nicht ganz zusammen. Aber wo du auch irgendwie merkst, er baut eine Szene auf,
0:49:07–0:49:12
aber geht dann noch zwei Schritte weiter und macht dann eben daraus so einen
0:49:12–0:49:16
Technologie-Plot raus. Aber jetzt habe ich dich rausgerissen.
Micz Flor
0:49:16–0:49:19
Nee, gar nicht. Wir fangen jetzt, das ist ein guter Schnitt,
0:49:19–0:49:22
weil jetzt geht es los. Jetzt geht dann die Geschichte eigentlich los,
0:49:22–0:49:26
weil wir dann eben doch wieder bei unserem Protagonisten Chris Calvin sind.
0:49:27–0:49:30
Mit K. Chris und K. Calvin.
0:49:31–0:49:37
Der ist ein Psychologe und wurde von Gibarian, seinem Bekannten aus der Erde, irgendwie angerufen.
0:49:37–0:49:41
Er solle doch bitte zu Hilfe kommen. Wir brauchen deine Hilfe, Chris.
0:49:43–0:49:47
Und gespielt von Ulrich Tukur in der 2002er Version von Soderbergh,
0:49:48–0:49:52
wo wir dann in vier Wochen, heute drüber reden werden, aber erst in vier Wochen,
0:49:52–0:49:53
werden alle drüber reden.
Florian Clauß
0:49:56–0:50:01
Genau, und die Motivation, warum dann Dr. Calvin auf die Station kommt,
0:50:01–0:50:03
ist bei allen Varianten unterschiedlich.
0:50:04–0:50:09
Also bei Solaris, bei dem von Lem, ist es so, dass er wirklich zur Hilfe gerufen wird.
0:50:09–0:50:13
Also wir haben hier ein Problem mit der Besatzung. Bitte schau mal,
0:50:13–0:50:16
dass du das als Psychologe uns da unterstützen kannst.
0:50:16–0:50:21
Bei Tarkowski und Suderberg sind es andere Motivationen. Kommen wir nochmal hin.
Micz Flor
0:50:23–0:50:27
Und er kommt an, er wird losgeschossen, wie in so einer Kanonenkugel.
0:50:27–0:50:30
Das ist auch sehr schön so hart Science-Fiction-mäßig beschrieben.
0:50:30–0:50:34
Er kommt dann in so einen Gefährt rein, dann bläst sich sein Schutzanzug auf.
0:50:35–0:50:38
Dann ist er da so reingepropft, sodass er dann auch gleichzeitig geschützt,
0:50:38–0:50:39
aber auch eingesperrt ist.
0:50:40–0:50:43
Wird dann losgeschossen. Das geht aber alles so smooth, dass er selber gar nicht
0:50:43–0:50:45
genau mitbekommt, dass er schon fliegt.
0:50:45–0:50:48
Dann hat er so einen kleinen Schlitz, kann er so rausgucken,
0:50:48–0:50:52
kommt immer näher an den Planeten Solaris. kommt dann irgendwann in diesen Punkt,
0:50:52–0:50:56
wo er sagt, das fand ich sehr schön, wo er sagt so, ab da falle ich.
0:50:57–0:51:00
Vorher ist er auf etwas zugeflogen und dann auf einmal gab es oben und unten
0:51:00–0:51:04
in seiner Wahrnehmung, was ich schon einen schönen Blick auf dieses Menschliche finde.
0:51:04–0:51:09
Also der Mensch braucht oben und unten, sobald es geht, wird das als Kompass,
0:51:09–0:51:11
als Orientierungssystem eingeschaltet.
0:51:12–0:51:16
Und dann versucht er die ganze Zeit Kontakt aufzunehmen mit der Raumstation,
0:51:16–0:51:20
aber die kreist um den Planeten beziehungsweise nicht, dass sie kreislich ist.
0:51:20–0:51:21
Sie kann sich auch bewegen.
0:51:21–0:51:24
Also sie ist quasi aber eben in einer, wahrscheinlich nicht mal in einer Umlaufbahn,
0:51:25–0:51:26
aber sie schwebt über dem Planeten.
Florian Clauß
0:51:26–0:51:28
Weißt du noch, wie die Raumstation heißt?
Micz Flor
0:51:29–0:51:29
Nee.
Florian Clauß
0:51:30–0:51:30
Prometheus.
Micz Flor
0:51:31–0:51:33
Nee, Prometheus schießt ihn ab.
Florian Clauß
0:51:34–0:51:35
Nee, Prometheus ist die Raumstation.
Micz Flor
0:51:36–0:51:38
Nee, Prometheus schießt ihn weg, verlässt Prometheus.
Florian Clauß
0:51:39–0:51:41
Aber Prometheus ist die Trägerrakete.
Micz Flor
0:51:42–0:51:46
Prometheus ist der Ort, von dem er in dieser Kapsel weggeschossen wird.
Florian Clauß
0:51:46–0:51:49
Okay, das hatte ich anders in Erinnerung.
Micz Flor
0:51:49–0:51:52
Aber ich lese nachher noch schlechte Beispiele der Übersetzung vor.
Florian Clauß
0:51:53–0:51:56
Ich glaube nicht, dass es auf die Übersetzung zurückzugehen ist.
Micz Flor
0:51:57–0:51:58
Aber danke.
Florian Clauß
0:51:58–0:51:59
Dass du mir.
Micz Flor
0:51:59–0:52:01
Das gesagt hast. Da kommt Prometheus drin vor und deshalb weiß ich,
0:52:01–0:52:03
dass das da ist, wo er herkommt.
Florian Clauß
0:52:03–0:52:07
Okay, dann hat er die Raumstation, hat gar keinen Namen, oder?
0:52:08–0:52:10
Ich dachte immer, das wäre Prometheus.
Micz Flor
0:52:10–0:52:11
Nee.
Florian Clauß
0:52:11–0:52:16
Aber sie ist namenlos. Die Lagestation.
Micz Flor
0:52:17–0:52:20
Namentliche, namenlose Raumstation. Auf die fliegt er zu. Er landet da auch.
0:52:20–0:52:24
Er hat keinen Kontakt, außer mit dem Bordcomputer, der sich um ihn kümmert.
0:52:24–0:52:28
Alles sicher. Er sagt, wir übernehmen dich. Du kommst jetzt hier an. Er steigt aus.
0:52:29–0:52:32
Keiner empfängt ihn. Er ist da alleine. Er weiß gar nicht, wo er ist.
0:52:32–0:52:34
Aber dann ist alles irgendwie so durcheinander.
0:52:35–0:52:38
Und er findet dann, glaube ich, auch eine Blutspur.
Florian Clauß
0:52:39–0:52:39
Nee.
Micz Flor
0:52:40–0:52:41
Also da müsste ich auch nochmal...
Florian Clauß
0:52:42–0:52:45
Die Blutstube kommt nur bei Sudaberg vor.
Micz Flor
0:52:45–0:52:47
Ja, da bin ich mir eben nicht ganz sicher. Da muss ich nochmal gucken,
0:52:47–0:52:50
weil die Frage... Es wurde ja...
0:52:52–0:52:54
Lem wurde ja auch natürlich gefragt, worum geht es eigentlich?
0:52:55–0:52:57
Also was wir heute auch ein bisschen rumdaddeln im Dunkeln.
0:52:57–0:53:02
Und Lem meinte von sich aus, ja, was heißt, worum geht es eigentlich?
0:53:02–0:53:05
Sie weiß doch, wenn ich so eine Geschichte schreibe, weiß doch selber nicht genau, wo es hingeht.
0:53:05–0:53:10
Als zum Beispiel Calvin ankam und dann findet er diese Spur,
0:53:10–0:53:12
da wusste ich selber nicht, wie es weitergeht.
0:53:12–0:53:14
Aber dann habe ich weitergeschrieben und dann wusste ich, wie es weitergeht.
0:53:15–0:53:18
Das war so seine, also da könnte man natürlich psychoanalytisch sagen,
0:53:19–0:53:20
sein Unbewusstes schreibt ihn da.
Florian Clauß
0:53:20–0:53:24
Ja, das ist aber interessant, weil er wirklich da über den Schreibensprozess
0:53:24–0:53:25
dann sich nochmal äußert.
0:53:25–0:53:29
Und es ist tatsächlich so, dass er die nicht vorher so zurechtgelegt hat,
0:53:29–0:53:34
die Geschichte, sondern dass sie so, wenn man ihm glaubt, dann so beim Schreiben entstanden ist.
Micz Flor
0:53:35–0:53:40
Auf der Station, Gbarian stellte schnell fest, hat sich das Leben genommen.
0:53:40–0:53:46
Er findet oder trifft den Kybernetiker Snout, der sich ihm gegenüber sehr komisch verhält.
0:53:46–0:53:49
Das ist auch sehr schön geschrieben. Wir plot-spoilern rechts,
0:53:49–0:53:52
links und in der Mitte. Deshalb sage ich das erst gleich.
0:53:52–0:53:58
Weil erst später wird Calvin klar, dass Snout anfangs gar nicht wusste,
0:53:58–0:54:00
ob er denn nicht vielleicht auch ein Gast ist.
0:54:01–0:54:04
Deshalb war er da sehr, sehr zurückhaltend. Er musste sich da irgendwie...
0:54:04–0:54:10
Aber wir sind in dem Moment wirklich noch in Chris Calvins Blick auf die ganze Geschichte.
0:54:10–0:54:12
Und er checkt nicht, warum Snout so komisch ist.
Florian Clauß
0:54:12–0:54:16
Das ist so schön. Das passt gerade zum Thema Gast. Wir treten hier gerade auf
0:54:16–0:54:20
eine kleine Lichtung und mit einer Kapelle und auf der Kapelle steht und sie leben doch.
Micz Flor
0:54:21–0:54:25
Und es gibt noch Sartorius. Sartorius, den lernen wir erst später kennen.
0:54:26–0:54:29
Und die sind so ein bisschen komplementär zueinander.
0:54:29–0:54:37
Snout ist eher so ein bisschen freundlich, aber irgendwie total innerlich erschöpft und zerrissen.
0:54:37–0:54:43
Und Sartorius ist eher so Teflon-Wissenschaftler, distanziert,
0:54:43–0:54:49
kalt, aber gleichzeitig der, der halt irgendwie wahrscheinlich seine Unsicherheit
0:54:49–0:54:53
kompensiert über eine Entschlossenheit und einen Plan.
0:54:57–0:55:02
Die Untersuchungen so treibt, ne? Und dann eben das in den Trino-Feld und so weiter rausbekommt.
0:55:03–0:55:07
So, und Calvin wird von Snout gesagt, Calvin solle doch einfach vorsichtig sein,
0:55:07–0:55:11
erstmal gucken, komm erstmal an, so in der Art, ne, weil Snout zu Recht auch
0:55:11–0:55:13
irgendwie schon antizipiert, er kann es jetzt gar nicht erklären.
0:55:14–0:55:17
Erstens, weil er scheinbar noch unsicher ist, wer dieser Calvin überhaupt ist,
0:55:17–0:55:22
aber zweitens auch, weil er es erleben muss, um es wirklich zu glauben.
0:55:22–0:55:23
So, ne, es ist einfach nicht fassbar.
0:55:24–0:55:28
Dann ist es so, dass Calvin auf der Station versucht, sich zu orientieren und
0:55:28–0:55:31
dann auch so Stimmen hört aus den Laboren von den Kollegen.
0:55:32–0:55:38
Und er begegnet dann einer etwas korpulenteren, wird sie beschrieben,
0:55:39–0:55:40
barfüßigen, halbnackten Frau.
0:55:40–0:55:44
Er hört so platschende Schritte und sieht die dann und folgt ihr auch.
Florian Clauß
0:55:44–0:55:50
Ja, das ist eine schwarze Frau. In der ursprünglichen Übersetzung wird noch das N-Wort benutzt.
Micz Flor
0:55:50–0:55:54
Ich habe das rausgenommen, weil ich es nicht relevant fand. Ich habe überlegt,
0:55:54–0:55:56
ob ich das korpulente auch rausnehme.
Florian Clauß
0:55:56–0:56:05
Ja, aber es ist insofern schon dafür, dass die Beschreibung dieser Abstrusität,
0:56:05–0:56:08
das ist da, wo quasi der Horrorplot anfängt.
0:56:08–0:56:11
Weil da kriegst du ja wirklich das Grauen. Was passiert hier?
0:56:11–0:56:16
Also es ist ja quasi ein Mensch, den man da so nicht erwarten würde in diesem Umfeld.
Micz Flor
0:56:16–0:56:20
Genau, und das Schwarz sollte das noch so verdichten, dass ich es nicht zeitgemäß
0:56:20–0:56:23
empfunden habe, das jetzt irgendwie als Andersheit oder Feindheit.
Florian Clauß
0:56:23–0:56:32
Ja, also ja, im Sinne von, dass es komplett klar ist, dass diese Figur nicht
0:56:32–0:56:35
in irgendeinem wissenschaftlichen Kontext dahin gekommen sein kann.
Micz Flor
0:56:36–0:56:38
Aber das ist doch nicht, weil sie schwarz ist.
Florian Clauß
0:56:38–0:56:43
Na doch, in dem Sinne schon, weil so wie die damals aufgestellt waren,
0:56:44–0:56:49
in diesem Ganzen, und sie wird ja quasi so als halbnackt, also das heißt wie
0:56:49–0:56:53
so eine Indigene beschrieben. So ein Bild hatte ich dann.
0:56:53–0:56:58
Das ist eine andere Zivilisation, die sie da halt auch so mit verkörpert.
Micz Flor
0:56:58–0:57:02
Da bleibe ich jetzt mal kurz stecken, weil das ist so ein bisschen ein Vorgriff
0:57:02–0:57:07
und ein sehr gutes Beispiel für das, was wir dann später lernen und wo es einfach
0:57:07–0:57:09
unklar ist und keiner kann es richtig verstehen.
0:57:09–0:57:17
Aber es wird wohl deutlich, dass der Planet sich in gewisser Weise in die Menschen,
0:57:17–0:57:19
die da sind, jetzt auch Calvin,
0:57:19–0:57:27
Snout, Sartorius, hineinbegeben kann, wie auch immer, um darin Bilder zu finden
0:57:27–0:57:33
und aus diesen Bildern zum Beispiel eben auch besagte Frau erstellt.
0:57:36–0:57:43
Die unglaublich akkurat abbilden, wie diese Menschen, die auf der Station gar
0:57:43–0:57:46
nicht sein könnten, wirklich waren bzw.
0:57:46–0:57:48
Erinnert werden von denen, die da sind.
0:57:49–0:57:52
Und das, was du jetzt gemacht hast, war, finde ich, ganz interessant.
0:57:52–0:57:57
Genauso ist es, um das in der Literatur zu sagen, Lem beschreibt etwas und dann entsteht ein Bild.
0:57:57–0:58:03
Und wenn man das das erste Mal liest, dann bekommst du ein Bild von seiner Beschreibung,
0:58:04–0:58:10
was eben an ganz vielen Punkten so überzogen ist, dass dann wirklich das Andere erscheint.
0:58:10–0:58:13
Also sowas erscheint, das kann da gar nicht sein.
0:58:13–0:58:16
Das geht schon los, dass sie irgendwie mit den platzschenden Füßen ist und sie
0:58:16–0:58:19
ist so dick und sie ist halbnackt und sie ist eine Frau, was ja damals auch
0:58:19–0:58:22
nicht denkbar war. Und dann ist sie auch noch schwarz.
0:58:23–0:58:26
Und das ist quasi ganz, ganz wichtig natürlich.
0:58:27–0:58:29
Aber ich fand es jetzt gerade interessant von dem Hintergrund,
0:58:29–0:58:33
dass das, was der Planet macht, nämlich Charaktere erschaffen,
0:58:34–0:58:37
dass das natürlich das Buch auch macht, was wir innerlich dann erleben,
0:58:37–0:58:37
wie wir uns die vorstellen.
0:58:38–0:58:40
Das fand ich, hast du irgendwie ganz gut nochmal so illustriert.
Florian Clauß
0:58:40–0:58:50
Ja, zumindest in diesem Prozess des Erschaffens durch diesen Ozean,
0:58:50–0:58:55
ist es ja so, dass es zu einer echten Entität wird.
0:58:55–0:59:01
Und das ist ja auch so diese Frage nach Moral und Identität, Entität.
0:59:01–0:59:09
Also dass die einzelnen Figuren, die da rausfallen aus dieser Matrix von den
0:59:09–0:59:16
Wirten, also von der Besatzung, dass die ja wirklich anfangen eine Identität zu entwickeln.
Micz Flor
0:59:16–0:59:19
Da kommen wir auch noch zu, weil das ist auf alle Fälle total spannend,
0:59:20–0:59:24
aber ich möchte trotzdem festhalten, dass in dem Buch diese,
0:59:24–0:59:29
wie du sagst, diese erschaffenen Gäste, wie sie auch genannt werden,
0:59:30–0:59:33
dass die anders sind.
0:59:33–0:59:37
Ja, man guckt dann, so subatomar findet man, dass die anders sind,
0:59:37–0:59:39
also sind quasi von innen aufgebaut.
0:59:40–0:59:45
Aber natürlich sind in der Tatsache, dass wir als Lesende das erschaffen in
0:59:45–0:59:51
unserem Kopf, in unserer Fantasie, vor unserem Hintergrund, sind die nicht anders als Calvin.
0:59:52–0:59:57
Also die sind natürlich für uns gleichermaßen literarische Fiktion.
Florian Clauß
0:59:57–1:00:03
Ja, auf jeden Fall. Es ist schön, nochmal so auf dieser Metaebene das einzuordnen.
Micz Flor
1:00:03–1:00:08
Gut, aber zurück in die Geschichte. Jetzt kommt ein wichtiger Punkt. Er sieht diese Frau,
1:00:08–1:00:15
er sieht dann auch den Gebarian, er findet den tiefgekühlt, auf ihm drauf liegt eben,
1:00:15–1:00:18
das ist genau die Frau, die legt sich auf Gebarian und liegt dann inzwischen
1:00:18–1:00:24
schon auf Gebarian, das weiß ich nicht mehr genau, unter so einer Decke und in so einem Kühlraum.
1:00:24–1:00:29
Das Ganze ist für ihn einfach so erschütternd und so nicht erklärlich, dass das,
1:00:31–1:00:35
Er denkt, ich bin wahnsinnig. Also die beste mögliche Erklärung nach Einstein
1:00:35–1:00:36
ist immer die einfachste.
1:00:37–1:00:41
Und Calvin kommt an den Punkt und sagt, okay, das hier alles ist so unwahrscheinlich,
1:00:41–1:00:43
dass es viel wahrscheinlicher ist, dass ich wahnsinnig bin.
1:00:43–1:00:46
So, und jetzt will er aber rausfinden, ob er wirklich wahnsinnig ist.
1:00:46–1:00:51
Und dann kommt er auf so einen Kniff, dass er bestimmte Kalkulationen macht
1:00:51–1:00:55
für irgendeine Umlaufbahn und den Computer bittet, diese Kalkulationen auch zu machen,
1:00:55–1:00:58
aber dann irgendwie so einen Faktor einrechnet, dass erst nach der zehnten Stelle
1:00:58–1:01:01
eine Abweichung entstehen dürfte zwischen seinem Den und sowas.
1:01:01–1:01:06
Und das macht er, um zu überprüfen, ob er das alles träumt oder ob es wahr ist,
1:01:06–1:01:08
weil er kann ja die Zahlen des Computers nicht vorhersehen.
1:01:08–1:01:11
Und dann kommt das Ergebnis und es entspricht seiner Hypothese,
1:01:11–1:01:16
aber gleichzeitig merkt er, okay, und das möchte ich sagen, ist wie so ein Gottesbeweis-Thema.
1:01:16–1:01:20
Also, weil er dann halt merkt, ja gut, aber auch das kann ich mir ja einbilden.
1:01:20–1:01:22
Und das Thema Gott kommt eher zum Schluss nochmal rein.
Florian Clauß
1:01:22–1:01:26
Ja, aber an der Stelle muss man auch nochmal sagen, das Interessante ist,
1:01:26–1:01:28
ist, dass Ghibarian genau das Gleiche gemacht hat.
Micz Flor
1:01:28–1:01:29
Das lernen wir später.
Florian Clauß
1:01:30–1:01:33
Also das heißt, auch er ist dann irgendwie auf die Idee gekommen,
1:01:33–1:01:34
er hat dann nochmal ein anderes Setup genommen,
1:01:34–1:01:39
aber eben versucht eine Objektivität, oder nee, er hat ja eine Objektivität
1:01:39–1:01:44
versucht herzustellen, indem er dann halt wissenschaftliche Fakten durch Berechnung
1:01:44–1:01:47
dann auch so belegen kann, dass es tatsächlich so ist.
1:01:48–1:01:49
Dass es nicht aus seinem Kopf kommt.
Micz Flor
1:01:50–1:01:53
Das ist der Plan. Und zum Schluss bleibt es aber dann offen,
1:01:53–1:01:57
weil er dann selber auch einsieht, das ja alles erfunden haben könnte.
Florian Clauß
1:01:57–1:02:03
Ja, das Leben ist ein Traum. Das Leben ist ein Traum und alles ist erfunden.
1:02:03–1:02:04
Ich habe nochmal eine Theorie.
1:02:05–1:02:07
Eine Theorie, die ich nirgendwo anders sehe.
Micz Flor
1:02:07–1:02:08
Ich habe auch eine.
Florian Clauß
1:02:08–1:02:11
Okay, sehr gut. So revolutionär ist das.
Micz Flor
1:02:11–1:02:16
Können wir jetzt ein neues Kapitel anfangen? Flo's Theorie auf,
1:02:17–1:02:17
Solaris.
Florian Clauß
1:02:18–1:02:22
Das aber nicht jetzt, das machen wir am Ende. Wir müssen erst mal so...
Micz Flor
1:02:23–1:02:24
Ah, da kommt eine zu diesem Punkt jetzt.
Florian Clauß
1:02:24–1:02:30
Es kommt... Wenn wir dann so an einem Punkt sind, wo dann so eine gewisse Reife...
1:02:30–1:02:32
Wir müssen auch mehr in die Solaristik einsteigen.
Micz Flor
1:02:32–1:02:36
Okay, super cool. Also mein Aufhängerpunkt ist schon längst vorbei übrigens.
1:02:37–1:02:39
Aber meine Theorie kommt auch nachher.
Florian Clauß
1:02:39–1:02:41
Das heißt, okay, ich bin gespannt auf deinen...
Micz Flor
1:02:41–1:02:45
Auf jeden Fall überrechnet er. Zum Schluss legt er sich den...
1:02:45–1:02:51
Ihr seht das nicht, Flo ist gerade wieder 14 und will es sofort erzählen.
1:02:51–1:02:53
Guck mal, was ich dir zu Weihnachten gebaut habe.
Florian Clauß
1:02:54–1:02:56
Aber es ist doch erst in sieben Monaten.
Micz Flor
1:02:59–1:03:02
Aber Calvin sagt nicht jetzt Flo, er legt sich schlafen.
1:03:03–1:03:08
Und am nächsten Morgen wacht er auf. Und um halb schlafen ist noch nicht ganz klar, was da los ist.
1:03:08–1:03:13
Aber er sieht dann seine, also Harry spreche ich es jetzt aus,
1:03:13–1:03:17
H-A-R-E-Y wird sie geschrieben in der deutschen Übersetzung.
1:03:17–1:03:18
Ich weiß nicht, wie es...
Florian Clauß
1:03:18–1:03:22
Harvey. Harvey. Harry. Es gibt so verschiedene... Es gibt natürlich,
1:03:22–1:03:28
je nach Übersetzung und nach Film, das macht ja der Soderbergh bewusst,
1:03:28–1:03:31
dass er da bestimmte Verdrehungen in den Buchstabenketten macht.
Micz Flor
1:03:31–1:03:33
Also wir können es Harry nennen.
Florian Clauß
1:03:33–1:03:37
Harvey. Harry? Nee, Harry. Da hat man so ein komisches Bild an dem Kopf.
Micz Flor
1:03:38–1:03:42
Hooray. Darf ich Harry sagen? Oder wie möchtest du sie nennen?
Florian Clauß
1:03:42–1:03:44
Ne, Harvey habe ich.
Micz Flor
1:03:44–1:03:44
Harvey? Ne, ohne V.
Florian Clauß
1:03:45–1:03:46
Ich habe ein V in meiner Übersetzung.
Micz Flor
1:03:47–1:03:51
Gut, dann nenne ich es jetzt Harvey. Das kann ich ganz gut aussprechen,
1:03:51–1:03:53
aber ich glaube, das ist nicht, wie es sein sollte.
1:03:54–1:03:57
Gut, also auf jeden Fall ist Harvey da.
1:03:57–1:04:02
Das ist eine Situation, wo er zuerst denkt, er träumt noch und dann sich irgendwie
1:04:02–1:04:05
auch mit dem Messer schneidet, das Blut läuft, er wacht nicht auf.
1:04:05–1:04:09
Er beschreibt dann auch später, wie er längst nicht mehr daran glaubt,
1:04:09–1:04:13
es sei ein Traum und trotzdem noch irgendwie versucht, glauben zu dürfen, es sei ein Traum.
1:04:13–1:04:16
Und er immer mehr halt eben in diesem Horror landet. Was ist denn da los?
1:04:17–1:04:22
Es ist dann auch diese Szene, die in Tarkovskys Film auch nochmal vorkommt,
1:04:23–1:04:29
dass dieses Erschaffene, also dieses Künstliche, was ja sowieso schon die logische
1:04:29–1:04:31
Herleitung ist, dann nochmal unterstrichen wird von der Tatsache,
1:04:31–1:04:35
dass sie ein Kleid anhat und dieses Kleid kann man gar nicht öffnen.
1:04:35–1:04:40
Also das wurde quasi um sie drum geschlossen. Das muss man aufschneiden.
Florian Clauß
1:04:40–1:04:42
Ja, das ist toll. Die Szene ist so großartig.
Micz Flor
1:04:43–1:04:47
Dass diese Person natürlich auch total vertraut ist.
1:04:47–1:04:50
Das ist ja wieder Freuds Idee von dem Unheimlichen. Sie ist heimelig,
1:04:50–1:04:53
das ist seine Ex. Sie ist zwar verstörend, aber gleichzeitig auch anziehend.
1:04:54–1:04:57
Später möchte er ja mit der Frau auch gemeinsam zur Erde fliegen,
1:04:57–1:05:00
wie wir später erfahren, und den Rest seines Lebens mit ihr verbringen.
1:05:01–1:05:06
Aber sie wird dann deutlich unheimlich in dem Moment, als er das Zimmer verlassen möchte.
1:05:07–1:05:09
Die Szene ist bei Tarkovsky, finde ich, auch gut dargestellt.
1:05:09–1:05:14
Und sie dann einfach das nicht aushalten kann, von ihm getrennt zu sein.
1:05:16–1:05:20
Und unglaubliche Kräfte entwickelt, um die Tür auszuhebeln, Tür rauszureißen.
1:05:20–1:05:23
Und dann auch gleichzeitig im Film, zumindest im Buch, weiß nicht,
1:05:23–1:05:27
gezeigt wird, dass sie auch dann sofort wieder heilt, wo sie von diesem Kraftakt
1:05:27–1:05:29
eben auch Verletzungen nach sich zieht.
1:05:29–1:05:35
Und dann wird sie halt eben sehr unheimlich, so horrormäßig und er möchte sich ihr entledigen.
Florian Clauß
1:05:35–1:05:42
Aber dieses mit der Tür, das kommt dann nicht bei der ersten HW vor,
1:05:42–1:05:43
sondern das ist bei der zweiten.
1:05:45–1:05:54
Bei der ersten ist es so, dass er sich wirklich da in das Raumschiff einsperrt und das wackelt.
Micz Flor
1:05:54–1:05:54
Ja, genau.
Florian Clauß
1:05:55–1:05:58
Und er weiß nicht, und dann, wenn das zweite Mal sie auftaucht,
1:05:58–1:06:01
das ist auch der Moment, wo er sie anfängt so ein bisschen zu akzeptieren.
1:06:02–1:06:05
Also mit der Tür, wo sie die Tür quasi einreißt.
Micz Flor
1:06:06–1:06:11
Ja, okay. Also gut, das habe ich jetzt durcheinandergebracht in meiner Erinnerung.
1:06:11–1:06:18
Dann ist es so, dass er sie dann wohin begleitet und sie dann einlädt,
1:06:18–1:06:19
in so eine kleine Kapsel zu gehen.
1:06:19–1:06:23
Dann schließt er diese Kapsel und dann merkt man schon die brutale Kraft von,
1:06:23–1:06:25
von diesem Gast oder dieser Gästin.
1:06:26–1:06:29
Und er schießt dann diese Kapsel in eine Planetumlaufbahn,
1:06:30–1:06:33
Also er bringt sie nicht um, aber er parkt sie gewissermaßen.
Florian Clauß
1:06:33–1:06:39
Ja, und es kommt dann zum späteren Zeitpunkt nochmal so als Beweis dafür, was passiert mit denen.
1:06:39–1:06:43
Dann schlägt ihm Snout, glaube ich, vor oder ich weiß nicht, ob es der Taurus ist.
1:06:43–1:06:46
Schau doch mal in die Kapsel, hol die doch mal wieder ran und schau doch mal
1:06:46–1:06:48
nach, wer ist denn da jetzt drin.
Micz Flor
1:06:48–1:06:52
Genau, ja. Ja, und das ist nämlich der Punkt, dass Snout auch,
1:06:52–1:06:57
und das ist ganz spannend, finde ich, vom Erzählen her, Weil Snout ist am Anfang
1:06:57–1:07:00
für uns auch nicht greifbar, aber immer mehr merken wir, dass Snout eigentlich
1:07:00–1:07:04
alles schon weiß und dann immer sozusagen Calvin das nochmal machen lässt.
1:07:04–1:07:08
Und Snout lernen wir nämlich kennen, dass er starke Verbrennungen im Gesicht und sowas hat.
1:07:09–1:07:12
Und jetzt ist es so, dass Calvin, also unser Held, mit dem wir die Geschichte
1:07:12–1:07:16
erlernen, der schießt diese Kapsel ab und das macht er alles so schnell,
1:07:16–1:07:18
dass er auch sich da verbrennt.
1:07:18–1:07:21
Und er hat dann auch so, er pult sich so ein bisschen Haut im Gesicht ab und
1:07:21–1:07:23
dann sieht er Snout wieder und dann checkt er in dem Moment ein bisschen wie
1:07:23–1:07:27
bei der einen Folge von Sterntagebüchern, wo er immer den Montag,
1:07:27–1:07:29
Dienstag, Mittwoch, wo er sich immer wieder begegnet.
1:07:29–1:07:31
Und dann auf einmal hat er ein blaues Auge und dann weiß er,
1:07:31–1:07:35
okay, bevor morgen vier Uhr ist, habe ich ein blaues Auge, ich weiß bloß noch nicht, warum.
1:07:35–1:07:41
So, und da ist es dann so, dass er dann versteht, dass Snout genau das Gleiche
1:07:41–1:07:47
auch hatte und Snout ihm das dann auch sagt, so, ah, okay, du hast nicht diese Geschichte.
Florian Clauß
1:07:47–1:07:50
Die Geschichte, die du gerade erwähnt hast zum Sidekick, das ist ja im Prinzip
1:07:50–1:07:54
Memento, auch die Idee von Memento, dass er sich selber begegnet.
Micz Flor
1:07:54–1:08:01
Am nächsten Morgen ist Harvey, wie sie jetzt heißt, wieder da und er nimmt sie
1:08:01–1:08:04
dann mit und er nimmt ihr ein bisschen Blut ab und er checkt das dann irgendwie
1:08:04–1:08:07
und lernt dann relativ früh schon kennen in ihrer Struktur,
1:08:07–1:08:13
dass sie auf diesem unglaublich zukünftigen Mikroskop, was er da hat, dass sie,
1:08:14–1:08:19
und er ist schon durch die Blutzellen durch, er ist schon auf der Molekülebene,
1:08:19–1:08:23
er ist schon auf der Atomebene und sieht die Atome und sieht alles immer noch menschlich aus.
1:08:23–1:08:28
Aber dann hinter der Atomebene sieht er, dass sie eben aus Neutrinos oder irgendwas
1:08:28–1:08:30
Neutrino-ähnlichem gebastelt ist.
1:08:30–1:08:34
Das heißt, die Teilchen, die keine Ladung haben, die sich eben auch nicht abstoßen,
1:08:34–1:08:36
die man viel kleiner noch zusammenpacken kann.
1:08:37–1:08:41
Stichwort Neutrinostern, da weiß Flo mehr als ich. Aber auf jeden Fall sieht man...
Florian Clauß
1:08:46–1:08:49
Neutrinos entstehen halt, die sind halt, man sagt ja immer so,
1:08:49–1:08:55
die dunkle Materie, weil sie eben nicht wechselwirkt mit irgendwas, was wir kennen.
1:08:55–1:09:02
Aber es ist überall da. Also die entstehen halt in so Fusions, also durch die Sonne.
1:09:02–1:09:06
Die Sonne schießt eine unglaubliche Anzahl von Neutrinos.
1:09:06–1:09:09
Die laufen alle durch dich durch. aber dadurch, dass sie nicht reagieren,
1:09:09–1:09:11
keine Wechselwirkung haben.
1:09:11–1:09:16
Es gibt diese Neutrino-Detektoren, teilweise gibt es so ein Feld,
1:09:16–1:09:19
das ist dann wirklich so ein Eis-Cube.
1:09:19–1:09:27
Das heißt, die haben in der Arktis so Eisfelder, die dann über Kilometer gehen,
1:09:27–1:09:30
haben die halt mit Lichtdetektoren, die dann halt irgendwie so ein Kilometer,
1:09:30–1:09:31
mal ein Kilometer, mal ein Kilometer.
1:09:32–1:09:37
Und dann gibt es eine bestimmte Neutrino-Art, die, das ist halt so das Abgefahrene,
1:09:37–1:09:40
Das heißt, die wechselwirken, wenn die durch die ganze Erde geflossen sind.
1:09:40–1:09:46
Also das heißt, die Erde ist quasi das Schild, aber das sind jetzt nicht die
1:09:46–1:09:49
normalen Neutrinos, die von der Sonne kommen, sondern die kommen halt von ganz
1:09:49–1:09:51
woanders her, die halt noch einen anderen Spin haben.
1:09:51–1:09:56
Das heißt, die Erde ist quasi so der Bleimantel, dass sie überhaupt da hinten
1:09:56–1:10:00
beim Detektor was anschlagen kann und dafür werden drei im Jahr entdeckt.
1:10:01–1:10:06
Aber es ist trotzdem die größte Masse im Universum, bilden quasi Neutrinos.
1:10:07–1:10:13
Das ist verrückt. Und an dem Punkt ist halt auch die Frage, wann kam dieses
1:10:13–1:10:15
Neutrino-Konzept in der Physik auf?
1:10:15–1:10:20
Das muss auch, glaube ich, ich weiß gar nicht, ob das jetzt wirklich so eine
1:10:20–1:10:25
hohe Idee war, die dann auch gar nicht so physikalisch dann durchdacht war,
1:10:25–1:10:29
oder ob das schon quasi so ein berechnetes Teilchen war,
1:10:29–1:10:33
wo es dann halt schon so in der normalen Physik angenommen wurde, dass es die gibt.
1:10:34–1:10:37
Und das würde mich halt interessieren, ob das jetzt, wie das,
1:10:37–1:10:39
aber das habe ich nicht nochmal nachgeguckt.
Micz Flor
1:10:39–1:10:43
Na gut, ich meine, es wird schon gegeben haben, oder meinst du,
1:10:43–1:10:44
die haben es nach seinem Buch benannt?
Florian Clauß
1:10:45–1:10:49
Nein, das natürlich nicht, aber ob das jetzt quasi so in einem Standardmodell
1:10:49–1:10:51
der Physik schon so akzeptiert war, das meine ich.
1:10:52–1:10:56
Oder ob das jetzt noch so eine Idee war, die noch gar nicht in das Standardmodell mit reingeflossen ist.
Micz Flor
1:10:57–1:11:02
Wenn ich jetzt einfach nur raten müsste, aufgrund meines kulturellen Hintergrundes,
1:11:02–1:11:06
mit dem ich Solaris beackert habe, würde ich sagen, dass es auf Higgs zurückgeht.
1:11:06–1:11:10
Weil in der Soderbergh-Verfilmung sprechen die von einem Higgs-Feld.
Florian Clauß
1:11:10–1:11:16
Ja, genau. Das Higgs-Teilchen wurde erst später nachgewiesen.
Micz Flor
1:11:16–1:11:20
Aber das war ja schon lange in der theoretischen.
Florian Clauß
1:11:20–1:11:23
Sicht so mitbedacht.
Micz Flor
1:11:23–1:11:26
Aber warum ist das für uns jetzt hier erschütternd wichtig?
1:11:26–1:11:32
Weil es heißt, dass diese hergestellten Künstlichen sind fast identisch mit
1:11:32–1:11:36
uns, beziehungsweise sind quasi identisch, wenn man nicht durch die Atome durchguckt
1:11:36–1:11:38
und dann merkt, und das muss man sich mal vorstellen,
1:11:38–1:11:43
dass auf einer noch viel größeren Skala, auch wenn es kleiner ist natürlich,
1:11:43–1:11:46
diese Gäste gebaut werden.
1:11:46–1:11:52
Also wenn man so kleine Bausteine hat, wie feinteilig kann dieser Ozean,
1:11:52–1:11:57
von dem wir ausgehen, dass der die gebaut hat, überhaupt erschaffen und so schnell und so akkurat.
Florian Clauß
1:11:57–1:12:00
Also was ich hier nochmal so unglaublich wieder als Konzept,
1:12:00–1:12:05
als Idee von LEM finde, ist dieses Prinzip des Reverse-Engineerings.
1:12:05–1:12:10
Also das heißt, diese Information, und zwar auf dieser ganz stofflichen,
1:12:10–1:12:15
kleinsten stofflichen Ebene, muss ja dieser Ozean irgendwo rausgelesen haben,
1:12:15–1:12:18
um überhaupt diese Ebene dahinter zu bauen.
1:12:18–1:12:26
Ja, also die Gäste, die funktionieren ja auf einer physikalischen Ebene,
1:12:26–1:12:28
also die verhalten sich ja mehr oder weniger normal,
1:12:28–1:12:33
das heißt, sie können dann irgendwann schlafen, sie können dann halt auch essen
1:12:33–1:12:37
und trinken, wenn nicht so viel, ja, aber das heißt, sie funktionieren ja auf
1:12:37–1:12:40
so einer physikalischen, körperlichen Ebene, funktionieren die ja normal.
1:12:42–1:12:48
Aber was ist das denn für eine Kraft, diese ganzen Mechanismen da so rauszulesen?
1:12:48–1:12:51
Ich finde das halt so geil, diese Vorstellung, weißt du was?
1:12:51–1:12:54
Ich meine, das ist eine klassische Reverse-Engineering-Methode.
1:12:54–1:12:58
Du hast irgendwas und legst eine Layer drauf, die kleiner ist,
1:12:58–1:13:02
und kannst darüber halt die Funktion der Größeren nachbilden,
1:13:02–1:13:05
abbilden, indem du nur guckst, was raus und rein kommt.
1:13:05–1:13:10
Und damit schaffst du ein Modell, was halt auf dieser Ebene dann funktionieren kann.
Micz Flor
1:13:11–1:13:14
Ja, ich weiß nicht mehr als Beispiel dazu nochmal, ich weiß nicht mehr in welchem
1:13:14–1:13:16
Buch das war, aber wahrscheinlich gibt es es mehr als einmal.
1:13:17–1:13:19
Diese Nanotechnologie Diskussion, die es ja auch mal so gab,
1:13:20–1:13:23
wo dann irgendwie so Architektur, also Städte wurden so gebaut,
1:13:23–1:13:28
dass man quasi einfach kübelweise so Nanopartikel ausgeschüttet hat,
1:13:28–1:13:33
die das Haus als Bild vor sich hatten und dann einfach da hochgeklettert sind,
1:13:33–1:13:36
bis sie an einem Punkt waren, wo sie nicht weiter kamen, da sind sie einfach geblieben.
1:13:36–1:13:40
Und so haben die Nanopartikel dann eben komplexe Häuser geschaffen in diesem Buch.
1:13:40–1:13:44
Und das ist eine ähnliche Idee, weil diese Nanopartikel so klein sind,
1:13:44–1:13:47
dass man dann, wenn man auf den ersten Blick drauf guckt, sich sogar vorstellen
1:13:47–1:13:49
kann, dass man ein Ziegelhaus sieht.
1:13:49–1:13:52
Also das aber erst, wenn man rein sucht, man sieht, ach nee,
1:13:52–1:13:53
das ist ja Nanotechnologie.
1:13:53–1:13:57
Und die Ziegel und die Fugen und all das und diese Kratzer hier,
1:13:57–1:14:04
das ist alles aus dem Masterplan entstanden für dieses Haus und nicht durch die Zeit von außen.
Florian Clauß
1:14:04–1:14:07
Aber es sind ja keine potenckischen Dörfer, ne?
1:14:10–1:14:14
Eine Simulation von etwas, was keine Funktion hat, sondern die funktionieren ja.
1:14:15–1:14:20
Also sie funktionieren zwar nicht ganz sauber oder sind overengineert,
1:14:20–1:14:24
das heißt, die können sich generieren in unglaublich kurzer Zeit.
1:14:24–1:14:29
Das heißt, es ist eine andere Kraft da. Okay, also das heißt,
1:14:29–1:14:30
es ist etwas komplett anderes.
Micz Flor
1:14:30–1:14:34
Und gleichzeitig entsteht natürlich das Schauerliche darin, dass es Maschinen
1:14:34–1:14:39
sind. Das sind ja dann so Stepford Wives mäßig. Also diese Horrorfilme,
1:14:39–1:14:41
die ganzen Frauen wurden ersetzt durch Roboter.
1:14:41–1:14:44
Und ähnlich ist es da auch. Also auf der Fassade funktioniert es.
1:14:44–1:14:49
Es ist uns sogar irgendwie vertraut, es spricht mit uns, hat die gleiche Stimme,
1:14:49–1:14:50
hat auch gleiche Themen.
1:14:50–1:14:55
Man kann sich damit innerlich auch verbinden und trotzdem sind es Maschinen
1:14:55–1:14:56
und das macht es natürlich dann so.
Florian Clauß
1:14:56–1:15:01
Aber würdest du die wirklich als Maschinen dann definieren?
Micz Flor
1:15:02–1:15:07
Also, das ist jetzt, die Sartorius, ja, ne, Snout irgendwie auch,
1:15:07–1:15:09
die wollen das ja loswerden. Ja.
1:15:09–1:15:13
Und dann ist es natürlich ein Selbstschutz zu sagen, es ist nur eine Maschine,
1:15:13–1:15:16
so wie das Tier ja nur ein Tier ist und kein Mensch, deshalb darf man es essen.
1:15:16–1:15:23
Es ist zumindest etwas, was über Nacht hergestellt wurde und nicht ganz unfehlbar
1:15:23–1:15:27
ist, weil scheinbar ja Solaris, sollte Solaris die hergestellt haben,
1:15:27–1:15:28
das wird ja auch nicht wirklich erklärt,
1:15:30–1:15:33
kein Konzept von einem Reißverschluss hat oder von einem Kleid.
1:15:35–1:15:40
Sodass natürlich erst in dem Moment, dieses Kleid wurde scheinbar nicht entdeckt in Calvin.
1:15:41–1:15:43
Die Person hatte aber, der Reißverschluss wurde nicht entdeckt,
1:15:44–1:15:44
das Kleid wurde aber geschaffen.
1:15:45–1:15:48
Und erst als Calvin den Reißverschluss aufmachen möchte, ich weiß jetzt gar
1:15:48–1:15:51
nicht mehr, es geht da nicht um Sexualität, oder mit dem Reißverschluss?
Florian Clauß
1:15:51–1:15:54
Also ich habe mich auch gefragt, nee, sie muss dann, sie will duschen,
1:15:54–1:15:55
will das Kleid ausmachen.
1:15:55–1:16:01
Aber die Frage ist natürlich, das wird, glaube ich, in dem Soderbergh-Film dann
1:16:01–1:16:03
am ehesten beantwortet, ob die einen Sex haben.
Micz Flor
1:16:03–1:16:06
Ja, bei Soderbergh gibt es ja diese eine Traumsequenz als Rückblende auf die
1:16:06–1:16:09
Erde, wo er von ihr träumt und dann wacht er auf und dann haben die auch Sex
1:16:09–1:16:14
im Raumschiff und dann schneiden sich so diese beiden Farbschemata ineinander,
1:16:14–1:16:16
die Vergangenheit der Erde, die Gegenwart der Station.
Florian Clauß
1:16:16–1:16:20
Aber da kommen wir ja nochmal später zu. Das heißt, aber ich habe auch,
1:16:20–1:16:27
also es ist so ein bisschen so beschrieben, dass durchaus da bei der Romanvorlage,
1:16:27–1:16:30
dass es dass es zu sexuellen Handlungen kommt.
1:16:30–1:16:34
Gerade im Ersten, als er dann noch nicht so richtig realisieren kann,
1:16:34–1:16:39
dass es sich um einen Traum handelt oder nicht um einen Traum.
Micz Flor
1:16:39–1:16:42
So, auf jeden Fall ist dann da ein Schnitt,
1:16:45–1:16:48
nachdem quasi klar ist, dass jeder da irgendwie so einen Gast hat.
1:16:49–1:16:53
Also das ist so, dass man die im Buch gar nicht wirklich beschreibt.
1:16:53–1:16:56
Oder Claire Znaut nennt das einmal, glaube ich. Aber ich habe es vergessen, ob es so oder weiss.
Florian Clauß
1:16:56–1:16:58
Ich wollte nur mal ganz kurz einhaken
1:16:58–1:17:03
bei dem Punkt, weil ich mich bei dem Begriff Maschine gestört habe.
1:17:03–1:17:10
Ich glaube, man müsste dann eher so die Schere aufmachen zwischen künstlich und natürlich.
1:17:10–1:17:14
Weil ich glaube, Maschine klingt so nach Steampunk.
1:17:14–1:17:20
Aber es ist ja quasi was künstlich Erschaffenes, was quasi nicht von dieser Welt sein kann.
1:17:21–1:17:23
Ich würde es, glaube ich, eher so aufschneiden.
Micz Flor
1:17:23–1:17:29
Ja, aber das verdreht ja nur, weil was wir Menschen am Handy gemacht haben,
1:17:29–1:17:31
das ist künstlich, zum Beispiel, meinst du?
Florian Clauß
1:17:32–1:17:37
Ja, es ist was quasi künstlich Erschaffenes, also dieser Diskurs zwischen künstlich und natürlichem.
1:17:37–1:17:43
Der Mensch, der quasi so der Natur entspringt, während was künstlich ist,
1:17:43–1:17:47
was dann halt aus einem kulturellen Raum dann gebaut werden kann.
Micz Flor
1:17:47–1:17:51
Ja, aber das ist ja dann auch wieder ein Argument des Humanismus sozusagen,
1:17:52–1:17:53
diese Andersartigkeit des Menschen.
1:17:54–1:17:58
Weil ja, es stimmt, aber wir sind ja natürlich, also ist das ja verlängert auch
1:17:58–1:18:02
natürlich, wo macht man da den Schnitt?
Florian Clauß
1:18:02–1:18:02
Die Projektion dann.
Micz Flor
1:18:03–1:18:05
Ja, ist das Schneckenhaus natürlich?
Florian Clauß
1:18:06–1:18:08
Ja, klar.
Micz Flor
1:18:08–1:18:09
Und das Handy nicht?
Florian Clauß
1:18:09–1:18:15
Ja, nee, weil das ja aus einem kulturellen Zivilisationsprozess dann erstmal so entstehen kann.
Micz Flor
1:18:17–1:18:17
Okay.
Florian Clauß
1:18:17–1:18:22
Das Schneckenhaus kommt ja quasi aus dem Genpool, würde ich sagen.
Micz Flor
1:18:23–1:18:26
Machen wir mal eine Folge zu, weil ich finde es total spannend, was ist natürlich.
Florian Clauß
1:18:27–1:18:29
Nein, aber das ist jetzt einfach nur so.
Micz Flor
1:18:29–1:18:35
Also dann nehme ich deinen Vorschlag an und wir unterscheiden die Kelvin, Snout und Sartorius.
1:18:35–1:18:41
Das sind natürliche Maschinen und die anderen sind künstliche Maschinen. Ist das besser?
Florian Clauß
1:18:41–1:18:43
Du willst Maschinen, ja. Okay, bleib dabei.
Micz Flor
1:18:44–1:18:49
Menschin, wir nennen sie Menschin, okay? Es sind natürliche Gäste und künstliche Gäste.
1:18:50–1:18:55
Wir sind alle nur Gäste in diesem Universum. Okay, also jeder hat seinen Gast.
1:18:55–1:19:00
Und dann geht es jetzt nämlich zum ersten Mal eben in diese wissenschaftliche Bibliothek.
1:19:00–1:19:04
Weil bis dahin geht die Geschichte wirklich so, wir sind bei Calvin,
1:19:05–1:19:06
wir erschließen uns das.
1:19:06–1:19:10
Und jetzt ist dann so ein Schnitt, wir nehmen Pause auch. Und da geht es in,
1:19:10–1:19:18
ich möchte fast sagen, unfassbar komplex, völlig frei erfundene Wissenschaftsdialoge der letzten 100 Jahre.
1:19:19–1:19:23
Da werden Gruppierungen benannt, die sagen, nein, diese Planetenprojektur...
Florian Clauß
1:19:23–1:19:25
Also wir sind jetzt bei der Solaristik, ne?
Micz Flor
1:19:25–1:19:29
Solaristik heißt es, ja. Und Solaristen, es gibt keine Innen,
1:19:29–1:19:31
es gibt nur Solaristen und Solaristik.
1:19:31–1:19:34
Die Solaristen sind die, die sich damit beschäftigen.
1:19:35–1:19:38
Und es gab dann immer wieder so Höhen und Tiefen.
1:19:38–1:19:40
Also er beschreibt dann wirklich einfach
1:19:40–1:19:44
so an diesem Beispiel so einen Wissenschaftsablauf, nehme ich mal an.
1:19:44–1:19:48
Dass es so ein Trending-Topic ist und dann ist irgendwie scheinbar kein Geld
1:19:48–1:19:51
mehr da und dann geht es mal wieder ein bisschen runter, dann passiert irgendwas.
Florian Clauß
1:19:51–1:19:54
Also man kriegt auch die Geschichte der Station mit, dass dann viel mehr,
1:19:55–1:20:01
also Kapazität von 80 Wissenschaftler, die Stationen waren auch wohl da.
1:20:01–1:20:04
Und jetzt ist die halt so ein bisschen so, das ist diese Verwahrlose,
1:20:04–1:20:06
also dieser ganze Zyklus.
Micz Flor
1:20:06–1:20:08
Es ist halt echt lustig, dass wir hier in Herzberge so rumdaddeln,
1:20:09–1:20:12
weil wir sind wirklich auf der Solaris-Station gerade.
1:20:12–1:20:16
Also hier ist alles so schön und man kann sich mal vorstellen...
Florian Clauß
1:20:17–1:20:18
Ja, wir sind auf dem Friedhof.
Micz Flor
1:20:18–1:20:19
Wir sind auch auf dem Friedhof, ja.
Florian Clauß
1:20:19–1:20:21
Wir sind nur auf dem Friedhof.
Micz Flor
1:20:21–1:20:21
Niemand anders.
Florian Clauß
1:20:21–1:20:23
Wir laufen die ganze Zeit nur kurz auf dem Friedhof.
Micz Flor
1:20:24–1:20:25
Wollen wir mal wieder runtergehen?
Florian Clauß
1:20:25–1:20:27
Ja, wir gehen jetzt hier nochmal raus zu Herzberge und dann gehen wir jetzt
1:20:27–1:20:30
nochmal auf diese größere Wiese da hinten.
Micz Flor
1:20:30–1:20:33
Also Kapitelmarke Solaristik kommt jetzt. Das geht jetzt zurück.
1:20:33–1:20:38
Magst du da ein bisschen drüber erzählen? Weil ich muss sagen, mir war das fast zu viel.
1:20:38–1:20:43
Ich kann dazu nur sagen, die wichtigste Sache, die ich für mich da jetzt so
1:20:43–1:20:47
reingenommen habe für unsere Nacherzählung, ist dann in all diesen Dokumenten,
1:20:47–1:20:52
die Entwicklung über die Zeit, die Hypothesen, ist das jetzt nur ein mechanischer Planet,
1:20:52–1:20:55
korrigiert der das automatisch? Ist es Zufall?
1:20:56–1:20:59
Muss es intelligent sein oder nicht? Das sind alles so Fragen,
1:20:59–1:21:00
die werden da diskutiert.
Florian Clauß
1:21:00–1:21:06
Aber werden die da, hast du die da wiedergefunden? Das habe ich nämlich nicht
1:21:06–1:21:10
wiedergefunden, dass tatsächlich die Bahnberechnungen da untersucht werden.
1:21:12–1:21:14
Also die Bahnkorrekturen von dem Planeten.
Micz Flor
1:21:14–1:21:17
Doch, das ist die... Ja, genau, doch.
Florian Clauß
1:21:17–1:21:23
Das wird in der Solaristik als Thema untersucht. Weil ich habe das nur am Anfang quasi so...
Micz Flor
1:21:23–1:21:28
Da wurde nur gesagt, sehr schnell konnte man feststellen, dass die vorhergesehenen Bahnen...
Florian Clauß
1:21:28–1:21:32
Genau, aber das ist der Einstieg. Und dann wird aber nicht weiter von dieser
1:21:32–1:21:36
Bahnkorrekturen, wird in der Solaristik nicht weiter gesprochen.
1:21:36–1:21:41
Es kommt immer wieder, und da verstehe ich halt auch wirklich die Solaristik als Prinzip da nicht.
1:21:41–1:21:45
Nämlich wird ja immer wieder angezweifelt, dass dieser Planet Intelligenz hat,
1:21:45–1:21:50
dass der Ozean wirklich ein intelligentes Lebewesen ist oder eine intelligente
1:21:50–1:21:51
Form, wie auch immer ist.
1:21:52–1:22:00
Obwohl der Beweis dafür ist ja quasi diese Warnberechnung, die er machen kann,
1:22:00–1:22:04
um halt nicht aus diesem Drei-Körper-Problem rauszufliegen.
Micz Flor
1:22:04–1:22:09
Ja, und da ist ja eben das Argument, glaube ich, oder wäre das Gegenargument,
1:22:10–1:22:11
wäre dann zu sagen, dass,
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so wie bei Wall-E, war das Pixar oder Disney, Wall-E, der macht immer Müll und
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stapelt Müll und ist das einzige in Anführungszeichen Lebewesen,
1:22:22–1:22:23
aber ist natürlich ein Roboter.
1:22:23–1:22:29
Und das Argument da war wohl zu sagen, ja, dass es einen Planeten gibt,
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der seine Umlaufbahn korrigiert, das kann ja sein, aber das heißt doch nicht,
1:22:33–1:22:35
dass da irgendwie Intelligenz auf dem Planeten sein muss.
1:22:35–1:22:38
Das kann doch irgendwie installiert sein, so ein bisschen wie die Artefakte
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eben auch bei The Expanse vor Billionen Jahren hergestellt wurden von einer
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längst vergessenen Zivilisation, alle tot und trotzdem reagieren die noch mit der Umwelt,
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schalten sich ein, explodieren und so weiter. Das ist das Argument.
1:22:52–1:22:56
Dass der Planet das kann, heißt nicht, dass da drauf intelligent sein muss.
1:22:56–1:23:02
Das kann einfach auch nur ein sehr komplexes System sein, was einfach sich über
1:23:02–1:23:05
die Sonne mit Energie versorgt und einfach immer noch läuft.
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Das war, glaube ich, dann eben die Frage. Aber in dieser Wissenschaftsbibliothek
1:23:10–1:23:16
gibt es dann eben diese Dokumente von Burton oder Bertrand oder ich weiß nicht,
1:23:16–1:23:16
wie würde ich das denn aussprechen?
Florian Clauß
1:23:17–1:23:19
Also der wird nicht Breton, sondern Berton.
Micz Flor
1:23:22–1:23:26
Berton, das war ein Pilot. Die fliegen so mit Hubschrauber ähnlichen Dingen
1:23:26–1:23:27
dann immer wieder auf dem Planeten.
1:23:28–1:23:31
Es wird da auch beschrieben in der ersten Begegnung. Das finde ich schon auch toll.
1:23:32–1:23:37
Wird versucht, alles, was dieser Ozean auch tut, weil der kann riesige,
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kilometerhohe Säulen hochschießen, die dann fest werden und die sich bauen und Plateaus.
1:23:42–1:23:47
Und dann gibt es, der versucht das zu kartografieren, da gibt es Symmetriaden,
1:23:47–1:23:50
die Asymmetriaden, die Mimodeiden und so.
1:23:50–1:23:54
Also wird halt versucht, alles, was da so hergestellt wird, zu benennen.
Florian Clauß
1:23:56–1:23:58
Also vielleicht, weil du dir jetzt gerade so eingeworfen hast,
1:23:58–1:24:02
die Begriffe. Also das heißt, der Planet ist ähnlich wie so ein Tintenfisch,
1:24:02–1:24:07
der über so das Korallenriff gleitet, der dann irgendwelche Ausformungen an
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seiner Haut annehmen kann.
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Der Planet kann halt so gigantische Ausformungen, die sind unterteilt in verschiedenen Klassen.
1:24:15–1:24:18
Und das ist halt auch so ein ganz langer Zweig der Solaristik,
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nämlich dass die halt diese Ausbuchtung dann katalogisieren.
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Und die heißen Symmetriaden und Asymmetriaden. Die Asymmetriaden sind halt symmetrisch
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und bilden halt so Riesenhallen.
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Auch wird beschrieben von, hat nichts Menschliches, hat aber eine symmetrische,
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ästhetische Form, wie auch immer.
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Und die Asymmetriaden sind halt nur so Plops, die dann halt keiner Symmetrie oder sowas folgen.
Micz Flor
1:24:44–1:24:47
Und dann gibt es eben diese Memoiden, heißen die.
Florian Clauß
1:24:47–1:24:53
Memoiden, genau. Und das ist das, was das Ende von dem Buch auch dann so mit reinbringt.
1:24:53–1:24:58
Nämlich das Ende, das können wir jetzt vorwegnehmen, da sitzt eben,
1:24:58–1:25:02
da steht Chris Calvin, der sich entschieden hat, das hast du ja auch schon erzählt,
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dass er dann doch auf der Station bleiben wird,
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ist auf einen so und wird jetzt auch zum ersten Mal, kriegt er die Motivation
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tatsächlich mal so rauszufahren und den Planeten zu besteigen,
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also den Ozean und hat dann eine Manifestation, nämlich dieser Memoid.
1:25:17–1:25:21
Darauf setzt er sich und bleibt da und streckt seine Hand aus und beschreibt
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dann ein Phänomen, was schon die ersten,
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Solaristen beschrieben haben, nämlich, dass diese Welle, die dann sich um seine
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Hand, so wellenförmige Bewegung des Randes von diesen Memoiden und dass es wie so Fühler sind,
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die aber in dem Moment, wenn man seine Hand ausstreckt, diese Fühler sich so ganz,
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fein drumherum bewegen, niemals in direkten Kontakt mit seiner Hand kommen.
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Und dieses Phänomen, dieses Verhalten beschreibt er nochmal und referenziert nochmal.
1:25:51–1:25:55
Das sind so die ersten Beobachtungen, die gemacht wurden, als die ersten Solaristen
1:25:55–1:25:57
hier den Fuß auf den Planeten gesetzt haben.
1:25:58–1:26:03
Und das finde ich, das geht wieder so ganz zurück. Das heißt, alles ist wieder offen.
Micz Flor
1:26:03–1:26:07
Und das ist genau das, was wir da erleben. Ziemlich langwierig,
1:26:07–1:26:08
aber man muss es halt irgendwie lesen.
1:26:09–1:26:13
Nämlich, dass es dann teilweise seitenweise wird dann erklärt und dann kommt
1:26:13–1:26:18
von unten etwas raus, was sich oben in der Mitte teilt und dann schiebt sich
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ja lertartig der Ozean zu den Seiten aus, wird dabei hart.
1:26:22–1:26:27
Die Rande bleiben schäumend, sind allerdings von den Wellen des Ozeans nicht betroffen.
1:26:27–1:26:32
Das Ganze wird dann zwischen 30 und 2 Kilometer groß. Also das muss man sich
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wirklich reinziehen. Das geht ewig.
1:26:34–1:26:38
Es ist wirklich einfach reine Deskription, Vermessung.
1:26:38–1:26:43
Jetzt sind wir wieder hier bei die, wie hieß es nochmal, die Geometrie der Liebe
1:26:43–1:26:46
oder sowas, was du gemacht hattest. In der deutschen...
Florian Clauß
1:26:46–1:26:47
Theorema.
Micz Flor
1:26:47–1:26:50
Ja, genau. Nicht die Geometrie, die Mathematik der Liebe.
1:26:53–1:26:57
Und so ist, so fühlt sich das an, also der Versuch, dem Herr zu werden.
1:26:57–1:27:01
Ich bleibe jetzt bei Herr, nicht Frau. Herr zu werden, indem man das alles vermisst,
1:27:01–1:27:06
kartografiert und dann fast schon so Google-mäßig das in so einem Cloud-Prozess
1:27:06–1:27:08
hofft, irgendwie verstehen zu können.
Florian Clauß
1:27:08–1:27:13
Es sind auch verschiedene Lager, die sich da bilden, verschiedene Gruppen.
1:27:14–1:27:18
Und die dann halt auch gegeneinander argumentieren, bestimmte Verhaltensweisen
1:27:18–1:27:19
dann so und so interpretieren.
1:27:19–1:27:22
Also es ist wirklich so, ich glaube, wir brauchen auch nicht mehr weiter im
1:27:22–1:27:27
Detail darauf einzusteigen, nur dass es halt diese Wissenschaftsdiskursapparat
1:27:27–1:27:32
gibt, der sich da aufbaut und der dann halt in dieser Bibliothek von dem Raumschiff
1:27:32–1:27:34
auch so mitgeführt wird.
1:27:34–1:27:40
Das ist so das Wissen und auch so diese Faszination, die Chris Calvin erzählt ja immer,
1:27:40–1:27:48
dass Gibarian so sein Doktorvater oder sein Mentor ihn da in diese ganze Geschichte
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von Solaris über die Wissenschaft dann so eingeführt hat.
Micz Flor
1:27:53–1:27:57
Als Psychologen, das ist nochmal wichtig, finde ich, weil es geht jetzt also
1:27:57–1:28:00
hier nicht um den Mensch, der in die Natur guckt,
1:28:00–1:28:07
sondern es geht um einen Mensch, der eben sich mit der Psyche des Wahrnehmens
1:28:07–1:28:08
und Beschreibens auch beschäftigt.
1:28:08–1:28:12
Also der wird zur Hilfe geholt, um dem allen irgendwie Sinn abzugewinnen.
1:28:13–1:28:16
Wichtig ist aber, dass wir den Berton nochmal kurz erklären.
1:28:16–1:28:20
Und zwar der erste Tote war ein gewisser Physiker Fechner. als die losgeflogen
1:28:20–1:28:24
sind, dann kam irgendwie Gewitter oder was weiß ich, wie man es nennen möchte.
1:28:24–1:28:28
Also das war dann so ein schleimiges Ding, auf jeden Fall ist einer abgestürzt.
1:28:28–1:28:32
Fechner ist in den Ozean gefallen, wurde auch nicht wiedergefunden.
1:28:32–1:28:39
Und Berton oder Burton ist dem hinterher geschickt worden oder hinterher geflogen, um ihn zu suchen.
1:28:39–1:28:43
Ist dann irgendwie abgekommen, er weiß nicht mehr warum. Es war alles so ein
1:28:43–1:28:45
bisschen schleimig, er hatte keine Sicht gehabt.
1:28:46–1:28:50
Und dann sieht er, ich weiß nicht in welcher Reihenfolge, er sieht aber zwei
1:28:50–1:28:52
Dinge. Ich glaube, als erstes sieht er Gärten.
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Als erstes sieht er ein Abbild, aber eben aus diesem Material des Ozeans, alles in einer Farbe.
1:28:58–1:29:03
Aber sehr detailliert sieht er von oben einen Garten. Dann sieht er Städte.
1:29:03–1:29:10
Also der Ozean formt dann, wie wir vorhin schon beschrieben haben,
1:29:10–1:29:13
die Personen, die Gäste, geformt werden.
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Wird aus dieser masse wird was geformt was
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aber eben farblich dann immer gleich bleibt aber detailgetreu eine
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nachbildung ist von skyscrapern und daneben
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aber auch ein garten und später sieht er
1:29:26–1:29:30
dann noch vor sich ein mehrere meter groß ist und von
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florian vorhin schon indirekt erwähntes baby oder kind und dieses kind türmt
1:29:36–1:29:39
sich vor ihm auf ist also er fliegt er relativ dicht am boden entlang oder an
1:29:39–1:29:43
der oberfläche und er sieht dass es höher ist als er kalkuliert das muss etwa
1:29:43–1:29:46
so zwischen drei und sechs Meter hoch sein oder so eine Art.
1:29:47–1:29:54
Und das hat ihn total erschüttert, weil es war einfach ein Kind in einer unglaublich
1:29:54–1:29:58
detailgetreuen Abbildung. Ein Kind, das er selber nicht kannte.
1:29:59–1:30:04
Aber dieses Kind hat seine Arme und Beine und alles irgendwie bewegt in einer
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Art, als ob es lernen wollte, sich zu bewegen.
1:30:07–1:30:10
Also da haben wir auch wieder so einen Horrormoment. Das ist so ein klassisches
1:30:10–1:30:15
Klassording, wenn der Kopf sich um 180 Grad dreht oder der Arm nach hinten geht.
Florian Clauß
1:30:15–1:30:20
Ich glaube, es war dann auch so beschrieben, dass auf dem Gesicht die zwei Gesichtshälften
1:30:20–1:30:25
des Kindes ganz konträre Gefühle abgebildet haben.
1:30:26–1:30:31
Die eine Gesichtshälfte hat gelacht, die andere dann halt geschrien.
1:30:32–1:30:36
Und an was erinnert dich das? Ich glaube, wir haben beide den gleichen Gedanken dazu.
Micz Flor
1:30:37–1:30:37
Das ist Akira.
Florian Clauß
1:30:38–1:30:44
Akira? Nee, das jetzt nicht, sondern was bedeutet, also was hat das für eine Bedeutung quasi?
1:30:46–1:30:50
Also was passiert denn da ganz, also ganz, was diesen Film auch,
1:30:50–1:30:53
oder nee, diesen Stoff auch wieder so aktuell macht, ja?
Micz Flor
1:30:54–1:30:58
Ach so, das stimmt. Das ist natürlich für uns heute erst so eine Interpretation,
1:30:58–1:31:03
was ich mal als Witz rumgeschickt habe, wo Will Smith selber so ein Video gemacht
1:31:03–1:31:05
hat, Will Smith eating Spaghetti.
1:31:06–1:31:10
Also, weil, und schreibt dann auch dazu, it's crazy how far this has gone.
1:31:11–1:31:15
Also diese Idee, dass man jetzt mit künstlicher Intelligenz die Welt nochmal
1:31:15–1:31:19
nachbaut, Aber dann der Hund fünf Beine hat und dann doch wieder nur drei.
1:31:20–1:31:24
Oder dass eben bei Will Smith die Spaghetti zwar mit zusammengekniffen Augen
1:31:24–1:31:26
sieht es echt aus, aber wenn man genau hinguckt, merkt man, nee,
1:31:26–1:31:29
das ist nicht echt. Und da wird es genauso unheimlich.
Florian Clauß
1:31:29–1:31:36
Da wird so dieses Glitches, aber es ist ja tatsächlich noch irgendwie so in der Beschreibung hier,
1:31:36–1:31:43
also da gibt es keine sechs Zehen oder sechs Finger, sondern was da passiert,
1:31:43–1:31:45
so würde ich das interpretieren, dieser Ozean trainiert.
1:31:46–1:31:49
Es ist quasi ein Modell, was trainiert wird.
1:31:49–1:31:55
Es kriegt gerade Daten und es wird gefüttert von Daten und es fängt jetzt an zu trainieren.
1:31:56–1:31:59
Und das ist so, ich glaube, deswegen finde ich das so,
1:31:59–1:32:04
das will ich dann auch nochmal nachher ausführen in meiner Interpretation,
1:32:04–1:32:08
aber das ist so entscheidend für die heutige Sichtweise von dem Stoff,
1:32:08–1:32:12
weil du hast ja wirklich so ein Riesenmodell, quasi eine Planetenform,
1:32:12–1:32:15
was dann halt auch entsprechend trainiert werden kann.
Micz Flor
1:32:15–1:32:17
Die Antwort ist 42.
Florian Clauß
1:32:18–1:32:21
Die Antwort, die ist ja noch nicht da.
Micz Flor
1:32:21–1:32:23
Aber das ist ja dann auch schon ein Planet.
Florian Clauß
1:32:23–1:32:27
Genau, das stimmt. Das ist der Planet, der dann die Frage erst macht.
Micz Flor
1:32:28–1:32:31
Und da ist natürlich dann, wenn wir die Analogie aufgreifen und die Diskussion
1:32:31–1:32:35
der Solaristen oder in der Solaristik, dass manche vielleicht zu Recht sagen
1:32:35–1:32:38
können, es handelt sich um ein großes, semantisches Lernen,
1:32:39–1:32:43
bio organisch wie auch immer lernen entität
1:32:43–1:32:46
die das einfachste schon geschafft hat
1:32:46–1:32:49
nämlich in kurskorrektur bei wänden wächst bei
1:32:49–1:32:55
komplexen gravitationsfeldern und jetzt obendrauf auch noch alles lernen was
1:32:55–1:32:59
sie so begegnet das wäre deshalb muss die intelligenz nicht da sein sondern
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wie du schon sagst vielleicht kann das einige schon und lernt jetzt noch mehr
1:33:03–1:33:07
aber das ist stimmt das ist auf alle fälle im bild was sie auch hatte dafür aber.
Florian Clauß
1:33:07–1:33:09
Vielleicht kann man hier nur mal einschieben, wenn wir davon ausgehen,
1:33:09–1:33:11
dass das jetzt irgendwie eine Form von,
1:33:12–1:33:17
Intelligenz, Lebewesen, organisch oder wie auch immer ist, ja, was ist das denn?
1:33:17–1:33:22
Also das finde ich so krass, dass Lem da ein Bild geworfen, entworfen hat,
1:33:22–1:33:28
was so diametral von irgendwie Leben, wie wir uns das hier auf der Erde entwickelt
1:33:28–1:33:30
hat und so weiter, wie wir uns das vorstellen,
1:33:30–1:33:34
hat er einfach so einen großen Ozean genommen und man weiß nicht,
1:33:34–1:33:41
ob das jetzt quasi so das nach außen gestülpte Gehirn ist, ob das jetzt wirklich so eine große Zelle ist,
1:33:41–1:33:46
ja, das Aber ob das jetzt irgendwie so ein Kommunikationsverband von Zellen ist?
Micz Flor
1:33:46–1:33:50
Das weiß man alles, dass es das nicht ist. Also das wissen sie alles,
1:33:50–1:33:51
dass es das nicht ist. Das ist ganz wichtig.
1:33:51–1:33:55
Die wissen, dass es nicht eine Zelle ist. Die wissen nicht, dass es eine verbandene
1:33:55–1:33:57
Struktur ist. Es hat keine Systematik dahinter.
Florian Clauß
1:33:57–1:34:02
Das hat die Solaristik schon alles herausgefunden. Aber trotzdem,
1:34:02–1:34:04
diese Idee von diesem...
1:34:05–1:34:08
Da geht Lem nochmal so drei Schritte weiter, wie ich vorhin meinte.
1:34:08–1:34:15
Er schafft eine außerirdische Intelligenz und hat aber gleichzeitig schon ein
1:34:15–1:34:18
Diskursapparat obendrauf gelegt, was es alles nicht ist.
1:34:19–1:34:24
Das heißt, damit kommt er erstmal in diesen Raum, wo er dann später überhaupt
1:34:24–1:34:28
diese ganzen philosophischen Fragen stellen kann.
Micz Flor
1:34:28–1:34:31
Und vor allen Dingen da auch die Frage natürlich sich auftut,
1:34:31–1:34:34
die dann aufgrund der eigenen,
1:34:34–1:34:39
das ist dann eben auch ein Zitat, was Lem Calvin in den Mund gelegt hat,
1:34:39–1:34:41
genau in dieser Szene, das lese ich nachher nochmal kurz vor,
1:34:41–1:34:48
in einer nicht so guten Übersetzung, und die Frage, wer erforscht hier eigentlich gerade wen?
1:34:49–1:34:54
Es ist halt so man bleibt immer dabei dass man die menschen erforschen den planeten
1:34:54–1:34:57
und dieser planet macht dann so aber wie du gerade schon gesagt hast du hast
1:34:57–1:35:01
gefühlt das system lernt probiert aus baut nachher guckt mal was könnte das
1:35:01–1:35:03
denn sein und macht es dann aber sogar,
1:35:04–1:35:08
interessanterweise mehr noch als der mensch in so einer körperlichkeit ich brauche
1:35:08–1:35:12
mal so eine stadt die haben alle so komische städte ich baue mal ich will mal
1:35:12–1:35:15
wissen wie sich das anfühlt also das Das könnte man jetzt einfach so darunter legen.
1:35:16–1:35:19
Und dieser Fechner, und das ist halt, wo Bertrand, das ist noch wichtig,
1:35:19–1:35:23
Bertrand sagt von einem Ausschuss aus, der auch eine wichtige Rolle spielt,
1:35:23–1:35:26
ziemlich am Anfang in dem Film, den du gleich besprechen wirst,
1:35:27–1:35:32
da sagt er schon ganz viel, alles, was ich gerade gesagt habe,
1:35:32–1:35:37
und sagt dann aber, er möchte jetzt nicht mehr sagen, bevor nicht von ihm jetzt,
1:35:37–1:35:43
vom Zentralrat oder auch immer gesagt wird, dass das was das das was er jetzt
1:35:43–1:35:47
sagt noch wissenschaft ist ja also aber ihm wird dann rückgemeldet nein er sei
1:35:47–1:35:53
wahnsinnig und dann entscheidet er sich nicht mehr zu sprechen möchte nicht noch mehr sagen und.
1:35:55–1:35:59
Hat dann aber einen Neurologen aus diesem Gremium, die das entschieden haben,
1:35:59–1:36:04
dass er wahnsinnig sei, der nimmt noch mit ihm Kontakt auf, die haben auch ein Gespräch.
1:36:04–1:36:09
Und dieses Gespräch ist auch dann später noch in einem Umschlag,
1:36:09–1:36:11
in einem Buch, in einem Heft.
1:36:12–1:36:16
Das ist eins dieser Dinge, wo dann eben wir erfahren von diesem Kind.
1:36:16–1:36:19
Ich glaube, das war nämlich im eigentlichen Bericht noch nicht drin.
1:36:20–1:36:25
Und dass sich da nämlich herausstellt auch, dass dieses Kind das Kind von Fechner
1:36:25–1:36:27
ist, was Bernd Thornton später auf der Erde sieht.
Florian Clauß
1:36:27–1:36:28
Genau, was er noch gar nicht kennen konnte.
Micz Flor
1:36:29–1:36:35
Genau, er hat empirisch die Situation, die Calvin künstlich versucht herzustellen,
1:36:35–1:36:36
indem er die Berechnung macht.
1:36:37–1:36:39
Also er weiß, dass ich es nicht weiß.
1:36:40–1:36:45
Dann erst erfahren wir, dass die über die Geschichte von Calvin und Harvey,
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dass die sich das Leben genommen hat, dass er sich teilweise verantwortlich
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fühlt, indem er da in einem Kühlschrank irgendwelche,
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Spritzen hat liegen lassen von einem Forschungsprojekt und ihr nur gesagt hat,
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die sind gefährlich, Finger weglassen.
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Und sie hat sich damit das Leben genommen.
1:37:04–1:37:09
Und das ist etwas, woran sich,
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Gast, eben Harvey als künstliche Menschine,
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zu erinnern beginnt. Aber sie kriegt kein volles Gefühl.
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Sie ist halt irgendwie, sie ist nicht diese Person, aber sie beginnt in ihrem
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Bewusstsein, in ihrem Verständnis, auch das wird ein bisschen mit dem,
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was du meintest, mit dem Lernen zu tun haben, dass sie versucht,
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mehr herauszufinden, was in ihr ist.
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Und das halt tut, indem sie in Kontakt ist mit diesem, fragt ihn ja auch die ganzen Sachen.
1:37:42–1:37:45
Er fragt zuerst sie, wie sind wir hergekommen? Sie meint so,
1:37:45–1:37:48
keine Ahnung, was sind deine Klamotten? Keine Ahnung, vielleicht in dem Schrank.
1:37:48–1:37:55
Und später fragt sie ihn und versucht, ihre Existenz und ihre Narrativ herauszufinden.
Florian Clauß
1:37:55–1:38:02
Ja, also es kommt aber zu einem Zeitpunkt, wo sie schon über ihre Herkunft dann aufgeklärt wurde.
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Das heißt, ihr ist klar, dass sie dann nicht eben die Originale ist,
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Sondern sie ist eine Kopie.
Micz Flor
1:38:10–1:38:13
Und weil sie kein Original ist, das ist ein wichtiger Punkt,
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möchte sie sich umbringen.
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Auf jeden Fall trinkt sie flüssigen Sauerstoff und Calvin findet sie dann auch scheinbar tot.
1:38:19–1:38:23
Aber sie kommt wieder zum Leben. Also sie kommt dann wieder zum Leben.
Florian Clauß
1:38:23–1:38:26
Es hat er ja schon gesagt, dass sie sich sehr schnell regenerieren kann.
Micz Flor
1:38:26–1:38:30
Genau, aber selbst diese komplette Zerstörung heilt dann wieder.
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Und sie ist dann verzweifelt sogar, dass sie merkt, sie kann sich nicht umbringen.
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Und sie hat ja interessanterweise dann auch menschliche Gedanken,
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dass sie sich mit einem flüssigen Besorger umbringen könnte.
1:38:40–1:38:43
Also es ist ganz interessant, dass sie merkt, dass sie dann nochmal doppelt
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merkt, ich gehöre ja nicht zu den Menschen.
Florian Clauß
1:38:46–1:38:50
Ja, aber es entwickelt sich so eine Beziehung zwischen den beiden dadurch.
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Das heißt, es wird auch die Frage gestellt, dass sie, also von ihr selber die
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Frage gestellt, dass sie dann aus den Erinnerungsstücken von Chris zusammengesetzt ist,
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Und das heißt, sie ist ja niemals sie selbst gewesen. Das kann ja jetzt in dieser
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Kopie nicht sich selbst sein.
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Die nähern sich aber durch diese Distanzierung von der originalen Figur,
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nähern die beiden sich dann wieder an und fangen dann quasi,
1:39:20–1:39:25
also es wird dann unterschiedlich in den einzelnen Filmen und in der Buchvorlage
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ist es eher distanziert, aber sie beginnen sich neu zu verlieben irgendwie. wie.
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So ein bisschen. Und es gibt auch tatsächlich dann von den beiden die Vorstellung
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ausgesprochen, dass die von der Station dann auf die Erde verreisen möchten.
Micz Flor
1:39:40–1:39:44
Das ist so ein bisschen der Plan, den die haben. Und da ist es auch ganz interessant,
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dass Calvin dann halt eben doch kein Hard Scientist ist, sondern ein Psychologe,
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weil der denkt, ach, wir können ja vielleicht zur Erde fahren.
1:39:50–1:39:53
Muss dazu sagen, das ist so der engste Punkt von den beiden,
1:39:53–1:39:57
nachdem die da wieder raus kommt aus diesem flüssigen Sauerstoff-Tod.
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Dann wollen die eben auf die Erde und dann ist alles große Liebe.
1:40:02–1:40:06
Aber danach beschreibt Calvin auch öfter, ja, wir sind halt hier zusammen,
1:40:06–1:40:08
sie blättert in einem Magazin und ich hänge hier rum.
Florian Clauß
1:40:08–1:40:11
Es kommt so diese ganz kühle Distanz.
Micz Flor
1:40:11–1:40:16
Ja, also ich hatte so ein Bild, so Südfrankreich, irgendwie so ein gemietetes
1:40:16–1:40:19
Haus, irgendwie in der Nähe vom Strand, da bin ich ganz am Schauen,
1:40:19–1:40:21
man hängt da so rum, weil man jetzt nach drei Wochen auch nicht mehr weiß.
Florian Clauß
1:40:21–1:40:24
Was man heute noch machen kann. Ja, ich hatte tatsächlich auch so ein Bild,
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dann so ein bisschen so wie Antonioni oder so, wo dann halt die Liebe vergangen
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ist, so La Notte, die Nacht, wo alles so Oberfläche ist und alle so ein bisschen gelangweilt sind.
1:40:35–1:40:38
Aber so richtig zusammen können die nicht mehr kommen.
1:40:39–1:40:43
Und so ein Bild baut sich da auf. Und ich glaube, das ist halt auch mal für
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die ein Teil wichtig, dass die sich was vormachen.
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Das sagt er dann aus der Perspektive von der Figur von Chris.
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Der beschreibt das ja auch so, ja, wir sagen uns das, aber es ist klar,
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dass wir das irgendwie nur...
Micz Flor
1:40:55–1:40:59
Und das weiß er aber erst, nachdem er Snout gesagt hat, ha, wir fliegen auf die Erde.
1:40:59–1:41:02
Also er kommt ja wirklich so auch wieder wie so ein Achtjähriger,
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der was zu Weihnachten gemacht hat.
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Und Snout sagt, okay, alles klar. Und du denkst wirklich, dass das geht?
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Also bist du dir sicher, dass dieses Feld zusammengehalten werden kann,
1:41:11–1:41:14
dass dieser künstliche Menschuit halt nichts auseinanderfällt,
1:41:14–1:41:16
wenn die im Raum stehen? Wie stellst du dir das vor?
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Und er selber dann auch später, danach ist er dann desillusioniert und sie reden nicht mehr drüber.
1:41:21–1:41:25
Aber er selber stellt sich dann auch nochmal vor, ja wie soll das denn gehen,
1:41:25–1:41:26
wenn wir an der Erde ankommen?
1:41:26–1:41:30
Ich meine, sie hat keinen Pass, also da kommen wir sowieso nicht rein.
Florian Clauß
1:41:30–1:41:36
Ja, aber es wird nicht, also es ist quasi wie so ein Traum, so eine Vision von
1:41:36–1:41:39
den beiden, das nicht weiter in Frage gestellt,
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sondern beide brauchen das als Bild, um sich dann noch mit der Situation überhaupt
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erträglich zurecht zu kommen.
1:41:47–1:41:50
Und ich meine, sie nimmt ja die Entscheidung dann für Chris,
1:41:50–1:41:54
indem sie dann zu Sartorius geht.
Micz Flor
1:41:54–1:41:58
Ja, also es ist dann so, es gibt Sartorius, Snout sagt, Sartorius will jetzt
1:41:58–1:42:00
was tun. Es gibt zwei Möglichkeiten.
1:42:00–1:42:05
Das eine ist, er möchte, das hatten sie nämlich vorher schon mit Gebarian irgendwie
1:42:05–1:42:07
angefangen, wollte er jetzt nochmal besser machen,
1:42:07–1:42:15
er möchte die Hirnströme von Kelvin aufzeichnen und mit harter Röntgenstrahlung,
1:42:15–1:42:18
Frequenz moduliert, eben auf dem Planeten strahlen,
1:42:18–1:42:22
weil das hatten sie vorher schon mal ein bisschen probiert und dann ging das
1:42:22–1:42:24
los mit den Gästen, so erinnere ich mich zumindest.
Florian Clauß
1:42:24–1:42:28
Die haben mit Röntgenstrahlen da, also die wollten dann irgendeine Reaktion
1:42:28–1:42:31
provozieren und dann sind die halt zu dem Schluss gekommen, ja,
1:42:32–1:42:34
wir machen jetzt irgendwie, wir wenden harte Strahlen an.
1:42:34–1:42:39
Ja, es ging ja auch so weit, dass einige Vertreter der Solaristik dann angefangen
1:42:39–1:42:44
haben, da einen Vorschlag zu machen, man könnte mal eine Atombombe draufwerfen und gucken.
Micz Flor
1:42:44–1:42:46
Was dann passiert. Und auch das, was Ghibarien da gemacht hat,
1:42:46–1:42:50
kann Calvin zuerst gar nicht glauben, weil es ist halt gegen die Bestimmung,
1:42:50–1:42:54
der Planet Erde würde doch sowas nie zu, das geht ja gar nicht.
Florian Clauß
1:42:54–1:42:58
Genau, aber es gibt zwei Sachen. Der Sartorius hat ja einmal diese Idee,
1:42:58–1:43:01
dass man dann eben diese modulierten Strahlen da drauf schickt,
1:43:01–1:43:07
um dann quasi so kodiert dem Ozean mitzuteilen, dass diese Gäste nicht erwünscht
1:43:07–1:43:09
sind auf der Station. Das ist die eigentliche Motivation.
1:43:09–1:43:14
Die andere Sache ist, dass er noch einen Anilator entwickelt hat.
1:43:15–1:43:19
Annihilator, der dann eben dieses Neutrino-Feld auflösen kann.
1:43:19–1:43:27
Also das heißt, man sieht die Gäste der anderen Besatzungsmitglieder nicht nur bedingt.
1:43:27–1:43:32
Also bei Snout kriegt man nie mit, was der da für ein Gast oder Gästin gibt.
Micz Flor
1:43:32–1:43:33
Ich glaube, er erwähnt das irgendwie.
Florian Clauß
1:43:35–1:43:36
Es wird nicht ausgesprochen.
Micz Flor
1:43:36–1:43:38
Bei mir gehen auch die Filme und...
Florian Clauß
1:43:38–1:43:41
Ja, ja, aber das ist wirklich, ich habe auch dann nochmal nachgelesen und bei
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Sartorius ist es so, dass es tatsächlich, wenn das erste Mal Chris Kelvin dann
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Sartorius trifft, muss der mit Kraft die ganze Zeit diese Tür halten im Hintergrund.
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Und das ist auch dieser Horrormoment. Man merkt nur, dass und er sieht dann
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halt nur, dass irgendwas Kleines da ist.
Micz Flor
1:43:58–1:44:02
Ja, was Kleines, aber eine große und das finde ich ganz wichtig.
1:44:02–1:44:07
Es ist eine, er sieht so auf Auf Hüfthöhe sieht er eine große,
1:44:07–1:44:10
runde, goldene Scheibe kurz hinter der Tür vorbei.
1:44:10–1:44:16
Und das finde ich total wichtig, weil es nicht wirklich klar ist, ob alle Menschen haben.
1:44:16–1:44:20
Die heißen zwar immer Gäste, aber es ist jetzt nicht so, dass wir wirklich wissen.
1:44:20–1:44:24
Also wir sehen die nicht. Und das ist leider, finde ich, in dem Film irgendwie nicht gut gelöst.
Florian Clauß
1:44:24–1:44:28
Ach so, okay. Das hatte ich zum Beispiel noch gar nicht so, dass es eine Scheibe war.
1:44:28–1:44:33
Okay, aber dass du daraus schließen kannst, dass es halt irgendwie kein Mensch mehr ist.
Micz Flor
1:44:33–1:44:38
Sie nennen das ja alle Gäste. Also es sind auf alle Fälle irgendeine Form von Lebewesen.
1:44:38–1:44:43
Aber ich finde es halt total wichtig, dass es da nochmal zusätzlich kodiert wird.
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Es wird quasi nochmal verschlüsselt, nicht kodiert, aber es wird nochmal zusätzlich
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verschlüsselt. Also wir kriegen mitgeteilt, was da hinter dem vorbei huscht.
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Und nachdem Sartorius, wie gesagt, mit hoher, schriller Stimme sagte, gehen Sie, gehen Sie.
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Und dann geht die Tür kurz auf und dann sieht er ganz kurz eben so eine goldene
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Scheibe vorbeiflitzen.
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Und das finde ich total gut, weil dann wir uns nicht damit verbinden können.
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Es bleibt anders. Es bleibt was anderes.
Florian Clauß
1:45:12–1:45:17
Also so rein vom Verhalten und sowas wird bei Sartorius dann so eher nachgelegt,
1:45:17–1:45:22
dass es in Richtung von Kind geht, dass es irgendein Kind ist oder ein Zwerg
1:45:22–1:45:24
oder ein kleinwütiger Mensch.
Micz Flor
1:45:24–1:45:26
Ja, das ist auch wieder im Film bei Tarkovsky ist das,
1:45:27–1:45:32
Ein kleinwüchsiger Erwachsener, der halt da kurz rausrennt und den einfängt wieder reinzuziehen.
Florian Clauß
1:45:32–1:45:37
Auf jeden Fall wird es da nicht aufgelöst. Aber die anderen,
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also sowohl Sartosis wie auch Snout, sind ja immer alleine.
1:45:43–1:45:46
Die kommen ja dann quasi nicht mit ihren Gästen.
Micz Flor
1:45:46–1:45:49
Und er bringt halt sozusagen seine Frau immer mit, das stimmt.
Florian Clauß
1:45:49–1:45:58
Und das, was jetzt auch nochmal zurück zu Harvey, was sie dann nochmal so erlernt, sie lernt ja dazu,
1:45:58–1:46:04
ist auch, dass sie sich dann länger von Chris trennen kann.
1:46:04–1:46:08
Und dass die auch wirklich eine körperliche, dass die auch eine physische Distanz
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aufbauen kann. Weil vorher war das immer so, dass die immer um ihn herum.
1:46:11–1:46:14
Und sie ist auch so gut beschrieben, wie sie das dann aushält.
1:46:14–1:46:16
Wie sie dann halt irgendwie so, ich habe es geschafft.
1:46:17–1:46:20
Und unter welcher starken, starken Spannung sie steht.
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Aber gleichzeitig sich selbst beweisen und ihn auch beweisen möchte,
1:46:23–1:46:27
dass sie es aushält, eben nicht immer bei ihm zu sein.
1:46:27–1:46:30
Also man weiß ja auch nicht, liest sie oder liest sie nicht.
1:46:30–1:46:35
Also es ist halt so eine völlige oberflächliche, aber gleichzeitig so ein fühlendes
1:46:35–1:46:37
Wesen, ein stark fühlendes Wesen.
Micz Flor
1:46:38–1:46:42
Und dann geht die Geschichte zu Ende relativ schnell. Und zwar ist es so,
1:46:42–1:46:46
dass sie dann, also die Sartorius, also Snout vermittelt zwischen Sartorius
1:46:46–1:46:50
und Calvin, irgendwas müsste ja passieren, Sartorius wird schon irgendwas tun,
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du darfst es jetzt aussuchen.
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Und Calvin erfindet schnell die Hypothese, dass wenn dieses Feld,
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das Neutrinofeld, irgendwie destabilisiert wird, dass wir dann alle explodieren werden.
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Dann macht er doch lieber das andere, nämlich seine Gehirnströme darunter strahlen
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zu lassen, wenn er schon keine Wahl hat.
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Dann nehmen die das auch auf, und Sartorius ...
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Richtet ihm dann auch noch ein er soll irgendwie ganz genau ich weiß
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gar nicht genau was das wäre es wahrscheinlich wichtig ich habe es nicht mit
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dem kopf wasser ihm eintrichtert was er sagen soll in seinen gedanken also woran
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er denken soll woran er nicht denken soll das ist auch so ein schöner schöne
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ideen die gedanken sind frei und calvin ist es aber irgendwie so ein bisschen
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wurscht weil er halt plottet glaube er sagt dann in seinen gedanken immer tool
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habe Harvey nichts, tu Harvey nichts oder sowas in der Art.
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Und dann wird das auch weggeschickt und dann gibt es eine Nacht,
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wo er das Gefühl hat, dass Harvey kurz weg war und mit Snouch gesprochen hat
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und dann fragt er sie aber nicht und dann fragt er sie.
Florian Clauß
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Nein, das ist aber, das ist auch nochmal so, das wird auch in den Filmen und
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so weiter, wird es sehr kurz von der Zeitspanne, aber es gehen tatsächlich mehrere
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Wochen um, bis eine Reaktion kommt.
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Das ist genau diese Phase der Lethargie.
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Das heißt, die hängen die ganze Zeit ab, es passiert nichts und alles ist irgendwie
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so, der Ozean ist still und so weiter.
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Aber es ist eigentlich eine ziemlich lange Zeitspanne, die jetzt nur ganz kurz
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beschrieben wird in dem Buch.
Micz Flor
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Okay, also dann passiert nichts, ein Plateau, zeitliches Plateau,
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auf dem die einfach nur warten.
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Und zum Ende dieses Plateaus, also im Narrativ zum Ende, es könnte sich länger
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ausdehnen, Aber zumindest dann entscheidet Harvey, umgebracht,
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in Anführungszeichen annihiliert zu werden, wie man es nennen möchte.
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Und schreibt dann auch noch eine Abschiedsnachricht, dass ihr Wunsch war,
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dass Snout ein Guter ist und dass Calvin nicht böse sein soll.
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Und wird dann auch annihiliert.
1:48:43–1:48:45
Die anderen Gäste sind scheinbar auch schon annihiliert.
Florian Clauß
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Ich putze mal zu diesem Abschiedsbrief, weil das auch nochmal interessant ist.
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Sie unterschreibt ja dann mit Harvey und streicht dann Harvey durch.
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Also in dem Buch.
Micz Flor
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Genau, das ist ja auch dieses Zeichen mit dem kleinen Strich,
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mit so einem kleinen Düttel vorne links, das heißt nicht in der Logiksprache, also nicht Harvey.
Florian Clauß
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Nicht Harvey, genau, das logische Nicht.
Micz Flor
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Calvin ist halt außer sich und sagt dann, sie wird wiederkommen,
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sie wird morgen wiederkommen.
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Und dann sagt halt Snout, nee, seit wir die Strahlen runtergeschickt haben,
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kommen sie nicht wieder. Daher wissen wir, dass die anderen Gäste scheinbar
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auch schon annihiliert sind.
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Und dann wird ein Bericht geschrieben,
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Snout hat den schon quasi vorgeschrieben und dann guckt, also irgendwie versöhnt
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sich Calvin damit auch und entwickelt in dem Moment dann auch den Wunsch,
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auf der Station zu bleiben, den ich nicht so richtig nachvollziehen konnte.
Florian Clauß
1:49:37–1:49:37
Ein Trinsuch.
Micz Flor
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Ich? Wie meinst du?
Florian Clauß
1:49:40–1:49:43
Aus der Figur des Calvins heraus, den du als...
Micz Flor
1:49:43–1:49:49
Ich konnte den, ich konnte, also das Gefühl war, was ich hatte,
1:49:49–1:49:52
war, er will in der Nähe von Harvey bleiben und irgendwo muss sie ja sein.
1:49:53–1:49:56
Snout sagt ja vorher nochmal, willst du einfach die andere wiederholen,
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die da in diesem, die in die Kapsel geht.
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Fand ich auch ganz interessant, weil die will ja keiner mehr haben.
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Nee, nee, nee. Die gab es schon. Froh, dass die weg ist. Aber die andere, die war richtig gut.
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Auf jeden Fall kommt es dann dazu, Snout bleibt, glaube ich, auch.
Florian Clauß
1:50:12–1:50:16
Der Tor ist, taucht überhaupt nicht mehr auf. Das habe ich auch nochmal so extra
1:50:16–1:50:20
nachgeguckt, nachdem, der wird dann halt nur noch, aber der taucht als Figur
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nicht mehr irgendwie auf.
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Das ist nur noch ein Ding zwischen Snout und Calvin.
Micz Flor
1:50:25–1:50:31
Und dann ist es so, dass Calvin eben entscheidet, als echter Solaristiker muss
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er doch auch mal den Planeten betreten und fliegt dann mit einem dieser Hubschrauber
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runter und landet auf diesem,
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was ich mir bildlich vorstelle, wie so ein Seerosenblatt, ein Mimmoid oder Mim,
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wie auch immer die heißen.
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Und will dann da eben auch den Ozean berühren und schaut dann,
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den letzten Satz habe ich jetzt blöderweise nicht da, aber er schaut halt quasi
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irgendwie so positiv in die Zukunft.
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Dann ist die Geschichte zu Ende und schließen möchte ich mit einem Zitat von
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etwas, was Calvin in der Mitte so beschreibt für die Solaristik und auch ein bisschen das,
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was Lem selber gesagt hat über diesen Roman er sagt,
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Calvin, wir brechen den Kosmos auf wir sind auf alles vorbereitet das heißt
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auf die Einsamkeit, auf den Kampf, auf Martyrium und Tod aus Bescheidenheit
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sprechen wir es nicht laut aus aber wir denken uns manchmal,
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dass wir großartig sind.
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Indessen ist das nicht alles und unsere Bereitschaft erweist sich als Theater.
1:51:30–1:51:36
Wir wollen gar nicht den Kosmos erobern, wir wollen nur die Erde bis an seine Grenzen erweitern.
1:51:36–1:51:41
Die einen Planeten haben voll Wüste zu sein wie die Sahara, die anderen eisig
1:51:41–1:51:44
wie der Pol oder tropisch wie der brasilianische Urwald.
1:51:45–1:51:49
Wir sind humanitär und edel, wir wollen die anderen Rassen nicht unterwerfen.
1:51:49–1:51:55
Wir wollen ihnen nur unsere Werte übermitteln und als Gegengabe ihrer aller Erbe annehmen.
1:51:56–1:51:59
Wir halten uns für die Ritter vom heiligen Kontakt.
1:52:00–1:52:01
Das ist so eine komische Übersetzung.
Florian Clauß
1:52:02–1:52:03
Ja, das ist komisch.
Micz Flor
1:52:03–1:52:07
Das ist die zweite Lüge. Menschen suchen wir niemanden sonst.
1:52:08–1:52:11
Wir brauchen keine anderen Welten. Wir brauchen Spiegel.
1:52:12–1:52:14
Mit anderen Welten wissen wir nichts anzufangen.
1:52:15–1:52:18
Das sagt er im Kapitel, die kleine Apokryphe.
Florian Clauß
1:52:18–1:52:23
Genau, das ist genau dieser Kernsatz, der auch immer wieder in anderen Kontexten
1:52:23–1:52:25
auftaucht. Bei Tarkowski wird er auch erwähnt.
Micz Flor
1:52:26–1:52:31
Und Lem hat über diesen Roman auch gesagt, Papa la Papp, alle Deutungen,
1:52:31–1:52:34
ich wollte einfach nur was schreiben, was einfach mal veranschaulicht.
1:52:35–1:52:41
Ist, wenn wir etwas begegnen, was wir überhaupt nicht verstehen können und was das mit uns macht.
1:52:41–1:52:47
Und er ist der Meinung, dass er sehr gut eigentlich alles in dem Roman gesagt
1:52:47–1:52:48
hat, was er sagen wollte.
1:52:48–1:52:52
Und damit ist das Ding für ihn geschlossen. Und er hat auch explizit,
1:52:52–1:52:54
deshalb habe ich die Übersetzung, wenn das für dich okay ist,
1:52:54–1:52:56
würde ich das schnell noch raushauen mit den Übersetzungen.
Florian Clauß
1:52:56–1:52:59
Lass uns nochmal da bei dem Punkt bleiben, weil das ist, glaube ich,
1:52:59–1:53:01
der Kernpunkt von dem ganzen Roman.
1:53:01–1:53:07
Es geht um eine Projektion, Ja, also das heißt, das, was man da irgendwie so
1:53:07–1:53:10
an Wissenschaftskritik vielleicht bei Lämmen reinlesen möchte,
1:53:10–1:53:16
wäre es ja dieser, was wir schon erwähnt haben, Anthropomorphe und davon der Ismus.
1:53:17–1:53:20
Anthropomorph bedeutet Anthropomorphismus.
Micz Flor
1:53:21–1:53:23
Genau, Anthropomorphismus und dann bei Ismus abbiegen.
Florian Clauß
1:53:23–1:53:31
Ja, und das ist ja die Art zu projizieren, dass irgendwo überall ein Stück Mensch drinsteckt.
1:53:31–1:53:36
Ja, also das ist halt dieses Bedürfnis, wenn du irgendwann irgendwas,
1:53:36–1:53:39
irgendeine Struktur siehst oder im Umfeld bist, das dir nicht bekannt ist,
1:53:39–1:53:43
dass du dann sofort irgendwo guckst, okay, da ist ein Gesicht oder das ist das.
1:53:43–1:53:48
Und dieses Menschliche in dem Anderen zu suchen und zu finden.
1:53:48–1:53:51
Und das ist ja so, weil Urmenschliche, das hatten wir ja auch schon in anderen
1:53:51–1:53:55
Kontexten mal beschrieben, dass eben diese Identifikation des Menschen ganz
1:53:55–1:54:03
stark mit diesen Anthropomorphen einhergeht. Diese Situation des Scheiterns, es gibt keine Antwort.
1:54:04–1:54:09
Und das ist so stark auf diesen Punkt gespielt, dass eben klar ist,
1:54:09–1:54:15
wir finden da nichts, nichts, was uns irgendwie so ähnelt, was uns widerspiegelt,
1:54:15–1:54:18
sondern es ist einfach was komplett anderes.
1:54:18–1:54:20
Und es ist eine Geschichte des Scheiterns.
1:54:20–1:54:25
Und es ist dann auch so eine Frage, also das ist für mich auch so krass wichtig
1:54:25–1:54:30
für Wissenschaft, sich dieser Frage zu stellen, was passiert denn an einem Punkt, wo wir,
1:54:30–1:54:34
wirklich dann nicht mehr weiterkommen, wo wir nicht mehr diese Erkenntnisse
1:54:34–1:54:38
haben, wo wir wirklich da an einem Punkt sind, wo wir nichts mehr rausziehen können.
1:54:38–1:54:43
Wie geht man damit um? Und das ist, finde ich, in dieser Figur das Christ dann
1:54:43–1:54:46
am Ende seiner Entscheidung, du hast gerade gesagt, du kannst es nicht nachvollziehen,
1:54:46–1:54:49
aber ich finde, genau dann hat er diesen Punkt für sich gelöst,
1:54:50–1:54:52
weil er ist ja quasi durch dieses ganze Tal gegangen,
1:54:53–1:54:58
und hat das durchlebt Und ist an dem Punkt, wo er keine Erwartungen mehr hat
1:54:58–1:54:59
und keine Erkenntnis mehr erwartet.
1:54:59–1:55:05
Und kann dann irgendwo neu, frisch anfangen, ohne irgendwie eine Vorstellung
1:55:05–1:55:07
von irgendwas zu haben, weil er hat schon alles.
Micz Flor
1:55:07–1:55:10
Aber genau, die absichtslose Absicht.
Florian Clauß
1:55:10–1:55:13
Und das kannst du jetzt nicht nachvollziehen in der Figur?
Micz Flor
1:55:13–1:55:17
Ich kann das als Konzept nachvollziehen, aber...
1:55:18–1:55:24
Aber in der Geschichte finde ich es nicht für mich glaubwürdig hergeleitet.
1:55:24–1:55:28
Und das liegt vielleicht an mir oder es liegt an der Geschichte oder vielleicht
1:55:28–1:55:31
musste Lem fertig werden, weil es gab gleich Essen.
1:55:31–1:55:34
Aber ich habe das Gefühl, zum Schluss gibt er so Gas und dann stehst du auf
1:55:34–1:55:39
einmal mit dem da und dann schickt er das Ding zum Verlag und es wird gedruckt.
1:55:39–1:55:42
Also mir fehlt zum Hinten raus, fehlt mir die Wende.
1:55:42–1:55:46
Diese Transformation, die du beschreibst, ist natürlich angelegt,
1:55:46–1:55:48
Aber ich kann nicht mitgehen.
Florian Clauß
1:55:48–1:55:54
Ich finde, es ist ganz stark in diesem Bild auf den Memorien dann angelegt.
1:55:54–1:55:56
Und das finde ich auch total poetisch und sinnfällig.
Micz Flor
1:55:56–1:56:02
Ja, das ist doch total okay. Ich kann ja vom Lesen her vielleicht noch ganz
1:56:02–1:56:03
kurz sagen, es war echt verrückt.
1:56:03–1:56:07
Weil ich am Anfang, als wir wussten, dass wir es schon machen werden,
1:56:07–1:56:13
und ich war noch relativ weit am Anfang, ich bin nach ein, zwei Seiten immer todmüde geworden.
1:56:13–1:56:16
Ich fand es unglaublich anstrengend. Ich lese dann eh auf dem E-Reader nur nachts
1:56:16–1:56:20
und bin dann echt dauernd eingepennt und habe das so trotzdem dann wieder aufgenommen.
1:56:20–1:56:23
Da habe ich mich geärgert, dass ich es vorgeschlagen hatte als Thema.
1:56:23–1:56:27
Es war irgendwann dran, habe ich dann gedacht, jetzt muss es halt irgendwie auch passieren.
1:56:27–1:56:33
Aber es war wirklich so, es hat was mit mir gemacht. Es hat was mit mir gemacht.
1:56:33–1:56:34
Ich glaube auch die gruselige Übersetzung.
1:56:35–1:56:38
Und ich fand es unglaublich anstrengend zu lesen. Echt?
1:56:41–1:56:45
Es hat gleichzeitig auch was mit mir gemacht, mit dem Hinblick,
1:56:45–1:56:49
dass ich die Filme nicht mehr so gut fand wie das Buch, was ich aber in sich
1:56:49–1:56:51
selbst auch nicht gut fand. Also ich fand dann die Umsetzung...
Florian Clauß
1:56:51–1:56:53
Okay, du warst mit allem ein bisschen unzufrieden.
Micz Flor
1:56:53–1:56:56
Ja, und was dann aber passiert ist, deshalb kam ich auf die Übersetzung.
1:56:56–1:57:01
Ich habe dann halt nochmal gegoogelt, Audiobook Solaris und habe dann die komplette,
1:57:01–1:57:06
also es sind siebeneinhalb Stunden, dann hat man das Buch auch durchgelesen, in Englisch gefunden.
1:57:06–1:57:09
Und das ist eben, glaube ich, das Englisch aus der französischen Übersetzung
1:57:09–1:57:12
aus den 70er Jahren, glaube ich. Bin mir nicht sicher, kann auch die von 2017 sein.
1:57:14–1:57:18
Aber da war das so smooth. Da habe ich die gelesen und gesagt,
1:57:18–1:57:21
ey, da war es richtig spannend. War es richtig interessant.
1:57:22–1:57:25
Und deshalb möchte ich jetzt das mit der Übersetzung loswerden.
1:57:25–1:57:29
Weil ich finde, es gibt jetzt eine englische Übersetzung von der,
1:57:29–1:57:36
der das LEM Institut oder der Nachlass, so zu sagen, die Super von Bill Johnston 2017,
1:57:37–1:57:39
auch glaube ich in einem polnischen Verlag erschienen.
1:57:39–1:57:43
Das ist eine englische Übersetzung, der es aus dem polnischen direkt übersetzt hat.
1:57:43–1:57:49
Es gibt dann die Übersetzung von Joanna Kilmartin und Steve Cox von 1970.
1:57:52–1:57:56
Allerdings aus dem Französischen übersetzt wurde. Die habe ich in Ausschnitten,
1:57:56–1:57:58
wo habe ich das denn nochmal gelesen?
1:57:59–1:58:02
Warum weiß ich das? Das weiß ich jetzt gar nicht mehr, weil ich das weiß.
1:58:02–1:58:07
Und es gibt dann eben die Deutsche von Irmtraut Zimmermann-Göllheim von 1972.
1:58:08–1:58:10
Ja, genau. Das ist die, die wir, glaube ich, auch haben.
1:58:11–1:58:15
Ja, und da habe ich jetzt auf dem, ist schon angelegt, wenn du es publikierst,
1:58:15–1:58:18
das ist eine Tabelle, wo ich dann einen Ausschnitt aus dem ersten Kapitel,
1:58:18–1:58:24
dieser Anflug auf die Raumstation, weg von Prometheus hin zur Raumstation,
1:58:25–1:58:28
da habe ich die mal gegenübergestellt, so einen Ausstand, wo man ein Gefühl
1:58:28–1:58:31
dafür kriegt, dass es echt ganz schön schwierig ist. Und da ist dann so ein
1:58:31–1:58:33
Zitat jetzt von der deutschen Übersetzung.
1:58:33–1:58:39
Ich wartete, wann sich der erste Stern eintrüben sollte. Ich gewarte es nicht.
1:58:40–1:58:43
Wenn man schon wartete sagt, dann sagt man nicht noch gewarte.
1:58:43–1:58:46
Das ist doch wie ein schlechter Reim. Aber auf jeden Fall, ich wartete,
1:58:46–1:58:50
wann sich der erste Stern eintrüben sollte. Ich gewarte es nicht.
1:58:50–1:58:53
Zweiteres Zitat, da kommt Prometheus drin vor.
1:58:54–1:58:57
Zweiteres Zitat, das fängt ja auch schon an. Zweiteres Zitat.
1:58:58–1:59:03
Ich bedauerte, dass es mir nicht geglückt war, den Prometheus noch zu sehen.
1:59:03–1:59:07
Er muss schon außer Sicht weiter gewesen sein, als die austomatische Vorrichtung
1:59:07–1:59:08
das Sichtfenster öffnete.
1:59:08–1:59:12
Das klingt irgendwie wie so ein komisches Polizeiprotokoll aus einem dritten
1:59:12–1:59:15
Programm von irgendeinem WDR-Krimi. oder sowas.
1:59:16–1:59:21
Worum es da eigentlich geht, ist zu sagen, ich bedauerte, dass ich die Prometheus,
1:59:21–1:59:25
würde man sagen, oder Prometheus, das Raumschiff, wo er losgeflogen ist,
1:59:25–1:59:27
die hätte er gerne noch mal gesehen.
1:59:27–1:59:30
Aber bis ich das Sichtfenster öffnete, war er quasi schon zu weit weg davon.
1:59:31–1:59:34
Es gab dann eben noch von Kurt Kelm eine deutsche Übersetzung,
1:59:34–1:59:37
die möchte ich auch noch mal irgendwo auftreiben.
1:59:37–1:59:43
Ist 83 im Verlag Volk und Welt in Berlin entschieden, aber die habe ich leider nicht gefunden.
1:59:43–1:59:48
So, sind wir jetzt erst mal am Ende. Also wir haben quasi die Geschichte zusammengefasst.
1:59:48–1:59:50
Es ist gleich schon zwei Stunden durch.
Florian Clauß
1:59:50–1:59:52
Ja, ich wollte, aber ich bin auch noch nicht ganz fertig.
Micz Flor
1:59:52–1:59:54
Nee, nee, genau. Ich wollte nur sagen, jetzt kommen wir an den Punkt,
1:59:55–1:59:59
wo wir quasi Calvin da ablegen.
1:59:59–2:00:03
Snout bleibt da, Sartoris ist eh schon verschwunden, die Gäste sind alle weg.
Florian Clauß
2:00:03–2:00:10
Okay, wir legen Calvin ab. Da warst du an dem Punkt. Wir zoomen jetzt raus. Wo kommen wir hin?
Micz Flor
2:00:11–2:00:15
Wir verlassen den Text und jetzt kommen wir in das Reich der Interpretation.
Florian Clauß
2:00:15–2:00:19
Oh, wir waren noch nicht in dem Reich der Interpretation. Okay,
2:00:19–2:00:20
aber möchtest du loslegen?
Micz Flor
2:00:22–2:00:23
So ein bisschen jetzt wäre...
2:00:25–2:00:33
Also meine Interpretation kann ich dir kurz... Magst du sie kurz hören?
Florian Clauß
2:00:33–2:00:33
Ja, gerne.
Micz Flor
2:00:33–2:00:36
Also es ist quasi, wenn wir uns die ganze Geschichte angucken,
2:00:36–2:00:41
für mich ist es so, es geht da um den Akt der Empfängnis.
2:00:41–2:00:43
Und Prometheus ist der Mann.
2:00:43–2:00:50
Das Sperma ist quasi eingeklemmt in dieser Kapsel.
2:00:50–2:00:55
Und diese Kapsel schießt dann nach dem Orgasmus in die Ovarien,
2:00:55–2:00:59
das ist Solaris mit der Raumstation, nistet sich da ein, kommt dann da an und
2:00:59–2:01:01
ist dann in der Zellteilung dabei,
2:01:01–2:01:07
eben selber irgendwie Komplexität zu entlangen und dieses Bewusst-Gewusst-Werden,
2:01:07–2:01:10
also dieser Prozess ist da irgendwie beschrieben.
2:01:10–2:01:16
Das ist für mich meine Interpretation. Es geht um den Akt der Fortplatzung.
Florian Clauß
2:01:16–2:01:20
Interessant. Ja. Und was ist denn der Ozean?
Micz Flor
2:01:21–2:01:26
Das ist dann die Symbiose. Das ist der symbiotische Raum.
2:01:26–2:01:28
Also es geht jetzt nicht darum, dass es hier biologisch ist,
2:01:28–2:01:31
sondern quasi der Sperme verlässt den Mann, kommt dann zu der Frau.
2:01:32–2:01:39
Und dann entsteht eben dieser symbiotische Raum, in dem der werdende Mensch oder das Kind,
2:01:39–2:01:45
der Säugling, dann auch eben diese Matrix von Solaris benötigt,
2:01:45–2:01:48
um sich zu orientieren in der Welt, um die Dinge zu verstehen.
2:01:48–2:01:52
Und die Spiegelung durch den Planeten ist dann quasi die Mutter,
2:01:52–2:01:58
die Emotionen spiegelt, die Verbindungen spiegelt, die überhaupt Bindungsfähigkeit
2:01:58–2:02:00
mitentwickelt in dieser frühkindlichen symbiotischen Zeit.
Florian Clauß
2:02:01–2:02:09
Okay. Es stocket deswegen, weil es gibt auch eine Kritik über Solaris,
2:02:09–2:02:13
über den Ozean, die aber ein bisschen abwegig ist.
2:02:13–2:02:20
Da hat er geschrieben, dass Solaris, der Ozean, die weibliche Vagina ist.
2:02:20–2:02:26
Weil diese Ausbuchtung und diese Beschreibung, die kann man sehr sexualisiert
2:02:26–2:02:31
lesen und kann dann halt auch dieses Bild bekommen, dass es halt so eine Vulva
2:02:31–2:02:33
beschreibt, ja, in allen Formen und so weiter.
2:02:34–2:02:38
Aber, was dann quasi der Schluss, das Conclusio ist, ist halt so,
2:02:38–2:02:43
dass dann diese, das Weibliche, als das Unerkannte, Unerforschte, ja,
2:02:44–2:02:47
da kommen wieder so Stereotypen, die halt total überholt sind auf,
2:02:47–2:02:51
ja, und die halt auch da sich manifestieren in dieser Kritik.
2:02:51–2:02:56
Deswegen ist die Kritik eigentlich eher so aus einem patriarchischen Diskurs gefallen.
Micz Flor
2:02:56–2:02:56
Ja.
Florian Clauß
2:02:56–2:03:00
Aber deswegen frage ich nochmal nach, was bei dir der Ozean bedeutet.
Micz Flor
2:03:00–2:03:03
Also das, was du jetzt sagst, wäre natürlich dann in gewisser Weise so ein bisschen
2:03:03–2:03:08
wie die zweite Geschichte von Hyperion, wo du sagst, das ist ja so eine Jungensfantasie.
2:03:08–2:03:13
Also dann hätte Lem ein Buch geschrieben, was sagt, all die Männer checken nicht,
2:03:13–2:03:17
wie Frauen funktionieren, weil sie immer nur versuchen, das Kleid aufzumachen
2:03:17–2:03:20
und nie quasi das Weibliche dahinter irgendwie erschließen.
2:03:20–2:03:23
Das meine ich gar nicht, sondern ich fand es halt eher so interessant,
2:03:23–2:03:29
dass dieser Versuch zu lernen, den du jetzt natürlich auch den Planeten beschreibst,
2:03:29–2:03:32
ist ja auch nicht falsch, aber diese Spiegelung, vielleicht sogar eben in diesem
2:03:32–2:03:38
Kind, da spiegelt die Mutter dem Kind irgendwas zurück, aber das...
2:03:39–2:03:44
Dieses in die Welt kommen, in die Symbiose zur Mutter in dem Moment entlassen
2:03:44–2:03:48
zu werden, dann einen Raum schafft, in dem man selber auch versucht, die Welt zu verstehen.
2:03:48–2:03:53
Und in dieser sehr frühen Phase auch diese Grenzen noch gar nicht so existieren
2:03:53–2:03:54
zwischen was ist ich und was ist das andere.
2:03:55–2:03:58
Das ist dann erst später möglich, was ja auch darin beschrieben wird,
2:04:00–2:04:06
dass man das Nicht-Ich vom Ich unterscheiden kann. Vorher gibt es ja diese symbiotische
2:04:06–2:04:11
Verschmelzung auch quasi mit der guten Mutterbrust, die immer stillt und die
2:04:11–2:04:14
immer verfügbar ist und so. Und dann die böse Brust, die irgendwie sich verweigert und so.
Florian Clauß
2:04:14–2:04:22
Also dann quasi diese Verschmelzung, das heißt, dieser Akt, wie Bewusstsein
2:04:22–2:04:28
entsteht, das als diese ganze Phase, was der Roman beschreibt.
Micz Flor
2:04:28–2:04:39
Das ist sozusagen die frühe Kindheit. Also Calvin ist der frühe Säugling.
2:04:39–2:04:41
Also ich muss sagen, ich habe mir das so als Idee.
2:04:41–2:04:46
Eigentlich habe ich gedacht, dass du lachst, weil du sagst, wie damals mit dem Wald und den Jägern.
2:04:47–2:04:49
Das geht immer wieder bei Mitch.
2:04:51–2:04:56
Genau, bei Mitch geht es immer um Sex. Aber trotzdem, ich finde schon,
2:04:56–2:04:57
dass es in gewisser Weise hält.
2:04:58–2:05:01
Es ist halt dann die Frage, warum schreibt er so eine lange Geschichte darüber?
2:05:01–2:05:05
Aber dann ist es natürlich sowieso bei der Interpretation so,
2:05:05–2:05:08
dass wir in gewisser Weise von Lem gehört haben, er hat alles gesagt, was er sagen wollte,
2:05:08–2:05:14
ist auch wahr und dann müssen wir ihm die Geschichte wegnehmen und müssen dann
2:05:14–2:05:19
natürlich da einsteigen zu überlegen, weshalb ist diese Geschichte so interessant,
2:05:19–2:05:22
was berührt uns daran, was sehen wir darin.
2:05:22–2:05:26
Das ist dann natürlich nicht mehr das, was die Intention des Autors ist in dem Moment.
2:05:27–2:05:32
Und da, finde ich, hält dieses Konzept schon zu sagen, wenn wir diese...
2:05:33–2:05:39
Empfängnis und diese intrauterine und postuterine Zeit uns anschauen,
2:05:39–2:05:43
dann könnte man doch sagen,
2:05:43–2:05:48
dass wir da in einem Raum sind, wo auch schon intrauterin,
2:05:48–2:05:53
also noch in der Raumstation selbst Calvin schon lernt,
2:05:53–2:05:58
die Umgebung lernt, so wie das Kind auch im Bauch schon Stimmen verstehen kann
2:05:58–2:06:04
und Tageszeiten verstehen kann und einen Rhythmus entwickelt und dann mit der
2:06:04–2:06:07
Geburt quasi auf diesen Mond entlassen wird,
2:06:07–2:06:12
auf Solaris entlassen wird und dann da eben auch diesem Raum begegnet, in der Lage ist,
2:06:12–2:06:17
unsere Gefühle des Säuglings zu spiegeln, sie nicht eins zu eins wiederzugeben,
2:06:17–2:06:21
also die Städte, die Gärten, das ist alles ein bisschen anders.
2:06:21–2:06:27
Aber es geht nicht darum, dass Wissenschaftler verstehen, warum Solaris intelligent
2:06:27–2:06:31
ist, sondern es geht darum, dass wir in dem Roman lernen, dass Menschen immer
2:06:31–2:06:34
versuchen, sich mit etwas zu verbinden.
2:06:34–2:06:36
Das ist ja auch der Vorwurf, den Calvin gleichzeitig hatte eben,
2:06:36–2:06:38
wir sehen immer nur das Menschliche.
2:06:38–2:06:43
Aber genau das passiert ja beim Säugling, der sich selber erkennen lernt über
2:06:43–2:06:47
den Kontakt mit etwas, was nicht ich ist und was er versteht,
2:06:47–2:06:50
erst, wenn er wirklich in die Welt kommt.
2:06:51–2:06:55
Und dadurch entsteht die eigene Identität in diesem symbiotischen.
2:06:56–2:07:02
In diesem dialektischen, symbiotischen Moment, in dem Solaris oder als Mutter
2:07:02–2:07:07
als das andere Symbiotische in Teilen spiegelt.
Florian Clauß
2:07:08–2:07:12
Ja, also ich schaffe es noch nicht ganz alles so aufzulösen,
2:07:13–2:07:16
welche Position was ist, weil für mich ist ja nochmal so diese,
2:07:16–2:07:22
Es gibt ja diese Jahrhunderte, also ein Jahrhundert Forschung um Solaris.
2:07:22–2:07:25
Das heißt, es gibt ja schon die ganze Historie.
2:07:26–2:07:31
Und jetzt, wo dann quasi das ganze Ding so am Ausfaden ist, passiert auf einmal was.
2:07:32–2:07:35
Vielleicht gab es das schon vorher und man hat es nur nicht irgendwie protokolliert
2:07:35–2:07:38
gesehen, weil das dann wieder so eine Randbezeichnung ist. Also es ist dann
2:07:38–2:07:42
wieder verschwunden, wie eben diese Kindesbeobachtung von Bertrand.
2:07:42–2:07:45
Ja, vielleicht ist es ja auch irgendwo, es gibt ja viel mehr Geschichten,
2:07:45–2:07:46
die sowas dann halt zeigen.
2:07:47–2:07:52
Also das heißt, aber wir befinden uns quasi am Ende von einer Ära, wo irgendwas passiert.
2:07:53–2:08:00
Also das heißt, es ist eine Form von vielen, die irgendwie da entstanden ist.
2:08:00–2:08:07
Oder es ist ja quasi kein Prozess, der dann zu diesem Bewusstsein führt oder zu diesem...
2:08:08–2:08:12
Zu dieser Entität oder was du da...
Micz Flor
2:08:12–2:08:17
Ne, genau, also da würde man, wenn man jetzt meine provokante Interpretation
2:08:17–2:08:20
einfach mal auf so einem Solaris-Panel... Ich meine, das ist ja auch das Lustige
2:08:20–2:08:24
auf einer Meta-Ebene, diese Solaristik, die gibt es jetzt ja.
2:08:24–2:08:28
Also es gibt unglaublich viele Interpretationen von Solaris,
2:08:28–2:08:31
aber die gibt es nicht auf einer physikalischen Ebene, sondern die gibt es halt
2:08:31–2:08:33
auf einer literaturwissenschaftlichen.
2:08:33–2:08:40
Die Solaristik ist existent und wir sind jetzt aktiv involviert in dem Prozess
2:08:40–2:08:46
des Solarismus, in dem wir aber die Geschichte versuchen, neu zu beleuchten oder zu erfassen.
2:08:46–2:08:50
Und da war es einfach so eine steile Hypothese, so ein Paper am Nachmittag um
2:08:50–2:08:52
14 Uhr, wo wir eh noch beim Essen sind,
2:08:52–2:08:55
sitzt dann halt jetzt einer da und sagt, ja, es geht hier um den Sexualakt und
2:08:55–2:09:00
die intrauterine Entwicklung des Kindes, was letztendlich dann in den symbiotischen
2:09:00–2:09:02
Raum mit der Mutter entlassen wird. Fragen?
2:09:04–2:09:12
Also das ist ja genau so, es ist jetzt einfach Teil des Solarismus, meine These.
2:09:12–2:09:16
Oh, das ist toll, mach mal ein Foto.
Florian Clauß
2:09:16–2:09:20
So darf ich dann meine Interpretation noch?
2:09:20–2:09:29
Die ist ja auch so, also im Prinzip ist sie ja schon mehr oder weniger verschiedentlich angeklungen.
2:09:29–2:09:34
Also jetzt deswegen, der Planet ist für mich quasi ein System,
2:09:35–2:09:42
was irgendwo in seiner Existenz eine Korrekturberechnung ständig drin hat.
2:09:42–2:09:46
Damit steigen wir ein. Das ist so ein erster Absatz, wo ich dann dachte,
2:09:46–2:09:50
wow, als ich das gelesen habe, wie, das ist hier ein Dreikörperproblem,
2:09:50–2:09:52
das habe ich doch überhaupt nicht mehr in Erinnerung.
2:09:52–2:09:57
Dann denke ich so, okay, was ist denn das für ein geiles Szenario zu sagen,
2:09:57–2:10:06
ein Planet kann seine Bahn so korrigieren, dass es halt stabil läuft mit zwei Sonnen.
2:10:06–2:10:11
Das finde ich so, also damit ist ja quasi schon als Axiom, ist ja gesetzt.
2:10:12–2:10:15
Da gibt es eine Intelligenz, die so eine Korrektur machen kann.
2:10:15–2:10:21
Was ich dann bei der Solaristik vermisst habe, ist eben, was so offensichtlich
2:10:21–2:10:23
ist in diesem ganzen Ding.
2:10:23–2:10:27
Das Offensichtlichste, was eben diese Korrektur machen kann,
2:10:28–2:10:32
sind ja genau diese Symmetriaden und Asymmetriaden.
2:10:32–2:10:34
Und zwar in zweierlei Hinsicht.
2:10:34–2:10:38
Einmal ist es die Berechnung selber. Da wird quasi der Rechenschritt selber
2:10:38–2:10:42
quasi prozessiert und in der Form zum Ausdruck gebracht.
2:10:42–2:10:45
Das ist Rechenleistung. Das passt da genau.
2:10:45–2:10:52
Die chaotische Bahnführung, das sind die Asymmetriaden. Und die Asymmetriaden
2:10:52–2:10:53
sind dann quasi die Korrektur davon.
2:10:53–2:10:58
Und gleichzeitig ist es auch Ergebnis, nämlich die Gewichtsverlagerung.
2:10:59–2:11:04
Also es ist ja so, dass der Planet quasi durch diese Ausformung so seine Schwerkraft
2:11:04–2:11:08
verändern kann, dass dann die Bahnkorrektur gleichzeitig mit der Berechnung offen ist.
Micz Flor
2:11:08–2:11:09
Ja, das kann er ja nicht.
Florian Clauß
2:11:09–2:11:14
Doch, der Mittelpunkt wird natürlich verlagert. Das ist ja das Prinzip von Schwerkraftverlagerung.
2:11:14–2:11:20
Das kann man doch nachmessen, das hatten wir doch zuletzt bei den Grundwasserverlagerungen
2:11:20–2:11:25
in Kalifornien oder in Indien ist es auch so.
2:11:25–2:11:28
Und das kann man an der Bahnberechnung eines Planeten nachweisen.
2:11:28–2:11:35
Die sind Millimeter, wo sich die Erde tatsächlich durch diese Grundwasser-Umpumpung
2:11:35–2:11:38
soweit die Bahn verändert, dass man das nachweisen kann.
2:11:38–2:11:42
Das heißt, du kannst durch eine Schwerkraftverlagerung, weil du ja da natürlich
2:11:42–2:11:45
deinen Schwerpunkt woanders hin verlagerst, kannst du die Bahn beeinflussen.
2:11:46–2:11:50
Also jetzt rein physikalisch ist das nachweisbar, dass sich eben durch eine
2:11:50–2:11:55
Masseverlagerung quasi der Planet eben korrigieren kann. Das ist so.
2:11:56–2:12:01
Und das, was ich bei der Solaristik vermisst habe, dass keiner das irgendwie erwähnt hat.
2:12:01–2:12:05
Dass keiner so, ey, lasst uns doch mal diesen Zusammenhang zwischen Symmetriaden,
2:12:05–2:12:09
Asymmetriaden und der Bahnberechnung machen. Weil das ist so das Offensichtlichste.
2:12:09–2:12:14
Warum hat das keiner gemacht? Das ist doch alles da, diese Information.
2:12:14–2:12:18
Das muss doch mal wissenschaftlich untersucht werden. Wenn da irgendwie die
2:12:18–2:12:21
Ausspruchung entsteht, dass dann halt so und so viel Grad dann die Bahn sich
2:12:21–2:12:22
abweicht und wie er das macht.
2:12:23–2:12:27
Das ist jetzt so erstmal der erste Punkt meiner Interpretation.
2:12:27–2:12:32
Der erste Punkt ist, dass es halt eine riesen Korrekturmaschine ist auf diesem
2:12:32–2:12:37
Planeten, der dann eben seine Bahn durch Berechnung und so weiter macht.
2:12:37–2:12:42
Das andere Ding, was dazu kommt, ist, dass dieser Planet ja niemals irgendwie feindselig ist.
2:12:42–2:12:47
Das heißt, in der Konfrontation mit der Station sind ja alle Opfer,
2:12:47–2:12:52
sind ja mehr oder weniger durch Unvorsichtigkeit oder Unfälle, entstehen die.
2:12:52–2:12:56
Also es ist ja nicht so, dass der Planet dann anfängt, irgendwie dann so da
2:12:56–2:12:58
böswillige Absichten zu zeigen.
2:12:59–2:13:06
Und auch dieses Erscheinen der Gäste ist ja so, dass die Gäste...
2:13:07–2:13:10
Und es wird ja auch in dem Buch gesagt, dass die dann nicht,
2:13:10–2:13:13
um die Besatzung dann irgendwie zu
2:13:13–2:13:17
verwirren oder sowas, sondern es wird angenommen, dass die was Gutes tun.
2:13:17–2:13:21
Und wenn du aus der Perspektive dieser Korrekturmaschine dann da so drauf guckst,
2:13:21–2:13:23
auf so eine Besatzung, und du siehst dann halt irgendwie so,
2:13:23–2:13:25
und das wird ja auch gesagt,
2:13:25–2:13:27
ich glaube, das haben wir in der Explizität noch nicht gesagt,
2:13:27–2:13:33
dass alle Erscheinungen sind ja immer so tiefe Traumata von den Personen.
2:13:33–2:13:40
Also das heißt, Harvey ist quasi das größte Trauma von Chris und dann gibt es
2:13:40–2:13:45
die anderen Figuren, bei der Frau von Liberian wird es auch nochmal gesagt,
2:13:45–2:13:46
das hat irgendwas mit ihm zu tun.
2:13:46–2:13:52
Also das heißt, aus dieser Sicht der Korrekturmaschine guckst du auf diese Besatzung,
2:13:52–2:13:55
auf die Station und wenn du dann halt wirklich so die Kraft von Reverse Engine
2:13:55–2:13:59
siehst, dann siehst du irgendwie so Felder, die so Hotspots sind.
2:13:59–2:14:05
Und dann gehst du da rein und siehst auf einmal so, okay, da ist diese Figur drin in diesem Hotspot.
2:14:05–2:14:09
Und dann fängt das halt an auch so, wie kann ich denn das korrigieren?
2:14:09–2:14:16
Und dann fängt das halt an so, das ganze Ding, okay, dann mache ich jetzt mal hier eine Figur rein.
2:14:16–2:14:21
Und dann wird es vielleicht wieder gut. Und dann schickt er diese Figur.
2:14:21–2:14:25
Und das ist halt so eigentlich eine total positive Ansatz.
2:14:25–2:14:29
Als dieses irgendwie, ich will mein Umfeld immer so korrigieren,
2:14:29–2:14:31
dass alles gerade läuft, im geraden Wahn.
Micz Flor
2:14:31–2:14:32
Das ist ein bisschen so Wall-E dann wirklich.
Florian Clauß
2:14:33–2:14:37
Ja, so dieses Aufräumen und dann okay, das hier läuft schief und dann kann ich das da hinschicken.
2:14:37–2:14:42
Und dann, also das heißt, dadurch entwickeln sich ja auch die Figuren weiter.
2:14:42–2:14:47
Das heißt, das Trauma von Chris ist ja auch damit irgendwie auch bearbeitet.
2:14:47–2:14:50
Oder zumindest jetzt nicht abgearbeitet, aber zumindest irgendwie so,
2:14:50–2:14:54
es ist jetzt nicht mehr so als Trauma dann so eingeschrieben in seinem Kopf,
2:14:54–2:14:56
sondern es ist herausgekommen.
2:14:57–2:15:00
Und das ist halt so die Korrektur. Und jetzt noch einen Schritt weiter,
2:15:01–2:15:06
wenn man das halt so meint, ist die überhaupt die Idee von dieser,
2:15:07–2:15:09
also wir haben ein lernendes Modell.
2:15:09–2:15:15
Ein lernendes Modell, das irgendwo dann bestimmte Missstände sieht und darauf
2:15:15–2:15:17
reagiert und das dann versucht wieder auszugleichen.
2:15:17–2:15:21
Und das hast du nämlich vorhin in so einem Seitensatz gesagt,
2:15:21–2:15:23
da habe ich mich ein bisschen geärgert.
2:15:23–2:15:28
Da habe ich die Spitze von dem. Nämlich, was wäre das, wenn das überhaupt gar
2:15:28–2:15:30
keine Intelligenz ist, sondern tatsächlich nur so ein Werkzeug,
2:15:30–2:15:35
was dann von Aliens als Technologie da mal so hingeworfen wurde.
2:15:35–2:15:39
Und die haben gesagt, okay, unser, also dann bin ich wieder ein bisschen bei
2:15:39–2:15:43
drei Sonnen, wo die halt auch ihren, wir haben hier irgendeine Technologie entwickelt,
2:15:44–2:15:47
da war ich eher so ein bisschen bei Gebrüder Strudgatzki, wo dann halt auch
2:15:47–2:15:51
dieses Picknick am Wegesrand, diese Artefakte aus der Zone, die dann halt auch
2:15:51–2:15:54
so komische Wirkung haben, ja, dass es halt einfach nur eine Technologie ist
2:15:54–2:15:57
von irgendwelchen Aliens, die dann halt gesagt haben, okay, wir gucken,
2:15:57–2:16:00
wir erproben jetzt einfach mal hier so eine Warnkorrektur.
2:16:01–2:16:04
Technik, die brauchen wir für unseren Planeten. Das ist unser Testplanet.
2:16:04–2:16:08
Wir werfen das mal drauf und dann beobachten und dann, okay,
2:16:08–2:16:11
es funktioniert und ziehen halt weiter, weil sie das Ding nicht mehr mitnehmen wollen.
2:16:12–2:16:16
Das ist Müll. Das ist einfach nur eine große, klumpen Elchentechnologie,
2:16:16–2:16:20
der dann halt einfach so eine riesen Korrekturmaschine ist, die dann halt so
2:16:20–2:16:25
die ganzen Umläufe und alles, was in seine Nähe kommt, dann halt anfängt zu korrigieren.
2:16:25–2:16:28
Aber dann halt auch wie so eine generative KI.
2:16:28–2:16:33
Kein Bewusstsein hat, sondern immer nur quasi spiegelt oder in dem Sinne irgendwelche
2:16:33–2:16:36
Sachen sieht und dann halt die korrigiert.
Micz Flor
2:16:36–2:16:41
Ja, stimmt, Spiegel ist das falsche Wort, weil die KI ja dann quasi schon erstellt.
Florian Clauß
2:16:41–2:16:45
Ja, simuliert dann halt quasi, aber es ist eine reine Simulation.
2:16:46–2:16:48
Also das ist meine Theorie.
Micz Flor
2:16:48–2:16:51
Cool, also ich meine, was natürlich auch interessant ist, wenn wir jetzt da gehen,
2:16:52–2:16:55
dass halt bestimmte Werkzeuge für bestimmte Probleme geschaffen wurden,
2:16:55–2:16:58
dann kann man sich natürlich vorstellen dass
2:16:58–2:17:00
die also ich bleibe jetzt
2:17:00–2:17:04
mal bei dir wir schreiben jetzt mal von außen noch mal ein kapitel
2:17:04–2:17:08
dazu dass wir sagen ja das gab diese raumschiff station und dann war halt irgendwie
2:17:08–2:17:13
waren 80 leute drauf und höhe riesen forschungsprojekt und sowas und und dann
2:17:13–2:17:16
irgendwann sind die halt abgezogen
2:17:16–2:17:21
worden und dann war nur noch snout wie sartorius und Ghibarian drauf.
2:17:21–2:17:25
Und dann guckt die Korrekturmaschine auf einmal so, drei Körperprobleme,
2:17:25–2:17:28
drei Körperprobleme. Also er kennt diesen Hotspot so.
2:17:28–2:17:32
Das ist, ich bin das Werkzeug dafür. Ich löse euch, ich mache euch das.
2:17:32–2:17:33
Also wir brauchen jetzt hier einen, hier einen.
2:17:34–2:17:37
Und in dem Moment, wo Ghibarian sich dann umbricht, kommt dann Calvin dazu und
2:17:37–2:17:40
wird dann quasi gleich wieder auch in diesen Lösungsprozess.
2:17:40–2:17:46
Aber dass genau diese drei Menschen dann auch nochmal das als Trigger für,
2:17:46–2:17:51
dass die Maschine dann wirklich halt anfängt zu handeln, weil das ist hier jedes
2:17:51–2:17:54
mal mit den drei körperproblem hast auch wenn du teil davon bist oder wenn das was ist.
Florian Clauß
2:17:54–2:17:58
Ja na ja
2:17:58–2:18:01
gut na das ist jetzt sehr zusammengefaltet sind ja
2:18:01–2:18:04
auch ich würde es jetzt auch nicht als einzelne körper sondern es ist wahrscheinlich
2:18:04–2:18:08
so ein geflecht was in der wahrnehmung der diese maschine ist einfach nur geflecht
2:18:08–2:18:13
wo es dann halt so bestimmte hotspots gibt so punkte und da geht es ja rein
2:18:13–2:18:17
da fängt es an zu korrigieren also es muss irgendwie aber ich Ich finde dieses
2:18:17–2:18:22
Bild sehr gut für unsere Geschichte.
Micz Flor
2:18:23–2:18:23
Okay.
Florian Clauß
2:18:23–2:18:29
Ja, ich glaube, wir haben das jetzt erschöpfend, aber nicht ausgiebig und zumindest
2:18:29–2:18:32
für uns erschöpfend erzählt.
2:18:34–2:18:34
Solaris.
Micz Flor
2:18:34–2:18:38
Also ich denke, dies ist eine richtig satte Folge geworden. Für die nächste
2:18:38–2:18:43
Folge wäre es ja dann Cliffhanger, wenn wir jetzt sagen, es geht um Solaris
2:18:43–2:18:44
und es geht um Tarkowski.
2:18:45–2:18:50
Und es geht natürlich um die Interpretation des Stoffes durch den Regisseur Tarkovsky.
2:18:50–2:18:54
Und jetzt greifen wir mal ganz zurück auch noch, weil du hast ja schon was über
2:18:54–2:18:55
Tarkovsky gemacht, nämlich...
Florian Clauß
2:18:56–2:18:57
Über Stalker.
Micz Flor
2:18:57–2:19:02
Stalker, genau. Und Slavoj Žižek hat so einen ganz schönen Vergleich von Stalker
2:19:02–2:19:06
und Solaris gemacht, von den beiden Tarkovsky-Filmen, in dem er gesagt hat,
2:19:07–2:19:11
in Solaris hat Lem etwas erschaffen.
2:19:11–2:19:15
Er sagt halt, it's an id machine, as an object which realizes your nightmares,
2:19:16–2:19:18
desires, fears, even before you ask for it.
2:19:18–2:19:24
Also diese Solaris erkennt all dein, also bevor du überhaupt danach fragen kannst,
2:19:24–2:19:29
erkennt es deine Ängste, deine Sorgen, deine Wünsche, das erkennt es alles und reagiert darauf.
2:19:30–2:19:32
Das war der eine Film, den Tarkovsky gemacht hat.
2:19:32–2:19:35
Und der andere Film war das genaue Gegenteil, nämlich Stalker.
2:19:45–2:19:50
Also diese Idee, dass in Stalker eben genau so eine Wunsch-Erfüllungsmaschine gemacht wird.
2:19:50–2:19:55
Und die Menschen von Intakovskys Film sind entweder auf der Solaris-Seite,
2:19:55–2:20:00
in dem ihre Ängste, Wünsche, wie auch immer wir es beschreiben,
2:20:00–2:20:03
Desires irgendwie realisiert werden von Solaris.
2:20:03–2:20:06
Solaris und in der Zone, die auch ja ein mystischer Raum ist,
2:20:06–2:20:10
in dem man nicht genau weiß, wie die Logik da funktioniert, der ja nicht von
2:20:10–2:20:14
dieser Welt zu sein scheint, da ist genau das Gegenteil der Fall.
2:20:14–2:20:17
Wenn du deine Wünsche genau formulieren kannst, dann werden sie auch wahr.
2:20:18–2:20:21
Aber die Sorge ist, dass man das einfach eben nie genau kann.
2:20:22–2:20:27
Das fand ich so ganz schön, um Tarkovsky und Solaris in den Mix zu schmeißen.
Florian Clauß
2:20:27–2:20:31
Ja, vielen Dank. Wir werden hören. Das war Episode,
2:20:33–2:20:40
53 Solaris und wir haben schon angekündigt, es geht in zwei Wochen weiter mit Tarkovsky und Solaris.
2:20:40–2:20:44
Und dann in vier Wochen hören wir Söderberg und Solaris.
2:20:44–2:20:48
Wenn ihr noch mehr Infos haben wollt, dann guckt auf unsere Seite,
2:20:48–2:20:51
auf eigentlich-podcast.de und da
2:20:51–2:20:54
findet ihr auch den Track, den wir heute gegangen sind. Ich fand's toll.
2:20:55–2:20:57
Ich kenne viele Sachen hier nicht.
Micz Flor
2:20:57–2:21:00
Geht noch weiter. Wir sind wirklich in so einem Tarkovsky-Film, oder?
Florian Clauß
2:21:01–2:21:04
Wir sind schon wieder in der Zone. Ja, aber wir sind auch im Osten.
Micz Flor
2:21:04–2:21:07
Ich mache die letzte Fußnote noch, falls ihr euch wundert.
2:21:07–2:21:13
Nein, wir wissen doch, dass es diesen russischen Fernsehfilm Solaris gibt aus dem Jahre 1968,
2:21:14–2:21:18
den man auch komplett auf YouTube sehen kann mit englischen Untertiteln und
2:21:18–2:21:23
der wirklich auch sehr, sehr nah an der Originalgeschichte dran ist und der
2:21:23–2:21:26
auch mit, ich glaube, hat 144 Minuten oder sowas.
2:21:26–2:21:29
Das ist gar nicht so kurz für einen Fernsehfilm, aber ich glaube,
2:21:29–2:21:32
das sind zwei Teile, die dann zusammengeschnitten wurden in einem Film.
2:21:32–2:21:35
Ist auch sehr sehenswert, aber wir haben uns hier einfach auf die.
Florian Clauß
2:21:37–2:21:42
Blockbuster wir haben uns auf die Blockbuster konzentriert. Also macht's gut und bis bald.
Micz Flor
2:21:42–2:21:43
Bis dann, tschüss.
2:21:46–2:21:48
Das war echt ne Flohfolge.
Florian Clauß
2:21:50–2:21:52
Ich kann jetzt auch nicht mehr viel erzählen.

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