"Sexualität bestimmt nicht das ganze Leben [...], weshalb ich den Begriff der Triebenergie durch den Begriff der Sozialenergie ersetzt habe." - Günther Ammon, 1982

In dieser Folge zeichnet Micz die Wandlung der "psychischen Energie" von einem intrapsychischen Phänomen zu interpersonellen und gruppenbezogenen Prozessen nach. Was treibt Menschen innerlich und gesellschaftlich an? Die Antwort darauf hat sich im Laufe von mehr als hundert Jahren verändert. Ausgangspunkt ist Sigmund Freuds Libidotheorie: zunächst als sexuelle Triebenergie gedacht, später erweitert zu einer allgemeinen psychischen Energie und schließlich im zweiten topischen Modell mit Ich, Es und Über-Ich neu verortet, auch im Dialog mit der Ich-Psychologie um Heinz Hartmann. Doch es bleiben Fragen offen. Der Psychiater und Psychoanalytiker Günter Ammon zieht daraus eine radikale Konsequenz und ersetzt die Triebtheorie als Motor der Psyche durch das Konzept der Sozialenergie: psychische Energie entsteht nicht primär aus inneren Trieben, sondern aus Beziehungen, Gruppen und sozialer Auseinandersetzung. Hartmut Rosa schließlich denkt Soziale Energie von der Gesellschaft her und beschreibt sie als kollektive, zirkulierende Kraft, die in Resonanz, Engagement und gemeinsamem Tun entsteht. Die Episode verbindet diese drei Denkbewegungen historisch und inhaltlich und versucht zu zeigen, wie sich der Blick vom inneren Trieb über die soziale Beziehung bis zur gesellschaftlichen Resonanz verschoben hat.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Micz Flor
avatar
Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:05
Aber könnten wir nicht einfach das Libido-Triebthema rausnehmen und sagen,
0:00:05–0:00:12
die Kraft, die Menschen als soziale Wesen vorantreibt, vor allen Dingen auch in ihrer Entwicklung,
0:00:12–0:00:17
in ihrer Identität, ist soziale Interaktion.
Florian Clauß
0:00:25–0:00:30
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast. Der Podcast,
0:00:30–0:00:33
bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:33–0:00:40
Und wir haben schon vor einigen Folgen davor angekündigt, dass wir uns in eine
0:00:40–0:00:47
Art Podcast-Retreat vor Weihnachten begeben haben und aus diesem Retreat ein
0:00:47–0:00:48
paar Produktionen machen.
0:00:49–0:00:57
Und dieses eine davon. Und ich muss auch ankündigen, dass Mitch sich auf eine
0:00:57–0:01:01
Folge bezieht, die er davor aufgenommen hat.
0:01:01–0:01:08
Und zwar handelt es sich um die Folge Soziale Energien, Folge Episode 92.
0:01:09–0:01:13
Und er möchte hier nochmal so ein paar theoretische Sachen exponieren.
0:01:14–0:01:19
Doch, wenn ihr sehen wollt, wo wir langlaufen, weil das ist immer so die...
Micz Flor
0:01:19–0:01:20
Doch.
Florian Clauß
0:01:20–0:01:21
Doch, aber.
Micz Flor
0:01:22–0:01:28
Wenn ihr nur sehen wollt, wo wir langlaufen, dann schaltet jetzt raus und geht auf unsere Website.
0:01:28–0:01:35
Eigentlich-podcast.de denn zu jeder Episode gibt es auch einen Walk mit ganz,
0:01:35–0:01:36
ganz wenigen Ausnahmen.
Florian Clauß
0:01:37–0:01:39
Mit einer Ausnahme nur.
Micz Flor
0:01:39–0:01:39
Glaube ich.
Florian Clauß
0:01:40–0:01:49
Wir haben schon drei oder zwei, wo wir dann tatsächlich Body Horror und einmal über die,
0:01:50–0:01:56
Chris über den Film Nosferatu, die wir dann im Sitzen aufgenommen haben.
0:01:57–0:02:02
Genau. Nee, aber wenn ihr den Podcast mögt, wir müssen jetzt auch mal ein bisschen
0:02:02–0:02:07
Werbung machen, dann bitte geht auf den einschlägigen Portalen und gebt uns,
0:02:08–0:02:10
Sternchenbewertungen. Darüber würden wir uns sehr freuen.
0:02:11–0:02:17
Ja, soziale Energie, Mitch. Da hattest du ja noch so ein bisschen dich mit beschäftigt
0:02:17–0:02:22
und wolltest dann nochmal so Theorien nachliefern und hast mir gesagt,
0:02:22–0:02:24
ich brauche noch jemanden, mit dem ich darüber sprechen kann.
Micz Flor
0:02:25–0:02:29
Ja, ich glaube, vorgestern ist der online gegangen mit Anja.
0:02:29–0:02:35
Wir arbeiten beide als PsychotherapeutInnen und sind irgendwie,
0:02:35–0:02:37
hatte ich das Gefühl, rückblickend,
0:02:40–0:02:45
zu sehr so in Themen reingerutscht, auch praktische Themen.
0:02:45–0:02:49
Mit Flo ist das nochmal anders, weil wenn ich mit Flo spreche,
0:02:49–0:02:52
dann entsteht eine andere Geschichte und jetzt habe ich gedacht,
0:02:52–0:02:57
ich würde gerne mit dir als Kompagnon nochmal das so ein bisschen aufrollen
0:02:57–0:03:02
und mit deinen Fragen vielleicht gucken, ob man da Lücken von der Herleitung
0:03:02–0:03:05
nochmal schließen kann und aber auch,
0:03:06–0:03:11
Selber wissentlich vom letzten Mal schon diese Herleitung psychische Energie,
0:03:11–0:03:13
soziale Energie, Gruppenbezogenheit.
0:03:13–0:03:17
Das möchte ich irgendwie mal so ein bisschen doch versuchen,
0:03:17–0:03:21
gut hintereinander wegzuerklären.
Florian Clauß
0:03:22–0:03:25
Da kann man vielleicht nochmal so grundlegend kurz erklären,
0:03:25–0:03:28
weil ja, was ist denn eigentlich soziale Energie, psychische Energie?
Micz Flor
0:03:28–0:03:37
Oder für diese Folge wichtiger zwei Blicke auf diesen Begriff von Sozialenergie, den Hartmut Rosa nutzt,
0:03:37–0:03:43
der als Soziologe darauf blickt und mit seinem Forschungshintergrund und auf
0:03:43–0:03:48
der anderen Seite der Begriff der Sozialenergie vom Psychiater und Psychoanalytiker Günther Ammon,
0:03:48–0:03:52
der eben als Arzt oder Psychotherapeut,
0:03:53–0:03:57
Psychoanalytiker auf die psychische Energie blickt,
0:03:58–0:04:03
und der dann auch eben sagt, das soziale, gruppenbezogene, die Energie, die da entsteht,
0:04:04–0:04:06
die ist vielleicht sogar der stärkste Motor in uns.
0:04:07–0:04:13
Und das ist bei Günther Ammann ein Sich-Weg-Bewegen vom freudianischen Libido-Konzept.
0:04:14–0:04:20
Und bei Hartmut Rosa wiederum ist dieses interpersonelle soziale Energie,
0:04:20–0:04:23
die zirkulär entsteht, wenn Menschen in Kontakt sind,
0:04:23–0:04:26
eher auch ein Versuch, Lücken in seiner Theorie zu schließen,
0:04:26–0:04:29
der angefangen hat, darüber zu reflektieren.
0:04:30–0:04:35
Dass bei uns auf dem Planeten alles in Bewegung ist.
0:04:35–0:04:39
Also diese Gesellschaft, die wir sind, die alles bewegt und auch Menschen immer
0:04:39–0:04:45
mehr als Folge davon sich innerlich bewegen, Burnout-Phänomene existieren und so weiter,
0:04:46–0:04:51
der auf einer gesellschaftlichen Ebene da drauf geschaut hat und dann später
0:04:51–0:04:57
in der interpersonellen Beziehung in gewisser Weise auch so Konzepte von Martin
0:04:57–0:04:58
Buber aufgegriffen hat,
0:04:58–0:05:02
glaube ich, wo Martin Buber spricht, es gibt eine Ich-Es-Beziehung.
0:05:03–0:05:06
Es ist eben keine Beziehung, sondern es ist ein Zustand, ich es,
0:05:06–0:05:10
ich beschäftige mich der Welt und es gibt eine Ich-Du-Beziehung,
0:05:10–0:05:11
ich beschäftige mich mit anderen Menschen.
0:05:14–0:05:20
Und bei Hartmut Rosa, der hat es als Resonanz beschrieben, also Menschen treten
0:05:20–0:05:26
miteinander in Resonanz und die Resonanz ist eine Sache, die wenig fassbar ist,
0:05:27–0:05:30
aber die auch nicht immer entsteht.
0:05:30–0:05:39
Aber wenn sie entsteht, das kann ich jetzt nicht genau in Hartmut Rosers Worten sagen.
0:05:39–0:05:42
Zitate dazu habe ich auf der Webseite noch. Also da kommen noch Sachen hinterher.
0:05:43–0:05:45
Ich werde viele Sachen jetzt nur paraphrasieren können.
0:05:46–0:05:52
Aber wenn Resonanz entsteht, dann ist die auch eingefasst in einer gewissen
0:05:52–0:05:54
Art von Unterscheidung.
0:05:54–0:05:58
Also wenn man sich zu ähnlich ist, passiert das nicht. Wenn man sich zu unterschiedlich
0:05:58–0:05:58
ist, passiert das nicht.
0:05:59–0:06:04
Man kann keine Panflöte und eine Mandoline nebeneinander stellen und schlägt
0:06:04–0:06:07
die Mandoline an und die Panflöte fängt an zu singen.
0:06:07–0:06:11
Aber man kann zwei Gitarre nebeneinander stellen und schlägt die an und die
0:06:11–0:06:12
fangen irgendwie an miteinander.
0:06:13–0:06:18
Also die Schwingungen der einen werden von der anderen quasi auch aufgenommen und bewegen sich.
0:06:18–0:06:26
Und diese Resonanztheorie, die ich eine wunderbar auch poetische Theorie finde
0:06:26–0:06:31
für die Beziehung zwischen Menschen, wie die entstehen und wie die in Energie
0:06:31–0:06:32
treten, also die Resonanz.
0:06:33–0:06:35
Und da aber natürlich auch die Lücke entsteht für Hartmut Rosa.
0:06:36–0:06:38
Woher kommt denn diese Energie für die Resonanz?
0:06:38–0:06:43
Wir können irgendwie uns das als Bild herleiten, aber trotzdem ist ja unklar,
0:06:44–0:06:46
woher diese Energie kommt.
0:06:46–0:06:53
Und bei Hartmut Rosa, kurz gefasst, ist es eben das Konzept zu sagen.
0:06:54–0:06:57
Und da geht noch einen kleinen Umweltumweg.
0:06:58–0:07:01
Über auch eine philosophische Grundhaltung.
0:07:02–0:07:06
Er hat festgestellt, dass der Begriff der Energie so in einer in Anführungszeichen
0:07:06–0:07:09
westlichen Philosophiegeschichte gar nicht so sehr vorkommt,
0:07:10–0:07:15
während in anderen Kulturkreisen die Energie sehr wohl so eine Grundlage ist
0:07:15–0:07:18
überhaupt über philosophisches Denken usw.
0:07:18–0:07:22
Und er vermutet, dass es hilfreich wäre, wenn wir im Westen,
0:07:23–0:07:30
die sehr viel eben auch damit zu tun haben, dass der Planet gerade gefährdet
0:07:30–0:07:32
ist durch das menschliche Tun,
0:07:32–0:07:37
dass wir vielleicht gut daran täten, auch dieses Energiedenken noch mehr in
0:07:37–0:07:43
unseren Alltag, in unsere Philosophie, in unsere ethisch-moralischen und anderen
0:07:43–0:07:45
Entscheidungen mit reinfließen zu lassen.
Florian Clauß
0:07:45–0:07:49
Ja, aber vielleicht hier die Anmerkung, das war nämlich auch was,
0:07:49–0:07:54
was bei dem Artikel, den du mir von Hartmut Rosa gegeben hast,
0:07:55–0:08:03
angeklungen ist, nämlich, dass es in dieser Betrachtungsweise dann schon...
0:08:05–0:08:08
Ins Esoterische abkippen kann. Das sieht er selber als Gefahr.
0:08:09–0:08:13
Das ist nicht quantifizierbar, das ist jetzt erst mal nur so postulierbar.
0:08:14–0:08:21
Und das hat mich dann so ein bisschen gestört hat, das ist halt häufig bei so
0:08:21–0:08:24
Erklärungsmodellen, dann wird halt irgendwie drunter geschoben,
0:08:25–0:08:28
indigene Völker, indigene Kulturen.
0:08:28–0:08:32
Und dann hast du halt so einen Brocken von indigenen Kulturen und dann erklärst
0:08:32–0:08:35
du halt ein Energiekonzept. Und das finde ich halt irgendwie,
0:08:35–0:08:39
da wird ja so etwas Politisches mit verwoben.
0:08:39–0:08:43
Und man sagt halt, das Politische ist auf einmal präsent und dann geht es zurück.
0:08:43–0:08:45
Aber das Thema geht ja nicht zurück.
0:08:46–0:08:50
Also ich meine, das führt ja selber an, dass dieser Klimawandel und das Menschgemachte,
0:08:51–0:08:54
dass das ja katastrophal ist und sich gerade so,
0:08:54–0:08:59
also wie du auch gerade selber gesagt hast, dass dann halt eben von anderen
0:08:59–0:09:03
Kulturen könnte man sich da was abschneiden, die halt einfach auch harmonischer
0:09:03–0:09:06
mit der Umwelt umgegangen sind. Also das ist halt so.
Micz Flor
0:09:08–0:09:13
Ja, da wäre ich wie du sehr vorsichtig, weil das ist dann den Vortrag,
0:09:13–0:09:18
der da in der Zeit erschienen ist und der dann auch online in Erfurt,
0:09:19–0:09:22
auf dem Institut zu finden ist.
0:09:22–0:09:26
Den verlinke ich auch in Shownotes. Und dazu gibt es dann auch von 2024,
0:09:26–0:09:32
glaube ich, einen Vortrag von ihm als Video auf YouTube in der UNESCO in Englisch.
0:09:32–0:09:39
Und vor dem Hintergrund der UNESCO ist es natürlich schön, das auch globaler zu fassen.
Florian Clauß
0:09:40–0:09:41
Ah, okay, das war jetzt quasi dein Thema.
Micz Flor
0:09:41–0:09:43
Aber das war, glaube ich, nicht der Grund für den Artikel.
Florian Clauß
0:09:43–0:09:43
Okay, alles klar.
Micz Flor
0:09:43–0:09:45
Den Artikel, den du gesehen hast, der hatte...
Florian Clauß
0:09:45–0:09:48
Ja, aber dann verstehe ich das, warum man das als Beispiele so mit angeführt hat.
Micz Flor
0:09:48–0:09:51
Ja, aber das war eben der... Ich sehe es eher andersrum. Ich glaube,
0:09:51–0:09:53
der UNESCO-Vortrag war dieser Artikel.
0:09:54–0:09:57
Also es war zuerst da. Aber da sagt er auch nochmal explizit,
0:09:57–0:10:04
dass er eben erstaunt ist mit diesem Burnout-Thema, dass das als Soziologe das
0:10:04–0:10:08
irgendwie sich genau angeschaut hat, dass wohl aus aller Welt Anfragen kamen, wo er dachte,
0:10:08–0:10:13
ich dachte, das sei so ein westeuropäisches Problem oder ein nordamerikanisches Problem,
0:10:14–0:10:15
aber dass es wohl überall so ist.
0:10:16–0:10:21
Und darüber hat er reflektiert. Du hast dann immer das Exotische als Beweis
0:10:21–0:10:23
von was Lokalem und das finde ich schwierig.
Florian Clauß
0:10:23–0:10:27
Ja, und es wird dann halt häufig, es ist halt wirklich auch sehr platt dann
0:10:27–0:10:33
zusammen gefaltet. Also er wirft dir da alles rein an die Indigene.
0:10:33–0:10:39
Und das wird häufig gemacht, dass die Indigene so als Erklärungsschablone für die Ursprünglichen.
Micz Flor
0:10:40–0:10:45
Ups, ein Auto. Ja, wir sind jetzt wieder hier. Weißt du, in welche Richtung
0:10:45–0:10:48
wir müssen? Ich dachte wir müssen, da geht's lang? Ja.
Florian Clauß
0:10:49–0:10:57
Wir sind jetzt hier auf einer Straße mitten in Brandenburg und jetzt sind wir
0:10:57–0:11:00
wieder sicher vor den Jägern, aber nicht vor den Autos.
0:11:03–0:11:07
Okay, verstehe ich, ja, kann ich akzeptieren, finde ich gut unter diesen Prämissen,
0:11:07–0:11:12
aber ich will halt gucken, also so ein bisschen wie Homöopathie,
0:11:13–0:11:14
ja, wenn man dran glaubt, dann wirkt es doch.
0:11:16–0:11:20
Also, ja, kann man machen, ja, ist halt nur ein Gedankenkonstrukt und das hast
0:11:20–0:11:23
du ja auch schon so angeklungen in der Folge mit Anja, ne?
0:11:24–0:11:28
Also das heißt, irgendwie funktioniert es, aber man weiß noch nicht genau wie.
Micz Flor
0:11:28–0:11:31
Ja, also nicht, dass es irgendwie funktioniert. Irgendwie passt es,
0:11:31–0:11:33
würde ich ja sagen. Irgendwie beschreibt es Prozesse.
0:11:34–0:11:38
Und in beiden Fällen, also sowohl in der sozialen Energie bei Hartmut Rosa als
0:11:38–0:11:44
auch in der Günther Ammannschen Sozialenergie, geht es darum, die Notwendigkeit...
0:11:45–0:11:50
Zu erfüllen, ein Energieproblem zu erklären.
0:11:50–0:11:54
Das Energieproblem ist halt, warum tut man eigentlich überhaupt irgendwas?
0:11:55–0:11:58
Ich drehe es jetzt mal um. Das Soziale ist wirksam.
Florian Clauß
0:11:58–0:12:04
Ja, und das ist erfahrbar auch. Das Soziale ist erfahrbar, so jetzt rein von
0:12:04–0:12:06
seinem eigenen Erfahrungshorizont.
Micz Flor
0:12:07–0:12:12
Ja, ich nehme in unser Archiv bald 100. Folgeblick nach hinten die Skat-Folge,
0:12:12–0:12:15
dass du singst in der Skat-Folge.
0:12:15–0:12:18
Das hättest du nicht gemacht, wenn du gewusst hättest, wie viele Leute da zuhören.
0:12:18–0:12:22
Hätten wir alle ZuhörerInnen vor dich hingestellt und du hättest diese Sache
0:12:22–0:12:25
singen sollen, dann hättest du vielleicht sowas wie Lampenfieber erlebt.
0:12:25–0:12:28
Und vielleicht hätte es eine Möglichkeit gegeben, mit dieser Gruppe irgendwie
0:12:28–0:12:33
zusammen sich irgendwie in eine Verfassung zu bringen, wo dann alle singen und
0:12:33–0:12:37
dann wärst du da auch wieder frei gewesen zu singen. Aber das Soziale tut was.
0:12:37–0:12:41
Bis hin zu, du kannst auch den Hautwiderstand messen.
0:12:42–0:12:46
Und misst den Hautwiderstand in dem Moment, wenn du dir eine mathematische Gleichung
0:12:46–0:12:49
gibst und nach einer Lösung fragst, ändert sich der Hautwiderstand.
0:12:50–0:12:53
Aber der Hautwiderstand ändert sich genauso, wenn du dir einen Namen rufst,
0:12:53–0:12:55
aber nicht, wenn du einen anderen Namen rufst.
0:12:55–0:13:00
Das heißt, das Soziale angesprochen werden, angerufen zu werden, das hat einen Einfluss.
0:13:00–0:13:05
Und das ist etwas, was übers Psychische kommt und sich dann aber auch im Körperlichen manifestiert.
0:13:05–0:13:14
Das heißt, wir haben die Notwendigkeit in einer Theorie, die versucht soziale
0:13:14–0:13:17
oder interpersonelle Dynamiken zu erklären,
0:13:17–0:13:21
aber auch intrapsychische Dynamiken zu erklären, psychosomatische Dinge zu erklären,
0:13:21–0:13:26
kommen wir nicht drum rum, auch das Soziale mitzufassen,
0:13:26–0:13:27
mitzubeschreiben.
0:13:27–0:13:29
Das ist einfach Teil davon.
0:13:30–0:13:36
Es wäre nicht zeitgemäß, den Mensch komplett materialistisch zu durchleuchten
0:13:36–0:13:40
und nur auf Synapsen und Transmitterstoffe runterzubrechen.
0:13:41–0:13:46
Das wäre, glaube ich, nicht mehr so, wie man es holistisch fassen würde.
Florian Clauß
0:13:46–0:13:48
Also ich meine, das, was du beschreibst,
0:13:49–0:13:59
Das ist ja so quasi mehr oder weniger erstmal so, dass eine Stoffwechselfunktion im Körper messbar wird,
0:13:59–0:14:05
wenn bestimmte soziale Interaktionen ausgenöst werden.
0:14:05–0:14:13
Das heißt, das ist ja nichts anderes als, dass irgendein Zucker verbrannt wird.
Micz Flor
0:14:14–0:14:17
Ja, aber auf das Glatteis möchte ich jetzt gar nicht drauf.
Florian Clauß
0:14:17–0:14:18
Warum Glatteis?
Micz Flor
0:14:18–0:14:22
Weil du jetzt natürlich sagst, sagst du gerade, es sei messbar in gewisser Weise?
0:14:23–0:14:25
Kann man es in Kohlenhydrate umsetzen?
Florian Clauß
0:14:25–0:14:28
Nein, nein, ich will nur darüber hinaus. Und das ist so ein bisschen das,
0:14:28–0:14:34
was ich mir in Gedanken im Vorfeld dieser Folge gemacht habe, nämlich die Frage,
0:14:36–0:14:41
also gerade mit dieser Energie, die halt irgendwie erstmal sozial erlebt wird.
0:14:41–0:14:45
Aber eigentlich muss es ja auch nichts anderes sein als so ein biologischer
0:14:45–0:14:48
Prozess, der da abläuft, der dir auch irgendwie, weiß ich nicht,
0:14:49–0:14:52
bei bestimmten Sachen dann halt auch Energie braucht.
0:14:52–0:14:56
Und den Körper, und je mehr du das trainierst, desto besser bist du da drin.
0:14:56–0:15:00
Also vielleicht ist es ja auch dann wirklich so, wenn man sich darauf einlässt,
0:15:00–0:15:05
und je öfter, dann hast du halt mehr Psychoenergie und kannst dann irgendwann den Stein bewegen.
0:15:06–0:15:09
Nein, aber ich will es nicht, ich will dich nicht so lustig machen.
0:15:09–0:15:14
Ich will nur so ein bisschen so, weil diese Form, weil eben das Wort Energie da drin steckt.
Micz Flor
0:15:15–0:15:15
Ja, genau.
Florian Clauß
0:15:15–0:15:16
Ja, das dann halt irgendwo auch.
Micz Flor
0:15:16–0:15:19
Was würdest du denn eher als Wort verwenden da drin?
Florian Clauß
0:15:20–0:15:24
Nee, Energie finde ich super. Also ich meine, Energie ist einfach eine Form von,
0:15:26–0:15:33
Organisation und Umwandlung. Das hast du ja auch irgendwo in jeder Zelle ist
0:15:33–0:15:37
ja ein System, was gegen die Entropie wirkt.
Micz Flor
0:15:37–0:15:42
Und dann ist es aber Hartmut Rosa, der ja dann auch sagt, aber ist es denn so,
0:15:42–0:15:47
dass wenn er sagt, ich fühle mich heute so energielos, dass da weniger Zucker
0:15:47–0:15:49
im Blut ist oder weniger Fett im Bindigen?
Florian Clauß
0:15:49–0:15:52
Ich frage mich halt, ob das vielleicht auf einer anderen Ebene,
0:15:52–0:15:56
ob dann in bestimmten Arealen im Gehirn dann halt ein bisschen Zucker fehlt.
0:15:57–0:16:02
Ganz blöd gesprochen, aber das ist halt vielleicht auch irgendwo quasi so eine,
0:16:02–0:16:06
jetzt noch nicht so eine durchgemessene wie halt im Sportbereich,
0:16:06–0:16:10
wo du genau sagen kannst, das ist VO2 Max und so weiter.
0:16:10–0:16:14
Vielleicht gibt es ja dann in dem anderen, weißt du, in dem anderen noch nicht
0:16:14–0:16:17
so, da gibt es vielleicht noch keine Messapparate, aber vielleicht kann man
0:16:17–0:16:19
das auch irgendwann sagen, okay, kein Wunder,
0:16:19–0:16:24
weil hier, da, da hat er noch nicht, da hat er zu lange das Handy dran gehalten,
0:16:24–0:16:26
an der an der Seite vom Kopf.
Micz Flor
0:16:28–0:16:32
Ja, natürlich kann man das wahrscheinlich immer mehr erforschen und jetzt mit
0:16:32–0:16:36
sichtgebenden Verfahren kann man ja auch schon sehen, wo Spiegelneuronen aktiv
0:16:36–0:16:39
sind, wenn ich mit einer Menschen in Kontakt trete und solche Sachen.
0:16:39–0:16:40
Das ist auf jeden Fall richtig.
0:16:41–0:16:44
Aber die Frage ist ja auch immer, was ist auf welcher Ebene hilfreich?
0:16:45–0:16:50
Hilft es mir wirklich, wenn ich auf einer neurophysiologischen Ebene irgendwelche,
0:16:51–0:16:53
kleinen Hirnareale beschaue, um da irgendwas zu verstehen?
0:16:53–0:16:58
Hilft mir das, Wenn jemand vor mir sitzt und sagt, ich fühle mich die letzten
0:16:58–0:17:01
zwei Wochen, meine Batterien sind alle und ich sage,
0:17:01–0:17:05
das sind Bilder, die benutzt werden und deshalb habe ich vorhin gefragt mit Energie,
0:17:05–0:17:10
weil dieser Energiebegriff ist natürlich jetzt auch da falsch und zum Beispiel
0:17:10–0:17:16
sagt Hartmut Rosa explizit, das funktioniert nicht wie das, was wir normalerweise
0:17:16–0:17:18
als Energie betrachten, weil...
0:17:19–0:17:23
Er beschreibt es dann jetzt erstmal testweise als so eine zirkuläre Energie,
0:17:23–0:17:29
die zwischen den Menschen in der Gruppe so zirkuliert und dann bleibt sie.
0:17:29–0:17:35
Und als Beispiel führt er nochmal auf, dass eben bei Corona sozialen Aktivitäten runtergingen.
0:17:35–0:17:38
Einsamkeit ist in der Gesellschaft auch generell bei uns ja schon ein großes Thema.
0:17:39–0:17:42
Es wird immer schwieriger, Kontakte zu finden, auch wenn man selber scheinbar
0:17:42–0:17:48
verliert, diese Möglichkeit, so mal ganz entspannt jemandem gegenüber zu treten.
0:17:48–0:17:52
Es gibt Menschen, die haben soziale Angststörungen. Das ist eher so ein Thema,
0:17:52–0:17:57
wo ich mich immer frage, warum wird soziale Energie denn nur positiv beschrieben?
0:17:57–0:18:01
Weil für viele Menschen ist es extrem schwierig, das auszuhalten.
0:18:02–0:18:09
Und dann geht es natürlich, wenn man in einen, sag ich mal, realen Kontakt mit
0:18:09–0:18:11
dem Menschen tritt, also resoniert.
0:18:11–0:18:14
Wenn man in einer wirklichen Beziehung ist, geht es natürlich oft um die Sorge,
0:18:14–0:18:16
bewertet zu werden, entwertet zu werden.
0:18:18–0:18:22
Es geht um Konkurrenzthemen, aber soziale Ängste sind ja auch wirksam,
0:18:22–0:18:25
wenn es einfach nur darum geht, einen Fahrstuhl zu besteigen oder in eine Tram
0:18:25–0:18:29
einzusteigen, wenn da andere Menschen drin sind oder nicht.
0:18:29–0:18:36
Und da setze ich so die Frage an, warum wird Energie da immer nur positiv konnotiert?
0:18:37–0:18:44
Bei Hartmut Rosa scheint das gerade so. Also entweder ist es nichts oder es ist positiv.
0:18:44–0:18:51
Aber es gibt in der Sozialenergie bei Günther Ammon gibt es da noch andere Konzepte,
0:18:51–0:18:54
wie das sein kann. Da komme ich dann irgendwie gleich noch drauf.
0:18:55–0:18:59
Die Frage ist jetzt, kann ich weitermachen?
0:18:59–0:19:02
Oder bist du an einem Punkt, wo du denkst, nee, das möchte ich erst für mich
0:19:02–0:19:06
nochmal klären, dass ich dann wirklich wieder offen bin, weiter zuzuhören?
Florian Clauß
0:19:06–0:19:08
Ja, vielleicht will ich noch einen,
0:19:10–0:19:13
Auch eine Überlegung, die ich im Vorfeld hatte, weil du auch gerade darüber
0:19:13–0:19:17
gesprochen hast, über soziale Ängste.
0:19:17–0:19:22
Und ich kann mich noch daran erinnern, dass es mir, also auch zur Stundenzeit
0:19:22–0:19:27
und so weiter, unglaublich dann schwer gefallen ist, vor mehreren Leuten zu sprechen.
0:19:27–0:19:32
Dass ich dann so eine Art Lampenfieber hatte oder so und dann halt auch wirklich
0:19:32–0:19:35
so körperliche Reaktionen.
0:19:35–0:19:39
Dass ich dann halt einen trockenen Mund bekommen habe, dass ich wusste,
0:19:39–0:19:45
gleich werde ich halt drangenommen, dass ich dann halt irgendwie so unglaublich geschluckt habe.
0:19:46–0:19:51
Also ich hatte wie auch auf so ein, weiß ich nicht, was man dann halt irgendwie
0:19:51–0:19:57
dehydriert oder sowas, tatsächlich so Reaktionen dann körperlich ausgeprägt habe.
0:19:57–0:20:04
Und das finde ich interessant, dass man das dann halt so erleben kann, Aufreaktion.
0:20:04–0:20:10
Ich meine, wahrscheinlich wirst du in deinem Patientinnenumfeld viele solche
0:20:10–0:20:14
Situationen haben, die dann halt berichtet werden.
0:20:14–0:20:22
Aber das gibt ja schon eine Form von, ich sage mal, Umfeld, wo man halt diese Sachen erleben kann.
Micz Flor
0:20:22–0:20:27
Ja, und wenn man das als Beispiel nimmt, dann finde ich eben interessant,
0:20:28–0:20:30
dass man traditionell dann eher,
0:20:31–0:20:38
an die vortragende Person tritt und sagt, das müssen Sie ändern und Sie können das ändern.
0:20:40–0:20:44
Und man könnte natürlich auch andersrum rangehen, angenommen,
0:20:44–0:20:48
du bist ein Veranstalter von einem großen Event wie Republika und alle berichten.
0:20:49–0:20:53
Boah, ich bin immer so nervös bei den Vorträgen bei euch, es ist total schwierig.
0:20:53–0:20:56
Dass man dann vielleicht nochmal guckt, was ist denn da in dem Raum los,
0:20:56–0:21:01
wie wir das positioniert haben, wo ist das Pult? Also die anderen Menschen, wie sitzen die?
0:21:01–0:21:05
Ist das zu hoch, zu weit weg? Sollte das näher ran? Also dass man Parameter
0:21:05–0:21:09
auch im Raum verschieben kann, um dieses Gefühl vielleicht besser zu kontrollieren.
0:21:10–0:21:14
Damit vielleicht auch besser umgehen zu können. Also dass man eben nicht nur
0:21:14–0:21:17
in die Person hineinschaut, in so ein intrapsychisches Thema.
0:21:17–0:21:22
Das ist natürlich das, was hauptsächlich auch in die Psychotherapie kommt, sondern...
0:21:23–0:21:27
Wie kann man einen Raum herstellen, sowohl materiell,
0:21:27–0:21:32
kein Licht ins Gesicht oder wie auch immer, aber auch vielleicht im Sozialen,
0:21:32–0:21:36
dass man erstmal irgendwie vielleicht Kontakt herstellt, dass man sich selber
0:21:36–0:21:39
auch befreien kann, indem man solche Sachen macht, was ja auch viele machen.
0:21:40–0:21:43
Ich möchte erstmal wissen, wie viele von Ihnen haben schon mal Diddede und dann
0:21:43–0:21:46
heben die die Hände und irgendwie ist dann Form der Partizipation der Gruppe
0:21:46–0:21:49
und das entspannt dich auch. Du merkst, die hören mich, die reagieren auf mich,
0:21:49–0:21:50
gibt dir Selbstwert und so.
0:21:51–0:21:56
Also da passieren Dynamiken, die man jetzt nicht nur runterbrechen kann auf
0:21:56–0:22:01
intrapsychische Themen, sondern auch in der Art der Vorbereitung,
0:22:01–0:22:02
in der Art der Durchführung.
0:22:02–0:22:05
Aber jetzt sind wir natürlich wieder bei einer Person, bei dir.
0:22:05–0:22:09
Und du hast das ja dann scheinbar auch lösen können. Du bist jetzt ja auch als
0:22:09–0:22:12
Projektleiter immer gefragt, mit mehreren gleichzeitig.
0:22:13–0:22:15
Nicht nur, oh, guck mal, ein Reh.
Florian Clauß
0:22:15–0:22:17
Oh, was ist denn hier?
Micz Flor
0:22:20–0:22:26
Aber jetzt die Frage wäre an dich, wie hast du das dann in den Griff bekommen?
Florian Clauß
0:22:28–0:22:34
Ja, ich glaube, das war halt irgendwie ein Prozess einfach und mit Übung.
Micz Flor
0:22:36–0:22:37
Sich dem zu stellen auch einfach, ne?
Florian Clauß
0:22:37–0:22:46
Sich dem zu stellen, genau. Und dann auch eben, ja, sich dem jetzt nicht so
0:22:46–0:22:50
auszuliefern, sondern einfach zu machen, so ein bisschen, ne?
0:22:50–0:22:52
Also an den Aufgaben dann.
Micz Flor
0:22:52–0:22:57
Ja, auch Freud hatte das schon am Dirigenten, der ihn mal angefragt hat,
0:22:57–0:23:01
gesagt hat, das fällt ihm immer schwer zu dirigieren, er hat immer mehr Ängste da vorne.
0:23:01–0:23:05
Was soll ich tun? Und dann hat Frau Zeske, auf jeden Fall dirigieren Sie.
0:23:06–0:23:12
Also diese Exposition mit der Situation, die halt eben eine körperliche Reaktion
0:23:12–0:23:15
hat, Lampenfieber ist erwähnt, was ja auch ein wunderbares Beispiel ist,
0:23:15–0:23:16
dass das Soziale wirksam ist.
0:23:17–0:23:19
Da passiert so viel Körperliches.
0:23:20–0:23:25
Ich möchte so ein bisschen jetzt die Brücke machen hinein, aus dem Sozialen
0:23:25–0:23:30
wieder heraus eigentlich erstmal hinein in das Intrapsychische, was wir auch hatten.
0:23:30–0:23:37
Also Freud hat auch schon sehr früh versucht, psychische Energie zu erklären.
0:23:37–0:23:44
Und daher kommt halt das, was wir als Sexualtrieb, generell als Triebenergie
0:23:44–0:23:48
oder auch als Libido kennen. Das wollte ich nochmal kurz herleiten.
0:23:49–0:23:51
Und Freud hat gesagt.
0:23:52–0:23:57
Und die Sachen sind jetzt bei uns dann in dem Blogpost auf der Webseite,
0:23:57–0:23:59
da mache ich die Zitate hin und die Quellen.
0:23:59–0:24:06
Aber der hat, ich glaube es war 1895 angefangen, schon ein System zu entwerfen,
0:24:06–0:24:09
was sehr stark an dem orientiert ist, was du gerade gesagt hast.
0:24:09–0:24:12
Kann man das denn irgendwo messen? Wo fließt das denn? Und so weiter.
0:24:12–0:24:20
Und hat eine Art Teilchenstrom entwickelt für ein Teilchen, das er Kuh genannt
0:24:20–0:24:24
hat und halt überlegt, wo könnte das denn fließen, ist es vielleicht in den
0:24:24–0:24:27
Neuronen und wo könnte man das denn messen und wie,
0:24:27–0:24:31
um zu erklären, dass es da was gibt, was über den Blutzucker hinaus,
0:24:32–0:24:34
ganz banal gesagt,
0:24:35–0:24:39
diese psychische Energie ist, sich für irgendwas zu interessieren oder von irgendwas,
0:24:39–0:24:47
also das jenseits der Instinkte, das was Freud an Triebe genannt hat, Wie gehen wir damit um?
0:24:48–0:24:51
Da gehen wir eben nicht auf einer rein mechanischen Ebene um,
0:24:51–0:24:55
aber er hat trotzdem dieses mechanistische Modell genommen, Triebabfuhr.
0:24:56–0:24:59
Also wenn zu viel Trieb da ist, dann muss man quasi durch ein Ventiltrieb Abfuhr machen.
0:24:59–0:25:06
Das sind dann so Impulskontrollstörungen oder Übersprunghandlungen oder über Abwehrmechanismen.
0:25:06–0:25:11
Geht dann diese ganze sexuelle Energie, die ich nicht auslebe oder der ich mich
0:25:11–0:25:16
nicht stelle, geht dann dahin, dass ich, keine Ahnung, Romane schreibe oder Filme mache oder.
0:25:18–0:25:24
Marathon laufe, um dem zu entkommen. Also bei ihm war es sehr stark schon ein Bild, was,
0:25:26–0:25:31
noch auf solchen Kesseldruckideen aufbaute. Und das hat sich aber über die Zeit verändert.
0:25:32–0:25:38
In der ganz frühen Idee von Freud gab es halt den Sexualtrieb.
0:25:39–0:25:44
Es ging eigentlich immer um Sexualität. Libido war immer sexuell konnotiert.
0:25:44–0:25:45
Das hat sich später auch verändert.
0:25:46–0:25:51
Und da hat er zum Beispiel für Zwangsstörungen oder Angststörungen,
0:25:51–0:25:55
aber Zwangsstörungen finde ich noch besser zu sehen,
0:25:56–0:25:59
Freud hatte ein Konfliktmodell, das heißt es gibt einen inneren Konflikt,
0:25:59–0:26:07
der aufgedeckt, erkannt und gelöst werden kann oder müsste, um die Symptome zu beseitigen.
0:26:08–0:26:14
Und eine Zwangsstörung ist die Art, dass dieser Konflikt in Anführungszeichen,
0:26:14–0:26:17
Episodentitel, eigentliche Konflikt ist.
0:26:18–0:26:21
Der bleibt verdeckt und man muss sich mit dem nicht auseinandersetzen,
0:26:22–0:26:26
weil man obendrauf einen anderen Konflikt, nämlich den Zwang, generiert,
0:26:26–0:26:33
der einem erlaubt, sich nicht mit in der Uridee seinen sexuellen Themen auseinandersetzen
0:26:33–0:26:38
zu müssen, sondern diesen Zwang davor setzt.
0:26:39–0:26:43
Und ein Beispiel, was er da auch aufführt, ist eine junge Frau,
0:26:43–0:26:47
die zwanghaft ein Ritual hat, wenn sie ins Bett geht.
0:26:47–0:26:51
Und das Ritual ist, das Kissen darf das Brett oben nicht berühren.
0:26:53–0:26:57
Die Vasen müssen alle in der Mitte auf dem Tisch stehen, dass sie nicht runterfallen.
0:26:57–0:27:04
Die Uhren müssen alle aus dem Zimmer geschoben werden. Und in der Analyse mit
0:27:04–0:27:10
dieser Patientin, die war, glaube ich, 18, 19 oder 17, ich weiß nicht mehr, in dem Alter irgendwie,
0:27:13–0:27:18
da kommt Freud dann eben in der Analyse dahinter, dass es sich vielleicht um
0:27:18–0:27:19
sexuelle Themen handelt.
0:27:19–0:27:23
Das ist dann eben auch wieder in der Analyse entstehen dann natürlich auch Momente,
0:27:24–0:27:25
wo man neue Ideen bekommt.
0:27:26–0:27:30
Und bei diesem Mädchen war das so, sie hat gesagt, dass das Kissen,
0:27:30–0:27:35
darf da oben die Holzwand nicht berühren, für sie war als Kind schon immer das
0:27:35–0:27:37
Kissen die Mama und die Wand der Papa oder sowas in der Art.
0:27:37–0:27:39
Und wenn die sich berühren, hochgefährlich.
0:27:40–0:27:44
Und es stellte sich dann auch raus, die Uhren hatten eine bestimmte Symbolik
0:27:44–0:27:50
und die Vasen werden ja jetzt, glaube ich, sagt sogar Freud in dem Originaltext
0:27:50–0:27:53
fast schon sowas Zige-Jugend-mäßiges.
0:27:53–0:27:56
Wir wissen ja alle, dass Vasen der weibliche Körper sind, so in der Art.
0:27:56–0:27:58
Also so würde man es vielleicht heute nicht mehr sagen.
0:27:59–0:28:02
Aber da geht es auch darum, diesen Körper zu schützen. Der darf nicht runterfallen,
0:28:02–0:28:07
obwohl das ist bei Zwangsstörungen eigentlich immer der Fall oder muss der Fall
0:28:07–0:28:08
sein. Das ist Teil der Diagnose.
0:28:09–0:28:13
Patient oder Patientin wissen, dass das ganze Blödsinn ist, aber sie können nicht anders.
0:28:14–0:28:17
Und das wäre so ein gutes Beispiel, um.
0:28:18–0:28:25
Diese freudsche Sexualtrieb, wie kommt es zu Symptomen, so ein bisschen zu erklären.
0:28:26–0:28:33
Und was aber wichtig ist, dass die Psychoanalyse auch von Freud weiterentwickelt wurde.
0:28:33–0:28:37
Und wenn man jetzt sich irgendwas rausnimmt, dann ist man irgendwo immer auf
0:28:37–0:28:40
diesen mehreren Jahrzehnten von Entwicklungszeit.
0:28:40–0:28:44
Und diese Uridee von Triebabfuhr, Sexualtrieben,
0:28:45–0:28:50
die wurde dann vor allen Dingen auch mit einer Entwicklung hinein in die Ich-Psychologie
0:28:50–0:28:56
von Hartmann und auch von Freuds Tochter Anna Freud, die aber weniger jetzt
0:28:56–0:28:59
an solchen topischen Modellen gearbeitet hat,
0:28:59–0:29:02
aber Hartmann sehr explizit, der
0:29:02–0:29:07
parallel zu der Säuglingsforschung der damaligen Zeit in Frage stellte,
0:29:07–0:29:15
dass alles wirklich aus Konflikten zwischen dem Es und den Triebhaften und der Umwelt entstehen muss.
0:29:15–0:29:18
Gibt es nicht auch konfliktfreie Zonen?
0:29:18–0:29:24
Und die Säuglingsforschung gab ihm recht. Entstehen Dinge in der Entwicklung?
Florian Clauß
0:29:24–0:29:25
Ja, verstehe.
Micz Flor
0:29:26–0:29:29
Muss man immer alles über Konflikte sehen oder geht es auch anders?
0:29:29–0:29:37
Und in diesem Dialog, weil Freud auch von vielen Seiten Kritik bekam,
0:29:37–0:29:43
dass nicht alles psychische Geschehen sich über Sexualität erklären ließe,
0:29:43–0:29:49
hat er sich dieser Idee geöffnet und hat dann das Libido-Konzept,
0:29:51–0:29:56
Er hat dann gesagt, okay, in seiner alten Idee gibt es so etwas wie Ich-Triebe und Sexualtriebe.
0:29:56–0:29:59
Ich-Triebe sind zum Beispiel Hunger und Schlaf und solche Dinge,
0:29:59–0:30:00
die der Körper zur Erhaltung braucht.
0:30:01–0:30:05
Sexualtriebe ist das, was der Körper für die Erhaltung der Art braucht.
Florian Clauß
0:30:06–0:30:06
Sozusagen.
Micz Flor
0:30:07–0:30:11
Auch da merkst du, es ist ein einfaches Modell und gleichzeitig aber erstmal sehr griffig.
0:30:12–0:30:17
Und diese Ich-Triebe und Sexualtriebe, die sind irgendwie auch im Konflikt miteinander.
0:30:17–0:30:21
Man muss schon verdammt viel Hunger haben, wenn man nicht Sex haben will und so weiter und so fort.
0:30:22–0:30:28
Aber er hat dann irgendwann gedacht, gibt es diese Unterscheidung überhaupt?
0:30:29–0:30:33
Und das Zitat kommt auch bei uns auf die Seite mit der Quelle auch und hat dann
0:30:33–0:30:36
sinnbildlich oder paraphrasiert gesagt, Er sagt,
0:30:37–0:30:41
je mehr wir uns, wir, das ist dann er und die psychoanalytische Forschung,
0:30:41–0:30:44
aber je mehr ich, hätte er auch sagen können, mich damit auseinandergesetzt
0:30:44–0:30:48
habe, was das Ich selbst, also in seinem Konstrukt,
0:30:48–0:30:52
tut, desto mehr wurde ihm dann klar gesagt,
0:30:53–0:30:58
Das sind jetzt seine Worte oder desto mehr wurde mir klar, muss ich dann sagen,
0:30:59–0:31:03
dass man nicht einfach sagen kann, es gibt Ich-Triebe und Sexualtriebe,
0:31:04–0:31:11
sondern es ist vielmehr so, dass die Libido entweder nach außen auf Objekte geschmissen wird,
0:31:12–0:31:14
was mich da draußen interessiert.
0:31:14–0:31:17
Können andere Menschen sein, können auch Dinge in der Welt sein.
0:31:18–0:31:23
Oder ich auf mich selbst. Also die Libido wurde in gewisser Weise ein bisschen
0:31:23–0:31:27
wie eine Abstraktion von diesem Triebding, was entweder ich triebe oder Sexualtriebe waren.
0:31:28–0:31:34
Es war eine Energie, eine psychische Energie, die vielseitig eingesetzt werden konnte.
Florian Clauß
0:31:35–0:31:35
Okay.
Micz Flor
0:31:35–0:31:38
So ein bisschen wie Geld eigentlich. Geld ist ja auch sowas,
0:31:38–0:31:43
du kannst jetzt selber Tomaten anbauen, kannst ja selber eine Gitarre bauen.
0:31:43–0:31:48
Oder du erwirtschaftest irgendwie Geld, um diese Dinge zu bekommen.
0:31:48–0:31:53
Libido ist nicht gleich Geld, aber die Idee zu sagen, Libido ist eine Energie,
0:31:53–0:31:58
es gab dann für ihn auch im Ich ein Energiereservoir, was für mich im Bild immer
0:31:58–0:32:01
so ist wie in Dune 2, diese Riesenhöhle mit dem Wasser von allen,
0:32:03–0:32:07
wo diese Libido in dieses Hauptreservoir zurückfließt.
0:32:09–0:32:13
Und von dort dann entweder als Libido für draußen oder für drinnen passiert.
0:32:14–0:32:18
Hartmann hat dann auch gesagt, ja, es muss auch einen Prozess der Neutralisierung
0:32:18–0:32:21
geben, weil wie kann es denn sein, dass die psychische Spannung dann auch wieder abnimmt?
0:32:22–0:32:31
Und dann wurde aus diesem sehr einfachen, gut greifbaren Konzept,
0:32:31–0:32:38
wurde dann auf einmal ein sehr komplizierter Apparat, den Freud auch nicht wirklich gelöst hat.
0:32:38–0:32:42
Also er konnte kein Modell, in meiner Meinung, das sehen andere anders,
0:32:42–0:32:45
aber in meiner Meinung habe ich das Gefühl, dass diese Libido,
0:32:45–0:32:49
Veränderung des Libido-Konzeptes bleibt,
0:32:50–0:32:55
In seiner Lebzeit, glaube ich, für ihn ungelöst. Früher fühlte es sich besser an.
0:32:56–0:33:00
Ich triebe, Sexualtriebe, eine Erhaltung des Organismus, andere Erhaltung der Art.
0:33:01–0:33:06
Alles darf sich nicht immer gleichzeitig ausleben. Deshalb muss Triebabfuhr
0:33:06–0:33:09
über andere Kanäle passieren. Hatte man irgendwie ein griffiges Bild?
0:33:10–0:33:13
Später, hast du gerade schon gemerkt, fühlt es sich so ein bisschen an,
0:33:13–0:33:17
wie man sagt, okay, wenn wir jetzt noch diese Ajax-Ebene einziehen,
0:33:17–0:33:20
dann können wir gleichzeitig, Also wo man so merkt, da baut man sich so einen
0:33:20–0:33:24
Stack auf von unterschiedlichen Funktionalitäten und Ebenen.
0:33:27–0:33:32
Und dahinter stand immer noch dieser Wunsch eben zu sagen, ich möchte die psychische Energie,
0:33:33–0:33:37
ich fasse das jetzt in diesem Satz zusammen, um dann zu Günther Ammann zu springen
0:33:37–0:33:42
und zur Humanstrukturmodell, die psychische Energie erklären,
0:33:42–0:33:46
denn irgendwoher muss ja diese Energie kommen.
0:33:46–0:33:49
Irgendwie müssen wir die Dynamik der Energie doch fassen können.
0:33:50–0:33:57
Und das wäre jetzt so eine kurze Pause mit Fragen, bevor ich dann zur Sozialenergie
0:33:57–0:33:58
komme und wie das da reinkommt.
0:33:59–0:34:05
Was jetzt dieser Schritt in die Sozialenergie ist, wir waren jetzt quasi an dem Punkt,
0:34:05–0:34:11
das Libidomodell wurde aktualisiert, überarbeitet, wurde erweitert,
0:34:11–0:34:16
um mehrere gerechtfertigte Nachfragen zu klären.
0:34:17–0:34:22
Kamen da vielleicht nie mehr so richtig auf diese gleiche Griffigkeit wie ganz am Anfang.
0:34:23–0:34:29
Und eine Entwicklung dann, das ist eben diese Ich-Struktur oder Human-Strukturmodell,
0:34:30–0:34:35
der dynamischen Psychiatrie, wie es auch heißt, die sich über die Ich-Psychologie
0:34:35–0:34:40
gebildet hat und die anfangs, da muss ich jetzt so schnell durchspringen,
0:34:40–0:34:44
anfangs erst mal angefangen hat, so bestimmte,
0:34:45–0:34:49
freudianische Triebmodelle zu hinterfragen und umzuformulieren und dann zu prüfen,
0:34:49–0:34:54
ob die Hypothese immer noch gleichermaßen griffig ist.
0:34:54–0:34:56
Sind wir wieder am Fahrrad, aber noch gar nicht fertig.
Florian Clauß
0:34:57–0:35:01
Ja, ganz kurz eine Frage. Mein Vorschlag wäre, dass wir die Fahrräder jetzt
0:35:01–0:35:06
mitnehmen, falls es sich zu sehr stört, und dann aber in Richtung der Neuchen gehen.
Micz Flor
0:35:07–0:35:09
Machen wir einen Stopp und lassen wir weiterlaufen.
Florian Clauß
0:35:11–0:35:13
Man kann ja gleich weitersprechen.
Micz Flor
0:35:15–0:35:18
Dann machen wir jetzt einfach mal weiter beim Fahrradschieben,
0:35:18–0:35:20
schiebend reden und beim Schieben reden.
0:35:22–0:35:25
Also ich habe mich jetzt auch ein bisschen verheddert gehabt,
0:35:25–0:35:31
aber es ging halt noch mal kurz zu sagen, es gibt die Aggression als Weiterentwicklung
0:35:31–0:35:33
von oder Weckentwicklung von Freuds Triebkonzept,
0:35:34–0:35:40
wurde dann nicht mehr als reine Abwehr von Todestriebimpulsen gesehen,
0:35:40–0:35:43
sondern es gibt die Aggression als eine Ich-Funktion.
0:35:44–0:35:48
Also es ist einfach Teil von uns als Mensch, deshalb auch Ich-Funktion,
0:35:48–0:35:50
Ich-Struktur oder Human-Struktur-Modell.
Florian Clauß
0:35:50–0:35:52
Oder ja, um das einfach auch zu schützen.
Micz Flor
0:35:53–0:35:58
Ja, dass man Ich-Funktion, dass man sagt, es gibt konstruktive Aggressionen,
0:35:58–0:36:00
sie wollen in der Welt sein, sie wollen die Welt mitgestalten,
0:36:00–0:36:01
da müssen sie zugreifen.
0:36:02–0:36:05
Und für diesen Weg hin zur Sozialenergie ist jetzt nochmal wichtig,
0:36:06–0:36:10
dass der Begriff des Narzissmus und der Narzissmus,
0:36:11–0:36:17
das Wort oder das Konzept Narzissus, das gibt es ja schon lange.
0:36:18–0:36:20
Das ist ja ein mythologischer Begriff von einem Jungen, der sich im Spiegel
0:36:20–0:36:22
selbstverliebt anschaut.
0:36:22–0:36:27
Aber in die Psychotherapie kam es über den Umweg der Onanie,
0:36:27–0:36:28
weil es wurde Ende des 19.
0:36:29–0:36:33
Jahrhunderts, wurde Narzissmus erst mal als eine sexuelle Störung,
0:36:33–0:36:36
nämlich eine Onanie, bezeichnet.
0:36:36–0:36:39
Wo man heute weiß, dass Onanie natürlich gut für die Prostata ist.
0:36:39–0:36:42
Aber damals war ja eher so die Frage, kann man davon entblinden?
Florian Clauß
0:36:44–0:36:45
Oder was sonst?
Micz Flor
0:36:46–0:36:51
Und Freud dann gesagt hat, im Moment, Narzissmus ist nicht immer eine Störung,
0:36:51–0:36:56
sondern es ist ein notwendiger Teil der menschlichen Entwicklung in frühkindlichen Erfahrungen.
0:36:57–0:37:00
Eben die Libido, mit der ich auf die Welt komme, da sind wir schon wieder bei
0:37:00–0:37:04
der Energie, die muss ja erstmal an mir kleben, wir haben ja noch keine Welt um uns drumherum.
0:37:05–0:37:08
Und dann in der Diade, oft mit der Mutter oder mit der primären Bezugsperson,
0:37:09–0:37:14
entwickelt sich dann die Fähigkeit, diese Libido eben auch auf andere,
0:37:14–0:37:16
auf die Welt, auf Objekte zu übertragen.
Florian Clauß
0:37:16–0:37:20
Okay, dann ist die Libido so ein wabbelndes Ding, was erst einmal so zwischen
0:37:20–0:37:23
Kind und Mutter und dann wabbelt das immer weiter raus.
0:37:24–0:37:29
Und je nach Entwicklung des Kindes und der Fähigkeit, sich zu bewegen,
0:37:30–0:37:32
wabbelt es immer so weiter und wird dann zu so einem Feld.
Micz Flor
0:37:32–0:37:36
Ja, ich erlebe da eine verpackte...
0:37:37–0:37:41
Die Frage, die da heißt, muss man das alles glauben?
0:37:41–0:37:45
Aber das ist dann wieder natürlich eine Hypothese. Und wenn wir jetzt über Bindungstheorien
0:37:45–0:37:50
sprechen, ich würde sagen, frühkindliche Bindung, wie die geschieht und was da möglich ist.
0:37:51–0:37:55
Mit dem Wort Bindung würde man, glaube ich, das Ganze schneller abnicken,
0:37:55–0:37:56
würde er sagen, das verstehe ich.
0:37:57–0:38:01
Und das ist jetzt eine Fußnote für mich selbst.
0:38:01–0:38:06
Freud hat, was ich vorhin meinte mit dem Libido-Begriff, so haben wir Hauptreservoir
0:38:06–0:38:09
und ich Libido und Objekt-Libido, ist eigentlich das Gleiche.
0:38:10–0:38:14
Hat er selber irgendwann mal gesagt, man könnte den Begriff der Libido vielleicht
0:38:14–0:38:16
auch einfach fallen lassen und nur psychische Energie sagen.
0:38:17–0:38:21
Und ich finde das ganz interessant, weil Freud früher nämlich auch immer eine
0:38:21–0:38:26
sehr greifbare, einfache Sprache verwendet hat. Es gibt ein Ich und ein Es.
Florian Clauß
0:38:26–0:38:27
Ja, das hattest du auch mal in einer Folge.
Micz Flor
0:38:27–0:38:30
Das hatte ich schon mal in einer Folge. Und dieser Begriff der Libido,
0:38:30–0:38:36
auf den du gerade auch so komisch eingestiegen bist, der passt da eigentlich auch gar nicht an.
Florian Clauß
0:38:36–0:38:41
Ja, weil der halt auch irgendwie besetzt ist, Libido. Also psychische Energie
0:38:41–0:38:42
ist ja nochmal so ein bisschen neutraler.
0:38:43–0:38:48
Aber Libido ist so durch alle möglichen Werke und Referenzen.
Micz Flor
0:38:48–0:38:51
Ja, inzwischen auf alle Fälle. Das kommt ja auch gerade aus der Psychoanalyse.
0:38:52–0:38:54
Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Freud selber dachte, ich führe jetzt
0:38:54–0:38:57
hier einen Begriff ein, der ist nicht selbsterklärend damals.
0:38:57–0:39:00
Heute weiß jeder gleich was, sich darunter vorzustellen.
0:39:00–0:39:02
Und vielleicht war er auch irgendwie ein bisschen erleichtert,
0:39:03–0:39:06
den loszulassen und zu sagen, ich nenne es jetzt vielleicht einfach mal nur psychische Energie.
0:39:06–0:39:11
Dann kann ich wieder leichter eigentlich mit allen reden. Und meine Theorie
0:39:11–0:39:21
ist wieder zumindest auf so einer Ebene, quasi frei von abstrakten Wörtern.
0:39:22–0:39:23
Der Narzissmus überfreut.
0:39:25–0:39:30
Als primärer Narzissmus Teil der Entwicklung, als sekundärer Narzissmus dann
0:39:30–0:39:34
später, allerdings quasi wie eine Psychose.
0:39:34–0:39:39
In einer Psychose sind Menschen nicht in der Lage, mit der Welt Kontakt aufzubauen,
0:39:39–0:39:41
weil sie nicht in der Lage sind,
0:39:42–0:39:45
diese, sage ich mal, psychische Energie, probieren wir es mal,
0:39:45–0:39:50
auch auf die Welt da draußen zu richten, sondern alles bei sich selbst ist.
0:39:50–0:39:54
Dass wer dieser psychischen Person, psychotischen Person gegenüber sitzt,
0:39:54–0:39:56
ist jetzt gar nicht so wichtig.
0:39:56–0:40:00
Die Person kann keine Übertragungsdynamik aufbauen und ist deshalb nicht therapierbar.
0:40:00–0:40:06
Das war so ein Argument und das war dieser Narzissmusbegriff bei Freud.
0:40:07–0:40:11
Und was dann passierte bei dem humanen Strukturmodell ist eben,
0:40:12–0:40:17
dass wir haben die Ich-Funktion der Aggression, die Ich-Funktion der Angst und
0:40:17–0:40:21
der Narzissmus wurde dann auch als Ich-Funktion angeschaut.
Florian Clauß
0:40:21–0:40:21
Ja.
Micz Flor
0:40:23–0:40:24
Der Narzissmus...
0:40:25–0:40:29
Kann ja auch konstruktiv sein. Also zum Beispiel, was ich heute anhabe,
0:40:30–0:40:32
das würde ich jetzt in Berlin, glaube ich, nicht anziehen.
0:40:33–0:40:37
Aber es ist kalt und ich habe genommen, was warm ist. Ich habe es einfach so
0:40:37–0:40:39
in mehreren Schichten über mich drüber gezogen.
0:40:39–0:40:43
Und du hast vorhin gefragt bei der Jacke, weil wir sind ja im Podcast,
0:40:43–0:40:47
kann man hören, sie auf diese Flecken gezeigt hat, da gehen die nicht mehr weg.
Florian Clauß
0:40:48–0:40:54
Und du so, ich weiß nicht. Ich habe mir noch nie mit dieser Jacke im Spiegel angeguckt.
Micz Flor
0:40:56–0:40:59
Die konstruktive Narzissmus, das konstruktive, eher zu sagen,
0:40:59–0:41:02
so ein bisschen das eigene Bild von in der Welt sein. Wie möchte ich mich zeigen?
0:41:03–0:41:06
Form von Hygiene, sich um sich kümmern, aber auch reflektieren schon.
0:41:07–0:41:09
Wem begegne ich? Heute nur Flo.
0:41:10–0:41:13
Den habe ich auf meiner Seite, da kann ich anziehen, was ich will.
Florian Clauß
0:41:14–0:41:17
Okay, das hast du jetzt ziemlich aufgefächert.
Micz Flor
0:41:17–0:41:19
Das habe ich aufgefächert. So, und jetzt kommt der springende Punkt, genau.
0:41:20–0:41:26
Mit dieser Umwandlung von vielen eher triebtheoretischen Aspekten aus der freudianischen
0:41:26–0:41:34
Lehre hat Günther Ammon dann irgendwann gesagt, der Narzissmus ist einerseits eine Ich-Funktion,
0:41:35–0:41:40
aber es geht da auch mehr als bei anderen Sachen wirklich primär ums Soziale.
0:41:40–0:41:44
Das Soziale ist dann in gewisser Weise so ein Motor.
0:41:44–0:41:50
Und er hat dann gesagt, der Narzissmus ist für mich beides.
0:41:50–0:41:57
Einerseits eine Form der Ich-Struktur, aber es ist auch eine Zufuhr von gewisser Weise Energie.
0:41:57–0:42:06
Diese Aktion zwischen Kind und Bezugsperson, dieses Aufmuntern oder dieses Erklären
0:42:06–0:42:12
oder auch das Beschwichtigen, das sind alles interpersonelle Dinge, die.
0:42:13–0:42:17
Die er auch als narzisstische Zufuhr beschrieben hat.
0:42:18–0:42:24
Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen, weil er dann natürlich auch den gleichen
0:42:24–0:42:25
Begriff für zwei sehr unterschiedliche Dinge hat.
0:42:26–0:42:28
Das eine ist meine innere Struktur.
0:42:28–0:42:32
Das andere ist Energiefluss zwischen Menschen und den Gruppen.
0:42:33–0:42:39
Und da wurde dann aus diesem, so zumindest erkläre ich es mir und gerne auch
0:42:39–0:42:48
dir und anderen, Aus diesem Narzissmus als energetisches Prinzip wurde dann die Sozialenergie.
0:42:49–0:42:51
Die Sozialenergie beschreibt eigentlich etwas sehr Ähnliches.
0:42:52–0:43:00
Und die ist dann die Energie, die entsteht in gruppenbezogenen Situationen.
0:43:00–0:43:05
Günther Amon hat bei allen Dingen gemerkt, es geht beim Menschsein eigentlich
0:43:05–0:43:11
immer um mehrere Menschen als nur einen. was wir auch bei dir in der Ameisenfolge hatten.
0:43:11–0:43:17
Eine Ameise allein erklärt den Bau nicht wirklich. Und.
0:43:18–0:43:21
Da ist ja viel dran.
0:43:21–0:43:26
Zum Beispiel haben auch andere Psychoanalytiker wie Winnicott,
0:43:26–0:43:28
der hat diesen schönen Satz geprägt.
0:43:28–0:43:31
There is no such thing as an infant.
0:43:32–0:43:36
Also ein Säugling gibt es nicht. Und hat das gesagt, damit man ihm die Frage
0:43:36–0:43:38
stellt, wie meinst du das?
0:43:38–0:43:43
Und er hat gemeint, was ich damit sagen will ist, da wo ein Säugling ist,
0:43:43–0:43:45
ist immer auch ein anderer Mensch.
0:43:45–0:43:49
Da sind wir auch wieder bei Tokio Godfathers. Dieser Säugling muss versorgt
0:43:49–0:43:51
werden, sonst gibt es ihn einfach nicht mehr.
0:43:51–0:43:58
Die Menschen mehr als andere Tiere sind notwendigerweise damit beschäftigt,
0:43:58–0:44:02
ihren Nachwuchs lange zu betreuen.
0:44:03–0:44:08
Und dieses Thema Gruppenbezug, nicht nur natürlich die Mutter,
0:44:09–0:44:15
sondern die Urgruppe wäre bei Amon eben die Herkunftsfamilie.
0:44:16–0:44:20
Und er hat sich dann irgendwie darauf eingelassen, irgendwann zu sagen,
0:44:21–0:44:27
probiere ich doch mal, diese Libido-Theorie wegzulassen und sage nicht mehr,
0:44:27–0:44:31
es gibt ein Libido-Reservoir in uns, das ist diese Energie.
0:44:32–0:44:35
Ich kann dir nicht sagen, wo das Reservoir ist. Ich kann dir nicht sagen,
0:44:35–0:44:37
wie man die Energie misst.
0:44:37–0:44:39
Ich kann dir nicht sagen, wie man die Energie neutralisiert,
0:44:40–0:44:44
aber im Modell wäre das notwendig. Ich kann dir nicht sagen,
0:44:44–0:44:48
wie man die libidogene Energie von Ich auf Objekt umwandelt.
0:44:48–0:44:52
Vielleicht ist es nicht notwendig. Ich habe also viele Fragen,
0:44:52–0:44:54
du musst es trotzdem glauben, hat Amon gesagt.
0:44:55–0:45:00
Aber könnten wir nicht einfach das Libidotriebthema rausnehmen und sagen,
0:45:00–0:45:08
die Kraft, die Menschen als soziale Wesen vorantreibt, vor allen Dingen auch in ihrer Entwicklung,
0:45:08–0:45:10
in ihrer Identität,
0:45:12–0:45:19
ist soziale Interaktion, diese Energie, die da entsteht. Die ist jetzt auch
0:45:19–0:45:20
nicht direkt messbar und so weiter.
0:45:21–0:45:31
Aber wäre es nicht möglich, das anstatt der Trieb-Libido-Theorie als Motor einzusetzen
0:45:31–0:45:32
für psychische Energie?
Florian Clauß
0:45:33–0:45:37
Okay, darf ich gleich nochmal zusammenfassen, ob ich das auch so verstanden
0:45:37–0:45:45
habe, wie du das gemeint hast. Also es bedeutet, ausgehend von dem Mensch in seiner...
0:45:46–0:45:55
In seiner Entwicklung als Säugling ist extrem auf ein soziales Netz angewiesen.
0:45:56–0:46:00
Und in diesem Netz, was wir dann vorher als so diese wabbelnde Debido,
0:46:01–0:46:04
die sich dann halt so nach und nach entfaltet, weil es halt irgendwie mehr...
0:46:04–0:46:10
Aber das heißt auch umgekehrt, um den Säugling herum entsteht halt quasi so
0:46:10–0:46:18
ein Aufmerksamkeitsnetz. Und das ist irgendwo auch implementiert dann in dieser sozialen Beziehung.
0:46:19–0:46:22
Das hat sowohl das Netz wie auch der Säugling erfahren.
0:46:22–0:46:30
Und wenn man das jetzt quasi noch weiter skadiert, das heißt der Säugling wird
0:46:30–0:46:34
dann halt irgendwann zum Menschen heranwachsen und so weiter.
0:46:34–0:46:37
Aber das ist so quasi dieses Restrauschen von sozialer Energie,
0:46:38–0:46:45
die dann am Anfang extrem intensiv erlebt wird und dann aber noch so als Energie
0:46:45–0:46:50
noch immer so im Raum vorhanden ist, weil es irgendwo in dieser Phase des Säuglings gelernt wurde.
Micz Flor
0:46:50–0:46:56
Ja, die soziale Energie muss nicht nur in dieser frühkindlichen Phase so wirksam sein.
0:46:56–0:47:02
Was du beschrieben hast mit vor Menschen reden, Referate halten,
0:47:02–0:47:06
das sind alles Momente, in denen soziale Energie passiert.
0:47:07–0:47:12
Es ist schwierig, alles damit zu beschreiben, auch da kommen wir wieder an Grenzen,
0:47:12–0:47:13
weil zum Beispiel eine Mobbing-Situation,
0:47:14–0:47:21
in der eine Person ausgegrenzt wird und dadurch aber andere Personen auch Gemeinsamkeit
0:47:21–0:47:24
entwickeln und einen größeren Zusammenhalt entwickeln, wenn man das so versucht
0:47:24–0:47:26
abstrakt zu formulieren.
0:47:26–0:47:28
Auch da ist soziale Energie wirksam.
0:47:28–0:47:35
Also es entsteht sozusagen eher ein Feld, in dem, ein sozialenergetisches Feld,
0:47:35–0:47:40
in dem Dinge miteinander in Kontakt sind und das ist vielleicht eine Brücke zu Hartmut Rosa.
0:47:40–0:47:45
Man könnte vielleicht sagen, Sozialenergie als Feld ist etwas,
0:47:45–0:47:48
was diese Resonanz dann ermöglicht, in der.
0:47:51–0:47:55
In der die Menschen miteinander in Kontakt treten. Wo hilft uns das denn?
0:47:56–0:47:59
Und dann finde ich, bei ein paar Dingen ist es erstaunlich, wenn wir sagen,
0:47:59–0:48:02
die Gruppenbezogenheit als Energiereservoir,
0:48:03–0:48:10
in der wir dann konstruktive oder destruktive oder defizitäre Beziehungserfahrungen machen,
0:48:11–0:48:13
die ist zum Beispiel eine sehr
0:48:13–0:48:19
einfache Art, in der man transgenerationale Prozesse beschreiben kann.
0:48:19–0:48:23
Das hatte ich auch in der Encanto-Folge vor vielen, vielen Jahren schon mal kurz erwähnt.
0:48:24–0:48:30
Ich gebe dir da mal ein Beispiel, weil die transgenerationale oder intergenerationale
0:48:30–0:48:34
Traumata-Thematik versucht ja auch immer zu überlegen, ist das jetzt wirklich körperlich?
0:48:35–0:48:40
Ist es notwendig zu wissen, was da passiert ist der Urgroßmutter,
0:48:40–0:48:42
was ist da überhaupt direkt los.
0:48:43–0:48:51
Und im Humanstrukturmodell könnte man einfach sagen, die Weitergabe von Traumata
0:48:51–0:48:53
ist jetzt nicht das Narrativ des Traumata,
0:48:53–0:48:58
was vielleicht, weil diese Menschen ja teilweise auch alle gleichzeitig in der
0:48:58–0:49:05
Welt sind, vielleicht erzählt wird, Tja, vielleicht erzählt die Uroma, was passiert ist,
0:49:06–0:49:07
vielleicht aber auch nicht erzählt
0:49:07–0:49:11
wird und trotzdem ist es vielleicht weitergegeben. Wie passiert das?
0:49:11–0:49:19
Und mit der sozialen Energie würde man sagen, es gibt destruktive und defizitäre Dinge.
0:49:23–0:49:28
Beziehungsstrukturen in der frühen Kindheit. Die Urgroßmutter,
0:49:28–0:49:30
die was Traumatisches erlebt hat,
0:49:31–0:49:35
die ist einfach aufgrund ihres traumatischen Erlebens nicht in der Lage,
0:49:35–0:49:39
ihr eigenes Kind jetzt nicht perfekt,
0:49:39–0:49:43
das ist auch nochmal wichtig, es geht nicht um perfekt, aber sie ist nicht in
0:49:43–0:49:46
der Lage, das Kind so gut zu spiegeln, zu begleiten,
0:49:47–0:49:51
mit Frustration gut umzugehen, selber auch Dinge mal auszuhalten,
0:49:52–0:50:00
dass das Kind angemessen aufwachsen darf, sondern sie wirkt vielleicht oft depressiv, abwesend,
0:50:01–0:50:03
zurückhaltend, aufbrausend,
0:50:03–0:50:10
sodass das Kind keine guten Beziehungserfahrungen macht, da destruktive Elemente
0:50:10–0:50:14
erlebt oder defizitäre Elemente erlebt, bestimmte Dinge gar nicht Thema sind.
0:50:15–0:50:19
Zum Beispiel hatten wir vorhin gesagt, der Narzissmus vielleicht gar nicht Thema
0:50:19–0:50:22
ist, Körperhygiene oder wie man sich anzieht oder wie auch immer.
0:50:23–0:50:29
Das heißt, das Kind einer traumatisierten Person hat Defizite.
0:50:31–0:50:35
In dem eigenen frühen Beziehungserleben und ist dann vielleicht auch selber
0:50:35–0:50:41
nicht gut in der Lage, das dann in der nächsten Generation weiterzumachen.
0:50:41–0:50:47
Das heißt, diese Traumata sind nicht, dass da der Krieg, der Brand,
0:50:47–0:50:55
der Verlust des Geldes, der Tod weitergegeben wird, sondern die Schieflage in
0:50:55–0:51:00
frühen Beziehungserfahrungen über das sozial-energetische Prinzip wird quasi
0:51:00–0:51:02
von Generation zu Generation weitergegeben,
0:51:02–0:51:04
kann aber natürlich dann auch irgendwie verändert werden.
Florian Clauß
0:51:04–0:51:08
Ja, verstehe. Ja, ja, nee, ist klar. Es ist halt quasi eine Fehlstellung,
0:51:08–0:51:13
eine Fehlhaltung, Fehlstellung im Sinne, in Anführungsstrichen.
0:51:13–0:51:19
Das wird jetzt so als normal wahrgenommen von dem anderen und der übernimmt
0:51:19–0:51:27
das irgendwie mit dem defizitären Fade.
Micz Flor
0:51:27–0:51:33
Und wenn wir jetzt dann uns im Extrem wieder zurückziehen auf intrapsychische
0:51:33–0:51:38
Phänomene, dann ist transgenerational Traumata immer wie so ein kleines Wunder.
0:51:38–0:51:41
Wir wissen nicht, wie das in diesen kybernetischen Prozess reinkam,
0:51:42–0:51:44
aber irgendwie scheint es einen Einfluss zu haben.
Florian Clauß
0:51:45–0:51:47
Was meinst du mit kybernetisch?
Micz Flor
0:51:47–0:51:50
Naja, so einen intrapsychischen, physischen Prozess.
Florian Clauß
0:51:50–0:51:52
So ein Feedback-System hast du da.
Micz Flor
0:51:52–0:51:57
Ja, mein Bild sollte da sein, ein in sich geschlossener. Eine Person sitzt vor
0:51:57–0:52:02
mir und diese Person nehme ich als die ganze Welt wahr, in der wir arbeiten.
0:52:03–0:52:05
Und wie kommen da Dinge von außen rein?
0:52:06–0:52:13
Und das musste man dann irgendwie erklären, während man über diese Beziehungsbindung, Sozialenergie,
0:52:13–0:52:20
Weitergabe gar nicht notwendigerweise erklären muss, ob das jetzt eine Mitteilung
0:52:20–0:52:24
war und die Tochter genauso geschockt war wie die Mutter oder ob es nur überbindet.
0:52:24–0:52:28
Das ist nicht so wichtig, sondern die Weitergabe ist leicht zu erklären.
0:52:28–0:52:30
Ich muss gerade überlegen, ich hatte gerade noch ein anderes Beispiel.
Florian Clauß
0:52:30–0:52:31
Ich wollte gerade abmoderieren.
Micz Flor
0:52:32–0:52:33
Und das war's.
Florian Clauß
0:52:33–0:52:40
Das war ein Wege über. Nee, aber ich glaube, du bist jetzt ganz zufrieden,
0:52:40–0:52:44
dass du da so den Begriff so aufgefächert hast, oder?
Micz Flor
0:52:44–0:52:49
Also ich wollte mal ganz kurz die Brücke zwischen Hartmut Rosa und Günther Ammon
0:52:49–0:52:52
schließen, weil die kommen ja von unterschiedlichen Richtungen.
0:52:52–0:52:57
Der eine aus der Soziologie von außen, ja, über sein Reflektieren auf Gesellschaftsniveau,
0:52:58–0:53:04
überhitzte Gesellschaft, alles voller Energie. Energie dann über das Resonanzthema
0:53:04–0:53:05
und dann die Frage, wo kommt die Energie her?
0:53:07–0:53:12
Und Günther Ammon aus diesem intrapsychischen freudianischen Triebkonzept erweitert
0:53:12–0:53:14
um Sozialenergie später,
0:53:14–0:53:22
also als gruppenbezogene Dynamik, die dann auch bei Ammon natürlich in der Einzel-
0:53:22–0:53:27
und Gruppentherapie erst mal verhaftet bleibt, aber von der dann auch sagt,
0:53:27–0:53:28
das kommt auch als Zitat im Blog,
0:53:29–0:53:31
dass diese Sozialenergie.
0:53:34–0:53:38
Die Begegnung erst mal umfasst. Also ich glaube nicht nur ab drei Leute,
0:53:38–0:53:41
sondern auch einfach die Begegnung, die Gruppe.
0:53:42–0:53:48
Dann aber auch die umgebende Gruppe, die Gemeinschaft, aber auch die Gesellschaft.
0:53:48–0:53:52
Ich glaube, die Unterscheidung da ist eher so zwischen dem eher emotionalen,
0:53:52–0:53:54
aber auch dem regelhaften, strukturierten.
0:53:55–0:54:00
Und er stellt dann schon auch eine Brücke her hinein in so kulturelle Kreise, Gesellschaftskreise.
0:54:01–0:54:07
Und das ist, glaube ich, der Punkt, an dem er dann sich auch mit dieser Resonanz,
0:54:07–0:54:13
also nicht Resonanztheorie, aber mit dieser Frage, wie Resonanz entsteht und
0:54:13–0:54:18
was die soziale Energie ist, die Hartmut Rosa stellt, diese Fragen, da verbinden kann.
0:54:20–0:54:27
Das wäre jetzt mal so ein Versuch, diese Brücke von beiden Seiten in der Mitte zu schließen.
Florian Clauß
0:54:27–0:54:34
Es ist ja schon so, also ich glaube, ich weiß nicht, ob das jetzt zu methodologisch
0:54:34–0:54:39
ist, aber es ist ja schon so ein bisschen, was du aus deiner Gestalttherapieausbildung
0:54:39–0:54:41
dann mit anwenden kannst, oder?
Micz Flor
0:54:41–0:54:45
Ja, ich habe ja das Institut, wo ich die Ausbildung gemacht habe,
0:54:45–0:54:47
jetzt für die Psychodynamik, für den TP,
0:54:48–0:54:52
auch ausgesucht, gerade weil es diesen Gruppenbezug hat, den ich halt bei der
0:54:52–0:54:58
Gestalttherapieausbildung leben durfte und ich jetzt auch merke in der Praxis,
0:54:58–0:55:01
dass mir das irgendwie hilft. Ja, ich habe bestimmte Dinge,
0:55:03–0:55:08
die man jetzt nicht in der TP-Ausbildung machen würde, die ich aus der Geschalttherapie
0:55:08–0:55:15
nehme und das auch gut argumentieren kann, vor dem psychodynamischen theoretischen Gebäude dahinter,
0:55:16–0:55:20
die sehr viel aktionsbezogener sind.
0:55:21–0:55:25
Wo man gerade in der Gruppe, glaube ich, ist es auch sinnvoll,
0:55:25–0:55:29
dass man nicht nur über das da draußen spricht,
0:55:30–0:55:35
sondern wirklich auch im Hier und Jetzt aktiv ist und dann passiert was du ja
0:55:35–0:55:41
vorhin auch gesagt hast dann hat man seine Versuchsanordnung direkt vor sich
0:55:41–0:55:44
dazu gehört halt dass die Person im Hier und Jetzt ist,
0:55:46–0:55:47
und dann ist es nicht.
0:55:49–0:55:55
An irgendjemandem zu sagen das ist doch im Prinzip gerade genau das was wir
0:55:55–0:55:59
mit ihrem Bruder erlebt haben sondern da muss die Person schon selber drauf kommen,
0:56:00–0:56:04
vielleicht ist es auch eine falsche Hypothese und was geht ganz woanders hin,
0:56:04–0:56:08
aber der Konflikt, der zwischen zwei Menschen in der Gruppenpsychotherapie entsteht,
0:56:09–0:56:14
der ist in der Gruppe auch immer viel einfacher zu lösen, weil die Gruppe Menschen
0:56:14–0:56:19
sind, die sich füreinander öffnen, damit es allen irgendwie besser geht,
0:56:19–0:56:24
die bereit sind, selber daran zu lernen, dass jemand anders mit ihnen ein Problem hat.
0:56:24–0:56:30
Und solche Gruppen hast du halt in der normalen, in Anführungszeichen, Welt nicht wirklich.
0:56:30–0:56:35
Es gibt immer die Möglichkeit, Sachen auszusprechen, Sachen zu stoppen,
0:56:36–0:56:41
Sachen zu wiederholen, Sachen auszuprobieren in einem sozialen Gefüge.
0:56:42–0:56:47
Ja, und du weißt, das weiß jeder aus Erfahrung, den Luxus hätte man mancher
0:56:47–0:56:51
gerne auch, war da, keine Ahnung, Weihnachtsfest.
0:56:52–0:56:55
Können wir den Tag nochmal anfangen, bitte? Das lief alles schief,
0:56:55–0:56:57
aber können wir es nochmal anders probieren?
0:56:58–0:57:02
Und das ist halt ein unfassbares Geschenk in der Gruppenpsychotherapie,
0:57:02–0:57:04
dass so viele Menschen für einen da sind.
Florian Clauß
0:57:05–0:57:09
Ja, ich habe auch von Leuten schon gehört, die in Gruppentherapie sind,
0:57:09–0:57:14
dass sie dann halt so, oh schön, das Thema nehme ich mit und bespreche jetzt in meiner Gruppe.
0:57:17–0:57:21
Also die Gruppe dann halt schon so auch als so ein Konfliktslösungsraum.
0:57:21–0:57:30
Ja, dann und aber ja, nee, ich glaube allein, wie du sagst, dass die einzelnen
0:57:30–0:57:32
Gruppenmitglieder dann die,
0:57:33–0:57:39
Zeit sich nehmen, die Energie dahin zu kommen und dann auch auf sich nehmen
0:57:39–0:57:43
und zusammen zu kommen, das ist ja dann erstmal hast du ja dann auch das ist
0:57:43–0:57:45
dann auch, glaube ich, ganz wichtig von diesem,
0:57:46–0:57:48
Heilvertrag, ne, dass du halt irgendwie so,
0:57:48–0:57:52
dass dir schon mal so diesen Raum für sich persönlich einräumen,
0:57:52–0:57:57
um dann halt da wirken zu können.
0:57:58–0:58:04
Das ist, glaube ich, so wichtig als Voraussetzung. Da ist ja schon mal eine Grundeinstellung da.
Micz Flor
0:58:04–0:58:07
Ja, das ist schön. Wollen wir es dabei belassen?
Florian Clauß
0:58:07–0:58:16
Ja, gerne. Und ja, vielen Dank, Mitch. Also es war jetzt in der Kälte des Dezembers
0:58:16–0:58:22
auf dem Brandenburger Land, zwischen den Mindmühlen war das jetzt nochmal hier,
0:58:23–0:58:25
Recht erhellen.
Micz Flor
0:58:27–0:58:31
Die Sozialenergie ist der Glühwein für die Gruppenseele.
Florian Clauß
0:58:33–0:58:38
Ich freue mich jetzt auch schon auf die Suppe in der Neuen. Okay, das war...
Micz Flor
0:58:38–0:58:39
Steigen wir gleich auf die Räder.
Florian Clauß
0:58:40–0:58:46
Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann hinterlasst uns gerne irgendwo eine positive Bewertung.
0:58:47–0:58:51
Und wir sagen Tschüss. Bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
0:58:51–0:58:53
Ja, macht's gut. Tschüss.

Verwandte Episoden

Mehr

GREETING CODE VOICE "I need the greeting code, Bob." BOB "Uhh, fuck. Well, I don't remember the fucking greeting code because I got a little bit high."

Noch eine Folge aus unserem Podcast-Retreat Anfang Dezember im Berliner Umland. Wir laufen über den Weihnachtsmarkt von Werneuchen und sprechen über „One Battle After Another“ (OBAA) von Paul Thomas Anderson (PTA). Anderson war schon mehrfach ein Thema in unserem Podcast. So hat Flo in seiner Reihe „Filme aus den Neunzigern“ Andersons Episodenfilm „Magnolia“ von 1999 ausführlich besprochen. OBAA ist Andersons teuerster, aber zugleich auch sein wirtschaftlich erfolgreichster Film. Allein für die Hauptrolle erhielt Leonardo DiCaprio seine „übliche“ Gage von 20 Millionen Dollar. Mit OBAA adaptiert PTA wieder einmal ein Pynchon-Werk für die Leinwand. „Vineland“ von 1990 ist ein Roman des Autors, der als vergleichsweise lesbar und weniger hermetisch gilt. Thomas Pynchon gilt als großer Vertreter der postmodernen Erzählung. In seinen Romanen entfaltet er ein dichtes Labyrinth paralleler Erzählstränge, die er sehr bildreich, fast enzyklopädisch ausschmückt. Diese Fäden verweigern sich teilweise bewusst einer Auflösung, indem sie in antiklimaktische Sackgassen münden, um die vergebliche Suche nach einem allumfassenden Muster zu thematisieren. Micz mag den Roman „Vineland“ sehr, war jedoch nach seinem Kinobesuch von OBAA etwas „empört“. Wir gehen in unserem Gespräch den kompletten Film durch und der Empörung von Micz auf den Grund. Flo ist vor allem von der kinematografischen Kraft des Films beeindruckt. Über 80% des Materials wurde analog im 35-mm-Format VistaVision gedreht. Der Film trägt auch viele Merkmale eines klassischen Roadmovies – einem Genre, dem wir ebenfalls eine Filmreihe in unserem Podcast gewidmet haben. Der klimaktische Höhepunkt wird topografisch auf den Hügelstraßen in der Wüste ausgetragen und bekommt die erzählerische Wucht eines Films von Hitchcock. Doch so recht möchte sich Micz nicht von der Brillanz des Films überzeugen lassen. Ihm sind die Figuren zu flach und schon nach dem ersten Auftauchen auserzählt. Wir kommen mit dieser Episode etwas unentschlossen am dunklen Ufer des Seefelder Haussees zum Ende und versuchen wenigstens noch, ein atmosphärisches Foto zu hinzubekommen.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
avatar
Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:08–0:00:10
Klatschen und los?
0:00:14–0:00:19
Hallo und herzlich willkommen wieder bei Eigen-Podcast.
0:00:20–0:00:26
Hier noch eine weitere Episode aus unserem Podcast-Retreat Dezember 2025. 25.
0:00:27–0:00:35
Wir sind Flo und Mitch und wir machen alle 14 Tage eine neue Episode und deshalb
0:00:35–0:00:36
kommt die jetzt auch gerade zu euch.
0:00:37–0:00:41
Wir nehmen auf im Halbdunkel der Vorweihnachtszeit. Wir gehen immer spazieren.
0:00:42–0:00:45
Unser Slogan ist beim Laufen reden und laufend reden.
0:00:46–0:00:51
Und die Touren, die wir so ablaufen, die könnt ihr auf der Webseite eigentlich-podcast.de sehen.
0:00:52–0:00:56
Die Themen, die wir auch noch so gemacht haben. Früher meinte Flo mal,
0:00:56–0:01:00
wir sind ein Filmpodcast, aber wir machen eigentlich einiges,
0:01:00–0:01:04
wobei dieses Label Filmpodcast auf die Folge jetzt ganz gut passt.
Florian Clauß
0:01:05–0:01:05
Richtig.
Micz Flor
0:01:05–0:01:09
Wir hatten Flo vorbereitet und ich übergebe an dich.
Florian Clauß
0:01:09–0:01:12
Ach, die habe ich vorbereitet? Wir wollten gemeinsam machen mit.
Micz Flor
0:01:12–0:01:17
Ja, ich habe die auch vorbereitet, indem ich mir den Film auch angeguckt habe und Gedanken gemacht.
Florian Clauß
0:01:17–0:01:22
Wir wollen heute über einen Film sprechen, der jetzt schon seit Längerem aus
0:01:22–0:01:28
den Kinos ist, und zwar One Battle After Another von Thomas Andersen.
0:01:28–0:01:33
Der lief, glaube ich, im September 2025 in den Kinos.
0:01:34–0:01:37
Ich habe den relativ spät gesehen, erst vor ein paar Wochen.
0:01:38–0:01:40
Und du hast ihn auch geguckt, Mitch, oder?
Micz Flor
0:01:40–0:01:41
Ich habe ihn auch geguckt, auch schon ein bisschen länger her.
0:01:42–0:01:44
Und ich habe ihn eben auch nur dieses eine Mal gesehen.
0:01:45–0:01:49
Aber wir hatten ja so einen ganz kurzen Abgleich, dass wir scheinbar,
0:01:51–0:01:54
unterschiedliche Meinungen zum Film haben. Und da haben wir sofort Stopp gesagt.
0:01:54–0:01:59
Und auch wenn es jetzt ein bisschen spät kommt, wollten wir es dann trotzdem im Podcast verkauen.
Florian Clauß
0:01:59–0:02:05
Wir wollten es verpodcasten, genau. Wir machen ja nichts, ohne den Podcast zu
0:02:05–0:02:07
nutzen. Du warst mit Reinhard im Kino, ne?
Micz Flor
0:02:07–0:02:12
Ich war mit Reinhard im Kino, wo wir auch die zwei Body-Horror-Filme gemacht haben.
Florian Clauß
0:02:12–0:02:14
Und in welchem Kino wart ihr?
Micz Flor
0:02:15–0:02:21
Wir waren in Neukölln, da in diesen Arkaden ganz oben. Heißen glaube ich auch Neuköllner Kahn.
Florian Clauß
0:02:21–0:02:26
Ah ja, okay. Ich war in der B-Ware in Friedrichshain mit meinen Nachbarn.
0:02:27–0:02:32
Und habe mir den da angeguckt. B-Ware ist noch so einer der letzten DVD-Läden,
0:02:32–0:02:36
wo man tatsächlich noch DVDs leihen kann. Kennst du den? Waren wir da mal zusammen?
Micz Flor
0:02:37–0:02:41
Ja, ich glaube, da war ich auch mal mit Kito. Die haben eben auch so ein ganz kleines Kino nur, oder?
Florian Clauß
0:02:41–0:02:46
Die haben drei Kinoseele, aber alle super mini, ganz heimelig so.
Micz Flor
0:02:47–0:02:50
Ja, ist interessant, dass die das dann auch im Verleih kriegen.
0:02:50–0:02:51
Keine Ahnung, wie sich das rechnet.
Florian Clauß
0:02:52–0:02:55
Ja, ich verstehe es auch nicht, aber ich glaube, das Kino ist das,
0:02:55–0:02:57
was es halt wirklich so macht.
0:02:57–0:03:02
Und dann natürlich auch die Getränke und den Getränkeverkauf, der dahinter hängt.
0:03:02–0:03:04
Und Original, habt ihr den wahrscheinlich auch geguckt, ne?
Micz Flor
0:03:04–0:03:06
Ne, ich habe mein Deutsch gesehen.
Florian Clauß
0:03:06–0:03:08
Ein Deutsch, deswegen vielleicht fandst du ihn nicht so gut.
Micz Flor
0:03:10–0:03:11
Ja, weiß ich nicht.
Florian Clauß
0:03:11–0:03:15
Also das war in meiner Variante Original mit Untertiteln.
0:03:17–0:03:21
Ja, also Thomas Anderson, den hatten ja schon mal in Magnolia,
0:03:21–0:03:25
den Film, den ich vorgestellt habe, vor über zwei Jahren ist das, glaube ich.
0:03:25–0:03:33
Da ging es ja um Filme aus den 90ern, die mich maßgeblich rein individuell geprägt
0:03:33–0:03:35
haben und die ich dann halt auch vorgestellt habe.
0:03:36–0:03:43
Und mit Magnolia, das war ja glaube ich der zweite Film, 99 von Thomas Anderson
0:03:43–0:03:45
nach Boogie Nights von 97.
0:03:46–0:03:49
Und ich bin ein ganz großer Fan von Thomas Anderson.
0:03:50–0:03:53
Ich finde seine Filme immer sehr gut, obwohl ich festgestellt habe,
0:03:53–0:03:56
dass ich ein paar nicht gesehen habe. Die muss ich nochmal nachholen.
0:03:57–0:04:04
Das jetzt, The One Battle After Another, ist jetzt auch die zweite Pünchen-Verfilmung.
0:04:04–0:04:10
Nämlich als Romanvorlage diente von Thomas Pünchen, Wineland.
Micz Flor
0:04:11–0:04:15
Der Roman von Pünchenstoff verfilmt durch Anderson.
Florian Clauß
0:04:15–0:04:15
Ja.
Micz Flor
0:04:16–0:04:16
Ah, echt?
Florian Clauß
0:04:17–0:04:21
Genau, der hat Inherent Vice. Da habe ich auch mit Chris drüber gesprochen.
0:04:22–0:04:25
Das ist auch eine Pünchenvorlage, die ja verfilmt wurde.
0:04:26–0:04:30
Und One Battle After Another geht eben auf Wineland zurück.
0:04:30–0:04:36
Wobei, da hast du mich noch mal drauf hingewiesen, das inspiriert nach Wineland.
Micz Flor
0:04:36–0:04:38
Ich weiß nicht genau, was der Wortlaut ist, aber es steht nicht,
0:04:38–0:04:43
es steht, glaube ich, nicht mehr drin, so based on, sondern das ja eher als
0:04:43–0:04:45
Inspiration dann im Abspann dargestellt hat.
Florian Clauß
0:04:46–0:04:49
Es ist auch tatsächlich eine lose Anlehnung.
0:04:49–0:04:55
Es kommen nicht ganz so viele Stränge drin vor wie in dem Roman.
0:04:55–0:04:57
Du hast den Roman damals gelesen.
Micz Flor
0:04:57–0:05:01
Ja, aber das ist jetzt halt wirklich 30 Jahre her. Also ich habe mich darauf
0:05:01–0:05:04
gefreut, weil ich den Roman genossen habe, aber nicht mehr so richtig mich erinnern
0:05:04–0:05:08
konnte, nur so ein paar Bilder drin hatte. Und dann das Anfangsbild aus dem
0:05:08–0:05:10
Roman kam dann gerade so erstmal überhaupt nicht.
0:05:11–0:05:16
Das Anfangsbild im Roman ist ja dieses durch diese Scheibe springen.
0:05:16–0:05:20
Ich weiß nicht mehr genau, wie das eingefasst ist, aber der Leonardo DiCaprio-Character
0:05:20–0:05:25
im Buch sozusagen, der verdient entweder Geld, ich weiß nicht mehr genau,
0:05:25–0:05:28
entweder Geld durch die Show oder als...
Florian Clauß
0:05:28–0:05:33
Vom Sozialamt braucht er immer das Geld, deswegen muss er den verrückten mimen,
0:05:33–0:05:35
damit er halt seine Sozialhilfe bekommt.
Micz Flor
0:05:35–0:05:40
Ah, okay. Auf jeden Fall ist das so ein Bild, was geblieben ist und dann,
0:05:40–0:05:42
ich kann es ja nochmal allgemein sagen.
0:05:42–0:05:45
Ich habe das Buch gelesen und hatte mich,
0:05:46–0:05:51
Ein bisschen darauf gefreut, mich an das Buch zu erinnern, weil ich mich erinnert
0:05:51–0:05:52
habe, dass ich viel Spaß daran hatte.
0:05:53–0:05:59
Aber der Film war dann irgendwie was anderes. Es kam nichts hoch und das Eingangsbild
0:05:59–0:06:04
mit diesem durch die Scheibe springen, das war so ein Bild aus dem Buch, was so geblieben ist.
0:06:04–0:06:08
Und als das dann irgendwie auch nach 17 Minuten nicht kam, habe ich gedacht,
0:06:08–0:06:10
okay, ich muss mich jetzt mit dem Film empfinden.
Florian Clauß
0:06:10–0:06:17
Okay, ich verstehe. Das Buch und der Film, die haben so diese Vater-Tochter-Beziehung
0:06:17–0:06:20
auf jeden Fall so mit im Zentrum der Geschichte.
0:06:21–0:06:24
Und es gibt dann auch diese Rücksprünge.
0:06:24–0:06:30
Einer in dem Buch ist das die 24 FPS, also eine radikale Filmgruppe,
0:06:31–0:06:35
was auch schon eine schöne Metareferenz ist von München, die dann eben auch
0:06:35–0:06:38
revolutionäre Sachen macht.
0:06:38–0:06:43
Ich weiß gar nicht, was sie macht. Und wir haben die Verbindung French 75,
0:06:43–0:06:49
die revolutionäre Gruppe, die von der Perfidia angeleitet wird.
0:06:50–0:06:54
Und das sind wahrscheinlich so um die 2000 hat das da gespielt,
0:06:54–0:06:56
die dann angeleitet wird.
Micz Flor
0:06:57–0:06:58
Sind jetzt beim Film.
Florian Clauß
0:06:58–0:07:04
In dem Film, dass die zum Beispiel Migrantenbefreiung machen,
0:07:04–0:07:09
irgendwelche Migrantinnen, die dann festgenommen sind an der mexikanischen Grenze,
0:07:09–0:07:12
dass die befreit werden und irgendwelche Bombenanschläge.
0:07:12–0:07:14
Also man weiß es nicht, es ist sehr willkürlich.
0:07:14–0:07:19
Das ist so die Vorgeschichte quasi, bevor dann die Hauptgeschichte,
0:07:19–0:07:23
die dann 18 Jahre später spielt, dann losgeht.
0:07:23–0:07:27
Ja, also auch hier wieder episodenhaft, wobei man sagen muss,
0:07:27–0:07:32
wir können ja noch mal später ein bisschen genauer so, um die Art von Pünchen Romane zu schreiben.
0:07:33–0:07:41
Pünchen gilt ja quasi als ein postmoderner Autor, der dann auch so bestimmte Merkmale geprägt hat.
0:07:42–0:07:44
Bei Wineland ist es halt das...
0:07:44–0:07:49
Ganz viel so parallel läuft und viele Dränge, die man dann halt irgendwie so
0:07:49–0:07:54
eher so nebenbei dann lesen würde, ja, dann halt so erzählt werden.
0:07:54–0:07:57
Also es ist ein ganzes Panoptikum an irgendwelchen Vorfällen.
0:07:58–0:08:02
Und trotzdem hat sich da so eine Geschichte quasi. Also man sagt auch,
0:08:02–0:08:07
dass Weinland so der zugänglichste Roman von München ist, was halt davor V,
0:08:08–0:08:11
die Enden einer Parabel, ne?
0:08:12–0:08:17
Das war ja so sein Roman, wo der dann halt auch mehr oder weniger groß geworden ist.
0:08:17–0:08:22
Also wo ich ihn zum ersten Mal wahrgenommen habe. Aber das war in den 70ern, wo er geschrieben hat.
0:08:22–0:08:31
One Battle After Another ist ja quasi vom Titel her nichts anders als die permanente
0:08:31–0:08:35
Revolution, wenn du es so übertragen willst auf dem Klassenkampf.
0:08:36–0:08:40
Was die jetzt machen, ist halt One Battle After Another. Was denkst du,
0:08:40–0:08:43
was der Battle in diesem Titel so ist?
0:08:43–0:08:47
Der Kampf, den man dann die ganze Zeit führt für den Film.
Micz Flor
0:08:48–0:08:49
Was das bedeutet?
Florian Clauß
0:08:49–0:08:53
Ich meine genau, was soll das mit diesem one battle after another?
0:08:54–0:09:01
Was ist denn der ständige Kampf? Also warum sagt der Titel immer ein Kampf nach dem anderen?
Micz Flor
0:09:01–0:09:03
Ich habe das anders wahrgenommen.
Florian Clauß
0:09:03–0:09:04
Okay, dann sag.
Micz Flor
0:09:04–0:09:08
Ich habe das eher so wahrgenommen, so erstmal einen Kampf fertig machen,
0:09:08–0:09:09
bevor wir den nächsten anfangen.
Florian Clauß
0:09:09–0:09:09
Ah, okay.
Micz Flor
0:09:10–0:09:11
So habe ich das gelesen.
Florian Clauß
0:09:11–0:09:11
Ah.
Micz Flor
0:09:11–0:09:16
Also im Sinne von eher so als Auftrag, Leute, macht es richtig,
0:09:16–0:09:19
macht es gut, macht es fertig und dann den nächsten.
Florian Clauß
0:09:19–0:09:24
Ah ja, okay, nee, ich habe es natürlich so zeitlich, wir machen jetzt den Kampf
0:09:24–0:09:27
und danach gibt es einen anderen Kampf und einen neuen Kampf.
Micz Flor
0:09:27–0:09:27
Das hört nie auf.
Florian Clauß
0:09:27–0:09:29
Aber so wie du es sagst, ist es sicher…,
0:09:30–0:09:36
Besser, weil, also ich glaube, es kommt mehr dem Verständnis von dem Film nah,
0:09:37–0:09:41
weil es geht natürlich darum, sauber abzuschließen.
0:09:41–0:09:45
Und das verrät uns eigentlich auch so ein bisschen vom Filmgenre.
0:09:45–0:09:47
One battle after another.
0:09:48–0:09:54
Auf der einen Seite ist es dann so ein Film, der sehr komödiantische Elemente hat.
0:09:55–0:09:58
Ja, ein klassischer Thrillerfilm.
0:09:59–0:10:05
Es geht um Flucht und Verfolgung und eigentlich kann es auch als einen politischen Film gesehen werden.
0:10:06–0:10:12
Zumindest von der Gruppe, die da in der Vergangenheit quasi die Bomben gelegt
0:10:12–0:10:16
hat und da auch für ihre Ideologie eingestanden hat.
0:10:16–0:10:22
Also das heißt, dieser Kampf ist nicht ganz abgeschlossen in der Vergangenheit.
0:10:22–0:10:27
Es kommen quasi die Geister der Vergangenheit, die dann halt diesen Kampf nicht
0:10:27–0:10:30
ganz abgeschlossen, die Geister, die ich rief.
0:10:31–0:10:36
Aber lassen Sie mal von vorne anfangen, Mitch. Wie sind dir das Profi-Team im Filmenacherzählen?
Micz Flor
0:10:36–0:10:42
Wir machen alles, aber das ist ja gut, weil bei mir ist es ein bisschen hazed and confused.
0:10:42–0:10:45
Also da muss ich gucken, ob ich das überhaupt noch in Reihe und Glied bekomme.
Florian Clauß
0:10:45–0:10:51
Aber ja, wir gucken mal. Also was wir vielleicht nochmal so als Produktionskosten
0:10:51–0:10:57
der Filme, war der teuerste von Thomas Anderson mit, ich glaube, 168 Millionen.
0:10:58–0:11:01
Aber auch der erfolgreichste von ihm.
Micz Flor
0:11:02–0:11:04
Echt? Ich war aber gar nicht klar, ich habe es nicht nachgeguckt.
Florian Clauß
0:11:04–0:11:05
Ja, das dachte ich auch nicht.
Micz Flor
0:11:05–0:11:08
Weil der war in Deutschland, fand ich, viel zu kurz im Kino.
Florian Clauß
0:11:08–0:11:13
Der war kurz im Kino. In Amerika, weiß ich nicht, waren auch die Kritiken gespalten.
0:11:13–0:11:19
Aber tatsächlich hat der Film über 200 Millionen eingespielt.
0:11:19–0:11:22
Also das heißt wirtschaftlich der erfolgreichste Film von ihm.
0:11:23–0:11:29
Von den Kritiken her ist der vor allen Dingen auch von den echten Kritikern,
0:11:29–0:11:35
Kinokritikern und so weiter, also Metascore und Rotten Tomatoes, hochgelobt der Film.
0:11:35–0:11:41
Also überall durchweg fast volle Punktzahl, Sternchen und so weiter,
0:11:42–0:11:44
während der beim Publikum nicht so gut ankam.
Micz Flor
0:11:44–0:11:44
Ja.
Florian Clauß
0:11:45–0:11:48
Aber trotzdem war der ja sehr lukrativ.
0:11:49–0:11:54
In den Hauptrollen spielen auf der einen Seite Leonardo DiCaprio,
0:11:55–0:11:59
auf der anderen Seite, wie heißt der, Benicio del Toro. Die sind auf der gleichen Seite.
0:12:00–0:12:05
Ja, ich sag nur, die sind auf der gleichen Seite. Woher kennst du den Schauspieler?
Micz Flor
0:12:05–0:12:08
Ach, von ganz vielen Sachen. Mir fällt jetzt das alles nicht so ein,
0:12:08–0:12:09
aber ich kenne den aus ganz vielen Filmen.
0:12:09–0:12:13
Ich mag den sehr. Ich finde den wirklich einen Schauspieler,
0:12:14–0:12:20
der irgendwie so eine zweite Ebene einzieht, dass man ihn auch richtig als Mensch kennenlernen möchte.
0:12:20–0:12:24
So ein bisschen anders als Tom Cruise, wo ich immer das Gefühl habe,
0:12:24–0:12:26
ich finde den ja auch einen wahnsinnig guten Schauspieler.
0:12:26–0:12:30
Aber den eher deshalb, weil er immer so ein bisschen...
0:12:31–0:12:34
Nicht ganz auf der Höhe der Information zu sein scheint.
0:12:37–0:12:41
Bei Benicio del Toro habe ich immer so das Gefühl, und das hat er in diesem
0:12:41–0:12:44
Film halt auch ausspielen können, ist eigentlich immer zwei Schritte voraus.
0:12:44–0:12:45
Das ist so ein Grundgefühl.
Florian Clauß
0:12:45–0:12:50
Ich mag den auch sehr gern. Und ich mag natürlich auch Leonardo DiCaprio und
0:12:50–0:12:52
den Charakter, den er da spielt.
0:12:52–0:13:00
Ein bisschen verspulter in der Vergangenheit als der Lover der Anführerin.
0:13:00–0:13:05
Perfilia, so ein verspulter Typ, der Bomben bauen kann, so gut basteln kann,
0:13:05–0:13:10
aber dann 18 Jahre später halt auch sich jetzt nicht sehr viel weiterentwickelt
0:13:10–0:13:14
hat und am Kiffen ist und so ein bisschen so ein Newt-Typ.
0:13:14–0:13:20
Also das war, glaube ich, auch so explizit die Vorlage, nämlich Bickel-Lebowski.
Micz Flor
0:13:20–0:13:25
Ah, okay, ja. Er hat halt auch in der Zeit, sagt er auch einmal am Telefon,
0:13:26–0:13:32
dass er sich jetzt jahrzehntelang das Gehirn weggeraucht hat und nicht mehr
0:13:32–0:13:33
so auf der Höhe der Zeit ist.
0:13:34–0:13:38
Also Drogenkonsum hat er selber erwähnt, dass das auch noch eine Rolle dabei
0:13:38–0:13:41
spielt, dass er alles nicht mehr so richtig checkt.
Florian Clauß
0:13:41–0:13:45
Ja, die ist grandios, die Szene. Da können wir auch noch mal später draufzusprechen kommen.
0:13:45–0:13:49
Ich fand auch lustig, dass in einem Artikel, Es war dann beschrieben,
0:13:50–0:13:54
Leonardo DiCaprio bekommt wie bei jedem Film seine 20 Millionen Gage.
0:13:56–0:14:00
Krass, er hat immer irgendwie 20 Millionen für jeden Film, wo er spielt.
0:14:00–0:14:05
Und in einer ganz großartigen Rolle, muss man sagen, wo ich dann auch erst am
0:14:05–0:14:09
Abspann überhaupt realisiert habe, dass es dieser Schauspieler ist,
0:14:09–0:14:13
nämlich der quasi, das ist die andere Seite.
0:14:13–0:14:21
Lockjaw ist gespielt, also ein alternder Marineoffiziersoldat von Jean Penn.
0:14:22–0:14:24
Großartig. Siehst du auch so, ne?
Micz Flor
0:14:24–0:14:27
Ich sehe es auch so und gleichzeitig hatte ich so das Gefühl,
0:14:28–0:14:35
dass der von den ersten zwei Sekunden Screentime, dass er irgendwie 127 Prozent gibt.
0:14:35–0:14:40
Der zeigt gleich irgendwie alles, was so ein bisschen so, habe ich gedacht,
0:14:40–0:14:47
ein bisschen so TikTok-Style ist, dass man da gleich sich komplett zeigen muss und das nicht aufbaut.
0:14:47–0:14:51
Also ich finde ihn auch total toll, wie er es spielt, auch wie konsistent er spielt.
0:14:52–0:14:56
Ist nur so ein bisschen das Gefühl, das Schade ist, dass du gleich alles gesehen hast.
Florian Clauß
0:14:56–0:14:56
Okay.
Micz Flor
0:14:57–0:14:58
Kannst du mir das anfangen?
Florian Clauß
0:14:58–0:15:01
Nee, kann ich nicht. Ja, ja, vielleicht.
0:15:02–0:15:07
Aber ich finde nicht, dass er das halt schon von Anfang an verheizt hat,
0:15:07–0:15:09
sondern es kommt dieser Figur so zugute.
0:15:10–0:15:14
Das macht die Figur so nahbar und erfühlbar. Ja, also auch das macht so eine
0:15:14–0:15:17
Körperlichkeit in dieser Figur.
0:15:18–0:15:23
Also deswegen fand ich das jetzt nicht unbedingt so, dass es gleich irgendwie
0:15:23–0:15:25
so verstanden durchdrungen ist.
0:15:25–0:15:30
Und diese Revoluzzer-Gruppe wird dann,
0:15:30–0:15:34
also genau, da gibt es nochmal eine Schlüsselszene, wo wir dann auch Lockjaw
0:15:34–0:15:38
zum ersten Mal kennenlernen, nämlich in einer Befreiungsaktion von Migrantinnen
0:15:38–0:15:44
ist die Anführerin, eigentlich die Loverin von Leonardo DiCaprio.
Micz Flor
0:15:44–0:15:47
Ja, mehr als Loverin, die sind ja wirklich auch ein Partner.
Florian Clauß
0:15:47–0:15:53
Ja, aber sie ist halt auch von der Natur, sie ist halt wirklich so ungezähmt.
0:15:54–0:15:57
Also sie lässt sich halt, also sie lässt sich wahrscheinlich auch nicht in so eine Beziehung ein.
0:15:58–0:16:02
Also deswegen sage ich Loverin, weil sie verlässt ihn ja dann auch.
Micz Flor
0:16:03–0:16:06
Wie würde man das denn sagen, wenn sie ein Mann wäre?
0:16:06–0:16:11
Weil das Wort ungezähmt kommt so sehr an eine Frauenrolle ran,
0:16:11–0:16:14
was ja sagt, man hätte sie zähmen können.
Florian Clauß
0:16:14–0:16:17
Durchtrieben, durchtrieben vielleicht am ehesten. Also sie ist schon durchtrieben.
0:16:17–0:16:20
Ich finde, durchtrieben ist vielleicht das bessere Wort, weil sie begeht ja
0:16:20–0:16:23
auch Verrat an der Gruppe und das hat ja was Durchtriebenes.
0:16:24–0:16:26
Sie kriegt auch ein Kind von...
0:16:27–0:16:33
Also angeblich von Bob Ferguson, das ist die Rolle von Leonardo DiCaprio.
0:16:33–0:16:40
Und in einer Befreiungsaktion, da trifft sie auf diesen Körnel.
Micz Flor
0:16:40–0:16:47
Befreiungsaktion heißt, dass die Gruppe ein Lager hochnimmt,
0:16:47–0:16:51
sagen wir mal, und die MigrantInnen alle entlässt, rauslässt.
0:16:51–0:16:54
Und sie trifft dann eben auf diesen Lockhead.
Florian Clauß
0:16:54–0:16:58
Das ist wirklich so ein Internierungslager. Da gehen die rein,
0:16:58–0:17:03
setzen auch Bringsätze und befreien die eben, die Eingesperrten.
0:17:04–0:17:08
Der Fidia kommt in das Zimmer, wo der Körnel drin ist und sie...
0:17:09–0:17:15
Verführt ihn. Und es beginnt so eine Art von Faszination auf seiner Seite.
Micz Flor
0:17:15–0:17:17
Haben die da schon Sex in der Szene?
Florian Clauß
0:17:17–0:17:20
Nee, die haben da nicht. Nee, richtig, sie haben noch keinen Sex.
Micz Flor
0:17:21–0:17:23
Sie macht ihn im Prinzip fertig.
Florian Clauß
0:17:23–0:17:31
Ja, sie schikaniert ihn, indem er mit einem steifen Schwanz nach draußen geführt wird.
0:17:31–0:17:35
Sie reizt ihn schon sehr auf und gleichzeitig demütigt.
0:17:36–0:17:38
Die werden halt befreit, die Migranten und so weiter.
0:17:39–0:17:43
Und die Gruppe geht aber weiter und sie wird dann halt irgendwann schwanger,
0:17:43–0:17:48
weil sie sich dann halt auch öfters mal mit dem Körner, ich nehme das jetzt
0:17:48–0:17:49
diesen Plotpoint vorweg.
0:17:50–0:17:56
Also sie wird dann schwanger, wie sich herausstellt, ist das Kind aber nicht von Bob Ferguson.
0:17:57–0:18:01
Der nimmt natürlich an, er ist der Vater des Kindes und zieht es auch groß.
0:18:01–0:18:09
Der Vater ist Lockjaw, weil eben seine Perfidia dann diese Beziehung zu ihm pflegt.
0:18:09–0:18:13
Aber in einem Überfall, wo es
0:18:13–0:18:19
auch zum Schusswechsel kommt und da wird die Gruppe gestellt, French 75.
0:18:20–0:18:25
Und Perfidia kommt in die Situation, dass sie die Namen der ganzen Bewegung
0:18:25–0:18:28
verrät für ein Zeugenschutzprogramm.
0:18:28–0:18:35
Und wo eben auch dann der Colonel ihr Immunität verspricht und da eigentlich
0:18:35–0:18:38
jetzt auf so eine Beziehung mit ihr hofft.
0:18:38–0:18:42
Aber sie dann verschwindet aus dieser Beziehung und sie hat eben dieses Kind
0:18:42–0:18:47
hinterlassen, um das sich dann eben Bob kümmert, das groß zu ziehen.
0:18:47–0:18:52
Da fängt im Prinzip dieser Zeitsprung an und wir gehen dann 18 Jahre später.
0:18:52–0:18:58
Das Kind ist noch nicht volljährig, ich glaube sie ist 17. dann steigt da der
0:18:58–0:19:00
zweite Teil der Geschichte ein.
0:19:01–0:19:07
Motiviert von Colonel Lockjaw. Er ist auch nicht gealtert.
0:19:07–0:19:12
Das ist so krass. Dieser Zeitsprung, da hat sich auch Thomas Anderson nicht
0:19:12–0:19:17
die Mühe gegeben, irgendwie die SchauspielerInnen da altern zu lassen.
0:19:17–0:19:21
Sie sehen genauso aus, wie sie da vor 18 Jahren rausgesehen haben.
0:19:21–0:19:22
Bis auf die Torster natürlich.
0:19:23–0:19:31
Der Colonel will eben in einer Gruppe, in einer rechtsextremen weißen Gruppe,
0:19:32–0:19:34
will er dann aufgenommen werden.
0:19:34–0:19:37
The Christians Adventures heißt diese Gruppe.
0:19:38–0:19:46
Und um da aufgenommen werden, du wirst dann wahrscheinlich ernannt in diesem Club.
0:19:47–0:19:50
Und er ist ernannt worden, was eine große Ehre für ihn ist.
0:19:50–0:19:55
Man weiß gar nicht genau, was die für eine Macht haben, aber so wie die inszeniert
0:19:55–0:19:57
haben, haben die eine große Macht.
Micz Flor
0:19:57–0:20:01
Die haben ja, also man sieht so Szenen, wo über Architektur gezeigt wird,
0:20:01–0:20:02
Und wie viel Macht die haben.
0:20:02–0:20:06
Es ist scheinbar so ein relativ wohlhabendes Vorstadtgebiet,
0:20:06–0:20:12
in dem es halt diese klassischen, zumindest Hollywood-Darstellungen von Vororten gibt.
0:20:13–0:20:17
Mit Driveway, große Garage, schönes, großes Haus und so.
0:20:17–0:20:21
Und dann ist einer, der dann auch zuerst so ganz nett rüberkommt.
0:20:21–0:20:23
Man merkt schon, ein bisschen zu schmierig, um nett zu sein.
0:20:23–0:20:26
Und der geht dann durch irgendeine Tür in den Keller. Und dann durch eine Tür
0:20:26–0:20:30
im Keller auf einmal in so einen unterirdischen Halbkreis, unter dem dann irgendwie
0:20:30–0:20:33
alle anderen Häuser auch scheinbar verbunden sind.
0:20:33–0:20:37
Und in diesem Halbkreis unten wiederum gibt es dann so ein Zimmer, wo er reingeht.
0:20:37–0:20:42
Und da sitzen dann eben so drei andere ältere, weiße Männer in so Poloshirts.
0:20:42–0:20:45
Einer davon, der mit ist, wohl irgendein Kriegsheld oder so,
0:20:46–0:20:48
der kaum was sagt, aber trotzdem großen Einfluss hat.
0:20:49–0:20:52
Aber ich finde die Szene ganz schön, wie du halt in dem Moment wohl in den Keller
0:20:52–0:20:56
runter geht und diese extra Tür aufmachst.
0:20:56–0:21:01
Du merkst, okay, das hier ist alles sehr gut strukturiert.
0:21:01–0:21:06
Es ist sehr klar, dass hier wirklich buchstäblich im Untergrund Strippen gezogen
0:21:06–0:21:13
werden. Und das Interesse darin ist vor allen Dingen arischer Natur, weißes Amerika.
Florian Clauß
0:21:14–0:21:20
Genau, und eine Bedingung, um in diesem Club aufgenommen werden zu können, ist, dass man,
0:21:21–0:21:27
bis in seine Urgroßelterngeneration nachweisen kann, dass man keinen Kontakt
0:21:27–0:21:31
zu einer nicht-weißen Frau oder Mann gehabt hat.
0:21:32–0:21:41
Und das ist natürlich für den Lockjaw der Impuls, dass dann die Beziehung zu
0:21:41–0:21:46
Perfidia, wo das Kind rausgekommen ist, das im Prinzip zu vertuschen.
0:21:46–0:21:50
Und er macht sich dann los, die Tochter zu finden.
Micz Flor
0:21:50–0:21:55
Er weiß es aber selber auch nicht, ob das Kind wirklich seins ist. Er weiß es nicht.
Florian Clauß
0:21:55–0:22:00
Genau, er weiß es nicht in dem Moment, aber allein die Vermutung,
0:22:00–0:22:04
es ist eine besessenen Aktion, da loszugehen.
0:22:04–0:22:07
Und er hat aber auch irgendwie diese Mittel, das zu machen.
0:22:07–0:22:10
Er scheint ja da irgendwie auch eine Budgetfreiheit zu haben.
0:22:11–0:22:17
Aber das ist so der Moment, wo dann eben dieses etwas spießige Leben von den
0:22:17–0:22:21
alternden Kiffer, nämlich Leonardo DiCaprio mit seiner Tochter,
0:22:21–0:22:25
bemüht sich dann halt auch so, dass sie dann halt auch Halt findet und so weiter.
0:22:25–0:22:29
Und die Tochter ist aber auch so in der Community ganz gut angesehen.
0:22:29–0:22:32
Also das heißt, sie hat dann auch ihre Buddies und so weiter.
0:22:33–0:22:40
Aber da geht jetzt so die Jagd los. Ja, dann fängt quasi die Flucht an.
0:22:40–0:22:44
Und es wird dann so ein Hide-and-Seek-Film.
0:22:45–0:22:48
Eigentlich, und ich würde auch sagen, das wäre eine These, die können wir auch
0:22:48–0:22:53
gerne nochmal diskutieren, es wird zu einem Roadmovie, mehr oder weniger.
0:22:53–0:23:00
Es hat so klassische Elemente des Roadmovies, also jetzt schon die zweite Überlappung
0:23:00–0:23:03
zu vorherigen Folgen, Roadmovie.
0:23:03–0:23:08
Ich würde tatsächlich sagen, dass der Film One Battle After Another die Kriterien
0:23:08–0:23:10
eines Roadmovies entspricht.
Micz Flor
0:23:11–0:23:16
Kannst du damit jetzt ex post factum an dieser Stelle das in deine,
0:23:17–0:23:19
Sub-Serie einsortieren.
Florian Clauß
0:23:19–0:23:23
Das könnte ich machen. Habe ich mir auch schon überlegt, ob ich das so tituliere.
0:23:23–0:23:28
Aber genau, lass uns das dann noch mal so genauer untersuchen. Die Flucht beginnt.
0:23:29–0:23:35
Der Colonel rückt dann auch der Tochter sehr nahe an einem Schulball in ihrer Highschool.
Micz Flor
0:23:35–0:23:39
Also vielleicht kann ich ganz kurz was noch ergänzen, was ich wichtig finde für das Verständnis.
0:23:40–0:23:46
Also es gibt diesen Colonel Lockjaw, der ist halt sehr, sehr skrupellos und
0:23:46–0:23:49
der ist in einer Hierarchie eingebunden, das ist das Militär.
0:23:49–0:23:55
Da hat er eine bestimmte Position und nutzt da seine Macht einfach nach Gutdünken.
0:23:55–0:23:59
Auch die Attacke auf dieses Dorf, wo er vermutet, dass die ist oder wo er es
0:23:59–0:24:05
rausgefunden hat, dass seine mögliche Tochter da ist, da wird einfach gelogen,
0:24:05–0:24:08
warum die da einfallen. Er ist völlig skrupellos.
0:24:08–0:24:12
Es geht ihm nur darum, und das ist wichtig, glaube ich, dass es diese zweite
0:24:12–0:24:19
Hierarchie gibt, neben dem Militär diese evangelisch-evangelikale arische Bund.
0:24:20–0:24:24
In deren Hierarchie möchte er eingegliedert werden.
0:24:24–0:24:27
Und das ist seine einzige Verwundbarkeit. Er hat ja schon alles,
0:24:27–0:24:32
aber weil er das noch will, wird er da auf einmal sehr submissiv und so ein
0:24:32–0:24:34
bisschen unterwürfig und versucht Spuren zu verwischen.
0:24:35–0:24:38
Ist da auch insofern skrupellos, als dass er lügt.
0:24:39–0:24:42
Er will halt das alles schnell beseitigen. Sollte es wirklich seine Tochter sein?
0:24:42–0:24:45
Aber das ist so ein bisschen, finde ich, nochmal ein wichtiges Bild.
0:24:45–0:24:48
Er geht buchstäblich gerne auch über Leichen, wenn es sein muss,
0:24:48–0:24:52
und nutzt seine Macht aus. Also er hat kein Gewissen.
0:24:54–0:25:01
Und er wird nur dann irgendwie fragil, wenn er in einer Hierarchie Widerstand
0:25:01–0:25:02
von oben erlebt, sozusagen.
Florian Clauß
0:25:02–0:25:09
Ja, oder er dann sexuell so aktiviert wird, dass er halt auch dieses Demütige
0:25:09–0:25:12
bekommt in dieser Beziehung zu Perfidia.
0:25:12–0:25:18
Da hat er auch was extrem Demütiges und er ist dann, also das ist halt so ungreifbar in dieser Person.
Micz Flor
0:25:18–0:25:20
Ja, Devot würde man glaube ich sagen.
Florian Clauß
0:25:20–0:25:26
Devot ist das Unterwürfige. Ja, vielleicht ist Devot dann noch passender an der Stelle.
Micz Flor
0:25:26–0:25:29
Ja, aber das finde ich wichtig, weil jetzt geht es nämlich damit los,
0:25:29–0:25:36
dass er unter falschen vorgeschobenen Gründen eine ganze Stadt sozusagen lahmlegt
0:25:36–0:25:39
und in den Notstand versetzt. Mit...
0:25:41–0:25:42
Trainierten Militärs.
Florian Clauß
0:25:42–0:25:45
Genau, und er hat eben noch eine
0:25:45–0:25:54
andere Aktion, nämlich diese French 75 hochzunehmen, das als Motivation.
0:25:54–0:25:58
Und die, wie man auch erfährt, funktioniert noch als Organisation.
0:25:59–0:26:05
Nämlich der Bob wird auch gewarnt vor denen und es beginnt diese Flucht.
0:26:05–0:26:10
Man lernt dann halt auch noch die Strukturen dieser Revolutionsgruppe kennen.
0:26:11–0:26:15
Dieses Protokoll, was eben da gemacht werden muss, um damit man sich wieder
0:26:15–0:26:19
zusammenfindet, damit man halt auch irgendwie in den Untergrund gehen kann und
0:26:19–0:26:24
so weiter, die richtigen Kontaktpersonen trifft, auch die vertrauensvollen Kontaktpersonen.
0:26:24–0:26:29
Da gibt's noch diese andere Geschichte, das ist halt zwei Sender.
0:26:29–0:26:32
Wenn die zusammenkommen, dann spielen die halt eine Melodie.
0:26:32–0:26:36
Und dann wird der eine Sender, dem bekommt dann die Tochter.
0:26:36–0:26:39
Und der andere den behält er oder
0:26:39–0:26:44
den hat noch eine andere person aus der vergangenheit und da meint der vater
0:26:44–0:26:49
eben zu seiner tochter wenn du diese melodie hörst dann ist das eine absolut
0:26:49–0:26:54
vertrauenswürdige person also das ist ja auch dann noch mal so ein hitchcock
0:26:54–0:26:59
moment in dem film mit dieser melodie die dann halt gespielt wird dann versucht eben die,
0:27:00–0:27:03
Kontakt zu bekommen. Er weiß noch nicht genau, wo der nächste Kontakt dort ist.
0:27:04–0:27:06
Und da kommt es zu dieser Telefon.
0:27:07–0:27:11
Geschichte, die du schon erwähnt hast. Da gibt es eine ganz bestimmte Passwortabfolge.
0:27:12–0:27:16
Also die sind so irgendwelche Gedichte oder irgendwelche absurden Antworten und Fragen.
0:27:17–0:27:19
Und er kann sich dann halt bei der dritten...
Micz Flor
0:27:19–0:27:25
Das ist so ein kleiner Dialog ist das. Das heißt, er hat schon am Telefon, eine Person sagt was.
0:27:25–0:27:28
Ich weiß auch nicht mehr, was es war, aber sagt was. dann kommt die Antwort,
0:27:28–0:27:30
dann kommt wieder was, dann kommt wieder die Antwort und das hat er,
0:27:31–0:27:34
glaube ich, schon zwei Dinge hat er richtig, aber dann beim letzten fällt es ihm nicht mehr ein.
Florian Clauß
0:27:34–0:27:35
Genau.
Micz Flor
0:27:35–0:27:37
Irgendwas geht es um Zeit oder irgendwas mit Zeit.
Florian Clauß
0:27:37–0:27:41
Ja, und er sagt so, nein, ich komme nicht und ich habe mir irgendwie das Gehirn
0:27:41–0:27:44
weggekifft und ich weiß es nicht mehr, es ist so lange her und der andere sagt, nope.
0:27:45–0:27:52
Er hat schon so großartige Momente dieser Filme, wo er echt lacht.
0:27:52–0:27:57
Also man lernt dann auch später den Typen kennen in der Zentrale.
0:27:57–0:28:00
Der da halt gesagt hat, nee, du kommst hier nicht weiter.
0:28:00–0:28:05
Es spricht auch für diese Organisation. Du hast ja dann auch so viele dogmatische
0:28:05–0:28:10
Leute, die dann da drin sitzen und sagen so, nö, das ist nicht nach Protokoll,
0:28:10–0:28:11
das kann ich nicht akzeptieren.
0:28:12–0:28:18
Es beginnt also eine Fluchtgeschichte, wo Bob dann mit seiner Tochter Unterschlupf sucht.
0:28:18–0:28:25
Er kommt auf den Benicio del Toro. Das ist auch einer der im Migrantenbereich,
0:28:25–0:28:31
da an der Grenze zu Mexiko, dann mehr oder weniger so eine führende Funktion hat.
0:28:31–0:28:37
Und auch so ein Netzwerk aktivieren kann, um halt auch da bei der Flucht ihm zu helfen.
0:28:37–0:28:42
Die haben auch Fluchtpläne, die können dann halt ein ganzes Einkaufszentrum,
0:28:42–0:28:45
können die dann halt auch entsprechend evakuieren.
0:28:46–0:28:49
Also sie sind auch vorbereitet, man merkt halt auch da die Strukturen.
Micz Flor
0:28:49–0:28:54
Und Benicio del Toro ist auch der Martial-Arts-Trainer der Tochter.
0:28:55–0:28:57
Also die hat von ihm gelernt zu kämpfen.
0:28:58–0:29:01
Und er ist gleichzeitig ein sehr ausgeglichener, ruhiger Mensch.
0:29:01–0:29:06
Und das ist eine, so von der Spannung zwischen den Figuren, das ist für mich
0:29:06–0:29:08
so eine der Lieblingsszenen.
0:29:09–0:29:12
Also Del Toro braucht nicht zu helfen.
0:29:13–0:29:18
Und auch dem, wie heißt der nochmal, DiCaprio braucht er eigentlich nicht zu
0:29:18–0:29:19
helfen, aber er macht es dann halt trotzdem.
0:29:19–0:29:23
Man merkt in allem, was der tut, ist, dass er überhaupt keine Eile hat.
0:29:24–0:29:31
Und ich finde, das ist halt eben auch so dieses Bild durch ihn hindurch in die
0:29:31–0:29:35
lange, lange, lange Geschichte der Vertreibung von indigenen Bevölkerung und so weiter.
0:29:35–0:29:39
Also wir kennen das schon. One battle after another passt da eigentlich auch
0:29:39–0:29:44
ganz gut, weil er zeigt halt so keinen Stress. Das passiert dauernd.
0:29:45–0:29:49
Es ist scheiße, es wird nie aufhören. Aber wir haben jetzt unseren Weg gefunden,
0:29:49–0:29:52
wie wir dem so weit als möglich aus dem Weg gehen können. Und das ist alles
0:29:52–0:29:57
sehr banal und auch nicht martialisch, sondern eher Rückzug und Flucht.
0:29:58–0:30:00
Aber die Mechanismen greifen so.
0:30:01–0:30:06
Und während Leonardo DiCaprio völlig überfordert ist, ist der überhaupt nicht
0:30:06–0:30:08
angefasst von dem ganzen Ding.
Florian Clauß
0:30:08–0:30:09
Ja, das ist toll.
Micz Flor
0:30:09–0:30:13
Ich finde, das spielt er sehr gut, aber das finde ich auch für die ganze Geschichte
0:30:13–0:30:18
sehr gut. Dass da irgendwas so ein bisschen drinsteht, diese Engständigkeit.
0:30:18–0:30:23
Die Amerikaner machen sich so ihren eigenen Stress die ganze Zeit, aber,
0:30:25–0:30:31
Bei ihm ist da irgendwie ein Wissen über die Jahrhunderte, dass es einfach nur
0:30:31–0:30:32
one battle after another ist.
Florian Clauß
0:30:33–0:30:37
Genau, also während Leonardo DiCaprio die ganze Zeit hyperventiliert,
0:30:37–0:30:42
ist er derjenige, der die ganze Zeit die Verbindung hält, die Sachen checkt.
0:30:42–0:30:44
Ja, es gibt dann auch so eine...
Micz Flor
0:30:44–0:30:49
Und auch ja fast hunderte, gefühlt hunderte von Leuten mitdirigiert und begleitet,
0:30:49–0:30:56
um da irgendwie einen Weg rauszufinden aus der militärischen Besatzung.
0:30:57–0:31:02
Diese eine Szene, die wurde ja auch viel rumgereicht, wo Benicio del Toro schon
0:31:02–0:31:04
fast so im Keller ist und fast weggeht.
0:31:04–0:31:10
Und dann sagt Leonardo DiCaprio so fast verzweifelt irgendwas im Sinne von Klassenkampf
0:31:10–0:31:11
oder so und hebt so die Faust.
0:31:12–0:31:17
Und der Toro, vive la revolution vielleicht, sagt er sowas.
0:31:18–0:31:22
Und Leonardo DiCaprio ist fast verzweifelt, das zu sagen.
0:31:22–0:31:27
Er braucht es irgendwie so als Aktivierung.
0:31:27–0:31:33
Und bei Nicolai Toro sagt es dann auch so, hebt so die Faust und rutscht dann
0:31:33–0:31:36
aber einfach so in diese Höhle. Dann klappt es zu und der Teppich rollt drüber.
Florian Clauß
0:31:36–0:31:41
Also man muss auch sagen, dass die Tochter extrem cool mit der Situation umgeht.
0:31:42–0:31:48
Also sie ist schon so die abgeklärte, die vernünftige in dieser Beziehung zu Leonardo DiCaprio.
0:31:48–0:31:55
Sie hat eigentlich mehr Durchblick als ihr Vater und organisiert sich halt selbst.
0:31:55–0:31:57
Also man merkt schon, dass...
Micz Flor
0:31:57–0:32:01
Nein, also ich finde, sie denkt halt, der Papa erzählt eh nie die Wahrheit.
0:32:02–0:32:06
Das weiß sie ja sowieso, spürt auch irgendwas ist da, aber es klingt alles irgendwie so mit Andeutung.
0:32:06–0:32:09
Die ist, glaube ich, von ihm ziemlich genervt und irgendwo auch ein bisschen
0:32:09–0:32:11
enttäuscht. Aber natürlich ist es ihr Vater und sie,
0:32:13–0:32:17
So habe ich das erlebt. Und sie ist eigentlich ja dann in dem Moment,
0:32:18–0:32:22
wenn das alles losgeht, irgendwie schon überfordert, wird nur an die Hand genommen,
0:32:22–0:32:28
rennt dann auch weg mit einer anderen aus der revolutionären Gruppe, die sie abholen will.
0:32:29–0:32:33
Und dann ist es ja auch so, dass sie sich dann eben in ihrem Dickkopf,
0:32:33–0:32:36
was man ihr später auch vorwirft, weil sie eben die Tochter ihrer Mutter ist,
0:32:36–0:32:41
die, wie hast du vorhin gesagt, durchtrieben, aber dickköpfig eben auch ist,
0:32:42–0:32:46
dass sie gebeten wird, bitte auf jeden Fall Mobiltelefone alles wegzuschmeißen,
0:32:46–0:32:47
macht sie es dann halt eben doch nicht.
0:32:47–0:32:53
Und das wird dann ihr nicht, aber der anderen, die sie gerettet hat, wird es zum Verhängnis.
Florian Clauß
0:32:53–0:32:57
Ja doch, ihr ja auch, weil darüber können sie sie halt orten bei den Nonnen.
Micz Flor
0:32:57–0:32:59
Nee, aber sie kommt ja zum Schluss frei.
Florian Clauß
0:32:59–0:33:01
Ja, sie kommt frei.
Micz Flor
0:33:01–0:33:05
Aber die Kollegin hat es erwischt. Die kommt und wird abgeführt vom Militär mit Tränen.
Florian Clauß
0:33:05–0:33:09
Ja, aber da passiert ja im Prinzip auch der Show dort.
0:33:10–0:33:15
Also sie kommt ja nicht wirklich frei, sondern der Lockjaw wird ja einfach aus
0:33:15–0:33:18
dem Verkehr gezogen. Aber da kommen wir nochmal hin.
0:33:19–0:33:23
Davor, diese andere Figur, die dann halt die Tochter mitnimmt,
0:33:23–0:33:27
das wird dann halt auch über diese Erkennungsmelodie gepflanzt.
0:33:27–0:33:31
Das heißt, sie hat das andere gerät und darüber passt sie halt auch Vertrauen
0:33:31–0:33:34
zu der Person und lässt sich dann auch anleiten und geht mit ihr mit.
0:33:34–0:33:40
Während eben Leonardo DiCaprio noch das Passwort vergessen hat und einfach total
0:33:40–0:33:45
abgehängt wird und nicht so richtig dann halt auch zu dem Treffpunkt dann weiß als nächstes.
0:33:46–0:33:48
Und das ist auch so eine schöne Szene.
0:33:49–0:33:53
Das sind halt auch so Szenen, die eigentlich aus so einem Coen Brothers Film
0:33:53–0:34:01
oder Big Lebowski und so sind, wo er dann von diesen drei langhaarigen.
0:34:02–0:34:07
Skatertypen. Die sieht man schon vorher in der Szene, wo die dann halt mit den
0:34:07–0:34:11
Benicio del Toro dann sprechen und die checken halt.
0:34:11–0:34:15
Die fahren immer mit Skateboards, sehen halt auch so ein bisschen aus wie die
0:34:15–0:34:20
Bee Gees, ja, so Surfertypen mit langen Haaren und so, aber so ganz eleganten Bewegungen, ja.
0:34:21–0:34:24
Und die holen ihn dann halt auch ab und er muss ihnen folgen,
0:34:25–0:34:29
also ihnen jetzt Leonardo DiCaprio. Und die sind halt unglaublich sportlich
0:34:29–0:34:32
und du siehst die dann halt immer so im Halbschatten über die Dächer hüpfen.
0:34:33–0:34:36
Leonardo DiCaprio hat ein paar Probleme hinterher zu kommen.
0:34:36–0:34:42
Und dann gibt es halt so einen Absatz vom Dach, wo die dann halt drüber fliegen, fast so elegant.
0:34:42–0:34:45
Und er hüpft und fällt einfach komplett runter.
0:34:46–0:34:51
Also irgendwie über zehn Meter dann über so einen Baum und landet dann halt
0:34:51–0:34:56
auf dem Asphalt. und in dem Moment kommt ein Polizist um die Ecke und tasert ihn.
0:34:57–0:35:01
Und er ist dann halt irgendwie in Gewahrsam. Also so ein großartiger Moment,
0:35:01–0:35:02
wo dann denkst du, hä, hä, hä?
0:35:03–0:35:06
Weil die halt nie warten können und ihren Tempo dann weglaufen.
0:35:07–0:35:11
Und er kommt nicht hinterher und das ist halt so, okay, jetzt nochmal andere Richtung.
0:35:12–0:35:15
Und er wird dann auch aus diesem Gefängnis dann eben von dem anderen befreit.
0:35:15–0:35:19
Das ist auch lustig, weil du ihn dann so, er ist total die ausgelegene Figur,
0:35:19–0:35:21
aber eigentlich will er die ganze Zeit nur Bier trinken.
0:35:22–0:35:27
Das ist halt auch die, dass sie erst mal Bier im Auto trinken und dann halt
0:35:27–0:35:30
weiterfahren. Also irgendwie haben die auch die Ruhe, dann noch das Bier zu trinken.
Micz Flor
0:35:30–0:35:32
Ich habe das ja auch da auf...
0:35:33–0:35:41
Podcast-Social hochgeladenes Bild, wo links ist unser Podcast-Bild von uns beiden Essen-Suppe.
0:35:41–0:35:43
Und da steht eigentlich drauf.
0:35:44–0:35:50
Und rechts dann dieses Bild, wo Leonardo DiCaprio und Del Toro mit dieser Bierdose im Auto sitzen.
0:35:50–0:35:54
Und irgendwie, das meine ich jetzt gar nicht, dass wir so cool aussehen,
0:35:54–0:35:59
aber irgendwie erinnern die mich an uns in dem Bild. Irgendwas ist da drin.
0:35:59–0:36:02
Und da steht dann gelegentlich drauf.
Florian Clauß
0:36:02–0:36:06
Das kann ich gelegentlich, genau. Das kann ich dann auch nochmal zur Episode packen.
Micz Flor
0:36:06–0:36:09
Eigentlich gelegentlich. Ich fand es lustig.
Florian Clauß
0:36:09–0:36:10
Ja, sehr gut.
Micz Flor
0:36:10–0:36:13
Befreit ihn und packt ihn ins Auto und sie flüchten.
Florian Clauß
0:36:13–0:36:19
Die flüchten und dann eben man kann nochmal kurz Parallelen zum Buch aufmachen.
0:36:19–0:36:23
Dieser Karate-Lehrer, den gibt es auch als Figur tatsächlich.
0:36:23–0:36:27
Das ist eine Lehrerin in Wineland, die dann die Tochter unterrichtet.
0:36:28–0:36:29
Und es gibt.
0:36:30–0:36:35
Dann noch so eine spirituelle Gemeinschaft, die Tanoiden oder sowas,
0:36:35–0:36:39
die dann quasi Traumata der 68er verarbeiten.
0:36:39–0:36:44
Aber die aber auch so eine magische, kulturelle Gemeinschaft sind.
0:36:44–0:36:48
Es gibt in dem Film, nicht so, das ist nicht so die Parallele,
0:36:48–0:36:50
aber es gibt ein In der Wüste.
0:36:50–0:36:54
Wir sind auch in der Wüste und das ist auch nochmal so ein ganz klassisches
0:36:54–0:36:57
Merkmal von Roadmovies.
0:36:57–0:37:01
Nämlich, dass sie halt im Westen von der USA spielen, in der Wüste.
0:37:01–0:37:05
Und der ganze Showdown findet halt in der Wüste statt.
0:37:05–0:37:10
Da gibt es ein Kloster von Nonnen geführt, die aber auch der Bewegung angeschlossen,
0:37:10–0:37:11
also als vertrauenswürdig gelten.
0:37:12–0:37:18
Und da fliehen eben Villa und die andere aus der Gruppe fliehen dahin und finden auch Unterschlupf.
0:37:19–0:37:22
Also da haben die auf jeden Fall so ein Cover für die Tochter,
0:37:22–0:37:23
dass sie da erstmal bleiben kann.
0:37:23–0:37:29
Aber weil dann eben Willa das Handy mitgenommen hat, hat das mehrmals verleugnet,
0:37:30–0:37:34
ist sie geordet und es gibt dann halt auch nur die Möglichkeit,
0:37:34–0:37:38
dass es dieses Nonnenkloster ist, wo die unterkommen, weil weit und breit ist da halt nix.
0:37:38–0:37:41
Die sehen dann halt, okay, hier in der Wüste wurde das Handy geordet.
0:37:41–0:37:45
Was gibt es in der Nähe? Ah, da gibt es die linken Nonnen. Na gut,
0:37:45–0:37:49
da gehen wir halt hin. Dann brechen die das Kloster ein, finden da halt auch
0:37:49–0:37:52
die Komplizien und überführen die Tochter.
0:37:52–0:37:58
Und dann zwingt eben der Colonel die Tochter zum Vaterschaftstest,
0:37:58–0:38:02
weil er dann Gewissheit haben will. Auch eine großartige Szene.
Micz Flor
0:38:02–0:38:07
Er sagt dir ganz klar, wenn alle Sachen auf einer Linie stehen bleiben,
0:38:08–0:38:10
dann bist du tot. Und wenn nicht, hast du Glück gehabt.
Florian Clauß
0:38:11–0:38:15
Genau, dann kannst du gehen. Ja, aber es bleibt, es kommt, wie es kommen muss,
0:38:15–0:38:17
und es bleibt alles auf einer Linie stehen.
0:38:17–0:38:22
Das heißt, sie muss dann halt getötet werden, damit der Colonel in seine Gemeinschaft
0:38:22–0:38:24
da aufgenommen werden kann.
0:38:25–0:38:28
Gleichzeitig hat dann auch Bob das Kloster gefunden.
0:38:29–0:38:33
Weiß, wo die sind, er stellt sich dann quasi mit einem Gewehr,
0:38:33–0:38:38
mit dem er dann vom Weiten ein Zielfeuernrohr dann da auf den Körnel zielt,
0:38:38–0:38:41
ja, aber ihn verfehlt und er wird dann auch zu dem Gejagten.
0:38:41–0:38:45
Also es beginnt dann eben so eine Verfolgungsjagd in der Wüste.
0:38:45–0:38:48
Das hängt natürlich auch mit den Autos zusammen. Die Tochter wird...
0:38:49–0:38:56
Ja, die wird im Prinzip von so einem Kurier zu so einem Auftragsmörder geführt,
0:38:57–0:39:02
die es auch alles so voll tätowierte, rechte Neonazis sind.
Micz Flor
0:39:02–0:39:07
Ja, und auch irgendwie so Soldatenmäßig. Ich hatte gedacht, dass es wirklich
0:39:07–0:39:11
auch Leute sind, die in der Armee sind und dann nebenher aber mit Mord noch
0:39:11–0:39:13
sich was dazu verdienen.
Florian Clauß
0:39:13–0:39:16
Ja, ich hatte eher das Gefühl, es ist eine Privatarmee, wie es dann halt da
0:39:16–0:39:20
im Süden von Amerika, wie man das dann halt auch so antreffen könnte.
0:39:21–0:39:24
Also hoch militarisiert, rechte Leute.
0:39:24–0:39:30
Es kommt noch so zu einer Szene, die mich auch wieder an viele Filme aus der
0:39:30–0:39:35
Wüste, also wie jetzt zum Beispiel Breaking Bad oder Better Call Saul oder Zabriskie
0:39:35–0:39:39
Point, wo dann halt die Tochter übergeben wird an den Kurier.
0:39:39–0:39:43
Der guckt sich das halt an, das ist auch so ein Indigener, guckt sich das halt
0:39:43–0:39:45
an und meint also, nee, keine Kinder.
0:39:46–0:39:49
Er hat ja schon gewisse Grundsätze, aber er meint so, du kriegst das doppelt.
Micz Flor
0:39:49–0:39:52
Das ist nicht cool, zuerst soll er sie ja umbringen direkt.
Florian Clauß
0:39:52–0:39:56
Ja, genau, er soll sie erst umbringen und dann sagt er, verneint dann,
0:39:56–0:39:58
macht er nicht, weil er Grundsätze hat.
0:39:58–0:40:02
Und dann soll er eben dahin fahren, zu diesen Rechten.
0:40:02–0:40:08
Und es ist halt so eine Wendung in der Geschichte, dass dann der Kurier,
0:40:09–0:40:13
weil er selber auch eben rassistisch beleidigt wird und man merkt schon,
0:40:13–0:40:16
es ist nicht das erste Mal, dass er so beleidigt wird,
0:40:16–0:40:21
dass er dann halt einfach so einen Amoklauf dann alle umbringt, bis auf die Tochter.
0:40:21–0:40:27
Also irgendwie wird er auf einmal zu einem Schützer und alle sind tot und die
0:40:27–0:40:30
Tochter nimmt dann eben das Auto.
0:40:30–0:40:37
Das ist halt auch so ein, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall so ein schweres Auto mit viel PS.
Micz Flor
0:40:38–0:40:43
Ja, es sieht aus wie so ein weißer Tesla, irgendwie aber so ein neues Design,
0:40:43–0:40:44
irgendwie so ein neues Auto.
0:40:45–0:40:50
Jetzt kein klassisches Roadmovie-Auto, was halt irgendwie so Volvo wäre oder
0:40:50–0:40:54
einen mit so langen Flügeln, sondern es passt irgendwie gar nicht,
0:40:54–0:40:56
finde ich, so richtig in den Film rein.
Florian Clauß
0:40:56–0:41:03
Ich finde schon, weil das dann wieder anfängt, auf dieser Sound-Ebene so brutal zu werden.
0:41:03–0:41:08
Dann denkst du, du bist ja wieder hier in Mad Max, wo dann halt auch die Leinwand
0:41:08–0:41:14
vibriert aufgrund von diesem ganzen Petroleum, was da halt irgendwie durch die
0:41:14–0:41:17
Auspuff da gepumpt wird.
0:41:17–0:41:21
Also es kriegt schon so eine unglaubliche Intensität.
0:41:22–0:41:24
Also die kann halt auch Autofahren.
0:41:25–0:41:29
Das finde ich schon toll, dass die da halt auch so diese innere Heldenreise,
0:41:29–0:41:33
wie wir auch mal ein paar Mal schon erwähnt haben, dann auch so mitmacht und
0:41:33–0:41:36
da auch kompetent wird und einfach auch sich verteidigen kann.
0:41:37–0:41:42
Und es gibt dann halt diese Verfolgungsjagd. Der Colonel kriegt das mit,
0:41:42–0:41:45
fährt hinterher und dann gibt es diesen Moment.
0:41:46–0:41:52
Wo im Prinzip, das ist auch nochmal so die Vorgeschichte, die Christian Adventures
0:41:52–0:41:58
kriegen schon mit, dass der Colonel gerade hier so seine Soloaktion macht und
0:41:58–0:41:59
wissen auch warum und schicken.
0:41:59–0:42:04
Und dann sagt der eine so, ich löse das Problem und letztendlich schießt er
0:42:04–0:42:08
dann den Körnel auch mitten, weil die werden auch gerade von drei Autos verfolgt,
0:42:09–0:42:14
wird der Körnel bei seiner Verfolgungsjagd, wird er dann ins Gesicht geschossen
0:42:14–0:42:17
und ausgenockt, ja. Und...
0:42:18–0:42:23
Der andere kriegt dann mit, okay, da ist die Tochter und es ist auch klar,
0:42:23–0:42:24
dass er die beseitigen muss.
0:42:25–0:42:29
Und hinten kommt der Vater. Also wir haben hier wirklich so eine Perlenkette
0:42:29–0:42:33
an Fluchtverfolgung, wo der eine nicht weiß, dass der andere die verfolgt.
0:42:34–0:42:38
Und wir folgen denen auf diesen großartigen Straßen.
0:42:38–0:42:42
Da finde ich, hat der Film so eine ganz starke visuelle Kraft und einen Showdown,
0:42:42–0:42:46
wie ich den lange nicht mehr gesehen habe. Nämlich das sind in der Wüste so
0:42:46–0:42:51
Straßen, die dann halt immer so durch kleine Hügel, also es geht auf und ab.
0:42:51–0:42:55
Und da wird schon ganz am Anfang dieser Verfolgungsjagd gepflanzt,
0:42:55–0:42:58
dass man immer nicht diese Sichtachse hat, was kommt danach,
0:42:59–0:43:00
wenn die Straße wieder abfällt.
0:43:00–0:43:05
Und dann hast du dieses Motorengeräusch dazu und diese verschiedenen Inneneinsichten,
0:43:06–0:43:10
wo dann halt der Vater die anderen verfolgt und diesen unterschiedlichen Motorentyp,
0:43:10–0:43:14
die dann halt die ganze Zeit rühren und die über diese Hubbelstraßen mit der
0:43:14–0:43:17
brennenden Sonne dann halt sich gegenseitig verfolgen.
0:43:17–0:43:22
Und das finde ich einen ganz starken Moment von dem Film.
Micz Flor
0:43:22–0:43:25
Finde ich auch. Ich fand, es wurde ein bisschen zu sehr überspielt.
0:43:25–0:43:27
Aber wie gesagt, wir haben so eine grundlegende Gegenseite.
0:43:27–0:43:30
Können wir vielleicht nachher nach der Erzählung der Geschichte erst nochmal
0:43:30–0:43:33
reingehen. Wir können beide übereinstimmen, dass die Geschichte,
0:43:33–0:43:34
die wir erzählen, die gleiche ist.
0:43:35–0:43:39
Aber die Bewertung der Geschichte können wir danach nochmal angehen.
0:43:40–0:43:46
Aber ja, das ist faktisch richtig. Es ist eine Straße, die immer rauf und runter, rauf und runter.
0:43:47–0:43:55
Und da fahren die Autos drüber. Und die Straße wird dann strategisch genutzt von der Tochter.
0:43:55–0:44:00
Die Tochter fährt dann über so einen Hugel drüber, tritt voll auf die Bremse,
0:44:00–0:44:05
rennt aus dem Auto, verschanzt sich nebenan. und im Hintergrund kommt der,
0:44:06–0:44:08
Killer aus dieser...
Florian Clauß
0:44:08–0:44:09
Christian Adventures.
Micz Flor
0:44:09–0:44:14
Ja, und schafft es nicht zu bremsen und rast dann halt voll ins Auto rein.
0:44:15–0:44:21
Überlebt aber und kommt raus, humpelt raus, sieht sie.
0:44:23–0:44:26
Er ist nicht quasi schussbereit, er muss ihn noch schussbereit machen.
0:44:26–0:44:29
Sie zielt auf ihn mit einer Pistole, wo ich nicht mehr weiß, wo sie die hat.
0:44:29–0:44:33
Ich glaube, vielleicht war die schon im Auto oder hat sie dann mitgenommen vorne.
Florian Clauß
0:44:33–0:44:36
Die hat sie, glaube ich, von den rechten Leuten aus dem Auto mitgenommen.
Micz Flor
0:44:37–0:44:40
Ja, weiß ich nicht mehr. Aber auf jeden Fall ist sie dann auch noch fair,
0:44:41–0:44:44
weil sie irgendwie in dieser ganzen Verwirrung jetzt nochmal deutlich macht,
0:44:44–0:44:47
dass sie eigentlich überhaupt nicht mehr weiß, was hier los ist.
0:44:47–0:44:52
Und dann diesen Code abfragt, den ihr Vater ihr noch beigebracht hat.
0:44:52–0:44:54
Also so ein Minimal-Code, ich weiß nicht mehr genau, was es ist.
0:44:54–0:44:58
Und sie fragt dann den einen Teil dieser Passphrase.
Florian Clauß
0:44:58–0:45:03
Nee, aber das ist nicht dem anderen Typen. Und der wird erschossen.
Micz Flor
0:45:03–0:45:04
Genau.
Florian Clauß
0:45:04–0:45:09
Aber ihr Vater kommt dann hinten raus. Und da fragt sie ab, weil sie so teilt durcheinander.
Micz Flor
0:45:09–0:45:13
Nein, sie fragt bei dem Typ, der aus dem Auto kommt. Fragt sie auch.
0:45:13–0:45:18
Fragt sie, und der kann halt nicht antworten, zieht die Pistole, dann erschießt sie ihn.
0:45:19–0:45:20
Und dann kommt der Vater.
Florian Clauß
0:45:21–0:45:24
Ah ja, okay, genau. Aber da ist sie immer noch in diesem Film drin,
0:45:24–0:45:27
weil sie auch komplett drüber, sie hat gerade jemanden umgebracht.
0:45:28–0:45:32
Und da fragt sie auch den Code. Und sie kann es überhaupt nicht realisieren, dass es ihr Vater ist.
0:45:32–0:45:35
Aber ich finde es auch so toll, dass ihr Vater die ganze Zeit bei ihr ist.
0:45:36–0:45:39
Die Frage ist, wie kommt er dann halt irgendwie eine Minute später da hin?
Micz Flor
0:45:39–0:45:42
Er sieht ja das weiße Auto vorbeifahren, wo er hinten drin sitzt.
0:45:42–0:45:45
Und man denkt halt, oh nein, falsche Richtung.
0:45:46–0:45:49
Gibt es doch noch irgendwie eine Szene, wo er dann auch so ganz,
0:45:50–0:45:55
so wie er halt so ein bisschen so naiv verdröppelt, dann irgendwie Leute auf
0:45:55–0:45:58
einer Bank oder sowas fragt, in welche Richtung ist das Auto gefahren.
0:45:58–0:45:59
Die zeigen ihm dann die richtige Richtung.
0:46:00–0:46:03
Irgendwann kriegt er es auch zusammen im Kopf. und dann weißt du,
0:46:03–0:46:04
was Sache ist und nimmt die richtige Spur.
Florian Clauß
0:46:06–0:46:10
Und dann ist die Tochter gerettet und der Frieden wieder hergestellt.
0:46:11–0:46:16
Dann gibt es auch einen Epilog, wo dann rauskommt, dass der Körnel dann nicht
0:46:16–0:46:18
tot ist, hat es überlebt.
0:46:19–0:46:21
Und man sieht dann noch irgendwie, dass er zu dieser Küche...
Micz Flor
0:46:21–0:46:27
Man sieht ihn da schon wie Androiden-like mit halb zerfetztem,
0:46:27–0:46:29
blutigem Gesicht über die Straße laufen sogar.
0:46:30–0:46:32
Also in der Wüste, das sieht man als erste Einstellung.
0:46:33–0:46:36
Der eben noch kopfüber im umgestürzten Auto, nachdem er ins Gesicht geschossen
0:46:36–0:46:38
ist, halbe Gesicht weggefetzt.
0:46:39–0:46:42
Er hat die Knarre umgehängt und läuft halt so klack, klack, klack,
0:46:42–0:46:45
klack, klack, so Terminator-mäßig durch die Wüste.
Florian Clauß
0:46:46–0:46:49
Er wird dann wieder zu dieser Gruppe eingeladen.
Micz Flor
0:46:49–0:46:53
Das ist dann auch viel später. Man sieht dann, dass sein Gesicht so zusammengeklammert wurde.
0:46:54–0:46:58
Es ist alles verheilt. Er ist im Anzug, ist nicht mehr in militärischer Uniform.
0:46:58–0:47:03
Und hat jetzt scheinbar den Sprung geschafft und wird jetzt scheinbar in diese
0:47:03–0:47:05
Parallelhierarchie aufgenommen,
0:47:05–0:47:09
und wird dann eben in das, was ich vorhin meinte, dieses große Gebäude geführt,
0:47:09–0:47:16
in dem es einen unfassbar schönen Ausblick aus irgendwelchen Büros gibt, wo man das Gefühl hat,
0:47:16–0:47:19
wenn Leute wie der Körner in solchen Büros sitzen, wozu brauchen die überhaupt ein Büro?
0:47:20–0:47:24
Die wissen ja eh nichts damit zu tun, aber es gibt dieses Büro und da wird er reingeführt.
Florian Clauß
0:47:25–0:47:29
Und er muss sich dann auch rechtfertigen, weil die das dann halt auch mitbekommen
0:47:29–0:47:35
haben und er sagte, er wurde eben von der von der Schwarzen vergewaltigt, ja.
0:47:36–0:47:41
Wird der dann halt so aufgenommen und das ist auch der emotionalste Moment der
0:47:41–0:47:45
Figur, wo er dann halt sich eine Träne aus dem Gesicht wegwischt und in einem
0:47:45–0:47:49
Büro überführt und dann gesagt,
0:47:49–0:47:53
hier ist sein Büro und er setzt sich auf den Stuhl und dann wird aber in dieses
0:47:53–0:47:57
Büro Giftgas eingeleitet und wird einfach beseitigt.
0:47:59–0:48:04
Eine Tragikomik, finde ich auch wieder ganz stark. Das ist ja überhaupt,
0:48:05–0:48:10
Dass er es überhaupt nochmal vorsprechen konnte und dann hat das überhaupt keine Relevanz.
0:48:10–0:48:13
Das ist klar, er hat gegen den Kodex verstoßen.
0:48:13–0:48:17
Er ist absolut nicht aufnahmefähig, aber wir müssen ihn beseitigen.
0:48:17–0:48:23
Und allein, wie du sagst, diese Architektur und dass sie dann trotzdem da so
0:48:23–0:48:24
ein Giftgas-System haben.
Micz Flor
0:48:25–0:48:28
Ja, ich finde da nochmal wichtig zu sagen, dass es auch nochmal zeigt,
0:48:28–0:48:30
wie mächtig diese Organisation ist.
0:48:30–0:48:34
Weil er ist in so einem Eckbüro, wo man wirklich rausgucken kann auch.
0:48:34–0:48:37
Also es ist komplette Transparenz in gewisser Weise.
0:48:38–0:48:43
Von außen kann man gefühlt dann eben auch reinschauen. Und trotzdem können die
0:48:43–0:48:45
da drin einfach umbringen und entsorgen.
0:48:46–0:48:49
Es ist gar kein logistischer Aufwand. Das ist so eine Nebensache.
0:48:50–0:48:53
Und die müssen nichts vertuschen, müssen nichts verstecken, nichts im Geheim machen.
0:48:54–0:48:59
Einfach wird ja da jetzt so hingesetzt, vergast, abgeschleppt.
Florian Clauß
0:48:59–0:49:04
Und dann kommen halt so Helfertypen, die dann halt in so Vollschutzanzügen sind
0:49:04–0:49:08
und tragen ihn da raus und das ist schon sehr bitter an der Stelle.
0:49:09–0:49:14
Willa, die die Beziehung zu ihrer Mutter auf ihr lastet, dass die sich nie gemeldet
0:49:14–0:49:22
hat, es gibt auch dann so ein offenes Ende, der Bob übergibt ihr dann einen Brief,
0:49:22–0:49:26
der von ihr kommt, wo ich mir nicht sicher war, ob der tatsächlich die ganze
0:49:26–0:49:28
Zeit da war oder ob er den selber geschrieben hat.
0:49:29–0:49:35
Das ist nicht ganz klar, um halt auch da diesen Kontakt dann wieder herzustellen
0:49:35–0:49:38
beziehungsweise irgendwie abzuschließen, was mit der Mutter ist.
0:49:38–0:49:46
Weil sie natürlich als Verräterin voll aus diesem ganzen Netz der Organisation geflogen ist.
0:49:46–0:49:50
Und das bringt aber auch Villa als Personenfigur zu sich selbst mehr.
0:49:51–0:49:54
Eine der letzten Einstellungen ist dann halt, dass sie das Auto nimmt,
0:49:55–0:49:57
was dann auch vorher schon so ein Knackpunkt war, ob sie schon fahren darf.
0:49:58–0:50:04
Aber sie hat quasi das Auto als Waffe eingesetzt in dieser legendären Szene.
0:50:04–0:50:09
Und sie meinte, sie fährt jetzt zum nächsten Ort, da gibt es halt eine Demonstration,
0:50:09–0:50:10
da würde sie sich gerne beteiligen.
0:50:10–0:50:14
Also sie fängt dann quasi mit dem politischen Leben an an der Stelle.
0:50:15–0:50:19
Und nimmt auch diesen Kampfgeist von ihrer Mutter mit.
0:50:19–0:50:23
Also man merkt schon, dass sie da die Welt bewegen möchte.
0:50:24–0:50:26
Ja, so hört der Film auf, oder?
Micz Flor
0:50:26–0:50:31
Das ist die letzte Einstellung, dass sie losfährt. Und die Frage,
0:50:31–0:50:34
dann kommt der Abstand, weiß nicht mal, was da ist, aber die Frage,
0:50:34–0:50:36
die sich dann eben ergibt, ist, was...
0:50:37–0:50:41
Also gibt es was, was dieser Film uns sagen will?
Florian Clauß
0:50:41–0:50:44
Das sagst du jetzt so abschließend im Film, oder?
Micz Flor
0:50:44–0:50:47
Also es gibt, finde ich, zwei Ebenen, wie man so einen Film sich angucken kann.
0:50:47–0:50:52
Das eine ist, unabhängig davon, wie das jetzt inszeniert und dies und jenes,
0:50:52–0:50:55
so in der Summe gibt es her als eine Allegorie auf etwas anderes,
0:50:55–0:50:59
verweist es auf irgendwas, gibt es uns, wie man früher sagt,
0:50:59–0:51:00
so die Moral von der Geschichte mit?
0:51:01–0:51:03
Gibt es da eine klare Botschaft in dem Film?
Florian Clauß
0:51:03–0:51:04
Pragst du mich?
Micz Flor
0:51:04–0:51:08
Das wäre so eine Frage, die ich mir selber gestellt habe. Ich konnte sie mir nicht beantworten.
0:51:08–0:51:13
Also ich hatte, ja, also da kommen wir jetzt sozusagen in Anführungszeichen die Interpretation.
0:51:14–0:51:16
Und da kann ich sagen, ich kann gar nicht so viel interpretieren,
0:51:17–0:51:20
weil mir das so ein bisschen gefehlt hat, so die Botschaft.
0:51:22–0:51:24
Und das klingt jetzt vielleicht ein bisschen platt, dass mir das so gefehlt
0:51:24–0:51:27
hat. Ich habe es aber wirklich nicht herstellen können.
0:51:27–0:51:31
Und dann ist die Ebene dahinter natürlich, hat mir der Film gefallen oder hat
0:51:31–0:51:34
er was mit mir gemacht? Oder was nehme ich da von dem Film mit?
0:51:35–0:51:38
Und da weiß ich noch, bin ich aus dem Kino gegangen, hab dann irgendwie gedacht, hm,
0:51:39–0:51:42
Ist jetzt gerade nicht so viel. Müssen wir mal gucken, ob ich in zwei Tagen,
0:51:42–0:51:45
manchmal dauert es ja ein bisschen, dann gibt es bestimmte Filme,
0:51:45–0:51:48
die bleiben bei einem, aber die kommen erst so ein bisschen verzögert.
0:51:49–0:51:52
Aber bei dem, da habe ich gar nicht mehr so viel dran gedacht,
0:51:53–0:51:56
bis du es dann gesagt hast, dass du den nochmal angeschaut hast.
0:51:56–0:52:02
Das ist jetzt sozusagen meine sehr emotionslose, neutrale Rücksicht.
0:52:03–0:52:07
Aber ich möchte damit nicht dein Feuer nehmen, den Film gut zu finden,
0:52:07–0:52:09
weil du fandst ihn ja sehr gut.
Florian Clauß
0:52:09–0:52:13
Fand ihn sehr gut, ja. Ich meine, klar, die Fragen, die du gestellt hast,
0:52:13–0:52:15
ich habe dann auch von Wolfgang M.
0:52:15–0:52:18
Schmidt die Filmanalyse dazu gehört.
Micz Flor
0:52:18–0:52:19
Wer ist das? Kenne ich den?
Florian Clauß
0:52:19–0:52:24
Den habe ich schon ein paar Mal zitiert. Also der macht die Filmanalyse,
0:52:24–0:52:29
macht auch mit dem Stefan Schulz den Podcast 29er.
0:52:29–0:52:30
Mag ich sehr.
0:52:31–0:52:34
In der Filmanalyse hat er dann auch sich die Frage gestellt,
0:52:34–0:52:37
ist das ein politischer Film? Eher nein.
0:52:38–0:52:44
Der Film wurde dann so vermarktet, als der Film, den Trump nicht sehen möchte.
0:52:44–0:52:48
Er hat so bewusst das linke Publikum von Amerika ansprechen wollen.
0:52:49–0:52:53
Ich finde aber, es ist nicht wichtig bei dem Film.
0:52:53–0:52:57
Ich glaube, da ist er wirklich so im Erbe der Postmoderne. Das ist halt,
0:52:58–0:53:04
Eigentlich die Geschichte völlig willkürlich ist, dass das nicht so klar ist, was erzählt wird.
0:53:04–0:53:09
Es sind so ganz viele Stränge, die da erzählt werden, aber es gibt nicht das
0:53:09–0:53:11
Narrativ, das Übergeordnete und so.
0:53:11–0:53:18
Es gibt schon so Stränge, die dann, ja, eine Aussage fehlt schon so.
0:53:19–0:53:23
Deswegen ist man da nicht so nachhaltig bewegt aus dem Film.
0:53:23–0:53:28
Aber ich fand das halt in seiner Art, in der Leichtigkeit, wie er dann halt
0:53:28–0:53:33
die Erzählung macht und in die Geschichte von Vater-Tochter-Beziehung und vor
0:53:33–0:53:36
allem diese großartige, dass man das noch machen kann,
0:53:37–0:53:41
eine Verfolgungsjagd in der Wüste, die dann wirklich.
0:53:42–0:53:48
In dieser Form alles zuvor Produzierte noch mal so in den Schatten stellt, ja.
0:53:48–0:53:55
Das ist schon sehr bemerkenswert. Der Film ist in einem Format gedreht worden,
0:53:55–0:53:59
also in 35 Millimeter Vista Vision,
0:54:00–0:54:05
was seit den 1960er, damit wurde auch kein Film mehr gedreht,
0:54:05–0:54:12
also über 80 Prozent der Szenen sind halt in 35 Millimeter gedreht worden in Analogfilm.
0:54:12–0:54:18
Weil es auch ungewöhnlich ist. Aber gerade diese Wüstenszenen hat schon so eine
0:54:18–0:54:20
ganz eigene Materialität.
0:54:21–0:54:25
Und insofern ist das für mich ein guter Film, weil ich mich unterhalten habe.
0:54:25–0:54:32
Also ich fand, da war jetzt, wie hast du es gerade gesagt, was möchte mir der Film erzählen?
0:54:32–0:54:36
Ich glaube auch, gerade diese Beiläufigkeit von Erzählungen,
0:54:36–0:54:40
diese Geschichten, die dann so vor sich hin stolpern und irgendwo hinführen.
0:54:41–0:54:46
Mehr aus Zufall als dann halt wirklich aus so einer intrinsischen Motivation heraus.
0:54:47–0:54:52
Das ist doch genau so, wie man dann halt auch das Leben so sehen kann.
Micz Flor
0:54:52–0:54:52
Ja.
Florian Clauß
0:54:53–0:54:55
Deswegen konnte ich da jetzt gut was mit...
Micz Flor
0:54:55–0:54:58
Ja, weiß ich nicht. Also da wäre ich, vielleicht habe ich, ich habe mich gefreut
0:54:58–0:55:00
auf den Film. Ich war bereit, ihn zu mögen.
0:55:00–0:55:04
Ich habe ihn, wie du gesagt hast, schon auf Deutsch gesehen, nicht auf Englisch.
0:55:04–0:55:06
Aber ich glaube wirklich, dass das keinen großen Unterschied gemacht hat.
0:55:06–0:55:10
Aber wenn es dann wirklich so beliebig ist und man setzt sich dann ins Kino,
0:55:11–0:55:16
dann sagt man erst Mittag, egal was jetzt kommt, es kann ein Film sein über
0:55:16–0:55:23
das faschistische Militär in Amerika und Roadmovie oder ein Film über das Leben
0:55:23–0:55:26
der Maulwürfe in Brandenburg oder ein Film,
0:55:27–0:55:29
keine Ahnung, über ein Musical über Snowboarding.
0:55:30–0:55:34
Wenn ich die gleiche Unterhaltung rauskriege, ist es mir inhaltlich völlig egal.
0:55:34–0:55:38
Ich glaube, das kann man, also das kann ich zumindest nicht einfach so stehen lassen.
0:55:38–0:55:43
Da denke ich dann schon, dass ich, ich wurde gut unterhalten.
0:55:43–0:55:47
Das kann ich nicht so einfach stehen lassen, weil ich finde es ja nicht beliebig,
0:55:47–0:55:48
worum es geht inhaltlich.
Florian Clauß
0:55:49–0:55:53
Nein, natürlich nicht, aber in dem Rahmen. Also diese ganzen Erwartungshaltungen,
0:55:53–0:56:01
die man dann hat, wenn es darum geht, Das ist halt so eine linke Terrororganisation in Amerika.
0:56:01–0:56:06
Wenn wir jetzt die anderen Filmproduktionen, die da auch zu der Zeit rausgekommen
0:56:06–0:56:09
sind, zum Beispiel von Ari Aster
0:56:09–0:56:13
Eddington, wo es dann halt auch so diese Dios Ex Marina Antifa kommt.
0:56:14–0:56:18
Ja, das ist halt so. Ich glaube, das ist schon gerade auch so eine Frage in
0:56:18–0:56:21
Amerika, was bedeutet linke Politik.
0:56:21–0:56:26
Das finde ich schon irgendwie ganz gut gelöst, weil irgendwo kann man sich ja
0:56:26–0:56:31
auch dann als derjenige, der dann dort lebt und auch eine andere politische
0:56:31–0:56:36
Meinung haben, kann man sich ja da auch wieder so wiederfinden, mehr oder weniger.
0:56:36–0:56:41
Also jetzt nicht in so einer Organisationsform, aber zumindest wird es ja dann angeboten.
0:56:41–0:56:45
Und das Angebot kann man annehmen, aber gleichzeitig, das was ich meine mit
0:56:45–0:56:50
der Willkürlichkeit, ist eher dieser Cone-Politik.
0:56:50–0:56:51
Brothers-Effekt, ja.
0:56:53–0:57:00
Dass diese Hauptfigur dann so irgendwie durch so einen Stolpern dann doch zu
0:57:00–0:57:02
so einer Heldenfigur wird, ja.
0:57:02–0:57:06
Also so irgendwie so reinrutscht und dann runterrutscht und dann auf einmal
0:57:06–0:57:14
doch irgendwie mit dem Gewehr auf der Schulter dann da liegt und den Schrucken dann im Visier hat, ne.
0:57:14–0:57:18
Also irgendwo passiert dann eine Entwicklung. Und die Tochter,
0:57:18–0:57:22
die dann halt am Anfang eher so ein schüchternes Highschool-Mädchen ist,
0:57:22–0:57:29
dann auf einmal so einen unglaublichen Plot hat, das Auto als diese Waffe,
0:57:29–0:57:30
wie ich schon gesagt habe, einzusetzen.
0:57:31–0:57:36
Das ist für mich dieser ultimative Hitchcock-Effekt.
0:57:36–0:57:40
Und diese Mischung der Genres, also dem Thriller, dem Roadmovie,
0:57:40–0:57:47
hin zu einer Romanverfilmung oder halt auch so ein Slapstick-Momente dabei hat.
0:57:48–0:57:51
Ich finde diese Mischung total gut. Der Film ist recht lang.
0:57:52–0:57:57
Ich glaube, knapp drei Stunden, 165 Minuten oder so. Und ich fand,
0:57:57–0:58:03
ich habe die Zeit jetzt nicht so lang erlebt, als ich im Kino drin war. Also es war schon lang.
Micz Flor
0:58:03–0:58:09
Es fiel mir wirklich schwer. Ich habe keine wirkliche Beziehung zu den Personen aufbauen können.
0:58:09–0:58:13
Ich habe das am deutlichsten gemerkt, als das Teenage-Mädchen auf dem Stuhl
0:58:13–0:58:15
gefesselt war und ich nicht.
0:58:16–0:58:20
Mich gefragt habe, oh Gott, wie schafft ihr es da raus? Wie kommt ihr raus im Himmelswild?
0:58:20–0:58:24
Der Film hat nichts in mir ausgelöst, wo ich so mitgefiebert habe.
0:58:24–0:58:26
Ich fühlte mich da wirklich nicht gut begleitet.
0:58:27–0:58:28
Das liegt sicherlich eben an
0:58:28–0:58:32
mir, anderen ging es anders. Aber für mich war es so, meinte ich ja vor.
0:58:32–0:58:37
Also auf so einer Metaebene gibt es da eine Allegorie, irgendeine Botschaft oder so.
0:58:38–0:58:43
Dann kann ich schon verstehen, dass da, nee, ich weiß nicht,
0:58:43–0:58:50
was die Botschaft sein soll. Weil auch diese Terrorzellen-Agitation mit den Raketendingern und so.
0:58:50–0:58:53
Also Leonardo DiCaprio kommt mir von Anfang an wie jemand vor,
0:58:53–0:58:57
der irgendwie überfordert ist und irgendwie da auch vielleicht nur drin ist,
0:58:57–0:59:01
weil er sich verknallt hat in die Führerin. Das wird mir nicht wirklich klar.
0:59:01–0:59:05
Aber die brauchen ihn auf alle Fälle, weil er halt diese eine tolle Sache kann, Bomben bauen.
0:59:06–0:59:10
Dass er dann später eben auch immer überfordert bleibt, dass er...
0:59:13–0:59:17
Ich fand es mir teilweise zu Slapstick-mäßig. Nicht ernsthaft.
0:59:17–0:59:22
Also auch Leonardo DiCaprio guckt die ganze Zeit irgendwie mit so aufgerissenen
0:59:22–0:59:25
Kifferaugen und nach links und nach rechts und runter, versteck dich hoch und spring.
0:59:26–0:59:31
Und das ist wie so, wie Tom und Jerry. Wie wenn Tom in die Enge getrieben wird
0:59:31–0:59:33
von der Maus und dann irgendwie so rumrennt.
0:59:34–0:59:39
Ich fand es nicht lustig. Und mit der Szene, was du meinst, mit diesem Showdown,
0:59:39–0:59:45
mit diesen Hügeln, die Autos und rauf und runter, rauf und runter.
0:59:45–0:59:50
Hat auf alle Fälle einen cineastischen Effekt, dass man ähnlich wie so das typische
0:59:50–0:59:58
Bild in Horrorfilmen oder in Traumsequenzen, wenn Leute auf diesem Karussell
0:59:58–1:00:00
mit so Pferden sitzen, die so hoch und runter gehen.
1:00:00–1:00:04
Es wird dann gefilmt und dann kann man da ganz viel inszenieren und es macht
1:00:04–1:00:05
was mit dem Unbewussten.
1:00:06–1:00:08
Dann wird so eingelullt und gleichzeitig wird man hoch alarmiert.
1:00:08–1:00:13
Das ist da auch passiert aber es war mir irgendwie zu viel das war irgendwie,
1:00:13–1:00:18
ich weiß auch nicht ich hab gedacht so, ja, I got it also ich meine.
Florian Clauß
1:00:18–1:00:22
Ja, das ist mit dem hoch und runter, es hat was total hypnotisches in dem Moment
1:00:22–1:00:27
für allen Nullen das, aber gleichzeitig bist du halt irgendwie so im klimatischen
1:00:27–1:00:31
ganz oben, ne und ich finde, da ist es halt wieder so dieser.
1:00:32–1:00:38
Roadmovie Aspekt dass du auf einmal oder überhaupt dieser Hitchcock dass dann
1:00:38–1:00:46
halt auf einmal die Topographie, also das Gelände selber mit seinen Unebenheiten,
1:00:47–1:00:52
Das wird die dramaturgische Spannung. Und das, ich finde es auf so einer Ebene,
1:00:52–1:00:56
das, was Hitchcock halt gemacht hat, zu Genüge.
1:00:56–1:01:00
Das ist halt so mit der unsichtbare Dritte und so weiter.
1:01:00–1:01:02
Oder Spielberg mit Duell.
1:01:02–1:01:07
Dass du dann dieses Climax dann wieder in so einer epischen,
1:01:07–1:01:09
topografischen Erzählung drin hast.
1:01:09–1:01:13
Und dass dann halt der Hügel dann selber zum Cliffhanger wird.
1:01:13–1:01:19
Zu dem Plotpoint und da, wo dann eben das Böse gestoppt werden kann.
1:01:20–1:01:27
Und das finde ich halt so großartig, dass man da nochmal so diese ganz Oldschool-Geschichten so umgesetzt hat.
1:01:27–1:01:33
Und gleichzeitig diese cineastische Erfahrung dann auch so haben kann.
1:01:34–1:01:38
Und das finde ich dem Film ganz toll gelungen, das muss ich sagen.
1:01:38–1:01:42
Und ja, diese Willkürlichkeit, das wollte ich auch nochmal, das ist,
1:01:42–1:01:46
glaube ich, so diese Romanvorlage, die dann halt auch von Wineland,
1:01:46–1:01:51
wo diese Pünschengeschichte, ist ja auch so der Lockjaw.
1:01:52–1:01:57
Also das haben wir jetzt in dem Film nicht unbedingt so. Es gibt schon so klassische
1:01:57–1:02:02
dramaturgische Bögen, die da gespannt werden und auserzählt werden.
1:02:02–1:02:07
Man ist bei den Figuren dabei und so weiter, aber in einem Roman in Wineland
1:02:07–1:02:12
gibt es ja auch so einen Staatsanwalt, der dann halt die Tochter beseitigen möchte.
1:02:13–1:02:16
Und der wird dann halt einfach so, weil ihm das Budget ausgeht, verschwindet der.
1:02:17–1:02:22
Das heißt, mitten in dem höchsten dramaturgischen Moment ist er halt nicht mehr da.
1:02:23–1:02:26
Das, was es halt irgendwie so eine Postmodern macht. Du kannst halt einfach
1:02:26–1:02:30
so, nö, jetzt geht die Geschichte hier lang und es macht nichts.
1:02:30–1:02:38
Das ist halt schon so dieser postmoderne Moment, den ich dann auch wieder bei den Filmen dann so sehe.
1:02:38–1:02:44
Weil ja auch die Kamera, es gibt viele Dialoge, es gibt viele so Innenräume und so weiter.
1:02:44–1:02:48
Also wie dann halt auch inszeniert wird und wie die Dialoge inszeniert.
1:02:48–1:02:54
Das ist halt auch nicht so ein klassischer Actionfilm, sondern der ist irgendwo
1:02:54–1:02:58
in between und wirkt dann so nach, aber auch auf so eine amüsanter Art.
1:02:58–1:03:03
Und der hat mich halt einfach so in so eine amüsante Schwingung versetzt.
Micz Flor
1:03:04–1:03:09
Ich hatte immer das Gefühl im Film, wie wenn man auf so eine Rennradschaltung
1:03:09–1:03:16
fährt, die nicht gut eingestellt ist, man immer dann so zwischen den Ritzeln hin und her springt.
1:03:16–1:03:21
Dass man nie so richtig endlich mal Gas geben kann. Die ganze Zeit immer so
1:03:21–1:03:24
ein bisschen mit Vorbehalt, weil gleich wieder hinten die Kette kracht.
1:03:25–1:03:31
So habe ich den erlebt. Wenn man darf, sich das politisch anzugucken,
1:03:31–1:03:34
also ist mir jetzt nicht ganz klar, ob das nicht mehr erlaubt ist.
Florian Clauß
1:03:35–1:03:40
Da postmodern ist? Nee, klar. Ich meine, der Film will ja das.
1:03:40–1:03:44
Also der will ja schon... Weil es ist eben auch in dieser Zeit.
Micz Flor
1:03:44–1:03:49
In der Zeit, in der es martialische, militärische Mächte der Regierung irgendwie
1:03:49–1:03:55
in Amerika auch in die Communities irgendwie einbrechen, da kann man nicht umhinder,
1:03:55–1:03:59
irgendwie drüber nachzudenken, was das über die jetzige Zeit sagen möchte oder nicht.
1:04:00–1:04:03
Da ist halt, wenn ich das nochmal so kurz zusammenfassen kann,
1:04:03–1:04:09
Und es ist ja dann so, dass das Militär voll alarmiert ist, um halt diese Terrorzelle
1:04:09–1:04:12
jetzt endlich nach 18 Jahren auszuheben.
1:04:13–1:04:17
Die haben alle Spuren, die haben alles gefunden, die haben auch welche dann eingesperrt.
1:04:18–1:04:23
Und Lockjaw wird dann angeschossen, überlebt. Und dann springen wir halt irgendwie
1:04:23–1:04:25
in die Zukunft, in der verheilt ist und der alles andere ist.
1:04:25–1:04:28
Und ich frage mich, was genau möchte ich jetzt mit diesem Ende tun?
1:04:28–1:04:34
Also der Papa hat mit der Mama eine Terrorzelle.
1:04:35–1:04:39
Die in Kauf genommen hat, Menschen umzubringen, die mit Bomben und Raketen und
1:04:39–1:04:44
Waffen, geladenen Waffen, irgendwie losgerannt sind, ohne genau wissen zu können,
1:04:44–1:04:50
ob sie das benutzen oder nicht und was passiert oder nicht, weil die politisch was bewegen wollten.
1:04:50–1:04:54
Die Tochter muss das alles erstmal irgendwie schlucken. Und dann gibt es zum
1:04:54–1:05:00
Schluss ein Happy End, wo der Papa und die Tochter in dem gleichen Haus wohnen,
1:05:00–1:05:01
was alle jetzt irgendwie schon kannten.
1:05:01–1:05:07
Und dann die Tochter sagt, oh Papa, da ist eine Demo, darf ich da hingehen?
1:05:07–1:05:09
Na klar, hier sind die Autoschlüssel, klick.
1:05:10–1:05:14
Und er bräuchte nur noch sagen, und sei bitte aber um 19 Uhr zum Essen wieder zurück.
1:05:14–1:05:19
Und dann fährt sie halt so los und der Kapitalismus der protestantischen Kirche
1:05:19–1:05:24
bringt halt diese Militärs um, weil die Widerstands irgendwie nicht geschafft hat.
1:05:25–1:05:28
Und das kann es aber doch irgendwie nicht sein. Also es kann ja nicht sein,
1:05:29–1:05:36
das ist doch eher so ein Matrix-Moment, dass die Leute, die aus der Maschine
1:05:36–1:05:38
ausgebrochen sind, um was zu verändern,
1:05:38–1:05:42
dann sich wieder eingliedern in die Maschine und die Tochter fährt wie in einer
1:05:42–1:05:46
Volkswagen, so einem Volkswagen-Auto-Clip.
1:05:59–1:06:03
Sich zu zeigen, um gegen Politik zu demonstrieren, die gemacht wird oder so.
1:06:03–1:06:07
Das geht irgendwie vorne und hinten für mich nicht auf.
1:06:07–1:06:11
Die sind diese Terrorzelle des Militärs alarmiert, aber weil der jetzt dann
1:06:11–1:06:16
ins Gesicht geschossen bekam und dann vielleicht entlassen wurde, ist das alles weg.
1:06:16–1:06:19
Und alle können wieder komplett mit Handy an.
1:06:19–1:06:23
Und ich habe gerade einen Text bekommen. Ich gehe jetzt auf eine Demo.
1:06:24–1:06:28
Das fand ich einfach so, das gehörte gar nicht mehr dazu. das fühlte sich an
1:06:28–1:06:33
wie vier Jahre später noch nachgedreht, damit die Zuschauerzahlen hochgehen.
1:06:33–1:06:36
Ich fand's wirklich, du merkst, ich war regelrecht empört.
Florian Clauß
1:06:37–1:06:39
Ja, ja, aber ich finde,
1:06:40–1:06:43
Da bist du vielleicht ein bisschen streng der Geschichte gegenüber.
1:06:44–1:06:48
Die Figuren haben halt diese Heldenreise abgeschlossen. Wenn wir jetzt wieder
1:06:48–1:06:51
bei diesem Motiv der Heldenreise bleiben.
1:06:51–1:06:57
Was kann die Tochter denn noch krasseres in ihrem Leben machen,
1:06:57–1:07:04
als sich selbst eben zu befreien und dabei ihren Peiniger zu töten? Das geht ja nicht mehr.
1:07:05–1:07:08
Und das ist so ein bisschen wie bei Herr der Ringe. halt dann...
Micz Flor
1:07:08–1:07:12
Ich wollte auch gerade sagen, so ein bisschen wie Frodo, weil der dann bei den Elfen abhängt und sagt.
Florian Clauß
1:07:12–1:07:14
Ey Leute, jetzt muss ich hier mein Buch schreiben.
Micz Flor
1:07:14–1:07:15
Das ist so langweilig.
Florian Clauß
1:07:15–1:07:18
Jetzt habe ich... Ich kann nicht mehr.
Micz Flor
1:07:18–1:07:19
Ich muss jetzt mit den Elfen aufs Boot.
Florian Clauß
1:07:19–1:07:24
Da gibt es duty-free-shopping. Er schreibt, oder wie Sam, die sind dann halt
1:07:24–1:07:28
wieder im Auenland, die haben dann halt wieder ihre Pfeife im Mund und können
1:07:28–1:07:31
ihre Feste feiern und können dann halt so, okay,
1:07:31–1:07:35
so im Kleinen kannst du halt jetzt wieder so ein bisschen Politik machen. Das ist in Ordnung.
1:07:36–1:07:39
Und ich finde, das ist durchaus legitim, nach so einer hellen Reise dann halt
1:07:39–1:07:44
auch so ein Happy End zu machen, was dann halt total langweilig ist,
1:07:44–1:07:48
ja, von der Sache her. Also ich finde, das ist in Ordnung.
Micz Flor
1:07:48–1:07:52
Gut, also mich hat sich, das glaube ich dir.
Florian Clauß
1:07:52–1:07:56
Ich überlege, was ist vergleichbar mit Anna, aber viele Filme führen auch zu
1:07:56–1:08:01
einem gewissen harmonischen Ende, wo man dann auch den Zuschauer so entlassen
1:08:01–1:08:05
kann, okay, das ist alles wieder im Lot, im Gleichgewicht.
1:08:06–1:08:10
Das hatte ich dann eben empört. Das war dir einfach zu weit draußen.
Micz Flor
1:08:11–1:08:14
Es gab aber noch so eine andere Sache, da würde mich interessieren, wie das für dich war.
1:08:15–1:08:21
Als dann eben diese Nonnen mit den Maschinengewehren in diesem Kloster in der Wüste auf einmal,
1:08:22–1:08:29
auftraten und die waren halt alle so kompletter klischeehafte Nonnenkostümen so und alles nur Frauen.
1:08:30–1:08:34
Das war irgendwie so ein Tarantino-Moment. Also da hätte man sich vorstellen
1:08:34–1:08:39
können, so wie die Uhr, wie die Uhr bei Pulp Fiction oder irgendwie kam auf
1:08:39–1:08:43
einmal so was rein, wo es so völlig verquer ging und irgendwas sich öffnete.
1:08:43–1:08:46
Das war mir dann irgendwie zu gewollt.
1:08:47–1:08:52
Das war irgendwie zu, es war so unerwartet, dass es schon wieder erwartbar war.
1:08:52–1:08:53
Ich habe nicht erwartet, dass das jetzt so kommt.
Florian Clauß
1:08:54–1:08:54
Okay.
Micz Flor
1:08:54–1:08:57
Aber es hat auch nichts mit mir gemacht. Irgendwie hatte der Film mich da scheinbar
1:08:57–1:09:00
schon verloren. Ich fand sie nicht so glaubwürdig.
Florian Clauß
1:09:00–1:09:03
Ja, naja, glaubwürdig ist ja schwierig.
Micz Flor
1:09:03–1:09:07
Ja, genau, glaubwürdig nicht, aber glaubwürdig im Rahmen der Geschichte,
1:09:07–1:09:08
im Rahmen dieses Worldbuilding.
Florian Clauß
1:09:09–1:09:12
Ja, ich meine, das ist halt so diese Übertreibung, die dann halt aber auch schon
1:09:12–1:09:15
so die ganze Zeit dann dabei war.
Micz Flor
1:09:15–1:09:18
Wie ist das jetzt, wenn du mich so hörst, ist es so, dass du...
1:09:18–1:09:20
Den Film beschützen möchtest?
Florian Clauß
1:09:20–1:09:26
Ich glaube, es ist eine andere Position. Also das, was bei dir dann eventuell
1:09:26–1:09:29
diese Empörung ausgelöst hat,
1:09:29–1:09:33
kann ich nur so bedingt nachvollziehen, weil der ganze Film hat für mich schon
1:09:33–1:09:35
von vornherein so eine Haltung angenommen.
1:09:35–1:09:40
Also das war ja auch recht flachs, dass sie dann halt irgendwie so da mal einen
1:09:40–1:09:42
Bombensatz gelegt haben und dann weiter und hier noch.
1:09:42–1:09:46
Das war ja alles so konsequenzlos.
1:09:47–1:09:51
Also ein bisschen auch Comic-Relief-mäßig.
Micz Flor
1:09:51–1:09:57
Ja, eben. Der eine, der so ein Piratenradio gemacht hat, der wurde dann so hochgenommen vom Militär.
1:09:57–1:10:02
Und dann sind die beiden Kinder so hin und haben dann so Warnungen über das Radio noch gesagt.
1:10:02–1:10:07
Und der wird dann verhört und macht es halt erst mal so ganz cool.
1:10:07–1:10:11
Aber du merkst halt einfach, da ist schon ein unfassbar brutaler,
1:10:11–1:10:16
strenger und so ein Arm des Militärs, der ihn so umklammert hat.
1:10:17–1:10:20
Ich fand das sehr brutal und sehr bedrohlich.
Florian Clauß
1:10:20–1:10:21
Dieses Film.
Micz Flor
1:10:21–1:10:25
Und jetzt nicht so, dass man sagen könnte, das Geschichtchen erzähle ich mal
1:10:25–1:10:27
hier noch ein bisschen und da noch ein bisschen.
1:10:27–1:10:30
Deshalb habe ich, glaube ich, auch das so gefühlt.
Florian Clauß
1:10:31–1:10:32
Okay, verstehe.
Micz Flor
1:10:32–1:10:36
Wir gehen jetzt hier nochmal am See lang. Magst du noch die ganze Runde laufen
1:10:36–1:10:40
oder hast du noch ein Ziel in Sicht? Weil wir kommen da nicht mehr weg da vorne.
Florian Clauß
1:10:40–1:10:44
Ich glaube, wir können auch abschließen. so, weil ich meine,
1:10:44–1:10:50
ich will jetzt nicht nochmal irgendwie so in die ganze Kriterien von postmoderner
1:10:50–1:10:54
Literatur einsteigen, was man dann auch rausziehen kann bei Weinland.
1:10:55–1:10:57
Das braucht man jetzt nicht unbedingt zu machen.
Micz Flor
1:10:57–1:11:00
Aber das ist was, was ich wirklich jetzt auch so mitgenommen habe von deinen
1:11:00–1:11:04
Erzählungen, dass ich dieses, sagt jemand, dass dieses...
1:11:05–1:11:09
Ich möchte das Buch nochmal lesen. Das habe ich irgendwie mitgenommen.
Florian Clauß
1:11:10–1:11:17
Ja, also vielleicht noch diesen Aspekt zu erwähnen, das, was dann auch Kritiken von Wineland.
1:11:18–1:11:21
Was da auch nochmal so gesagt wurde, das finde ich auch ganz interessant,
1:11:22–1:11:28
nämlich was Pünzchen mit dem Roman macht, ist im Prinzip die Dekonstruktion so großer Erzählungen.
1:11:29–1:11:33
Also das ist auch so ein Merkmal von postmoderner Literatur.
1:11:33–1:11:34
Große Erzählungen sind.
1:11:34–1:11:41
Das ist eine Figur, tritt auf und sagt, okay, ich komme aus dem Sezessionskrieg.
1:11:41–1:11:46
Und dann wird auf einmal okay, oder aus der Revolution oder aus den 68ern,
1:11:46–1:11:49
dann wird auf einmal, es gibt so ein offizielles.
1:11:49–1:11:55
Narrativ, eine offizielle Geschichte, Erzählung. Wenn man damit eine Figur verknüpft,
1:11:55–1:11:59
dann sagen alle so, okay, ich weiß, was die Figur durchlitten hat.
1:11:59–1:12:05
Und das, was aber Pönchen macht, ist halt diese ganze 68er total zu dekonstruieren
1:12:05–1:12:13
und diese ganzen Traumata und diese ganzen unaufgearbeiteten Beziehungen und so weiter in den 68ern,
1:12:13–1:12:18
die werden dann auch jetzt mal so zu der Hauptgeschichte gemacht.
1:12:18–1:12:22
Deswegen diese Thanadoiten-Gesellschaft, oder wie die heißt,
1:12:22–1:12:25
als das Verdrängte der 68er dann auch auftreten.
1:12:25–1:12:28
Dass es nicht mehr so diese Main-Erzählung ist, wo jeder dann halt,
1:12:29–1:12:33
ich muss es dann nur in zwei Sätzen anreißen, damit habe ich meinen ganzen Background
1:12:33–1:12:38
der Figur, da geht er halt rein und guckt, das ist nicht mehr verlässlich,
1:12:38–1:12:40
die Erzählung, die ich da kenne.
1:12:40–1:12:45
Und das finde ich halt schon auch spürbar in der filmischen Umsetzung.
1:12:45–1:12:49
Dass der dann so ein bisschen diese ganzen Erzählungen, die man so hat.
1:12:50–1:12:55
Ja, so dann im Detail auflöst und dass es nicht mal so diese tragenden Sachen
1:12:55–1:12:59
sind, auf die man sich so verlassen kann, sondern dass es dann doch anders kommt.
1:12:59–1:13:01
Und das, finde ich, bringt der Film schon rüber.
Micz Flor
1:13:02–1:13:06
Das stimmt, aber da war es dann für mich in dem Film mehr als in dem Buch,
1:13:06–1:13:09
Eine eindeutige Positionierung von Gut und Böse.
Florian Clauß
1:13:10–1:13:10
Ja, das stimmt.
Micz Flor
1:13:10–1:13:15
Und das ist im Buch eben nicht so. Also da hast du wirklich das Gefühl,
1:13:15–1:13:19
dass viele Grenzen durch alle Charaktere durchgehen und du nie genau weißt,
1:13:19–1:13:21
um welchen Teil es gerade geht.
Florian Clauß
1:13:22–1:13:22
Ja.
Micz Flor
1:13:23–1:13:30
Aber im Film war es so, Folge der Macht, Luke. Also es war so die gute Seite und die böse.
Florian Clauß
1:13:30–1:13:34
Das ist richtig, das habe ich auch schon beim Aussprechen.
1:13:35–1:13:39
Kannst du auch auf den Film anwenden. Musst du dir das schon im Kopf relativieren,
1:13:39–1:13:42
weil der ja schon sehr stark nach diesen dramaturgischen Mustern funktioniert.
Micz Flor
1:13:43–1:13:46
Ja, ein Film. Ich finde es gut, dass wir den besprochen haben,
1:13:47–1:13:48
weil irgendwie habe ich mit noch niemandem drüber gesprochen.
1:13:49–1:13:53
Insofern war es auch mal ganz gut zu merken, dass ich da wirklich so eine Empörung
1:13:53–1:14:01
hatte, die andersrum natürlich ein Lob an den Filmemacher ist und sein Body
1:14:01–1:14:03
of Work, dass ich halt einfach gedacht habe,
1:14:04–1:14:07
das wird vielleicht episch und bleibend sein.
1:14:09–1:14:15
Das habe ich aber dann leider nicht erlebt und da war ich vielleicht ein bisschen zu sehr enttäuscht.
1:14:16–1:14:20
Wie so das Band-Album, was einem dann nicht gefallen hat, aber man liebt die
1:14:20–1:14:22
Band so sehr, dass man es richtig schlecht fand.
1:14:23–1:14:26
Bei anderen Bands war es jetzt nicht so wichtig, wenn mal ein schlechtes Album
1:14:26–1:14:27
kam. Weißt du, wie ich meine?
Florian Clauß
1:14:27–1:14:35
Nee, gut, aber Anderson macht halt teilweise großartige Filme und vielleicht andere, die man dann,
1:14:36–1:14:39
nicht so groß hat, aber es ist halt irgendwie ein Künstlerleben.
Micz Flor
1:14:40–1:14:46
Ja, aber wenn du dann 20 Millionen ausgibst für Leonardo DiCaprio und dann aber als,
1:14:47–1:14:51
er ist ja ein Actor-Director, er arbeitet ja gut mit SchauspielerInnen,
1:14:51–1:14:55
aber wenn er es dann nicht schafft, dem ein zweites Gesicht zu geben,
1:14:55–1:14:58
sondern nur dieses eine überfordert, also er hatte,
1:14:58–1:15:03
bevor wir ihn als Kiffer kennenlernen, hat er ein ähnliches Gesicht.
1:15:03–1:15:06
Er wirkt ein bisschen überfordert, aber er ist konzentriert und fokussiert.
1:15:06–1:15:11
Das ist dann 18 Jahre vorher. Und danach hat er nur noch dieses Gesicht von Augenbrauen hoch.
1:15:11–1:15:16
Fert links, fert links. Also das, da hat mir einfach da war,
1:15:17–1:15:20
der hat kein Story-Development oder kein Charakter-Development erlebt.
1:15:20–1:15:22
Der ist einfach da so durchgekifft.
Florian Clauß
1:15:22–1:15:25
Ja, muss er nicht. Ich finde, muss er nicht. Der funktioniert halt so.
1:15:25–1:15:30
Während John Penn ist halt so, auch der hat sich ja nicht großartig entwickelt.
1:15:31–1:15:37
Die funktionieren einfach in der Mimik. Diese Präsenz und Intensität und das,
1:15:37–1:15:41
was du sagst mit dem Eck da, Regisseur, finde ich völlig aufgelöst.
1:15:42–1:15:43
Also finde ich total okay.
1:15:44–1:15:48
Da kann ich nichts dazu sagen, kritisieren.
Micz Flor
1:15:49–1:15:50
Brauchen wir auch nicht.
Florian Clauß
1:15:50–1:15:55
Nee, wir sind auch jetzt ganz schön lang übers Land gegangen.
1:15:56–1:16:00
Es ist dunkel. Ich versuche nochmal hier so eine Nachtaufnahme zu machen.
Micz Flor
1:16:00–1:16:01
Ja, das musst du mit deiner Kamera machen.
Florian Clauß
1:16:01–1:16:06
Weil wir sind auch in verschiedenen Weihnachtsmarkten dann doch vorbeigekommen
1:16:06–1:16:09
hier, ne? Im Brandenburger Land. Oh, ich habe mir einen Blitz fotografiert.
Micz Flor
1:16:09–1:16:12
Kann auch gut aussehen, aber dann sieht es ja aus wie...
Florian Clauß
1:16:12–1:16:13
Blitz aus und Nachtmodus an.
Micz Flor
1:16:14–1:16:14
Jetzt ist es an.
Florian Clauß
1:16:15–1:16:21
Okay, ich habe still gehalten. Ja, ich hoffe, ihr habt auch ein bisschen was mitgenommen.
Micz Flor
1:16:21–1:16:25
Auch still gehalten. Ja, vielen Dank fürs Zuhören.
1:16:25–1:16:32
Die Route, die uns von Werneuchen über die Felder an den Haussee von Seefeld
1:16:32–1:16:36
getrieben hat, die findet ihr auf eigentlich-podcast.de.
1:16:36–1:16:40
Die Fotos, wie zum Beispiel eben das gerade, was so dunkel ist,
1:16:40–1:16:42
dass Flo zwei Sekunden stillhalten musste.
Florian Clauß
1:16:42–1:16:43
Drei.
Micz Flor
1:16:43–1:16:50
Drei sogar? Krass. Jetzt wisst ihr auch, was er für ein Telefon hat. Ja, tschüss, oder?
Florian Clauß
1:16:50–1:16:55
Ja, genau, dann sagen wir tschüss. Bis zum nächsten Mal. Ja,
1:16:55–1:16:57
in 14 Tagen. Tschüss. Tschüss.

Verwandte Episoden

Mehr

HANA "Ich bin ein kleines Missgeschick Gottes. Ganz tief in meinem Herzen bin ich eine Frau." GIN "Frauen können Kinder kriegen." HANA "Ganz genau. Wunder gibt es immer wieder. Stell dir vor, so was wie der Jungfrau Maria könnte auch mir passieren"

Micz und Flo haben sich zur Vorweihnachtszeit übers Wochenende zu einem Podcast-Retreat ins Brandenburger Land nördlich von Berlin zurückgezogen. Passend zur Weihnachtszeit schauen wir uns den Anime „Tokyo Godfathers“ von Satoshi Kon an und besprechen ihn am nächsten Tag auf einer Wanderung in Krummensee. „Tokyo Godfathers“ hat Flo schon vor über 20 Jahren berührt, als der Film 2003 herauskam, und ist ein perfekter Weihnachtsfilm mit allen prägenden Merkmalen des Genres: Er spielt am Weihnachtsabend im verschneiten Tokio, es geht um Wunder, ein verlorenes Kind und den Zusammenhalt von Familie. Held:innen der Geschichte sind die drei Obdachlosen: Hana, eine Transfrau, Gin, ein Alkoholiker und Miyuki, einem Teenager-Mädchen, das von zu Hause abgehauen ist. Sie sind auf der Suche nach der Mutter eines Babys, das sie im Müll gefunden haben, und wachsen dabei weit über ihre Grenzen hinaus. Der Film zeigt Mut und Barmherzigkeit im Randmilieu der Gesellschaft und benennt dabei Themen, die nicht nur in Japan tabuisiert sind: Alkoholismus und Spielsucht, Wochenbettdepression und Todgeburt, Gewalt an Obdachlosen und mangelnde Akzeptanz von Transsexuellen. Er schafft eine hohe emotionale Verbundenheit mit den Figuren, die Satoshi Kon wie echte Darsteller:innen inszeniert. Mit wenigen Strichen und zugleich karikaturesken Zeichnungen gelingt ihm eine starke Identifikation mit den Hauptfiguren. Satoshi Kon ist 2010 im Alter von 46 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Sein Œuvre ist weit über Japan hinaus bekannt. Er inspirierte Regisseure wie Christopher Nolan und Darren Aronofsky mit seinen Filmen. Wie auch Akira Kurosawa greift Satoshi Kon westliche Ideen in seinen Werken auf. Insbesondere die Psychoanalyse und Traumdeutung Sigmund Freuds finden bei Kon künstlerischen Ausdruck. „Tokyo Godfathers“ kann wohl von der Dramaturgie und Erzählung als der "normalste" von Satoshi Kon gelten. Wunder spielen zwar eine Rolle, aber immer so, dass sie auch ein Zufall sein könnte, ein ganz kleiner Zufall, der aber in der Realität passieren kann. Auf unserer Wanderung durch Krummensee Richtung Haussee können wir auch einen Weg nicht passieren, eine Absperrung mit dem Hinweis "Jagd auf diesen Wegen" veranlasst uns zum Umdrehen. Wir laufen stattdessen zum Krummer See. Dort treffen wir zwar auf keine weiteren Absperrungen, aber Micz bleibt für den Rest der Wanderung beunruhigt – auch wegen eines Pick-ups, der uns entgegenkommt. Der Fahrer mit Schirmkappe und breiten Nacken grüßt uns zwar freundlich, doch als wir dem Auto nachschauen, sehen wir auf der Ladefläche mehrere Rehe. Am Ende der Episode stehen wir an einem Hochsitz und scherzen darüber, ob die Folge überhaupt noch veröffentlicht wird – und ob man im Abspann vielleicht schon einen Schuss hört...

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
avatar
Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:02
Läuft schon. Weißt du, welche Folge das jetzt ist?
Florian Clauß
0:00:02–0:00:03
93.
Micz Flor
0:00:03–0:00:04
93.
Florian Clauß
0:00:04–0:00:05
Eine nach deiner.
Micz Flor
0:00:06–0:00:12
Ah, vor Weihnachten. Hallo, willkommen zu Podcast Episode 93.
0:00:19–0:00:22
Aufgenommen, die jetzt in der nahen Zukunft immer wieder mal kommen.
0:00:22–0:00:26
Und wer auf unserer Webseite sich die Tracks anschaut, kann dann auch schon,
0:00:27–0:00:29
abschätzen, in welcher Gegend wir da waren.
0:00:30–0:00:34
Wir, das sind Flo, hallo, und Mitch und wir machen Podcasts,
0:00:34–0:00:37
in denen wir laufend reden und beim Laufen reden.
0:00:37–0:00:43
Die Touren dazu könnt ihr, wie eben schon gesagt, auf unserer Webseite eigentlich-podcast.de
0:00:43–0:00:45
auch alle einsehen. Wer will, kann die mal nachlaufen.
0:00:46–0:00:48
Thema heute, vorbereitet von Flo.
Florian Clauß
0:00:49–0:00:50
Von uns beiden.
Micz Flor
0:00:50–0:00:56
Von uns beiden, genau. Ja, ich habe mich auch, also ich habe mich hineingefühlt, sage ich mal.
Florian Clauß
0:00:56–0:01:01
Ja, wir haben auch vielleicht das zu Ergänzungen auch thematisch verknüpft.
0:01:02–0:01:04
Wir haben nämlich, wir sind in der Vorweihnachtszeit.
0:01:05–0:01:11
Wir haben gerade an der Bushaltestelle uns verkabelt und dann auf der lauter
0:01:11–0:01:15
kleinen Anzeigen von Adventsmarkt in Krummsee.
0:01:15–0:01:19
Wir sind nämlich hier am Krummsee, Das ist nördlich von Berlin,
0:01:19–0:01:24
vor Berneuchen und wir wollen jetzt einmal um den Haussee laufen.
0:01:24–0:01:29
Das ist nämlich, eigentlich heißen hier alle Seen Hausseen, die irgendwie zum Dorf gehören.
0:01:29–0:01:34
Und dann zum Krummersee, was wir festgestellt haben, dass der Krummersee nicht
0:01:34–0:01:39
Krummsee heißt, sondern Krummersee, der ist so ein bisschen weiter südlich von Krummensee.
0:01:39–0:01:44
Genau, das ist unsere Tour hier in der Einöde von Brandenburg.
0:01:44–0:01:48
Genau das Richtige, um so ein Podcast-Retreat zu machen.
Micz Flor
0:01:48–0:01:53
Auf jeden Fall. Das Wetter ist kühl und klar. Morgens neblig.
Florian Clauß
0:01:54–0:01:58
Alles wie in einer Glasglocke. Wir sind gestern Abend angekommen,
0:01:58–0:02:01
konnten noch mit dem ABC-Ticket rausfahren.
0:02:02–0:02:06
Und alles war ganz neblig. Und ich finde, beim Nebel ist wie so ein...
0:02:07–0:02:11
Schallschutz, der um die Ohren gelegt wird. Da ist alles so gedämpft und wir
0:02:11–0:02:14
sind dann im Dunkeln auch um den See gefahren.
0:02:15–0:02:20
Nur mit so ein bisschen Taschenlampe und Fahrradlicht und ganz viel Nebel.
0:02:21–0:02:26
Also atmosphärisch hier, ja. Ich mache nochmal Bilder. Ihr könnt auch die Bilder sehen.
0:02:26–0:02:30
Also ja, Mitch hat ja schon gesagt, wer uns nicht kennt, wir laufen beim Reden
0:02:30–0:02:35
und laufend reden oder so ähnlich, Wir sind jetzt schon bei Folge 93, Mitch.
0:02:35–0:02:39
Und das war auch so ein bisschen Anlass für unser Podcast-Retreat.
0:02:40–0:02:43
Die Folge 100. Zeit zum Reflektieren.
0:02:44–0:02:49
Zeit zum Nachdenken. Wo kann sich noch eigentlich Podcast weiterentwickeln?
0:02:50–0:02:51
Neue Routen kennenlernen.
0:02:51–0:02:54
Und ja, ein bisschen besinnlich halt.
Micz Flor
0:02:54–0:02:57
Immer weiter, immer mehr. Noch länger, noch schneller.
0:02:59–0:03:04
Der Haussee hier in Krummensee. Wir hatten ja die Folge über den Haussee in
0:03:04–0:03:09
Seefeld, wo der Spiegel zwei Meter abgefallen ist. Aber hier sieht es nicht so aus, oder?
Florian Clauß
0:03:09–0:03:12
Ich weiß es nicht. Ich glaube, die Seen haben sich auch erholt.
Micz Flor
0:03:12–0:03:16
Also hier kann es nicht viel höher gelaufen sein. Wir sind direkt am Ufer und
0:03:16–0:03:18
da ist dann so hier was aufgemauert.
0:03:19–0:03:21
Also ich habe nicht das Gefühl, dass das hier so.
Florian Clauß
0:03:21–0:03:25
Eingebrochen ist. Ja, das sieht so aus. Vielleicht ist der auch einfach tiefer,
0:03:25–0:03:28
weil der See im Seefeld ist recht flach.
Micz Flor
0:03:28–0:03:31
Das ist wirklich eine Pfütze. Und hier, also wenn man hier fährt,
0:03:31–0:03:36
von der Bundesstraße Richtung Krummsee, dann kommt man auch an so ein bisschen
0:03:36–0:03:41
fast schon was, vielleicht würde man eher sagen Verwerfung als Gebirge,
0:03:41–0:03:43
aber man hat so Furchen drin.
0:03:43–0:03:48
Teilweise sind dann die Felder so ganz steilen Kippen zusammengeschoben.
Florian Clauß
0:03:48–0:03:52
Wir haben ja unter einer, was du hier schon gerade als Referenz benannt hast,
0:03:53–0:03:58
einstelligen Podcast-Episode über die Szenen in Brandenburg, die austrocknen.
0:03:59–0:04:02
Und da hatten wir auch gesagt, das hier ist der Banima-Gletscher,
0:04:02–0:04:06
der mal durchgelaufen ist. Deswegen sind die Landschaften so verfolgt.
0:04:07–0:04:11
Deswegen gibt es auch Steigerungen und Senkungen. Das ist quasi die eine Gletscherschneise,
0:04:11–0:04:14
die parallel zu Berlin hier mal so...
Micz Flor
0:04:14–0:04:16
Und da gibt es teilweise eben auch noch diese Riesen-Findlinge hier,
0:04:16–0:04:23
die dann in diesem Sandgebiet Und auch über die Jahrtausende,
0:04:23–0:04:27
Jahrzehnt, Tausende durch das Wasser teilweise auch so runtergezogen wurden.
0:04:27–0:04:29
Und dann gibt es, ich habe das vergessen, wie die heißen, eben diese Löcher
0:04:29–0:04:31
teilweise mitten in Feldern. Das sieht man auch noch.
0:04:32–0:04:37
Das hatte ich auch mal in einer Folge mit Ali Hacke live, als wir durch Berlin gelaufen sind.
Florian Clauß
0:04:37–0:04:43
Erwähnt, als wir über die Neolithischen Zeiten gesprochen haben. Das waren noch Zeiten.
0:04:44–0:04:46
Dass ich das irgendwie auch...
0:04:46–0:04:51
Da ging es auch um Stonehenge und so weiter, dass ich das irgendwie auch verstehen
0:04:51–0:04:57
kann, dass die Leute dann völlig perplex waren, als die halt so einen Riesenstein
0:04:57–0:04:59
bei sich da auf dem Feld gefunden haben.
0:04:59–0:05:05
Und dann natürlich an was Übernatürlichen glauben mussten, weil wer hat diesen Stein dahin gelegt?
0:05:06–0:05:11
Da war ja überhaupt keine historische, so eine wissenschaftliche Erklärung möglich,
0:05:12–0:05:16
sondern der Stein war auf einmal da und kein Wunder, da müssen wir halt irgendwie was draus bauen.
0:05:16–0:05:18
Wir holen andere Steine her, die groß sind.
Micz Flor
0:05:19–0:05:21
Oder es ist halt einfach so, wie es ist. So ging es mir als Kind.
0:05:21–0:05:26
Ich habe da früher einfach dann, gab es dann diese Asterix-Oblex-Hinkelstein-Dinger
0:05:26–0:05:27
und die stehen dann überall rum.
0:05:28–0:05:30
Und ich habe gedacht, das ist halt so, das ist halt Erde und Sand.
0:05:30–0:05:31
Und manchmal sind große Steine.
Florian Clauß
0:05:31–0:05:32
Ja, genau.
Micz Flor
0:05:32–0:05:34
Man muss einen ja auch nicht wirklich aus der Welt schmeißen.
Florian Clauß
0:05:35–0:05:39
Heute das Thema. Wir wollen ja uns auch so ein bisschen weihnachtlich einstimmen
0:05:39–0:05:41
und haben das auch gestern Abend getan.
0:05:41–0:05:44
Aber du meintest, du willst mir noch eine Frage stellen, bevor es losgeht.
0:05:44–0:05:46
Oder gehört die auch schon zum Thema?
Micz Flor
0:05:46–0:05:49
Nein, du kannst das Thema ankündigen und dann stelle ich dir nochmal die Frage.
Florian Clauß
0:05:50–0:05:55
Okay, also wir wollen uns diese Folge mit Weihnachtsfilmen beschäftigen.
0:05:56–0:06:00
Aber speziell mit einem Weihnachtsfilm, den ich sehr, sehr mag,
0:06:01–0:06:05
den Mitch dann, glaube ich, gestern zum ersten Mal gesehen hat,
0:06:06–0:06:10
aber der mich schon immer berührt hat, den ich auch das letzte Mal vor ewig
0:06:10–0:06:11
langer Zeit gesehen habe.
0:06:12–0:06:17
Und zwar geht es um Tokyo Godfathers von Satoshi Kon, ein Anime-Film,
0:06:17–0:06:20
der sehr weihnachtlich ist.
0:06:20–0:06:26
Und darüber möchten wir sprechen und das mit euch teilen, wie man so sagt.
Micz Flor
0:06:26–0:06:29
Genau. Und eine Sache, die wollte ich mit dir vorneweg kurz besprechen.
0:06:30–0:06:34
Und zwar, wie nennen wir die Charaktere? Weil ich kann mir diese Namen nicht merken.
0:06:35–0:06:42
Und ich hatte überlegt, weil es gibt ja diese eine Person, die sich selbst in
0:06:42–0:06:46
der deutschen Sankt-Konsignation als Tunte auch bezeichnet, aber die...
0:06:47–0:06:52
Am Anfang irgendwann einmal so diesen Spruch sagt, so, ach, ganz tief im Herzen bin ich eine Frau.
0:06:53–0:06:56
Und vielleicht können wir das einfach als Aufhänger nehmen und können über die
0:06:56–0:07:00
Charaktere, es sind drei, die da zusammenkommen, wird Flo gleich in der Einladung
0:07:00–0:07:06
erzählen, können wir vielleicht sagen, es ist der Mann, die Frau und das Mädchen oder das Kind.
0:07:07–0:07:12
Wäre das für dich denkbar, weil es ja ein bisschen auch mit diesem christlichen
0:07:12–0:07:15
Motiv, was da so teilweise reingezogen ist, d'accord gehen würde?
Florian Clauß
0:07:15–0:07:20
Ja, klar, können wir so machen. Aber ich fand jetzt zum Beispiel da die Charaktere
0:07:20–0:07:26
gar nicht so schwierig, die man sich auch merken kann, weil der Mann ist Gin,
0:07:26–0:07:29
also er ist Alkoholiker, deswegen Gin.
0:07:29–0:07:38
Ja, die Trans-Person ist Hanna und das Kind ist Miyuku.
Micz Flor
0:07:39–0:07:39
Miyuku.
Florian Clauß
0:07:40–0:07:48
Das ist die Familie Tokio-Gottfathers. Da sind zwei Sachen drin in diesem Titel.
0:07:48–0:07:51
Eine ist Tokio und das andere ist Gottfathers.
0:07:52–0:07:58
Also im Gottfathers kann man auch sagen, die heiligen drei Könige oder Königinnen.
Micz Flor
0:07:58–0:08:00
Ja, oder Paten.
Florian Clauß
0:08:00–0:08:06
Paten, genau, die Paten. Eine richtige Stunde. Natürlich, das klassische Narcos-Paten.
0:08:08–0:08:14
Gottfald. Aber Satoshi Kon ist ein Animationszeichner, der nicht so viele Filme
0:08:14–0:08:20
gemacht hat, weil er früh gestorben ist, mit 46 Jahren an Bauchspeicheldusenkrebs.
0:08:20–0:08:27
Aber in seiner kurzen Schaffenszeit hat er doch sehr bemerkenswerte Werke hinterlassen.
0:08:27–0:08:36
Die auch vornehmlich mit einer Produktionsfirma produziert wurden, nämlich Madhouse.
0:08:36–0:08:41
Satoshi Kon hat Anfang der 90er seine Zeichenkarriere begonnen.
0:08:42–0:08:48
Er selber, also wenn man seine Beschreibung in der Kindheit,
0:08:48–0:08:52
wenn man die sich anschaut, ist so ein typisch japanisches Kind,
0:08:52–0:08:55
was sich durch Insekten sammeln auszeichnet.
0:08:55–0:09:00
Ah, okay. Das war ja auch lustig, weil das ist tatsächlich, Insekten sammeln
0:09:00–0:09:04
scheint sehr verbreitet zu sein. Das ist mir auch bei einigen so.
Micz Flor
0:09:04–0:09:09
Das ist bei Gibli nicht auch so, dass das kleine Kind so rumläuft und so Zikaden
0:09:09–0:09:13
sammelt und auch so einen Köscher hat oder so. Ja, das ist bei Tattoo.
Florian Clauß
0:09:14–0:09:14
Oder?
Micz Flor
0:09:14–0:09:15
Genau, ja, ja.
Florian Clauß
0:09:15–0:09:19
Stimmt, ja, ja. Gut, lass mal gucken, ob da ein Weg eingezogen ist.
0:09:19–0:09:22
Nicht, dass wir dann wieder hier, guck mal, ah ja, hier, hier,
0:09:22–0:09:25
den kann man gehen. Also wir sind jetzt vor der Karte.
0:09:25–0:09:28
Das heißt, wir können hier und dann den Dammweg hier rumgehen.
0:09:29–0:09:30
Oder wir können mal gucken, ob wir hier durchkommen.
0:09:31–0:09:36
Aber da ist ein Fluss. Wahrscheinlich müssen wir wirklich hier weggekommen.
Micz Flor
0:09:36–0:09:40
Also hier weiß ich nicht, ob wir da drüber kommen. Wir können es probieren. Seehof runtergehen.
0:09:40–0:09:43
Hier sind auch die alten Sachen. Also Krummsee ist sehr klein.
0:09:43–0:09:45
Hatte früher einen Seehof, eine Bogenschießanlage.
0:09:46–0:09:48
Es gibt immer noch hier ein Restaurant, den Pilzhof.
0:09:49–0:09:53
Ein bisschen Promotion, ganz selbstlos. einfach um auch die Infrastruktur ein
0:09:53–0:09:55
bisschen aufrechtzuerhalten.
0:09:55–0:09:59
Aber diese Karten, die hier in den Dörfern stehen, die sind teilweise schon
0:09:59–0:10:02
sehr alt, ich weiß nicht von wo, auch wenn die noch gut erhalten aussehen.
0:10:03–0:10:07
Wo diese viele von den Sachen, die da verzeichnet sind, gar nicht mehr existieren.
Florian Clauß
0:10:07–0:10:11
Aber ich habe also auch in einigen Arthouse-Filmen japanischen gesehen,
0:10:11–0:10:15
dass dann irgendwelche Charaktere dann Insekten sammeln. Das kommt immer wieder vor.
0:10:16–0:10:19
Also er hat sich selber als ein Außenseiterkind bezeichnet.
Micz Flor
0:10:19–0:10:21
Ich habe auch Insekten gesammelt als Kind.
Florian Clauß
0:10:21–0:10:24
Ich habe auch Insekten gesammelt. Vielleicht ist es auch so ein bisschen so
0:10:24–0:10:28
nerdy Stuff, weißt du, so die Nerdkinder, die anfangen irgendwie...
Micz Flor
0:10:28–0:10:32
Rückwirkend, so brutal. Man muss die alle auch irgendwie umbringen,
0:10:32–0:10:36
weil ich habe die dann ja auch umgebracht. Und so habe ich nie groß drüber nachgedacht.
Florian Clauß
0:10:36–0:10:39
Ich konnte die nicht umbringen. Also ich habe die gesammelt,
0:10:39–0:10:41
aber dann halt so ein Terrarium gebaut.
Micz Flor
0:10:42–0:10:44
Das hatte ich auch mit Stabheuschrecken. Und auch teilweise,
0:10:44–0:10:45
die konnte man irgendwo kaufen.
0:10:46–0:10:49
Glaube ich, musste ich ja irgendwo gekauft haben. Stimmt, ich hatte auch Terrarien,
0:10:49–0:10:51
dann Schnecken gehalten, Stabheuschrecken gehalten.
Florian Clauß
0:10:52–0:10:55
Aber getötet habe ich die, glaube ich, nicht. Oder ein bisschen,
0:10:55–0:10:58
aber ich habe mich dann immer schlecht gefühlt und wollte es dann doch nicht.
0:10:59–0:11:07
Also er war als Junge auch sehr intelligent, er hat gute Schulnoten geschrieben
0:11:07–0:11:13
und hat sich dann aber fast beiläufig für das Anime-Zeichnen,
0:11:13–0:11:17
also für das Manga-Zeichnen dann interessiert und das als seinen beruflichen
0:11:17–0:11:18
Werdegang dann auch eingeschlagen.
0:11:18–0:11:22
Weil er beim Zeichnen, so hat er das gesagt, dass er nie ermüdet.
0:11:23–0:11:28
Er hat eine unglaubliche Kraft. Man merkt das dann auch in seinen Filmen und
0:11:28–0:11:34
ich will auch so weitgehend zu sagen, dass es wirklich eine Handschrift ist, die man da bei ihm merkt.
0:11:35–0:11:39
Zum einen stilistisch, zum anderen auch von den Themen.
0:11:41–0:11:42
Er hat auch,
0:11:43–0:11:49
Ähnlich wie Kurosawa dann in den 50ern, hat er auch einige Stoffe,
0:11:49–0:11:52
die dann sehr westlich sind, mit aufgenommen.
0:11:52–0:11:58
Also in Perfect Blue oder Paprika kommen auch viele Zitate zu.
0:11:58–0:12:05
Freud, die gespiegelte Persönlichkeit und so verschiedene Anleihen aus der Psychoanalyse.
0:12:06–0:12:10
Deswegen dachte ich, dass du, aber du kennst die anderen Filme glaube ich nicht, oder?
Micz Flor
0:12:10–0:12:12
Nee, ich habe das, das hattest du dir glaube ich auch schon erzählt,
0:12:13–0:12:17
aber ich finde, das ist so ein eigenes Genre, das Trailer gucken auf YouTube.
Florian Clauß
0:12:17–0:12:19
Ich weiß nicht, ob du das nachvollziehen kannst. Ja, klar, genau.
Micz Flor
0:12:19–0:12:24
Mach das manchmal so 45 Minuten Trailer, Best Sci-Fi Films of Coming Year oder so.
0:12:25–0:12:28
Und da gab es dann irgendwie 15 Top-Manga-Films oder so.
0:12:29–0:12:33
Und da war auch Perfect Blue, Paprika und so. Und da kannte ich die irgendwie so als Trailer.
0:12:34–0:12:37
Und teilweise habe ich dann auch noch Reviews geguckt, die die so hoch gelobt
0:12:37–0:12:40
haben. Aber dann habe ich es auch schon wieder fallen gelassen.
Florian Clauß
0:12:40–0:12:42
Paprika, das lohnt sich auch wirklich,
0:12:43–0:12:48
den mal anzuschauen, weil der viel mit so Traumwelten, also generell ist Satoshi
0:12:48–0:12:50
Kon arbeitet viel mit Traumwelten,
0:12:50–0:12:57
mit Parallelwelten und wo auch die Charaktere dann nochmal eine andere Identität
0:12:57–0:13:02
bekommen und auch so mehr zu sich selbst finden oder über sich herausfinden.
0:13:02–0:13:08
Man sagt, dass Tokyo Godfathers tatsächlich eher ein Film ist,
0:13:08–0:13:11
wo alles in der realen Welt spielt.
0:13:12–0:13:18
Da gibt es jetzt keine Sequenzen, die irgendwie in einem Traum oder irgendwas spielen.
Micz Flor
0:13:18–0:13:21
Ja, ich würde gleich sagen, mit Hinblick auf worum es da geht.
0:13:21–0:13:24
Es hat so Weihnachtswunderzeit.
0:13:25–0:13:29
Dass es wichtig ist, dass es eine realitätsbezogene Welt spielt,
0:13:29–0:13:32
damit diese ganzen Wunder auch als Wunder erkannt werden.
0:13:32–0:13:37
Es gibt eine ganze Reihe von kleinen Hinweisen, dass da doch etwas Übernatürliches passiert.
0:13:37–0:13:42
Und das ist natürlich verstärkt, wenn man einfach so in urbanen Settings ist,
0:13:42–0:13:46
wo dann auf einmal was passiert, was sehr, sehr unwahrscheinlich ist.
0:13:46–0:13:49
Möglich, aber vielleicht doch ein Wunder.
Florian Clauß
0:13:49–0:13:53
Ja, genau. Und dann kommen wir genau zu dieser Definition von Wunder.
0:13:53–0:13:57
Weil, wie du sagst, es ist alles sehr, sehr unwahrscheinlich.
0:13:57–0:14:04
Das heißt, alles, was da aber passiert, ist noch irgendwo mit naturwissenschaftlichen
0:14:04–0:14:08
oder gesellschaftlichen Regeln dann auflösbar.
0:14:08–0:14:12
Es ist nichts, was dann tatsächlich übernatürlich wirkt.
0:14:12–0:14:14
Da kommen wir gleich nochmal zu.
0:14:15–0:14:19
Aber eigentlich so ein bisschen wie bei Magnolia, diese Einleitung von,
0:14:19–0:14:21
also der Film von Thomas Anderson.
Micz Flor
0:14:21–0:14:22
Da regnet es Frösche.
Florian Clauß
0:14:22–0:14:29
Da regnet es Frösche, genau. Aber diese Verkettung an Ereignissen,
0:14:29–0:14:34
die auf einmal so extrem kleine Wahrscheinlichkeiten und Situationen auslösen,
0:14:34–0:14:35
die eigentlich nicht sein können.
0:14:36–0:14:38
Wie der Taucher, der im Baum gefunden wird.
0:14:38–0:14:46
Solche Sachen. Damit beginnt der Film. Und das finde ich auch eine Weltsicht,
0:14:46–0:14:50
die irgendwo auf der einen Seite poetisch ist,
0:14:51–0:14:56
auf der anderen Seite aber auch ohne übernatürliches Einwirken dann passieren kann.
0:14:57–0:15:00
Der Titel, vielleicht nochmal diese Paten, wir hatten es schon gesagt,
0:15:00–0:15:05
Heilige Familie, Heilige Drei Könige, Epiphanie kommt da mit rein.
0:15:06–0:15:10
Das ist die eine Seite Gottfathers, die andere Seite ist, dass Satoshi Kon auch,
0:15:11–0:15:15
mit diesem Film Tokio so ein Denkmal setzen wollte.
0:15:15–0:15:23
Ganz viel Animationsarbeit fließt tatsächlich auch in die Stadtlandschaft Tokio.
0:15:23–0:15:28
Also man sieht die Häuser, die Schlucht. Also man spürt es quasi,
0:15:28–0:15:32
dass Tokio damals von Anfang der 2000er ist.
0:15:32–0:15:35
Und ich finde es auch toll inszeniert in dem Film.
Micz Flor
0:15:35–0:15:38
Ja, hat mich auch ein bisschen daran erinnert, wo du es sagst.
0:15:38–0:15:41
Das wusste ich nicht, dass es war, aber ich hatte so ein bisschen auch Manhattan
0:15:41–0:15:44
von Woody Allen im Kopf, der ja auch sagte, damit so ein bisschen,
0:15:45–0:15:48
ja eigentlich in allen Filmen, aber da eben vor allen Dingen auch sein,
0:15:49–0:15:51
also New York, Manhattan einzufangen.
0:15:51–0:15:56
Und das hatte ich da bei dem Film jetzt wirklich von den Bildern auch.
0:15:56–0:16:00
Es waren immer so Detailausschnitte, die darauf hingewiesen haben,
0:16:00–0:16:03
ach ich bin jetzt irgendwie an der Straße, die an einem Park ist.
0:16:03–0:16:07
Es war nie so total, dass man wirklich so einen Überblick hatte,
0:16:07–0:16:09
abgesehen von den beiden Türmen, wo sie dann hin mussten.
0:16:10–0:16:17
Aber es war wirklich so, dass diese kleinen Ansichten, diese Megastadt,
0:16:17–0:16:19
inzwischen über 40 Millionen Einwohner, glaube ich,
0:16:20–0:16:24
die Megastadt so runtergebrochen hat, auf sehenswerte Settings.
0:16:24–0:16:26
Das war wirklich schön gemacht, ja.
Florian Clauß
0:16:26–0:16:32
Und es ist auch die Liebe von Satoshi Kon zu Tokio, die sich damit ausdrückt.
0:16:32–0:16:35
Und wir steigen in dem Film am Weihnachtsabend ein.
0:16:35–0:16:39
Es wird quasi auch ein christlicher Chor singt.
0:16:40–0:16:44
Weihnachten muss man sagen, in Tokio, also in Japan, es wird gefeiert,
0:16:44–0:16:49
es gibt Christen, das ist aber eine kleine Menge auf die Bevölkerung von Japan betrachtet.
0:16:50–0:16:56
Weihnachten ist ein Fest, das man kennt. Da geht es vor allen Dingen um Nächstenliebe
0:16:56–0:16:58
und Schenken, das wird so ein bisschen auch tradiert.
0:16:59–0:17:01
Und dass Tokio da ist eben,
0:17:02–0:17:06
voll verschneit am Weihnachtsabend, also auch so, das ist ein ganz,
0:17:06–0:17:08
ganz typisches Merkmal für Weihnachtsfilme.
0:17:09–0:17:15
Das ist halt meistens um die Weihnachtszeit spielt, aber fast immer irgendwo Schnee vorkommt.
0:17:16–0:17:21
Und die drei Obdachlosen, die finden beim Durchwühlen von Müll,
0:17:21–0:17:27
finden die ein Baby, was dann ausgesetzt unter der Decke lag und sie nehmen
0:17:27–0:17:31
es auf und Hanna, die Transfrau.
0:17:33–0:17:38
Die findet sich auch gleich in dieser Rolle als Mutter und sieht sich da so
0:17:38–0:17:44
als diejenigen, die das Kind beschützen möchte und dem eigentlichen,
0:17:44–0:17:47
der eigentlichen Besitzerin wieder zurückgeben möchte.
0:17:47–0:17:53
Also das ist quasi der Ausgangspunkt für die Suche einer Odyssee durch Tokio,
0:17:54–0:17:57
die Suche nach der Mutter von diesem Kind.
0:17:57–0:18:07
Jin, der Alki-Typ, der fetzt sich dann immer mit dem Kind, mit der Jugendlichen, Miyuku.
0:18:07–0:18:12
Die streiten sich immer und es ist sehr charikaturesk.
0:18:13–0:18:18
Also generell kann man sagen, dass die ganze Art zu zeichnen,
0:18:18–0:18:25
also diese Charaktere, die Mimik in den Gesichtern, die schon sehr expressiv beinimmt.
0:18:25–0:18:30
Und das war auch ein künstlerischer Aspekt von Satoshi.
0:18:30–0:18:35
Kon nämlich die Gesichter so expressiv herauszuarbeiten.
0:18:35–0:18:40
Also er wollte wirklich mit den Figuren echte Charaktere schaffen,
0:18:40–0:18:46
also richtige Schauspielerinnen, die dann halt auch Emotionalität in den Gesichtern.
0:18:46–0:18:50
Und damit ist ja auch teilweise, wird das ja so ins Fratzenhafte überzogen.
0:18:50–0:18:54
Ich habe mich so, das wird dann ja so universal, dass du halt denkst,
0:18:54–0:18:59
das könnte auch so ein Zillebild sein von den Gesichtern, von den Charakteren.
0:18:59–0:19:06
Aber ich finde es super toll getroffen, weil man findet total die Identifikation mit denen.
Micz Flor
0:19:06–0:19:12
Ja, es gibt diese eine Szene dann gegen Schluss wie so eine Art Showdown in deren Triangulierung,
0:19:13–0:19:21
also Vater-Mutter-Kind-Triangulierung, wo dann der Mann Jin seine Tochter trifft.
0:19:21–0:19:22
Jetzt nehme ich ein bisschen was von weg.
0:19:23–0:19:31
Und die dann eine sehr rührende Szene haben, die auch sehr feinfühlig gezeichnet ist, sag ich mal.
0:19:32–0:19:37
Und dann sehen wir auf einmal Hannah, die Frau, die dann da hinten steht und
0:19:37–0:19:39
wo dann das Gesicht grimassenhaft verzogen wird.
0:19:40–0:19:42
Ich kann mich nicht genau erinnern, aber es sind fast wie Stills,
0:19:43–0:19:48
eher als wie flüssige Bewegung, wo die halt total wütend ist und da jetzt irgendwie
0:19:48–0:19:51
alles auch irgendwie entwertet und so.
0:19:51–0:19:53
Und dann sind auch die Furchen und
0:19:53–0:19:58
die Schatten im Gesicht ganz überzogen dargestellt, so dass man es merkt.
0:19:58–0:20:02
Nicht, dass es wirklich ein ganz anderer Stil ist, aber das fand ich war so
0:20:02–0:20:03
eine Szene, die es noch mal gut
0:20:03–0:20:07
Und das Streich, was du gerade gesagt hast, es gibt manchmal diese sehr expressiven
0:20:07–0:20:09
Verzerrungen in den Bildern.
Florian Clauß
0:20:09–0:20:13
Also ich finde das auch getroffen und auch gerade in diesem Kontrast.
0:20:13–0:20:19
Also der Stil wechselt, manchmal ist es total so übertrieben fresken, maskenhaft.
0:20:19–0:20:22
Und dann ist es wieder so doch sehr weich.
0:20:22–0:20:25
Also es wechselt dann je nach emotionaler Stimmung.
0:20:26–0:20:28
Vielleicht nochmal so kurz zu der Biografie der einzelnen Figuren.
0:20:29–0:20:33
Die taucht dann auch in der Erzählung, in den Geschichten in verschiedenen Varianten auf.
0:20:34–0:20:38
Das sind einmal die Geschichten, die sie sich untereinander erzählen.
0:20:38–0:20:44
So zum Beispiel Jin, der sagt, er wäre ein bekannter Radfahrer geworden und
0:20:44–0:20:49
musste halt für die OP seiner Tochter dann Geld sich finanzieren.
0:20:50–0:20:54
Dann hat er auf einen dubiosen Typen gesetzt, der ihm dann halt das Geld dann
0:20:54–0:20:58
aus der Tasche gezogen hat und ist dann seiner Tochter gestorben,
0:20:58–0:21:02
weil er die Oma so nicht mehr zahlen konnte.
0:21:02–0:21:05
Und seine Frau ist eine kurze Zeit später gestorben,
0:21:05–0:21:09
bis ich dann herausstelle, die richtige Geschichte ist, dass er ein Fahrradhändler
0:21:09–0:21:15
war und dass er in Wettschulden war, Alkoholiker geworden ist und dann aus Scham
0:21:15–0:21:18
seine Familie verlassen hat. Also Scham kommt ganz viel vor.
0:21:18–0:21:22
Und das, was ich halt auch diesen Film so hoch anrechne, und das,
0:21:23–0:21:29
was, glaube ich, in der Zeit kaum Filme gemacht haben, diese Außenseiter so dargestellt haben.
0:21:29–0:21:34
Diese Außenseiter, die so erstmal obdachlos, auf der einen Seite dann aber auch
0:21:34–0:21:37
Randgruppen, natürlich Obdachlosigkeit und Alkoholismus fällt oft zusammen.
0:21:38–0:21:43
Aber auch dann diese Transfrau Hanna, das war damals noch nicht so eine Figur,
0:21:43–0:21:45
die man halt irgendwo anders auch so gesehen hat.
0:21:45–0:21:50
Es gab so ein paar Transfilme zu der Zeit, aber die waren jetzt nicht so verbreitet.
0:21:50–0:21:52
Also das war sehr mutig.
Micz Flor
0:21:53–0:21:58
Das weiß ich nicht. Also da kann ich nichts zu sagen, weil ich überhaupt, da habe ich kein...
0:22:00–0:22:02
Möglichkeit, das irgendwie so abzuschätzen.
Florian Clauß
0:22:02–0:22:06
Na, zumindest ist es auch für japanische Verhältnisse, wo Obdachlosigkeit eigentlich
0:22:06–0:22:09
gesellschaftlich, ich glaube, das ist nur gesperrt für Autos.
Micz Flor
0:22:10–0:22:12
Wald und Wege gesperrt, heute Jagd.
Florian Clauß
0:22:13–0:22:16
Ach so. Dann sollten wir nicht hier hingehen.
Micz Flor
0:22:16–0:22:18
Nee, dann müssen wir uns an die Straßen halten.
Florian Clauß
0:22:18–0:22:18
Aha.
Micz Flor
0:22:19–0:22:20
Bis zum Tor gehen und so.
Florian Clauß
0:22:20–0:22:23
Hier können wir da wieder hochgehen und dann müssen wir zum Krummen,
0:22:23–0:22:26
dann können wir das Haus jetzt canceln.
0:22:26–0:22:31
Naja, also ich glaube, für so japanische Verhältnisse ist es ungewöhnlich,
0:22:31–0:22:35
dass die Protagonisten in dem Milieu dann so angesiedelt sind und so spielen.
0:22:35–0:22:41
Es gibt Erzählungen, also du findest, glaube ich, auch in Japan nicht irgendwo
0:22:41–0:22:45
im Straßenbild, findest du auch nicht Obdachlosigkeit.
0:22:45–0:22:51
Das gibt es halt in Japan nicht so offiziell. Und die sind dann irgendwo versteckt.
0:22:52–0:22:55
Und meistens sind das ja auch solche, also die Die schämen sich dann halt auch
0:22:55–0:22:59
und zeigen sich nicht. Es ist ein anderer Umgang damit gesellschaftlich.
Micz Flor
0:23:00–0:23:05
Da sehen wir in der Eröffnungsszene aber, weil du meintest, diese Kirchenszene,
0:23:05–0:23:06
oder ich weiß gar nicht genau, wo das ist,
0:23:07–0:23:10
da hatte ich aber das Gefühl, dass das wirklich was ist, was aus dieser christlichen
0:23:10–0:23:15
Hilfehaltung heraus gerade extra für Obdachlose gemacht wurde.
Florian Clauß
0:23:15–0:23:16
Ach so.
Micz Flor
0:23:16–0:23:20
So kam mir das vor. Ich hatte gar nicht das Gefühl, dass das eine Gemeinde war,
0:23:20–0:23:23
wo ein paar Obdachlose waren. aber es fühlte sich eher so an,
0:23:23–0:23:26
als ob da ganz viele waren, die,
0:23:27–0:23:31
Die hingen auch eher so rum, oder? Das waren jetzt ja keine Kirchen mit Bänken,
0:23:31–0:23:32
sondern die saßen ja einfach so auf dem Boden.
Florian Clauß
0:23:33–0:23:36
Nee, das hatte ich schon so wahrgenommen, dass da Bänke waren.
0:23:36–0:23:39
Aber das stimmt, du hast recht. Das war auf jeden Fall dann so eine Straßenküche,
0:23:39–0:23:42
so eine Straßenküchenszene, wo sie dann verkostigt wurde.
0:23:42–0:23:45
Also wahrscheinlich war das von so einer christlichen Gemeinde dann einfach
0:23:45–0:23:48
auch so eine Nächstenliebe-Veranstaltung zu Weihnachten.
Micz Flor
0:23:49–0:23:51
Eine von diesen Nächstenlieben-Veranstaltungen.
Florian Clauß
0:23:51–0:23:57
Genau, du kennst die doch, die Christen. Genau, und Hannah, also die Geschichte eben von Jin,
0:23:57–0:24:04
Hannas Geschichte ist so, dass sie in so einem Club, Strip-Club oder Trans-Club
0:24:04–0:24:10
dann rausgeflogen ist oder auch geflüchtet ist, weil sie da einen Gast...
Micz Flor
0:24:10–0:24:13
Ja, ich glaube, das war so eine Travestie-Show, würde man vielleicht sagen.
0:24:13–0:24:16
Also es hat jetzt nichts von Strippen und nicht von,
0:24:16–0:24:19
das war jetzt auch kein Flinter-Treffen oder so, sondern es war,
0:24:19–0:24:25
glaube ich, wirklich so eine Kabarett-ähnliche Bar, in der dann eine Travestie-Show
0:24:25–0:24:28
zu sehen war. Man sieht es dann später so als Bild.
Florian Clauß
0:24:28–0:24:29
Man sieht es später, aber es gab
0:24:29–0:24:34
halt auch die Damen, die dann halt in den Tischen von den Herren saßen.
0:24:35–0:24:40
Und man sieht dann auch die Rückblende, wie dann eben Hannah gestört wurde von
0:24:40–0:24:45
einem Gast in ihrer Performance und sie den halt vermöbelt hat und dann abgehauen ist.
Micz Flor
0:24:46–0:24:49
Ja, und ihre Mutter leitete das...
0:24:49–0:24:51
Wie würde man sagen, Etablissement?
Florian Clauß
0:24:51–0:24:55
Ich weiß es gar nicht, ob es tatsächlich ihre leibliche Mutter ist oder ob sie
0:24:55–0:25:01
dann nicht so als Puffmutter, wie man so sagt, das dann halt so geleitet hat.
0:25:01–0:25:04
Also ich habe es jetzt nicht als ihre leibliche Mutter wahrgenommen.
0:25:05–0:25:07
Miyuku ist ein 14-jähriges Mädchen.
Micz Flor
0:25:09–0:25:12
Merkt man das im Film oder hast du gesagt, dass die 14 Jahre ist?
Florian Clauß
0:25:12–0:25:15
Nein, das habe ich gelesen, aber es ist auf jeden Fall ein Teenie-Girl.
0:25:16–0:25:20
Das merkt man, glaube ich, schon. die von zu Hause weggerannt ist,
0:25:20–0:25:25
weil sie dann im Affekt ihren Vater einen Messerstich versetzt hat.
0:25:27–0:25:32
Und sie rennt auch aus Scham weg. Also Scham spielt da schon eine große Rolle,
0:25:33–0:25:38
dass du in so einer Position von Obdachlosigkeit kommst, weil du dich dann nicht
0:25:38–0:25:42
mehr so, weil du dich von deiner Familie, von deinem sozialen Umfeld schämst.
Micz Flor
0:25:42–0:25:46
Ja, losing face, das Gesicht verlieren. Also der Vater, der das Alkoholiker
0:25:46–0:25:50
mit Wettschulden abhaut, weil er sich schämt vor seiner Familie.
0:25:50–0:25:52
Die Tochter schämt sich vor ihren Eltern.
0:25:53–0:26:00
Und Hannah schämt sich ja auch für ihr Impulsdurchbruch, möchte man sagen.
0:26:00–0:26:04
Dass sie da ihre aggressiven Impulse da so ausgelebt hat.
0:26:05–0:26:12
Und dann verlässt man seinen Kontext, um diese Scham nicht, keine Ahnung,
0:26:13–0:26:16
durchzuarbeiten, loszuwerden. erklären zu müssen.
Florian Clauß
0:26:17–0:26:22
Die Obdachlosen, also die drei, haben auch dann so eine notdürftige Behausung,
0:26:23–0:26:27
also so Zelte aufgebaut, die dann innen drin mit Decken und so ein bisschen
0:26:27–0:26:30
heimelig dann auch schon ausgestaltet sind.
0:26:31–0:26:36
Aber das ist so deren Unterkunft und wie es aussieht, hängen die halt zu dritt immer ab.
0:26:36–0:26:41
Und wie das Baby jetzt so in diese Dreiergemeinschaft kommt,
0:26:41–0:26:46
das ist dann quasi wie so eine Art von Katalysator, wo die Geschichte losgeht.
0:26:46–0:26:52
Und wo die sich dann halt auch als Familie dann,
0:26:53–0:26:59
beziehungsweise wo dann diese innere Reise der Charaktere auch losgeht.
Micz Flor
0:26:59–0:27:02
Aber es ist halt auch das erste Wunder irgendwie.
0:27:03–0:27:08
Die streiten sich gerade und prügeln sich fast, das Mädchen und der Mann.
0:27:09–0:27:13
Und dann hören die auf einmal Kinderschreie und wühlen sich dann durch solche,
0:27:14–0:27:15
was ist das, Müllbeutel oder so?
Florian Clauß
0:27:15–0:27:16
Ja.
Micz Flor
0:27:16–0:27:21
Und dann kommen sie halt und sehen dahinter, dass jetzt ein kleines Kind da
0:27:21–0:27:23
abgelegt wurde oder ein kleines Wunder.
Florian Clauß
0:27:23–0:27:28
Wie ich schon gesagt habe, die wollen dann eben die Mutter finden von dem Baby.
0:27:29–0:27:35
Dann beginnt eigentlich dieser Film und so richtig kann man den nicht erzählen.
0:27:35–0:27:40
Das ist halt so das Interessante, weil da so viel passiert und so viele,
0:27:41–0:27:43
also man merkt das so gar nicht beim Gucken wirklich.
0:27:44–0:27:47
Und dann wird man wieder, ah okay, jetzt sind sie da. Ja, ja.
0:27:49–0:27:54
Also, wir können ja ganz grob mal drüber gehen, über die Handlung.
Micz Flor
0:27:55–0:27:58
Wir können ja erstmal zusammenfassen machen, dann auch mal so Panik-Mein-Namen.
0:27:58–0:28:02
Zusammenfassend wäre für mich, es sind diese drei Obdachlosen-Charaktere,
0:28:02–0:28:06
die das kleine Kind finden, die dann darüber reflektieren,
0:28:07–0:28:10
weil eine will es behalten, die andere will es gleich zur Polizei bringen.
0:28:10–0:28:14
Sie entscheiden sich dann irgendwie gemeinsam, die Eltern zu suchen,
0:28:14–0:28:15
um das Kind zurückzubringen.
0:28:17–0:28:22
Und auf dieser Suche kommen sie aber letztendlich zuerst an die Falschen.
0:28:23–0:28:27
Und dann gibt es sozusagen nochmal einen zweiten Showdown, wo sie zuerst denken,
0:28:27–0:28:29
jetzt ist es Kind bei der Mutter.
0:28:29–0:28:31
Und dann stellt sie aber raus, das war gar nicht die Mutter,
0:28:31–0:28:33
sondern die hat das im Krankenhaus geklaut.
0:28:33–0:28:39
Und dann kommt es nochmal im zweiten Schritt zur Auflösung, Happy Ends.
0:28:40–0:28:45
Und dazu ist auch noch zu sagen, dass auf dieser Reise alle drei obdachlosen
0:28:45–0:28:49
Charaktere auch immer wieder eine echte Person aus ihrem Leben treffen.
0:28:49–0:28:54
Du hast es schon gesagt, die Tochter von Jin, die nennt sie Mutter von Hannah.
0:28:55–0:28:57
Deshalb dachte ich, das ist halt der echte Bezug.
0:28:57–0:29:00
Bei dem Mädchen ist es dann, dass sie ihren Vater trifft. Einmal sieht sie ihn
0:29:00–0:29:03
zwischendurch und dann zum Schluss trifft sie ihn wirklich auch.
0:29:03–0:29:07
Und das sind alles dann irgendwie auch so Teil von diesen kleinen Wundern,
0:29:07–0:29:11
die in dieser Metropolis fast unmöglich erscheinen.
Florian Clauß
0:29:11–0:29:16
Genau, und dann auch teilweise die Figuren mehrmals treffen in irgendwelchen
0:29:16–0:29:17
unterschiedlichen Kombinationen.
0:29:17–0:29:21
Und wenn du dir dann, wie gesagt hast, Tokio mit 40 Millionen Einwohnern,
0:29:21–0:29:24
dann halt irgendwie die Figuren mehrmals treffen.
0:29:24–0:29:26
Die statistische Wahrscheinlichkeit ist halt irgendwie...
Micz Flor
0:29:26–0:29:28
Gut, die bewegen sich natürlich immer nur in einem Teil davon.
0:29:28–0:29:32
Ob es jetzt 140 Millionen sind oder zwei Millionen, ist da wahrscheinlich wurscht,
0:29:32–0:29:33
weil die zu Fuß unterwegs sind.
0:29:33–0:29:37
Aber es ist trotzdem unerwartet.
Florian Clauß
0:29:37–0:29:42
Naja, es ist bewusst angelegt und ich glaube, das will der Film uns dann halt
0:29:42–0:29:44
auch in diesen Zwischenblicken dann so erzählen.
0:29:44–0:29:47
Das ist halt immer kleine Wunder passieren.
0:29:47–0:29:52
Eigentlich fast in jeder Szene ein kleines Wunder passiert. Also der Film hüpft
0:29:52–0:29:59
dann halt auch über gesellschaftliche Unterschiede, über Milieus.
0:30:00–0:30:03
Sie werden dann auch von einem Gangsterboss, dessen Leben sie retten,
0:30:04–0:30:06
werden sie dann halt auch aufgenommen.
0:30:07–0:30:11
Dann sind zum Beispiel, das finde ich auch interessant, Friedhöfe sind für Obdachlose
0:30:11–0:30:13
dann quasi so eine Nahrungsquelle.
Micz Flor
0:30:13–0:30:15
Ja, das wusste ich auch nicht, aber es ist naheliegend.
Florian Clauß
0:30:15–0:30:20
Ja, das ist total naheliegend, weil auf den Friedhöfen in Japan häufig dann
0:30:20–0:30:25
eben Nahrungsmittel für die Gestorbenen ausgelegt werden.
0:30:25–0:30:31
Und ganz oft, ich kenne das auch aus China, dass dann halt so alkoholische Getränke
0:30:31–0:30:35
wie Schnaps und Wein an den Gräbern dann halt steht.
0:30:36–0:30:38
Und das war dann halt für die dann wirklich so eine Entdeckung,
0:30:39–0:30:42
hier Friedhof, wir sind gerettet, als die ja den größten Hunger haben.
0:30:42–0:30:46
Gin sich dann halt irgendwie so eine Schnapsflasche reinpfeifen kann.
Micz Flor
0:30:46–0:30:49
Und dann eben auch da selbst ein Wunder passiert, dass sie dann wirklich auch
0:30:49–0:30:53
Milch und Windeln für das Baby finden.
Florian Clauß
0:30:53–0:30:57
Stimmt, ja genau, weil nämlich auf einem Grab dann die Windeln und die Milch
0:30:57–0:30:59
steht. Da suchen sie nämlich das.
0:30:59–0:31:03
Das Baby heult, aber das Baby ist so im Hintergrund.
0:31:03–0:31:06
Die Versorgung, also diese Grundversorgung ist gewährleistet,
0:31:07–0:31:11
das heißt, sie schaffen es zu wickeln, weil Jin selber noch seine Erfahrungen
0:31:11–0:31:13
im Wickeln mit seiner Tochter hat.
0:31:13–0:31:16
Sie schaffen das dann halt auch entsprechend mit der Milch und dem Wasser.
0:31:17–0:31:20
Dann muss Miyoko losgehen und Wasser besorgen für die Milch.
0:31:20–0:31:23
Es wird dann auch sehr liebevoll gesorgt um das Kind.
0:31:24–0:31:30
Also das heißt, die Fürsorge bringen die Obdachlosen eben dann mit.
0:31:31–0:31:36
Und das schweißt sie natürlich als Familie zusammen, aber gleichzeitig fragmentiert
0:31:36–0:31:37
das auch in dieser Odyssee.
0:31:37–0:31:40
Immer wieder werden irgendwelche Figuren gespaltet.
0:31:40–0:31:43
Also das heißt, von der Familie dann halt rausgenommen. Die werden dann,
0:31:43–0:31:46
keine Ahnung, Gin baut dann auch zusammen.
0:31:46–0:31:49
Ein Unfall? Oder wie ist das noch?
Micz Flor
0:31:50–0:31:51
Die Gin wird zusammengeschlagen.
Florian Clauß
0:31:51–0:31:56
Ja, wird zusammengeschlagen. Sie werden immer wieder mit ihrer Herkunft als
0:31:56–0:31:59
Obdachlose konfrontiert mit der Gesellschaft.
0:31:59–0:32:01
In der U-Bahn rumpfen alle.
Micz Flor
0:32:02–0:32:04
Ja, da halten sich die Nase zu.
Florian Clauß
0:32:04–0:32:08
Weil die so stinken, aber die stinken auch so. Oder es gibt eine Szene,
0:32:08–0:32:16
wo Gin dann einen alten Mann, der dann auch Obdachloser ist und im Sterben liegt
0:32:16–0:32:18
und ihm den letzten Wunsch erfüllt.
0:32:18–0:32:22
Und dann kriegt er noch mal dieses Päckchen von ihm mit. Und weißt du,
0:32:22–0:32:23
was in diesem Päckchen ist?
Micz Flor
0:32:23–0:32:26
Nee, das ist gut, dass du sagst. Das habe ich gar nicht mehr verfolgt.
Florian Clauß
0:32:26–0:32:29
Das hast du nicht mehr verfolgt. Da sind die Lose drin.
Micz Flor
0:32:30–0:32:33
Ah, diese 1, 1, 1, 1. Das sieht man dann zum Schluss.
Florian Clauß
0:32:33–0:32:39
Genau, es gibt zum Schluss ein Wunder, was sie mit Geld überschüttet.
0:32:39–0:32:43
Es gibt eine sehr seltene Gewinnzahl.
0:32:43–0:32:47
Das ist, wie Mitch gerade schon gesagt hat, die 1, das Glückslos.
0:32:48–0:32:54
Diese Losnummer oder dieses Los bekommt dann Gin von diesem sterbenden Obdachlosen
0:32:54–0:32:57
noch einen letzten Wunsch. Der letzte Wunsch ist, ich will besoffen sterben.
0:32:57–0:33:01
Gin hat dann noch die Flasche vom Friedhof dabei und dann freut er sich und
0:33:01–0:33:03
kann halt dann so sterben.
0:33:03–0:33:06
Dann kommen dann im nächsten Schnitt halt so ein paar Jugendliche,
0:33:06–0:33:09
die halt Obdachlose zusammenschlagen wollen und vermöbeln Gin.
0:33:10–0:33:15
Der kommt ins Krankenhaus, Das wird eingeliefert und gleichzeitig sind dann
0:33:15–0:33:19
auch wieder Miyuko und Hanna auf einmal im Krankenhaus, weil,
0:33:20–0:33:23
Und jetzt ist es wieder so, hä, ich kriege die Geschichte nicht mehr zusammen.
0:33:23–0:33:26
Warum sind die im Krankenhaus, Mitch? Kannst du dich noch erinnern?
Micz Flor
0:33:26–0:33:29
Ja, aber nachdem er vermöbelt wird, wird er nicht im Krankenhaus eingeliefert,
0:33:29–0:33:31
sondern wird von diesem Engel gefunden.
Florian Clauß
0:33:31–0:33:31
Nein, stimmt.
Micz Flor
0:33:31–0:33:34
Und in diesem Etablissement mit der Mutter. Und deshalb treffen sie dann auf
0:33:34–0:33:36
die Mutter da wieder zusammen.
Florian Clauß
0:33:37–0:33:42
Genau. Und das ist noch mal so die letzte Zufluchtsort, den Hannah dann mit
0:33:42–0:33:50
dem Kind doch in Erwägung zieht, eben diese Bar, wo sie rausgegangen ist, dahin zurückzukehren.
0:33:50–0:33:52
Und sie wird aber total herzlich eben von der Mutter aufgenommen.
0:33:53–0:33:54
Und alle haben sich Sorgen gemacht.
0:33:55–0:34:03
Genau, da liegt Gin auf einmal von den anderen Damen des Hauses verarztet auf der Couch.
0:34:04–0:34:06
Also auch wieder eine wunderbare Zusammenführung.
Micz Flor
0:34:06–0:34:11
Ja, die wurden da auseinandergerissen. Also jetzt sind wir doch so im Detail des Films wieder drin.
0:34:11–0:34:14
Aber es wird vielleicht deutlich, dass man wirklich das Gefühl hat,
0:34:14–0:34:18
es sind unfassbar interessante kurze Kapitel und kleine Bilder,
0:34:18–0:34:23
die aber schwer so auf der Perlenkette hintereinander zu machen sind, aber es war so, dass sie,
0:34:23–0:34:29
wurde nicht das Mädchen mit dem Kind entführt von dem Täter,
0:34:29–0:34:33
der versucht hat, den Stinksboss zu erschießen, das war so ein Bandenkrieg.
0:34:33–0:34:36
Und die landete dann in einer, glaube ich, spanisch sprechenden Familie.
0:34:37–0:34:40
Die sich irgendwie für die Mutter konnte dann, die gerade selber ein Kind hatte,
0:34:40–0:34:44
konnte auch das kleine Findelkind dann noch mit stillen.
0:34:44–0:34:49
Und dann hatten wir so ein Mädchen-Moment irgendwie, wo sie sich nebeneinander
0:34:49–0:34:52
Fotos angeguckt haben und so ein bisschen gequatscht haben, obwohl sie gar nicht
0:34:52–0:34:53
miteinander reden konnten.
0:34:53–0:34:56
Und von dort musste dann alles wieder zusammengeführt werden.
0:34:56–0:34:59
Und das war dann auf der einen Seite, Chin wurde verprügelt.
0:35:00–0:35:04
Tot, guckt er hoch und sieht einen Engel. Also das Engelsmotiv kommt immer wieder auch.
0:35:04–0:35:09
Die Katze hat ja auch Engelsflügel von der Tochter oder von dem Mädchen der
0:35:09–0:35:11
drei und das kommt immer wieder mal rein.
0:35:12–0:35:16
Hannah geht dann, aber wie, wie ist, ja, okay, also man verharrt,
0:35:16–0:35:20
ich weiß jetzt nicht mehr, wie das Mädchen da dazugekommen ist zu Hannah.
Florian Clauß
0:35:21–0:35:25
Ja, ich glaube, wir müssen noch mal einen wichtigen Punkt sagen,
0:35:25–0:35:29
nämlich in diesem Korb, wo das Baby drin lag, da gab es auch einen Schlüssel.
0:35:30–0:35:36
Zu einem Schließfach. Und das ist so, nämlich da finden die die ganzen Hinweise zu der Mutter.
0:35:36–0:35:39
Und da finden sie auch einen Stapel von Bildern.
Micz Flor
0:35:39–0:35:40
Der angeblichen Mutter.
Florian Clauß
0:35:40–0:35:43
Der angeblichen Mutter, wo so zwei Türme abgebildet sind.
0:35:44–0:35:48
Und die rennen dann auch von einem Schließfach ins nächste, weil die finden
0:35:48–0:35:52
dann auf einmal in dem einen Schließfach dann wieder einen anderen Schlüssel
0:35:52–0:35:55
zum nächsten Schließfach und beklagen sich schon, dass die die ganze Zeit Geld
0:35:55–0:35:57
für dieses Schließfach hier reinwerfen müssen.
0:35:57–0:36:04
Und so finden sie halt lauter Fragmente von der Familie oder von der Mutter
0:36:04–0:36:09
mit ihrem Mann und können so quasi, wir müssen jetzt hier durch den Schlamm.
Micz Flor
0:36:09–0:36:11
Meinst du, hier ist keine Jagd auf der Seite?
Florian Clauß
0:36:12–0:36:13
Nein, wenn das jetzt nicht gesperrt ist.
Micz Flor
0:36:14–0:36:18
Naja, es ist halt irgendwie eher so ein Matschweg jetzt. Vielleicht hat sich
0:36:18–0:36:20
keiner die Mühe gemacht, den zu sperren.
Florian Clauß
0:36:23–0:36:25
Hast du nicht deine Neonweste dabei?
Micz Flor
0:36:26–0:36:26
Was?
Florian Clauß
0:36:26–0:36:28
Hast du nicht deine Neonweste dabei?
Micz Flor
0:36:29–0:36:30
Ja, keine Ahnung.
Florian Clauß
0:36:30–0:36:34
Deine Anti-Jagdweste. Bitte schieß mich nicht.
0:36:36–0:36:39
Schieß mich lieber. Genau.
0:36:40–0:36:44
Und so sind sie quasi auf der Suche nach diesen zwei Türmen,
0:36:44–0:36:49
die eben im Hintergrund von einem Bild, wo die beiden abgebildet sind,
0:36:49–0:36:52
auf dem Balkon. und finden tatsächlich auch das Haus.
0:36:52–0:36:58
Nur das Haus ist total abgerissen, als dann Jin den Schlüssel in die Tür steckt,
0:36:59–0:37:02
wo dann nur noch die Tür dann quasi als Rahmen steht.
0:37:02–0:37:06
Und er eintritt und meint so, er passt, der Schlüssel. Also es ist quasi so
0:37:06–0:37:08
ein bisschen auch so ein Kriminal.
0:37:09–0:37:12
Das ist dann halt von einer Station zur Nächste, so ein Kriminalfilm.
0:37:12–0:37:14
Das ist hinweisen, gucken und weiter.
Micz Flor
0:37:15–0:37:19
Ja, es ist so ein bisschen abstrus, weil wenn du ganz rauszoomst,
0:37:19–0:37:24
dann bräuchten die gar nicht so viel rumrennen, weil irgendwann die Auflösung
0:37:24–0:37:26
des Ganzen wird zum Schluss sein,
0:37:26–0:37:31
dass im Fernseher dieses Kind gezeigt wird, es sei entführt worden im Krankenhaus.
0:37:31–0:37:34
Und das ist ein Hinweis, den hätten sie überall gesehen.
0:37:35–0:37:37
Ihre Tour war dafür gar nicht notwendig.
Florian Clauß
0:37:37–0:37:38
Ja, das stimmt.
Micz Flor
0:37:38–0:37:42
Und in gewisser Weise haben sie es verschlimmbessert, als sie dann die Falschmutter finden.
Florian Clauß
0:37:42–0:37:43
Genau.
Micz Flor
0:37:43–0:37:47
Aber in dieser Tour, die sie gemacht haben, sonst gäbe es den Film gar nicht,
0:37:47–0:37:49
Dazwischen passieren eben immer wieder kleine Wunder.
0:37:50–0:37:53
Und Detektivarbeit, die wechseln sich immer so ab, finde ich.
0:37:54–0:37:58
Also die strengen sich an, diesen Ort zu finden. Im Hintergrund sind eben zwei
0:37:58–0:38:00
Häuser, wie so Twin Towers zu sehen.
0:38:01–0:38:05
Und dann versuchen sie, den Ort zu finden, von wo aus das Foto gemacht wurde.
0:38:06–0:38:09
Das ist dann die Detektivarbeit, die sie leisten. Aber dass sie überhaupt mit
0:38:09–0:38:14
dem Schlüssel dahin kommen oder dass dann da sich wieder ein Hinweis auf was anderes findet.
0:38:14–0:38:16
Oft ist es halt so wundersam, dass überhaupt was passiert.
0:38:17–0:38:21
In einer Szene werden sie fast von einem Krankenwagen totgefahren,
0:38:21–0:38:26
der in ein Café reinrauscht, in dem sie gerade noch drin waren.
0:38:26–0:38:30
Aber sie sind dann, weil ein Gast sie verprügeln wollte, aus dem Café rausgegangen.
0:38:30–0:38:32
In dem Moment rauscht es hinter denen.
Florian Clauß
0:38:32–0:38:38
Der Kassierer ist dann gefolgt. Und alle gucken dann sich so um und dachten, okay, ich gehe da mal.
Micz Flor
0:38:38–0:38:43
Das sind so diese Sachen, finde ich. Zwischendrin haben wir immer dieses Wechselspiel
0:38:43–0:38:48
zwischen Detektivarbeit, die ja auch für so einen Film spannend ist,
0:38:48–0:38:50
wie so ein Roadmovie, kommt dann der nächste Clou, der nächste Clou,
0:38:50–0:38:52
der nächste Clou, so ein Whodunit.
0:38:52–0:38:56
Und auf der anderen Seite aber auch das Fantasy-Element, das Fantastische,
0:38:56–0:39:01
das Wunder der Christmas-Zeit.
Florian Clauß
0:39:01–0:39:06
Und du hast natürlich diese starke emotionale Verbundenheit mit den Figuren,
0:39:07–0:39:12
weil Hannah in ihrer Expressivität, die mag man einfach dann als Charakter.
0:39:12–0:39:17
Gin, also man mag alle drei, aber gleichzeitig sind die auch nicht so zugänglich.
0:39:17–0:39:21
Sie sind halt nicht so superschön oder so tolle Charaktere, sondern sie sind
0:39:21–0:39:23
halt so mit allen Ecken und Kanten.
0:39:23–0:39:26
Ja, und das finde ich halt toll, dass der Film es schafft, dass man die dann
0:39:26–0:39:29
halt auch so emotional so mag.
0:39:29–0:39:32
Und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass du in so einem Weihnachtsfilm auch,
0:39:33–0:39:36
Figuren hast, mit denen du dich halt so emotional ganz stark verbindest.
0:39:37–0:39:38
Und das schafft der Film, ja.
Micz Flor
0:39:38–0:39:40
Ja, und es ist so ein bisschen auch,
0:39:41–0:39:47
In der Dynamik, das Mädchen fragte dann immer Hanna an zwei,
0:39:47–0:39:50
drei Punkten, ob sie denn nicht in Jin verliebt sei eigentlich.
Florian Clauß
0:39:51–0:39:51
Ja, stimmt.
Micz Flor
0:39:52–0:39:56
Das kommt dann irgendwie auch noch so mit dazu. Und was ich vorhin sagte,
0:39:56–0:40:01
wo Hanna so dann so aufkarikiert,
0:40:01–0:40:08
aufklärerisch, agitiert im Krankenhaus diese Szene zunichte macht zwischen Jin und seiner Tochter.
0:40:09–0:40:12
Da spielt es auch so ein bisschen mit, finde ich. Ist das jetzt eine Form von
0:40:12–0:40:16
möglicher Eifersucht, dass Gin jetzt über seine Tochter vielleicht wieder in
0:40:16–0:40:19
die Familie kommt und das bleibt unklar.
0:40:20–0:40:24
Aber die Dynamik zwischen denen ist auf alle Fälle auch ein ganz wichtiger Teil.
Florian Clauß
0:40:24–0:40:27
Ja, genau. Hanna, das ist das, was ich vorhin verwechselt habe,
0:40:28–0:40:31
aber Hanna ist ins Krankenhaus gekommen, weil sie dann so einen schwächer Anfall hat.
0:40:31–0:40:36
In diesem Krankenhaus findet dann Gin seine Tochter, die als Krankenschwester
0:40:36–0:40:39
arbeitet und hat auf einmal wieder Kontakt zu seiner Familie.
0:40:40–0:40:46
Und Hanna wird in ihrer Schwäche auf einmal wieder zu einer unglaublichen zetternden
0:40:46–0:40:50
Person, die dann auch sagt, okay, die hat ihren Schwächeanfall überwunden jetzt.
0:40:50–0:40:53
Und dann ziehen sie weiter und vielleicht kann man das dann,
0:40:53–0:41:00
du hast es ja auch schon gesagt, Nämlich in einer Szene finden dann Hana und
0:41:00–0:41:03
Miyuku die richtige Mutter,
0:41:04–0:41:07
wie sie sich gerade die Brücke herunterstürzen will.
0:41:10–0:41:15
Und guck mal hier, die Rehe. Da sieht man das Ergebnis der Jagd.
Micz Flor
0:41:15–0:41:17
Oh, wir sind also wirklich im Jagdgebiet.
Florian Clauß
0:41:19–0:41:21
Aber es war eigentlich abgesperrt mit.
Micz Flor
0:41:21–0:41:25
Und die haben uns gegrüßt. Die haben uns nicht zurückgegangen.
0:41:26–0:41:27
Wir sind vielleicht auch ein Leckerli.
Florian Clauß
0:41:31–0:41:34
Das wäre dann so ein bisschen wie Blair Witch Project, wenn man den Podcast
0:41:34–0:41:36
auf einmal in so eine Jagd abkippt.
0:41:39–0:41:40
Blair Brandenburg Project.
Micz Flor
0:41:42–0:41:47
Dieses Finale ins zweite Finale, oder Showdown ins zweiten Showdown in der Zeit,
0:41:47–0:41:55
weil sie finden die Mutter, die aber interessanterweise auch schon einem komisch
0:41:55–0:41:57
vorkommt. Die finden sie fast zufällig.
0:41:57–0:41:59
Hannah und das Mädchen laufen über eine Brücke.
Florian Clauß
0:41:59–0:42:01
Fast zufällig ist gut gesagt bei dem.
Micz Flor
0:42:02–0:42:04
Und während sie über die Brücke gehen, sieht man im Hintergrund,
0:42:04–0:42:08
wie eine Frau hochklettert und sich umbringen will. Und dann halten sie die
0:42:08–0:42:09
zurück, reißen die runter.
0:42:10–0:42:15
Und dann ist auch so eine Hannah-Situation. Und die Frau, die da springen wollte,
0:42:16–0:42:18
sieht dann auf einmal das Kind und dann ...
0:42:18–0:42:22
Erkennt sie ihr Kind und die anderen erkennen, dass sie ihr Kind erkennt.
Florian Clauß
0:42:22–0:42:26
Ja, weil sie die Bilder von ihr die ganze Zeit dann auch haben und gucken.
Micz Flor
0:42:26–0:42:31
Und dann ist es so auch wieder ein Wunder, wie das zusammenkommt.
0:42:31–0:42:35
Und sie wollte sich umbringen, weil sie das, das wurde vorher als Motiv auch
0:42:35–0:42:37
ein paar Mal erwähnt, dass die Mutter sich vielleicht umbringen will,
0:42:38–0:42:39
weil sie ihr Kind verloren hat.
Florian Clauß
0:42:39–0:42:41
Genau, weil sie ihr Kind verloren hat. Aber was man dann erfährt,
0:42:41–0:42:44
ist tatsächlich, und das ist auch wieder so ein Randthema,
0:42:45–0:42:49
ein Tabuthema, was halt nicht oft in Filmen dann thematisiert wird,
0:42:49–0:42:55
nämlich, dass sie eine Totgeburt hatte und dann irgendein Kind genommen hat,
0:42:56–0:42:57
weil sie es nicht verkraftet hat.
0:42:58–0:43:02
Gleichzeitig ist sie auch vom Zeichenstil so krass, finde ich.
Micz Flor
0:43:02–0:43:06
Das wollte ich nämlich sagen, sie ist sehr blass, sehr grau und in dem Moment,
0:43:06–0:43:10
wo sie dann das Kind bekommt, hat man so das Gefühl, irgendwas stimmt da nicht.
0:43:10–0:43:14
Das ist schon sehr gut gemacht, weil Man kann sich nicht gut damit anfreunden,
0:43:14–0:43:17
dass die das Kind dann hat. Dann will sie ihm die Brust geben.
0:43:17–0:43:22
Das Kind will die Brust auch nicht auf so einem Spielplatz. Das ist alles grau und schwierig.
Florian Clauß
0:43:22–0:43:26
Ja, und parallel dazu findet Jin halt den Mann zu der Frau.
0:43:27–0:43:31
Ja, der dann aber auch so, also so eine Animation wie so Uncanny Valley.
0:43:31–0:43:35
Man hat immer so, irgendwas ist komisch bei den Figuren.
Micz Flor
0:43:35–0:43:39
Ja, genau. Das Gesicht ist irgendwie, da stimmen die Proportionen nicht.
0:43:39–0:43:41
Es formt sich immer, aber ganz subtil.
Florian Clauß
0:43:41–0:43:44
Ganz subtil, fand ich auch. So ein bisschen hat mich das auch an die,
0:43:45–0:43:51
weiß ich nicht, an Otomo, der Akira gezeichnet hat, mit dem auch Satoshi Kon
0:43:51–0:43:53
den Film Memories, das ist so ein Kurzfilm,
0:43:54–0:43:58
da hat er eine Geschichte quasi von Otomo gezeichnet.
0:43:58–0:44:05
Also er war auch so ein bisschen in Otomos als jemand, der ihn dann auch mit groß gemacht hat.
0:44:05–0:44:11
Ja, und der hat auch solche, bei den Selbstmörderparadies, ich weiß nicht, ob du das...
0:44:11–0:44:15
Die Geschichte kennst, das ist auch von Otomo an früher, wo dann halt so in
0:44:15–0:44:22
diesen japanischen Hochhäusern dann so ein alter Mann, der ganz viel so Zeug
0:44:22–0:44:23
an das Rollstuhl spielt.
Micz Flor
0:44:23–0:44:24
Das sind Dreiteile oder so.
Florian Clauß
0:44:24–0:44:25
Das habe ich gesehen.
Micz Flor
0:44:25–0:44:25
Ja super.
Florian Clauß
0:44:25–0:44:29
Und da sind auch immer so diese Figuren, die mit ganz wenig Strichen dann auf
0:44:29–0:44:33
einmal so eine ganz komische Stimmung erzeugen können und so eine Unruhe haben.
0:44:34–0:44:39
Genau, und er findet den dann und dann kommt es eigentlich zu so einer finalen
0:44:39–0:44:43
Verfolgungsszene, weil dann ihnen klar wird, das ist nicht die Frau.
0:44:43–0:44:47
Das kriegen dann auch Hanna und Miyuko mit im Fernsehen und sehen dann halt,
0:44:47–0:44:49
dass sie nicht die Frau ist von dem Kind.
0:44:50–0:44:55
Und dann gibt es diese Verfolgungsszene, die auch unglaublich spektakulär ist,
0:44:55–0:45:00
wo sie dann mit einem Taxi, Jin mit einem Fahrrad, dann die Frau hat dann einen
0:45:00–0:45:03
Laster genommen mit dem Kind zusammen,
0:45:04–0:45:09
wo sie dann halt durch Tokio rasen und in so einen Tower reinfahren Und dort
0:45:09–0:45:13
dann auf dem Dach kommt es quasi zu dieser Schlüsselszene,
0:45:14–0:45:18
wo dann tatsächlich die Frau mit dem Kind dann sich entscheidet,
0:45:18–0:45:25
in die Tiefe zu stürzen und die drei Obdachlosen dann im Hintergrund befinden.
0:45:26–0:45:31
Sie retten, ja, also noch gerade so am Abgrund festhalten und es eskaliert immer
0:45:31–0:45:35
weiter, dann fliegen sie noch so auf so ein Zwischendeck, ja,
0:45:35–0:45:40
und dann aber springt die Frau, also sie lässt sich tatsächlich nicht von dem Sprung abbringen, ja.
0:45:41–0:45:46
Sie springt quasi, wird zurückgehalten, das Baby fällt, Hannah stürzt sich hinterher
0:45:46–0:45:49
und dann kommt dieser magische Moment, ja.
Micz Flor
0:45:49–0:45:50
Ja, wieder magisch, ja.
Florian Clauß
0:45:50–0:45:55
Und der magische Moment, wo dann eine riesen Fahne dann quasi von so einem Windstoß,
0:45:55–0:45:57
man sieht dann aus der Perspektive, das Wind ist.
Micz Flor
0:45:58–0:46:03
In einer Hand hält sie das Kind, in der anderen Hand hält sie sich an dieser Fahne fest.
Florian Clauß
0:46:03–0:46:08
Genau, aber der Windstoß kommt erstmal an und weht diese Fahne hoch und dann
0:46:08–0:46:13
kann Hannah quasi diese Fahne ergreifen und dann ist der Film ganz still und hat so ein ganz...
0:46:13–0:46:19
Heiligen Momenten. Man sieht dann im Hintergrund in der Straßenflucht zwischen
0:46:19–0:46:21
den Häuserfronten die Sonne aufgehen.
0:46:21–0:46:24
Es wird dann quasi auch von der Sonne erleuchtet.
0:46:25–0:46:30
Langsam in einem ganz stillen Moment mit Hilfe der Fahnen als Segel gleitet
0:46:30–0:46:35
sie dann zur Straße herunter und wird ganz sanft dann so abgesetzt.
Micz Flor
0:46:35–0:46:42
Und es ist auch ganz still, wirklich, weil die Tonspur ist auf Null in dem Moment. Da ist kein Ton.
Florian Clauß
0:46:42–0:46:46
Und das ist wirklich so ein toller Moment an dem Film, der dann halt nochmal
0:46:46–0:46:50
so alles zusammenbringt und das ist halt so auch das Wunder.
0:46:51–0:46:57
Genau, dann wird auch nebenbei noch die Superglückszahl ausgerufen und Miyuku
0:46:57–0:46:59
findet ihren Vater wieder.
0:47:00–0:47:05
Der Vater hat nämlich ermittelt, bei dem Ehepaar, die das Kind eben vermisst
0:47:05–0:47:10
haben, Also die dann auch auf dieser Geburtenstation lagen, wo die eine dann
0:47:10–0:47:12
eben das Kind entführt hat.
0:47:13–0:47:15
Und es kommt dann wieder ganz viel zusammen.
0:47:16–0:47:20
Miyoko, man sieht dann halt schon so, dass der Vater, dass die sich die ganze
0:47:20–0:47:23
Zeit gesorgt haben um Miyoko und wollen, dass es ihr gut geht.
0:47:23–0:47:27
Und das ist auch wieder so eine Art von Zusammenführung, Familienzusammenführung.
0:47:27–0:47:34
Und ja, es ist ein super Happy End irgendwo. Ja, das ist nämlich auch ein wesentliches
0:47:34–0:47:36
Merkmal von Weihnachtsfilm Happy End.
Micz Flor
0:47:38–0:47:46
Selbst bei Bruce Willis in Die Hard, wo alles schief gehen könnte,
0:47:48–0:47:50
aber es findet alles eine gute Auflösung.
0:47:51–0:47:55
Der Film nicht natürlich da aufhört, wo man dann nicht weiß,
0:47:55–0:47:58
wie es jetzt weitergeht mit Gin und seiner Tochter oder nicht.
0:47:59–0:48:02
Er hört genau in dem Moment auf, wo alles gut ist.
Florian Clauß
0:48:02–0:48:06
Ja, muss er auch nicht weitererzählen, weil ich glaube, die Botschaft hat er
0:48:06–0:48:08
schon jetzt so rübergebracht.
0:48:08–0:48:12
Also es ist halt eine frohe Botschaft.
0:48:13–0:48:19
Ja, und es geht um Werte wie Familie, Zusammengehörigkeit, Nächstenliebe und
0:48:19–0:48:25
natürlich, was er auch gemacht hat, alle Charaktere in diesem Film sind gewachsen.
0:48:25–0:48:32
Jin ist von einem Alkoholiker zu einer verantwortungsvollen Person geworden,
0:48:32–0:48:37
der dann halt auch quasi so maßgeblich dann mit dem Rad, ja,
0:48:37–0:48:41
wie er dann diese Verfolgungsjagd hatte, also wo er dann tatsächlich so diese
0:48:41–0:48:44
Radrennfahrerkarriere dann… Ja.
Micz Flor
0:48:44–0:48:46
Stimmt, das ist mir vorher gar nicht so eingefallen.
Florian Clauß
0:48:46–0:48:48
Also irgendwie kommt jeder wieder mit seinen,
0:48:49–0:48:56
mit seinen Qualitäten da zum Vorschein. Und Hannah als die Retterin halt, als die Madonna,
0:48:57–0:49:02
als diejenige, die halt das Kind, also sie ist ja dann quasi auch mehr oder
0:49:02–0:49:06
weniger die Jungfrau Maria, weil das wurde auch so ein bisschen thematisiert
0:49:06–0:49:10
in dem Film, dass sie als, sie würde ja auch, sie könnte, es wäre ihr Kind,
0:49:10–0:49:13
sie fühlt sich so als Frau, sie könnte ja auch ein Kind bekommen.
0:49:14–0:49:19
Ja, aber natürlich ist die ganze Weihnachtsgeschichte auf eine Jungfrauengeburt.
0:49:20–0:49:22
Ja, warum soll nicht auch eine Transperson dann halt auch...
Micz Flor
0:49:22–0:49:26
Ja, das ist ja das Argument, sagt Jesus, all das, das ist ja angeblich unmöglich
0:49:26–0:49:28
und ein Wunder, dann kann mir das ja auch passieren.
Florian Clauß
0:49:29–0:49:34
Genau. Das ist jetzt der Krummsee übrigens. Ich habe es mir irgendwie romantischer vorgestellt.
Micz Flor
0:49:35–0:49:39
Wir laufen hier, ich bin so ein bisschen angespannt und versuche Schüsse zu
0:49:39–0:49:43
hören oder nicht. in der Jagd-Saison hier rumlaufen.
0:49:44–0:49:48
The show must go on. Und das ist auch nicht der Weg, der denkt,
0:49:48–0:49:49
oh, da vorne ist auch noch ein Feuer.
Florian Clauß
0:49:50–0:49:53
Da werden jetzt schon die Rehe geräuchert.
Micz Flor
0:49:54–0:49:55
Wenn wir gleich geräuchert.
Florian Clauß
0:49:55–0:49:58
Mich hat jetzt auch beim Wiedersehen der Film schon sehr berührt.
0:49:59–0:50:04
Und ich finde den nach wie vor als Weihnachtsfilm, wenn ihr noch nicht,
0:50:04–0:50:07
also wenn ihr schon alle Weihnachtsfilme dieses Jahr geguckt habt,
0:50:07–0:50:08
diesen kennt ihr jetzt auch.
Micz Flor
0:50:08–0:50:12
Wir sind immer wieder, wir versuchen immer wieder kürzer zu erklären,
0:50:12–0:50:13
aber dann ziehen wir doch alles durch.
Florian Clauß
0:50:14–0:50:17
Ja, ich glaube, wir sind jetzt aber auch nicht so tief reingegangen.
0:50:17–0:50:19
Wir haben so Fragmente berichtet und ich glaube, so ist das auch,
0:50:20–0:50:21
was man von dem Film erinnert.
0:50:21–0:50:25
Also der ist, glaube ich, so, wenn man den guckt, den kann man einfach super
0:50:25–0:50:27
gucken zur Weihnachtszeit.
0:50:28–0:50:32
Also unbedingt schauen und der Film hat auch...
0:50:33–0:50:40
Eine Vorlage, eine westliche, eine Western-Vorlage tatsächlich. Und zwar von 1948.
0:50:41–0:50:45
Three Godfathers. Da kommt auch Godfather quasi im Titel vor.
0:50:46–0:50:49
Und da geht es auch um so, ich habe den nicht gesehen, aber das,
0:50:49–0:50:50
was ich früher gelesen habe,
0:50:51–0:50:58
um so drei Cowboys, die irgendwo in der Wüste dann halt ein Kind finden und
0:50:58–0:51:01
dann eben auch auf so eine Reise geschickt werden.
0:51:02–0:51:07
Satoshi Kon hat zusammen mit jemandem das Drehbuch geschrieben innerhalb von drei Monaten.
0:51:08–0:51:16
Also er ist auch eine sehr starke Person, was jetzt das ganze Drehen von Drehbuch
0:51:16–0:51:21
über Storyboard, also er ist sehr bestimmt in der Umsetzung.
0:51:21–0:51:26
Das kann man sich auch vorstellen. Also das ist aber auch einer,
0:51:26–0:51:33
der jetzt nicht im Gegensatz zu Studio Ghibli, wo ganz andere Budgets da sind, ne?
0:51:33–0:51:40
Also die Filme von Satoshi Kon kommen immer mit recht wenig Budget.
0:51:40–0:51:45
Ich glaube, der Film hat, ich weiß gar nicht, aber der war irgendwie so...
0:51:45–0:51:49
Wie, wie viel? Aber der ist sehr wenig. Also ich glaube, es waren fast zwei
0:51:49–0:51:53
Millionen, ist der ausgekommen in einer Produktionszeit von zwei Jahren.
0:51:54–0:52:01
Also relativ schnell auch für Anime, von der ersten Idee bis hin zum fertigen Film.
0:52:01–0:52:06
Und ist in Japan auch rausgekommen, sollte so ein Kassenschlager werden.
0:52:06–0:52:11
Ich weiß gar nicht, wie er dann in Japan angekommen ist, ob es tatsächlich zum
0:52:11–0:52:12
Kassenschlager geworden ist.
0:52:12–0:52:18
Aber in dem Oeuvre von Satoshi Kon ist es so auch der zugänglichste,
0:52:18–0:52:21
der normalste, wird gesagt, Film.
0:52:22–0:52:28
Weil die anderen sind schon sehr speziell von den Geschichten.
0:52:28–0:52:33
Zum Beispiel ist auch in dem Film Paprika, ich glaube es ist Paprika,
0:52:33–0:52:39
dass der dann auch von Christopher Nolan gesehen wurde und diese ganze Inception-Idee,
0:52:39–0:52:43
Also dieses Traum, ein Traum kommt halt aus diesem Film.
0:52:43–0:52:48
Also es wird halt nachgesagt, dass Christopher Nolan das geklaut hätte.
0:52:48–0:52:52
Aber man sagt eher, dass es eine Inspiration ist für Christopher Nolan.
0:52:53–0:52:57
Ja klar, kann jeder machen, was er will. Aber es zeigt auch erstmal den Stellenwert von Satoshi Kon.
0:52:58–0:53:02
Ja, er hat aufgrund seiner...
0:53:03–0:53:07
Ich meine, einen kleinen Filmauswahl, aber doch sehr stark und auch nicht großartig
0:53:07–0:53:12
vom Budget, hat er doch irgendwie eine unglaubliche Fame so im Nachhinein.
0:53:13–0:53:17
Oder auch schon während er, also ich kann mich noch daran erinnern,
0:53:17–0:53:21
dass ich auch tatsächlich von seinem Tod gehört habe und dann auch echt betroffen war.
0:53:21–0:53:28
Es war wirklich so, es gibt wenig zeitgenössische Personen, wenn die sterben,
0:53:28–0:53:30
dass man dann so eine Anteilnahme hat.
0:53:30–0:53:35
Und bei Satoshi kann ich mich noch daran erinnern, dass er 2010 gestorben,
0:53:36–0:53:37
dass ich da wirklich auch erschüttert war.
Micz Flor
0:53:39–0:53:44
Also ich habe den Film zum ersten Mal gesehen. Ich finde es irgendwie interessant,
0:53:44–0:53:48
weil der ist ein Weihnachtsfilm, wird er überhaupt nicht kitschig.
0:53:48–0:53:52
Ich würde sagen sogar, dass so ein kitschiges Emo-Gefühl ist das,
0:53:52–0:53:55
was da am wenigsten vorkommt. Er ist lustig.
0:53:56–0:54:00
Er ist dramatisch, wenn nicht sogar melodramatisch, was ja durch Hannah auch
0:54:00–0:54:02
irgendwie so ein bisschen angelegt ist.
0:54:02–0:54:08
Die am Anfang dann auch ihre ganzen inneren Projektionen der Weihnachtszeit
0:54:08–0:54:10
und die reigende Biografie auf das Kind.
0:54:10–0:54:13
Oh Gott, wenn dieses Kind nur einen Tag geliebt werden kann,
0:54:13–0:54:15
dann hat sich alles erreicht.
0:54:15–0:54:19
Bevor wir sie zur Polizei geben, ich werde sie lieben.
0:54:19–0:54:22
Das hat sie verdient, jeder Mensch hat. Also sie ist sehr dramatisch.
0:54:22–0:54:29
Dann ist halt viel Comedy auch drin und was du gesagt hast ist wirklich, es ist halt kein,
0:54:30–0:54:33
fotorealistischer Film es ist halt gezeichnet, aber trotzdem ist dieses Tokio,
0:54:34–0:54:39
was da gezeigt wird man möchte sehr gerne irgendwie mit dieser Stadt verbunden
0:54:39–0:54:45
sein die da gezeigt wird also ich mach meinen Daumen hoch für Weihnachtsfilm man muss auch sagen.
Florian Clauß
0:54:45–0:54:50
Dass der Sound also die Musik, die auch damit produziert wurde ein,
0:54:51–0:54:56
Komponist, jetzt habe ich auch den Namen nicht präsent, aber der auch häufiger
0:54:56–0:54:58
mit Satoshi Kon zusammengearbeitet hat.
0:54:59–0:55:01
Und das ist halt wirklich auch so eine Art von Schunkelmusik.
0:55:02–0:55:08
Also sehr japanisch, so ein bisschen verzerrt, aber am Ende tanzen dann auch
0:55:08–0:55:10
im Abspann die Hochhäuser in Tokio.
Micz Flor
0:55:11–0:55:14
Ja, so ein bisschen so Karaoke-Atari-Musik.
Florian Clauß
0:55:16–0:55:21
Also man hat dann gleich einen Ohrwurm und das schaffen auch einige.
0:55:22–0:55:27
Anime-Produktionen, die dann halt wirklich einen großartigen Soundtrack haben.
0:55:28–0:55:31
Und bei Paprika ist es zum Beispiel, da gibt es eine Sequenz,
0:55:31–0:55:38
die ist episch, wo dann halt auch so ein Marsch dann im Traum und dann so eine
0:55:38–0:55:43
ganze, so eine Truppe von allen möglichen Traumwesen dann durch den Traum marschiert.
0:55:43–0:55:46
Und dazu die Musik, die ist großartig.
0:55:46–0:55:52
Also nur, das gibt es ja auch irgendwo als YouTube, kann man sich mal angucken. das ist wirklich toll.
0:55:53–0:55:56
Also wirklich, Satoshi Con, unbedingt gucken, Empfehlung.
Micz Flor
0:55:56–0:55:59
Ich habe das Gefühl, dass wir da noch mehr von hören werden,
0:55:59–0:56:02
was sei jetzt für dich selber, glaube ich, ein bisschen in ein...
0:56:02–0:56:05
Du hast von Oeuvre gesprochen, ich habe das Gefühl, du wirst noch mehrere davon
0:56:05–0:56:07
vielleicht reinziehen.
Florian Clauß
0:56:07–0:56:10
Also ich war ja auch neulich Gast bei einem anderen Podcast,
0:56:11–0:56:16
das habe ich, glaube ich, noch nicht erwähnt hier in diesem Podcast, und zwar bei Rewrite.
0:56:16–0:56:23
Und wir haben über die Filmserie, die Zeichentrickserie, auf Netflix kommt die Pantheon gesprochen.
0:56:24–0:56:28
Also hier auch, wer sich das anhören möchte, Rewrite Pantheon.
0:56:28–0:56:32
Und ist es eine amerikanische Produktion? Ja, ich wollte damit sagen,
0:56:32–0:56:37
Rewrite macht auch viele Podcasts über andere Animes und so weiter.
0:56:38–0:56:41
Und einer davon ist auch Paprika, also den kann man sich da auch anhören.
0:56:41–0:56:47
Also ich glaube, was nochmal für uns interessant wäre, wenn wir das uns näher
0:56:47–0:56:51
angucken, dann wäre das fast dein Thema, weil ganz viel eben von diesen freudianischen
0:56:51–0:56:54
Theorien da mit drinnen stecken.
0:56:54–0:57:00
Und das wäre dann mal interessant, wie du das dann halt als Psychotherapeut
0:57:00–0:57:04
dann auch so auf die Figuren guckst und auf die Entwicklung.
0:57:04–0:57:08
Weil teilweise wird schon gesagt,
0:57:08–0:57:14
dass Millennium Actress eigentlich dann so eine Art von Bergmann-Film sein kann,
0:57:14–0:57:21
wo auch dieses Beagle-Motiv, diese Zerbrochenheit der Figuren durch Reflexion
0:57:21–0:57:25
und durch Persona ist dann die Referenz von Bergmann,
0:57:26–0:57:29
dass das dann so gezeigt wird.
Micz Flor
0:57:29–0:57:32
Das sagst du jetzt natürlich auch vor dem Hintergrund, weil der Regisseur selber
0:57:32–0:57:37
gesagt hat, seine Storys und so, die darf man sich gerne auch mal psychologisch
0:57:37–0:57:39
deuten oder psychoanalytisch deuten.
0:57:39–0:57:44
Das war ja sowas, wo er scheinbar das eingebaut hat und in gewisser Weise dann,
0:57:44–0:57:48
auch wenn er sowas dann öffentlich kundtut...
0:57:49–0:57:55
Irgendwie auch einlädt, gesehen zu werden. Das kann man mal machen.
0:57:55–0:57:58
Also klar, dann gucke ich mir die mal an. Aber ich kann es jetzt nicht vorher
0:57:58–0:58:02
sagen, ob ich da irgendwie einen Geistesblitz finde, in dem ich dann denke,
0:58:03–0:58:06
wow, hey, Flo, wir müssen diesen Film jetzt besprechen.
0:58:06–0:58:11
Ich habe dem, um es mit Zizek zu sagen, precise opposite Moment gefunden.
Florian Clauß
0:58:11–0:58:14
Ja, vielleicht ist es dann wieder so ein Ding, das wir zusammen machen können.
0:58:15–0:58:18
Und dann gucken wir uns das Paprika zusammen an und können das dann mal auf
0:58:18–0:58:20
diese Motive untersuchen.
Micz Flor
0:58:20–0:58:23
Und Paprika ist auch eine gute Brücke, weil ich habe ein bisschen Hunger. Du auch?
Florian Clauß
0:58:24–0:58:25
Ja.
Micz Flor
0:58:27–0:58:32
Wir kommen jetzt, glaube ich, langsam. Wir sind immer noch hier am Krummensee.
0:58:32–0:58:37
Die Tour aus Krummensee. Aber ich glaube, wir kommen jetzt mit der Folge langsam zum Ende, oder?
Florian Clauß
0:58:37–0:58:42
Ja, mit der Spur nicht. Wir sind jetzt gerade am weitesten Punkt.
0:58:42–0:58:45
Am weitesten? Ja, wir müssen eine ganze Ecke zurück.
0:58:46–0:58:49
Aber mit der Folge sind wir am Ende. Ich hätte noch überlegt,
0:58:50–0:58:54
ob man da irgendwie nochmal so in diese Kulturgeschichte von Weihnachtsfilmen einsteigen möchte.
0:58:55–0:59:00
Ich weiß noch, als wir auch mal vor Jahren, das waren halt schon fast Jahrzehnte,
0:59:01–0:59:07
hier mal draußen waren und zurückgefahren sind, da kommt man immer auf der Rückfahrt durch Marzahn.
0:59:07–0:59:12
Und da gibt es ja diese Eastside Gallery in Marzahn. und dann haben wir da mal
0:59:12–0:59:16
zusammen auch noch irgendwie beim Asiaten gegessen und sind durch Mediamarkt
0:59:16–0:59:21
oder was wie es damals hieß, rumgegangen da hast du Medimax, glaube ich,
0:59:21–0:59:26
keine Ahnung da hast du mir einen Weihnachtsfilm,
0:59:27–0:59:31
geschenkt, den ich dann halt auf DVD, wo das noch tatsächlich...
Micz Flor
0:59:31–0:59:32
War die der Weihnachtself!
Florian Clauß
0:59:32–0:59:33
Genau!
Micz Flor
0:59:34–0:59:37
Ich weiß nicht, ob das immer noch gilt, aber das war wirklich lange,
0:59:37–0:59:41
lange Zeit mal ein All-Time-Favorite- Weihnachtsfilm Ich finde ihn ganz, ganz toll.
Florian Clauß
0:59:42–0:59:46
Und ich dachte, wir könnten vielleicht nochmal über unsere Weihnachtswirmerfahrung...
Micz Flor
0:59:46–0:59:48
Kann ich dir einen komischen Fun-Fact erzählen?
Florian Clauß
0:59:48–0:59:49
Ja.
Micz Flor
0:59:49–0:59:52
Ich habe irgendwo noch vier DVDs davon.
0:59:53–0:59:57
Ich kann dir auch sagen, warum. Weil ich den nämlich nochmal verschenken wollte im Jahr drauf.
0:59:58–1:00:03
Den auf Ebay gesucht habe. Und da gingen die DVDs, obwohl das schon DVD on its
1:00:03–1:00:07
way out war, gingen die für 40, 50, 60 Euro weg.
Florian Clauß
1:00:07–1:00:07
War es?
Micz Flor
1:00:08–1:00:08
Ja, total.
Florian Clauß
1:00:11–1:00:12
Zu Weihnachtszeit ging es.
Micz Flor
1:00:12–1:00:19
Genau, zur Weihnachtszeit. Und dann habe ich nach Weihnachten waren die dann bei 5, 6, 7 Euro.
1:00:19–1:00:23
Da habe ich gedacht, Moment, mach, da hole ich mir mal vier. Und zu Weihnachten...
Florian Clauß
1:00:23–1:00:28
Bitcoins, genau. Wertlose, Bodycoins. Bodycoins.
Micz Flor
1:00:29–1:00:33
Und die vier habe ich jetzt, jetzt muss ich das schnell nochmal probieren,
1:00:33–1:00:38
ob das überhaupt noch geht, weil es gibt ja kaum noch DVD-Spieler.
1:00:38–1:00:42
Aber das war damals mein Project.
Florian Clauß
1:00:44–1:00:49
Money Project. Wir sind auch in irgendeiner Kiste bei dir, vier DVDs.
1:00:49–1:00:52
Und da steht das Erbe für meine Kinder.
Micz Flor
1:00:53–1:00:55
Es heißt DVD.
Florian Clauß
1:00:58–1:01:04
Sehr gut. Ich habe, glaube ich, den Film gesehen, aber so richtig connecten konnte ich dann nicht.
Micz Flor
1:01:04–1:01:10
Ja, das ist dann vielleicht für nächstes Jahr Buddy. Ich kann gerne über den Film sprechen.
1:01:11–1:01:17
Das Motiv dieses Films ist, dass ein Menschenkind am Nordpol als Wichtel oder
1:01:17–1:01:22
wie die auch immer in dem Deutschen heißen, also dem Weihnachtsmann die Spielzeuge
1:01:22–1:01:24
bauen, aufgezogen wird.
1:01:24–1:01:27
Irgendwann dann aber checkt, weil es dreimal so groß ist wie alle anderen,
1:01:27–1:01:29
dass es vielleicht doch nicht genau dahin gehört.
1:01:29–1:01:35
Und dann nach Manhattan kommt und seinen Vater findet, nachdem es den Ziehvater
1:01:35–1:01:40
zur Rede gestellt hat und der hat einen Tipp gemacht. Und dann ist halt dieses,
1:01:40–1:01:48
Erwachsene Kind, Will Ferrell, in Manhattan und benimmt sich halt wie ein Kind,
1:01:48–1:01:50
das nur Weihnachten kennt.
1:01:50–1:01:52
So, das ist der Plot.
Florian Clauß
1:01:52–1:02:00
Ja, okay, aber es ist ja auch so klassisch, dass irgendwie so Kind in Erwachsenen und Familie.
Micz Flor
1:02:00–1:02:04
Und der Erwachsene, den alle sehen, der halt dann immer auch Sachen sagt,
1:02:04–1:02:07
die eigentlich nur Kinder sagen dürften. Und deshalb die ganze Zeit auch so
1:02:07–1:02:08
soziale Grenzen überschreitet.
1:02:10–1:02:15
Und Will Ferrell ist halt einfach auch schon sehr, sehr lustig.
Florian Clauß
1:02:15–1:02:19
Ja, da muss ich nochmal eine Seitenbemerkung auch machen, weil das ist mir auch
1:02:19–1:02:24
aufgefallen, wie großartig das gespielt wurde, nämlich wo dann auch Kinder in,
1:02:26–1:02:33
Erwachsenenkörpern nämlich bei Alien Earth bei Alien Earth gibt es dann halt so die sogenannten Den.
Micz Flor
1:02:33–1:02:35
Musst du ja eh auch nochmal besprechen Ist das eine.
Florian Clauß
1:02:35–1:02:39
Vorausschau auf 2026? Body-Horror hatte ich das mal erwähnt.
1:02:39–1:02:44
Also es gibt dann quasi diejenigen, die dann ihren Mind, also ihren Geist,
1:02:44–1:02:45
dann halt in einen künstlichen Körper...
1:02:46–1:02:48
Überspielen können. Und das sind
1:02:48–1:02:52
Kinder, die dann im Sterben liegen oder Todeskrankheiten oder sowas haben.
1:02:52–1:02:57
Und die werden dann halt von so einem Multimilliardären, der dann diese Körper
1:02:57–1:03:01
entwickelt hat und die dann auch owned, mehr oder weniger, werden die dann halt
1:03:01–1:03:05
in einem Projekt dann halt so, das ist halt so eine Gruppe, ne?
1:03:05–1:03:08
Und die spielen dann halt so Gestik und Mimik von Kindern.
1:03:09–1:03:13
Das ist echt super. Da gibt es zwei Typen, die die ganze Zeit sich so ein bisschen
1:03:13–1:03:16
als Freunde gefunden haben und dann aber auch so die ganze Zeit kappeln.
1:03:16–1:03:18
Und dann so, oh Mann, komm schon.
1:03:19–1:03:23
Im Hintergrund kriecht dann halt so ein irgendein Alien oder so ein anderer
1:03:23–1:03:25
Parasit aus dem Weltall.
1:03:25–1:03:28
Kriecht ihn halt dann irgendwie so. Die sind auch so unverwundbar,
1:03:28–1:03:30
weil dann halt die Aliens nicht, die gehen eher auf Biomaterial.
1:03:31–1:03:34
Fällt mir jetzt nur spontan ein. Hat nichts mit einem Weihnachtsfilm zu tun.
1:03:35–1:03:38
Aber andere Weihnachtsfilme, Die Hard, hast du ja auch schon erwähnt,
1:03:38–1:03:40
ist auch immer der Classic.
1:03:40–1:03:45
Weil der auch zur Weihnachtszeit, aber Aber der Schnee fehlt auch am Ende, oder?
Micz Flor
1:03:46–1:03:52
Ja, ich glaube erst am Ende. Das ist dann sozusagen der Teppich über das ganze Desaster. Home Alone.
Florian Clauß
1:03:53–1:03:57
Home Alone, richtig. Kevin allein zu Hause. Ist auch, glaube ich,
1:03:57–1:03:59
ein ganz beliebter Weihnachtsfilm.
Micz Flor
1:04:00–1:04:05
Und im deutschen Sprachraum drei Haselnüsse für einen Aschenbrotel.
Florian Clauß
1:04:05–1:04:11
Ja, genau. Da kommst du halt in diese ganzen ARD-Mediathek-Märchenfilme. Das ist die eine Klasse.
Micz Flor
1:04:11–1:04:12
Das kannst du nicht über einen Kamm scheren.
Florian Clauß
1:04:12–1:04:18
Das sind ja diese tschechischen Filme, die dann, wir hatten das glaube ich auch
1:04:18–1:04:26
mal bei Schneewittchen erwähnt, in der Folge, als ich über Schneewittchen gesprochen habe. Selfie-Culture.
Micz Flor
1:04:26–1:04:29
Ja, Schneewittchen, wir haben keinen Schnee hier.
1:04:30–1:04:35
Und jetzt haben wir nochmal hinten wieder aufgemacht, frei assoziiert für andere Filme schon.
1:04:36–1:04:38
Jetzt wollen wir das schließen, die Folge.
Florian Clauß
1:04:39–1:04:40
Ja, jetzt machen wir die Tür zu.
Micz Flor
1:04:40–1:04:43
ZuhörerInnen eine...
1:04:43–1:04:47
Wer feiert eine fröhliche Weihnacht und einen guten Rutsch zu wünschen?
1:04:48–1:04:52
Wer nicht feiert, eine frohe Weihnachtszeit zu wünschen?
1:04:53–1:04:56
Die nächste Folge ist dann schon 2026.
Florian Clauß
1:04:57–1:05:02
Oder? Die nächste Folge wird am 01.01.2026 sein.
Micz Flor
1:05:02–1:05:06
Guck mal, jetzt sind wir aber direkt hier in der Schusslinie von so einem Hochsitz.
1:05:06–1:05:08
Da ist auch ein Hochsitz direkt vor uns.
Florian Clauß
1:05:08–1:05:13
Aber der war nicht abgesperrter Weg. Wir sind safe.
Micz Flor
1:05:13–1:05:19
Aber uns kam ein Auto entgegen mit toten Rehen hinten drauf.
Florian Clauß
1:05:19–1:05:20
Ja, die haben uns aber gegrüßt.
Micz Flor
1:05:20–1:05:21
Die Rehe.
Florian Clauß
1:05:23–1:05:23
Hallo.
Micz Flor
1:05:25–1:05:29
Ja, aber guck mal, da ist ein Sitz und da drüben ist ein Sitz und die müssen
1:05:29–1:05:32
gegen Deckung schießen. Gut, die müssen gleich da rüberschießen.
Florian Clauß
1:05:32–1:05:34
Es gibt überall Hochsitze in Brandenburg.
Micz Flor
1:05:34–1:05:37
Ja, aber wenn ein Jagdwochenende ist, ist es nochmal was anderes,
1:05:37–1:05:40
als wenn man irgendwie nochmal an irgendeinem Tag spazieren geht.
Florian Clauß
1:05:40–1:05:44
Ja, aber das ist so reguliert, die Jagd. Wenn die hier unterwegs wären,
1:05:44–1:05:46
dann müssen die das absperren.
Micz Flor
1:05:46–1:05:46
Okay.
Florian Clauß
1:05:47–1:05:49
Es ist ein unglaublich reguliertes Geschäft.
Micz Flor
1:05:50–1:05:56
Also hoffen wir, dass es 2026 eine Folge von uns gibt. Am 01.01.
Florian Clauß
1:05:56–1:05:58
Ja, wenn wir den Schuss übernehmen.

Mehr

"Resonanz (als Zurück-Tönen) bezeichnet das In-Beziehung-Treten zweier Seiten oder Entitäten, die mit je eigener Frequenz schwingen, oder die, bildlich gesprochen, mit je eigener Stimme sprechen." - Hartmut Rosa (2019: 21)

Bei einem vorweihnachtlichen Spaziergang durch Charlottenburg spreche ich mit der Psychotherapeutin Anja Ulrich über „Sozialenergie“ (Günter Ammon), über „Soziale Energie“ (Hartmut Rosa) und darüber, wie sich diese Form psychischer Energie in der Gruppentherapie zeigt. Es geht also um Energie, weshalb es uns passend erscheint, dass wir die Tour vor dem ehemaligen Bewag-Abspannwerk in der Leibnizstraße, Ecke Niebuhrstraße, beginnen. Heute unter dem Namen „MetaHaus“ bekannt, versorgte das Gebäude mit Stahlskelett und roter Klinkerfassade seit den späten 1920er-Jahren Charlottenburg mit Strom. Der Begriff „Soziale Energie“ zieht, vor allem wegen der Forschung des Soziologen Hartmut Rosa, immer größere Kreise. Anja Ulrich und ich finden viele vertraute Ideen in seinen Gedanken, da unser Ausbildungsinstitut seit den 1970er-Jahren mit dem Konzept der „Sozialenergie“ der Psychoanalyse eine Weiterentwicklung bescherte. Der Psychiater, Psychoanalytiker und Mitbegründer unseres Ausbildungsinstituts, Günter Ammon, hat in seinem Theoriegebäude die Triebenergie Freuds (Libido) durch die Sozialenergie ersetzt. In den Shownotes verlinkt: ein längerer Artikel von 1982. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es auch deutliche Unterschiede. Hartmut Rosa, aufbauend auf seinem Konzept der Resonanz, beschreibt Soziale Energie als relationales Phänomen, das in Resonanzbeziehungen entsteht. Energie ist hier keine individuelle Ressource, sondern eine dynamische, zirkuläre, nicht speicherbare Qualität gelingender Interaktion, die Menschen im Kontakt belebt und transformiert. Günter Ammon versteht Sozialenergie als gruppendynamisch erzeugte psychische Kraft, die die Ich-Struktur aufbaut und Identitätsentwicklung ermöglicht. Während Rosa einen phänomenologisch-soziologischen Fokus auf Resonanz legt, betont Ammon die strukturbildende Funktion sozialer Felder im Rahmen der Dynamischen Psychiatrie. Die heutige Tour führt uns vorbei an den Läden der Wilmersdorfer Straße, zur Deutschen Oper, über den Richard-Wagner-Platz, die UdK, die Paris Bar und schließlich zum Berliner Institut der Deutschen Akademie für Psychoanalyse in der Kantstraße. Dann ist der Ofen aus.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Micz Flor
avatar
Anja Ulrich

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:04
Gibt es hier irgendwas? Ist das da drüben ein Kraftwerk mal gewesen oder so? Irgendwas?
Anja Ulrich
0:00:04–0:00:08
Da wurde irgendwas mit Elektrizität gemacht. Ich glaube, man kann auch noch
0:00:08–0:00:11
so was Turbinenartiges in der Mensa da sehen.
Micz Flor
0:00:12–0:00:16
Dann gehen wir da hin und können da mit dem Energiewalk anfangen.
Anja Ulrich
0:00:16–0:00:17
Ah, ja!
0:00:20–0:00:23
Wir wollen noch gucken, wie die Energie so fließt.
Micz Flor
0:00:23–0:00:23
Ja, genau.
Anja Ulrich
0:00:24–0:00:26
Hallo Michael, schön, dass wir heute wieder einen Podcast machen.
Micz Flor
0:00:26–0:00:29
Ja, Anja, ich freue mich auch total. Ich freue mich seit dem 30.
0:00:29–0:00:31
Januar, dass wir das wieder machen.
0:00:31–0:00:34
Es geht heute um Energie und deshalb haben wir...
Anja Ulrich
0:00:34–0:00:36
Das Meta-Haus.
Micz Flor
0:00:36–0:00:37
Das Meta-Haus, genau.
Anja Ulrich
0:00:37–0:00:38
In der Leibnizstraße.
Micz Flor
0:00:39–0:00:44
Wobei, Meta-Haus ist eine Untertreibung. Das ist mindestens 40 Meter hoch.
0:00:46–0:00:52
Ja, Folge 92 nehmen wir jetzt auf. Es geht um Sozialenergie oder soziale Energie.
0:00:53–0:00:57
Ich hatte das, glaube ich, sogar, da müsst ihr jetzt nochmal nachhören, damals angekündigt.
0:00:58–0:01:05
Es gibt aktuell, habe ich dir auch geschickt, den Soziologen aus Jena und der
0:01:05–0:01:09
auch in Erfurt arbeitet, der über die beschleunigte Gesellschaft,
0:01:09–0:01:14
über die Resonanz, über die Unverfügbarkeit Bücher geschrieben hat,
0:01:14–0:01:16
die auch sehr viel gelesen wurden.
0:01:16–0:01:19
Also wirklich auch spannende Konzepte dahinter.
0:01:19–0:01:21
Da kommen wir wahrscheinlich auch noch drauf im Zusammenhang mit dem,
0:01:21–0:01:22
was er jetzt gerade macht.
0:01:23–0:01:26
Er beschäftigt sich jetzt gerade mit dem Begriff soziale Energie.
0:01:27–0:01:31
Und dazu gibt es noch gar nicht so viel in Writing. Da gab es in der Zeit mal
0:01:31–0:01:34
einen längeren Artikel zu, der auch online noch einsehbar ist.
0:01:34–0:01:35
Den hatte ich dir geschickt.
0:01:35–0:01:39
Der ist über seine Erfurt-Seite mitverlinkt.
0:01:39–0:01:46
Und er hat dieses Konzept von sozialer Energie jetzt auch bei der UNESCO vorgestellt
0:01:46–0:01:51
2024 am Humboldt-Forum oder in der Humboldt-Uni, müsste ich nochmal gucken,
0:01:51–0:01:52
können wir alles dann auch unten verlinken.
0:01:52–0:02:02
Und wir beide haben am Lehr- und Forschungsinstitut LFI, der Deutschen Akademie
0:02:02–0:02:04
für Psychoanalyse, DAP.
0:02:05–0:02:13
Unsere Aus- und bei dir auch noch eine Weiterbildung gemacht in psychodynamischer Psychotherapie.
0:02:14–0:02:16
Und der Gründer des Instituts Günther Ammann,
0:02:17–0:02:22
der da seit den 60ern arbeitet, der hatte spätestens mit dem großen Artikel
0:02:22–0:02:24
von 1982 im zweiten Handbuch der
0:02:24–0:02:29
dynamischen Psychiatrie den Begriff der Sozialenergie, also als ein Wort,
0:02:29–0:02:32
bestimmt.
0:02:32–0:02:37
Und ich hatte dann irgendwie immer mal den Wunsch, diese beiden Ideen so ein
0:02:37–0:02:40
bisschen aneinander zu reiben und zu gucken, wie passt das zusammen.
0:02:40–0:02:45
Auch so als Idee, wenn jemand von in Anführungszeichen oben kommt über die Soziologie
0:02:45–0:02:50
auf den Mensch und dem gegenüber jemand von unten kommt, sage ich mal,
0:02:51–0:02:56
also als Psychiater und Arzt, dann in die Psychotherapie, Psychologie reinwächst.
0:02:56–0:02:59
Wie trifft sich das? Wie kann das miteinander umgehen?
0:03:00–0:03:05
So, das war so mein Wunsch. Und natürlich, ich hätte mir alles Mögliche ausgedacht,
0:03:05–0:03:07
nur mit dir mal wieder eine Tour zu machen.
0:03:08–0:03:10
Aber das ist doch jetzt ein naheliegendes Thema.
Anja Ulrich
0:03:14–0:03:18
Ja, also das würde mich natürlich schon sofort interessieren,
0:03:18–0:03:24
was dafür gesorgt hat, dass du geglaubt hast, ich könnte dafür eine gute Gesprächspartnerin sein.
Micz Flor
0:03:26–0:03:31
Ich dachte, der letzte Podcast war ja auch, was ist eigentlich systemische Therapie?
0:03:32–0:03:40
Da bist du ja nicht unbedingt weit entfernt von Zusammenhängen,
0:03:40–0:03:43
die über das Intrapsychische oder Interpersonelle hinausgehen.
0:03:43–0:03:46
Also Dinge ein bisschen weiter zu sehen, vernetzter zu sehen,
0:03:47–0:03:51
codependent zu sehen, interdependent zu sehen vielleicht.
0:03:52–0:04:00
Und wir haben uns auch im Rahmen der Weiterbildung zur Gruppenpsychotherapie
0:04:00–0:04:04
näher kennengelernt, also eigentlich da erst so richtig kennengelernt.
0:04:05–0:04:10
Da waren wir in der gleichen Ausbildungs-Kohorte und in Selbsterfahrung und so weiter.
0:04:11–0:04:16
Und da ist ja auch so ein bisschen dieses Thema Sozialeinergie nicht explizit benannt worden.
0:04:17–0:04:21
Unser Ausbilder dort in der Selbsterfahrung war der Herr Czuschke,
0:04:21–0:04:26
der dem alles sehr nahe steht, das auch alles gelesen hat, aber jetzt doch in
0:04:26–0:04:30
seiner eigenen Karriere, glaube ich, erst spät überhaupt darauf gestoßen ist.
0:04:31–0:04:34
Aber es war ja immer eben am Institut bei uns auch Thema. Wir sind ja,
0:04:34–0:04:37
es ist ja auch ein Schatz, ein Institut, das eine eigene historische Geschichte
0:04:37–0:04:40
hat, was psychodynamisches Denken betrifft.
0:04:40–0:04:46
Es ist also kein Weiterbildungsinstitut, wo man die Lehrbücher durchkaut,
0:04:46–0:04:49
um dann das, was so oben schwimmt, sage ich mal.
0:04:51–0:04:54
Mitzubekommen, sondern es gibt immer auch eine eigene Position,
0:04:54–0:04:56
aus der heraus man denkt.
0:04:56–0:04:59
Und da gehört die soziale Energie, finde ich, mit dazu.
0:04:59–0:05:04
Und weil mich interessiert, wie du denkst und wie du improvisierst,
0:05:05–0:05:10
habe ich gedacht, wir nehmen uns das einfach vor. Vielen Dank.
Anja Ulrich
0:05:12–0:05:20
Ja, ich finde, es ist ja ein super spannendes Thema. Du hattest mir die Hartmut-Rosa-Sachen geschickt.
0:05:21–0:05:24
Die habe ich mir ein bisschen durchgeguckt und mir Gedanken gemacht.
0:05:24–0:05:34
Und fand diesen soziologischen Zugang oder diesen Blick von Gesellschaft aus.
0:05:34–0:05:37
Also du hast es eben schon gesagt, so von oben.
0:05:38–0:05:43
Der hat mir ziemlich gut gefallen. Und ich merke aber, dass ich,
0:05:44–0:05:49
ich glaube, bei Amon ist mir das auch schon so gegangen, also Hartmut Rosa sagt
0:05:49–0:05:51
ja soziale Energie und Amon sagt Sozialenergie.
0:05:55–0:06:02
Ich merke, dass ich ein bisschen auch immer denke, ach, ist irgendwie auch ein bisschen trivial.
0:06:03–0:06:07
Und da würde ich gerne mit dir auch ein bisschen drüber sprechen heute.
Micz Flor
0:06:09–0:06:13
Ja, ich hatte, bevor wir die Aufnahmeknopf gedrückt haben, habe ich ja auch
0:06:13–0:06:16
das gesagt, dass ich dann bei solchen Sachen mich dann irgendwie einerseits
0:06:16–0:06:18
vorbereite, andererseits aber manchmal an den Punkt komme.
0:06:18–0:06:23
Und das ist vielleicht genau das, was du sagst, von oben heraus, so das ist trivial.
0:06:24–0:06:28
Und bei mir in eher so einem Gefühl von defizitärem Wissen habe ich dann das
0:06:28–0:06:32
Gefühl, ich check's nicht wirklich. Aber das Gefühl, was ich habe,
0:06:32–0:06:34
ist eigentlich das, was du gerade sagst.
0:06:34–0:06:37
Ja, aber es ist doch goes without saying, sagt man im Englischen.
0:06:38–0:06:45
Muss man eigentlich nicht drüber reden. Aber irgendwie gleichzeitig hat das eine Wirkmacht.
0:06:45–0:06:49
Es erfasst die Menschen. Also der Mann spricht da vor der UNESCO.
0:06:49–0:06:52
Natürlich, weil er auch viele tolle Sachen geleistet hat.
0:06:52–0:06:54
Aber auch dieses Thema passt irgendwie gut dazu.
Anja Ulrich
0:06:55–0:06:55
Total, ja.
Micz Flor
0:06:57–0:07:01
Und ich würde dann vielleicht mal eine kurze Einleitung machen,
0:07:01–0:07:04
oder? Und dann können wir da weitergehen.
0:07:07–0:07:10
Wir haben ja die beiden schon benannt, deshalb ganz kurz zu den Biografien.
0:07:10–0:07:16
Also Hartmut Rosa ist 65 geboren, ist Soziologe und Politikwissenschaftler,
0:07:16–0:07:20
spricht auch von soziologischer Philosophie, die er betreibt.
0:07:20–0:07:25
Er ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität
0:07:25–0:07:33
in Jena und eben auch Direktor des Max-Weber-Kollegs an der Universität Erfurt,
0:07:33–0:07:34
wo auch dieser eine Artikel verlinkt ist,
0:07:34–0:07:41
der auch in Zeitmagazin erschienen ist. Zeit am Wochenende war es, glaube ich.
0:07:42–0:07:46
Die drei Bücher, die ich benennen möchte, die er veröffentlicht hat,
0:07:46–0:07:52
waren 2013 Beschleunigung und Entfremdung, ein Entwurf einer kritischen Theorie
0:07:52–0:07:53
spätmoderner Zeitlichkeit.
0:07:54–0:07:57
Und das Wort Zeitlichkeit finde ich halt schön. Also er macht so ganz viele,
0:07:57–0:08:02
ganz viele Wortspiele auch, die er mit reinbaut, wo es dann so ein bisschen
0:08:02–0:08:07
was, ehrlich gesagt, bei mir sind es dann eher Witze, keine Konzepte,
0:08:07–0:08:08
aber ich habe da eine Affinität.
0:08:08–0:08:13
Ich mache auch gerne Wortverdreher oder Wortumdenker.
0:08:14–0:08:21
Dann hat er 2016 das Buch Resonanz, eine Soziologie der Weltbeziehung.
0:08:22–0:08:23
Also das ist auch Weltbeziehung.
0:08:24–0:08:32
Und dann 2018, das finde ich auch ein sehr schönes Konzept, das Konzept der Unverfügbarkeit.
0:08:33–0:08:35
In Klammer Unruhe bewahren.
0:08:36–0:08:40
Und da zum Beispiel habe ich auch mal ein Interview, ich weiß gar nicht mehr,
0:08:40–0:08:44
gehört oder gelesen oder gesehen, wo er über seine Katze sprach.
0:08:44–0:08:49
Wie er seine Katze ihn auf dieses Buch gebracht hat, weil die lässt sich nicht einfach so greifen.
0:08:50–0:08:55
Die ist nicht immer verfügbar, sondern gerade eine Katze ist ja auch so das Klischee der Katze.
Anja Ulrich
0:08:55–0:09:05
Weil die Katze so ist. Jetzt sind wir gerade am S-Bahnhof Charlottenburg.
Micz Flor
0:09:06–0:09:10
Stuttgarter Platz, wo wir uns vorgestern ein bisschen weiter hinten auch in
0:09:10–0:09:12
der Intervisionsgruppe getroffen haben.
0:09:12–0:09:17
Also wir sind gerade sowieso über Sozialenergiegruppen Weiterbildung miteinander verbunden.
0:09:17–0:09:23
Und ganz kurz noch zu Günther Amon, der ist 1918 geboren und 1995 verstorben,
0:09:24–0:09:28
war Psychiater und Psychoanalytiker und hat eben, wie ich schon gesagt habe,
0:09:29–0:09:36
die Deutsche Akademie für Psychoanalyse gegründet und auch das Lehr- und Forschungsinstitut,
0:09:36–0:09:39
was es heute noch gibt, in der Kantstraße.
0:09:40–0:09:46
Und der zehn Jahre lang an der Menninger Foundation Amerika geforscht hat,
0:09:46–0:09:53
wo er dann auch 1959 sein erstes Buch veröffentlicht hat, The Theoretical Aspect of Milieutherapy.
0:09:56–0:09:57
Milieutherapie ist auch eine
0:09:57–0:10:01
Therapie, die immer auch eben in so einem gruppenbezogenen Denken ist.
0:10:02–0:10:04
Also du hast keine individuelle Person, da werden wir auch später,
0:10:04–0:10:08
glaube ich, nochmal drüber reden, weil es geht ja um Gruppenbezogenheit bei Sozialenergie.
0:10:08–0:10:13
Nicht die eine Person, die vor dir sitzt und die ein Problem hat und das gilt
0:10:13–0:10:17
es zu bearbeiten oder die eine Störung hat und die gilt es zu lösen,
0:10:17–0:10:20
sondern in Milieutherapie ist quasi das Setting, die Gruppe,
0:10:20–0:10:24
die umgebende Gruppe, manchmal auch weitergefasst zusammen mit dem Team,
0:10:24–0:10:26
zusammen mit Ärztinnen und Ärzten,
0:10:26–0:10:31
ist ein Milieu, in dem du mitgesundest.
0:10:32–0:10:36
Das hat er 59 geschrieben, das war Teil der Forschung der Menninger Foundation
0:10:36–0:10:41
und dann 1970, da war dann schon in Berlin, da gab es auch schon die DAP und
0:10:41–0:10:45
das LFI, hat er Gruppendynamik der Aggressionen geschrieben,
0:10:45–0:10:50
72 Gruppendynamik der Kreativität, 73 Gruppen Psychotherapie,
0:10:50–0:10:55
Beiträge zur Theorie und Technik der Schulen, einer psychoanalytischen Gruppentherapie.
0:10:55–0:11:00
Und das war so ein bisschen auch diese Gründungszeit, wo Gruppe nämlich in der
0:11:00–0:11:05
deutschen analytischen Gesellschaft gar kein Thema war.
0:11:05–0:11:08
Das war nach dem Krieg sehr orthodox.
Anja Ulrich
0:11:08–0:11:15
Es wird ja auf jeden Fall in der analytischen, also wenn man bis zu Freud zurückgeht,
0:11:16–0:11:23
ist ja diese Ausrichtung auf Gruppen oder die Toleranz von Gruppen und Gruppenprozessen,
0:11:24–0:11:27
ja, also das war ja eine schwere Geburt,
0:11:28–0:11:31
weil Freud fand es nicht so besonders.
Micz Flor
0:11:32–0:11:33
Ja.
Anja Ulrich
0:11:34–0:11:41
Es kommt ja von dieser Individuumszentrierung, auch Psychotherapie als 1 zu
0:11:41–0:11:44
1 Setting und eher mit den Fantasien.
0:11:45–0:11:50
Als mit der Vorstellung, wir sind irgendwie vernetzt, aber dann kann man die
0:11:50–0:12:00
weitere psychoanalytische Entwicklung natürlich schon in Richtung Gruppe auch lesen.
0:12:00–0:12:06
Also auch dieses Verstehen von Duade über Melanie Klein und die Objektbeziehungstheoretiker und so.
0:12:06–0:12:10
Also Gut, sehr theoretisch. Aber es ist sozusagen so gewachsen,
0:12:10–0:12:19
finde ich, von der One-on-One-Situation hin zu Mutter-Kind.
0:12:19–0:12:20
Eigentlich ist nur das Kind wichtig.
0:12:21–0:12:25
Ah nein, es ist auch die Mutter wichtig. Hey, wow, es ist auch die Familie wichtig.
0:12:25–0:12:29
Oh mein Gott, die Gemeinde, Levin und die Gesellschaft.
Micz Flor
0:12:29–0:12:33
Die Nachbarn, die Nachbarn, die Lehrerinnen. So wird es dann immer auch Rollen geben.
0:12:33–0:12:37
Ja, aber das wäre dann auch gleich ein Sprung zu Ammon nochmal zurück,
0:12:37–0:12:42
zu sagen, dass zum Beispiel da die Mama-Papa-Kind-Idee mit Geschwistern und
0:12:42–0:12:47
so, dass das dann eher sowas wie eine Urgruppe ist oder eine umgebende Gruppe.
0:12:47–0:12:50
Und das finde ich auch ganz elegant, dass man da jetzt nicht versucht,
0:12:50–0:12:54
auf die spezifischen Rollen der Versorgung einzugehen, die ja dann auch heute
0:12:54–0:13:01
noch gar nicht so viel anders sind, wenn man mal mit unscharfem Blick drauf guckt, glaube ich,
0:13:01–0:13:07
welche Rolle die Frau in einem heteronormativen Paarbeziehungs-,
0:13:07–0:13:11
wir haben ein Kind-Setting zukommt, was der Mann so macht.
0:13:11–0:13:13
Da hat sich vielleicht gar nicht so viel geändert, aber trotzdem einfach zu
0:13:13–0:13:15
sagen, es geht hier um eine Gruppe, eine Urgruppe.
0:13:16–0:13:21
Und die Gruppenerfahrung darin sind dann relevant für den Rest des Lebens und
0:13:21–0:13:24
dann eben auch potenziell Teil von therapeutischer Arbeit.
0:13:25–0:13:28
Das ist ganz gut, das kann man da nochmal irgendwie anhängen.
0:13:30–0:13:36
Und bei Freud ist es so, dass ich glaube, also ganz kurz, wir laufen jetzt in
0:13:36–0:13:40
Wilmersdorfer Straße lang. Das war deine Idee, weil wir ja über Sozialenergie
0:13:40–0:13:42
sprechen und da geht es ja darum,
0:13:43–0:13:52
Dass man in sozusagen einem zirkulären Beziehung oder einem reziproken Beziehungsverhältnis
0:13:52–0:13:55
dann irgendwie einfach auch Energie bekommt, was erlebt.
0:13:55–0:14:00
Also was ich jetzt mit dir habe, die Wilmersdorfer Straße nehme ich jetzt gar
0:14:00–0:14:03
nicht so sehr wahr wie dich und mich natürlich, weil ich nervös bin,
0:14:04–0:14:05
dass wir auch alles irgendwie gut über die Bühne bringen.
Anja Ulrich
0:14:05–0:14:10
Und ich mag total gerne, dass du gesagt hast, das ist ja auch sowas Zirkuläres
0:14:10–0:14:13
und wir stehen jetzt hier gerade vor einem fantastischen Karussell,
0:14:13–0:14:17
was auch zirkulär hier Zirkus Rallye heißt.
Micz Flor
0:14:18–0:14:20
Nicht nur das, das heißt sogar Baby Zirkus.
Anja Ulrich
0:14:23–0:14:27
Und die haben auf jeden Fall auch alle richtig gute Energie, die da auf dem Bild sind.
0:14:27–0:14:32
Der Klauen und die, was ist es da? Walross oder?
Micz Flor
0:14:32–0:14:38
Und unterschiedliche Fahrgestelle, die unterschiedliche Kompetenzen mitbringen.
0:14:38–0:14:41
Manche haben Defizite, die beiden Motorräder, die haben kein Dach.
0:14:43–0:14:48
Die Lokomotive braucht Schienen, also irgendwie haben die auch ihre eigenen Krücken mitgebracht.
Anja Ulrich
0:14:48–0:14:49
Ja, richtig gut.
Micz Flor
0:14:49–0:14:53
In diesem Baby-Zirkus, es passt gut. Eine Sache, die ich auch,
0:14:54–0:14:55
ich weiß nicht, wie es dir da geht, aber,
0:14:57–0:15:01
Ich wollte ganz kurz zu dem Thema auch nochmal von psychischer Energie allgemein
0:15:01–0:15:08
was dazu sagen, weil mir ging es immer so ein bisschen, dass ich das Gefühl
0:15:08–0:15:09
habe, das ist eigentlich durch.
0:15:10–0:15:15
Also die Idee, dass man so einen Ort oder so eine Dynamik für psychische Energie
0:15:15–0:15:19
haben muss, dass man versteht, wo kommt das denn eigentlich her?
0:15:19–0:15:23
Also das, was jetzt bei Hartmut Rosa ja auch nochmal, der sagt ja dann so,
0:15:23–0:15:26
wo kommt das denn her? Da sind wir irgendwie fix und fertig,
0:15:26–0:15:28
kommen abends nach Hause, dann klopfen die Nachbarn und sagen,
0:15:28–0:15:29
wollen wir noch Karten spielen?
0:15:29–0:15:32
Und dann ist man wieder voll belebt, auch ohne Alkohol.
0:15:32–0:15:36
Also einfach nur das Soziale bringt einen dann noch irgendwie so hoch.
0:15:38–0:15:42
Aber trotzdem hatte ich immer so das Gefühl, dass dieses psychische Energie-Ding
0:15:42–0:15:45
so, ich habe da immer ein bisschen mit gefremdelt.
Anja Ulrich
0:15:47–0:15:53
Ja, ich, das könnte ich jetzt gar nicht sagen, ob ich damit gefremdelt habe,
0:15:53–0:15:58
aber ich fand die, also diese Vorstellung, die Hartmut Roser,
0:15:59–0:16:02
die er äußert, wenn wir an Energie denken,
0:16:02–0:16:06
dann denken wir in so physikalischen Kategorien.
0:16:06–0:16:12
Also Energie ist so das Potenzial, um etwas, also so eine Art Potenzial,
0:16:12–0:16:14
damit man irgendwie was bewegen kann.
0:16:14–0:16:20
Und das, was der Energieerhaltungssatz, ja, was rausgeht, muss auch reingehen.
0:16:20–0:16:28
Und so, dass ich dachte, ob mit diesem Energiebegriff, also ob dieses Wort einfach so ein paar,
0:16:28–0:16:37
also die nicht so passende Assoziationen vorruft.
Micz Flor
0:16:38–0:16:38
Ja,
0:16:41–0:16:45
das sagt er auch selber. Wenn man die Literatur guckt, dann hat man das Gefühl,
0:16:46–0:16:50
dass bei Energie spricht man entweder über Physik oder über Esoterik.
0:16:50–0:16:53
Er hat das dann gesagt, entweder über Steine oder über Sterne.
0:16:53–0:16:57
Und das fand ich schon wieder ganz lustig. Er kann ja gut mit Worten.
0:16:58–0:17:04
Und hat dann auch explizit benannt, dass es sich hier nicht um eine Energie
0:17:04–0:17:09
mit Nullsummen-Spiel, Input, Output und sowas handelt. Man muss es davon abgrenzen.
0:17:09–0:17:11
Und hat, das fand ich ganz interessant,
0:17:11–0:17:20
auch diese Beobachtung aus der Corona-Zeit erzählt oder erklärt.
0:17:24–0:17:28
Da ist jemand gerade mit sich alleine im Gespräch mit jemand anderem.
0:17:30–0:17:35
Er hat erzählt, dass in der Corona-Zeit dieses Phänomen wohl auftrat,
0:17:35–0:17:41
dass zuerst alle natürlich im Lockdown voneinander getrennt waren und einen
0:17:41–0:17:42
großen Verlust erlebt haben.
0:17:42–0:17:49
Aber als dann der Lockdown aufgehoben wurde, sich dann trotzdem nicht mehr alle
0:17:49–0:17:54
in den Chor gegangen sind. oder dann doch nicht mehr alle das so aufgegriffen
0:17:54–0:17:56
haben, dass da irgendwie was passiert ist.
0:17:56–0:18:01
Wo er meinte, das sei vielleicht auch typisch für soziale Energie, die muss fließen.
0:18:01–0:18:04
Die ist eben kein Input-Output, die kann man nicht speichern,
0:18:04–0:18:06
sondern die muss irgendwie zirkulieren.
0:18:06–0:18:11
Und dann bringt sie auch was, dann erhält sie sich auch, aber sie kann eben
0:18:11–0:18:13
auch so wie austrocknen, kann auch verschwinden.
0:18:13–0:18:16
Und das ist schon, finde ich, eine interessante Beobachtung,
0:18:16–0:18:21
weil seit der Corona-Krise, nenne ich es jetzt,
0:18:22–0:18:29
Ich höre immer wieder von PsychotherapeutInnen, dass die Nachfrage nach Plätzen
0:18:29–0:18:31
nicht mehr runtergegangen ist.
0:18:31–0:18:34
Es ist irgendwie hochgegangen und das ist wohl generell eine große Ängstlichkeit,
0:18:34–0:18:39
ein großer Bedarf seit Corona an Psychotherapie.
0:18:40–0:18:45
Also der Energiebegriff, ich finde, das passt, weil man das alltäglich auch benutzt.
0:18:45–0:18:50
Man sagt so, heute fühle ich mich voller Energie, würde man ja auch sagen.
Anja Ulrich
0:18:50–0:18:58
Ja, und nochmal, also zu der Idee, dann komme ich abends nach Hause und dann
0:18:58–0:18:59
fühle ich mich energielos.
0:18:59–0:19:02
Und dann klingeln, wie du gesagt hast, dann klingeln die Nachbarn von Karten
0:19:02–0:19:09
spielen und zack, ist wieder Energie da. Ja, dann zu Energie und Nullsummspiel
0:19:09–0:19:14
und Corona und dann sind die Leute einfach nicht wieder losgekommen.
0:19:14–0:19:20
Und ich meine zu bemerken, dass es aber innerlich bei den Menschen trotzdem
0:19:20–0:19:22
so ein Nullsummspiel gibt.
0:19:22–0:19:29
Also ich komme nach Hause und ich habe keine Energie und dann muss ich irgendwie
0:19:29–0:19:32
wieder Energie reinfüllen, damit ich wieder rausgehen kann.
0:19:32–0:19:35
Das deckt sich, glaube ich, nicht immer mit der Erfahrung, weil man kann auch
0:19:35–0:19:37
sich energielos fühlen, sich dann nochmal aufraffen und feststellen,
0:19:38–0:19:41
ach, eigentlich ziemlich gut und sogar ich gehe mit mehr Energie raus, als ich,
0:19:42–0:19:46
also der Abend ist mit mehr Energie beendet, als er begonnen hat,
0:19:46–0:19:54
obwohl ich eigentlich was Anstrengendes gemacht habe oder ich in Action war
0:19:54–0:19:55
und jetzt nicht nur auf dem Sofa gechillt habe.
0:19:55–0:20:00
Und ich glaube, dass diese Verknüpfung von ich fühle mich energielos,
0:20:00–0:20:03
das heißt, ich darf auf gar keinen Fall was machen, was irgendwie mich Energie
0:20:03–0:20:06
kostet, die ist schon sehr, also die finde ich es schon sehr verbreitet.
0:20:10–0:20:18
Ja, deswegen frage ich mich schon, ob die, ob dieses, diesen Begriff Energie
0:20:18–0:20:23
und diese Vorstellung, die wir davon haben, ob die nicht doch sowas in so einer rein raus Logik ist.
0:20:23–0:20:27
Wenn man in den Urlaub fährt, ja, dann ist ja die Frage, macht man eher so einen
0:20:27–0:20:30
Aktivurlaub oder macht man eher rumliegen und chillen?
0:20:30–0:20:34
Und wenn man so ganz erschöpft ist, dann gibt es ganz oft, also gibt es so die
0:20:34–0:20:42
Vorstellung, dann liegt man da schön am Strand und tankt da voll Energie auf.
0:20:43–0:20:44
Sonnenenergie vielleicht.
Micz Flor
0:20:44–0:20:45
Indem man nichts tut.
Anja Ulrich
0:20:45–0:20:50
Wird man wieder stark. Und das hat ja auch einen gewissen Erholungsfaktor.
0:20:50–0:20:57
Wenn man aber was Aktives macht, also mir fällt umweltfeindliches Skifahren ein zum Beispiel.
0:20:57–0:21:01
Wenn man sowas macht, dann macht man eigentlich sehr viel, man verbraucht sehr
0:21:01–0:21:07
viel Energie und da ist viel los, man ist richtig erschöpft am Abend und die
0:21:07–0:21:09
Konzentration auf etwas komplett anderes,
0:21:10–0:21:14
also wenn man so wie ich es nicht so besonders gut kann, dann muss man sich
0:21:14–0:21:21
sehr konzentrieren, damit man es überhaupt überlebt und dann geht man richtig
0:21:21–0:21:24
mit so Esprit raus. Guck wie sie fließt, die Energie.
0:21:27–0:21:34
Sozialer Energie passiert eben was anderes, als wir vielleicht so vorbewusst,
0:21:34–0:21:38
du hast diese Ebenen vorhin erwähnt, als wir so vorbewusst annehmen.
Micz Flor
0:21:39–0:21:45
Ja, das wäre dann ja auch so ein freudianisches Denken.
0:21:46–0:21:50
Es ist eigentlich anders, um beim Namen des Podcasts zu sagen.
0:21:50–0:21:55
Also eigentlich ist es was anderes als das, was erstmal so naheliegend wäre.
0:21:55–0:21:59
Also dass man da physikalische Energiekonzepte hernimmt, um sein Leben zu regulieren.
0:21:59–0:22:05
Aber hier bin ich jetzt off the map. Ich glaube, hier bin ich ja nie lang gelaufen.
0:22:06–0:22:08
Nördlich der Bismarckstraße, jenseits der Oper.
Anja Ulrich
0:22:10–0:22:14
Da zum Beispiel ist die Tischlerei der Deutschen Oper.
0:22:16–0:22:21
Da werden die Kulissen gefertigt. Ich würde mich aber heute,
0:22:21–0:22:23
wenn wir hier spazieren,
0:22:23–0:22:28
auch nochmal jenseits dieser ganzen Theorien, auch nochmal so würde mich interessieren,
0:22:28–0:22:36
wo du soziale Energie, wo du das Konzept so richtig so spürst.
0:22:37–0:22:45
Ja, in welchen Zusammenhängen und was für Situationen und was,
0:22:45–0:22:47
wo es so für dich so fühlbar wird.
Micz Flor
0:22:48–0:22:51
Ja, dann kann ich das, jetzt haben wir über Hartmut Rosa gesprochen,
0:22:51–0:22:55
dann knüpfe ich das so ein bisschen an Günther Ammon auf.
0:22:55–0:22:57
Ich habe ja da auch ein paar Zitate geholt. Ich wollte ja, dass das,
0:22:58–0:23:01
das war mir irgendwie sehr wichtig, dieser Beitrag.
0:23:02–0:23:06
Sogar habe ich schon ein paar Zitate auf dem Handy, wo ich nachher welche zitieren kann.
0:23:07–0:23:14
Und eins davon ist, dass er sagt,
0:23:15–0:23:19
dass die Sozialenergie bei Amon, also diese Gruppenerfahrung,
0:23:19–0:23:23
frühe Gruppenerfahrung, dass die...
0:23:25–0:23:29
Und später einen Großteil des Unbewussten bilden.
0:23:32–0:23:36
Und damit kann ich irgendwie sehr viel anfangen. Mit dieser Idee,
0:23:36–0:23:42
dass natürlich vieles von dem, was wir später auch an Problemen erleben,
0:23:42–0:23:46
oft auch direkt oder indirekt mit anderen Menschen zu tun hat.
0:23:47–0:23:49
Muss nicht alles in Gruppen entstehen.
0:23:50–0:23:54
Aber wenn wir jetzt an so große Themen wie Einsamkeit oder so gucken,
0:23:54–0:23:55
da geht es ja ganz explizit auch um andere.
0:23:56–0:24:01
Und das heißt, diese sehr frühen Beziehungserfahrungen, wie kann ich Beziehungen
0:24:01–0:24:07
herstellen, wie wichtig bin ich in Beziehungen, wie sehr sind Beziehungen Einbahnstraßen
0:24:07–0:24:10
oder reziproke Kontexte,
0:24:10–0:24:14
was darf ich, was darf ich nicht, wie muss ich mich am besten verhalten,
0:24:14–0:24:16
also frühe Beziehungserfahrungen, Gruppenerfahrungen,
0:24:17–0:24:21
dass die dann sich lange ins Leben hinein aufrechterhalten, weil die früher
0:24:21–0:24:26
mal passten und man sehr spät vielleicht erst dran kommt, man muss nicht immer Angst haben, wenn XY.
0:24:27–0:24:32
Also da habe ich lange drüber nachgedacht, damit kann ich sehr viel anfangen.
0:24:32–0:24:35
Das finde ich gerade eben auch, wenn man Gruppenpsychotherapie macht,
0:24:35–0:24:38
so nochmal hilfreich, Dieses Konzept zu sagen,
0:24:39–0:24:43
das Zitat habe ich jetzt nicht parat, könnte ich auch nicht vorlesen,
0:24:44–0:24:48
aber diesen Satz auch von Amman, wir können in Gruppen krank werden,
0:24:49–0:24:53
kurz gesagt, deshalb können wir in Gruppen auch heilen, dass man das Ganze umdreht.
0:24:53–0:24:56
Weil oft, finde ich, in der Psychotherapie ist dieses Gefühl da,
0:24:57–0:25:01
sehr schnell kann etwas beim Mobbing kaputt gehen oder in der Familie kaputt
0:25:01–0:25:06
gehen, aber dass das jemals wieder besser wird, das kann ich mir nicht vorstellen.
0:25:06–0:25:11
Also man gibt den anderen Menschen große Macht für negative,
0:25:12–0:25:15
auch anhaltende Erlebnisse und Störungen.
0:25:16–0:25:18
Man gibt anderen aber nicht die Macht,
0:25:19–0:25:22
Dass man sich traut, was Neues zu probieren, sich erweitert und dadurch vielleicht
0:25:22–0:25:27
auch in manchen Bereichen, heilen ist ein komisches Wort, aber so verändert,
0:25:28–0:25:31
dass man wieder lebensfroher in der Welt ist.
0:25:35–0:25:43
Und du, ich frage dich mal zurück, stellst eine Frage, die du für dich beantworten könntest.
Anja Ulrich
0:25:43–0:25:51
Ja, und ich war viel mehr mit so, mit persönlicheren Sachen beschäftigt.
0:25:51–0:25:55
Jetzt sind wir hier, also wir laufen ja hier durch Berlin, viele Menschen.
0:25:58–0:26:01
Wir sind durch die Wilmausdorfer Straße gelaufen, da war so der Weihnachtsmarkt
0:26:01–0:26:06
nebendran, gerade so am Aufbahn mit dem Pfarrgeschäftszirkus.
0:26:09–0:26:13
Und ich so befasst war mit der Frage,
0:26:13–0:26:18
wo merke ich das eigentlich, also wo geht so soziale Energie dann,
0:26:18–0:26:23
wo geht die in mich rein und wo merke ich die bei anderen und wenn wir beide
0:26:23–0:26:25
so laufen heute, wie merke ich die,
0:26:25–0:26:30
also fühle ich jetzt viel davon oder du meinst jetzt der Unterschied zwischen hier oder.
Micz Flor
0:26:30–0:26:35
Wilmer Surfer Straße, mehr Menschen auf der Straße, weniger Menschen auf der Straße oder Ja.
Anja Ulrich
0:26:35–0:26:42
Und dann werden sich, also wie sich Personen verbinden und dann saß diese da
0:26:42–0:26:48
an der einen Straße, wo du gesagt hast, da redet eine Person mit jemandem,
0:26:48–0:26:49
den man aber nicht sehen kann.
0:26:49–0:26:53
Also wenn das so aussah wie vielleicht eine obdachlose psychotische Person,
0:26:53–0:26:59
fühlt die auch eine Art von Sozialenergie oder ist das Problem,
0:26:59–0:27:04
dass sie eben gerade nicht da ist oder zu wenig oder welche Sorte fließt da?
0:27:05–0:27:08
Die die so engagiert hat werden lassen ja und.
Micz Flor
0:27:10–0:27:15
Also ich glaube, primär wäre natürlich erstmal dann zu sagen, was ist eine Gruppe?
0:27:15–0:27:21
Weil ich glaube, dass das Konzept der Sozialenergie und auch Sozialenergie davon
0:27:21–0:27:26
abhängig ist, dass überhaupt erstmal eine Gruppe entsteht, dass eine Form der Kohäsion,
0:27:27–0:27:31
ja eben diese eigene Energie passiert.
0:27:32–0:27:35
Aber diese soziale, ich meine, das würde ich jetzt mal weiter,
0:27:35–0:27:40
wir sind jetzt ein bisschen da, wo ich nicht dachte, dass wir sein werden.
0:27:40–0:27:45
Also wir reden jetzt, wir machen jetzt nichts Didaktisches mehr.
0:27:46–0:27:49
Also wir erzählen jetzt gerade nicht mehr irgendwelchen Zuhörern etwas über diese Dinge.
0:27:50–0:27:55
Das war ein Teil davon. Vielleicht muss das irgendwie anders passieren oder
0:27:55–0:27:58
vielleicht passiert es im Nachhinein noch mal. Und die Leute lernen jetzt ein
0:27:58–0:27:59
bisschen mehr uns kennen.
0:27:59–0:28:02
Aber deshalb führe ich das jetzt nochmal zurück. Es ist aber gut.
Anja Ulrich
0:28:02–0:28:08
Dass du die Klammer machst, also quasi die Sozialenergie auch zu den Zuhörenden fließen zu lassen.
Micz Flor
0:28:09–0:28:10
Über das Parasoziale.
Anja Ulrich
0:28:11–0:28:12
Über das Parasoziale.
Micz Flor
0:28:14–0:28:18
Nee, aber du machst ja auch, um über das Soziale zu sprechen,
0:28:18–0:28:23
Gruppe mit Menschen, die, ohne eine Diagnose nennen zu wollen,
0:28:23–0:28:28
Probleme mit dem sozialen, mit sozialem Kontakt, mit sozial erwünschtem Verhalten haben.
0:28:32–0:28:36
Und du hattest mir auch schon mal gesagt, dass du erstaunt warst,
0:28:37–0:28:41
wie klar und ehrlich die auch einfach so sind. Mit sich und mit anderen.
0:28:42–0:28:45
Also Dinge, wo man auch vielleicht was von lernen kann und sich dann auch nochmal
0:28:45–0:28:51
anders überlegt, warum das denn nicht immer so sein kann, was ja ganz praktisch ist.
0:28:53–0:28:58
Wie würdest du denn da den Begriff der Sozialenergie anlegen?
Anja Ulrich
0:29:00–0:29:11
Ich würde denen anlegen, es sind ja mehrere, bevor diese Gruppen jeweils begannen,
0:29:12–0:29:22
es von den einzelnen Teilnehmenden überdurchschnittlich häufig Entfremdungserfahrungen gegeben hat,
0:29:22–0:29:29
über einen in bestimmter Weise über die Welt und sich nachzudenken und sich
0:29:29–0:29:34
in Beziehung zu setzen zu anderen und eben eher Erfahrungen zu machen von,
0:29:34–0:29:36
ich kann dies nicht so gut verstehen,
0:29:36–0:29:41
was andere miteinander, was die so machen und warum, was die so für Dinge wollen
0:29:41–0:29:46
und wie ich darauf entsprechend reagieren kann, um in diesem sozialen Gefüge
0:29:46–0:29:47
vielleicht zu diesem Zusammenhang,
0:29:48–0:29:54
zu diesem Vibe oder so, dieser Resonanz, da mitzuschwingen. Ich merke,
0:29:55–0:29:56
ich schwinge da nicht gut mit.
Micz Flor
0:29:59–0:30:04
Ja genau, das ist der Resonanzbegriff von Hartmut Rosa, der dann auch ganz schön
0:30:04–0:30:09
gesagt hat, auch ein Zitat, was ich mitgenommen habe, dass dieser Raum,
0:30:09–0:30:12
in dem so eine Resonanz zwischen zwei Menschen entsteht,
0:30:13–0:30:20
dass es einem erlaubt, dem anderen als anderen zu begegnen. Das finde ich irgendwie ganz schön.
0:30:21–0:30:25
Also, dass man dem anderen begegnet, für den man dann auch ein anderer ist.
0:30:25–0:30:29
Also, da begegnen sich zwei andere, die gleichzeitig aber über einen gemeinsamen
0:30:29–0:30:32
Resonanzraum miteinander verbunden sind.
0:30:32–0:30:36
Martin Buber vielleicht sagen würde, eine Ich-Du-Beziehung.
0:30:37–0:30:46
Und in dem Raum haben die Menschen Probleme, sozusagen dieses Mitschwingen zu
0:30:46–0:30:50
erleben, damit umzugehen oder erleben es nicht?
Anja Ulrich
0:30:52–0:30:55
Genau alles das also es ist
0:30:55–0:30:58
nicht leicht damit
0:30:58–0:31:01
zu schwingen oder die es wird wahrgenommen die
0:31:01–0:31:04
anderen schwingen irgendwie anders und ich kann betrachten dass
0:31:04–0:31:09
die oder ich kann irgendwie spüren dass die so miteinander schwingen
0:31:09–0:31:15
und miteinander in kontakt kommen und sich verbinden Und ja vielleicht wie wenn
0:31:15–0:31:22
man auf eine Feier kommt und da kennen sich schon viele Personen vorher und
0:31:22–0:31:26
die finden sich auch zusammen und man selber kennt aber gar keine Person.
0:31:27–0:31:32
Und es gibt ein Fremdheitserlebnis und das kann nicht gut überbrückt werden.
0:31:34–0:31:35
Und...
0:31:37–0:31:42
Ja, und in den Gruppen, dadurch, dass es ein, ja, was ist, was,
0:31:43–0:31:50
also bis hin zu Mobbing-Erfahrungen und wirklich richtig schlimmen Ausgrenzungserfahrungen,
0:31:51–0:31:55
weil die von dir schon angesprochen, Ehrlichkeit oder so eine gewisse Direktheit,
0:31:55–0:32:01
die sich dann eben auch nicht an diese Schwingungen, zum Beispiel mit so sozialen
0:32:01–0:32:04
Flunkereien, die wir alle so drauf haben,
0:32:05–0:32:12
wie, hey, guck mal, meine neue Frisur, einfach nicht zu sagen, ja, sieht scheiße aus.
0:32:13–0:32:20
Oder, nee, gefällt mir gar nicht. Das eben nicht, ja, also sich auf diese,
0:32:21–0:32:25
gemeinsame Schwingung, auf diese Matrix aus wiederum auch ganz,
0:32:25–0:32:29
also auch das nicht automatisch so mitbedienen.
0:32:29–0:32:34
Und da machen wir ja, und das ist auch interessant, also das habe ich im Allgemeinen
0:32:34–0:32:38
so Lernen über diese Themen so mitbekommen,
0:32:39–0:32:48
dass wir sehr viel investieren in diese, ja ich würde sagen Sozialenergie,
0:32:48–0:32:49
in dieses gemeinsame Schwingen.
0:32:49–0:32:54
Und dass es uns große Angst macht, da auch rauszufallen und da nicht mehr mitzuschwingen
0:32:54–0:33:03
und zu erleben, hier werde ich so rausgeschubst oder ich passe nicht so richtig dazu.
0:33:06–0:33:13
Und die so also diese solche erfahrungen teilen alle miteinander mehr oder weniger
0:33:13–0:33:18
aber die ist die teilness und die art auf die welt zu blicken oder die art auch
0:33:18–0:33:26
auf beziehungen zu blicken die wiederum ist dann fotografiert gerade was.
Micz Flor
0:33:26–0:33:27
Das ja aber du kannst du genau das gleich.
Anja Ulrich
0:33:27–0:33:32
Mit geteilter Aufmerksamkeit deinem Blick folgen.
0:33:36–0:33:43
Ja und es gibt diese Fremdheitserfahrung oder ich bin alleine mit dem so wie
0:33:43–0:33:47
ich denke und wie ich mich fühle und mit dem was ich nicht verstehe und andere haben nicht,
0:33:48–0:33:51
das können nicht so gut, weil sie es vielleicht zum Teil gar nicht wissen,
0:33:51–0:33:58
mich da trotzdem mitnehmen oder mit beteiligen und vielleicht auch zu spüren,
0:33:58–0:34:00
eigentlich möchte ich das auch gar nicht so richtig.
0:34:00–0:34:08
Ich bin irgendwie lieber mit einer Person oder mit anderen Dingen befasst und
0:34:08–0:34:10
andere stören mich eher.
0:34:10–0:34:15
Und dass das dann nun miteinander geteilt wird,
0:34:16–0:34:20
das bringt so eine ganz schöne Verbindung untereinander,
0:34:20–0:34:26
die die was die was sehr besonderes hat also die sehr dicht sich anfühlt und
0:34:26–0:34:33
die auch eine besondere tiefe wieso empfinde ich es als so gruppentherapeutin
0:34:33–0:34:40
die eine besondere tiefe im kontakt entstehen lässt die dann die die,
0:34:42–0:34:44
Die riesig verbindend ist.
Micz Flor
0:34:44–0:34:46
Ja, interessant.
Anja Ulrich
0:34:46–0:34:54
Und das ist für alle Beteiligten einschließlich mich, auch Teil davon sein zu können.
0:34:56–0:35:03
Also wirklich berührend und immer wieder so ein richtiger Wow-Moment.
0:35:03–0:35:08
Auch weil ich ja selbst, also wir haben ja die Gruppenausbildung zusammen gemacht.
0:35:08–0:35:12
Und das beinhaltet ja auch gruppentherapeutische Selbsterfahrung.
0:35:12–0:35:18
Und ich von mir sagen würde, ich habe eigentlich Angst vor Gruppen.
Micz Flor
0:35:19–0:35:22
Aber da muss man erst nochmal erklären für die, die es nicht wissen,
0:35:23–0:35:29
also Selbsterfahrung bedeutet, man ist selber in der Rolle der PatientInnen.
0:35:29–0:35:33
Also wir haben als Gruppe auch, wie viele Sitzungen waren das,
0:35:33–0:35:35
40, 60 Sitzungen oder so?
0:35:39–0:35:43
An einer Gruppe als PatientInnen teilgenommen.
0:35:43–0:35:45
Aber natürlich haben wir uns auch anders
0:35:45–0:35:48
gesehen, was ja in der Regel bei Gruppenpsychotherapie nicht der Fall ist.
0:35:48–0:35:51
Wir kannten uns, man war vielleicht auch ein bisschen vorsichtig,
0:35:52–0:35:56
man spricht ja mit Kollegen, Kolleginnen und da ist man natürlich noch mal auch
0:35:56–0:36:00
im Leidensdruck anders aufgestellt, als wenn man jetzt wirklich eine Psychotherapie
0:36:00–0:36:02
sucht und in einer Gruppe landet.
0:36:03–0:36:09
Aber du meinst eigentlich Gruppe ist, du kannst das gut verstehen,
0:36:09–0:36:12
weil du es auch erlebst, dass man da,
0:36:14–0:36:15
Was macht, was machst du dann?
Anja Ulrich
0:36:17–0:36:27
Ja, ich führe sehr stark die Sorge, mich da fremd zu fühlen von anderen,
0:36:27–0:36:35
also nicht in dieses Verbindungsgefühl, auch von den anderen mit reingenommen zu werden,
0:36:35–0:36:41
mich selbst nicht verbunden zu fühlen, obwohl andere das mit mir herstellen wollen. und,
0:36:44–0:36:48
da entsteht was für mich auf jeden Fall was Ängstigendes.
Micz Flor
0:36:51–0:36:55
Ängstigend, wie würdest du das weiter explorieren jetzt in der Sitzung?
0:36:58–0:37:03
Was kann Schlimmes passieren oder was bedroht sie da?
Anja Ulrich
0:37:04–0:37:05
Ja,
0:37:07–0:37:12
ich glaube schon, dass mit dem, so wie ich bin, nicht anerkannt zu werden oder
0:37:12–0:37:16
nicht nicht nicht sein zu dürfen und,
0:37:17–0:37:26
nicht Teil der Gruppe werden zu können und gleichzeitig aber auch von der Gruppe
0:37:26–0:37:27
so eingenommen zu werden.
0:37:28–0:37:35
Also das ist ja, ich glaube, ich sage jetzt gar nichts, was jetzt so total außergewöhnlich ist.
0:37:35–0:37:41
Es wird ja auch in der Literatur oder wenn man in Gruppenprozesse,
0:37:41–0:37:43
Menschen, die an Gruppenprozessen teilnehmen,
0:37:43–0:37:50
wenn man da reinhört, dann ist es ja eine, auch das ist ja eine geteilte Erfahrung,
0:37:51–0:37:53
mehr oder weniger in die eine oder in die andere Richtung,
0:37:54–0:38:01
von der Gruppe verschlungen zu werden, diese Symbiose-Vorstellung,
0:38:01–0:38:06
die ängstigt, aber eben auch nicht dazu, also ausgestoßen zu werden,
0:38:07–0:38:08
das ist vielleicht was, was.
Micz Flor
0:38:08–0:38:12
Eine der größten Ängste oft, dieses ausgeschlossen zu sein,
0:38:13–0:38:18
not in on the joke oder ich habe mal so einen schönen Comic gesehen,
0:38:18–0:38:22
so ein Bild unten drunter stand, das sitzen alle an der Bar,
0:38:23–0:38:26
einer hebt zu den Armen und unten drunter steht, der nächste Witz geht auf meine
0:38:26–0:38:28
Kosten. sondern also, dass man,
0:38:30–0:38:33
außen vor ist. Das ist ja ein bisschen, was ich vorhin meinte,
0:38:33–0:38:38
was Rose auch über diese Corona-Erfahrung gesagt hat, was dann passiert ist,
0:38:38–0:38:43
schon fast, dass man da so ein bisschen clumsy wird mit dem Konzept allgemein.
0:38:43–0:38:47
Also, dass man dann beim nächsten Mal zum Chor gehen ja vielleicht sogar wirklich denkt,
0:38:47–0:38:50
wir haben es jetzt ein Jahr nicht gesehen, dann wollen die wissen,
0:38:50–0:38:53
ob und das und dieses und man da vielleicht viele Bedenken hat,
0:38:54–0:39:01
und Und was ich denke, was oft auch passiert, man sich selber blockiert,
0:39:01–0:39:04
weil man mehr darüber nachdenkt, was die anderen denn von einem wollen,
0:39:05–0:39:09
als dass man sich Abgrenzung nach innen mit seinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen
0:39:09–0:39:09
in der Gruppe beschäftigt.
0:39:14–0:39:17
So, also bei der Intervisionsgruppe, die hatten wir vorgestern,
0:39:17–0:39:19
da war das so ein bisschen für mich.
0:39:19–0:39:24
Also ich habe mich da in den ersten Intervisionsgruppen immer ein bisschen fremd gefühlt.
0:39:25–0:39:30
Aber jetzt geht das schon einige Jahre und ich habe einfach das Gefühl,
0:39:30–0:39:34
ich kann da wirklich mir was holen.
0:39:34–0:39:37
Ich kann mir da was holen und manchmal heißt holen, was zu geben.
0:39:37–0:39:42
Ja, ich möchte ein paar Sachen erzählen und sie dann auch in den Gesichtern,
0:39:42–0:39:44
vielleicht ohne Worte sogar einfach widerspiegeln,
0:39:45–0:39:49
irgendeinen Fall vorzustellen, irgendeine Verwunderung und einfach selber auch
0:39:49–0:39:53
nochmal mir selber dabei zuhören zu können und auch zuhören zu können.
0:39:53–0:39:57
Und ich glaube, das ist das Besondere an der Gruppe, wie ich das in der Gruppe erzähle.
0:39:58–0:40:02
Natürlich ist dann jede Gruppe auch wieder anders. Wie würde ich das am Weihnachten
0:40:02–0:40:05
der Gruppe erzählen, der umgebenden Gruppe oder wie erzähle ich das in der Intervision?
0:40:05–0:40:09
Aber jedes Mal erleben wir uns ja auch mit unseren eigenen Gedanken,
0:40:10–0:40:14
mit unserer eigenen Realität, wenn wir sie beschreiben in einer Gruppe,
0:40:15–0:40:17
lernen wir gleichzeitig was über uns.
0:40:19–0:40:21
Und da möchte ich nochmal anknüpfen, was du vorhin meintest.
0:40:21–0:40:26
Fand ich spannend. Guck mal, so viel Kunst und Kultur. Jetzt sind wir hier.
0:40:30–0:40:33
Wieder vor allem am Renaissance-Theater.
0:40:36–0:40:40
Großartig. Berlin hat echt so ein Angebot.
0:40:41–0:40:46
Du hattest vorhin gesagt, dass die Gruppe von Menschen,
0:40:47–0:40:54
die sich selbst oft als schwierig in sozialen Situationen erleben,
0:40:54–0:40:58
ausgegrenzt, das Gefühl haben, die checken es nicht so richtig oder so,
0:40:58–0:41:02
dass die dann auf einmal sich in der Gruppe treffen und dann entsteht da so
0:41:02–0:41:05
ein ganz, wie du beschrieben hast, dichtes tiefes Gefühl.
0:41:06–0:41:10
Und das fand ich ein sehr spannendes Bild, weil dieses dichte Gefühl.
0:41:13–0:41:18
Würde ich dann vermuten, hat damit zu tun, dass man auf einmal nicht mehr alleine ist.
0:41:18–0:41:23
Man ist ja eher so ein bisschen ein Einhorn unter den Pferden.
0:41:23–0:41:25
Also man ist so ein bisschen anders.
0:41:25–0:41:30
Und jetzt triften sich dann vier Einhörner zusammen. Du hast auch sowas. Ja, Wahnsinn.
0:41:30–0:41:34
Also da entsteht so ein Spiegelndes. Da erkenne ich mich wieder.
0:41:34–0:41:40
Und dann ist die Gruppe natürlich einerseits ein unfassbar tiefer Raum,
0:41:41–0:41:45
weil so tief konnte ich nie mit diesen Themen gehen, weil keiner versteht mich.
0:41:45–0:41:53
Und gleichzeitig ein dichter Raum, weil die Bandbreite an Teilnehmenden,
0:41:53–0:41:56
die Varianz Das ist gar nicht so groß, sondern ganz im Gegenteil,
0:41:56–0:41:57
was es therapeutisch wirksam macht.
0:41:57–0:42:04
In dem Fall ist ja gerade auch diese große Übereinstimmung an defizitären Erlebnissen.
0:42:04–0:42:07
Und wie möchte man es denn?
0:42:07–0:42:11
Verhaltensweisen oder Blindheiten, soziale Blindheiten.
0:42:12–0:42:15
Ich weiß nicht, wie man es nennen möchte. Also mir fällt kein gutes Wort an.
0:42:15–0:42:24
Und dem gegenüber möchte ich eine andere Gruppenkonzeption gegenüberstellen.
0:42:26–0:42:29
Weil was du beschrieben hast, hat ja eine große Wirksamkeit,
0:42:29–0:42:33
ein tiefes, dichtes Gruppengefühl.
0:42:34–0:42:37
Und bei mir ist es oft so in der Zusammenstellung der Gruppe,
0:42:37–0:42:42
wenn ich die einzelnen Personen treffe vorher, was auch immer sehr ambivalent
0:42:42–0:42:45
ist, weil man so ein bisschen entscheiden kann, was ich dann nicht wirklich
0:42:45–0:42:47
immer konsequent mache,
0:42:48–0:42:50
dass man Leuten sagt, sie passen nicht in die Gruppe.
0:42:50–0:42:54
Das könnte man vielleicht sowieso nicht so sagen. Dann geht es oft auch über
0:42:54–0:42:57
die Art der Störung, mit der die kommen oder die Probleme, mit denen die kommen und so.
0:42:58–0:43:01
Aber ich habe dann, und da habe ich eben auch wieder an diese Resonanztheorie
0:43:01–0:43:05
von Hartmut Rosa gedacht, ich habe dann gemerkt, so, ah, wenn ich,
0:43:05–0:43:09
und da bist du jetzt mit deiner Gruppe eben so eine interessante Ausnahme,
0:43:09–0:43:10
deshalb komme ich überhaupt drauf.
0:43:10–0:43:15
Wenn man eine Gruppe zusammenstellt, in der die Varianz zu groß ist,
0:43:15–0:43:20
man kann sich im Extrem vorstellen, wo keine zwei Leute die gleiche,
0:43:21–0:43:23
alle können sprechen, aber keiner spricht die gleiche Sprache,
0:43:23–0:43:26
hat man sofort natürlich das Gefühl, dass die Varianz so groß ist,
0:43:27–0:43:29
kann man ja auch nicht therapeutisch von profitieren.
0:43:31–0:43:35
Aber andersrum gesehen habe ich auch das Gefühl, wenn die sich alle zu ähnlich
0:43:35–0:43:41
sind, wie in so einer psycho-edukativen Gruppe zum Thema Substanzmissbrauch oder sowas,
0:43:41–0:43:49
dann ist da vielleicht auch nicht genügend Resonanzraum, um wirklich mit neuer
0:43:49–0:43:53
Identität oder neuer Differenzierung aus der Gruppe wieder sich herauszuentwickeln,
0:43:53–0:43:58
und dass eine Gruppe irgendwie beides sein muss sie muss ein Ort sein, an dem man sich fremd ist,
0:44:00–0:44:05
sich fremd fühlend und gleichzeitig aber auch ein Ort sein, in dem man lernen
0:44:05–0:44:06
kann, sich dazugehörig zu fühlend.
0:44:07–0:44:10
Es darf nicht zu groß sein, der Unterschied. Und ich,
0:44:12–0:44:14
Das finde ich immer ganz spannend bei der Gruppenzusammenstellung.
0:44:15–0:44:17
Deine Beschreibung, die total einleuchtend ist, war halt so eine interessante
0:44:17–0:44:20
Ausnahme, zu merken, es gibt in der Tat auch Gruppen,
0:44:21–0:44:35
deren Effekt gerade daherkommt, dass die Individuen sich sehr ähnlich sind.
0:44:36–0:44:37
Das fand ich spannend.
Anja Ulrich
0:44:37–0:44:45
Ja, wobei.
0:44:48–0:44:55
Natürlich innerhalb der Gruppe trotzdem diese Unterschiedlichkeiten auftauchen.
0:44:58–0:45:03
Aber zunächst mal, das ist vielleicht mehr als in anderen Gruppen oder die,
0:45:03–0:45:12
die schon von vornherein heterogener zusammenorganisiert sind.
0:45:12–0:45:16
Also Gruppentherapie ist natürlich auch ein sehr spezifischer,
0:45:16–0:45:23
also eine sehr spezifische Stichprobe.
0:45:23–0:45:28
Wir sprechen über das große Thema Sozialenergie, wo sich eben genau diese miteinander
0:45:28–0:45:36
Verbindungsresonanz, energetisierenden Prozesse abbilden.
0:45:37–0:45:42
Also Gruppen finden sich, du hast gesagt, man stellt die ja dann zusammen,
0:45:42–0:45:45
also als Gruppentherapeut, dann stellt man die zusammen oder überlegt,
0:45:45–0:45:48
wer kann da reinpassen und wie mischt man die.
0:45:48–0:45:55
Das ist ja sehr artifiziell im Grunde genommen, weil sich sonst Gruppen so nicht
0:45:55–0:46:01
zusammenfinden, sondern die finden sich zunächst einmal zusammen im Stadtbild.
0:46:01–0:46:05
Oder so, als wir durch die Wilmersdorfer gelaufen sind, da sind dann so drei
0:46:05–0:46:08
Männer, drei junge Männer,
0:46:08–0:46:14
die waren einfach alle so miteinander in Verbindung, haben laut geredet und
0:46:14–0:46:18
hatten irgendwas da am, weiß ich nicht, verhandeln oder keine Ahnung.
0:46:19–0:46:23
Da kommt ja keiner und sagt, nein, da muss jetzt aber noch jemand rein,
0:46:23–0:46:26
der da ein bisschen mehr Variants reinbringt.
Micz Flor
0:46:26–0:46:28
Ja, aber es ist gleich sehr interessant, weil das ja genau das ist.
0:46:29–0:46:31
Die würden über das, was sie da gerade gesprochen haben,
0:46:33–0:46:36
in einem anderen Kontext mit anderen Menschen anders sprechen.
0:46:37–0:46:40
Also dieses sich hochschaukeln, wenn man dann irgendwie in so einem Raum ist.
Anja Ulrich
0:46:41–0:46:48
Ja, und der erste Moment der miteinander
0:46:48–0:46:55
spürbaren Matrixenergie oder Sozialenergie, der sozialen Energie,
0:46:55–0:46:59
ist diese Suche nach Verbindung.
0:47:01–0:47:07
Also häufiger zumindest, ja anders geht es auch, die Welt ist bunt,
0:47:07–0:47:08
es gibt immer auch von allem Ausnahmen,
0:47:09–0:47:15
aber die zunächst mal, also sowohl in den Gruppentherapien als auch eben in
0:47:15–0:47:16
anderen Gruppen, die sich zusammenfinden,
0:47:17–0:47:23
es entsteht erstmal Verbindung eben über das Gemeinsame.
0:47:23–0:47:27
Also es fängt an zu fließen, festzustellen, ah, interessant,
0:47:28–0:47:32
du interessierst dich auch für die Psychoanalyse oder ach spannend,
0:47:33–0:47:37
wir beide mögen Motorräder oder gute Mikrofone.
0:47:37–0:47:54
Und erst wenn es dazu wie einem gut geknüpften Teppich aus Gemeinsamkeiten,
0:47:54–0:47:57
wenn das da ist,
0:47:57–0:48:10
dann entsteht das Bedürfnis oder vielleicht auch der innere Raum für mehr Differenzierung.
0:48:10–0:48:12
Ah, interessant, das ist also bei dir anders als bei mir.
Micz Flor
0:48:14–0:48:19
Ja, wir sind jetzt eine Podcast-Episode über Gruppenpsychotherapie geworden,
0:48:19–0:48:21
was aber auch gut zum Thema passt.
0:48:22–0:48:27
Also wir machen da einfach mal weiter. Ups, jetzt ist mir mein Handy in der
0:48:27–0:48:29
Hose runtergerutscht, weil meine Tasche kaputt ist.
0:48:33–0:48:36
Weil das ist in der Gruppenpsychotherapie natürlich auch immer so ein wichtiger
0:48:36–0:48:39
Schritt. Die Leute kommen alle an und das ist gerade bei Gruppen,
0:48:39–0:48:44
wenn man immer mit allen gleichzeitig anfängt, natürlich ein ganz großes Problem,
0:48:45–0:48:47
weil keiner kann sich an irgendwem orientieren.
0:48:48–0:48:50
Während wenn in einer bestehenden Gruppe Menschen dazukommen,
0:48:50–0:48:53
dann hat die Gruppe schon so eine Kultur.
0:48:54–0:48:58
Man kann sich so ein bisschen zurücklehnen, erstmal zugucken, wie muss ich hier sein.
0:48:58–0:49:03
Aber dieser erste Wunsch, ich muss hier irgendwie ankommen dürfen,
0:49:03–0:49:11
ich muss hier sein, ich muss mich hier entspannen können, was natürlich auch wieder Ängste macht.
0:49:11–0:49:13
Menschen, die sowieso schon soziale Ängste haben, die in der Gruppe sind,
0:49:13–0:49:14
weil sie denken, das wäre gut für mich.
0:49:14–0:49:18
Die merken dann auf einmal, wie viel schlimmer das in der Gruppe ist,
0:49:18–0:49:24
zu arbeiten als im Einzelnen, wo das eigene Problem dann irgendwie doch nur da draußen passiert.
0:49:25–0:49:29
Aber jetzt passiert es auf einmal in der Gruppe. da muss man angenommen werden,
0:49:29–0:49:34
da muss man dazugehören und erstmal betonen, wo man auch ganz oft in der Kommunikation
0:49:34–0:49:38
ja, was du gerade gesagt hast da kann ich viel mit anfangen, weil,
0:49:38–0:49:41
also das ist dann immer auf die eigene Biografie wieder zurückbezogen worden
0:49:41–0:49:43
das ist ganz, ganz wichtig,
0:49:43–0:49:47
für diesen Teppich, wie du sagst von Vertrauen,
0:49:48–0:49:54
und dann in der nächsten Phase kommen dann aber langsam die Konflikte hoch so nein,
0:49:55–0:49:58
das habe ich nicht gemeint Das hast du beim letzten Mal schon gedacht,
0:49:58–0:50:02
aber nein, das war nicht so oder du erinnerst dich falsch, das habe ich so nicht gesagt.
0:50:03–0:50:08
Ach so, ich dachte, also dass auf einmal so dieser Wunsch nach Harmonie und
0:50:08–0:50:12
Gemeinsamkeit aufgebrochen wird, damit man wirklich sich auch wieder abgrenzt,
0:50:12–0:50:18
damit man sich aus diesem symbiotischen Gefüge wieder entfernen kann.
0:50:20–0:50:26
Und dann eben in der Hoffnung auch, sich differenziert und verändert zu entfernen.
0:50:26–0:50:31
Das ist ja eine Leistung, die man in der Gruppe machen kann, mehr als im Einzelnen.
Anja Ulrich
0:50:31–0:50:35
Aber würdest du nicht, also du hast gesagt, jetzt sind wir so ein Podcast über
0:50:35–0:50:39
Gruppenpsychotherapie geworden.
Micz Flor
0:50:40–0:50:41
Eine Episode.
Anja Ulrich
0:50:41–0:50:43
Eine Episode, ja, Entschuldigung, stimmt.
0:50:45–0:50:48
Podcast-Folge vielleicht, ja. Oder eine Folge.
0:50:55–0:51:01
Aber wäre nicht genau der Hintergrundprozess diese Sorte von Sozialenergie,
0:51:01–0:51:04
über die Amman spricht und über die auch Hattendrosa spricht?
0:51:06–0:51:07
Ja.
Micz Flor
0:51:13–0:51:18
Ja, das ist natürlich die Frage, wie weit man dieses Modell,
0:51:18–0:51:20
also was machen wir mit diesem Modell?
0:51:20–0:51:22
Oh, die Paris-Port, da möchte ich auch noch ein Foto machen.
0:51:22–0:51:26
Was machen wir mit diesem Modell von Sozialenergie oder Sozialenergie?
0:51:26–0:51:32
Wie passt das jetzt zu dem, was wir gerade in Gruppenpsychotherapie beschrieben haben?
0:51:32–0:51:39
Also wie zumindest du und ich scheinbar sehr ähnlich arbeiten und das versuchen
0:51:39–0:51:42
zu begleiten, was da so passieren kann in dieser Richtung.
0:51:43–0:51:48
Also und da könnte man, glaube ich, schon sagen, ja, eine Gruppe,
0:51:48–0:51:53
in der, man würde vielleicht sagen, eine konstruktive Sozialenergie spürbar ist.
0:51:53–0:51:56
Das ist ja jetzt auch nicht so, dass man die dann einfrieren und festhalten
0:51:56–0:51:58
kann, sondern nächste Woche kann schon wieder anders aussehen.
0:51:59–0:52:02
Aber dass da vielleicht dann auch irgendwie mehr Lebendigkeit,
0:52:02–0:52:05
mehr Kontaktherstellung auch nach innen passiert.
0:52:05–0:52:14
Also dass man dann, dass man da mehr Potenzial hat, wirklich auch was auszuprobieren, zu vertrauen,
0:52:15–0:52:20
sich selbst auch was zuzutrauen, als in einer Gruppenerfahrung,
0:52:20–0:52:24
in der die Sozialenergie eher destruktiv,
0:52:24–0:52:30
also leicht feindlich wäre oder in der es defizitär wäre, weil man würde auf
0:52:30–0:52:34
der Bank am Alexanderplatz,
0:52:35–0:52:38
wartend auf die S-Bahn dem Nachbarn bestimmt nicht mitteilen,
0:52:38–0:52:40
was man in einem Gruppentherapie-Setting.
0:52:40–0:52:44
Also wenn überhaupt keine Sozialenergie wirklich zustande kommt,
0:52:45–0:52:49
dann würde man das halt auch nicht machen.
0:52:49–0:52:51
Ich denke, da würde man das schon so anknüpfen.
0:52:52–0:52:58
Aber hat man dann die Sozialenergie vielleicht zu sehr aufs Pragmatische runtergebrochen?
0:52:58–0:53:00
Aufs Deskriptive runtergebrochen.
Anja Ulrich
0:53:03–0:53:09
Glaubst du denn, dass Sozialenergie, dass das ein brauchbares Konzept ist,
0:53:09–0:53:13
um das zu beschreiben, was da passiert oder nicht passiert oder sich verändert
0:53:13–0:53:17
und was eine Prognose erlaubt für...
0:53:21–0:53:31
Wie geht es weiter mit, weiß ich nicht, sozialen Prozessen, Verbindungen, Gruppen?
Micz Flor
0:53:31–0:53:34
Ja, da ist jetzt Hartmut Rosa dann vielleicht wieder interessanter,
0:53:34–0:53:40
der halt postuliert, er sagt dann mal irgendwie so Energie, mit Energie kann
0:53:40–0:53:45
man Dinge bewegen, dann kann man mit sozialer Energie soziale Dinge bewegen.
0:53:45–0:53:48
Dann ist die soziale Energie vielleicht ein mögliches Vehikel,
0:53:49–0:53:53
um Bewegungen, soziale Sachen irgendwie auf die Welt zu bringen.
0:53:53–0:53:57
Sagt auch explizit, das ist schon spannend, dass sowas wie Fridays for Future
0:53:57–0:54:03
als Bewegung unfassbar viel soziale Energie mitgebracht hat oder generiert hat.
0:54:03–0:54:06
Oder es war wirklich belebend für Leute in I-Openern, die waren involviert.
0:54:06–0:54:09
Und auf einmal ist das aber irgendwie weg. Wo ist die Energie hin?
0:54:09–0:54:11
Ist die einfach nur weg oder ist die woanders hin?
0:54:12–0:54:15
Das sind so Fragen, die er stellt. Das ist gar nicht wirklich, dass er Antworten hat.
0:54:16–0:54:22
Aber er würde sagen, und so ist auch der UNESCO-Aufhänger, dass die soziale
0:54:22–0:54:26
Energie, die es hier scheinbar gibt, man kann sie beschreiben,
0:54:26–0:54:28
auch wenn man sie nicht ganz fassen kann.
0:54:28–0:54:33
Man kann sie erleben, auch wenn man sie nicht messen kann.
0:54:35–0:54:40
Dass die vielleicht ein notwendiger Zugang ist,
0:54:42–0:54:47
um das sehr materielle Miteinander, was wir gerade so erleben,
0:54:47–0:54:51
was eben, wie er ja sagt, uns auch von innen aus brennt.
0:54:51–0:54:58
Nicht nur die Welt verbrennt, sondern auch wir sind von innen ausgebrannt und
0:54:58–0:54:59
damit kann ich was anfangen.
0:54:59–0:55:02
Ich habe natürlich bestimmte Gründe jetzt familiär, ansonsten,
0:55:02–0:55:03
dass ich viel unterwegs bin.
0:55:04–0:55:06
Auch heute bin ich schon vier, fünfmal durch die Stadt gefahren,
0:55:07–0:55:09
um Dinge zu tun, mich dann endlich mit dir zu treffen.
0:55:11–0:55:12
Soziale Energie, jetzt geht es mir wieder.
0:55:14–0:55:20
Aber dass wir über das Konzept von sozialer Energie irgendwie in einen anderen
0:55:20–0:55:24
Modus des gesellschaftlichen Miteinander kommen können,
0:55:24–0:55:31
der vielleicht Dinge voranbringt, die mal wieder etwas zum Besseren verändern.
0:55:31–0:55:34
Ein Hintergrund, den er da benennt, ist, dass er gemerkt hat,
0:55:34–0:55:40
dass er mit seinem Thema, was er gerade bespricht, eben dieses kollektive Burnout
0:55:40–0:55:42
in der Gesellschaft, dass er da wieder erwarten,
0:55:43–0:55:45
internationalen, eigentlich in allen Ländern eingeladen wird,
0:55:45–0:55:48
China, Japan, sonst scheint überall Thema zu sein.
0:55:48–0:55:52
Überall ist man da wohl interessiert, seinen Vortrag zu hören,
0:55:53–0:55:54
da diesen Anstoß zu bekommen.
0:55:55–0:56:01
Und er aber auch in seiner Forschung gesagt hat, dass er interessanterweise
0:56:01–0:56:08
diese Idee von sozialer Energie in den westlichen Philosophien oder so keine richtige Rolle spielt,
0:56:08–0:56:12
aber in anderen in allen Kulturkreisen,
0:56:13–0:56:17
die Philosophie komplett, also er zitiert, das kann ich ja nicht nachzitieren,
0:56:17–0:56:21
aber dass es da ein Konzept von Qi oder von sonst was gibt, was eben sehr stark
0:56:21–0:56:25
mit einem Energiekonzept verbunden ist und auch Philosophie komplett über,
0:56:26–0:56:29
die Energie von Begegnung als Grundlage geht.
0:56:30–0:56:35
In der Gestalttherapie würde man sagen, prozessorientiert ist und nicht produktorientiert.
0:56:35–0:56:38
Also dass der Prozess, der Weg ist das Ziel sozusagen.
0:56:40–0:56:43
Also da wäre es jetzt die soziale Energie von Amon.
0:56:44–0:56:50
Da geht es natürlich schon auch um eine Verbesserung der Beziehungsfähigkeit,
0:56:50–0:56:53
der Liebesfähigkeit, würde man vielleicht sogar sagen.
0:56:57–0:57:01
Aber auf einer gesellschaftlichen Ebene denke ich, dass er das Gebiet,
0:57:01–0:57:06
wo Hartmut Rosa sich wohlfühlt und in seiner Theorie auch besser passt.
Anja Ulrich
0:57:08–0:57:15
Wir sind jetzt hier am Kurfürstendamm, eben vor dem Cinema Paris.
0:57:17–0:57:21
Ja, und ich finde, es ist eigentlich eine gute Runde heute für das Thema,
0:57:22–0:57:32
weil es sind unterschiedliche Energien gewesen, wo wir gewesen sind.
0:57:32–0:57:38
Du hattest ja eingangs gesagt, dass du nicht so richtig weißt,
0:57:38–0:57:45
ob vielleicht du an dem Konzept der Sozialenergie oder so ein bisschen so miss
0:57:45–0:57:53
the point oder ob daran eben auch noch was ist, was man nicht so richtig verstehen kann.
0:57:53–0:57:57
Ich merke, wenn wir darüber sprechen, dass ich das, also dass ich je mehr wir
0:57:57–0:58:00
darüber sprechen, umso weniger kann ich das fassen.
0:58:01–0:58:05
Und ich bin auch nochmal bei dem Begriff trivial, weil ich, das kann man irgendwie
0:58:05–0:58:07
gar nicht richtig abgrenzen.
0:58:07–0:58:10
Und während du gesprochen hast, bin ich eben, ist meine Energie ein bisschen
0:58:10–0:58:11
woanders hingewandert.
0:58:11–0:58:14
Und ich war dann, fing an, mich damit zu beschäftigen.
0:58:15–0:58:19
Okay, also Sozialenergie, was passiert denn da im Nervensystem?
0:58:19–0:58:21
Also was, woran merkt man denn jetzt?
0:58:22–0:58:25
Also was ist denn da los?
0:58:25–0:58:33
Also was wird aktiviert und was wird, was wird aktiviert, wenn,
0:58:34–0:58:40
also wenn Sozialenergie, soziale Energie, jetzt mal synonym verwandt, wenn.
0:58:42–0:58:47
Wenn das die, eine Art von Verbindungs,
0:58:47–0:58:52
ja ist auch dann tautologisch, wenn ich Verbindungsenergie sage,
0:58:52–0:58:58
also eine Art von, ist es ein,
0:58:58–0:59:03
soziale Energie macht dann eben Energie und Bewegung für soziale Prozesse.
Micz Flor
0:59:04–0:59:08
Also jetzt gerade für die, die nicht mit uns hier laufen, die es nicht sehen
0:59:08–0:59:12
können, du machst gerade so ein bisschen, als ob du mit einem Rollator läufst oder was war das?
Anja Ulrich
0:59:12–0:59:16
Nee, wie so eine Eisenbahnbewegung. Ja, so eine Eisenbahnbewegung.
Micz Flor
0:59:16–0:59:17
Okay, es dreht sich was.
Anja Ulrich
0:59:17–0:59:19
Es dreht sich und es hat so Schub nach vorne.
0:59:23–0:59:24
Und die,
0:59:26–0:59:32
ja, also da ist das das, was uns quasi anschiebt. da
0:59:32–0:59:35
bin ich auch noch mal in richtung gefreut und
0:59:35–0:59:39
der eine andere energie als die triebfeder von allem eigentlich benannt hat
0:59:39–0:59:43
nämlich zunächst einmal die libidinöse energie die eben wieder die sehr aus
0:59:43–0:59:52
dem individuum heraus kommt und die das postulat ist ja naja soziale energie ist eigentlich,
0:59:53–0:59:55
das ist viel wichtiger. Es kommt eher die.
0:59:56–1:00:01
Und so, jetzt könnten wir zum Beispiel hier nach rechts gehen,
1:00:01–1:00:03
dann wird es auch wieder ein bisschen leiser.
Micz Flor
1:00:04–1:00:08
Das hast du jetzt ein bisschen schnell übers Knie gebrochen und dann gleich
1:00:08–1:00:12
abgelenkt, indem wir die Richtung wechselt haben, aber du hast gesagt,
1:00:13–1:00:14
die libidinöse Energie von Freud
1:00:14–1:00:18
und dann Sozialenergie ist aber viel wichtiger, oder so hast du gesagt.
1:00:18–1:00:22
Das war jetzt aber nicht dein Gedanke, sondern das war jetzt der Gedanke von Nein.
Anja Ulrich
1:00:23–1:00:26
Das ist eher was, was sich an Ammon anlehnt.
Micz Flor
1:00:26–1:00:26
Ja.
Anja Ulrich
1:00:27–1:00:30
Ah, die... Dass dieses, was so...
1:00:33–1:00:38
Nur mit einem selbst zu tun hat, also irgendwo in einem selbst wird irgendeine
1:00:38–1:00:46
Form von Energie im Sinne von Lust vielleicht generiert,
1:00:47–1:00:56
die dann zu Handlungen führt oder die dann auch zur Hinwendung zu anderen Personen führt.
1:00:56–1:01:01
Und da würde Amon ja, so wie ich es verstehe, eher sagen,
1:01:02–1:01:08
nee, es ist die Ursprungsgruppe, die Primärgruppe, die Familie,
1:01:09–1:01:12
es ist dieses, was, also quasi diese Gruppenmatrix oder das,
1:01:12–1:01:14
was eben vorher schon da ist.
1:01:14–1:01:22
Das ist das, da kommt man rein und in diesem Raum, der alles durchzieht,
1:01:22–1:01:29
könnte dann vielleicht sowas wie eine persönliche innere Energie,
1:01:30–1:01:32
Sozialenergie, libidinöse Energie entstehen.
Micz Flor
1:01:32–1:01:32
Ja.
Anja Ulrich
1:01:34–1:01:41
Also da würde ich sagen, das ist Hennei. Amon würde sagen, Sozialenergie ist first.
Micz Flor
1:01:41–1:01:46
Ja, also Amon würde sagen,
1:01:46–1:01:55
indem ich in das Zentrum der psychischen Energie, also das, was uns bewegt,
1:01:55–1:02:01
was uns innerlich bewegt, aber auch was uns berührt bewegt und was uns Kontakt bringt.
1:02:01–1:02:08
Wenn ich da die Triebtheorie, sagt ihr, mit dem Libido rausnehme,
1:02:08–1:02:15
die Freud da reingesteckt hat, und durch die Sozialenergie als Motor in gewisser Weise ersetze,
1:02:16–1:02:24
dann habe ich, und da kann man jetzt viel drüber streiten, Freudianer wird gleich
1:02:24–1:02:27
sagen, Sequat, dann habe ich das Biologische rausgenommen.
1:02:27–1:02:34
Und habe ein gruppenbezogenes Energiekonzept.
1:02:36–1:02:43
An seine Stelle gebracht. Also das war für ihn schon ein wichtiger Schritt in einer Form.
1:02:43–1:02:46
Ich glaube, danach war das Bild perfekt für Amon.
1:02:48–1:02:51
Und natürlich steht unsere Schule, ich nenne es jetzt mal unsere Schule,
1:02:52–1:02:54
oder darf ich dich da mit einbeziehen?
Anja Ulrich
1:02:54–1:02:55
Ich opponiere nicht.
Micz Flor
1:02:55–1:03:03
Du opponierst nicht. Die steht natürlich in der Geschichte der freudianischen
1:03:03–1:03:07
Psychoanalyse ist der Urboden.
1:03:08–1:03:11
Dann in der Aussplittung unterschiedlicher
1:03:11–1:03:16
Ansätze ist die Ich-Psychologie Hartmann und Anna Freud wichtig.
1:03:17–1:03:22
Wobei wir auch einen Ausbildungs-, Behandlungsraum, Winnicott-Raum haben und,
1:03:25–1:03:31
Und hat dann aber eben auch noch ein humanes Strukturmodell entwickelt und diese
1:03:31–1:03:39
Gruppenbezogenheit hineingeschrieben, sozusagen in diesen Strand.
1:03:39–1:03:47
Und mit dieser Gruppenbezogenheit, die das triebhafte Libidinöse-Modell ersetzt,
1:03:47–1:03:49
ist es dann irgendwie komplett geworden.
1:03:49–1:03:53
Ich glaube, da kann man dann wirklich sagen, okay, jetzt ist alles geschehen.
1:03:54–1:03:56
Die Psychoanalyse ist immer noch die gleiche, aber sie ist ganz umgebaut.
1:03:57–1:04:03
Und natürlich heißt dieser Umbau, dass man in der Arbeit, oder psychodynamischen
1:04:03–1:04:08
Arbeit, muss ja nicht psychoanalytisch, das sind ja auch wieder so Krankenkassenbegriffe,
1:04:08–1:04:10
analytische Psychotherapie und so weiter.
1:04:11–1:04:16
Wenn man dann da so arbeitet und diesen Schritt mitgeht.
1:04:19–1:04:23
Dann macht das ja schon einen Unterschied, finde ich, in der Grundhaltung gegenüber
1:04:23–1:04:25
der Person, die einem gegenüber sitzt.
1:04:26–1:04:30
Dann ist man schon auch nochmal anders darin interessiert.
1:04:30–1:04:34
Und was ich ganz, ganz toll finde an diesem gruppenbezogenen Konzept,
1:04:34–1:04:39
ist wirklich auch diese Leichtigkeit, mit der man in transgenerationale Dynamiken einsteigen kann.
1:04:40–1:04:50
Also diese Weitergabe von konstruktiven, destruktiven, defizitären Ich-Funktionen.
1:04:50–1:04:55
Also da, wo es Defizite gibt oder wo es stark ist, dass diese Transkernestahl-Weitergabe
1:04:55–1:04:59
immer wieder auch Kompetenzen oder Defizite in die nächste Generation weiterträgt,
1:04:59–1:05:02
ohne dass man da bei Melanie Klein kommst du da irgendwie nicht ran.
1:05:02–1:05:07
Da ist Säugling und Säugling bringt halt so eine Schieflage mit.
1:05:08–1:05:13
Und das geht nicht weiter durch. Und durch diese Gruppenbezogenheit ist es immer
1:05:13–1:05:18
eine Frage, ja, wie war das denn in der Zeit? Ja, war die...
1:05:20–1:05:25
Die 17-jährige Frau, die schwanger war, war in ihrer Familie dafür gefeiert.
1:05:26–1:05:30
Mensch, wie toll. Oder wurde sie dafür verdammt?
1:05:31–1:05:35
Was hat das Kind denn da schon als Schieflage mitbekommen, bevor es überhaupt auf der Welt war?
1:05:35–1:05:38
Das geht über diese Gruppenbezogenheit, finde ich, viel besser als über so eine
1:05:38–1:05:41
Libido-Idee. Wie gibt man sowas da weiter?
1:05:41–1:05:44
Also es macht, finde ich, schon einen großen Unterschied, das,
1:05:44–1:05:48
was Günther Amon da umgebaut hat.
1:05:49–1:05:53
Mit dem man denke ich in der Therapie auch besser arbeiten kann.
1:05:53–1:05:56
Aber im Endeffekt bleibt es natürlich ein Modell, eine Hypothese.
1:05:56–1:05:59
Man wird jetzt die soziale Energie nicht messen können.
1:06:00–1:06:02
Man kann sie vielleicht irgendwie beschreiben.
1:06:03–1:06:05
Vielleicht ist sie näher an der Poesie als an der Physik.
1:06:07–1:06:13
Aber genauso wenig konnte man ja das Libido finden. Und so ist es ja.
1:06:17–1:06:20
Aber du hattest gefragt nach der Hirnphysiologie.
Anja Ulrich
1:06:20–1:06:24
Genau, genau. Dem würde ich ein bisschen widersprechen,
1:06:24–1:06:35
weil das Neurotransmittergeschehen, Also Belohnungsmechanismen,
1:06:37–1:06:45
Aversionsangst, also Dinge, die Angst erzeugen, Dinge, die Abwehr erzeugen im
1:06:45–1:06:47
zentralen Nervensystem.
1:06:47–1:06:51
Die sind, finde ich, schon, die kann man gut mit dem Lust, also die kann man
1:06:51–1:06:56
gut in so eine Lust-Unlust-Logik übersetzen.
1:06:56–1:07:04
Und letztendlich entsteht ja oder ist ja,
1:07:07–1:07:10
Das klingt jetzt so ganz polemisch, also mein Sein in der Welt,
1:07:11–1:07:13
also das so, wie wir jetzt beide,
1:07:13–1:07:24
jeder für sich, wie wir hier laufen, alles, was um uns herum passiert, bildet Abbilder in uns.
1:07:25–1:07:32
Und auch die sozialen Beziehungen, also so wie wir gehen.
1:07:34–1:07:41
Das erzeugt in mir ein Bild von dir und nicht nur von mir und von dir,
1:07:41–1:07:47
sondern auch von uns beiden und auch so wie wir hier durch Berlin laufen.
Micz Flor
1:07:47–1:07:50
Aber verlässt du jetzt nicht deine Hirnphysiologie wieder in das Sack?
1:07:51–1:07:53
Oder wo finde ich dieses Bild jetzt?
Anja Ulrich
1:07:53–1:08:01
Ja, dass diese Verbindungsprozesse ja in mir physiologische Korrelate produzieren.
Micz Flor
1:08:02–1:08:08
Ja, aber dann ist es doch auch, also wenn man da versucht, ins Materielle zu
1:08:08–1:08:13
gehen, dann kann man natürlich auch sagen, hey, wie geil, Sozialenergie natürlich,
1:08:14–1:08:18
weil wir kommen ja alle vom Urknall her, es sei denn, wir sind jetzt Creationists
1:08:18–1:08:23
oder wie das heißt, aber denken wir doch einmal wissenschaftlich und der Urknall
1:08:23–1:08:25
ist quasi Foundation von unserem Universum.
1:08:26–1:08:30
Und dann war alles in diesem super heißen Plasma, da gab es gar keine Materie,
1:08:30–1:08:31
es war alles nur Energie,
1:08:31–1:08:34
da war nur Energie, super heiß, dann wird es kalt, entstand aus dieser Energie
1:08:34–1:08:38
Materie und wie krass eigentlich, dass diese Materie ja natürlich mal Energie
1:08:38–1:08:42
war und er hat immer noch diesen inneren Drang, Energie zu sein und kein Wunder,
1:08:42–1:08:47
dass alles in Bewegung ist und auch wir dann uns da aus diesen materiellen Teilchen zusammensetzen,
1:08:48–1:08:55
die ja E gleich mc² sowieso auch nur eine Form von Energie sind, die erkaltet ist.
1:08:56–1:09:00
Und deshalb ist es doch gar nicht so verwunderlich, dass wir alle miteinander verbunden sind.
1:09:01–1:09:06
Könnte man ja spirituell ausbauen, aber du weißt, was ich meine.
1:09:06–1:09:07
Also diese Idee, was du jetzt sagst.
Anja Ulrich
1:09:07–1:09:08
Noch nicht.
Micz Flor
1:09:09–1:09:12
Noch nicht. Wenn du sagst, ja, in der Neurophysiologie, wie bildet sich das
1:09:12–1:09:14
ab, die Bilder von uns, wo ist das?
1:09:14–1:09:20
Dann ist das, glaube ich, genauso schwierig,
1:09:22–1:09:28
wirklich durchzudeklinieren, wie durchzudeklinieren, wenn doch alles mal Energie
1:09:28–1:09:29
war und gar nicht Materie.
1:09:30–1:09:32
Und jetzt sind wir Materie, da muss doch immer noch Energie sein.
1:09:32–1:09:42
Also ich glaube, man kann das nicht, du kannst nicht den Ameisenstaat erklären,
1:09:42–1:09:47
in dem du eine Ameise untersuchst, da bin ich fest von überzeugt.
1:09:48–1:09:49
Und.
1:09:54–1:10:03
Und du kannst vielleicht dann in Schwärmen und in Schwarmverhalten Algorithmen, Mechanismen finden,
1:10:03–1:10:10
die solche Bewegungen auf einmal auch simulieren können und die dir dann irgendwie
1:10:10–1:10:12
auf einmal vielleicht Hinweise geben,
1:10:13–1:10:23
dass, keine Ahnung, weil die Schwalben nur für 0,5 Millisekunden die Augen zuklippen,
1:10:23–1:10:26
Deshalb sind die Kurven nie enger als 40 Grad oder sowas in der Art.
1:10:26–1:10:29
Du kannst dann sicherlich Korrespondenzen herstellen, aber trotzdem brauchst
1:10:29–1:10:33
du dann erst mal mindestens 50 Schwalben, um so ein Schwarmverhalten herzustellen.
1:10:34–1:10:36
Trotzdem hat die eine Schwalbe das irgendwie in sich angelegt,
1:10:36–1:10:37
aber es wird nie abgerufen.
1:10:38–1:10:41
Ein bisschen wie das, was du in der Gruppe beschrieben hast.
1:10:41–1:10:42
Die Leute, die immer alleine waren mit dir in den Gruppen.
1:10:43–1:10:46
Und auf einmal in der Gruppe gibt es diese Tief- und Dichte.
1:10:48–1:10:55
Und die kann man nicht wirklich messen. Da bin ich einfach, das ist vielleicht
1:10:55–1:10:58
so eine Form der Spiritualität, die ich in mir habe.
1:10:58–1:11:12
Ist, dass ich mich gerne hingebe dem Gedanken, dass es erst schön wird, wenn es komplex wird.
1:11:13–1:11:18
Und erst menschlich wird, wenn man es nicht mehr wirklich durchrechnen kann.
1:11:20–1:11:25
Und ich glaube, was du sagst, ist da vielleicht zumindest für mich immer eine
1:11:25–1:11:31
Falle. Weil ich wollte früher ja Biologie studieren, weil mich der Schnittstelle
1:11:31–1:11:34
zwischen Chemie und Biologie so interessiert hat.
1:11:34–1:11:38
Wann wird aus Molekülen leben?
1:11:39–1:11:44
Oder was belebt diese? Das war natürlich jetzt dann das Denken an das 17, 18-Jährige.
1:11:45–1:11:50
Eher so eine Lust als ein Wissen. Ich habe mir da nichts erarbeitet,
1:11:50–1:11:52
sondern ich hatte einfach Lust, da mehr zu arbeiten.
1:11:53–1:11:56
Ich habe dann Psychologie gewählt, aber auch irgendwie zuerst eben an dieser
1:11:56–1:12:00
Schnittstelle von Biologie und Psychologie.
1:12:00–1:12:02
Das hat mich interessiert. Also sehr stark.
1:12:03–1:12:05
Das Erste, was ich getan habe, bevor ich überhaupt studiert habe,
1:12:05–1:12:10
war, mir dann so ein Plastikgehirn zu kaufen, wo man die einzelnen Teile auseinandernehmen konnte.
1:12:10–1:12:17
Und das auf- und zuzubauen und wieder zusammenzubauen, das hat mich sehr befriedet.
1:12:17–1:12:20
Das hat mir auch eine Form von Energie gegeben.
1:12:20–1:12:26
Also ich bin damit innerlich vertraut, aber es interessiert mich jetzt gar nicht
1:12:26–1:12:29
mehr so sehr, sondern jetzt finde ich einfach dann vielleicht auch solche Sachen
1:12:29–1:12:32
wie Soziale Energie und Soziale Energie spannend, gerade deshalb,
1:12:33–1:12:37
weil sie uns einen ästhetischen,
1:12:38–1:12:41
poetischen Raum öffnen, über den wir nachdenken können.
Anja Ulrich
1:12:42–1:12:46
Also eher auf der Seite der Philosophie?
Micz Flor
1:12:47–1:12:51
Das weiß ich nicht, weil ich...
Anja Ulrich
1:12:52–1:12:55
Als auf der Seite der Energieenergie.
Micz Flor
1:12:56–1:12:57
Ach so.
1:13:03–1:13:07
Ich glaube für mich... Jetzt kommen wir langsam Richtung Institut.
1:13:07–1:13:10
Ich möchte die Frage nochmal an dich richten. Aber ich glaube,
1:13:10–1:13:17
für mich ist es nicht richtig, das Philosophie zu nennen, weil ich von Philosophie
1:13:17–1:13:20
kein wirkliches Verständnis habe, was das denn sei.
1:13:21–1:13:27
Und mich da komplett überfordert fühle, so wie, was du vorhin meintest,
1:13:27–1:13:31
wenn man in eine Gruppe reinkommt und dann irgendwie so sich unwohl fühlt.
1:13:32–1:13:37
Da fühle ich mich sofort inkompetent und angstvoll. Deshalb würde ich eher sagen,
1:13:37–1:13:41
dass es für mich was Poetisches ist, als was Philosophisches.
1:13:41–1:13:45
Wo man das dann eher auf eine ästhetische Art...
1:13:47–1:13:50
Ja, ich meine, du bist ja auch Musikerin. Du weißt ja, wie es ist,
1:13:50–1:13:53
mit Musik zu machen. Das ist unfassbar schwer.
1:13:53–1:13:57
Und ich habe bei meinen Gruppenpsychotherapien immer auch zum Schluss mache
1:13:57–1:14:00
ich einen Gong. Keiner hat mich bis jetzt gefragt, warum.
1:14:01–1:14:05
Als ich mir dann einen zulegen wollte, hatte meine Seniorpartnerin der Gemeinschaftsfraktion,
1:14:05–1:14:06
es hatte eh schon einen rumstehen.
1:14:06–1:14:09
Und zwar genau den, den ich mir gerade bei Ebay bestellt hatte.
1:14:09–1:14:11
Und jetzt nehme ich den, der eh schon da war.
1:14:12–1:14:18
Aber ich finde das einfach eine poetische Art, den Raum.
1:14:20–1:14:27
Zu schließen, weil in dem Moment, wenn dieser Gong schlägt, bewegt sich jedes Luftmolekül im Raum.
1:14:27–1:14:32
Alles wird geschüttelt, wie von jeder Stimme auch, die spricht.
1:14:32–1:14:36
Jedes Molekül bewegt sich, Teile des Menschen bewegen sich auch.
1:14:36–1:14:41
Und dieser Gong wird dann immer leiser und das heißt ja auch,
1:14:41–1:14:43
die Luft kommt langsam wieder in Ruhe lang.
1:14:43–1:14:51
Und wenn der Gong dann wirklich aufgehört hat, dann ist der Raum rein.
1:14:53–1:14:57
Und für mich, sage ich jetzt mal so als poetisches Wort dafür,
1:14:57–1:14:58
nicht als messbares Wort.
1:14:59–1:15:04
Und für mich ist dann die Sitzung auch erst geschlossen. Dann können alle gehen.
1:15:04–1:15:09
Dann ist irgendwas passiert, was alle nochmal vereint, was wortlos ist.
1:15:09–1:15:16
Was gleichzeitig den Raum erfüllt und dann wieder verschwindet und dann ist
1:15:16–1:15:20
die Sitzung vorbei und das ist eher so mein Zugang zu,
1:15:21–1:15:25
Zu manchen Themen. Also philosophisch möchte ich nicht sagen,
1:15:26–1:15:27
poetisch trifft es vielleicht eher.
1:15:29–1:15:30
Und ästhetisch.
Anja Ulrich
1:15:30–1:15:35
Und mit dem Gong passiert dann was mit der Sozialenergie?
Micz Flor
1:15:37–1:15:43
Das ist doch mal eine gute Frage. Das ist doch mal eine gute Frage.
1:15:44–1:15:46
Punkt. Nicht mal eine gute Frage. Das ist eine gute Frage.
1:15:49–1:15:59
Es ist interessant, weil ich hatte da nie dran gedacht, aber irgendwann wollte
1:15:59–1:16:01
jemand auch mal einen Gong schlagen.
1:16:02–1:16:07
Und weil die Person dann vor drei Wochen Geburtstag hatte, habe ich gedacht,
1:16:07–1:16:09
na gut, sie hatten ja gerade Geburtstag, warum nicht?
1:16:09–1:16:13
Also ich musste das irgendwie rationalisieren, dass sie das jetzt darf vor allen
1:16:13–1:16:14
anderen. die hat das spontan gefunden.
1:16:15–1:16:19
Und als sie dann in der Mitte stand, war die ganz aufgeregt mit diesem Gong.
1:16:20–1:16:26
Und drumherum waren alle auch aufgeregt. Und später hat dann jemand anders nach
1:16:26–1:16:28
seinem Geburtstag gefragt, ob er das auch mal machen darf.
1:16:29–1:16:31
Und dann habe ich auch gemerkt, dass es schon in dem Moment,
1:16:32–1:16:36
wenn ich mich da immer in die Mitte stelle mit dem Gong und diesen Gong schlage,
1:16:36–1:16:39
dann habe ich natürlich auch eine gewisse Macht.
1:16:39–1:16:47
Aber diese Macht ist eher eine Wirksamkeit die Dinge entstehen zu lassen und
1:16:47–1:16:48
auch wieder verschwinden zu lassen.
1:16:49–1:16:52
Und das ist vielleicht das, was mit der Sozialenergie da passiert.
1:16:53–1:16:58
Also in dem Moment saugt sich das irgendwie so raus und man kann wieder gut den Raum verlassen.
1:17:00–1:17:03
Manchmal ist es ja auch einfach gut, wenn etwas vorbei ist.
1:17:04–1:17:08
Und gerade bei Gruppenprozessen ist es manchmal schwierig, ein Ende zu finden
1:17:08–1:17:11
und einen Abschluss zu finden.
1:17:13–1:17:16
Jetzt möchte ich auch noch eine abschließende Frage an dich stellen,
1:17:16–1:17:20
aber mir fällt keine gute Einheit. Was könnte ich dich denn Gutes fragen?
Anja Ulrich
1:17:20–1:17:25
Boah, das ist ja, kann ich dir nicht beantworten.
1:17:25–1:17:40
Ich merke, dass ich so einen energetischen, sehr vielfältigen Gefühle heute hatte.
1:17:40–1:17:48
Und von Energie fließt und fließt nicht und fließt und fließt nicht,
1:17:48–1:17:53
es einen faszinierenden Strom gegeben hat.
1:17:56–1:18:03
Und der mit, also du siehst, ich weiß gar nicht so richtig gut,
1:18:03–1:18:05
wie ich das flüssig ausdrücken kann.
Micz Flor
1:18:06–1:18:07
Wie fühlst du dich denn jetzt?
Anja Ulrich
1:18:12–1:18:13
Durcheinander.
Micz Flor
1:18:13–1:18:16
Okay, und das ist ein Euphemismus für was?
Anja Ulrich
1:18:23–1:18:29
Nee, ist gar kein Euphemismus, sondern es ist ein Durcheinanderzustand,
1:18:29–1:18:38
der hat mit dem Thema zu tun und mit den Perspektiven, die damit einhergehen,
1:18:39–1:18:41
während wir hier gelaufen sind.
1:18:41–1:18:45
Weil so viel gleichzeitig passiert ist.
1:18:45–1:18:47
Und das wiederum ist ein super Close-up
1:18:47–1:18:54
für Sozialenergie, weil ich ungewöhnlicherweise, anders als sonst,
1:18:54–1:18:59
beschäftigt war mit der Energie, die ich habe, die du hast, die wir beide hier
1:18:59–1:19:02
zusammen haben und die wir beim Laufen mit den anderen Menschen.
1:19:02–1:19:11
Und dann noch die Vorstellung, dass es ja auch noch eine community gibt die
1:19:11–1:19:18
die die uns zuhört und dass all das das ist das ist,
1:19:19–1:19:26
also dass eine soziale energie gibt die all das verbindet und dies für mich
1:19:26–1:19:32
sehr unübersichtlich gemacht hat in dieser gleichzeitigkeit und das und eigentlich
1:19:32–1:19:35
ist es aber ja was was sowieso permanent gleichzeitig passiert.
1:19:35–1:19:45
Also weil es immer ganz unterschiedliche, simultan wirkende Verbündungen gibt.
1:19:45–1:19:51
Und dann noch die Räume, also die sozialen Räume, über die wir gesprochen haben.
1:19:53–1:19:57
Da würde ich einfach sagen, das war sehr viel und sehr verwirrend.
1:19:57–1:20:01
Und ich könnte mir vorstellen, wenn ich jetzt so im Schnelldurchlauf einmal
1:20:01–1:20:07
das, worüber wir heute gesprochen haben, so durch, so fast forward,
1:20:09–1:20:12
dann würde ich mir vorstellen, dass wer dann zuhört, auch ein bisschen verwirrt.
Micz Flor
1:20:12–1:20:18
Ja, ich bin gespannt. Das kann sein. Also man hat vielleicht so das Gefühl, man war immer gleich.
1:20:18–1:20:22
Aber von außen betrachtet war man das nicht so, wie ich gerade gedacht habe.
1:20:22–1:20:27
Auch dieser Weg, den wir gegangen sind, weil ich das ja nicht,
1:20:27–1:20:30
weil du es gerade erwähnt hast, den habe ich ja gar nicht aufgezeichnet, wie Flo das immer macht.
1:20:30–1:20:33
Das heißt, ich muss den dann aus dem Kopf nochmal so nachzeichnen.
1:20:33–1:20:35
Ich weiß gar nicht, ob ich das gut hinkriege.
1:20:35–1:20:37
Vielleicht ein bisschen anhand der Foto. Wo war das denn?
1:20:38–1:20:43
Aber es wirklich so ist, dass man innerlich natürlich irgendwie immer geradeaus geht.
1:20:43–1:20:46
Aber in Wahrheit sind wir in uns hineingefaltet mit der Tour.
1:20:48–1:20:53
Ja, mir geht es so, dass ich jetzt auch das Gefühl habe, so zum Ende hin,
1:20:54–1:20:58
habe ich so irgendwie den Wunsch, dass wir uns noch mal mehr miteinander verbunden
1:20:58–1:21:02
fühlen, weil für mich ist gerade so, dass da so ein bisschen Distanz entstanden ist.
1:21:02–1:21:05
Ich weiß nicht genau, woran das lag.
1:21:05–1:21:13
Ich habe überlegt vielleicht daran, dass ich irgendwie.
1:21:19–1:21:25
Wenn wir beide über eins sprechen, in so einer Art Banter,
1:21:25–1:21:32
das diskutieren oder reflektieren, ist es anders als zum Beispiel beim letzten
1:21:32–1:21:35
Mal, wo du warst quasi der Experte und ich habe Fragen gestellt,
1:21:35–1:21:36
immer wieder was angemerkt.
1:21:36–1:21:39
Jetzt müssen wir uns dann so gegenseitig irgendwie zeigen.
1:21:40–1:21:43
Und dann sind wir mal zum Beispiel, wenn wir mit der Gruppen-Syni-Theorie gesprochen
1:21:43–1:21:44
haben, fand ich es sehr gut verbunden.
1:21:44–1:21:48
Und dann hat sich das, finde ich, so richtig ergänzt, sodass immer wieder neue
1:21:48–1:21:50
Ideen kamen. und ich fand es total spannend.
1:21:50–1:21:55
Und jetzt gerade zum Schluss, wo ich dann dachte, da hört mir doch keiner zu,
1:21:55–1:21:57
wenn ich über Poesie und Ästhetik spreche, was ist ein Quark so?
Anja Ulrich
1:21:58–1:21:58
Oh, im Gegenteil.
Micz Flor
1:21:58–1:22:02
Nein, nein, aber das war so mein Gefühl. Da fühlte ich mich sehr alleine,
1:22:02–1:22:06
weil ich dann auch, weil du mir eine Frage gestellt hast und ich das Gefühl
1:22:06–1:22:08
habe, okay, das kann ich jetzt nicht beantworten.
1:22:08–1:22:10
Dann hast du nachgefragt mit Philosophie. Ich habe gesagt, oh nee,
1:22:10–1:22:11
da sehe ich mich irgendwie gar nicht.
1:22:11–1:22:17
Und dann fühlte ich mich auf einmal so ein bisschen nicht greifbar oder nicht verstanden.
1:22:17–1:22:23
Und das zu sagen ändert es natürlich wieder ein bisschen, aber das war glaube
1:22:23–1:22:31
ich jetzt auf den letzten Metern so mein Gefühl und auch noch irgendwie der Wunsch,
1:22:34–1:22:36
Aber vielleicht mache ich das dann einfach mit Flow, weißt du,
1:22:36–1:22:38
meine ganzen Notizen so mit Libido entwickeln.
1:22:39–1:22:43
Ich hatte was anderes im Kopf und am Anfang habe ich ein bisschen festgehalten.
1:22:44–1:22:49
Und dann habe ich losgelassen und dann wurde es total harmonisch und eben sozial energetisch wirksam.
1:22:49–1:22:54
Dann konnten wir auf dieser Welle reiten, erst nachdem ich losgelassen habe.
Anja Ulrich
1:22:56–1:22:58
Wie spannend, was das für Bewegungen macht.
Micz Flor
1:22:58–1:23:02
Ja, und das ist so wenig natürlich, so wenig subtil, was da irgendwie passiert.
Anja Ulrich
1:23:02–1:23:04
So wenig subtil?
Micz Flor
1:23:04–1:23:09
Nein, es ist so wenig, es bewirkt so viel, obwohl es so wenig spürbar ist.
1:23:09–1:23:13
Man muss irgendwie genau aufpassen oder hingucken und das auch nochmal sich
1:23:13–1:23:17
vergegenwärtigen, um das dann auch gut sein zu lassen.
Anja Ulrich
1:23:17–1:23:26
Spannend. Weil für mich war ganz klar ein Eye-Opener, dass du gesagt hast,
1:23:26–1:23:28
es ist mehr Poesie und Ästhetik.
1:23:29–1:23:31
Das war für mich sehr wertvoll.
1:23:32–1:23:36
Weil es von dem vielleicht, was du als materialistisch, nee,
1:23:36–1:23:38
du hast es nicht materialistisch genannt, aber so von diesem,
1:23:39–1:23:42
ne, auch vielleicht so, ah, wo entsteht denn jetzt die Energie und so.
Micz Flor
1:23:42–1:23:45
Ich glaube, ich habe es materialistisch genannt, ja. Das kann ich schon sagen.
Anja Ulrich
1:23:45–1:23:50
War jedenfalls, ne, da habe ich irgendwie gemerkt, so, ah, da ist so ein Frieden entstanden.
Micz Flor
1:23:50–1:23:51
Mhm.
Anja Ulrich
1:23:51–1:23:55
Ach so, ah ja, stimmt, okay. Auch spannend, das als Opa-Begriff zu nehmen oder
1:23:55–1:23:57
die beiden als Opa-Begriffe zu wählen.
1:23:57–1:24:01
Das nehme ich, uff, das nehme ich auf jeden Fall, ähm.
Micz Flor
1:24:04–1:24:08
Das freut mich. Ja, das freut mich. Also ich fühle mich jetzt auf einmal ganz
1:24:08–1:24:13
klein und glücklich, so als ob mein Weihnachtsgeschenk wusste,
1:24:13–1:24:17
was ich in der Hosentasche hatte, ganz gut angekommen wäre.
Anja Ulrich
1:24:17–1:24:23
Dann sagen wir es jetzt der Moment, wo wir Tschüssi sagen, ohne dass die Energie abreißt.
Micz Flor
1:24:23–1:24:29
Und wenden uns an unsere ZuhörerInnen. Schön, dass wir heute wieder eingeschaltet
1:24:29–1:24:31
haben und immer noch bei uns sind.
1:24:31–1:24:37
Wir stehen jetzt in der Cannstrasse 120 vor unserem Aus- und Weiterbildungsinstitut,
1:24:37–1:24:44
beenden diese Episode und wir sagen jetzt tschüss.
Anja Ulrich
1:24:45–1:24:50
Wir sagen tschüss. Danke für eure Aufmerksamkeit. Danke dir.
Micz Flor
1:24:50–1:24:54
Nein, nein, das ist sehr schwierig. Es ist so lustig, weil ich jetzt auch gerade
1:24:54–1:24:56
schon denke, lass uns jetzt tschüss sagen, können wir noch ein bisschen weiter quatschen.
1:24:59–1:25:01
Also tschüss!

Verwandte Episoden

Hier noch die Quelle zum obigen Zitat:

„Resonanz (als Zurück-Tönen) bezeichnet das In-Beziehung-Treten zweier Seiten oder Entitäten, die mit je eigener Frequenz schwingen, oder die, bildlich gesprochen, mit je eigener Stimme sprechen.“

Rosa, Hartmut (2019). Resonanz als Schlüsselbegriff der Sozialtheorie. In J.-P. Wils (Hrsg.), Resonanz: Im interdisziplinären Gespräch mit Hartmut Rosa (S. 21). Nomos.

"Das war ein wunderbares Gefühl, als ich dann gemerkt habe, wie sich der Wind ein Stück weit dreht. [...] Und jetzt sind Photovoltaik und Wind inzwischen wesentlich günstiger als die fossilen." Rolf Behringer – (Min 33:39)

Flo trifft in dieser Episode zum zweiten Mal auf Rolf Behringer vom Verein Solare Zukunft – diesmal in Freiburg. Gemeinsam spazieren wir durch den Stadtteil Vauban, wo Rolf frühe nachhaltige Bauprojekte mit Photovoltaik und Niedrigenergiehäusern vorstellt. Dabei sprechen wir über aktuelle Entwicklungen wie Balkonkraftwerke und neue Speichermöglichkeiten. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hat sich bereits gut entwickelt, und mit Freiburger Leuchtturmprojekten wie dem Heliotrop oder dem Sonnenschiff hat die Energiewende Anlauf genommen. Doch die großen Sektoren wie Wärme und Verkehr müssen noch deutlich nachhaltiger werden. Auf unserer Wanderung setzen wir uns mit den unterschiedlichen Herausforderungen auseinander, vor denen unsere Gesellschaft steht und versuchen den Blick in die Zukunft nicht zu dystopisch werden zu lassen. Wir finden etwas Erleichterung in den Utopien des Solarpunks. Am Ende unserer Tour stehen wir vor dem Solarhaus – aber über den Zaun klettern wollen wir dann doch lieber nicht.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
avatar
Rolf Behringer
Erzähler

Transcript

Rolf Behringer
0:00:00–0:00:03
Genau, das ist hier die Villa, da ist unser Büro.
Florian Clauß
0:00:03–0:00:10
Okay, dann machen wir jetzt hier die Einleitung. Hallo und herzlich willkommen bei Podcast Episode 91,
0:00:11–0:00:16
Und ich bin hier wieder mit einem Gast, einem Gast, den wir schon mal gehört haben. Hallo Rolf.
Rolf Behringer
0:00:16–0:00:17
Hallo Florian.
Florian Clauß
0:00:17–0:00:22
Rolf Behringer, wir haben, wer sich noch erinnert, Anfang dieses Jahres einen
0:00:22–0:00:23
Podcast zusammen aufgenommen.
0:00:24–0:00:28
Da ging es um die Verbreitung der Gemeinwohnmethode.
0:00:28–0:00:35
Rolf hat dann vorgestellt, wie er in Klimarat Schule die Gemeinwohnmethode anwendet in Schulen.
0:00:35–0:00:41
Und wie man mit kleinen Gruppen zu einer demokratischen Entscheidung kommen kann.
0:00:41–0:00:45
Hier sei nochmal aufgefordert nachzuhören, wer es noch nicht gehört hat. Sehr spannende Folge.
0:00:46–0:00:51
Und die Folge kam am 10. April raus. Also es ging dann so ein bisschen Zeit ins Land.
0:00:51–0:00:55
Aber wir hatten das Jahr vor uns, die letzte Aufnahme, und haben schon gesagt,
0:00:55–0:00:58
wir müssen uns in Resilienz erproben.
0:00:59–0:01:03
Und mal schauen, was uns das Jahr bringen wird. Jetzt sind wir ein bisschen
0:01:03–0:01:05
weiser, was das Jahr gebracht hat.
0:01:06–0:01:09
Und wir müssen weiterhin uns in Resilienz üben.
0:01:10–0:01:14
Aber Rolf hat auch, ich habe dich ja das letzte Mal so ein bisschen vorgestellt,
0:01:14–0:01:17
oder du hast dann auch von einem Fahrradkino erzählt und vor allen Dingen von
0:01:17–0:01:21
Solare Zukunft, dem Verein, wo du Geschäftsführer bist.
0:01:21–0:01:24
Und wir stehen jetzt, und wir hatten uns das auch vorgenommen,
0:01:24–0:01:27
wenn wir mal wieder in Freiburg sind, und wir sind jetzt in Freiburg,
0:01:27–0:01:31
dass wir hier Solare Zukunft, wir stehen jetzt vor den Büroräumen und haben
0:01:31–0:01:33
auch gerade eine Ausstellung besucht,
0:01:33–0:01:37
die Solare Zukunft veranstaltet hat, nämlich über Wasser und Wasserkreislauf,
0:01:37–0:01:43
wie Grundwasser entsteht und was da für Gefahren sind und wie man das dann halt auch umgehen kann.
0:01:43–0:01:47
Alles sehr haptisch mit dem sogenannten Geowindow anschaulich gemacht.
0:01:47–0:01:55
Das hat ein befreundeter Geologe oder auch Mitarbeiter des Vereins ein Geowindow,
0:01:55–0:01:58
wo man dann verschiedene Sedimentschichten abbilden kann vom Boden und sieht,
0:01:59–0:02:01
wie dann das Wasser in bestimmte durchfließt und andere nicht.
0:02:02–0:02:06
Also sehr anschaulich gemacht. Da sind wir gerade raus und jetzt gucken wir
0:02:06–0:02:09
uns hier die Büroräume an und ja, Rolf.
Rolf Behringer
0:02:09–0:02:15
Ja genau, das ist eine alte Villa, 1902 gebaut, hat schon einiges erlebt.
0:02:16–0:02:19
Im Hintergrund ist ja das Beaubon, das ist ein ganz neuer Stadtteil.
0:02:19–0:02:23
Da haben früher die Franzosen ihre Kaserne gehabt.
0:02:24–0:02:28
Bis vor, ich glaube in die 80er Jahre oder so, ist noch gar nicht so lange her.
0:02:29–0:02:34
Ja, inzwischen ist da halt eben ein relativ ökologisches Stadtteil entstanden.
0:02:35–0:02:38
Und da laufen wir jetzt auch gleich noch durch. Aber jetzt stehen wir ja hier
0:02:38–0:02:40
bei unserer, bei der Villa.
0:02:40–0:02:44
Die Villa gehört dem, auch ein internationaler Verein, International Solar Energy
0:02:44–0:02:47
Society heißt die. Und dort haben wir uns eingemietet.
0:02:47–0:02:52
Wir haben dort einen Büroraum, den wir gemeinsam nutzen, können dann auch Konferenzräume
0:02:52–0:02:55
nutzen und Küche und so weiter.
0:02:56–0:03:00
Also sind wir seit 2007, sind wir hier drin.
Florian Clauß
0:03:01–0:03:06
Anlass war ja so ein bisschen auch hier in Freiburg jetzt den Stadtrundgang
0:03:06–0:03:12
zu machen, um zu schauen, wo in Freiburg so diese solare Zukunft,
0:03:12–0:03:13
sage ich mal, sich entwickelt.
0:03:14–0:03:20
Also so rückblickend, weil Freiburg war ja schon immer eine sehr solaraffine Stadt.
0:03:20–0:03:23
Es gibt hier, ich will nicht sagen Helmholtz-Zentrum.
Rolf Behringer
0:03:23–0:03:25
Sondern das Fraunhofer Ise.
Florian Clauß
0:03:25–0:03:28
Genau, das Fraunhofer, was hier mit in der Entwicklung von Solar,
0:03:28–0:03:32
PV und so weiter stark invadiert war oder ist.
Rolf Behringer
0:03:32–0:03:36
Ist, also es sind tatsächlich über 1000 Solarforscher und Forscherinnen in Freiburg
0:03:36–0:03:39
beim Fraunhofer Ise am Arbeiten.
Florian Clauß
0:03:39–0:03:44
Wahnsinn. Auch anders war so ein bisschen solare Zukunft. Wir hatten in Borfeld darüber gesprochen.
0:03:45–0:03:52
Eigentlich so dieses Ziel, dass sich der ganze Energiemarkt komplett auf erneuerbare
0:03:52–0:03:55
Energien, dass dieses Ziel so greifbar wie noch nie ist.
0:03:55–0:04:00
Und dass jetzt tatsächlich durch bestimmte Technologien, durch Marktstrategien
0:04:00–0:04:07
jetzt so eine Zeit gekommen ist, wo tatsächlich so gewirtschaftet werden kann im Energiehaushalt,
0:04:07–0:04:11
dass wir dann auch ohne weitere Verbrennerenergie auskommen könnten.
0:04:11–0:04:17
Ja, der Prozentsatz ist schon sehr hoch und eigentlich kann man jetzt so sagen,
0:04:17–0:04:19
der Name des Vereins ist wahr geworden, Solar.
0:04:20–0:04:24
Unsere Zukunft ist jetzt Solar geworden. Sind wir jetzt in der Zukunft, Rolf?
Rolf Behringer
0:04:24–0:04:30
Nein, nein. Also es ist natürlich tatsächlich schön, dass es jetzt einfach so
0:04:30–0:04:33
um die 60 Prozent erneuerbare Energien im Stromnetz gibt.
0:04:33–0:04:39
Das ist wunderbar, aber es gibt ja noch die Mobilität als riesengroßer Teil,
0:04:39–0:04:42
der sehr viel Energie benötigt. und auch die Wärme.
Florian Clauß
0:04:42–0:04:49
Ja, wir können auch weitergehen. Ja, gerne. Wir haben noch viel abzulaufen.
Rolf Behringer
0:04:49–0:04:49
Ja, genau.
Florian Clauß
0:04:49–0:04:53
Wir haben uns eine Strecke rausgesucht. Wir wollen jetzt dann zu bestimmten
0:04:53–0:04:59
Punkten kommen, wo du mir nochmal so die Geschichte von Solarforschung und Solarentwicklung
0:04:59–0:05:00
in Freiburg zeigen kannst.
Rolf Behringer
0:05:00–0:05:00
Genau.
Florian Clauß
0:05:01–0:05:03
Und genau die, also die Wärme, ne?
Rolf Behringer
0:05:03–0:05:07
Genau, Wärme und Mobilität, da liegen wir halt noch deutlich unter 20 Prozent
0:05:07–0:05:08
bei den erneuerbaren Energien.
0:05:09–0:05:14
Und das macht aber einen sehr großen Anteil des Primärenergiebedarfs aus.
0:05:14–0:05:18
Deshalb ist es natürlich immer schön, wenn wir uns ein gutes Gefühl vermitteln
0:05:18–0:05:19
wollen, dann reden wir über Strom.
0:05:19–0:05:23
Und dann können wir sagen, wir haben schon um die 60 Prozent Erneuerbare erreicht,
0:05:24–0:05:25
was auch wirklich gut ist.
0:05:26–0:05:31
Es gab mal eine Umweltministerin, die später Bundeskanzlerin wurde.
0:05:32–0:05:38
Die hat gesagt, ich weiß die Zahl nicht mehr genau, aber mehr als 5% erneuerbare
0:05:38–0:05:41
Energien wird unser Stromnetz nicht verkraften. So in die Richtung.
Florian Clauß
0:05:41–0:05:48
Das ist wie Bill Gates, der damals gesagt hat, mehr als 128 kb braucht kein Computer.
0:05:49–0:05:53
Ich weiß nicht, ich kriege es nicht mal Wortlaut hin. Aber es wurden halt so
0:05:53–0:05:55
bestimmte Aussagen, die man nicht machen sollte.
Rolf Behringer
0:05:55–0:06:00
Ja, es ist ja auch doch durchaus dann schön zu sehen, wie das dann auch widerlegt
0:06:00–0:06:01
wird und wie sich das entwickelt.
0:06:02–0:06:05
Aber ich hätte tatsächlich auch nicht gedacht, ich mache es ja schon relativ
0:06:05–0:06:12
lange, also seit 1992 stehe ich vor Schulklassen und mache diverse Schulprojekte zu diesem Thema.
0:06:12–0:06:17
Da hätte ich auch nicht gedacht, dass ich in meiner Lebenszeit das erleben werde,
0:06:17–0:06:19
dass ich so viele Solaranlagen sehen kann.
0:06:19–0:06:25
Oder dass ich halt auch einfach mit ganz praktisch mit einem Elektroauto unterwegs
0:06:25–0:06:30
sein kann und dieses Auto dann direkt mit einem eigenen Dach betanken kann.
0:06:30–0:06:36
Also da kommt dann einfach der Strom direkt regional vom Dach.
Florian Clauß
0:06:36–0:06:40
Ja, ich meine, es ist schon eine kleine Utopie, die sich dann verwirklicht hat.
0:06:40–0:06:45
Also eigentlich schon so eine Zukunftsvorstellung, die du dir auch erträumt hast.
Rolf Behringer
0:06:46–0:06:50
Genau. Und dann habe ich natürlich dennoch einen tieferen Einblick bekommen
0:06:50–0:06:54
in das ganze Energiesystem und habe dann auch verstanden,
0:06:54–0:07:01
dass es halt eine Riesenaufgabe ist, die Transformation zu machen und dass es
0:07:01–0:07:07
halt jetzt erstmal noch eine große Herausforderung wird bei der Mobilität und
0:07:07–0:07:09
bei der Wärme letzten Endes.
0:07:09–0:07:15
Aber auch da ist halt Licht am Horizont und wir haben Technologien,
0:07:16–0:07:21
die erstens schon existieren und zweitens hochskaliert werden können.
Florian Clauß
0:07:21–0:07:25
Wir haben auch eben in der Ausstellung gesehen, da gab es ja diese Geothermie.
0:07:26–0:07:31
Und da war ein Modell simuliert, in der Reinebene, in die Sedimentschichten,
0:07:31–0:07:36
sollen da auch so ein Geothermie-Station oder wie sagt man ein...
Rolf Behringer
0:07:36–0:07:37
Geothermie-Kraftwerk.
Florian Clauß
0:07:37–0:07:41
Kraftwerk, genau, das hat mir gefehlt. Soll gebaut werden und da war es immer
0:07:41–0:07:45
anschaulich erklärt, dass dann auch in den Sedimentschichten sich das Wasser
0:07:45–0:07:49
auf 120 Grad erhitzt und dass man das entnehmen kann.
0:07:50–0:07:52
Und dann muss man aufpassen, dass das abgekühlte Wasser, dass man das nicht
0:07:52–0:07:57
dann in der Nähe von der Entnahmestelle wieder zurückgespult wird,
0:07:57–0:08:02
weil dann hat man nicht mehr dieses Delta an Temperatur, was man dann quasi
0:08:02–0:08:05
durch so ein Abnahmesystem dann halt rausholen kann.
0:08:05–0:08:08
Also es gibt dann so verschiedene Strategien.
0:08:08–0:08:14
Geothermie ist in einigen Regionen dann schon recht fortgeschritten.
0:08:14–0:08:19
Also ich denke jetzt an Island oder so, die ganz viel Wärme über Geothermie
0:08:19–0:08:21
erzeugen, aber die haben natürlich spezielle Bedingungen.
0:08:21–0:08:26
Ja, also so Bedingungen, die wir jetzt hier, wir wissen, dass in einer gewissen
0:08:26–0:08:31
Tiefe dann entsprechend das Wasser Wärme ist und dass man das nach Kühlschrankprinzip
0:08:31–0:08:33
dann halt auch ausnutzen kann oder Wärmepumpe.
0:08:33–0:08:37
Das ist halt so. Aber was gibt es denn noch für Lichter am Horizont?
Rolf Behringer
0:08:37–0:08:41
Ich muss manchmal einfach kurz stehen bleiben und dann müssen wir eine kleine Klammer aufmachen.
Florian Clauß
0:08:42–0:08:42
Ja, sehr gerne.
Rolf Behringer
0:08:42–0:08:47
Wir stehen jetzt hier vor dem sogenannten blauen Passivhaus.
0:08:47–0:08:51
Das ist eines der ersten Häuser, die hier auch schon dann gebaut wurden.
0:08:51–0:08:55
Es gab verschiedene Bauabschnitte und das ist schon relativ alt, schon über 20 Jahre alt.
0:08:55–0:08:59
War aber halt eben das erste große Mehrfamilien-Passivhaus. Du siehst das,
0:08:59–0:09:00
es sind viele Wohnungen hier drin.
0:09:01–0:09:07
Und das hat Protovoltaik, ist extrem gut gedämmt, war auch mit Biogas und Kläranlage
0:09:07–0:09:10
geplant. Wurde dann nicht umgesetzt.
0:09:10–0:09:17
Hat ein Blockheizkraftwerk drin. Und ich sage dir, die haben hier Energiekosten.
0:09:17–0:09:18
Das kannst du dir nicht vorstellen.
0:09:18–0:09:23
Das ist irgendwie ein Jahresbetrag. Also jetzt kann ich mich nicht festlegen,
0:09:23–0:09:28
aber mich hat es fast umgehauen, als mir ein Freund, der hier wohnt,
0:09:28–0:09:30
erzählt hat, was die bezahlen. Das ist fast nichts.
0:09:31–0:09:36
Das hat so einen perfekten Energieverbrauch, das Haus, wenn man das so sagen
0:09:36–0:09:38
darf. Sehr beeindruckend.
Florian Clauß
0:09:38–0:09:41
Und das Blockheizkraftwerk ist über Palette?
Rolf Behringer
0:09:41–0:09:42
Nein, das läuft über Gas.
Florian Clauß
0:09:42–0:09:43
Über Gas, okay.
Rolf Behringer
0:09:44–0:09:49
Aber es ist dann letzten Endes, wenn Gas verwendet wird, dann halt sehr effizient.
Florian Clauß
0:09:49–0:09:49
Ja.
Rolf Behringer
0:09:49–0:09:53
Das heißt, man nutzt die Wärme, die Abwärme und den Strom.
Florian Clauß
0:09:53–0:09:59
Ah ja, okay, ja. Also ich meine, warum sehen wir nicht noch mehr von solchen Projekten?
Rolf Behringer
0:10:00–0:10:03
Hier gibt es noch mehrere und es gibt dann auch letzten Endes in Deutschland
0:10:03–0:10:07
mehrere. Aber ich denke halt Bauausführung und Kosten.
0:10:08–0:10:09
Spiel eine Rolle.
Florian Clauß
0:10:09–0:10:14
Und Gewohnheit in der Bauindustrie wahrscheinlich auch. Und dann Verbreitung
0:10:14–0:10:17
und Handwerker, die dann auch bestimmte Lösungen mit sich bringen.
0:10:19–0:10:21
Es sind noch Inseln, sage ich mal.
Rolf Behringer
0:10:22–0:10:26
Ja, nicht mehr so vieles. Was jetzt der Bau anbelangt von Häusern,
0:10:26–0:10:30
da gibt es halt einfach, ja, natürlich so günstig wie möglich,
0:10:30–0:10:31
also Preis-Leistungs-Verhältnis.
0:10:31–0:10:37
Aber weil Energie teuer ist, brauchst du inzwischen einen gewissen Wärmestandard
0:10:37–0:10:40
beim Bauen. Das ist ja auch wirklich gut.
0:10:40–0:10:45
Aber du kannst halt mit etwas mehr Wärmedämmung und ein bisschen mehr technischem
0:10:45–0:10:49
Aufwand, kommst du halt wirklich in Bereiche, wo du nicht mehr viel Strom benötigst
0:10:49–0:10:54
oder wo du den Strom halt auch lokal zum großen Teil herstellen kannst.
0:10:55–0:10:58
Was wir jetzt hier immer noch sehen können, sind sehr viele Balkonkraftwerke.
0:10:59–0:11:06
Du siehst hier hinter dem Gebüsch an dem Geländer sind flexible Solarmodule, also sehr leichte.
0:11:06–0:11:10
Die haben keinen Aluminiumrahmen. Und da werden wir jetzt gleich noch relativ
0:11:10–0:11:13
viele solche Balkonsolaranlagen sehen.
Florian Clauß
0:11:13–0:11:17
Ja, vielleicht kann man hier nochmal den Einschub tätigen, das Rolf auch im
0:11:17–0:11:21
Buch letztes Jahr publiziert hat über Balkonkraftwerke.
0:11:21–0:11:26
Da bist du natürlich auch ein Experte in diesem Gebiet.
0:11:26–0:11:31
Wie hat sich das denn, jetzt würdest du jetzt sagen, wie hat sich das denn ausgezahlt?
0:11:31–0:11:35
Weil ich finde, also um das nochmal so aufzumachen, Balkonkraftwerke war vielleicht
0:11:35–0:11:39
so ein kleines trojanisches Pferd, was sich in den Markt geschoben hat,
0:11:39–0:11:46
um halt auch diese jetzige Verbreitung von PV in Deutschland dann auch so in
0:11:46–0:11:47
diese Zahlen zu bringen.
0:11:47–0:11:49
Das war, glaube ich, gar nicht so...
0:11:50–0:11:53
Gedacht, sage ich mal, aber jetzt entstehen auf einmal so Modelle,
0:11:53–0:11:58
wo dann der normale Durchschnittsbürger dann auch tatsächlich überlegt,
0:11:58–0:12:01
weil zum einen Balkonkraftwerke gefordert sind,
0:12:01–0:12:05
zum anderen jetzt durch Smart Meter und dynamische Stromtarife,
0:12:05–0:12:11
da auch tatsächlich ein Kostenfaktor reinkommt, der jetzt in der Normalbevölkerung interessant sein kann.
0:12:11–0:12:15
Es ist nicht mehr dieses Visionäre, ich baue mir jetzt eine PV-Anlage aufs Dach
0:12:15–0:12:21
und bin quasi für die erneuerbaren Energien, stehe ich da moralisch und ideologisch
0:12:21–0:12:25
ein, sondern es ist jetzt auch tatsächlich so, dass ich sage mal, so der Normale,
0:12:25–0:12:29
der dann vielleicht moralisch sich da nicht so identifiziert,
0:12:29–0:12:32
dass er dann aber das trotzdem interessant findet, weil es sich rechnet.
0:12:33–0:12:38
Und das ist ja ein Riesenvorteil für die Verbreitung von PV geworden, sage ich mal.
Rolf Behringer
0:12:39–0:12:42
Ja, genau. Ja, das hat halt einfach noch einen super Nebeneffekt.
0:12:42–0:12:48
Also es gibt inzwischen vermutlich an die drei Millionen Balkonkraftwerke,
0:12:48–0:12:49
Steckersolarkraftwerke in Deutschland.
0:12:50–0:12:52
Das ist schon unglaublich durch die Decke gegangen.
Florian Clauß
0:12:52–0:12:57
Wie viele Haushalte haben wir? Wir haben ungefähr so 75, 18 Millionen Bürgerinnen.
0:12:58–0:13:00
Ja, ich meine 60 Millionen.
0:13:01–0:13:04
Also drei Millionen ist ja schon eine unglaubliche Zahl.
Rolf Behringer
0:13:05–0:13:10
Ja, genau. Also es ist schon enorm. Also ich habe gestaunt, also irgendwann
0:13:10–0:13:14
waren es mal eine Million und jetzt sprechen manche schon von drei Millionen.
0:13:15–0:13:16
Ich bin mir nicht ganz sicher, wie die Zahl zustande kommt. So jetzt,
0:13:17–0:13:20
hier ist auch ein guter Spot, weil du siehst jetzt hier ziemlich viele.
0:13:21–0:13:26
Und jetzt gehe ich, ich will an ein spezielles Haus und die haben praktisch
0:13:26–0:13:32
miteinander, das sind 28, wenn ich richtig liege, 26 oder 28 Wohnungen in dem
0:13:32–0:13:33
Haus, was wir jetzt sehen.
0:13:33–0:13:39
Die Kleehäuser in Freiburg, im Bourbon, und da haben die gemeinschaftlich entschieden,
0:13:39–0:13:44
dass jeder Balkon das haben darf und bis auf wenige haben das alle gemacht.
0:13:44–0:13:46
Und jetzt siehst du hier das Ergebnis.
0:13:47–0:13:52
Und die haben oben auf dem Dach eine große BV-Anlage, aber allein mit diesen
0:13:52–0:13:58
Balkonsolaranlagen haben die tatsächlich 14 Kilowatt zusätzlich an Leistung an dem Haus.
Florian Clauß
0:13:59–0:14:04
14 Kilowatt, okay, also das heißt, die decken mehr als ihren Verbrauch.
Rolf Behringer
0:14:04–0:14:09
Ja, also gut, jede Wohnung hat das eigene Balkonkraftwerk und das ist jetzt
0:14:09–0:14:11
halt zusammen summiert.
0:14:11–0:14:16
Das sind, ich glaube, 400 Watt ungefähr hat ein Modul und die meisten haben zwei,
0:14:16–0:14:24
also 800 Watt pro Wohneinheit an Peakleistung, also das, was installiert wird
0:14:24–0:14:26
und dann entsprechenden Wechselrichter dazu.
0:14:27–0:14:30
Und zusätzlich haben die aber noch eine große PV-Unlage auf dem Dach.
Florian Clauß
0:14:30–0:14:30
Ja, super.
Rolf Behringer
0:14:31–0:14:32
Ja, haben eine riesen Wärmepumpe inzwischen.
Florian Clauß
0:14:33–0:14:36
Und da haben die dann auch einen gemeinsamen Speicher, weißt du das zufällig?
Rolf Behringer
0:14:37–0:14:41
Da nicht, also für die Balkonsolaranlagen nicht.
0:14:41–0:14:44
Und jetzt überlege ich gerade, ob die den Speicher schon haben.
0:14:44–0:14:47
Also es ist geplant und ob das schon umgesetzt ist, weiß ich nicht.
Florian Clauß
0:14:47–0:14:51
Dieses Feld des Speicherns, das ist ja auch so, hatten wir, glaube ich,
0:14:51–0:14:53
das letzte Mal auch angesprochen.
0:14:53–0:14:59
Also dass zum einen Haushalte sich ihren Speicher auch mit der PV-Anlage installieren.
0:15:00–0:15:03
Dass das durch die dynamischen Strombarife, wenn du eine PV-Anlage hast,
0:15:04–0:15:09
dann auch tatsächlich zum Wirtschaftsmodell werden kann, dass du dann einspeichst
0:15:09–0:15:13
oder speicherst, wenn dann halt positive, negative Strompreise sind.
0:15:13–0:15:19
Das gibt es ja auch gerade so als Anreize. Es gibt dann tatsächlich so Gesetzgebungen,
0:15:19–0:15:22
die das dann halt jetzt fördern, dass du speicherst, dir dann halt zusammen
0:15:22–0:15:27
größere Speicher aufbaust und dann somit Strom,
0:15:27–0:15:29
wenn er besonders günstig ist, speicherst.
0:15:29–0:15:32
Und dann wieder einspeist, wenn der, also vor allem nachts.
Rolf Behringer
0:15:32–0:15:33
Wenn ein höherer Bedarf ist.
Florian Clauß
0:15:34–0:15:38
Genau. Diese Batteriespeicher sind ja, glaube ich, immer so für ein Zeitfenster
0:15:38–0:15:41
von, weiß ich nicht, ein bis acht Stunden.
Rolf Behringer
0:15:41–0:15:43
Du meinst jetzt die Speicherzeit.
Florian Clauß
0:15:43–0:15:49
Die Speicherzeit. Es ist ja nicht so, ich sage mal so Speichermodelle für so,
0:15:49–0:15:51
wie lange hältst du das dann vor?
0:15:52–0:15:57
Wie zum Beispiel Druckspeicher, wenn du halt irgendwie so mit Wasser oder Luftdruck
0:15:57–0:16:01
arbeitest. die sind ja dann für längere Perioden ausgelegt.
0:16:01–0:16:08
Und Batteriespeicher sind ja, sag ich mal, so in so einem Bedarfsfenster von Stunden bis Tagen.
0:16:09–0:16:12
Also du hältst ja nicht über den Winter dann unbedingt in,
0:16:13–0:16:18
den Batteriespeicher voll, sondern du lässt den dann halt so innerhalb der nächsten Zeit los.
0:16:18–0:16:23
Und was da für Speicherstrategien noch auf dem Markt sind,
0:16:23–0:16:27
ich komme deshalb drauf, weil ich nachgefragt habe mit dem Blockspeicher,
0:16:27–0:16:30
weil das wäre jetzt auch so, dass man halt in diesem Ganzen,
0:16:31–0:16:35
ich meine, das ist eine sehr dezentrale Energieversorgungsform,
0:16:36–0:16:41
dass man da auch so Blockspeicher, das muss man ja dann auch irgendwo sinnvoll
0:16:41–0:16:46
einrichten, das halt mehrere einspeisen und dann auch wieder sinnvoll irgendwie was abgeben.
Rolf Behringer
0:16:46–0:16:52
Genau. Ja, da gab es ja auch eine Ausschreibung für die großen Speicher und
0:16:52–0:16:54
das ging dann auch absolut durch die Decke.
0:16:54–0:16:59
Also da sind, jetzt habe ich die Zahlen leider nicht parat, aber das sind wirklich
0:16:59–0:17:04
unglaubliche Mengen, die wir dann speichern können in den größeren Akkus und
0:17:04–0:17:06
das macht halt auch eben total viel Sinn.
0:17:07–0:17:13
Also weil es a wirtschaftlich sein kann und b natürlich auch unser Stromnetz entlasten kann.
0:17:14–0:17:19
Also früher wurde ja quasi Deutschland als Kupferplatte betrachtet.
0:17:19–0:17:22
Und dann hat man gesagt, wenn in Norddeutschland halt zu viel Strom ist,
0:17:22–0:17:24
muss der unbedingt nach Süddeutschland.
0:17:24–0:17:28
Und da sind ja inzwischen auch Zweifel aufgekommen.
0:17:29–0:17:33
Erstens wegen den hohen Kosten und zweitens auch, weil es technisch möglicherweise
0:17:33–0:17:38
anders gelöst werden kann, indem halt eben dezentraler erzeugt wird.
0:17:38–0:17:42
Und dann kannst du halt über dezentrale,
0:17:43–0:17:48
Großspeicher im Grunde, da auch einige Lücken füllen sozusagen.
0:17:49–0:17:55
Klar, wir brauchen trotzdem noch Tromtrassen, aber vielleicht nicht so viele, wie gedacht war.
0:17:55–0:17:59
Und da ist das Fraunhofer-Institut tatsächlich auch am Forschen und am Gucken,
0:17:59–0:18:03
was ist denn der minimale Netzausbau, den wir benötigen,
0:18:04–0:18:13
damit wir dann mit erneuerbaren Energien uns sinnvoll versorgen können im ganzen Bundesgebiet.
0:18:14–0:18:18
Genau, aber das ist halt immer wieder die Frage zwischen groß und klein und
0:18:18–0:18:23
da ist es auch gefährlich, dass man dann was verwechselt, wenn dann irgendwelche
0:18:23–0:18:24
Aussagen getroffen werden,
0:18:24–0:18:28
weil wir haben halt wirklich super, super Kleinspeicher, also gerade durch die
0:18:28–0:18:33
Balkonkraftwerke kamen jetzt auch die sogenannten Powerstations mit ins Spiel,
0:18:33–0:18:36
die inzwischen halt auch wahnsinnig viel können.
0:18:37–0:18:40
Also die Powerstations waren am Anfang für Inselsysteme gedacht,
0:18:40–0:18:44
hast halt ein Solarmodul und da kannst du dann die Powerstation mitladen.
0:18:44–0:18:47
Das ist gut für Camping oder für sonstige Sachen.
0:18:47–0:18:51
Aber jetzt sind die Powerstations auch viele mit Wechselrichter zu bekommen.
0:18:52–0:18:55
Den kannst du halt dein Balkongraftwerk direkt anschließen.
0:18:55–0:19:01
Und die Powerstations sind zum Teil auch super intelligent und liefern dann halt den Strom nachts.
0:19:02–0:19:06
Zum Beispiel, wenn du jetzt ein 2 Kilowatt System hast und hast eine Wohnung,
0:19:06–0:19:09
die jetzt, was weiß ich, jetzt nicht unbedingt mit Server und so.
0:19:10–0:19:13
Sondern Standardwohnungen mit wenig Verbrauchern, Kühlschrank,
0:19:14–0:19:18
Router und vielleicht noch ein paar Kleinigkeiten, dann kannst du halt über
0:19:18–0:19:23
Nacht im Grunde den Strom, den du vom Balkon eingesammelt hast,
0:19:24–0:19:27
kann der deinen kompletten Energiebedarf decken, den du nachts benötigst.
0:19:27–0:19:29
Super, super geniale Sache.
0:19:29–0:19:31
Und wenn es ein bisschen größer wird und wenn es viel mehr werden,
0:19:32–0:19:34
dann hast du natürlich da auch eine große Entlastung.
0:19:34–0:19:37
Du erzeugst und nutzt den Strom quasi vor Ort.
0:19:38–0:19:41
Und das ist sowieso das Besondere an den erneuerbaren Energien,
0:19:42–0:19:46
dass du halt immer, sagen wir mal, regional oder auch lokal erzeugen und nutzen kannst.
Florian Clauß
0:19:47–0:19:52
Und ich meine, diese Zukunftsutopie, die hat sich jetzt mehr oder weniger auch
0:19:52–0:19:56
viel mit Technologieentwicklung zu verwirklichen können.
0:19:56–0:20:01
Also ich meine, das Wechselrichter, dieses ganze Energiemanagementsystem,
0:20:02–0:20:07
wie dann welche, wie dann in den Haushalt abgegeben wird, wie du dann einspeist und so weiter.
0:20:07–0:20:11
Das hat sich ja jetzt mehr oder weniger on the fly mitgelöst,
0:20:11–0:20:17
also mit der Verbreitung von PV, mit der Softwareentwicklung von solchen Systemen
0:20:17–0:20:18
wie Wechselrichter und so weiter.
0:20:19–0:20:23
Also eigentlich haben wir jetzt schon einen recht guten Zustand, sage ich mal.
0:20:24–0:20:29
Aber es kommt, auf der einen Seite ist natürlich die Jahreszeit,
0:20:29–0:20:32
wo dann die Sonne nicht so sehr scheint.
Rolf Behringer
0:20:32–0:20:32
Genau.
Florian Clauß
0:20:32–0:20:37
Das ist ein großes Thema. Und auf der anderen Seite, wie du sagst, eben Wärme.
0:20:38–0:20:42
Was auch sehr viel Verbrauch ausmacht und eigentlich in dieser Industrie dann
0:20:42–0:20:45
auch noch mal maßgeblicher ist.
Rolf Behringer
0:20:45–0:20:49
Ich finde es halt wichtig zum Beispiel, dass wir halt einfach erkennen und das
0:20:49–0:20:53
sehr dachlich und entspannt umsetzen.
0:20:53–0:20:58
So viel und so schnell wie möglich erneuerbare Energien ausbauen bei Sicherheit der Stromversorgung.
0:20:59–0:21:01
Klar, es gibt ja immer die Diskussion mit Blackout und so weiter.
0:21:02–0:21:04
Aber das ist gar nicht nötig, weiß man eigentlich inzwischen.
0:21:05–0:21:08
Es gibt sogar die Aussage,
0:21:08–0:21:12
Aufgrund von Untersuchungen, dass halt die erneuerbaren Energien inzwischen
0:21:12–0:21:13
unser Netz stabilisieren.
0:21:13–0:21:17
Also da sind wir auch schon weg davon, dass es das Netz verunreinigt oder so,
0:21:17–0:21:21
wie es früher mal hieß. Und wo war ich jetzt stehen geblieben?
Florian Clauß
0:21:21–0:21:23
Ja, vielleicht können wir hier nochmal einen kurzen Einschub machen,
0:21:23–0:21:27
weil das war ja auch jetzt nochmal so eine persönliche Geschichte von dir.
0:21:27–0:21:34
Du hast ja, das war im Frühjahr, ein kleines Sabbatical gemacht, also mit Arbeiten.
0:21:35–0:21:38
Aber du bist mit dem Auto, E-Auto, nach Spanien gefahren.
0:21:38–0:21:45
Und du hast dann diesen großen Stromausfall, der dann in Nordspanien und Südfrankreich
0:21:45–0:21:47
passiert ist und teilweise auch Portugal.
0:21:48–0:21:53
Du hast ja live miterlebt und warst mit dem E-Auto unterwegs und wie hast du
0:21:53–0:21:56
diesen Stromausfall überlebt, Rolf?
Rolf Behringer
0:21:56–0:22:01
Ja, ich habe da sogar ein kleines Video gedreht in dem Moment und als ich da
0:22:01–0:22:04
angefangen habe, das Video zu drehen, war ich voller Freude,
0:22:04–0:22:09
weil ich gesagt habe, okay, ich habe hier meinen Solarkocher dabei und Sonne war ja genügend da.
0:22:09–0:22:14
Ich habe auch meine Powerstation und ein Faltmodul mit 200 Watt dabei.
0:22:15–0:22:17
Und das hatte ich halt vorher schon die ganze Zeit im Einsatz,
0:22:17–0:22:21
weil ich ja eben mit, ich habe auch in dem Auto, konnte ich auch schlafen und
0:22:21–0:22:24
so und habe zum Teil dann einfach wild gecampt.
0:22:25–0:22:29
Und das war schön, einfach dann Solarkocher und Solarenergie zu nutzen.
0:22:30–0:22:34
Ich hatte auch wirklich genügend Strom für alles, was ich gebraucht habe.
0:22:34–0:22:40
Also Laptop und Licht, habe sogar meine Espresso-Kanne mit Strom versorgt. Ja, super.
0:22:41–0:22:44
Ja, dann kam der Stromausfall, dachte ich, naja, ich habe ja kein Problem, wunderbar.
0:22:46–0:22:48
Und das war auch richtig so, was Essen und Strom anbelangt.
0:22:50–0:22:52
Aber dann ging der ja relativ lang, der Stromausfall.
Florian Clauß
0:22:52–0:22:54
Ja, der ging ja über mehrere Tage, wenn nicht Wochen.
Rolf Behringer
0:22:55–0:22:59
Ja, genau. Na, es waren, im Grunde waren es so, es war nur ein Tag.
0:23:00–0:23:02
Also jetzt kann man es an.
Florian Clauß
0:23:02–0:23:02
Ja, okay.
Rolf Behringer
0:23:02–0:23:06
Aber die Pumpe,
0:23:07–0:23:12
Die Wasserpumpe, die Grundwasserpumpe, die war halt eben auch mit Strom angetrieben.
0:23:13–0:23:15
Und irgendwann habe ich verstanden, Wasser brauche ich ja auch.
0:23:16–0:23:19
Und dann ist meine Freude so langsam geschwunden.
0:23:20–0:23:24
Und dann habe ich gedacht, naja, und habe es wirklich dann auch so gefühlt und
0:23:24–0:23:29
verstanden, dass wir ja doch schon ganz schön abhängig sind von verschiedenen Faktoren.
0:23:29–0:23:35
Wasser ist halt lebenswichtig, lebensnotwendig. Es ist wichtiger als Strom letzten Endes.
0:23:36–0:23:41
Dann bin ich halt losgefahren, wollte Wasser kaufen. Dann hatte aber der kleine
0:23:41–0:23:43
Konsum zu, weil ja kein Strom war.
0:23:44–0:23:50
Und naja, so habe ich dann gedacht, ja so einfach ist es dann auch nicht mit
0:23:50–0:23:52
der Resilienz oder mit der Autarkie.
0:23:53–0:23:59
Und ich habe gemerkt, es ist besser, man hält gut zusammen und hat irgendwie
0:23:59–0:24:03
ein gutes Netzwerk von Menschen, die vielleicht in so einem Notfall,
0:24:03–0:24:06
wenn er länger kommt, dann sich gegenseitig unterstützen.
0:24:07–0:24:12
Das war so das Ding. Also ja, und zudem war ich auch mit dem Elektroauto unterwegs
0:24:12–0:24:16
und ich hätte dann ja auch nichts nicht mehr laden können, wenn ich keinen Strom habe.
0:24:16–0:24:22
Mein kleines Solarmodul, das hätte vielleicht für die Bordelektronik gereicht,
0:24:22–0:24:24
aber nicht, um durch die Gegend zu fahren.
0:24:25–0:24:30
Ja genau, also das Das war meine Erkenntnis zum Stromausfall.
Florian Clauß
0:24:30–0:24:34
Das heißt, auch so die Stärkung von Gemeinschaft.
0:24:35–0:24:40
Das finde ich halt so faszinierend, weil das ja auch so eine gewisse utopische,
0:24:40–0:24:44
Zukunftsvision ist, wenn man jetzt im Science-Fiction-Bereich ist.
0:24:44–0:24:49
Es gibt den Cyberpunk als Genre, wo dann halt das noch sehr dystopisch ist,
0:24:49–0:24:55
wo die Welt häufig von Megacorps dann beherrscht wird und alles im Zerfall ist und so weiter.
0:24:56–0:25:00
Und dann gibt es als Subgenre des Sci-Fi, gibt es Solarpunk.
0:25:01–0:25:06
Und das ist so ein utopisches, wo jetzt auch mehr Geschichten und so weiter spielen und entstehen.
0:25:06–0:25:12
Und Solarpunk ist dann aber genau diese Dezentralisierung das Regionale,
0:25:12–0:25:13
das Lokale, die Gemeinschaft.
0:25:14–0:25:18
Ich meine, diesen Schritt hat ja erst mal überhaupt Energieland Deutschland durchgemacht.
0:25:19–0:25:23
Strom war ja immer irgendwie zentral durch Kraftwerke. Es waren halt große Kraftwerke,
0:25:23–0:25:28
die dann halt die Schwummasse, es gibt ja auch wirklich diese Räder,
0:25:28–0:25:30
die sich dann halt drehen um diese Netzfrequenz dann halt.
0:25:30–0:25:35
Das ist ja auch so ein völlig industrieller, das ist ja noch so dieses Rad,
0:25:35–0:25:41
was dann halt letztendlich die Masse für die Frequenz im Stromnetz dann herstellt.
0:25:42–0:25:47
Und das heißt, nach und nach löst sich ja diese Struktur mit so einer dezentralen
0:25:47–0:25:50
Struktur aus, die sich jetzt aber auch gut einpassen lässt.
0:25:51–0:25:56
Ich glaube, ein Baustein für die Speicherung für die Haushalte ist dann,
0:25:56–0:26:00
wenn wir auf der einen Seite mehr Elektroautos haben, auf der anderen Seite,
0:26:00–0:26:03
wenn wir auch wirklich bidirektional laden können.
0:26:03–0:26:08
Das heißt, dann hast du auf einmal nicht mehr deinen 2 Kilowatt Speicher da
0:26:08–0:26:11
stehen, sondern dann hast du halt irgendwie 80 oder so Kilowatt,
0:26:11–0:26:15
die du dann halt irgendwie auch nutzen kannst als normaler Haushalt.
0:26:15–0:26:20
Wenn dann tatsächlich irgendwann später die ganzen Energieversorger darauf zugreifen
0:26:20–0:26:25
können, durch Smart-Mieters, dann halt auch dann eben Lastspitzen darüber ausgleichen
0:26:25–0:26:29
können, wenn sich das dann halt wirklich so in die Infrastruktur einfügt.
0:26:29–0:26:33
Und das finde ich halt irgendwie, das ist sehr naheliegend und darauf freue
0:26:33–0:26:34
ich mich schon auf diesen Schritt.
0:26:35–0:26:38
Aber es löst nicht das grundsätzliche Problem.
Rolf Behringer
0:26:39–0:26:39
Ja.
0:26:39–0:26:42
Ja schon, aber es wäre halt ein Riesenbeitrag, weil du hast ja schon gesagt,
0:26:43–0:26:48
die aus der Industrialisierung heraus mit den zentralistischen Kraftwerken und der Schwungmasse.
0:26:49–0:26:53
Und das ist ja auch das, was letzten Endes dafür sorgt, dass wir immer genügend
0:26:53–0:26:57
Strom haben und dass die Frequenz nicht anfängt zu schwanken, so ein Stück weit.
0:26:57–0:27:07
Und die vielen Elektroautos, das ist einfach ein unglaubliches Potenzial dafür,
0:27:08–0:27:13
Und wenn wir das nicht nutzen, dann haben wir eigentlich wirklich versagt.
0:27:14–0:27:18
Und deshalb muss halt die Regierung das unbedingt regulieren,
0:27:18–0:27:22
weil das ist halt auch noch das Problem im Moment, dass man nicht weiß,
0:27:23–0:27:28
wie man damit umgehen soll mit den vielen Be- und Entladungen von Strom.
0:27:30–0:27:33
Was hat das für steuerliche Konsequenzen? Also da kommen ganz viele Fragen auf,
0:27:34–0:27:35
die müssen unbedingt geklärt werden.
0:27:36–0:27:40
Und dann natürlich zum Beispiel auch der Hersteller von den Autos,
0:27:40–0:27:42
die dann die Batterien drin haben.
0:27:42–0:27:47
Die sagen ja auch, wir haben, wir garantieren eine bestimmte Strecke, die ihr fahren könnt.
0:27:47–0:27:50
Aber wenn ihr dann ständig Zyklen lädt, ohne dass ihr fahrt,
0:27:50–0:27:52
dann hat das ja auch eine Konsequenz für die Batterien.
0:27:52–0:27:55
Also da sind viele Sachen, die jetzt einfach noch geregelt werden müssen.
0:27:56–0:27:59
Aber da machen sich gerade auch schon viele Leute richtig gute Gedanken.
0:28:00–0:28:05
Und ich hoffe ganz arg, dass das bald der Fall sein wird.
Florian Clauß
0:28:05–0:28:09
Ja, ich meine, das Potenzial ist so greifbar und so da. Und da sind schon so
0:28:09–0:28:12
viele Mechanismen im Markt, die darauf hindeuten.
0:28:13–0:28:18
Ich sage mal, der Schritt ist relativ einfach zu gehen und total sinnvoll.
0:28:18–0:28:25
Und ich meine, wenn wir jetzt hier wieder in die Anfänge der PV-Anlagen hier
0:28:25–0:28:29
spazieren gehen, wir sind jetzt auch wieder, also du siehst in Freiburg,
0:28:29–0:28:31
glaube ich, wenig Dächer ohne PV.
Rolf Behringer
0:28:31–0:28:37
Genau, es ist wirklich traumhaft aus meiner Perspektive.
0:28:38–0:28:42
Es mag ja Menschen geben, die finden das hässlich und das darf ja auch jeder finden, wie er will.
0:28:43–0:28:46
Aber mich beruhigt es irgendwie, wenn ich einfach sehe,
0:28:47–0:28:52
Da gibt es so viele Häuser inzwischen, die einfach viel, viel Energie selbst erzeugen.
0:28:52–0:28:56
Man kriegt es ja bei uns mit an unserem Haus, wie viel Energie wir da vom Dach
0:28:56–0:28:57
holen. Das ist Wahnsinn.
Florian Clauß
0:28:59–0:29:05
Wo dann auch wieder aufgrund von Silisationsgeschichte, aber so ein archaisches Motiv des Erntens.
0:29:06–0:29:11
Du legst so ein bisschen so ein Feld von Silikonglas aus und auf einmal erntest
0:29:11–0:29:18
du, was du selber verbrauchen kannst. Das ist ja eigentlich so was ganz Archaisches, was da drin steckt.
0:29:18–0:29:23
Aber ich finde es so toll, dass man das selber machen kann, dass man selber
0:29:23–0:29:25
sieht, was man dann halt irgendwie auch fabriziert.
0:29:26–0:29:29
Und so ein bisschen wie einen eigenen Garten haben und dann Gemüse dann halt
0:29:29–0:29:32
auch reinzufahren. Das ist ja auch saisonal.
Rolf Behringer
0:29:32–0:29:36
Wir sind jetzt hier schon sehr privat unterwegs.
0:29:37–0:29:39
Die Leute leiden manchmal drunter, weil das so ein Pilgerort ist.
0:29:40–0:29:43
Wir stehen jetzt hier vor dem Heliotrop von Rolf Tisch.
0:29:44–0:29:48
Das ist ein Architekt aus Freiburg, der ist sicher einigen bekannt.
0:29:49–0:29:54
Der hat viele schöne Sachen gebaut. Wir laufen nachher noch an dem Solarschiff vorbei.
0:29:55–0:30:01
Das ist eine Kombination aus Gewerbegebäude und Wohngebäude plus Energie.
0:30:01–0:30:05
Also bei ihm geht es immer um Plusenergie, also mehr Energie erzeugen,
0:30:05–0:30:07
als benötigt wird zum Wohnen.
0:30:08–0:30:11
Und hier das Heliotrop, da gibt es ein paar davon, aber die haben sich jetzt
0:30:11–0:30:13
kommerziell nicht wirklich durchgesetzt.
0:30:13–0:30:17
Weil es technisch aufwendig ist und auch recht teuer, aber da dreht sich das
0:30:17–0:30:18
ganze aus, ja, komplett.
0:30:19–0:30:24
Oben drauf ist eine PV-Anlage, die kann auch optimiert zur Sonne ausgerichtet
0:30:24–0:30:29
werden und hier ist halt so, da gibt es also der große Zylinder,
0:30:29–0:30:32
wo mehrere Stockwerke untergebracht sind,
0:30:32–0:30:37
der ist zu einer Seite hin sehr offen, transparent mit Gläsern, also Scheiben,
0:30:37–0:30:42
Und je nachdem, ob du dann Sonne haben willst, also Wärme ernten willst sozusagen,
0:30:43–0:30:45
dann dreht er sich in die Sonne rein, vor allem im Winter.
0:30:46–0:30:49
Und wenn im Sommer aber dann, wenn es zu heiß ist, dann kann ja praktisch der
0:30:49–0:30:53
Sonne den Rücken zukehren und dafür sorgen, dass es dann nicht überhitzt.
Florian Clauß
0:30:54–0:30:58
Okay, und das ist ja quasi auch der Sinn für diesen bildbaren Zylinder.
Rolf Behringer
0:30:58–0:30:58
Ja, genau.
Florian Clauß
0:30:59–0:31:03
Also Wärmeregulierung, also mehr Wärmeregulierung.
0:31:03–0:31:07
Ich nehme an, dass die Solarzellen oben dann separat nochmal steuern.
0:31:07–0:31:11
Lassen. Das sieht so aus, als ob das losgekoppelt ist.
Rolf Behringer
0:31:11–0:31:14
Also die lassen sich halt im Winkel verändern. Jetzt sind sie ja,
0:31:14–0:31:17
weil jetzt der Himmel ist total diffus, deshalb ist es eigentlich korrekt.
0:31:17–0:31:19
Also ich vermute, dass das schon in Betrieb ist.
0:31:20–0:31:24
Deshalb ist es waagrecht. Jetzt kommt ja ein diffuses Licht von oben durch die
0:31:24–0:31:27
Wolken und wenn aber dann die Wolken weg sind und die Sonne kommt von einer
0:31:27–0:31:31
bestimmten Richtung, dann dreht sich die Fläche der Solarmodule in Richtung
0:31:31–0:31:34
Sonne, so dass die möglichst senkrecht auf das Solarmodul fallen.
Florian Clauß
0:31:34–0:31:37
Wann ist das entstanden, das Haus?
Rolf Behringer
0:31:37–0:31:40
Weißt du, Das weiß ich jetzt tatsächlich nicht genau, aber es ist,
0:31:41–0:31:46
Auf jeden Fall um die 2000 rum. Das ist schon deutlich über 20 Jahre.
Florian Clauß
0:31:46–0:31:51
Also man hat auf der einen Seite hier quasi so auch viel Brain,
0:31:51–0:31:54
sage ich mal, in Freiburg durch das Fraunhofer-Institut.
0:31:55–0:31:58
Auf der anderen Seite gibt es ja auch viele private Initiativen.
0:31:58–0:32:02
Also so wie das Haus wird, wahrscheinlich dann eine private Initiative ist.
0:32:03–0:32:04
Oder war das irgendwie auch gefördert?
Rolf Behringer
0:32:04–0:32:08
Also der Rolf Tisch, der ist ein sehr bekannter Architekt und der hat auch ein
0:32:08–0:32:13
eigenes Architekturbüro. Und das ist mit der Expo 2000, ich muss gerade kurz
0:32:13–0:32:14
überlegen, ob das wahr ist.
0:32:14–0:32:17
Soviel ich weiß, war das ein Projekt innerhalb der Expo 2000.
Florian Clauß
0:32:18–0:32:20
Dann ist es wahrscheinlich da im Rahmen mit gefördert worden.
Rolf Behringer
0:32:21–0:32:25
Genau. Und er hat da schon auch immer Förder- und Entwicklungsgelder bekommen,
0:32:25–0:32:28
weil er halt ein anerkannter, renommierter Architekt ist.
0:32:29–0:32:34
Er hat sich wirklich, also wenn jemand Solararchitektur macht und kann, dann ist er das.
0:32:34–0:32:37
Es gibt noch ein paar andere, aber der ist schon sehr bekannt.
0:32:37–0:32:42
Du wirst nachher gleich noch sehen, die Solarsiedlung, da gehen wir jetzt noch dran vorbei.
0:32:42–0:32:48
Das ist fast wie so ein kleines Dorf und jedes Haus ist eben auch ein Plus-Energie-Haus.
0:32:49–0:32:56
Das heißt, das Haus an sich produziert mehr Energie, als benötigt wird, um darin zu wohnen.
Florian Clauß
0:32:57–0:33:01
Ja, was ich schon vorhin, oder was wir dann schon vorhin am Anfang so ein bisschen
0:33:01–0:33:06
haben anklingen lassen, ist ja, das waren ja alles so Leuchtturmprojekte.
0:33:06–0:33:09
Es war ja nie klar, ob sich das irgendwie so durchsetzt.
0:33:09–0:33:12
Und man hat ja dann immer, oder du hast vor allen Dingen auch immer so um,
0:33:12–0:33:17
ich sag mal so um Anerkennung und um Sinnhaftigkeit dann halt auch versucht,
0:33:17–0:33:25
den Schulen, Klassen und Menschen hier mit dem Verein Solare Zukunft dann beizubringen.
0:33:26–0:33:30
Und ich kann mir vorstellen, am Anfang war das jetzt schon so ein Kampf gegen die Windmühlen.
0:33:31–0:33:35
Und jetzt ist es ja quasi so ein Fliegen mit den Windmühlen.
Rolf Behringer
0:33:35–0:33:39
Ja, also das war ein wunderbares Gefühl, als ich dann gemerkt habe,
0:33:39–0:33:41
okay, der Wind dreht so ein Stück weit.
0:33:41–0:33:46
Weil am Anfang wurde ich zum Teil wirklich belächelt, im plötzten Fall beschimpft,
0:33:46–0:33:53
wenn ich da irgendwie Solarkocher demonstriert habe bei irgendwelchen Messen oder in den Schulen.
0:33:53–0:33:57
Also wenn ich in den Schulen war, dann habe ich halt einen Vortrag gehalten und ich hatte Folien.
0:33:58–0:34:03
Da habe ich dann den Energie, den Anteil der Primärenergiequellen gezeigt.
0:34:03–0:34:07
Das war dann halt Kohle, Öl, Gas, Atomenergie.
0:34:07–0:34:12
Und von Photovoltaik und Wind konntest du einfach noch nicht sehen in den Schaubildern.
0:34:13–0:34:17
Und dann irgendwann konnte ich sagen, ja, wir haben jetzt irgendwie zwei Prozent,
0:34:18–0:34:21
Erneuerbare Energien, wenn man Wasser nicht dazu nimmt. Wasser ist ja schon
0:34:21–0:34:24
immer auch dabei als erneuerbare Energie, klar.
0:34:25–0:34:30
Aber halt eben die erneuerbaren Energien, Wind und Sonne, da ist es dann so langsam losgegangen.
0:34:30–0:34:36
Und für mich war aber klar, wir müssen das einfach nutzen. Wir haben gar keine andere Wahl.
0:34:37–0:34:40
Und das ist halt immer noch so, ist immer noch das gleiche Argument.
0:34:40–0:34:42
Es ist halt verfügbar, wir haben es da.
0:34:42–0:34:45
Jetzt können wir es technisch noch viel besser nutzen als damals.
0:34:45–0:34:51
Also von daher ist mein Argument noch viel stärker und für mich persönlich überzeugender.
Florian Clauß
0:34:52–0:34:54
Und das hat sich ja quasi im Markt schon so bewahrheitet.
Rolf Behringer
0:34:55–0:34:58
Das hat sich bewahrheitet letzten Endes. Also Photovoltaik und Wind ist inzwischen
0:34:58–0:35:05
wesentlich günstiger als die fossilen, wenn du da die Produktion für eine Kilowattstunde
0:35:05–0:35:06
oder für eine Megawattstunde nimmst.
Florian Clauß
0:35:06–0:35:12
Wir gehen ja dann auch zum Solarhaus, jetzt Ende der Tour, Brauchen wir noch ein bisschen?
0:35:12–0:35:17
Aber da wurde ja auch viel ausprobiert, experimentiert. Und wir haben ja dann
0:35:17–0:35:21
eigentlich so mehrere Schneisen, sage ich mal, von erneuerbaren Energien,
0:35:21–0:35:22
Speichermöglichkeiten.
0:35:22–0:35:28
Haben wir ja schon angesprochen, Geothermie, dann eben, dass man mit Druck arbeitet
0:35:28–0:35:31
und Pumpstationen und sowas.
Rolf Behringer
0:35:31–0:35:32
Ja.
Florian Clauß
0:35:32–0:35:36
Um halt auch irgendwie was zu speichern, weil das ist natürlich bei dem Dezentralen
0:35:36–0:35:40
auch immer eine Frage, wo tust du dann halt die Spitzen hin?
0:35:40–0:35:45
Was machst du dann quasi in der Zeit, wo du dann eben keine Produktion hast?
0:35:45–0:35:46
Wie wird sich das ausgleichen?
0:35:47–0:35:51
Und dann der große Punkt halt Wärme. Also dann, wenn halt am wenigsten Sonne
0:35:51–0:35:55
scheint, braucht man am meisten Wärme, sag ich mal, im privaten Haushalt.
0:35:55–0:35:57
Und was machst du zu der Zeit?
Rolf Behringer
0:35:57–0:36:00
Ja genau, da machen uns die Dänen eigentlich ganz gut was vor.
0:36:00–0:36:01
Die zeigen uns, wie es geht.
0:36:02–0:36:06
Die haben einfach wirklich sehr, sehr große Thermiespeicher.
0:36:06–0:36:10
Also eigentlich Wasser, riesige Wasserreservoirs.
0:36:11–0:36:13
Die dann mit Windüberschuss geladen werden.
0:36:14–0:36:18
Und die sind dann so gut gedämmt, dass man dann schon zum Teil von saisonalen
0:36:18–0:36:19
Speichern sprechen kann.
0:36:20–0:36:26
Also man kann dann im Sommer bei Überschuss von Wind oder Sonne geladen werden,
0:36:26–0:36:30
und können dann im Winter praktisch entladen werden.
Florian Clauß
0:36:30–0:36:35
Das ist im Prinzip eine Speicherung auch von Wasser in Sand?
Rolf Behringer
0:36:35–0:36:40
Nee, von Wärme in Wasser. Mit Sand wird auch experimentiert.
0:36:40–0:36:45
Aber da ist es einfach so, dass es Wasser ist und das wird dann mit Wärme gespeist,
0:36:46–0:36:50
mit überschüssiger, also idealerweise eben mit erneuerbaren Energien.
0:36:51–0:36:55
Es ist heute schon so, dass Windkraftanlagen ganz oft ausgeschaltet werden,
0:36:55–0:36:58
weil zu viel erneuerbare Energien im Stromnetz sind tagsüber.
0:36:58–0:37:06
Aber wenn Sonne und Wind da ist, dann kann die Leistung der erneuerbaren Energie,
0:37:06–0:37:08
die dann erzeugt wird, nicht abtransportieren.
0:37:09–0:37:12
Und wir haben zum Teil auch gar nicht den Verbrauch.
Florian Clauß
0:37:12–0:37:16
Und das ist die Zeit, wo dann halt auch die Strompreise negativ sind?
Rolf Behringer
0:37:16–0:37:21
Da sind die negativ zum Teil, genau. Und diverse Windkraftanlagen werden ausgeschaltet.
0:37:21–0:37:25
Und die Betreiber der Windkraftanlage müssen dann aber trotzdem vergütet werden
0:37:25–0:37:28
für den Ausfall. Und das ist halt echt fatal.
0:37:28–0:37:31
Das ist richtig fatal. Deshalb sage ich halt, die Speicherung,
0:37:31–0:37:33
das ist sowas von wichtig.
0:37:34–0:37:38
Aus vielen verschiedenen Gründen. Sonst kommen wir gar nicht weiter mit der
0:37:38–0:37:41
Energiewende, wenn wir das jetzt nicht richtig angehen.
Florian Clauß
0:37:41–0:37:45
Ja, also ich kann mir vorstellen, wenn man tatsächlich dann dazu kommt,
0:37:46–0:37:53
eben im sinnvollen, normierenden Maße Elektroautos als Speicherplatz zu benutzen,
0:37:53–0:37:58
bidirektional, dass man solche Lasten durchaus gut ausgleichen kann,
0:37:58–0:38:01
dass wir nicht mehr in diesen negativen Strompreis fallen.
Rolf Behringer
0:38:01–0:38:07
Ja, genau. Das wäre mal das erste, was wir erreichen müssen. Der erste Schritt.
0:38:07–0:38:12
Wir sind jetzt in der Solarsiedlung. Du siehst jetzt hier die Häuser und die
0:38:12–0:38:16
Süddächer sind hier immer komplett mit Photovoltaik bedeckt.
0:38:17–0:38:21
Also auch wie mein Haus letzten Endes, da sind keine Fenster im Dach,
0:38:21–0:38:25
sondern da kommt von der Nordseite her oder von der Seite dann entsprechend Licht rein.
0:38:26–0:38:32
Du siehst links das hohe Haus, das hat im Grunde den gleichen Querschnitt wie
0:38:32–0:38:36
die Häuser hier auf dem Boden, aber das sitzt jetzt quasi auf dem Solarschiff.
0:38:36–0:38:37
Da kommen wir jetzt gleich noch hin.
Florian Clauß
0:38:38–0:38:43
Ja super. Gehen wir hier weiter? Ja. Aber da gibt es schon eine Dachkonstruktion drunter.
Rolf Behringer
0:38:43–0:38:44
Drunter, ja.
Florian Clauß
0:38:44–0:38:49
Du hast ja quasi die Ziegel auch komplett gespart und dann Solar.
0:38:50–0:38:53
Das war nochmal spezielle Solarziegel, kann man das sagen?
Rolf Behringer
0:38:54–0:39:03
Nein, das ist eine spezielle Konstruktion für die Solarmodule als wasserführende Schicht.
0:39:03–0:39:08
Die Solarmodule selbst sind die Dachhaut und unter den Solarmodulen sind entsprechende
0:39:08–0:39:15
Rinnen, die das Wasser abführen und dann sind aber natürlich keine Ziegel erforderlich.
Florian Clauß
0:39:15–0:39:21
Also spart man sich quasi diese Ziegelschicht und kann das dann gleich Solarmodulen.
Rolf Behringer
0:39:21–0:39:22
Guck hier, das sind wir nochmal hier.
Florian Clauß
0:39:23–0:39:26
Das ist jetzt das Solarschiff. Ach, das ist ja toll.
Rolf Behringer
0:39:28–0:39:29
Und das ist auch Rolf Tisch.
Florian Clauß
0:39:30–0:39:32
Und dann ist oben quasi wie so ein Haus da.
Rolf Behringer
0:39:33–0:39:38
Ja, die sind gerade drauf gesetzt. Das sind so Module. Ich kenne auch jemanden,
0:39:38–0:39:39
der da wohnt. Das ist ganz nett.
0:39:40–0:39:43
Richtig schön. Du siehst auch die Module, die sind so halbtransparent,
0:39:43–0:39:48
damit es nicht ganz dunkel ist unter den Modulen. Da kommt noch ein bisschen Licht durch.
Florian Clauß
0:39:48–0:39:52
Ich habe das auch, dass auf dem Haus dann nochmal ein eigenes Haus gebaut wird.
0:39:53–0:39:55
Das gab es auch teilweise in Berlin, denn alles so kleinere Projekte.
0:39:55–0:40:00
Aber das ist ja auch nochmal eine Wohnraumnutzung innerhalb von bebauten Gebieten.
0:40:02–0:40:04
Aber auch dann nochmal so ein Townhouse quasi.
Rolf Behringer
0:40:05–0:40:07
War es der Sinn des Wortes, die baust. Ja, das macht total viel Sinn, ja.
0:40:08–0:40:14
Also ja, wir müssen ja nach wie vor in den Städten, ist ja das Thema von Wohnraum.
Florian Clauß
0:40:15–0:40:15
Gehen wir hier durch?
Rolf Behringer
0:40:15–0:40:18
Ja, wir gehen hier durch. Wohnraumnutzung und Schaffung.
Florian Clauß
0:40:18–0:40:23
Also insofern kann man sagen, Freiburg ist nicht nur eine sehr progressive Fahrradstadt,
0:40:23–0:40:26
sondern auch eine sehr progressive Solarstadt.
Rolf Behringer
0:40:26–0:40:34
TV-Stadt. Tatsächlich wird das Wort Solar-Hauptstadt oft,
0:40:35–0:40:40
synonym mit Freiburg verwendet. Das kommt schon einerseits durch die vielen
0:40:40–0:40:45
innovativen Projekte und Persönlichkeiten und dann aber auch durch das Fraunhofer ISE.
Florian Clauß
0:40:46–0:40:51
Meistens ist es ja so, wenn man dann halt so eine Infrastruktur schon schafft,
0:40:51–0:40:55
dann bieten sich auch nochmal so vor Ort genau diese Gelegenheiten,
0:40:56–0:41:00
wo sich das dann festigt und wo die Kultur überhaupt dann sich aufbauen kann.
Rolf Behringer
0:41:00–0:41:06
Ja, genau. Was ich auch interessant finde, irgendwann gab es dann die Solarbundesliga in Deutschland,
0:41:07–0:41:12
wo Städte dann, je nach Größe, also die Großstädte ab 100.000 Menschen,
0:41:12–0:41:17
waren denn in einer Kategorie oder in einer Liga sozusagen.
0:41:17–0:41:22
Und dann wurde die installierte Fläche gemessen und pro Anzahl geteilt.
0:41:23–0:41:29
Dann hast du ja praktisch eine Pro-Kopf-Angabe. Also wie viel Solarmodulleistung
0:41:29–0:41:33
hat jeder und jede Pro-Kopf in dieser Stadt?
Florian Clauß
0:41:33–0:41:34
In einer Stadt, ja.
Rolf Behringer
0:41:35–0:41:38
Und da war Freiburg anfangs natürlich dann Platz 1 und ist dann aber relativ
0:41:38–0:41:39
schnell überholt worden.
Florian Clauß
0:41:39–0:41:40
Ach echt? Ja, ja, genau.
Rolf Behringer
0:41:40–0:41:44
Da kamen dann so Städte wie Ulm und ja, weiß nicht, welche Städte es noch waren.
0:41:44–0:41:46
Aber da war ich dann echt auch voll enttäuscht. Wo ich dachte,
0:41:46–0:41:47
boah, das gibt es ja gar nicht.
0:41:48–0:41:51
Und dann ist es aber andererseits auch super zu sehen, dass es halt nicht nur
0:41:51–0:41:57
so eine Blase, so ein Island ist, sondern dass es andere Städte vielleicht sogar
0:41:57–0:41:58
noch besser machen als Freiburg.
Florian Clauß
0:41:58–0:42:02
Ja, ich meine, Freiburg hat wahrscheinlich viel vorgelegt. Hat dann lange diese
0:42:02–0:42:05
Position behaupten können.
0:42:05–0:42:11
Aber wie du sagst, mit einer gewissen Marktreife hat sich das dann auch in die
0:42:11–0:42:14
anderen Städte so ausgestrahlt.
0:42:14–0:42:16
Und das ist total sinnvoll.
0:42:17–0:42:21
Ich meine, die Frage ist natürlich, was muss jetzt noch politisch passieren,
0:42:22–0:42:27
damit sich da die Grundlage auch weiter festigen kann, dass wir irgendwann komplett
0:42:27–0:42:30
erneuerbar und CO2-frei sind.
Rolf Behringer
0:42:30–0:42:36
Ja klar, also im Grunde weiß man ja schon, dass das über Regulierungen viel gemacht werden kann.
0:42:36–0:42:42
Also und die Politik ist da halt zum, ja die muss ja da mitspielen oder halt auch Initiator sein.
0:42:43–0:42:50
Und was soll ich jetzt sagen? Ich meine, wir haben jetzt ein etwas konservativeres
0:42:50–0:42:55
Regierungsduo, also mit CDU und SPD.
0:42:55–0:43:02
Aktuell ist es schon auch frustrierend, enttäuschend und auch mir macht es manchmal
0:43:02–0:43:03
auch ein bisschen Angst, wenn
0:43:03–0:43:10
man mitbekommt, wie da argumentiert wird und was dort beschlossen wird.
0:43:10–0:43:13
Also da wird schon ordentlich auf die Bremse getreten.
0:43:13–0:43:17
In manchen Bereichen, wie gesagt, das, was du am Anfang gesagt hast,
0:43:18–0:43:21
es gibt halt, also so der Point of No Return ist eigentlich erreicht.
0:43:21–0:43:26
Aber du kannst natürlich jetzt einfach verlangsamen, verschleppen, verhindern,
0:43:27–0:43:28
Das geht.
Florian Clauß
0:43:28–0:43:32
Ja, ich meine, man muss ja nur gucken, wie bestimmte Militärien besetzt sind
0:43:32–0:43:36
und wie da noch die alten fossilen Energiekonsortien drin hängen.
0:43:36–0:43:38
Also das heißt, da kommt es ja auch nicht so einfach raus.
Rolf Behringer
0:43:39–0:43:44
Genau. Ja, und das ist massiv. Also auch die Lobbyarbeit vor Ort in Berlin und
0:43:44–0:43:46
so, da gibt es ja auch Untersuchungen,
0:43:46–0:43:49
wie viele Personen jetzt aus dem
0:43:49–0:43:54
fossilen Lobbybereich auf einen Politiker kommen oder eine Politikerin.
0:43:54–0:43:57
Das sind Dimensionen, das kannst du dir gar nicht vorstellen.
0:43:57–0:44:00
Und natürlich gibt es auch eine erneuerbare Energienlobby, logisch.
0:44:00–0:44:06
Aber die ist halt bei Weitem nicht so ausgeprägt und nicht so hinterfüttert mit Geld.
Florian Clauß
0:44:07–0:44:10
Ja, genau. Das Geld ist natürlich da auch nicht so. Da sind ja auch viele Idealisten
0:44:10–0:44:14
drin, die sich eine schöne Welt vorstellen, eine bessere Welt.
0:44:14–0:44:16
Das ist nicht immer da, wo das Geld sitzt.
Rolf Behringer
0:44:16–0:44:19
Ja, also die Politik kann da wirklich viel machen.
0:44:21–0:44:25
Und letzten Endes auch wir als Bevölkerung. Also man hat ja gesehen,
0:44:25–0:44:30
was da mit der Steckersolar-Balkonsolar-Strategie, was da erreicht werden kann.
0:44:30–0:44:34
Da gab es ja auch Petitionen und dann gab es Vorsprechen im Bundestag.
0:44:34–0:44:38
Also war es gerade vor drei Tagen wieder, wo es um die Speicher geht,
0:44:38–0:44:39
um die kleinen Speicher.
0:44:39–0:44:41
Aber da ist jetzt ein anderer Wind.
0:44:42–0:44:47
Also die erste Petition war noch mit der alten Regierung, mit der Ampel.
0:44:47–0:44:52
Und da gab es schon mehr Fürspruch. Und jetzt habe ich auch den Eindruck,
0:44:52–0:44:55
dass manche Politiker auch gar nicht wirklich kapieren, worum es geht.
0:44:55–0:45:00
Also wenn du sie antworten hörst oder wenn du sie argumentieren hörst.
0:45:01–0:45:06
Dann denkst du einfach, das kann ja wohl nicht sein. Also du hast irgendwie
0:45:06–0:45:10
aber auch deinen Job verfehlt, wenn du so redest.
0:45:10–0:45:14
Wenn du nicht verstanden hast, dass halt zum Beispiel Smart Meter oder auch
0:45:14–0:45:17
die intelligenten Messeinrichtungen, die jetzt gebraucht werden.
0:45:18–0:45:20
Die sind super komplex und auch teuer.
0:45:21–0:45:24
Und es ist im Grunde so ein bisschen mit Kanonen nach Spatzen geschossen.
0:45:24–0:45:29
Wenn du jetzt in dem Bereich von Steckersolar bist. Du hast eine kleine Solaranlage,
0:45:29–0:45:33
einen kleinen Speicher und da kannst du auch netzdienlich sein.
0:45:34–0:45:38
Das heißt, die vielen kleinen Speicher könnten dann rumbekommen,
0:45:38–0:45:42
die könnten sagen, okay, die erkennen das, die wissen ja, der Preis ist günstig,
0:45:42–0:45:44
also lade ich meinen kleinen Speicher jetzt voll.
0:45:45–0:45:49
Und wenn es nur zwei Kilowattstunden sind und dann nutze ich den Strom selbst
0:45:49–0:45:51
oder ich kann ihn auch wieder rausgeben, gegebenenfalls.
0:45:52–0:45:58
Und das kannst du halt auch mit einer sogenannten Smart Meter Light Variante realisieren.
0:45:58–0:46:02
Und das ist auch irgendwas, was in deinem Haushalt passiert.
0:46:02–0:46:03
Du brauchst da keine Überwachung.
0:46:03–0:46:08
Bei den kleinen Geräten braucht nicht der Energieversorger auf deinen kleinen
0:46:08–0:46:11
2 Kilowattstunden Speicher zugreifen. Das macht überhaupt gar keinen Sinn.
0:46:12–0:46:16
Und momentan wird das halt alles in einen Topf geworfen. Bei den großen Speichern
0:46:16–0:46:19
ist das klar, auch bei großen Verbrauchern.
0:46:19–0:46:23
Wenn du eine große Wärmepumpe hast oder so und es ist gerade Stromknappheit,
0:46:23–0:46:28
dann musst Du musst einfach von außen sagen können, wir geben dir gerade mal
0:46:28–0:46:31
keinen Strom für ein paar Stunden, weil er knapp ist, aber danach kannst du ihn wieder haben.
0:46:32–0:46:35
Das lässt sich auch gut umsetzen. Du hast einen Pufferspeicher,
0:46:35–0:46:39
dann wird der ein bisschen stärker entleert und dann kriegst du wieder Strom.
0:46:39–0:46:42
Das lässt sich alles relativ gut regeln.
0:46:43–0:46:47
Aber das ist halt auch wirklich ein Prozess, das ist ein Aushandlungsprozess.
0:46:48–0:46:53
Und es geht nicht nur darum, da auszuhandeln und zu verhandeln,
0:46:53–0:46:54
sondern erstmal aufzuklären.
0:46:55–0:46:58
Manche Leute, da brauchst du echt so, ja, letzten Endes so Institutionen wie
0:46:58–0:47:02
wir, die dann Bildungsarbeit machen und sagen, okay, wir können das relativ
0:47:02–0:47:04
anschaulich erklären, worum es geht.
Florian Clauß
0:47:04–0:47:09
Dieses Grundwissen fehlt teilweise bei den Politikern, die dann darüber entscheiden.
Rolf Behringer
0:47:09–0:47:14
Das sage ich jetzt ohne Vorwurf, weil man kann ja auch nicht alles wissen. Das ist schon okay.
Florian Clauß
0:47:14–0:47:17
Ja gut, aber diejenigen, die die Entscheidung treffen sollten, sollten zumindest...
Rolf Behringer
0:47:17–0:47:19
Die sollten wissen oder die sollten jemand haben, der es weiß.
0:47:20–0:47:21
Und das ist ja auch möglich.
0:47:21–0:47:26
Es gibt ja viele Politikberater, es gibt viele sehr, sehr fitte Menschen hier in unserem Land.
0:47:27–0:47:31
Leider höre ich immer wieder von denen, ich habe echt keinen Bock auf Politik.
0:47:32–0:47:38
Aber andererseits müsste das so sein. Wir müssen eigentlich die fitten Menschen,
0:47:38–0:47:42
die wirklich das ganze System durchdringen und auch Erfahrung haben,
0:47:42–0:47:45
Die müssten unbedingt gehört werden.
Florian Clauß
0:47:45–0:47:46
Ja.
Rolf Behringer
0:47:46–0:47:46
Naja.
Florian Clauß
0:47:47–0:47:54
Ja, also man kann nur darauf hoffen, dass quasi die Schwungmasse für Erneuerbare
0:47:54–0:47:57
so weit angefahren ist, dass das Rad nicht mehr zu stoppen ist.
0:47:57–0:48:01
Und dass dann halt letztendlich diejenigen, die jetzt da noch nicht viel verstanden
0:48:01–0:48:04
haben, dass die dann so mitgerissen werden.
Rolf Behringer
0:48:04–0:48:04
Ja, richtig.
Florian Clauß
0:48:04–0:48:09
Weil da einfach nichts mehr... Ja, ich denke, wenn du dir den europäischen Markt
0:48:09–0:48:13
anguckst, Es gibt ja dann in verschiedenen europäischen Ländern unterschiedliche Strategien.
0:48:14–0:48:19
Also aus den Franzosen kriegst du das Atom nicht raus. Die müssen alles mit Atom machen.
0:48:19–0:48:25
Ja, es ist halt so. Aber es gibt auch da Strategien, wie man eine Erneuerbahn benutzen kann.
0:48:26–0:48:27
Wir sind jetzt wieder hier an
0:48:27–0:48:31
so einer... Die Gebäude sind alle so in den letzten 20 Jahren entstanden.
0:48:31–0:48:36
Das ist auch relativ neu und ist auch eine schöne Bauweise, muss ich sagen.
0:48:37–0:48:39
Und man sieht dann kein Haus ohne Solar.
Rolf Behringer
0:48:41–0:48:43
Ja, und der Witz ist ja eben oben, du siehst ja auf dem Dach,
0:48:43–0:48:48
ist eine große Solarlage drauf und jetzt haben die alle noch nachgerüstet mit
0:48:48–0:48:49
Steckersolar am Balkon.
Florian Clauß
0:48:49–0:48:54
Wie siehst du das mit Thermie, Solarthermie, dass man auch da den Platz,
0:48:54–0:48:57
weil das konkurriert ja dann quasi mit der PV-Einhalte.
Rolf Behringer
0:48:57–0:49:01
Ja, ja, ja. Da ist es total wichtig. Also da gibt es dann halt auch so Aussagen
0:49:01–0:49:03
wie, Thermie ist tot, brauchen wir nicht mehr.
Florian Clauß
0:49:03–0:49:04
Ja.
Rolf Behringer
0:49:04–0:49:08
Und da wäre ich vorsichtig. Also ich tatsächlich bei Häusern,
0:49:10–0:49:13
die auch noch einigermaßen gut gedämmt sind, ich weiß nicht,
0:49:13–0:49:18
ob es eine Rolle spielt, aber da denke ich schon, dass es gut ist,
0:49:18–0:49:22
die gesamte Fläche für Photovoltaik zu nutzen und dann mit einer Wärmepumpe zu arbeiten.
0:49:23–0:49:26
Jetzt sagt jemand, ah nee, aber die Solaranthermie ist viel effizienter.
0:49:26–0:49:28
Und das stimmt natürlich, der Wirkungsgrad von dem Kollektor,
0:49:29–0:49:34
der liegt bei locker 80 Prozent Umwandlung von Sonnenlicht in Wärme.
0:49:35–0:49:37
Und bei einer Wärmepumpe hast du halt Photovoltaik.
0:49:38–0:49:43
Da hast du einen Gesamtwirkungsgrad von 15 oder so Prozent.
Florian Clauß
0:49:44–0:49:45
Über das Jahr dann?
Rolf Behringer
0:49:45–0:49:51
Ja genau, über einen gewissen Zeitraum. Ich sage jetzt halt eben Systemwirkungsgrad,
0:49:51–0:49:53
das ist auch immer wichtig zu unterscheiden.
0:49:53–0:49:56
Natürlich kann man sagen, ein Solarmodul bei mir steht drauf 23 Prozent.
0:49:58–0:50:02
Aber du hast ja dann sowieso nicht immer die 23 Prozent.
0:50:02–0:50:06
Und dann hast du einen Wechselrichter, der einen Verlust hat.
0:50:06–0:50:08
Dann hast du vielleicht noch eine Batterie dazwischen, die Verluste macht und
0:50:08–0:50:11
so weiter. Ja, da summieren sich dann die Verluste.
Florian Clauß
0:50:11–0:50:11
Ja.
Rolf Behringer
0:50:12–0:50:14
Ist schon auch wichtig, da realistisch zu sein.
Florian Clauß
0:50:15–0:50:15
Verstehe.
Rolf Behringer
0:50:15–0:50:16
Genau, aber,
0:50:18–0:50:23
Bei Solarthermie, das wissen die, die eine Anlage haben, die haben manchmal
0:50:23–0:50:24
Sorge, wenn sie in den Urlaub fahren.
0:50:25–0:50:34
Das ist die Zeit, wo die Sonne am längsten da ist, also sehr lange Tage und
0:50:34–0:50:36
auch viel Solar ertragt.
0:50:36–0:50:40
Du brauchst aber gar keine Wärme, weil du bist ja gar nicht da.
0:50:40–0:50:42
Selbst wenn du da bist, willst du nur duschen und Hände waschen,
0:50:43–0:50:44
brauchst du auch keine Heizung.
Florian Clauß
0:50:44–0:50:44
Ja, voll.
Rolf Behringer
0:50:45–0:50:50
Ja, das heißt, du hast zwar einen super Wirkungsgrad, brauchst du aber die ganze Wärme gar nicht.
0:50:50–0:50:55
Und bei einer Wärmepumpe kannst du halt einfach ganz gezielt deinen Speicher
0:50:55–0:51:00
aufheizen mit so viel Wärmeenergie, wie du benötigst und dann ist gut.
Florian Clauß
0:51:00–0:51:04
Ja, du hast halt eine Abstraktionsschicht dazwischen. Bei einer Thermie ist
0:51:04–0:51:08
es halt eins zu eins, wird durchgereicht, dann wird nichts reguliert, wo technisch.
0:51:09–0:51:11
Ja, wenn du dann halt eine Schicht hast, die dann halt Software und so weiter
0:51:11–0:51:16
und Management steuern kann, dann hast du sowas, was du dann halt viel gezielter einsetzen kannst.
0:51:16–0:51:21
Das war auch das erste Mal, wo ich dann tatsächlich so Solar-Termin,
0:51:21–0:51:25
wo ich dann so ein Aha-Erlebnis hatte, dass so Solar funktioniert,
0:51:26–0:51:31
war in den 80ern, Ende 80ern, als ich mit Stuhlfahrt in Jerusalem war.
0:51:32–0:51:38
Und die Altstadt von Jerusalem, dann überall, also das arabische Viertel,
0:51:38–0:51:42
überall mit diesem Termin und dann teilweise selbst gebaut.
0:51:42–0:51:45
Und dann dachte ich so, wow, was ist das? Was haben die denn hier?
Rolf Behringer
0:51:45–0:51:48
Ganz kurze Klammer, hier ist gerade so ein Ziehharmonika-Bus,
0:51:48–0:51:52
ein recht großer, der ist elektrisch betrieben.
Florian Clauß
0:51:52–0:51:54
Ah ja, und wie machen die das?
Rolf Behringer
0:51:55–0:51:58
Da oben, wenn ihr jetzt wegfällt, wirst du es sehen, oben haben die so einen
0:51:58–0:52:03
Verbindungsarm und da fahren die dann halt immer wieder mal zum Laden.
Florian Clauß
0:52:04–0:52:08
Also wenn dann eine Straßenbahntrasse kommt, können die das nicht? Das machen die nicht.
Rolf Behringer
0:52:09–0:52:11
Soviel ich weiß. Die haben eigene Ladestationen.
Florian Clauß
0:52:11–0:52:12
Eigene Ladestationen, ja super.
0:52:13–0:52:19
Also hier ist es auch immer so die Frage von Wasserstoffanträgen.
Rolf Behringer
0:52:19–0:52:19
Genau.
Florian Clauß
0:52:19–0:52:23
Das ist ja auch immer so ein Modul, was wahrscheinlich durchaus sinnvoll ist,
0:52:23–0:52:28
wenn du halt extreme Lasten hast, kannst du das halt irgendwie auch in die Elektrolyse
0:52:28–0:52:30
stecken und hast dann Wasserstoff.
0:52:30–0:52:35
Aber es ist immer noch so, hat noch so ein Halbschatten-Dasein, sage ich mal.
Rolf Behringer
0:52:35–0:52:40
Ja, genau. Also ich hatte früher argumentiert, wenn es um Wasserstoff ging,
0:52:40–0:52:44
habe ich gesagt, also bei Pkw ist es kein Thema.
0:52:45–0:52:49
Ja, da ist einfach das Elektrische und der Akku ist ganz klar im Vorteil.
0:52:51–0:52:54
Bewahrheitet sich jetzt auch. Ja, sehen wir ja auch zu Hunderttausenden.
0:52:55–0:52:58
Und dann habe ich gedacht, ja, aber wo wir denn Wasserstoff sehen werden,
0:52:58–0:53:00
ist wahrscheinlich bei Lkw und Bussen.
Florian Clauß
0:53:00–0:53:01
Genau, das kenne ich auch noch.
Rolf Behringer
0:53:01–0:53:06
Genau. Und was jetzt aber kommt, ist, du siehst jetzt immer mehr Busse und auch LKWs.
0:53:06–0:53:11
Also es gibt so einen YouTuber, das ist ein Elektro-LKW-Fahrer.
0:53:11–0:53:15
Das ist völlig abgefahren, da gucke ich manchmal rein, weil mich das interessiert.
0:53:15–0:53:18
Der spricht über seinen Alltag mit dem Elektro-LKW.
0:53:18–0:53:21
Und dann siehst du halt auch, boah, das ist ja echt unfassbar.
0:53:22–0:53:25
Da passieren jetzt Dinge, die ich einfach überhaupt nicht erwartet hätte.
0:53:26–0:53:30
Dass jetzt auch die großen Fahrzeuge da so unterwegs sind.
0:53:30–0:53:34
Und naja, das weiß ich jetzt nicht genau, wie das weitergeht.
0:53:34–0:53:37
Natürlich gibt es da vielleicht auch noch einen Wettbewerb oder eine Konkurrenz
0:53:37–0:53:40
und es gibt ja auch Sachen, die können parallel existieren.
0:53:40–0:53:42
Das finde ich immer sehr, sehr wichtig.
0:53:43–0:53:49
Also da ist ja auf eine Art das Wort Technologieoffenheit tatsächlich auch wahr. Ja, das stimmt.
0:53:50–0:53:53
Ich meine, das kann man missbrauchen, das Wort, natürlich.
0:53:53–0:53:58
Und das finde ich, das machen manche. Wenn es darum geht,
0:53:58–0:54:04
zum Beispiel eine Wasserstoffinitiative wirklich durchzudrücken politisch und
0:54:04–0:54:11
richtig viel Geld zu investieren in eine Technologie, die aber schon seit 40 Jahren oder 50 Jahren,
0:54:12–0:54:18
schon richtig viel Geld verschlungen hat und ich weiß es noch vor 30 Jahren,
0:54:18–0:54:22
hieß es ja in 10 Jahren ungefähr, da hat jeder so einen Würfel im Keller stehen
0:54:22–0:54:23
und das ist dann Wasserstoff.
0:54:23–0:54:26
Das ist wirklich schon super lange her und wir sind noch weit davon entfernt.
0:54:27–0:54:33
Und es ist halt auch klar, Physik, Wirkungsgrad, Leistung, du hast halt einfach
0:54:33–0:54:36
auch einen ordentlichen Verlust bei der Umwandlung.
0:54:37–0:54:39
Und das heißt, Wasserstoff können wir uns erst dann leisten,
0:54:39–0:54:42
wenn wir viel zu viel Erneuerbare im Netz haben.
0:54:42–0:54:47
Dann macht es wiederum Sinn, dass wir sagen, wenn wir das sowieso im Überfluss
0:54:47–0:54:51
haben, dann können wir natürlich auch Wasserstoff machen, weil Wasserstoff hat
0:54:51–0:54:53
wiederum diverse Vorteile.
0:54:53–0:54:56
Nur wirtschaftlich kann man das momentan einfach noch nicht denken.
Florian Clauß
0:54:56–0:55:00
Aber wenn die Entwicklung mit den erneuerbaren Energien so weitergeht,
0:55:00–0:55:02
dann ist es ja durchaus eine Möglichkeit.
0:55:02–0:55:06
Dann hast du ja dieses Feld, wo du wieder abschöpfen kannst.
Rolf Behringer
0:55:06–0:55:06
Ja, ganz genau.
Florian Clauß
0:55:07–0:55:13
Dann wieder in Kryptowährungen investieren. Nein, nein, das darf man nicht machen.
0:55:13–0:55:15
Das ist auch nicht nachhaltig.
0:55:15–0:55:17
Kein Tipp zum Nachmachen.
Rolf Behringer
0:55:17–0:55:21
Für mich ist es schon ein bisschen schwierig. Meine Kryptowährung hat ja auch
0:55:21–0:55:25
so ein bisschen was underground-mäßiges. Und was, wie soll ich sagen?
Florian Clauß
0:55:26–0:55:26
Libertäres.
Rolf Behringer
0:55:26–0:55:30
Ja, aus innovativ oder was auch immer.
0:55:30–0:55:35
Aber ich weiß einfach, wie viel Energie da verballert wird. Das tut mir so weh.
Florian Clauß
0:55:35–0:55:40
Das geht halt gar nicht. Und ich meine auch da, wo Kryptowährung eingesetzt
0:55:40–0:55:45
werden kann, es ist halt 90 bis 95 Prozent ist halt Ransomware,
0:55:46–0:55:49
irgendwelche Waffenhandel oder es ist alles illegal.
0:55:50–0:55:55
Also ich meine, es hat irgendwie genauso wie Blockchain, alle haben davon geredet
0:55:55–0:55:58
und alle wollten es irgendwie nutzbar machen, aber es hat nichts gebracht.
0:55:58–0:56:03
Und jetzt, ein Gegenbeispiel ist eben PV, wo sich das halt wirklich so in die
0:56:03–0:56:05
Bevölkerung, in die Fläche eingetreten hat.
0:56:06–0:56:11
Und das ist ein bisschen wie so ein Drumcomputer, wo du erzählt hast,
0:56:11–0:56:15
dass jetzt auf einmal so Formen entstehen, die man vorher überhaupt nicht für möglich gehalten hat.
0:56:16–0:56:19
Ein Drumcomputer, der erst mal nur den Drummer ersetzen wollte und auf einmal
0:56:19–0:56:22
sind dann ganz viele neue Musikströmungen daraus entstanden.
0:56:22–0:56:28
Ja, es ist halt so, jetzt auf einmal können wir mit PV, können wir mit Omnibus fahren.
Rolf Behringer
0:56:28–0:56:29
Ja, ein schönes Bild, ja.
Florian Clauß
0:56:29–0:56:33
Und wenn die Technologie erstmal da ist und im Markt verbreitet,
0:56:33–0:56:36
dann passieren halt Sachen. Und das ist diese Technologieoffenheit.
0:56:36–0:56:40
Wasserstoff ist natürlich immer irgendwie noch, das kannst du nicht alleine
0:56:40–0:56:41
in deinem Haushalt machen.
0:56:41–0:56:46
Einfach die Gefahrenauflagen sind zu hoch mit Wasserstoff, dass jeder seinen
0:56:46–0:56:48
kleinen Wasserstoff-Kubus hat.
0:56:49–0:56:54
Das will man nicht unbedingt haben. Du hast ja überall Module bei dir rumstehen,
0:56:54–0:56:59
eben auch in den Seminarraum standen wieder ganz viele Module.
0:56:59–0:57:04
Das ist ja irgendwie da verfügbar und man kann es ja dann auch nach einem Lebenszyklus
0:57:04–0:57:11
auf dem Dach noch weiterverwerten für pädagogische oder für Bastelprojekte.
Rolf Behringer
0:57:11–0:57:12
Ja, genau.
0:57:13–0:57:16
Ja, und der Recyclinganteil wird ja auch immer höher und optimierter.
0:57:16–0:57:20
Ja, also da gibt es ja auch immer die Diskussion, früher hieß es ja,
0:57:20–0:57:25
die Solarmodule sind Sondermüll und so weiter, aber das ist überhaupt gar nicht
0:57:25–0:57:26
der Fall, also bei den Standardmodulen.
0:57:27–0:57:31
Dann lässt sich das jetzt auch immer besser recyceln. Problem war,
0:57:31–0:57:36
neulich war ich bei so einem Vortrag dabei, da hat so eine Recycling-PV,
0:57:36–0:57:40
eine Modulrecyclingfirma berichtet, dass es für die jetzt erst interessant wird,
0:57:40–0:57:42
weil jetzt kommen genügend Module.
0:57:42–0:57:45
Also die müssen halt auch eine bestimmte Menge haben, um zu recyceln.
Florian Clauß
0:57:45–0:57:47
Also eine kritische Masse, dass du dann irgendwie anfängst.
Rolf Behringer
0:57:47–0:57:52
Und deshalb können die jetzt halt auch wirtschaftlich sinnvoll Solarmodule recyceln.
Florian Clauß
0:57:53–0:57:53
Ja, super.
Rolf Behringer
0:57:53–0:57:56
Und ähnlich verhält es sich mit den Batterien, die Akkus.
0:57:57–0:58:03
Da ist auch ein relativ hoher Recyclinggrad möglich, aber auch da brauchst du
0:58:03–0:58:04
halt auch eine gewisse Menge.
0:58:04–0:58:09
Und das kommt jetzt natürlich alles. und dann Stichwort Stoffkreislauf,
0:58:09–0:58:14
wenn einfach dann wieder aus den vielen Batterien, die irgendwann mal dann in
0:58:14–0:58:15
den Recyclingprozess gehen,
0:58:16–0:58:24
sagen wir mal, ich sag 80 bis 90 Prozent recycelt werden kann und in den Stoffkreislauf zurückkommt,
0:58:25–0:58:27
naja, dann sind wir irgendwie ganz anders unterwegs.
0:58:27–0:58:32
Und das lässt sich dann einfach überhaupt nicht mehr vergleichen mit der fossilen Energiewirtschaft.
Florian Clauß
0:58:32–0:58:33
Absolut.
Rolf Behringer
0:58:33–0:58:36
Ja, wenn du da überlegst, was wir da für Schäden angerichtet haben und noch
0:58:36–0:58:40
weiter anrichten werden, da ist einfach der Unterschied ist so gravierend.
0:58:41–0:58:45
Dass das, glaube ich, jeder und jede erkennen kann.
0:58:46–0:58:48
Und da brauchst du nicht grün oder öko sein oder sonst irgendwas,
0:58:49–0:58:52
sondern einfach nur deinen Verstand einsetzen.
Florian Clauß
0:58:52–0:58:55
Ja, ich glaube auch, da ist es wieder so, der Markt regelt das,
0:58:55–0:58:57
was lange irgendwie so ein FTP-Spruch war.
0:58:57–0:59:00
Aber in dem Bereich finde ich das ja absolut nachvollziehbar,
0:59:00–0:59:05
wo sich auch so kleine Startups mit Ideen durchsetzen können, weil es halt,
0:59:05–0:59:09
ich sage mal jetzt Low-Tech in Anführungsstrichen, Aber du kannst halt mit den
0:59:09–0:59:13
Komponenten, kannst halt das, was dann hinten rausfällt, kannst du da sicher
0:59:13–0:59:15
noch irgendwelche Ideen dann entwickeln,
0:59:15–0:59:20
die du irgendwie später dann halt verwerten kannst und wo dann halt Sachen entstehen,
0:59:20–0:59:22
die du vorher überhaupt nicht gedacht hast, die entstehen können.
Rolf Behringer
0:59:22–0:59:28
Das ist ja auch der Punkt, der ja zum Teil vergessen wird, dass ja auch viele
0:59:28–0:59:30
Sachen noch gar nicht existieren.
0:59:30–0:59:33
Also wir können natürlich nicht in die Glaskugel schauen und sagen,
0:59:34–0:59:37
naja, die Lösung, die wird sicher noch kommen oder so.
0:59:37–0:59:41
Aber es werden Sachen entstehen und weiterentwickelt werden,
0:59:41–0:59:42
von denen wir heute noch nichts wissen.
0:59:43–0:59:47
Die aber einfach zur besseren Lösung beitragen werden. Das ist ganz klar,
0:59:47–0:59:49
das hat sich ja auch ein Stück weit gezeigt.
Florian Clauß
0:59:50–0:59:54
Ja, das ist für mich, also ich muss noch mal als Beispiel, haben wir ja schon ein paar Mal erwähnt,
0:59:55–0:59:58
dann jetzt für Lastspitzen die Elektroautos zu nehmen.
0:59:59–1:00:01
Als ich das erste Mal davon gehört habe, ich weiß nicht, das war vor drei,
1:00:02–1:00:05
vier, fünf Jahren, war das für mich ein totales Aha-Erlebnis.
1:00:06–1:00:11
Also wir bauen Erneuerbare auf, die sind natürlich saisonal und so weiter gekoppelt
1:00:11–1:00:14
und es gibt bestimmte Zeiten, wo wir das dann halt speichern und wir haben eine
1:00:14–1:00:16
Möglichkeit durch die Elektroautos.
1:00:17–1:00:20
Klar, vorher weiß ich nicht, ob man das sich ausgedacht hat,
1:00:20–1:00:25
aber das fand ich halt so, das hat sich gefügt. Das absolut Sinn macht.
Rolf Behringer
1:00:25–1:00:30
Und der Gedanke war sicher nicht da, als jemand angefangen hat sich ein Elektroauto auszudenken.
1:00:30–1:00:35
Das war einfach technisch überhaupt nicht denkbar und die Akkus waren klein und so.
1:00:35–1:00:40
Es gab ja auch schon mal so eine erste Phase, also eine zweite Phase muss man sagen.
1:00:40–1:00:44
Die allerersten Autos waren ja Elektroautos und dann sind die ganz schnell verdrängt
1:00:44–1:00:48
worden aufgrund von der Energiedichte der fossilen Energien.
1:00:48–1:00:49
Ganz klar, nachvollziehbar.
1:00:50–1:00:52
Und dann gab es so in den,
1:00:53–1:00:58
Was waren das? 90er, 80er, 90er Jahre? Da gab es zum Beispiel ein Elektroauto
1:00:58–1:01:00
Hotzenblitz, das war total interessant.
1:01:00–1:01:07
Hat auch funktioniert, aber die Akkutechnik war bei weitem nicht so weit. Oder der City L.
1:01:07–1:01:11
Das sind so ein paar Elektroautos, die viele würden sagen, das sind ja keine
1:01:11–1:01:13
Autos, sind viel zu klein und so.
1:01:13–1:01:17
Und die sind aber eigentlich wieder verschwunden, bis auf ein paar Liebhaber-Geschichten.
1:01:17–1:01:20
Also der erste Versuch mit den Elektroautos hat gar nicht funktioniert.
1:01:21–1:01:27
Und jetzt, 30 Jahre später oder was ungefähr, kommen plötzlich dann Autos,
1:01:27–1:01:31
wo du denkst, das ist ja total übertrieben. Also so groß müssen sie jetzt auch nicht sein.
1:01:31–1:01:36
Und das funktioniert dann aber jetzt plötzlich mit der neuen Akkutechnik.
1:01:36–1:01:41
Und plötzlich versteht man halt auch, dass die Effizienz von einem Elektromotor,
1:01:41–1:01:46
einem Diesel- oder einem Verbrennermotor allgemein, total überlegen ist.
Florian Clauß
1:01:46–1:01:51
Ja, und dann kommt halt diese Masse auch wieder an Autos auf den Markt,
1:01:51–1:01:55
wo du dann halt genau solche Sachen, dass du so viel Speicherkapazität dann
1:01:55–1:01:56
halt entstehen kannst erstmal.
Rolf Behringer
1:01:56–1:01:57
Ja, genau.
Florian Clauß
1:01:57–1:02:01
Also es ist dann wieder so eine andere Masse und wenn eine Masse da ist auf
1:02:01–1:02:05
dem Markt, dann gibt es halt wieder so innovative Ideen, die das weiterverwerten können.
Rolf Behringer
1:02:05–1:02:12
Also auch die Tatsache, dass zum Beispiel, wenn eine Autobatterie bei 70 Prozent
1:02:12–1:02:16
der ursprünglichen Speicherkapazität ankommt, dann möchte man die eventuell
1:02:16–1:02:19
austauschen. Gerade wenn die Akkus klein sind.
1:02:20–1:02:25
Dann ist der Akku aber immer noch nicht kaputt, sondern er kann als stationärer
1:02:25–1:02:27
Speicher irgendwo anders weitermachen.
1:02:27–1:02:30
Ja, das ist ja auch die Second Life Idee.
1:02:31–1:02:35
Und auch das kam ja auch später dazu, als man verstanden hat,
1:02:37–1:02:41
das ist ja immer noch, wenn überleg dir, du hast eine 50 oder 60 Kilowattstunden
1:02:41–1:02:44
Akku und der kann nur noch 70 Prozent speichern.
1:02:44–1:02:48
Ja, das ist immer noch viel mehr als mein Speicher, der ich jetzt im Keller
1:02:48–1:02:55
habe. Also von daher wäre ich sofort dankbar, meinen Speicher zu erweitern mit
1:02:55–1:02:57
einer älteren Autobatterie.
Florian Clauß
1:02:58–1:03:02
Wir laufen jetzt über den Zubringer oder was ist das hier?
Rolf Behringer
1:03:03–1:03:07
Ja genau, das ist so, der kommt aus dem Süden und da fahre ich morgens immer
1:03:07–1:03:10
zur Arbeit in die Richtung.
1:03:11–1:03:13
Und dann stauen sich hier immer die Autos.
Florian Clauß
1:03:14–1:03:16
Und du bist nicht einer davon. Genau.
Rolf Behringer
1:03:17–1:03:20
Ich freue mich dann über die Erfindung des Fahrrads.
Florian Clauß
1:03:20–1:03:28
Also das eine ist halt, wir sehen so langsam, dass sich diese Zukunft,
1:03:30–1:03:34
eben emissionsfrei in der Energiewirtschaft zu sein, dass sich das nach und
1:03:34–1:03:36
nach dann auch so jetzt bewahrheitet.
1:03:36–1:03:42
Auf der anderen Seite wissen wir, dass wir den Verbrauch oder ich sag mal,
1:03:42–1:03:46
unsere Gewohnheiten auch ändern müssen, um die Welt zu retten.
1:03:47–1:03:52
Was denkst du, Rolf, jetzt, wenn wir das, jetzt fühlt sich das ja alles so an,
1:03:52–1:03:57
weißt du, das Elektroauto, in welchen Dimensionen auch immer, das löst ja.
1:03:58–1:04:02
Wir müssen ja nicht mehr so viel aus der Komfortzone raus, ja,
1:04:02–1:04:07
es gibt das halt alles, auch die Elektroautos wurden ja viel zu groß gebaut jetzt,
1:04:08–1:04:14
ne, und irgendwie muss die wahrscheinlich was hermachen, so wie halt das vegane
1:04:14–1:04:18
Essen ganz viel Burger und Gyro simuliert hat, um zu sagen, hey,
1:04:18–1:04:21
ich bin das Richtige, ich bin richtig würzig, ne,
1:04:22–1:04:26
so eine Elektroauto, Ich bin der richtige SUV, um sich dann halt irgendwie so
1:04:26–1:04:30
von deinen alten fossilen Vorgängern dann halt absetzen zu können.
1:04:31–1:04:33
Aber um halt auch Akzeptanz zu
1:04:33–1:04:36
kriegen. Die Frage ist, müssen wir unser Verhalten überhaupt noch ändern?
1:04:36–1:04:40
Oder regelt das der Lache? Ich meine, das ist immer so eine Frage von,
1:04:40–1:04:42
wie viel kann ich im Jahr fliegen?
1:04:43–1:04:47
Ich habe es jetzt auch wieder so am eigenen Leib erfahren.
1:04:48–1:04:52
Wir sind nach Portugal und der Deal ist immer eine Strecke fliegen.
1:04:52–1:04:55
Und die andere Strecke mit Zug zurück.
1:04:55–1:05:01
Auf dem Rückweg planen wir fünf bis sechs Tage ein, verbinden das auch mit Städte,
1:05:01–1:05:02
Besichtigung und so weiter.
1:05:03–1:05:07
Macht alles Spaß, aber ist es halt vielfach teurer als Fliegen.
1:05:08–1:05:11
Und die Frage ist, wenn ich jetzt aktiv aufs Fliegen verzichte.
1:05:12–1:05:17
Tue ich mit meinem Verhalten, mit meinem Konsumverhalten, tue ich da irgendwas
1:05:17–1:05:22
wirtschaftlich zur besseren Welt beitragen?
1:05:22–1:05:27
Oder muss man da nicht doch auf den Markt und die Politik vertrauen,
1:05:27–1:05:31
wie sich das jetzt in dem Feld der PV schon so ein bisschen abgezeichnet hat?
Rolf Behringer
1:05:32–1:05:33
Naja, wie...
Florian Clauß
1:05:33–1:05:37
Also Politik stelle ich mir aber jetzt, wie wir es gerade so ein bisschen rausgearbeitet haben.
Rolf Behringer
1:05:38–1:05:45
Aber da wieder wie sonst auch. Also es gibt halt für mich nicht die eine oder
1:05:45–1:05:47
die andere Geschichte, sondern beides ist wichtig.
1:05:48–1:05:54
Und wir haben ja gesehen, die ganze Entstehung mit dem Steckersolarsystem,
1:05:54–1:06:00
die Bewegung, die ist entstanden von unten.
1:06:00–1:06:03
Das war wirklich so eine Grassroots-Bewegung.
1:06:04–1:06:06
Und dann ist die Politik nachgezogen.
1:06:07–1:06:12
Und wir hatten diverse, du hast auch diverse Beispiele gebracht,
1:06:12–1:06:14
wo die Masse es dann ausmacht.
1:06:14–1:06:18
Und du sagst, ja, wenn es so und so viele im Markt sind und da ist es halt genauso.
1:06:18–1:06:22
Nur ist es halt nicht der Markt, sondern vielleicht der Antimarkt,
1:06:22–1:06:24
wenn du keine Flugtickets kaufst.
1:06:24–1:06:28
Ja, du sagst, du entscheidest dich dafür, es nicht zu tun.
1:06:28–1:06:31
Aber wenn das halt Millionen machen, dann hat das halt auch eine Wirkung.
1:06:31–1:06:35
Also von daher finde ich schon, dass wir uns dessen bewusst sein sollten,
1:06:35–1:06:37
dass es doch sinnvoll ist.
1:06:37–1:06:40
Weniger zu fliegen. Wollte dich gerade fragen, ob denn das Ergebnis dann ist,
1:06:40–1:06:43
dass du dann halt zweimal nach Portugal gehst statt einmal.
1:06:44–1:06:48
Das ist ja dann der bekannte Rebound-Effekt. Dann hat es halt auch nicht viel geholfen.
1:06:49–1:06:54
Aber klar, ich denke, die ursprüngliche Frage war ja, können wir einfach in
1:06:54–1:06:55
unserer Komfortzone bleiben?
1:06:57–1:06:59
Naja, und das ist die Frage, was ist Komfort? Also ich glaube nicht,
1:07:00–1:07:05
dass es so weitergeht. Wir können nicht so weitermachen, weil der Ressourcenverbrauch
1:07:05–1:07:10
und der Materialumsatz ist einfach zu hoch auf unserem Planeten.
1:07:11–1:07:14
Und deshalb müssen wir gucken, wie wir das machen.
1:07:14–1:07:18
Und das hat dann letzten Endes, und das ist wieder, sagen wir mal,
1:07:18–1:07:22
ein wichtiges, aber unangenehmes Thema, und da kriegen manche ja auch gleich
1:07:22–1:07:25
einen roten Kopf, ist halt die Frage der sozialen Gerechtigkeit.
1:07:26–1:07:30
Also wie ist es denn verteilt?
1:07:30–1:07:35
Wie sind denn die Mittel, die Möglichkeiten und die Chancen auf unserem Planeten
1:07:35–1:07:37
verteilt oder auch in unserer Gesellschaft?
1:07:37–1:07:41
Das ist, glaube ich, ein ganz, ganz wichtiges Thema, das bei uns ansteht.
1:07:41–1:07:46
Weil die Schere zwischen Reich und Arm, das höre ich auch schon seit 30 Jahren, wird immer größer.
1:07:46–1:07:51
Und es ist so, ich weiß nicht, ob der Markt oder irgendeine Dynamik,
1:07:51–1:07:53
glaube ich, wird das auch regulieren.
Florian Clauß
1:07:54–1:07:58
Ja, aber gleichzeitig sehen wir da so eine Verdichtung, dass natürlich,
1:07:58–1:08:03
wenn du dir jetzt die großen Social-Media-Konzerne anguckst,
1:08:03–1:08:09
wo sich das total aggregiert und gerade in die Hände von Tech-Milliardären fällt,
1:08:09–1:08:11
und die dann eine Macht bekommen,
1:08:13–1:08:19
die dann halt auch wieder ein Verhalten beeinflussen kann, dass es ja genau
1:08:19–1:08:20
der gegenteilige Effekt ist.
1:08:20–1:08:25
Und das heißt, da ist nicht irgendwie einer von vielen, sondern einer regiert viele.
1:08:26–1:08:33
Und das ist wirklich so in Person. Wenn Elon Musk dann seiner KI bestimmte Sachen
1:08:33–1:08:37
beibringt, die er gerne haben möchte, weil das seinem Weltbild entspricht und
1:08:37–1:08:39
davon Milliarden dann halt betroffen sind,
1:08:40–1:08:45
dann hast du eine Eins-zu-Milliarden-Beziehung, die völlig krank ist.
Rolf Behringer
1:08:45–1:08:47
Ja, absolut.
Florian Clauß
1:08:47–1:08:52
Wie will man da ran? Ja, also da ist die Frage der Machtverteilung,
1:08:52–1:08:58
um das irgendwie auflösen zu können, da fühlt man sich ja machtlos.
Rolf Behringer
1:08:58–1:09:04
Ja, ja, genau. Ja, das ist dann natürlich nochmal ein komplett neues Fass, was du aufmachst.
1:09:04–1:09:06
Und zwar ein Riesenfass mit den
1:09:06–1:09:12
Tech-Milliardären und mit der Beeinflussungsmöglichkeit, die sie haben.
1:09:12–1:09:15
Das ist ja Wahnsinn, wie du gerade beschrieben hast.
Florian Clauß
1:09:15–1:09:21
Ja, und wenn jetzt auch noch TikTok von dem einen Milliardär da in Amerika gekauft
1:09:21–1:09:29
wird, dann hast du ja quasi dann eine ganze Konzentration der sozialen Medien aufgestellt.
1:09:30–1:09:33
Auf ein paar Personen. Das finde ich halt so absurd.
1:09:34–1:09:38
Und das ist halt auch wirklich eine weltweite Verbreitung von diesen Medien.
1:09:38–1:09:44
Also wie viele TikTok benutzen, wie viele Instagram, wie viele Twitter nehmen und so bei X.
1:09:44–1:09:48
Und die Meinungsmacht ist halt enorm. Und wie sich das auswirkt,
1:09:49–1:09:54
wie die Algorithmen wirken und wie jetzt auch nachkommende Generationen da rangezogen
1:09:54–1:09:55
werden, das zu benutzen.
1:09:56–1:09:58
Da werde ich so wieder so ein bisschen dystopisch.
Rolf Behringer
1:09:58–1:09:58
Ja.
Florian Clauß
1:09:58–1:09:59
In dem Beispiel.
Rolf Behringer
1:09:59–1:10:00
Ja, da bin ich ganz bei dir.
Florian Clauß
1:10:01–1:10:05
Weiß ich auch nicht, wie kriegen wir das gefixt? Und da rennt quasi die Welt
1:10:05–1:10:07
so ein bisschen in den Abgrund rein.
1:10:07–1:10:12
Auf der anderen Seite haben wir ja auch Beispiele genannt, wo wir ein bisschen
1:10:12–1:10:13
Licht am Horizont sehen.
1:10:13–1:10:19
Ja, und hoffen, dass sich das jetzt auch... Das hatte ich halt wirklich so lange
1:10:19–1:10:21
Zeit dann als Bild im Kopf,
1:10:22–1:10:29
dass wir in diesem Klimawandel dann...
1:10:29–1:10:33
Und dass wir es halt eben nochmal so richtig zum Guten wenden können.
1:10:33–1:10:38
Aber jetzt finde ich schon, dass man sich mit bestimmten Sachen einschränkt.
1:10:38–1:10:42
Und natürlich muss man doch erwarten, da wird es nicht drumherum kommen.
1:10:42–1:10:47
Und wenn auch solche, was du jetzt gesagt hast, lokale Gemeinschaften und diese
1:10:47–1:10:50
Verbundenheit, das wird eine wichtige Rolle spielen.
1:10:50–1:10:56
Dass man dann halt Kühlräume hat, wo man dann halt in Hochzeiten zusammenkommen kann.
Rolf Behringer
1:10:56–1:10:56
Ja, genau.
Florian Clauß
1:10:56–1:11:01
Und dann halt Gemeinschaften, die dann halt gekühlt wird. Und dann stärkt das
1:11:01–1:11:08
ja auch die Gemeinschaft, die lokale Community und dann, dass man tatsächlich irgendwie,
1:11:09–1:11:16
in 10 bis 15 Jahren 100% erneuerbarer hat und vielleicht in 20 Jahren CO2-frei ist.
1:11:17–1:11:23
Irgendwie, dass sie für Europa doch noch vielleicht noch zu Lebzeiten mitbekommen
1:11:23–1:11:25
kann. Das wäre mein Wunsch.
Rolf Behringer
1:11:25–1:11:32
Ja, meiner auch. Ja, klar. Also es gibt echt viele Gefahrenzeichen.
1:11:33–1:11:36
Bei mir war dann irgendwann auch klar, naja, das ist auch schön.
1:11:36–1:11:40
Also vorhin hatte ich gesagt, wir müssen auch Wärme und Mobilität mit berücksichtigen
1:11:40–1:11:41
und da sieht es nicht so gut aus.
1:11:42–1:11:46
Und wenn man nochmal ein bisschen eine Etage höher fährt, dann gucken wir die
1:11:46–1:11:48
erneuerbaren Energien an, den Energiesektor.
1:11:48–1:11:53
Aber plötzlich merken wir, okay, wir haben Artenvielfalt als Thema.
1:11:54–1:11:57
Wir haben Wasser, sauberes Trinkwasser als Thema.
1:11:58–1:12:04
Böden, Böden etc. Es gibt einfach noch viele weitere große Baustellen,
1:12:04–1:12:08
die letzten Endes überlebensrelevant sind für uns Menschen.
1:12:09–1:12:16
Und da muss ich mir manchmal echt ganz viel Kraft geben.
1:12:17–1:12:23
Und Fantasie erholen, um nicht dann einfach in Dystopie abzustürzen.
Florian Clauß
1:12:24–1:12:29
Ja, vor allen Dingen für eine von diesen Baustellen brauchst du auf jeden Fall
1:12:29–1:12:34
eine funktionierende Governance von deinem System, um das überhaupt wuppen zu können.
1:12:34–1:12:40
Um halt irgendwie auch so da die ganze Infrastruktur zu haben, um das zu lösen.
1:12:40–1:12:46
Und wenn aber eins davon wegbricht, man ist dann halt schnell in so einer Infrastruktur-Apokalypse
1:12:46–1:12:49
drin, dann kriegst du überhaupt nicht mehr dieses Energielevel hin,
1:12:49–1:12:52
um dann halt auch das angehen zu können.
1:12:52–1:12:56
Und das ist halt so das, was mich da beunruhigt. Ja, ich glaube,
1:12:56–1:12:59
das ist so ein bisschen das Resümee,
1:12:59–1:13:05
dass man im Solarpunk, dass man da seine lokalen, haben wir ja gerade schon gesagt,
1:13:06–1:13:12
dass man seine Community festigt und guckt, wie man halt wirklich so im Lokalen
1:13:12–1:13:15
wirtschaften kann und sich da auch entsprechend aufsteigen kann.
1:13:17–1:13:20
Und hier ist auch ein Beispiel für Petro Maskulinität.
1:13:22–1:13:27
Im Hintergrund hat man vielleicht noch gehört. Das, was ich auch nicht verstehe,
1:13:28–1:13:30
Motorradfahren, das extra laut ist.
1:13:31–1:13:35
Ach ja, Rolf, wie kommen wir jetzt hier wieder raus in die solare Zukunft,
1:13:35–1:13:39
in die schöne shiny Welt?
Rolf Behringer
1:13:39–1:13:46
Ja, ich denke, für mich war es dann schon auch wichtig, dass ich dann einfach
1:13:46–1:13:51
die Alltagspraxis haben kann, die mir nach wie vor halt Freude macht.
1:13:52–1:13:58
Also selbst der einfache primitive Solarkocher, der dann bei Sonnenlicht halt
1:13:58–1:14:02
auch zum Einsatz kommt, also natürlich nicht immer und so weiter.
1:14:03–1:14:05
Wir haben ja inzwischen auch mit der Photovoltaikanlage und dem Speicher,
1:14:05–1:14:10
können wir halt sowieso fast immer Solarkochen im Haus. Aber ja,
1:14:12–1:14:17
Einfach Dinge tun, die mir Spaß machen, die ich sinnhaft finde.
1:14:18–1:14:24
Ich habe für mich auch noch stärker die Natur entdeckt.
1:14:25–1:14:28
Ich gehe einfach total gern in den Wald und bin gern unter Bäumen.
1:14:30–1:14:33
Das sind Sachen, wo ich gemerkt habe, das tut mir gut.
1:14:33–1:14:41
Weil es gab und gibt halt einfach auch Momente, wo du dich dann wirklich fragst, wo führt das Ganze hin?
1:14:42–1:14:45
Macht das Ganze Sinn? Also macht meine Arbeit überhaupt Sinn?
1:14:45–1:14:52
Ja, wenn halt irgendwie kurzerhand irgendwie da bombardiert wird.
1:14:52–1:15:01
Ich will nicht wissen, was ein Tag Krieg in Palästina an Klimakollateralschaden mit sich bringt.
1:15:01–1:15:06
Das ist halt schon richtig frustrierend dann, wenn du denkst, was machen die denn da?
Florian Clauß
1:15:06–1:15:15
Millionen, was da in die Luft geballert wird und der ganze Schaden und ja natürlich die Menschenleben.
Rolf Behringer
1:15:15–1:15:21
Genau, deshalb ist es dann halt umso schöner, wenn dann der Podcaster Florian
1:15:21–1:15:25
eine Strecke mit dem Zug macht und deshalb auch einen Freiburg-Stock macht.
Florian Clauß
1:15:26–1:15:31
Sehr schön, schöner Wogen, ja. Ja, klar. Tja.
1:15:32–1:15:36
Demnächst vielleicht auch zweimal auf dem Hin- und Rückweg.
Rolf Behringer
1:15:37–1:15:41
Nee, du wirst nur einmal empfangen. Ich unterstütze keinen Rebound-Effekt.
Florian Clauß
1:15:42–1:15:43
Das war das, ja.
1:15:46–1:15:51
Ja, vielleicht können wir noch mal so ein bisschen, weil wir laufen ja zum Solarhaus.
Rolf Behringer
1:15:51–1:15:52
Genau, ist nicht mehr ganz so weit.
Florian Clauß
1:15:52–1:15:58
Ist nicht mehr ganz so weit. Und wir laufen die ganze Zeit auf diesen Hochgeschwindigkeitsautobahnen
1:15:58–1:16:03
von Fahrradanlang. Ich hatte gerade die Vision, dass uns ein Fahrradfahrer anschreit.
1:16:04–1:16:07
Bei mir auf der Autobahn. Das ist ein Fahrradweg!
1:16:09–1:16:12
Genau, umgekehrt. Fahr doch auf dem Fahrradweg, das ist einer.
1:16:14–1:16:18
Es ist ja gut, dass es die gibt. Aber man muss ein bisschen aufpassen.
Rolf Behringer
1:16:19–1:16:19
Ja, schon.
Florian Clauß
1:16:20–1:16:26
Wir haben Solar, das von den Vereinsnamen Solare Zukunft. Zukunft wäre jetzt
1:16:26–1:16:30
die Frage, was hast du noch vor mit dem Verein?
Rolf Behringer
1:16:30–1:16:31
Ja, genau.
Florian Clauß
1:16:31–1:16:33
Was könnte da sich noch auftun?
Rolf Behringer
1:16:33–1:16:38
Also wir hatten ja den Namen verändert. Der Verein hatte angefangen mit Förderverein
1:16:38–1:16:39
für angewandte Solartechnik.
1:16:39–1:16:42
Das klingt ja ingenieurhaft.
1:16:43–1:16:46
Genau, so war das auch so. Also irgendwelche Männer natürlich,
1:16:46–1:16:48
Arbeitsgruppen und so weiter.
1:16:48–1:16:51
Ja, übrig geblieben ist dann wirklich nur noch der Bereich Pädagogik.
1:16:51–1:16:55
Die anderen Arbeitsgruppen, Kollektortechnik, Photovoltaik, Elektromotorantriebe,
1:16:55–1:16:59
was wir in dem Verein gemacht haben, wurde ja dann letzten Endes im Forschungsbereich
1:16:59–1:17:03
absolut vertieft und professionell weiterentwickelt.
1:17:04–1:17:07
Also deshalb haben sich die Arbeitsgruppen dann irgendwann aufgelöst.
Florian Clauß
1:17:07–1:17:10
Also ihr habt da auch Startups quasi abgespeiten?
Rolf Behringer
1:17:10–1:17:16
Ja, tatsächlich. In der Kollektor-Technik hatten wir eine Firma, die da entstanden ist.
1:17:17–1:17:21
Und dann haben wir 2007 gesagt, entweder lösen wir den Verein auf,
1:17:21–1:17:23
weil die Technik ist jetzt bekannt.
1:17:23–1:17:25
Also wir müssen nicht mehr die angewandte Solartechnik fördern.
Florian Clauß
1:17:25–1:17:26
Okay.
Rolf Behringer
1:17:26–1:17:29
Oder aber wir sagen, es gibt noch andere Ziele.
1:17:30–1:17:33
Und dann war halt klar, okay, die Technik ist jetzt bekannt und viele arbeiten
1:17:33–1:17:37
darin, aber es ist noch lange nicht irgendwie auf dem Markt oder die Menschen,
1:17:38–1:17:41
also die Zivilbevölkerung erkennt das ja auch noch gar nicht.
1:17:41–1:17:45
Also deswegen Pädagogik. Deshalb Pädagogik und deshalb dann zu sagen,
1:17:45–1:17:47
okay, neuer Name, solare Zukunft, da wollen wir hin.
Florian Clauß
1:17:47–1:17:48
Ah ja, toll.
Rolf Behringer
1:17:48–1:17:52
Und wir hatten jetzt tatsächlich wieder die Diskussion, ist der Name noch okay,
1:17:52–1:17:54
wie du vorhin schon angedeutet hast.
1:17:54–1:17:57
Leben wir nicht schon in einer solaren Zukunft? Ansatzweise nur.
Florian Clauß
1:17:58–1:17:58
Ja.
Rolf Behringer
1:17:58–1:18:03
Deshalb, für mich war dann irgendwann ganz klar, der Name kann bleiben und wir
1:18:03–1:18:06
wollen eine viel deutlichere und eine konsequentere Solar-Zukunft.
1:18:07–1:18:12
Also wie gesagt, Mobilität, Wärmewende, ist alles noch in den Kinderschuhen.
1:18:13–1:18:15
Da muss noch richtig viel passieren.
Florian Clauß
1:18:15–1:18:16
Und was könnte da passieren?
Rolf Behringer
1:18:19–1:18:22
Naja, wir hatten es ja schon angesprochen. Also der Mobilitätssektor muss halt
1:18:22–1:18:26
radikal dekarbonisiert werden, also raus mit den Verbrennern.
1:18:26–1:18:30
Und dann, also ich habe schon früher immer gesagt, ja man muss dann gucken,
1:18:30–1:18:32
wo muss man eventuell Ausnahmen machen.
1:18:33–1:18:36
Ist es vielleicht sinnvoll, noch Feuerwehrautos, Krankenwägen oder sonstige
1:18:36–1:18:41
Fahrzeuge dann zu sagen, okay, die haben noch eine Existenzberechtigung,
1:18:42–1:18:46
die dürfen das vielleicht noch oder die Technik zeigt uns, dass wir es gar nicht brauchen.
1:18:46–1:18:49
Es geht vielleicht auch anders. Ansonsten halt eben,
1:18:50–1:18:55
Autos, Elektromobilität, finde ich total überzeugend.
1:18:56–1:18:58
Ich sehe gerade hier stehen ganz viele Elektroautos, das habe ich noch nie gesehen.
Florian Clauß
1:18:59–1:19:02
Oh ja, ohne Nummernschild. Wolf, wollen wir heute Nacht nochmal wiederkommen?
Rolf Behringer
1:19:04–1:19:06
Wollt ihr mit dem Elektroauto nach Berlin fahren?
Florian Clauß
1:19:07–1:19:11
Ich dachte, du wolltest deinen Hausspeicher ausbauen. Okay, aber ich würde sagen,
1:19:12–1:19:15
da sind wir schon so in den Jugendenschuhen.
1:19:16–1:19:19
Also es sind nicht mehr Kinderschuhen bei der Mobilität.
Rolf Behringer
1:19:19–1:19:19
Ja, genau.
Florian Clauß
1:19:19–1:19:22
Das zeichnet sich ja auch gerade, wenn du auf dem Chinesisch mal guckst.
Rolf Behringer
1:19:22–1:19:25
Ja, es ist Pubertät, so kann man sagen. Es gibt dann manche,
1:19:25–1:19:31
die noch so, äh, finde ich nicht, gefällt mir nicht. So, die gibt es halt da.
Florian Clauß
1:19:31–1:19:33
Ich will die roten Schuhe an, Arnav.
Rolf Behringer
1:19:34–1:19:39
Aber dann, ich hatte neulich gerade einen Vortrag gehört, in Norwegen,
1:19:39–1:19:43
Verkauf von Elektrofahrzeugen 98%.
Florian Clauß
1:19:44–1:19:46
Krass, ja. Ja, das ist Wahnsinn.
Rolf Behringer
1:19:46–1:19:52
Was die Skandinavien da. 98, also im Grunde, ja, das ist halt dann, die haben es vollzogen.
Florian Clauß
1:19:53–1:19:57
Die haben auch ganz früh mit Glasfaser auch das richtig gemacht.
1:19:57–1:20:00
Die haben da ein paar Sachen besser verstanden.
Rolf Behringer
1:20:00–1:20:03
Wie es geht. Jetzt machen wir hier den Bogen, einfach so.
Florian Clauß
1:20:03–1:20:08
Ah ja, wir kommen jetzt langsam zum Ziel unserer Wanderung.
1:20:09–1:20:16
Und da kannst du vielleicht auch nochmal mehr zu dem persönlichen Ziel von dem Verein sprechen.
Rolf Behringer
1:20:16–1:20:22
Also es gibt jetzt ein Solarhaus, das nennt sich auch so, Solarhaus Freiburg.
Florian Clauß
1:20:22–1:20:28
Also hier ist noch ein großes Schild vom Fraunhofer Institut Solare Energiesysteme.
1:20:29–1:20:31
Solarhaus Freiburg. Aber wir können jetzt nicht da rein.
Rolf Behringer
1:20:32–1:20:33
Das ist einfach zu.
Florian Clauß
1:20:34–1:20:36
Ach Mensch, vielleicht können wir über einen Zaun schlettern.
1:20:37–1:20:39
Ich will deine Verhandlungsposition nicht schwächen.
1:20:42–1:20:45
Ach ja, toll. Ihr könnt die Fotos, wo wir langgelaufen sind,
1:20:46–1:20:50
könnt ihr auf der Netzseite sehen, auf eigentlich-podcast.de.
1:20:51–1:20:58
Ihr könnt auch mehr Informationen zu dem, was wir jetzt an Projekten vorgestellt haben, abrufen.
1:20:59–1:21:05
Also ich freue mich, Rolf, dass wir hier gemeinsam noch mal auf den Spuren von
1:21:05–1:21:08
Solargeschichte in Freiburg gegangen sind.
1:21:09–1:21:14
Und dass du zu Gast warst. Also vielen Dank, Rolf, für deine Zeit.
Rolf Behringer
1:21:14–1:21:15
Sehr, sehr gerne.
Florian Clauß
1:21:15–1:21:20
Für den Spaziergang. Das war Eigentlich Podcast Episode 91.
1:21:21–1:21:24
Und ich sage Tschüss, bis zum nächsten Mal. Ciao, ciao.

Verwandte Episoden


Mehr

"People always ask for something new. It's inevitable." -- Harvey (aka Dennis Quaid) in The Substance

Weiter geht's mit dem Halloween-Special zu Body Horror. Reinhard ist wieder dabei, Chris jedoch nicht. Der hat sich mit Zelt und Isomatte in die Wildnis verabschiedet. In dieser Episode widmen wir uns zwei weiteren Filmen des Genres: "The Substance" und "Together". Laufen beim Reden und laufend reden. Unterwegs im Treptower Park, wo uns zum Schluss ein ganz anderer Horror einholt: das dritte Aufnahmegerät hat nicht aufgenommen (Micz vergaß den Hold-Schieber auf eben jenes "Hold" zu schieben). Wir mussten Reinhards Tonspur akribisch aus den anderen beiden Spuren herausschneiden. In "The Substance" von Coralie Fargeat steht der weibliche Körper im Zentrum einer von Außen auf den Körper projizierten Selbstoptimierungsspirale. Elizabeth Sparkle, einst gefeierte Schauspielerin, wird älter – und damit für die Kamera untauglich. Ein mysteriöses Serum namens „The Substance“ verspricht Verjüngung. Ein zweites Ich, jung, schön, makellos, bricht durch den Rücken in die Welt. Die Gebrauchsanweisung sagt deutlich: alle sieben Tage müssen sich jung und alt abwechseln. Doch dieses zweite Selbst beginnt, das erste zu verdrängen – bis Identität, Fleisch und Selbstbild in einem grausamen Machtkampf verschmelzen. Fargeat inszeniert diese Verwandlung als blutiges Schauspiel über Körperbesitz, Leistungsdruck und das Begehren, gesehen zu werden. Im Anschluss reibt Flo Lacans Konzept des "Realen" am Schleim und Formlosen des Films. Wo "The Substance" Körpergrenzen auflöst, wird das Reale zum Ort des Unbegreiflichen – jener Überschuss, der sich der Symbolisierung entzieht. Der Film lässt uns körperlich spüren, was Lacan nur andeuten konnte: dass das Reale keine äußere Bedrohung ist, sondern etwas, das unaufhörlich in uns arbeitet. Der zweite Film, "Together" von Michael Shanks, erweitert das Thema Körperhorror um eine groteske Komödiennote. Alison Brie und Dave Franco spielen ein Paar, dessen Beziehung nach dem Umzug auf's Land zerbröselt, als ein bizarrer Selbstfindungstrip zur physischen Eskalation führt. Durch ein unerklärliches Phänomen werden die beiden aneinandergebunden, besser noch ineinanderverwickelt und -verstrickt. Die Geschichte ist in eine Farce über Abhängigkeit, Selbstauflösung und die möglicherweise Unmöglichkeit, wirklich „eins“ zu werden. Shanks inszeniert diesen Körper- und Beziehungsknoten als Mischung aus Beziehungsdrama und Splatter. Hier spricht Micz über Julia Kristevas Konzept des "Abjekts" – jenes Moments, in dem das Ich sich selbst nicht mehr von dem unterscheiden kann, was es abstößt. "Together" zeigt das Abjekt als Auflösung der Trennung zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Ich und Du. Das eklig Verschmelzende wird zum Beweis dafür, dass unser Selbstbild auf einer dünnen Haut beruht.

Mitwirkende

avatar
Micz Flor
avatar
Florian Clauß
avatar
Reinhard

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:01
Merci.
Micz Flor
0:00:03–0:00:06
Okay, dann fangen wir jetzt mal ein bisschen mit der Musik an.
0:00:06–0:00:12
Ja, aber ich lege dann das zck, zck, zck von uns drüber.
Florian Clauß
0:00:12–0:00:14
Soll ich die Einleitung machen?
Micz Flor
0:00:14–0:00:15
Achso, ich mache ja die Einleitung.
Florian Clauß
0:00:15–0:00:17
Ja, ich wollte dich nur fragen.
Micz Flor
0:00:17–0:00:18
Und wir sind Folge 88?
Florian Clauß
0:00:19–0:00:21
Wir sind Folge 90.
Micz Flor
0:00:21–0:00:27
Folge 90 schon. Bist du sicher? Ah ja, genau, Folge 90. Okay.
0:00:30–0:00:31
Ich mache die Einleitung, okay?
Florian Clauß
0:00:31–0:00:32
Ja, gerne.
Micz Flor
0:00:32–0:00:35
Okay, hallo zusammen. Wir sind
0:00:35–0:00:39
heute zu dritt. Und bevor ich den Reveal mache, wer noch mit dabei ist.
0:00:40–0:00:43
Wir waren nämlich zu viert, als wir angefangen haben aufzunehmen.
0:00:44–0:00:45
Und dann haben wir gemerkt, das wurde zu lang.
0:00:46–0:00:51
Auch Podcast-Erfolgen können zu lang sein. Und haben zum Thema Body Horror dann
0:00:51–0:00:53
entschieden, wir splitten das in zwei Sets.
0:00:54–0:00:57
Und dann war es uns aber auch zu spät. Und wir haben dann nicht einfach gesplittet
0:00:57–0:01:02
und weitergemacht. Wir haben das Ganze fallen lassen, like a hot potato,
0:01:03–0:01:05
und greifen es heute wieder auf.
0:01:06–0:01:10
Wir sind, wie ihr hört, diesmal wieder auf den Spuren mit, wie immer,
0:01:10–0:01:16
und die Uridee von eigentlich war ja beim Laufen reden und laufend reden.
0:01:16–0:01:18
Und wir laufen gerade abends.
0:01:19–0:01:25
Kälte der Nacht am Treptower Park. Und mit mir ist natürlich der Flo.
Florian Clauß
0:01:25–0:01:26
Hallo.
Micz Flor
0:01:26–0:01:32
Und der Reinhard. Und wir grüßen den Chris, der gerade zelten ist und diesen
0:01:32–0:01:35
zweiten Teil deshalb nicht mit aufnehmen konnte.
0:01:35–0:01:39
Eigentlich war er dabei und eigentlich hätte ich mir auch gewünscht,
0:01:39–0:01:43
dass er da ist, weil ich habe einen Begriff, den Begriff der Abjection,
0:01:43–0:01:45
über den ich später reden wollte bei Chris Thewa.
0:01:46–0:01:48
Und da weiß ich nicht genau, was das im Englischen wirklich bedeutet.
0:01:49–0:01:52
Aber ich glaube, das kann er vielleicht dann als Kommentar unten mit reinlegen.
0:01:52–0:01:54
Und jetzt gehen wir ein bisschen unter.
Florian Clauß
0:01:55–0:02:00
Ja, wir laufen hier über den Weihnachtsmarkt vom Treptower Park.
0:02:00–0:02:03
Es riecht nach Zuckerwatte und Glühwein.
0:02:04–0:02:08
Und wo ist es ein DJ-Pult? Wir machen jetzt hier eine Kunstpause.
Micz Flor
0:02:08–0:02:09
Ja, Schnitt!
Florian Clauß
0:02:10–0:02:14
Wie ihr gehört habt, es ist Samstagabend, Saturday Night.
Micz Flor
0:02:15–0:02:15
So.
Florian Clauß
0:02:16–0:02:19
Das ist der erste kalte Oktobertag. Reinhard hat noch gesagt,
0:02:19–0:02:23
dass er gestern fast die ganze Zeit im kurzärmeligen Hemst unterwegs war.
0:02:24–0:02:26
Aber jetzt muss man sich lang anziehen.
Reinhard
0:02:28–0:02:31
Aber eins können wir auf jeden Fall unseren Hörern schon mal garantieren.
0:02:31–0:02:33
Wir behalten heute einen kühlen Kopf.
Florian Clauß
0:02:34–0:02:38
Ich habe noch eine warme Mütze dabei. Könnte sein, dass ich da aussteige.
Micz Flor
0:02:39–0:02:42
Und kühle Hände. Mit kühler Hand. Nee, mit ruhiger Hand. Entschuldigung.
Florian Clauß
0:02:43–0:02:49
Also Body Horror mit Reinhard. Letztes Mal hatten wir ja schon so eine Definition
0:02:49–0:02:50
von Body Horror geliefert, ne?
0:02:51–0:02:56
Und ich dachte, ich wollte jetzt einsteigen mit der Frage,
0:02:57–0:03:04
ob ihr in eurem Leben euch an Situationen erinnern könnt, wo ihr tatsächlich
0:03:04–0:03:11
Body Horror am eigenen Körper oder auch bei anderen gesehen habt,
0:03:11–0:03:13
der euch noch so in Erinnerung geblieben ist.
Micz Flor
0:03:15–0:03:15
Ja.
Florian Clauß
0:03:17–0:03:18
Dann erzähl.
Micz Flor
0:03:18–0:03:21
Wer will anfangen? Oder, Reinhard? Oder willst du noch suchen?
Reinhard
0:03:21–0:03:22
Nein, nein, ich habe tatsächlich was.
Micz Flor
0:03:22–0:03:26
Oder du kannst dann immer sagen, alles, was du sagst, und mir fällt auch noch
0:03:26–0:03:28
was. Das ist mir auch alles, das kenne ich.
Reinhard
0:03:28–0:03:31
Das ist tatsächlich eine Situation, die wir, glaube ich, bei unserem letzten
0:03:31–0:03:33
Gespräch auch schon zitiert haben.
0:03:33–0:03:38
Ich weiß nicht, wer es genau war. Erzählte, er hätte einmal einen älteren Mann
0:03:38–0:03:42
gesehen und sich gewundert über dessen Haltung oder dessen Gesicht.
0:03:42–0:03:45
Und dann erst zu erkennen, dass er in den Spiegel geschaut hat.
0:03:46–0:03:49
Und so ist es mir tatsächlich auch mal passiert. Ja, da bin ich,
0:03:49–0:03:54
nee, ich hatte irgendwie, ich hatte geschlafen in einem Zimt.
0:03:54–0:03:59
Und bin aufgewacht und habe verschlafen, irgendwie so mich umgeschaut und dabei
0:03:59–0:04:02
einen seltenen Menschen gesehen.
Florian Clauß
0:04:03–0:04:07
Und das hat wirklich zwei, drei Sekunden gedauert, bis ich gemerkt habe,
0:04:07–0:04:11
dass ich das selber bin. Das war schon ein schockierender Moment.
Reinhard
0:04:11–0:04:16
Weil wenn man nicht weiß, dass man es selber ist, schaut man doch wesentlich
0:04:16–0:04:18
kritischer. Das ist mir aufgefallen.
0:04:19–0:04:23
Deshalb hat man ja auch so wenig Probleme mit dem Älterwerden,
0:04:23–0:04:28
weil man ja irgendwie, man sieht sich jeden Tag im Spiegel wieder und das Gehirn
0:04:28–0:04:31
adaptiert irgendwie diese kleinen Veränderungen so,
0:04:31–0:04:34
dass wir die gar nicht mehr wahrnehmen. Aber wenn wir dann, wenn wir das nicht,
0:04:36–0:04:40
Verbindung gekappt ist, dann kommt der Horror.
Micz Flor
0:04:41–0:04:43
Aber älter werden ist gleich Horror.
Reinhard
0:04:44–0:04:47
Ja, ich würde sagen, das taucht dieses Motiv doch immer wieder auf.
0:04:47–0:04:51
Wir werden es gleich in der Substance natürlich. Da ist es ja bis zum Ultimo betrieben.
Micz Flor
0:04:52–0:04:53
Genau.
Florian Clauß
0:04:53–0:04:57
Ageism hatten wir auch das letzte Mal mit angesprochen, aber da ist glaube ich
0:04:57–0:05:01
Substance ein sehr starker Film.
0:05:03–0:05:05
Mitch, was war deine?
Micz Flor
0:05:05–0:05:07
Ja, zwei Dinge, die hatte ich, glaube ich, schon mal erzählt.
0:05:07–0:05:10
Da ging es in dieser Doppelfolge über C.G.
0:05:10–0:05:17
Jung, das rote Buch und dann die zweite Folge Chaos, Magie und Psychotherapie.
0:05:17–0:05:22
Da hatte ich darüber gesprochen, über Dinge, die ich erfahren habe,
0:05:22–0:05:25
als ich Zivildienst gemacht habe.
0:05:25–0:05:27
Die reiße ich nur kurz an, kann man ja dann immer nachhören.
0:05:27–0:05:29
Und dann habe ich aber noch was Neues, was mir gerade eingefallen ist.
0:05:30–0:05:35
Und das eine war, dass ich Patienten hatte beim Zivildienst in der mobilen Altenpflege,
0:05:36–0:05:38
dem es irgendwie nach und nach besser ging, der in den Kubitus hatte,
0:05:38–0:05:41
also wund gelegen war sozusagen an der Wirbelsäule.
0:05:41–0:05:44
Ich habe mich lange um den gekümmert, dann ging es ihm besser und da haben wir
0:05:44–0:05:48
uns beide gefreut, aber dann ging es ihm nach zwei Wochen wieder schlechter
0:05:48–0:05:51
und als ich kam, hat er hinten wieder so eine feuchte, wunde Stelle an der Wirbelsäule.
0:05:52–0:05:53
Und in der Nacht danach...
0:05:54–0:05:58
Dann schlief ich und wachte am nächsten Morgen auf und hatte an meiner Hüfte
0:05:58–0:06:02
etwa Tischtennisgroßen, so wie so eine Brandblase.
Florian Clauß
0:06:03–0:06:04
Ja, ich erinnere mich an die Geschichte.
Micz Flor
0:06:04–0:06:08
Das war so eine Sache, wo ich drangeguckt habe, das hat mich wirklich so erfasst,
0:06:08–0:06:11
weil ich gefühlt habe, das kommt von woanders, nicht von mir direkt.
0:06:12–0:06:16
Und in dem gleichen habe ich auch genannt, dass ich beim Studium in Manchester
0:06:16–0:06:19
hatte einen Mitbewohner, der hatte kreisrunden Haarausfall, heißt es,
0:06:19–0:06:23
dem alle Haare ausgefallen sind. Und er hat mir das erzählt und ich hatte natürlich
0:06:23–0:06:24
gedacht, oh Gott, wie schlimm.
0:06:24–0:06:29
Es fängt an, zuerst so Pfennig groß und dann hört das nicht mehr auf.
0:06:29–0:06:33
Und dann fallen dir alle Haare aus und die wachsen auch nie wieder nach oder ganz selten nur.
Florian Clauß
0:06:33–0:06:35
Ja, da hatten wir auch den Stalker, ne?
Micz Flor
0:06:35–0:06:39
Und prompt eine Woche später hatte ich hier am Kinn unten auf einmal weniger Haare.
0:06:40–0:06:44
Und dann hatte ich da wirklich auch so ein Pfenniggroßes oder Centgroß,
0:06:44–0:06:47
würde man heute sagen, auf einmal die Haare weg.
0:06:47–0:06:50
Und ich habe gedacht, ey, das ist jetzt nicht wahr. Und dann ist es so aber
0:06:50–0:06:52
geblieben und dann wuchsen die auch wieder nah und dann hatte ich aber lange
0:06:52–0:06:55
Zeit hier so einen grauen Fleck, bevor das dann wieder auch dunkel wurde.
0:06:56–0:06:57
Das war so ein bisschen unheimlich.
Reinhard
0:06:58–0:07:03
Ich hätte noch einen. Darf ich noch einen? Ja, klar. Also der ist mir jetzt erst eingefallen.
0:07:03–0:07:08
Dabei ist der wirklich viel, viel horrormäßiger gewesen als das andere Erwählnis.
0:07:08–0:07:09
Und es liegt auch noch nicht so lange zurück.
0:07:10–0:07:15
Ich war mit meiner Frau auf dem indischen Ozean-Syndrom im Paddelboot gefahren
0:07:15–0:07:17
zu einer Insel, die hieß Shark Island.
0:07:18–0:07:22
Und auf der Fahrt dahin ist unser Boot gesunken. Ich weiß heute noch nicht warum.
Florian Clauß
0:07:22–0:07:26
Aber es ist alles wahr.
Reinhard
0:07:27–0:07:32
Oh mein Gott. Ist das Boot gesunken, aber es ist komplett gesunken.
0:07:32–0:07:35
Es war nur irgendwie so einen halben Meter unter der Wasseroberfläche.
0:07:35–0:07:40
Und wir hatten das Boot geliehen und ich wollte nicht, dass wir das bezahlen
0:07:40–0:07:42
müssen, weil das dann einfach irgendwo auf dem Meeresgrund liegt.
0:07:44–0:07:47
Vollgelaufene boot dann irgendwie auf diese insel zu
0:07:47–0:07:52
bekommen diese insel war aber total scharfkantige
0:07:52–0:07:57
scharfkantiger feld hat mir irgendwie dabei und so vollgelaufenes boot wiegt
0:07:57–0:08:05
ja 200 kilo und da habe ich mir total die füße aufgeschürzt und dann das wäre
0:08:05–0:08:09
dann endlich auf dem feld zusammen und dann hat das boot auch gerettet da fielen
0:08:09–0:08:11
wir auf dass ich ein seltsames tier am,
0:08:13–0:08:16
so was sah das wirklich, das sah aus wie,
0:08:18–0:08:23
gesaugt so und und ich war total panisch und ich hab zu meiner frau gesagt mach
0:08:23–0:08:27
das weg macht das weg und sie zog und so und ich sag fester fester sie kriegt
0:08:27–0:08:31
ihr das nicht weg und dann stellte ich irgendwann fest dass es meine sehne ist
0:08:31–0:08:33
meine elbobensehne die sie versucht.
Micz Flor
0:08:33–0:08:33
Hat,
0:08:41–0:08:42
abgerissen oder was.
Reinhard
0:08:42–0:08:48
Seine war noch dran aber die haut da drüber war abgerissen und die blanke Sehne schaut.
Florian Clauß
0:08:49–0:08:50
Nein, doch Mensch.
Reinhard
0:08:50–0:08:55
Man hat ja nie seine eigenen Eingeweide gesehen. Man ist jetzt vielleicht Chirurg
0:08:55–0:08:58
und operiert sich selber. Aber das...
Florian Clauß
0:08:58–0:08:59
Und dann...
Reinhard
0:09:00–0:09:03
Und diese Farbe, das kam mir so fremd vor.
0:09:03–0:09:09
Also mein eigener Körper kam mir fremd vor, weil ich ja noch nie in sein Inneres geschaut habe.
0:09:10–0:09:13
Und dann habe ich gedacht, das muss was Fremdes sein.
Micz Flor
0:09:13–0:09:19
Gut, das war Folge 90, besser wird es nicht.
0:09:20–0:09:22
Alles andere ist Kino.
Reinhard
0:09:25–0:09:27
Ich habe die Drehbuchrechte schon verkauft.
Florian Clauß
0:09:29–0:09:32
Ja, was man nicht alles macht, um Geld zu sparen.
Micz Flor
0:09:34–0:09:37
Ja, ich habe auch noch eine, das war aber in Südhessen.
Florian Clauß
0:09:38–0:09:42
Ja, damit ich herkomme, in Darmstadt.
Micz Flor
0:09:44–0:09:52
Und zwar war das einfach so ein Waldstück und da stand wie so eine alte Bushaltestelle,
0:09:52–0:09:57
so eine gemauerte 70 Jahre Bushaltestelle und sonst was irgendwie wild bewachsen.
0:09:57–0:10:05
Und da war ich und dann kamen auf einmal so Leute mit Säbeln aus dem Wald. Die waren da irgendwie.
Florian Clauß
0:10:05–0:10:06
Da wusste ich nicht genau.
Micz Flor
0:10:06–0:10:11
Was die wollten. Und dann rannte einer auf mich zu und steckte mir den in den
0:10:11–0:10:15
Bauch bis durch den Rücken hinten raus. Und ich guck so runter.
0:10:16–0:10:21
Und ich habe in dem Moment gemerkt, dass ich mich nicht wehren werde.
0:10:22–0:10:26
Und dann bin ich aufgewacht. Aber es war wirklich so eine Sache,
0:10:27–0:10:29
weil du fragst, was habt ihr da erlebt?
0:10:29–0:10:37
Das ist so plastisch gewesen, dass ich es bis heute als wirkliches Ereignis mitnehme.
0:10:38–0:10:41
Und vor allen Dingen, glaube ich, auch wegen dieser Verwunderung,
0:10:41–0:10:43
die ich selber hatte, zu merken, ich wehre mich nicht.
0:10:44–0:10:49
Das fand ich bis heute, verstehe ich das nicht, aber das ist mein Anfang.
Florian Clauß
0:10:49–0:10:53
Traumerlebnisse lassen wir auch zu. Meine Geschichte geht so,
0:10:53–0:10:56
und zwar, das ist jetzt vor zwei Jahren in Frankreich gewesen.
0:10:57–0:11:00
Da waren wir wandern in Frankreich.
0:11:01–0:11:05
Und wie mir immer irgendwie auf Wanderung passiert, hatte ich da auch starke
0:11:05–0:11:07
Schmerzen. Mein Fuß ist angeschwollen.
0:11:08–0:11:13
Und man tippte eben auf Sehenscheinentzündung im Fuß. Und wie sich das später
0:11:13–0:11:17
herausgestellt hat, war das ein sogenannter Ermüdungsbruch, den ich hatte.
0:11:17–0:11:19
Das hatte ich ja noch MRT gemacht und so weiter.
0:11:20–0:11:22
Auf jeden Fall, ich war in einer Klinik in Frankreich, Südfrankreich.
0:11:23–0:11:27
Und die haben mir dann halt so Medikamente gegeben, ja, so irgendwas.
0:11:27–0:11:30
Und als die Apothekerin, als wir das abgeholt haben, hat man die Apothekerin,
0:11:31–0:11:35
oh, das sind ja so Medikationen, womit man eigentlich Pferde betäuben kann.
0:11:35–0:11:38
Also es waren halt so richtig harte Medikamente. Das war die noch die.
0:11:39–0:11:45
Nee, es war nicht Ketamin. Aber es waren halt wirklich so Ibo plus noch was, Substanz.
0:11:46–0:11:51
Und die habe ich dann täglich genommen. Und als ich die eines Morgens genommen habe,
0:11:51–0:11:55
dann schaue ich so, wir sitzen, also es war Frühstück, ich schaue an meinen
0:11:55–0:12:02
Körper runter, sehe meinen Bauch und sehe auf einmal, wie von hinten mich so ein Arm umschlingt.
0:12:02–0:12:06
Und dann nehme ich den Arm und stoße ihn so weg und ich überlege,
0:12:06–0:12:09
wir sind zu zweit im Apartment, wer ist denn hier, ist Luke gekommen oder sowas?
0:12:09–0:12:14
Und dann schlingt der Arm mich nochmal und Karin sitzt mir gegenüber und ich stoße ihn wieder weg.
0:12:15–0:12:18
Und dann merke ich, dass es mein eigener Arm ist, den ich nicht mehr gespürt
0:12:18–0:12:20
habe und ich stehe schreiend auf.
0:12:20–0:12:26
Das war der unglaublich Horrormoment, das hatte ich noch nie.
0:12:26–0:12:28
Also ich war so völlig defragmentiert.
Micz Flor
0:12:28–0:12:29
Der war wie eingeschlafen oder was?
Florian Clauß
0:12:29–0:12:36
Ich weiß es nicht, das war wie so eine kalte Wurst, die mich dann halt so umschlungen hat.
0:12:36–0:12:39
Aber das war so echt, das war total der Schock.
0:12:40–0:12:43
Und dann habe ich ja, glaube ich, die Medikamente auch nicht mehr genommen.
Micz Flor
0:12:44–0:12:45
Ich bin doch kein Pferd.
Florian Clauß
0:12:45–0:12:46
Ich bin doch kein Pferd.
Reinhard
0:12:47–0:12:50
Eigentlich ist die Definition von Body Horror, wenn unser eigener Körper uns fremd steht.
Florian Clauß
0:12:51–0:12:54
Ja, so fragmentiert, so auseinanderfällt.
0:12:54–0:12:58
Und ich wollte jetzt noch, bevor wir in The Substance einsteigen,
0:12:59–0:13:04
also, Mitchell, du hast es ja schon gesagt, The Substance habe ich als Film
0:13:04–0:13:06
mitgebracht, du wirst nochmal über Together sprechen.
0:13:07–0:13:11
Bevor wir da jetzt in The Substance einsteigen, wollte ich gerne nochmal mit euch über...
Micz Flor
0:13:11–0:13:12
Stopp, Mütze verloren.
Florian Clauß
0:13:14–0:13:20
Wollte ich gerne mit euch nochmal so über diese emotionale und archaische Triebfeder
0:13:20–0:13:25
von Body Horror sprechen und hoffen, dass ihr noch da was zu beitragen könnt.
0:13:26–0:13:30
Und zwar Ekel. Der Ekel als Emotion.
0:13:30–0:13:35
Wie entsteht Ekel? Warum gibt es Ekel? Body Horror arbeitet stark mit Ekel,
0:13:35–0:13:42
mit den Reizen, wo gerade wenn man sieht, wie irgendwelche,
0:13:43–0:13:45
Flüssigkeiten aus dem Körper dringen, ja,
0:13:46–0:13:52
dann stellt sich ja schon so ein Ekelgefühl ein oder was auch immer,
0:13:52–0:13:56
ja, und ich habe dann nochmal ein bisschen nachgeguckt, warum empfinden wir
0:13:56–0:13:57
Ekel? Da gibt es ja so verschiedene.
Reinhard
0:13:59–0:14:03
Meine erste Idee ist es eine Schutzfunktion unseres Körpers tatsächlich.
0:14:05–0:14:09
Uns Ekel ja davor, unsere eigenen Exkremente zu essen oder Dinge zu essen,
0:14:10–0:14:14
die schlecht riechen, von denen wir krank werden würden.
0:14:16–0:14:21
Und ich denke, das hat sich dann im Laufe des Voranschreitens unserer Zivilisation
0:14:21–0:14:26
ein bisschen ausgeweitet, dieses Ekelgefühl, auf andere Bereiche vielleicht auch noch.
0:14:28–0:14:32
Aber ich denke, das ist eigentlich der tiefere Grund für Ekel.
Florian Clauß
0:14:33–0:14:40
Ja, genau. Das habe ich auch so entdeckt als Definition, das im Prinzip ganz biologisch motiviert,
0:14:40–0:14:48
dass eben vor schlechtem Essen, dass so der Ekel dich davor bewahrt, vor Exkrementen,
0:14:48–0:14:53
dass natürlich dein Immunsystem dann halt entsprechend angreifen wird,
0:14:53–0:14:56
dass du da eben diese Ekelempfindung hast.
0:14:57–0:15:02
Zum späteren Zeitpunkt in der Ontologie, also in der Entwicklung vom Individuum,
0:15:03–0:15:05
gibt es aber dann auch so kulturell geprägten Ekel.
0:15:07–0:15:11
Also eine andere Form von Ekel ist auch zum Beispiel...
Micz Flor
0:15:11–0:15:12
Menschen essen.
Florian Clauß
0:15:13–0:15:18
Ja, nee, so sexuell motiviert, dass du halt Inzest, dass das so ein Verbot...
0:15:18–0:15:22
Ich meine, bei Freud ist es ja dann anders mit Oedipus, aber dass du dann erstmal
0:15:22–0:15:30
einen sexuellen Ekel, also einen Ekel gegen Inzest und gegen Sodomie oder sowas empfindet.
0:15:31–0:15:34
Und dann gibt es natürlich gesellschaftlich okturierte Ekel,
0:15:34–0:15:37
der dann je nach Gesellschaftsform dann passieren kann.
0:15:38–0:15:43
Und damit wird halt gespielt im Body Horror. Es wird eben mit diesen Momenten,
0:15:43–0:15:50
also gerade im immersiven Kino wird ja versucht, eben so dieses Ekelgefühl zu triggern.
0:15:51–0:15:55
Und da gibt es ja auch verschiedene Techniken, dass man da nicht zu sehr wirklich
0:15:55–0:16:00
so zu sehr drauf hält, weil dann ist es zu explizit und dann setzt es wieder
0:16:00–0:16:05
so ein Schutzmechanismus ein, sondern dann immer so an der Kante spielt.
0:16:05–0:16:08
So wie du es so schön gesagt hast, dieser Zahn.
Micz Flor
0:16:09–0:16:11
Wo man immer ein bisschen dran topft.
Florian Clauß
0:16:11–0:16:15
Genau, wo man dann immer, der wackelt, kennt man noch das Gefühl als Kind,
0:16:15–0:16:19
so ein wackelnder Zahn, wo man immer ein bisschen mit der Zunge dran drückt
0:16:19–0:16:21
und auch ein bisschen merkt, dass es nach Blut schmeckt.
0:16:22–0:16:26
Und dieser Schmerz, oder mit der 9-Volt-Batterie, die man immer so gerne leckt.
Micz Flor
0:16:27–0:16:31
Aber das ist ja was schon eher lustmäßig ist. Aber diese Zahnsache,
0:16:31–0:16:35
das war für mich auch nochmal, um das jetzt für die Leute, die jetzt in der
0:16:35–0:16:38
Folge einschränken, meine Tochter, als sie ihren ersten Zahn verloren hat,
0:16:38–0:16:41
der war auch schon lange wackelig, da hat sie auch mit gespielt,
0:16:41–0:16:42
das war alles total okay.
0:16:42–0:16:45
Und dann wollte sie einen Apfel beißen, hat sie auch gemacht und dann wollte
0:16:45–0:16:47
sie nochmal einen Apfel beißen, dann war der Zahn aber weg.
0:16:49–0:16:53
Und dann ist die kreidebleiche geworden, diese verzerrte Körperwahrnehmung,
0:16:53–0:16:55
wenn man auf einmal zum ersten Mal keinen Zahn hat.
0:16:55–0:16:59
Ich habe mich dann erinnert, wie das dann so war, dass der dann wirklich weg war.
0:16:59–0:17:02
Das war so ein Verlust. Ich würde gar nicht so sehr sagen, das ist Ekel,
0:17:02–0:17:07
aber es ist auf alle Fälle auch ein Thema von Body-Horror, dass man da seinen
0:17:07–0:17:10
veränderten Körper oder was du beschrieben hast, eben diese Hand,
0:17:10–0:17:12
die da drum rum kommt, die deine ist und nicht deine ist.
Florian Clauß
0:17:12–0:17:12
Ja.
Reinhard
0:17:13–0:17:18
Ich glaube, die Dauer verändert tatsächlich den Blick und der Ekel kann tatsächlich
0:17:18–0:17:20
auch in Faszination umschlagen.
0:17:21–0:17:24
Also wir sehen das ja zum Beispiel in David Lynch's Elefantenbönch.
0:17:24–0:17:29
Das erste Mal, wenn die Menschen ihn gesehen haben, haben sie geschrien,
0:17:30–0:17:32
haben hysterische Anfälle bekommen.
0:17:32–0:17:38
Und dann waren sie fasziniert und wollten eigentlich sogar in seiner Nähe sein.
0:17:39–0:17:42
Das sehen wir ja auch jetzt in den Substanzen. Wenn ich vorgreife,
0:17:42–0:17:46
aber wenn sie das erste Mal in den Spiegel schaut, erst nur wirklich so ein
0:17:46–0:17:48
ganz kleines bisschen, das ist wirklich schockierend.
0:17:49–0:17:51
Und dann aber gewöhnen wir uns an
0:17:51–0:17:55
dieses Ausland, dann kommt es einem fast sympathisch vor, dieses Monster.
Florian Clauß
0:17:55–0:17:59
Genau, das ist am Ende. Das dachte ich auch gerade als Elefantenmensch.
0:18:00–0:18:02
Die Brücke habe ich jetzt noch gar nicht gesehen, aber ja klar,
0:18:02–0:18:03
das ist natürlich auch...
Reinhard
0:18:03–0:18:06
Da gibt es ganz viele Anklänge in den Substance, habe ich gerade zu nehmen.
0:18:07–0:18:08
Also ich habe oft an der Elefant Mensch gedacht.
0:18:09–0:18:15
Aber auch an Karpeln. Karpeln ist das Ding, ganz am Fluss, dieser Kopf, das so wegkriegt.
0:18:17–0:18:24
Süß, bei diesem Way of Fame oder diesem Walk of Fame. Das ist eindeutig wie ein Karpelterzitat.
Florian Clauß
0:18:24–0:18:27
Ja, wollen wir dann in The Substance einsteigen?
Micz Flor
0:18:27–0:18:30
Ja, ich wollte ganz kurz noch vorgreifen, weil ich über Ekel auch noch spreche,
0:18:30–0:18:31
dann eben in Bezug auf Together.
0:18:31–0:18:40
Und dann, du wolltest ja noch über Lacan sprechen, und das ist jetzt quasi zu
0:18:40–0:18:43
Subsons bezogen, aber über Ekel werde ich mich auch noch mal darauf beziehen
0:18:43–0:18:44
und wollte nur kurz sagen,
0:18:45–0:18:51
dass die Frage, was nicht konkret um Ekel geht, aber um diese Aussondungen und so weiter.
0:18:53–0:18:55
Wollte aber trotzdem das sagen, das ist Ekel, finde ich auch interessant,
0:18:55–0:18:58
diese biologische Hintergrund. Es gibt ja, und da hast du mich auf dem kalten
0:18:58–0:19:00
Fuß erwischt, falschen Fuß erwischt, kalt, falsch.
0:19:04–0:19:06
Das ist zum Beispiel, das kennt
0:19:06–0:19:09
ihr bestimmt auch, das haben manche Menschen, manche haben das nicht.
0:19:09–0:19:13
Wenn man zum Beispiel so etwas sieht wie eine Sonnenblume, wo alle Kerne raus
0:19:13–0:19:17
sind oder so Steine am Wasser, die porös sind, wo so Löcher drin sind.
0:19:17–0:19:19
Oder manchmal auch Duschköpfe.
0:19:19–0:19:23
Es gibt manche Leute, und ich habe den Namen vergessen, die sehen so etwas mit Poren drin.
0:19:24–0:19:28
Und das ekelt die. Da stehen denen wirklich die Haare auf. Seid ihr solche Leute?
Florian Clauß
0:19:28–0:19:28
Nein.
Micz Flor
0:19:29–0:19:33
Nein, kennt ihr nicht. Aber dafür gibt es sogar einen medizinischen Begriff für diesen Zustand.
Reinhard
0:19:33–0:19:36
Hat die das an Haut erinnert? An fehlerhafter Haut?
Micz Flor
0:19:37–0:19:40
Nein, nicht fehlerhafter Haut. Ich nehme an, dass es eher so etwas wie voller
0:19:40–0:19:42
Maden oder Löcher da drin ist.
0:19:42–0:19:48
Ach so, okay. Das ist wirklich was, was quasi biologisch vorgegeben ist.
0:19:48–0:19:50
Und ich finde das interessant, weil das,
0:19:51–0:19:53
Falscher Fuß, aber vielleicht auch ein interessantes Thema ist,
0:19:53–0:19:58
wo Ekel noch so hinkommt. Also Ekel hat zum Beispiel ja wahrscheinlich dann auch mit Angst zu tun.
0:19:58–0:20:03
Und es gibt in der Tat im Hippocampus und Amygdala diese Angstsache,
0:20:03–0:20:08
dass halt solche biologischen Dinge wie vor Duschköpfen Ekel zu erleben,
0:20:09–0:20:15
dass die halt wirklich mitgegeben wurden vor einem evolutionär scheinbar vorteilhaften Hintergrund.
Florian Clauß
0:20:15–0:20:19
Das hatten wir, glaube ich, auch so ein bisschen bei der Jungfolge mit angesprochen.
Micz Flor
0:20:19–0:20:22
Ja, genau, diese Archetypensache. Also gibt es das überhaupt?
Florian Clauß
0:20:23–0:20:27
Ja, Spinnenangst. Das ist ja auch eine typische Ekelerregung,
0:20:27–0:20:29
die ja auch ausgenutzt wird.
Micz Flor
0:20:30–0:20:35
Das ist ja auch immer noch so ein analytisches Thema, dass es doch mehr gibt als nur das Lernen.
0:20:36–0:20:40
Weil es gibt wenig Grund, dass man irgendwie lernen würde, für Hühnern eine
0:20:40–0:20:42
Phobie zu entwickeln in unserer Gesellschaft.
0:20:42–0:20:46
Aber es gibt sie trotzdem und oft bei Leuten, die mit Hühnern kaum Kontakt haben.
0:20:46–0:20:52
Aber es gibt eben keine Phobie vor Zebrastreifen oder vor Starkstrom,
0:20:53–0:20:58
also Sachen, die modern sind, zeitgenössisch und gefährlich,
0:20:59–0:21:03
da entwickelt keiner wirklich Phobien drauf, aber Hühner und Spinnen und so weiter.
Florian Clauß
0:21:04–0:21:09
Wir sind gerade am Haus Zennern angelaufen und schauen auf die Insel der Jugend,
0:21:09–0:21:14
auf die Brücke, die dann vom Ufer...
Micz Flor
0:21:14–0:21:16
Um die Brücke zu schlagen, zu dem Horror des Alters.
Florian Clauß
0:21:18–0:21:24
Und steigen ein mit The Substance. Also eigentlich ist die Geschichte ja relativ schnell erzählt.
0:21:26–0:21:31
Ich fange mal an mit der Regisseurin. Die Regisseurin ist Carolie Fagot,
0:21:31–0:21:35
also wieder ein französischer Name, Reinhard. Ich sag mal Fagot,
0:21:35–0:21:36
ich weiß nicht genau, ob es stimmt.
0:21:36–0:21:41
Fagat? Fagat, Fagil, Fagot, ich würde mal Fagot. Und es heißt nicht Karoli, sondern Coralie.
0:21:41–0:21:45
Ja, Coralie, du hast recht. Coralie heißt sie, genau.
0:21:46–0:21:57
Hat einen Film, mit dem sie dann auch 2017 schon Aufmerksamkeit bekommen hat.
0:21:58–0:22:04
Ja, genau. Und ich kenne jetzt nicht ihre anderen Filme. Mit der Substance von
0:22:04–0:22:12
2024 hat sie den Preis für das beste Drehbuch gewonnen.
0:22:13–0:22:18
Und obwohl sie französischsprachig ist, arbeitet sie doch mit internationalen
0:22:18–0:22:22
Casts und hat dann auch entsprechend für der Substance das Star-Aufgebot.
0:22:23–0:22:28
Da spielt nämlich die weibliche Hauptrolle Demi Moore.
0:22:29–0:22:37
Und das Demi Moore ist quasi die ältere, das ältere Ich, das jüngere Ich wird
0:22:37–0:22:41
von, und da muss ich jetzt mal kurz nachgucken, weil ich doch hier einen Spickzettel
0:22:41–0:22:43
habe, Margaret Crawley.
0:22:44–0:22:48
Die ist aber auch schon mir aufgefallen in Leftovers.
0:22:49–0:22:53
Spielt sie da eine Rolle? Leftovers, lege ich euch sehr ins Herz?
Micz Flor
0:22:53–0:22:56
Ist sie auch nicht in einem neuen Coen-Film auch?
Florian Clauß
0:22:56–0:23:02
Ja, die spielt sehr in so einem Art-House-Bereich. Also finde ich...
0:23:03–0:23:07
Starke, also hat eine starke Präsenz, auch in dem Film The Substance.
0:23:08–0:23:13
Und wir haben natürlich als TV-Boss Dennis Quod, als Harvey.
Micz Flor
0:23:13–0:23:14
Quaid.
Florian Clauß
0:23:14–0:23:22
Quaid. Ja, Mensch. Das ist französisch. Den kennen wir aus Filmen aus den 80ern.
0:23:22–0:23:26
Und Demi Moore kennen wir aus Filmen aus den 90ern. Tatsächlich hätte man länger
0:23:26–0:23:27
nichts von Demi Moore gehört.
0:23:28–0:23:35
Also die Geschichte ist folgende. Demi Moore als Elisabeth, da ist dieser grandiose,
0:23:35–0:23:38
ich finde wirklich den Anfang von diesem Film, ganz toll.
0:23:39–0:23:43
Also da sieht man quasi aus Vogelperspektive, aber jetzt nicht irgendwie 50
0:23:43–0:23:48
Meter über dem Boden, sondern eher so 4 bis 3 Meter, sieht man dann einen Stern,
0:23:48–0:23:50
wie so einen Stern, was heißt der Hall of Walk?
0:23:51–0:23:58
Hall of Fame heißt es. Hall of Fame, wie Elisabeth Sparkle einen Stern gesetzt
0:23:58–0:24:03
bekommt in einem Quadrat quasi auf dem Boden.
0:24:03–0:24:08
Und man sieht, wie der dann halt quasi so ausgestanzt wird, dann draufgepappt
0:24:08–0:24:11
wird, wie er frisch gemacht wird, wie er trocknet.
0:24:11–0:24:16
Und dann sieht man aber auch schon die ersten Brüche von dem Stern und irgendwie
0:24:16–0:24:24
wie jemand so Ketchup über den Stern. Also sehr plastisch inszeniert und auch so ein bisschen,
0:24:25–0:24:31
Ich sag mal so vorausschauen, vorausgreifend, was mit Elisabeth Sparkle so passieren kann.
0:24:32–0:24:38
Also es gibt eben, Elisabeth Sparkle hat eine Show, eine Aerobicshow,
0:24:38–0:24:40
ist da sehr erfolgreich gewesen.
0:24:40–0:24:47
Aber sie zieht halt nicht mehr das Publikum und der TV-Boss Harvey schmeißt
0:24:47–0:24:52
sie einfach raus. Also man muss von der generellen Inszenierung des ganzen Films
0:24:52–0:24:55
sagen, der ist einfach in your face.
0:24:55–0:25:03
Der Film ist knallbunt, hochglanzproduziert, hat, also wie wir das gesagt haben, alles geht auf Eleven.
0:25:03–0:25:07
Also alles ist überdreht, hat einen sehr starken Soundtrack.
0:25:07–0:25:09
Es kommt dann immer diese, ich weiß nicht, wie man sagen kann,
0:25:09–0:25:13
aber es ist schon so eine elektronische Bassspur, Also wenn The Substance dieses,
0:25:13–0:25:18
als ob dann halt so ein, als ob ein U-Bahn-Zug dann gerade einfährt,
0:25:18–0:25:20
aber halt elektronisch verzehrt.
Micz Flor
0:25:20–0:25:24
Aber ist auch irgendwie, finde ich, schon bewusst überzogen.
0:25:25–0:25:30
Also es hat sowas, was so wie Melodramatisches. Aber es ist nicht Melodrama,
0:25:30–0:25:32
aber es ist quasi so Comichaft.
0:25:32–0:25:37
Das bringt es aber, also die ganzen Charaktere werden auch irgendwie überzogen und dann auch so.
Florian Clauß
0:25:38–0:25:39
Total. great wird.
Micz Flor
0:25:39–0:25:44
Dann immer so mit fischaugen linse gefilmt und hat mir so das gefühl dass er
0:25:44–0:25:47
halt so richtig in your face ist und dann ja das.
Florian Clauß
0:25:47–0:25:53
Ist alles comic relief es ist alles wirklich so komplett stereotypisch aufgezogen
0:25:53–0:25:57
und das ist glaube ich auch so der punkt die man bei dem film so annehmen muss
0:25:57–0:26:02
und auch kann weil ich finde das ist so übertrieben dass es dann halt auch wieder
0:26:02–0:26:06
so funktioniert ja sonst sonst kommt man in so einem ding wo man,
0:26:07–0:26:11
sich überlegt, was will der Film eigentlich erzählen? Das ist doch schon tausendmal erzählt worden.
0:26:13–0:26:19
Und ich finde, durch diese totale Übertreibung funktioniert er wieder in seiner Erzählung.
0:26:20–0:26:25
Und hat, also eskaliert dann auch letztendlich am Ende.
0:26:27–0:26:32
Ich möchte nur mal kurz ein Bild machen, weil das hier so eine Stimmung ist. Wir sind jetzt...
Micz Flor
0:26:32–0:26:34
Stimmt, kann ich ja auch machen. Ich habe zwar ältere Generation,
0:26:35–0:26:36
aber es ist, glaube ich...
0:26:39–0:26:41
Hier wieder so ein Exorzisten-Poster.
Reinhard
0:26:44–0:26:46
Eine Reise ins Herz der Finsteren.
Florian Clauß
0:26:46–0:26:54
Heart of Darkness. Wir haben hier noch eine Beleuchtung und der Plänter-Welt
0:26:54–0:26:59
ist ja auch so ein bisschen renaturiert worden.
0:26:59–0:27:03
Das heißt, wir gucken mal, was es da gibt. Ich glaube, hier gibt es sogar Gastronomie,
0:27:03–0:27:07
die entstanden ist rund um den Plänterwald.
0:27:08–0:27:14
Also, die Little Sparkle wird eben rausgeschmissen an ihrem 50.
0:27:14–0:27:19
Geburtstag und gerät dann natürlich in eine Identitätskrise.
0:27:20–0:27:22
Sie kriegt Kontakt.
0:27:23–0:27:29
Über Ecken, ja, kriegt eine Telefonnummer, anonym sieht dann halt so einen Typ,
0:27:29–0:27:33
der schätzt schon richtig ein, dass sie unter ihrem, ja, unter ihrem,
0:27:34–0:27:38
also ihrem zunehmenden Alter, das dann halt nicht mehr marktgerecht ist,
0:27:38–0:27:43
darunter leidet und steckt ihr dann halt so eine Nummer zu und da steht eine Substance drauf.
Micz Flor
0:27:43–0:27:46
Aber da ist es, glaube ich, wichtig nochmal, dass du sagst, was nicht mehr marktgerecht
0:27:46–0:27:48
ist, ist Appearance, nicht Performance.
0:27:48–0:27:53
Also Performance, sie macht das mit ihrem Körper, alles, was gefordert wird von diesem Fitness.
0:27:53–0:27:57
Das steht ja gar nicht zur Frage, aber die Appearance halt, ihr Alter sei nicht
0:27:57–0:28:00
mehr publikumstauglich.
Florian Clauß
0:28:00–0:28:03
Genau, das ist glaube ich nochmal, ja, das ist nochmal ein wichtiger Punkt,
0:28:03–0:28:08
weil nämlich, man sieht dann diese Aerobicshow, die ist unglaublich dynamisch.
0:28:09–0:28:13
Die ist auch so sehr sexy von den Posen und von den Gesen, wie es halt Aerobicshows
0:28:13–0:28:15
halt so aus den 80ern sind.
0:28:15–0:28:19
Es ist noch dieser Charme der 80er, der da mit drin hängt.
Micz Flor
0:28:20–0:28:25
Da kann ich ganz kurz was sagen, weil ich glaube, das müssen wir einfach einmal explizit ansprechen.
0:28:25–0:28:29
Der Begriff Body Horror für diesen Film ist jetzt auch noch überzogen,
0:28:29–0:28:31
weil jetzt drei Männer über Frauenkörper sprechen und wir nicht,
0:28:32–0:28:34
glaube ich, also was du gerade sagst, ist sehr sexy und sowas.
0:28:34–0:28:36
Das ist ja genau Thema des Films.
0:28:36–0:28:41
In gewisser Weise sind wir trotz aller Versuche, unsere Androgynität auszuleben,
0:28:41–0:28:44
sind wir nur die halbe Wahrheit.
Florian Clauß
0:28:44–0:28:51
Ja, ich wollte das genau sagen, weil es ist nämlich genau dieser männliche Blick,
0:28:52–0:28:57
der männliche, der male gaze, der im Prinzip jetzt...
0:28:58–0:29:04
Internalisiert ist von der Gesellschaft, sag ich mal. Internalisiert ist auch von den Frauen,
0:29:04–0:29:10
jetzt in dem Fall Elisabeth, die natürlich immer so angeguckt wird und nach
0:29:10–0:29:14
Sexsymbolen, nach Frische, nach Jugendlichkeit usw.
0:29:14–0:29:16
Dann auch eingeschätzt wird.
0:29:17–0:29:23
Und dafür stellvertretend ist eben dieser TV-Boss, der dann ganz knallhart einfach
0:29:23–0:29:27
judgt, ja, du nicht mehr, du hast hier keinen Platz mehr, du gehst.
0:29:28–0:29:33
Ja, wir brauchen was Junges, Frisches. Also dieser Blick, der jetzt natürlich
0:29:33–0:29:37
personalisiert durch den TV-Boss, aber den finden wir überall in den Blickachsen.
0:29:38–0:29:43
Das Publikum auch bei der Show selber, bei der Aerobicshow, tanzt da,
0:29:44–0:29:48
schaut dann die Kamera, wie die inszeniert ist, der ganze Stuff hinter der Kamera.
0:29:49–0:29:55
Es geht immer um Blicke bei diesem Film und auch dann immer so urteilende Blicke, die genau dieses.
0:29:57–0:30:02
Funktioniert das so wie man das eben erwartet von der Gesellschaft und ich glaube
0:30:02–0:30:06
das können wir uns als drei Männer nicht so vorstellen,
0:30:06–0:30:11
dass oder wir können es uns sehr gut vorstellen aber eben wir können es die
0:30:11–0:30:16
andere Seite nicht vorstellen ja gut aber ich meine selber kriegt man auch diesen Blick aber dieser.
0:30:18–0:30:23
Blick ist man also man muss sagen als Frau ist man diesen Blick immer ausgeliefert
0:30:23–0:30:28
In jungen Jahren, wo es natürlich dann dieses Bewertende und das Sexuelle dahintersteht,
0:30:28–0:30:31
in alten Jahren ist eben die Abwesenheit des Blickes dann auch wieder ein Thema.
0:30:32–0:30:37
Das ist ja auch das, was dann eben Demi Moore oder beziehungsweise die Hauptfigur
0:30:37–0:30:43
dazu treibt, eben diesen Schritt zu gehen, dort anzurufen und nach der Substance zu verlangen.
0:30:44–0:30:49
Ist im Prinzip, man kann es dann so beschreiben, also wenn man sich dann auch
0:30:49–0:30:58
anschaut, was eben Frauen für Möglichkeiten haben, um eben dann eben diesen,
0:30:59–0:31:04
ich sag mal so, um sich dann halt entsprechend dann aufzubereiten,
0:31:04–0:31:08
ja, diesen Blick, diesen fordernden Blick halt auch standzuhalten.
0:31:08–0:31:12
Das sind ja so Kosmetika auf der einen Seite und dann geht es ja weiter auf
0:31:12–0:31:16
der anderen Seite, dass du dann anfängst so Schönheitscheorie oder andere Sachen zu machen,
0:31:16–0:31:23
um dann halt jung und jugendlich und diesem Idealbild der sexy Frau dann auch
0:31:23–0:31:28
standzuhalten, um eben das zu machen, gibt es diese Mittel.
0:31:28–0:31:33
Und an dieser Stelle bietet eben das Substance ein pharmazeutisches Mittel,
0:31:34–0:31:36
was aber mit so einem ganz klaren Rules-Set daherkommt.
Micz Flor
0:31:38–0:31:44
Ja, die Substance muss man sagen, das kommt ja fast unerwartet zu ihr über einen
0:31:44–0:31:45
Arztbesuch, den sie hat.
0:31:45–0:31:50
Und dann ein junger Arzt, der dann irgendwas rumtestet und das Gefühl hat,
0:31:50–0:31:52
das könnte passen, er nuschelt dann noch irgendwas.
Florian Clauß
0:31:53–0:31:54
Ihre Wirbelsäule ab, die er hat.
Micz Flor
0:31:54–0:31:57
Ja, genau. Und dann sagt er irgendwie, das könnte gehen oder irgend so.
0:31:58–0:32:01
Aber mit dem hat sie nicht direkt Kontakt, der ist dann weg,
0:32:01–0:32:03
aber dann kommt dieses Substance.
Florian Clauß
0:32:04–0:32:05
Also der Arzt.
Micz Flor
0:32:06–0:32:07
Eine Nummer kriegt sie zuerst.
Florian Clauß
0:32:07–0:32:11
Eine Nummer, ja, eine Nummer. Da ruft sie an und sie wird dann geleitet und
0:32:11–0:32:14
kommt dann in so einem anonymen Postfach.
0:32:14–0:32:19
Alles ist immer sehr klinisch inszeniert. Das ist auch so ein typisches Attribut
0:32:19–0:32:23
von Body Horror, dass es dann halt in so einer klinischen Atmosphäre stattfinden kann.
0:32:23–0:32:30
Und sie kriegt dann diese Substanz und da steht wirklich so in Großbuchstaben
0:32:30–0:32:32
sehr einfach wie so eine Ikea-Anleitung,
0:32:34–0:32:41
vorgetragen, also die Regeln sind you activate only once you stabilize every day,
0:32:42–0:32:48
You switch every seven days without exception und dann remember you are one.
0:32:48–0:32:51
Ja, also what can possibly go wrong?
0:32:52–0:32:55
Da weiß man schon, das ist schief.
0:32:56–0:33:02
Switch every day without any exception. Every seven days without any exception.
0:33:02–0:33:10
Ja, und es kommt dann eben, dass man diese Substanz, dass Elisabeth diese Substanz
0:33:10–0:33:17
sich dann spritzt und da kommt es quasi zu so, ja, es ist halt so eine Selbstgeburt.
0:33:17–0:33:23
Also das ist schon sehr explizit dann auch inszeniert in dem Badezimmer von
0:33:23–0:33:30
ihr, das auch total steril gehalten ist. Und sie schlüpft dann aus sich selbst,
0:33:30–0:33:31
schlüpft dann die jüngere Sue.
0:33:33–0:33:38
Und Elisabeth ist dann so eine, ja, sie sieht fast leblos aus,
0:33:38–0:33:40
eine Hülle mit einer riesen Narbe.
0:33:40–0:33:44
Und sie wird dann an so einen Versorgungstrakt angeschlossen,
0:33:44–0:33:47
was dann auch von der Substance mitkommt.
0:33:47–0:33:54
Und Sue ist quasi das jüngere Ideal von ihr, die dann in die Welt gehen kann
0:33:54–0:33:59
und genau das verkörpert, was jetzt eben Elisabeth gefehlt hat.
0:34:00–0:34:04
Und Sue bekommt dann tatsächlich auch die Nachfolgeschow von Elisabeth.
0:34:05–0:34:09
Nachdem die abgesetzt wurde, wurde halt ausgeschrieben, wer die übernehmen kann.
0:34:10–0:34:13
Sue bewirbt sich und sie hat auch eine unglaubliche... Also da ist es auch so,
0:34:13–0:34:17
dass diese Bewegung, das wird nicht in Frage gestellt, weil die können alle
0:34:17–0:34:21
perfekt dann halt auch die Choreografie vortragen.
0:34:22–0:34:26
Und du siehst sie auch nie proben. Die sind auf der Bühne und machen halt ihre
0:34:26–0:34:29
Choreo und es ist super auf den Punkt.
0:34:31–0:34:35
Ja, aber auch die Ältere kann das ja auch. Also das, was Mitch gesagt hat,
0:34:36–0:34:37
da wird es ja gar nicht in Frage gestellt.
0:34:37–0:34:41
Also sie erfüllt noch voll diesen Zweck, diese Bewegung und so weiter,
0:34:41–0:34:43
aber sie sieht halt nicht mehr so aus.
0:34:43–0:34:51
Und das ist ja nochmal das Brutale da drin. Und Sue ist dann halt auch sehr vom Typen her,
0:34:52–0:34:59
sie weiß genau, wie es funktioniert und ist dann auch sehr erfolgreich in der
0:34:59–0:35:03
Show und steigt dann immer eine Karriereleiter nach der anderen hoch,
0:35:03–0:35:06
gepusht von Harvey, der dann ein totaler Fan von ihr ist.
0:35:07–0:35:14
Weil sie genau diese Ideale erfüllen kann und auch damit massentauglich wird.
0:35:14–0:35:19
Und das Interessante ist, dass in diesem Apartment, also da liegt eben Elisabeth
0:35:19–0:35:23
rum, dass Sue baut dann auch so eine Nische für sie, weil sie die dann nicht
0:35:23–0:35:25
mehr im Bad rumliegen haben will.
0:35:25–0:35:30
So eine abseitige Nische, die dann durch so eine Tür versperrt ist,
0:35:30–0:35:31
dass man die halt auch wegsperren kann.
0:35:31–0:35:35
Und sie lässt dann auch das Bild von ihr, was dann im Wohnzimmer hängt,
0:35:35–0:35:40
ein riesengroßes Bild von Elisabeth, das lässt sie dann austauschen oder wegbringen.
0:35:40–0:35:45
Ja, und dann gegenüber ist so eine Werbetafel, auf die man dann halt aus dem
0:35:45–0:35:46
Fenster raus drauf blickt.
0:35:47–0:35:53
Und da ist jetzt Sue mit ihrer neuen Show dann auch als Werbetafel angebracht.
0:35:53–0:35:59
Also man sieht ständig irgendwo dann die andere, die andere Figur,
0:35:59–0:36:02
das andere selbst der Figur.
0:36:03–0:36:07
Und es kommt, wie es kommen muss, haben wir schon gesagt, das Ganze eskaliert.
0:36:08–0:36:15
Das Ding ist, dass Sue dann gegen die Regel verstößt und statt sieben Tage macht sie mal acht Tage.
0:36:16–0:36:21
Als dann Elisabeth quasi wieder in ihrer alten Gestalt ist oder dann wieder
0:36:21–0:36:26
transformiert, dann sieht sie auf einmal, dass ihre Hand, glaube ich, ist komplett alt.
Micz Flor
0:36:26–0:36:27
Der linke Zeigefinger.
Florian Clauß
0:36:27–0:36:28
Der Zeigefinger.
Micz Flor
0:36:28–0:36:29
Nur der eine Finger.
Florian Clauß
0:36:29–0:36:32
Genau, also das heißt, sobald du gegen diese Regel...
Micz Flor
0:36:32–0:36:33
Der rechte Zeigefinger.
Florian Clauß
0:36:33–0:36:40
Der rechte, es sieht aus wie von einer alten Frau. Sobald du gegen diese Regel verstößt.
Micz Flor
0:36:40–0:36:41
Wird das so voll abgestockt.
Florian Clauß
0:36:41–0:36:41
Geht eigentlich aus wie von einer Hexe.
Micz Flor
0:36:42–0:36:46
Genau, habe ich auch gedacht. Ja, es ist nicht nur alt, sondern der ganze Film
0:36:46–0:36:50
ist über, also alles ist auf zwölf und deshalb ist ein alter Finger da dann
0:36:50–0:36:55
auch gleich eher schon was, was ein bisschen an den Dracula bei Coppola erinnert.
0:36:55–0:37:01
Also diese sehr dicken Fingernägel und so grün geschrumpft.
Florian Clauß
0:37:02–0:37:09
Ja, ja, also es wird, das ist auch das, was diesen Ekel auslöst, ne? Also, ähm.
0:37:11–0:37:17
Der Film arbeitet auch mit Close-Ups und mit allen möglichen Sekreten,
0:37:18–0:37:20
die dann aus allen möglichen Öffnungen rauskommen.
0:37:20–0:37:27
Also Body Horror hat auch viel von der Kamera-Ästhetik und Inszenierung mit
0:37:27–0:37:30
Porno zu tun, weil es einfach so dieses Close-Up draufhalten,
0:37:30–0:37:32
obwohl es immer auch ein Andeuten ist.
0:37:33–0:37:36
Das vielleicht ist doch nicht so wie Porno, weil Porno dann halt immer drauf
0:37:36–0:37:41
bleibt. Ja, wenn bei Body Horror sehen wir dann halt häufig auch dann nur das
0:37:41–0:37:45
Angedeutete und dann wieder ein Schwenk zurück, dass man halt den Rest sich imaginieren kann.
Reinhard
0:37:45–0:37:49
Also ich fand bei diesem Film, bei The Substance, funktioniert der Body Horror
0:37:49–0:37:54
tatsächlich gar nicht so sehr über das Visuelle, sondern schlimmer finde ich die Geräusche.
0:37:54–0:37:59
Also in dem Moment, den du eben geschildert hast, wo das jüngere Ich aus dem
0:37:59–0:38:04
älteren Ich herauskriegt, da ist dann der Rücken offen und der muss wieder zugenäht werden.
0:38:04–0:38:08
Und das sehen wir also in sehr schönen Close-Ups. Aber das Fiese,
0:38:08–0:38:11
das wirklich Gemeine und Gruselige und was eine Gänsehaut macht,
0:38:11–0:38:13
ist der Ton, den wir da zu hören.
0:38:14–0:38:20
Dieses Schmatzige, wenn der dicke Faden, ein sehr dicker Faden durch die Haut des Rückens geht.
0:38:21–0:38:24
Und diese Geräusche, die haben wir öfter nochmal, auch wenn eine Spritze,
0:38:24–0:38:26
wenn eine Injektion gesetzt wird.
0:38:26–0:38:30
Das Geräusch, wenn die Kanüle in die Haut gestoßen wird.
0:38:30–0:38:34
Das alles, das ist wirklich, das fand ich wirklich die grüßlichste Momente.
Florian Clauß
0:38:35–0:38:40
Ja, also das Audiodesign von einem Film ist wirklich sehr stark, ja.
0:38:40–0:38:45
Und das ist so fast, als ob dann eben durch dieses, der fehlende Geruchssinn
0:38:45–0:38:52
wird durch diese, durch das Auditive ersetzt, ne, weil man kriegt dann,
0:38:52–0:38:54
man ist dann noch näher dran, ja.
0:38:54–0:38:58
Und das ist auch wieder völlig übertriebene Geräusche, die nichts damit zu tun
0:38:58–0:39:02
haben, aber die machen dich dann schon so ein bisschen so, ja.
0:39:04–0:39:10
Sue bekommt dann ihre Show, macht Karriere und als Perspektive kriegt sie dann,
0:39:10–0:39:17
also als großen Sprung, wird in ihr in Aussicht gestellt, dass sie die Abschlussgala,
0:39:17–0:39:19
die Silvester-Show moderieren kann.
0:39:23–0:39:28
Verlängert immer weiter, immer länger ihre Seven Days.
0:39:28–0:39:35
Und gleichzeitig wird eben Elisabeth als menschliche Ressource dafür ausgebeutet. Das heißt,
0:39:37–0:39:44
der Finger zerfällt sie, also sie zerfällt nicht, aber es hat ganze Körperteile,
0:39:44–0:39:46
sind komplett gealtert von ihr.
0:39:48–0:39:54
Und Elisabeth kommt dann eben, ich weiß gar nicht, ist das das Bein oder der Arm?
0:39:54–0:39:57
Auf jeden Fall sieht sie total degeneriert aus.
Reinhard
0:39:57–0:39:59
Der 750-Jährige im Grunde.
Florian Clauß
0:40:00–0:40:03
Und sie fängt dann auch an, wenn sie, genau, sie hatte auch das,
0:40:03–0:40:08
wenn sie dann halt quasi in ihren echten sieben Tagen, wo sie dann ihr Leben
0:40:08–0:40:11
wieder hat, ja, da ist sie eigentlich die ganze Zeit nur am Essen.
0:40:11–0:40:19
Und sie hat überhaupt kein sinnerfüllendes Leben mehr, sondern sie ist eigentlich
0:40:19–0:40:22
nur noch in der Konkurrenz zu ihrem jüngeren Ich.
0:40:23–0:40:26
Und das ist ja so dieser Kampf. Man hat ja auch nicht das Gefühl,
0:40:26–0:40:31
dass die beiden Darstellerinnen irgendwas miteinander zu tun haben.
0:40:31–0:40:36
Die sind so konträr, dass man die als eine Person überhaupt nicht denken kann.
0:40:36–0:40:42
Ja, das ist, also sie fangen dann quasi gegeneinander an zu kämpfen,
0:40:42–0:40:46
ja, also beziehungsweise die Jüngere nimmt sich immer mehr raus,
0:40:46–0:40:48
um dann halt auch ihre Ziele zu verwirklichen.
0:40:49–0:40:53
Sie braucht dann halt immer mehr Zeit, um dann halt auch die Show vorzubereiten,
0:40:54–0:40:57
um dann halt auch die jungen Männer abzuschleppen und so weiter.
0:40:57–0:41:02
Also das wird immer, das dehnt sich immer weiter aus und gleichzeitig geht das
0:41:02–0:41:06
eben auf Lasten von Elisabeth.
0:41:07–0:41:12
Aber wir wissen, es bleibt ja dann in einer kausalen Zusammenhang,
0:41:13–0:41:18
nämlich je mehr sie dann eben Elisabeth ausbeutet, desto mehr fällt das auf sie zurück.
0:41:18–0:41:30
Und sie versucht dann noch zuletzt noch das letzte Quäntchen,
0:41:30–0:41:33
das ist auch sehr haptisch, optisch dargestellt,
0:41:33–0:41:40
so das letzte Quäntchen an Lebenssaft ihr dann noch an Flüssigkeit rauszulocken,
0:41:40–0:41:42
damit sie weiter noch in der Sioux-Rolle bleiben kann.
0:41:42–0:41:47
Aber das kann sie ja nie mal aufrechthalten. Und dann gibt es halt diesen,
0:41:47–0:41:50
ich muss es gerade noch mal, weil es länger her ist, dass ich es gesehen habe,
0:41:50–0:41:53
kriege ich sie wieder ganz zusammen, dann gibt es halt diese Silvester-Show
0:41:53–0:41:55
und sie kommt dann da hin,
0:41:57–0:41:59
aber hat er noch nicht geswitcht oder so.
0:42:00–0:42:01
Könnt ihr das noch erinnern?
Micz Flor
0:42:01–0:42:04
Das ist interessant, du sagst, weil ich auch nämlich gerade überlegt habe,
0:42:04–0:42:08
wie ging denn dieser Showdown? Weil die beiden haben sich dann in so einem...
Reinhard
0:42:08–0:42:11
Die Ältere versucht es zu terminieren. Sie sagt irgendwann, sie ist dann so
0:42:11–0:42:15
verkrüppelt, Und dass sie da anruft an dieser Hotline und sagt,
0:42:15–0:42:16
ich will jetzt aufhören.
0:42:16–0:42:20
Wo man eigentlich als Zuschauer denkt, ja, ein bisschen Spätmädchen eigentlich.
Micz Flor
0:42:21–0:42:26
Mädchen. Das ist gut, dass du das völlig auslebst, dieses männliche Klischee.
Reinhard
0:42:28–0:42:33
Sie will aufhören und dann bekommt sie eine Spritze, da steht dann drauf Terminator.
0:42:35–0:42:39
Und die jagt ihrem jüngeren Ich in die Brust. Und die stirbt dann tatsächlich.
0:42:39–0:42:46
Und dann bekommt sie Gewissensbisse und startet so eine Wiederbelebungsaktion,
0:42:47–0:42:51
indem sie sich dann nochmal anschließt, die Körpersäfte werden nochmal getauscht,
0:42:51–0:42:55
dann wacht die wieder auf, kriegt mit, dass die Ältere sie umbringen wollte
0:42:55–0:42:56
und bringt da die Ältere um.
0:42:58–0:43:03
Und dann macht sie sich auf zu dieser Show, glaube ich.
0:43:04–0:43:07
Aber dabei ist irgendwie, ich glaube, mich richtig zu erinnern,
0:43:08–0:43:13
dass sie dann schon, also dadurch, dass sie wiederbelebt wurde,
0:43:13–0:43:16
illegalerweise, durfte sie anhand der Regeln eigentlich gar nicht,
0:43:16–0:43:19
dieser Terminator durfte da nicht eingesetzt werden, keine Ahnung,
0:43:19–0:43:22
ich weiß nicht mehr genau. Auf jeden Fall fängt sie auch an sich zu.
0:43:24–0:43:27
In irgendein Monster zu transformieren.
Micz Flor
0:43:27–0:43:31
Sie wulstet so. Sie wächst in alle Richtungen.
Florian Clauß
0:43:31–0:43:35
Das ist noch nicht so der Fall. Das ist so.
Micz Flor
0:43:36–0:43:38
Jetzt fährt es mir wieder ein.
Florian Clauß
0:43:39–0:43:44
Sie geht da hin und fängt dann an. Sie merkt auf einmal, dass ihre Zähne ausfallen.
0:43:45–0:43:46
Und dass ihr Ohr runterfällt.
0:43:48–0:43:51
Und sie merkt irgendwie, scheiße, so kann sie sich schon nicht machen.
0:43:51–0:43:54
Sie muss sich was anderes einfallen lassen.
0:43:54–0:44:00
Und dann geht sie wieder nach Hause und nimmt diese Substanz,
0:44:00–0:44:06
die man eigentlich nur einmal zum Aktivieren nehmen darf, spritzt die sich und
0:44:06–0:44:08
dann fängt sie an komplett zu mutieren.
0:44:09–0:44:12
Also das ist dann wie so... Chaos. Ja, das ist dann halt wirklich so...
0:44:13–0:44:20
Dann hat sie überhaupt keine Gestalt mehr so richtig... Sieht aus wie Toxic Avenger.
Reinhard
0:44:21–0:44:26
Schluss von die Fliege, dieses Monster, was da auf diesen Transmitter steigt.
Micz Flor
0:44:27–0:44:30
Ja, bei dem fällt ja auch das Ohr ab, da geht es ja auch einmal,
0:44:30–0:44:31
dass ihm das Ohr runterfällt.
Florian Clauß
0:44:32–0:44:36
Stimmt, ja. Ja, sie hat dann zum Beispiel, auf der Brust ist ein Gebiss,
0:44:36–0:44:41
sie hat mehrere Gesichter, sie hat viele Augen, auch Brüstequellen irgendwo
0:44:41–0:44:46
raus und, aber dann kommt es so ein Moment, wo ich dann auch gedacht habe,
0:44:47–0:44:50
ja, da ist sie irgendwie mit sich selbst im Eins.
0:44:50–0:44:53
Sie fängt dann an, sich für die Show herzurichten.
0:44:53–0:44:59
Sie will die Ohrringe dann einsetzen und sucht nach den Ohren und steckt sie
0:44:59–0:45:01
sich dann irgendwo rein.
0:45:03–0:45:07
Ihre drei, vier Haarbüschel fängt sie dann an, mit so einem Lockenwickler dann
0:45:07–0:45:10
halt auch wirklich aufzutopieren und sie...
0:45:11–0:45:16
Hat sich eine Maske von ihrem jüngeren Ich dann gebastelt, klebt die sich aufs
0:45:16–0:45:19
Gesicht, hat noch diesen Törock an.
Reinhard
0:45:19–0:45:20
Das ist nur ein Zettel eigentlich.
Florian Clauß
0:45:20–0:45:22
Das ist nur ein Foto.
Reinhard
0:45:22–0:45:25
Was sie sieht und jeder müsste sofort sehen, da steht jetzt was gewaltig.
0:45:26–0:45:30
Aber sie geht in dieses Studio bis auf die Bühne, ohne dass irgendjemand sie auffällt.
Florian Clauß
0:45:30–0:45:38
Ja und alle sagen, wir lieben dich und sie hat auch so rot Lippen gemacht.
0:45:38–0:45:43
Und dann kommt sie, dann stehen schon alle, die ganze Tänzerinnen stehen bereit.
0:45:43–0:45:49
Und dann steht sie am Mikrofon und brubbelt irgendetwas von sich hin.
0:45:49–0:45:56
Und dann fällt die Maske runter und alle sind schockiert. Und eine Frau schreit dann, it's a monster.
0:45:57–0:46:04
Und dann fängt quasi so der Splatter-Teil des Films an, wo dann ihr irgendwas
0:46:04–0:46:10
auf den Kopf geschlagen wird. und der ganze Kopf anfängt zu explodieren.
0:46:10–0:46:15
Und dann wulstet irgendwas anderes noch raus, einen weiteren Kopf.
0:46:15–0:46:20
Und auf einmal ist dann nur noch Blut, was dann halt stundenlang rumspritzt.
0:46:21–0:46:28
Wie bei Braindead, das Ende, wo dann halt Fontänen von Blut in das Publikum gespritzt werden.
0:46:28–0:46:35
Alle sind schreiend und es ist eine völlige Eskalation, die Szene.
0:46:35–0:46:42
Und sie geht dann am Ende den Gang von diesem Studio lang und spritzt dann auch alles voller Blut.
0:46:43–0:46:46
Und sie hat dann auch in ihrer Mutation,
0:46:47–0:46:53
hat sie noch so dieses an einer Stelle hinten am Rücken irgendwo dieses ältere
0:46:53–0:46:58
Elisabeth-Gesicht, was eigentlich nur noch so einen Mund auf nichts sagen kann
0:46:58–0:46:59
und die ganze Zeit so aufregt.
0:47:00–0:47:07
Und dann das, was von diesem Blob noch übrig geblieben ist,
0:47:07–0:47:11
das sackt dann irgendwann zusammen und dann kriecht nur noch dieses Gesicht
0:47:11–0:47:15
wie so eine Art Seestern mit so ein bisschen Masse, kriecht dann noch am Ende
0:47:15–0:47:19
auf diesen Stern, den wir am Anfang sehen,
0:47:19–0:47:22
wo der Elisabeth Sparkle draufsteht.
0:47:23–0:47:25
Und sie schaut, man sieht dann halt einen Perspektivwechsel,
0:47:25–0:47:26
sie schaut in den Himmel.
0:47:27–0:47:30
Und auf einmal sieht sie dann auch tatsächlich solche Sparkles,
0:47:30–0:47:35
also so Funken auf sich niederregenden Sternen. Und sie fängt an,
0:47:36–0:47:41
sie grinst und freut sich. Und irgendwie ist es so ein Happy End.
0:47:41–0:47:45
Sie löst sich dann auch auf in einem großen roten Fleck.
0:47:46–0:47:51
So, und damit endet die Geschichte. Und dann wird noch am Ende der Stern geputzt.
Reinhard
0:47:51–0:47:52
Da kommt die Kehrmaschine.
Florian Clauß
0:47:53–0:47:59
Die Kehrmaschine und fegt den Rest weg, ja. Also das ist jetzt mal so im Groben.
0:48:01–0:48:06
Ich wollte noch erwähnen, dass als sie auf der Bühne steht vor dem Publikum,
0:48:07–0:48:13
dann versucht sie sich zu verteidigen und sagt noch so, it's me, it's still me.
0:48:14–0:48:19
Also sie sagt noch, ich bin's noch, ja, während sie versucht dann zu appellieren,
0:48:19–0:48:24
so ich bin noch diejenige, die hier diese Show gemacht hat oder die hier.
0:48:24–0:48:27
Und natürlich ist sie gar nichts mehr von allem.
0:48:28–0:48:33
Aber das finde ich ganz schön, weil das dann auf einmal wieder so eine Individualität
0:48:33–0:48:39
und so ein Selbstbewusstsein zeigt, was jetzt die ganze Zeit eben zerbrochen war.
0:48:40–0:48:44
Als Vorgeschichte dazu, das ist ein Detail, was man vielleicht noch erwähnen sollte.
0:48:45–0:48:50
Bevor diese Silvestershow losgeht oder als Vorbereitung hat sie einen riesigen Rosenstrauß bekommen.
Reinhard
0:48:50–0:48:55
Und da steht so ein Schildchen drauf mit dem Satz They will love you.
Florian Clauß
0:48:55–0:48:56
Ah ja, genau.
Reinhard
0:48:56–0:49:01
Und da verstehen wir, und der wird mehrmals ins Bild gesetzt, dieser Rosenstrauß,
0:49:04–0:49:09
Und das ist eigentlich die tiefere Motivation. Sie möchte, also der Wunsch,
0:49:09–0:49:13
geliebt zu werden, und das drückt sie ja dann auch aus, wenn sie da vorne steht.
0:49:13–0:49:16
Ich bin es doch, ihr müsst mich doch lieben. Ja.
0:49:18–0:49:22
Und das Fatale ist halt, dass es in unserer Gesellschaft so verknüpft ist,
0:49:22–0:49:26
dass wir denken, nur noch dann geliebt zu werden, wenn wir schön und jung sind.
Florian Clauß
0:49:26–0:49:34
Ja, vor allen Dingen die Frauen in unserer Gesellschaft.
Micz Flor
0:49:34–0:49:41
Dazu gibt es ja dann auch, da gibt es ja noch zwei kleine Männernebenrollen, die damit zu tun haben.
0:49:41–0:49:53
Das eine ist der jüngere Nachbar, der total der jungen Hauptstadt sofort verfallen ist und verzaubert ist.
0:49:53–0:49:57
Und dann gibt es aber auch, nachdem sie gefeuert wurde, kommt da jemand auf
0:49:57–0:49:59
sie zu, der sie noch aus der Schule kennt oder so.
0:50:00–0:50:04
Ah ja, genau. Der sie sehr attraktiv findet und der so ein bisschen schüchtern
0:50:04–0:50:06
sagt, wir könnten ja mal einen Kaffee trinken gehen. Sowas in der Art.
0:50:06–0:50:07
Ich weiß nicht mehr genau, was das ist.
0:50:08–0:50:13
Und mit dem kann sie aber gerade gar nicht umgehen, weil sie die Liebe der ganzen
0:50:13–0:50:16
Welt verloren hat. Kommt sein Interesse bei ihr nicht richtig an.
0:50:17–0:50:21
Und später möchte sie sich mit ihm treffen und dann kommt aber der Finger in
0:50:21–0:50:26
den Weg. und dieser sehr frühe Zerfall, wo sie sich doch wieder zu sehr schämt und sich zurückzieht.
Reinhard
0:50:26–0:50:31
Also das ist wirklich die einzige Szene in dem Film, jetzt greife ich ein bisschen
0:50:31–0:50:34
vor in meiner Beserkung, aber das ist die einzige Szene in dem Film,
0:50:34–0:50:37
die mich innerlich wirklich berührt hat.
0:50:37–0:50:42
Also wo ich auch tatsächlich mich mit der Protagonistin identifizieren konnte.
0:50:42–0:50:47
Also sie verabredet sich dann mit diesem alten Freund, weil sie sich einsam fühlt.
0:50:48–0:50:53
Und sie machen ein Essen aus. Er ist ganz überrascht, weil er eigentlich so
0:50:53–0:51:01
auch mit ihrem älteren Ich völlig fasziniert ist von diesem älteren Ich und
0:51:01–0:51:02
sie wunderschön findet. Ja.
0:51:03–0:51:08
Und dann verabreden sie sich und sie steht vorm Spiegel, macht sich fertig,
0:51:08–0:51:10
probiert zehn verschiedene Kleider an,
0:51:11–0:51:17
macht ihre Haare, legt Make-up auf und dann steht sie vorm Spiegel und sieht
0:51:17–0:51:19
ihr älteres Ich und ist damit so unzufrieden, dass sie anfängt,
0:51:19–0:51:23
sich wieder abzuschminken, wieder neu zu schminken, noch was anderes anzuziehen,
0:51:23–0:51:24
noch mal was anderes anzuziehen.
0:51:24–0:51:28
Und dann sehen wir, dann gibt es einen Zeitpunkt und wir sehen,
0:51:28–0:51:32
wie sie weinend auf ihrem Bett sitzt und sie hat diese Verabredung ausfallen lassen.
0:51:33–0:51:39
Das ist die tragischste Szene in dieser Film.
0:51:40–0:51:42
Dafür fand ich, war es es wert.
Florian Clauß
0:51:42–0:51:48
Der Film. Der Film war das wert. Ja, ich meine, es ist sehr plakativ einfach.
0:51:48–0:51:53
Das heißt, das könnte ja ihr Leben in der zweiten Lebenshälfte sein,
0:51:53–0:51:59
wo sie sich dann eher so auf so eine Beziehung besinnt und mehr zu sich zur
0:51:59–0:52:00
Ruhe kommt, wie auch immer,
0:52:00–0:52:05
sich neu verlieben kann und einfach auch neue Ideale findet in ihrem Leben.
0:52:05–0:52:10
Aber sie kann sich nicht lösen, weil ihr jüngeres Ich dann quasi sie da zurückhält.
0:52:10–0:52:14
Und sie kann gar kein eigenes Leben mehr entwickeln.
0:52:14–0:52:19
Das ist ja so diese Fatalität in der ganzen Konstellation.
Reinhard
0:52:19–0:52:22
Ja, ich finde das andere, also den ganzen Rest der Geschichte,
0:52:22–0:52:27
finde ich wirklich ein bisschen sehr überkonstruiert und auch ziemlich bizarr und eher,
0:52:28–0:52:33
es ist eher eine Farce, aber in dieser kleinen Szene ist unglaublich viel Wahrheit
0:52:33–0:52:37
drin und dass wir glauben, nicht geliebt werden zu können,
0:52:37–0:52:41
weil wir uns selbst nicht lieben und dass wir uns damit so sehr im Weg stehen
0:52:41–0:52:44
und das ist ja auch tatsächlich noch gut, das wird dann auf einer sehr oberflächlichen
0:52:44–0:52:46
Ebene, erzählt der Film das auch.
0:52:47–0:52:52
Dass wir sozusagen dadurch, dass wir diese unglaubliche Sehnsucht danach,
0:52:53–0:52:57
jung und schön zu sein und beliebt zu werden, dass wir uns damit eigentlich selbst verletzen.
0:52:58–0:53:02
Das ist ja, also so könnte man ja ganz platt den Botschaften des Films zusammenfassen.
Florian Clauß
0:53:02–0:53:07
Ja, obwohl, ich meine, der nimmt jetzt nicht unbedingt der Film diese Position
0:53:07–0:53:12
der, ich sag mal, der Älteren ein, ja.
0:53:12–0:53:17
Sondern so wie jetzt Demi Moore auch dargestellt wird oder auch der Blob,
0:53:17–0:53:22
der am Ende ist, wird ja auch dann so inszeniert, dass es tatsächlich abstoßend ekelerregend ist.
0:53:23–0:53:28
Also du findest ja auch dann die Jüngere viel attraktiver.
Reinhard
0:53:28–0:53:31
Und das findest du wirklich?
Florian Clauß
0:53:31–0:53:34
Nein, da muss ich jetzt schon widersprechen. Nein, nein, nein,
0:53:35–0:53:40
ja, aber so ist es inszeniert von der Poppigkeit her, von der Kameraführung
0:53:40–0:53:44
und wie die auch dargestellt und ausgestellt werden.
0:53:45–0:53:50
Also klar hat natürlich Demi Moore, wenn sie dann nackt vor dem Spiegel steht,
0:53:50–0:53:54
auch was sehr Attraktives, aber es ist nicht so inszeniert.
Reinhard
0:53:55–0:54:00
Da muss ich entschieden widersprechen. Ich finde ganz offensichtlich,
0:54:00–0:54:06
also diese Jüngere, diese Sue, die ist, also ich finde sie so unsympathisch
0:54:06–0:54:09
und das wird auch deutlich, also so ist es auch unszeniert.
0:54:09–0:54:15
Sie spielt das wirklich, sie ist eine knallharte Karrierefrau und sie ist rücksichtslos.
0:54:15–0:54:19
Sie hält diese Regeln, diese festen Regeln nicht ein. Sie ist eigentlich der
0:54:19–0:54:24
böse Teil dieses verdoppelten Ichs.
0:54:24–0:54:29
Das ist ja eigentlich, also das Motiv ist ja ziemlich alt, das ist ja das Doppelgängermotiv
0:54:29–0:54:33
eigentlich, was da, was wir da vorgeführt bekommen.
0:54:33–0:54:36
Das geht ja zurück, das ist auch in die Romantik, die deutsche Romantik.
0:54:36–0:54:38
Ich glaube, E.T. Hoffmann,
0:54:39–0:54:46
Um 1800 rum hat er zwei Geschichten geschrieben. Und dann gab es dieses Mr. Jekyll, Mr.
Florian Clauß
0:54:46–0:54:48
Hyde, auch Dorian Gray.
Reinhard
0:54:48–0:54:51
Ganz genau, das sind alles ähnliche Motive. Und es geht immer darum,
0:54:52–0:54:56
dass wir sozusagen einen guten Teil in uns haben und einen bösen Teil.
0:54:57–0:54:59
Und diese beiden werden dann sozusagen externalisiert.
0:55:02–0:55:06
Das, was eigentlich seelisch in uns ist, wird nach außen verlagert und diese
0:55:06–0:55:07
beiden bekämpfen sich dann.
0:55:08–0:55:12
In dieser Geschichte, in The Substance, finde ich es ganz eindeutig,
0:55:12–0:55:14
dass die Jüngere die Böse ist.
Florian Clauß
0:55:14–0:55:15
Ja, ja, auf jeden Fall.
Reinhard
0:55:16–0:55:21
Gemeine, die Hinterlistige. Und die Ältere tut uns doch leid.
Florian Clauß
0:55:21–0:55:25
Ja, man hat eben, man fühlt schon mit ihr so mehr oder weniger,
0:55:25–0:55:28
aber gleichzeitig denkt man ja auch, okay.
0:55:28–0:55:33
Also ich meine, so richtig identifizieren tut man sich dann doch nicht mit ihr.
0:55:33–0:55:37
Weil sie hat das ja in die Wege geleitet und sie ist ja so selbst gemacht.
0:55:39–0:55:45
Also dieser Ageism, was er auf der einen Seite anprangert, aber auf der anderen Seite auch ausstellt.
0:55:45–0:55:48
Das meine ich halt so mit dem. Das könnte man dem Film nachsagen.
Reinhard
0:55:49–0:55:51
Ich finde, das kann man dem Film durchaus anlassen.
0:55:53–0:55:56
Er stellt schon sehr diese Ästhetik aus.
0:55:57–0:56:01
Die Inszenierung weidet sich ja an den nackten Frauenkörpern auch.
0:56:02–0:56:07
Wir sehen ganz viele Brüste unter der Dusche. und eigentlich steht,
0:56:07–0:56:11
dass der Botschaft des Films, wenn der Film dann eine Botschaft hat oder haben
0:56:11–0:56:14
möchte, finde ich schon im Wege.
Florian Clauß
0:56:14–0:56:19
Ja, genau, wenn man dann sagt, das könnte die feministische Kritik sein,
0:56:19–0:56:22
aber ich glaube, das will der Film gar nicht so.
0:56:22–0:56:25
Ich glaube, es geht wirklich so um diesen Film, was wir am Anfang gesagt haben.
0:56:26–0:56:32
Der Film will einfach so ein Hochglanzplakat oder Format sein und diese Bilder
0:56:32–0:56:37
halt so schrill wie möglich und die Figuren so stereotypisch wie möglich darstellen.
0:56:37–0:56:42
Und dann auch das Ende funktioniert auch so in diesem totalen...
0:56:43–0:56:48
Ich sage mal, in dieser totalen Eskalation auf der Bühne.
0:56:48–0:56:53
Also ich glaube, der schärft alles auf diese Situation und bleibt dann irgendwie
0:56:53–0:56:57
ein bisschen flach, aber schafft Bilder, die einfach hängen bleiben.
Reinhard
0:56:57–0:57:02
Mich in dem Zusammenhang wirklich wundert, dass der Film in Cannes ausgerechnet
0:57:02–0:57:04
den Drehbuchpreis bekommen hat.
0:57:04–0:57:11
Weil ich finde, die Story ist eigentlich wirklich ziemlich schlack und nicht sehr tiefgründig.
0:57:13–0:57:18
Das Besondere oder das Gute an dem Film sind die fantastische Ausstattung die
0:57:18–0:57:25
Darsteller und der Soundtrack und einige von diesen visuellen Effekten,
0:57:25–0:57:30
die wir da sehen aber dem Film ausgerechnet einen Preis für das Drehbuch zu
0:57:30–0:57:33
geben, das finde ich fragt so Ja.
Florian Clauß
0:57:33–0:57:38
Vielleicht, ich kann mir das nur so erklären weil ja Fargo auch das Drehbuch
0:57:38–0:57:43
geschrieben hat und Regie geführt hat und vielleicht ist das jetzt so ein kleiner
0:57:43–0:57:47
Regiepreis gewesen und so durch die Hintertür des Drehbuchs, um dann...
Reinhard
0:57:47–0:57:48
Verdacht, genau.
Micz Flor
0:57:50–0:57:53
Ich wollte noch eine Sache sagen, du hast gerade so ein bisschen nachgedacht,
0:57:53–0:57:56
weil wir vorhin angesprochen haben, diese Wer-spricht-über-wen-Sache,
0:57:57–0:58:00
und ich dann gedacht habe, was wäre denn jetzt so ein Film, wo es um Männlichkeit
0:58:00–0:58:07
geht und was irgendwie so ein Männer, also wo man dann den besprechen könnte.
0:58:07–0:58:11
Das Einzige, was mir eingefallen ist, war dann Iron Man, Diese Iron Man Episode,
0:58:12–0:58:17
wo seine Batterie nur noch auf 80 Prozent hochgeht oder so, wo er dann noch
0:58:17–0:58:22
einmal quasi Analogie zu Potenzstörungen hat mit seinem...
0:58:22–0:58:25
Iron Man. Kennt ihr den Film?
Florian Clauß
0:58:26–0:58:29
Iron Man. Du meinst schon mit dem Superheldenfilm?
Micz Flor
0:58:30–0:58:30
Superheldenfilm.
Florian Clauß
0:58:30–0:58:34
Ich weiß nicht, ich habe den nur ganz hochstückhaft.
Micz Flor
0:58:34–0:58:38
Da ging es wirklich um so ein Identitätsproblem von, ich habe vergessen,
0:58:38–0:58:45
wie der Actor oder die Rolle heißt, weil sein Suit, also er kriegt den nicht mehr auf 100 Prozent.
0:58:45–0:58:48
Und deshalb kann er diese ganzen Kämpfe nicht mehr machen. Also er ist nicht
0:58:48–0:58:51
mehr so der wirkliche Held. Der muss irgendwie mit seinem Alter auch in gewisser
0:58:51–0:58:54
Weise eben mit Potenzstörungen irgendwie umgehen, lernen.
0:58:55–0:59:00
Und seine Assistentin Pepper oder wie sie heißt, die nimmt ihn dann nicht in den Arm.
0:59:01–0:59:04
Aber ich glaube, zum Schluss gibt es ihm so aus weiblicher Sicht einfach nochmal,
0:59:04–0:59:08
hey, du bist ein toller Mann. Und dann geht es irgendwie so ein Happy End zurück.
0:59:08–0:59:11
Ich weiß gar nicht, ob er dann die Batterien noch austauschen kann oder nicht.
Florian Clauß
0:59:11–0:59:13
Aber das ist jetzt ein Beispiel für eine männliche Perspektive.
Micz Flor
0:59:13–0:59:16
Ja, wo ich gedacht habe, was gibt es denn überhaupt für Männerfilme?
Florian Clauß
0:59:17–0:59:20
Aber ich meine, das, was wir jetzt auch in der letzten Episode besprochen haben,
0:59:20–0:59:22
würde ich da ganz ranziehen.
0:59:22–0:59:29
Nämlich der von Titan, der Ältere, der dann quasi den, der Feuerwehrhauptmann,
0:59:29–0:59:32
der sie dann aufnimmt oder den Sohn dann wiederfindet.
0:59:33–0:59:36
Oder The Wrestler wäre auch so ein Ding. Da haben wir ja auch in der letzten Episode.
0:59:36–0:59:39
Aber da gibt es, glaube ich, viele, die dann halt so diese, ja,
0:59:39–0:59:45
aber letztendlich ist es dann auch wieder so die Frage, wie kommt man jetzt so, ich sag mal so,
0:59:48–0:59:53
der Ökonomie oder der Logik des Marktes, wie kann man sich denn da wieder so
0:59:53–0:59:56
einfinden als jemanden, der aussortiert ist.
0:59:57–1:00:02
Das ist ja so, dass auf der einen Seite gibt es natürlich Möglichkeiten irgendwo
1:00:02–1:00:04
anders dann seine Lebenserfüllung zu finden.
1:00:05–1:00:10
Aber der Marktdruck ist dann so stark, dass es eben zu solchen Mitteln gegriffen
1:00:10–1:00:12
wird, dass man sich so verjüngt.
1:00:13–1:00:15
Und das ist glaube ich so der,
1:00:16–1:00:20
einen Kritikpunkt, den man dem Film so nachsagen kann. Obwohl ich das auch zu
1:00:20–1:00:22
platt finde. Also das hatten wir ja gerade.
Reinhard
1:00:23–1:00:28
Interessant ist ja auch, dass man die Hauptrolle mit Demi Moore besetzt hat.
1:00:28–1:00:33
Demi Moore ist 62 gewesen, glaube ich, als das dann gedreht wurde oder als er rauskam.
1:00:33–1:00:35
Sie fehlt eine 50-Jährige.
1:00:35–1:00:41
Und wir wissen, dass Demi Moore also schon eine ganze Reihe an Schönheits-OPs hinter sich hat.
1:00:41–1:00:47
Also, wer kann man sich jetzt fragen? Also reflektiert sie in dieser Geschichte
1:00:47–1:00:52
oder hat sie diese Rolle angenommen, weil sie über ihre eigenen Probleme mit
1:00:52–1:00:55
ihrem Aussehen reflektieren wollte, öffentlich?
1:00:56–1:01:00
Oder hat sie einfach diese Rolle angenommen, weil es einfach eine tolle Gelegenheit
1:01:00–1:01:04
war, mit 62 nochmal groß rauszukommen?
Florian Clauß
1:01:05–1:01:08
Ja, du hast natürlich diese Meta-Ebene auch in diesem Film mit drin,
1:01:08–1:01:13
weil sie ist auch das Sexsymbol der 90er Jahre gewesen, Demi Moore.
1:01:14–1:01:20
Und ist jetzt in dieser Position dann halt in der Filmwirtschaft diese Position,
1:01:20–1:01:23
also diese Rolle nicht mehr spielen zu können.
1:01:23–1:01:29
Also hast du da auch dieses, natürlich irgendwo auch in der Marktökonomie von Hollywood.
1:01:29–1:01:34
Damit implementiert. Das kann man auch so sehen.
Micz Flor
1:01:35–1:01:41
Es fällt mir gerade ein, der Memur war ja auch die Böse in diesem Film, Kinofilm von Charlies,
1:01:43–1:01:48
Drei Engel für Charlie. Und da war sie dann, glaube ich, über 40 und Cameron
1:01:48–1:01:54
Diaz, die eine der drei Engel war, die hat dann gesagt, dass sie unfassbaren
1:01:54–1:01:58
Respekt hat, dass der Memur das gemacht hat und wie toll sie doch sei.
1:01:58–1:02:01
Und eine Frau über 40 könnte doch eigentlich, würde doch eigentlich in Hollywood
1:02:01–1:02:03
gar nicht mehr gecastet werden und Hut ab und so.
1:02:04–1:02:09
Also damals war es implizit auch schon Thema, dass sie dann...
Florian Clauß
1:02:09–1:02:15
Ja, ich meine, wenn so sich dann eine Schauspielerkollegin äußert,
1:02:15–1:02:17
dann muss man auch hellhörig werden.
Reinhard
1:02:18–1:02:22
Also ich glaube aber, obwohl Chris jetzt vielleicht wieder widersprechen würde,
1:02:22–1:02:25
aber ich glaube, man muss auch nochmal einen Unterschied machen,
1:02:25–1:02:29
wirklich zwischen dem amerikanischen Markt und dem europäischen Markt.
1:02:29–1:02:36
Ich glaube, in Europa erlebe ich das eigentlich nicht so, dass ältere Schauspielerinnen
1:02:36–1:02:37
komplett aussortiert werden.
1:02:39–1:02:40
Oder Moderatorinnen.
Florian Clauß
1:02:41–1:02:46
Ich glaube, ja, ich glaube, das ist tatsächlich auch, was uns diese ganze Welle
1:02:46–1:02:49
an, ich sag mal so, Gleichstellung gebracht hat.
1:02:50–1:02:54
Dass da auch so eine Sensibilität sich auch im Showbusiness entwickelt hat,
1:02:55–1:02:57
da jetzt eben nicht so auszuselektieren.
1:02:57–1:03:01
Ich meine, es ist noch immer nicht so, dass Frauen da so gleichgestellt sind
1:03:01–1:03:06
in der Form, aber man hat so zumindest so, dass eben, wie du sagst,
1:03:06–1:03:09
das Beispiel mit Moderatorinnen, die dann halt auch noch weiter ihre,
1:03:09–1:03:12
also es ist nicht mehr so wie in den 90ern, sag ich mal.
Reinhard
1:03:13–1:03:19
Was sich eigentlich auch damit zu tun hat, dass die Entscheider jetzt auch viel
1:03:19–1:03:21
öfter Frauen drin tatsächlich ist.
1:03:21–1:03:25
Also in der deutschen, ich glaube auch in der ganzen gesamten Rotation-Medienbranche.
Florian Clauß
1:03:25–1:03:29
Ja, also da kann man sich nur wünschen, dass sich diese Marktdurchdringung auch
1:03:29–1:03:33
so konsistent bleibt. So, wir sind jetzt hier an der Fähre.
Micz Flor
1:03:33–1:03:39
Wir sind jetzt hier in Leipzig. Wo ist die Fähre? Gefühlt, wir sind ewig unterwegs schon.
Florian Clauß
1:03:39–1:03:45
Ja, ja, jetzt ist auch das Ende von, das Ende von, nee, nee,
1:03:46–1:03:48
wir sind noch nicht am Ende, aber ich wollte jetzt nur sagen,
1:03:48–1:03:52
das Ende von dem Weg, wir können jetzt hier auf den, da gibt es diesen Europa.
Reinhard
1:03:52–1:03:53
Richtig schön dunkel.
Florian Clauß
1:03:53–1:03:56
Aber wir haben eine Taschenlampe, wir haben eine Taschenlampe.
Reinhard
1:03:57–1:04:00
Wir brauchen noch eine Ersatzlampe, falls da die Patasien angewandt wird.
Florian Clauß
1:04:01–1:04:08
Sehr gut. Also ich möchte jetzt nochmal dieses Lacan aktivieren.
1:04:08–1:04:10
Wir hatten das schon mehrfach gemacht.
1:04:10–1:04:14
Mitch hat das ja schon bei SodaWork ausgepackt.
1:04:15–1:04:22
Chris und ich hatten LaCore die drei Register auf Nosferatu angewandt.
1:04:22–1:04:27
Ich wollte noch mal ganz kurz so einen kleinen Recap machen.
1:04:28–1:04:32
Es funktioniert einfach so gut, dass es schon wieder zu platt ist, aber trotzdem.
Micz Flor
1:04:32–1:04:37
Ja gut, du musst aber auch überlegen, ob nicht andersrum anhand von solchen
1:04:37–1:04:44
psychodynamischen Theorien manchmal Stoffe auch entwickelt werden.
Florian Clauß
1:04:45–1:04:52
Ja, das denke ich tatsächlich. Bei diesem Stoff gibt es so, dass die Regisseurin sich da auch...
1:04:53–1:04:57
Hingesetzt und alles kennt, diese ganzen Theorien und da eine Stoffentwicklung
1:04:57–1:05:00
gemacht hat. Also das bedingt sich auf jeden Fall.
1:05:01–1:05:05
Also wir haben bei Lacan die, ich habe es gerade schon erwähnt, die drei Register.
1:05:06–1:05:10
Das ist auf der einen Seite das Imaginäre, also die Welt der Bilder,
1:05:11–1:05:17
die Welt der Identifikation, so das, was dann im Prinzip auch das,
1:05:18–1:05:20
was man gerne sein möchte.
1:05:21–1:05:25
Also das, was auch teilweise nicht erreichbar ist, die Ideale.
1:05:25–1:05:28
Dann haben wir die symbolische Ordnung.
1:05:28–1:05:34
Das wird dann ausgeprägt durch Gesetze, Verträge und so weiter.
1:05:34–1:05:40
Und vor allen Dingen durch die Symmiotik, also das heißt Signifikantenketten.
1:05:40–1:05:42
Das ist die symbolische Ordnung.
1:05:43–1:05:48
Und wir haben das Reale. Das Reale hatten wir dann bei Nosferatu,
1:05:48–1:05:54
das ist diese Figur, die dann der Orlok darstellt.
1:05:54–1:05:58
Also das, was sich in keiner Ordnung irgendwie einordnen lässt,
1:05:59–1:06:07
was dann als das Abwesende, als das Ausgestoßene dann in die Welt kommt und
1:06:07–1:06:11
meistens auch überhaupt nicht irgendwo erfassbar werden kann durch irgendwie
1:06:11–1:06:13
eine Ordnung oder durch was,
1:06:14–1:06:16
also meistens der Tod.
1:06:17–1:06:20
Also was im jenseitigen Bereich dann irgendwo angesiedelt ist.
1:06:21–1:06:27
Und in diesem ganzen Kraftverhältnis gibt es aber auch immer wieder das Begehren.
1:06:27–1:06:33
Das Begehren, das, was wir bei Nosferatu, bei Ella festgestellt haben,
1:06:33–1:06:38
dass sie das Begehren, sexuell begehren, diese Vereinigung mit Orlok,
1:06:38–1:06:43
also was eigentlich total irrational ist, Aber was dann eben immer passiert,
1:06:43–1:06:51
zu einem Untergang führen kann. Das ist das sogenannte Objekt klein a,
1:06:51–1:06:56
das Unerreichbare, was ich in meinem Begehren nie richtig dann fassen erlangen kann.
1:06:58–1:07:04
Und das ist jetzt mal so ganz grob gesprochen, in diesen Registern bewegt sich die Geschichte.
1:07:05–1:07:11
Wenn wir das dann eben auf The Substance anwenden wollen, haben wir ja ganz
1:07:11–1:07:19
klar, die symbolische Ordnung ist quasi die Gebrauchsanweisung des Substance in Großbuchstaben.
1:07:20–1:07:26
Da steht ja drauf, du darfst nur das in dieser Form anwenden,
1:07:27–1:07:31
nur einmal alle sieben Tage und so weiter. Das ist die symbolische Ordnung.
1:07:31–1:07:35
Das Begehren ist eigentlich auch relativ klar.
1:07:35–1:07:38
Das Begehren entsteht in dem Moment, wenn eben,
1:07:39–1:07:46
Elisabeth vertrieben wird aus dem Reich des Showbusiness und sie begehrt eben,
1:07:47–1:07:48
da wieder teilzunehmen.
1:07:48–1:07:52
Aber das Begehren ist halt so, dass es nicht erreicht werden kann in dem Moment,
1:07:53–1:07:54
wenn Sue als Person entsteht.
1:07:55–1:08:00
Sue ist eben auch gekoppelt an die symbolische Ordnung und sie wird das nie
1:08:00–1:08:05
erfüllen können, weil sie immer wieder diese Regeln einhalten muss.
1:08:06–1:08:13
Und weil sie eben zu sehr begehrt, zu sehr Objekt klein a, nämlich diesen alle,
1:08:14–1:08:17
was war auf dem Blumenstrauß, Rosen?
1:08:18–1:08:22
They will all love you. Genau, das ist ja ihr Begehren. Sie werden dich alle lieben.
1:08:23–1:08:26
Weil das nie erreicht werden kann, weil sie immer wieder in diese Ordnung gezwungen wird.
1:08:27–1:08:31
Dann an diesem Punkt bricht das Reale durch.
1:08:31–1:08:37
Und das Reale kommt dann in Form des Blobs, was dann alle infiziert und was
1:08:37–1:08:46
dann eben das Unsagbare, das Nichtvorstellbare dann ausdrückt auf einmal, auf die Welt kommt.
1:08:46–1:08:52
Und das in keiner Ordnung irgendwie einpassbar ist und damit halt auch den Untergang bedeutet.
1:08:53–1:08:56
Das ist jetzt mal so ein ganz kurzer Crashkurs.
1:08:59–1:09:04
Aber was denkt ihr darüber? Kann man so sagen. Das lässt sich doch gut anwenden.
Reinhard
1:09:04–1:09:10
Ich würde doch bezweifeln, dass die Regisseurin beim Drehbuchschreiben sich
1:09:10–1:09:13
mit der Theorie auseinandergesetzt hat.
1:09:13–1:09:18
Das erscheint mir unrealistisch. Aber gut, es mag sein.
Micz Flor
1:09:19–1:09:24
Ja, das Reale ist, glaube ich, also da weiß ich nicht genau,
1:09:24–1:09:29
ob ich das dann in diesem Blob ansiedeln würde, weil es ist ja schon so,
1:09:30–1:09:34
da hast du recht, dass das was nicht, also man würde ja zuerst denken,
1:09:34–1:09:38
das Bildliche, dann das Symbolische und das Reale, wie es eigentlich wirklich
1:09:38–1:09:43
ist, um auch bei unserem Folgentitel zu bleiben, eigentlich nicht Folgen, Brandtitel.
1:09:45–1:09:49
Aber das Reale ist natürlich wirklich nicht sehbar.
1:09:49–1:09:55
Das heißt, der Blob wäre dann auch nur ein Schatten quasi des Realen,
1:09:55–1:09:57
weil das Reale ist nicht greifbar.
1:09:57–1:10:01
Und das ist ja das, was wir bei Solaris auch hatten. Im Endeffekt ist alles
1:10:01–1:10:04
nur ein Abkömmling von etwas, das es eigentlich nicht gibt.
1:10:04–1:10:07
Also so, als ob sich das in drei Dimensionen vor uns zeigen muss,
1:10:07–1:10:09
aber wir können es eigentlich nicht wirklich begreifen.
1:10:09–1:10:11
Und deshalb würde ich sagen, dass dieser Blob.
1:10:16–1:10:24
Ja, der Blob ist das Ergebnis des Versuchs, das Begehren zu zwingen,
1:10:25–1:10:27
das Objekt klein a zu berühren.
1:10:28–1:10:31
Und das kann nicht gehen. Das ist so die Sache drin.
1:10:31–1:10:36
Das Objekt a ist bei Lacord, das verschiebt sich auch immer.
1:10:36–1:10:40
Und wir haben diese eine Szene eben mit diesem Mann, der jetzt einfach der Mann
1:10:40–1:10:44
von der Frau werden könnte. und die Frau könnte dann die Frau von dem Mann sein.
1:10:44–1:10:47
Und das wäre doch ganz einfach. Und dann hätte alles in eine andere Richtung gehen können.
1:10:47–1:10:51
Aber das Objekt A, dieses Begehren, wird da nicht gestillt.
1:10:51–1:10:54
Es ist eher im Weg. Dieser Typ ist im Weg. Ich habe andere Pläne.
1:10:55–1:10:57
Das ist ganz wichtig. Objekt A ist so ein bisschen...
1:10:58–1:11:03
Die Karotte, die der Esel nie erreichen kann und deshalb immer weitergeht.
1:11:04–1:11:09
Und das Objekt A verschiebt sich dann auch. Wenn man dann ein Begehren erfüllt
1:11:09–1:11:13
und so tut, als sei das Begehren ein Wunsch, aber es ist eben kein Wunsch,
1:11:14–1:11:19
dann kriegt man etwas, was angeblich das Begehren, wenn man es als Wunsch betrachtet, erfüllt hätte.
1:11:20–1:11:23
Und dann geht es aber in eine andere Richtung. Das ist vielleicht der Blob.
1:11:24–1:11:27
Dann kommt irgendwie, auf der anderen Seite fehlt etwas, da muss da wieder was rauswachsen.
Florian Clauß
1:11:27–1:11:31
Ja, so ein bisschen wie das Wört. Aber darf ich da noch, weil genau das,
1:11:31–1:11:36
da bin ich auch so ein bisschen dran kleben geblieben, dass ich den Blob dann
1:11:36–1:11:40
nicht so richtig als das Reale einlösen kann, weil das Reale ist,
1:11:40–1:11:45
was sie nicht darstellen lässt, was einfach nicht anwesend ist.
1:11:45–1:11:53
Und ich glaube, da kommt eben auch eine Theorie rein, die durchaus die Regisseurin gelesen haben könnte.
1:11:53–1:12:01
Nämlich, das ist auch von der, ich muss jetzt auch nochmal gucken, die heißt Christeva.
1:12:01–1:12:07
Die hat in den 1980, hat die einen Aufsatz geschrieben oder ein Buch, Power of Horror.
1:12:08–1:12:12
Und da hat sie den Begriff, der, und das hast du vorhin schon erwähnt,
1:12:12–1:12:14
ich habe mich darüber gefreut, dass du das erwähnt hast. Achtung gerade.
1:12:16–1:12:20
Die hat den Begriff der Abjektion eingeführt.
1:12:21–1:12:27
Und die Abjektion ist im Prinzip, wenn man das jetzt mal so auf der freudianischen
1:12:27–1:12:33
Ebene so passifizieren will, heißt es, das Ich hat ein Objekt,
1:12:33–1:12:35
das Über-Ich hat das Abjekt.
1:12:35–1:12:44
Also das Objekt ist im Prinzip ein Sublimat, was diese ganze moralische Ordnung, also das Symbolische,
1:12:44–1:12:51
so antreibt, was eben das Objekt ist.
1:12:52–1:12:56
Da für das Ich ist, ist dann in dieser symbolischen Ordnung das Abjekt,
1:12:56–1:13:01
das bedeutet das Ausgestoßene, was aber gleichzeitig nicht wegzudenken ist.
1:13:02–1:13:10
Und das wird dann so verglichen wie in der Gesellschaft halt diese Prostitution
1:13:10–1:13:16
oder sowas, was dann halt nicht gesellschaftsfähig ist, aber gleichzeitig da ist.
1:13:16–1:13:22
Und so würde ich dann diesen Blob interpretieren, dass er im Prinzip ein Abjekt ist.
1:13:22–1:13:26
Ja, es ist keine richtige Person mehr, es ist kein Individuum,
1:13:26–1:13:30
es ist auch kein Dividium, sondern es ist einfach nur eine Masse,
1:13:30–1:13:36
was aber auch so durch alle möglichen Sachen geht. Also es ist nicht mehr so.
1:13:36–1:13:43
Und da finde ich dieses Abjektion ganz hilfreich in diesem Zusammenhang,
1:13:43–1:13:47
weil es dann halt quasi mit dem Realen, also das ist genau das,
1:13:47–1:13:51
was in der Spalte zwischen realen und symbolischer Ordnung dann rausquillt.
1:13:51–1:13:57
Es ist so ein bisschen wie das Word, wo dann halt, also ich referenziere gerade
1:13:57–1:14:00
auf Jeff Noon, Word, ein Science-Fiction-Autor.
1:14:01–1:14:12
Wo das Word ist auch so eine Parallelwelt, eine Welt, die nicht auf der Erde
1:14:12–1:14:14
passiert und wo man dann durch Federn,
1:14:15–1:14:18
also indem man an Federn leckt oder einen Mund steckt, dann hinkommt.
1:14:18–1:14:22
Und die Regel ist, man darf nichts aus dem Wirt mitnehmen.
1:14:22–1:14:26
Und dann wird aber doch irgendwas aus dem Wirt mitgenommen und dann passiert
1:14:26–1:14:27
was, ich kriege es nicht mehr ganz zusammen.
1:14:28–1:14:30
Aber das ist, finde ich, auch so eine Art von Abjektion, die da passiert.
Micz Flor
1:14:33–1:14:37
Ja, das ist spannend, weil das wollte ich bei Together wirklich auch aufgreifen.
1:14:37–1:14:40
Genau, Chris Thewa, die...
1:14:42–1:14:47
Dieses Konzeptsobjekt gibt es auf zwei Ebenen. Also mit dem Über-Ich,
1:14:47–1:14:48
das ist dann das Soziale.
1:14:49–1:14:52
Da gibt es dann gesellschaftliche Themen, wo Dinge ausgeschlossen werden,
1:14:52–1:14:54
die also Grenzthemen sind.
1:14:54–1:14:57
Und das gibt es aber eben auch für Body-Horror wirklich auf dem körperlichen,
1:14:57–1:14:58
auf der körperlichen Ebene.
1:14:59–1:15:03
Und da finde ich, deshalb habe ich das vorhin erwähnt, da finde ich den Finger,
1:15:03–1:15:09
diesen Ekelfinger, den sie da so sieht, der ist ja so, das ist eigentlich der
1:15:09–1:15:11
Body-Horror des Objekts.
1:15:11–1:15:16
So, das Objekt geht immer um Grenzen, um Sachen, die vom Körper abgestoßen werden.
1:15:16–1:15:22
Und es geht aber gleichzeitig eben immer auch um eine Herstellung eines Integeren Selbst.
1:15:22–1:15:25
Sei es jetzt auf einer sozialen Ebene, zum Beispiel Prostitution.
1:15:27–1:15:30
Das ist dann auch so ein Schopenhauer-Thema, der sich dann immer aufgeregt hat
1:15:30–1:15:36
über die Leute, die halt irgendwie tagsüber dann die Administration der Stadt
1:15:36–1:15:41
übernehmen und alle so klug tun und Kant gelesen haben und dann aber nachts Huren und Saufen gehen.
1:15:42–1:15:48
Und das sind diese Grenzbereiche, die notwendigerweise verdrängt werden müssen,
1:15:48–1:15:50
um die eigene Identität zu wahren.
1:15:51–1:15:55
Die aber gleichzeitig doch auch Teil von einem sind.
1:15:55–1:16:00
Und was wichtig ist, ist da, weil du vorhin diese Signifikant-Signifikat angesprochen
1:16:00–1:16:03
hast, wenn wir jetzt auf den Body-Horror gehen,
1:16:03–1:16:07
dann ist der Eiter, ja, oder das, ich finde die, ich muss sagen,
1:16:07–1:16:11
diese Schlussszene mit dem Blob, ich finde, der Film ist für mich da total zusammengefallen.
1:16:11–1:16:15
Das war für mich eher ein Soufflé, wo die Luft rausgeht.
1:16:15–1:16:19
Und deshalb kann ich das nicht aufladen mit irgendwas, wo ich denke,
1:16:20–1:16:26
Aber diese Idee von Eiter oder sowas, weißt du, was halt dem Körper,
1:16:27–1:16:32
also eine Grenze darstellt, zu viel davon ist tödlich.
1:16:32–1:16:38
Aber es geht nicht darum, dass der Eiter eindeutigerweise auf den toten Körper verweist.
1:16:38–1:16:41
Es geht immer darum, dass es so Dinge gibt.
Florian Clauß
1:16:41–1:16:43
Die dann abgelöst sind.
Micz Flor
1:16:43–1:16:46
Ja, Ekel. Du hast es ja ganz am Anfang erwähnt. Das war bestimmt auch im Zusammenhang
1:16:46–1:16:49
mit Christeva, dass du da auf einmal diese Tür geöffnet hast.
1:16:49–1:16:59
Es geht um die Dinge, die uns ekeln, weil sie uns... Ich habe ein tolles Beispiel dafür.
1:17:00–1:17:05
Estelle Blaschka, eine Medienwissenschaftlerin, die gerade in Basel unterrichtet,
1:17:06–1:17:11
die hat mal als ein wörtliches, also ein privates Zitat,
1:17:11–1:17:15
da hatte ich mal erzählt, beim Spazierengehen, sie wäre gerade Mutter geworden,
1:17:15–1:17:17
von so einem Experiment,
1:17:18–1:17:22
was ich gerade gelesen hatte, was ich spannend fand, wo die Leute auf einen
1:17:22–1:17:29
medizinisch sauberen Löffel ihre eigene Spucke drauf gespuckt haben und gebeten
1:17:29–1:17:31
wurden, sofort die jetzt wieder in den Mund zu tun.
1:17:32–1:17:35
Aber sobald sie den Körper verlassen hatte und vorhin auf dem Löffel war,
1:17:35–1:17:40
die war völlig steril und alles wie vorher, war es eklig, das wieder in den Mund zu tun.
1:17:41–1:17:44
Und das ist so, finde ich, ein ganz gutes, da kann sich jeder mit verbinden,
1:17:44–1:17:45
mit diesem Objekthaften.
1:17:47–1:17:52
Und Estelle hatte geantwortet, ich weiß noch, als der Thibaut draußen war,
1:17:53–1:17:55
konnte ich mir schon nicht mehr vorstellen, wie er in mir war.
1:17:55–1:18:01
Ja, also dieses, das finde ich, ist dann so fast schon ein Body-Horror-Thema,
1:18:01–1:18:09
aber das ist, finde ich, für mich so das Bild vom Objekt, dass ein Teil von
1:18:09–1:18:14
uns auf einmal sofort was so anderes ist, dass die Aufnahmen dieses Teils von uns in uns,
1:18:15–1:18:16
uns ekelt.
Reinhard
1:18:16–1:18:20
Das ist, denke ich, aber auch ein alter biologischer Überlebensreflex.
1:18:21–1:18:25
Was einmal unsere Körper verlassen hat, nicht noch einmal aufzunehmen,
1:18:25–1:18:28
könnte dann inzwischen giftig geworden sein.
Florian Clauß
1:18:28–1:18:31
Ja, aber es wird dann auch tabuisiert.
1:18:32–1:18:37
Und wenn es tabuisiert wird, dann wird es auch weggeschlossen und damit wird
1:18:37–1:18:40
vielleicht auch der Zusammenhang eben verloren.
1:18:41–1:18:47
Der aber wichtig ist, um halt die gesellschaftliche, also das Normale dann wieder zu behaupten.
1:18:47–1:18:51
Und das ist vielleicht auch dann, wenn das zu sehr weggesperrt wird,
1:18:53–1:18:58
das Objektive, das gehört ja zur Gesellschaft dazu, irgendwo.
1:18:59–1:19:05
Es wird auch in anderen Fällen davon beschrieben, dass in dem Moment,
1:19:05–1:19:08
wenn eben eine Person stirbt, dann ist es nicht mehr ein Subjekt,
1:19:09–1:19:14
Sondern die Leiche ist dann auch, die ist ja dann nicht mehr derjenige Mensch,
1:19:15–1:19:17
der es mal war, als er im Leben stand.
1:19:18–1:19:25
Ja, da ist ja genau dieses, was sich da auch das Objekte dann auch hervortut an der Stelle.
1:19:25–1:19:30
Das wird auch immer so in den Texten von Christopher dann beschrieben.
Micz Flor
1:19:30–1:19:34
Ja, ich finde es auch immer schwierig mit den Toten, weil es halt so ein Zombie-Thema
1:19:34–1:19:38
auch. so ein Zombie, der an einem Arm rumkaut und so.
1:19:38–1:19:43
Das sind so Bilder, die eben, also man merkt bei diesem Bild,
1:19:43–1:19:46
finde ich, bei Zombies kann man sich so ein bisschen vorstellen,
1:19:46–1:19:50
wie man da den Vorhang so ein bisschen aufkriegt, um aufs Reale zu gucken.
1:19:51–1:19:54
Also so ein bisschen, ich finde, das beste Wort am...
1:19:55–1:20:01
Menschlichen Körper, was einen Blick aufs Reale zulässt, ist der Begriff der
1:20:01–1:20:02
Knochenhaut. Kennt ihr den?
1:20:03–1:20:08
Also irgendwie sowas, was man eigentlich noch erleben kann, aber irgendwie das
1:20:08–1:20:12
Gefühl hat, das ist auch nicht mehr Teil von mir, obwohl es dauernd in mir ist so.
Florian Clauß
1:20:12–1:20:16
Also darf ich da einschieben, dass ich jetzt eine Knochenhautentzündung hatte?
Micz Flor
1:20:17–1:20:18
Wirklich? Zufall?
Florian Clauß
1:20:19–1:20:23
Ich war auf der Wanderung, habe ich mir eine Knochenhautentzündung zugezogen.
Micz Flor
1:20:24–1:20:24
Oh Mann, nach dem Ja.
Florian Clauß
1:20:24–1:20:30
Aber es ist nicht so schlimm, wie es klingt. Es war nicht so schlimm wie der Mürbebruch.
1:20:30–1:20:33
Hast du die Substanz genommen? Genau, nein.
1:20:33–1:20:37
Ich habe mich mit irgendwelcher, mit einer Cremes eingecremt, ja.
Micz Flor
1:20:38–1:20:41
Aber das ist, finde ich, auch nochmal wichtig, Rainer, was du gesagt hast,
1:20:41–1:20:46
diese Brücke vom Biologischen dann eben ins, Anführungszeichen,
1:20:46–1:20:51
Menschliche, dieser Sprung weg vom Instinkt hin zum Trieb, ja.
1:20:51–1:20:58
Also was ja dann auch bei Objekt A so ein Thema ist, beim Begehren diese Idee,
1:20:59–1:21:05
dass wir mit so etwas wie Ekel und dem Konzept des Objekts bis ins Über-Ich
1:21:05–1:21:07
gehen können, bis ins Kulturelle gehen können.
1:21:07–1:21:11
Das ist zum Beispiel bei uns, anders wahrscheinlich als in anderen Kulturen,
1:21:11–1:21:15
wenn du Kindern das erste Mal sagst, es gibt wirklich Pferdesalami,
1:21:16–1:21:19
dass die das nie essen werden. Also es ist einfach nicht möglich.
1:21:19–1:21:22
Oder der Film, Sie essen Hunde oder wie der hieß. Solche Titel,
1:21:23–1:21:27
das sind so Sachen, gerade beim Essen merkt man, wie das Objekthafte dann auch
1:21:27–1:21:30
auf so einer sozialen Ebene präsent ist.
1:21:31–1:21:35
Und das ist dann eben eine Leistung weg von, ess nicht deine Fäkalien,
1:21:35–1:21:44
trink nicht dein Urin, hin zu dem kulturellen oder auch eben diesem Konzept
1:21:44–1:21:45
von Unbewusst und Psychodynamik.
Florian Clauß
1:21:45–1:21:51
Ja, wollen wir, weil wir jetzt gerade schon so wieder den Bogen gespannt haben,
1:21:52–1:21:56
wollen wir vielleicht einen kurzen Cut machen und dann in Together einsteigen?
Micz Flor
1:21:56–1:21:58
Ja, wir klatschen mal, weil wir haben jetzt ja ein Mikro,
1:22:00–1:22:04
gejubelt und toll und wie toll das ist und ich war da zweimal und mir war immer
1:22:04–1:22:07
so unheimlich. Ich kann dir gar nicht genau sagen, warum.
Reinhard
1:22:07–1:22:13
Ich fand das doch unheimlich, als das Riesenrad noch stand und diese aufgelassenen Kirmeswagen.
1:22:13–1:22:15
Also das hatte so was Mobiles.
Micz Flor
1:22:16–1:22:17
Gibt es einen tollen Dokufilm?
Florian Clauß
1:22:18–1:22:22
Genau, daran habe ich auch gerade gedacht, an den Dokufilm. Hast du doch den Feature-Film?
1:22:23–1:22:27
Achterbahn, wo diese eigentlich im Prinzip über die Schausteller,
1:22:29–1:22:33
Familie, die dann halt diesen Winterwald betrieben hat, wo am Ende die Familie
1:22:33–1:22:39
auseinandergebrochen ist, weil die dann irgendwie in den Wagen Koks geschmuggelt haben nach Chile.
1:22:40–1:22:44
Völlig absurde Geschichte, völlig absurd. Aber unbedingt gucken,
1:22:44–1:22:45
Achterbahn heißt der, glaube ich.
1:22:46–1:22:49
Okay, so, jetzt zum zweiten Teil. Wir haben schon fast anderthalb Stunden.
1:22:50–1:22:56
Also Mitch und ich waren ja dann in Together zusammen, wo wir schon uns gedacht
1:22:56–1:23:00
haben, wir sollten jetzt über Body Horror eine Episode machen.
1:23:00–1:23:04
Und dann sind wir zusammen hingefahren und es war eines der wenigen Male,
1:23:04–1:23:08
wo ich mit Mitch mit dem Fahrrad durch Berlin gefahren bin.
1:23:08–1:23:12
Und ich habe mich total gefreut, weil ich sonst immer nicht mit Mitch mit dem Fahrrad war.
Micz Flor
1:23:13–1:23:15
Das war aber auch nicht mein Fahrrad, das war das Fahrrad meiner Frau.
Florian Clauß
1:23:15–1:23:19
Ja, und als wir dann aus dem Kino gekommen sind, dann war das Fahrrad leider weg.
1:23:20–1:23:26
Ja, das tat mir so leid für Mitch. Aber Mitch war, glaube ich,
1:23:26–1:23:27
ganz froh, dass er mit der U-Bahn nach Hause war.
Micz Flor
1:23:28–1:23:30
Ja, I kept myself together.
Florian Clauß
1:23:32–1:23:33
Okay, und wir haben...
Micz Flor
1:23:33–1:23:35
I riced myself zusammen.
Florian Clauß
1:23:35–1:23:39
Wir haben dann Together geguckt und...
Micz Flor
1:23:39–1:23:42
Darum geht's jetzt. Ein Body-Horror-Film, so wird auch angepriesen,
1:23:42–1:23:47
von Regisseur und Drehbuchautor Michael Shanks, der damit sein Debüt gegeben
1:23:47–1:23:49
hat, also zumindest Regie-Debüt, weiß ich.
1:23:49–1:23:54
In den Hauptrollen sind Dave Franco und Alison Brie, oder Brie,
1:23:54–1:24:00
das weiß ich nicht, wie man es ausspricht, die auch im echten Leben verheiratet sind.
1:24:00–1:24:03
Also es ist ein wahres Ehepaar und es geht auch,
1:24:04–1:24:08
Viel irgendwie auf dem Hintergrund der Beziehung der beiden Charaktere.
1:24:09–1:24:12
Die heißen Millie, das ist die Frau, und Tim.
1:24:14–1:24:17
Im Film sind sie nicht verheiratet, da kommen wir gleich drauf.
1:24:18–1:24:26
Der Film ist von 2025 und wurde im Sundance Film Festival im Januar vorgestellt.
1:24:26–1:24:30
Und hat recht gute Bewertungen bekommen.
1:24:32–1:24:39
Und wollen wir vorneweg unser Fazit legen oder wollen wir erst mal erzählen, was da so passiert?
Florian Clauß
1:24:39–1:24:42
Nö, lass uns ruhig erzählen, was passiert.
Micz Flor
1:24:42–1:24:47
Also, und versucht mal, die da draußen, die zuhören, versucht mal.
Reinhard
1:24:47–1:24:52
Wir grob die Story haben, aber ich bin kein Freitag.
Micz Flor
1:24:52–1:24:56
Jetzt können die Leute ja mal gucken, ob sie schon zwischen den Zeilen rauslesen,
1:24:56–1:24:57
ob ich den gut fand oder nicht.
1:24:59–1:25:04
Das Ganze geht damit los, da ist ein Suchtrupp in so einem Wald und die laufen
1:25:04–1:25:08
da so rum und finden aber scheinbar nichts und rufen, suchen scheinbar irgendwen
1:25:08–1:25:10
und da sind auch Hunde dabei.
1:25:10–1:25:17
Und zwei von diesen Hunden, die finden in so einem Loch, in so einer Hülle,
1:25:17–1:25:24
lecken so Wasser auf und danach werden sie von einem so gesehen, wie sie auf einer Hülle.
1:25:27–1:25:30
Es ist so eine Lichtung, es ist aber dunkel, eine Lichtung, da stehen die Hunde
1:25:30–1:25:33
sich so gegenüber und gucken sich an, so ganz starr fixiert.
1:25:33–1:25:35
Das ist auch im Trailer, wer sich die anschauen will.
1:25:35–1:25:40
Das finde ich auch, jetzt sage ich es doch schon, mit die besten Szene aus.
1:25:40–1:25:45
Weil du merkst, die stehen so da und die sind völlig unbeweglich,
1:25:45–1:25:47
weil die nicht mehr klarkommen mit dem, was sie irgendwie so wollen.
1:25:48–1:25:49
Das ist so das Gefühl, was sie ausstrahlt.
1:25:50–1:25:55
Und dann bringt der eine vom Suchtrupp die Hunde dann später in den großen Hundezwinger, den er da hat.
1:25:56–1:26:00
Und dann nachts auf einmal gibt es da so ein Gebell und ein Geheule und der
1:26:00–1:26:02
geht dann da raus. Oder zuerst seine Tochter, ich weiß gar nicht mehr,
1:26:02–1:26:03
schon länger her, dass ich es gesehen habe.
1:26:04–1:26:11
Und dann sieht er dann da, dass diese beiden Hunde so wie zusammengemorft sind.
1:26:11–1:26:15
Also verklebt sind zu so einem, fast komplett zu einem Hund,
1:26:15–1:26:18
aber da stehen dann noch so ein paar Sachen raus. Also die haben dann nämlich
1:26:18–1:26:24
zuerst auch sich gegenüber gesessen und später sind sie dann sehr eklig miteinander verbunden.
Florian Clauß
1:26:25–1:26:28
Verwachsen und Schnitt.
Micz Flor
1:26:28–1:26:31
Und jetzt wissen wir gar nicht, wie wir wieder an diese Szene rankommen,
1:26:31–1:26:36
weil jetzt sind wir auf einmal irgendwo in einer Großstadt, in der Millie und
1:26:36–1:26:41
Tim, die sind zusammen, feiern ihren Abschied mit ihren Freundinnen und Freunden.
1:26:42–1:26:45
Millie hat eine Stelle angenommen als Lehrerin irgendwo auf dem Land.
1:26:46–1:26:50
Das ist da, wo wir dann gleich nämlich wieder hinkommen. Und die feiern jetzt
1:26:50–1:26:52
nochmal das Goodbye und dann reden sie so.
1:26:52–1:26:58
Und der Freund zieht da mit raus und der sitzt dann so draußen auf dem Balkon
1:26:58–1:27:00
mit so zwei anderen Jungs, die in der Band spielen.
1:27:00–1:27:03
Er ist eigentlich auch Musiker und die meinen, wir brauchen Gitarristen.
1:27:03–1:27:07
Und dann sagt der eine auch noch so, ich dachte, als du mit meiner Schwester,
1:27:07–1:27:11
das ist die Millie, ausgegangen bist, dass du sie vielleicht ein bisschen cooler
1:27:11–1:27:14
machst, aber jetzt bist du mehr wie sie geworden.
1:27:14–1:27:16
Also eine komische Entwertung.
1:27:17–1:27:21
Und der erfährt dann aber, dass die beiden Gitarristen suchen und der meint,
1:27:21–1:27:24
ey scheiße, ich will das unbedingt machen, ich kann ja mit dem Zug immer rausfahren,
1:27:24–1:27:27
so weit ist es ja gar nicht weg und so, komm, lass uns die Tour machen,
1:27:27–1:27:31
weil der möchte als Musiker auch berühmt werden, Erfolg haben.
1:27:32–1:27:38
Millie macht dann die nimmt alles in die Hand macht dann ihm einen Heiratsantrag
1:27:38–1:27:41
vor versammelter Mannschaft und er.
1:27:43–1:27:46
Kann damit gar nicht umgehen und
1:27:46–1:27:49
Flo erinnerst du dich auch es war eher so dass er Nein gesagt
1:27:49–1:27:52
hat unter dem sozialen Druck dann aber irgendwie so Jein gesagt hat
1:27:52–1:27:57
aber es war irgendwie dann ganz fürchterlich und alle haben sich gegenseitig
1:27:57–1:28:01
angeguckt mit diesem Augenrollen und es war alles sehr städtisch und urban und
1:28:01–1:28:11
oh my god ja und dann sind sie trotzdem halt dann ziehen sie um gehen da aufs land und.
1:28:13–1:28:17
Kriegen dann auch ein Haus. Sie fängt an der Schule an und da ist noch so ein anderer Lehrer.
1:28:18–1:28:22
Der ist quasi so aufgeschlossen und nett und cooler Typ.
1:28:22–1:28:25
Und man merkt auch schon, dass der so ein bisschen inszeniert ist.
1:28:25–1:28:27
Da könnte was laufen, so wenn sie Single wäre.
1:28:29–1:28:33
Und die beiden machen dann, also Tim und Millie, nicht der Lehrer,
1:28:33–1:28:37
den wir da aber schon kennengelernt haben, die machen dann eine Wanderung.
1:28:37–1:28:41
Die wandern dann so durch den Wald und dann finden sie aber irgendwann den Weg
1:28:41–1:28:44
zurück nicht mehr. Es fängt an zu regnen, es ist schlammig, sie rutschen dann
1:28:44–1:28:47
ab und dann fallen sie durch so ein großes Loch, an dem so auch so eine Glocke
1:28:47–1:28:51
hängt und müssen übernachten in so einer Höhle.
Florian Clauß
1:28:52–1:28:55
Darf ich nur mal ganz kurz einschieben, weil das glaube ich auch wichtig ist
1:28:55–1:29:02
für den ganzen Plot des Films, dass die sich dann immer so aufgrund von diesem
1:29:02–1:29:03
verpatzten Heiratsantrag,
1:29:03–1:29:09
dass die sich dann auch immer so ein bisschen in ihrer Pärchensituation versuchen
1:29:09–1:29:15
wiederzufinden und sehr und gleichzeitig sich dann so,
1:29:16–1:29:23
also sie suchen dann in dem anderen dann tatsächlich so, versuchen das einzulösen,
1:29:23–1:29:25
aber so richtig ganz geht das nicht auf.
1:29:25–1:29:28
Also man hat immer das Gefühl, es wird so leicht daneben geschossen.
1:29:29–1:29:32
Also das würde ich nochmal so als Gefühl mit reinbringen.
Micz Flor
1:29:33–1:29:36
Ja, das passiert dann oft, das stimmt.
1:29:36–1:29:40
Und dann ist es in dieser Höhle so, da wollen sie wandern gehen,
1:29:40–1:29:43
auch um mal was gemeinsam zu machen und so, weil er hat jetzt da nichts zu tun,
1:29:44–1:29:47
er macht so ein bisschen Musik am Laptop, sie ist halt in der Schule und auch
1:29:47–1:29:51
froh, dass sie diesen Job hat und freut sich endlich auch einen Sinn in ihrem
1:29:51–1:29:54
Leben zu haben und Kindern, eine tolle Lehrerin zu sein.
1:29:56–1:29:59
Und sie wandern dann zusammen, rutschen ab, fallen in dieses Loch,
1:29:59–1:30:00
dann liegen sie da unten.
1:30:00–1:30:03
Er trinkt dann auch aus dem Wasser, wo wir vorher gesehen haben,
1:30:03–1:30:04
dass die Hunde draus trinken, sie nicht.
1:30:05–1:30:08
Sie finden das komisch und dann pennen die und als sie aufwachen,
1:30:08–1:30:11
sind sie am Unterschenkel sowieso aneinander festgeklebt.
1:30:11–1:30:15
Das zieht dann so, die müssen dann so ein bisschen schmerzhaft auch.
1:30:15–1:30:20
Und das ist dann so ein bisschen wie so eine rohe Haut, so ein bisschen Flüssigkeit da.
Florian Clauß
1:30:20–1:30:21
Ein bisschen verwachsen.
Micz Flor
1:30:21–1:30:31
Ein bisschen zusammengewachsen waren die. Und dann gehen sie zurück und dann
1:30:31–1:30:36
waren da so kleine Glöckchen, die hingen da im Wald rum und dann fängt er an zu suchen.
1:30:36–1:30:39
Im Internet findet dann auch irgendwas mit diesen Glöckchen oder so und findet dann.
1:30:39–1:30:44
Und dann kommen wir auf diesen Suchdruck, dass zwei denen sehr ähnliche,
1:30:44–1:30:48
auch eine Facebook-Seite mit Fotos, zwei junge Menschen, Pärchen,
1:30:48–1:30:51
die sind da wandern gegangen und sind verschollen und wurden nicht wieder gefunden.
1:30:51–1:30:55
Und da kam dann eben dieser Suchtrupp und hat die dann irgendwie gesucht.
1:30:58–1:31:02
Und das wird aber alles nicht so richtig, ist nicht so richtig erschließbar,
1:31:02–1:31:03
was da so dahinter steht.
1:31:04–1:31:07
Und da kommen so eine Reihe von Dingen, da beschleunige ich jetzt auch,
1:31:08–1:31:12
weil ich glaube, es gibt so ein paar schöne Szenen da,
1:31:12–1:31:17
also so in Anführungszeichen Body-Horror-Szenen, aber von der Geschichte her
1:31:17–1:31:19
ist es dann relativ einfach.
1:31:19–1:31:26
Also zuerst ist es so, dass er hat dieses Wasser getrunken, sie noch nicht.
1:31:26–1:31:31
Das heißt, sie fährt dann irgendwie in die Stadt oder irgendwo hin und er ist dann beim Duschen.
1:31:31–1:31:34
Und während sie eine Kurve macht mit dem Auto, fängt er auf einmal an,
1:31:34–1:31:38
in diesen Duschkabinen so hin und her zu knallen, so gegen die Wände zu knallen.
1:31:38–1:31:41
Das ist aber wie magnetisch mit ihren Bewegungen.
1:31:41–1:31:45
Aber bei ihr merkt man, dass sie das gar nicht fühlt. Aber dann wird sie so
1:31:45–1:31:51
hin und her angezogen, wird er so angezogen und das ist nicht so unheimlich.
1:31:52–1:31:56
Und dann ist es aber eine zweite Szene, die ist sehr unheimlich,
1:31:56–1:32:00
da ist da übernachten die dann und schlafen,
1:32:01–1:32:04
nebeneinander und auf einmal wacht sie auf und hat das Gefühl,
1:32:04–1:32:07
dass da irgendwas an ihren Haaren ist und dreht sich so um und dann hat er den
1:32:07–1:32:12
Mund auf und hat so komplett ihre Haare, also ein riesen Pferdestand so in seinem
1:32:12–1:32:14
Rachen drin und dann müssen sie so rausziehen und,
1:32:16–1:32:18
das ist so, das ist wirklich.
1:32:20–1:32:24
Schöne, eklige Szene. Und im Trailer ist die nicht zu sehen,
1:32:24–1:32:28
aber eine Folgeszene davon ist auch im Trailer drin, wo er dann so morgens beim
1:32:28–1:32:31
Zähneputzen auf einmal noch so ein bisschen was zwischen den Zähnen fühlt und
1:32:31–1:32:37
zieht dann so ein ganz langes letztes Haar noch so durch den Zahn durch raus. Ähm,
1:32:38–1:32:45
Die beiden haben irgendwie Konflikte, er kriegt dann aber diese Bandsache ans
1:32:45–1:32:48
Laufen und dann fährt er halt mit seinem Verstärker und seiner Gitarre,
1:32:48–1:32:51
steht dann da am Zug und sie fährt weg und er steht dann da,
1:32:51–1:32:55
aber er kann dann da irgendwie nicht bleiben, er kann nicht in den Zug einsteigen.
1:32:55–1:32:57
Er versucht es unbedingt, aber er kann nicht
1:32:57–1:33:02
und er geht dann quasi zurück zu ihr und dann zur Schule und dann ist er total
1:33:02–1:33:10
horny und dann vögeln die auf dem Schülerklo und dann kleben die halt wieder
1:33:10–1:33:12
fest und dann schiebt sie ihn
1:33:12–1:33:17
dann ganz brutal und schmerzhaft auch so weg und das reißt dann so raus.
1:33:17–1:33:20
Man sieht nichts. Man sieht es nicht, aber man fühlt es.
1:33:21–1:33:23
Und dann kommt halt ein Kind und sieht dann auch die Lehrerin,
1:33:24–1:33:25
was macht die auf dem Kinderklo.
1:33:25–1:33:28
Und das Kind holt dann den anderen Lehrer, also diesen Kollegen,
1:33:28–1:33:29
und der sieht es dann auch so.
1:33:31–1:33:35
Und der Tim hat sich aber dann aufs Klo gestellt und war ganz leise.
1:33:35–1:33:40
Und dann sieht aber der Lehrer, dass da die Füße sind. Okay,
1:33:41–1:33:42
das ist alles nicht so wichtig, ehrlich gesagt.
1:33:43–1:33:49
Und dann haben die so ein bisschen Streit und dann geht sie eben zu diesem Lehrer
1:33:49–1:33:52
mal, der wohnt eigentlich an der gleichen Straße, wobei diese Straßen,
1:33:52–1:33:54
so es ist ja ländlich, sind weit voneinander entfernt die Häuser.
1:33:55–1:33:58
Und da geht sie rein und das ist eine super schöne Location,
1:33:58–1:34:03
weil es ist eigentlich so ein absolut perfektes Haus, wie man das sich da so
1:34:03–1:34:07
vorstellt, wo man einfach so drinnen, so 60er Jahre, viel Holz,
1:34:07–1:34:08
ganz super, alles offen.
1:34:09–1:34:15
Aber es hat auch so ein bisschen was modrig Unheimliches. Und er ist dann auch
1:34:15–1:34:17
da, der Lehrer, und sie quatschen so ein bisschen.
1:34:17–1:34:22
Und es bleibt unverbindlich, er macht auch keine Avancen. Man hat so ein bisschen
1:34:22–1:34:24
das Gefühl, dass da jetzt was Besonderes passiert.
1:34:24–1:34:27
Oder ist da was passiert, was Besonderes, Flo? Nee, eigentlich nicht, ne?
Florian Clauß
1:34:27–1:34:32
Naja, sie findet da das Bild von ihm mit einem Partner.
Micz Flor
1:34:32–1:34:37
Ah ja, genau. Sie sieht dann ein gerahmtes Bild. Und er lässt dann irgendwie
1:34:37–1:34:41
so durchklingen, dass der leider nicht mehr ist.
1:34:42–1:34:45
Also ich weiß nicht, ob er explizit sagt, dass er tot ist, aber das war zumindest
1:34:45–1:34:47
das Bild, was bei mir entstanden ist.
1:34:48–1:34:52
Und, ganz wichtig, er gibt dir ein Glas Wasser.
1:34:52–1:34:54
Sie trinkt ein Glas Wasser.
1:34:57–1:35:02
Dann wird nämlich sie auf einmal auch so magisch angezogen von Tim.
1:35:02–1:35:07
Und dann gibt es diese Szene, wo ich finde, die filmisch auch sehr gut funktioniert,
1:35:08–1:35:13
wo er halt so an seinem Laptop mit Kopfhörer und hinten siehst du so eine Milchglastür in deren Wohnung.
1:35:14–1:35:18
Und dann sind auf einmal ist da so ihr Gesicht so dran, so von hinten wie so ein Zombie.
1:35:18–1:35:22
Und sie schmiert sich so von rechts nach links und versucht da irgendwie so
1:35:22–1:35:24
durchzukommen. Kriegt das alles sich nicht so gut hin.
1:35:25–1:35:28
Und danach kommt es dann zum ersten Mal irgendwann zu einer Szene,
1:35:28–1:35:32
ich weiß gar nicht mehr genau wie das passiert, aber dass die beiden oder vielleicht
1:35:32–1:35:35
war es auch vorher die verkleben schon so richtig,
1:35:35–1:35:40
und dann müssen sie mit so einem elektrischen Küchenmesser müssen sie sich voneinander
1:35:40–1:35:45
trennen und dann verbinden und das Ganze ist also denen ist das schon unheimlich,
1:35:47–1:35:51
suchen sich aber jetzt nicht so Hilfe sind dem irgendwie ausgeliefert,
1:35:51–1:35:54
wollen dem so indirekt auf die Spur kommen, aber...
Florian Clauß
1:35:54–1:35:59
Ich schlage vor, wir gehen eher in die zweite Hälfte. Nee, in den anderen Teil des Trinkorps.
Micz Flor
1:35:59–1:36:02
Achso, wegen der Lautstärke jetzt, ne? Ja, okay. Gehen wir in den Tanksteller?
1:36:02–1:36:03
Ich mag ja die Tankstelle.
Florian Clauß
1:36:04–1:36:04
Ich auch.
Micz Flor
1:36:04–1:36:09
Die ist immer so eine Ort, wo man sich noch ein Eis holen könnte, bevor man weitergeht.
Florian Clauß
1:36:10–1:36:11
Bevor man zur Kinderplansche geht.
Micz Flor
1:36:12–1:36:19
Bevor man zur Kinderplansche geht, ja. Und dann, ja, was soll ich sagen?
1:36:19–1:36:26
Also in gewisser Weise wird halt dieses dieses Anziehungsthema wird halt immer mehr so hochgedreht.
1:36:26–1:36:32
Also immer mehr Anziehung, dann ist so, dass das Blut von ihr auf ihn zufließt.
1:36:32–1:36:35
So Computer gemacht, das ist schon irgendwie schön gemacht.
1:36:36–1:36:39
Die küssen sich ganz am Anfang irgendwann mal, da kleben sie ihn auch schon
1:36:39–1:36:40
mit den Lippen so ein bisschen fest.
1:36:41–1:36:44
Das ist so Sachen, die auch eben im Trailer gelandet sind, die funktionieren gut.
1:36:46–1:36:50
Aber insgesamt, sage ich jetzt einfach mal so vorneweg, habe ich an keinem Moment,
1:36:51–1:36:55
bevor ich jetzt den Plot-Spoiler dann zum Schluss mache, ich habe an keinem
1:36:55–1:37:00
Moment von deren Beziehung irgendwie das Gefühl, dass die wirklich zueinander hingezogen sind.
1:37:01–1:37:04
Und das war viel von dem, was so an Kritiken darüber was gelesen hat.
1:37:04–1:37:08
Aber Besprechung war halt immer so diese animalische Anziehung und das ist die
1:37:08–1:37:10
Beziehung und Codependency und so weiter.
1:37:11–1:37:15
Aber ich finde, von Anfang an entsteht so ein Bild, dass sie weiß, was sie will.
1:37:15–1:37:19
Er weiß nicht, was er will. Sie will mit ihm in ihrem Leben haben,
1:37:19–1:37:20
ohne dass sie genau weiß, warum.
1:37:22–1:37:28
Er hat keine eigenen Pläne, die er irgendwie rechtfertigen kann,
1:37:28–1:37:31
weil es kommt am Anfang schon raus, dass er schon zu lange versucht,
1:37:31–1:37:35
als Musiker irgendwie ein Bein auf den Boden zu kriegen.
1:37:36–1:37:40
Aber ich finde, die beiden haben keine Chemie. Die sind im echten Leben verheiratet
1:37:40–1:37:42
und ich habe so ein paar Interviewsachen gesehen, wo ich auch dachte,
1:37:43–1:37:50
da passiert mehr Chemie, wenn die so miteinander witzeln beim Interview als in dem ganzen Film.
1:37:50–1:37:54
Ich habe denen an keinem Punkt abgenommen, dass die wirklich sich,
1:37:54–1:37:59
um das Wort von vorhin wieder aufzugreifen, begehren oder stellvertretend für
1:37:59–1:38:02
ihr Begehren sich aneinander bedienen,
1:38:03–1:38:07
sondern ich hatte immer das Gefühl, das ist eine schalverkopfte Beziehung,
1:38:08–1:38:10
weshalb für mich diese ganze Anwendung,
1:38:11–1:38:15
körperliche Anziehung, die da inszeniert wurde, nicht wirklich funktioniert hat.
Florian Clauß
1:38:16–1:38:20
Ja, aber vielleicht muss man noch mal hier den Schwenk machen,
1:38:22–1:38:28
dass es gibt um diese Quelle, die Wasserquelle, gibt es so einen Kult.
1:38:29–1:38:30
Ja, man sieht das da mal so.
Micz Flor
1:38:30–1:38:31
Ja, das kommt jetzt ja noch.
Florian Clauß
1:38:31–1:38:36
Ich wollte das erstmal über die Beziehung setzen für dein Resümee.
Micz Flor
1:38:36–1:38:40
Das war jetzt quasi für mich erstmal so, bis jetzt weiß man noch nicht genau
1:38:40–1:38:43
diese Auflösung, obwohl man schon merkt, irgendwas mit dem Wasser,
1:38:43–1:38:45
irgendwas mit dieser Glocke.
1:38:47–1:38:49
Was jetzt passiert und das war für mich dann,
1:38:55–1:38:58
Ja, da müssen wir nochmal drüber reden, weil ich möchte es ja dann nochmal besprechen
1:38:58–1:39:03
und Reinhard kriegt jetzt quasi nur meinen Filter, meinen Realitätstunnel so,
1:39:03–1:39:05
aber da musst du jetzt leider mit arbeiten.
1:39:11–1:39:13
Da bleibt nichts mehr übrig.
1:39:16–1:39:21
Da ist so, dass sie dann eben nochmal in diesem Versuch, das irgendwie aufzuklären,
1:39:21–1:39:27
zu verstehen, sie kommt dann irgendwie nochmal zu diesem Lehrer ins Haus und
1:39:27–1:39:28
findet dann da auch so ein Video.
1:39:28–1:39:33
Das Video läuft schon und das zeigt dann eine Zeremonie und das zeigt dann,
1:39:34–1:39:35
naja genau, die haben sich ein bisschen verkracht.
1:39:35–1:39:39
Ich glaube, sie geht dann zu ihm und er geht nämlich nochmal forschen in dieser Höhle.
1:39:40–1:39:43
Also beide kommen danach mit mehr Wissen zurück. Und sie sieht dann eben ein
1:39:43–1:39:49
Hochzeitsvideo von dem Lehrer mit einem anderen Mann, die sich aber auch äußerlich ähnlich sind.
1:39:50–1:39:57
Und die dann in diesem Zeremoniell in einer Kirche, die, wie wir dann verstehen, eingekracht ist.
1:39:58–1:40:01
Und deshalb hängt diese Glocke in dieser Höhle jetzt so rum,
1:40:01–1:40:04
weil diese Kirche einfach da in dieses Loch eingefallen ist, wo das Wasser ist.
1:40:04–1:40:10
Und wir sehen da, dass die Kirche nach unten dann bei diesem Hochzeitszeremoniell die Türen öffnet.
1:40:10–1:40:15
Die beiden gehen runter und dann haben die so einen Ring mit einem Messer dran
1:40:15–1:40:19
und schneiden sich gegenseitig, indem sie so sich die Unterarme halten und dann
1:40:19–1:40:23
nach vorne ziehen, schneiden sich die Arme auf,
1:40:23–1:40:26
halten die dann aneinander und verschmelzen dann eben zu einem.
1:40:26–1:40:30
Und wir erfahren dann, dass der
1:40:30–1:40:36
Lehrer das Ergebnis einer gelungenen Verschmelzung von zwei Männern ist.
Florian Clauß
1:40:36–1:40:37
Gelungen, wohlgemerkt.
Micz Flor
1:40:39–1:40:47
Und der Tim, der geht nochmal zur Höhle, der will es jetzt wissen und geht da auch irgendwie runter.
1:40:47–1:40:51
Und dem kommt dann auf einmal so ein Halbverschmolzen, wie mit dem Hund,
1:40:52–1:40:54
so ein halbverschmolzenes Pärchen entgegen.
1:40:54–1:40:58
Und das hat das eine, zwei Köpfe noch, aber alles so total nicht tot,
1:40:58–1:41:01
aber auch nicht mehr wirklich ein Objekt per se, könnte man sagen.
1:41:01–1:41:07
Und so, als ob im letzten Moment noch bei dieser Verschmelzung einer von beiden
1:41:07–1:41:11
versucht hat, sich oder die andere Person umzubringen, steckt der eine so ein
1:41:11–1:41:16
Messer im Hals und das hat nicht geklappt so. Ja,
1:41:19–1:41:25
die Millie schaut sich dieses Video an und dann kommt von hinten kommt dann
1:41:25–1:41:30
der Lehrer und dann ist alles so ein bisschen schmierig und es ist ein bisschen
1:41:30–1:41:32
unklar, was seine Intention ist,
1:41:32–1:41:35
aber sie hat Angst vor ihm.
1:41:36–1:41:40
Und da ist es jetzt so, dass ich bei der Inhaltszusammenfassung des Films was
1:41:40–1:41:45
anderes gelesen habe, als das, was ich da wahrgenommen habe und in Erinnerung
1:41:45–1:41:49
hatte, deshalb wollte ich jetzt mal Flo fragen, in diese Szene vorgehen.
1:41:50–1:41:54
Wo sie dann zum Schluss aus dem Haus rausrennt und er sie mit diesem Ring ja
1:41:54–1:41:55
auch geschnitten hatte.
1:41:55–1:41:58
Was war da seine Intention? Wie hast du das wahrgenommen?
Florian Clauß
1:41:59–1:42:04
Ja, also ich weiß es, ich kann mich nicht mehr genau an die Szene erinnern.
1:42:04–1:42:10
Aber was ich da so als Impuls wahrgenommen habe, ist, dass er ihr nochmal gesagt
1:42:10–1:42:11
hat, du musst es zulassen.
Micz Flor
1:42:12–1:42:12
Ja.
Florian Clauß
1:42:12–1:42:21
Also das ist so, also es gibt quasi eins und eins gibt ein höheres Sein.
1:42:22–1:42:26
Das ist so dieser Kult dieser Sekte, die sich da um dieses Wasser formiert hat.
1:42:27–1:42:33
Also das war jetzt für mich so der Punkt, wo er dann als derjenige,
1:42:33–1:42:35
ich meine, hast du schon gesagt, oder?
1:42:35–1:42:39
Dass der dann halt quasi so das gemergede Ergebnis ist von seinem Partner.
Micz Flor
1:42:39–1:42:43
Genau, aber ein gelungenes Ergebnis. Aber da kommen wir nochmal gleich darauf
1:42:43–1:42:44
zurück, auf diese Sache.
1:42:44–1:42:48
Aber was du gerade sagst, dieses Mergen, also er spricht dann auch diesen Kult,
1:42:48–1:42:55
in Anführungszeichen, die Kugelmenschen, das geht auf Platon zurück, kennst du das? Ja, okay.
Florian Clauß
1:42:55–1:42:55
Ah ja.
Micz Flor
1:42:56–1:43:01
Und da geht es halt irgendwie darum, dass es früher Kugelmenschen gab.
1:43:01–1:43:05
Da gab es die Söhne der Sonne, das waren die Männlichen.
1:43:06–1:43:10
Dann gab es die Töchter der Erde, das waren die Weiblichen. Es gab auch Androgyne,
1:43:10–1:43:12
halb Mann, halb Frau, das waren die Kinder des Mondes.
1:43:12–1:43:16
Und diese Kugelmenschen waren sehr mächtig und auch frech sozusagen.
1:43:16–1:43:19
Und Zeus hat dann irgendwann entschieden, die in der Mitte durchzuschneiden.
1:43:20–1:43:23
Und dann waren das halt, dann hatten die nicht mehr vier, sondern auch zwei Beine.
1:43:23–1:43:29
War alles quasi halbiert und seitdem waren sie sozusagen verdammt oder gewollt,
1:43:29–1:43:33
den Rest ihrer Existenz oder der ganzen Existenz einfach die andere Hälfte,
1:43:33–1:43:35
die passende Hälfte zu suchen.
1:43:36–1:43:41
Und das, wenn wir dieses Kugelthema jetzt mal drauflegen, weil es für den Schluss ganz wichtig ist,
1:43:42–1:43:49
das ist so, dass diese rein männlichen Kugelmenschen, die sind homosexuell,
1:43:49–1:43:51
also da suchen sich dann zwei Männer,
1:43:51–1:43:55
die rein weiblichen sind auch homosexuell, lesbisch, da suchen sich dann zwei
1:43:55–1:43:58
Frauen und nur die androgynen Kugelmenschen, die geteilt wurden,
1:43:58–1:44:01
das sind die, die heterosexuell sind.
1:44:01–1:44:04
Was ich auch nochmal so interessant finde, wenn man von der Seite drauf guckt,
1:44:05–1:44:10
dass natürlich das heterosexuelle oder heteronormative gesellschaftliche,
1:44:10–1:44:16
was da ja auch in dem Film so ein bisschen zelebriert wird, sage ich mal,
1:44:16–1:44:23
dass das aus den Androgynen hervorgeht, aber so funktioniert die Mathematik,
1:44:23–1:44:24
wenn man rückwärts rechnet.
Florian Clauß
1:44:24–1:44:30
Vielleicht noch zu diesem Diskurs noch was ganz Komplimentäres.
1:44:30–1:44:34
Der ganze Film handelt auch davon, dass die Eltern zu Besuch kommen.
1:44:35–1:44:36
Ja, da gibt es die ganze Zeit so.
Micz Flor
1:44:36–1:44:36
Und dass die ganze Zeit sagen.
Florian Clauß
1:44:37–1:44:40
Ja, wir müssen ja noch das, wir müssen das ja noch so.
1:44:40–1:44:43
Und eigentlich wollen die dann irgendwie ein schönes Spiel dazu machen und versuchen
1:44:43–1:44:49
dann in dem ganzen Chaos, in dem sie sich da befinden, versuchen dann halt auch
1:44:49–1:44:51
irgendwie so die Eltern empfangen zu können.
Micz Flor
1:44:51–1:44:57
Ja, genau. Genau. Und das ist dann das finale Plot-Spoiler.
1:44:58–1:45:02
Aber im Showdown ist es jetzt so, und deshalb habe ich dich gefragt, wie du das erinnerst.
1:45:05–1:45:09
Er zieht sich diesen Ring auf, mit dem man dann diese andere Person ritzt und
1:45:09–1:45:11
dann beginnt die Verschmelzung.
1:45:12–1:45:16
Und wie du sagst, hattest du das Gefühl, er sagte, du musst es zulassen.
1:45:17–1:45:25
Und ich hatte nämlich das Bild, in Erinnerung, dass er sexuell übergriffig versucht,
1:45:25–1:45:28
die Frau ja anzuritzen. Und dann geht es ja auch irgendwie so los.
1:45:28–1:45:32
Und sie haut dann aber ab. Sie rennt dann irgendwie weg und blutet aber.
1:45:33–1:45:40
Aber darauf wollte ich nochmal zurückkommen, weil das wurde in der Zusammenfassung
1:45:40–1:45:46
so erklärt, dass der Lehrer da sehr didaktisch ihr erklärt, dass man da zusammenkommt.
Florian Clauß
1:45:47–1:45:52
Ja, aber er hat schon was Übergriffiges. Er ist derjenige, der diesen Prozess
1:45:52–1:45:56
katalysiert, aber er hat schon was total Spookyhaftes. so.
Micz Flor
1:45:57–1:46:00
Also da komme ich gleich nochmal drauf, weil ich hatte das zuerst für mich anders
1:46:00–1:46:05
verstanden, als ich aus dem Kino kam und dann nach dem Lesen ist aber meine,
1:46:07–1:46:11
Erklärung nicht mehr so griffig, kommt nachher. Auf jeden Fall ist es dann so,
1:46:11–1:46:16
dass Millie dann blutet und zurückkommt und Tim ist auch da und dann ist die
1:46:16–1:46:18
Anziehung so groß, dass sie sich gar nicht mehr richtig,
1:46:19–1:46:22
also sie können sich nicht mehr voneinander entfernt halten und er sagt ich
1:46:22–1:46:27
habe was herausgefunden, man muss sich dem hingeben, die wahre Liebe, die große Liebe.
1:46:27–1:46:30
Und sie sagt, nein, rette dich vor mir.
1:46:30–1:46:35
Ich verblute. Und dann ist es ganz dramatisch. Sie sind auf Kies,
1:46:35–1:46:37
Sand und es zieht sie aufeinander zu.
1:46:37–1:46:41
Und sein Nasenbluten fliegt zu ihr. Und ihr Tropfen fliegen zu ihm.
1:46:41–1:46:46
Und dann fasst er dann auf ihre Wunde, damit sie nicht verblutet.
1:46:46–1:46:49
Dann sagt sie, nein, bist du wahnsinnig. Das kriegen wir nie wieder auseinander.
1:46:50–1:46:52
Also die Stimme kam jetzt von mir. Das war nicht so im Film.
1:46:53–1:46:57
Und dann verschmelzen immer mehr. Und dann werden sie auf einmal ganz ruhig
1:46:57–1:47:01
und lassen es zu und sind dann nackt in der Wohnung.
1:47:01–1:47:05
Und man sieht dann, wie sie sich umarmen, aber die Hände sich quasi unter der
1:47:05–1:47:08
Haut schon miteinander verschränken.
1:47:11–1:47:16
Irgendwie die letzte Szene, da könnte es doch aufhören. Aber dann kommt eben
1:47:16–1:47:17
das, was Flo noch gesagt hat.
1:47:18–1:47:22
Am nächsten Tag sieht man, wie ein Auto vorfährt, wie es klingelt.
1:47:23–1:47:33
Und die Tür geht auf und da steht eine Person davor, die im besten Sinne androgyn
1:47:33–1:47:35
wirkt. So und sagt Hallo.
1:47:36–1:47:39
Und die Eltern stehen auf der anderen Seite. Das waren ihre Eltern,
1:47:39–1:47:45
die zu Besuch kommen und da ist eine Person, die auch beiden irgendwie ähnelt,
1:47:45–1:47:48
aber trotzdem fremd aussieht und die sagt Hallo und ist total relaxed.
Florian Clauß
1:47:48–1:47:50
Also dieses gelungene...
Micz Flor
1:47:50–1:47:51
Und das ist dann Schluss.
Florian Clauß
1:47:53–1:48:00
Ja, genau, das ist so. Also der hat schon sehr komediantische Einlagen, das finde ich dann auch.
1:48:00–1:48:08
Und das wäre jetzt auch so von der Machart her. Und gerade am Anfang funktioniert
1:48:08–1:48:09
dieser Horror ziemlich gut.
1:48:10–1:48:18
Mit dem Hunden, mit der Höhle und auch dieses Sektenhafte, wie die eine Lehrerfigur eingeführt wird.
1:48:19–1:48:25
Finde ich auch, dass am Anfang dieses komisch Sektenhaften, dieses Okkulte.
1:48:25–1:48:29
Aber das löst sich ja gar nicht so auf, wie man das dann so kennt.
1:48:29–1:48:37
Sondern dass er dann quasi mit zur Erlösung beiträgt von den beiden.
Micz Flor
1:48:38–1:48:43
Also was die Sache war, wo ich nach dem Film drüber nachgedacht habe,
1:48:43–1:48:48
wie das hätte gemeint sein können, weil ich es nicht anders habe verstehen können, ist,
1:48:49–1:48:55
warum will der gelungene Mann aus zwei Männerverschmelzungen diese Frau dann
1:48:55–1:48:59
auch noch nehmen zur Verschmelzung?
1:48:59–1:49:03
Also das hat mich wirklich beschäftigt.
1:49:05–1:49:11
So hatte ich das verstanden. Ich habe das so gesehen. Er zeigt dir das und dann hat er den Ring an.
1:49:11–1:49:14
Und er kann doch jetzt nicht allen Ernstes diesen Ring anziehen und sie dann
1:49:14–1:49:16
schneiden, dass sie fast verblutet.
1:49:16–1:49:20
In der Hoffnung, dass sie dann zu Tim noch rennt, wo immer der auch gerade ist.
1:49:21–1:49:26
In dem Moment, er lässt sie nicht raus. Sie muss da durch, er schneidet sie, sie flüchtet.
1:49:26–1:49:31
War für mich keine Szene, in der er ihr quasi sagt, Geh, geh zu deinem Geliebten
1:49:31–1:49:32
und lasst euch verschmelzen.
Florian Clauß
1:49:33–1:49:37
Du meinst, er will sie auch einverleiben.
Micz Flor
1:49:37–1:49:43
Ich bin mit diesem seltsamen Bild aus dem Film gekommen, der mir gesagt hat,
1:49:43–1:49:51
wollten die mir sagen, dass Homosexuelle ohne Weibliches einfach nicht glücklich sein können.
1:49:51–1:49:53
Oder so, wenn man es als Analogie nimmt.
1:49:56–1:49:59
Oder ich habe es nicht anders verstanden, aber in der Zusammenfassung,
1:50:00–1:50:05
die ich nicht so erlebt habe, wurde es anders beschrieben.
Florian Clauß
1:50:05–1:50:06
Interessant.
Micz Flor
1:50:07–1:50:10
Und das andere, was ich dann auch noch,
1:50:13–1:50:20
Also diese Schlussszene, die könnte ja irgendwie gut funktionieren,
1:50:20–1:50:27
wenn man das Gefühl hat, das ist so eine Amour-Fu, also zu viel von allem und kommen nicht zur Ruhe.
1:50:27–1:50:33
Und die eigenen Triebe, Wünsche, Forderungen, Anforderungen der beiden PartnerInnen
1:50:33–1:50:36
sind so groß, dass erst wenn sie sich dem hingeben, sich verschmelzen,
1:50:36–1:50:40
kommen sie quasi zur Ruhe und gut ist.
1:50:40–1:50:46
Es ist, ob man dieses Objekt doch positiv erreichen könnte, wenn zwei sich so...
1:50:46–1:50:50
Aber das funktioniert für mich nicht, weil so ist deren Beziehung nicht.
1:50:51–1:50:55
Deren Beziehung ist eher so eine Identitätsbeziehung verkopft und sie will Lehrerin
1:50:55–1:50:56
werden, um den Kindern was Gutes zu tun.
1:50:57–1:51:00
Er will Musiker werden und deshalb muss er pendeln in die Stadt.
1:51:02–1:51:06
Und ich hatte nie das Gefühl, dass die sich, ich hatte eher das Gefühl,
1:51:06–1:51:11
dass sie sich jederzeit trennen könnten, als das Gefühl, dass die in tiefster
1:51:11–1:51:13
Liebe unabdingbar verbunden sind.
Florian Clauß
1:51:14–1:51:18
Ja, das sehe ich auch so, aber gleichzeitig in der Geschichte ist es ja dieser
1:51:18–1:51:24
Prozess, dieses irgendwie, ja, ich will dich, dieses bedingungslose Ja dann
1:51:24–1:51:28
von ihm und von ihr. Das ist ja dieser Prozess, der da passiert.
1:51:28–1:51:31
Und ich finde durchaus, dass man den so ein bisschen nachempfinden kann.
1:51:32–1:51:36
Aber mit der Historie von den Figuren, wie du das jetzt so eingeleitet hast,
1:51:37–1:51:39
fiel mir das auch schwer. Aber trotzdem ist es so ein Happy End.
1:51:41–1:51:47
Die Geschichte dann so, sie zu verschmelzen und dann als eine Person,
1:51:47–1:51:49
als das, wie sie auch zusammenkommen.
1:51:49–1:51:51
Ich finde, das funktioniert schon.
Reinhard
1:51:51–1:51:55
Mir scheint so, als würde der Film so ein bisschen übers Ziel hinausschießen,
1:51:55–1:51:56
nach dem, was er jetzt erzählt hat.
1:51:57–1:52:03
Also ich meine, es ist ja eine schöne Utopie zu sagen, also wirklich in der
1:52:03–1:52:05
absoluten Hingabe findet man zusammen.
1:52:05–1:52:10
Aber dass man dann noch einen Schritt weiter geht und sagt, dann muss aber noch
1:52:10–1:52:11
eine totale Verschmelzung stattfinden.
1:52:11–1:52:16
Also wir müssen unsere Individualität aufgeben, um wirklich zusammen sein zu können.
1:52:17–1:52:22
Das erscheint mir doch sehr weltfremd und biologisch äußerst fragwürdig.
Micz Flor
1:52:22–1:52:26
Ja, das stimmt. Das ist quasi die Flucht zurück in die Symbiose.
Reinhard
1:52:26–1:52:30
Und das löst sich ja nicht ein, das wissen wir ja.
1:52:30–1:52:34
Also wenn die unsere Individualität aufgeben in einer Beziehung,
1:52:34–1:52:35
dann macht uns das unglücklich.
1:52:36–1:52:38
Das führt ja nicht zu einer Vermehrung von Glück für beide.
Micz Flor
1:52:38–1:52:46
Ja, also ich finde, ich hätte nicht gedacht, dass ich nochmal die Gestalttherapie
1:52:46–1:52:50
Folge X, ich weiß gar nicht mehr, was das war, zitieren kann oder Zitat daraus.
1:52:50–1:52:55
Es gibt diesen Paul Goodman, das war ein Mitbegründer der Gestalttherapie,
1:52:55–1:53:01
der diesen schönen Satz über Psychotherapie gesagt hat, finde deinen tiefsten Impuls und folge ihm.
1:53:01–1:53:06
Also das finde ich deshalb schön, weil du findest nicht den richtigen oder den
1:53:06–1:53:09
falschen Impuls, sondern gerade jetzt, so tief du gehen kannst,
1:53:09–1:53:10
was ist dein Impuls, wenn wir
1:53:10–1:53:13
jetzt viel laufen, irgendwann werden wir Hunger haben und unser Impuls,
1:53:14–1:53:17
Hunger zu haben, wird irgendwie stärker werden als andere Dinge,
1:53:17–1:53:18
zu quatschen zum Beispiel.
1:53:19–1:53:24
Und folge ihm heißt halt, okay, da passiert was Neues, dann lässt du dich auf den Impuls ein.
1:53:25–1:53:28
Und vor dem Hintergrund war, was du gesagt hast, Flo, eben für mich,
1:53:28–1:53:30
das ist eine Kopfentscheidung.
1:53:31–1:53:34
Wir müssen uns einfach dem hingeben und dann wird das schon,
1:53:35–1:53:38
weil ich es eben nicht gefühlt habe, nicht als Impuls gefühlt habe,
1:53:39–1:53:41
sondern als Konzept gefühlt habe.
1:53:42–1:53:43
Was sollen wir denn jetzt noch machen?
Florian Clauß
1:53:44–1:53:47
Ja, es war vielleicht für ihn auch der einzige Weg zu überleben,
1:53:48–1:53:52
weil er war ja schon infiziert. Das wäre vielleicht dann auch wieder ein instinktives Verhalten.
Micz Flor
1:53:52–1:53:55
Ja, Sie beide, ja, Sie mussten sich gegenseitig retten.
Florian Clauß
1:53:55–1:53:59
Also eigentlich, ja, eigentlich war das das Einzige, wie Sie sich dann halt haben retten können.
1:54:00–1:54:03
Ja, stimmt, stimmt. Also insofern ist es auch wieder so ein Stammsohnemolk.
Micz Flor
1:54:06–1:54:08
Schwanger echt? Nee, nein, auch nicht.
Florian Clauß
1:54:08–1:54:13
Aber wie würdest du, ich meine, wir haben ja so quasi mit The Substance,
1:54:13–1:54:18
wo dann aus einer Person zwei werden und dann haben wir jetzt hier Together,
1:54:18–1:54:25
wo aus zwei Personen einer wird, eine wird und wir hatten ja schon den Werkzeugkoffer
1:54:25–1:54:31
Lacan ausgepackt und die Abjektionen, was würdest du jetzt da so reindrehen?
Micz Flor
1:54:31–1:54:37
Ja, also in diesem Together, diese Bilder funktionieren halt manchmal ganz gut.
1:54:38–1:54:42
Diese Bilder, in denen halt zwischen den beiden, diese Grenze zwischen den beiden
1:54:42–1:54:47
energetisiert ist auf eine destruktive Art.
1:54:47–1:54:51
Also die Lippen kleben aneinander oder die Haare im Mund oder diese,
1:54:51–1:54:55
das waren für mich so Bilder, die ich damit irgendwie verbinden kann,
1:54:55–1:54:56
wo halt so Grenzbilder entstehen,
1:54:56–1:55:03
wo Teile des Körpers dann auf einmal wie mit so einer Taschenlampe,
1:55:04–1:55:08
ins Reale beleuchtet werden. Was ist denn so ein Pferdeschwanz meiner Frau,
1:55:08–1:55:09
wenn ich mir den schlucke?
1:55:09–1:55:14
Also irgendwie entstanden da so Bilder, wo man merkt, man guckt eben auf diese Knochenhaut.
1:55:15–1:55:17
Da haben wir nie auf Knochenhaut geguckt.
Florian Clauß
1:55:17–1:55:18
Auf die Sehne.
Micz Flor
1:55:19–1:55:20
Auf die Sehne, ja.
Florian Clauß
1:55:20–1:55:22
Auf die Sehne wie ein Tier.
Micz Flor
1:55:22–1:55:29
Ja, da entstehen Bilder, die wir eben nicht mehr über, also könnte man ja jetzt frecherweise sagen,
1:55:29–1:55:35
so dass man Lacans Reale nur nicht über Lacans Reales sehen oder verstehen kann,
1:55:35–1:55:38
sondern man kann es nur irgendwie erleben an manchen Punkten.
1:55:38–1:55:42
Und das ist jetzt dieses Tor zum Aufmachen oder? Ja, können wir durchgehen.
1:55:42–1:55:47
Und das fand ich da ganz interessant, diese Grenzsachen. Und das Objekt dann,
1:55:50–1:55:51
äh...
Florian Clauß
1:55:51–1:55:54
Weil das Reale, wo würdest du das Reale verorten? In dieser,
1:55:54–1:55:59
ist das diese nicht gelungene, der nicht gelungene Merch-Prozess?
Micz Flor
1:56:00–1:56:04
Wenn die beiden eine Chemie miteinander da hätten. Und das, was Reinhard gerade
1:56:04–1:56:08
gesagt hat, da wäre dann natürlich was inszeniert wird.
1:56:08–1:56:13
Nämlich, dass in dem Moment, wenn man ich meine, das sagt Lacan auch,
1:56:13–1:56:17
dass halt die sexuelle Vereinigung halt immer also eigentlich nie passiert,
1:56:17–1:56:21
weil es wird nie eine Vereinigung sein. Es wird einfach nicht passieren.
1:56:21–1:56:24
Der Wunsch scheint irgendwie da zu sein, wie so ein kollektives Objekt A,
1:56:25–1:56:27
was dann eben auf dieser Über-Ich-Ebene ist.
1:56:28–1:56:33
Aber es passiert nicht wirklich. Und das wäre jetzt bei Lacan nochmal so eine
1:56:33–1:56:36
Anbindung und das Objekt.
1:56:38–1:56:42
Ich war halt, ich muss jetzt zugeben, ich krieg's jetzt auch nicht mehr,
1:56:42–1:56:46
ich müsste das Ich von vor sechs Wochen noch mal anrufen, als ich den ersten
1:56:46–1:56:48
Teil auf, wo ich das alles vor mir liegen hatte.
1:56:50–1:56:54
Aber die Bilder, in denen es um diese Flüssigkeiten ging, um diese Grenzen,
1:56:54–1:56:58
um dieses Aufschlitzen oder auch diese nicht gelungene Verschmelzung mit dem
1:56:58–1:57:04
Messer im Hals oder die Hunde, also dieses Gefühl, dass,
1:57:07–1:57:13
Dass es ganz notwendig ist, schon zwanghaft seine Grenze zu wahren und sich
1:57:13–1:57:18
nicht dem anderen zu sehr zu öffnen, sei es die Umwelt oder sei es sonst was, um integer zu bleiben.
1:57:18–1:57:23
Und dass gleichzeitig in dem Moment, wenn diese Grenze sich öffnet,
1:57:23–1:57:28
sich mit anderen verbindet, flüssig wird, erinnere ich mich jetzt an die Kurzgeschichte.
1:57:28–1:57:31
Kannst du dich erinnern noch? Ich hatte damals eine Kurzgeschichte geschrieben.
Florian Clauß
1:57:31–1:57:35
Wo der Mann mit dem Wald zusammenwächst?
Micz Flor
1:57:35–1:57:36
Ja, ja, genau.
Florian Clauß
1:57:36–1:57:37
Stimmt, daran kann ich mich erinnern.
Micz Flor
1:57:38–1:57:44
Es waren auch zwei. Es war eine Frau, eine Frau, der die Füße eng eingebunden
1:57:44–1:57:48
wurden und die sich dann irgendwie die Füße abbindet und dann sind da drunter, ist da nur noch so,
1:57:50–1:57:54
wie heißt die Haut im Mund? Schleimhaut quasi? Wie heißt die nochmal?
Florian Clauß
1:57:55–1:57:55
Schleimhaut, ja.
Micz Flor
1:57:56–1:58:01
Und im Gegenzug eben der Mann, der sich zum Sterben im Wald legt und der dann
1:58:01–1:58:05
auch mit dem Boden verwächst und sich dann auch so eine Schleimhaut bildet, um sich da zu verbinden.
1:58:05–1:58:08
Und diese Sachen irgendwie jetzt nicht aus dieser Kurzgeschichte,
1:58:08–1:58:10
die ich vergessen hatte über 20 Jahre,
1:58:11–1:58:21
sondern diese Momente, in denen man im Schlaf oder irgendwie vergisst,
1:58:22–1:58:26
seine Körpergrenzen zu wahren und auf einmal Flüssigkeit austritt oder was auf einen Zug kommt oder so,
1:58:27–1:58:31
dass es dann sofort eben Horror wird.
1:58:31–1:58:34
Das fand ich vielleicht einfach als Bild damals.
1:58:34–1:58:41
Aber ich gebe dir recht, so ganz kann ich dieses Kristeva-Thema da jetzt nicht reinbringen.
1:58:43–1:58:43
Punkt.
1:58:47–1:58:51
Ja, Reinhard, was denkst du? Wie viel, 10 out of 10, wie viel kriegt der Film
1:58:51–1:58:53
und wirst du ihn noch sehen wollen?
Reinhard
1:58:53–1:58:57
Oh, ich glaube, ja, jetzt habe ich schon so viel drüber gehört und das möchte
1:58:57–1:58:58
ich mir auch noch anschauen.
Florian Clauß
1:58:58–1:58:59
Ach echt? Ja.
Micz Flor
1:59:01–1:59:06
Ja, mit welcher Lust oder mit welcher Frage?
Reinhard
1:59:07–1:59:12
Ja, zum Beispiel das Ende des Films. Da wart ihr euch ja nicht ganz im Klaren,
1:59:13–1:59:14
wie das zu interpretieren sei.
1:59:15–1:59:20
Das würde ich jetzt dann für mich gerne nochmal überprüfen, wie ich das interpretiere
1:59:20–1:59:25
und ob sich das mit einer von euren Interpretationen deckt oder nicht.
1:59:26–1:59:27
Da könnte man nochmal reden.
Micz Flor
1:59:28–1:59:28
Genau.
Florian Clauß
1:59:29–1:59:35
Also ob das jetzt quasi aus der Figurenentwicklung emotional nachvollziehbar
1:59:35–1:59:37
ist, dass die zusammen verschmelzen.
1:59:38–1:59:43
Das wäre der Punkt, wo du dann halt gesagt hast, nee, kann man nicht, aber ich sage halt...
Micz Flor
1:59:43–1:59:48
Ja, oder auch, ob der Lehrer eher jemand ist, der da sich selbst verschmelzen
1:59:48–1:59:54
möchte mit der Frau oder ob der wirklich nur denen den Kickstart geben wollte, die...
1:59:57–1:59:58
Dass sie sich dem hingeben.
Reinhard
1:59:58–2:00:04
Das ist ja eigentlich ein altes Horrorfilm-Motiv, dass das immer was Invasives hat.
2:00:04–2:00:11
Also Zombies, auch Vampire, die durch die Berührung, da ist es jetzt durch das
2:00:11–2:00:13
Ritzen mit dem Ring, so habe ich das verstanden.
2:00:14–2:00:19
Aber das löst ja auch Angst aus. Das ist ja auch ein Teil des Horrors.
2:00:20–2:00:24
Das ist ja wie eine Infektion, wie eine Krankheit, die wir uns holen können.
2:00:24–2:00:26
So würde ich das dann sehen.
2:00:27–2:00:32
Aus dem, was ihr da jetzt erzählt habt über den Film, dass das so als Bedrohung
2:00:32–2:00:35
im Hintergrund steht. Das kann uns jetzt auch erwischen.
Micz Flor
2:00:35–2:00:40
Aber das, wenn man das mit dem Sexuellen zusammenbringt, dann ist halt so Cronenbergs
2:00:40–2:00:46
Rabies oder wie das heißt, wo die diese, wie heißt der im Deutschen, weißt du das?
Florian Clauß
2:00:46–2:00:47
Die Brut?
Micz Flor
2:00:47–2:00:49
Ich weiß den deutschen Film.
Florian Clauß
2:00:49–2:00:49
Wo diese,
2:00:52–2:00:54
Kinderarmee gezüchtet werden durch so, nee, das ist das nicht.
Micz Flor
2:00:54–2:01:00
Nee, nee, nee. Ich meine, der Kronenberg-Film, wo wie so eine Infektion eben
2:01:00–2:01:05
passiert und die Leute dann so Löcher oder Penis-ähnliche Sachen auf den...
2:01:06–2:01:09
Nee, die habe ich nicht gesehen. Muss man mal gucken. Mal verlinken.
2:01:09–2:01:12
Ich muss auch noch mal, ich habe auch gerade nur noch so ein ganz dunkle Innern
2:01:12–2:01:14
an irgendeinen Filmclub während der Uni-Zeit.
2:01:16–2:01:19
Das ist ja wahnsinnig laut. Ich weiß gar nicht, ob man das hört.
Florian Clauß
2:01:19–2:01:19
Ja.
Micz Flor
2:01:21–2:01:23
Gut, aber ich glaube, wir kommen jetzt zum Ende, oder? Was meint ihr?
Florian Clauß
2:01:24–2:01:30
Ich denke, ja, ich denke, wir haben ausführlich über diese beiden Filme gesprochen.
2:01:31–2:01:34
Ja, da haben wir auf jeden Fall ein deterministisches Ende, ne?
Micz Flor
2:01:34–2:01:41
Ach so, okay. Der Urknall bis zu diesem Film. Ja, und wir stehen hier am Zaun.
Florian Clauß
2:01:41–2:01:48
Und kommen auch nicht weiter. Ich glaube, wir machen jetzt hier einfach Schluss.
Micz Flor
2:01:48–2:01:51
Der Vorhang fällt und alle Fragen offen.
Florian Clauß
2:01:51–2:01:57
Also das war Eigentlich Podcast Episode 90. Das Ganze könnt ihr dann auch unter
2:01:57–2:01:59
eigentlich-podcast.de,
2:02:00–2:02:06
anschauen, wo wir langgelaufen sind und die Shownotes, weiteren Links und so
2:02:06–2:02:07
weiter findet ihr auch dort.
2:02:07–2:02:11
Und vielen Dank, Rainer, dass du wieder dabei warst.
Reinhard
2:02:11–2:02:14
Ich bedanke mich auch. War sehr inspirierend.
Florian Clauß
2:02:14–2:02:20
Ja, gerne nehmen wir diesen Faden auf und wir haben sicher auch in Zukunft Filmbesprechungen.
2:02:20–2:02:23
Und genau, ich sage Tschüss.
2:02:25–2:02:26
Machen wir die Geräte aus.
Micz Flor
2:02:27–2:02:29
Ah ja, genau. Da war doch was.
2:02:32–2:02:35
Ups, das läuft aber auch gar nicht mehr. Der hier?
2:02:39–2:02:44
5903. Ja, aber die Aufnahme läuft nicht. Ach so. Jetzt läuft die Aufnahme. Ah ja.
2:02:45–2:02:47
Ach, das ist scheiße. Oh nee.
2:02:48–2:02:49
Müssen wir nochmal losgehen.

Verwandte Episoden


Mehr

"The body is the only reality we have. Everything else is abstraction." Cronenberg on Cronenberg

Diese Episode wieder in neuer Konstellation – wir sprechen zu viert im Sitzen über Horrorfilme, speziell über Body-Horror. Reinhard Günzler und Chris sind zu Gast und jeder hat einen Body-Horrorfilm zum Besprechen mitgebracht: Reinhard stellt „Titane" vor und Chris hat sich ganz frisch im Kino „Weapons" angeschaut. Eigentlich wollten Micz und Flo noch weitere Body-Horrorfilme vorstellen, aber „The Substance" und „Together" verschieben wir auf die nächste Episode EGL090. Bevor wir in die einzelnen Filme einsteigen, schärfen wir die Definition von Body-Horror und kommen dabei immer wieder auf einen maßgeblichen Vertreter des Genres zu sprechen: David Cronenberg. Cronenberg schuf mit „Die Fliege", „Videodrome", „Crash" und vielen weiteren Filmen die Archetypen des Body-Horrors, bei denen es um Körperverlust, Grenzerfahrungen und Metamorphosen geht. Der Horror entsteht aus einer vertrauten Körperwahrnehmung, die invasiv gespiegelt wird. In den neueren Filmen des Genres stellen wir fest, dass besonders Regisseurinnen ihrer Kunst Ausdruck verleihen, da gerade hier die Zwänge, denen der weibliche Körper innerhalb eines patriarchalen Systems ausgesetzt ist, bildgewaltig dargestellt werden können. Der französische Film „Titane" von 2021 von Julia Ducournau verdichtet diese Themen in ein Kompilat, das immer wieder die Geschichte sprengt. Reinhard fasst das folgendermaßen zusammen: „Man könnte den Film auch als eine tödlich endende Passionsgeschichte beschreiben, als einen brutalen Kreuzweg oder eine dreifache Metamorphose. Also die erste Metamorphose ist vom Mensch zur (Tötungs-)Maschine, dann von einer Maschine zu einem Mann und/oder Sohn und schließlich von einem jungen Mann/Sohn wieder zurück zur Frau und sogar zur Mutter." Der Film löst in diesen Verwandlungsetappen die gesellschaftlichen und psychologischen Geschlechterrollen auf. Hinter dem Horror wird eine Geschichte von Einsamkeit und wiederentstehenden Vertrauen erzählt. Diese und andere gesellschaftlich relevante Themen sprechen wir auch dem jüngst im Kino gezeigten Film „Weapons" von Zach Cregger zu, der das schlagartige Verschwinden einer gesamten Schulklasse zum Thema macht. Bis auf die Erzählfigur Alex, 11 Jahre, rennen alle Kinder mit halb ausgestreckten Armen zu genau der gleichen Uhrzeit in die Nacht hinein und werden nicht mehr gesehen. Der Film ist episodisch erzählt und baut handwerklich geschickt die Spannung und den Horror auf. Chris berichtet, dass er während des Films schnell aufs Klo gehen musste und, um nichts zu verpassen, im eiligen Laufschritt durchs Kino gegangen ist und dabei geistesgegenwärtig die Arme so gestreckt hält, wie die Kinder beim Verschwinden. Das ganze Kino schreckt zusammen angesichts der gebrochenen Fiktion im Kinoraum. Wir lachen sehr bei dieser Anekdote. „Weapons" reißt gesellschaftlich relevante Themen auf wie Altersdiskriminierung, Alkoholismus, Pflegesystem, aber, wie Chris es auf den Punkt bringt: „Vielleicht hat ‚Weapons' keinen tieferen Sinn, aber das ist okay."

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Reinhard
Erzähler
avatar
Chris Flor
Erzähler
avatar
Florian Clauß
avatar
Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:02
Mache einfach los. Wir machen jetzt einen Schnitt, sonst geht wirklich,
0:00:02–0:00:05
glaube ich, so ein bisschen auch das Schöne des Anfangs verloren.
Florian Clauß
0:00:06–0:00:07
Okay, alles klar.
Micz Flor
0:00:07–0:00:08
Ich mache mich jetzt auf Mute.
Florian Clauß
0:00:08–0:00:16
Dann starten wir. Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast, Folge Episode 89.
0:00:17–0:00:20
Jetzt ist die Wende da. Wir haben es vor zwei Folgen gehört.
0:00:21–0:00:28
Diesmal ganz neu und ganz anders. Wir sind heute nicht im Laufen und Reden,
0:00:28–0:00:33
aber trotzdem, ja, wir sitzen nämlich alle an unseren Rechnern und wir sind
0:00:33–0:00:36
auch nicht nur zwei, sondern wir sind zu viert heute.
0:00:37–0:00:43
Ganz, ganz, ganz neu. Ich sage Hallo in die Runde. Hier spricht Flo.
0:00:43–0:00:48
Wir haben dabei Mitch natürlich und Chris ist wieder dazu geschaltet. Hallo.
0:00:49–0:00:54
Und ganz neu ist Reinhard dabei. Reinhard, hallo Reinhard.
Reinhard
0:00:54–0:00:56
Ja, hallo zusammen.
Florian Clauß
0:00:56–0:01:00
Reinhard Günzler, ich stelle ihn kurz vor. Reinhard ist Filmwissenschaftler,
0:01:01–0:01:06
Politikologe, Soziologe und du hast an einer Freien Universität in Berlin studiert.
0:01:06–0:01:14
Du hast auch Dramaturgie, lehrst du und jetzt ganz aktuell, du hast ein Buch
0:01:14–0:01:15
geschrieben, Reinhard.
Reinhard
0:01:15–0:01:20
Ja, das war ein langer Traum eigentlich. Eigentlich habe ich als Regisseur und
0:01:20–0:01:26
Autor gearbeitet seit Mitte der 80er Jahre und nach Corona hatte ich die Idee,
0:01:26–0:01:29
mal was zu machen, was ich schon immer machen wollte, nämlich einen Roman zu
0:01:29–0:01:32
schreiben und der ist jetzt gerade fertig geworden.
0:01:32–0:01:39
Es ist ein Roman, der sich auf verschiedenen Ebenen dem Thema Bewusstsein versucht zu nähern.
0:01:39–0:01:43
Also was ist Bewusstsein eigentlich, woher kommt das, wie manifestiert sich das?
0:01:43–0:01:48
Ein Phänomen, das in der Wissenschaft extrem kontrovers diskutiert wird und
0:01:48–0:01:50
mich hat das sehr interessiert.
0:01:50–0:01:55
Und darum geht es in diesem Roman und ja, ist jetzt gerade fertig,
0:01:55–0:01:58
heißt Eiskind und ich hoffe, dass ich den nächsten Verlag finde.
Florian Clauß
0:01:58–0:02:03
Wow, Eiskind. Also du hast mir noch vorher geschrieben, ein Thriller ist das.
0:02:04–0:02:07
Und das Rätsel der Wissenschaft, das Bewusstsein.
Reinhard
0:02:07–0:02:09
Eines der größten Rätsel der Wissenschaft, genau.
Florian Clauß
0:02:10–0:02:14
Ja, das ist genau das, was wir auch mal mit Jungen diskutiert haben,
0:02:14–0:02:17
nämlich zwischen Religion und Wissenschaft.
0:02:18–0:02:21
Also das Bewusstsein, was sich da auch nicht so richtig verorten lässt.
0:02:21–0:02:27
Sobald man das untersucht, weiß man nicht, wo es ist. Ich bin gespannt.
Reinhard
0:02:28–0:02:32
Doch mal ein Thema für einen eigenen Podcast sicher. Und es gibt da auch ein
0:02:32–0:02:33
paar interessante Filme zu.
Florian Clauß
0:02:33–0:02:38
Ja, also spontan fällt mir dieses 21 Gramm ein. Ich weiß nicht,
0:02:38–0:02:41
den habe ich tatsächlich nicht gesehen. Aber hast du den auch gesehen?
0:02:41–0:02:42
Gesehen, gehört?
Reinhard
0:02:42–0:02:43
Ja, den habe ich gesehen.
Chris Flor
0:02:44–0:02:47
Aber der hat damit nichts so richtig zu tun.
Florian Clauß
0:02:47–0:02:48
Hat nichts zu tun.
Reinhard
0:02:48–0:02:53
Ja, genau. Dachte ich mehr an Filme wie 2001 zum Beispiel.
0:02:54–0:02:57
Das wäre ja eigentlich der nächste Schritt in der KI-Entwicklung,
0:02:57–0:02:59
eine KI zu entwickeln, die ein Bewusstsein hat.
0:03:00–0:03:03
Dazu müsste man aber erst mal entschlüsseln, wie es eigentlich bei Menschen
0:03:03–0:03:05
funktioniert, dieses Bewusstsein.
0:03:05–0:03:08
Und bevor wir das nicht ganz verstanden haben, können wir es auch nicht nachbauen.
0:03:09–0:03:13
Und es gibt sogar theoretische Physiker, die sagen, wahrscheinlich wird es uns
0:03:13–0:03:17
nie möglich sein, ein künstliches Bewusstsein nachzubauen, weil wir dazu erst
0:03:17–0:03:18
eine neue Physik bräuchten.
0:03:18–0:03:22
Roger Penrose zum Beispiel hat das behauptet. Aber Schluss mit dem Ink-Exkurs.
0:03:23–0:03:24
Wir haben ja eigentlich ein anderes Thema.
Florian Clauß
0:03:24–0:03:27
Ja, genau. Das ist auf jeden Fall ein eigener Podcast. Es ist spannend.
0:03:27–0:03:30
Ich freue mich darauf, das Buch zu lesen.
0:03:30–0:03:35
Eiskind, wir haben ein anderes Thema. Und zwar haben wir uns so lose zusammengesammelt.
0:03:35–0:03:40
Nämlich mich hat in letzter Zeit, haben mich da viele Horrorfilme beschäftigt.
0:03:41–0:03:43
Ja, hatten wir ja auch hier schon mal in einem eigentlich Podcast.
0:03:44–0:03:47
Chris ist da immer derjenige, mit dem ich drüber sprechen kann.
0:03:48–0:03:50
Ja, zuletzt haben wir über Nosferatu gesprochen.
0:03:50–0:03:54
In letzter Zeit habe ich einige, und jetzt kommen wir zum Genre,
0:03:54–0:03:58
zum Subgenre in dem Horrorfilm, nämlich einige Body-Horrorfilme gesehen.
0:03:59–0:04:03
Hier in Berlin war auch das Fantasy-Filmfestival vom 3. bis zum 10.
0:04:04–0:04:08
Und dort habe ich auch einen Body-Horrorfilm gesehen, weil ich mich gerade mit
0:04:08–0:04:12
dem Thema beschäftige, Weil ich auch mit Reinhard, Chris und Mitch in Kontakt
0:04:12–0:04:14
bin, habe ich auch gesagt, hier...
0:04:14–0:04:18
Body Horror, wäre das nicht was? Und tatsächlich haben Mitch und ich auch einen
0:04:18–0:04:21
Film gemeinsam geschaut, Together im Kino, gerade aktuell.
0:04:22–0:04:25
Und Weapons lief auch vor kurzem im Kino.
0:04:25–0:04:29
Da hatte auch Chris gesagt, den habe ich gesehen. Oh, den finde ich total spannend.
0:04:29–0:04:33
Könnte man auch im Bereich von Body Horror einordnen.
0:04:34–0:04:38
Und je länger ich mich damit beschäftigt habe und geguckt habe,
0:04:38–0:04:39
was war denn in den letzten Jahren?
0:04:40–0:04:45
Da kam Reinhard rein und meinte, Hier, guck dir mal von 2021 Titan an,
0:04:45–0:04:49
ein französischer Body-Horror-Film von einer Regisseurin verfilmt.
0:04:50–0:04:54
Und schließlich habe ich, und den will ich auch ein bisschen vorstellen,
0:04:54–0:04:58
den Film, nämlich Substance, The Substance von 2024.
0:04:58–0:05:03
Also wir haben jetzt vier Filme hier, wir wollen die so ein bisschen miteinander diskutieren.
0:05:04–0:05:08
Jeder hat sich für einen so entschieden, den er kurz vorstellen möchte und wo
0:05:08–0:05:10
wir dann über den Film sprechen können.
0:05:10–0:05:14
Das haben wir uns so ein bisschen aufgeteilt, werden wir gleich machen.
0:05:15–0:05:21
Aber bevor ich oder bevor wir in die Filme einsteigen, ich möchte erstmal noch
0:05:21–0:05:25
und Chris, ja, du hast recht, das ist nicht schön, aber wir müssen es trotzdem
0:05:25–0:05:26
sagen, wir machen Spoiler.
0:05:27–0:05:31
Also das heißt, wir erzählen da genau, was in den Filmen passieren wird.
0:05:32–0:05:36
Also diejenigen, die jetzt nicht wollen oder beziehungsweise die noch den Film
0:05:36–0:05:41
sehen wollen, sollten diesen Podcast dann nicht anhören. Wir machen Kapitelmarken,
0:05:42–0:05:46
das heißt, man könnte über die einzelnen Filme springen, um sich da nicht spoilern zu lassen.
0:05:46–0:05:51
Ja, aber so viel sei gesagt, wir müssen spoilern. Ja, tut mir leid,
0:05:51–0:05:54
ich mag es auch nicht, aber wir wollen drüber reden.
0:05:54–0:05:57
Okay, Horror, Body Horror.
0:05:57–0:06:03
Ich frage mich so in die Runde, was fasziniert euch am Horror und was könnte
0:06:03–0:06:06
da speziell den Body Horror ausmachen?
Chris Flor
0:06:06–0:06:13
Ich kann mal anfangen. Und zwar, also ich hatte, wenn ich mich so in mich reinhorche,
0:06:13–0:06:15
mal versucht bei einem Horrorfilm für mich jedenfalls,
0:06:16–0:06:20
irgendeinem Geheimnis auf die Spur zu kommen oder so ein Rätsel zu lösen über
0:06:20–0:06:24
die Existenz, würde ich mal sagen, halt auch über Bewusstsein und so.
0:06:24–0:06:32
Und ich glaube, jetzt direkt bei so Gore-Filmen oder sowas geht es ja auch schon,
0:06:32–0:06:36
das ist schwer in Worte zu fassen und leider habe ich mir nichts richtig gut
0:06:36–0:06:38
vorbereitet, aber es geht ja schon immer darum,
0:06:38–0:06:44
Grenzen zu zeigen und diese Grenzen zu überschreiten und dadurch zu sehen, was die Grenzen sind.
0:06:44–0:06:48
Also wenn ich jetzt hier einen Menschen als Körper habe, dann sehen wir den
0:06:48–0:06:52
erstmal als ganzen Körper, als Person vielleicht. Aber sobald ihr anfangen,
0:06:52–0:06:54
da Scheiben von abzuschneiden,
0:06:54–0:06:58
wird er ja auf einmal, ist er dann nicht mehr komplett und wir wissen dann mehr,
0:06:58–0:07:03
was diese Gestalt des ganzen Menschen ausmacht, dadurch, dass wir den zerlegen.
0:07:03–0:07:07
Also so hatte ich mir das immer erklärt, was diese Faszination dabei ist.
0:07:07–0:07:11
Ich vertrage diese Sachen nicht so super, wenn ich sie mir anschaue,
0:07:11–0:07:13
bin trotzdem wahnsinnig fasziniert davon.
Florian Clauß
0:07:13–0:07:16
Ja, also das denke ich genau, das
0:07:16–0:07:19
ist der Grund, so ein bisschen diese Spiegelneuronen im Kopf, die man hat.
0:07:20–0:07:23
Hatten wir auch schon verschiedentlich berichtet von dem Experiment,
0:07:23–0:07:27
dass ein künstlicher Arm, wenn der neben einem liegt und man schaut auf diesen
0:07:27–0:07:32
Arm und jemand anders steckt eine Nadel in diesen künstlichen Arm,
0:07:32–0:07:35
man fängt trotzdem an, empathisch mehr zu empfinden.
0:07:36–0:07:40
Diese Spiegelneuronen, die uns dann eben beim Body Horror ganz extrem,
0:07:40–0:07:46
weil jeder doch irgendwie natürlich bei irgendwie, mir fällt jetzt ganz spontan
0:07:46–0:07:48
ein, weil ich das auch gerade vor meinem inneren Auge habe,
0:07:49–0:07:54
nämlich ein Auge und man kann quasi fühlen wie der Finger, wenn man sie auf
0:07:54–0:07:57
einen Augapfel drückt, wie das dann auch wehtut im Auge.
0:07:57–0:08:04
Also das ist diese Identifikation, die sich da aufbaut über diese Körperdarstellung.
0:08:04–0:08:08
Das ist, glaube ich, beim Body-Horror ganz explizit da.
0:08:09–0:08:13
Also da ist quasi, das ist immersives Kino, ganz stark immersiv,
0:08:13–0:08:14
würde ich jetzt mal behaupten.
0:08:14–0:08:20
Auf der einen Seite, so wie du auch sagst, die Grenzen, dass dann Grenzen verletzt
0:08:20–0:08:25
werden, dass da Verformungen passieren, dass ein Verfall, ein Zerfall beginnt.
0:08:26–0:08:31
Und meistens ist es ja auch im Prozess des Verwandelns, eine Metamorphose.
0:08:32–0:08:36
Wenn wir jetzt an The Substance denken oder Titan, weil Titan,
0:08:37–0:08:41
das kann Reinhard gleich erzählen, da steht auch eine Schwangerschaft mit im Mittelpunkt.
0:08:42–0:08:48
Es beginnt der Körper sich zu wandeln. Oder wenn wir uns die klassischen Body-Horror-Filme
0:08:48–0:08:50
von Cronenberg anschauen, die Fliege,
0:08:50–0:08:55
wo ein Mann sich dann transformiert in einen anderen Raum oder in eine andere
0:08:55–0:08:59
Kapsel und dann in dieser Kapsel die Fliege noch drin ist und dann beginnt sich
0:08:59–0:09:01
der Mann in die Fliege zu verwandeln.
0:09:01–0:09:07
Das ist ja so der Klassiker dabei, also eine Metamorphose, die da passiert.
0:09:07–0:09:12
Wenn wir auf die Ästhetik schauen, wie ist so Body-Horror inszeniert,
0:09:13–0:09:16
dann ist es auch meistens sehr explizit, würde ich sagen.
0:09:17–0:09:21
Auch wieder schauen wir uns Videodrome an. Ich komme nicht weg von Cronenberg,
0:09:21–0:09:26
aber Cronenberg ist halt auch wirklich so einer der Leuchttürme in diesem Genre.
0:09:26–0:09:31
Bei Videodrom, wie dann die Videokassette in den Bauch geschoben wird.
0:09:32–0:09:34
Erinnere ich mich spontan dran.
0:09:35–0:09:39
Man hat Close-Ups, man hat sehr splättrige Effekte, ohne dass es jetzt auch
0:09:39–0:09:41
unbedingt Splatter sein muss.
0:09:41–0:09:46
Also man sieht dann Hautreißen oder man sieht, wie sich was verformt.
0:09:47–0:09:48
Oder ich weiß nicht, habt ihr
0:09:48–0:09:52
damals, mich hat es total fasziniert und ich meine mich daran zu erinnern,
0:09:53–0:09:56
Mitch, dass wir vielleicht sogar gemeinsam im Film waren, Ende der 90er,
0:09:56–0:10:01
Tetsuo, den japanischen Film, haben wir den gesehen oder hast du den gesehen?
Micz Flor
0:10:01–0:10:04
Den habe ich in Manchester gesehen, den hast du in Berlin gesehen.
Florian Clauß
0:10:04–0:10:05
Okay. Ich habe ihn gesehen.
Micz Flor
0:10:05–0:10:05
Ja.
Florian Clauß
0:10:06–0:10:10
Tetsuo ist ja auch so eine monströse Geschichte,
0:10:11–0:10:16
die so ein bisschen aus Akira, aus diesem Universum stammt, wo auch die Hauptfigur
0:10:16–0:10:22
in dem Manga, Tetsuo, dann anfängt sich zu verformen und zu wachsen und zu mutieren.
0:10:23–0:10:27
In dem Film ist es so ein bisschen auch an der Schnittstelle,
0:10:28–0:10:33
dass dann Tetsu, soweit ich mich noch daran erinnern kann, so verwächst auch
0:10:33–0:10:37
mit so Motorrad und so anderen Sachen. Kann das sein?
Micz Flor
0:10:39–0:10:43
Ja, also das ist das Metalle, das dringt so, kommt aus ihm raus,
0:10:44–0:10:47
weiß nicht, Motorrad, weiß ich nicht, aber er fängt dann auch irgendwie an so
0:10:47–0:10:50
unfassbar schnell zu rennen und es gibt dann noch diese Frau,
0:10:50–0:10:52
es ist jetzt auch lange her, ich bin nicht vorbereitet,
0:10:53–0:10:57
über 20, 30 Jahre her wahrscheinlich, dass der Film rauskam,
0:10:58–0:11:02
aber es geht da ein bisschen so um diese Cyborg-Sache, fand ich ästhetisch auch.
0:11:03–0:11:06
Low budget, also wirklich so mit Stahlwoll aufs Auge geklebt und so.
Florian Clauß
0:11:07–0:11:11
Ich sehe gerade, ist das tatsächlich, ist der von 89, nicht von Ende 90er?
0:11:11–0:11:15
Ich glaube, der ist von 89 dazu, The Iron Man.
0:11:15–0:11:20
Okay, ja, und dann ist es ja diese Verbindung, das war ja auch in dem Akira-Comic
0:11:20–0:11:24
so zwischen Autos, Motorrädern und Fleisch, ja.
0:11:25–0:11:29
Da kommen wir auch so ein bisschen auf wieder auf Cronvore Crash,
0:11:29–0:11:34
der dann eher so nicht der explizite, aber doch mit sehr expliziten Szenen,
0:11:34–0:11:43
aber der ein bisschen ruhigere Film, Crash, wo dann auch Prothesen und Menschen zusammen wachsen.
0:11:43–0:11:44
Ja, Reinhard.
Reinhard
0:11:45–0:11:50
Ja, Florian, ich wollte eigentlich noch eine kleine Ergänzung beisteuern,
0:11:51–0:11:55
jetzt also noch gar nicht zur Ästhetik, sondern noch zu den Hintergründen des Body Horrors.
0:11:55–0:11:58
Ich denke tatsächlich, also, ich
0:11:58–0:12:05
Kultur und Kunst und Film hier im Besonderen spiegeln ja immer auch gesellschaftliche
0:12:05–0:12:07
Entwicklungen wieder oder technische Entwicklungen.
0:12:07–0:12:12
Und die Ängste, die davon ausgelöst werden, und ich denke schon, dass dieser Body Horror,
0:12:14–0:12:19
unseren Ängsten vor Entwicklungen in der Genetik, in der plastischen Chirurgie,
0:12:19–0:12:24
Organtransplantation, jetzt ganz neu Computer-Brain-Schnittstellen,
0:12:24–0:12:28
wie Elon Musk das mit seiner Neuralink-Firma gerade versucht,
0:12:28–0:12:31
Da haben sich jetzt zehn Freiwillige gemeldet, soweit ich weiß,
0:12:31–0:12:35
die sich tatsächlich jetzt so eine Schnittstelle einbauen lassen wollen.
0:12:36–0:12:43
Und diese transhumanistischen Gedanken und Visionen, die lösen auch tatsächlich Ängste aus.
0:12:43–0:12:47
Und das ist ja nichts Neues. Also ich denke mal, am Anfang des Body-Horrors,
0:12:47–0:12:50
ich würde den irgendwo in der Romantik verorten,
0:12:51–0:12:57
da waren es Ängste auch vor technischen Entwicklungen, die zu den ersten literarischen
0:12:57–0:12:59
Vorläufern des Body-Horrors geführt haben.
0:13:00–0:13:05
Also das würde ich schon sehen, dass da ganz reale Ängste, die wir haben durch
0:13:05–0:13:10
die neuesten technischen Entwicklungen, dass die sich da Ausdruck verleihen in diesem Film.
0:13:10–0:13:13
Also vielleicht jetzt nicht zu 100 Prozent, aber ich glaube doch,
0:13:13–0:13:14
dass es ein wesentlicher Anteil ist.
Florian Clauß
0:13:15–0:13:19
Unbedingt. Ja, ja. Also danke, Bernhard, für diesen Einwand.
0:13:20–0:13:24
Ja, sehe ich genauso, dass die Ängste natürlich aus der Zeit heraus dann sich
0:13:24–0:13:26
in solchen Filmen widerspiegeln.
0:13:26–0:13:30
Ja, und ich würde auch sagen, ich habe mich auch in die Runde geschickt,
0:13:30–0:13:37
so eine Liste von Sub-Sub-Genres im Body-Horror. Und eines davon ist dann eben
0:13:37–0:13:40
auch die Techno-Organik und der Transhumanismus.
0:13:41–0:13:46
Und gerade der Transhumanismus spielt ja auch heutzutage, du hast Elon Musk
0:13:46–0:13:49
angesprochen, aber da gibt es ja noch...
0:13:49–0:13:56
Viel wildere Fantasien aus dieser Tech-Pro-Szene, dass diese Unsterblichkeit
0:13:56–0:13:58
durch Transhumanismus.
Reinhard
0:13:58–0:14:01
Den Brain-Upload zum Beispiel, so eine Idee.
Florian Clauß
0:14:01–0:14:06
Genau, den Brain-Upload oder aber auch, dass man durch Transplantation,
0:14:06–0:14:10
jetzt ganz aktuell, ich muss es gerade noch mal zusammenbekommen,
0:14:10–0:14:15
ich glaube, da war das Mikro noch offen und deswegen ist da noch ein Teil von geleakt worden.
0:14:15–0:14:19
Aber da ging es tatsächlich darum, um wie man sich neue Organe transplantieren
0:14:19–0:14:22
kann und wie man so seine Lebenszeit verlängern kann.
0:14:22–0:14:29
Und das war nicht Trump, sondern das war Xi Jinping, also der chinesische Staatspräsident, und Putin.
0:14:29–0:14:35
Da ist natürlich auch die Fantasie von solchen Autokraten, die länger an der
0:14:35–0:14:37
Macht bleiben wollen, wie sie sich verlängern.
0:14:37–0:14:42
Und das reicht da rein. Durch Organtransplantation kann man sicher.
0:14:42–0:14:45
Und ich meine, die Technologie ist mittlerweile so weit, dass man dann ohne
0:14:45–0:14:49
Probleme noch ein paar Jahre, noch ein paar Jahrzehnte länger leben kann,
0:14:49–0:14:51
wenn man entsprechend die Mittel und die Ressourcen hat.
0:14:52–0:14:56
Also da kommt eine Menge Horror zusammen, auch in der Realität.
0:14:56–0:15:01
Ja, ich würde ja bei Transhumanismus würde ich jetzt auch zum Beispiel,
0:15:02–0:15:04
habe ich auch, den wollte, dachte ich, vielleicht können wir da nochmal kurz
0:15:04–0:15:07
drüber sprechen, aber ich glaube, ich bin der Einzige, der den gesehen hat,
0:15:07–0:15:13
nämlich die neue Reihe Alien Earth von 2025, wo dann halt auch die Transhumanen
0:15:13–0:15:16
neben den Cyborgs sind. Das ist auch eine ganz spannende Geschichte.
0:15:17–0:15:19
Alien Earth, unbedingt gucken. Das ist eine Empfehlung.
0:15:20–0:15:27
Weitere Subgenres, die wir noch im Body Horror finden, ist, wir haben sowas
0:15:27–0:15:32
wie was Okkult-Dämonisches, Besessenheit, Fluch.
0:15:32–0:15:35
Das ist das, was wir bei Rosemary's Baby oder...
0:15:36–0:15:40
Oder Suspiria. Da gibt es diese Neuverfilmung. Hat die jemand gesehen, die Neuverfilmung?
Reinhard
0:15:40–0:15:42
Ja, die ist ganz toll. Fantastisch.
0:15:44–0:15:47
Unbedingt sehen. Tilda Swinton.
Florian Clauß
0:15:47–0:15:51
Ja, Tilda Swinton, genau. Die hat, glaube ich, sieben oder acht Rollen in diesem
0:15:51–0:15:55
Film. Und man sieht es nicht. Das ist unglaublich.
Chris Flor
0:15:55–0:15:58
Ich wusste das nicht. Ich habe das erst später mal gelesen, nachdem ich den
0:15:58–0:16:01
Film schon geguckt hatte. Und da habe ich es dann erst gemerkt.
Reinhard
0:16:01–0:16:04
Ja, sie spielt auch einen ganz alten Mann. Und das so überzeugend.
0:16:04–0:16:08
Ich habe es auch erst hinterher gelesen. Ich wäre nie drauf gekommen.
Florian Clauß
0:16:08–0:16:12
Ich mache einen Kniefall vor Tilda Swinton. Überall, wo die mitspielt,
0:16:12–0:16:15
die ist wirklich großartig. Also ganz tolle Schauspielerin.
0:16:16–0:16:22
Dann könnte man auch unter diesen okkulten Dämonischen könnte man auch Weapons
0:16:22–0:16:24
mit einordnen, würde ich mal behaupten.
Chris Flor
0:16:25–0:16:26
Das ist aber jetzt schon ein Spoiler.
Florian Clauß
0:16:31–0:16:34
Ja, okay. Also ich mache eine Kapitelmarke.
0:16:36–0:16:42
Und Evil Dead, der Klassiker also der Klassiker Evil Dead, wer hat das nicht
0:16:42–0:16:48
geguckt damals auf Video ich glaube wir alle kennen diese Situation,
0:16:48–0:16:52
wo man bei Freunden zusammen auf der Couch gehangen hat die noch irgendwie Zugang
0:16:52–0:16:55
zu Evil Dead das war eines der Filme in den 80ern, die dieser,
0:16:56–0:17:00
Zensurschere dann zum Opfer fielen die dann halt komplett verbannt waren auch
0:17:00–0:17:03
vom Markt obwohl das völlig absurd ist, weil Evil Dead ist ja eigentlich eine
0:17:03–0:17:07
Komödie Wenn man es so will, ja. Habt ihr alle gesehen damals, oder?
Reinhard
0:17:07–0:17:08
Natürlich.
Florian Clauß
0:17:08–0:17:13
Ja. Versteht sich von selbst, ja. Identität.
0:17:14–0:17:19
Identität ist auch immer ein Thema bei Body Horror und Identität.
0:17:19–0:17:22
Und jetzt kommen wir, glaube ich, auch zu zwei Filmen, mit denen wir uns heute
0:17:22–0:17:25
beschäftigen, nämlich Doppelgänger und Fremdbesitz, ja.
0:17:25–0:17:32
Doppelgänger ist bei The Substance und auch Together könnte man eben als invertierten
0:17:32–0:17:35
Doppelgänger begreifen, ja. Können wir auch gleich nochmal drüber sprechen.
0:17:35–0:17:39
Aber das ist ja auch der Horror, wenn sich was irgendwie dupliziert,
0:17:39–0:17:42
ja, und auf einmal das andere gegenübersteht.
0:17:42–0:17:45
Dann haben wir die Dr. Jekyll, Mr. Hyde oder...
0:17:46–0:17:48
Oder solche ähnlichen Thematiken haben wir da mit drin, ja.
0:17:49–0:17:53
Ja, also ich glaube, ich habe jetzt so ein paar Felder aufgemacht.
0:17:53–0:17:55
Fällt euch noch was ein, was wir noch erwähnen können?
0:17:55–0:17:58
Das könnten wir nochmal sagen, Parasitenhorror, ja.
0:17:58–0:18:02
Also sowas wie Krankheit oder Pilze, Würmer oder irgendwelchen Invasiven.
Reinhard
0:18:02–0:18:03
Das Ding von Carpenter.
Florian Clauß
0:18:04–0:18:10
Ja, genau, The Thing. Und jetzt würde auch Last of Us, würde ich auch da reinholen.
0:18:10–0:18:16
Also diese Verfilmung des Spiels als Serie, wo dann halt diese Pilze quasi die
0:18:16–0:18:18
Menschen zu Zombies machen.
0:18:18–0:18:22
Finde ich auch, könnte man als Body Horror so sehen, ja.
Reinhard
0:18:22–0:18:26
Ja, auch außerirdische Gene, wie in District 9 zum Beispiel.
Florian Clauß
0:18:26–0:18:27
Ja.
Reinhard
0:18:27–0:18:30
Das ist auch sehr verbreitet, glaube ich.
Florian Clauß
0:18:30–0:18:35
Ja, stimmt. Ja, also Body-Horror, ich glaube auch, das ist halt wirklich so
0:18:35–0:18:36
eine Definitionsklammer,
0:18:37–0:18:40
da kann man ziemlich viel runterordnen, aber ich würde vor allen Dingen,
0:18:40–0:18:45
also dieser Ekel, ja, dieser Ekel und diese Entgrenzung, die passiert,
0:18:45–0:18:49
und das ist das, was für mich den Body-Horror ausmacht.
0:18:49–0:18:54
Das ist nicht so sehr, also wenn wir uns so einen klassischen Zombiefilm angucken,
0:18:54–0:18:58
dann ist es ja immer eher die Situation, oder ein Splatter, Splatterfilm,
0:18:58–0:19:01
dann ist es ja immer eher die Situation, der eine rennt weg und man muss halt
0:19:01–0:19:04
gucken, dass man halt irgendwie Schutz findet und dass man halt nicht von den
0:19:04–0:19:06
Zombies gebissen wird und so weiter.
0:19:06–0:19:12
Dann ist es aber nicht so sehr dieser Zerfeil oder die Metamorphose,
0:19:12–0:19:16
die da gezeigt wird, sondern es ist eher so dieses Height-and-Sieg-Spiel,
0:19:16–0:19:19
wo das da inszeniert wird.
0:19:20–0:19:24
Obwohl, wenn ich an die italienischen Zombie-Filme denke, die können aber auch
0:19:24–0:19:31
schon sehr eklig werden und, naja, das sind die von Fulci, die Zombie-Filme.
0:19:31–0:19:34
Ich glaube, wir haben uns auch, habe ich mal erwähnt, als wir,
0:19:35–0:19:38
also Mitch und ich, über 28 Years Later gesprochen haben. Ja.
0:19:40–0:19:45
Habt ihr noch Ergänzungen zu diesem Versuch der Einordnung?
Micz Flor
0:19:45–0:19:50
Ich habe noch gar nichts gesagt, was auch nicht unpassend ist,
0:19:50–0:19:54
weil ich, wie mein Bruder Chris, auch mit Horrorfilmen eigentlich über meine
0:19:54–0:19:56
Grenzen gehe, also wenn wir von Grenzen sprechen.
0:19:57–0:20:01
Ich finde das oft schwer auszuhalten und bin jemand, der dann gerne ohne Ton
0:20:01–0:20:05
guckt oder auch als wir together so durch die Finger guckt.
0:20:05–0:20:09
Da schäme ich mich inzwischen nicht mehr für. Lange habe ich mich dafür geschämt.
0:20:10–0:20:15
Und jemand, der auch beim fünften Mal gucken von Shining,
0:20:15–0:20:20
als ich mal in den 90er Jahren ein Videobeamer ausgeliehen hatte für eine Ausstellung,
0:20:20–0:20:23
der war bei mir zu Hause, habe ich das so auf Großformat geguckt und musste
0:20:23–0:20:26
dann auch ausmachen, obwohl ich schon wusste, worum es geht.
0:20:27–0:20:30
Aber ich finde es gleichzeitig auch faszinierend. Für mich ist das immer so
0:20:30–0:20:35
ein Ding wie saure Gurken, also diese Zuckerdinger.
0:20:35–0:20:36
Kennt ihr diese flachen Teile?
0:20:37–0:20:41
Die sind sauer und süß und die kleben zwischen den Zähnen und man kann nicht aufhören.
0:20:41–0:20:45
Und obwohl man es nicht will, also man will es buchstäblich ausspucken,
0:20:45–0:20:47
kann also so geht es mir immer mit hinschauen und wegschauen.
0:20:48–0:20:51
Eine Sache, die ich aber noch so ein bisschen dazu schieben möchte, ist,
0:20:52–0:20:57
Dass ich schon auch diesen Film Freaks von 1932, ich weiß nicht,
0:20:58–0:21:00
den kennt ihr vielleicht auch, den würde ich gerne kurz noch dazunehmen.
0:21:01–0:21:04
Das war US-amerikanischer, in Anführungszeichen,
0:21:05–0:21:10
Horrorfilm oder spektakulärer Film oder so, wo Todd Browning war der Regisseur,
0:21:10–0:21:16
der diese Sideshow-Künstler heißen, die also in Anführungszeichen missgebildete
0:21:16–0:21:19
Menschen mit Fehlbildungen.
0:21:24–0:21:29
Und ich finde das deshalb so nicht unwichtig, den zu erwähnen,
0:21:29–0:21:33
weil das ist ein Spektakel, diesen Film zu sehen.
0:21:33–0:21:37
Und das war natürlich jetzt auch schon Jahrzehnte, nachdem es Filme gab.
0:21:37–0:21:41
Aber es gibt trotzdem, finde ich, so einen Bruch, wenn wir zurückgucken,
0:21:41–0:21:45
gibt es halt so eine Zeit, bevor man fotografieren konnte und bevor man Filme
0:21:45–0:21:51
hatte, wo Kupferstiche von Nilpferden oder Elefanten oder Löwen halt irgendwie so,
0:21:51–0:21:54
wenn wir die heute sehen, dann muss man sich daran erinnern,
0:21:54–0:21:57
dass die Leute das aus Erzählungen nachgestellt haben.
0:21:57–0:22:04
Und dann kam Fotografie rein und dann kam Film rein und in dem Film Freaks sieht
0:22:04–0:22:09
man dann eben auch dieses Spektakel, wenn man Missbildungen sieht, also in Schwarz-Weiß.
0:22:09–0:22:15
Die sind alle irgendwie, finde ich, trotzdem auch sehr fröhlich und gut porträtiert.
0:22:15–0:22:19
Also ich habe nicht das Gefühl, dass es eine komplette Verkünstlichung ist,
0:22:19–0:22:21
diesen Film anzuschauen.
0:22:22–0:22:25
Aber es ist irgendwie so an so einer Schwelle, wo, glaube ich,
0:22:26–0:22:28
Body Horror irgendwie auch mit ansetzt.
0:22:28–0:22:31
Nämlich mit diesem Gefühl, dass man in diesem Gegenüber, in dem Spiegel,
0:22:31–0:22:36
dass man da auf einmal das Gefühl hat, es gibt eine Verzerrung.
0:22:36–0:22:37
Da beginnt so etwas zu reißen.
0:22:38–0:22:41
Da beginnt so ein bisschen, wie wenn man in Zerspiegel reinschaut,
0:22:41–0:22:43
wenn man in solche Filme reinguckt.
0:22:43–0:22:48
Und das finde ich bei Body Horror für mich so das Thema. Für mich ist es ein.
0:22:48–0:22:54
Es ist an dieser Schnittstelle zwischen Körper und Geist oder Leib und Seele
0:22:54–0:22:55
oder wie man es auch nennen möchte.
0:22:56–0:23:01
Und es geht für mich oft im Body Horror darum, gar nicht so sehr um das Blut
0:23:01–0:23:04
und das Gehirn und was da so rauskommt, sondern um diesen Moment,
0:23:04–0:23:07
dass diese beiden Dinge beginnen, sich zu entfernen.
0:23:09–0:23:14
Dass entweder das Körperliche unter dem Psychischen leiden kann.
0:23:14–0:23:16
Das ist ja auch, wie heißt denn immer der Film?
0:23:17–0:23:20
Mir fällt jetzt gerade ein gutes Beispiel ein, ohne dass mir der Titel dazu einfällt.
Florian Clauß
0:23:21–0:23:21
Sag mal, beschreib mal.
Micz Flor
0:23:22–0:23:26
Das ist da, wo die dann auch, wo einer, wo die mit dem Hirn aufeinander,
0:23:26–0:23:30
es ist auch ein Cronenberg-Film, Brain Splatning.
Florian Clauß
0:23:31–0:23:33
Mit dem Hirn Naked Lunch?
Micz Flor
0:23:33–0:23:37
Nein, nein, nein, es ist ein ganz früher, wo die dann so, die haben so psychische.
Florian Clauß
0:23:39–0:23:40
Parapsychische. Also die Unzertrennlichen.
Micz Flor
0:23:40–0:23:41
Nein.
0:23:43–0:23:48
Auf jeden Fall, dass quasi das Parapsychische den Körper bedroht oder umgekehrt,
0:23:48–0:23:52
das Psychische durch die Körperveränderung bedroht wird, da könnten dann auch
0:23:52–0:23:55
so Sachen wie Demenz zum Beispiel reinspielen, also dass irgendwie diese Verbindung
0:23:55–0:23:57
von diesen beiden Elementen, die
0:23:57–0:24:01
ja sowieso auch philosophisch noch nicht geklärt ist, diese Verbindung,
0:24:01–0:24:04
wo alle dran rumschrauben und auch, wo wir vorhin jetzt über,
0:24:05–0:24:09
Reinhards Buch gesprochen haben, auch da geht es ja um diesen Zusammenhang,
0:24:09–0:24:12
das ist für mich irgendwie Body-Horror, dass diese Dinge,
0:24:12–0:24:17
dass da beginnt etwas sich zu entfernen und wenn es dann reißt,
0:24:17–0:24:20
dann ist es eigentlich so wie beim Monster-Film, wenn man das Monster gesehen
0:24:20–0:24:22
hat, irgendwie ist dann die Spannung weg.
0:24:22–0:24:26
Aber der wirkliche Horror entsteht für mich bei Body-Horror,
0:24:26–0:24:31
so wie ich es verstehe, immer an diesen Momenten, wo da Zerrbilder entstehen
0:24:31–0:24:35
und Körper und Seele irgendwie nicht mehr ganz zusammenpassen.
0:24:36–0:24:40
Das ist für mich so das Motiv. Und ich denke, dass Freaks da irgendwie so eine
0:24:40–0:24:46
Rolle spielt als Spiegel und dass das heute natürlich viel feinteiliger über
0:24:46–0:24:48
CGI oder so auch durchdekliniert wird.
0:24:49–0:24:52
Also zwischendrin hat man dann noch solche Sachen wie vielleicht der Exorzist
0:24:52–0:24:56
oder so, wo die Sachen wirklich über Maske und Materie hergestellt wurden.
0:24:56–0:25:00
Aber seitdem ist dann viel Zeit vergangen, sodass einfach dieses ganze diese
0:25:00–0:25:06
ganze Palette von Effekten manchmal leider ausgespielt wird,
0:25:06–0:25:08
um da einfach noch mehr von dieser,
0:25:09–0:25:11
von dieser Zerreißprobe zu zeigen.
Reinhard
0:25:12–0:25:18
Sag mal, Michael, hast du vielleicht den Aufsatz von Freud über das Unheimliche gelesen?
0:25:18–0:25:21
Ich glaube, 1919 hat er den veröffentlicht.
0:25:22–0:25:26
Das wäre in dem Zusammenhang noch mal ganz interessant. Ich habe den mal gelesen,
0:25:26–0:25:28
das ist aber schon 30 Jahre her.
0:25:28–0:25:32
So genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Eins ist mir dazu im Kopf geblieben.
0:25:33–0:25:39
Ich glaube, Freud so verstanden zu haben, dass er sagte, das Unheimliche resultiert daraus,
0:25:39–0:25:45
dass etwas Vertrautes uns fremd wird, dass etwas zugleich vertraut ist,
0:25:45–0:25:51
also unser Körper und gleichzeitig etwas völlig Fremdes annimmt.
0:25:51–0:25:56
Und aus diesem Widerspruch, aus diesem Kontrast heraus erwächst das Unheimliche.
0:25:58–0:26:00
Aber vielleicht habe ich ihn noch missverstanden.
Micz Flor
0:26:01–0:26:06
Das ist schon ziemlich genau das, was als These da unten drunter liegt.
0:26:06–0:26:11
Und das Unheimliche ist halt heimelig. Das Heimelige, das Vertraute und das
0:26:11–0:26:13
Unheimliche, das ist...
0:26:14–0:26:19
Bei Horrorfilmen oder bei Thrillern wird das ganz oft gemacht,
0:26:19–0:26:23
dass Orte, die total schützend und schön und angenehm wirken,
0:26:23–0:26:27
dargestellt werden und dann gefüllt werden mit Anspannung oder Destruktion.
0:26:27–0:26:33
Also dass man so in Situationen kommt, wo man nicht bei Evil Dead, da gibt es diese Hütte,
0:26:33–0:26:38
diese Hütte im Wald kann man ja auch idealisieren als Rückzugsort und Naturverbundenheit
0:26:38–0:26:43
und genau da kommt dann das Unheimliche richtig zum Tragen.
0:26:43–0:26:48
Und Freud hat, ich glaube jetzt 99 Prozent sicher, in diesem Text auch über
0:26:48–0:26:50
sich selber geschrieben, was ich total schön finde.
0:26:50–0:26:56
Er sagt sowas als Beispiel, als Illustration, dass er mal zugefahren ist und
0:26:56–0:26:59
dann ging so eine Tür auf und dann sah er auf einmal so gegenüber jemandem,
0:27:00–0:27:03
das war so ein älterer Herr mit grauen Haaren, der so in sich zusammengesunken
0:27:03–0:27:06
so da saß und er hat sich total erschreckt und dabei dann gemerkt.
0:27:07–0:27:13
Dass das die Tür vom Klo war und er im Spiegel sich selber gesehen hat.
0:27:13–0:27:18
Und das finde ich total spannend, weil das nämlich natürlich auch so eine Situation
0:27:18–0:27:22
ist, in der Bodyhorror für uns alle entsteht, auf so ganz subtile Ebene,
0:27:22–0:27:26
wir sehen Fotos von uns und sind immer erschreckt,
0:27:26–0:27:31
es gibt kaum jemand, der gerne Fotos von sich sieht oder die Stimme von sich
0:27:31–0:27:35
hört oder so und das finde ich ein spannendes Bild, wo Freud da an sich selber
0:27:35–0:27:37
auch explizit nochmal gesagt hat,
0:27:37–0:27:41
es war ihm seltsam vertraut, aber dann knallt es rein, das bin ja ich und dann
0:27:41–0:27:45
hat er sich wahrscheinlich wie wir alle vom Spiegel in Pose geworfen.
0:27:45–0:27:46
Also wenn wir zum Spiegel gehen.
Chris Flor
0:27:46–0:27:50
Ich würde dann aber mal das Abgrenzen vom Body-Horror dann doch sozusagen das
0:27:50–0:27:54
Unheimliche und Uncanny Valley und so weiter sind Sachen, die halt der Vampir
0:27:54–0:27:59
zum Beispiel ist ein Mensch, aber doch kein Mensch. Also man sieht diese Sache.
0:27:59–0:28:02
Aber Body-Horror geht dann ja wirklich auch ein bisschen drum,
0:28:02–0:28:10
eben um diese Transformation, um dieses Desintegrieren oder irgendwie ja Auswuchern und so weiter.
0:28:11–0:28:14
Da müssen wir, glaube ich, schon ein bisschen eine Grenze ziehen.
Micz Flor
0:28:15–0:28:18
Finde ich auch richtig und das ist vielleicht genauso der Unterschied zwischen
0:28:18–0:28:25
dem Prozess der Transformation, der Transformative, das Narrativ im Body Horror und diesem Bild.
0:28:25–0:28:30
Die Tür geht auf und ich sehe halt, da entsteht kein transformativer Akt,
0:28:30–0:28:33
sondern das ist einfach nur eine Bestandsaufnahme sozusagen.
0:28:33–0:28:35
Das ist jetzt unheimlich, das ist ein Bild.
Florian Clauß
0:28:35–0:28:40
Also diese Spiegel-Metaphern, ja, also gerade in The Substance wird auch ganz
0:28:40–0:28:45
viel mit dem Spiegel gearbeitet und ich denke, das ist, ja, das ist,
0:28:45–0:28:48
also wie du sagst, das eine ist ein Prozess, das andere ist,
0:28:48–0:28:53
glaube ich, das Bild, was da uns erstmal so unheimlich erscheinen lässt.
0:28:53–0:28:57
Ich würde auch sagen, dass diese Definition von unheimlich, das ist ja so das,
0:28:57–0:29:03
was dann auch so im Horrorfilm typisch ist, dass ein heimlicher Ort,
0:29:03–0:29:05
also ein heimeliger, wie du sagst, Mitch,
0:29:05–0:29:09
der wird auf einmal, wie die irgendwelche, weiß ich nicht, da,
0:29:09–0:29:13
wo man sich halt wohlfühlt, das wird auf einmal zum Horror.
0:29:13–0:29:16
Das haben wir auch bei Midsummer und so weiter.
0:29:16–0:29:20
Das sind ja so die Momente, wo sich jeder identifizieren kann und auf einmal
0:29:20–0:29:25
kommt in diesen Raum, der so ein Schutzraum bedeutet, dann dieser Horror rein
0:29:25–0:29:29
oder ich muss nur an Freddy Krüger denken und so weiter.
0:29:29–0:29:34
Das sind ja so diese Geschichten darüber. Aber bleiben wir beim Body Horror.
0:29:35–0:29:39
Ich würde vorschlagen, Reinhard, möchtest du mit, ich überlege gerade,
0:29:39–0:29:41
wie man den französisch ausspricht, Titan?
Reinhard
0:29:41–0:29:46
Ja, das habe ich auch. Also der Name des Films macht, glaube ich,
0:29:46–0:29:47
nicht so große Probleme.
0:29:48–0:29:51
Größere Probleme habe ich tatsächlich beim Namen der Autorin,
0:29:51–0:29:53
Julia, ist noch einfach, aber...
0:29:54–0:29:57
Du Correnaud würde ich jetzt mal schätzen.
Florian Clauß
0:29:57–0:30:01
Das klingt sehr französisch, ja. Lass mal Geld hin.
Reinhard
0:30:01–0:30:05
Obwohl ich nie französisch hatte, aber ich gebe mir Mühe. Ja,
0:30:05–0:30:07
sehr gerne erzähle ich was über den Film.
0:30:08–0:30:11
Interessant fand ich, was Mitch eben noch gesagt hat, also diese Beziehung zwischen
0:30:11–0:30:16
Körper und Geist und dass eigentlich vielleicht der Geist auch der Ursprung
0:30:16–0:30:17
des Körperhorrors sein kann.
0:30:17–0:30:20
Also das ist in diesem Film auch tatsächlich exemplarisch der Fall.
0:30:20–0:30:27
Weil der Auslöser dieses Body-Horrors, der sich da vor uns ausbreitet,
0:30:27–0:30:32
ist eigentlich tatsächlich ein psychischer Defekt.
0:30:32–0:30:37
Oder Defekt kann ich gar nicht sagen. Vielleicht etwas, was da fehlt in der Psyche eines Kindes.
0:30:38–0:30:41
Aber ich erzähle mal von Anfang an.
0:30:41–0:30:44
Ich habe den Film gestern zum dritten Mal gesehen.
0:30:45–0:30:49
Und ich muss sagen, er hat mich auch beim dritten Mal schon noch genauso umgehauen
0:30:49–0:30:52
wie beim ersten Mal. weil ich finde, dieser Film ist wirklich ein Ereignis und
0:30:52–0:30:54
jeder sollte den gesehen haben.
0:30:54–0:30:59
Also ich mag eigentlich sehr gerne Filme, die sich nicht in eine Schublade stecken
0:30:59–0:31:03
lassen, die Grenzen überschreiten und auch Genre-Grenzen überschreiten,
0:31:04–0:31:10
wo ich tatsächlich das Gefühl habe, hier wird ein komplett neues Feld aufgemacht.
0:31:10–0:31:15
Oder es werden mir Erfahrungen vermittelt, die ich vorher noch nie gemacht habe.
0:31:16–0:31:20
Und das tut dieser Film tatsächlich. Also er bedient überhaupt keine Klischees
0:31:20–0:31:26
und er ist in jeder Minute überraschend, schockierend und auch unvorhersehbar.
0:31:26–0:31:31
Und er produziert Bilder und Szenen, die man so schnell nicht wieder vergisst.
0:31:31–0:31:34
Also von daher würde ich wirklich sagen, es ist ein wirkliches Kunstwerk und
0:31:34–0:31:40
er hat die Goldene Palme 2021 in Cannes wirklich vollkommen zurechtgewonnen.
0:31:41–0:31:46
Er war auch der französische Kandidat für den Oscar in dem Jahr,
0:31:46–0:31:48
aber mich hat es überhaupt nicht
0:31:48–0:31:52
verwundert, dass so ein radikaler Film in Hollywood keine Chance hat.
0:31:52–0:31:59
Das Buch geschrieben und Regie geführt hat die damals noch nicht einmal 40-jährige
0:31:59–0:32:03
Julia Ducorno und es ist ihr zweiter Spielfilm nach Raw.
0:32:04–0:32:11
Den sie 2016 rausgebracht hat, das eine Coming-of-Age-Geschichte und gleichzeitig
0:32:11–0:32:14
eine Geschichte über Fleischeslust und Kannibalismus.
0:32:14–0:32:20
Auch ein sehr radikaler Film, hat auch mit dem Film schon viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
0:32:21–0:32:22
Aber erst recht mit Titan.
0:32:23–0:32:27
Also der Film beschreibt eigentlich,
0:32:27–0:32:31
also ich habe schon gesagt, es ist schwer in eine Schublade zu zwängen,
0:32:32–0:32:35
aber man könnte den Versuch machen, ihn als eine
0:32:35–0:32:42
radikal-feministische Selbstermächtigungs-Body-Horror-Drama zu bezeichnen.
0:32:43–0:32:47
Aber selbst mit dieser Bezeichnung trifft man eigentlich nicht mal die Hälfte
0:32:47–0:32:51
der Botschaft, die dieser Film vermittelte. Ich versuche es nochmal anders.
0:32:51–0:32:55
Also man könnte ihn auch als eine tödlich endende Passionsgeschichte beschreiben,
0:32:55–0:33:00
als einen brutalen Kreuzweg oder eine dreifache Metamorphose.
0:33:01–0:33:06
Also die erste Metamorphose ist vom Mensch zur Maschine, dann von einer Maschine
0:33:06–0:33:12
zu einem Mann und oder Sohn und dann von einem jungen Mann oder Sohn.
0:33:12–0:33:16
Wieder zurück zur Frau oder sogar zur Mutter.
0:33:16–0:33:21
Ich versuche mal die Geschichte also wenigstens zu skizzieren.
0:33:21–0:33:25
Wir sehen am Anfang ein kleines Mädchen, die heißt Alexia,
0:33:25–0:33:28
Wir sehen auch, dass sie von ihrem Vater nicht geliebt wird.
0:33:29–0:33:34
Um seinen Blick zu bekommen oder seine Aufmerksamkeit zu bekommen,
0:33:34–0:33:40
tut sie einiges, was dazu führt, dass die beiden einen schweren Autounfall haben.
0:33:40–0:33:42
Und das kleine Mädchen hat eine schwere
0:33:42–0:33:47
Kopfverletzung und ihr wird eine Titanplatte in den Kopf eingesetzt.
0:33:47–0:33:51
Dieser Eingriff markiert eigentlich auch den Beginn des Körperhorrors.
0:33:52–0:33:57
Weil von da an fängt sie an, sich in eine Maschine zu verwandeln.
0:33:57–0:34:03
Also diese äußerliche Veränderung führt auch zu einer inneren Veränderung.
0:34:03–0:34:08
So wie am Anfang dieser innere Schmerz, nicht gesehen zu werden von ihrem Vater,
0:34:08–0:34:14
dann tatsächlich auch zu diesem Ereignis führt, was das alles auslöst.
0:34:14–0:34:19
Also wir sehen sie dann später als junge Frau, sehr kalt, eigentlich schon eher
0:34:19–0:34:22
eine Maschine, ohne Emotionen.
0:34:22–0:34:32
Sie tötet fast beiläufig einen übergriffigen Mann, dann ihre menschliche Geliebte
0:34:32–0:34:35
und im Anschluss noch ein paar harmlose WG-Bewohner.
0:34:35–0:34:39
Und am Ende dieses Massakers bringt sie auch noch ihre Eltern um.
0:34:40–0:34:47
Wir sehen dieser Brutalität zu und sehen auch, dass sie wirklich fast unbeteiligt ist.
0:34:47–0:34:52
Also folgerichtig hat sie auch, sie hat sich also dem Menschsein und den Menschen
0:34:52–0:34:58
komplett entzogen und hat folgerichtig auch Sex mit einer Maschine, mit einem Auto,
0:34:58–0:35:03
mit einem sehr männlichen Cadillac und wird dann in der Folge auch von ihm schwanger.
0:35:04–0:35:09
Das klingt jetzt ein bisschen verquer, aber es ist in dem Film,
0:35:10–0:35:14
es ist wirklich sehr gut umgesetzt. Ja, es ist großartig.
0:35:15–0:35:19
Es wirkt so, es wirkt wirklich, also der Film hat teilweise was unglaublich
0:35:19–0:35:27
Dramatisches, teilweise Romantisches, teilweise Sakrales, dann aber auch etwas sehr Träschiges.
0:35:28–0:35:31
Man weiß eigentlich nie, wo man jetzt genau ist, an welcher Stelle.
0:35:31–0:35:34
Nun ja, also das ist eigentlich der erste Teil des Films, endet damit,
0:35:34–0:35:40
also mit dieser Massentötung, könnte man es fast sagen, und der Flucht vor der Polizei.
0:35:40–0:35:47
Und dann beginnt etwas komplett Neues, was man eigentlich überhaupt nicht erwartet. Es beginnt der...
0:35:47–0:35:53
Eine zweite Transformation. Und diese Transformation ist zurück von der Maschine
0:35:53–0:35:56
wieder zu einem Menschen und zwar zu einem jungen Mann.
0:35:56–0:36:01
Also sie sieht irgendwo ein Fahndungsfoto, da wird nach einem jungen Mann gesucht,
0:36:01–0:36:06
der irgendwie verloren gegangen ist und sie verwandelt sich in diesen jungen
0:36:06–0:36:11
Mann. Aber auch mit einer Form von Body-Horror.
0:36:11–0:36:15
Also eine der eindrücklichsten Szenen des Films ist, wie sie versucht,
0:36:15–0:36:18
auf einer Flughafentoilette sich selbst die Nase zu brechen.
0:36:19–0:36:26
Und das klingt jetzt erst mal nach keiner großen Sache, aber es ist wirklich äußerst brutal.
Florian Clauß
0:36:26–0:36:29
Es tut so weh. Diese Szene tut so weh.
Reinhard
0:36:32–0:36:37
Und das ist ja nicht das Einzige. Sie rasiert sich ihre wunderschönen langen
0:36:37–0:36:43
Haare ab und schnürt sich ihre Brüste ein und da beginnt sie ja schon schwanger
0:36:43–0:36:45
zu sein von diesem Cadillac,
0:36:46–0:36:51
muss sie auch den schwangeren Bauch abbinden, das ist alles äußerst schmerzhaft,
0:36:51–0:36:53
also es ist wirklich eine Tortur.
0:36:53–0:37:00
Aber sie hat Glück, also der Vater dieses jungen Mannes oder dieses Kindes,
0:37:00–0:37:02
das da irgendwie verloren gegangen ist.
0:37:03–0:37:09
Leidet unglaublich unter dem Verlust seines Sohnes und als sich ihm die Chance bietet...
0:37:09–0:37:13
Wieder einen Sohn zu bekommen, ergreift er sie. Obwohl er spüren muss,
0:37:13–0:37:18
dass dieser junge Mann, der eigentlich eine Frau ist, die eigentlich eine Maschine
0:37:18–0:37:20
ist, dass das nicht sein Sohn sein kann.
0:37:20–0:37:24
Aber er ist so abhängig davon, diesen Sohn wiederzubekommen,
0:37:24–0:37:30
dass er diese Illusion auferstehen lässt. Und was sich dann entwickelt,
0:37:30–0:37:34
das ist unglaublich, nämlich wirklich eine romantische Liebesgeschichte.
0:37:34–0:37:40
Also dieser Mann, der auch noch ein extrem männlicher Mann ist,
0:37:40–0:37:48
ist Chef einer Feuerwehr und diese Feuerwehr ist eine extrem männliche Gesellschaft,
0:37:48–0:37:54
also die hat fast etwas Sektenhaftes und dieser Feuerwehrkommandant wird als Gott verehrt.
0:37:54–0:37:59
Er prügelt seinen eigenen Körper aus Angst vor dem Älterwerden und dem Verlust
0:37:59–0:38:05
seiner Autorität, spritzt er sich ständig Testosteron oder irgendwelche anderen Substanzen.
0:38:06–0:38:12
Die beiden leben zusammen und es entwickelt sich wirklich zunächst so eine wunderschöne
0:38:12–0:38:16
Vater-Sohn-Geschichte und dann aber auch daraus eine Liebesgeschichte.
0:38:16–0:38:21
Weil irgendwann kann Alexia, so heißt die junge Frau, kann sie das nicht mehr
0:38:21–0:38:24
verbergen, ihre Schwangerschaft und ihre Weiblichkeit.
0:38:24–0:38:29
Und sie offenbart sich ihm immer mit der Angst, also dass er sie jetzt rausschmeißt
0:38:29–0:38:31
oder noch Schlimmeres tut.
0:38:31–0:38:34
Aber das tut er nicht. Und was eigentlich die Botschaft ist,
0:38:35–0:38:39
das klingt banal und haben wir schon oft genug gesehen, aber dass es tatsächlich
0:38:39–0:38:41
die Liebe ist, die am Ende siegt.
0:38:42–0:38:46
Der Film endet dann aber sehr tragisch, dass sie bekommt ihr Kind,
0:38:46–0:38:52
also dieses Hybridwesen aus Mensch und Maschine und stirbt bei der Geburt.
0:38:54–0:38:59
Aber dieser Ersatzvater, den sie da gefunden hat, nimmt dieses Kind als seinen
0:38:59–0:39:02
Sohn an. Und es hat somit ein gutes Ende.
Florian Clauß
0:39:05–0:39:08
Ja, so großartig, großartig, Reinhard.
0:39:09–0:39:15
Vielleicht noch ergänzend, wenn sie dann schwanger ist, wo dann der Body Horror auch anfängt,
0:39:15–0:39:19
der Bauch wird immer praller und irgendwann reißt dann auch der Bauch auf einer
0:39:19–0:39:24
Stelle ein und man sieht dann an dieser Stelle so ein glänzendes Titan unten
0:39:24–0:39:28
drunter, wo eigentlich irgendwie Gewebe hätte sein müssen.
0:39:28–0:39:33
Also man kriegt schon das Gespür, dass da irgendwas komisches ranwächst oder
0:39:33–0:39:36
aus ihren Brüsten kommt dann Maschinenöl raus.
Reinhard
0:39:36–0:39:37
Motoröl, ja genau.
Florian Clauß
0:39:38–0:39:39
Motoröl raus.
Reinhard
0:39:39–0:39:44
Sie versucht auch das Kind abzutreiben am Anfang mit dem Werkzeug,
0:39:45–0:39:50
mit einer metallenen Haarnadel, mit der sie vorher zehn Menschen schon umgebracht hat.
0:39:51–0:39:56
Das ist auch eine wahnsinnig intensive und äußerst schmerzhafte Szene,
0:39:56–0:39:57
sich das mit anschauen zu müssen.
Florian Clauß
0:39:57–0:40:02
Das ist so schlimm. Es wird auch nicht explizit da diese Szene gezeigt,
0:40:02–0:40:04
aber man leidet wirklich.
0:40:04–0:40:08
Ich konnte da nicht hinschauen. Ich musste wirklich wegschauen und ich schäme
0:40:08–0:40:09
mich auch nicht mehr dafür.
0:40:10–0:40:14
Ich nehme meine Brille ab, dann sehe ich nichts mehr und gucke dann nur noch
0:40:14–0:40:16
durch die zusammengekniffenen Augen.
0:40:16–0:40:19
Aber da habe ich es nicht ausgehalten bei dieser Szene.
Reinhard
0:40:19–0:40:25
Aber ich hatte des ganzen Films nie den Eindruck,
0:40:25–0:40:29
wir haben vorhin ja darüber diskutiert, dass irgendwie dieser Body-Horror auch
0:40:29–0:40:33
daraus resultiert, dass etwas mit dem eigenen Körper passiert,
0:40:33–0:40:39
was eben nicht selbstbestimmt ist, was irgendwie von außen kommt.
0:40:39–0:40:45
Und in diesem Film ist es tatsächlich diese Transformation in eine Maschine
0:40:45–0:40:49
und auch das Schwangersein mit einem Hybridwesen aus Mensch und Maschine.
0:40:50–0:40:56
Das ist eigentlich, so habe ich den Film gelesen, eine Form weiblicher Selbstermächtigung.
0:40:56–0:41:00
Sie hat sich selbst dafür entschieden, eine Maschine zu werden,
0:41:00–0:41:05
Sex mit einer Maschine zu haben oder ein Maschinenkind zu gebären.
0:41:05–0:41:09
Also das war eine Entscheidung, die sie selber getroffen hat.
0:41:09–0:41:13
Und dann zu einem Mann zu werden, das ist auch eine Entscheidung,
0:41:13–0:41:14
die sie selber getroffen hat.
0:41:14–0:41:20
Also dieser Film überwindet mehrfach Grenzen zwischen Mensch und Maschine,
0:41:20–0:41:26
zwischen Männern und Frauen, zwischen Vater und Sohn, in dem da aus dieser Beziehung
0:41:26–0:41:28
eine Liebesgeschichte wird. Er überwindet.
0:41:28–0:41:35
Lässt sozusagen alle Identitäten in sich zusammenfallen und lässt uns das als
0:41:35–0:41:36
etwas Positives erleben.
Florian Clauß
0:41:36–0:41:42
Ja, ich finde auch, ich stimme dir da so 100% zu und ich würde auch sagen,
0:41:42–0:41:46
das ist wirklich ein ganz toller Film, auch wirklich einer der besten,
0:41:46–0:41:47
die ich in der letzten Zeit gesehen habe,
0:41:48–0:41:53
der mich sehr berührt hat und auch ein, ich bin da auch voll bei dir,
0:41:53–0:41:55
das ist ein Kunstfilm, das ist wirklich ein Film,
0:41:56–0:42:03
der schafft, diese Ambivalenz in den Figuren so zu halten, dass es eben keine
0:42:03–0:42:04
Moral gibt oder irgendwas,
0:42:05–0:42:14
wo man urteilen könnte, sondern er löst es auch, also er löst es in Liebe auf und in Mitgefühl.
0:42:15–0:42:19
Und ich glaube, das ist, was am Ende so stehen bleibt. Man lässt diese Ambivalenzen zu.
0:42:19–0:42:22
Sie ist eine Mörderin. Das finde ich zum Beispiel,
0:42:22–0:42:28
diese Darstellung des Bodyhorrors, die jetzt nicht selbst erwählt sind,
0:42:28–0:42:36
ist nämlich die Reaktion der Opfer, wenn Alexia den Opfern diese Haarnadel ins Ohr stößt,
0:42:36–0:42:42
dann fangen die an so zu zucken und dann so eine schleimige Masse zu kotzen.
0:42:42–0:42:46
Und das war wirklich, das war sehr eklig, also das ist auch eine sehr eklige
0:42:46–0:42:49
Szene, aber die war sicher nicht selbstbestimmt von den Opfern,
0:42:50–0:42:52
insofern an der Stelle vielleicht.
0:42:52–0:42:57
Also diese Szene, wo man sie dann sieht, die ist auch so großartig inszeniert.
0:42:58–0:43:01
Sie ist dann auch Striptänzerin oder so eine Art, wie auch immer.
0:43:01–0:43:07
Es gibt so eine Automesse, wo dann auch meistens nur Männer hingehen und die
0:43:07–0:43:11
Autos werden dann bespielt von Frauen und man sieht dann halt diese Eingangsszene,
0:43:11–0:43:14
es kommt dann quasi Schnitt und sie ist dann älter.
0:43:14–0:43:18
Also man sieht sie dann quasi als Kind operiert und als Kind,
0:43:18–0:43:23
als sie dann aus der Klinik rauskommt, läuft sie auch zu dem Auto.
0:43:23–0:43:27
Ich glaube, ihre Eltern haben ein neues Auto und sie küsst das Auto und umarmt
0:43:27–0:43:30
es. Das Auto, was ihr dann zur Falle geworden ist, warum sie dann halt auch
0:43:30–0:43:32
diese Tatanplatte eingesetzt bekommen hat.
0:43:33–0:43:36
Dann gibt es einen Schnitt und man folgt dieser, man sieht dann halt auch,
0:43:36–0:43:41
dass es die gleiche Person sein muss, weil sie auf der Einschädelhälfte dann
0:43:41–0:43:47
eben durch ihre Operation am Kopf eine große, fast so eine Tattoo-Narbe hat,
0:43:47–0:43:51
also die sehr ornamental ist und einen Schmuck darstellen könnte.
0:43:51–0:43:57
Man sieht diese, wie sie dann in so einer Umkleide dann in diese Messehalle
0:43:57–0:44:02
mit diesen ganzen Autos und man sieht dann eben um die Autos dann irgendwelche Frauen,
0:44:02–0:44:07
die dazu tanzen und sehr explizite Gesten und Posen machen und irgendwann sieht
0:44:07–0:44:09
man sie dann halt in diesem Hauptauto dann,
0:44:09–0:44:14
wie sie da so einen extremen Stripdance macht, ohne sich auszuziehen.
0:44:14–0:44:19
Auch eine Menge von Fans hat, die dann auch alle Autogramme von ihr haben wollen.
0:44:19–0:44:25
Die ist in einem Schnitt inszeniert und hat eine unglaubliche Dynamik. Also diese ganze...
0:44:25–0:44:32
Die ganze Filmsprache ist auch so kunstvoll, dass ich sehr beeindruckt bin von einem Film.
0:44:32–0:44:37
Du wolltest auch noch mal was sagen, aber ich wollte noch eine Ergänzung machen zu der Filmsprache.
0:44:38–0:44:42
Und zwar diese Gesellschaft, die du auch beschrieben hast, Rainer,
0:44:42–0:44:44
die so männlich besetzt ist.
0:44:44–0:44:48
Gleichzeitig sind das diejenigen, die auch da helfen und ausziehen.
0:44:49–0:44:53
Ausziehen im Sinne von Brandlöschen oder irgendwelche Menschen dann retten.
0:44:55–0:44:58
Diese Szenen, wenn die jetzt auch dann ein Feuer löschen irgendwo,
0:44:59–0:45:01
die sind auch so surreal gefilmt.
0:45:01–0:45:05
Das hat so eine ganz, wie so eine Traumästhetik, wo man auch sich erst mal orientieren
0:45:05–0:45:08
musste. Was ist das jetzt? Ist das jetzt real oder ist das nicht real?
0:45:09–0:45:13
Der hat immer so ambivalente Momente, dieser Film, wo man immer noch irgendwie
0:45:13–0:45:15
gucken muss, was passiert da gerade?
0:45:15–0:45:18
Also wo man erst mal sich diese Erzählung dann wieder erschließen muss,
0:45:18–0:45:20
aber die lässt sich auch erschließen.
0:45:20–0:45:24
Also die ist jetzt nicht so, dass sie dich total verwirrt, sondern du kommst
0:45:24–0:45:26
auch wieder auf diese Erzählung drauf.
0:45:26–0:45:31
Und das finde ich auch ganz toll von ihr inszeniert. Also wirklich so eine eigene
0:45:31–0:45:32
Filmsprache, die sie entwickelt hat.
0:45:32–0:45:36
Und das findet man selten, dass jemand auch in den jungen Jahren dann so eine
0:45:36–0:45:38
starke Filmsprache hat.
0:45:38–0:45:41
Und das hat mich wirklich sehr beeindruckt an dem Film.
Chris Flor
0:45:42–0:45:46
Wo du so real sagst, hat schon jemand andalusischer Hund eigentlich gesagt.
Reinhard
0:45:47–0:45:51
Nein, mit dem Auge und Body Horror und so weiter. Die Ursprung des Body Horror.
Florian Clauß
0:45:51–0:45:54
Ja, sehr gut, sehr guter Einwand. Den nehmen wir noch mit rein.
Reinhard
0:45:54–0:45:59
Ich wollte noch etwas sagen, abschließend vielleicht, zu Titan.
0:45:59–0:46:03
Die mit Abstand schönsten Szenen sind drei Tanzszenen.
0:46:03–0:46:09
In diesem Film wird getanzt und das sind Momente, in denen sich plötzlich der Film Flügel bekommt.
0:46:09–0:46:16
Also wo er wirklich abhebt. Also die erste Szene ist wirklich ein heftiger Streit
0:46:16–0:46:19
zwischen der Protagonistin und diesem Ersatzvater.
0:46:20–0:46:25
Wo man erst denkt, okay, das geht jetzt, jetzt ist eine Grenze überschritten
0:46:25–0:46:27
und jetzt gehen die beiden wieder auseinander.
0:46:27–0:46:31
Und dann legt er Musik auf und tanzt dazu. Und dieser Mann, den wir vorher nur
0:46:31–0:46:37
als Feuerwehrmann kennengelernt haben, als unglaublich maskulinen Typen,
0:46:37–0:46:42
und der tanzt auf eine Art und Weise, die einen vollkommen verzaubert.
0:46:42–0:46:47
Wo er sich innerhalb von Sekunden in jemand anderen verwandelt.
0:46:47–0:46:50
Und das ist so unglaublich schön. Und dann gibt es noch eine Szene,
0:46:51–0:46:58
wo die Feuerwehrleute eine Party feiern, neben ihren Feuerwehrautos in so einer Halle.
0:46:58–0:47:05
Und das hat so eine Intensität, diese unglaublich kräftigen, nackten Männerkörper.
0:47:05–0:47:08
Und dann unsere Protagonistin wird dann...
0:47:08–0:47:12
Dazu gezwungen, irgendwie so einen Feuerwehrwagen zu besteigen und dann führt
0:47:12–0:47:20
sie da oben einen Tanz auf, der so unglaublich androgyn und lassiv ist, dass diese Männer.
0:47:21–0:47:26
Erstarren, also die vollkommen irritiert und fasziniert sind und wir mit ihnen.
0:47:26–0:47:31
Also allein wegen dieser Tanzszenen lohnt es sich, diesen Film anzuschauen.
Florian Clauß
0:47:32–0:47:33
Absolut, ja.
Micz Flor
0:47:33–0:47:37
Ich mach da trotzdem auch nochmal einen kurzen Knick mit den Worten von Reinhard,
0:47:37–0:47:40
vielleicht zum Abschluss. Aber ich habe noch nichts gesagt.
0:47:40–0:47:48
Die Tanzszene mit dem Vater finde ich auch ganz toll, weil da sieht man so,
0:47:48–0:47:51
also es gibt halt so viel Fassade und in dieser Tanzszene gibt es dann für mich
0:47:51–0:47:54
so diesen Satz, der sich so ausdrückt, unterschwellig.
0:47:55–0:47:59
Warum sieht das denn keiner? Also so ein Teil von ihm, der nur da sichtbar wird
0:47:59–0:48:04
und den er hinter diesem Charakterpanzer mit Chemie gar nicht zeigen kann.
0:48:04–0:48:08
Und da wird er nicht nur ein anderer, sondern da ist so ein Appell dahinter.
0:48:09–0:48:13
Seht mich doch mal. Ja, seht das doch auch mal. Das fand ich wirklich sehr berührend.
0:48:14–0:48:17
Die Traumszene, da wollte ich auch noch was einfügen.
0:48:17–0:48:21
Ein Film, der auch irgendwie im Horrorgenre ist, dieser Jacob's Ladder,
0:48:22–0:48:25
den ich irgendwann mal gesehen habe und nicht dachte, dass ich den immer wieder
0:48:25–0:48:28
mal nach vorne ziehe, auch hier bei den Episoden schon wieder oft.
0:48:29–0:48:32
Und da ist ja auch so diese Frage, was ist Traum, was ist Realität?
0:48:33–0:48:38
Bei Jacob's Ladder, Plot Spoiler, ist das jetzt alles nur ein Traum im Sterbeprozess
0:48:38–0:48:42
gewesen oder wurde da wirklich an ihm rumgedoktert nach dem Krieg und so weiter?
0:48:42–0:48:47
Ja, und das gibt, das wollte ich kurz sagen aus dieser Psychiatrie-Ecke,
0:48:47–0:48:52
es gibt halt eine F-Störung unter F07, die Persönlichkeits- und Verhaltensstörung
0:48:52–0:48:56
aufgrund einer Krankheitsschädigung der Funktionsstörung des Gehirns.
0:48:56–0:49:00
Oder wie es auch manchmal genannt wird, ist Pseudopsychopathie.
0:49:00–0:49:05
Da geht es darum, dass eben infolge eines Hirntraumas oder Hirnhautentzündungen
0:49:05–0:49:11
oder Virenbefall, dass sich die Persönlichkeit ändert. Und diese Veränderung
0:49:11–0:49:13
dann zum Beispiel eben auch die Sexualität oft betrifft.
0:49:14–0:49:16
Das kann enthemmend sein in bestimmten Bereichen.
0:49:16–0:49:20
Und das ist eine eigene, also diese Transformationsebene haben wir angesprochen,
0:49:20–0:49:24
der Unfall, Titan und dann gibt es so was Traumhaftes, was da passiert.
0:49:25–0:49:28
Und das fand ich irgendwie auch interessant, dass sich da vielleicht sowas auch
0:49:28–0:49:33
in einer veränderten, subjektiven Wahrnehmung der Haupterstellung,
0:49:33–0:49:38
mit der wir ja als Zuschauer verbunden sind, nach der Kindheit dann sich da ausdrückt.
0:49:38–0:49:43
Und das zweite ist dieser Begriff einfach nur noch so als Fußnote von der Objektsexualität.
0:49:44–0:49:50
Das kennt jeder wahrscheinlich, glaube ich. Das war 2007, hat eine US-amerikanische
0:49:50–0:49:55
Sportlerin, ich weiß gar nicht mehr genau was, die hat den Eiffelturm geheiratet.
0:49:55–0:49:57
Ich weiß nicht, ob ihr davon mal gehört habt.
0:49:57–0:50:04
Also es gibt dieses Thema, dass Menschen in Liebe verfallen.
0:50:04–0:50:08
Wir wissen jetzt nicht, ob beim Cadillac das nur sexuell ist oder ob das auch
0:50:08–0:50:13
eine Liebesbeziehung ist, aber diese Sache, dass wirklich eine emotionale, tiefe,
0:50:14–0:50:19
nachhaltende Verbindung mit einem nicht belebten Objekt, also kein Tier,
0:50:19–0:50:22
sondern wirklich der Eiffelturm, die heißt auch Erika Eiffel,
0:50:23–0:50:25
geboren Erika Labrie.
0:50:26–0:50:30
Und das wollte ich auch nochmal reinwerfen, weil ich finde das schon auch nochmal
0:50:30–0:50:34
interessant, wenn wir dann über diese Horror-Ideen denken,
0:50:34–0:50:39
Bilder, die entstehen und diese Grenzthematik gar nicht nur von wegen,
0:50:39–0:50:43
wo hört meine Haut auf, wo beginnt was anderes, sondern auch die Grenzthematik.
0:50:43–0:50:49
Ist dieses Objekt jetzt belebt genug in der Wahrnehmung, die ich von ihm habe,
0:50:50–0:50:54
damit ich da wirklich mich, sage ich mal, mit Flüssigkeiten und nicht nur mit
0:50:54–0:50:56
harten Dingen verbinden kann.
0:50:57–0:51:00
Also das finde ich einfach auch nochmal schön, dass es da mit reinkommt,
0:51:00–0:51:06
auch wie so eine Grenzthematik, die Liebe zwischen belebten und unbelebten Objekten.
Florian Clauß
0:51:07–0:51:10
Ja unbedingt, das ist immer ein wichtiger Punkt, nämlich wie du sagst,
0:51:11–0:51:16
dass bestimmte Body-Horror-Szenen dann auch tatsächlich eine Inszenierung sind
0:51:16–0:51:20
von irgendwelchen pathologischen Ausdrücken, die sich dann halt auch tatsächlich
0:51:20–0:51:21
kategorisieren lassen.
0:51:21–0:51:27
Also bleiben wir beim andalusischen Hund und diese Szene, wo dann aus dem Loch
0:51:27–0:51:32
in der Hand Ameisen krabbeln, das könnte ja auch einfach eine psychotische Wahrnehmung
0:51:32–0:51:34
sein, aber ist halt ein Film.
0:51:34–0:51:42
Und ich glaube auch viele Zustände sind dann auch aus solchen krankhaften Wahnvorstellungen
0:51:42–0:51:48
dann entstanden, gerade im Body-Horror-Bereich und ich will noch einen Punkt machen,
0:51:48–0:51:53
dass eben diese beiden Filme, die wir jetzt, also Reinhard jetzt mit Titan und
0:51:53–0:51:57
ich mit The Substance, das ist beides von Frauen gedreht.
0:51:57–0:52:01
Ja, ich glaube, gerade im feministischen Bereich ist dann auch Bodyhorror ein
0:52:01–0:52:08
Ausdruck, um eben mit diesen Repressionen, denen gerade Frauen und Frauenkörper ausgesetzt sind.
0:52:09–0:52:12
Die dann irgendwie auch Ausdruck zu verleihen oder auch eine andere Perspektive
0:52:12–0:52:14
oder auch das kaputt zu machen.
0:52:14–0:52:18
Ja, also auf den Kopf zu drehen. Ich glaube, das ist auch eine Möglichkeit,
0:52:18–0:52:21
sich da auszutoben und so ein Gegenbild zu entwickeln.
0:52:21–0:52:26
Und ich finde, Titan hat das besonders gut gemacht in dieser Form.
0:52:26–0:52:30
Ich möchte noch erwähnen, ich hatte noch einen Punkt zu Titan,
0:52:31–0:52:35
vielleicht nochmal zum Titel, weil der im Deutschen oder im Englischen auch
0:52:35–0:52:40
könnte und ich dachte auch erst, es wäre quasi diese Doppelbedeutung von Titan.
0:52:41–0:52:45
Dass auf der einen Seite das Metall gemeint ist, auf der anderen Seite eben
0:52:45–0:52:50
die mythologische Figur, die Titanen, diese Riesengötter.
0:52:50–0:52:56
Aber das ist es nicht, weil im Französischen wird es mit E hinten geschrieben und das ist das Metall.
0:52:56–0:53:00
Also das hat nicht diese doppelte Konnotation, dass auf der einen Seite.
0:53:00–0:53:05
Und auf der anderen Seite, was der Film, diese unglaubliche Nähe,
0:53:05–0:53:08
die dann noch zwischen den Figuren entsteht,
0:53:08–0:53:13
die hat mich stellenweise, und weiß ich nicht, ob Reinhard das auch so bejahen
0:53:13–0:53:15
würde, mich an den Film The Wrestler erinnert.
0:53:15–0:53:20
Ja, auch ein ganz tolles Porträt von so einem alten Ringer, ja,
0:53:20–0:53:25
also Wrestling-Ringer, der gespielt wurde von Chris Wester.
Reinhard
0:53:25–0:53:27
Sylvester Stallone war das doch.
Florian Clauß
0:53:27–0:53:30
Nee, nicht Sylvester Stallone. Das war nicht Sylvester Stallone.
Micz Flor
0:53:30–0:53:31
Mickey Rourke.
Florian Clauß
0:53:32–0:53:34
Mickey Rourke, genau. Richtig, ja.
0:53:34–0:53:38
Die sich auch alle so, also auf der einen Seite siehst du diesen knallharten
0:53:38–0:53:43
Kampf auf der Bühne, der halt viel inszeniert ist, auf der anderen Seite siehst du dann halt,
0:53:43–0:53:48
wie herzlich die in der Umkleidekabine zueinander sind, aber auch wie selbstverständlich
0:53:48–0:53:51
sie sich dann halt gegenseitig die ganzen Drogen reichen,
0:53:51–0:53:54
um dann halt irgendwie noch irgendwie in Form zu bleiben.
0:53:54–0:53:59
Ja, also dieses zwischen Drogen und aber auch trotzdem Akzeptanz dabei.
0:53:59–0:54:05
Sie wird ja auch irgendwie und er wird ja mit seinen Fehlern so akzeptiert.
0:54:05–0:54:10
Und da, finde ich, ist so eine Menschlichkeit drin, die mich halt wirklich ergreift,
0:54:10–0:54:14
weil das halt genau diese Ambivalenz von Menschlichkeit so ausmacht.
0:54:14–0:54:16
Und das finde ich halt toll, dass das so inszeniert ist.
Micz Flor
0:54:16–0:54:17
Ja, könnten wir...
0:54:18–0:54:22
Als Fußnote und dann können wir vielleicht eine Folge machen über Sportfilme.
0:54:23–0:54:24
Und dann können wir den mal reinziehen.
Reinhard
0:54:25–0:54:31
Aber du hast recht. Ich finde auch, der Wrestler und Titan, also diese Männerfiguren,
0:54:31–0:54:35
der Feuerwehrmann und dieser Wrestler, die haben sehr viel miteinander gemein.
0:54:35–0:54:42
Also da ist so eine sehr, sehr männliche äußere Hülle und was darunter ist eigentlich
0:54:42–0:54:44
ein sehr zerbrechlicher Mensch.
0:54:44–0:54:50
Und das sozusagen freizulegen, das versuchen beide Filme und das ist sehr schön
0:54:50–0:54:52
hat mir bei beiden sehr gut gefallen Ich.
Micz Flor
0:54:52–0:54:56
Mach mal eine kurze Frage Chris ist noch da oder?
Chris Flor
0:54:56–0:55:01
Ja ja, aber wie lang machen wir den noch? Das ist ein bisschen Wahnsinn.
Florian Clauß
0:55:01–0:55:04
Oder wollen wir das vielleicht so machen, dass wir jetzt Weapons dran nehmen
0:55:04–0:55:10
und du dass wir dann so ein bisschen das offener diskutieren und Weapons gemeinsam
0:55:10–0:55:13
dann so vorstellen Und dann.
Micz Flor
0:55:13–0:55:16
Würde ich vorschlagen, dann können wir es noch besser argumentieren weil ich
0:55:16–0:55:17
glaube echt, wir machen da zwei Folgen draus.
Florian Clauß
0:55:17–0:55:18
Ja, würde ich auch sagen, genau.
Micz Flor
0:55:19–0:55:20
Wäre das okay, Chris?
Chris Flor
0:55:21–0:55:24
Naja, können wir machen, aber wie gesagt, ich kann ein bisschen Einführungssachen
0:55:24–0:55:27
sagen, aber es ist halt nichts Tolles erwarten jetzt.
0:55:27–0:55:31
Ich bin immer noch halb wahnsinnig von meinem, ja, ich habe gestern war den
0:55:31–0:55:35
ganzen Tag krank und habe das Elixier des Teufels gelesen in meinem Fieberwahn.
0:55:36–0:55:38
Also insofern.
Reinhard
0:55:39–0:55:40
Nicht die beste Idee.
Micz Flor
0:55:42–0:55:43
Das bleibt drin.
Florian Clauß
0:55:43–0:55:45
Du bist geimpft worden, hast du erzählt.
Chris Flor
0:55:45–0:55:51
Ja, ich habe die genauso auch Body Horror. Ich habe den Pneumonia Covid und
0:55:51–0:55:55
die Flu gekriegt, also die Grippeimpfung bekommen.
Florian Clauß
0:55:55–0:56:00
Also ich würde vorschlagen, dass wir jetzt zu dem zweiten Film des Abends kommen.
0:56:01–0:56:07
Nämlich auch ein ganz aktueller Film, der eben in den Kinos lief, den ich mit meiner...
0:56:07–0:56:15
Kinogruppe gesehen habe, Weapons von 2025 und dann auch in unsere Eigentlich-Gruppe
0:56:15–0:56:19
geschrieben habe, ihr müsst den auch sehen, ich fand den toll und Chris hat
0:56:19–0:56:22
sich den angeguckt und Chris, was ist dein Eindruck?
Chris Flor
0:56:23–0:56:27
Also ich fand es erstmal toll bei dem Film, also ich hatte, du hattest dann
0:56:27–0:56:30
schon gesagt, so ein bisschen, dass es wie Rashomon so ein bisschen wäre mit
0:56:30–0:56:33
dieser Erzählstruktur, das war aber mehr oder weniger alles,
0:56:33–0:56:34
was ich über den Film wusste.
0:56:34–0:56:38
In meiner anderen Filmgruppe wurde gesagt, je weniger man über den Film weiß, desto besser.
0:56:39–0:56:42
Und ich fand das auch wirklich toll, weil mir war das nicht klar,
0:56:42–0:56:46
dass es ein Body-Horror-Film ist oder in Teilen ein Body-Horror-Film.
0:56:47–0:56:53
Weil einfach die Preview dazu war mehr oder weniger eigentlich nur die ersten
0:56:53–0:56:56
fünf Minuten der Geschichte, wo einfach erzählt wird, was ist hier passiert.
0:56:56–0:57:00
Und dann kamen dann so ein paar Ausschnitte von irgendwelchen Szenen,
0:57:00–0:57:04
die man nicht richtig in Kontext setzen konnte zu irgendeiner Geschichte und
0:57:04–0:57:05
das war es dann auch schon.
0:57:05–0:57:11
Also ich war, ich dachte auch, also doch mal von oben und draußen,
0:57:11–0:57:15
ich fand es einen sehr tollen Film, um den im Kino zu sehen,
0:57:15–0:57:20
weil eben durch diese Horrorsachen und auch, weil es eine Komödie auch in gewisser
0:57:20–0:57:23
Weise ist, das ein sehr gutes,
0:57:24–0:57:26
das war ein Erlebnis, das mit anderen Menschen zusammenzusehen,
0:57:26–0:57:32
dieses Stöhnen, die Angst und so weiter, also der Ekel, also auch diese humorvollen
0:57:32–0:57:37
Szenen, das alles irgendwie so miteinander zu erleben. fand ich so. Ich hatte dann auch.
0:57:38–0:57:41
Ich war halt so ein Kinotag, heißester Tag des Jahres irgendwie.
0:57:42–0:57:47
Ich hatte ein großes Getränk getrunken, saß dann drin und musste dann halt blöderweise
0:57:47–0:57:49
mittendrin aufs Klo und bin halt aufgestanden, hab gemeint, ja,
0:57:49–0:57:51
ich möchte jetzt ganz schnell aufs Klo gehen.
0:57:51–0:57:55
Fing dann an, so ein bisschen zu rennen und dann hab ich dann meine Arme so
0:57:55–0:57:57
zur Seite raus und bin halt so wie die Leute gerannt.
0:57:58–0:58:00
Und dann haben wir im Kino richtig so ...
Reinhard
0:58:01–0:58:02
So ein paar Leute haben dann gedacht ...
Florian Clauß
0:58:04–0:58:05
So ein paar Leute, so ...
Reinhard
0:58:09–0:58:13
Das müssen wir mal als Flashmob machen, so mit zehn Leuten in den Film gehen
0:58:13–0:58:15
und dann so aufs Klo retten.
Micz Flor
0:58:16–0:58:22
Das war jetzt genialer Plot-Spoiler, als anekdotenhafter Plot-Spoiler, das ist ein neues Genre.
Florian Clauß
0:58:24–0:58:24
Super.
Chris Flor
0:58:25–0:58:29
Ja, ja, aber also, der Film fängt halt eben an, und das hat vielleicht,
0:58:29–0:58:32
die Vorschau hat halt jeder gesehen, aber machen wir jetzt hier Filmnacherzählungen?
Florian Clauß
0:58:33–0:58:34
Wir machen das.
Chris Flor
0:58:34–0:58:44
Okay, also in einer Suburbstadt in den USA sind halt eines Morgens um 2.17 Uhr, glaube ich war es,
0:58:44–0:58:48
sind auf einmal so alle Kinder aus einer bestimmten Schulklasse von einer Lehrerin
0:58:48–0:58:53
aufgestanden und sind dann die Tür rausgerannt und sind dann nie wiedergekommen
0:58:53–0:58:55
und die Eltern wissen nicht, was los ist.
0:58:56–0:59:00
Natürlich sind alle komplett verzweifelt, die Lehrerin wird verhört,
0:59:00–0:59:01
alle Leute werden verhört.
0:59:01–0:59:04
Das alles wird halt jetzt wirklich in den ersten 5 Minuten erzählt,
0:59:04–0:59:07
aber man weiß halt überhaupt nicht, was passiert ist.
0:59:08–0:59:12
Also ein Kind erzählt die ganze Geschichte, also der, ich weiß nicht,
0:59:12–0:59:15
allwissende Erzähler vielleicht nicht unbedingt, aber halt schon aus so einer.
0:59:16–0:59:19
Perspektive raus, erzählt uns halt diese Geschichte.
0:59:19–0:59:23
Es fängt dann an, der Film Richtig fängt dann an, wo wir, bevor die,
0:59:24–0:59:27
Ein paar, eine Woche oder so was oder zwei Wochen wurde die Schule halt komplett
0:59:27–0:59:30
geschlossen und am Abend, bevor die Schule wieder geöffnet wurde,
0:59:31–0:59:35
ist dann so ein Elternabend, wo halt alle im Saal sitzen und dann die Schulleitung
0:59:35–0:59:39
und dann halt eben auch die Lehrerin Julia Garner nach vorne gehen und dann
0:59:39–0:59:41
halt ein paar Worte sagen.
0:59:41–0:59:46
Und man merkt schon, natürlich ist die Spannung groß, vor allen Dingen Josh
0:59:46–0:59:49
Brolin ist halt einer dieser Hauptfiguren, der heißt Archer,
0:59:49–0:59:54
was auch relativ interessant ist als Name, der halt dann die Verbindung sieht,
0:59:54–0:59:59
ja, das waren nur Kinder aus dieser einen Schulklasse, also muss die Lehrerin
0:59:59–1:00:01
was wissen. Und das kommt dann halt zur Eskalation.
1:00:01–1:00:05
Man merkt, dass da auch so Gewalt in der Luft liegt und die Lehrerin muss dann
1:00:05–1:00:06
halt schnell rausgerettet werden.
1:00:06–1:00:10
Und man kriegt dann halt auch mit, ja, sie ist Alkoholikerin.
1:00:11–1:00:13
Das ist halt irgendwie relativ klar. Also das ist auch das Erste,
1:00:13–1:00:16
was sie macht. Es wird gesagt, na, gehen Sie jetzt schnell nach Hause.
1:00:16–1:00:20
Gehen Sie nirgendwo mehr hin, damit Ihnen nichts passiert, damit Sie niemand abfängt.
1:00:20–1:00:22
Und sie geht dann trotzdem noch in den Liquor-Store und kauft sich halt erstmal
1:00:22–1:00:27
ein paar Flaschen Wodka und fährt dann nach Hause. Also ja, dann entfaltet sich das dann.
1:00:28–1:00:32
Es ist, wie halt schon gesagt, das ist ein bisschen so eine Rashomon-Geschichte.
1:00:33–1:00:37
In der Struktur wird es erzählt, dass man erst mal aus einer Perspektive das sieht.
1:00:37–1:00:42
Das ist aus der Lehrerin, die heißt, Moment, ich habe den Namen hier vor mir, Justine.
1:00:42–1:00:47
Justine, wie sie das halt so mitkriegt. Und man kriegt halt auch mit,
1:00:47–1:00:48
wie ihr Leben halt so aussieht.
1:00:49–1:00:54
Sie kommt dann, ich finde den Film halt ziemlich genial. Also auch wie dann
1:00:54–1:00:59
halt so manche Sachen halt so, weil man denkt halt erstmal, okay, was ist das hier?
1:00:59–1:01:01
Ist das jetzt ein Science-Fiction-Film? Der Film heißt auch Weapons,
1:01:01–1:01:04
deswegen denkt man vielleicht an sowas Technologisches oder sowas.
1:01:04–1:01:09
Man hat die ganze Zeit, sind so Andeutungen auf Parasiten irgendwie überall,
1:01:10–1:01:14
also dann auf der Schultafel steht was über Parasiten, die Leute schauen sich
1:01:14–1:01:16
Dokumentationen an über Parasiten.
1:01:17–1:01:20
Dann aber halt dieses Wort Weapons ist dann halt auch drin, aber dann taucht
1:01:20–1:01:24
dieses Wort Witch auf, ist dann halt auf ihr Auto draufgeschrieben,
1:01:24–1:01:30
wo dann halt erstmalig halt dieses Wort dann halt auftaucht.
1:01:30–1:01:36
Und also das ist halt jetzt der Spoiler, der Böse ist eine Hexe halt auch,
1:01:36–1:01:41
aber es ist nicht unsere Julia Garner, obwohl man die vielleicht auch,
1:01:41–1:01:43
wenn man die Person genauer untersuchen würde,
1:01:44–1:01:48
dann halt auch Hexenhaftes an ihr erkennen würde.
1:01:48–1:01:51
Aber im Endeffekt steckt dann wirklich eine Hexe dahinter.
1:01:51–1:01:55
Es ist sehr schwierig, diesen Film nachzuerzählen, weil der halt eben über diese
1:01:55–1:01:58
verschiedenen Spuren erzählt wird.
1:01:58–1:02:01
Also erstmal wird halt die Geschichte der Lehrerin erzählt, dann wird die Geschichte
1:02:01–1:02:04
von dem Archer erzählt, das ist der Josh Brolin.
1:02:04–1:02:08
Und das ist auch eine ganz tolle Figur irgendwie, weil der scheint,
1:02:08–1:02:13
also das ist halt so ein Typ, der so Hausbauer ist, so ein Bauherr oder sowas,
1:02:13–1:02:18
der aber scheinbar auch irgendwie so eine militärische Vergangenheit hat,
1:02:18–1:02:19
ein ziemlich harter Typ,
1:02:19–1:02:24
der aber wahnsinnig darunter leidet, dass sein Sohn dann halt verschwunden ist.
1:02:24–1:02:26
Er schläft seitdem nur noch in
1:02:26–1:02:30
dem Bett seines Sohnes und hat auch schon Schwierigkeiten mit seiner Frau.
1:02:30–1:02:36
Aber er scheint dann trotzdem auch eben so sehr hart und männlich halt einerseits.
1:02:37–1:02:40
Aber dann halt eben andererseits auch, er hat nie seinem Sohn gesagt,
1:02:40–1:02:42
ich liebe dich, das ist halt auch so ein Problem.
1:02:42–1:02:46
I love you hat er nie gesagt. er auch eher der intuitivste von den allen ist,
1:02:46–1:02:50
wenn man das halt jetzt mal so Gender-Role-mäßig zuschreiben wollen würde,
1:02:51–1:02:56
ist er schon so derjenige, der halt in seinen Träumen dann irgendwie die Sachen
1:02:56–1:02:59
so halt so mehr oder weniger halt so zusammenfügt und auch,
1:03:00–1:03:03
dass es eine Waffe ist, dass er darauf kommt als Archer eben,
1:03:03–1:03:08
also was er dann halt herausfindet ist, wenn man schaut, wohin die Kinder gerannt
1:03:08–1:03:12
werden, dann sind die so sternförmig auf einen Punkt zugerannt und hat er in
1:03:12–1:03:15
der Landkarte festgemacht. Und das ist halt eben dieses eine Haus.
1:03:15–1:03:20
Was für ein Haus ist das? Das ist das Haus, wo der junge Alex drin wohnt.
1:03:22–1:03:26
Das einzige Kind, das an dieser Nacht nicht verschwunden ist,
1:03:26–1:03:29
der aber auch überhaupt gar nicht über die Situation reden kann,
1:03:29–1:03:31
möchte, der ziemlich traumatisiert scheint.
1:03:32–1:03:35
Und Justine, die Lehrerin, versucht die ganze Zeit mit ihm zu reden.
1:03:35–1:03:39
Und so nähern sie sich immer mehr diesem Haus. Also das Haus ist halt dieses
1:03:39–1:03:45
sternförmige Zentrum, diese Pfeile schießen aus allen Seiten dorthin.
1:03:45–1:03:52
Sowohl Justine, die halt eben, sagen wir mal, eher so zwischenmenschlich,
1:03:52–1:03:58
also sie ist quasi, wie sie sich mit den Kindern verhält.
1:03:58–1:04:03
Durch den Kontakt zu Alex kommt sie dann hin, okay, dieses Haus muss der richtige Ort sein.
1:04:03–1:04:06
Und dann der andere, dieser andere Charakter, Josh Brolin, Archer,
1:04:07–1:04:09
für ihn ist es halt einfach die
1:04:09–1:04:14
Vektorrechnung, das dann im Zentrum dieser ganzen Pfeile dieses Haus ist.
1:04:14–1:04:20
Du hast diesen James, diesen Junkie, der halt in diesem Haus endet oder dann
1:04:20–1:04:25
in dem Haus ankommt, weil er, weil das Haus verlassen erscheint und er da Sachen rausklauen möchte.
1:04:26–1:04:29
Du hast einen Polizisten, der dem, diesem James auf der Spur ist,
1:04:29–1:04:31
der auch gleichzeitig eine Affäre mit Justine hat.
1:04:32–1:04:36
Alle werden dann halt zu diesem Haus dann hingezogen und was ist in diesem Haus?
1:04:36–1:04:39
In diesem Haus sind die Eltern von Alex.
1:04:41–1:04:42
Okay, ich liste mir da immer jemand.
Florian Clauß
1:04:42–1:04:48
Also das Haus selber ist total auch so unheimlich inszeniert.
1:04:48–1:04:51
Man sieht dann halt immer die Tür auf und dann hinter ist total schwarz.
1:04:51–1:04:56
Man sieht dann nur in den Fenstern, dass sie mit Zeitungspapier vollgeklebt ist.
1:04:56–1:04:59
Und das wird schon ziemlich früh sehr unheimlich inszeniert.
1:04:59–1:05:03
Und letztendlich, also ein bisschen banal ist die Geschichte dann schon,
1:05:03–1:05:05
aber ziemlich gut inszeniert.
Chris Flor
1:05:05–1:05:06
Wenn man es weiß.
Florian Clauß
1:05:06–1:05:11
Wenn man es weiß, ja, also dann ist natürlich, sind alle Kinder in diesem Haus,
1:05:11–1:05:15
ja, und die sind so wie Marionetten, ja, und diejenige, die das dann halt quasi
1:05:15–1:05:19
alles steuert, ist die Tante, also die Schwester von der Mutter von Alex,
1:05:19–1:05:24
und die ist eine echte Witch, die kann richtig, also quasi verfluchen,
1:05:24–1:05:28
und was sie dann macht mit so einem Ritual, mit so einem Stock und einem Stoff,
1:05:29–1:05:33
ja, dass sie dann halt so quasi dann die Macht über die jeweiligen Menschen
1:05:33–1:05:36
hat, und sie wie Marionetten dann dirigieren kann.
1:05:37–1:05:41
Und so sind auch die Eltern von Alex, also ihre Schwester und der Mann von ihr,
1:05:41–1:05:44
die sind auch eben so eingefroren.
Chris Flor
1:05:44–1:05:48
Diese Tante ist halt sehr krank, wahrscheinlich krebskrank oder sowas.
1:05:48–1:05:50
Also sind alle Haare ausgefallen, sie trägt immer Perücken.
1:05:51–1:05:55
Das kommt aber erst am Ende raus. Also die Figur taucht natürlich in den anderen
1:05:55–1:05:59
Geschichten schon vorher aus und ist halt so mit einer roten Perücke total absurd
1:05:59–1:06:03
übergeschminkt und so weiter. Eine echt skurrile Figur.
1:06:03–1:06:06
Wo sich dann halt dann später eben durch diese verschiedenen Geschichten und
1:06:06–1:06:10
dann halt eigentlich erst durch die allerletzte Geschichte, die dann von innen
1:06:10–1:06:14
alles erzählt, nämlich Alexes, aus Alexes Sicht das alles erzählt wird.
1:06:15–1:06:20
Es ist eben die Tante von Alex, die krank ist, die sich dort eingenistet hat,
1:06:20–1:06:22
also quasi eigentlich sollten die so die...
1:06:23–1:06:26
Alexis Eltern ihr Sterbehilfe leisten, aber in Wirklichkeit ist sie eine Hexe,
1:06:27–1:06:29
um deren Lebenskraft auszusaugen.
1:06:29–1:06:33
Sie hat so ein kleines Bäumchen dabei und dieses Bäumchen, da macht man die
1:06:33–1:06:36
Zweige ab, da sind auch so Stacheln dran und das ist halt so eine Blutmagie.
1:06:37–1:06:42
Wo sie dann halt so Stachel und dann um den Zweig und dann bindet sie dann Haare
1:06:42–1:06:44
herum oder irgendwas, was zu der Person gehört.
1:06:44–1:06:49
Wenn sie das bricht, das Stäbchen, dann kann sie diese Menschen quasi,
1:06:49–1:06:51
ja, marionettenmäßig bewegen.
1:06:51–1:06:55
Und was halt passiert ist, sie hatte eigentlich gehofft, dass sie durch die
1:06:55–1:06:59
Eltern von Alex ihre Energie genügend zurückkriegen konnte, um wieder zu genesen.
1:06:59–1:07:04
Also die Eltern sind quasi in so einem Zombie-Dasein, sitzen die nur so rum,
1:07:05–1:07:07
werden von Alex dann mit Suppe gefüttert.
1:07:07–1:07:12
Alex bleibt normal, damit er helfen kann, damit er in der Schule ist und damit
1:07:12–1:07:16
er auch helfen kann, die Eltern zu füttern und so weiter und Suppe einzukaufen.
1:07:16–1:07:18
Und überlegen halt diese Dosen Suppe rum.
1:07:18–1:07:21
Aber es stellt sich dann halt später, merkt die Tante dann, naja,
1:07:21–1:07:22
das reicht jetzt doch nicht.
1:07:23–1:07:26
Diese Energie von den Eltern reicht jetzt doch nicht aus. Wir müssen jetzt auch
1:07:26–1:07:28
alle Kinder aus der Schule holen.
1:07:28–1:07:31
Und dann fängt halt Alex an und bringt halt, oder wir brauchen mehr Menschen.
1:07:32–1:07:35
Die Hexe sagt, du kannst das nicht der Polizei erzählen oder deiner Lehrerin
1:07:35–1:07:39
oder irgendjemand, weil sonst kann ich es machen, dass deine Eltern sich großen Schaden zufügen.
1:07:40–1:07:45
Und er wird dann in die Schule geschickt, Alex, um Gegenstände zu sammeln.
Micz Flor
1:07:45–1:07:49
Diesen Ein-Body-Horror-Moment. Jetzt hast du den Ein-Body-Horror-Moment mit
1:07:49–1:07:50
den Gabeln nicht erzählt.
Chris Flor
1:07:51–1:07:56
Ach so, ja genau. Ach, du hast den auch gesehen, den Film. Okay, das ist der erste.
1:07:56–1:08:01
Ich hatte dann auch überlegt, den Film könnte man auch irgendwie Messergabelschere Licht nennen.
1:08:02–1:08:04
Weil halt eben diese ganzen, also man hat halt diese Schere,
1:08:05–1:08:08
man hat die Messer, man hat die Gabeln und so weiter, das ist sogar die Gabel.
1:08:08–1:08:10
Also die sitzen alle am Tisch.
1:08:11–1:08:17
Und da erklärt halt die Tante, erklärt dann dem Alex, wie die Situation halt
1:08:17–1:08:21
jetzt liegt, dass halt die Eltern jetzt sitzen hier und dann fängt sie an und
1:08:21–1:08:26
wickelt halt die Haare der Eltern um den Stab und macht ihr eigenes Blut drauf und bricht.
1:08:26–1:08:29
Und dann fangen die beiden an und stechen sich halt mit den Gabeln,
1:08:29–1:08:33
die Vater und die Mutter nehmen dann ihre Gabel und stechen sich halt so wiederholt
1:08:33–1:08:39
mit der Gabel ins Gesicht, bis sie dann halt den Stab ins Wasser fallen lässt
1:08:39–1:08:41
und dann hören sie halt halt auf.
1:08:41–1:08:47
Was halt irgendwie so demonstriert, ja okay, die sind halt unter ihrer Kontrolle, die...
Florian Clauß
1:08:47–1:08:51
Vielleicht nochmal ganz kurz ergänzend dazu, was dann vielleicht auch nochmal
1:08:51–1:08:55
so ein bisschen einen Blick auf den Titel des Filmes wirft, ist,
1:08:55–1:08:58
dass diese, ich sag mal so verfluchten Menschen,
1:08:59–1:09:03
ja, dass man die konditionieren kann auf andere Menschen, ja,
1:09:03–1:09:05
und dass die dann halt so losgehen wie Waffen, ja.
1:09:05–1:09:09
Und das ist vielleicht auch der andere Body-Horror-Film im Moment in dem Film,
1:09:09–1:09:13
dass die dann halt so, sobald die dann konditioniert sind und dann bricht sie
1:09:13–1:09:18
eben dieses Stöckchen und dann rennen die los und wollen halt um alles auf der
1:09:18–1:09:20
Welt diesen einen Menschen dann vernichten.
1:09:20–1:09:24
Und da gibt es halt auch so eine Szene, wo dann halt der Direktor der Schule
1:09:24–1:09:28
dann die Lehrerin vernichten soll,
1:09:28–1:09:31
weil der auch verflucht wurde und dann siehst du halt, wie der dann halt wie
1:09:31–1:09:38
besessen losrennt und dabei halt auch sich irgendwie komplett dann auch kaputt geht dabei.
Reinhard
1:09:40–1:09:43
Wie so ein Zombiefilm ist das dann eigentlich an der Stelle.
Florian Clauß
1:09:44–1:09:47
Genau, an der Stelle wird es wie so ein Zombiefilm inszeniert, ja.
Chris Flor
1:09:47–1:09:50
Ja, aber das ist halt auch lustig, weil es halt dadurch, man sieht den halt
1:09:50–1:09:55
dann in der Geschichte von dem Archer sieht man,
1:09:55–1:09:59
glaube ich. Ich glaube, oder ist es schon bei der Justine-Geschichte auf jeden Fall.
1:09:59–1:10:02
Sie steht an der Tankstelle und dann auf einmal kommt das, ich glaube,
1:10:02–1:10:04
das ist bei der Archer-Geschichte, dann kommt, sieht man denen das erste Mal
1:10:04–1:10:08
diesen Marcus, den Schulleiter, wie er dann halt auf sie zurennt und der hat
1:10:08–1:10:11
schon wahnsinnig viel Blut läuft ihm über das Gesicht.
1:10:11–1:10:15
Und der rennt dann halt die ganze Zeit hinterher und sie versucht halt zu entkommen
1:10:15–1:10:19
und geht in den Laden und dann kommt er hinterher und ein paar Mal ist sie schon
1:10:19–1:10:22
fast gestorben, sie fährt dann mit dem Auto weg und er rennt hinterher und wird
1:10:22–1:10:25
dann halt, schließlich wird der Schulleiter dann halt von dem Auto überfahren.
1:10:25–1:10:29
Als man dann später die Geschichte aus der Sicht des Schulleiters sieht,
1:10:29–1:10:33
ist er halt zu Hause mit seinem Partner und die schauen sich gerade halt eben
1:10:33–1:10:36
auch diesen Film über diese, wie heißen diese Pilze da?
Florian Clauß
1:10:36–1:10:41
Ja, die dann die Schnecken und so weiter besetzen.
Chris Flor
1:10:41–1:10:42
Ja, die Ameisen.
Florian Clauß
1:10:42–1:10:49
Die Ameisen oder Käfer, so halbtote Käfer. Also symbolisch dann halt so besetzt.
Chris Flor
1:10:50–1:10:54
Ja, also die schauen sich das halt an, dann taucht diese Tante auf und sagt,
1:10:54–1:10:58
hier könnte ich eine Schale Wasser haben und dann setze ich dann halt hin.
1:10:59–1:11:02
Also das ist eine ziemlich skurrile Figur halt eben, setzt sich hin und dann,
1:11:02–1:11:06
als sie dann den Schulleiter erstmalig aktiviert, setzt sie ihn darauf an,
1:11:07–1:11:08
seinen Partner zu töten.
1:11:08–1:11:12
Und das ist halt ziemlich, das ist ziemlich heftig, wo er dann halt anfängt
1:11:12–1:11:15
und den halt erstmal so wirkt und dann halt mit seinem Kopf immer wieder auf
1:11:15–1:11:16
dessen Kopf einschlägt,
1:11:17–1:11:20
bis der halt tot ist oder nur nicht tot, man weiß es nicht, also das Gesicht
1:11:20–1:11:24
ist dann schon so total platt, man sieht das eigentlich alles und der atmet
1:11:24–1:11:28
halt immer noch durch, so durch dieses Gesicht, das ist eine ziemlich fiese,
1:11:28–1:11:29
fiese, fiese Situation,
1:11:30–1:11:33
wenn man sich das anguckt, aber halt eben auch im Kino, also ist man wenigstens
1:11:33–1:11:34
zusammen und schaut sich das an.
1:11:34–1:11:39
Und dann wirft sie halt das Stäbchen ins Wasser, hört auf und dann macht sie
1:11:39–1:11:42
ein neues Stäbchen und setzt ihn halt auf diese Justine an.
1:11:43–1:11:49
Schließlich, sagen wir mal schließlich, also die ganzen Kinder sind unten im Keller.
1:11:49–1:11:53
Es gibt diesen Polizisten, was halt auch, brauchen wir nicht unbedingt darauf
1:11:53–1:11:58
eingehen, aber der ist halt auch geil, diese Bad Cop Polizisten Figur,
1:11:58–1:12:03
der halt auch ein Verhältnis wohl mit Justine hat, er ist verheiratet.
1:12:03–1:12:07
Da hatte ich dann halt eben auch gedacht, wo diese Sache von wegen Hexe und
1:12:07–1:12:13
Kontrolle und so weiter, wo die Justine den Polizisten, also den Paul,
1:12:13–1:12:19
er ist halt verheiratet, er möchte stark sein, in Anführungszeichen,
1:12:19–1:12:22
aber sie bringt ihn dann schließlich dazu, dass er Alkohol trinkt und dann haben sie halt doch Sex.
1:12:22–1:12:26
Es ist quasi so, dieser auch eben ähnlich.
1:12:28–1:12:34
Justine halt benutzt auch einen Trunk, sagen wir mal, um ihn zu manipulieren.
1:12:34–1:12:37
Er kommt dann halt in eine Situation und ist halt fremdgesteuert,
1:12:37–1:12:39
in der er eigentlich nicht sein möchte.
1:12:39–1:12:43
Hatte ich dann irgendwie so gesehen. Aber wo halt, wenn man sich die Justine
1:12:43–1:12:47
anschaut, im Gesetz zur Tante, hat die Justine halt eben auch etwas sehr so
1:12:47–1:12:49
Nurturing, so eine Komponente.
1:12:50–1:12:54
Und Fürsorglichkeit halt auch gerade den Kindern gegenüber, die der Tante halt
1:12:54–1:12:59
komplett abgeht, weil es ihr halt um ihr eigenes Überleben nur geht und ihr
1:12:59–1:13:03
das dann egal ist, wie es anderen Menschen damit geht. Ja, zu guter Letzt kommt
1:13:03–1:13:05
dann alles dahin zusammen.
1:13:05–1:13:09
Wir haben jetzt sowohl der Junkie James als auch der Polizist,
1:13:09–1:13:16
als auch die ganzen Kinder, als auch die beiden Eltern von Alex sind alle unter Kontrolle dieser Hexe.
1:13:17–1:13:21
Die merkt langsam, dass das sich nicht mehr lange so halten lässt und sie möchte
1:13:21–1:13:26
eigentlich jetzt den Standort wechseln und bereitet da halt was daraus vor.
1:13:26–1:13:29
In dem Moment kommen Justine und Arce kommen in dem Haus an,
1:13:30–1:13:31
finden das halt so alles vor.
1:13:31–1:13:35
Und dann geht quasi halt das Gemetzel halt noch so ein bisschen weiter.
1:13:36–1:13:39
Ich fand, wo man gedacht hat, okay, das könnte jetzt dieser,
1:13:39–1:13:41
das könnte das Ende sein.
1:13:41–1:13:45
Und dann wird dann getötet und dann die Bösen sind tot und dann ist alles vorbei oder so.
1:13:45–1:13:49
Also ich fand diese eine Szene, Buddy-Horror, fand ich halt total geil,
1:13:49–1:13:56
wo in der Küche kämpfen sie, der Polizist unter der Kontrolle greift Justine an,
1:13:56–1:14:00
Justine greift nach Besteck irgendwie und man denkt, sie holt sich ein Messer,
1:14:00–1:14:06
aber sie holt sich so einen Apfelschäler und fängt dann an, dir das Gesicht zu schälen.
1:14:06–1:14:10
Also man denkt so, nein, das passiert jetzt nicht, doch, das passiert jetzt.
1:14:10–1:14:13
Und fängt halt an, dieses Gesicht zu schälen von dem Polizisten und das passiert
1:14:13–1:14:17
halt auch tatsächlich. ich so runtergestellt. Das fand ich halt ziemlich geil.
1:14:18–1:14:22
Aber zu guter Letzt, der Junge hat dann den genialen Einfall,
1:14:22–1:14:25
also der Alex hat den genialen Einfall mit seinem eigenen Blut und so einem
1:14:25–1:14:31
Zweig und den ganzen Schildchen von den Kindern, die Kinder auf die Hexe anzusetzen.
1:14:31–1:14:37
Und das ist halt dieser wunderschön befriedigende, das wunderschön befriedigende
1:14:37–1:14:43
Ende dieses Filmes, wo du halt dann dieses fast schon Slapstick-mäßige, wo du halt immer die,
1:14:44–1:14:47
Die Hexe weiß, was los ist und rennt dann halt weg von den Kindern und rennt
1:14:47–1:14:51
durch diese Suburbian-Nachbarschaft von einem Haus zum anderen.
1:14:51–1:14:54
Und man sieht immer, wie sie so schreit, so aaaaaaah, wegrennt.
1:14:54–1:14:57
Und dann ist es kurz still und dann hört man diese ganzen Kinder schreien.
1:14:57–1:15:00
Aaaaaaah, mit so einem Kindergeschrei rennen die dann so hinter sie her.
1:15:00–1:15:02
Ja, aber so völlig brutal.
1:15:03–1:15:04
Ja, aber es ist halt so.
Florian Clauß
1:15:04–1:15:07
Wie die dann durchs Fenster steigen und dann die Treppen so runterfallen.
Chris Flor
1:15:07–1:15:11
Ja, alle kommen immer hinterher. Erst geht sie souverän zu weg und dann kommen
1:15:11–1:15:13
sie hinterher und halt immer mit ihrem Geschrei,
1:15:13–1:15:18
Stille und dann das Kindergeschrei und am Ende schaffen sie es halt,
1:15:18–1:15:22
das erste Kind schafft es irgendwie, sie zu erreichen und dann ist es natürlich
1:15:22–1:15:26
vorbei, weil halt eben diese Meute dann über sie herfällt und sie dann zerreißt.
1:15:26–1:15:30
Nachdem sie zerrissen ist, ist der Zauber gebannt.
1:15:30–1:15:34
Aber trotzdem sind die Kinder erst mal komplett leer. Die Eltern sind komplett leer.
1:15:35–1:15:40
Aber es scheint wohl von dieser Kinderstimme im Off, die dann halt so erzählt,
1:15:40–1:15:43
ja, aber manche der Kinder haben jetzt schon wieder angefangen zu reden.
1:15:44–1:15:47
Also insofern scheint sich da wieder was zu füllen, dann wenigstens bei den Kindern danach.
Florian Clauß
1:15:48–1:15:49
Ja, ein Happy End, ne?
Chris Flor
1:15:50–1:15:53
Happy End, ja. Also auch die Hexe, wo gerade die Hexe ist tot.
1:15:53–1:15:55
Genau, wo gerade die Hexe ist tot.
1:15:56–1:15:59
Die haben die in den Ofen geworfen und die Tür zugemacht.
Florian Clauß
1:15:59–1:16:01
Ja, und die Därme gegessen dabei.
Reinhard
1:16:03–1:16:07
Da möchte ich kurz einen Einwand formulieren, wenn ich darf.
Florian Clauß
1:16:08–1:16:08
Natürlich.
Reinhard
1:16:08–1:16:11
Ich wollte jetzt nicht vorgreifen, Chris. Ich meine, vielleicht möchtest du
1:16:11–1:16:14
ja noch ein Fazit. Ein Fazit noch ziehen.
1:16:14–1:16:16
Nein, ich finde, es ist gerade fragwürdig.
1:16:17–1:16:21
Ihr sagtet jetzt ein Happy End. Und das würde ich jetzt gerade in Frage stellen.
1:16:22–1:16:27
Zunächst mal, bevor ich darauf weiter eingehe. Also ich habe den Film vor einer Woche im Kino gesehen,
1:16:27–1:16:32
nachdem mir der aus mehreren Seiten empfohlen wurde und ich war natürlich voller
1:16:32–1:16:36
Erwartungen und ich muss gestehen, dass meine Erwartungen ziemlich enttäuscht
1:16:36–1:16:38
worden sind. Ich fand den Film...
1:16:39–1:16:42
Ungefähr bis zur Hälfte hat er mir gut gefallen. Ich fand auch diese verschiedenen
1:16:42–1:16:46
Erzählpositionen, obwohl das nichts Neues ist, aber ich fand es sehr interessant.
1:16:46–1:16:49
War gut gemacht. Mir haben auch die Figuren gefallen.
1:16:50–1:16:54
Aber der Film hat von dem Augenblick an für mich seinen Zauber verloren,
1:16:54–1:16:56
wo zum ersten Mal diese Hexe auftaucht.
Chris Flor
1:16:57–1:16:58
Ich weiß es nicht.
Reinhard
1:16:59–1:17:02
Moment, Moment, Moment. Ich will kurz weiter ausführen. Und diese Hexe,
1:17:03–1:17:05
das ist für mich genau das Problematische an dem Film.
1:17:06–1:17:11
Eigentlich geht der Body-Horror, man müsste ja eigentlich das Bewusstseins-Horror
1:17:11–1:17:13
nennen, weil die Körper dieser Menschen verändern sich ja gar nicht,
1:17:14–1:17:18
sondern es ist das Bewusstsein, was sich verändert, das da ausgeschaltet wird durch die Hexe.
1:17:18–1:17:24
Aber ich finde, der wahre Body-Horror geht in diesem Film gar nicht von diesen
1:17:24–1:17:29
Menschen aus, von den Kindern, denen das Bewusstsein abgeschaltet wurde oder
1:17:29–1:17:33
von den Menschen, die da als Waffen missbraucht werden, sondern der wahre Horror.
1:17:33–1:17:38
Und das sehen wir ein paar Mal in den Träumen dieser beteiligten Protagonisten,
1:17:38–1:17:43
taucht ganz kurz das Gesicht dieser alten kranken Frau auf.
1:17:43–1:17:49
Und davon geht eigentlich der wahre Horror aus. Das Gesicht einer alten kranken Frau.
1:17:49–1:17:54
Nachher wird sie dann als Hexe tituliert und das ist sie ja auch in diesem Zusammenhang.
1:17:55–1:18:02
Ich finde, das ist eigentlich die tiefere Motivation dieses Films.
1:18:02–1:18:05
Das ist eigentlich das, wovor wir Angst haben müssen und das ist das,
1:18:06–1:18:07
wovon der wahre Horror ausgeht.
1:18:08–1:18:12
Vom Alter, diese Frau ist nicht geliftet wie alle Schauspielerinnen in Amerika
1:18:12–1:18:20
und die Falten sind nicht weggeschminkt, sondern wir sehen wirklich eine alte Frau,
1:18:20–1:18:27
so wie sie aussieht, wenn man eben nichts Kosmetisches oder Chirurgisches daran macht.
1:18:27–1:18:30
Und ich glaube, dass das gerade in den Vereinigten Staaten, wo ja jetzt alle
1:18:30–1:18:36
älteren Frauen beim Schönheitschirurgen waren, etwas wirklich Schockierendes hat.
1:18:36–1:18:41
Und damit konfrontiert zu werden, mit dem Alter, mit dem eigenen Verfallen,
1:18:41–1:18:46
mit dem sicheren Tod, ich glaube, das ist das, was eigentlich den Warenhorror dieses Films ausmacht.
1:18:47–1:18:53
Und ich finde es eigentlich tragisch, dass diese Frau dann sterben muss.
1:18:53–1:19:00
Diese arme, alte, kranke Frau wird von der Jugend zerrissen förmlich.
1:19:00–1:19:03
Also das ist ja auch eine Form von Euthanasie.
1:19:04–1:19:09
Also die alten Kranken müssen sterben, damit die Jungen irgendwie aufblühen können.
Chris Flor
1:19:09–1:19:14
Ja, also ich sehe das auch so. Also sie hat sich nicht in ihre Rolle reingefunden.
1:19:14–1:19:17
Sie hat nicht akzeptiert. Sie hat die Frechheit besessen.
1:19:18–1:19:22
Und da geht es dann vielleicht auch mit dem Substance dahin.
1:19:22–1:19:24
Also das sind auch Parallelen zur Substance.
1:19:24–1:19:29
Dass sie nicht artig irgendwie sagt, okay, dann bin ich alt und ich sterbe jetzt.
1:19:29–1:19:32
Sondern sie sagt, nee, nee, ich möchte noch weitermachen. Ich kann noch weitermachen.
1:19:33–1:19:38
Und macht es halt, greift zu Mitteln, die anderen Menschen halt auch schaden,
1:19:38–1:19:40
aber um halt eben weiterzumachen. Aber das darf nicht.
1:19:40–1:19:45
Und am Ende der befriedigende Moment ist, die alte Frau muss sterben,
1:19:46–1:19:49
darf ihr Leben nicht verlängern, darf nicht irgendwie wie jetzt,
1:19:50–1:19:55
also diese Unsterblichkeitsfantasien von Silicon Valley und so weiter,
1:19:55–1:19:59
darf nicht ewig weiterleben, sondern muss sich halt jetzt einfach mal dem fügen
1:19:59–1:20:00
und muss der Jugend Platz machen.
1:20:02–1:20:09
Was ja auch stimmt, also diese ganze Horrorgeschichte der Babyboomer,
1:20:09–1:20:15
die halt eben in allen Jobs noch drin sitzen und die Gen Z und so weiter,
1:20:15–1:20:17
denen keinen Raum machen im Arbeitsmarkt.
1:20:18–1:20:22
Die muss halt jetzt einfach mal weg und dann wird's halt zerrissen.
1:20:23–1:20:27
Damit die endlich aufleben können wieder, damit die Jugend endlich wieder aufleben kann.
Florian Clauß
1:20:27–1:20:31
Ja, also ich denke auch, da sind so bestimmte gesellschaftlichen Themen gepflanzt
1:20:31–1:20:34
in diesem Film, aber so nicht wirklich gut aufgelöst.
1:20:34–1:20:39
Also auf der einen Seite ist es halt natürlich in der alten Frau,
1:20:40–1:20:44
in der Tante, die Einsamkeits-Pandemie, die da passiert.
1:20:44–1:20:48
Sie ist einsam, sie sucht dann irgendwo Anschluss, ja, sie ist zwar eine Hexe.
Chris Flor
1:20:48–1:20:50
Aber... Na, sie sucht keinen Anschluss allerdings.
Florian Clauß
1:20:50–1:20:55
Sie besucht halt Energie. Aber auf der anderen Seite, das was halt so offensichtlich
1:20:55–1:20:58
ist, dieses Ageism, was da passiert.
1:20:58–1:21:01
Auf der einen Seite wird sie eben als alte Frau rausgeworfen.
1:21:01–1:21:04
Ich finde aber, sie schminkt sich völlig übertrieben.
1:21:04–1:21:09
Also da habe ich schon so dieses Stereotyp von alten amerikanischen Frauen.
Reinhard
1:21:09–1:21:12
Es ist auch ein Zitat von der Joker.
Florian Clauß
1:21:12–1:21:17
Genau, der Joker. Oder ich dachte, ein S an diesem Klon und so weiter.
Reinhard
1:21:17–1:21:17
Ja, genau.
Florian Clauß
1:21:19–1:21:23
Aber vor allen Dingen, da fand ich jetzt auch nochmal gut den Einwand,
1:21:23–1:21:25
dass die Boomer-Generation,
1:21:26–1:21:31
die drückt ja quasi auch, also die belastet ja die jetzt nachkommende Generation,
1:21:32–1:21:34
die in den Arbeitsmarkt geht mit ihren Renten.
1:21:34–1:21:37
Also das ist zumindest in Deutschland ein massives Problem, wie wir die Renten
1:21:37–1:21:41
finanzieren. Und das, was dann drunter liegt, ist natürlich das Care-System.
1:21:41–1:21:45
Das Care-System, der Junge, der Alex muss seine Eltern pflegen,
1:21:45–1:21:50
die sind dann halt so paralysiert, ja, sitzen da und er hat aber auch nichts irgendwie,
1:21:51–1:21:55
was er irgendwie, wie er es anwenden kann, außer diese Campbells-Suppendosen,
1:21:55–1:21:56
die er dann zusammenkehrt,
1:21:57–1:21:59
ja, und den dann halt, die füttert.
1:21:59–1:22:04
Aber das ist halt so ein ganz offensichtliches Bild, wo er dann halt seine Eltern füttert.
1:22:05–1:22:07
Ja, das ist halt irgendwie auch eine Kritik an dem Kehrsystem.
1:22:08–1:22:13
Also der Film reißt so viele Sachen auf, aber findet da nicht so richtig den
1:22:13–1:22:16
richtigen, also ich finde, der ist nicht so richtig rund am Ende.
1:22:16–1:22:18
Ja, der geht nicht so richtig auf.
Micz Flor
1:22:18–1:22:23
Da würde ich vielleicht reinspringen, genau als jemand, der den Film nicht gesehen hat.
1:22:24–1:22:28
Aber allgemein nochmal zurück, raus zu diesem Horror-Thema.
1:22:28–1:22:33
Also der Film wurde mir halt kurz vorgestellt, ich weiß nicht mehr Medien oder
1:22:33–1:22:37
Flo oder wer es gesagt hat, aber diese Tür geht auf, die Kinder rennen weg.
1:22:37–1:22:43
Das Bild ist ja auch dieses Rennen, wo die wie so mit ausgestreckten Armen die Straße lang rennen.
1:22:43–1:22:51
Und das war einfach so ein Bild, was sofort Horror ist. Ja, also das hat mich gleich gegruselt.
1:22:52–1:22:55
Und dann habe ich eben auch über Erzählungen, weil ich wusste,
1:22:55–1:22:57
ich werde den Film nicht gucken können,
1:22:58–1:23:01
von Flo auch schon diesen Abriss bekommen und dann kommt diese Hexe und so,
1:23:01–1:23:05
dann hatte ich auf einmal eher so ein Bild von diesem Film wie Shutter Island
1:23:05–1:23:10
oder wie Angel Heart oder so, wo es halt quasi so metaphysisch,
1:23:10–1:23:13
dämonisch irgendwie horrormäßig losgeht.
1:23:13–1:23:16
Also gar nicht mal metaphysisch, sondern einfach nur so Horror ist.
1:23:16–1:23:24
Also Horror so wie Aspirin-Tabletten oder sowas, ohne Bodenhaftung.
1:23:24–1:23:28
Einfach ein Bild, was so X-Files mäßig, das steht einfach da.
1:23:28–1:23:33
Und dann hinten raus wird es aber eher so ein Thriller und man folgt den Spuren
1:23:33–1:23:38
und man kommt dann eben auch zu einem Ende und das finde ich halt auch interessant
1:23:38–1:23:44
wenn man mal rauszoomt und sagt muss ein Horrorfilm zum Schluss sich auflösen,
1:23:44–1:23:45
egal ob es jetzt ein Happy End ist.
Chris Flor
1:23:45–1:23:50
Aber einfach muss es eine Lösung geben Wunderbar eigentlich darf es keine Lösung
1:23:50–1:23:52
geben, also ich finde bei einem Horrorfilm ich würde so weit gehen und sagen,
1:23:52–1:23:56
es darf keine Lösung geben, also die Widersprüche dürfen nicht aufgelöst werden.
Reinhard
1:23:56–1:24:00
Sonst haben wir einen Science Fiction Film Ich bin da total bei euch.
1:24:00–1:24:03
Ich habe mir die ganze Zeit, als ich da in dem Kino saß, habe ich mir gewünscht,
1:24:03–1:24:05
dass es nicht aufgelöst wird.
1:24:05–1:24:08
Dass wir am Ende nie erfahren werden, dass es vielleicht verschiedene Spuren
1:24:08–1:24:09
gibt, denen man nachgeht.
1:24:09–1:24:13
Aber dass wir nie erfahren werden, wo diese Kinder hin sind und was mit denen passiert ist.
1:24:14–1:24:18
Es ist so ein bisschen das, was Stanley Kubrick in Shining versucht hat.
1:24:19–1:24:23
Also es passieren seltsame Dinge, aber am Ende bleibt man ratlos.
1:24:24–1:24:27
Und es ist toll, wenn man diesen Film dann nie wieder vergisst.
1:24:27–1:24:33
Er hat eine Saat in einen gelegt, die ein Leben lang aufgeht.
Chris Flor
1:24:33–1:24:35
Kann ich jetzt auch noch mal wieder einen Schritt zurückgehen und sagen,
1:24:35–1:24:41
ja, ich glaube, dass es gerade eine Wende gibt in Horror.
1:24:41–1:24:47
Also Body-Horror ja mehr, aber halt eben auch weg von diesem High-Horror hört man ja auch dazu.
1:24:47–1:24:51
So einer, eher so einer, also ich finde den Film halt deswegen,
1:24:51–1:24:54
der fängt irgendwie so als so ein Thriller oder sowas an, wird dann halt eben
1:24:54–1:24:59
dann am Ende wirklich dieses Hexenmärchen, das dann halt auch dann aufgelöst
1:24:59–1:25:01
wird und sehr befriedigend aufgelöst wird.
1:25:01–1:25:04
Das ist, ja stimmt, dass am Ende eigentlich eine,
1:25:05–1:25:09
ein bisschen eine Ambivalenz halt komplett verschwindet, die aber halt in den,
1:25:10–1:25:14
also es gibt noch für uns Möglichkeiten, das so zu interpretieren,
1:25:14–1:25:16
was wir dann halt auch gemacht haben mit Generationen und so weiter.
1:25:17–1:25:23
Aber am Ende wird das dann halt natürlich schon alles schön zerfetzt,
1:25:23–1:25:25
dann am Ende und alles ist gut.
1:25:25–1:25:29
Dass das eben absichtlich gelöst wird, einfach absichtlich aufgelöst wird.
Florian Clauß
1:25:29–1:25:33
Ja, also, ja, ich glaube, das ist auch das, was mich bei dem Film stört,
1:25:33–1:25:38
der, also, weil der so gut ausgeht und weil er so rund ist dann am Ende,
1:25:38–1:25:41
aber gleichzeitig, das ist, was mich am meisten, also ein Bild,
1:25:41–1:25:44
was mich dann halt wirklich am meisten dann halt so in diesem,
1:25:45–1:25:47
Angstzustand versetzt hat oder in diesem Verwirrungszustand,
1:25:47–1:25:52
das war dieser Traum von dem Vater, von dem einen, der dann halt irgendwie diese
1:25:52–1:25:56
ganzen diese ganzen Linien gezeichnet hat und drauf gekommen ist,
1:25:56–1:25:58
dass alles in diesem Haus zusammenläuft.
1:25:58–1:26:02
Er hat eine Traumsequenz, wo er auf dieses Haus zugeht und über diesem Haus
1:26:02–1:26:06
das öffnet sich dann halt so in seinem Traum, ist halt so ein Riesen,
1:26:06–1:26:08
so wie eine 3D-Animation,
1:26:08–1:26:13
so ein Riesenmaschinengewehr und es leuchtet diese 3.19, also die Uhrzeit auf,
1:26:14–1:26:15
wo die Kinder verschwinden.
1:26:15–1:26:20
Das hat mich total verwirrt. Das war wirklich so, hä, was passiert jetzt gerade?
1:26:20–1:26:23
Und der hatte so tolle Momente, dieser Film,
1:26:24–1:26:32
die mich dann wieder an Ari Aster oder diese ganze neue Regie-Generation von
1:26:32–1:26:35
Horrorfilmern, die jetzt so gerade die Filme drehen.
1:26:35–1:26:38
Und Cracker gehört ja auch mit dazu, auf jeden Fall.
1:26:38–1:26:42
Aber das hat es nicht so richtig ausgezahlt am Ende.
Chris Flor
1:26:43–1:26:46
Im Guardian stand eine Besprechung von dem Film. Da wurde gesagt,
1:26:46–1:26:51
vielleicht hat Weapons keinen tieferen Sinn, aber das ist okay.
1:26:51–1:26:55
Und das glaube ich fast auch. Also ich finde es aber auch in Ordnung.
1:26:55–1:26:57
Also es ist schon allerhand irgendwie drin.
1:26:58–1:27:00
Man kann darüber nachdenken und so weiter. Aber es ist dann schon,
1:27:01–1:27:04
also es ist jetzt nicht eben wie halt Substance,
1:27:04–1:27:07
es ist halt, die Komplexität ist in der Art, wie es erzählt wird,
1:27:07–1:27:12
die Komplexität ist, wie auch das Erwartungen geschürt werden und dann enttäuscht
1:27:12–1:27:15
werden und dann aber am Ende dann geschürt werden und erfüllt werden.
1:27:15–1:27:18
Irgendwie, man denkt, natürlich hatte ich auch gedacht, oh je,
1:27:18–1:27:22
vielleicht kommt nie raus, was da jetzt mit denen los ist, weil das Kind halt
1:27:22–1:27:25
auch am Anfang sagt und die Kinder wurden nie wieder gesehen,
1:27:25–1:27:28
dachte ich, um Gottes Willen, wird sich jetzt dieser Film nicht für mich auflösen.
1:27:29–1:27:31
Und dann muss ich halt ehrlich sagen, war ich schon befriedigt,
1:27:32–1:27:34
dass sich der Film am Ende auflöst, dass es alles rund geworden ist.
1:27:35–1:27:38
Wäre blöd zu sagen, es ist kein Stanley Kubrick, sowas möchte ich halt auch
1:27:38–1:27:42
nicht sagen, aber ich möchte schon auch sagen, dass er halt in, also auch schon eben.
1:27:43–1:27:47
Die meisten Leute, die den Film sehen, finden den super. Also wie damals Smells
1:27:47–1:27:50
Like Teen Spirit war ein Song, den alle gut fanden.
1:27:51–1:27:54
Und als der rauskam, dieser Film, alle, die sich angucken, finden den toll.
1:27:55–1:27:58
Und das ist ja eine Leistung. Dafür, dass der halt so ein relativ low,
1:27:58–1:28:00
also nicht low-budget, aber so ein mid-budget Film ist.
1:28:01–1:28:04
Und ich finde, dafür ist der schon sehr gut. Dafür hat er eine sehr komplexe
1:28:04–1:28:07
Erzählstruktur, sehr gute Schauspieler dabei.
1:28:07–1:28:12
Ja, ist sehr lustig, ist sehr brutal für einen Film, der halt dermaßen erfolgreich
1:28:12–1:28:18
ist. Aber ich habe den Titanen jetzt nicht gesehen, aber natürlich ist das kein
1:28:18–1:28:21
Kunstfilm oder sowas mit dem, was sie hier zu tun haben.
1:28:22–1:28:27
Es ist halt ein sehr gut gemachter Thriller und ein sehr überraschend gemachter Thriller.
Florian Clauß
1:28:27–1:28:32
Ja, ich glaube auch, er bietet dann für die amerikanische Durchschnittsgesellschaft
1:28:32–1:28:36
dann halt auch entsprechende Möglichkeiten, sich da reinzuhängen.
Chris Flor
1:28:36–1:28:41
Ja, also mit dem amerikanischen, das ist jetzt hier schon ein paar Mal aufgekommen.
1:28:41–1:28:43
Also wir müssen auch langsam mal zugeben.
Florian Clauß
1:28:45–1:28:49
Ich will noch mal eins dazu werfen, weil ich halt wirklich auch so jetzt kurz
1:28:49–1:28:53
danach diesen Paddington, also diesen Film von Ari Aster, den habe ich auch
1:28:53–1:28:57
gesehen und der ist ja irgendwie so ähnlich von der Stimmung her.
Chris Flor
1:28:57–1:28:58
Achso, den habe ich noch nicht gesehen.
Florian Clauß
1:28:58–1:29:04
Ja, der spielt halt irgendwie so in Neu-Mexiko oder in irgendeinem Wüstenbundesstaat.
1:29:04–1:29:08
Und da geht es halt auch um den Zerfall von einer Stadt und an so mehreren Personen.
1:29:08–1:29:12
Also ein bisschen Multiperspektive auch. Aber so ein bisschen dieses ...
1:29:12–1:29:17
Diese Hexenjagd, die passiert, diese Versammlung in der Schule,
1:29:17–1:29:19
wo die gegeneinander reden und so weiter.
1:29:19–1:29:24
Also dieser Zerfall oder die Spaltung, wie man schon sagt, die Spaltung der
1:29:24–1:29:30
Gesellschaft irgendwo auch dann mitmacht. Ja, gleichzeitig finde ich den aber auch sehr Comedy-haft.
1:29:30–1:29:35
Also ich meine, die Figur des Junkies haben schon ein paar Mal laut gelacht,
1:29:35–1:29:40
wie er schon in sein Zelt flüchtet und die Polizei anruft.
Chris Flor
1:29:41–1:29:44
Wenn er die Polizei anruft und dann vorher Crack geraut hat.
Florian Clauß
1:29:46–1:29:51
Also irgendwie hat er auch lustige Momente. Also er erzählt eine Geschichte,
1:29:51–1:29:54
er spielt da mit und ist auf jeden Fall ein unterhaltsamer Film.
Chris Flor
1:29:54–1:29:57
Aber mit dem, ich finde es, mit diesem Amerikanisch wollte ich auch nochmal
1:29:57–1:29:59
drauf eingehen, weil das wurde ja jetzt schon immer ein paar Mal gesagt,
1:29:59–1:30:02
also wegen der amerikanischen Jugend,
1:30:02–1:30:07
das Jugendkult und so weiter, amerikanische Schminke, Frauen,
1:30:08–1:30:11
amerikanische Erwartungen und so weiter.
1:30:11–1:30:15
Also ich würde sagen, ein Großteil der Menschen hier oder sowas haben das,
1:30:15–1:30:18
waren ja auch noch nicht in New Mexico, der Amerikaner zum Beispiel,
1:30:18–1:30:19
oder waren auch noch nicht.
1:30:19–1:30:23
Also die Sache ist, ich glaube, man kann sich nicht so gemütlich in Deutschland
1:30:23–1:30:27
hinsetzen und sagen, das ist Amerika, weil man ist ja mit genau den gleichen
1:30:27–1:30:30
Filmen auf genau die gleiche Weise aufgewachsen.
1:30:30–1:30:36
Man hat genau dieselben Erwartungen anerzogen bekommen durch diese amerikanischen
1:30:36–1:30:38
Filme und das ist eigentlich,
1:30:38–1:30:42
ich würde sagen, die amerikanische Kultur in dem Sinne bei solchen Filmen ist
1:30:42–1:30:46
eigentlich so eine Hollywood-Kultur und damit halt eben eine,
1:30:47–1:30:52
Mainstream-Filmkultur. Ich würde sagen, eher Hollywood, als dass ich Amerika
1:30:52–1:30:53
sagen würde. Sagen wir mal so.
1:30:54–1:30:57
Ich würde eher sagen, mit Hollywood würde ich nicht meinen, den Ort in Kalifornien,
1:30:58–1:31:02
sondern mit Hollywood würde ich meinen, die Mythologien, die Kosmologien und
1:31:02–1:31:06
so weiter, die halt da aufgebaut wurden über Jahrhunderte.
Florian Clauß
1:31:07–1:31:12
Ja gut, ja, natürlich. Das ist die Narration, die dann halt auch fast global ist.
1:31:13–1:31:19
Wo dann halt, so kennen wir das eben, So sind die Geschichten, so werden sie erzählt.
Micz Flor
1:31:20–1:31:23
Bleiben wir mal beim Thema. Also ich finde es gut, das nochmal zu korrigieren.
1:31:23–1:31:27
Aber Body Horror, wir haben jetzt über Altersvorsorge geredet,
1:31:27–1:31:31
über Baked Beans, über Hollywood dürfen wir auch.
1:31:31–1:31:36
Aber sollte ein Publikum hier drauf geklickt haben, wegen dem Body Horror Thema,
1:31:36–1:31:38
das sollten wir nicht vergessen, finde ich.
Florian Clauß
1:31:38–1:31:39
Okay, Mitch, dann mal los.
Micz Flor
1:31:41–1:31:46
Nee, ich möchte das noch kurz abwickeln, Weil ich möchte einen Link machen zu
1:31:46–1:31:48
unserer Folge 50, Carrying Comfort.
1:31:48–1:31:53
Und da ist in den Shownotes nämlich ein Link drin auf Carrying Comfort in dem
1:31:53–1:31:58
Omni-Magazin von 1983. Das ist eine Novelette von Dan Simmons.
1:31:58–1:32:03
Und ich finde es so, so gute Horrorliteratur.
1:32:03–1:32:09
Und es geht eben genau um diese Übernahme von anderen Körpern durch Menschen
1:32:09–1:32:13
mit parapsychologischen, aber ich möchte gar nicht so viel sagen,
1:32:13–1:32:15
aber wer Lust hat, da mal was zu lesen zu,
1:32:15–1:32:22
es gibt eben diese Kurzgeschichte online, ist verlinkt in den Shownotes der Folge Nummer 50.
1:32:23–1:32:25
Kann ich sehr empfehlen.
Florian Clauß
1:32:25–1:32:30
Okay, Body-Horror. Chris hat das ja in seiner Erzählung dann ab und zu eingesteuert.
Reinhard
1:32:30–1:32:34
Ja, ich hatte noch einen Aspekt, den wollte ich hier kurz noch beitragen.
1:32:34–1:32:39
Und zwar, ich finde den Body-Horror eigentlich ja dann am intensivsten und am
1:32:39–1:32:45
gruseligsten, wenn etwas mit Körpern passiert, die wir mit etwas komplett Unschuldigem verbinden.
1:32:46–1:32:48
Und das ist ja ein Kind.
1:32:49–1:32:54
Also Kinder, das hat mir in diesem Film auch gut gefallen, dass es Kinder sind,
1:32:54–1:32:59
die sind ja sogar noch ganz jung, die sind ja gerade erst mal in der Grundschule,
1:32:59–1:33:04
dass die zu Killermaschinen werden, das fand ich eine sehr gute Idee.
1:33:04–1:33:08
Und das hat mich an einen Film erinnert, ich glaube, der ist noch aus den 70er-Jahren
1:33:08–1:33:13
oder sogar aus den 60er-Jahren, wo so eine Gruppe von Kindern irgendwie,
1:33:13–1:33:16
ich glaube, von Außerirdischen okkupiert wird.
1:33:16–1:33:21
Und die haben dann so ganz seltsame Augen, schauen total intensiv.
1:33:22–1:33:28
Ja, das fand ich wirklich ultra gruselig, weil das eben auch Kinder waren,
1:33:28–1:33:34
mit denen wir das überhaupt nicht verbinden, das Böse, das abgrundtief Böse,
1:33:34–1:33:36
das im Körper eines Kindes.
1:33:36–1:33:39
Ich glaube, das ist sozusagen die schlimmste Form von Körperhorror,
1:33:39–1:33:41
die überhaupt vorstellbar ist.
1:33:43–1:33:45
Weiß jemand noch den Titel von diesem Film.
Chris Flor
1:33:45–1:33:47
An den ich mich da erinnere? War es nicht Children of the Corn,
1:33:47–1:33:50
war es nicht Kinder des Zorns.
1:33:51–1:33:54
Ja, Kinder des Zorns. Ja, aber ich fand dann aber auch interessant,
1:33:55–1:33:58
also die, man hatte ja auch, selbst bei diesem Film hatte man dann halt kurz
1:33:58–1:34:00
gedacht, bei den Weapons,
1:34:00–1:34:04
dass, man hat ja schon gesehen, dass diese Kinder den Alex dann halt auch so
1:34:04–1:34:07
ein bisschen gebullied haben dann zu einem Zeitpunkt,
1:34:07–1:34:10
dass die den halt irgendwie la la la hinter ihm her und ihn so ein bisschen
1:34:10–1:34:13
geschubst und so weiter und ihn halt so fertig gemacht haben und dann hat man
1:34:13–1:34:15
sich so gefragt, also ich habe mich jedenfalls gefragt, ach so,
1:34:16–1:34:19
die Tante hat sich dann quasi für ihn eingesetzt und möchte ihn beschützen,
1:34:19–1:34:20
habe ich dann da noch gedacht,
1:34:20–1:34:23
dass sie deswegen sich an den Kindern gerecht hat oder so.
1:34:23–1:34:27
Aber dem war halt dann überhaupt auch gar nicht so. Also das geht aber eben
1:34:27–1:34:31
nochmal in diese Sache von wegen Unschuld, gibt es das unschuldige Kind irgendwie
1:34:31–1:34:36
oder sind Kinder grausam an und für sich oder also der Vater von,
1:34:37–1:34:40
diesem, ich weiß jetzt gar nicht mehr, wie er heißt, also Julian oder sowas
1:34:40–1:34:42
hieß, glaube ich, der Sohn von dem Archer.
1:34:42–1:34:45
Also für den Vater war das natürlich so ein ganz unschuldiges,
1:34:45–1:34:50
nettes Kind, aber man hat gesehen, dass er eigentlich schon auch so gemein war.
1:34:50–1:34:54
Also er war halt auch schon in seiner eigenen, in seinem täglichen Miteinander
1:34:54–1:34:57
mit den anderen Kindern war er halt schon auch so ein bisschen so Bulli-mäßig
1:34:57–1:34:59
drauf gegenüber diesem Alex.
Florian Clauß
1:35:01–1:35:07
Ich wollte die Quelle erwähnen, auf die viele Filme und Geschichten und so weiter
1:35:07–1:35:10
zurückgehen, nämlich unsere griechische Mythologie.
1:35:11–1:35:16
Die ja irgendwo auch ein unerschöpflicher Geschichtenvorrat birgt.
Micz Flor
1:35:16–1:35:20
Ich fand das auch einen typisch griechischen Film. Also ich habe den nicht als
1:35:20–1:35:21
amerikanischen wahrgenommen.
Florian Clauß
1:35:22–1:35:25
Meine Frage wäre, was würdet ihr denn, also dieser Plotpoint am Ende...
1:35:26–1:35:32
Wo Alex dann quasi die ganzen Kinder gegen die Hexe richtet.
1:35:32–1:35:37
Was würdet ihr da für eine mythologische Sage dann sehen können?
Reinhard
1:35:38–1:35:40
Hänsel und Gretel doch, durchaus.
Florian Clauß
1:35:41–1:35:43
Hänsel und Gretel. Aber das ist nicht die Antike.
Micz Flor
1:35:45–1:35:46
Hänsel und Gretel.
Florian Clauß
1:35:46–1:35:50
Der Plotpoint ist ja dann an der Stelle, dass quasi die Waffe,
1:35:51–1:35:55
die die Hexe bisher genutzt hat, gegen sich selber gerichtet wird.
Chris Flor
1:35:55–1:36:00
Ah, Medusa, wo dann das Schild vorgehalten wird und es spiegelt sich.
Florian Clauß
1:36:01–1:36:03
Das ist genau, ich habe auch an Medusa gedacht.
Micz Flor
1:36:03–1:36:06
So muss das die richtige Antwort sein.
Chris Flor
1:36:09–1:36:11
Ja, stimmt, also eben die Hexe halt eben.
Florian Clauß
1:36:12–1:36:12
Okay.
Chris Flor
1:36:13–1:36:14
Aber die Medusa konnte ja auch nichts dafür.
Florian Clauß
1:36:15–1:36:18
Nee, die sind so von Natur aus, die können nichts anderes.
1:36:19–1:36:25
Ja, also würde ich sagen, an dem Punkt Mitch hat schon vorgeschlagen,
1:36:25–1:36:28
dass wir ja, haben uns vier Filme vorgenommen.
1:36:29–1:36:34
Zwei pro Folge, ja, dass wir jetzt an dieser Stelle einen Cut machen und dann
1:36:34–1:36:41
für nächste Folge uns zwei anderen vornehmen, nämlich The Substance und Together.
1:36:41–1:36:43
Die passen, glaube ich, auch ganz gut zusammen.
1:36:45–1:36:51
Tatsächlich muss auch Chris weiter, der ist uns ja aus Berkeley zugeschaltet, ja.
1:36:52–1:36:57
Und jetzt ist es früh morgens, also schon jetzt dein Vormittag vorbei, oder?
Chris Flor
1:36:57–1:36:58
Ja, ja.
Florian Clauß
1:36:58–1:37:01
Chris, du hast auch gefrühstückt, das hat man teilweise gehört.
1:37:01–1:37:05
Die Schale von Zeralien, die immer geklackert hat.
1:37:06–1:37:08
Das Hühnchen im Hintergrund.
1:37:10–1:37:14
Da würde ich sagen, machen wir erst mal einen Punkt. Vielen Dank in die Runde.
Micz Flor
1:37:15–1:37:19
Genau, bei dem zweiten Teil abschließend auch nochmal über,
1:37:19–1:37:25
Lacan sprechen, über auch diesen Begriff des Ekels, was Flo ganz am Anfang besprochen hat.
1:37:26–1:37:31
Das Bodyhorror und Ekel und diese Grenzerfahrung und was austritt und eintritt
1:37:31–1:37:35
in den Körper, darüber wollte ich dann auch noch ein bisschen mit Christevas
1:37:35–1:37:38
Begriff des Objekts was vorstellen.
Florian Clauß
1:37:39–1:37:43
Ja, stimmt. Und ich hatte tatsächlich auch schon mir als kleine Aufgabe gesetzt,
1:37:44–1:37:49
Substance nach der Lesart von Lacan zu interpretieren. weil das geht super auf.
1:37:50–1:37:53
Ich meine, und der Kau kann man überall draufwerfen, habe ich dann festgestellt.
1:37:54–1:37:57
Okay, dann würde ich sagen, vielen Dank. Ja, genau, vielen Dank,
1:37:57–1:38:00
Chris, vielen Dank, Reinhardt und natürlich auch Mitch.
1:38:01–1:38:07
Das war jetzt eigentlich Podcast-Episode 89 und ich wollte schon sagen,
1:38:07–1:38:11
die Strecke, die wir langgegangen sind, aber wir sind keine Strecke langgegangen,
1:38:11–1:38:14
müssen wir überlegen, was wir da als Track nehmen.
1:38:14–1:38:20
Normalerweise bebildern wir auf unserer Netzseite immer. aber welche Laufroute
1:38:20–1:38:23
wir hatten, haben wir nicht. Machen wir was anderes.
1:38:23–1:38:29
Aber ihr könnt unter eigentlich-podcast.de Shownotes nochmal zu diesen Themen
1:38:29–1:38:33
finden, die Filme, die wir besprochen haben und noch ein paar andere Informationen.
1:38:34–1:38:38
Wir bereiten da jede Folge nochmal recht viel textuell auf.
1:38:39–1:38:45
Ja, dann würde ich sagen, macht's gut und bis in 14 Tagen, wenn dann Body Horror
1:38:45–1:38:47
weitergeht. Bis dahin. Ciao.
Micz Flor
1:38:47–1:38:48
Tschüss.
Reinhard
1:38:48–1:38:48
Ciao.

Verwandte Episoden


Mehr

"Gee, I wish I could do that, but I’d need a third hand!" -- Clarence White (Gitarrist, ca. 1967, 1968)

In dieser späten Sommerloch-Episode zum Thema Stromgitarren reden wir über "StringBender". Bei diesem auch "Pull-String" genannten Gadget kann man die Tonhöhe einzelner Saiten verändern. "Bending" (englisch für "biegen") bedeutet üblicherweise beim Gitarrenspiel, eine Saite auf dem Griffbrett nach oben oder unten zu ziehen, wodurch der Ton höher wird. Der "StringBender" tut das und erlaubt gleichzeitig die Tonhöhe genau festzulegen. Wir sprechen über die Geschichte des Gadgets und seine Wurzeln im Pedal-Steel Country und neuere Modelle. Am weitesten verbreitet ist der sogenannte B-Bender, der die H-Saite um einen Ganzton anhebt, gefolgt vom G-Bender, der die G-Saite in der Regel um einen Halbton nach oben zieht. Die technische Umsetzung erfolgt meist über den Gurtpin am Hals, der durch Ziehen am Gitarrengurt aktiviert wird. Alternativ gibt es Systeme mit einem oder mehreren Hebeln hinter der Brücke, sogenannte "Palm Bender". Ein weiterer Player auf dem Markt ist der "HipShot Bender", der über einen Hebel an der Hüfte ausgelöst wird. Darüber hinaus existieren Systeme, bei denen Hebel parallel zu den Saiten nach oben gezogen oder über den Unterarm der Schlaghand bedient werden. Um den Bending-Effekt hörbar zu machen, stimmen Micz und Flo eine große Terz und beenden diese dann auf eine kleine Terz herunter. Ein Wow-Moment für Flo. Angereichert ist die Folge mit Sound-Beispielen, und im Blogpost findet ihr eine Liste von Modellen inklusive vieler DIY-Videos im Netz.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Micz Flor
avatar
Florian Clauß

Transcript

0:00:00–0:00:05
Die Serie, die niemals schläft. Die Serie in der Serie.
0:00:05–0:00:07
Ja, die sie im Sommer nochmal so richtig ausholt.
0:00:10–0:00:18
So, okay, dann das hab ich. Und hier zu Dump. Dump der Freude zum Nennt.
0:00:18–0:00:19
Mr. Dump.
0:00:22–0:00:27
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast Episode 88.
0:00:27–0:00:32
Eigentlich Podcast, der Podcast bei dem wir im Laufen reden und laufend reden
0:00:32–0:00:37
wir haben schon vor vier Wochen angekündigt beziehungsweise Mitch hat gesagt
0:00:37–0:00:46
er wird jetzt eine zweite Folge zu den Stromgitarren Sommerfolge Special 25 machen,
0:00:48–0:00:54
und er hat das auch schon beschrieben jetzt wird es ein bisschen handfester
0:00:54–0:00:57
jetzt geht es ums Mitmachen und mitschmecken.
0:00:58–0:01:01
Du musst das mit mir singen, wenn ich das dann alles versuche so ein bisschen darzustellen.
0:01:01–0:01:05
Um's mitschmachen. Aber was hast du gebastelt in der Zwischenzeit?
0:01:06–0:01:13
Ich habe mit einem alten Bixby Vibrato oder Trimolo das habe ich auseinandergenommen
0:01:13–0:01:15
und habe da Hebel reingeschraubt.
0:01:16–0:01:25
Ich habe einen von Göldo einen Multi, ich weiß nicht mehr genau,
0:01:25–0:01:28
wie er heißt, ein Multibänder, also wo auch so mit zwei Hebeln drin ist.
0:01:28–0:01:29
Warum zwei Hebel, erkläre ich gleich.
0:01:29–0:01:30
Okay.
0:01:30–0:01:35
Und ich habe mit einem, äh, kennst du die noch, diese uralten,
0:01:35–0:01:38
das war jetzt nicht Fischertechnik, ich habe vergessen, das habe ich auf, äh,
0:01:39–0:01:43
habe ich auf, ähm, Kleinanzeigen geschossen und zwar so einen alten,
0:01:43–0:01:46
wo noch so metallene Sachen, die man mit Schrauben und so.
0:01:46–0:01:49
Äh, also diese uralten Teile. Ja, doch, doch, das waren, ähm,
0:01:50–0:01:56
nicht Fischertechnik, sondern das war, doch, sah aus, als ob es direkt im Krieg produziert wurde.
0:01:57–0:02:01
Also ich hatte das als Kind nie, aber es fühlte sich immer so ein oder zwei
0:02:02–0:02:03
Generationen weiter weg an.
0:02:04–0:02:07
Und ich habe dann immer so rumgeguckt, wie man das halt so macht,
0:02:07–0:02:09
wenn man denkt, ich baue mir das mal von scratch und gucke mal an, ob,
0:02:10–0:02:14
dass ich dann irgendwie im Internet, Ebay und sonst wo geguckt habe.
0:02:14–0:02:18
Aber das Einfachste war dann für 10 Euro so einen alten, verrosteten Kasten
0:02:18–0:02:21
zu holen und du hast dann irgendwelche Wellen drin, irgendwelche Schrauben drin.
0:02:22–0:02:24
Hast du dir geholt? Ja, ja. Echt nein.
0:02:25–0:02:25
Genau.
0:02:25–0:02:27
Echt? Das war dann dein Bastelsetup?
0:02:27–0:02:31
Das ist das Bastelsetup. Aber das war nicht ganz so erfolgreich.
0:02:32–0:02:35
Aber du hast gleich mehr und wo ich das einbauen möchte, das ist dann auch gleich.
0:02:36–0:02:41
Also ich hätte ja schon gesagt es ging die es nicht gehört haben,
0:02:41–0:02:44
den sage ich jetzt die anderen wussten es vielleicht schon, haben es gemerkt
0:02:44–0:02:50
es geht darum, es gibt seit späten 60er Jahren gibt es für,
0:02:51–0:02:54
hauptsächlich Elektrogitarren, geht aber auch für Akustik aber macht,
0:02:54–0:02:57
finde ich, da nicht so viel Sinn lass mich vielleicht auch mal anders überzeugen
0:02:57–0:03:01
aber für Elektrogitarren die Möglichkeit dass man mechanische,
0:03:02–0:03:04
Veränderungen vornimmt sodass es
0:03:04–0:03:10
einem erlaubt, an der Gitarre eine Seite anzuspannen oder zu entspannen.
0:03:11–0:03:15
Das heißt, du kannst dadurch natürlich die Tonhöhe verändern.
0:03:16–0:03:20
Wenn du die Spannung einer Seite erhöhst, indem du oben zum Beispiel am Kopf
0:03:20–0:03:21
in der Mechanik drittst, dann geht der Ton hoch.
0:03:22–0:03:25
Wenn du sie lockerer machst, dann geht der Ton runter.
0:03:26–0:03:30
Und da stimmt man seine Gitarre, um dann zu spielen. Und wenn ich jetzt aber
0:03:30–0:03:36
etwas spiele, dann kann ich natürlich durch die Tonhöhe auch Änderungen in dem,
0:03:36–0:03:37
was ich spiele, vornehmen.
0:03:37–0:03:40
Weil das ist ja genau das, was ich mache, wenn ich auf ein Griffbett greife.
0:03:40–0:03:43
Und durch diese mechanische, das ist, man muss sich das vorstellen,
0:03:43–0:03:47
ganz grob gesprochen, erst mal wie so ein Hebel, an dem man zieht und dann geht
0:03:47–0:03:52
eine Seite in Halbton hoch oder runter.
0:03:52–0:03:55
Es gibt aber auch solche Gitarren, die diesen Hebel haben.
0:03:55–0:03:59
Ja, genau. Und das, was du jetzt meinst, das ist zum Beispiel ein Bixby,
0:03:59–0:04:00
den ich jetzt gerade auseinandergenommen habe.
0:04:01–0:04:05
Es gibt diese Vibrato heißen, oder Tremolo, wird immer so, immer so benannt.
0:04:05–0:04:09
Da kannst du alle Seiten so runterdrehen. Das ist halt so aus dem...
0:04:11–0:04:17
Das ist halt der... Du kannst quasi den ganzen Sound irgendwie abkippen.
0:04:17–0:04:19
Man hört schon jetzt das Feel von meiner Soundarbeit.
0:04:22–0:04:23
Das ist gut. Ich habe viele Fragen aufgelassen.
0:04:23–0:04:28
Aber ich gebe mir Mühe. Da ist es so, dass du einfach mit dem Drücken des Hebels
0:04:28–0:04:35
in Richtung Gitarre die aufhängende Seite nach vorne drückst und nach vorne kippst.
0:04:35–0:04:38
Dadurch werden alle Seiten schlaffer
0:04:38–0:04:42
und der Sound geht rasend schnell einfach in die Knie. Ist er weg.
0:04:44–0:04:50
Und da ist es so, das ist ein cooler Effekt, aber du kannst den nicht wirklich gezielt einsetzen.
0:04:50–0:04:55
Erstens, was alle Seiten betrifft, also du kannst jetzt keine Melodie daraus so richtig machen.
0:04:55–0:05:01
Und zweitens, weil du auch die Schritte, es ist ein Halbtonschritt,
0:05:01–0:05:04
ein Ganztonschritt oder mehr als ein Ganztonschritt, das kannst du irgendwie
0:05:04–0:05:06
auch nicht gut abstimmen.
0:05:06–0:05:12
Und diese Sounds, die sich alle auch so vielleicht ein bisschen vorstellen können,
0:05:12–0:05:16
wenn sie schon mal gehört haben, was eine Lab-Steel-Gitarre ist,
0:05:16–0:05:23
die kommen aus einer Zeit ganz früher, wo gerade in Amerika in so Country und
0:05:23–0:05:26
Folk wurde dann so eine E-Gitarre auf den Tisch gelegt.
0:05:26–0:05:31
Oder es gab auch spezielle Gitarren, die dann unten so Beine dran hatten,
0:05:31–0:05:33
dass man die wie einen Tisch vor sich hatte.
0:05:33–0:05:38
Dann hatten die, wenn sie rechtshänder waren, in der linken Hand ein Bottleneck
0:05:38–0:05:41
oder ein Messingring oder sowas, mit dem sie über alle Seiten,
0:05:41–0:05:43
die sie da drauf gelegt haben.
0:05:43–0:05:47
Und mit der rechten Hand haben sie dann gezupft oder gespielt mit dem Plektrum.
0:05:47–0:05:51
Und wenn du dann diesen Bottleneck hin und her schiebst, dann machst du...
0:05:54–0:05:58
Also du kannst halt quasi diese Töne so ziehen.
0:05:58–0:06:02
Aber das war dann quasi auch in deinem Musikstil so aufgehangen.
0:06:02–0:06:03
Also es hat dazu gepasst.
0:06:03–0:06:07
So wie dann, als du die erste Stromgetarren-Folge gemacht hast,
0:06:07–0:06:10
hast du ja auch über diese Banjo-Pfanne da gesprochen.
0:06:11–0:06:12
Ja, stimmt. Da kannst du dich dran erinnern.
0:06:12–0:06:13
Klar.
0:06:13–0:06:14
Ich bin richtig gerührt, oder?
0:06:15–0:06:23
Ich vergesse nie, was du sagst mit. und da war das ja so eng verwoben mit der
0:06:23–0:06:26
Musik, mit dem Gefühl es war ja so eine,
0:06:29–0:06:35
stilistisch prägende Soundprofil, was sich da so und das, was du jetzt beschreibst
0:06:35–0:06:39
das muss ja dann auch in dem Stil in der Musikart dann auch so festgelegt sein,
0:06:39–0:06:43
damit man da überhaupt so arrangiert ja.
0:06:44–0:06:47
Also ich kann es halt immer nur nachmachen, aber jeder kennt das glaube ich,
0:06:54–0:06:56
Also diese, ich weiß nicht,
0:06:59–0:07:01
Da war es halt so, dass die Dinger wurden natürlich auch umgebaut.
0:07:01–0:07:05
Ursprünglich war es einfach nur eine Gitarre und man hat dann mit dem Bottleneck so hinher geschoben.
0:07:05–0:07:10
Aber dann kam jemand eben auf die geniale Idee, das Ding steht ja eh schon da, wie beim Klavier.
0:07:10–0:07:12
Ich mache da unten so Pedale dran und wenn ich auf ein Pedal drücke,
0:07:13–0:07:17
dann geht bei der H-Seite zum Beispiel, die geht einfach einen Ganston höher
0:07:17–0:07:21
oder die G-Seite geht einen Halbton runter oder so.
0:07:21–0:07:26
Das heißt, während du dann was angeschlagen hast und hochgezogen hast,
0:07:26–0:07:30
konntest du gleichzeitig noch auf dem Fuß irgendwo drauf treten und es war dann
0:07:30–0:07:32
wie bei einer Flöte vielleicht wie so ein Trillern oder sowas.
0:07:32–0:07:34
Und da kam dann noch ein Effekt mit rein.
0:07:35–0:07:37
Das sind so ganz softe Übergänge.
0:07:40–0:07:45
Wenn du mit so einer Lapse-Deal-Gitarre gespielt hast, dann waren sowieso meistens
0:07:45–0:07:48
alle Töne auch so schon verzogen.
0:07:48–0:07:53
Aber das Verrückte ist, wenn du auf einer E-Gitarre, wo du ja an den Bünden
0:07:53–0:07:57
die Seiten runterdrückst, also immer diese Halbtonsprünge hast und gar nicht
0:07:57–0:08:01
diese freien Schiebungen von einem Ton zum nächsten.
0:08:03–0:08:06
Mit diesen G-Bänder oder B-Bänder, warum die so heißen, sag ich gleich,
0:08:07–0:08:10
hast du halt so kleine Hebel, die du drücken kannst oder es gibt unterschiedliche
0:08:10–0:08:12
Mechaniken, auch das werde ich gleich nochmal besprechen.
0:08:12–0:08:20
Da kommen dann die, kommen dann nur diese Wechsel von einzelnen Seiten oder
0:08:20–0:08:22
werden die so verändert.
0:08:22–0:08:30
In dem, was ich jetzt gemacht habe geht es bei allen geht es bei allen halbton hoch,
0:08:31–0:08:35
Bei dem, was ich gemacht habe. Also Halbton oder Ganzton hoch.
0:08:35–0:08:40
Aber dann entsteht in dem ganz normalen Gitarrenspiel immer wieder mal so ein
0:08:40–0:08:43
Effekt, wo man denkt, naja, den könnte man fast auch herstellen,
0:08:43–0:08:44
indem man eine Saite zieht.
0:08:45–0:08:49
Man kann sich auch einfach eine Saite so hochschieben auf dem Griffbrett und dann geht die auch hoch.
0:08:50–0:08:54
Aber es ist eben doch noch was anderes, wenn du drei Seiten anschlägst und dann
0:08:54–0:08:58
diesen Hebel drückst und eine, nur eine von diesen drei Tönen geht hoch.
0:08:58–0:09:02
Dann hast du auf einmal so einen schwimmenden Effekt, wo es einen Mollton, einen Durton wird.
0:09:03–0:09:08
Das erinnert, also wenn ich das mal so in eine Kameraarbeit übersetzen möchte,
0:09:09–0:09:13
dann erinnert mich das ein bisschen wie so eine Kamerafahrt auf einen Dolly,
0:09:14–0:09:19
wo dann quasi so ein Porträt ist von, das wurde glaube ich oft bei Hitchcock
0:09:19–0:09:23
gemacht, in der Mitte wird jemand gefilmt und der Dolly bewegt sich auf die
0:09:23–0:09:27
Person zu und gleichzeitig wird aber auch der,
0:09:30–0:09:31
wird reingezoomt.
0:09:31–0:09:31
Ja.
0:09:32–0:09:32
Also das heißt...
0:09:32–0:09:34
Also dass der Hintergrund weggeht.
0:09:34–0:09:39
Ja, dass du dann halt diesen Zooming-In-Effekt hast und du hast aber das Gefühl,
0:09:39–0:09:41
die Person bewegt sich nicht.
0:09:41–0:09:41
Ja.
0:09:41–0:09:44
Weil du gleichzeitig diese Dolly-Fahrt nach vorne hast.
0:09:44–0:09:44
Ja.
0:09:45–0:09:46
Weil du zoomst raus und...
0:09:46–0:09:50
Bei der weiße Hai ist es ja auch dieser eine Shot, wo der Hai ist und der guckt
0:09:50–0:09:54
so in die Kamera und hinter ihm gibt es halt diesen Effekt, wo alles so wegfliegt
0:09:54–0:09:56
und er steht so mitten im Bild.
0:09:57–0:10:00
Das heißt, du hast so eine Bewegung, aber gleichzeitig einen Stillstand.
0:10:02–0:10:05
Das ist ein gutes Beispiel, weil genau das passiert auch so.
0:10:05–0:10:10
Oder dass man vielleicht sagen würde, man würde nur eine Farbe aus dem Bild rausnehmen.
0:10:10–0:10:13
Man würde nur das Grün aus dem Wald rausnehmen und gucken, was passiert.
0:10:13–0:10:17
Oder nur das Himmelblau weiß machen oder so. Also alles andere bleibt gleich.
0:10:17–0:10:22
Es ist echt erstaunlich, wie du mit zwei, dreimal von diesen Sachen beim Spielen,
0:10:22–0:10:26
wenn du es einsetzt, was ganz Fremdes, Vertrautes herstellst,
0:10:26–0:10:30
was sich dann wirklich rätseln lässt, wie machen die das?
0:10:32–0:10:36
Und ich bin da irgendwie auch so drauf gekommen, es war irgendwie so ein Zufalls-YouTube-Fund,
0:10:37–0:10:39
wo ich wusste gar nicht, dass es das gibt.
0:10:39–0:10:42
Da hat sich das Universum so ein bisschen vor mir ausgebreitet und viele Sachen
0:10:42–0:10:45
habe ich dann gemerkt, dass es das schon ewig gibt.
0:10:45–0:10:45
Ja.
0:10:45–0:10:49
Dass sich viele Leute damit beschäftigen, aber es war dann trotzdem halt dieses typische Rabbit Hole.
0:10:50–0:10:54
Wenn wir jetzt mal in die Genese dieser Systeme gucken,
0:10:54–0:11:00
dann ist es so, um eine Seite anzuspannen oder zu entspannen,
0:11:01–0:11:07
musst du ja entweder oben links an diesem Stimmenwirbel drehen oder,
0:11:07–0:11:10
und so haben die es bei den LabSteel-Pedal-Gitars gemacht,
0:11:11–0:11:17
Du hast einfach dann ein so eingestelltes Fußpedal, dass wenn ich das runterdrücke,
0:11:18–0:11:22
dann wird die Seite so angezogen, dass sie genau einen ganzen Ton höher ist
0:11:22–0:11:25
und wenn ich loslasse, dann geht sie wieder zurück auf das, wie sie vorher war.
0:11:25–0:11:29
Und so kann ich dann wirklich auch mitten im Spiel durch das Drücken etwas genaues
0:11:29–0:11:32
herstellen, was ich mit diesen klassischen, weil du es vorhin gemeint hast,
0:11:32–0:11:33
Vibrato-Trimmende Sachen so
0:11:33–0:11:36
nicht hinkriege, weil das alle Seiten betrifft und nicht nur eine davon.
0:11:38–0:11:41
Und das heißt, das muss da einfach eine Form von Hebel geben,
0:11:41–0:11:46
die an der Seite ziehen oder die Seite entlasten und das Ganze auch wieder rückgängig machen können.
0:11:48–0:11:57
Und das älteste System dazu war wirklich das hinten an der Aufhängung,
0:11:57–0:12:01
was angebaut wurde, was da dran ziehen konnte an der Seite.
0:12:01–0:12:08
Und dann wurde in der Gitarre ein ganz komplexes, also es gibt zwei Systeme,
0:12:08–0:12:12
ein ganz komplexes Stangensystem so verbaut,
0:12:12–0:12:20
dass du in dieser Urversion konntest du entweder deinen Gitarrengurt an so einem
0:12:20–0:12:24
Hebel dranhängen und wenn du den dann runtergedrückt hast vorne,
0:12:24–0:12:29
also das heißt, du hast durch das Bewegen, nach unten Bewegen des Instruments,
0:12:29–0:12:33
Jetzt hat der Hebel sich dann anhand deines Gurts, der über die Schulter geht,
0:12:33–0:12:37
hochgedreht und damit hast du dann die Tonhöhe verändert.
0:12:38–0:12:41
Das heißt, du musstest dann spielen und dann hast du die Gitarre nach unten gedrückt.
0:12:41–0:12:46
Das war dann entweder so ein Hebel, der wirklich hinten da rauskam,
0:12:46–0:12:50
wo der Hals an den Korpus angeschraubt ist.
0:12:51–0:12:54
Später wurde es dann noch ein bisschen komplizierter und gleichzeitig einfacher.
0:12:54–0:12:57
Einfach in der Handhabung, aber komplizierter in der Technik innen drin.
0:12:58–0:12:59
Du hast ja zwei Punkte, wo der
0:12:59–0:13:04
Gitarrengurt aufgehängt ist. Das eine ist vorne, da wo es zum Hals geht.
0:13:04–0:13:06
Das ist meistens ein bisschen oberhalb vom Hals.
0:13:06–0:13:10
Manchmal aber eben auch, wie vorhin schon gesagt, direkt da,
0:13:10–0:13:15
wo der Hals den Korpus trifft. und das andere ist auf der rechten Seite,
0:13:15–0:13:18
wenn man die Gitarre gegen die Wand lehnt, am untersten Punkt der Gitarre.
0:13:20–0:13:23
Und da hatten wir es dann so gebaut, dass an dem linken Punkt,
0:13:23–0:13:25
also der oben da ist in der Nähe vom Hals,
0:13:25–0:13:28
dass man da nicht mehr diesen Hebel hat, den man runterdrückt,
0:13:29–0:13:34
sondern da ist so ein bisschen reingeschnitten und du drückst die Gitarre runter
0:13:34–0:13:39
und die zieht dann an diesem oberen Hebel rum und dann geht es echt über zwei oder drei Ecken,
0:13:40–0:13:46
wird es dann in der Gitarre bis nach hinten gebracht, sodass dieses Runterdrücken
0:13:46–0:13:49
diese eine Seite dann entspannt oder anspannt. Ich glaube anspannt,
0:13:50–0:13:50
das weiß ich jetzt gerade gar nicht.
0:13:51–0:13:52
Aber du kannst es dann pro Seite?
0:13:53–0:13:55
Nur mit einer Seite, das ist das Absurde daran.
0:13:55–0:13:56
Ach so.
0:13:56–0:13:59
Und das macht meistens aber schon genau den Unterschied aus.
0:13:59–0:14:03
Es ist wirklich so wie das Pfefferminzblättchen bei Monty Python,
0:14:04–0:14:06
Wenn er so viel isst und dann sagt er irgendwann, ich bin voll,
0:14:07–0:14:10
ich kann nichts mehr essen, die nur noch ein Pfefferminzplätzchen und das nimmt
0:14:10–0:14:11
dann den Mund und explodiert.
0:14:12–0:14:15
Was ähnliches ist auch nur diese eine Seite und dieser halbe Ton und nur zweimal
0:14:15–0:14:17
während das Lied brrr und brrr.
0:14:18–0:14:21
Gibt dem Ganzen komplett anderes Flair. Ich kann ja vielleicht noch mal ein
0:14:21–0:14:26
paar Soundbeispiele auch dann zu dieser Folge hochladen oder verlinken aus YouTube.
0:14:27–0:14:33
Aber es ist so ein bisschen, wie du sagst, man hat nur eine Seite und diese Konstruktion, die,
0:14:34–0:14:38
erfordert, dass du deine Gitarre innen, also von hinten komplett auffräst,
0:14:39–0:14:42
sodass da ein Stangensystem von oben links bis hinten Aber wie.
0:14:42–0:14:47
Kriegst du denn den Zug um die Ecke? Das ist dann quasi Ja.
0:14:47–0:14:51
Es ist wirklich alles mechanisch. Es ist kein Bautentuch, es sind so Winkel, also Gelenke drin.
0:14:51–0:14:55
Gelenke, okay. Und das wolltest du nachbauen?
0:14:56–0:15:00
Nein, das ist halt so eine alte Version. Und diese alte Version kostet,
0:15:00–0:15:05
machen heute auch noch welche, weil die Gitarre von vorne halt genau identisch aussieht.
0:15:05–0:15:09
Was ich gemacht habe, da hast du dann vorne eben so Palm-Bänder,
0:15:09–0:15:13
heißen die, also wie so Löffel drauf. Aber wenn du das hast,
0:15:14–0:15:17
kostet das 1.000 Dollar, so im Schnitt, um das einbauen zu lassen,
0:15:18–0:15:19
um diesen halben Ton da zu verändern.
0:15:20–0:15:20
Wahnsinn.
0:15:21–0:15:25
Und das ist ziemlich teuer, aber viele wollten den Sound auch haben.
0:15:26–0:15:32
Und ich bin jetzt dann zufälligerweise drauf gestoßen, erst mal als ich gesehen
0:15:32–0:15:35
habe, dass es was Erschwinglicheres gibt.
0:15:36–0:15:41
Das heißt, was ich zuerst gesehen habe, war von Zertano. Das ist eine Firma, die es hergestellt hat.
0:15:42–0:15:46
Das heißt G-Bänder und B-Bänder. Also G-Bänder und B-Bänder,
0:15:46–0:15:49
das sind die beiden H- und G-Seite auf der Gitarre.
0:15:49–0:15:54
Und die sind nicht unwichtig für diesen Effekt, weil wenn du mit den beiden
0:15:54–0:15:58
Seiten arbeiten kannst, kriegst du ziemlich viel hin von dem,
0:15:58–0:16:01
was diesen Lab-Steel-Feeling-Sound so ausmacht.
0:16:02–0:16:10
Die B-Bänder, die B-Seite ist die H-Seite im Deutschen, die wird einen ganzen
0:16:10–0:16:15
Ton nach oben gestimmt, also zwei Halbtonschritte.
0:16:15–0:16:22
Und die G-Seite, die wird einen halben Ton nach oben gestimmt.
0:16:23–0:16:26
Und ich weiß nicht, ob wir zweistimmig singen können. Ich habe irgendwie Sorge,
0:16:26–0:16:27
dass wir das ausprobieren.
0:16:28–0:16:29
Okay, dann müssen wir das jetzt ausprobieren.
0:16:29–0:16:30
Müsst du es ausprobieren?
0:16:30–0:16:31
Ja.
0:16:31–0:16:32
Ich sage, dass wir es ausprobieren.
0:16:32–0:16:32
Okay.
0:16:33–0:16:34
Müsst du es ausprobieren?
0:16:34–0:16:36
Ja. Kommt drauf an, was das ist.
0:16:36–0:16:37
Dann mach mal ein DUN LA, mach mal ein DUN LA.
0:17:09–0:17:15
Jetzt bin ich so runter auf die kleine Terz gegangen, dann wird aus dem Dur-Ton ein Moll-Ton.
0:17:15–0:17:20
Wenn man also einen Halbton hin und her schieben kann, dann kommst du von Dur auf Moll.
0:17:23–0:17:28
Und bei diesen beiden Seiten ist es so, dass du, also ich könnte jetzt machen,
0:17:28–0:17:29
mach du nochmal deinen Ton.
0:17:33–0:17:39
Weißt du, dein Ton bleibt und ich würde halt das machen, dann würde ich in der
0:17:39–0:17:43
Harmonie, dann klingt es eben so dass man das nicht so leicht mit der Gitarre
0:17:43–0:17:46
hinkriegt, man kann das auch mit einem Finger irgendwie so bänden,
0:17:46–0:17:48
aber es klingt dann eben doch anders.
0:17:49–0:17:55
Da gibt es bestimmt irgendwelche Freaks, die das auch mit Fingern hinbekommen haben bestimmt.
0:17:55–0:18:00
Ja, also ich glaube, dass das viele so Effekte so gemacht werden,
0:18:00–0:18:02
aber da, es ist, es fühlt sich einfach anders an.
0:18:03–0:18:08
Aber was dann, was dann bei der Recherche, was dann eben mir auffiel,
0:18:08–0:18:11
was es halt gibt, ist, du musst dir den Hebel jetzt so vorstellen,
0:18:11–0:18:16
dass du zwei Hebel hast, die von hinten, da wo die Seiten aufgehängt sind,
0:18:16–0:18:17
an der rechten Hand, wenn du Rechtshänder bist,
0:18:18–0:18:22
stehen die so ein bisschen über die Seiten drüber und wenn du die runterdrückst,
0:18:23–0:18:28
dann ist das so, dass die Seite hinten da, wo alle Seiten aufgehängt sind,
0:18:28–0:18:32
ist diese Seite noch mal fünf Zentimeter weiter hinten aufgehängt,
0:18:32–0:18:34
nämlich genau am Ende des Hebels.
0:18:34–0:18:39
Und wenn du den vorne runterdrängst, dann ziehst du den hinten raus und dann geht's hoch.
0:18:40–0:18:44
Und mit zwei Schrauben kannst du dann einstellen, wie bei einer Fahrradbremse auch.
0:18:44–0:18:47
Von wo bis wo, so Gangschaltung, da gibt es ja auch immer. Bei den alten früher,
0:18:48–0:18:51
ich weiß nicht, wie das heute so ist, was man hinten bei der Gangschaltung auch einstellen konnte.
0:18:52–0:18:57
Egal, wie ich meinen Bautenzug jetzt einstelle, Ich darf nie weiter als so und nie weiter als so.
0:18:57–0:18:59
Ja, das ist nochmal ein Rädchen zum Drähen.
0:18:59–0:19:03
Und diese beiden Rädchen gibt es da auch, sodass du den genau einstellen kannst.
0:19:03–0:19:11
Das ist der Hebel, hat zwei Punkte, wo er mit diesen Schräubchen justiert wird.
0:19:11–0:19:15
Und dann, wenn du die Seite aufziehst und dann die Schräubchen justierst,
0:19:15–0:19:19
dann hast du eben genau diesen Effekt, dass du mit Drücken das lösen kannst.
0:19:21–0:19:26
Und da war halt das Verrückte, das hatte ich auch noch nie vorher gesehen,
0:19:26–0:19:31
es gibt so ein ganz klassisches Tremolo-System, das heißt das Big Speed Tremolo.
0:19:31–0:19:34
Das ist wirklich so ein Klassiker, weil den schraubst du einfach auf die Gitarre
0:19:34–0:19:37
drauf, hängst die Saiten rein und kannst auf den Hebel drücken.
0:19:38–0:19:44
Das kostet doch keine 1000 Euro. Nee, kostet in China 16 Euro und,
0:19:45–0:19:47
aber auch deutlich mehr dafür ausgeben.
0:19:48–0:19:50
Und das hast du dir jetzt gebaut.
0:19:52–0:19:58
Genau, bei dem Bixby ist es nämlich so, das ist eigentlich gleichzeitig eine
0:19:58–0:20:02
sehr schöne, aber auch so eine sehr unschöne Lösung, weil diese Ästhetik von
0:20:02–0:20:05
Bixby, die kennt irgendwie jeder, der so Gitarre spielt.
0:20:05–0:20:09
Das ist halt so ein klassisches Vibratorsystem, das hängt da hinten so drauf
0:20:09–0:20:16
wie so ein Stierkopf, das ist so richtig klobig festgeschraubt, hat zwei so,
0:20:18–0:20:22
Stangen so mit drin und diesen fetten Hebelarm dran.
0:20:22–0:20:26
Es gibt ganz viele Trimmonosysteme, die meisten versuchen das zu verstecken,
0:20:26–0:20:28
aber das Ding ist einfach richtig fett.
0:20:29–0:20:36
Und es hat halt zwei, weil es halt erstens leichter wird, wenn du es kleiner
0:20:36–0:20:40
bauen kannst und zweitens ist es dann halt irgendwie nicht so im Weg.
0:20:41–0:20:43
Ästhetisch gesehen, ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll,
0:20:43–0:20:46
so ein bisschen fällt mir gar kein Beispiel ein.
0:20:46–0:20:51
Es ist so, ja, vielleicht, wie wenn Leute Motorrad haben und dann irgendwie
0:20:51–0:20:55
die Schutzbleche abmachen und so große, fette Schutzbleche, wo es aussieht,
0:20:55–0:20:58
als ob sie nur Offroad fahren, so dran schrauben.
0:20:58–0:21:05
So irgendwie ist es gut. Es ist quasi wie das Gitter von der Wärmepumpe bei deinem Eigenhaum.
0:21:06–0:21:09
Ich weiß nicht. Da kann ich nichts zu sagen.
0:21:10–0:21:14
Guck mal, wir haben jetzt gerade einen wunderbaren Blick auf den Fernsehturm.
0:21:15–0:21:16
Hier fangen schon die Grillen an zu zirpen.
0:21:17–0:21:20
Wir sind hier irgendwie so gerade in so einem Hybrid, oder?
0:21:20–0:21:22
Wir laufen aber in der Sackgasse, die aussieht wie eine Fasse.
0:21:22–0:21:24
Ja, wir müssen aber jetzt gleich rechts.
0:21:24–0:21:27
Wir treffen sich heimlich die Container, wenn keiner hinguckt.
0:21:27–0:21:32
Wollen wir mal aufnahmen? Ne, das passt nicht. Ich glaube, wir kommen hier rechts rein.
0:21:32–0:21:33
Meinst du, wir kommen da durch?
0:21:33–0:21:35
Ich guck mal auf die Karte.
0:21:36–0:21:40
So, und warum ist das schön und gleichzeitig unschön? Das Schöne daran finde
0:21:40–0:21:46
ich, dass es halt wirklich so aussieht wie selbst gemacht, was es ja dann auch letztendlich ist.
0:21:46–0:21:50
Es wurde allerdings teilweise auch in Serie hergestellt, ich glaube in den 80er
0:21:50–0:21:53
Jahren auch noch von der Bixby Firma selbst.
0:21:54–0:22:00
Es gab dann auch noch eine andere Version, ich weiß gar nicht,
0:22:00–0:22:03
muss noch nicht direkt drüber sprechen, Aber da ist es dann so,
0:22:03–0:22:08
dass du im Prinzip dieses ganze Vibratorsystem erstmal lahmlegst und diese Bolzen,
0:22:09–0:22:13
es gibt quasi ganz hinten, zum Ende hinter der Gitarre gibt es eins,
0:22:13–0:22:14
wo so festgeschraubt wird.
0:22:14–0:22:17
Das ist so ein Metallriegel mit Löchern zum Festschrauben.
0:22:17–0:22:22
Dann gibt es eine Stange davor, die ein bisschen höher ist.
0:22:22–0:22:26
Da werden jetzt dann diese B- und G-Bänderhebel so draufgefädelt.
0:22:26–0:22:31
Und dann gibt es noch weiter vorne eine zweite Stange, unter der die Seiten
0:22:31–0:22:37
durchgeführt werden, damit die auch tief sitzen, damit die dann eben auf der
0:22:37–0:22:40
Brücke der Gitarre auch nicht schnarren oder so.
0:22:40–0:22:47
Und auf diese zweite Schiene, die da noch ist, da kommen die Schrauben drauf,
0:22:47–0:22:51
die einstellen, wie weit ich den Hebel runterdrücken kann.
0:22:51–0:22:56
Und ganz hinten auf den Teil, der festgeschraubt ist, kommen die Schrauben drauf,
0:22:57–0:23:04
wo ich einstellen kann, wie weit der Zug nachlässt, wenn ich den Hebel wieder loslasse.
0:23:04–0:23:10
Und dann hast du halt so was, was da drauf sitzt, so ein bisschen wie so ein Facehugger aus Alien.
0:23:10–0:23:12
Das ist einfach riesig, mit so riesen langen Armen.
0:23:12–0:23:15
Die sind wirklich, also ich müsste mal messen, zwölf Zentimeter oder so.
0:23:16–0:23:19
Also es ist einfach sehr klobig alles. Aber genau dadurch sieht es halt wirklich
0:23:19–0:23:22
auch so aus, als ob das jemand unbedingt wollte.
0:23:23–0:23:27
Es ist egal, wie es aussieht. Das muss einfach passieren. Und dadurch,
0:23:27–0:23:29
finde ich, hat es eigentlich irgendwie auch eine ganz schöne Ästhetik.
0:23:29–0:23:34
Ist aber finde ich in der Handhabung, im Original ist es auch so,
0:23:34–0:23:38
du kannst die Hebel nicht wegbiegen, das heißt,
0:23:39–0:23:43
immer mit diesen Hebeln auf der Gitarre spielen. Und das ist insofern blöd,
0:23:43–0:23:47
weil man ganz oft bei der E-Gitarre auch mit dem Handballen auf der rechten
0:23:47–0:23:50
Hand die Seiten so ein bisschen dämpft, wenn man was spielt.
0:23:51–0:23:53
Und das kannst du nicht machen, wenn diese Hebel da so reingucken.
0:23:53–0:23:57
Bei anderen Systemen ist es dann so, dass eben nochmal eine Schraube angebracht
0:23:57–0:24:02
ist auf halber Strecke, sodass diesen Teil, der normalerweise über die Seiten
0:24:02–0:24:06
drüber steht, den kannst du dann abklappen und so ein bisschen aus dem Weg räumen.
0:24:08–0:24:10
Du schreibst das ja sehr genau.
0:24:10–0:24:12
Ja, es ist aber auch wichtig.
0:24:12–0:24:13
Das ist wichtig?
0:24:13–0:24:14
Das ist schon wichtig, ja.
0:24:14–0:24:15
Warum?
0:24:16–0:24:24
Weil es einen riesen Unterschied macht, wenn du dich für diese archaische Bixby-Version entscheidest,
0:24:26–0:24:30
dann ist diese Gitarre einfach auch doch sehr festgelegt in dem,
0:24:30–0:24:31
was du mit ihr machen kannst.
0:24:31–0:24:31
Okay, verstehe.
0:24:31–0:24:34
Wenn du die Möglichkeit hast, das Ding so ein bisschen zur Seite zu schieben,
0:24:34–0:24:37
Dann kannst du, keiner würde ja auch so ein normales Vibrato,
0:24:37–0:24:41
was du vorhin erwähnt hast am Anfang, immer einsetzen.
0:24:41–0:24:44
Dass man einfach bei jedem Akkord, boah, boah, boah, boah, boah.
0:24:45–0:24:46
Können Sie mal versuchen.
0:24:46–0:24:48
Ich mache psychedellischen Krautrock.
0:24:49–0:24:49
Das ist mein Stil.
0:24:49–0:24:51
Man kann das immer machen.
0:24:51–0:24:52
Man erkennt mich sofort.
0:24:56–0:25:00
Sondern, dass du halt das ab und zu einsetzt. Und bei dem Ding finde ich es
0:25:00–0:25:04
auch gut, wenn man das so wegmachen kann. Dann bleibt die Gitarre auch noch eine normale Gitarre.
0:25:04–0:25:08
Ganz kurz zu dir. Kennst du die Gegend?
0:25:08–0:25:12
Es ist schon erstaunlich, dass wir hier durch ein ganzes Viertel gelaufen sind,
0:25:12–0:25:15
wo alles so neu und neu gebaut aussieht.
0:25:15–0:25:16
Ist das hier Richtung Moritzplatz?
0:25:16–0:25:18
Ja, wir sind quasi jetzt hier.
0:25:18–0:25:19
Ja, das ist irre, weil ich auch
0:25:19–0:25:25
noch weiß, hier wo diese ganzen Häuser stehen, das war auch mit der...
0:25:26–0:25:31
Mit der Transmediale, vor vielen, vielen Jahren, als Steven Kovac noch künstlerische
0:25:31–0:25:36
Leitungen hatte, da gab es diese ganzen Häuser. Hier war so ein Riesenfeld.
0:25:36–0:25:40
Und da hatten wir so eine, oder die so eine Eröffnungsfeier für die Transmediale
0:25:40–0:25:42
geplant, so ein kurzes Vorfest.
0:25:44–0:25:46
Und da war damals, kannst du dich vielleicht auch noch erinnern,
0:25:48–0:25:50
diese Digitaluhr, wo so Leute hochgeführt sind.
0:25:50–0:25:51
Ja, das war da.
0:25:52–0:25:52
Das war hier.
0:25:52–0:25:54
Ah, das gibt es auch als tatsächlich.
0:25:55–0:25:55
DVD, ne?
0:25:55–0:26:01
DVD und es gibt tatsächlich auch, dass du als Uhr nehmen kannst für dein,
0:26:03–0:26:07
als Widget oder so im Hintergrund laufen eine echte Computeruhr,
0:26:07–0:26:11
aber das stimmt, ich meine, die ganzen Häuser sehen aus, also die orientieren
0:26:11–0:26:13
sich ja schon so ein bisschen an diese Berliner,
0:26:14–0:26:19
Häuser, der also aber gleichzeitig noch eine Variation, so von der Decken,
0:26:19–0:26:23
also an den Berliner Altbauten orientiert sich das ja zumindest von der Trauführung
0:26:23–0:26:26
von der Fassade, aber halt noch viel neuer, ne?
0:26:27–0:26:30
Ja, es ist auch so eine Mischung zwischen edel und affordable, glaube ich.
0:26:31–0:26:36
Ich dachte halt, das wäre da hinter dem Hauptbahnhof gemacht worden, auf dem Feld.
0:26:37–0:26:41
Ne, das war hier, also dieser ganze Bereich, jetzt wo auch der Lidl kommt,
0:26:41–0:26:45
wo wir jetzt laufen, auf eigentlich mit Podcast.de seht ihr unsere Route auch,
0:26:46–0:26:48
die ist embedded im Block.
0:26:49–0:26:52
Und da war das halt so, das Verrückte, da gab es halt eben diese Uhr im Hintergrund,
0:26:52–0:26:54
wurde die dauernd immer umgeschraubt.
0:26:54–0:26:57
Das waren dann wirklich so Menschen, die quasi eine Digitaluhr,
0:26:57–0:27:00
diese Balken, immer so umgebaut haben, sodass die Zeit da lief.
0:27:00–0:27:04
Genau, das heißt für jede Minute haben die die umgeschraubt.
0:27:04–0:27:06
Genau, und die mussten dann eben auch in Schichten das machen,
0:27:06–0:27:08
um da 24 Stunden zu machen. Das war halt so eine Performance.
0:27:09–0:27:09
Glaube ich.
0:27:09–0:27:13
Und direkt nebenan hatte die Transmediale, da mit Steven Kovac,
0:27:13–0:27:19
hat er halt so ein bisschen aufgebaut. Und das war alles so hüfthohe Grasfelder,
0:27:19–0:27:21
wo du so platt treten musstest.
0:27:21–0:27:26
Es war im Nichts, es war absolut verwachsenes Nichts. Und das ist ja nicht so lange her.
0:27:26–0:27:29
Wir reden ja immer wieder mal darum, wie schnell sich eine Skyline von London
0:27:29–0:27:31
oder eben ein Feld in Berlin ändert.
0:27:33–0:27:38
Und zur gleichen Zeit hatte ich im Proberaum, wo ich mit der Band war,
0:27:38–0:27:41
war auch eine andere Band, wo der eine war Architekt.
0:27:41–0:27:45
Und die hatten mal spaßenshalber, ich habe dem davon erzählt,
0:27:45–0:27:51
und der meinte, ja ist ja lustig, wir haben spaßenshalber mal die Berlin-Karte auf so eine Styropor.
0:27:51–0:27:55
Habe ich schon mal erzählt? Nur um den geografischen, nee, um den Schwerpunkt.
0:27:55–0:27:59
Schwerpunkt, ja, also wo kann man die ganze Berlin, und der meinte,
0:27:59–0:28:03
das Verrückte ist, das ist halt genau die Mitte von Berlin, war genau dieses Feld.
0:28:03–0:28:04
Ach echt? Okay.
0:28:04–0:28:10
Und genau in diesem Feld, also in der Mitte der Hauptstadt Deutschlands, war halt nur Gras.
0:28:11–0:28:13
Das ist schon kaum Vorstand.
0:28:13–0:28:16
Gut, aber hier haben wir noch den Mauerstreifen, das müssen wir noch sagen.
0:28:16–0:28:17
Das ist die Sebastianstraße.
0:28:17–0:28:25
Das ist hier direkt, ich mach ein Bild, dann sehen wir auf der Prinzenstraße
0:28:25–0:28:29
den Mauerstreifen mit Kopfsteinpflaster markiert.
0:28:30–0:28:36
Hier ist die Sebastianstraße. Hier auch noch ein Fun-Fact, wenn du runter gehst,
0:28:37–0:28:39
wenn wir weiter runter gegangen wären zum Moritzplatz,
0:28:39–0:28:44
Da ist ja auch dieses, wo unten der Just Music drin war, so dieses große Kaufhaus drin gewesen, ne?
0:28:46–0:28:47
Äh, ja, ja, ja.
0:28:47–0:28:49
Da ist auch jetzt ein Dance und...
0:28:49–0:28:49
Ja, ja, ja.
0:28:50–0:28:53
Und dieses Kaufhaus gab es wirklich als Kaufhaus natürlich.
0:28:54–0:28:59
Und ich weiß nicht genau, wann es eröffnet wurde, aber auf jeden Fall hat der,
0:28:59–0:29:03
die oder die Gruppe von diesem Kaufhaus so gesagt, wir machen dieses Kaufhaus
0:29:03–0:29:06
und wir eröffnen es, aber da muss da auch eine U-Bahn-Station hin.
0:29:06–0:29:10
Der Moritzplatz hat deshalb eine U-Bahn-Station bekommen. Deshalb quietscht
0:29:10–0:29:13
bis heute die Bahn immer so, weil das war so nicht geplant.
0:29:15–0:29:18
Eigentlich sollte die über den Döblinplatz, wo wir jetzt hinlaufen,
0:29:18–0:29:21
Sebastianstraß lang, da vorne ist der Döblinplatz, Kotti, Döblinplatz,
0:29:22–0:29:25
Heinrich-Heinestraße, dann wäre das fast eine gerade Linie gewesen.
0:29:25–0:29:30
Aber es quietscht so am Moritzplatz, weil damals jemand mit Geld in der Tasche
0:29:30–0:29:34
erzwungen hat, dass die U-Bahn nochmal umgelegt wird.
0:29:34–0:29:37
Damit sich das mit dem Kaufhaus da auch nicht... Okay, hätten wir das Quietschen
0:29:37–0:29:42
am Moritzplatz auch? Ich frage mich nur, warum dann halt die U2 die ganze Zeit so quietscht?
0:29:42–0:29:43
Ja, genau.
0:29:43–0:29:46
Wir hatten da den Geldscheinen gezückt.
0:29:47–0:29:49
Zumindest nicht die Leute, die die U2 entwickelt haben.
0:29:51–0:29:53
Gut, jetzt wieder einsteigen.
0:29:53–0:29:57
Wieder einsteigen, zurück, quietschen. Quietschen.
0:29:58–0:30:03
Es gibt eben diese, ich habe ja eine Telecaster damit umgebaut und es gibt für
0:30:03–0:30:08
unterschiedliche Modelle von Gitarren dann auch unterschiedliche Lösungen.
0:30:08–0:30:12
Für die Telecaster ist es so ganz schön, weil eine Telecaster ist so gebaut,
0:30:12–0:30:16
oft im Standard eben, dass direkt da wo die Seiten aufgehängt sind,
0:30:17–0:30:20
ist sowieso schon so Zigarettenschachtel groß, eine Metallplatte,
0:30:20–0:30:22
wo so ein Tonabnehmer drin ist.
0:30:22–0:30:27
Das heißt, dass du ganz gut Halt mit drei oder fünf Schrauben ist das eh schon verschraubt.
0:30:28–0:30:34
Und da gibt es halt für Telecaster die B- und G-Bänder, die eben die H- und G-Seite verändern,
0:30:35–0:30:40
indem die einfach die komplette Brücke austauschen und dann nach hinten raus
0:30:40–0:30:44
nochmal ein bisschen mehr Metall dran ist, wo diese Halterungen für zwei Hebel drin sind.
0:30:44–0:30:48
Der Bixby, was du vorhin gesagt hattest, eben dieser Vibrato,
0:30:48–0:30:51
der geht halt immer für alle sechs Seiten. Der ist halt groß und klobig,
0:30:51–0:30:52
aber das ist ein bisschen eleganter.
0:30:53–0:30:58
Und das ist dann auch so gelöst, dass man da eben die Sachen wirklich seitlich wegfalten kann.
0:30:58–0:31:04
Und ich habe mich jetzt selber aber für ein System von Göldo entschieden,
0:31:04–0:31:08
ich glaube Multibänder heißt das, weil da sind auch zwei Hebel mit dabei,
0:31:08–0:31:12
aber die kannst du theoretisch über die komplette, also da kannst du dich selber
0:31:12–0:31:15
entscheiden, welche Seiten du damit verändern möchtest.
0:31:15–0:31:19
Und das ist eigentlich eine ganz nette Variation, falls man irgendwann mal denkt,
0:31:20–0:31:22
ich möchte mal was mit den tiefen Seiten probieren oder so.
0:31:23–0:31:25
Und dann gibt es auch noch von Düsenberg.
0:31:26–0:31:30
Lustigerweise sind die Hebel für die Systeme sehr, sehr ähnlich,
0:31:30–0:31:32
wenn nicht sogar gleich, soweit ich das sehen konnte.
0:31:33–0:31:37
Und Düsenberg hat auch einen Multibänder. Das ist aber das einzige System,
0:31:37–0:31:46
wo du entscheiden kannst, ob du beim Drücken, ob die Gitarre eine Seite hoch geht oder runter geht.
0:31:46–0:31:50
Bei allen Systemen geht sie eigentlich hoch, weil die Seite zieht den Hebel ran.
0:31:51–0:31:55
Wenn ich den Hebel runter drücke, dann drücke ich nach hinten die Seite raus,
0:31:55–0:31:58
dann geht die Seite höher.
0:31:58–0:32:03
Wenn ich es andersrum machen würde, wenn ich runter drücke und die Seite wird
0:32:03–0:32:07
lascher, dann geht das natürlich auch. dann kann ich mir einfach vorstellen,
0:32:07–0:32:12
dass die Seite nicht hinten unten, sondern ein bisschen oberhalb von diesem Kipppunkt anstelle.
0:32:13–0:32:18
Aber warum sollte die jemals wieder zurückgehen, wenn die einfach nur lascher wird?
0:32:18–0:32:22
Heißt ja nur, ich brauche eine Feder, die den Hebel von sich aus wieder dagegen
0:32:22–0:32:29
drückt, sodass der Hebel wird dann von einer Feder weggedrückt.
0:32:30–0:32:34
Und gegen diesen Federdruck kannst du die Seite entspannen. Und das System habe
0:32:34–0:32:36
ich nur gesehen bei Düsenberg.
0:32:37–0:32:39
Jetzt kommt es quasi zur Produktbeschreibung hinten raus.
0:32:41–0:32:46
Dann gibt es diesen Zertano B-Bänder, G-Bänder.
0:32:46–0:32:49
Und, und das war eben das, was ich mit dem Fischertechnik-Ding,
0:32:49–0:32:53
wenn man es sich erst mal genauer angeguckt hat, dann kann man es im Prinzip
0:32:53–0:32:54
auch leicht selber bauen.
0:32:54–0:32:57
Du brauchst einfach einen Hebel. Im Prinzip langt es auch mit einem geraden
0:32:57–0:32:59
Ding. Das ist so leicht schräg.
0:33:00–0:33:06
Das steht also quasi Richtung, also von den Seiten, da steht es halt über,
0:33:07–0:33:08
steht dann so ein bisschen hoch.
0:33:09–0:33:11
Von unten zieht die Seite durch, wenn du oben drauf drückst,
0:33:11–0:33:12
wird die Seite angespannt.
0:33:12–0:33:15
Du musst dann nur diese beiden Punkte einstellen können, dass es halt nicht
0:33:15–0:33:19
weniger als so viel Spannung hat und nie mehr als so viel Spannung hat,
0:33:19–0:33:21
um halt genau dieses Intervall abzustimmen.
0:33:22–0:33:27
Aber das ist relativ leicht auch dann herzustellen, wenn du erstmal verstanden
0:33:27–0:33:32
hast, muss ich die Seite jetzt 5 cm ziehen oder nur einen halben Millimeter
0:33:32–0:33:34
ziehen? Also was ist es denn, was ich als Spiel habe?
0:33:34–0:33:40
Das ist ja das größte Problem. Was heißt es denn, eine Haarseite einen Ganzton hochzuziehen?
0:33:40–0:33:44
Ist das wirklich jetzt 2 mm mehr oder ist das 1 cm mehr?
0:33:45–0:33:48
Und deshalb muss ich halt erstmal gucken, dass ich es verstehe oder nachmessen
0:33:48–0:33:50
kann bei so einem professionellen System.
0:33:50–0:33:54
Und jetzt ist halt dann der Plan, dass ich eben mit diesem Fischertechnik-ähnlichen
0:33:54–0:34:00
Baukasten, der halt auch so richtig archaisch, 60s, 50s aussieht, das nachbaue.
0:34:00–0:34:05
Weil ich habe einmal die selbst gebaute Telecaster aus meiner Teenager-Zeit.
0:34:06–0:34:13
Da lasse ich das Göldo-System drauf. Und dann habe ich noch eine andere Telecaster-ähnliche Gitarre.
0:34:13–0:34:17
Das ist eine Jolana, also eine tschechische Gitarre.
0:34:17–0:34:21
Und die hatte ich mal gekauft, relativ günstig. Da hatte jemand schon den Lack
0:34:21–0:34:25
und alles abgeschmückt. Dieser so rein Holz und gewachs, das ist eigentlich ganz schön gemacht.
0:34:25–0:34:33
Und da wollte ich dann dieses System draufbauen mit dem selbstgemachten Fischertechnik-Bänder-System.
0:34:34–0:34:34
Ja, ja, cool.
0:34:35–0:34:40
Für die G- und die H-Seite. Und ich glaube, dass es ästhetisch auch ganz gut
0:34:40–0:34:44
passt, weil diese Jolana ist auch eben so von der Form und von allem,
0:34:45–0:34:50
fühlt die sich auch so ein bisschen an wie aus einer Zeit, in der man noch sehr
0:34:50–0:34:51
mechanisch unterwegs war.
0:34:52–0:34:59
Der große Bruder der Gitarre, die ich habe, ich habe Vicon, das Modell mit einem Tonabnehmer.
0:35:00–0:35:05
Iris hieß das Modell mit zwei Tonabnehmern und da war es wirklich so schön,
0:35:05–0:35:10
dass du oben links, wo man auch den Gitarren gut dran hängen kann,
0:35:10–0:35:16
da konntest du dran schrauben und Und dann schraubtest du an diesem Knopf,
0:35:16–0:35:19
wo eigentlich der Gitarrengurte drin hängt, so einen kleinen Schraubenzieher raus.
0:35:19–0:35:22
Den konnten du so rausschrauben und damit konntest du dann eine Gitarre nachjustieren
0:35:22–0:35:23
und dann konntest du dir so wieder reinschrauben.
0:35:24–0:35:30
Und das war so ein ganz liebevolles Detail von Julana, was ich auch immer sehr gemocht habe.
0:35:30–0:35:34
Ich hatte mal eine, ich habe die dann irgendwann verkauft und es ist auch okay,
0:35:35–0:35:37
weil ich muss jetzt noch mehr verkaufen.
0:35:38–0:35:42
Ganz viele. Ich parke mich jetzt langsam auf diesen beiden Gitarren.
0:35:42–0:35:47
Okay, aber zumindest können wir vielleicht,
0:35:48–0:35:51
bald von dir auch entsprechende Sound.
0:35:52–0:35:54
Ja, ich muss dann gucken, ob ich die dann, also auf alle Fälle,
0:35:55–0:35:59
natürlich YouTube Beispiel, aber mal gucken, ob ich selber was auch schon dann mit auf den,
0:36:01–0:36:07
Blogpost unserer Webseite eigentlich-podcast.de hochlade, warum eigentlich das?
0:36:07–0:36:12
Ja, super. Und dann machst du ja bestimmt auch eine Fotodokumentation von dem Umbau.
0:36:13–0:36:18
Das heißt, da kannst du auch ein paar Bilder teilen. Ja, nee, das ist kein Problem.
0:36:18–0:36:18
Die habe ich schon.
0:36:20–0:36:25
Ah ja, okay, super. Ja, Mensch, Mitch, das war doch mal was Handfestes.
0:36:25–0:36:27
Nicht irgendwas mit Dr. Hamburger.
0:36:29–0:36:35
Es gibt doch diesen einen Dings mit Steve Martin, wo er der rosa-rote Panther
0:36:35–0:36:38
und der Inspektor Kloseau.
0:36:38–0:36:41
Ich weiß nicht, Inspektor, wo er so, er spricht eigentlich Französisch,
0:36:41–0:36:46
sondern Englisch. Ich sage, I like to have a hamburger. Kennst du das?
0:36:50–0:36:55
Das ist so, dass man ihn so einen Akzent nicht hört. Das ist so lustig.
0:36:55–0:37:06
I like to have to have to have to have a hamburger. Hamburger.
0:37:10–0:37:13
Gut. Vielen Dank fürs Zuhören.
0:37:13–0:37:21
Und jetzt das Das war Eigentlich Podcast Episode 88 und Mitch hat schon gesagt.
0:37:21–0:37:25
Ihr findet das Material auf der Eigentlichen Podcast.de, da seht ihr auch.
0:37:25–0:37:31
Wo wir langgelaufen sind und dann sagen wir erstmal Tschüss aus den Special
0:37:31–0:37:36
Sommerfolgen Stromgetarren Episoden.

Verwandte Episoden


Mehr

Bauen beim Reden und bauend Reden...

Hier kommt Teil 2 unserer Keyboard-Reihe – und Tobs ist wieder zu Gast. Tobs ist Design Lead bei Google Fonts und hat sein neues Hobby „mechanische Keyboards“ in kurzer Zeit mit mindestens acht Boards kultiviert. Wie in der letzten Folge angekündigt, bauen wir heute Flos Keyboard zusammen. Zwischen den Aufnahmen lag genug Zeit, damit Flo seine Teile auswählen und bestellen konnte: Er entschied sich für das Neo80-Case in Rot und die MK PBS Black‑on‑Black Keycaps im QWERTZ‑Layout. Beim Auspacken sprechen wir über Flos Motivation, das Board in Schwarz und Rot zu gestalten – als Hommage an seine erste geliebte Schreibmaschine, die Olivetti Valentine. Der Zusammenbau läuft in mehreren Phasen: Zuerst werden die Stabilisatoren geschmiert und auf das Board geschraubt. Dann stecken wir – je nach Tastenbreite und Layout – die Switches ins PCB. Anschließend montieren wir die Keycaps und versenken das Board mit Foam und POM im Case. Das Funktionieren und Mappen der Tasten prüfen wir mit einem Open‑Source‑Tool (VIA/usevia.app). In jeder dieser Phasen ging bei uns irgendetwas schief, so ist das eben beim ersten Mal. Während der Montage streifen wir viele Themen rund um Schreibmaschinen und Keyboards: die Geschichte der Mechanisierung, die erfolgreichste elektrische Schreibmaschine IBM Selectric mit dem wechselbaren Kugelkopf sowie den Kampf um das Tastaturlayout – und warum sich QWERTY gegenüber Alternativen wie Dvorak am Ende doch durchgesetzt hat. Der größte Teil unserer Bauzeit floss in die Stabilisatoren. Wir mussten das Keyboard einmal komplett wieder auseinandernehmen, weil die Shift‑Taste nicht sauber lief – tja, „Shift happens“, wie auch der Titel des großartigen Buchs von Marcin Wichary, auf das wir mehrmals Bezug nehmen. Am Ende wurden wir nicht ganz fertig; Flo musste noch Hausaufgaben erledigen, bevor das Board alltagstauglich war. In den Tagen danach hat er das Keyboard zweimal komplett zerlegt und wieder aufgebaut. Der zweite Komplettumbau kam, als er beim HTML‑Schreiben merkte: Die Taste für die spitzen Klammern fehlt – die linke Shift lag im ANSI‑Layout über zwei Kappen und blockierte die ISO‑„<>“-Position. „Das stärkt die Beziehung zum Keyboard“, kommentiert Tobs trocken. Das und wie es weiterging, erzählen wir im Recap eine Woche später, das am Ende der Folge hängt.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
avatar
Tobias Kunisch

Transcript

Florian Clauß
0:00:06–0:00:14
Hallo und herzlich Willkommen bei Eigentlich Podcast, Eigentlich Episode 87
0:00:14–0:00:20
und diesmal wieder nicht im Laufen, sondern im Stehen.
Tobias Kunisch
0:00:20–0:00:21
Wieso denn nicht im Laufen?
Florian Clauß
0:00:21–0:00:28
Ja, das ist der neue Spin-Off-Podcast, der mechanische Podcast, heute wieder mit Toops.
0:00:30–0:00:35
Hallo. Hallo, Tobes. Das letzte Mal haben wir das unseren Hörerinnen einfach
0:00:35–0:00:39
so vorausgesetzt, dass die alle unsere Webfonds-Folge gehört haben.
0:00:40–0:00:43
Und ich habe dich gedacht, ja, ihr kennt doch Tobes von Webfonds.
0:00:43–0:00:46
Und jetzt wollte ich dich nochmal ein bisschen offizieller einführen.
0:00:46–0:00:52
Nämlich, Tobes, du bist Design-Lied bei Google Fonts. Ist das richtig?
Tobias Kunisch
0:00:52–0:00:53
Das ist richtig.
Florian Clauß
0:00:54–0:00:59
Einer vom Fach quasi. Wir wollen heute weitermachen.
0:00:59–0:01:04
Wir hatten angekündigt in unserer letzten Folge, das war ja so spontan entstanden
0:01:04–0:01:07
über Keyboards und dein neues Hobby.
0:01:07–0:01:11
Sind denn mittlerweile noch weitere hinzugekommen?
Tobias Kunisch
0:01:11–0:01:15
Das ist eine gute Frage. Ich glaube, es sind keine neuen dazugekommen,
0:01:15–0:01:18
aber ich habe... Doch, es ist ein neues dazugekommen.
Florian Clauß
0:01:18–0:01:18
Ach.
Tobias Kunisch
0:01:19–0:01:25
Und zwar habe ich, als ich kürzlich in der San Francisco Bay Area war,
0:01:26–0:01:27
einen Abstecher nach San Jose gemacht.
Florian Clauß
0:01:27–0:01:30
So heißt die Stadt. Ja, so, da bin ich auch öfters mal.
Tobias Kunisch
0:01:31–0:01:35
In San Jose gibt es nämlich den Tiny Mechanical Keyboard Store.
Florian Clauß
0:01:35–0:01:36
So heißt der.
Tobias Kunisch
0:01:36–0:01:42
Und da habe ich ein Neo CU 65 gekauft.
Florian Clauß
0:01:42–0:01:44
Ah, ist das schwer.
Tobias Kunisch
0:01:44–0:01:45
Ja, super.
Florian Clauß
0:01:45–0:01:50
Also das ist ein sehr schlankes, also ein kleines Rahmen-Keyboard.
0:01:50–0:01:54
Alles in schwarz, ziemlich klassisch geformt und sehr schwer.
0:01:55–0:02:01
Und hinten hat man so eine Art Steampunk-Kompass als Logo.
0:02:02–0:02:04
Interessant. Ja, cool.
Tobias Kunisch
0:02:04–0:02:08
Ja, und da hatte ich erst andere Switches drin.
0:02:09–0:02:13
Denen war ich aber nicht zufrieden. die waren zu leichtgängig.
0:02:13–0:02:17
Und jetzt habe ich mir hier taktile Switches reingebaut.
0:02:18–0:02:21
Das heißt, ich weiß nicht, ob ihr euch erinnert, an die letzte Folge.
0:02:21–0:02:25
Es gibt lineare Switches und clicky Switches und taktile Switches.
0:02:25–0:02:31
Und die taktilen Switches sind taktil, weil die, wenn man die Taste runter rückt,
0:02:32–0:02:35
kommt nochmal so ein extra Widerstand an einem bestimmten Punkt,
0:02:35–0:02:40
damit man quasi das Gefühl hat, so richtig die Taste gezuckt zu haben.
0:02:41–0:02:47
Und ich habe die Gazoo Booba U4T mir gekauft.
0:02:48–0:02:52
Weil es sollen die thockiesten Switches auf dem Markt sein. Fock!
0:02:53–0:02:55
Ich mache das mal hier an deinen Miksofon.
Florian Clauß
0:02:55–0:03:01
Ja, es ist ein schöner Sound. Haptisch fühlt sich das auch sehr interessant an.
0:03:02–0:03:06
Switches kann man ja leicht austauschen, nicht wahr? Das stimmt.
0:03:07–0:03:11
Also nochmal so zur letzten Folge. Die ist zwar vor, ich glaube,
0:03:11–0:03:13
erst zwei Wochen erschienen oder anderthalb Wochen.
0:03:14–0:03:17
Jetzt vier Wochen. Also vor vier Wochen, unsere letzte Folge.
0:03:17–0:03:22
Aber tatsächlich lag da eine größere Zeiteinheit dazwischen, ungefähr drei Monate.
0:03:22–0:03:26
Ich hatte nämlich die Hausaufgaben, dass ich, ich wollte ja auch so ein bisschen
0:03:26–0:03:32
in das Hobby einsteigen, dass ich mir dann selber ein Keyboard jetzt heute hier zusammenbauen kann.
0:03:32–0:03:36
Und das war auch ein Auswahlprozess, der hat länger gedauert.
0:03:37–0:03:41
Und ich habe mich dann committed auf bestimmte Komponenten.
0:03:41–0:03:45
Einige waren sehr klar. Ja, wir haben ja letztes Mal alle die Keyboards.
Tobias Kunisch
0:03:45–0:03:50
Die ich hier hatte, durchprobiert, damit du ein bisschen Entscheidungshilfe hast.
Florian Clauß
0:03:50–0:03:54
Genau. Relativ schnell habe ich mich für die Stabilizer entschieden.
0:03:56–0:04:00
Die Stabilizer, die, glaube ich, am schönsten verpackt sind.
0:04:00–0:04:03
Flo, willst du den Zuhörern erklären.
Tobias Kunisch
0:04:03–0:04:05
Wozu Stabilisatoren gut sind?
Florian Clauß
0:04:05–0:04:11
Ja, also für diejenigen, die unsere letzte Folge nicht gehört haben, eigentlich Podcast Nr.
0:04:12–0:04:17
85, die möchte ich mal kurz erklären. Und zwar gibt es bestimmte Tasten,
0:04:17–0:04:18
also wir haben die Switches.
0:04:18–0:04:22
Die Switches nehmen ja quasi den Druck der Taste und übersetzen den dann in
0:04:22–0:04:27
einen elektronischen Impuls, der dann über das PCB-Board weitergeleitet wird
0:04:27–0:04:30
in den Computer. Ja, genau das.
0:04:30–0:04:35
Und es gibt einige Tasten, die nicht diese Standardgröße haben,
0:04:35–0:04:40
wie normale Buchstabentasten, die etwas länger sind, nämlich die Space-Taste,
0:04:40–0:04:41
Shift- oder Enter-Taste.
0:04:42–0:04:46
Und damit die nicht hin und her wackeln, gibt es die sogenannten Stabilisatoren.
0:04:47–0:04:52
Stabilizer. Und die müssen sich natürlich auch mit den Switches so gefügig machen.
0:04:52–0:04:55
Das heißt, es muss auch ein gutes Gefühl sein.
0:04:55–0:05:00
Und dafür gibt es eigentlich nur eine Art von Stabilizers, die man sich kaufen
0:05:00–0:05:02
kann, oder? Hast du auch verschiedene ausprobiert?
Tobias Kunisch
0:05:03–0:05:06
Ich habe schon ein paar verschiedene ausprobiert. Es gibt auch verschiedene
0:05:06–0:05:09
Methoden, die auf dem PCB festzumachen.
Florian Clauß
0:05:09–0:05:10
Ja.
Tobias Kunisch
0:05:10–0:05:14
Manche kann man einfach nur so reinklicken. Und was aber besser hält,
0:05:14–0:05:15
ist, wenn man die reinschrauben kann.
0:05:16–0:05:18
Und dann gibt es da auch unterschiedliche Materialien.
0:05:20–0:05:24
und die die ich dir hier empfohlen hatte sind zum reinschrauben,
0:05:25–0:05:27
Und kommen auch in einer sehr schönen Verpackung.
Florian Clauß
0:05:28–0:05:33
Ja, voll. Also die sehen sowas von edel aus, als ob die jetzt direkt irgendwo
0:05:33–0:05:35
in China geschürft wurden.
0:05:38–0:05:43
Okay. Also ich glaube, man zahlt mehr für die Verpackung als für das Material.
Tobias Kunisch
0:05:44–0:05:48
Ja, weil es ist ja auch die Unpacking-Experience.
Florian Clauß
0:05:48–0:05:54
Ja, ja, die haben wir alle hinter uns. Die Unpacking-Experience für meine Switches,
0:05:55–0:05:59
die ist relativ naja, die ist nicht so ich sag mal so,
0:06:00–0:06:05
erlebnisreich wie die für die Stabilizer ich hab mir die Switches das war eigentlich
0:06:05–0:06:09
auch schon mehr oder weniger klar in der letzten Folge, dass ich die Gatoran
0:06:09–0:06:14
Allking Switches mir hole die hatten wir auch dann in dem,
0:06:15–0:06:20
Modell, was wir zuletzt getestet haben, glaube ich, oder vorletzt das war das,
0:06:21–0:06:25
wer sich erinnert an die letzte Folge das ist das Agar 80.
Tobias Kunisch
0:06:26–0:06:32
Also 60, nicht 80. Das hat die Switches hier drüben, die hören sich so an.
Florian Clauß
0:06:33–0:06:33
Ja.
Tobias Kunisch
0:06:35–0:06:38
Zumindest in diesem Keyboard. Ich schätze mal, in deinem Keyboard werden die
0:06:38–0:06:41
sich ein bisschen anders anhören. Die All Kings sind auch die,
0:06:42–0:06:44
Die meistverkauften Switches zurzeit.
Florian Clauß
0:06:44–0:06:50
Ah ja, okay, weil die waren auch recht ausverkauft. Ich habe nur einen 72er
0:06:50–0:06:58
Pieces-Pack bekommen und dann festgestellt, dass ich eine 80er Tastatur habe.
0:06:58–0:07:02
Ich habe nämlich, das war auch klar in der letzten Sendung, Tobes ist ja eher
0:07:02–0:07:09
so, der so minimale Keyboards mag, minimal auch vom Platz, also eher so die 60er und 65er.
0:07:09–0:07:15
Das heißt, diese Maße beschreiben quasi die Tastenkombinationen beziehungsweise
0:07:15–0:07:17
wie viele Tasten auf dem Keyboard Platz finden.
0:07:17–0:07:23
Bei den 60ern ist es so, dass wir keinen extra Block haben, sondern dass die
0:07:23–0:07:29
einzelnen Tasten, die jetzt zum Beispiel, die Cursor-Tasten sind da noch nicht mehr drauf.
0:07:29–0:07:31
Die Cursor-Tasten haben wir beim 65er.
0:07:32–0:07:33
Oder? Gibt es da Töne?
Tobias Kunisch
0:07:33–0:07:39
Genau, also ein 100% Keyboard nennt man so, weil das hat die Nummernblock an
0:07:39–0:07:45
der Seite und dann einen Extrablock für die Pfeiltasten und dann die F-Tasten oben als zwei.
0:07:46–0:07:52
Ein TKL, Tenkeyless oder 80% Keyboard hat den Nummern-Tastenblock nicht,
0:07:52–0:07:58
aber abgezahnt von dem anderen Tastenblock die Pfeiltasten und hier die Home
0:07:58–0:08:01
und Insert und Page Up, Page Down Tasten.
0:08:01–0:08:08
Ein 75% Keyboard hat die Pfeiltasten in dem großen Nummerblock und hat aber
0:08:08–0:08:11
die F-Tasten noch als extra Reihe.
0:08:12–0:08:19
Und dann ein 65% Keyboard hat die F-Tasten-Reihe nicht, hat auch nicht die Page-Up,
0:08:19–0:08:24
Page-Down-Delete-Taste, hat aber die Pfeiltasten noch integriert in den großen Tastenblock.
0:08:24–0:08:29
und 60 Prozent Keyboards hat dann eben nicht mal mehr die Pfeiltasten.
0:08:29–0:08:33
Das heißt, man hat da so eine Funktionstaste, wo man dann die Pfeiltasten anders belegen kann.
0:08:33–0:08:40
Wenn ich da Pfeile drücken will, nach oben drücke ich Function W und nach unten Function S.
0:08:41–0:08:45
Und du hast eben in 80% Keyboard dich entschieden, weil du die Pfeiltasten haben wolltest.
0:08:46–0:08:51
Letzter Kommentar dazu. 80% Keyboard heißt nicht, dass 80 Tasten drin sind.
Florian Clauß
0:08:51–0:08:51
Ah.
Tobias Kunisch
0:08:52–0:08:54
Und 65% Keyboard heißt nicht.
Florian Clauß
0:08:54–0:08:57
Aber wie komme ich denn? Ich habe doch 80 Tasten oder nicht?
0:08:58–0:08:59
Ich dachte, ich hätte...
Tobias Kunisch
0:08:59–0:09:08
Es ist schon ungefähr in der Dimension, aber die Prozent, also das,
0:09:08–0:09:10
was sich auf das Layout bezieht, bezieht sich nicht auf die Anzahl der Tasten.
Florian Clauß
0:09:10–0:09:15
Also es ist quasi jetzt nicht Fix-Tasten, nicht Stückzahl, sondern Prozent.
Tobias Kunisch
0:09:15–0:09:16
Ja, genau.
Florian Clauß
0:09:17–0:09:21
Ja, das war auch relativ schnell klar, dass ich ein breiteres Keyboard will.
0:09:21–0:09:23
Und ich sehe auch, du hast noch eine neuere Sache hier.
0:09:24–0:09:27
Nämlich, das hatten wir auch das letzte Mal besprochen, du hast einen separaten
0:09:27–0:09:31
Nummernblock mit einem Lautstärkeregler dazu.
0:09:31–0:09:34
Das hast du dir auch noch geholt, oder? Das ist auch neu.
Tobias Kunisch
0:09:34–0:09:37
Ja, stimmt, das ist auch neu. das ist ich habe hier ich habe ein
0:09:37–0:09:40
keyboard das alle f 75 was
0:09:40–0:09:43
ich was wir letztes mal auch probiert haben ja das hat ja so
0:09:43–0:09:46
ein lautstärke regler mit integriert und ich fand das so super dass ich das
0:09:46–0:09:50
immer haben wollte auch wenn ich die anderen keywords benutzt und deswegen habe
0:09:50–0:09:54
ich mir hier so ein extra lautstärke regler geholt kann man über usb anschließen
0:09:54–0:09:59
hat auch neun tasten hier als nummerntasten ich habe ja auch die nummerntaste
0:09:59–0:10:03
rein gemacht ich habe die allerdings anders belegt das ist hier einfach, die Eins ist bei mir,
0:10:04–0:10:08
Previous Track, die Zwei ist Next Track, die Zwei ist Pause und Play.
0:10:10–0:10:13
Auf die Fünfe habe ich irgendwas gemacht, was ich vergessen habe und die andere benutze ich gar nicht.
Florian Clauß
0:10:15–0:10:18
Sehr gut. Ja, ich hätte auch die Idee, dass ich mir auch einen zusätzlichen
0:10:18–0:10:22
Nummern block, weil ich das sehr charmant finde, wenn ich dann meine Excel dann durchrechne.
0:10:25–0:10:28
Buchhaltungsmäßig. Aber schauen wir mal. Erstmal wollen wir ja zusammenbauen.
0:10:29–0:10:31
Und jetzt kommen wir zu den Vielen Dank.
0:10:31–0:10:35
Zu den Punkten, die sich doch etwas länger hingezogen haben in der Entscheidung,
0:10:36–0:10:40
das waren nämlich auf der einen Seite die Tasten, auf der anderen Seite der
0:10:40–0:10:42
Case, also die Farbe des Cases.
0:10:42–0:10:47
Die Firma, es war auch so, die Empfehlung hast du mir mitgegeben,
0:10:47–0:10:51
Nio, dass den Case, auch was du gerade das Neue, was du hier präsentiert hast,
0:10:52–0:10:55
Nio ist einfach so ein guter Standard.
0:10:55–0:11:01
Das ist so, dass es von Preis-Leistung ist das, was man so haben möchte für
0:11:01–0:11:03
den Einstieg und auch für alle anderen.
0:11:03–0:11:07
Das ist so, glaube ich, ein ganz guter Kompromiss. Und Neo war so meine Wahl.
0:11:08–0:11:12
80 Prozent von meiner Wahl. Und jetzt war natürlich die Frage, welche Farbe?
0:11:13–0:11:16
Also Topst, ich darf das schon mal aufmachen.
Tobias Kunisch
0:11:17–0:11:22
Das muss auch dazu sagen, dass die Neo-Keyboards, die sind von der Firma, die heißt QWERTY Keys.
0:11:23–0:11:25
und die kommen alle in so einem tollen Fragecase.
Florian Clauß
0:11:26–0:11:27
Völlig übertrieben.
Tobias Kunisch
0:11:28–0:11:32
Aber hier, mit so einem, kann man schön hören, den Weißverschluss, wie er aufgeht.
Florian Clauß
0:11:33–0:11:35
Doppelte Naht. Man weiß ja nie.
Tobias Kunisch
0:11:35–0:11:38
Du hast es bestimmt schon mal ausgepackt.
Florian Clauß
0:11:38–0:11:39
Oder? Ich habe es schon mal ausgepackt.
Tobias Kunisch
0:11:40–0:11:41
Dann nehme ich es jetzt mal raus.
Florian Clauß
0:11:41–0:11:43
Ich habe es natürlich schon mal ausgepackt.
Tobias Kunisch
0:11:44–0:11:45
Hast du es mal gewogen?
Florian Clauß
0:11:45–0:11:49
Ich habe es nicht gewogen. Hast du eine Briefwaage da?
Tobias Kunisch
0:11:49–0:11:55
Ja, also wir haben so eine Küchenwaage. Also du hast dich für das Neo 80 entschieden.
Florian Clauß
0:11:56–0:11:57
Ich habe mir für das Neo 80 entschieden.
Tobias Kunisch
0:11:57–0:12:03
Man kann ja dazu sagen, das habe ich ja eben schon erwähnt, Neo ist eine Produktserie
0:12:03–0:12:05
von einer Firma, die heißt QWERTY Keys. Die sind in China.
0:12:06–0:12:12
Und QWERTY Keys ist eben bekannt dafür, dass die sehr gut produzierte Keyboards
0:12:12–0:12:17
machen für sehr gute Preise. Die Neo-Serie...
0:12:19–0:12:24
wird gerade überall verkauft. Also das ist so das, was im Moment gerade so die
0:12:24–0:12:27
Leute beschäftigt. Und das ist eben das Niveau 80.
0:12:27–0:12:32
Das heißt, du hast die Pfeiltasten und hier noch einen separaten Block für die anderen Sondertasten.
Florian Clauß
0:12:33–0:12:35
Genau. Und ich habe hier die Funktionstasten, kann ich noch mit reintun.
0:12:36–0:12:40
Und alles ist, also ich habe auch natürlich Build to Order.
0:12:40–0:12:44
Die kriegt man ja dann irgendwie, die ganzen Restposten, die man auf der Seite
0:12:44–0:12:45
bekommt, die will man nicht unbedingt.
0:12:45–0:12:49
Man will wirklich sein individuelles Keyboard haben.
0:12:50–0:12:55
Und ich habe Bild-to-Order. Ich habe nämlich das in rot bestellt. Komplett rot.
0:12:55–0:13:02
Also man kann dann wählen, ob der obere Teil des Cases die gleiche Farbe haben soll wie der untere.
0:13:02–0:13:07
Das habe ich getan. Und ich habe das Gewicht, da habe ich auch keine Experimente, einfach nur schwarz.
0:13:08–0:13:12
Da muss man auch nichts zuzahlen. Kupfer kostet dann, glaube ich, 10 Euro mehr.
0:13:12–0:13:15
Das Gewicht ist auch nicht so hoch. Also ich würde mal sagen,
0:13:15–0:13:16
Kupfer ist ein bisschen schwerer.
Tobias Kunisch
0:13:16–0:13:19
Die anderen gewichte die es gibt da man muss
0:13:19–0:13:23
dazu sagen ist das gewicht ist ein zusätzliches
0:13:23–0:13:28
element was normalerweise unten am boden von so einem keyboard case zu sehen
0:13:28–0:13:33
ist damit das gerät dann am schluss schwerer ist damit besser auf dem schreibtisch
0:13:33–0:13:38
mehr man besser tippen kann und was hier sehr schön schwarz kombiniert mit rot
0:13:38–0:13:43
genau schwarz und rot und anlass.
Florian Clauß
0:13:43–0:13:50
Dafür das muss auf die Tastatur, auf die Keys möchte ich jetzt mal und die Keys, das war,
0:13:51–0:13:56
wirklich eine Entdeckung, als ich die gesehen habe auch alles bei Monaco Keys
0:13:56–0:14:02
bestellt das ist ein Store, wo man dann halt sämtliche Komponenten bekommt und diese Keys die sind,
0:14:02–0:14:05
ich wollte natürlich ein deutsches Design haben, haben wir uns auch drüber behalten
0:14:05–0:14:09
weil ich bin Quirt und nicht Quirty,
0:14:10–0:14:14
Du brauchst eine große Enter-Taste Ich brauch eine große Enter-Taste Oh.
Tobias Kunisch
0:14:14–0:14:14
Die sind aber schön.
Florian Clauß
0:14:15–0:14:20
Ja, die Keys, die sind halt irgendwie schwarz auf schwarz, schwarze Schrift
0:14:20–0:14:23
auf schwarzer Grund. Ja, genau, das kann man immer so. Lass uns das mal runter machen.
Tobias Kunisch
0:14:23–0:14:24
Dann kannst du ein bestes Foto.
Florian Clauß
0:14:24–0:14:29
Also man kann trotzdem erkennen, die einzelnen Buchstaben, aber sie sind sehr
0:14:29–0:14:31
dezent, ja, sehr dezent.
0:14:32–0:14:37
Diese Kombination von schwarz und rot hat mich dann überzeugt.
0:14:37–0:14:41
Also ich muss auch gestehen, ich habe tatsächlich ein Bild vorher irgendwo gesehen
0:14:41–0:14:42
und dachte so, das ist es.
0:14:42–0:14:48
an dem ich da schon ein paar Köpfe gemacht habe, dann bin ich relativ schnell
0:14:48–0:14:50
da so auf dieses gekommen,
0:14:51–0:14:54
weil nämlich, und jetzt kommt nochmal der persönliche Connect dazu,
0:14:54–0:14:57
weil nämlich das hat mich an die Schreibmaschine,
0:14:58–0:15:02
die ich von meinem Onkel geerbt habe, beziehungsweise meinen Eltern haben die
0:15:02–0:15:09
bekommen von meinem Onkel, nämlich ein echtes Designstück, was Designgeschichte
0:15:09–0:15:12
geschrieben hat, nämlich von Olivetti, die Valentin.
0:15:12–0:15:17
Valentin Olivetti wurde 1969 in Produktion gegeben, das ist so eine...
0:15:18–0:15:21
Eine Schreibmaschine? Ich habe dir das auch schon vorher erzählt.
0:15:22–0:15:26
Eine Schreibmaschine, die wurde quasi zum Portabel. Das heißt,
0:15:27–0:15:31
die kommt auch in so einem knallroten Case daher. Die ganze Schreibmaschine ist auch knallrot.
0:15:32–0:15:36
Und es wurden noch so ein paar Ausführungen gemacht. Das Farbband hat orangene Kappen.
0:15:36–0:15:40
Und es gibt dann so ein paar Akzente, die dann halt noch später reinproduziert wurden.
0:15:41–0:15:46
Und das wird fast sich in so ein Case rein, ist portable und ist so ein bisschen
0:15:46–0:15:48
die Underdog-Schreibmaschine.
0:15:48–0:15:54
Also die wollten sich so in den ganzen Hippie-Bereich wollten die sich so etablieren,
0:15:55–0:15:59
haben da auch entsprechend sowas aufgebaut, haben dann halt irgendwie Best Man's
0:15:59–0:16:01
Friend ist die Schreibmaschine.
0:16:01–0:16:05
Ja, der Case ist so, dass du den tatsächlich, haben die ja auch so vermarktet,
0:16:05–0:16:07
auf der einen Seite kannst du den als kleinen Hocker nehmen,
0:16:07–0:16:09
dich drauf hocken und schreiben.
0:16:09–0:16:11
Auf der anderen Seite kannst du den als Mülleimer nehmen.
0:16:12–0:16:19
Das heißt, deine missgeschriebenen Blätter kannst du einfach so zack rausreiten und reinwerfen.
0:16:19–0:16:22
Du musst nur vorher dann halt die ganzen Blätter rausholen, wenn du es wieder
0:16:22–0:16:24
reinschiebst in den Case, die Schreibmaschine.
0:16:24–0:16:30
Also die ist, wir verlinken das auf der Seite, die hat auch in einigen Filmen,
0:16:30–0:16:34
ist die auch aufgetaucht, nämlich in Stanley Kubricks,
0:16:34–0:16:40
Clockwerk Orange ist die dann auch mit drin, weil ich weiß gar nicht,
0:16:40–0:16:45
ich glaube das ist in dem Haushalt, wo die Drooks dann eindringen und.
Tobias Kunisch
0:16:46–0:16:52
Die Wohnung ist so ganz artsy und so Skulpturen, die rumstehen, also ganz weiß.
Florian Clauß
0:16:53–0:16:58
Ja, ja, und da steht so eine Valentine rum. Und auch in Künstlerkreisen war
0:16:58–0:17:00
die sehr beliebt und bekannt.
0:17:01–0:17:07
Zuletzt wurde von David Bowie 2016 aus Slobbery, wurde dann halt die Valentine versteigert.
0:17:07–0:17:10
David Bowie ist für irgendwie über 45.000 Pfund.
Tobias Kunisch
0:17:11–0:17:11
Wow.
Florian Clauß
0:17:11–0:17:17
Also da hat er auch seine Songtexte draufgeschrieben. Auch noch eine Anekdote dazu.
0:17:17–0:17:21
Also man muss sagen, der Designer, mir fällt der Name nicht ein,
0:17:21–0:17:25
der Designer wollte halt quasi mit dieser Schreibmaschine sein Lebenswerk machen.
0:17:26–0:17:29
Er wollte halt irgendwie so eine Marken, so ein Designobjekt setzen,
0:17:29–0:17:35
so ein bisschen wie der BIG, also B-E-G-Kuli, der dann auch massenweise verkauft wurde.
0:17:36–0:17:39
Die Maschine wurde gar nicht so oft verkauft, die war zu teuer.
0:17:39–0:17:43
Und dann von der Qualität war sie jetzt auch nicht so überzeugend wie andere.
0:17:43–0:17:48
und erst dieser Design-Kult ist erst so im Nachhinein dann entstanden.
Tobias Kunisch
0:17:48–0:17:52
Wir gucken uns hier gerade Fotos an und hier ist tatsächlich,
0:17:52–0:17:57
also wenn man Olivetti-Valitains googelt, dann ist Clockwork Orange gleich. Ja, stimmt.
0:18:00–0:18:04
Und hier ist auch das Case. Jetzt kann ich verstehen, warum man sich da hätte
0:18:04–0:18:08
draufsetzen können, weil es ist kein so ein Case, dass man so nach oben aufklappt,
0:18:08–0:18:10
wie bei anderen Scheibenmaschinen, sondern man schiebt die so rein.
0:18:10–0:18:13
Das heißt, es sieht wirklich aus wie so ein Mülleimer, den man umsinken kann.
Florian Clauß
0:18:13–0:18:17
Ich musste, und das ist nochmal so die andere Sache dabei, ich habe dann auch
0:18:17–0:18:19
recherchiert, was haben die denn da für einen Font verwendet, ne?
0:18:20–0:18:26
Es ist nicht so klar, es ist nicht so, ich habe auch einige Typewriter-Bibliotheken
0:18:26–0:18:29
und Seiten, Netzseiten, wo dann solche Sachen aufgeführt sind.
0:18:30–0:18:33
Wo der jetzt nicht so richtig klar ist, wo so ein standardisierter Font,
0:18:34–0:18:35
der dann immer da genommen wurde.
0:18:36–0:18:40
Also der sieht halt recht clean aus, aber ziemlich bold.
0:18:42–0:18:46
Und dann ist mir, ich weiß nicht, ob ich die Anekdote schon mal erzählt habe,
0:18:46–0:18:51
aber wo ich überhaupt noch keine, also so als junger Mensch,
0:18:51–0:18:58
wo man noch seine Schülerausweise fälscht, um dann halt billiger ins Kino zu kommen.
0:18:59–0:19:02
Dann habe ich irgendwie, dann dachte ich, ja ich, also um dann halt irgendwie
0:19:02–0:19:06
meinen Schülerausweis, um dann halt aus der einen Zahl eine andere Zahl zu machen.
0:19:06–0:19:09
Dann kann ich das einfach in die Schreibmaschine einspannen.
0:19:09–0:19:12
Und da, wo die eine Zahl steht, tippe ich einfach drüber.
0:19:12–0:19:15
Und dann ist mir aufgefallen, in dem Moment, als ich es gemacht habe,
0:19:16–0:19:20
dass das, was da quasi gedruckt war, nichts mit dem zu tun hat,
0:19:20–0:19:21
was ich da drüber getippt habe.
0:19:22–0:19:24
Dass es völlig unterschiedliche Fonts waren.
0:19:24–0:19:28
Ich dachte bei der Valentine, dass es schon ein sehr spezieller Font war.
0:19:28–0:19:33
Aber vielleicht war es einfach meiner Erinnerung, die das dann halt so ein bisschen übertrieben hat.
0:19:34–0:19:36
Hast du da was gefunden im Internet?
Tobias Kunisch
0:19:36–0:19:41
Naja, es gibt von Marston Vichery. Marston war früher auch bei Google,
0:19:42–0:19:48
er ist jetzt bei Figma und er ist Keyboard-Fanatiker, glaube ich, kann man sagen.
0:19:49–0:19:53
Der veröffentlicht immer sehr gut recherchierte Artikel. Es gibt einen Artikel
0:19:53–0:19:55
von ihm über einen Font, der heißt Gordon,
0:19:56–0:20:02
der eben für Schreibmaschinentasten und für Computer Keyboards ganz oft verwendet
0:20:02–0:20:07
Es sind unterschiedliche Variationen, den Artikel können wir auch verlinken,
0:20:07–0:20:08
weil er hat da so einen ganzen,
0:20:09–0:20:14
so eine ganze Entdeckungstour gemacht durch Manhattan und überall und dann recherchiert
0:20:14–0:20:18
und historisch, wie, wann der zum ersten Mal benutzt worden ist.
0:20:18–0:20:21
Das ist aber der Font, der für die Tasten benutzt worden ist.
Florian Clauß
0:20:21–0:20:23
Eben, ja, das wollte ich nämlich genau fragen.
Tobias Kunisch
0:20:23–0:20:26
Und ich glaube, du hast gerade erzählt von der Schrift.
Florian Clauß
0:20:26–0:20:31
Die wirklich benutzt worden ist. Ja, und ich meine, klar, natürlich, der Tastendruck,
0:20:33–0:20:36
unterscheidet sich, wissen wir ja spätestens beim Computer mit Word,
0:20:36–0:20:41
wo wir dann die Schrift quasi verändern können, durchaus was.
0:20:42–0:20:47
Dass nicht das immer das ist, was man da rausbekommt. Und wir haben ja auch
0:20:47–0:20:49
meistens Monospaced-Font.
0:20:49–0:20:53
Das heißt, also korrigiere mich, wenn ich da falsch liege, aber ich glaube,
0:20:54–0:20:57
die Typewriters haben alle Monospaced.
0:20:57–0:21:00
Das heißt, dass jeder Buchstabe den gleichen Platz bekommt.
Tobias Kunisch
0:21:01–0:21:04
Genau. Naja, bedingt.
0:21:04–0:21:08
Weil so wie eine Schreibmaschine funktioniert, Die meisten Schreibmaschinen,
0:21:08–0:21:12
mit Ausnahme von der IBM Selectric, über die wir gleich noch sprechen,
0:21:13–0:21:19
hatten ja für jeden Buchstaben ein Stück Metall, wo der Buchstabe drauf gemacht
0:21:19–0:21:22
war und der war dann auf dem Arm angebracht und wenn man die Taste gedrückt hat,
0:21:23–0:21:30
ist der Arm quasi nach vorne zum Papier geschwungen mit dem Farbband dazwischen
0:21:30–0:21:34
und hat dadurch dann den Buchstaben aufs Papier gepanscht quasi.
Florian Clauß
0:21:34–0:21:36
Das sind die sogenannten Index-Schreibmaschinen, richtig?
Tobias Kunisch
0:21:37–0:21:38
Glaube ich schon.
Florian Clauß
0:21:38–0:21:43
Also der Index, wo dann halt quasi so ein Arm ist, der dann halt wie ein Druckkopf vorne ist.
Tobias Kunisch
0:21:43–0:21:49
Genau, aber also und das heißt, dieses Viereck aus Metall, wo der Buchstabe
0:21:49–0:21:51
drauf ist, ist in der Regel,
0:21:51–0:21:55
Gleich breit. Deswegen waren die in der Regel Monospace. Es gibt aber schon,
0:21:55–0:21:59
glaube ich, wenn du dich erinnerst, als du deine Olivetti benutzt hast,
0:22:00–0:22:06
ich glaube, das I war tatsächlich auf einem schmaleren Stück Detail als das B zum Beispiel.
Florian Clauß
0:22:07–0:22:13
Okay, und das heißt aber auch, dass dann der Space, also auf der einen Seite
0:22:13–0:22:17
hast du ja diesen Druckpunkt, der eventuell ein bisschen schmaler sein kann,
0:22:17–0:22:19
aber auf der anderen Seite hast du ja den Wagentransport.
Tobias Kunisch
0:22:19–0:22:20
Genau, und ich glaube, der Wagen
0:22:20–0:22:24
ist aber immer genau die gleiche Distanz gefahren für jeden Buchstaben.
0:22:24–0:22:28
Das heißt, im Endeffekt war es dann doch wieder monospaced.
Florian Clauß
0:22:28–0:22:36
Und es gab auch eine Zeichenanzahl von 80 oder 72. Was war das, diese Standardbreite?
Tobias Kunisch
0:22:36–0:22:37
Für eine Zeile.
Florian Clauß
0:22:37–0:22:41
Für eine Zeile. Wie viele Zeichen pro Zeile? Die haben wir tatsächlich,
0:22:41–0:22:47
glaube ich, auch noch in den Editoren drin. Denn wenn du so einen Texteditor
0:22:47–0:22:51
nimmst, dann sieht man, kann man ja immer diesen Word-Wrap machen.
0:22:51–0:22:57
Und das ist, glaube ich, orientiert noch an der Länge der Zeichenanzahl pro
0:22:57–0:22:59
Zeile von Schreibmaschinen abgeleitet.
Tobias Kunisch
0:23:00–0:23:04
Ja, das ist ja auch wieder so ein Moment, wo man sieht, wie die alte Technologie
0:23:04–0:23:07
sich immer noch auf die neue Technologie auswirkt.
0:23:07–0:23:11
Weil es ist ja auch, wenn man ein Office-Dokument oder ein Google Doc aufmacht,
0:23:11–0:23:16
dann hat man ja wirklich ein virtuelles Stück Papier, was so und so breit ist und dann hat man ihn ran.
0:23:17–0:23:19
Bei Google Docs, ich weiß nicht, wie es bei Office ist, bei Google Docs kann
0:23:19–0:23:23
man mittlerweile auf Pageless umstellen und dann hat man dann tatsächlich einfach
0:23:23–0:23:24
einen weißen Hintergrund.
0:23:25–0:23:29
Aber man hat immer noch die Zeilenbreite, die, glaube ich, angelehnt ist an
0:23:29–0:23:31
das, was in den Schreibmaschinen war.
0:23:31–0:23:36
und es ist ja auch angelegt an, angelehnt an, was leserlich ist für einen Menschen
0:23:36–0:23:40
zu lesen, weil eine zu kurze Zeile ist nicht angenehm zu lesen,
0:23:40–0:23:43
weil dann muss das Auge zu oft in die nächste Zeile springen.
0:23:43–0:23:47
Eine zu lange Zeile macht es schwer, dann den Anschluss wiederzufinden und die
0:23:47–0:23:49
richtige nächste Zeile zu finden.
0:23:49–0:23:53
Und deswegen ist eine gewisse Zeilenlänge nach Robert Brighurst, der,
0:23:54–0:23:58
das einschlägige Nachschlagewerk zu Typografie geschrieben hat,
0:23:59–0:24:02
gibt es eine bestimmte Zeilenlänge, die besonders gut sind.
Florian Clauß
0:24:02–0:24:06
Sehr gut, sehr gut. Ja, also wir kommen glaube ich auch jetzt im Zusammenbau,
0:24:06–0:24:09
weil wir haben uns so ein bisschen in so verschiedene Themen dann auch nochmal
0:24:09–0:24:13
jetzt für diese Folge ich will nicht sagen reingearbeitet, aber gestriffen.
0:24:14–0:24:19
Anders war zum Beispiel auch der Kommentar auf der Netzseite von unserer letzten Folge.
0:24:19–0:24:22
Kommen wir gleich zu, aber ich würde jetzt sagen, wir packen weiter aus,
0:24:22–0:24:25
um nochmal so durch die einzelnen Schichten des Keyboards zu gehen,
0:24:26–0:24:28
weil das musste ich mir ja hier auch customisen.
0:24:29–0:24:36
Also man sieht hier, also ich sehe, die Hörerin nicht ganz, aber es gibt quasi
0:24:36–0:24:40
hier nochmal so, ich will mal sagen, die Base, oder wie heißt dieses Ding,
0:24:40–0:24:44
was hier unten ausgestanzt ist? Das ist nicht die POM, sondern...
Tobias Kunisch
0:24:44–0:24:46
Nee, das ist eigentlich nur das Film, das ja.
Florian Clauß
0:24:47–0:24:52
Das Film, das ist der FOM, genau, der FOM. Also man konnte hier auch verschiedene Materialien wählen.
0:24:52–0:24:56
Es ging über Aluminium, glaube ich, gerade zur Auswahl.
Tobias Kunisch
0:24:57–0:24:58
Naja, also lass uns unterscheiden.
Florian Clauß
0:24:59–0:25:02
Ach nee, das ist das da hier. Das ist POM, das ist genau.
Tobias Kunisch
0:25:04–0:25:05
Vielleicht erklären wir kurz mal.
Florian Clauß
0:25:06–0:25:08
Sorry, okay, ich bringe alles durcheinander.
Tobias Kunisch
0:25:09–0:25:15
Alles aus Plastik. Nee, also das Keyboard, was wir hier haben.
0:25:16–0:25:20
Flo hat sich ja das Keyboard bestellt in Einzelteilen.
0:25:20–0:25:23
Das heißt, das ist das, was wir heute machen. Wir bauen die Teile zusammen,
0:25:23–0:25:27
damit du dann ein Keyboard hast, was besonders schön zu schreiben ist und sich besonders anhört.
0:25:28–0:25:33
In der Kiste drin hier jetzt in der Box ist das Case aus Aluminium in Rot mit
0:25:33–0:25:35
dem Gewicht drin. Das ist schwarz, das ist wie Flo eben beschrieben hat.
0:25:36–0:25:40
In der Packung hier drin, in dem Cellophane eingepackt, was wir gleich abmachen,
0:25:40–0:25:42
ist der Dämmstoff, der Foam.
0:25:43–0:25:49
Der hat hier so die Tasten ausgestanzt, weil er kommt dann zwischen die anderen Lagen.
0:25:50–0:25:53
Es gibt auch noch das Plate. Ich weiß gar nicht, wie man das auf Deutsch bezeichnet.
Florian Clauß
0:25:53–0:25:54
Das ist aus POM.
Tobias Kunisch
0:25:55–0:26:00
Es gibt so unterschiedliche Plastikarten. Könnte man sich auch mal kundiger machen.
0:26:00–0:26:04
Das ist aus POM. Das hört sich besonders schön an.
0:26:04–0:26:08
Es gibt die Materialien für die Komponenten machen.
0:26:08–0:26:13
Die sind ausschlaggebend für den Ton der Tasten am Schluss.
Florian Clauß
0:26:13–0:26:17
Ja, genau. Da hast du mir das jetzt auch so empfohlen, was ich da bestellen soll.
0:26:17–0:26:21
Es gab Aluminium, aber dann klingt das so ein bisschen tickiger.
Tobias Kunisch
0:26:21–0:26:21
Genau.
Florian Clauß
0:26:22–0:26:25
Und das hier ist ein bisschen flockiger, tockiger.
Tobias Kunisch
0:26:25–0:26:30
Genau. Und wir wollen der Dämmstoff, der Foam, ist eben auch dafür da,
0:26:30–0:26:34
dass der Anschlag von der Taste immer ein bisschen abgedämpft wird und sich
0:26:34–0:26:37
das dann alles ein bisschen tiefer anhört. So, also wir haben das Plate.
0:26:37–0:26:40
Das kommt nachher auf das PCB drauf.
0:26:41–0:26:48
Das PCB hat die ganzen Verkabelungen drin und das dort abort also quasi wo das
0:26:48–0:26:52
processing funktioniert wir haben hier noch mehr,
0:26:53–0:26:58
Ja, hier ist das PCB. Das gucken wir mal an. Hier hinten, das ist die Rückseite.
0:26:59–0:27:04
Das ist die Vorderseite. Das sehen wir gleich noch. Da kommen dann die Switches
0:27:04–0:27:06
rein. Hier ist noch mehr Foam dabei.
0:27:08–0:27:12
Auf jeden Fall auf das PCB kommt dann das Plate. Da kommen die Switches drauf.
0:27:12–0:27:15
Und dann kommen auf die Keycaps die Switches. Wir haben hier auch noch,
0:27:15–0:27:17
hier waren Stabilisatoren dabei.
Florian Clauß
0:27:17–0:27:18
Ah, toll.
Tobias Kunisch
0:27:18–0:27:24
Nee, das ist schon richtig so, weil das sind hier nur so Click-In-Stabilisatoren.
Florian Clauß
0:27:24–0:27:25
Also nicht so eine schöne.
Tobias Kunisch
0:27:25–0:27:27
Genau. Die hören sich dann nicht so gut an.
Florian Clauß
0:27:27–0:27:29
Und ein USB-Stick habe ich hier noch, oder?
Tobias Kunisch
0:27:30–0:27:34
Nee, das ist für, das kannst du in einen USB-Port reinstecken.
0:27:35–0:27:40
Das hat dann eine beste, wenn du dein Keyboard ohne Kabel benutzen willst,
0:27:40–0:27:45
dann hat es eine schnellere Frequenz als über das normale Bluetooth.
0:27:47–0:27:51
Aber du hast dir ja auch so ein wunderschönes Kabel gekauft, was gecoilt ist.
Florian Clauß
0:27:52–0:27:58
Und einen 5-poligen Pin hat, der aussieht wie XLR in klein.
0:27:59–0:28:03
Also ich weiß es nicht, ich habe dich ja nochmal gefragt, ob ich das brauche.
0:28:03–0:28:05
Und jetzt willst du dir auch eins kaufen.
Tobias Kunisch
0:28:07–0:28:12
Naja, ich finde auch, dass es sehr schön aussieht, aber wenn man wirklich ein
0:28:12–0:28:15
bisschen nachliest, dann ist es hauptsächlich aus ästhetischen Gründen.
0:28:16–0:28:20
Also es heißt dann immer, dann kann man schneller die Keyboards austauschen,
0:28:20–0:28:25
aber ich verstehe nicht, was da dann schneller ist, als den USB-Stecker hinten
0:28:25–0:28:27
aus dem Keyboard zu ziehen.
Florian Clauß
0:28:27–0:28:30
Vor allem sollte man dann ja dieses dieses
0:28:30–0:28:33
kleine stück zwischen dem fünfpoligen stecke und dem
0:28:33–0:28:36
usb port für jedes keyboard einzeln wenn
0:28:36–0:28:41
jemand weiß nicht wie es aussieht in den haushalten von solchen vielleicht eine
0:28:41–0:28:48
batterie mit wechseltisch für die einzelnen keyboards so aber lass uns doch
0:28:48–0:28:53
mal gucken was ja noch alles in der box ist hier sind nämlich die die füße das sind so Rubberfüße.
Tobias Kunisch
0:28:54–0:28:56
Die machen wir dann unten hin, die sind auch noch für Dämpfung.
Florian Clauß
0:28:56–0:29:01
Und ich habe hier noch, das ist auf jeden Fall auch irgendwas Gummiertes.
Tobias Kunisch
0:29:01–0:29:03
Ja, das sind die Gaskets. Also die...
Florian Clauß
0:29:03–0:29:03
Die Gaskets?
Tobias Kunisch
0:29:04–0:29:09
Ja, das ist glaube ich ein Gasket-Mount hier. Also das ist, wir haben diesen
0:29:09–0:29:15
Alusamen quasi und da kommt ja dann das PCB mit dem Plate und den Switches und dem allen dann rein.
0:29:15–0:29:21
Es gibt unterschiedliche Arten, wie das dann in diesem Case sitzt.
0:29:21–0:29:24
Das heißt, Gaskets sind eine so gummi füße
0:29:24–0:29:27
jemand dann quasi hier rein macht wo dann
0:29:27–0:29:33
das pcb auflegt okay du hast ja auch noch hier so gummiringe dabei das ist ein
0:29:33–0:29:37
ring mount das heißt man macht ihn das ist du kannst dich entscheiden welche
0:29:37–0:29:41
welche welchen mounting style machst der ring bauen kommt hier ist quasi in
0:29:41–0:29:47
gummiring der um das pcb rum kommt damit sich das dann damit ist dann auf dem gummiring aufliegt.
Florian Clauß
0:29:47–0:29:48
Was hast du?
Tobias Kunisch
0:29:49–0:29:52
Ich habe noch nie einen Ring Mount gemacht. Ich mache normalerweise immer Gasket
0:29:52–0:29:55
Mount, also diese Gummifüße.
Florian Clauß
0:29:55–0:30:00
Ja, das können wir mal ausprobieren. Wenn wir engagiert sind,
0:30:00–0:30:03
hast du gerade vorgeschlagen, dass man das beides mal macht.
0:30:04–0:30:05
Aber ich würde dir jetzt vorschlagen, dass wir...
0:30:06–0:30:08
Wie fängt man bei sowas an?
Tobias Kunisch
0:30:09–0:30:10
Naja, man macht erstmal das Zellophan.
Florian Clauß
0:30:11–0:30:18
Ja, dafür brauchen wir irgendwas, was nicht in die Alu, also ein Cutter oder ein Messer. Oh, okay.
0:30:19–0:30:23
Ich habe jetzt Tobes alten Brieföffner, oder?
Tobias Kunisch
0:30:23–0:30:27
Ja, das ist ein altes Erbstück.
Florian Clauß
0:30:28–0:30:31
Naja, das ist die Mordwaffe bei Cloedo.
Tobias Kunisch
0:30:33–0:30:39
Das war der Keyboard-Sammler im Office mit dem Brieföffner.
Florian Clauß
0:30:41–0:30:45
Okay. Hast du hier ein Case, wo ich das reinwerfen kann?
Tobias Kunisch
0:30:46–0:30:48
Ja, lass mich mal in die Olivetti rausfüllen.
Florian Clauß
0:30:50–0:30:50
Okay.
Tobias Kunisch
0:30:51–0:30:55
So, ich mach mal kurz die Switches hier vom Tisch, damit wir hier Platz haben.
0:30:56–0:31:00
Was ich in der Säge mache, weil ich mach das ja auch noch nicht so lang,
0:31:01–0:31:02
Wenn man sich so ein Keyboard...
Florian Clauß
0:31:02–0:31:06
Das versteht die Hände vorher, oder? Ja, wie beim Kochen.
0:31:06–0:31:11
Ich muss halt gestehen, ich hatte heute früh einen Fahrradunfall und musste
0:31:11–0:31:14
meine Kette aus dem Kurbelblatt rausziehen.
0:31:14–0:31:17
Jetzt sehe ich aus, als ob ich jetzt wie früher halt eigentlich immer...
0:31:17–0:31:19
Ich habe immer schmutzige Fingernecke.
Tobias Kunisch
0:31:20–0:31:24
Das ist der Unterschied zwischen einem Podcast, den man nur hören kann und einem
0:31:24–0:31:25
ja auf YouTube dann zur Verfügung stehen.
Florian Clauß
0:31:26–0:31:30
Genau, also wir können gerne Close-Ups machen, wie ich die Switches reintue.
0:31:30–0:31:31
Okay, aha, eine Zwiebel.
Tobias Kunisch
0:31:33–0:31:35
Ja, ich weiß nicht, warum hier jetzt eine Zwiebel ist als Icon,
0:31:35–0:31:38
aber was ich hier gerade am Computer gemacht habe, ich bin auf die Quarty Keys
0:31:38–0:31:42
Website gegangen, wo Flo das bestellt hat und die haben eine Notion Site,
0:31:42–0:31:44
Notion ist wie so ein Wiki,
0:31:45–0:31:48
und da gibt es dann auch immer einen Build Guide, nennt sich das.
0:31:48–0:31:52
Da kann man sich dann nochmal anschauen, wie das alles funktioniert und nachlesen.
0:31:52–0:31:53
Das ist quasi die Anleitung.
Florian Clauß
0:31:53–0:31:54
Aha, okay.
Tobias Kunisch
0:31:54–0:31:56
So, als erstes.
Florian Clauß
0:31:56–0:31:58
Das sind unscharfe Bilder mit Du und Don.
0:32:00–0:32:07
wo die Garantie verlischt. Und deswegen, okay. Ah, okay. PCB-Kit.
Tobias Kunisch
0:32:08–0:32:14
Ja, also hier ist quasi erstmal checken, ob alles in der Packung ist.
0:32:15–0:32:16
Normalerweise sollen wir auch
0:32:16–0:32:23
als erstes gleich sein PCB anstecken und gucken, ob alles funktioniert.
0:32:24–0:32:26
Damit man es zurückschicken kann, wenn es nicht funktioniert.
Florian Clauß
0:32:27–0:32:29
Dann kommt das vor. Bei dir noch nicht?
Tobias Kunisch
0:32:29–0:32:30
Nee, bei mir noch nicht.
Florian Clauß
0:32:30–0:32:32
Also das brauchen wir jetzt nicht machen, oder?
Tobias Kunisch
0:32:33–0:32:38
Nee, wir leben einfach mit dem Risiko. Das macht es auch spannender jetzt.
Florian Clauß
0:32:39–0:32:42
Genau, dann wird noch mal eine neue Folge draus.
Tobias Kunisch
0:32:44–0:32:49
Okay. Also Flo packt jetzt gerade das PCB aus.
Florian Clauß
0:32:49–0:32:55
Ja. Wenn ich darf, ist das in der Reihenfolge. Ich glaube, das ist okay.
Tobias Kunisch
0:32:56–0:33:00
Hier ist nochmal ein bisschen Foam dabei. Ich würde sagen, wir schmeißen allen Foam rein.
0:33:00–0:33:04
Ich kann auch nochmal hier demonstrieren. Ich habe hier das Aula-Keyboard,
0:33:04–0:33:06
was ich vorhin erwähnt habe.
0:33:06–0:33:09
Das hat besonders viel Foam und Dämmung. Das hört sich dann so an.
Florian Clauß
0:33:10–0:33:16
Ja, das hört man. Das klingt wie so Regentropfen im Tropenwald.
Tobias Kunisch
0:33:17–0:33:17
Ja.
Florian Clauß
0:33:18–0:33:26
Ich wollte ein besonderster Bild aufbauen. Okay, so, also das heißt all you can foam.
Tobias Kunisch
0:33:27–0:33:28
All you can foam, ja, würde ich vorschlagen.
Florian Clauß
0:33:29–0:33:32
Okay, ich finde das sieht ein bisschen ungenau aus, aber da muss man aufpassen,
0:33:32–0:33:33
dass es nicht reißt, oder?
Tobias Kunisch
0:33:34–0:33:35
Ach, das ist okay.
Florian Clauß
0:33:35–0:33:39
Das ist egal, ja. Alright, also das heißt...
Tobias Kunisch
0:33:39–0:33:44
Also wir sehen hier auch wenn man wenn wir ein foto machen und es dann auch
0:33:44–0:33:49
scheren man kann hier sehen schon mal hier ist so ein kontakt ja da legt man
0:33:49–0:33:56
dann nachher nur schon mal und auf dem pcb sind diese prongs wie bei so einem,
0:33:59–0:34:01
magnetischer genommen switch.
Florian Clauß
0:34:01–0:34:07
Aber wir sollten das jetzt erst mal quasi also wir müssen da schon aufmachen die obere und.
Tobias Kunisch
0:34:07–0:34:13
Ja ich schaue gerade ob hier schrauben sind ich habe irgendwo innen schrauben gesehen ja hier.
Florian Clauß
0:34:13–0:34:15
Sind welche da.
Tobias Kunisch
0:34:15–0:34:17
Aber kommt.
Florian Clauß
0:34:17–0:34:18
Man da ran das.
Tobias Kunisch
0:34:18–0:34:24
Sieht aus wie so ein imbus ja wir gucken mal hier in den bild guide rein guck.
Florian Clauß
0:34:24–0:34:25
Mal hier ist auch noch eine.
Tobias Kunisch
0:34:25–0:34:29
Ja ich meine da sind ja auch da ist ja auch noch eine batterie sondern also
0:34:29–0:34:34
was hier unter diesem kontakt ist da ist es das daughterboard unten und die
0:34:34–0:34:37
und die akkus quasi Daughterboard.
Florian Clauß
0:34:37–0:34:38
Nicht Motherboard.
Tobias Kunisch
0:34:38–0:34:42
Nee, das Motherboard ist ja im Computer. So.
0:34:43–0:34:48
Die sagen, erst mal die Füße dran machen. Das können wir natürlich machen.
Florian Clauß
0:34:48–0:34:50
Ja, lassen Sie es machen.
0:34:52–0:34:56
Füße ist immer gut. So, dann mache ich mal die Füße dran.
Tobias Kunisch
0:34:57–0:35:01
Das sind hier so schwarze Gumminipsis mit einer,
0:35:03–0:35:06
Mit so einer Schutzfolie-Sorfe, wenn man die runterzieht, dann kleben die.
Florian Clauß
0:35:07–0:35:09
Ich kann wählen zwischen schwarz und hell.
Tobias Kunisch
0:35:09–0:35:12
Ja, aber natürlich schwarz oder mit dem schwarzen Gewicht.
Florian Clauß
0:35:13–0:35:20
Ja, natürlich schwarz. Ich bin doch nicht jemand, der so offensichtlich das Design bricht.
0:35:21–0:35:25
Okay, mit meinen schwarzen Fingernägeln muss ich das jetzt abpullen.
0:35:26–0:35:33
Und hier, ich glaube auch, welcher Konzern der Markt macht, hat für so beidseitiges Klebeband. 3M.
Tobias Kunisch
0:35:33–0:35:37
Wir werden jetzt als erstes deine Stabilisatoren schmieren.
0:35:38–0:35:42
Wir haben da so ein bisschen Schmiermittel drauf, damit die sich gut anhören.
Florian Clauß
0:35:43–0:35:44
Obwohl die schon geölt kommen, ne?
Tobias Kunisch
0:35:45–0:35:48
Ne, deine Switches kommen geölt, aber deine Stabilisatoren kommen nicht geölt.
0:35:48–0:35:52
Das kannst du gleich sehen, weil das sind ja nur... Das wäre schwer,
0:35:52–0:35:54
das in der Fabrik zu machen. Gut, dass du Öl hast.
0:35:55–0:35:59
Wenn die Stabilisatoren geschmiert sind, dann machen wir die gleich aufs PCB drauf.
0:36:00–0:36:03
Dann machen wir die Switches drauf. Dann machen wir die Tasten drauf,
0:36:03–0:36:09
dann entscheiden wir uns, ob wir den Gasket, O-Ring oder Sandwich-Mount machen,
0:36:09–0:36:10
den kann man hier auch machen.
0:36:11–0:36:14
Dann schraubt man das hier so drauf, das würde ich aber nicht machen.
Florian Clauß
0:36:15–0:36:19
Zeig mal bitte, dann hat man nochmal so zusätzliche Metall-Nuzis,
0:36:19–0:36:23
die man reinschraubt und dann... Genau, das sind diese Metall-Schrauben hier.
Tobias Kunisch
0:36:23–0:36:30
Damit schraubt man dann unten ins Case rein und dann setzt man dann das PCB so drauf.
Florian Clauß
0:36:30–0:36:32
Und du willst es, das würdest du nicht machen, weil?
Tobias Kunisch
0:36:33–0:36:34
Ich glaube...
0:36:37–0:36:44
Ich glaube, dass es nicht so... Also du willst ja quasi, dass das PCV so ein bisschen Bounce hat.
Florian Clauß
0:36:44–0:36:44
Ja.
Tobias Kunisch
0:36:45–0:36:47
Ich glaube, das ist dann wahrscheinlich so ein bisschen steifer.
Florian Clauß
0:36:47–0:36:50
Das ist dann zu viel Abstand zum Foam.
Tobias Kunisch
0:36:50–0:36:55
Ja, und es ist halt auch... Also auf den Gaskets, an dem O-Ring,
0:36:55–0:36:59
da liegt es dann quasi so auf Gummi auf. Das heißt, es ist ein bisschen Bounce.
Florian Clauß
0:36:59–0:37:01
Nee, das will ich auf jeden Fall. Ich will bouncy.
Tobias Kunisch
0:37:01–0:37:02
Ja, okay.
Florian Clauß
0:37:03–0:37:07
Bounce ist auch eine Musikrichtung. ich habe die ich habe jetzt diese die füße
0:37:07–0:37:10
dran die füße dran geklebt genau wenn
0:37:10–0:37:14
wir die füße dran geklebt wir müssen herausfinden wie wir das alles rein.
Tobias Kunisch
0:37:14–0:37:16
Versenken wir müssen wahrscheinlich die schrauben aufmachen.
Florian Clauß
0:37:16–0:37:24
Ja mal die schrauben hier waren in der waren bei den sie sind gleiche länge das heißt.
Tobias Kunisch
0:37:24–0:37:30
Ich weiß doch mal mit hier rein damit wir die nicht verlieren.
Florian Clauß
0:37:30–0:37:34
Falls man hier mal mit dem Staubsauger durchgeht.
Tobias Kunisch
0:37:35–0:37:36
Passiert dir ja nicht.
Florian Clauß
0:37:38–0:37:44
Du hast gerade über mein Computer-Keyboard ganz schön geschimpft.
Tobias Kunisch
0:37:44–0:37:48
Ja, da kannst du froh sein, dass deine Hörer nicht deine Finger sehen und nicht
0:37:48–0:37:50
dein MacBook-Keyboard.
0:37:51–0:37:54
Ich mache da gleich mal ein Foto, damit hier die Wahrheit ans Licht kommt.
Florian Clauß
0:37:54–0:37:57
Sie hätten erst mal mein Auto sehen müssen, als ich noch eins hatte.
0:37:59–0:38:06
es gibt Gebrauchsgegenstände und Gebrauchsgegenstände schau mal hier das ist
0:38:06–0:38:07
nämlich hier ach schau mal.
Tobias Kunisch
0:38:07–0:38:11
Das ist hier magnetisch das ist ja super, dann kannst du dich leicht schrauben,
0:38:11–0:38:15
wieder rein schrauben deswegen war das ja auch nicht in der Anleitung.
Florian Clauß
0:38:15–0:38:17
Weil es so offensichtlich ist.
Tobias Kunisch
0:38:17–0:38:17
Das wäre jetzt.
Florian Clauß
0:38:17–0:38:22
Einfach nur abnehmen weil es so neu ist, Tobes, nicht weil es so offensichtlich
0:38:22–0:38:25
ist das hat man ja noch gar nicht dokumentiert,
0:38:26–0:38:28
Mit wie vielen Newton muss ich die festschrauben?
Tobias Kunisch
0:38:29–0:38:30
Mit guten Newton.
Florian Clauß
0:38:32–0:38:33
Mit guten Newton.
Tobias Kunisch
0:38:34–0:38:37
Wir schmieren jetzt deine Stabs.
Florian Clauß
0:38:38–0:38:46
Genau, das ist die Aktivität, die man dann abends macht, wenn man vorm Kamin
0:38:46–0:38:48
sitzt und seine Holzpfeife ausgepackt hat.
0:38:49–0:38:54
Früher hat man Revolver geschmiert, heute werden die Stabilizer geschmiert.
Tobias Kunisch
0:38:54–0:38:57
Genau. Genau, packt die Flinte weg.
Florian Clauß
0:38:57–0:39:03
Genau, aber das habe ich auch tatsächlich nochmal so in der Auseinandersetzung mit den,
0:39:03–0:39:07
die Geschichte der Typewriters, was ja irgendwie auch spannend ist,
0:39:07–0:39:12
die wurden ja so, man kann ja ungefähr so datieren, 1860, 1861 kamen die ersten
0:39:12–0:39:16
Patente von den Typewriters und das war ja auch zu der Zeit,
0:39:16–0:39:21
als dann alle möglichen mechanischen Erfindungen aufgekommen sind,
0:39:22–0:39:25
wie, also der Revolver wurde schon vorher erfunden.
0:39:25–0:39:30
aber das Malteser-Kreuz-Film für das Film, Nähmaschinen und so weiter.
0:39:30–0:39:34
Also alles so mechanische Teile, die wir aus dem Steampunk kennen.
0:39:35–0:39:39
Ich finde es schon faszinierend, da war die Zeit reif für so einen Schritt.
0:39:40–0:39:44
Und diesen Schritt, dass dann alles mechanisiert wurde, dass dann auch entsprechende
0:39:44–0:39:48
Teile dann so fabriziert wurden, dass die dann halt auch genormt waren,
0:39:48–0:39:51
dass es dann halt auch für andere Teile einsetzbar war.
0:39:51–0:39:56
Das war ja so die Grundlage. dass dann halt auch eine gewisse Qualität von Stahl
0:39:56–0:40:00
dann überhaupt erst mal so Voraussetzung war, damit man überhaupt diese Gewinde
0:40:00–0:40:05
und diese ganzen Dinger dann produzieren konnte.
0:40:05–0:40:12
Ja, das finde ich halt total faszinierend, weil sich das so in einen Zeitraum
0:40:12–0:40:16
von drei bis vier Jahrzehnten verdichtet, wo ganz viele Erfindungen rausgekommen
0:40:16–0:40:19
sind, die heute noch so uns prägen.
0:40:19–0:40:23
Und eine davon ist die Schreibmaschine.
Tobias Kunisch
0:40:23–0:40:23
Die Schreibmaschine.
Florian Clauß
0:40:25–0:40:30
Viele von diesen Remington und so weiter, die hatten ja dann quasi Typewriter
0:40:30–0:40:37
als ein Produkt im Programm, wo dann auch Nähmaschinen oder sowas dann halt
0:40:37–0:40:38
auch mitproduziert wurden.
0:40:39–0:40:43
Die waren auch schon so aufgestellt, dass dann halt Teile ausgetauscht werden konnten.
Tobias Kunisch
0:40:43–0:40:49
Ich habe auch gelesen, dass die ersten Schreibmaschinen hatten noch so ein Fußpedal
0:40:49–0:40:51
wie die Nähmaschinen. Ach echt?
Florian Clauß
0:40:51–0:40:52
Das habe ich gar nicht...
Tobias Kunisch
0:40:52–0:40:56
Okay, das ist ja abgefahren. Also ich weiß gar nicht genau, was das dann für
0:40:56–0:41:00
eine Funktion hatte, aber man hat da quasi wie immer halt die neue Technologie
0:41:00–0:41:02
auf das, was man schon kannte, irgendwie aufgebaut.
0:41:02–0:41:05
Und die haben halt angefangen mit, wie funktioniert eine Nähmaschine,
0:41:05–0:41:08
die hat ein Fußpedal, dann ist es vielleicht gut, ein Fußpedal zu haben.
Florian Clauß
0:41:09–0:41:16
Ja, vielleicht um diesen Druck aufzubauen für diese Hebel, für die Hebel mit
0:41:16–0:41:19
den Buchstaben, vielleicht war das dann noch so schwerfällig,
0:41:19–0:41:21
dass man da noch ein zusätzliches...
Tobias Kunisch
0:41:21–0:41:24
Jedes Mal bei jedem Anschlag irgendwie nach unten kippen.
Florian Clauß
0:41:24–0:41:28
Ja, dann musstest du halt irgendwie so eine Druckrolle, dann, ja, weiß ich nicht.
0:41:28–0:41:35
Also ich meine, okay, wir haben die Stabilisatoren separiert. So, ja, wir können.
Tobias Kunisch
0:41:35–0:41:41
Ich glaube, wir sollten nicht so viel quatschen. Ne, wir schütten nicht einfach was drüber.
Florian Clauß
0:41:42–0:41:45
Jetzt einmal hier ein bisschen Olivenöl reinschütten.
Tobias Kunisch
0:41:45–0:41:49
Genau. Und schwenken. Ne, also so, die Stabilisatoren, wir haben,
0:41:49–0:41:53
die Stabilisatoren werden sein für die Shift-Taste, die Backspace-Taste,
0:41:54–0:41:56
die Space-Taste und die Enter-Taste.
0:41:57–0:42:01
Wahrscheinlich. Wir haben hier 1, 2, 3, 4 kurze und 2 lange.
0:42:01–0:42:05
Die 2 langen, da werden wir nur einbenutzen, je nachdem, wie lang deine Space-Taste ist.
Florian Clauß
0:42:05–0:42:06
Das können wir ja ausmessen, oder?
Tobias Kunisch
0:42:07–0:42:11
Das können wir ausmessen, wie viele Units die lange ist. Bei deinen Keycaps
0:42:11–0:42:13
sind auch unterschiedliche lange dabei.
0:42:14–0:42:19
Wir müssen das auf dem PCB anschauen. Also das PCB hat da unten quasi die Verbindung unten drauf.
0:42:20–0:42:24
Und oben drauf haben die da nur auf der Gegenseite von diesen Verbindungen diese
0:42:24–0:42:27
Löcher. Und was die Switches machen ...
0:42:28–0:42:33
Wenn man die hier reinsteckt auf die Verbindung und dann runterrückt,
0:42:33–0:42:35
dann schließen die quasi den Kontakt hier.
Florian Clauß
0:42:36–0:42:43
Das ist ja eigentlich total billig. Das ist so wie früher aus dem Kosmos Elektrobaukasten.
Tobias Kunisch
0:42:43–0:42:43
Genau.
Florian Clauß
0:42:44–0:42:48
Ich hatte den von Philips, den Elektronikbaukasten. Der hatte mit so Federn
0:42:48–0:42:52
gearbeitet und dann konnte man halt auch auf so einer Platte,
0:42:52–0:42:55
die dann halt irgendwie so und so viel Löcher mal Löcher hatte, konnte man
0:42:55–0:42:59
dann von unten dann halt so eine quasi so eine feder einstecken also
0:42:59–0:43:02
man hat es ja gewinnen und konnte dann die fehler draufstecken und
0:43:02–0:43:05
konnte dann oben so den draht einhängen und damit
0:43:05–0:43:09
konnte man halt so verschiedene schaltpläne machen und dann halt schalter simulieren
0:43:09–0:43:14
und ja und genauso funktioniert es hier ja hier haben wir jedes mal also für
0:43:14–0:43:16
jeden schalter für jeden kontakt
0:43:16–0:43:23
haben wir gesagt quasi rechtes mal umsähe ein großes loch zwei löcher.
Tobias Kunisch
0:43:23–0:43:24
Für die füße von dem von dem.
Florian Clauß
0:43:24–0:43:30
Switch mit me take a photo und auf der anderen seite wenn du guckst haben wir
0:43:30–0:43:34
auch die löcher und jetzt kannst du hier noch die rückseite von einem switch fotografieren,
0:43:36–0:43:41
geht so aber auf jeden fall sauberer als ich und da sieht man dann eben dass
0:43:41–0:43:45
hier auch zwei prongs sind die man in kontakt die gehen in den kontakt auf der
0:43:45–0:43:50
gegenseite sein und dann noch zwei so plastik füße die sind einfach nur da damit ist dann.
Tobias Kunisch
0:43:50–0:43:52
Auf dem pcb dass man das da so einstecken kann.
Florian Clauß
0:43:52–0:43:54
Und dass man das auch richtig rum reinsteckt.
Tobias Kunisch
0:43:54–0:43:58
Genau. Und hier, das ist jetzt einer von meinen Zwitschen, den ich irgendwie
0:43:58–0:43:59
hier noch auf dem Schreibtisch liegen habe.
0:44:00–0:44:01
Und man steckt es da einfach nur so rein.
Florian Clauß
0:44:02–0:44:09
Du, das ist so banal. Wenn du überlegst, dass es mittlerweile irgendwie so Chips
0:44:09–0:44:13
gibt, die so groß wie dein oberer Fingernagel sind, wo dann halt irgendwie drei
0:44:13–0:44:15
Milliarden Kondensatoren drin sind.
0:44:16–0:44:18
Und dann ist das hier einfach nur ein Schalter.
Tobias Kunisch
0:44:19–0:44:22
Naja, ich würde nur ganz natürlich in jedem Schalter noch mal einen Computer reinmachen.
Florian Clauß
0:44:23–0:44:23
Genau.
Tobias Kunisch
0:44:23–0:44:26
Und einem Tastatur für jeden von den 87 Schaltern machen.
Florian Clauß
0:44:27–0:44:27
Ja.
Tobias Kunisch
0:44:28–0:44:31
Okay. Okay, so, aber was wir jetzt hier auch sehen, ist eben,
0:44:31–0:44:37
wir haben gerade eben gesehen, den Kontakt und die Löcher für einen Switch, für einen Schalter.
0:44:38–0:44:43
Und was hier ist, hier sind eben da, wo diese weißen Cutouts sind,
0:44:44–0:44:45
da kommen die Stabilisatoren rein.
0:44:45–0:44:49
Und was da dann passiert, also hier kommt ja auch in die Mitte ein Switch rein,
0:44:49–0:44:54
weil die Tastatur muss ja auch registrieren, wenn du Shift oder Backspace drückst.
0:44:54–0:44:59
Aber wir haben dann quasi diesen Switch, äh, diesen Stabilisator.
0:45:00–0:45:03
Da kommt es rechts und links hin. Da sind zwei so...
Florian Clauß
0:45:03–0:45:04
Schräubchen?
Tobias Kunisch
0:45:04–0:45:06
Naja, da sind zwei so, was sind das, Stamps.
Florian Clauß
0:45:06–0:45:06
Ja.
Tobias Kunisch
0:45:07–0:45:12
Und die sind verbunden mit einem Metallbügel. Das heißt, wenn die nach oben
0:45:12–0:45:15
und nach unten gehen, dann machen die das gleichzeitig, weil der Metallbügel
0:45:15–0:45:16
nach oben und nach unten geht.
Florian Clauß
0:45:16–0:45:17
Damit die Tasten nicht kippelt.
Tobias Kunisch
0:45:18–0:45:22
Genau. Und wenn du den Switch benutzt, dann geht das mit dem Switch mit.
0:45:22–0:45:26
Das heißt, es ist quasi wie eine Halterung.
Florian Clauß
0:45:26–0:45:27
Ja, so eine Führung.
Tobias Kunisch
0:45:27–0:45:28
Genau, damit es nicht wobbelt.
Florian Clauß
0:45:28–0:45:29
Perfekt.
Tobias Kunisch
0:45:29–0:45:33
Und weil die eben hier, es sind zwei Plastikteile, die hier ineinander laufen.
0:45:35–0:45:38
Ja. Das steckt man hier so von unten rein.
0:45:39–0:45:44
Und der bewegt sich dann so von oben nach unten, Plastik auf Plastik.
0:45:45–0:45:49
Und damit das nicht scratchy ist oder sich doof anhört, machen wir hier jetzt
0:45:49–0:45:51
hier Schmiermittel rum.
Florian Clauß
0:45:51–0:45:53
Und was ist das für Schmiermittel?
Tobias Kunisch
0:45:54–0:45:57
Das ist einfach nur so Dialectic Grease heißt das.
Florian Clauß
0:45:57–0:45:58
Okay.
Tobias Kunisch
0:45:58–0:46:03
Also man kann natürlich das hier, ich habe hier zwei unterschiedliche,
0:46:03–0:46:05
den habe ich bis jetzt immer benutzt.
0:46:05–0:46:08
Das war von irgendeinem Keyboard Shop.
0:46:09–0:46:12
Der hier ist glaube ich ein bisschen Oh.
Florian Clauß
0:46:12–0:46:12
Der ist noch gar nicht auf.
Tobias Kunisch
0:46:13–0:46:17
Nee, den habe ich noch nicht benutzt. Der sieht so ein bisschen glibberiger
0:46:17–0:46:19
aus. Sollte aber aufgehen.
Florian Clauß
0:46:20–0:46:22
Sind das extra für Plastikteile oder was?
Tobias Kunisch
0:46:23–0:46:28
Ja, das ist so ein mechanisches Schmiermittel, also kannst du nachlesen,
0:46:28–0:46:31
da gibt es alle möglichen unterschiedlichen Empfehlungen, was die Leute empfehlen.
0:46:32–0:46:35
Wenn du auf so eine Keyboard-Website gehst, dann haben die hier im Shop immer
0:46:35–0:46:38
irgendwelche Schmiermittel, die dir empfehlen. Du kannst jetzt hier,
0:46:38–0:46:39
ich zeig dir das mit einem.
0:46:40–0:46:43
So, ich hab hier extra meine Zange.
Florian Clauß
0:46:43–0:46:46
Du willst ja auch nicht das verfetten.
Tobias Kunisch
0:46:46–0:46:51
So, dann nimmst du hier so ein bisschen und schmierst es quasi nur so hier so
0:46:51–0:46:53
rein, weil wir es nicht zu viele haben.
0:46:55–0:47:00
dann kommt es hier so das ist so ein bisschen flickelig wenn man so dicke daumen
0:47:00–0:47:08
hat wie ich so und jetzt hießt wenn der bügel sondern ist dann bewegt er sich
0:47:08–0:47:14
quasi mit natürlich alles noch viel schwieriger wenn man zuschauer hat,
0:47:15–0:47:19
sie mit beim tippen wenn man wenn jemand zuschaut beim e mail schreiben macht
0:47:19–0:47:21
man 1000 Schreibfehler.
Florian Clauß
0:47:22–0:47:27
Oder wenn einer bei einer Podcast-Sendung dann abtippen soll,
0:47:27–0:47:29
was einem die Software vorgibt.
0:47:30–0:47:35
Und dann der andere sagt, warte mal, ich muss mal das Profil zurückstellen,
0:47:35–0:47:37
nicht, dass du meine Kote versaust.
Tobias Kunisch
0:47:37–0:47:40
Das hat da Spuren hinterlassen auf deiner Seele.
Florian Clauß
0:47:42–0:47:46
Nee, Nachvollziehbarkeit. Reine Nachvollziehbarkeit.
0:47:47–0:47:51
Ich will ja auch nicht, dass meine kinder den spotify account benutzen.
Tobias Kunisch
0:47:51–0:47:57
Meine kinder mein spotify account schon lang versaut so weißt du was ich lasse
0:47:57–0:48:00
dich das jetzt einfach machen das findest du einen gleich so ist du schmierst
0:48:00–0:48:06
quasi immer hier was rein ja und steckst dann diesen nipsi rein und dann kannst
0:48:06–0:48:08
du sie mit dem bügel verbinden okay.
Florian Clauß
0:48:08–0:48:10
Und wie rum das kriegt dann selber raus.
Tobias Kunisch
0:48:10–0:48:16
Ja das findest du dann muss man da muss man ja auch so selber ein bisschen die erfahrung machen,
0:48:18–0:48:23
In der Zwischenzeit erzähle ich ein bisschen von der Schreibmaschine über,
0:48:23–0:48:26
die ich ein bisschen recherchiert habe.
0:48:26–0:48:31
Wir haben uns gerade über die Olivetti Valentine unterhalten,
0:48:31–0:48:35
die die Inspiration für dein Keyboard war, für das schöne Rot, das du ausgesucht hast.
0:48:37–0:48:39
Ich habe kürzlich von einer anderen Schreibmaschine erfahren,
0:48:39–0:48:43
der IBM Selectric, die in der Weile die meistverkaufte Schreibmaschine war.
0:48:43–0:48:49
Zumindest im professionellen Bürosegment haben die anscheinend drei Viertel
0:48:49–0:48:53
des Marktes gehabt mit diesem Modell.
0:48:54–0:48:58
Was besonders an diesem Modell war, da waren die Buchstaben nicht auf diesen
0:48:58–0:49:03
Metallsteben, wie wir uns gerade unterhalten haben, sondern die Buchstaben waren
0:49:03–0:49:08
auf einem Ball, das sah so aus wie ein Golfball, der so in der Mitte platziert war.
0:49:08–0:49:11
Und da waren rundherum die Buchstaben und dieser Ball hat sich dann,
0:49:11–0:49:15
wenn man eine Taste angeschlagen hat, zu den Buchstaben gesät,
0:49:15–0:49:20
der korrespondiert hat und hat das dann aufs Papier gepanscht.
0:49:21–0:49:26
Und warum das besser war, es gab weniger Einzelteile, es gab weniger die Möglichkeit,
0:49:26–0:49:29
dass sich diese Metallstäbe verfangen hat, wenn man die schnell hintereinander
0:49:29–0:49:30
oder gleichzeitig gedrückt hat.
0:49:31–0:49:36
Aber was man auch machen konnte, man konnte sehr einfach so eine Lasche aufmachen
0:49:36–0:49:38
und den Ball rausziehen und mit einem anderen Ball ersetzen.
0:49:39–0:49:43
Und das war interessant, wenn man dadurch verschiedene Bälle haben konnte mit
0:49:43–0:49:44
verschiedenen Schriftarten.
0:49:45–0:49:51
Und was faszinierend ist jetzt mit der Verbreitung von 3D-Printern,
0:49:51–0:49:55
haben die Leute jetzt angefangen, diese Bälle nachzufinden mit neuen Schriftarten.
0:49:56–0:50:02
Schriften drauf. Das heißt, es war das erste Mal, dass man bei einer Schreibmaschine
0:50:02–0:50:05
die Schrift austauschen konnte und in einer anderen Schrift schreiben.
Florian Clauß
0:50:05–0:50:11
Weißt du, wann das quasi so das erfunden wurde?
0:50:11–0:50:15
Das war noch nicht zur Elektrifizierung der Schreibmaschine, ne?
Tobias Kunisch
0:50:16–0:50:24
Doch, die war elektrifiziert, weil die hat bestimmte Teile des Prozesses waren
0:50:24–0:50:29
durch Elektrik Supported quasi. Die ist 1961 angefangen worden.
Florian Clauß
0:50:29–0:50:34
61, okay. Ah ja, auf jeden Fall. Da gab es ja schon lange elektrische Schreibmaschinen.
0:50:34–0:50:36
Die erste elektrische Schreibmaschine war, glaube ich, so eine,
0:50:37–0:50:42
wie heißt die, Bricksfelder oder so, war das der Erfinder, der dann 1901 schon
0:50:42–0:50:44
die elektrische Schreibmaschine auf den Markt gebracht hat.
0:50:44–0:50:51
Die aber irgendwie so ein Versacker war, weil die keiner, weil es zu früh war für die Innovation.
0:50:52–0:50:57
Das Rad, nee, der Ball, Der Ball, der musste auch, das war eine ziemlich aufwendige
0:50:57–0:51:02
Konstruktion, weil der auch sich ja quasi nach Neigungswinkel,
0:51:02–0:51:04
der musste sich ja auch verschieben.
Tobias Kunisch
0:51:04–0:51:08
Der musste sich in zwei Dimensionen drehen können. Auf dem Ball waren vier Reihen
0:51:08–0:51:12
Buchstaben und quasi 360 Grad um den Ball rum.
0:51:12–0:51:17
Das heißt, er musste sich in vier Neigungswinkeln neigen können und dann eben
0:51:17–0:51:18
um die eigene Achse drehen.
0:51:19–0:51:26
Das heißt, da waren so Drehte drin, die dann quasi die Mechanik ausgelöst haben,
0:51:26–0:51:28
um den Ball zu drehen. Und das ist, wenn man da ein Video anschaut,
0:51:28–0:51:29
das passiert natürlich total schnell.
0:51:29–0:51:34
Muss ja schnell gehen, wenn man schnell tippt, dann ist da nicht besonders viel
0:51:34–0:51:37
lang Zeit, um das Ding rumzurehen und dann auf das Papier zu punchen.
0:51:38–0:51:41
Das heißt, es geht super schnell. Das muss man quasi in Zeitlupe anschauen,
0:51:41–0:51:42
um überhaupt zu sehen, was da passiert.
0:51:44–0:51:48
Aber es war wohl ein ziemliches Ingenieurs-
0:51:50–0:51:51
Eine Errungenschaft von Ingenieuren.
Florian Clauß
0:51:52–0:51:56
Ich habe auch gelesen, dass dann irgendwann das Patent dann quasi von diesem
0:51:56–0:52:03
Ball dann ausgelaufen ist und dass dann auch andere Hersteller quasi das machen
0:52:03–0:52:05
konnten, produzieren konnten.
0:52:05–0:52:09
Und dass Olivetti sich dagegen entschieden hat, weil das halt zu aufwendig war.
0:52:09–0:52:14
Also weil das eine Konstruktion war, die, also das war dann zu kompliziert.
0:52:14–0:52:19
Und es gibt ja dieses flache Typenrad. Also das heißt Typing,
0:52:19–0:52:23
was im Prinzip keinen Neigungswinkel hat, sondern ein Rad ist,
0:52:23–0:52:29
was dann die einzelnen Buchstaben dann und dadurch ist es halt nur in eine Richtung
0:52:29–0:52:31
bewegbar und das war dann, glaube ich, so der Erderstandard,
0:52:32–0:52:33
der in den elektrischen Schaltmaschinen war.
0:52:33–0:52:37
Ja, weil du eben noch meintest.
Tobias Kunisch
0:52:37–0:52:45
Wer die Olivette benutzt hat, die Selectric, war von Hunter S.
0:52:45–0:52:48
Thompson, die Wahl von Schreibmaschinen. Hunter S.
0:52:48–0:52:51
Thompson war bekannter Schriftsteller in den 70ern von der Hippie-Bewegung und
0:52:51–0:52:54
der hatte famously eine IBM Selectric.
Florian Clauß
0:52:55–0:52:58
Und mit der elektrischen Schreibmaschine kommt natürlich auch wieder,
0:52:59–0:53:02
da kommen so ein paar Innovationen mit rein.
0:53:02–0:53:07
Also auf der einen Seite, wie du schon sagst, dass man quasi den Font austauschen kann.
0:53:07–0:53:11
Ja, dass man auf der anderen Seite, und das kam glaube ich zum späteren Zeitpunkt,
0:53:12–0:53:13
dass du halt auch so einen Zwischenspeicher hattest.
0:53:14–0:53:18
Dass du halt quasi so eine Zeile oder so mehrere Zeilen dann halt und damit
0:53:18–0:53:21
erstmal so auch so quasi schneller warst.
0:53:22–0:53:26
und dass du auch Korrekturen machen konntest, noch bevor das getippt wurde.
Tobias Kunisch
0:53:27–0:53:27
Ah, wirklich?
Florian Clauß
0:53:28–0:53:31
Ja, ich glaube, das ging zumindest, ich hätte auch mal eine elektrische Schraubmaschine,
0:53:31–0:53:34
wo du noch so ein digitales Display hattest und sehen konntest,
0:53:34–0:53:37
was du getippt hast und dann halt Enter drückst.
Tobias Kunisch
0:53:38–0:53:38
Okay.
Florian Clauß
0:53:39–0:53:44
Hör mal nicht auf zu schmieren hier. Ich weiß nicht, ob ich das richtig mache.
Tobias Kunisch
0:53:44–0:53:45
Schauen wir mal.
Florian Clauß
0:53:46–0:53:50
Hör mal nicht auf zu schmieren. Ja, das ist echt, das ist Das ist schon der
0:53:50–0:53:54
weakest point hier. So, ist das richtig?
Tobias Kunisch
0:53:55–0:53:58
Ich versuche, das hier rein zu fummeln. Mann, Mann, Mann.
0:54:01–0:54:07
So. Wenn alle beschäftigt sind, wird die Verbreitung von gefährlichem Halbwissen kurz unterbrochen.
Florian Clauß
0:54:09–0:54:10
Wieso Halbwissen?
Tobias Kunisch
0:54:12–0:54:16
So, welches war das geschmierte? Ja, hier, ne?
Florian Clauß
0:54:16–0:54:21
Ja, aber da ist halt nicht klar, in welche Richtung das Zeug dann rumliegen.
Tobias Kunisch
0:54:23–0:54:24
Schau mal, das ist auch hier.
0:54:27–0:54:29
Das Loch muss zum Loch quasi.
Florian Clauß
0:54:29–0:54:30
Ah, okay.
0:54:33–0:54:35
Also, guter Hinweis.
Tobias Kunisch
0:54:36–0:54:42
Schau, und siehst du hier, wie das auf einer Seite zu ist und auf der anderen Seite auf?
Florian Clauß
0:54:42–0:54:43
Ja, das sehe ich.
Tobias Kunisch
0:54:43–0:54:47
Und die Öffnungen müssen sich natürlich ansehen, damit man den Bügel hier durchkannt.
0:54:48–0:54:49
Schau mal, der Bügel verbindet die beiden jetzt.
0:54:50–0:54:52
Hier sitzt dann die Taste so auf quasi.
0:54:53–0:54:55
Und wenn man ihn einhochzieht, dann...
Florian Clauß
0:54:55–0:54:59
Ja, der Bügel, okay, das habe ich quasi noch nicht mechanisch verstanden,
0:54:59–0:55:00
als ich das gesehen habe.
0:55:00–0:55:06
Der Bügel funktioniert quasi als Gelenk, der an einem Punkt dann eingehakt wird.
0:55:06–0:55:12
Damit dann die Hoch-Runter-Bewegung durch die Neigung...
Tobias Kunisch
0:55:12–0:55:13
Genau, dass es synchronisiert wird.
Florian Clauß
0:55:14–0:55:15
Synchronisiert.
Tobias Kunisch
0:55:15–0:55:20
Schau hier, du siehst hier, das ist deine Shift-Taste.
0:55:21–0:55:27
der dir zwei so kreuze auf das eine kreuz kommt der switch die anderen beiden
0:55:27–0:55:31
kreuz sind dazu da dass diese dass die stabilisatoren dann reingeklickt werden
0:55:31–0:55:36
und der bügel macht dann dass sich das quasi zusammen nach oben und nach unten
0:55:36–0:55:37
bewegt und synchronisiert die beiden dann ja.
Florian Clauß
0:55:39–0:55:43
Das ist wahrscheinlich tatsächlich das Aufwendigste hier um diese...
Tobias Kunisch
0:55:43–0:55:45
Ja, ist es auch.
Florian Clauß
0:55:45–0:55:47
Das ist echt eine Fummelei.
Tobias Kunisch
0:55:48–0:55:52
Ja, wenn die Stabilisatoren erstmal geschmiert sind, dann hast du das...
Florian Clauß
0:55:52–0:55:55
Dann hast du den Rest quasi auch geschmiert. Guck mal hier, ich habe es geschafft,
0:55:55–0:55:57
oder? Sieht das gut aus, Tobes?
Tobias Kunisch
0:55:58–0:55:58
Ja, warte.
Florian Clauß
0:55:58–0:55:59
Qualitätssicherheit.
Tobias Kunisch
0:56:00–0:56:01
Ich habe hier gerade Schmiermittel drauf gemacht.
Florian Clauß
0:56:02–0:56:02
Kann ich das lecken?
Tobias Kunisch
0:56:03–0:56:03
Wenn du magst.
0:56:06–0:56:12
Ja, QA sagt. Die Quality Assurance sagt alles, alles so wie es sein soll.
Florian Clauß
0:56:13–0:56:15
My first devil driver.
Tobias Kunisch
0:56:17–0:56:22
Das ist auch schön, dass ich mal wieder dazu komme, hier ein Keyboard zusammenzubauen.
Florian Clauß
0:56:23–0:56:24
Hast du auch vermisst.
Tobias Kunisch
0:56:24–0:56:26
Ich habe schon lange keins mal zusammengebaut.
Florian Clauß
0:56:27–0:56:29
Wie lange ist das her? Zwei Wochen?
Tobias Kunisch
0:56:29–0:56:40
Nein, seit ich das neue Keyboard, das Neo 65 CU aus San Jose mitgebracht habe.
Florian Clauß
0:56:40–0:56:42
Hast du das schon im Flugzeug zusammengebaut?
Tobias Kunisch
0:56:42–0:56:47
Nee, aber ich habe natürlich, ich dachte, ich mache das einfach in mein Gepäck
0:56:47–0:56:51
rein, weil das ist ja super schwer, das ist irgendwie drei Kilo oder so.
0:56:53–0:56:58
Und dann ist mir aufgefallen beim Einchecken, gibt es ja immer tausend Warnungen,
0:56:58–0:57:01
dass man keine Lithium-Akkus mit in sein Gepäck machen kann.
0:57:01–0:57:05
Dann war ich so, ach, was soll schon passieren? Aber dann habe ich tatsächlich nachgelesen.
0:57:05–0:57:09
Und der Grund, warum man keine Lithium-Akkus in sein aufgegebenes Gepäck machen
0:57:09–0:57:14
soll, ist, weil wenn die beschädigt sind, dann können die tatsächlich Feuer fangen.
Florian Clauß
0:57:14–0:57:20
Ja, klar. Das Membran zwischen diesen Kammern da ist hauchdun. Und das ist wirklich so.
0:57:20–0:57:28
Also in China ist es auch verboten, dass du deinen Akku fürs E-Rad in deiner Wohnung lädst.
0:57:29–0:57:34
Die haben extra quasi Laderäume, weil ganz viele auch schon da zu Tode gekommen
0:57:34–0:57:35
sind durch brennende Akkus.
Tobias Kunisch
0:57:36–0:57:39
Ja, auf jeden Fall dachte ich dann, vielleicht ist es keine gute Idee,
0:57:39–0:57:42
mein Keyboard mit den Akkus aufzunehmen.
0:57:42–0:57:45
Dann habe ich es in mein Handgepäck machen müssen. Das ist ein schwere Ding.
0:57:46–0:57:50
Und dann bin ich natürlich beim Security-Check, ist dann mein Rucksack,
0:57:51–0:57:55
der durch den Scan, durch die Maschine gelaufen ist. natürlich dann gleich aufs
0:57:55–0:58:01
andere Band rüber für die Sachen, wo man sich nochmal mit den freundlichen Leuten unterhalten muss.
0:58:01–0:58:06
Und dann stand ich da mit so einem Security-Typen mehr so, what is this?
0:58:08–0:58:11
Und dann kam er gleich so ein Ansel an und meinte so, ja, ich mach den.
0:58:11–0:58:15
Und dann meinte so, this is the NIO 65 CU, right?
0:58:16–0:58:21
Das haben wir dann von seinem NIO erzählt. Er hat das ergonomische Split-Keyboard
0:58:21–0:58:24
von NIO. Da muss ich sagen, gleich, was ist es? Dann haben wir uns ein bisschen
0:58:24–0:58:25
über Keywords unterhalten.
0:58:25–0:58:27
Dann dürfte ich alles wieder einpacken. Dann war gut.
Florian Clauß
0:58:28–0:58:29
Ja, sehr gut.
Tobias Kunisch
0:58:30–0:58:33
Oh, du hast hier schon den anderen gemacht.
Florian Clauß
0:58:34–0:58:35
Ja, jetzt fehlt noch.
Tobias Kunisch
0:58:36–0:58:41
Fehlt der hier noch. Und dann lass mich den hier machen. Und dann kannst du
0:58:41–0:58:44
die beiden schmieren für die Space-Taste.
0:58:45–0:58:49
Flo, was ist denn der Unterschied zwischen QWERTY und Quartz?
Florian Clauß
0:58:49–0:58:53
Oh, wollen wir jetzt da schon drauf eingehen? gehen? Wollen wir da schon? Okay.
Tobias Kunisch
0:58:53–0:58:56
Naja, ich meine, okay, wir können vielleicht warten.
Florian Clauß
0:58:56–0:59:02
Bis wir die anfangen mit den Tasten, ja. Aber vielleicht so mal so noch als Hintergrund.
0:59:02–0:59:10
Wir hatten auf unserer Seite einen Kommentar und wo ich dann panisch Tops angeschrieben
0:59:10–0:59:13
habe, du musst darauf reagieren.
0:59:13–0:59:15
Ich kann dazu nichts sagen.
0:59:16–0:59:18
Bis ich mir dann auch das angelesen habe.
Tobias Kunisch
0:59:18–0:59:21
Weil ich zwei Tage nicht reagiert.
Florian Clauß
0:59:21–0:59:26
Ja, denn ein Hörer, ich glaube Tuxflo heißt der,
0:59:27–0:59:32
hat nochmal darauf hingewiesen, weil wir haben, wir haben letzte Folge auch
0:59:32–0:59:36
über QWERTY und QWERTS gesprochen, das ist nämlich das Bezeichnen,
0:59:36–0:59:38
das Layout der Tastatur,
0:59:39–0:59:43
das heißt die Anordnung der Zeichen, das Tastaturlayout,
0:59:44–0:59:51
Eigentlich der meisten Tastatoren, die im Umlauf sind, ist das amerikanische, heißt QWERTY.
0:59:51–0:59:57
Das bedeutet, diese Anordnung der Tasten, die ersten fünf Buchstabentasten der
0:59:57–1:00:05
ersten Buchstabenreihe, ist QWERTY.
1:00:08–1:00:13
Dieses Layout, bis sich das durchgesetzt hat, oder dass sich das durchgesetzt
1:00:13–1:00:17
hat, geht wirklich tief und weit in die Geschichte des Typewriters zurück.
1:00:18–1:00:22
Es gibt sogar Mythen, die wurden aber immer wieder widerlegt,
1:00:22–1:00:27
aber werden immer wieder neu erzählt, weil es auch sehr gängig ist,
1:00:27–1:00:31
sehr eingängig, nämlich diese erste Tastaturreihe.
1:00:31–1:00:38
Wir müssen ja sagen, es gibt eine Home-Reihe, das ist die mittlere Buchstabenreihe, die heißt Home.
1:00:38–1:00:42
Die dann halt quasi auch so die Ruheposition der Finger und so weiter,
1:00:42–1:00:43
da habe ich die abgelegt.
1:00:44–1:00:47
Dann gibt es eine obere, wie heißt die?
1:00:47–1:00:50
Tops? Diese über der Home-Reihe, die Buchstabenreihe.
Tobias Kunisch
1:00:51–1:00:51
Top Row.
Florian Clauß
1:00:52–1:00:57
Ja, aber es gibt tatsächlich Top und die unteren, die man dann angeblich nicht
1:00:57–1:01:01
so oft benutzt, die werden eher, die Buchstaben werden eher in die untere Reihe,
1:01:01–1:01:03
unter der Home-Reihe, abgelegt.
1:01:03–1:01:10
Und mit der oberen Tastaturreihe könntest du auch Typewriter klippen,
1:01:10–1:01:15
weil alle Buchstaben für Typewriter, und das war dann so der Also das Wort Typewriter.
1:01:15–1:01:16
Das Wort Typewriter, genau.
1:01:17–1:01:22
Das war dann so der Showcase, angeblich guck mal hier, ich habe einen Typewriter
1:01:22–1:01:23
und ich kann Typewriter klicken, ja.
1:01:24–1:01:28
Deswegen wurde angeblich, wurden halt um den Verkäufer das zu vereinfachen,
1:01:29–1:01:31
die Buchstaben in die erste Reihe gelegt, ja.
1:01:31–1:01:36
Hat sich aber nach mehrfachen akademischen Untersuchungen immer wieder widerlegt,
1:01:36–1:01:38
dass es nicht der Fall ist, dass das da ist.
1:01:38–1:01:44
Aber das ist so QWERTY und es ist so ein bisschen, es gibt diese Shift-Kriege.
1:01:44–1:01:45
Weißt du, was die Shift-Kriege sind?
Tobias Kunisch
1:01:46–1:01:52
Das waren die unterschiedlichen Methoden, wie Shift implementiert worden ist
1:01:52–1:01:54
in den Schreibmaschinen.
Florian Clauß
1:01:54–1:02:02
Genau, also Shift ist ja quasi diese Taste, die dann den Tastaturapparatur so hebt und senkt. Shift.
1:02:04–1:02:08
Geht nicht. Okay, wir gucken gerade, welche Space-Taste unser Motherboard gibt.
Tobias Kunisch
1:02:08–1:02:13
Ja, ich merke gerade, dass Flo ist wie meine Kinder. Der quatscht hier,
1:02:13–1:02:15
um sich vor der Arbeit zu suchen.
1:02:15–1:02:19
Und die Kinder machen das auch immer, wenn der Tisch gedeckt wird. Ja, ja.
Florian Clauß
1:02:19–1:02:22
Noch schlimmer, wenn der abgedeckt wird. Wer abwäscht.
Tobias Kunisch
1:02:22–1:02:22
Genau.
Florian Clauß
1:02:23–1:02:25
Dann muss man ganz plötzlich aufs Klo.
Tobias Kunisch
1:02:25–1:02:27
Ja, oder fängt dann über QWERTY zu sprechen.
Florian Clauß
1:02:28–1:02:30
Nee, ich mache jetzt weiter. Wir können gleich nochmal weiter drüber sprechen.
1:02:30–1:02:33
Also wir müssen auf jeden Fall jetzt die längere.
Tobias Kunisch
1:02:33–1:02:37
Genau. Wir können auch mal schauen, ob die hier gerade ist. Die schaut gerade aus.
Florian Clauß
1:02:37–1:02:40
Ah ja, das haben wir ja völlig vergessen. Ah nee, das müssen wir mal bei den
1:02:40–1:02:42
längeren. Ich kann das gerne machen.
1:02:44–1:02:46
Dann kannst du weitererzählen über QWERTY.
Tobias Kunisch
1:02:47–1:02:48
Ja, auf jeden Fall.
Florian Clauß
1:02:51–1:02:53
Nahtlos knüpft ja auf jeden Fall.
Tobias Kunisch
1:02:54–1:02:59
Wir servieren uns hier die Themen wie beim Volleyball spielen.
1:02:59–1:03:04
Also die ersten Tastaturen haben wohl anscheinend wirklich alphabetisch angefangen.
1:03:05–1:03:09
Also die ersten Tastatur-Layouts, die probiert worden sind, haben dann halt
1:03:09–1:03:13
eben A, B, C, D und so weiter in die erste Reihe gemacht.
1:03:13–1:03:17
Und dann eben den Rest der Tastatur sind alphabetisch.
Florian Clauß
1:03:17–1:03:20
Darf ich da nochmal kurz einhaken, wo ich jetzt den Haken in der Hand habe?
1:03:20–1:03:24
Ich glaube auch, das ist nicht nur alphabetisch, sondern das Alphabet ist,
1:03:24–1:03:28
es wurde quasi auf eine Tastatur vom Klavier übertragen. übertragen.
1:03:29–1:03:35
Also es war quasi die Musik, also die Klaviertasten, die dann halt alphabetisch besetzt wurden.
1:03:36–1:03:40
Also man hat dann irgendwie damals natürlich, was ist am naheliegendsten,
1:03:40–1:03:43
was wird dann halt häufig produziert, das sind Tastaturen fürs Klavier.
1:03:43–1:03:50
Und darauf hat man dann eben diese Tastaturbelegung gemappt. Und das alphabetisch,
1:03:50–1:03:58
Mit eben dem Problem, dass es sehr anfällig war gegenüber, was wir letzte Folge
1:03:58–1:04:02
angesprochen haben, dass sich diese Typenhebel verhakt haben.
Tobias Kunisch
1:04:02–1:04:06
Ja, und dann haben die Ingenieurely eben nach Lösungen gesucht,
1:04:06–1:04:13
wie man das vermeiden kann und gleichzeitig wie man das ein bisschen ergonomischer machen kann.
1:04:14–1:04:18
und man kann es nicht mehr ganz nachvollziehen, weil die haben das wohl nicht
1:04:18–1:04:22
dokumentiert, weil es waren quasi auch Firmengeheimnisse, wie die da so gearbeitet
1:04:22–1:04:25
haben, oder es ist zumindest nie veröffentlicht worden und dann verloren gegangen.
1:04:26–1:04:29
Auf jeden Fall sind die dann eben auf dieser Anordnung gelandet,
1:04:30–1:04:37
die jetzt Querylty oben ist und dann und so weiter, ASDFG in der Home Row und
1:04:37–1:04:39
so weiter. Man sieht ja auch noch, dass in der Home Row,
1:04:42–1:04:47
HJKL ist ja noch so ungefähr mit der Aussprache vom I in der alphabetischen Reihenfolge.
1:04:47–1:04:51
Also so ein paar Buchstaben sind tatsächlich noch in der Anordnung.
1:04:51–1:04:56
Das hat sich dann eben weit verbreitet, weil die Schallmaschinen so verkauft worden sind.
1:04:58–1:05:02
Und später gab es dann aber Leute, die gesagt haben, vielleicht ist es gar nicht die beste Anordnung.
Florian Clauß
1:05:03–1:05:09
Ja, genau. Und da gab es auch wirklich so, also es wurde ja dann von einem,
1:05:11–1:05:15
Wissenschaftler, wie hieß der noch? Drowak?
1:05:16–1:05:21
Drowak? Oder? So hieß er doch? Drowak-Tastatur? Der hat das dann halt quasi
1:05:21–1:05:23
so wissenschaftlich aufbereitet und geguckt.
1:05:24–1:05:26
Also sich da wirklich erstmal angeguckt, welche,
1:05:27–1:05:30
welche Finger beim Tippen welche Position haben,
1:05:30–1:05:39
wie viel Dworak, der sich dann angeschaut hat, wie viel Weg muss denn jetzt
1:05:39–1:05:44
die einzelne Fingerkuppe überhaupt zurücklegen, wie liegen denn die Tasten nebeneinander,
1:05:44–1:05:48
die halt häufig getippt werden, beziehungsweise auseinander,
1:05:48–1:05:52
wie ist der Weg dazwischen und wie kann man das dann ergonomisch so gestalten,
1:05:52–1:05:54
dass ich da möglichst wenig Weg zurücklege,
1:05:54–1:05:58
dass ich dann halt in die Position häufig benutzte Tasten lege,
1:05:58–1:06:02
die ich gut erreichen kann, also wie die oberste Reihe oder die Home-Reihe und
1:06:02–1:06:04
eben andere Buchstaben.
1:06:05–1:06:09
Die nicht so häufig getippt werden, die ich dann in die unteren Reihe tue und so weiter.
1:06:09–1:06:19
Dann kommt das Drowack-Layout raus und das hat so ein bisschen den Mythos von
1:06:19–1:06:21
wegen, es konnte sich nicht durchsetzen,
1:06:21–1:06:24
obwohl es das bessere Layout war.
1:06:24–1:06:29
Es gab wohl auch Studien, die dann halt so Wettbewerber, die gemacht wurden,
1:06:29–1:06:34
da wurden halt einige auf das neue Layout angelernt und die hatten dann angeblich
1:06:34–1:06:39
eine irgendwie so und so viel Prozent höhere Tipprate als die auf dem QWERTY-Layout.
1:06:40–1:06:44
Aber wie sich das dann herausgestellt hat, waren diese Studien wohl mehr oder
1:06:44–1:06:48
weniger gefaked Und war dann halt zugunsten von Drowag-Layout,
1:06:48–1:06:53
waren die dann halt so auch dann in die entsprechenden Kreise hervorgebracht,
1:06:53–1:06:54
dass das dann halt das bessere Layout ist.
1:06:55–1:06:58
Also ein bisschen Conspiracy-Geschichte ist auch dabei.
1:07:00–1:07:03
Nichtsdestotrotz hat sich das Drowag-Layout auch so weit durchgesetzt,
1:07:03–1:07:10
dass ich das als Standard-Layout wählen kann in jetzt Keyboards zum Beispiel auf dem Smartphone.
1:07:10–1:07:14
Apple unterstützt das, glaube ich, auch noch in der Tastaturbelegung.
1:07:14–1:07:18
Also man sagt eben das QWERTY-Layout, dass man weiß nicht genau,
1:07:18–1:07:21
wie du schon gesagt hast, wie sich das jetzt so entwickeln konnte,
1:07:21–1:07:24
wie sich das entwickelt hat, weil es nicht dokumentiert wurde.
1:07:24–1:07:28
Ich habe jetzt noch ein anderes Paper gefunden, das tatsächlich dann nochmal
1:07:28–1:07:30
so behauptet hat, dass ganz viel aus dieser...
1:07:30–1:07:35
Also beim QWERTY-Layout ganz viel aus dieser Telegraphen-Geschichte gab.
1:07:36–1:07:40
Also dass die Zeichen dann so angeordnet waren, dass es halt in den Telegraphen,
1:07:40–1:07:44
also Fernschreiber, dass die sich dann halt danach gerichtet haben und die dann
1:07:44–1:07:46
halt nochmal was umgeschichtet haben.
1:07:46–1:07:49
Und in verschiedenen Simulationen, die haben dann auch geguckt,
1:07:50–1:07:53
das alphabetische Layout über so eine Klaviertastatur,
1:07:54–1:07:59
das war wohl so, da gab es so verschiedene Simulationen und dann haben die halt
1:07:59–1:08:06
geguckt, wie viele Anschläge dann simuliert werden müssen, um dann halt so einen
1:08:06–1:08:08
Tastenverhaker auszulösen.
1:08:08–1:08:13
Und dann hat die Klaviertastatur, die alphabetische, hat dann nach 26 Anschlägen
1:08:13–1:08:18
dann halt so einen Verhaker gehabt, während halt QWERTY dann erst nach 1000
1:08:18–1:08:19
Anschlägen dann tatsächlich.
1:08:20–1:08:23
Also diese Simulation ist jetzt nicht so alt. Die wurde, glaube ich,
1:08:24–1:08:30
irgendwie in den 10er-Jahren gemacht. Ja, und das ist eine relativ gute Quote.
1:08:30–1:08:35
Dann haben die halt auch geguckt, welches Tastatur-Layout kommt dann auf so
1:08:35–1:08:39
eine 1 zu 1000 Verhaker-Quote.
1:08:39–1:08:42
Ja, und dann haben sie halt Billions of Dings da drüber laufen lassen.
1:08:42–1:08:44
Aber auch nicht Billions. Billions, ja.
1:08:45–1:08:50
Letztendlich, das Quarty-Layout ist gar nicht so schlecht, wie es ihm dann nachgesagt wurde.
1:08:50–1:08:53
Es wurde dann halt immer so als, und dann ist natürlich diese,
1:08:54–1:08:57
du hast ein Layout ausgerollt auf allen möglichen Devices, ja,
1:08:58–1:09:03
dann ist also die Frage, willst du wirklich dann halt da eine Umstellung,
1:09:03–1:09:07
weil sich so viel Industrie danach schon ausgerichtet hat und normiert ist, ja,
1:09:08–1:09:13
ist es dann halt, und das war so ein bisschen so, wo dann halt die Konspiration
1:09:13–1:09:19
von Drowack dann gelaufen ist, ja, die Industrie will nicht das bessere Design haben.
1:09:19–1:09:22
Aber das war nicht so.
1:09:22–1:09:28
Man kann es halt wirklich belegen, dass es jetzt statistisch von wegen verhaken und so.
1:09:28–1:09:32
Klar, du bist schneller mit den Fingern, du musst weniger Weg zurücklegen.
1:09:33–1:09:36
Und wahrscheinlich ist es dann halt auch, aber das ist wirklich so in so einem
1:09:36–1:09:39
marginalen Bereich, wie sie jetzt die letzten Studien festgestellt haben.
1:09:39–1:09:43
Also in so 5%, wo du es halt wirklich nicht mehr so merkst.
1:09:43–1:09:50
Also insofern ist diese Geschichte von QWERTY ist total spannend, weil ja wirklich da so.
1:09:51–1:09:59
Ein Design, ein Layout-Design, was über 150 Jahre alt ist, immer noch so unglaublich präsent ist.
1:10:00–1:10:02
Das hatten wir ja schon letzte Folge so rausgearbeitet.
1:10:03–1:10:07
Und das finde ich total faszinierend, dass sich das dann so lange halten kann,
1:10:08–1:10:12
dass da so viele Debatten sind und dass dann natürlich auch so viele unterschiedliche
1:10:12–1:10:14
Meinungen dazu entstanden sind.
1:10:14–1:10:19
Aber jetzt mittlerweile ist man ja recht flexibel mit seinem Layout.
1:10:19–1:10:21
Ich kann ja meine Tasten anordnen, wie ich will.
1:10:22–1:10:26
Ich habe auch kurz überlegt, ob ich jetzt hier...
Tobias Kunisch
1:10:26–1:10:26
Wirklich?
Florian Clauß
1:10:27–1:10:31
Na, ich habe überlegt, ob ich... Es gibt ein deutsches Layout.
Tobias Kunisch
1:10:31–1:10:32
Neo, ne?
Florian Clauß
1:10:32–1:10:37
Ja, Neo. Also quasi, so wie das Keyboard heißt. Nein, das hat sich aus dem Open-Source-Bereich,
1:10:37–1:10:39
im Open-Source-Bereich dann entwickelt.
1:10:40–1:10:45
Neo 2 ist, glaube ich, von 2011 der Standard, der sich dann so durchgesetzt hat,
1:10:45–1:10:50
der so ein bisschen halt auch dann akademisch dann eben, wie ruhen die Finger,
1:10:50–1:10:54
welche Buchstaben werden am häufigsten getippt und danach ist dann halt quasi
1:10:54–1:10:56
das Layout ausgerichtet hat.
1:10:56–1:11:02
New 2, aber dann dachte ich so, nee, nee, bevor ich mich da jetzt irgendwie
1:11:02–1:11:07
drauf eingeschossen habe und dann ist es ja wirklich so, du wirst ja nicht los, das andere, ne?
1:11:08–1:11:12
Also das heißt, wenn du dann halt so ein Insel Design für dich als auf einer,
1:11:12–1:11:16
ne, und dann switchst du halt, gehst auf Arbeit, hast dann halt eine Tastatur,
1:11:17–1:11:19
und bist dann halt lost, ja? Also ...
Tobias Kunisch
1:11:19–1:11:22
Naja, ich meine, die Leute, die wirklich ...
1:11:23–1:11:26
darauf schwören sagen, dass wenn du erstmal unterschiedliche gelernt hast,
1:11:27–1:11:30
unterschiedliche Layouts, dann tust du ja auch einfacher wieder zurück zu switchen.
1:11:31–1:11:33
Ich kann mir das ehrlich gesagt, ich kann es mir nicht so vorstellen.
1:11:34–1:11:36
Ich meine, ich freue mich schon, dass ich so schnell schreiben kann,
1:11:36–1:11:37
wie ich schreiben kann mit QWERTY.
1:11:38–1:11:42
Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist dann da hin und her zu switchen.
1:11:43–1:11:46
Also ich mag es schon allein mit den unterschiedlichen Keywords,
1:11:46–1:11:50
die ich habe, wenn da mal Sondertasten irgendwie ein bisschen anders sitzen.
1:11:50–1:11:52
Da muss sich schon wieder anfangen zu überlegen, so.
1:11:54–1:11:58
Okay. So, Flo hat es wieder gemacht. Der hat sich wieder vom Tisch abräumen.
Florian Clauß
1:11:59–1:12:03
Ich habe mich versucht. Wo war mein Fehler? Ich habe irgendwie die falschen...
1:12:03–1:12:07
Ich hatte die falschen Dinger drin, oder? Also du hast auch noch da was?
Tobias Kunisch
1:12:07–1:12:10
Das ist auch falsch. Okay.
Florian Clauß
1:12:11–1:12:12
Shift-Happens, ne?
Tobias Kunisch
1:12:13–1:12:13
Shift-Happens.
Florian Clauß
1:12:13–1:12:16
Das können wir nochmal kurz referenzieren. Und zwar ist das...
Tobias Kunisch
1:12:16–1:12:17
Auch von Marston.
Florian Clauß
1:12:17–1:12:24
Marston, ja. Ein Buch, wo jetzt dieses Das ist ein Kapitel über QWERTY und die
1:12:24–1:12:28
Mythen drumherum, wo das ein Kapitel aus dem Buch als Artikel veröffentlicht wurde.
1:12:29–1:12:31
Du hast mir den Link geschickt, können wir gerne in den Show Notes drunter bringen,
1:12:32–1:12:38
dass das auch nochmal so ganz gut aufzeigt, wie da die einzelnen Lager gegeneinander
1:12:38–1:12:42
und wie sich die, was wir gerade erzählt haben, wie sich das dann so dargestellt hat.
1:12:42–1:12:47
Und das ganze Buch, also hat mehrere Kapitel, ist wirklich so ein Grundwerk
1:12:47–1:12:52
fast. Du bist so ein bisschen traurig, dass du das Buch nicht hast,
1:12:52–1:12:54
weil das auch geil layoutet ist.
Tobias Kunisch
1:12:54–1:12:55
Ja, das ist wirklich super.
Florian Clauß
1:12:56–1:12:58
Du kennst ihn noch von Google, oder?
Tobias Kunisch
1:12:58–1:13:01
Ich kenne ihn noch ein bisschen von Google. Wir hatten auch schon miteinander
1:13:01–1:13:05
zu tun, weil er für Typografie bei Figma zuständig ist.
1:13:05–1:13:09
Figma ist so ein neues Design-Tool, was sich gerade sehr verbreitet.
1:13:10–1:13:13
Und deswegen hatten wir da auch ein bisschen, also deswegen haben wir da so
1:13:13–1:13:16
ein paar Überschneidungen. Figma hat ja auch die ganzen Google-Fonts integriert.
1:13:17–1:13:21
Und deswegen haben wir uns ab und zu unterhalten. Er hat allerdings...
1:13:21–1:13:24
Nicht auf meine Frage antwortet, ob noch ein Buch rumliegen hat.
Florian Clauß
1:13:25–1:13:29
Ich vermute, du bist nicht der Erste, der diese Frage hingestellt hat.
1:13:30–1:13:32
Aber es war so ein Kickstarter.
Tobias Kunisch
1:13:33–1:13:35
Genau. Ich wollte schon ein Kickstarter-Projekt sein.
Florian Clauß
1:13:35–1:13:36
Ich weiß nicht, wie wir darauf kommen.
Tobias Kunisch
1:13:36–1:13:39
Es ist wohl das am meisten oder
1:13:39–1:13:47
am höchsten mit der höchsten Summe gekickstartete Buch auf der Plattform.
Florian Clauß
1:13:47–1:13:53
Wow. Das ist ja auch noch nicht so alt. nur. Also die Kickstarter gibt es ja
1:13:53–1:13:54
jetzt schon. Soll ich mal?
Tobias Kunisch
1:13:55–1:13:57
Ich verstehe nicht, was hier.
Florian Clauß
1:13:57–1:14:01
Ich verstehe auch nicht. Das hatte ich auch das Problem. Wir hängen noch an
1:14:01–1:14:04
der Space-Taste und merken, there is no space.
1:14:05–1:14:06
There is no space.
Tobias Kunisch
1:14:07–1:14:12
Wenn der hier so muss, dann muss der hier so. Dann stimmt das doch hier.
Florian Clauß
1:14:12–1:14:13
Ist der geschmiert?
Tobias Kunisch
1:14:14–1:14:18
Wir haben noch das äußere Ding geschmiert.
Florian Clauß
1:14:18–1:14:19
Das reicht.
Tobias Kunisch
1:14:20–1:14:22
Du kannst ja dann nochmal auseinanderbauen und nachschmieren.
Florian Clauß
1:14:23–1:14:24
Nee, das mache ich nie wieder.
Tobias Kunisch
1:14:25–1:14:34
Das mache ich nie wieder. Nur hinterfragsatz seine Entscheidungen.
Florian Clauß
1:14:34–1:14:35
Nein, nein.
Tobias Kunisch
1:14:35–1:14:38
So, okay. Ich glaube, jetzt haben wir sie alle.
1:14:38–1:14:41
Ich kann dir das zeigen. Schau mal, hier auf der einen Seite ist die Schraube,
1:14:41–1:14:45
auf der anderen Seite ist hier so ein Haken.
1:14:46–1:14:49
Den Haken macht man hier in die großen Löcher rein und dann kann man den so
1:14:49–1:14:52
runterklicken. Dann macht man auf der anderen Seite die Schraube.
1:14:53–1:14:55
Allerdings, was du jetzt... Hier, die Schrauben sind hier.
1:14:56–1:15:00
Und hier sind noch so, wenn du es richtig machen willst, manchmal mache ich
1:15:00–1:15:03
da so einen Shortcut persönlich.
1:15:03–1:15:05
Aber hier diese Dinger kannst du hier noch drunter machen.
Florian Clauß
1:15:06–1:15:06
Ah ja.
Tobias Kunisch
1:15:07–1:15:09
Und dann schraubst du die da so rein. Das kannst du jetzt.
Florian Clauß
1:15:10–1:15:13
Ja, das ist wirklich aufwendig, so ein Keyboard.
1:15:16–1:15:16
Okay.
Tobias Kunisch
1:15:17–1:15:22
Naja, ist ja ein Hobby, ist ja nicht nur Shopping. Sonst kannst du dir ja eins
1:15:22–1:15:24
kaufen, was schon zusammengebaut kommt.
1:15:25–1:15:30
Kann man natürlich auch machen. Ist auch schön, dass hier auf den Boxen für die Stabilisatoren,
1:15:31–1:15:36
wie auf Apple-Produkten immer, steht Proudly Designed in Cupertino,
1:15:36–1:15:40
die dann in China hergestellt sind, steht hier auf den Boxen Proudly Designed in China.
Florian Clauß
1:15:40–1:15:49
Ja, das ist super. Also ich merke auch, weil ich heute diese eingeklemmte Kette im Fahrradladen hatte.
Tobias Kunisch
1:15:49–1:15:51
Die hat dich ganz schön gebeutelt.
Florian Clauß
1:15:51–1:15:54
Die hat mich gebeutelt, aber dann habe ich halt irgendwie mit dem Typen rumgequatscht,
1:15:55–1:15:59
und dann ging es halt so ein bisschen, weil ich habe halt auch echt ein altes
1:15:59–1:16:02
Rad gebraucht gekauft und ich habe dann noch eine Dreifachkurbel dran,
1:16:02–1:16:06
Shimano, Ultegra, alles gute Komponenten, aber alle überaltert,
1:16:06–1:16:07
man macht das nicht mehr so.
1:16:08–1:16:13
Ich habe eine Kassette, die dann halt irgendwie von den Zahngrenzen von 11 bis
1:16:13–1:16:17
24 geht, was man auch nicht mehr, also so eine feine Abstufung macht man nicht mehr.
1:16:17–1:16:24
Was jetzt so in letzter Zeit immer mehr auf dem Markt der Komponenten und auf
1:16:24–1:16:27
der Hersteller sind die ganzen chinesischen Firmen,
1:16:27–1:16:32
die eigentlich eine lange Zeit so die Werkbank waren von europäischen,
1:16:33–1:16:34
amerikanischen Firmen.
1:16:34–1:16:38
Und ganz viel von den Komponenten wird halt in China, also die Carbon-Rahmen und so weiter.
1:16:39–1:16:44
Canyon & Track, die produzieren in China. Und jetzt gibt es da so ein neues
1:16:44–1:16:46
Selbstbewusstsein von China.
1:16:46–1:16:49
Jetzt kommen so ein paar chinesische Firmen,
1:16:50–1:16:55
die auch dann einfach so Schaltungen und so weiter anbieten,
1:16:55–1:16:57
die natürlich um Vielfaches günstiger sind.
Tobias Kunisch
1:16:58–1:17:01
Ja, ich glaube, da ist so ein bisschen, die chinesischen Firmen haben jetzt
1:17:01–1:17:05
die Sachen so lange produziert, dass sie jetzt langsam auch die Expertise haben,
1:17:06–1:17:09
so Sachen selber zu designen und selber auf den Markt zu bringen.
Florian Clauß
1:17:09–1:17:12
Nein, ich glaube, die Expertise haben sie schon lange.
1:17:13–1:17:18
Also das, was jetzt so gefehlt hat, ist dann einfach, dass die Firmen sich so
1:17:18–1:17:20
eine Marke überhaupt aufbauen können.
1:17:21–1:17:26
Das ist also das, was sich erst in den letzten Jahren wahrscheinlich auch mit
1:17:26–1:17:28
den Elektroautos entwickelt hat.
1:17:28–1:17:32
Dass jetzt immer mehr Marken aus China tatsächlich irgendwie hier in Europa
1:17:32–1:17:35
und in Amerika überhaupt einen Namen haben.
Tobias Kunisch
1:17:36–1:17:40
Ja, also mir ist es das erste Mal irgendwie mit Keyboards eben,
1:17:40–1:17:44
habe ich das selber so erlebt, dass die kommen ja, sie sind ja alle,
1:17:44–1:17:46
das sind alles chinesische Firmen quasi.
Florian Clauß
1:17:47–1:17:47
Ja.
Tobias Kunisch
1:17:47–1:17:52
Bis auf ein paar Ausnahmen, die aus den USA kommen. Und also es ist wirklich,
1:17:52–1:17:56
also die Sachen sind dann immer erst mal auf Chinesisch geschrieben und dann nochmal auf Deutsch.
1:17:58–1:18:05
Aber halt wirklich, also man merkt, dass China das Schwerkraftzentrum ist.
1:18:05–1:18:10
Das ist so ein bisschen anders als bei Computern oder so zum Beispiel.
Florian Clauß
1:18:10–1:18:15
Naja gut, die Komponenten sind halt, ja das ist halt das Design,
1:18:15–1:18:19
ist da immer noch quasi in der Hand, jetzt wenn man Apple anschaut,
1:18:20–1:18:23
aber die Werkbank liegt immer noch in China.
1:18:24–1:18:28
Aber es ist, glaube ich, ein Unterschied, dass jetzt immer mehr chinesische
1:18:28–1:18:30
Marken dann überhaupt irgendwie entstehen.
1:18:30–1:18:33
So, der erste Stabilizer steht.
Tobias Kunisch
1:18:33–1:18:35
Wunderbar, ist stabil, ja.
Florian Clauß
1:18:36–1:18:40
Stabil. Guck mal, hier ist noch so ein kleiner On-Off-Schalter.
Tobias Kunisch
1:18:40–1:18:42
Ja, das ist ein On-Off-Schalter, in der Tat.
Florian Clauß
1:18:44–1:18:48
Was kann der? On-Off. Aber weißt du, was mich verwirrt?
1:18:48–1:18:55
Hier steht On oben und unten eins. weißt du, da bist du halt irgendwie on ist, also 1 ist doch on.
Tobias Kunisch
1:18:56–1:19:02
On ist wireless. On 1 ist wired. Also wenn du die dann quasi einsteigst,
1:19:02–1:19:10
ist es nicht off, sondern das Wireless ist off, aber es ist immer noch funktionstüchtig.
1:19:10–1:19:16
Wenn wir erstmal die Stabilisatoren haben, dann haben wir die halbe Miete.
Florian Clauß
1:19:17–1:19:19
Jetzt weiß ich auch, warum die so aufwendig eingepackt sind,
1:19:19–1:19:22
weil das ist wirklich 80% der Zeit ist hier.
1:19:23–1:19:27
So, über QWERTY haben wir uns jetzt ausgetauscht. Haben wir noch ein anekdotisches
1:19:27–1:19:32
Thema, was wir mit Halbwissen befüllen konnten, während wir schrauben.
Tobias Kunisch
1:19:33–1:19:37
Werde ich dir beim Schrauben zuschauen. Ja, man kann vielleicht noch erzählen,
1:19:37–1:19:42
dass es dann, außer Dworak, gibt es ja noch andere alternative Layouts. Es gibt ja noch Colmack.
1:19:44–1:19:49
Es ist 2006, glaube ich, erfunden worden von einer Person, der hieß Colman.
1:19:50–1:19:55
Und es ist sehr ähnlich wie Dwarak, nur dass es einige von den Sonderzeichen
1:19:55–1:19:58
und so an der Stelle des QWERTY war.
1:19:58–1:20:03
Also es ist quasi weniger Veränderungen wie Dwarak, wenn man umwechselt,
1:20:03–1:20:06
umsatteln will von QWERTY auf ein neues Layout.
1:20:07–1:20:13
Das heißt, Coleman hat auch mehr von den üblichen Buchstaben in der Home-Row.
1:20:13–1:20:22
aber Ctrl C, V und X also Copy, Paste und Ausschneiden,
1:20:23–1:20:28
ist an derselben Stelle, damit man die Keyboard-Shortcuts sich nicht neu beibringen
1:20:28–1:20:31
muss. Und die Sondertasten sind...
Florian Clauß
1:20:31–1:20:36
Ah ja, okay, dann das Muskelgedächtnis quasi noch aktiv zu halten.
Tobias Kunisch
1:20:36–1:20:36
Genau.
Florian Clauß
1:20:37–1:20:38
Ja, macht Sinn, ne?
Tobias Kunisch
1:20:39–1:20:44
Aber ansonsten ist es eben auch optimiert, mehr von den Buchstaben in der Home-Roll
1:20:44–1:20:45
zu haben und außerdem auch,
1:20:45–1:20:52
dass man nicht für gängige Tastenkombinationen denselben Finger benutzen muss,
1:20:52–1:20:57
dass man quasi, wenn man bei vielen Worten irgendwie einen Buchstaben mit der rechten Hand drückt,
1:20:57–1:21:01
dann die nächste Buchstabe mit der linken Hand kommt, damit man da schneller abwechseln kann.
Florian Clauß
1:21:01–1:21:02
Ah ja, interesting.
Tobias Kunisch
1:21:03–1:21:08
Dann gibt es noch mehrere andere. Also du hast ja Neo für Deutschland erwähnt.
1:21:08–1:21:13
Neo ist anscheinend auch so konzipiert, dass man da mehrere Layers hat.
1:21:13–1:21:17
Also Layers bei Tastaturen, bei der Tastaturbesetzung sind ja dann quasi,
1:21:17–1:21:22
quasi wenn man eine Funktionstaste drückt oder eine weitere Funktionstaste,
1:21:23–1:21:26
dass man ein neues Leerhaut auf seiner Tastatur hat,
1:21:26–1:21:30
dass man eben schnell an mathematische Zeichen oder Sonderzeichen,
1:21:30–1:21:31
die man beim Programmieren braucht,
1:21:31–1:21:33
hinkommt. Und dann gibt es noch...
1:21:35–1:21:38
Eine französische Version, jetzt glaube ich Beppo oder so.
Florian Clauß
1:21:38–1:21:38
Naja.
Tobias Kunisch
1:21:39–1:21:45
Und die ist dann für die französische Sprache optimiert. Und du meintest ja,
1:21:45–1:21:54
dass die großen Bezübsysteme wie Windows und macOS kann man ganz einfach umstellen
1:21:54–1:21:56
auf Dwarak und Colmac zum Beispiel.
1:21:56–1:22:00
Und es gibt auch Tastaturen, die verkauft werden mit der Tastenbelegung.
1:22:00–1:22:04
Aber was ja interessant ist für so mechanische Keyboards, wie wir gerade zusammenbauen,
1:22:05–1:22:09
Die sind ja so customizable, dass du deine Tasten dahin stecken kannst, wo du willst.
1:22:10–1:22:14
Und die meisten von den mechanischen Keyboards kommen mit einer Firmware,
1:22:14–1:22:16
die ist Open Source, QMK.
1:22:18–1:22:23
Und da gibt es dann kompatible Software, also VIA ist eine davon,
1:22:23–1:22:29
usevia.com, die dann Keyboards mit der Firmware einfach erkennen.
1:22:29–1:22:33
und du hast dann eine Konfigurationsoberfläche, kannst du sagen,
1:22:33–1:22:37
die Taste soll jetzt aus der Sicht das A sein und das erste ist jetzt da drüben.
1:22:38–1:22:43
Das heißt, du kannst ja entweder so dein eigenes Tuarek-Layout zusammenbauen
1:22:43–1:22:47
auf deinem Keyboard oder du kannst dir deinen, es gibt auch Leute,
1:22:47–1:22:49
die erfinden ihr eigenes Layout.
1:22:49–1:22:55
Das ist dann halt für niemand anders irgendwie relevant, aber es für sie selber
1:22:55–1:22:57
besonders gut funktioniert.
Florian Clauß
1:22:57–1:23:01
Ja, das finde ich schon cool. Guck mal hier, die Space-Taste wird anders reingesetzt. Kann das sein?
Tobias Kunisch
1:23:02–1:23:03
Ja, da ist der Bügel oben.
Florian Clauß
1:23:05–1:23:09
Also es kommt dir bekannt vor. Das ist nicht meine Schuld. Gut.
1:23:10–1:23:13
Ja, ich meine, das macht ja absolut Sinn. Also das ist, glaube ich,
1:23:13–1:23:19
nochmal so, nochmal der Nerd-Faktor bei den mechanischen Keyboards,
1:23:19–1:23:22
dass du ein komplett eigenes Layout machen kannst.
Tobias Kunisch
1:23:23–1:23:26
Ja, und es gibt dann ja auch noch Leute, die, also wir bestellen uns hier ja
1:23:26–1:23:28
nur ein paar Teile und bauen die dann zusammen.
1:23:28–1:23:34
Aber es gibt da wirklich Leute, die dann sich ihr PCB selber zusammenlöten und dann vor allem hier,
1:23:35–1:23:39
sehr viel mehr Aufmerksamkeit auf Ergonomie legen und dann Split-Keyboards haben,
1:23:39–1:23:43
wo dann das Keyboard zwei Teile hat für die rechte und für die linke Hand,
1:23:44–1:23:46
wo das dann alles optimiert ist.
1:23:47–1:23:49
Oft sind die dann auch in so einem Winkel, liegen nicht flach auf dem Tisch.
1:23:52–1:23:55
Mir geht das alles ein bisschen zu weit. Ich freue mich, wenn ich meine,
1:23:57–1:23:59
Tastatur habt ihr an einem Stück ist.
Florian Clauß
1:23:59–1:24:03
Ja, ich mag das auch. Also ich weiß es nicht. Vielleicht ist es wirklich besser.
Tobias Kunisch
1:24:04–1:24:08
Naja, ich meine, ich kann schon sehen, wenn einem das Spaß macht,
1:24:08–1:24:12
dann sein eigenes Keyboard zusammen zu löten und das alles genauso zu optimieren.
1:24:12–1:24:14
Ich kann schon sehen, wie das Spaß macht.
Florian Clauß
1:24:15–1:24:20
So, die Stabilisatoren sind jetzt montiert.
1:24:21–1:24:25
Das heißt, wir können zum nächsten zwei Stunden.
Tobias Kunisch
1:24:25–1:24:30
Nee, das war, also der Rest ist so ein bisschen so noch Handarbeit,
1:24:30–1:24:31
aber nicht so frickelig.
1:24:32–1:24:35
Was wir hier sehen, ist dass natürlich jetzt hier, dass nicht,
1:24:35–1:24:42
dass hier die Stabilisatoren im Weg sind von dieser Dämmung von der Space-Taste.
1:24:43–1:24:45
Ich weiß gar nicht, wie das normaler war, also wie das gedacht ist,
1:24:46–1:24:47
aber ich schneide das dann einfach mal ab hier.
Florian Clauß
1:24:48–1:24:50
Also das ist auch, das kennst du. Das kennst du.
Tobias Kunisch
1:24:51–1:24:55
Hier hast du, hier habe ich Das ist schon aus der Fall mit meiner Space-Taste.
1:24:58–1:25:01
Ob das so richtig ist oder nicht, weiß ich nicht.
Florian Clauß
1:25:01–1:25:03
Das sagt uns gleich das Licht.
Tobias Kunisch
1:25:03–1:25:06
Ob das richtig ist oder nicht. Ob das richtig steht.
Florian Clauß
1:25:07–1:25:14
Okay. Oh, I can cut it. Das ist ein bisschen wie die Nabelschnur durchschneiden. Also ich mach mal.
Tobias Kunisch
1:25:14–1:25:17
Ich würde das ganze kleine Ding hier wegschneiden. Halt dann rechts und links.
Florian Clauß
1:25:18–1:25:18
Genau.
1:25:21–1:25:23
Ich weiß nicht, aber,
1:25:25–1:25:27
Ach nee.
Tobias Kunisch
1:25:27–1:25:27
Hättest du es doch nicht.
Florian Clauß
1:25:29–1:25:35
Aber das muss ja noch mal vorbei. I see, I see.
Tobias Kunisch
1:25:38–1:25:45
So, jetzt haben wir das PCB mit den Stabs. Der Schaum liegt drauf.
1:25:45–1:25:49
Jetzt holen wir unser Pomplate.
Florian Clauß
1:25:49–1:25:50
Yeah.
Tobias Kunisch
1:25:51–1:25:57
Legen das hier drauf. so jetzt geht die party los ist richtig so jetzt wollen
1:25:57–1:25:59
wir deinen gatoron oil kings,
1:26:00–1:26:08
so haben wir mal die produce und keiner so
1:26:08–1:26:12
dass wir ein bisschen gucken da wo die wo die stabilisatoren sind die tasten
1:26:12–1:26:20
sind oft müssen die in einer anderen orientierung rein mhm ok also was du hier
1:26:20–1:26:26
siehst nennt sich 5 prong switches also zwei kontakte und dann drei,
1:26:27–1:26:35
So bei Plastikstifte. Es gibt auch PCBs, die haben nur, die haben weniger Löcher.
1:26:35–1:26:38
Da muss man die dann abknipsen, die kleinen Plastikdinger. Aber das ist mir
1:26:38–1:26:39
auch noch nicht untergekommen.
1:26:40–1:26:46
So, du kannst es quasi sehen, hier hinten, da wo dieser schwarze abgedeckte
1:26:46–1:26:48
Kontakt ist, da müssen die beiden Prongs rein, natürlich.
1:26:49–1:26:51
So kann sie sehen, wie die um die reinkommen. Hier kannst du sehen,
1:26:51–1:26:52
dass die andersrum sind.
1:26:53–1:26:58
So und deswegen also ich fange immer erstmal an mit den quasi in den Ecken.
1:27:00–1:27:04
Dann hast du schon mal genau du musst auch,
1:27:05–1:27:08
ein bisschen vorsichtig sein, dass sich die Prongs da nicht,
1:27:08–1:27:12
also die Kontakte nicht verbiegen das passiert schon immer mal die kann man
1:27:12–1:27:16
dann aber auch wieder zurückbiegen schon mal, wenn wir das umdrehen dann siehst
1:27:16–1:27:18
du, du kannst es entweder da reinstecken oder da reinstecken,
1:27:19–1:27:23
das ist, weil diese Tasten können unterschiedliche breiten
1:27:23–1:27:25
haben haben wir hier ein beispiel naja die
1:27:25–1:27:28
sind alle ungefähr gleich breit aber du kannst also die
1:27:28–1:27:32
wir für die für die zuhörerin von
1:27:32–1:27:35
der control alt und command taste die
1:27:35–1:27:38
können unterschiedliche breiten haben und je nachdem sind hier
1:27:38–1:27:42
quasi alternative löcher gebohrt damit
1:27:42–1:27:46
die die hier dann am schluss reinpassen das muss man eigentlich einfach nur
1:27:46–1:27:51
ausprobieren hier siehst du schon die sind unterschiedlich breit naja das ist
1:27:51–1:27:57
das ist das ausfinden müssen ja schon mal das ist auch das ist eine weniger
1:27:57–1:27:58
breite control taste und alt.
1:28:00–1:28:09
So probieren wir mal aus deine erste taste control so hat unten links den switch
1:28:09–1:28:13
reingesteckt wir versuchen herauszufinden wie breit die tasten sind damit wir
1:28:13–1:28:19
die switches im richtigen abstand in das PCB machen, damit alle passen.
1:28:19–1:28:24
So, du hast jetzt hier links mit den Prunks nach oben gemacht,
1:28:24–1:28:25
dann mache ich jetzt das nächste auch so rein.
1:28:26–1:28:28
Versuche deine Switches nicht kaputt zu machen.
1:28:29–1:28:32
Und dann schauen wir mal, ob die Alt-Taste passt. Die passt auch.
Florian Clauß
1:28:32–1:28:37
Ja, okay, sehr gut. Ich will kein Alt-GR. Haben wir noch eine zweite Alt-Taste da?
Tobias Kunisch
1:28:38–1:28:40
Ja, die ist aber bereiter. Muss man gleich gucken.
Florian Clauß
1:28:42–1:28:45
Ansonsten muss ich doch ein Alt-GR nehmen. Oh, ich hasse.
Tobias Kunisch
1:28:48–1:28:53
Es gibt es gibt ein keycap set habe ich kürzlich gesehen aber schon mal hier
1:28:53–1:28:55
habe ich den prong schon verbogen ein bisschen zu.
Florian Clauß
1:28:55–1:28:57
Haben wir haben es ja.
Tobias Kunisch
1:28:57–1:29:02
Ja nie aber das ist die sind auch nicht kaputt deswegen okay es gibt ein keycap
1:29:02–1:29:08
set das heißt alt und da ist dann seine auf der alt gehr taste ist da so ein monster,
1:29:12–1:29:15
Ich mache mal Fotos von deinen schmutzigen Fingern.
Florian Clauß
1:29:16–1:29:20
Habe ich ja erklärt. Oder?
Tobias Kunisch
1:29:21–1:29:22
Nee, was war da?
Florian Clauß
1:29:24–1:29:29
Ja, naja. Aber der Typ meinte, ich sollte mir ein neues Rad kaufen.
1:29:29–1:29:33
War ein guter Verkäufer. Wenn ich die alle reingesteckt habe,
1:29:34–1:29:38
das macht schon Spaß, die reinzustecken.
1:29:38–1:29:41
Aber wahrscheinlich funktionieren dann 50% der Tasten nicht.
Tobias Kunisch
1:29:41–1:29:46
Naja, das sieht man dann. Willst du eine abgesetzte Caps-Lock-Taste?
1:29:46–1:29:49
Oder eine... Hier, warte, ich zeige dir beide Alternativen.
1:29:50–1:29:53
Also das kennen deine Zuhörer bestimmt aus. Es gibt da so Caps-Lock-Tasten,
1:29:53–1:29:56
die haben an der Seite so, sind so vertieft, damit man das fühlen kann.
Florian Clauß
1:29:56–1:29:57
Nee, auf keinen Fall will ich das haben.
Tobias Kunisch
1:29:58–1:29:58
Keinen Fall?
Florian Clauß
1:29:59–1:30:01
Ich will auf keinen Fall, das ist so Windows-mäßig.
Tobias Kunisch
1:30:02–1:30:05
Ich fand das auch immer doof, aber also ich sehe schon den Sinn,
1:30:05–1:30:07
weil man will ja nicht auszusehen, die Caps-Lock-Taste machen.
1:30:07–1:30:11
Und so hat man halt hier das, weißt du, so kann man fühlen, wo die Kärbstocktaste
1:30:11–1:30:13
ist, wo man nichts draufdrücken will.
Florian Clauß
1:30:14–1:30:15
Ich kann es ja austauschen.
Tobias Kunisch
1:30:16–1:30:16
Ja.
Florian Clauß
1:30:18–1:30:19
Keine Experimente.
Tobias Kunisch
1:30:20–1:30:26
Nee, nicht, dass du die Enter-Taste nicht mehr triffst, wenn die zu klein ist.
Florian Clauß
1:30:28–1:30:31
Hast du hier so einen Switch-Zieher?
Tobias Kunisch
1:30:31–1:30:31
Mhm.
Florian Clauß
1:30:34–1:30:38
Wie gut, dass sie hier in einer ausgestatteten Werkstatt bin.
Tobias Kunisch
1:30:38–1:30:42
Und zwar haben die hier so ein, schon mal, die haben hier so Vertiefungen auf
1:30:42–1:30:43
bei der Seite, dann kannst du einfach so rausziehen.
1:30:44–1:30:48
Wenn Leute auf YouTube Videos machen, wie sie die Keyboards zusammenbauen,
1:30:48–1:30:52
dann ist das immer der Teil, der dann schnell laufen gelassen wird oder ganz
1:30:52–1:30:55
rausgeschnitten, wenn man 20 Minuten die Switches reindrückt.
Florian Clauß
1:30:57–1:31:00
Warum nur? Aber der macht schon Spaß, der Teil.
1:31:00–1:31:06
Das ist so ein bisschen, weil man muss ja quasi die Pins durch diese letzte
1:31:06–1:31:13
Schicht hier durchdrücken und das hat so ein bisschen diesen Effekt wie mit
1:31:13–1:31:16
den Bubble-Folgen, weißt du?
Tobias Kunisch
1:31:17–1:31:22
Bubble-Rap. Was natürlich wirklich schön ist an so einer Geschichte wie so ein
1:31:22–1:31:28
Keyboard bauen, ist, dass es ganz viele Möglichkeiten gibt, sich hier Accessories
1:31:28–1:31:30
zu kaufen, wie zum Beispiel,
1:31:30–1:31:36
man kann sich hier so extra Boxen bestellen für seine extra Switches,
1:31:36–1:31:37
die man noch oben liegen hat.
Florian Clauß
1:31:37–1:31:42
Ja, sehr gut. Und da ist so ein Diamant drauf, ist das ja auch wieder eine Firma?
Tobias Kunisch
1:31:42–1:31:45
Ja, die hat Key Jam heißen die, das ist so eine deutsche Qualseite.
Florian Clauß
1:31:46–1:31:46
Okay.
Tobias Kunisch
1:31:47–1:31:53
Jam heißt da Edelstein. Ich habe ja noch jede Menge Switches,
1:31:54–1:31:57
die ich dann doch nicht so gut fand. Die hier.
Florian Clauß
1:31:57–1:31:59
Und hast du die dann irgendwann alle ausgetauscht?
Tobias Kunisch
1:31:59–1:32:00
Ja.
Florian Clauß
1:32:00–1:32:04
Wo du gemerkt hast, so nee, not my type.
Tobias Kunisch
1:32:05–1:32:06
Ja, ganz genau.
1:32:08–1:32:13
Ich habe ja auch noch so ein paar extra Keycap-Sets, die ich dann noch nicht gut fand.
Florian Clauß
1:32:14–1:32:18
Ja, das ist halt ein real Hobby.
1:32:19–1:32:26
Wenn man so anfängt, für seine Teile dann extra Behälter zu kaufen,
1:32:27–1:32:28
die noch gebrändet sind.
Tobias Kunisch
1:32:28–1:32:29
Das ist doch gut.
Florian Clauß
1:32:30–1:32:32
Dann weiß man, dass man beim richtigen Hobby ist.
Tobias Kunisch
1:32:33–1:32:36
Ja, man kann ja auch noch, können uns ja mal deine Keys anschauen hier.
1:32:36–1:32:41
Das sind, also bei so Kies gibt es auch unterschiedliches Material,
1:32:41–1:32:42
aus dem sie designen können.
1:32:42–1:32:48
Meistens ist das entweder PBT Plastik, PBT oder ABS.
1:32:49–1:32:53
PBT heißt, haben ein bisschen dunkleren Ton.
1:32:53–1:32:58
Da kommst du auch immer nochmal drauf an, wie dick die Tasten gegossen sind.
1:32:58–1:33:00
Also wie dick das Plastik ist.
1:33:00–1:33:03
Je dicker natürlich, desto besser. es gibt dann auch
1:33:03–1:33:06
noch sind sich double shot wenn es
1:33:06–1:33:09
quasi zwei lagen plastik sind und quasi
1:33:09–1:33:13
die in der in der unseren lage
1:33:13–1:33:18
der der buchstabe als relief drauf steht und die obere lage quasi nur den buchstaben
1:33:18–1:33:23
als aussparung hat das heißt dann hast du das ist gar nicht ob die hier dabei
1:33:23–1:33:27
schaut sind müsste man mal einen rausziehen dass ich mal diesen dabei schauen
1:33:27–1:33:33
das heißt hier innen ist weißes Plastik und da ist auch aus dem weißen inneren Plastik ist auch das K.
1:33:34–1:33:36
Und dann ist nochmal die blaue Lage drumrum gegossen.
Florian Clauß
1:33:37–1:33:37
Ja, ja.
Tobias Kunisch
1:33:40–1:33:43
Das ist natürlich, also man kann jetzt natürlich schon so ein bisschen hören,
1:33:43–1:33:50
wie die sich anhören, aber so richtig weiß man es dann erst, wenn es im Case ist.
Florian Clauß
1:33:51–1:33:58
Weil der Case ist der Resonanzraum, der den richtigen Sound bringt.
Tobias Kunisch
1:33:59–1:34:05
Ich habe kürzlich einen Freund, der seinen 50. Geburtstag gefeiert hat.
Florian Clauß
1:34:05–1:34:07
Was, so alte Freunde hast du?
Tobias Kunisch
1:34:07–1:34:08
So alte Freunde, unglaublich.
Florian Clauß
1:34:08–1:34:09
Wahnsinn.
Tobias Kunisch
1:34:10–1:34:11
Ja, hat doch schon graue Haare und so.
Florian Clauß
1:34:13–1:34:14
Mann, Mann, Mann.
Tobias Kunisch
1:34:14–1:34:16
Dem habe ich einen Keyboard geschenkt.
Florian Clauß
1:34:17–1:34:18
Und?
Tobias Kunisch
1:34:18–1:34:23
Der ist doch Star Wars Fan. Das heißt, ich habe ihm so, es gibt ja so Artisan
1:34:23–1:34:26
Keycaps, wo quasi irgendwelche Figuren sind.
1:34:27–1:34:31
Dem habe ich dann die Escape-Taste mit so einem Stormtrooper-Helm.
Florian Clauß
1:34:31–1:34:35
Ja, geil. Ich glaube, die habe ich gesehen, oder? Kann das sein?
Tobias Kunisch
1:34:35–1:34:40
Ja, das kann sein. Und dem habe ich einen Rainy 75 gekauft. das heißt Rainy,
1:34:40–1:34:44
weil sich die Tasten, die so marbly sind, dass es wie du vorher meintest,
1:34:44–1:34:46
dass es sich anhört wie Regen, der fällt.
1:34:47–1:34:50
Hat sich sehr gefreut. Hat mich gefreut, dass es sich gefreut hat.
1:34:50–1:34:55
Aber die Firma, die das Rainy 75 gemacht hat, hat jetzt ein neues Keyboard auf
1:34:55–1:34:58
Kickstarter veröffentlicht, also Zen 75.
1:34:59–1:35:04
Das ist ein Nachfolgemodell. Das war der erste Kickstarter, wo ich wirklich mitgemacht habe.
1:35:06–1:35:09
Die haben aber auch also es war nicht wirklich die haben
1:35:09–1:35:13
die plattform benutzt um das funding
1:35:13–1:35:17
zu machen aber ich glaube das stand nie zur diskussion ja mittlerweile von einem
1:35:17–1:35:23
halben tag irgendwie ziel erreicht und ich so schnell weiter über hinaus das
1:35:23–1:35:27
war schon eine weile angekündigt und hatte auch schon ein paar reviews mit leuten
1:35:27–1:35:32
jahr eins geschickt haben und so das wird jetzt Das ist gerade verschickt,
1:35:32–1:35:36
das ist jetzt produziert worden und verschickt, das ging natürlich erst in die USA.
1:35:36–1:35:41
Die haben ihre Keyboards schon und Mitte September werden wohl die Lieferungen für,
1:35:43–1:35:46
für Europa angefangen. Das heißt, das nächste Keyboard, was hier hoffentlich
1:35:46–1:35:48
aufschlägt, ist ein Zen 75.
Florian Clauß
1:35:49–1:35:49
Oh, wow.
Tobias Kunisch
1:35:50–1:35:52
Kinder kamen gerade wieder vom Booba-Shop.
Florian Clauß
1:35:53–1:35:53
Booba?
Tobias Kunisch
1:35:53–1:35:54
Booba gekauft.
Florian Clauß
1:35:54–1:35:55
Sind das La Boobas?
Tobias Kunisch
1:35:56–1:35:57
Ja, so Bubble Tea.
Florian Clauß
1:35:57–1:36:01
Achso, nee. Wie heißt das, dieser Trend? La Booboo?
1:36:03–1:36:06
Das ist noch nicht bei deinen Kindern angekommen?
Tobias Kunisch
1:36:06–1:36:07
Nee, wir waren ja,
1:36:09–1:36:16
ahead of the curve. quasi. Wir waren Labubo ist ja von diesen Popmart-Stories. Popmart heißen die.
1:36:16–1:36:22
Und bevor die diese Labubo gemacht haben, haben die diese Blindboxen gemacht mit Figuren.
1:36:22–1:36:24
Also es gab immer so Figuren-Serien.
1:36:24–1:36:26
Die sind kleiner als die Labubos jetzt.
1:36:27–1:36:29
Aber die kamen dann immer so in einer Box und du wusstest immer nicht,
1:36:29–1:36:32
welcher Charakter aus der Serie ist. Du musstest dann quasi viele kaufen,
1:36:32–1:36:33
um die ganze Serie zu haben.
1:36:34–1:36:38
Und wir haben das irgendwann angefangen, als wir in Paris waren, da war ein Store.
1:36:40–1:36:43
und in Berlin gab es keinen Laden, aber immer wenn ich in New York war,
1:36:43–1:36:45
habe ich dann den Kindern eben eine Box mitgebracht.
1:36:47–1:36:49
Und jetzt gibt es den Laden hier und jetzt sind die eben so erfolgslich mit
1:36:49–1:36:53
den Labubus, dass wir nichts in den Popmart Store können, um uns eine Box zu
1:36:53–1:36:55
kaufen, weil alle da blöd wegen diesen Labubus anstehen.
1:36:56–1:36:59
Also wirklich unglaublich, die haben im Alexa jetzt einen Laden aufgemacht.
1:37:00–1:37:02
Und die stehen da immer noch auf Schlange, die Leute.
Florian Clauß
1:37:03–1:37:03
Wahnsinn.
Tobias Kunisch
1:37:03–1:37:07
Also wirklich auch Wochen später ist da noch eine stundenlange Schlange.
1:37:08–1:37:11
um da reinzukommen. Unglaublich.
Florian Clauß
1:37:13–1:37:16
So, jetzt habe ich jetzt schon alle da verbraucht, kann das sein?
Tobias Kunisch
1:37:16–1:37:21
Ja. Das kommt davon, wenn man sich so ein großes Keyboard-Layout kauft.
Florian Clauß
1:37:23–1:37:25
Das kennst du gar nicht.
Tobias Kunisch
1:37:25–1:37:29
Ich mache zwei Switches rein und dann lässt es über die Funktionstaste.
Florian Clauß
1:37:31–1:37:35
Genau, du brauchst dann irgendwie fünf Tastendrücke, um A zu machen.
Tobias Kunisch
1:37:39–1:37:45
Aber es gibt da wirklich, also es gibt ja auch 40% Layouts, ne? Oder noch kleiner.
Florian Clauß
1:37:46–1:37:48
Das ist ein Bank-Terminant.
Tobias Kunisch
1:37:48–1:37:53
Ja, ich finde es eigentlich schon ästhetisch attraktiv, aber ich glaube,
1:37:54–1:37:55
es ist da wirklich zu anstrengend.
1:37:55–1:37:59
Die haben dann auch so eine Split-Space-Taste, also quasi eine zweigeteilte
1:37:59–1:38:02
Space-Taste, damit du die eine Hälfte nochmal anders belegen kannst.
Florian Clauß
1:38:02–1:38:04
Echt? Wow.
Tobias Kunisch
1:38:05–1:38:09
Und oft ist dann die Control-Taste da, wo die Caps-Lock-Taste ist,
1:38:09–1:38:10
weil die braucht eigentlich eh keiner.
1:38:11–1:38:13
Und wenn du die unter der Reihe nicht hast,
1:38:15–1:38:18
dann belegst du halt die Caps-Lock-Taste anders quasi.
1:38:19–1:38:23
Die haben dann auch keine Nummerntasten, da müssen wir dann halt Funktionen
1:38:23–1:38:27
QW, ERT und so drücken für 1, 2, 3, 4.
Florian Clauß
1:38:28–1:38:31
Okay. Wir müssen erstmal das O suchen.
Tobias Kunisch
1:38:32–1:38:38
Naja, das haben die uns ISO aufgemacht. Schau mal, das ist ANSI und das ist ANSI.
1:38:39–1:38:42
Und wir müssen aber ISO und ISO machen.
Florian Clauß
1:38:42–1:38:43
Okay.
Tobias Kunisch
1:38:43–1:38:48
Das heißt, der muss raus und der muss raus. Der muss eins drüber.
Florian Clauß
1:38:49–1:38:53
Da sind sie Schritt für Schritt, weil das kann man nicht merken.
Tobias Kunisch
1:38:55–1:38:57
Bist du sicher, dass du ISO willst?
Florian Clauß
1:38:58–1:38:58
Ja.
1:39:00–1:39:03
Also erklär doch mal den Unterschied zwischen ISO und ANSI.
Tobias Kunisch
1:39:03–1:39:05
Ja, sehr gut, sehr gut, sehr guter Punkt.
1:39:09–1:39:16
Wie unsere deutschen Zuhörer ja sehr gut kennen, ist die Enter-Taste auf einer
1:39:16–1:39:19
deutschen Tastatur, die auch nicht QWERTY, sondern QWERTY ist,
1:39:19–1:39:23
weil das Z ist neben dem T, nicht wie auch im Englischen das Y.
1:39:25–1:39:31
Hier ist die Enter-Taste, so eine große Taste, die quasi über zwei Tasten reingeht.
1:39:32–1:39:41
Also die ist quasi neben dem, also die Top-Row und die Home-Row quasi.
1:39:42–1:39:46
auf einer amerikanischen testatur an
1:39:46–1:39:49
sie american something something ist die
1:39:49–1:39:56
enttaste nur eine lei hoch dafür aber zwei tasten bei zwei units das heißt die
1:39:56–1:39:59
switches müssen natürlich anheiz ins pcb gesteckt werden damit die taste dann
1:39:59–1:40:04
drauf gesteckt werden wir haben das jetzt so gemacht wie man es für iso machen
1:40:04–1:40:09
leute weil ich nicht mitgedacht habe uns aber so gemacht wie auf meinen anderen Keyboards.
Florian Clauß
1:40:09–1:40:10
Das kommt davon.
Tobias Kunisch
1:40:11–1:40:16
Hier auf dem PCB hinten sieht man immer beschriftet bei den Kontakten ANSI, ISO.
1:40:18–1:40:20
Hier sind auch, also bei den anderen Tasten sieht man auch, was das für eine,
1:40:21–1:40:25
Grundbelegung sind, also Delete, End, Page Down, Page Up.
1:40:26–1:40:29
So. Deswegen kann man sich hier daran orientieren. Wir haben es nur falsch gemacht.
1:40:29–1:40:31
Ich überlege jetzt gerade, ob...
Florian Clauß
1:40:31–1:40:34
Wie würde ich mit dem Switch dann machen? Äh, mit dem Stäbbelaser.
Tobias Kunisch
1:40:34–1:40:35
Genau.
Florian Clauß
1:40:36–1:40:38
Den müssen wir eigentlich dann anders kippen oder?
Tobias Kunisch
1:40:38–1:40:39
Ja, ich glaube.
Florian Clauß
1:40:40–1:40:43
Kann man das? Ich glaube, das kann man auch. Probieren wir mal, oder?
Tobias Kunisch
1:40:43–1:40:46
Ah, genau. Genau, deswegen sind hier die beiden.
Florian Clauß
1:40:46–1:40:46
Ja, ja.
Tobias Kunisch
1:40:46–1:40:50
Ja, wir müssen ihn so rum anbringen. Ich hoffe, dass wir das machen können,
1:40:50–1:40:53
ohne dass das Plates im Make ist.
Florian Clauß
1:40:54–1:40:58
Okay, hoffe ich auch. Sonst machen wir eine Fortsetzung.
Tobias Kunisch
1:40:59–1:40:59
Okay.
1:41:07–1:41:14
Das, liebe Zuhörer, ist der Moment, wo Flo seine vergangenen Entscheidungen,
1:41:15–1:41:18
sich ein Keyboard zusammenzubauen, infrage stellt.
1:41:19–1:41:26
Nachdem er 87 Tasten in seinen 80% Keyboard eingebaut hat, haben wir jetzt festgestellt,
1:41:27–1:41:30
dass wir alles wieder auseinanderbauen müssen.
Florian Clauß
1:41:32–1:41:33
Gib mal den Pinzett an.
Tobias Kunisch
1:41:33–1:41:38
So, das ist der Charaktertest, dem sich Flo jetzt gegenüber sieht.
1:41:38–1:41:41
Was wird er tun in einem Moment von Frustration?
Florian Clauß
1:41:41–1:41:46
Der Charaktertest. Ich fühle mich gerade so ein bisschen wie... Fuck.
1:41:49–1:41:50
Machst du dich kaputt?
Tobias Kunisch
1:41:50–1:41:55
Kriegst du nichts aus? Nee, schau mal, weil der hier jetzt runtersitzt.
Florian Clauß
1:41:55–1:41:55
Ja, ja.
Tobias Kunisch
1:41:59–1:42:01
Du bist Charakter blind, Flo.
Florian Clauß
1:42:04–1:42:06
Zieht das auch bei deinen Kindern?
Tobias Kunisch
1:42:06–1:42:09
Nee. Die wollen jetzt schon weinen.
1:42:13–1:42:17
Ja. Dann kannst du lernen, wie man Switches wieder rausziehen.
Florian Clauß
1:42:19–1:42:22
Okay, wollen wir das jetzt machen? Wie viel Zeit haben wir noch?
Tobias Kunisch
1:42:26–1:42:27
Zieh du sie raus, ich mach sie rein.
1:42:35–1:42:45
diese schale hat eine funktion die frustrationsschale die geschahle wie gesagt
1:42:45–1:42:50
auch schon mal passiert ja umso besser fühlt sich an wenn dann alle so sind,
1:42:54–1:42:58
Während Flo die ganzen Switches wieder rauszieht, können wir nochmal einen Tastaturvergleich
1:42:58–1:43:00
machen. Das, was wir hier hören,
1:43:02–1:43:07
ist eine Apple-Tastatur. Das ist keine mechanische Tastatur,
1:43:07–1:43:08
das ist eine Membrantastatur.
Florian Clauß
1:43:08–1:43:15
Was ist denn eigentlich eine Membrantastatur? Das hat man das letzte Mal schon erklärt, oder?
Tobias Kunisch
1:43:15–1:43:16
Ja.
Florian Clauß
1:43:16–1:43:18
Da wären nur so Nupsis.
Tobias Kunisch
1:43:18–1:43:22
Ja, da ist quasi so eine Plastikfolie runter mit...
Florian Clauß
1:43:22–1:43:24
So Federn, so Metallplatten.
Tobias Kunisch
1:43:25–1:43:30
Genau, wenn man einfach die Taste runterdrückt, dann wird die Metallfolie runtergedrückt
1:43:30–1:43:34
und der Kontakt schließt dann deswegen damit oder darum.
1:43:35–1:43:40
Und da ist eben kein Switch drin oder sowas. Es ist einfach nur so eine Plastikfolie.
1:43:40–1:43:49
Deswegen ist das alles so ein bisschen schwammiger und so ein bisschen so.
Florian Clauß
1:43:52–1:43:56
Ich war ja sehr gewöhnt.
Tobias Kunisch
1:43:57–1:44:04
Bin gewöhnt. Ja, ich meine, ich bin gespannt, wie es dir dann da geht mit deiner
1:44:04–1:44:06
mechanischen Tastatur.
1:44:06–1:44:10
Oder ob du die hier dann in zwei Wochen frustriert ablieferst.
Florian Clauß
1:44:12–1:44:16
Tobes, hier, für dein Regal, für dein Ausstellungsregal.
1:44:18–1:44:20
Ich meine, schön wird sie aussehen.
Tobias Kunisch
1:44:21–1:44:22
Hier kann man nochmal hören.
1:44:24–1:44:32
Sehr schön. Die mag ich sehr gerne. Das sind Akku Rosewood Linear Switches. In Lumen Key 65.
Florian Clauß
1:44:33–1:44:34
Blinkt da was?
Tobias Kunisch
1:44:34–1:44:39
Ja, da blinkt was, was ich verbinden möchte. Sehr kontaktsäuliges Keyboard.
Florian Clauß
1:44:41–1:44:44
Ja, was ist sonst die Aufgabe von einem Keyboard?
Tobias Kunisch
1:44:45–1:44:45
Ja.
Florian Clauß
1:44:46–1:44:47
Außer Kontakte zu verbinden.
Tobias Kunisch
1:44:47–1:44:53
Hier im vergleich ich.
Florian Clauß
1:44:53–1:44:54
Glaube jetzt geht es.
Tobias Kunisch
1:44:54–1:44:58
So muss
1:44:58–1:45:01
es ja wieder aufnehmen muss man sagen dass
1:45:01–1:45:06
wir jetzt die stabilisatoren erfolgreich
1:45:06–1:45:09
umgesetzt haben nachdem flur alle switches wieder raus gemacht
1:45:09–1:45:14
hat und wir alles wieder rein gemacht und jetzt sind
1:45:14–1:45:20
wir gerade dabei die tasten auf die switches zu stecken der eigentliche der
1:45:20–1:45:27
eigentlich ist eigentlich spaß macht hier ich mag gerade die app tasten versuch
1:45:27–1:45:30
so auszufinden wo die anderen tasten.
Florian Clauß
1:45:33–1:45:35
Hingehen fv fun.
Tobias Kunisch
1:45:35–1:45:44
Was ich ja abgefahren findet bei dwork ist dass die dass die nummern tasten
1:45:44–1:45:47
nicht in der numerischen Reihenfolge sind.
Florian Clauß
1:45:47–1:45:52
Ja, das finde ich, das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Und das würde mich
1:45:52–1:45:53
total wahnsinnig machen.
1:45:58–1:45:59
Die hängt.
1:46:02–1:46:07
Also wir hängen gerade hier an der Shift-Taste fest.
Tobias Kunisch
1:46:10–1:46:13
Also der Switch ist es nicht. Es ist eindeutig der.
Florian Clauß
1:46:14–1:46:15
Die Schmiere?
Tobias Kunisch
1:46:16–1:46:17
Naja, der Stabilisator.
1:46:23–1:46:25
Also ich hatte das auch schon mal.
Florian Clauß
1:46:25–1:46:26
Und was hast du gemacht?
Tobias Kunisch
1:46:30–1:46:31
Auseinandergebaut und die,
1:46:33–1:46:37
Stabilisatoren nochmal neu gemacht. Aber lass uns einfach mal...
Florian Clauß
1:46:37–1:46:42
Du, lass uns vielleicht... Das kann ich ja dann zu Hause machen. Ich weiß ja, wie es geht.
1:46:43–1:46:47
Und ich würde jetzt einfach vorschlagen, wir machen den Rest das mal rein.
Tobias Kunisch
1:46:47–1:46:50
Ich meine, die gute Nachricht ist, du hast ja noch ein anderes Schiff.
Florian Clauß
1:46:52–1:46:54
So, gleich sind wir fertig.
1:46:57–1:47:00
und this is the end,
1:47:02–1:47:05
my friend so, was habe ich hier?
Tobias Kunisch
1:47:05–1:47:10
Oh, aber es hört sich schon gut an sagst du nur so wieso sage ich das schon?
Florian Clauß
1:47:11–1:47:18
Das ist doch der beste dafür machen wir das doch hier ja erst Fragezeichen haben
1:47:18–1:47:20
wir jetzt kommt diese Apostrophe,
1:47:23–1:47:26
Das ist ein bisschen wie Puzzeln. Ja.
Tobias Kunisch
1:47:27–1:47:31
Ach so, aber du hast die Tilde hier gar nicht auf Deutsch. Da ist das da.
Florian Clauß
1:47:31–1:47:31
Ja.
Tobias Kunisch
1:47:32–1:47:33
Hä, wann benutzt man das denn?
Florian Clauß
1:47:34–1:47:35
Um Grad zu machen?
Tobias Kunisch
1:47:36–1:47:37
Wie oft himmst du Grad?
Florian Clauß
1:47:37–1:47:38
Ja, öfters mal.
Tobias Kunisch
1:47:39–1:47:39
Ja?
Florian Clauß
1:47:39–1:47:40
Ich habe einen Kochblog.
1:47:43–1:47:45
Gut, dass du fragst.
Tobias Kunisch
1:47:46–1:47:48
Wie würde ich das denn finden im Internet, Flo?
Florian Clauß
1:47:50–1:47:52
Warte mal, kommt das Plus nach oben? das Sternchen?
Tobias Kunisch
1:47:53–1:47:57
Das Sternchen kommt nach oben, glaube ich. Du willst ja plus ohne Shift suchen
1:47:57–1:48:00
können, weil du hast ja eh kein Shift, was funktioniert.
Florian Clauß
1:48:02–1:48:04
Meine Erdlinie ist ja nur.
1:48:06–1:48:08
Die kann man auch nicht erkennen.
Tobias Kunisch
1:48:08–1:48:08
Schwarz auf schwarz.
Florian Clauß
1:48:10–1:48:14
Jetzt fangen wir an. So, M fehlt noch.
Tobias Kunisch
1:48:14–1:48:16
Ja, da ist M.
Florian Clauß
1:48:18–1:48:21
F13 brauche ich nicht. Doppelpunkt.
1:48:22–1:48:28
Ja, und meines. Und da oben noch die, was fehlt da oben noch?
Tobias Kunisch
1:48:28–1:48:34
Print Source, Scroll, Path. Print, Scroll, Path, Print.
1:48:35–1:48:37
Die Tasten, die man immer benutzt.
1:48:39–1:48:42
Weswegen man unbedingt so ein großes Keyboard haben sollte.
Florian Clauß
1:48:43–1:48:45
Toops. Noch was netten.
1:48:48–1:48:50
So, wir sind fertig. Das ist ja spannend jetzt.
Tobias Kunisch
1:48:52–1:48:52
Spannend.
Florian Clauß
1:48:52–1:48:52
So.
1:48:54–1:48:59
Au, jetzt darf ich es reinlegen. Boah, Klack. Hast du es gehört?
1:49:00–1:49:01
Wie es Klack gemacht hat?
Tobias Kunisch
1:49:02–1:49:03
Ja, ich glaube, da ist ein Magnet.
Florian Clauß
1:49:04–1:49:04
Ja, ja.
Tobias Kunisch
1:49:06–1:49:07
Oh, Flur.
Florian Clauß
1:49:08–1:49:09
Wow.
Tobias Kunisch
1:49:10–1:49:11
Tipp war es.
1:49:18–1:49:19
Ja, und so weiter. Aber schön.
Florian Clauß
1:49:22–1:49:24
Ja, vielen Dank, Mensch.
Tobias Kunisch
1:49:25–1:49:29
Ja, das ist, ich bin ein bisschen bummend, dass das nicht hier mit der Shift-Taste
1:49:29–1:49:30
jetzt besser geklappt hat.
Florian Clauß
1:49:31–1:49:31
Ja.
Tobias Kunisch
1:49:32–1:49:33
Die musst du hier nochmal umsetzen.
Florian Clauß
1:49:34–1:49:35
Die setze ich nochmal um.
Tobias Kunisch
1:49:35–1:49:38
Das ist aber relativ einfach. Die Shift-Taste musst du nur nochmal...
Florian Clauß
1:49:38–1:49:42
Die Shift-Taste muss ich beobachten. Das bringt ja Spaß von vorne an.
1:49:43–1:49:50
Auf jeden Fall bin ich begeistert. Merkt man noch, oder? Wie ich sprühe.
1:49:51–1:49:56
Sehr cool. Danke, dass ich nochmal beim Podcast mitmachen möchte.
1:49:56–1:50:01
Immer, Tubs, mit deiner Stimme bist du Stammgast.
Tobias Kunisch
1:50:01–1:50:03
Das nächste Mal dann mit unserer Schreibmaschinen-Sammlung.
Florian Clauß
1:50:04–1:50:10
Genau. Wir gehen weiter in Richtung wahrscheinlich das nächste Mal bei unserem
1:50:10–1:50:17
eigenen Buchdruck mit den verschiedenen Fonts, die wir dann noch irgendwie auf
1:50:17–1:50:19
dem Flohmarkt gekauft haben.
1:50:19–1:50:24
Ja, das war jetzt eigentlich Podcast. Eine lange Episode. Ich muss mal schauen.
Tobias Kunisch
1:50:24–1:50:25
Wie viel da rausgestimmt.
Florian Clauß
1:50:26–1:50:29
Wie viel da wirklich noch mitkommt. Hey Tobes, hallo.
Tobias Kunisch
1:50:29–1:50:30
Hey Flo. Guten Morgen.
Florian Clauß
1:50:31–1:50:35
Guten Morgen. Also wir haben jetzt uns nochmal abgesprochen,
1:50:35–1:50:39
dass wir ein Recap machen wollen von dem,
1:50:39–1:50:44
was ich da zusammengebaut habe und noch welche Hindernisse ich auf den Weg bewältigen
1:50:44–1:50:51
musste, um jetzt fast eine Woche mein neues Keyboard hier tatsächlich auch benutzen zu können.
Tobias Kunisch
1:50:52–1:50:56
Ja, Flo, ich muss natürlich wissen, wie es dir ergangen ist und vor allem wie
1:50:56–1:50:57
sich das Keyboard jetzt anhört.
Florian Clauß
1:50:57–1:51:00
Ja, das Keyboard hört sich so an.
1:51:05–1:51:07
Hörst du die Stabilisatoren?
Tobias Kunisch
1:51:08–1:51:08
Fantastisch.
Florian Clauß
1:51:09–1:51:10
Ja, also es ist...
Tobias Kunisch
1:51:10–1:51:13
Ich könnte den ganzen Tag zuhören, Flo.
Florian Clauß
1:51:14–1:51:17
Aber nur dem Keyword, nicht mir.
Tobias Kunisch
1:51:19–1:51:20
Naja, hier auch ein bisschen.
Florian Clauß
1:51:21–1:51:26
Ja, es gab noch einiges, was nicht so rund gelaufen ist.
1:51:26–1:51:30
Wir hatten ja, Ende der Sendung hatten wir ja zumindest irgendwie alle gehabt,
1:51:31–1:51:36
Okay, Keycaps drauf, ja, aber die Shift-Taste hat noch rumgemuckert,
1:51:37–1:51:42
das war die linke Shift-Taste und das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen
1:51:42–1:51:51
lassen und habe am nächsten Tag alles auseinandergebaut, um den Stabilisator nochmal zu schmieren.
1:51:52–1:51:56
und ja, also wir hatten ja in dem
1:51:56–1:51:59
Podcast gesagt, also in unserer Aufnahme gesagt, das ist die halbe Miete.
1:52:00–1:52:05
Es hat tatsächlich auch etwas länger gedauert, bis ich das wieder dann zusammengebaut habe.
1:52:06–1:52:09
Ich habe den geschmiert und vor allen Dingen, ich weiß nicht,
1:52:09–1:52:13
ob du dich daran erinnerst, da gab es noch so zwei Klebchen,
1:52:13–1:52:18
die man auf das Board geklebt hat, die dann so vorne und hinten einen Kreis
1:52:18–1:52:21
hatten mit so einem Ja, mit so einem Loch drin.
1:52:21–1:52:27
Und ich habe die Vermutung, das hat so ein bisschen Spannung auf dem Stabilisator gebracht,
1:52:27–1:52:31
dass der dann halt nicht ganz mehr so hoch direkt gelaufen ist,
1:52:31–1:52:37
sondern den hat es verzogen und dann gibt es halt noch so Perforierungen, wo der dann,
1:52:37–1:52:41
du siehst halt noch, dass die dann so rausgestanzt wurden aus dem Plastik.
1:52:41–1:52:45
Zwei kleine Nüppelchen, die eigentlich überhaupt nicht auffallen sollten.
Tobias Kunisch
1:52:45–1:52:46
Weißt du was, Flo?
Florian Clauß
1:52:47–1:52:47
Ja.
Tobias Kunisch
1:52:47–1:52:54
Weißt du was? Wir haben dann festgestellt, dass die Schrauben auf deinem PCB von unten reinkommen.
1:52:55–1:52:58
Und wir haben dann aber den Kleber nicht gewechselt. Wir haben den Kleber oben
1:52:58–1:53:01
drauf gemacht. Und wir dachten, die Schrauben kommen von oben rein.
1:53:01–1:53:04
Und dann haben wir die Schrauben auf die andere Seite gemacht,
1:53:04–1:53:06
aber den Kleber nicht auf die andere Seite gemacht.
1:53:06–1:53:10
Und bei den anderen Stabilisatoren hast du dann gesagt, fuck it,
1:53:10–1:53:12
ich lass die Kleber einfach weg.
1:53:12–1:53:16
Und deswegen hattest du da keine Probleme bei den anderen Stabilisatoren.
Florian Clauß
1:53:16–1:53:21
Ja, stimmt. Die kommen natürlich zu den Schrauben, diese Klebchen-Dinger.
1:53:22–1:53:28
Naja, ich habe dann alles auseinandergebaut, geschmiert, wieder zusammengebaut
1:53:28–1:53:36
und es lief, bis ich dann HTML schreiben wollte.
Tobias Kunisch
1:53:37–1:53:42
Das macht ja auch keiner mehr, Flo. Hast du nicht Chat-GPT?
Florian Clauß
1:53:42–1:53:47
Ja, auch, aber man muss ja auch mal so richtig mal von Hand an die Selektoren, weißt ja.
1:53:48–1:53:52
Und dann habe ich festgestellt, fehlende spitze Klammer.
1:53:53–1:53:58
Und zwar ist es auf dem deutschen Tastatur-Layout so, dass neben der Shift-Taste
1:53:58–1:54:01
diese Klammer auf, Klammer zu, Spitze-Klammer ist.
1:54:02–1:54:06
Und ich dachte, Moment mal, ich meine, man merkt Frühsachen im Leben.
1:54:08–1:54:12
Man muss ja erst irgendwie erwachsen werden, bis man halt merkt,
1:54:12–1:54:13
dass einem die Spitze-Klammer fehlt.
1:54:14–1:54:19
Naja, und dann war jetzt so die kaskadierende Idee, Mist, da hätten wir überhaupt
1:54:19–1:54:21
keinen Stabilisator gebraucht.
1:54:22–1:54:28
Und ja, dann ging wieder alles auseinander und dann habe ich wieder alles zusammengebaut.
1:54:29–1:54:33
Aber wie du sagst, ja, mit dem ganzen Auseinander und Zusammenbauen,
1:54:33–1:54:36
man identifiziert sich ja dann mit dem Keyboard.
Tobias Kunisch
1:54:38–1:54:43
Ja, also man hat ja keine Beziehung zu seinem Keyboard, bevor man alle Switches
1:54:43–1:54:47
nochmal rausgerissen hat, alle Keycaps nochmal abgebaut hat und alles von vorne gemacht hat.
1:54:48–1:54:52
Aber da habe ich natürlich nicht daran gedacht, dass die spitze Klammer neben
1:54:52–1:54:54
der Shift-Taste ist im Deutschen.
1:54:54–1:54:56
Das war so ein bisschen das Problem mit unserer,
1:54:56–1:55:01
Das wir hatten mit der Shift-Taste, wo wir erst die Stabilisatoren für die amerikanische
1:55:01–1:55:03
Shift-Taste eingebaut haben.
1:55:03–1:55:05
Da haben wir nicht gut genug aufgepasst.
Florian Clauß
1:55:05–1:55:10
Nee, du hast ja auch Vorwürfe gemacht. Hätte ich besser vorbereiten.
1:55:11–1:55:15
Aber wir haben einfach so locker gesagt, Shift happens, ja.
1:55:16–1:55:21
Nichts passt besser als hier in dieser Ausdruck. Insofern alles gut.
1:55:21–1:55:26
Ja, und dabei habe ich noch festgestellt, wir haben ja dieses Key-Mapping-Programm,
1:55:26–1:55:28
wo du dann halt quasi UseWire,
1:55:28–1:55:35
wo du dann die ganzen Funktionen der Keys dann durchtesten kannst und bei mir
1:55:35–1:55:40
hat das Z nicht funktioniert und dann dachte ich erstmal ewig lange, ja Z und Y,
1:55:40–1:55:43
das hat bestimmt was mit der Tastaturbelegung zu tun.
1:55:43–1:55:47
Und da habe ich versucht, das nochmal in diesem UseWire, dann kannst du dein
1:55:47–1:55:53
Tastaturprofil hochladen und du kannst dann halt quasi auf dem Bildschirm,
1:55:53–1:55:55
kriegst du die Tasten dargestellt,
1:55:55–1:55:59
die klickst du und kannst die dann halt zuweisen, den anderen Tasten,
1:56:00–1:56:03
indem du dann die entsprechende Taste auf dein Keyboard klickst.
1:56:03–1:56:07
Und da hat das Set aber immer noch nicht funktioniert.
1:56:07–1:56:10
Und dann habe ich mir mal das Board von hinten angeguckt und gesehen,
1:56:11–1:56:15
dass da tatsächlich der Kontakt einfach so abgestanden hat vom Keyboard und
1:56:15–1:56:20
der Kontakt von dem Switch gar nicht quasi drin war.
1:56:21–1:56:24
Und auch physisch, dass der Schalter nicht funktionieren konnte.
1:56:24–1:56:26
Und dann habe ich mich schon löten sehen.
1:56:30–1:56:33
Aber dann habe ich das Ding einfach runtergedrückt und es ging und dann habe
1:56:33–1:56:34
ich es schnell zugemacht,
1:56:40–1:56:41
aber dann.
Tobias Kunisch
1:56:41–1:56:43
Ging es immer noch nicht, oder?
Florian Clauß
1:56:43–1:56:47
Doch, ja, es ging immer noch nicht es waren so ein paar Tasten,
1:56:47–1:56:52
die noch falsch gemappt oder anders gemappt waren aber da funktioniert dieses Use Wire ganz gut,
1:56:53–1:56:59
ich musste noch ein paar Mal quasi meinen Tastatur-Layout über das Programm einstellen.
1:57:00–1:57:04
Und jetzt funktioniert es erstaunlich gut. Und noch einen anderen Punkt,
1:57:04–1:57:08
den ich erwähnen möchte mit den schwarzen Schriften auf schwarzer Taste.
1:57:09–1:57:15
Du bist gezwungen hier, weil ich ja auch teilweise die Vorhänge zu habe,
1:57:15–1:57:17
weil mir zu doll die Sonne reinschaltet.
1:57:17–1:57:20
Du bist gezwungen blind zu tippen mit diesem Layout.
1:57:21–1:57:26
Meine Skills in richtige getastet treffen, werden automatisch durch diese Tastatur erzwungen.
Tobias Kunisch
1:57:28–1:57:29
Na siehste, er ist da.
Florian Clauß
1:57:29–1:57:32
Ja, ich bin über die Woche besser geworden.
Tobias Kunisch
1:57:33–1:57:34
Sehr schön.
Florian Clauß
1:57:35–1:57:35
Ja.
Tobias Kunisch
1:57:36–1:57:41
Was man ja auch nochmal erklären kann mit der VIA-Software, wie das funktioniert,
1:57:41–1:57:45
das ist quasi, ich glaube, das hatten wir schon im ersten Teil vom Podcast angesprochen,
1:57:46–1:57:49
die ganz viele von diesen mechanischen Keyboards, die man sich selber zusammenbaut,
1:57:49–1:57:53
benutzen diese QMK-Firmware, Das ist ein Open Source Firmware.
1:57:54–1:57:59
Und diese VIA Software ist eine von ein paar Software-Releases,
1:58:00–1:58:04
die dann eben automatisch die Sprache von dieser Firmware verstehen und sich
1:58:04–1:58:08
mit so einem Q&K-Keyboard verbinden können.
1:58:08–1:58:13
Und wenn man die Tastengelegung ändert, dann schreibt es das direkt in die Firmware
1:58:13–1:58:15
rein, was dein Tastenlayer ist.
1:58:16–1:58:19
Das heißt, wenn du dann deine Tastatur mit zur Arbeit nimmst,
1:58:19–1:58:22
um deine Kollegen zu quälen im Office.
1:58:24–1:58:29
zu beeindrucken, dann sagen die, Flo, du weißt ohne hinzugucken,
1:58:29–1:58:30
wo das F ist auf deiner Tastatur.
Florian Clauß
1:58:31–1:58:33
Genau, warte mal, F-U-C-K.
Tobias Kunisch
1:58:37–1:58:41
Na, auf jeden Fall funktioniert dann das Keyboard, sollte das Keyboard auch
1:58:41–1:58:47
auf deinem Terminal für deinen Linux Mainframe weiterarbeiten müssen.
Florian Clauß
1:58:48–1:58:52
Genau, für meinen Linux Rechner. wenn ich mich mal im Serverraum quasi ein Bier
1:58:52–1:58:58
trinken will und dann nochmal noch irgendwie den Apache neu starten möchte.
1:59:01–1:59:05
Ja, das hast du auch erwähnt an der Stelle, dass das wirklich so sich auf das
1:59:05–1:59:11
Board schreibt und dass das Mapping dann quasi jetzt nicht im Speicher,
1:59:11–1:59:15
im Memory-Speicher irgendwo abgelegt wird, sondern auf dem Board bleibt.
1:59:16–1:59:18
Das ist von Vorteil.
1:59:19–1:59:21
so viel hat uns Open Source gebracht.
Tobias Kunisch
1:59:22–1:59:29
Und Flo, wann änderst du jetzt dein Tastatur-Layout auf Colmac oder auf Rack?
Florian Clauß
1:59:29–1:59:34
Ja, ich muss wieder an das Muskelgedächtnis appellieren.
1:59:35–1:59:39
Also ich glaube nicht, ich bin so froh, dass ich die richtigen Tasten erwische.
1:59:41–1:59:45
Wirklich. Und wenn ich hier das Layout ändern würde, das wäre total übermütig.
1:59:45–1:59:49
Und ich bin ja auch nicht mehr so jung, weißt du, so im Alter kriegt man ja
1:59:49–1:59:53
nicht mehr so einfach die Muskelbewegungen eingespeichert wie noch jung.
Tobias Kunisch
1:59:54–1:59:55
Ja, ja.
Florian Clauß
1:59:55–1:59:56
Wie so die Jungen.
Tobias Kunisch
1:59:57–2:00:01
Geht mir genauso, ich bin auch immer, ich bin, ich glaube, ich werde die restlichen
2:00:01–2:00:03
Lebens mich mit Quartier umschlagen.
Florian Clauß
2:00:03–2:00:07
Ja, und ich habe meine Befürchtung, das möchte ich auch nochmal auflösen,
2:00:07–2:00:12
meine Befürchtung halt, ich habe ja gesagt, so flache Tastatur vom Mac habe ich immer benutzt.
2:00:13–2:00:18
Und einfach, weil ich da auch nicht so tief drücken muss, Und es fühlt sich
2:00:18–2:00:20
einfach super an beim Tippen.
2:00:20–2:00:24
Es macht wirklich, also es ist so ein bisschen, man hat das Gefühl,
2:00:24–2:00:26
man tut was Gutes beim Tipp.
2:00:26–2:00:31
Es hört sich gut an, es fühlt sich gut an und es ist ein Unterschied,
2:00:32–2:00:34
muss ich ehrlich sagen, mit so einer mechanischen Tastatur.
Tobias Kunisch
2:00:35–2:00:39
Und du fühlst dich wieder deiner Olivetti-Schreibmaschine näher.
Florian Clauß
2:00:40–2:00:45
Ja, nicht unbedingt, weil die Olivetti, die hat, das war, also ich meine,
2:00:45–2:00:49
auf Schreibmaschinen tippen, wenn du wirklich diesen Impuls mechanisch übertragen
2:00:49–2:00:54
musst auf das Farbband, auf das Blatt, das ist für zu krämpfen.
2:00:54–2:00:58
Also ich meine, kein Wunder, dass die Leute früher wütende Texte geschrieben haben.
Tobias Kunisch
2:01:02–2:01:07
Apropos wütende Texte, hast du mal, wie ist denn dein Word-Per-Minute-Count jetzt?
Florian Clauß
2:01:08–2:01:14
Da habe ich mich noch nicht getraut. Ich muss mir dann einen Account einrichten bei Monkey Keys.
2:01:14–2:01:16
Ja, habe ich noch nicht gemacht. Das werde ich mal tun.
Tobias Kunisch
2:01:17–2:01:17
Monkey Type, glaube ich.
Florian Clauß
2:01:19–2:01:24
Monkey Type, genau. Das werde ich dann mal machen und mich dann ein bisschen,
2:01:25–2:01:28
wenn ich sicherer bin auf der Tastatur, ich bin schon sehr sicher,
2:01:28–2:01:31
aber dann können wir so ein bisschen betteln.
Tobias Kunisch
2:01:33–2:01:39
Genau, type off. Aber muss er vielleicht nochmal erklären, den Zuhörern.
2:01:39–2:01:42
monkeytype.com ist so eine Website, die gibt einem einfach nur so einen Text.
2:01:42–2:01:45
Also ich benutze immer ein Quote, ich suche mal ein Quote aus irgendeinem Buch.
2:01:46–2:01:50
Und den kann man dann abschreiben, abtippen, auf seiner Tastatur.
2:01:50–2:01:55
Und am Schluss gibt es einem sein Word-Per-Minute-Ergebnis, also wie viele Wörter
2:01:55–2:01:56
die Minute hat man getippt.
2:01:57–2:02:01
und es variiert eben von Tipper zu Tipper sehr.
2:02:01–2:02:06
Leute, die echt gut tippen können, sind glaube ich so bei, weiß nicht, 140 Wörter die Minute.
2:02:06–2:02:08
Ich bin da noch weit von entfernt.
Florian Clauß
2:02:10–2:02:14
Ja, das ist ein Next Level hier.
2:02:14–2:02:17
Aber ich bin erstmal froh, dass ich so weit gekommen bin, dass ich überhaupt
2:02:17–2:02:19
mein Keyboard benutzen kann.
2:02:19–2:02:24
Und was mich wenig nervt, ich habe hier noch so ein LED-Licht,
2:02:24–2:02:28
was die ganze Zeit durch die Farben durchiteriert.
2:02:29–2:02:33
Das meintest du noch, das kann man ausschalten. Aber das stört mich gar nicht.
2:02:33–2:02:35
Das ist eigentlich ganz geil.
2:02:35–2:02:40
So ein kleines Schmuckelement, was dann eigentlich total nerven sollte, wenn man es sieht.
2:02:40–2:02:42
Aber es nervt nicht und es ist schön.
Tobias Kunisch
2:02:42–2:02:48
Du solltest aber auch in der Lage sein, das Muster zu ändern,
2:02:48–2:02:50
wie die Tasten aufleuchten und so.
2:02:50–2:02:55
Da kannst du entweder gucken, also entweder hat Credit Keys da eine Anleitung,
2:02:55–2:02:57
welche Tastenkombinationen das ändern können.
2:02:58–2:03:03
Oder du müsstest es über via machen können oder über eine andere Software.
2:03:03–2:03:07
Es gibt auch noch Vial, also V-I-A-L.
2:03:08–2:03:09
Das ist so eine ähnliche Software.
2:03:10–2:03:11
Das kommt immer aufs Keyboard drauf an.
2:03:11–2:03:15
Aber ich würde das erstes mal bei QWERTYKEYS.com gucken auf das Manual.
2:03:15–2:03:18
Die haben so eine Notion-Site mit ihren Anleitungen.
2:03:18–2:03:22
Dann kannst du wahrscheinlich einfach nachgucken, welche Tastenkombinationen
2:03:22–2:03:25
das RGB-Pattern ändert.
Florian Clauß
2:03:25–2:03:33
Ja, ich habe das auch gesehen in wir, dass da was mit Leids steht.
2:03:33–2:03:35
Und dann habe ich irgendwie mal ein bisschen rumgeklickt, aber dann habe ich
2:03:35–2:03:39
es wieder sein gelassen, weil ich dachte, wenn ich mir da irgendwas in dieses
2:03:39–2:03:41
Board reinschreibe, was ich dann nicht mehr rausbekomme.
2:03:42–2:03:45
Nee, ich habe mich dann nicht weiter beschäftigt. Also der Leidensdruck ist noch nicht so hoch.
2:03:46–2:03:53
Und ja, aber danke für den Hinweis. Das werde ich auch nochmal angehen und systematisch vertiefen.
Tobias Kunisch
2:03:53–2:03:58
Cool. Ich bin sehr, sehr froh, dass es am Schluss alles dann noch zusammengekommen
2:03:58–2:04:00
ist und dass du Freude hast an deinem Keyboard.
2:04:00–2:04:04
Ich habe mir große Sorgen gemacht, dass ich dich bequatscht habe,
2:04:04–2:04:07
dir so einen Keyboardzug zu legen und es dann am Schluss...
2:04:07–2:04:12
nicht funktioniert und du nie wieder groß schreiben kannst und deine Shifters nicht funktionieren.
Florian Clauß
2:04:12–2:04:16
Ja, das fand ich ganz süß, dass du dir da wirklich Sorgen gemacht hast.
2:04:16–2:04:20
Aber nein, das war eine freie und eigene Entscheidung, Tobes.
Tobias Kunisch
2:04:21–2:04:24
Okay. Schneid es nicht raus, ich möchte, dass deine Hörer das wissen, Flo.
Florian Clauß
2:04:26–2:04:29
Ich habe da die Verträge bei dir ja unterschrieben.
2:04:32–2:04:36
Nein, also vielen, vielen Dank nochmal, Tobes, dass du mir dann in die Tiefen
2:04:36–2:04:39
deines neuen Hobbys mich eingeweiht hast, ja.
2:04:39–2:04:42
Hat mir total Spaß gemacht, ja.
Tobias Kunisch
2:04:42–2:04:43
Es war mir eine Freude.
Florian Clauß
2:04:44–2:04:44
Ja.
Tobias Kunisch
2:04:45–2:04:48
Und jetzt musst du natürlich überlegen, was dein nächstes Keyboard sein wird, ne?
Florian Clauß
2:04:50–2:04:55
Ja, ich weiß nicht. Also ich werde auf jeden Fall in Richtung Numpad gehen, ja.
2:04:55–2:05:02
Also ich will auch so einen Lautstärkeregler und das brauche ich. Das ist so das Nächste.
2:05:02–2:05:06
Und dann mal schauen. Und ich hatte ja mir auch im Rechercheprozess,
2:05:06–2:05:09
hatte ich mir dann auch ausgeguckt, es gibt tatsächlich so Holztasten,
2:05:10–2:05:11
die man auch einsetzen kann.
2:05:11–2:05:14
Da hatte ich dich auch gefragt, hast du schon mal mit Holztasten was gemacht?
Tobias Kunisch
2:05:16–2:05:21
Nee, es gibt aber alle möglichen interessanten Massualien. Ich habe mein Auge
2:05:21–2:05:23
auf Keramiktasten geworfen.
2:05:23–2:05:28
Es gibt auch Keramiktasten, die sind dann gebrannt und die sind ziemlich schwer
2:05:28–2:05:33
und sollen eben ein schönes, tiefes Geräusch machen, weil die dann genug Resonanz haben.
2:05:34–2:05:36
Das könnte auch interessant sein.
Florian Clauß
2:05:36–2:05:39
Aber Keramik wäre auch ein Projekt für Nomsa, oder?
Tobias Kunisch
2:05:40–2:05:46
Ja, ich glaube, da hat sie nicht die Passion für Keramik, aber nicht für Tasten.
Florian Clauß
2:05:48–2:05:53
Aber das wäre auf jeden Fall sehr nischig. Ja, spannend. Keramik finde ich auch sehr spannend.
2:05:54–2:05:58
Also vielleicht ist man da noch irgendwie so an den Tasten austauschen.
2:05:58–2:06:03
Keyboard, also ich bin mit den Switches und mit dem Sound bin ich total zufrieden.
2:06:04–2:06:07
Und ich bin vielleicht auch nicht so explorativ unterwegs wie du,
2:06:07–2:06:12
der dann hat natürlich da mit den neuen Kombinationen von Keyboards da immer
2:06:12–2:06:16
was ausprobiert und mal gucken, mal gucken.
2:06:16–2:06:20
Auf jeden Fall haben wir was, worüber wir uns unterhalten können nächstes Mal.
Tobias Kunisch
2:06:21–2:06:24
Ich habe das Gefühl, wir machen bald wieder eine Keyboard-Folge.
Florian Clauß
2:06:24–2:06:27
Ja, mal schauen. Ja, vielen Dank.
2:06:27–2:06:36
Das war jetzt tatsächlich eigentlich Podcast Episode 89 mit Tobes und mir,
2:06:36–2:06:40
Flo und diesmal auch komplett nicht im Laufen,
2:06:40–2:06:44
aber ihr könnt die ganzen Infos auf eigentlich-podcast.de nachschauen.
2:06:44–2:06:48
als Track, weil unsere Episoden immer einen Track verlangen.
2:06:48–2:06:52
Als Track lade ich die Fahrradstrecke hoch, die ich zu dir gefahren bin.
2:06:55–2:07:02
Das gilt so ein bisschen als Lauftrek. Okay, dann sage ich Tschüss und bis zum nächsten Mal.
Tobias Kunisch
2:07:02–2:07:02
Tschüss.

Verwandte Episoden


Mehr

"On the solo to Bohemian Rhapsody, I've got the neck pickup working out of phase with the center pickup. (...) This setting produces a very sweet harshness." -- Brian May, QueenConcerts 23.05.2005

Wieder eine Sommerloch-Episode zum Thema Stromgitarren – diesmal, um ein für alle Mal zu erklären, was Humbucking und Out-of-Phase eigentlich miteinander zu tun haben und was nicht. Der Humbucking-Effekt entsteht rein technisch durch zwei Spulen mit entgegengesetzter Wicklungsrichtung, die nahe beieinanderliegen und dadurch Brummgeräusche auslöschen – völlig unabhängig von der Magnetpolung. Erst wenn es darum geht, wie das eigentliche Gitarrensignal (also die Saitenschwingung) durch beide Spulen geleitet wird, kommt die Magnetpolarität ins Spiel. Dann entscheidet sich, ob der Klang voll und durchsetzungsstark („in Phase“) oder dünn und nasal („out of phase“) klingt – und dabei kann der Brumm immer noch unterdrückt sein oder nicht, je nach Kombination von Wicklung und Magneten. Klingt kompliziert? Deshalb erklärt Micz es Flo. Denn wenn Flo es kapiert hat, dann können es wirklich alle verstehen.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Micz Flor
avatar
Florian Clauß

Transcript

0:00:00–0:00:03
Check, check. Check läuft.
0:00:04–0:00:05
Ich war auch, ja.
0:00:08–0:00:11
Du fängst an. Ah, Track.
0:00:15–0:00:16
Die Radfahren sind ja gar nicht.
0:00:18–0:00:22
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast. Der Podcast,
0:00:22–0:00:24
bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:25–0:00:33
Und wir sind mitten im Sommer in Berlin. 20, 25 bei der Folge 86.
0:00:34–0:00:37
Kann das sein? Ja, Wahnsinn, oder? Wahnsinn.
0:00:38–0:00:39
Drei Jahre bis zum Mauerfall.
0:00:40–0:00:42
Wieso drei Jahre bis zum Mauerfall?
0:00:42–0:00:43
89.
0:00:43–0:00:48
Ach so. Ich dachte eher so 14 bis zu 100.
0:00:49–0:00:49
Ja, auch noch.
0:00:50–0:00:53
Das schaffen wir im Jahre 26, oder?
0:00:54–0:00:54
Ja.
0:00:54–0:00:58
Die 100 zu durchbrechen. Dann machen wir einen ganz großen Event.
0:00:58–0:01:02
Ganz groß. Dann machen wir wirklich auf Fahrradgeschwindigkeit.
0:01:03–0:01:06
Laufen wir, bis der Doktor kommt. Oder die DoktorInnen.
0:01:06–0:01:11
Ja, die Folge ist jetzt, also Sommerloch. Ich muss gerade mal gucken.
0:01:11–0:01:12
Wieso Sommerloch?
0:01:13–0:01:19
Ich muss da noch mal kurz auf mein Handy gucken. Und zwar haben wir ja eine
0:01:19–0:01:22
Folge, die ich mit Chris auch als Sommerloch-Folge gemacht habe.
0:01:22–0:01:22
Ja.
0:01:23–0:01:26
Über die Fender Thinline-Telekarren.
0:01:26–0:01:27
Die ist ja total abgegangen, die Folge.
0:01:28–0:01:31
Ja, die war irgendwie immer in den Top Ten mit drin.
0:01:31–0:01:35
Und jetzt hatte ich dann gerade nochmal geguckt in Vorbereitung zu dieser Folge,
0:01:35–0:01:39
um dir Argumente zu unterbreiten, warum es doch irgendwie eine gute Idee ist,
0:01:40–0:01:41
über diese Gitarren-Sachen zu sprechen.
0:01:42–0:01:47
Du musst mich immer wieder... Du, ich bin bei dir. Ich bin gar nicht gegen dich.
0:01:47–0:01:49
Ich kann nur nicht inhaltlich immer dazu was sagen.
0:01:49–0:01:53
Auf Platz 10, wenn man so über den letzten Monat guckt, ist die Effektgeräte
0:01:53–0:01:59
für Gitarre. Also wo Chris über wie entstehende Effektgeräte spricht.
0:01:59–0:02:02
Das habe ich gedacht, das ist doch mal Argument genug, dass man das irgendwie
0:02:02–0:02:03
nochmal mit reinnehmen kann.
0:02:06–0:02:10
Ja, und worüber ich jetzt sprechen wollte, was auch ein gutes Sommerlochthema
0:02:10–0:02:15
ist, ich wollte dieses In-Phase, Out-of-Phase-Thema, was ich bei dieser einen Folge...
0:02:17–0:02:22
Über die Jaguar-Pickups und die Dummy-Coil.
0:02:23–0:02:27
Du guckst dich schon so glasig an, das geht schon gut los. Aber ich hatte da
0:02:27–0:02:29
so ein paar Rückfragen auf Instagram bekommen, da habe ich gedacht,
0:02:29–0:02:32
ich muss das jetzt mal klarstellen, weil ein paar Leute da ein paar Sachen auch
0:02:32–0:02:33
miteinander vertauschen.
0:02:34–0:02:37
Und da habe ich gedacht, wenn ich es dir erklären kann, dann können das jetzt
0:02:37–0:02:39
vielleicht auch alle sich anhören, können alle verstehen.
0:02:40–0:02:45
Also wir reden darüber, was ist Humbucking, wie funktionieren Humbucker,
0:02:45–0:02:50
Warum ist zum Beispiel ein Telecaster auch ein Humbucking-Gitarre,
0:02:50–0:02:51
obwohl sie doch nur Single-Coils hat?
0:02:52–0:02:55
Und vor allen Dingen gucken wir uns auch noch mal ganz genau an,
0:02:55–0:03:03
was der Unterschied zwischen In-Face, Out-of-Face und Humbucking oder kein Humbucking ist.
0:03:03–0:03:11
Und da habe ich mir dann gedacht, wie großartig ich das mit dem Kondensator
0:03:11–0:03:13
erklärt habe, wie so große Wellen einfach durchrauschen.
0:03:13–0:03:17
Rauschen, aber kleine Wellen dann in diesen Unwuchten so versinken.
0:03:17–0:03:19
Jetzt habe ich auch noch das Bild im Kopf.
0:03:19–0:03:22
Siehst du, Bilder erzählen mehr als 1000 Episoden.
0:03:22–0:03:23
Mit dem Wasser.
0:03:24–0:03:30
Und jetzt habe ich gedacht, erkläre ich nochmal genau, wie das mit dem Hum-Bucking funktioniert.
0:03:31–0:03:37
Darf ich, bevor du jetzt einsteigst in die Gitarrenphysik, wir sind jetzt hier im Potsdamer Platz.
0:03:38–0:03:43
Im Potsdamer Platz, also bei Eigentlich Podcast könnt ihr auch auf eigentlich-podcast.de
0:03:43–0:03:45
immer schauen, wo wir langgelaufen sind.
0:03:45–0:03:48
Da sind die Routen dann auf der Karte dargestellt.
0:03:48–0:03:51
Und den Potsdamer Platz haben wir schon ein paar Mal gestriffen.
0:03:51–0:03:53
Oder sogar als Ausgangspunkt.
0:03:54–0:04:03
Eine frühe Folge von mir, First Cow, von Kelly Reichert und eine aus seinem Simmons-Imperium.
0:04:04–0:04:05
Da sind wir auch hier langgelaufen.
0:04:06–0:04:07
Aber welche war das?
0:04:07–0:04:13
Das war Hyperion. Da sind wir nämlich von dem Friedhof, wo merkwürdigerweise
0:04:13–0:04:16
jetzt mit drei Leuten erzählt haben, dass sie neulich bei diesem Friedhof waren
0:04:16–0:04:19
und ich jedes Mal gesagt habe, da ist aber ETH auf meiner Geramte.
0:04:19–0:04:20
Zufall.
0:04:20–0:04:26
Und dann hatten die so was? Ja, nein, doch. Chris war auch da.
0:04:26–0:04:28
Wer hat die Kekse aus der Dose?
0:04:29–0:04:34
Genau. Und ich glaube, wir haben auch nochmal Bruce La Bruce. Habe ich doch auch hier.
0:04:35–0:04:37
Ja, da sind wir aber dann gleich in den Park rauf.
0:04:37–0:04:41
Da haben wir im Norden angefangen. Also Potsdamer Platz ist ein Knotenpunkt
0:04:41–0:04:43
des eigentlich Podcasts, kann man so sagen.
0:04:43–0:04:49
Ist ja auch irgendwie, finde ich, ein imposanter Ort, hat auch viel Geschichte und ist so zugebaut.
0:04:49–0:04:53
Wir hatten ja neulich bei deiner Episode über New York, Manhattan,
0:04:54–0:04:55
London und so gesprochen.
0:04:55–0:05:00
Und hier ist ja schon in den 90er Jahren irgendwie so ein neues Skyline-Empfond.
0:05:01–0:05:07
Ja, die keiner verstanden hat. Wo meine ganzen Freunde das doof fanden, nur ich gut.
0:05:08–0:05:12
Ja, ich fand es aber irgendwie auch, ich fand es schon auch,
0:05:12–0:05:15
es war irgendwie so eine irre Zeit, wo dann dieser komische,
0:05:16–0:05:21
wie hieß denn nochmal dieser, gibt es ja auch diesen Film dazu,
0:05:21–0:05:26
wie dieser Raum so um 90 Grad gedreht wurde. Wie heißt der Raum nochmal?
0:05:27–0:05:30
Weiß jetzt auch nicht mehr. Okay, aber zurück. Die Leute wollen jetzt ja über
0:05:30–0:05:32
Gitarren. Wir reden über Gitarren.
0:05:32–0:05:36
Wir reden über Gitarren und wir reden über Humbucker.
0:05:36–0:05:42
Und ich hatte in dieser Folge eben dieses Humbucking-System anhand von zwei Single-Coil erklärt.
0:05:42–0:05:45
Und habe jetzt gedacht, ich fange nochmal ganz anders an. Wieder mit so einem
0:05:45–0:05:47
Bild, wie mit den Wellen, große Wellen, kleine Wellen.
0:05:47–0:05:54
Das Bild jetzt, stell dir eine Uhr vor, die wir an die Wand schrauben.
0:05:56–0:05:58
Und die geht rechts rum.
0:05:58–0:06:01
Genau, die geht rechts rum. Wir gucken jetzt nur auf den Stundenzeiger.
0:06:02–0:06:04
Das heißt, der Stundenzeiger braucht zwölf Stunden, um einmal rundherum zu gehen.
0:06:05–0:06:11
Und jetzt stell dir eine Uhr vor, die identisch ist, aber die links rum geht.
0:06:11–0:06:13
Wir gucken nur auf den Stundenzeiger.
0:06:15–0:06:24
Und jetzt hängen wir die nebeneinander Und wir hätten jetzt quasi eine Funktion, die wir plotten,
0:06:25–0:06:34
in der wir die Distanz der Spitzen des Stundenzeigers zur vertikalen Achse,
0:06:34–0:06:36
also wenn du nur zwischen 6 und 12...
0:06:36–0:06:40
Aber die gehen beide, sind die gespiegelt quasi?
0:06:40–0:06:47
Es ist genau gespiegelt. Genau gespiegelt. Das heißt, wir gucken uns zwei Uhren an.
0:06:47–0:06:51
Der frühen Zeiger geht nach rechts und der andere geht nach links und wir messen,
0:06:53–0:06:57
die Distanz von dem Ende des Stundenzeigers bis zu dieser Achse.
0:06:57–0:07:00
So dass der rechts ist der quasi im Plus und links ist der Minus.
0:07:01–0:07:04
Und wenn wir uns jetzt quasi den Zeitraffer vorstellen, also das geht dann einfach
0:07:04–0:07:11
so rum, wenn wir die Werte hochaddieren, dann kommt an jedem Punkt welche Zahl in der Addition raus.
0:07:11–0:07:15
Also hier geht es so rum und wir messen zu dieser Achse.
0:07:16–0:07:19
Also das ist Plus und das ist Minus. Dann muss ja Null rauskommen.
0:07:19–0:07:24
Kommt immer Null raus, genau. Genau. Und so einfach ist dieses Humbucking auch schon erklärt.
0:07:24–0:07:28
Aber wir müssen es jetzt nur von der Uhr weg in so ein elektromagnetisches Feld hier reinstellen.
0:07:28–0:07:30
Okay, da kommt aber kein Sound raus.
0:07:30–0:07:35
Da kommt noch, genau, das ist ja auch der Wunsch daraus. Und zwar gibt es ja
0:07:35–0:07:40
auch so andere Dinge über zum Beispiel sichtgebende Verfahren,
0:07:40–0:07:42
wenn man jetzt so neurophysiologische Bilder macht,
0:07:42–0:07:46
wo die dann irgendwie einen Stimulus setzen und dann so Fotos machen,
0:07:46–0:07:49
genau wissen, wann der Stimulus gesetzt wurde und dann von, keine Ahnung,
0:07:49–0:07:52
20.000 Aufnahmen, die alle übereinanderlegen,
0:07:52–0:07:54
sodass sich alle Sachen, die zufällig sind,
0:07:54–0:07:59
rausrechnen, aber nur die Sachen, die wirklich inhaltlich mit dem Stimulus verbunden
0:07:59–0:08:00
sind, dann irgendwie sichtbar werden.
0:08:01–0:08:04
Also die Möglichkeit, oder wenn du, das hatte ich gesehen, als ich,
0:08:05–0:08:07
haben wir auch neulich drüber gesprochen, London, England, Manchester,
0:08:07–0:08:11
ich in Manchester war, hat einer bei mir im Haus, hat Fotografie studiert und
0:08:11–0:08:17
der hatte so ein Foto gemacht von einer Shopping Mall, wo er ein Glas eingerußt
0:08:17–0:08:19
hat und das hat er vor die Kamera gestellt,
0:08:19–0:08:24
dann die Kamera aufgebaut und dann einfach sechs Stunden aufgelassen und danach
0:08:24–0:08:26
das Bild belichtet, also es war selbst belichtet,
0:08:27–0:08:30
es war dann jetzt nicht über eine Drogerie oder so, hat das alles zu Hause gemacht
0:08:30–0:08:33
und dann war halt diese Shopping mal komplett leer,
0:08:33–0:08:36
weil alle Menschen, die halt so rauf und runter liefen, über die sechs Stunden
0:08:36–0:08:38
sich so ausgenullt haben.
0:08:38–0:08:42
Und bei dem, wenn wir über Humbugging sprechen, ist es ein ähnlicher Effekt,
0:08:42–0:08:44
wir haben wie bei dieser Uhr, die Summe ist immer null.
0:08:45–0:08:50
Und warum habe ich diese beiden Uhren genommen? Weil in diesen Pickups,
0:08:50–0:08:57
in den Gitarren, sind ja solche Coils, also Spulen, die dann teilweise 8000
0:08:57–0:09:00
Wicklungen haben oder sowas ganz dünnes Kabel.
0:09:01–0:09:08
Die sind ja notwendig und dafür zuständig, dass das Gitarrensignal dann in Verstärker
0:09:08–0:09:10
geht. Also diese Spulen.
0:09:11–0:09:16
Und in einem Hamburger gibt es zwei Spulen. Und die eine geht wie die Uhr rechts
0:09:16–0:09:18
rum, die andere geht wie die Uhr links rum.
0:09:18–0:09:23
Und die sind miteinander quasi so zusammengeschaltet, das sollte man da jetzt
0:09:23–0:09:25
quasi einen Strom durchschicken.
0:09:25–0:09:28
Dann geht der in der einen Seite rechts rum und dann geht er wieder links rum
0:09:28–0:09:30
oder umgekehrt. Ist egal, aber auf jeden Fall sind die genau...
0:09:30–0:09:32
Was heißt das für das elektromagnetische Feld?
0:09:33–0:09:36
Jetzt noch nicht mal für das Feld, aber wenn wir uns jetzt vorstellen,
0:09:36–0:09:38
dass du irgendein Störsignal hast.
0:09:39–0:09:41
Wir sind jetzt ja hier gerade am Deutschen Spionagemuseum.
0:09:42–0:09:47
Das ist hier quasi Technik, das passt eigentlich ganz gut, diese Abhörgeräte und sowas.
0:09:47–0:09:50
Wenn du jetzt ein Störgerät hättest, was einfach, keine Ahnung,
0:09:51–0:09:57
ein Mixer oder sowas, ein Küchenmixer, der halt irgendwie, wo ein Motor drin
0:09:57–0:10:01
ist, wo die Funken fliegen, da hast du dann dieses Brummen.
0:10:01–0:10:08
Das finde ich so lustig, das hier Untertitel von dem Deutschen Spionagemuseum, Capital of Spice.
0:10:08–0:10:14
Wir müssen noch ein bisschen referenzieren auf die DDR-Geschichte.
0:10:14–0:10:15
Dass die diese grüne,
0:10:17–0:10:20
Farbe halt so da in den Vordergrund gestellt haben, finde ich auch irre.
0:10:24–0:10:29
Und wir gucken jetzt erstmal nur auf die Spule, noch ohne Gitarre,
0:10:29–0:10:33
ohne irgendwas, weil wenn du zum Beispiel ein Signal jetzt auch mit dem Radio
0:10:33–0:10:34
oder einem anderen Gerät,
0:10:35–0:10:41
wenn du etwas herstellen willst, was dir hilft, auf das Wesentliche zu gucken und alle umzusetzen.
0:10:43–0:10:46
Elektrischen, elektromagnetischen Signale drumherum auszulöschen,
0:10:46–0:10:49
dann funktionieren diese Spulen genauso.
0:10:49–0:10:52
Das sind eine Spule in die Richtung, die andere Spule in den Gegensatz der Richtung.
0:10:52–0:10:57
Das heißt, wie die beiden Uhren sind, diese Amplituden, die da rauskommen, löschen sich immer aus.
0:10:58–0:11:01
Das heißt, die löschen sich aus und dadurch,
0:11:03–0:11:09
ist das wie man das jetzt oft bei so Kopfhörern hat, wenn die Umgebungsgeräusche
0:11:09–0:11:13
so weggedrückt werden und dann irgendwie hier aufs Wesen oder beim Telefonieren ausmachen.
0:11:13–0:11:15
Okay, verstanden.
0:11:15–0:11:19
Ja, und jetzt gehen wir nochmal zurück auf diese beiden Uhren und stellen uns
0:11:19–0:11:25
das mal vor, wir haben, wir machen die beiden Uhren einfach an mit den Stundenzeigern,
0:11:25–0:11:27
dann dauert es ja zwölf Stunden, bis die einmal rumgehen.
0:11:27–0:11:31
Dann haben wir die Minutenzeiger, da dauert es 60 Minuten, bis die einmal rumgehen,
0:11:31–0:11:36
und die Sekundenzeiger, da dauert es nur eine Minute, bis der einmal rumgegangen ist.
0:11:37–0:11:41
Wenn wir jetzt diese Uhren gleichzeitig anschalten, Und hier haben wir ganz
0:11:41–0:11:45
viele Umgebungsgeräusche. Keine Ahnung, ob die hörbar sind oder nicht.
0:11:45–0:11:48
Wir sind gerade direkt am Protze.
0:11:48–0:11:52
Nee, wir sind hier am Pariser Platz. Pariser Platz, Leipziger.
0:11:53–0:11:55
Wie heißt der Platz hier?
0:11:55–0:11:56
Ich glaube Leipziger Platz.
0:11:56–0:11:57
Leipziger Platz.
0:11:59–0:12:03
Und wenn du dir jetzt diese beiden Uhren vorstellst und du machst die gleichzeitig
0:12:03–0:12:07
an, dann ist es mit diesen zwölf Stunden relativ wahrscheinlich,
0:12:08–0:12:11
dass diese Abweichung von null minimal sein wird. weil die kann man ganz gut kontrollieren.
0:12:12–0:12:15
Aber wenn du jetzt beide wirklich gleichzeitig anstellen müsstest,
0:12:15–0:12:19
im Sinne von Batterie reindrücken, dann wäre es so, dass wahrscheinlich der Sekundenzeiger,
0:12:20–0:12:24
der würde vielleicht nicht auf Null rauskommen, weil du dann bei dem einen die
0:12:24–0:12:27
Batterie dann doch ein bisschen früher reingedrückt hast und zwei Sekunden weiter und so.
0:12:27–0:12:32
Das heißt, das ist auch schon mal ein wichtiger Hinweis für dieses Humbucking,
0:12:32–0:12:42
dass eben Signale, die langsam frequent sind, leichter rauszufiltern sind als so flirrige Signale.
0:12:43–0:12:48
Das heißt, beim Sekundenzeiger wäre es halt so, auch wenn die gleich losgehen,
0:12:48–0:12:51
die Uhren, wenn da jetzt nur zwei Sekunden Unterschied sind,
0:12:51–0:12:53
dann ist es nie null. Dann hast du immer quasi ein Hintergrund.
0:12:56–0:13:00
Bei Humbucking-Effekt für Gitarre ist dieses Hintergrundrauschen eben irgendeine
0:13:00–0:13:04
elektromagnetische Unruhe, die so passiert. Radiofrequenzen,
0:13:06–0:13:09
keine Ahnung, was dann irgendwie von der PA noch rüberschwappt,
0:13:09–0:13:11
Lautsprecher, keine Ahnung, alles Mögliche.
0:13:11–0:13:15
Und das wird dann über diese beiden Spulen rausgenommen.
0:13:16–0:13:19
Bis jetzt haben wir aber immer noch kein Signal von der Gitarre.
0:13:20–0:13:24
Aber es ist schon mal wichtig zu sagen, dieser Humbucking-Effekt ist schon gegeben.
0:13:24–0:13:26
Auch ohne Magnete, ohne alles.
0:13:26–0:13:31
Und darf ich nochmal das Bild so weit weiter stecken? Du hast gerade mit den
0:13:31–0:13:34
Sekunden, Minuten, Stundenzeiger gearbeitet.
0:13:34–0:13:39
Ist das jetzt quasi die Anzahl der Wickelungen auf den Hamburger,
0:13:40–0:13:41
die das dann wieder präsentieren?
0:13:41–0:13:43
Das heißt, wenn ich drei Wickelungen habe, habe ich einen Sekundenzeiger.
0:13:44–0:13:49
Wenn ich dann halt 300 habe, dann habe ich einen Minutenzeiger und mal 3000.
0:13:50–0:13:57
Stundenzeiger also je mehr wicklungen du hast desto mehr störgeräusche werden aufgenommen so.
0:13:57–0:13:59
Das heißt es genau umgekehrt.
0:13:59–0:14:02
Aber dass das war jetzt so gar nicht gemeint sondern diese diese waren eher
0:14:02–0:14:09
die störsignale die reinkommen tiefe störsignale keine ahnung 50 herzbrummen
0:14:09–0:14:13
oder 60 herzbrummen ist quasi der stundenzeiger und den kann man relativ gut rauskriegen.
0:14:13–0:14:18
Das ist das Frequenzband, das heißt Höherfrequente.
0:14:19–0:14:20
Ja, genau, so war das eher gedacht.
0:14:21–0:14:26
Und der Sekundenzeiger, in welcher Frequenz würde der dann liegen?
0:14:27–0:14:38
In der Frequenz weiß ich jetzt nicht, aber wenn du jetzt, wenn du zum Beispiel so die,
0:14:38–0:14:44
das so höhere Brummen und Rauschen, das wäre dann wahrscheinlich so bei 2 Kilohertz bis 6 Kilohertz.
0:14:44–0:14:48
Das ist dann im hörbaren Bereich.
0:14:48–0:14:54
Es geht ja nur um hörbare Seil. Und wenn du,
0:14:55–0:14:59
diese beiden Spulen hast und die sind beide gleich gewickelt und liegen auch
0:14:59–0:15:03
sehr nah beieinander, dann kannst du dir jetzt natürlich auch schon vorstellen,
0:15:03–0:15:08
dass die Distanz zwischen diesen beiden Spulen auch einen großen Unterschied macht.
0:15:09–0:15:12
Also wenn wir jetzt, du nimmst eine Spule, ich nehme eine Spule,
0:15:12–0:15:17
ich gehe auf die andere Seite, dann hat meine Spule völlig andere elektromagnetische
0:15:17–0:15:20
Schwingungen, die da irgendwie drauf einwirken, als die auf dieser Seite der Straße.
0:15:21–0:15:26
Sodass es natürlich klar ist, dass es nie perfekt ist, dass es nie das absolut gleiche Signal ist.
0:15:27–0:15:32
Aber je näher, dass sie zusammen sind, desto mehr wird eben genau das ausgefiltert,
0:15:32–0:15:33
was da irgendwie an Störsignalen reinkommt.
0:15:34–0:15:41
Das ist erstmal die Erkenntnis aus der Radiotechnologie und die wurde jetzt
0:15:41–0:15:43
dann eben für die Gitarrentechnik genutzt.
0:15:45–0:15:52
Und der Hamburger Tonabnehmer ist einfach ein sehr schlichtes, elegantes Design.
0:15:53–0:15:58
Ich möchte jetzt, ich verlinke das dann hier in die ältere Folge über die Unterschiede
0:15:58–0:16:01
im Sound zwischen Hamburger und Single Coil. Da möchte ich gar nicht so sehr drauf eingehen.
0:16:02–0:16:06
Aber das Design ist halt wirklich, ich finde es einfach sehr simpel und schön.
0:16:07–0:16:12
Du hast also diese beiden Spulen und dann hast du jetzt in der Urversion hast
0:16:12–0:16:17
du jetzt in der einen hast du Schrauben drin und in der anderen hast du Slugs.
0:16:17–0:16:20
Also das sind einfach so Metallstäbe, die sind selber nicht magnetisch.
0:16:20–0:16:24
Aber wo die unten aus den Spulen rauskommen, die beiden Spulen sind meistens
0:16:24–0:16:27
so auf Plastik aufgewickelt und da werden die reingesteckt.
0:16:27–0:16:35
Und unten, wo die beiden Screws und Poles rauskommen, dann kommt da so ein Magnet rein.
0:16:35–0:16:40
Und der Magnet ist halt so länglich, die Tonabnehmer sind ja auch eher länglich,
0:16:40–0:16:46
also sagen wir mal, er ist vielleicht so 8 cm lang und vielleicht so 2 bis 3 cm breit.
0:16:47–0:16:54
Und dann ist Nord und Süd quasi zu diesen langen Enden hin.
0:16:54–0:17:01
Also nicht, wie soll ich das sagen, die Legs sind unten dann rein zwischen diese
0:17:01–0:17:08
beiden, also die Screws und Slugs und dann wird daraus wie so ein Hufmagnet.
0:17:08–0:17:13
Dann ist auf der einen Seite Nordpol, weil das Magnetfeld sich dann eben in
0:17:13–0:17:16
diese beiden Eisenteile entfaltet.
0:17:17–0:17:19
Auf der einen Seite ist Nordpol, auf der anderen Seite ist Südpol.
0:17:20–0:17:26
Das heißt, du hast dann wie so ein Hufeisen, das nach oben geht und solange
0:17:26–0:17:31
da jetzt keine Gitarrenseite drüber schwingt, hat das Magnetfeld auch keine wirkliche Wirkung.
0:17:31–0:17:31
Okay.
0:17:31–0:17:34
Das ist einfach so da. Ja. Und.
0:17:36–0:17:39
Die Erklärung, was dann da jetzt genau physikalisch passiert,
0:17:39–0:17:44
wenn die Gitarrenseite reinkommt, da gibt es dann auch immer unterschiedliche Beschreibungen.
0:17:45–0:17:51
Das eine ist halt, dass da ein magnetisches Feld entsteht aufgrund dieser Schrauben
0:17:51–0:17:58
und Slacks und dieses Feld wird von der Seite, die selber eben auch Anteile hat,
0:17:58–0:18:00
dass sie magnetisch aktiv ist,
0:18:00–0:18:04
also dass sie quasi das Magnetfeld durch ihre Schwingung verändert und diese
0:18:04–0:18:05
Veränderung wird aufgegriffen.
0:18:05–0:18:08
In anderen Beschreibungen liest sich dann,
0:18:08–0:18:19
dass das Magnetfeld die Seite magnetisiert im Feld und die Schwingung der Seite,
0:18:19–0:18:22
weil die dann magnetisch ist, dann das Magnetfeld stört.
0:18:23–0:18:28
Das ist jetzt, weiß ich nicht, in der Theorie und Praxis, in der Praxis ist
0:18:28–0:18:31
es relativ wurscht, in der Theorie ist es wahrscheinlich ein riesiger Unterschied,
0:18:31–0:18:33
aber die Idee ist einfach zu sagen,
0:18:34–0:18:39
dieser Humbucking-Effekt kommt nicht dadurch, dass das Magnetfeld auf der einen
0:18:39–0:18:42
Seite Süden oben hat, auf der anderen Seite Norden, sondern es kommt einfach
0:18:42–0:18:43
über diese beiden Spulen.
0:18:44–0:18:45
Okay.
0:18:45–0:18:48
Das ist das erste Wichtige. Und dann ist es aber...
0:18:48–0:18:50
Können wir ganz kurz nochmal einen
0:18:50–0:18:54
Punkt machen. Hier, ich wollte hier die Aufmerksamkeit auf dieses Gebäude.
0:18:54–0:18:55
Sieht aus wie Prag immer.
0:18:55–0:19:02
Ne? Ja, das ist nämlich die tschechische Botschaft. Ich finde die immer wunderschön vom Design her.
0:19:02–0:19:03
Sieht halt wirklich aus wie Prag.
0:19:03–0:19:04
Ja, die sieht echt aus wie Prag.
0:19:05–0:19:07
Ganz viele von diesen sozialistischen Architekten.
0:19:07–0:19:10
Und hier die Straße wurde jetzt auch umbenannt, ne?
0:19:10–0:19:11
Ja?
0:19:11–0:19:14
Ja, weil die Mohrenstraße ist doch jetzt umbenannt worden.
0:19:14–0:19:17
Ach so, okay, das ist die Mohrenstraße, gut. Und wie heißt sie jetzt?
0:19:17–0:19:21
Ich weiß es nicht mehr, aber vielleicht sehen wir gleich die U-Bahn-Haltestelle,
0:19:22–0:19:28
wo das dann auch schon ausgetauscht wurde. Ich glaube, da um die Ecke ist die U-Bahn-Haltestelle.
0:19:30–0:19:31
Gleich mal gucken. Machen wir
0:19:31–0:19:35
noch eine kurze Pause. Und ich fange aber trotzdem schon mal wieder an.
0:19:35–0:19:39
Nee, total. Oder? Ich wollte jetzt nicht. Nein, nein, nein.
0:19:39–0:19:41
Ich finde es gut. Ich versuche das jetzt gerade abzuteilen.
0:19:41–0:19:42
Ich wollte jetzt nicht das Magnetfeld.
0:19:42–0:19:45
Du weißt ja, ich möchte ja nicht schneiden. Deshalb kann man so dead air ist
0:19:45–0:19:46
dann immer so ein großes Problem.
0:19:47–0:19:52
Guck mal hier, da ist die U-Bahn-Handestelle, aber das Namenchild ist einfach rausgenommen.
0:19:53–0:19:58
Das wollte ich auch noch mal kurz als Ergänzung zu der Fotoarbeit,
0:19:58–0:20:04
die du gerade von deinem Mitbewohner berichtet hast.
0:20:04–0:20:10
Es gibt, du kennst bestimmt auch diese, es gibt einen sehr berühmten japanischen Fotografen,
0:20:11–0:20:22
der aus Autokinos aufgenommen hat, und zwar über einen langen Belichtungszeitraum.
0:20:24–0:20:29
Und du siehst dann halt einfach, dass die Leinwand der Film lief und die Leinwand
0:20:29–0:20:34
ist halt ganz weiß und der Rest ist dann halt so leicht beleuchtet.
0:20:35–0:20:38
Aber es ist auch so eine ganz tolle Arbeit. Kennst du das?
0:20:38–0:20:42
Genau so sieht es hier gerade aus. Ich weiß, warum du da draufkommst.
0:20:42–0:20:47
Nee, ich dachte an die Shopping Mall, die du gerade gesagt hast.
0:20:47–0:20:48
Ja genau, aber das hier sieht ja auch so aus.
0:20:48–0:20:49
Ja, das sieht auch so aus.
0:20:49–0:20:55
Wenn man auf dem Blogpost unten jetzt auf die Fotos guckt, in der Fotogalerie
0:20:55–0:20:56
auch unten, dann sieht man das Bild.
0:20:56–0:20:59
Und hier, hier, aber da steht noch der Name, der alte Name.
0:21:00–0:21:01
Gehen wir in die Richtung?
0:21:01–0:21:06
Wir gehen in die Richtung, ja. Okay, weiter geht's.
0:21:06–0:21:09
Weiter im Text. So, jetzt ist noch ein paar Sachen wichtig, diese physikalisch
0:21:09–0:21:12
wichtig, weil jetzt ist es ja so, dass man dann das Gefühl hat,
0:21:13–0:21:16
man muss dann immer so ganz doll aufpassen, dass wenn man die Spule umdreht,
0:21:16–0:21:19
dann ist das, dann ist es vielleicht out of face und hinterher.
0:21:19–0:21:23
Also wenn du diese beiden, wenn du einen Hamburger Pickup vor dir hast,
0:21:23–0:21:28
so, und du guckst da von oben drauf, dann kannst du den, solange oben oben ist,
0:21:29–0:21:30
kannst du den drehen und wenden, wie du willst.
0:21:30–0:21:32
Also kannst du nicht wenden, wahrscheinlich nicht, aber drehen.
0:21:32–0:21:40
Es ist jetzt egal, ob du die Screws in zum anderen oder die Slugs hast, das ist relativ egal.
0:21:40–0:21:45
Es gibt dann von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich, was Nordpol,
0:21:45–0:21:47
was Südpol ist, auch unterschiedlich,
0:21:49–0:21:54
Ob dann, wenn du die splitterst, das kann ich vielleicht nachher noch mal kurz
0:21:54–0:21:58
erklären, welche man dann miteinander verkoppeln muss, ob man dann Slugs und
0:21:58–0:22:02
Coils und Screws oder Screws und Screws, das kann unterschiedlich sein.
0:22:03–0:22:06
Aber du kannst auf jeden Fall, wenn dir ein Hersteller zwei in die Hand drückt
0:22:06–0:22:10
und die gehören quasi zusammen, dann kannst du die reinlegen, wie rum du willst.
0:22:10–0:22:14
Das macht keinen wirklichen Unterschied, hat keinen Einfluss auf das Handbacke.
0:22:14–0:22:20
Wie ein Widerstand. Ist ja auch wurscht, in welche Richtung ich den Strom heiße.
0:22:20–0:22:24
Genau. Oder das Bild wieder von den beiden Uhren. Wenn ich die Uhren mit der
0:22:24–0:22:27
Aufgabe den Abstand messen, wenn ich die auf dem Kopf hänge.
0:22:27–0:22:31
Ist es auch egal. Ja, dass die Ziffern auf dem Kopf stehen.
0:22:32–0:22:38
Was noch wichtig ist, das sind aber Kleinigkeiten. Sorry. Das ist alles gut.
0:22:38–0:22:42
Eine Kleinigkeit dann nochmal. Es ist bei den Herstellern heute,
0:22:42–0:22:46
also früher war es so, dass man halt Masse hatte.
0:22:46–0:22:51
Masse kam dann ein Kabel raus. Masse war dann meistens so ein Metallgewebe um
0:22:51–0:22:55
den Hot, also um den, wo das Signal ist.
0:22:55–0:22:59
Um dieses Metallgewebe, das war quasi die Schirmung und die lötest du dann einfach
0:22:59–0:23:03
irgendwo dran, wo die dann eben auf Masse geht und das Signal war innen hot.
0:23:04–0:23:08
Also dann kam auch aus einem Hamburger mit zwei Spulen, kamen dann nur zwei
0:23:08–0:23:10
Sachen raus. Hot heißt, da ist das Signal.
0:23:11–0:23:15
Und Masse heißt, das geht quasi gegen Masse.
0:23:15–0:23:16
Gegen Erdung.
0:23:17–0:23:17
Ja, genau.
0:23:18–0:23:20
Hot heißt einfach, da ist Strom drauf.
0:23:20–0:23:23
Das Hot ist das, was quasi in Verstärker in der Mitte reingeht.
0:23:24–0:23:26
Und was drumherum ist, ist das, was alles abschirmt.
0:23:26–0:23:30
Ah, okay. Ist auch dafür ein Bild?
0:23:31–0:23:37
Ich will dich nicht überstrafizieren. Das ist quasi wie eine Abwasserleitung.
0:23:38–0:23:40
Wenn mir das einfällt, dann reiche ich das gleich noch nach.
0:23:40–0:23:43
Du kennst mich. Diesen japanischen, muss ich auch gleich sagen,
0:23:43–0:23:45
wegen Shownotes, den musst du mir suchen.
0:23:46–0:23:48
Das ist mir jetzt irgendwie was gegeben.
0:23:49–0:23:52
Das weiß Karin, das frage ich sofort den Namen.
0:23:52–0:23:56
Sehr gut. Hallo Karin, danke für deine Hilfe. Also,
0:23:57–0:24:02
aber wichtig nochmals für modernere Hamburger, da ist es so,
0:24:02–0:24:07
dass die nicht mehr einfach nur Masse und Hot haben, Sondern wenn du dir jetzt
0:24:07–0:24:09
diese beiden Spulen vorstellst.
0:24:09–0:24:18
Dann hast du einmal für die eine Spule zwei Kabelenden sozusagen und für die andere Spule auch.
0:24:18–0:24:24
Und oft ist es auch so oder kann so sein, dass beim Hamburger die zweite Spule
0:24:24–0:24:26
gar nicht andersrum gewickelt ist.
0:24:26–0:24:29
Die ist auch genauso rumgewickelt, aber die sind halt bloß intern so verlötet,
0:24:30–0:24:31
dass das Signal rechts rum geht.
0:24:32–0:24:35
Und bei dem anderen haben sie die Pole vertauscht, sodass es dann eben links
0:24:35–0:24:38
rum geht. Weil man muss den nicht wirklich andersrum wickeln.
0:24:39–0:24:42
Wichtig ist nur, dass halt, wenn das Ding dann verlötet ist,
0:24:42–0:24:45
dass halt die eine Seite so rum geht, die andere Seite so rum.
0:24:45–0:24:49
Und heutzutage kann man eben bei einem Hamburg oft auch noch andere Effekte machen.
0:24:49–0:24:53
Man kann eben zum Beispiel, und da geht es ja gleich darum, man kann eben auch
0:24:53–0:25:00
selber von diesen vier Kabeln, die da rauskommen, kann man sich über das hinwegsetzen,
0:25:00–0:25:04
was der Hersteller sagt, als so ist es der richtige Humbucking-Effekt.
0:25:04–0:25:09
Und man kann die dann einfach flippen und dann hat man nämlich einen Out-of-Face-Sound.
0:25:09–0:25:16
Hast du einen Out-of-Face-Sound, in dem eben nicht mehr diese zweite Spule genau
0:25:16–0:25:23
entgegengesetzt gewickelt ist und auch entgegengesetzt magnetisch gepult ist.
0:25:23–0:25:25
Das muss ich jetzt gleich nochmal kurz erklären.
0:25:28–0:25:29
Warum Out-of-Face?
0:25:30–0:25:34
Genau, das hatte ich dann beim letzten Mal erklärt, das muss ich nochmal wiederholen,
0:25:34–0:25:37
damit das jetzt diesmal auch ein für allemal ist. du.
0:25:37–0:25:40
Könntest einfach nur auf die Folge referenzieren dann muss ich das selber.
0:25:40–0:25:43
Nachvollziehen aber wer das jetzt hört dann muss man das,
0:25:45–0:25:48
Outerface ist die Folge wir haben jetzt einen Humbucker wir gucken mal nur auf
0:25:48–0:25:54
einen weil im Prinzip dieser Humbucker der zwei Spulen hat der ist im Prinzip
0:25:54–0:25:56
auch genau das gleiche wie die Gitarre,
0:25:57–0:26:01
die zwei Single Coils hat da sind die dann bloß ein bisschen weiter auseinander,
0:26:02–0:26:05
wenn du zwei Single Coils hast,
0:26:06–0:26:10
du aber nicht mehr die Situation wie im Hamburger, wo unten ein Magnet.
0:26:12–0:26:19
Dafür sorgt es automatisch, dass die Screws und die Slugs entgegengesetzte magnetische Richtung haben.
0:26:20–0:26:24
Und das ist für den Humbugging-Effekt aber wichtig, weil wir haben zwei Spulen,
0:26:24–0:26:25
die entgegengesetzt sind.
0:26:26–0:26:32
Und die blockieren oder da vor allen Dingen tiefe Frequenzen,
0:26:32–0:26:35
aber auch hohe Frequenzen werden da gelöscht oder unterdrückt.
0:26:35–0:26:38
Die schwingende Seite, wenn die über dem Hamburger schwingt,
0:26:39–0:26:46
dann entsteht aber durch die invertierte magnetische Polung von dem einen im
0:26:46–0:26:49
Verhältnis zum anderen keine Löschung der Seite.
0:26:50–0:26:57
Also da entsteht was Elektromagnetisches, was eben genau wieder andersrum ist
0:26:57–0:27:00
als das, was als natürliche elektromagnetische Störung kommt.
0:27:00–0:27:03
Und dadurch, dass das einmal so rum, einmal so rum gepolt ist,
0:27:04–0:27:06
wird das nicht gegenseitig ausgelöscht.
0:27:06–0:27:10
Das ist dann so ein bisschen, als ob wir eben eine der Uhren flippen.
0:27:10–0:27:16
Und dann haben wir nicht mehr, dass die sich gegenseitig, also von vorne nach hinten flippen.
0:27:17–0:27:19
Dann haben wir nicht mehr, dass sich die auslöschen auf null,
0:27:20–0:27:24
sondern in dem Fall sogar im Gegenteil würden die sich dann verstärken bei diesen Uhren.
0:27:25–0:27:25
Ja.
0:27:26–0:27:32
Das ist der springende Punkt. Also wenn ich jetzt so einen Hamburger Tonabnehmer
0:27:32–0:27:36
habe und ein Magnet drin, das Feld ist wie in einem Hufeisenmagneten,
0:27:36–0:27:38
einmal Norden oben, einmal Süden oben.
0:27:38–0:27:42
Die Spulen sind einmal rechts, einmal links rumgewickelt, dann habe ich den
0:27:42–0:27:47
perfekten Hambucking-Pickup und die Gitarrenseite, die drüber schwingt,
0:27:48–0:27:53
lässt in jeder Spule ein Signal entstehen, was fast identisch ist.
0:27:53–0:27:58
Die Abstände von den beiden Spulen sind ja sehr eng, nicht sehr weit, fast identisch ist.
0:27:59–0:28:04
Genau entgegengesetzt, sodass der Humbucking-Effekt da nicht greift.
0:28:04–0:28:08
Das ist kein Störsignal, das ausgelöscht wird, sondern es ist quasi absichtlich
0:28:08–0:28:11
falschrum in die eine Spule reingeflossen.
0:28:12–0:28:14
Soweit bist du noch dabei?
0:28:14–0:28:17
Ja, ich überlege gerade, das Schwingen der Seite, hat das noch eine Relevanz
0:28:17–0:28:20
in der Stimulierung des Feldes?
0:28:20–0:28:24
Die Schwingung der Seite und das Magnetfeld, da gibt es dann auch ganz viele
0:28:24–0:28:29
Diskussionen drum. Auch zum Beispiel, wenn ich ein höheres Signal haben will,
0:28:29–0:28:31
dann muss ich ja die Seite näher ans Magnetfeld bringen.
0:28:32–0:28:36
Aber weil dann die Schwingung, also mehr elektromagnetische,
0:28:36–0:28:43
also dann umgewandlerweise die Ton, also einfach mehr Amplitude erzeugt.
0:28:45–0:28:49
Und gleichzeitig aber das Problem ist, dass dann auch die Magneten die Seite
0:28:49–0:28:53
eher anziehen, sodass die schneller aufhört zu schwingen. Ja,
0:28:53–0:28:56
weil die quasi dann durch den Magnet ja festgehalten wird in gewisser Weise.
0:28:56–0:29:00
Das ist das Thema. Aber wenn du jetzt dir das so vorstellst,
0:29:00–0:29:03
jetzt wird es nicht nur verbal, sondern ich muss jetzt auf den Boden gucken,
0:29:03–0:29:05
aber ich versuche es zu erklären, dass die Leute das sehen.
0:29:06–0:29:08
Also wir haben jetzt hier, sagen wir mal, wir haben hier einen Hamburger.
0:29:08–0:29:12
Wir gucken gerade auf so eine quadratische Fliese.
0:29:13–0:29:17
So, jetzt haben wir, hier sind diese Gitarrenseiten aufgehängt und gehen nach
0:29:17–0:29:23
oben, quer durch unsere Fliese bis hier oben. Da wird oben gestimmt.
0:29:23–0:29:26
Das heißt, wenn ich jetzt hier so davorstehe, dann gehen die von links nach
0:29:26–0:29:31
rechts oder von rechts nach links liegen die Seiten über dem Hamburger.
0:29:33–0:29:35
Und wenn ich die anschlage, dann schwingen die.
0:29:37–0:29:42
Sozusagen, also horizontal scheinen die zu liegen, dann schwingen die nach oben und unten.
0:29:42–0:29:48
Und jetzt habe ich hier im Hamburger aber da und da, also genau in rechtem Winkel,
0:29:49–0:29:52
habe ich die beiden Spulen.
0:29:52–0:29:57
Das heißt, wenn die Seite schwingt und die Spulen relativ eng zusammen sind,
0:29:57–0:30:00
dann ist es fast das gleiche Schwingungssignal, was auf beide Spulen.
0:30:00–0:30:04
Du hast natürlich in der Seite, wenn du die Zeitlupe siehst,
0:30:04–0:30:05
siehst du auch die Welle.
0:30:05–0:30:08
Und dann hast du ja schon so einen Höhendifferenzunterschied,
0:30:08–0:30:12
der von den Spulen, je nachdem wie weit die auseinander sind,
0:30:13–0:30:15
dann als Differenz wahrgenommen werden kann.
0:30:15–0:30:19
Genau, wenn du nämlich zum Beispiel, und da kommen wir bis zum Out-of-Face,
0:30:19–0:30:24
wenn du diese Idee nimmst, also wenn wir jetzt diese beiden Spulen auseinander
0:30:24–0:30:29
nehmen, dann fällt ja unser Magnet unten ab, weil der hat ja beide quasi eine
0:30:29–0:30:30
Nord-, eine Süd polarisiert.
0:30:31–0:30:35
Das heißt, wir ziehen die jetzt mal auseinander, sodass die wie bei einer Telecaster-Gitarre
0:30:35–0:30:39
vielleicht so 25 cm auseinander sind.
0:30:39–0:30:40
Okay.
0:30:42–0:30:47
Und da haben wir dann immer noch einen Humbucking-Effekt. Er ist aber nicht
0:30:47–0:30:50
mehr so gut, wie wenn die ganz nah aneinander sind.
0:30:51–0:30:54
Aber wenn wir die Magnete auch getrennt haben, wir müssen jetzt einen zweiten
0:30:54–0:30:57
Magnet mit anbringen, dann hätten wir jetzt auch die Möglichkeit,
0:30:57–0:31:00
zum Beispiel bei dem einen zu sagen, weißt du was, wir drehen jetzt mal den
0:31:00–0:31:03
Magnet um. Jetzt gucken wir beide nach Norden.
0:31:04–0:31:07
Das heißt, dann haben wir eine Spule, die rechts rum geht, eine Spule,
0:31:07–0:31:10
die links rum geht. Und beide sind aber magnetisch gleich.
0:31:11–0:31:16
Und wenn wir dann die Seite anschlagen, dann wird die genauso ausgelöscht,
0:31:16–0:31:20
wie jedes andere, was reinkommt, weil durch das Magnetfeld, was jetzt in die
0:31:20–0:31:23
gleiche Richtung zeigt, sind die Signale in die Spulen eingegeben.
0:31:24–0:31:29
Die sind jetzt quasi entgegengesetzt, weil die Spulen entgegengesetzt gewickelt sind.
0:31:31–0:31:35
Du bist jetzt mein Publikum. Ich will das endlich mal in der Insta-Crowd erklären.
0:31:36–0:31:37
Ja, ich gebe mir Mühe.
0:31:38–0:31:41
Das heißt, ich wiederhole es nochmal, Wir haben den Humbucker,
0:31:42–0:31:47
eine rechts rum, eine links rum und die waren im Original bei einem Norden oben,
0:31:47–0:31:48
beim anderen Süden oben.
0:31:48–0:31:51
Jetzt ziehe ich die auseinander und drehe die Magneten.
0:31:51–0:31:57
Das heißt, es sind jetzt zum Beispiel beide Nordpol oben und die sind aber entgegengesetzt gewickelt.
0:31:57–0:32:00
Der eine rechts rum, der eine links rum und dann entsteht die Situation,
0:32:01–0:32:08
in der ich Humbucking-Effekt habe und die Seite auch mit diesem Humbucking-Effekt
0:32:08–0:32:11
gelöscht wird. Aber eben nicht hundertprozentig.
0:32:13–0:32:17
Durch den Magnetflip haben wir jetzt nicht mehr die Situation, dass die Seite,
0:32:19–0:32:23
Also quasi invertiert wird, je nachdem, welche Spule du aufgreifst,
0:32:23–0:32:26
sondern das ist identisch, weil die Pulle gleich sind.
0:32:27–0:32:30
Aber weil das so weit auseinander ist und wir schlagen die Seite an,
0:32:31–0:32:34
dann entsteht, wird üblicherweise beschrieben, so ein nasaler Sound.
0:32:34–0:32:38
Da fehlt so ein bisschen mit der Wumms und sowas. Das ist genau das,
0:32:38–0:32:39
was ich am Anfang meinte.
0:32:39–0:32:43
Die Sekundenzeige, diese hohen Frequenzen, die sind eher unterschiedlich.
0:32:43–0:32:45
Und je weiter die auseinander sind bei der schwingenden Seite,
0:32:46–0:32:49
desto mehr unterscheiden sie aufeinander. Und da werden die tiefen Frequenzen,
0:32:49–0:32:54
wo die Schwingungen einfach langsamer sind, die sind sich nicht so unterschiedlich
0:32:54–0:32:55
und werden eher ausgelöscht.
0:32:56–0:32:56
Okay.
0:32:56–0:33:02
Und jetzt haben wir eine Situation von einem Humbucking. Also wenn wir uns das
0:33:02–0:33:05
jetzt vorstellen würden als eine Gitarre, wo ich umschalten kann,
0:33:05–0:33:10
ich will nur den einen Tonabnehmer, der an der Seitenaufhängung ist, an der Brücke.
0:33:10–0:33:14
Da ist der Anschlag immer ein bisschen knackiger.
0:33:15–0:33:19
Der andere Position ist nur der, der am Hals vorne ist.
0:33:19–0:33:22
Da schwingen die Seiten ein bisschen größer, sind ein bisschen mehr besser drin,
0:33:22–0:33:23
ist ein bisschen weicher, der Sound.
0:33:23–0:33:26
Und dann gibt es eine Mittelposition, wo ich die beiden zusammenschalte.
0:33:27–0:33:31
Und dann ist es egal, dachte ich gerade, ob es in Serie oder parallel ist,
0:33:31–0:33:31
aber das ist eine eigene Ebene.
0:33:32–0:33:37
Schalte ich die beiden zusammen. Und in dem Moment, in dem ich sie zusammenschalte, dann klingen sie nasal.
0:33:38–0:33:42
Wenn ich den einen Magnet wieder umflippe, dann klingt es wieder so wie ein
0:33:42–0:33:44
Hamm... Also dann kriegst du es halt humbuggen.
0:33:44–0:33:47
Und die Einzelpositionen sind davon aber nicht betroffen.
0:33:48–0:33:51
Wenn ich jetzt nur den einen Tonabnehmer anhab, dann ist dem egal,
0:33:51–0:33:56
ob Süden oben ist oder Norden oben ist, sondern der kriegt halt das Signal und macht daraus was.
0:33:56–0:33:59
Hat aber keinen humbugging-Effekt, weil es nur ein Single-Coil ist.
0:34:00–0:34:05
Das war bei dem Jaguar, war das quasi die Claw. da gibst du diesen,
0:34:05–0:34:10
da ist der embedded, ist in so ein Metallding embedded, was zusätzlich versucht
0:34:10–0:34:12
nur von der Seite die Radiowellen und sowas abzuschirmen.
0:34:13–0:34:13
Okay.
0:34:13–0:34:16
Also gut, ich mache jetzt hier,
0:34:17–0:34:23
Versuche das nochmal nicht zusammenzufassen, sondern zu sagen, was wir jetzt haben.
0:34:24–0:34:29
Wir haben jetzt einen Humbucker, wo wir bei einem den Magnet umgedreht haben
0:34:29–0:34:30
und dann haben wir Out-of-Face.
0:34:30–0:34:33
Aber wir haben Humbucking intakt.
0:34:34–0:34:38
Störgeräusche werden unterdrückt, aber unser Sound ist, weil die Magnete in
0:34:38–0:34:41
die gleiche Richtung sagen, ist halt so nasal. Das ist ein Out-of-Face-Sound.
0:34:42–0:34:46
Wir könnten jetzt das auch andersrum machen. Wir könnten die Magneten unterschiedlich lassen.
0:34:47–0:34:50
Das heißt, der eine ist Norden nach oben, der andere Süden nach oben.
0:34:50–0:34:55
Und wir tauschen aber die Richtung der einen Spule aus, sodass beide rechts rumgewickelt sind.
0:34:56–0:35:00
Wenn beide Spulen rechts rumgewickelt sind, gibt es dann noch den Humbucking-Effekt,
0:35:00–0:35:02
ja oder nein? Frage ich jetzt Flo.
0:35:03–0:35:05
Ich habe mir 50 Prozent schon.
0:35:06–0:35:10
Also wir gucken nur auf die Spulen, beide sind in die gleiche Richtung gewickelt.
0:35:11–0:35:13
Nee, eigentlich darf das nicht sein.
0:35:13–0:35:16
Dann ist kein Humbucking-Effekt, genau. Das Signal, die da reinkommen,
0:35:17–0:35:20
werden so, also man könnte sich jetzt ja auch im Extrem vorstellen,
0:35:20–0:35:21
ich stelle die einfach übereinander.
0:35:22–0:35:25
Das gibt es nämlich auch. Es gibt Hamburger, wo die nicht nebeneinander sind,
0:35:25–0:35:28
sondern übereinander. Und die gehen in eine Richtung, gehen in die andere Richtung.
0:35:28–0:35:32
Aber wenn ich einfach quasi doppelt so viel Wicklungen in eine Richtung mache
0:35:32–0:35:34
und die sind übereinander, ist kein Hamburger Effekt.
0:35:34–0:35:36
Das heißt, das Ding brummt.
0:35:36–0:35:43
Wenn ich da nicht gut abgeschirmt habe. und dadurch, dass die Magnete aber Norden und Süden,
0:35:46–0:35:52
vertauscht haben, gibt unser Signal jetzt wieder einen Out-of-Face-Sound.
0:35:52–0:35:58
Es gibt einen Out-of-Face-Sound, weil es quasi in eine Spule wegen Süden oben
0:35:58–0:36:02
so rum und in eine andere Spule wegen Norden oben andersrum reinkommt.
0:36:02–0:36:06
Das heißt, da wird dann auch wieder ausgelöscht und wir haben dann quasi,
0:36:06–0:36:10
es sei denn ein Marxian-Sound, the worst of both worlds.
0:36:10–0:36:14
Wir haben keinen Hamburg-Effekt, weil Spulen in gleiche Richtung und wir haben
0:36:14–0:36:17
aber einen Out-of-Face-Sound, den manche einfach auch wollen und deshalb rede
0:36:17–0:36:20
ich darüber, weil wenn man es erstmal kapiert, dann kann man sich überlegen,
0:36:20–0:36:22
was man da macht, da komme ich gleich drauf.
0:36:22–0:36:24
Wir haben Out-of-Face-Sound, weil
0:36:24–0:36:27
die Magnete trotzdem beide Richtungen zeigen. Das heißt, es brummt und,
0:36:28–0:36:30
Der Gitarren-Sound ist nasal.
0:36:30–0:36:30
Genau.
0:36:32–0:36:34
Das wird wahrscheinlich keiner so richtig wollen. Sondern dann würde ich ja
0:36:34–0:36:37
sagen, Moment, ich will den Out-of-Face-Sound.
0:36:38–0:36:43
Aber da mache ich das lieber so, dass der Humbugging-Effekt immer noch ist.
0:36:43–0:36:47
Die Windung in den gegensätzten Richtungen. Aber die Magnete sind andersrum
0:36:47–0:36:49
getauscht. Und das kann man auch machen.
0:36:50–0:36:52
Das wäre auf alle Fälle auch eine cleanere Version.
0:36:53–0:36:58
Und das Problem dabei ist nur, wenn du jetzt über eine elektrische Schaltung
0:36:58–0:37:00
einen Schalter einbaust und eine Gitarre,
0:37:00–0:37:05
wo du zum Beispiel einfach so flippst und mit dem Flip laufen auf einmal von
0:37:05–0:37:10
der einen Spule, wenn die Pole umgetauscht,
0:37:10–0:37:16
dann kannst du mit so einem Kippschalter sehr viel besser Out-of-Face herstellen,
0:37:16–0:37:19
als wenn du mechanisch diesen Magneten umklickst.
0:37:19–0:37:23
Und es gibt jetzt auch noch keine E-Gitarre, wo man immer eine 9-Volt-Batterie
0:37:23–0:37:26
dran hat, um den Magneten quasi aktiv zu machen.
0:37:26–0:37:32
Das gibt es nicht. Das heißt, diese Idee, Humbucking und Out-of-Face bedeutet
0:37:32–0:37:34
in der Regel, du musst was mit dem Magneten verändern.
0:37:35–0:37:38
Und dann ist es sehr schwer, diesen Effekt wieder loszukriegen.
0:37:39–0:37:44
Okay. Der Magnet ist dann quasi das trägste Element in dem ganzen System.
0:37:44–0:37:47
Das mechanischste vor allen Dingen, das kann man nicht einfach umpolen,
0:37:47–0:37:53
es sei denn, das magnetische Feld würde auch elektrisch hergestellt werden,
0:37:53–0:37:55
aber das ist mir zumindest nicht bekannt.
0:37:55–0:37:59
Und jetzt ist es dann so, was passieren kann, ist,
0:38:00–0:38:05
du hast ein Humbucking, also du hast ein Humbucker rechtsrum,
0:38:05–0:38:08
also wo so zwei Spulen direkt aneinander kleben,
0:38:08–0:38:12
rechtsrum gewickelt, linksrum gewickelt, Norden und Süden sind,
0:38:13–0:38:16
bei rechtsrum gewickelt ist Norden und linksrum gewickelt ist Süden.
0:38:16–0:38:20
Und bei dem anderen, der sieht genauso aus, aber da ist der Magnet umgedreht,
0:38:21–0:38:25
dann ist rechtsrum gewickelt und linksrum gewickelt die andere Polarität.
0:38:26–0:38:30
Das heißt, da ist es genauso wie bei den Single-Coil-Turnabnehmern.
0:38:30–0:38:32
In sich selbst klingen die beide völlig okay.
0:38:34–0:38:37
Aber auch zwei Hamburger-Turnabnehmer, von denen man erst mal denkt,
0:38:38–0:38:40
ach, die sind doch in sich geschlossen, das ist aber genäht,
0:38:40–0:38:42
Norden, Süden, einmal rechts rum, einmal links rumgewickelt.
0:38:42–0:38:45
Wenn ich die hintereinander schalte, kann ja nichts schief gehen,
0:38:45–0:38:47
weil da sind ja alle Kombinationen abgedeckt.
0:38:47–0:38:51
Aber dem ist nicht so. Man könnte sich ja vorstellen, dass man einfach in einem
0:38:51–0:38:55
der beiden, die aufeinander abgestimmt sind, gleich gewickelt, gleiche Polarität,
0:38:55–0:38:59
der Magnet unten umdreht, dann sind die immer noch gleich gewickelt,
0:38:59–0:39:03
aber rechts rum ist bei dem einen Norden, beim anderen Süden und links rum ist
0:39:03–0:39:06
bei dem einen Süden und bei dem anderen Norden.
0:39:06–0:39:12
Und dann entsteht ein nasaler Out-of-Face-Effekt mit zwei Hamburgern.
0:39:12–0:39:16
Und das ist eine Option, das habe ich vorhin schon angedeutet,
0:39:16–0:39:18
die manche auch wirklich wünschen.
0:39:18–0:39:23
Also, dass die wünschen, dass ich in zwei bei einer Les Paul oder so eine Gitarre,
0:39:24–0:39:28
wo eben zwei Humbucker drauf sind, dass die den Bridge Sound haben,
0:39:29–0:39:31
den Neck Sound haben, fett wie immer.
0:39:31–0:39:35
Und in dieser Middle Position wollen die dann nicht beide zusammen haben,
0:39:35–0:39:39
weil das ist jetzt nicht so anders, sondern die wollen dann genau den nasalen
0:39:39–0:39:42
Sound haben, um so ein bisschen mehr funky, ohne Bässe, ohne Mitten spielen zu können.
0:39:44–0:39:48
Und das wird dann am besten hergestellt, indem du wirklich einen Tonabnehmer
0:39:48–0:39:53
öffnest, den Magnet umdrehst, wieder schließt und wieder einbaust.
0:39:53–0:39:57
Weil dann hast du diese Humbucking-Sache überhaupt nicht verändert.
0:39:58–0:40:03
Du hättest sonst ruckzuck mit Umlöten, hättest du den einen andersrum polarisieren
0:40:03–0:40:05
können, die Pole einfach umdrehen können.
0:40:05–0:40:08
Aber dann hättest du halt den Humbucking-Effekt verloren.
0:40:09–0:40:16
Beziehungsweise ja doch und wenn du den einen Magneten aber umdrehst, dann ist es so, dass du,
0:40:17–0:40:25
Humbucking komplett intakt hast, in dieser Mittelposition, aber immer den nasalen Sound.
0:40:25–0:40:29
Und das ist quasi die safeste Version, wie man das herstellen kann.
0:40:29–0:40:31
So, also was war der Take-away von
0:40:31–0:40:37
dieser kurzen Sommerloch-Episode über Humbucking und Face, Out-of-Face.
0:40:38–0:40:43
Dass zwei Spulen miteinander Humbucking sind, hat überhaupt nichts damit zu
0:40:43–0:40:47
tun, wie rum die Magnete gepolt sind, sondern nur die Wicklung der Spule.
0:40:47–0:40:53
Und kannst du dazu noch mal so Künstlerinnen nennen, die da mitarbeiten?
0:40:54–0:40:57
Ich habe nur einmal, weil du sagst nach Künstler, Künstlerin,
0:40:58–0:41:02
ich habe einmal ein Interview gesehen mit, Ich weiß nicht mehr genau, wie der heißt.
0:41:03–0:41:07
Ich glaube Mark Hammond oder so was von Metallica, der Lead-Gitarrist.
0:41:08–0:41:12
Und der hatte seine Les Paul-Gitarre dabei und der hat dann irgendwie erklärt.
0:41:13–0:41:14
You know, I really like it.
0:41:15–0:41:20
But in the middle position, it's got this crazy sound. I don't know how it's doing.
0:41:20–0:41:24
Und er stellt es dann halt so irgendwie vor. Und er hat dann scheinbar eine
0:41:24–0:41:29
Gitarre irgendwie sich geholt, in der diese Tonabnehmer nicht richtig aufeinander
0:41:29–0:41:33
abgestimmt waren, sodass die magnetische Polarität bei einem geflippt war.
0:41:33–0:41:34
Und er hatte genau diesen Effekt.
0:41:34–0:41:39
Und er fand es super, aber es ist jetzt gerade auch der Einzige, der mir dazu einfällt.
0:41:40–0:41:46
Aber für so einen Out-of-Face-Sound, das ist schon nicht unüblich so.
0:41:46–0:41:50
Es ist einfach wirklich eine Möglichkeit, wenn du jetzt zum Beispiel Fotobearbeitung hast.
0:41:50–0:41:53
Du kannst dann halt unterschiedlich dramatisch, dramatisch warm,
0:41:53–0:41:57
dramatisch kalt oder schwarz-weiß. Ups, wo sind wir? Danke.
0:41:58–0:42:02
Wir sind jetzt in der Unterführung zwischen da.
0:42:02–0:42:03
Das ist runter.
0:42:05–0:42:05
Runter, genau.
0:42:09–0:42:13
Wir sind Mono. Alles in 3D hier, der Sound.
0:42:15–0:42:16
Aber bei uns dann Mono.
0:42:20–0:42:23
Ein bisschen unangenehm ist es schon, oder?
0:42:23–0:42:27
Ja, es ist ein bisschen wie aus einem Film, wo dann alles schief geht.
0:42:30–0:42:34
Und jetzt verlassen wir die Kunst, die Kunst am Bau.
0:42:36–0:42:37
Interesting.
0:42:38–0:42:41
Also wenn du es jetzt in Fotografien nimmst, ist es halt so wie zum Beispiel
0:42:41–0:42:42
Sepia oder Schwarz-Weiß.
0:42:43–0:42:47
Das ist einfach ein extremer Effekt, der einfach dem Bild nochmal was Neues abgewinnt.
0:42:47–0:42:50
Wo du dann versuchst, dass vielleicht eher ein bisschen das bläuliche rötigen.
0:42:50–0:42:55
Und dann kannst du dann sagen Schwarz-Weiß. Und ähnlich ist das mit diesem Out-of-Face-Effekt.
0:42:55–0:42:57
Der wird dann auch, das habe ich ganz am Anfang, glaube ich,
0:42:57–0:42:59
in einer der ersten Folgen, Es wird auch teilweise so gemacht,
0:43:00–0:43:04
dass man den Out-of-Face-Effekt jetzt relativiert, dass zum Beispiel die Spulen
0:43:04–0:43:08
so gewickelt sind, dass eine nicht ganz die gleiche Spulenanzahl hat,
0:43:09–0:43:13
sondern vielleicht nur die Hälfte davon, sodass ein bisschen Humm gebackt wird
0:43:13–0:43:17
und das Ganze weniger rauscht oder brummt, aber gleichzeitig dann noch ein bisschen
0:43:17–0:43:20
mehr von der Dynamik von einem Single-Call-Tonabnehmer hat.
0:43:20–0:43:22
Aber da möchte ich das geistetief reingehen.
0:43:23–0:43:27
Ja, das war meine kurze Folge.
0:43:27–0:43:32
Hier von Dr. Hammacker. Professor Dr. von Hammacker.
0:43:32–0:43:39
Grüße gehen raus in Ali Hacke live, dass ich das vielleicht auch mal anhören
0:43:39–0:43:42
möchte mit den ganzen Gitarrensachen.
0:43:43–0:43:45
Habt ihr euch ja lustig gemacht über mich. Jetzt hast du den Salat.
0:43:46–0:43:51
Nein, überhaupt nicht. Nein, das war ja über mein Verständnis von Herrn Hambacher.
0:43:52–0:43:52
Ja.
0:43:52–0:43:59
Ja, genau, das ist der erste Teil der Sommerfolge 25 Stromgetar.
0:44:00–0:44:04
Und jetzt, so viel sei gesneakt, in vier Wochen geht es weiter mit dem zweiten
0:44:04–0:44:08
Teil. Willst du uns schon verraten, was dann Thema ist?
0:44:09–0:44:13
Ja, das ist interessant, weil in vier Wochen werde ich schon in der Hand haben
0:44:13–0:44:17
können. Und jetzt gerade ist es alles noch in meinem Kopf. Also wenn ich jetzt...
0:44:17–0:44:19
Was hast du vor in den Filien?
0:44:19–0:44:21
Wenn ich jetzt schon drüber rede, dann weiß ich noch nicht genau,
0:44:22–0:44:23
ob ich es richtig darüber sage.
0:44:23–0:44:28
Aber es geht um einen Effekt, den man auf E-Gitarren machen kann,
0:44:28–0:44:32
der diesen, weißt du, was Lab-Steel-Gitarren sind?
0:44:32–0:44:32
Nein.
0:44:32–0:44:37
Das sind diese, die auf dem Tisch quer liegen, wo man dann mit so einem Bottleneck so...
0:44:40–0:44:42
Achso, okay. Also keine Zitter, sondern...
0:44:42–0:44:44
Eine E-Gitarre, die einfach auf den Tisch liegt und du machst so...
0:44:46–0:44:50
Das mag ich. Das ist wie so ein Lineal, was man dann...
0:44:50–0:44:54
Ja genau, das ist der gleiche Effekt. Das ist ja quasi ein Glyssandro, was da so durchgeht.
0:44:55–0:44:59
Und es gibt für diese Lab-Stil-Guitars, gab es dann auch Pedals.
0:45:00–0:45:03
Du konntest dann unten so Sachen drücken und wenn du dann drauf gedrückt hast
0:45:03–0:45:07
mit dem Fuß, dann wurde zum Beispiel eine Seite so ein bisschen hoch gezogen
0:45:07–0:45:10
oder runter gezogen, sodass der Akkord dann auf einmal aus dem Dur-Akkord,
0:45:10–0:45:15
dem Moll-Akkord wurde und umgekehrt. Das waren so Special Effects, so der,
0:45:18–0:45:20
Und das gibt es auch seit,
0:45:22–0:45:24
Seit eigentlich ein bisschen länger, als ich auf der Erde bin,
0:45:24–0:45:27
gibt es es auch für Elektrogitarren.
0:45:27–0:45:34
Und da bin ich gerade auf zwei Ebenen dran und das möchte ich dann beim nächsten
0:45:34–0:45:35
Mal erzählen, damit zu basteln.
0:45:35–0:45:40
Das eine ist quasi eine gekaufte Lösung auszuprobieren, das andere ist eine
0:45:40–0:45:42
selbst gebastelte Lösung auszuprobieren.
0:45:43–0:45:51
Ah ja, spannend. Okay, Mitch, vielen Dank für diese gewickelten und gespulten Einsichten.
0:45:53–0:45:58
Du hast mich als Instagram-Publikum bei der Spule gehalten.
0:45:59–0:46:03
Ja, und das nächste in vier Wochen wird, glaube ich, wirklich ein bisschen einfacher,
0:46:03–0:46:05
auch wenn ich gerade schon gemerkt habe, dass es schwer ist,
0:46:05–0:46:09
diese Töne nachzumachen, wenn man nicht gleich sieht.
0:46:09–0:46:12
Es sei denn, du machst mit mir Harmonien und wir können das dann...
0:46:12–0:46:23
Ich kann die zweite Stimme machen. Okay, das war eigentlich Podcast-Episode 86 und dann bei Folge 88.
0:46:24–0:46:29
Dann hört ihr, wie es weitergeht mit Mitch Sommergitarren.
0:46:30–0:46:33
Stromgitarren. Sommer der Stromgitarren.
0:46:33–0:46:35
Sommer der Stromgitarren. Sommer der Stromgitarren.
0:46:36–0:46:37
Macht's gut.
0:46:37–0:46:38
Tschüss.

Verwandte Episoden


Mehr