EGL097 Männerphantasien im Deutschen Theater

„Von den Alpen bis zum Meer spannt sich die Kette erstarrter Männer. Wo andere Menschen ihre Haut haben, wird ihnen ein Panzer wachsen." Klaus Theweleit

Flo schenkt Micz zu Weihnachten einen Besuch des Stücks „Männerphantasien", aufgeführt am 10.01.2026 in der Box des Deutschen Theaters, der kleinsten Bühne des Hauses. Wir sind etwas aufgeregt, weil wir eigentlich noch nie zusammen ins Theater gegangen sind. Um 20 Uhr bringen wir uns vor der Box zur freien Platzwahl in Stellung und finden in der zweiten Reihe des klein bestuhlten Saals Platz. Das Stück fängt auch inmitten der Reihen an: Ein Schauspieler, als Zuschauer getarnt, rezitiert gleich zu Beginn Originaltexte aus dem Buch „Männerphantasien" von Klaus Theweleit. Wir als brave Kulturbürger versuchen, den Sätzen mit konzentriert gerunzelter Stirn zu folgen, bis der Schauspieler jäh mit den Worten unterbricht (sinngemäß): „Ich sag's nochmal einfacher. Also nicht verstehen, was da passiert ist, sondern fühlen." Es geht um die Freikorps, es geht um die Gewalt der faschistischen Prototypen, es geht um die neofaschistischen Auswüchse unserer heutigen Zeit. Große Teile des Stücks werden über Monologe getragen – Monologe, in denen eine*r des fünfköpfigen Ensembles in die Rolle einer zeitgenössischen Figur schlüpft: eine Person „aus der Pizzabox", die Andrew-Tate-Zitate spricht; eine Mutter, die zu den Vergewaltigungen ihres Sohnes emotional Stellung zu beziehen versucht; eine Frau, die vom Feminismus ins rechte Lager kippt und zuletzt ein Mann, der grillend schlechte Wortwitze reißt und sich mit seinem Nachbarn über Carports austauscht, dann aber fast im selben Atemzug die Farbgebung der Reichsflagge – Schwarz, Weiß, Rot – messerscharf analysiert. Als wir aus dem Theater kommen, werfen wir gleich unsere Aufnahmegeräte an, um uns frisch über die ersten Eindrücke auf den eisüberzogenen Straßen von Mitte auszutauschen. Micz rezitiert noch die Witze aus dem Stück: Steht ein Pilz im Wald, kommt der Hase vorbei und trinkt es aus. Warum steht da ein Pils? Weil die Tannen zapfen. Flo freut sich, dass sein Geschenk gut angekommen ist und Micz sich während des Stücks auch amüsiert hat. Wir können mit Theweleits „Männerphantasien" auch an eine unserer früheren Folgen anknüpfen: In Episode 60 zu dem Film „The Zone of Interest" referiert Micz über das Buch von Theweleit und stellt die Objektbeziehungstheorie der Psychoanalytikerin Melanie Klein vor, die eine theoretische Grundlage von „Männerphantasien" bildet. Während wir durch die Auguststraße vorbei an den Kunstwerken schlittern, gehen wir der Kernfrage nach, die sich auch in dem Stück stellt: Kann sich Geschichte wiederholen, oder sind die Freikorps der 1920er-Jahre aus einer singulären historischen Konstellation entstanden?

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
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Micz Flor

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:03
Hitler mit seinen Ideologien und so weiter hat das alles aufgefangen,
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hat das dann legitimiert und damit normalisiert.
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Und wenn wir jetzt, und das war ja so ein bisschen der Ausgangspunkt,
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gucken, wie skaliert sich das in so einer heutigen Zeit, dann ist es,
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glaube ich, dieser Moment der Normalisierung durch eben, was es alles an Phänomenen gerade gibt,
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ist, glaube ich, ein ganz starker Moment, wo das halt auch wieder möglich wird.
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Und was er nach diesem Stück auch gezeigt hat in diesen einzelnen Monologen auf der Bühne.
Micz Flor
0:00:38–0:00:40
Wenn man aus dem Theater kommt, dass man anders auf Sprache,
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also sich selber auch anders zuhört, oder?
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Müsste man vielleicht mal gucken, ob das, was wir heute sagen,
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besser artikuliert ist, als es sonst der Fall gewesen wäre.
Florian Clauß
0:00:51–0:00:53
Genau. Betonung.
Micz Flor
0:00:53–0:00:54
Genau.
Florian Clauß
0:00:54–0:00:57
Ja, man hat die ganze Zeit jetzt so schlechte Wortwitze im Kopf,
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ne, nach der letzten Sitzung.
Micz Flor
0:00:59–0:01:04
Ja, ja, ja. Steht ein Pilz im Wald, Hase kommt und trinkt aus.
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Warum steht ein Pilz im Wald? Weil die Tannen zapfen.
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Einer der Witze von dem Stück, was wir gerade gesehen haben,
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über das wir jetzt gerade sprechen werden.
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Es geht um Männerfantasien und wer, wenn nicht wir, um uns zu legitimieren,
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als Cis-Männer könnten, die natürlich auf dem Spektrum genderfluide sind,
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aber ziemlich cissig, könnte Männerfantasien haben.
Florian Clauß
0:01:27–0:01:36
Ja, in diesem Alter doch nicht mehr. Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast Episode 96?
Micz Flor
0:01:36–0:01:36
97.
Florian Clauß
0:01:37–0:01:43
97, wow. Eigentlich Podcast, der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend
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reden und hier auch manchmal rutschen.
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Wir kommen, wie Mitch gerade gesagt hat, aus dem Theater, deutschen Theater,
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sind in der Reinhardtstraße, gucken gerade auf dem Bunker.
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Haben auch schon vorhin darüber gesprochen, dass wir noch nicht die Sammlung
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gesehen haben im Bunker, du zumindest.
Micz Flor
0:02:01–0:02:02
Ich habe sie noch nicht gesehen, nee.
Florian Clauß
0:02:02–0:02:08
Und wir haben, genau, das war mein Weihnachtsgeschenk an Mitch, nämlich Theater.
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Ich glaube, wir sind nicht oft in unserem Leben gemeinsam ins Theater gegangen.
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Aber ich dachte, dieses Stück können wir uns ansehen, weil das hatten wir auch
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schon in einer Folge mal besprochen.
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Männerfantasien von Teweleit, Klaus Teweleit, erschienen ist dieses Buch,
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glaube ich, 77, 78, in den Dreh.
Micz Flor
0:02:29–0:02:31
In zwei Büchern ursprünglich, jetzt ist es ein Buch.
Florian Clauß
0:02:31–0:02:36
Genau, und du hast das bei unserer Folge, wo wir auch durch Mitte gelaufen sind,
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das war über den Film Zone of Interest von Glazer.
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Das hattest du mir dann gezeigt und auch darüber berichtet.
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Ich durfte es auspacken von dich bewundern, dass du so ein dickes Buch hast.
Micz Flor
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Und dachte, ich hätte es dir geschenkt. Das musste ich dann zurückpfeifen.
Florian Clauß
0:02:58–0:03:01
Das war für mich. Das war ganz süß.
Micz Flor
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Und jetzt läuft halt das Stück im DT Männerfantasien.
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Regie führt die Theresa Thomasberger. Und es wurden Originaltexte inszeniert
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sozusagen und zusätzlich wurden aber auch noch Texte geschrieben von den Dramatikerinnen
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Svenja Viola Bungarten,
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Ivanka Sokola und Gerhild Steinbuch.
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Das heißt, es waren insgesamt fünf SchauspielerInnen, die Texte von Tevela direkt
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vorgetragen haben, szenisch und halt eben auch neue Texte.
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Und das Ganze, es gibt dazu das online, aber auch als Flyer,
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wer reingehen möchte, Textmaterial, wo das auch nochmal eingefasst wird.
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Wie das jetzt verknüpft ist mit eher genderfluiden Konzepten und Tevelat selber
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wohl auch gesagt, hätte rückblickend, dass damals zum Beispiel das Wort queer
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noch gar nicht entstanden war, noch kein Raum dafür war.
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Und deshalb die Idee, da jetzt nochmal drauf zu gucken und auch Männlichkeit
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eben als Teil eines Spektrums zu sehen und insofern auch Frauen,
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Männer aufführen zu lassen.
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Das wird in diesem Text nochmal kurz erklärt, dass das einfach mal,
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denke ich, also das ist jetzt so ein bisschen meine Interpretation schon,
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dass das ein spannender Versuch ist.
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So, ich hatte das Gefühl insgesamt, deshalb sage ich es mal in der Interpretation,
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das Wort Versuch klingt jetzt nicht so final oder nicht abgeschlossen,
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sondern es war aber, denke ich,
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schon, ich fand es super interessant, das zu sehen und ich fand es,
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glaube ich, auch gerade deshalb so interessant, weil man einfach gemerkt hat,
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wie mühsam das ist, das zu tun.
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Und das ist keine negative Kritik, sondern finde ich einfach eine ehrliche Transparenz
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von dem Prozess, neue Texte und den alten Text und das Ganze in Szene zu setzen.
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Und ja, das war mühevoll im positiven Sinne.
Florian Clauß
0:05:02–0:05:05
Und es war auch in der ganz kleinen Bühne.
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Das heißt, wir hatten freien Platz, weil am Anfang war das noch so ein bisschen,
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wo sitzt man? Und wir haben dann in der zweiten Reihe einen Platz gefunden.
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Es waren nicht viele Plätze in dieser Bühne. Das war auch in Duffen,
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finde ich, versucht ganz gut, Draft so ein bisschen, weil das hatte schon was
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sehr Offenes, das Ganze.
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Das war jetzt nicht so wie im großen Haus, wo dann halt wirklich dann vorne
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die Bühne Bühne läuft und das war alles eine sehr offene Situation.
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Du hast auch mehrmals gelacht.
Micz Flor
0:05:36–0:05:36
Ja.
Florian Clauß
0:05:37–0:05:41
Also du hast dich amüsiert, das ist schon mal gut, das Geschenk ist gut angekommen.
Micz Flor
0:05:41–0:05:44
Ich habe die Mühen abgeschüttet, das Zuhören, so habe ich dann auch bei den
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Wurstteller auch. Ich habe den Wurstteller auch bekommen.
Florian Clauß
0:05:47–0:05:50
Du hast den Wurstteller bekommen und hast das Publikum davon befreit.
Micz Flor
0:05:51–0:05:54
Nein, den habe ich nicht. Du hast den Wurstteller nicht von mir genommen und weitergereicht.
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Beziehungsweise die Dame neben dir wollte den auch nicht mehr haben.
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Da musste ich ihn schweigsam riechend unter meinen Stuhl parken.
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So, dieses abgestandene Bratwurstgeruch zog so von unten hoch.
Florian Clauß
0:06:08–0:06:13
Vegane Bratwurst. Man hört so ein bisschen raus, es war viel Interaktion mit dem Publikum.
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Es war ziemlich in your face. Also man wollte nicht unbedingt, also mir ging es so,
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mit den Schauspielern auf der Bühne interagieren, weil meistens,
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wenn man dann halt interagiert hat, dann nicht für sich im Positiven,
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sondern da wurde der Name dann benutzt,
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um dann halt weiter...
Micz Flor
0:06:33–0:06:37
Ja, aber auch nicht im Megativen. Aber es waren schon alle, es war eine gewisse
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Komplizenschaft im positiven Sinne.
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Alle haben irgendwie auch mitgemacht. Also dieses Versuchige war da irgendwie
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drin, aber für mich war es, ich war auch froh, in der zweiten Reihe zu sitzen.
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Es wurde dann ja auch transparent gemacht, dass ein Schauspieler,
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glaube ich, dann irgendwann gesagt hatte, jetzt denken Sie wahrscheinlich,
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warum musste ich in der ersten Reihe sitzen?
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Und das hat auch immer gut funktioniert. Also ich glaube, dieses Gefühl des
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Textes, wie das gerade erlebt wird im Publikum in den Momenten,
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wenn so ganz direkter Kontakt war, war es eigentlich immer ganz passend.
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Also da war es schon sehr feinfühlig.
Florian Clauß
0:07:09–0:07:13
Was man so generell sagen kann bei einem Stück ist, dass es sehr monologlastig war.
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Also es gab ein Ensemble von fünf SchauspielerInnen, die auch mal zu fünft oder
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zu viert auf der Bühne waren.
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Aber die Main Acts waren eigentlich immer mehr oder weniger Monologe,
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die da abgehalten wurden.
Micz Flor
0:07:27–0:07:33
Und den Cast der SchauspielerInnen, den werden wir auch im Blogpost auf eigentlich-podcast aufführen.
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Bloß weil wir eben beim Laufen reden und laufend reden und es jetzt inzwischen
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dunkel ist und kalt, werden wir die Namen jetzt nicht vorlesen.
Florian Clauß
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Nein, wir werden die nicht vorlesen. Es ist auch rutschig, wir gucken so ein bisschen auf den Weg.
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Wir wollen nicht mit gebrochenen Rippen nach Hause gehen und auch nicht aufnehmen,
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wie wir es auch immer gemacht haben, mit gebrochenen Rippen.
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Ich finde es gut, dass du es gesagt hast, es war wirklich so ein Versuch und
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ich selber habe mich dann halt auch so,
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gemerkt, wie ich dann so oszilliert bin zwischen, es ist mir zu viel,
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zu laut, aber gleichzeitig wieder so eine Offenheit entwickelt habe für die
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einzelnen Szenen und auch für den Versuch, da wirklich mit historischen Texten
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von Teweleit, die dann szenisch umgearbeitet wurden.
Micz Flor
0:08:21–0:08:24
Zu arbeiten. Ja, und was ich nicht weiß, aber ich glaube, es waren auch Texte,
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die Teweleit wiederum selber nutzt, weil die Bücher Männerfantasien,
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die damals entstanden sind,
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entstanden auch aus unfassbar viel Textmaterial,
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was Teweleit zugespielt wurde von einem anderen Historiker, der sich mit den
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Korpsaktivitäten und deren Brutalität auseinandersetzt zwischen den Kriegen.
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Der dann meinte, hier, mach mal was mit diesen Texten. Das ist so brutal.
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Sowohl was da an Poetry, also Poesie, Fiktion, Belletristik,
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aber eben auch an Berichten und Aktionen. Das ist so brutal,
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er konnte das nicht verstehen.
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Und Teweleit hat das dann einfach erstmal alles in sich aufgenommen und in sich
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reingelesen und gesammelt und gesammelt und gesammelt.
Florian Clauß
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Er wollte seine Dissertation machen. Das war das Material für die Dissertation.
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Es ist mehr als die Dissertation geworden. Es ist quasi ein Standardwerk.
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Männerfantasien in den 70ern mit eben auch und so stieg ja auch dieses Stück
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ein, dass es nicht nur eine historische, soziologische Betrachtung von Faschismus
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ist, sondern die Frage, wie konnte das passieren?
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Was war die Gefühlswelt dahinter?
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Und das hat das Stück, glaube ich, auch so punktuell rübergebracht.
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Wie du sagst, Freikorps. Wir sind jetzt ein Freikorps, um das mal so zeitlich
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zu verorten, In den 20er Jahren, also das ist der Prototyp des SA,
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das, was sich auch da in der SA erst dann formiert hat und später auch eben
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in den institutionellen Strukturen vom Faschismus, von Nationalsozialisten, SS und so weiter.
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Aber es geht um die Generation, die dann quasi im Wilhelminischen Reich aufgewachsen ist,
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geprägt wurde durch den Ersten Weltkrieg und dann diese unfassbare Gewalt,
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die dann halt auf den Straßen in den 20er Jahren auch vorgeherrscht haben.
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Das waren so die Freikorps.
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Und das waren halt auch so die Fantasien, dieses, also ein Segment,
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ein signifikantes Segment der Gesellschaft, kann man sagen.
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Also das heißt, es war nicht nur eine singuläre Gewaltfantasie von jemandem,
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sondern es war wirklich signifikant, das ist ein ganzer Schnitt von Bevölkerung,
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die eben genauso gedacht und gefühlt haben.
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Und das hat Teweleit systematisch anhand dieser Aufsätze, dieser ganzen Tagebücher und Material,
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was er bekommen hat, untersucht und daraus eben bestimmte Ableitungen getroffen.
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Und die hattest du ja auch schon mal so vorgestellt in der einen Folge,
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auf die wir schon referenziert haben.
Micz Flor
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Ja, es war so, dass Teweleit dann auch versucht hat, es durch einen Prozess.
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Also ich möchte jetzt gar nicht so weit von dem Stück weg, deshalb gehen wir
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vielleicht nochmal kurz zurück.
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Es war ganz interessant, dass nämlich die erste Person, die sprach vom Cast,
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die saß auch mit in der Reihe und hat dann das erste Mal gebeten,
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machen wir den Ambient-Sound aus und dann ist halt so ein,
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dann wird es halt ruhig, also haben aufgehört zu reden und die Person stand
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auf und hat dann erstmal, nehme ich an, ich kann es jetzt nicht proven,
0:11:31–0:11:36
wir kommen direkt daraus, aber das Teweleit-Text aufgesagt und meinte so, oh,
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Schnitt, das ist ganz schön kompliziert und irgendwie, ich versuche es jetzt
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noch mal einfacher zu sagen,
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und da drin war schon, glaube ich, diese Kernessenz auch drin und auch ein bisschen
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die Aufforderung an einem Publikum dazu dran zu bleiben und mitzuerleben,
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weil er diesen Teweleiteil,
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so gesprochen hat, dass es nicht über die kognitiver Taten zu sehen ist,
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sondern dass er selber das Ganze erleben musste.
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Man hat das irgendwie erleben wollen, erleben müssen.
Florian Clauß
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Man hing an den Lippen, man wollte wissen und das war auch so,
0:12:10–0:12:14
wo er gefragt hat, konnt ihr mir folgen? Ich sag's nochmal einfacher.
0:12:14–0:12:18
Also man wollte auch verstehen, was er da sagt, fühlen.
Micz Flor
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Ja, und das ist, also was dann dahinter steht, ist eben halt diese Körperlichkeit,
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was dann später auch nochmal in einer Szene als wirklich das Unbewusste auch nochmal benannt ist.
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Das ist die Taten, die von einem Historiker Teweleit gegeben wurden,
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genauso wie das Stück, was uns jetzt gegeben wird, dem muss man sich irgendwie hingeben.
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Da muss man irgendwie mit allen Gefühlen, die da so kommen, arbeiten und muss
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dann im Anschluss daran durch diesen Versuch, sich damit zu identifizieren,
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oder so hat Tewele das zumindest gemacht,
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hatte er dann eben so eine psychodynamische Theorie aufbauend auf Melanie Kleins
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Objektbeziehungstheorie,
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gefunden, in der er über Projektion ganz kurz gefasst gesagt hat, das ist nur zu erklären,
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dass diese Unordnung, die diese Freikorpsmänner in den GewerkschafterInnen,
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aufständischen HafenarbeiterInnen sehen.
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Dass die das in sich spüren.
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Die spüren das in sich und die wissen nicht, wohin damit.
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Die projizieren das nach außen und im Außen dann können sie es vernichten.
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Und im Außen ist die Bedrohung, die eigentlich innen erlebt wird,
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aber die man in sich nicht auflösen kann.
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Und deshalb hofft sie, buchstäblich zu zermanschen und totzuschlagen,
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wenn einem das Ganze auf einen zukommt.
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Und das ist so eine Sache, die die dann eben auch nochmal da in Worten,
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also in eigenen Worten gesagt haben, das Ganze aktualisiert haben in unsere
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Sprache, obwohl es jetzt nur 45 Jahre her ist,
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in unsere Sprache aktualisiert und gleichzeitig aber damit eben auch das Stück,
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den gleichen Level gebracht haben.
Florian Clauß
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Vielleicht sollte man doch noch mal so ein bisschen da reingehen,
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weil diese, was du gerade geschrieben hast,
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mit dieser roten Flut, also das ist noch mal so ein ganz wichtiger Begriff,
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das, was fließt, was flüssig ist, was morastig ist, was moortrocken geht.
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Das waren auch diese ersten Sätze auf der Bühne. Das ist diese Sprache,
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die da auch in den Freikorps wiedergefunden wurde.
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Also alles, was fließt, stellt eine Gefahr dar und man muss sich aufrüsten,
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man muss einen Panzer dagegen setzen.
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Das ist der Körperpanzer, das war diese Annehnung an Wilhelm Reich,
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die dann Teweleit übernommen hat.
0:14:36–0:14:42
Aber der Körperpanzer, der dann das Männliche schützt und alles andere Götze vernichtet.
0:14:42–0:14:47
Also deswegen finde ich auch noch diesen Aspekt, diese Trockenlegung von Sümpfen,
0:14:47–0:14:52
das ja auch immer so faschistische Projekte waren, Finde ich total interessant,
0:14:52–0:14:55
das nochmal so da zu betrachten, was der TV-Leiter rausgearbeitet hat.
0:14:56–0:15:00
Das ist die eine nach dieser Panzer und auf der anderen Seite,
0:15:00–0:15:07
das ist nochmal diese psychoanalytische Betrachtung, dass es unfertige Menschen waren.
Micz Flor
0:15:08–0:15:13
Ja, das ist dieser Teil von Margret Mahler, eine Wissenschaftlerin,
0:15:13–0:15:17
die sich eben auch mit den frühkindlichen Entwicklungsstadien auseinandergesetzt
0:15:17–0:15:21
hat und die halt eben meinte, und es ist halt auch nachvollziehbar,
0:15:21–0:15:22
dass Menschen viel zu früh geboren werden.
0:15:23–0:15:27
Also wenn du ein Pferde fohlen, da gab es auch mal so ein schönes Video, es fällt irgendwie...
0:15:28–0:15:30
Kann man einfach googeln. Das fällt irgendwie hinten raus.
Florian Clauß
0:15:30–0:15:31
Und läuft nicht.
Micz Flor
0:15:31–0:15:34
Und zehn Minuten später läuft es halt und hoppelt hin und her.
0:15:34–0:15:37
Und man hat das Gefühl, dass es Spaß an seinem Körper hat, ohne genau zu wissen,
0:15:37–0:15:38
wie der richtig funktioniert.
0:15:38–0:15:42
Aber es ist einfach so da. Und der Mensch kann so nicht sein,
0:15:42–0:15:44
sondern der Mensch muss versorgt werden.
0:15:45–0:15:49
Ja, biologisch gesehen, der Kopf darf nicht größer werden, sonst kommt er einfach
0:15:49–0:15:53
nicht mehr durch den Beckenboden durch. Das heißt, Menschen kommen viel zu früh.
0:15:54–0:15:59
Tevelat nennt es dann nicht fertig geboren. Ja, und das ist auch so ein interessantes
0:15:59–0:16:01
Wort, weil als ob man das so fertigstellen könnte.
0:16:01–0:16:06
Und ich nehme an, er hat es einfach ganz fordernd irgendwie so gesagt, nicht fertig geboren.
0:16:06–0:16:10
Finde ich einen guten Begriff, der auch irgendwie gleich die Anforderungen der
0:16:10–0:16:13
Welt an diese kleinen Kinder mitträgt.
Florian Clauß
0:16:13–0:16:17
Ja, das soziale, das familiäre Fels da quasi aktiviert.
Micz Flor
0:16:17–0:16:22
Und diese nicht fertig geborenen Söhne waren das dann bei Männerfantasien.
0:16:22–0:16:27
Die wurden dann eben in der Gesellschaft von der Mutter erst mal versorgt,
0:16:27–0:16:31
aber dann von den Männern entrissen, wie Teweleit sagte.
0:16:32–0:16:37
Und dann als Kadetten oder sowas verprügelt, also in Form geprügelt.
Florian Clauß
0:16:38–0:16:40
Wir gehen jetzt hier in die Linienstraße, oder?
Micz Flor
0:16:41–0:16:42
Ja, hier war ich genauso lange nicht mehr.
Florian Clauß
0:16:43–0:16:45
In die Auguststraße, weil wir durch die Auguststraße war.
Micz Flor
0:16:46–0:16:48
Wir haben uns in Falafel Dada getroffen, da war ich ewig nicht mehr.
0:16:48–0:16:52
Und an dieser Ecke war ich auch seit ganz, ganz, ganz langer Zeit nicht mehr.
Florian Clauß
0:16:53–0:16:54
Dann lass uns durch die Auguststraße gehen.
Micz Flor
0:16:54–0:16:55
Ja, ist doch schön.
Florian Clauß
0:16:55–0:16:58
Dann kommen wir auch an den Kunstwerken vorbei. Nochmal ein kurzer Einschub
0:16:58–0:17:02
an der Stelle. Und zwar haben wir es ja da mit einer Zeit zu tun,
0:17:02–0:17:06
wo dann die sogenannte schwarze Pädagogik auch vorgeherrscht hat,
0:17:07–0:17:09
also als diese Kinder groß geworden sind.
0:17:10–0:17:15
Da galt es auch nach wilhelminischer Tradition, dass eben ein Kind,
0:17:15–0:17:17
der Wille muss gebrochen werden.
0:17:18–0:17:24
Das Kind darf keine Schwäche zeigen, sondern ganz früh auch anfangen, Stärke zu entwickeln.
0:17:24–0:17:30
Wein, Schwäche und die Mutter, also dieses Verhältnis von Mutter und Kind oder
0:17:30–0:17:34
Sohn, war auch so, dass es halt sehr unterkühlt war, ja, es wurde auch nicht
0:17:34–0:17:38
großartig gesäugt, sondern die Mutter ist dann halt Versorgtes, ja, minimal,
0:17:39–0:17:46
aber es gibt keine richtige Mutterliebe, so in dem Sinne, Sondern es wird dann
0:17:46–0:17:48
halt durch diese Schule erstmal,
0:17:48–0:17:53
durch diese Schule der Erziehung, das geht dann halt weiter mit eben der Schule
0:17:53–0:17:57
in der Erziehungsanstalt, wo auch dann die Kinder gedrillt werden,
0:17:58–0:18:02
weiter über Kadettenschulen und dann schließlich durch den Ersten Weltkrieg,
0:18:02–0:18:04
Kriegserfahrung und so.
0:18:05–0:18:11
So entsteht quasi der Freikorps. Das ist schon sehr systematisch für die Zeit.
0:18:11–0:18:17
Das wäre halt auch die Frage an Thebeleid, ob das jetzt eine singuläre Erscheinung
0:18:17–0:18:22
ist, ob man das jetzt nur da verorten kann oder ob das Material jetzt sich da
0:18:22–0:18:24
so verdichtet hat, dass er das halt so genutzt hat.
0:18:24–0:18:28
Weil natürlich kann das auch überall anders passieren, was uns auch dann eben
0:18:28–0:18:31
das Theaterstück auch ein bisschen gezeigt hat, was zeitgenössisch ist.
Micz Flor
0:18:32–0:18:35
Ja, das war dann eben der Sprung, dann auch neue Motive reinzubringen.
0:18:36–0:18:41
Andrew Tate, die Mutter von Andrew Tate, das waren dann immer so kurze Monologe,
0:18:41–0:18:43
die dann nach vorne gehoben wurden.
0:18:43–0:18:48
Und dann wurde auch noch eine Frau, die sich dann, da wusste ich nicht,
0:18:48–0:18:49
ob das eine reale Vorlage ist oder nicht.
Florian Clauß
0:18:49–0:18:53
Das war, glaube ich, das fand ich auch mit den stärksten Monologen, muss ich sagen.
Micz Flor
0:18:53–0:18:54
Ja, der war echt gut.
Florian Clauß
0:18:54–0:18:58
Der war super. Also diese Genese von einer Frau,
0:18:58–0:19:05
das ging ja eben noch zu Pandemiezeiten, wie sie sich in feministischen Gruppen
0:19:05–0:19:10
organisiert hat und irgendwann dann infiltriert oder umgekippt ist und sich
0:19:10–0:19:16
dann mit dieser Tread-Wife-Sache identifiziert hat und dann eben zu einer ganz
0:19:16–0:19:18
rechten Figur geworden ist.
Micz Flor
0:19:18–0:19:21
Genau, ganz rechte Figur und gleichzeitig aber auch die Ermächtigung dieser
0:19:21–0:19:27
anderen Identität sehr gut dargestellt hat. Was ja wirklich ein legitimes Argument.
0:19:27–0:19:31
Ein legitimes Argument war ja immer auch zu sagen, wenn ich als Frau zu Hause
0:19:31–0:19:33
nicht arbeiten muss, mein Mann ist Geld dran.
0:19:34–0:19:39
Wo bin ich denn da benachteiligt? Also das ist ja immer dieses perfide Argument, was da mit drin steckt.
0:19:40–0:19:43
Und das ist genau, das waren solche Monologe, die da drin vorkamen,
0:19:43–0:19:54
um diese sowohl weibliche als auch männliche Form der, wie würde man sagen, Haltung.
Florian Clauß
0:19:54–0:19:58
Ja, aber auch so eine Körperlichkeit da reingebracht hat.
0:19:58–0:20:02
Also sowohl Haltung wie auch Körperlichkeit. Also es war ja so,
0:20:02–0:20:06
wie sie ja mit ihrem Körper argumentiert hat. Das war ja so nachvollziehbar.
0:20:06–0:20:09
Auf der einen Seite natürlich in einer feministischen Perspektive,
0:20:09–0:20:13
auf der anderen Seite dann halt, wie sie dann eben auch als Threadwife dann
0:20:13–0:20:16
den Körper als Reproduktionsmaschine dann legitimiert hat.
0:20:16–0:20:21
Also es war ein unglaublich guter Dialog, wie das dann halt wirklich so fühlbar war.
Micz Flor
0:20:21–0:20:21
Monolog.
Florian Clauß
0:20:22–0:20:23
Monolog, genau.
Micz Flor
0:20:23–0:20:28
Aber mit dem Publikum-Dialog, auch da wieder die Leute aus der ersten Reihe waren gefordert.
Florian Clauß
0:20:29–0:20:31
Annika wurde dann direkt angesprochen.
Micz Flor
0:20:31–0:20:34
Ja, interessant, wo du das jetzt nochmal sagst, ist es dann schon so,
0:20:34–0:20:38
dass es halt mit Andrew Tate, mit der Mutter von Andrew Tate und mit dieser
0:20:38–0:20:42
Frau, die dann sich da ins Rechte konvertiert hat, dann schon eher...
0:20:43–0:20:45
Menschen vorgeführt wurden, die sehr wohl
0:20:45–0:20:50
in die ganz klassischen männlich-weiblich-Kategorien denken und arbeiten.
0:20:50–0:20:57
Und wir hatten dann eine Person, die, nehme ich an, ein eher weiblicher Darstellerin
0:20:57–0:21:01
war, die eher männlich geschminkt war und so einen Bierbauch bekommen hat und
0:21:01–0:21:02
dann zum Schluss auf dem Grill stand.
Florian Clauß
0:21:03–0:21:03
Die Tannenzapfen.
Micz Flor
0:21:03–0:21:04
Die war so vielfältiger.
Florian Clauß
0:21:05–0:21:07
Ja, die fand ich auch sehr gut von der Figur.
Micz Flor
0:21:07–0:21:12
Und dann gab es noch diese Person, diese Engelsgleich in einem Tütü-Unterrock
0:21:12–0:21:20
aus PVC, oben ohne, mit sehr muskulösem, aber auch sanftem Körper.
Florian Clauß
0:21:20–0:21:22
Und eine unglaublich hohe Stimme hat.
Micz Flor
0:21:22–0:21:25
Arien gesungen hat, in Englisch, wo ich leider wirklich, muss ich sagen,
0:21:25–0:21:27
das war ein Problem, nichts verstanden habe.
Florian Clauß
0:21:27–0:21:30
Ich fand es auch, Swamp habe ich ja verstanden, es ging um Sümpfe,
0:21:31–0:21:32
das habe ich immer mal als Wort aufgefasst.
0:21:33–0:21:36
Aber da dachte ich auch, da fehlen die Obertitel.
Micz Flor
0:21:36–0:21:43
Ja, es war wirklich schade. Aber es hat funktioniert, finde ich.
0:21:44–0:21:45
Und dann vor allen Dingen auch
0:21:45–0:21:49
nochmal später, weil diese Person dann auch noch Texte gesprochen hat.
0:21:50–0:21:55
Ganz zum Schluss dann auch noch über Hertha BSC und die Fußballergebnisse ganz
0:21:55–0:21:56
flapsig irgendwie auf einmal dastehen.
0:21:56–0:21:59
Das fand ich ganz interessant, weil da auch so eine Vielfältigkeit so rauskam.
Florian Clauß
0:22:00–0:22:07
Sie ist ja total mystisch aufgetreten mit diesem Gesang, damit legitimiert sie ja quasi alles.
0:22:08–0:22:12
Und dann auf einmal wirklich so ganz flapsig berlinerisch dann halt die Wurst gegessen.
0:22:14–0:22:19
Also Das fand ich auch bei der anderen Figur, der am Grill stand,
0:22:19–0:22:23
auf einmal unglaublich erst mal so, ihr müsst ja mal ein Carport bauen.
0:22:23–0:22:28
Von dahin auf einmal dann halt wirklich eine Analyse über die Farben der Reichsflagge,
0:22:28–0:22:31
also schwarz-rot-weiß, gehalten hat.
0:22:31–0:22:37
Was dann halt auch wieder so viel von Teweleits Texten mitverarbeitet hatte, hatte ich das Gefühl.
0:22:37–0:22:40
Also es war wirklich sehr deep.
Micz Flor
0:22:41–0:22:44
Ja, aber das ist insofern auch wieder interessant, fand ich,
0:22:44–0:22:46
weil ich mich das wirklich gefragt habe.
0:22:46–0:22:51
Auch mit Andrew Tate hatte man das Gefühl, dass da wirklich viele Sachen ihm
0:22:51–0:22:54
in den Mund gelegt wurden, die wirklich aus seinem Mund auch kamen.
0:22:54–0:22:59
Ich weiß jetzt nicht, ob das komplett seine Texte waren, aber dieses mit Mother,
0:22:59–0:23:04
my mother, I love my mother, I retired my mother when I became a millionaire oder irgend sowas.
Florian Clauß
0:23:04–0:23:08
Also du meinst, die Figur aus der Pizzabox.
Micz Flor
0:23:08–0:23:08
Genau.
Florian Clauß
0:23:08–0:23:12
Das war auch gut, die war auch echt lustig.
Micz Flor
0:23:12–0:23:16
Genau, du hast diese Person ganz zum Schluss am Grill, die am Anfang über Carports
0:23:16–0:23:21
gesprochen hat und so, die dann angefangen hat, eben so eine Interpretation
0:23:21–0:23:26
der Farben der Reichsflagge zu machen.
0:23:27–0:23:31
Und das geknüpft mit der allerersten Szene, ich habe wirklich dann auch teilweise darüber nachgedacht.
0:23:33–0:23:38
Jetzt hat Teweleit halt so ein Ivory Tower Buch und man kann dann über die Psychodynamik
0:23:38–0:23:41
gucken, ob man das nochmal anders machen müsste, könnte heute.
0:23:42–0:23:45
Das haben die jetzt auch irgendwie versucht. Das war halt auch erfrischend und
0:23:45–0:23:47
vor allen Dingen aber auch in dem Moment.
0:23:48–0:23:54
Wirklich nochmal klar, dass es vielleicht plausibel ist, aber vielleicht in
0:23:54–0:23:57
seiner Analyse gar nicht so wirksam ist, weil es dann eben doch vielleicht so
0:23:57–0:24:00
kompliziert ist, als dass man das heute nochmal so,
0:24:00–0:24:03
weißt du, kannst du da irgendwie, also so das Gefühl?
Florian Clauß
0:24:04–0:24:09
Ich hänge dir gerade an den Lippen, weil das so ein bisschen meine Frage nochmal
0:24:09–0:24:14
aufwirft, ob das tatsächlich so eine Singularität ist, die er da beschrieben
0:24:14–0:24:17
hat, oder die Wiederholbarkeit, Also diese Frage von,
0:24:18–0:24:21
wird Faschismus wieder irgendwie so ein Mainstream-Gefühl?
0:24:22–0:24:24
Ist das da irgendwo möglich?
Micz Flor
0:24:24–0:24:28
Also er würde, ich weiß nicht, was er selber dazu sagen würde,
0:24:28–0:24:31
aber mit dem, was er damals gesagt hat, hat er, und dann nehme ich das jetzt
0:24:31–0:24:35
einfach nochmal kurz an und dekliniere es nochmal ganz kurz durch.
0:24:36–0:24:41
Melanie Kleins Objektbeziehungstheorie ist eine der ersten psychoanalytischen
0:24:41–0:24:45
Psychotherapie, die wirklich versucht, eine Interaktion darzustellen und abzubilden
0:24:45–0:24:48
und ganz speziell eben die Interaktion zwischen Mutter,
0:24:49–0:24:53
der versorgenden Person und in dem Fall aber auch der stillenden Person,
0:24:53–0:24:57
also die milchgebende versorgende Person und dem ganz kleinen Kind.
0:24:58–0:25:00
Und dieses ganz kleine Kind, da
0:25:00–0:25:03
muss ich kurz durch, sonst komme ich nicht wieder auf deine Frage zurück.
Florian Clauß
0:25:03–0:25:03
Nein, nein.
Micz Flor
0:25:03–0:25:07
Dieses ganz kleine Kind läuft nach Melanie Klein durch zwei wichtige Stadien.
0:25:08–0:25:11
Das eine Stadion nennt sie das Schizoide-Stadion, das ist das erste.
0:25:12–0:25:18
In der Zeit ist dieses, wie Tevelait sagt, nicht fertig geborene Kind nicht
0:25:18–0:25:20
in der Lage, die Welt zu verstehen, zu erfassen.
0:25:20–0:25:23
Er kann eben nicht wie ein Fohlen losrennen, sondern muss gehalten werden.
0:25:24–0:25:30
Und die Mutter hat die Rolle, das zu halten, zu stillen und dem Kind nicht,
0:25:30–0:25:34
das Kind nicht nachzumachen, seine Emotionen, aber es zu spiegeln,
0:25:34–0:25:37
damit es begleitet wird und versteht, was in ihm vorgeht.
0:25:37–0:25:41
Die Regulierung des kleinen Kindes in sich, die Emotionen regulieren.
0:25:42–0:25:48
Das ist sozusagen die Aufgabe der Mutter in diesem klassischen Melalee Klein.
0:25:48–0:25:53
Und dann merkt sie halt in der Beobachtung ihrer eigenen Kinder hauptsächlich anfangs,
0:25:54–0:25:59
dass da so eine schizoide Situation ist, weil das Kind nicht in der Lage ist,
0:25:59–0:26:03
ganze Objekte zu befassen, sondern immer nur Teilobjekte.
0:26:04–0:26:07
Und dann gibt es zum Beispiel die gute Brust und die böse Brust.
0:26:07–0:26:10
Die gute Brust stillt mich, ist warm, kann ich mich dran einschlafen.
0:26:10–0:26:15
Die böse Brust ist aber die, die mich eben nicht stellt, weil die gerade was anderes zu tun hat.
0:26:15–0:26:18
Und er ist nicht da und ich werde unglücklich und schreie und ich bin voller Wut.
0:26:19–0:26:24
Das ist das Schizoide, das Geteilte. Da gibt es nur Teilobjekte und später fügt
0:26:24–0:26:25
das Kind die Teilobjekte zusammen.
0:26:26–0:26:32
Kommt dann in eine depressive Phase nach Melanie Klein, in der auch eben eine
0:26:32–0:26:36
Angst vorherrscht, verlassen zu werden, weil man ja anfangs sich so schlecht benommen habe.
0:26:36–0:26:44
Also das klingt ja sehr erwachsen, aber das ist im Prinzip die Einfärbung dieser depressiven Phase.
Florian Clauß
0:26:44–0:26:52
Also das heißt, das Kind ist irgendwann an dem Punkt, dass diese zwei verschiedenen
0:26:52–0:26:55
Brüste doch von einer Person kommen. Also das ist halt das Ganze wahrzunehmen.
Micz Flor
0:26:56–0:27:00
Ja, und dann ist es halt eben auch auf einmal ängstlich, weil es hat vielleicht
0:27:00–0:27:04
auch mal in die Brust gebissen, weil es sauer war auf die Brust und dann könnte,
0:27:04–0:27:07
wenn das die gleiche Brust ist, die ja sie vielleicht verlassen.
0:27:09–0:27:15
Ohne das weiter auszubauen, weil jetzt kommt der springende Punkt für diese Frage von dir.
0:27:16–0:27:20
Das Kind wird der Mutter entrissen und ist nicht in der Lage,
0:27:20–0:27:24
das alles angemessen zu durchleben und zu integrieren.
0:27:24–0:27:28
Und wird dann, das war ja vorhin, wird vom Vater entrissen.
0:27:28–0:27:31
Und die Mutter hat ihre Aufgabe nicht geleistet.
0:27:31–0:27:35
Du meintest halt vielleicht auch, weil die Mutter damals unterkühlt war,
0:27:35–0:27:37
sozial gesehen, allgemein gesellschaftlich gesehen.
0:27:38–0:27:40
Oder auch, weil es einfach nicht mehr verfügbar war.
Florian Clauß
0:27:40–0:27:41
Verfügbar.
Micz Flor
0:27:41–0:27:45
Und diese Entwicklung konnte nicht durchlaufen werden.
0:27:46–0:27:49
Nicht abgeschlossen werden und bleibt es halt offen.
0:27:50–0:27:58
Und deshalb eben dieser Blick dieser Männer auf die Frauen speziell in genau
0:27:58–0:28:01
dieser schizoiden Haltung zu sagen,
0:28:01–0:28:11
das sind entweder Huren oder Mütter oder, glaube ich, sagt er irgendwie weiße Krankenschwester.
Florian Clauß
0:28:11–0:28:16
Man muss nur mal sagen, dass da in den Texten ein unglaublicher,
0:28:16–0:28:18
ich glaube, wir haben es noch nicht so explizit gesagt, aber ein unglaublicher
0:28:18–0:28:21
Frauenhast drin liegt. Also jede Form von Sexualität.
Micz Flor
0:28:21–0:28:23
Nicht direkt in Tebeletz-Texten.
Florian Clauß
0:28:23–0:28:24
Aber in den Freikorps-Texten.
Micz Flor
0:28:24–0:28:26
Die ja vorliegen.
Florian Clauß
0:28:26–0:28:29
Das ist eine Gewaltfantasien und Frau, also alles.
0:28:30–0:28:35
Und dann wird das halt auch kategorisiert in diese weiße Mutter oder weiße Frau und rote Frau.
0:28:36–0:28:42
Rote Frau steht dann für Hure, Kommunisten, Frau, ja, oder alles,
0:28:42–0:28:46
was rot ist und ist halt so das, was es zu zerstören gilt.
0:28:46–0:28:51
Und die weiße, entsexualisierte Frau ist die, die dann auch im Prinzip diejenige
0:28:51–0:28:55
ist, die dann halt auch die Aufmerksamkeit verdient und an Erkennung so.
Micz Flor
0:28:56–0:29:02
Ja, und was Teweleit dann sagt ist, dass dieses Un-, also es geht ja dann,
0:29:02–0:29:05
es geht eigentlich nicht nur um Frauen, es geht generell auch dann um,
0:29:06–0:29:09
Männer um den Krieg, Mann gegen Mann natürlich auch.
Florian Clauß
0:29:09–0:29:15
Ja, diese Männerbünde und auch diese Kompensation von Sexualität durch Blut statt Sperma.
0:29:16–0:29:21
Das ist so, das spritzt die Handgranate, wird irgendwo hingeschmissen und spritzt.
0:29:21–0:29:26
Das spritzt dann halt das Fleisch und Blut und das wird als Orgasmus,
0:29:26–0:29:29
als Höhepunkt dann halt so erlebt.
Micz Flor
0:29:29–0:29:35
Und dann sagt er, und das ist die Frage, war das nur damals möglich oder warum
0:29:35–0:29:36
ist das nicht immer möglich?
0:29:36–0:29:38
Oder welche Gesellschaft braucht es, um es möglich zu machen?
0:29:39–0:29:42
In Tevelats Theorie, nicht in Melanie Klein's Theorie.
0:29:42–0:29:45
Und ich weiß nicht, ob ich dem zustimmen würde oder nicht. Aber in seiner Theorie
0:29:45–0:29:51
ist es so, zu sagen, dass diese innere Zerrissenheit, diese Brüche der schizoiden
0:29:51–0:29:52
Phase, die Unmöglichkeit,
0:29:53–0:29:58
sich ganze harmonische Bilder zu machen, die Unmöglichkeit, Emotionen zu regulieren
0:29:58–0:30:03
und auch anderen zuzugestehen, sich regulieren zu dürfen und in Kontakt zu treten,
0:30:04–0:30:10
führt dazu, dass die diese eigenen inneren Wust eben nach außen projizieren,
0:30:10–0:30:12
um ihn, wie ich ganz am Anfang sagte, dort zu zerstören.
0:30:13–0:30:19
Und Teweleit sagte, dass Hitler und die Politik der Zeit, die Gesellschaft der
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Zeit, es legitimiert haben, so zu sein.
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Und deshalb durfte das auf einmal gelebt werden.
0:30:27–0:30:30
Also was Freud noch sagen würde, was auch natürlich an vielen unbewussten Impulse
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werden, auch viel unterdrückt, und sorgen dann auch dafür, dass man sich schlecht fühlt.
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Man muss daran auch irgendwie arbeiten oder man könnte daran arbeiten,
0:30:39–0:30:48
aber die mussten sich nicht schlecht fühlen mit ihren schizoiden Trieb- und Libido-Gewölle,
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sondern die konnten wegen der Gesellschaft die raushauen, Feindbilder finden
0:30:53–0:30:56
und sich daran totschlagen.
Florian Clauß
0:30:56–0:31:02
Und da bist du bei dem Punkt der ursprünglichen Frage, nämlich das beantwortet
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das, es wurde normalisiert. Und diese Normalisierung, ich meine, die Soldaten...
Micz Flor
0:31:09–0:31:11
Also Normalisierung kommt dann mit der Legitimierung.
Florian Clauß
0:31:11–0:31:16
Mit der Legitimierung. Aber diese Soldaten kamen aus dem Ersten Weltkrieg.
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Und der Erste Weltkrieg war ja auch dann quasi so ein... Gewalt wurde ja quasi
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als Mittel dann auch legitimiert, im Krieg anzuwenden.
0:31:24–0:31:29
Und dann, nach Ende des Krieges, waren auch diese Soldaten, die aus dem Krieg
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entlassen wurden, standen da und waren auf einmal mit einer Gesellschaft konfrontiert,
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wo Frauen legitimiert wurden. gleichen Rechte forderten.
0:31:35–0:31:38
Oder wo halt auch der Kommunismus stärker war.
Micz Flor
0:31:40–0:31:43
Ja, vor allen Dingen auch ganz viele Frauen waren, die die Gesellschaft,
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auch die Häuser wieder aufgebaut haben.
0:31:45–0:31:48
Also dann ja auch später im Zweiten Weltkrieg natürlich auch nochmal die Frau,
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dann immer in der Abwesenheit der kämpfenden Männer eben auch alles soweit möglich am Laufen hielten.
0:31:54–0:31:58
Auch wenn ihre Söne irgendwie an der Front waren, das irgendwie dann auch wieder
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alles zusammengebaut haben.
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Insofern wurden sie dann schon immer mütterlich. Sie haben dafür gesorgt,
0:32:04–0:32:05
dass es irgendwie so weitergeht.
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Ist jetzt vielleicht ein Klischee, aber die Trümmerfrauen als Bild ist ja auch
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sehr stark in unserer Gesellschaft.
Florian Clauß
0:32:12–0:32:17
Genau, aber worauf ich hinaus wollte, ist einfach so ein bisschen dieser Rambo-Moment.
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Also man kommt mit einer Traumatisierung aus dem Krieg und zieht sich einer
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Gesellschaft auf einmal gegenüber und nimmt die als Feind wahr,
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also als Bedrohung. Das ist ja diese Bedrohung, die haben sie dann in der Gesellschaft und da...
0:32:32–0:32:36
Das ist ja das, was du beschrieben hast, dass das erstmal wirklich so ein Gefühl
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ist, dagegen auch was zu tun.
0:32:39–0:32:44
Und dann kam eben auch zu dieser Zeit, war Hitler mit seinen Ideologien und
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so weiter, hat das alles aufgefangen, hat das dann legitimiert und damit normalisiert.
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Und wenn wir jetzt, und das war ja so ein bisschen der Ausgangspunkt,
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gucken, wie skaliert sich das in so einer heutigen Zeit, dann ist es,
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glaube ich, dieser Moment der Normalisierung durch eben, was es alles an Phänomenen gerade gibt,
0:33:03–0:33:07
ist, glaube ich, ein ganz starker Moment, wo das halt auch wieder möglich wird.
0:33:07–0:33:12
Und was dann auch dieses Stück auch gezeigt hat in diesen einzelnen Monologen auf der Bühne.
Micz Flor
0:33:12–0:33:15
Ja, und es ist ja dieser...
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Dieser Satz, man wird ja noch mal sagen dürfen oder man wird ja mal fragen dürfen,
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wie ist das denn eigentlich?
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Also diese auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene, dieser Wunsch so auch
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mal unbequem sein zu können.
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Also sicherlich ist es möglich, aber ich glaube, wir sollten das überhaupt nicht
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in so eine Diskussion über Wahrheit und Verschwörungstheorie abstürzen.
Florian Clauß
0:33:38–0:33:41
Ich glaube, das war nochmal so der Punkt,
0:33:42–0:33:49
wo die Frage oder das, was das Stück dann auch gemacht hat, eben zeitgenössische
0:33:49–0:33:54
Parallelen zu suchen und auch zu inszenieren und das aber auch immer wieder zu brechen.
0:33:54–0:34:01
Das hat gut funktioniert so im Nachhinein in der Reflexion, sage ich mal.
Micz Flor
0:34:02–0:34:06
Ja, und das war noch, glaube ich, da wichtig, auf deine Frage direkt bezogen,
0:34:06–0:34:10
diese Zeile im Stück, wo ich nicht weiß, ob die jetzt von Tevela kommt oder
0:34:10–0:34:14
jetzt reingeschrieben wurde, wo er sagte, wo sind die denn alle jetzt?
0:34:14–0:34:19
Und dann, die haben nur überwintert, die haben ihre Waffen hier überall vergraben.
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Das war so ein bisschen der Moment, wo es dann eben auch darum ging,
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war das jetzt nur dieser eine Moment oder ist das auch weiterhin möglich und
0:34:31–0:34:35
immer wieder möglich eben zu sagen, ja, die haben nur überwintert und ihre Waffen
0:34:35–0:34:37
vergraben. Und die sind da.
Florian Clauß
0:34:38–0:34:43
Ja, okay. Ich würde sagen, das war's, oder?
Micz Flor
0:34:44–0:34:45
Sind wir schon durch?
Florian Clauß
0:34:45–0:34:46
Ich glaube schon.
Micz Flor
0:34:47–0:34:49
Aber das wäre die kürzeste Episode, die jemals geschnitten ist.
0:34:49–0:34:52
Wenn deine Sachen rausschneiden solltest, was du gerne tust.
0:34:52–0:34:55
Warum steht Bier im Wald? Weil Tannen zapfen.
Florian Clauß
0:34:57–0:35:02
Wir haben, glaube ich, in so einem Crashkurs dann nochmal Melanie Klein,
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Margit Mahler, Teweleit.
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Diese ganze psychoanalytische Herleitung, ja,
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dann könnte jetzt da nochmal so ein bisschen tiefer reingehen,
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aber ich glaube, es ist gar nicht nötig und jetzt auch um das Stück nochmal
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so quasi kontextuell in unsere Zeit einzubinden, haben wir, glaube ich,
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auch ganz gut herausgearbeitet.
Micz Flor
0:35:22–0:35:25
Ja, man kann auch das, was wir jetzt gemacht haben, alignen mit dem,
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was das Stück gemacht hat.
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Ich kann sagen, es bleibt auch natürlich ein Versuch. Also wir haben beim Laufen
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reden und laufend reden bedeutet ja auch, dass man jetzt nicht wirklich die
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Dinge abarbeitet, wie man sie sich vorher in Notizen gemacht hat,
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sondern ganz spontan darüber redet.
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Und da entsteht vielleicht was in dem, was wir jetzt gemacht haben,
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was nicht viel anders ist.
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Für die, die sich das Stück angucken wollen, dieses Gefühl von Versuch und Suche
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vielleicht. Das ist ja auch ein Versuch mit drin.
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Versuchung nicht, aber Suchen auf jeden Fall. Hast du die Termine?
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Kann man das irgendwie verlinken?
Florian Clauß
0:35:57–0:36:02
Wir können den Spielplan vom Deutschen Theater dann mit in unser Show-Netz aufnehmen.
0:36:03–0:36:09
Ich freue mich auf jeden Fall, dass das Weihnachtsgeschenk gut angekommen ist.
Micz Flor
0:36:09–0:36:10
Es ist angekommen.
Florian Clauß
0:36:11–0:36:16
Dass wir einen gemeinsamen Abend so miteinander erleben konnten.
Micz Flor
0:36:17–0:36:21
Und können den auch nicht ausklingen lassen, ohne irgendwas aufzunehmen.
Florian Clauß
0:36:21–0:36:25
Ja, das geht ja nicht. Das geht ja nicht anders. Auf jeden Fall ist das jetzt
0:36:25–0:36:27
die erste Folge im neuen Jahr.
0:36:28–0:36:33
2026, das Jahr, ist kalt und rutschig.
Micz Flor
0:36:33–0:36:35
Ja, die erste Folge, die wir gemeinsam aufnehmen.
Florian Clauß
0:36:35–0:36:36
Das stimmt, du hast ja schon eine.
Micz Flor
0:36:37–0:36:43
Richtig. Das ist eine mit Anne, die 96. Links und alles und gerne auch Kommentare
0:36:43–0:36:46
auf eigentlich-podcast.de.
0:36:46–0:36:48
Da seht ihr auch die Strecke, die wir gelaufen sind. Ups.
0:36:50–0:36:55
Und ein paar Fotos von der Strecke. Zum Beispiel vom KW, glaube ich,
0:36:55–0:36:58
hast du ein Foto gemacht. Wir rollen langsam auf die 100 zu.
0:36:58–0:37:00
Hast du da schon irgendwie dir Gedanken gemacht?
Florian Clauß
0:37:00–0:37:06
Ja, wir wollten ja eigentlich unser Podcast-Retreat nutzen, um uns über die
0:37:06–0:37:08
100 Gedanken zu machen. Aber das haben wir ja...
Micz Flor
0:37:08–0:37:09
Das ist auch schon wieder ein Monat her.
Florian Clauß
0:37:09–0:37:11
Das haben wir auch nicht wirklich geschafft.
Micz Flor
0:37:11–0:37:12
Nee.
Florian Clauß
0:37:12–0:37:18
Und ich denke, dann stecken wir nochmal unsere Köpfe zusammen, wie man so sagt, ja.
0:37:18–0:37:20
Und gucken, was wir mit der 100 machen.
Micz Flor
0:37:20–0:37:25
Aber wenn du so ein Bauchgefühl hast für die 100, ich habe mir eine Sache vorgestellt,
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die man machen könnte, die wir dann eher so introspektiv, ein bisschen Nabelschaumäßig,
0:37:30–0:37:31
mal versuchen so aus dem Kopf,
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ohne Vorlage aller 100 Folgen nochmal zusammen zu erinnern. Da bräuchte ich
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noch einen Zettel und einen Stift.
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Das wäre so was Spielerisches vielleicht.
Florian Clauß
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Ja, lasst uns überraschen.
Micz Flor
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Ich meine, wir überraschen.
Florian Clauß
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Wir überraschen euch. So, jetzt sind wir hier an einem anderen großen Theater,
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der Stadt, nämlich der Volksbühne, wo ich eigentlich öfters immer hingehe.
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Weil die auch näher beim Alex ist.
Micz Flor
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Bist du hier im Babylon, im Filmtheater auch ab und zu?
Florian Clauß
0:38:02–0:38:04
Nee, hier ganz selten.
0:38:05–0:38:11
Ich bin ja eher so der Friedrichshainer-Kinogänger mit Intimes und Zukunft und...
Micz Flor
0:38:11–0:38:12
B-Ware.
Florian Clauß
0:38:12–0:38:13
B-Ware, genau.
Micz Flor
0:38:14–0:38:15
Oder Beware.
Florian Clauß
0:38:15–0:38:19
Beware, ja. Das hat neulich Karin gesagt und die dachte, was meinst du?
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Und das heißt auch B-Ware.
0:38:21–0:38:24
Und dann ist mir erstmal diese Doppeldeutigkeit des Namen.
Micz Flor
0:38:24–0:38:24
Gott, bewahre.
Florian Clauß
0:38:25–0:38:31
Beware. Okay, also. Das war eigentlich Episode 97.
0:38:33–0:38:37
Dann sagen wir Tschüss und bis zum nächsten Mal. Macht's gut, tschüss.

Verwandte Episoden

Link zum Programm Männerphantasien am Deutschen Theater

Darsteller*innen: Svenja Liesau, Daria von Loewenich, Abak Safaei-Rad, Caner Sunar, Steve Katona (Gesang)
Regie: Theresa Thomasberger
Bühne und Kostüm: Mirjam Schaal
Musik: Oskar Mayböck
Licht: Peter Grahn
Dramaturgie: Lilly Busch
Aufführungsdauer: ca. 90 Minuten, keine Pause
Premiere: 1. Dezember 2023, Box
Nächster Spieltermin: 16.03.2026

Das Buch hinter dem Stück

Klaus Theweleits „Männerphantasien“, 1977 und 1978 in zwei Bänden erschienen, gehört zu den einflussreichsten Werken der deutschsprachigen Faschismusforschung. Ursprünglich als Dissertation angelegt, wuchs das Projekt weit über den akademischen Rahmen hinaus. Theweleit erhielt umfangreiches Quellenmaterial – Tagebücher, Berichte, Belletristik und Poesie von Freikorps-Soldaten der Zwischenkriegszeit – von einem Historikerkollegen, der sich mit deren Brutalität auseinandergesetzt hatte und dessen Ratlosigkeit angesichts des Materials den Anstoß gab. Theweleit las, sammelte und destillierte daraus eine Analyse, die eine entscheidende Frage anders stellte als die bisherige Forschung: nicht nur, wie der Faschismus politisch und ökonomisch möglich wurde, sondern welche Gefühlswelt ihm zugrunde lag.

Faschismus nicht als Ideologie, sondern als Körperzustand – mit diesem Ansatz dachte Theweleit die Geschichte des Nationalsozialismus neu. Er untersuchte anhand zahlreicher literarischer Texte die gestörten Körpervorstellungen und -erfahrungen präfaschistischer Freikorps-Soldaten in der Weimarer Republik und deren Verknüpfung mit historisch geformten Männlichkeitsvorstellungen. Er beobachtete, dass diese Männer von einer enormen Angst vor Selbstauflösung getrieben waren: einer Angst vor allem Fließenden, Lebendigen und weiblich Konnotierten, die mit Gewaltfantasien und insbesondere Hass gegen Frauen kompensiert wurde und in entfesselten Gewalttaten mündete.

Körperpanzer und das Fließende

In den Freikorps-Texten wird alles Fließende, Flüssige, Morastige als existenzielle Bedrohung erlebt. Die ersten gesprochenen Sätze auf der Bühne kreisen um dieses Bildfeld. Dagegen steht der Körperpanzer – ein Begriff, den Theweleit in Anlehnung an Wilhelm Reich entwickelt hat: eine Verhärtung aus Drill, Uniform und Disziplin, die das brüchige Innere zusammenhält. Theweleit verbindet das mit faschistischen Großprojekten wie der Trockenlegung von Sümpfen – die buchstäbliche Vernichtung des Fließenden.

Dazu gehört das Bild der „Nicht-zu-Ende-Geborenen“: Männer, deren Ich unter anderem aufgrund rigider Erziehungsmethoden und der Missachtung kindlicher Bedürfnisse nicht fertig entwickelt ist und die als Abwehrreaktion auf die empfundenen Bedrohungen einen Körperpanzer herausbilden. Theweleit nutzt den Begriff „nicht fertig geboren“ – ein Ausdruck, der die Anforderungen der Welt an diese kleinen Kinder bereits mitträgt. Margaret Mahler, auf die er sich bezieht, hatte darauf hingewiesen, dass Menschen biologisch zu früh geboren werden: Ein Fohlen kann nach zehn Minuten laufen, ein Menschenkind muss über Jahre versorgt und gehalten werden.

Schwarze Pädagogik und die Genese des Freikorps-Mannes

Die Söhne des Wilhelminischen Kaiserreichs wurden von ihren Müttern nur minimal versorgt – das Verhältnis war unterkühlt, es wurde kaum gestillt, es gab keine emotionale Nähe, die diesen Namen verdient hätte. Dann wurden sie den Müttern entrissen und in Kadettenanstalten „in Form geprügelt“. Die schwarze Pädagogik der Zeit zielte darauf ab, den Willen des Kindes zu brechen. Schwäche war nicht vorgesehen. Über Erziehungsanstalten und Kadettenschulen führte der Weg in den Ersten Weltkrieg und schließlich in die Freikorps der 1920er-Jahre – jene Formationen, die als Prototypen der späteren SA und SS gelten.

Micz erläutert in der Episode den theoretischen Rahmen, den Theweleit nutzt: Melanie Kleins Objektbeziehungstheorie. Klein beschrieb zwei frühe Entwicklungsstadien des Kindes. In der paranoid-schizoiden Position kann das Kind nur Teilobjekte wahrnehmen – die gute Brust, die stillt und wärmt, und die böse Brust, die nicht da ist. Erst in der depressiven Position erkennt das Kind, dass beide Brüste zur selben Person gehören. Bei den Freikorps-Männern, so Theweleits Schlussfolgerung, wurde dieser Entwicklungsprozess nie abgeschlossen. Die Kinder wurden der Mutter zu früh entrissen. Das Resultat war eine dauerhaft schizoide Haltung: Frauen wurden nur als Teilobjekte wahrgenommen – entweder als weiße Frau (entsexualisiert, mütterlich, verehrenswert) oder als rote Frau (Hure, Kommunistin, zu vernichten). Die innere Zerrissenheit und unregulierte Emotionalität wurde nach außen projiziert und dort gewaltsam vernichtet. Sexualität wurde durch Gewalt ersetzt: Blut statt Sperma, die Explosion der Handgranate als Orgasmus.

Oder anders formuliert: Den faschistischen Mann gab es schon, bevor der Nationalsozialismus da war.

Die Inszenierung: Ein Versuch im besten Sinne

Regisseurin Theresa Thomasberger hat das 1300-seitige Theoriewerk als Sprechtext für die Bühne kondensiert. Die epochale Untersuchung bildet für sie und ihr Team die Grundlage für eine Befragung heutiger Ausprägungen von Fascho-Männlichkeit. Der Abend basiert auf einem Prinzip der Montage, das auch Theweleit benutzt: Primärliteratur der präfaschistischen Freikorps kombiniert mit psychoanalytischen Texten, feministischen Perspektiven und neuem Material.

Neben Originaltexten Theweleits haben die Dramatikerinnen Svenja Viola Bungarten, Ivana Sokola und Gerhild Steinbuch neue Texte beigesteuert, die die Männerphantasien aus heutigen, weiblichen Perspektiven weiterdenken. Theweleit selbst hatte angemerkt, dass er sein Werk in den Begrifflichkeiten der 1970er-Jahre geschrieben hatte und dass es den Begriff „queer“ zu dem Zeitpunkt noch nicht gab. Die Inszenierung nimmt das zum Anlass, Männlichkeit als Kontinuum zu begreifen und bewusst Frauen in Männerrollen auftreten zu lassen. Thomasberger inszenierte mit einem Ensemble von drei Frauen und einem Mann sowie einem Sänger: „Wenn weiblich gelesene Personen sich Tätermännlichkeiten nähern, sie vorführen und verkörpern, dann wird etwas sichtbar und gleichzeitig anders verdaulich.“

Wir beschreiben das Stück als „Versuch“ – im positiven Sinne: ein suchender, mühevoller, aber ehrlicher Prozess, historisches Material mit zeitgenössischen Perspektiven zu verweben. Es gibt Momente, in denen es zu laut ist, zu viel, in denen man sich fragt, ob der nächste Bruch noch trägt. Es gibt englische Arien ohne Übertitel, bei denen man nur „Swamp“ versteht. Es gibt einen Wurstteller, der unter dem Stuhl geparkt werden muss. Aber gerade dieses Unfertige macht den Abend ehrlich. Die Interaktion zwischen Bühne und Publikum ist dabei nie übergriffig – es herrscht eine Art Komplizenschaft. Alle suchen gemeinsam.

Zeitgenössische Monologe: Andrew Tate, Tradwives und die Reichsflagge

Die eigentliche Kühnheit der Inszenierung liegt in den Sprüngen in die Gegenwart. Thomasberger betont: „Es gibt in unserer Fassung den Satz: ‚Die Faschisten haben überwintert.‘ Sie waren nie weg.“ Nazis sehen heute aus wie der Philosophiestudent Martin Sellner. Sie kommunizieren über Memes, verstecken sich hinter Avataren. Der Raum des Faschismus ist vor allem das Internet.

Das Stück aktualisiert Theweleits Analyse durch mehrere zeitgenössische Monologe. Eine Figur, die buchstäblich aus einer Pizzabox auftaucht, spricht Sätze, die unverkennbar nach Andrew Tate klingen. Eine weitere Szene widmet sich der Mutter eines Täters – Gerhild Steinbuchs Text porträtiert in poetischer Sprache eine Frau, deren Sohn sexualisierte Gewalt gegen Frauen ausübt und damit das Selbst- und Fremdbild seiner Mutter erschüttert.

Der stärkste zeitgenössische Monolog gehört einer Frau, die vom Feminismus ins rechte Lager kippt – geschrieben von Svenja Viola Bungarten. Die Figur organisiert sich während der Pandemie in feministischen Gruppen, identifiziert sich schließlich mit der Tradwife-Bewegung und argumentiert körperlich nachvollziehbar, warum es ermächtigend sei, zu Hause zu bleiben, während der Mann verdient. Die Schauspielerin macht diesen Kipppunkt fühlbar, ohne ihn zu denunzieren.

Daneben stehen Figuren, die sich einfacher Zuordnung entziehen. Eine Person mit Bierbauch und männlicher Schminke spricht zunächst über Carports, bevor sie unvermittelt in eine messerscharfe Analyse der Farben der Reichsflagge übergeht. In Ivana Sokolas Beitrag befragt ein erschöpfter Männersprechchor die eigene Zugehörigkeit und sucht zwischen Gesangsverein, freiwilliger Feuerwehr und Angelurlaub nach seinem Platz. Eine weitere Figur – engelsgleich in einem PVC-Tütü, oben ohne, mit muskulösem und zugleich sanftem Körper – singt Arien, um später ganz beiläufig Hertha-BSC-Ergebnisse herunterzurattern. In diesen Brüchen liegt eine Vielfältigkeit, die Theweleits binäre Kategorien bewusst aufsprengt.

Kann sich Geschichte wiederholen?

Die Frage, die den gesamten Abend durchzieht und die wir anschließend auf den vereisten Straßen weiter diskutieren: War das, was Theweleit beschrieben hat, eine singuläre historische Konstellation – oder kann es sich wiederholen?

Theweleits Theorie legt nahe, dass die Wiederholbarkeit im Mechanismus der Legitimierung liegt. Die Freikorps-Männer trugen ihre innere Zerrissenheit, ihre unregulierten Affekte, ihre Gewaltimpulse bereits in sich. Die Soldaten kamen traumatisiert aus dem Ersten Weltkrieg zurück und erlebten die veränderte Gesellschaft – Frauenrechte, Kommunismus, die Auflösung alter Ordnungen – als Bedrohung. Was Hitler und die nationalsozialistische Bewegung leisteten, war nicht die Erzeugung dieser Impulse, sondern ihre Normalisierung. Die Gesellschaft erlaubte es diesen Männern, ihre innere Unordnung nach außen zu tragen, Feindbilder zu finden und sich an ihnen abzuarbeiten. Wo Freud noch gesagt hätte, dass unbewusste Impulse unterdrückt werden und Leidensdruck erzeugen, da konnten die Freikorps-Männer ihre schizoiden Triebe ausleben, weil die Gesellschaft es legitimierte.

Die zeitgenössischen Parallelen, die das Stück aufzeigt, sind keine plumpen Gleichsetzungen. Sie markieren Momente der Normalisierung: Situationen, in denen Gesellschaften beginnen, Haltungen zu legitimieren, die zuvor als inakzeptabel galten. Der gesellschaftliche Wunsch, „man wird ja wohl noch sagen dürfen“, zeigt genau diesen Normalisierungsdruck. Die Incel-Community, die Reddits und Subreddits zum Thema Frauenhass – sie produzieren, wie Thomasberger es formuliert, reale Täter und reale Opfer.

Ein Schlüsselsatz aus dem Stück bleibt hängen: „Wo sind die denn alle jetzt? – Die haben nur überwintert. Die haben ihre Waffen überall vergraben.“

Nicht verstehen, sondern fühlen

Mit Klaus Theweleit lässt sich Faschismus als etwas verstehen, in das wir alle permanent verstrickt sind – „als ständig präsente oder mögliche Form der Produktion des Realen, [die] unter bestimmten Bedingungen auch unsere Produktion sein kann und ist.“ Es reicht nicht, die Geschichte des Faschismus im Bewusstsein aufzubewahren, sondern, wie Theweleit mit Walter Benjamin sagt: „Was man vernichten will, das muss man nicht nur kennen, man muss es, um ganze Arbeit zu leisten, gefühlt haben.“

Wir verlassen das Theater an diesem Abend mit dem Gefühl, dass das Stück etwas getan hat, was Theater in seinen besten Momenten tut: Es hat nicht nur gezeigt, was war. Es hat spürbar gemacht, was sein könnte – wenn wir nicht aufpassen. Auch heiter lässt es sich kritisieren und dekonstruieren. Aber über Ausformungen des Faschistischen zu lachen und sie damit von sich zu weisen, wäre zu kurz gegriffen. Hier setzen die Männerphantasien in der Regie von Theresa Thomasberger an.

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