GREETING CODE VOICE "I need the greeting code, Bob."
BOB "Uhh, fuck. Well, I don't remember the fucking greeting code because I got a little bit high."
Noch eine Folge aus unserem Podcast-Retreat Anfang Dezember im Berliner Umland. Wir laufen über den Weihnachtsmarkt von Werneuchen und sprechen über „One Battle After Another“ (OBAA) von Paul Thomas Anderson (PTA). Anderson war schon mehrfach ein Thema in unserem Podcast. So hat Flo in seiner Reihe „Filme aus den Neunzigern“ Andersons Episodenfilm „Magnolia“ von 1999 ausführlich besprochen. OBAA ist Andersons teuerster, aber zugleich auch sein wirtschaftlich erfolgreichster Film. Allein für die Hauptrolle erhielt Leonardo DiCaprio seine „übliche“ Gage von 20 Millionen Dollar. Mit OBAA adaptiert PTA wieder einmal ein Pynchon-Werk für die Leinwand. „Vineland“ von 1990 ist ein Roman des Autors, der als vergleichsweise lesbar und weniger hermetisch gilt. Thomas Pynchon gilt als großer Vertreter der postmodernen Erzählung. In seinen Romanen entfaltet er ein dichtes Labyrinth paralleler Erzählstränge, die er sehr bildreich, fast enzyklopädisch ausschmückt. Diese Fäden verweigern sich teilweise bewusst einer Auflösung, indem sie in antiklimaktische Sackgassen münden, um die vergebliche Suche nach einem allumfassenden Muster zu thematisieren. Micz mag den Roman „Vineland“ sehr, war jedoch nach seinem Kinobesuch von OBAA etwas „empört“. Wir gehen in unserem Gespräch den kompletten Film durch und der Empörung von Micz auf den Grund. Flo ist vor allem von der kinematografischen Kraft des Films beeindruckt. Über 80% des Materials wurde analog im 35-mm-Format VistaVision gedreht. Der Film trägt auch viele Merkmale eines klassischen Roadmovies – einem Genre, dem wir ebenfalls eine Filmreihe in unserem Podcast gewidmet haben. Der klimaktische Höhepunkt wird topografisch auf den Hügelstraßen in der Wüste ausgetragen und bekommt die erzählerische Wucht eines Films von Hitchcock. Doch so recht möchte sich Micz nicht von der Brillanz des Films überzeugen lassen. Ihm sind die Figuren zu flach und schon nach dem ersten Auftauchen auserzählt. Wir kommen mit dieser Episode etwas unentschlossen am dunklen Ufer des Seefelder Haussees zum Ende und versuchen wenigstens noch, ein atmosphärisches Foto zu hinzubekommen.
Shownotes
Mitwirkende
Transcript
Micz Flor
0:00:08–0:00:10
Klatschen und los?
0:00:14–0:00:19
Hallo und herzlich willkommen wieder bei Eigen-Podcast.
0:00:20–0:00:26
Hier noch eine weitere Episode aus unserem Podcast-Retreat Dezember 2025. 25.
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Wir sind Flo und Mitch und wir machen alle 14 Tage eine neue Episode und deshalb
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kommt die jetzt auch gerade zu euch.
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Wir nehmen auf im Halbdunkel der Vorweihnachtszeit. Wir gehen immer spazieren.
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Unser Slogan ist beim Laufen reden und laufend reden.
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Und die Touren, die wir so ablaufen, die könnt ihr auf der Webseite eigentlich-podcast.de sehen.
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Die Themen, die wir auch noch so gemacht haben. Früher meinte Flo mal,
0:00:56–0:01:00
wir sind ein Filmpodcast, aber wir machen eigentlich einiges,
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wobei dieses Label Filmpodcast auf die Folge jetzt ganz gut passt.
Micz Flor
0:01:05–0:01:09
Wir hatten Flo vorbereitet und ich übergebe an dich.
Florian Clauß
0:01:09–0:01:12
Ach, die habe ich vorbereitet? Wir wollten gemeinsam machen mit.
Micz Flor
0:01:12–0:01:17
Ja, ich habe die auch vorbereitet, indem ich mir den Film auch angeguckt habe und Gedanken gemacht.
Florian Clauß
0:01:17–0:01:22
Wir wollen heute über einen Film sprechen, der jetzt schon seit Längerem aus
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den Kinos ist, und zwar One Battle After Another von Thomas Andersen.
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Der lief, glaube ich, im September 2025 in den Kinos.
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Ich habe den relativ spät gesehen, erst vor ein paar Wochen.
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Und du hast ihn auch geguckt, Mitch, oder?
Micz Flor
0:01:40–0:01:41
Ich habe ihn auch geguckt, auch schon ein bisschen länger her.
0:01:42–0:01:44
Und ich habe ihn eben auch nur dieses eine Mal gesehen.
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Aber wir hatten ja so einen ganz kurzen Abgleich, dass wir scheinbar,
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unterschiedliche Meinungen zum Film haben. Und da haben wir sofort Stopp gesagt.
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Und auch wenn es jetzt ein bisschen spät kommt, wollten wir es dann trotzdem im Podcast verkauen.
Florian Clauß
0:01:59–0:02:05
Wir wollten es verpodcasten, genau. Wir machen ja nichts, ohne den Podcast zu
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nutzen. Du warst mit Reinhard im Kino, ne?
Micz Flor
0:02:07–0:02:12
Ich war mit Reinhard im Kino, wo wir auch die zwei Body-Horror-Filme gemacht haben.
Florian Clauß
0:02:12–0:02:14
Und in welchem Kino wart ihr?
Micz Flor
0:02:15–0:02:21
Wir waren in Neukölln, da in diesen Arkaden ganz oben. Heißen glaube ich auch Neuköllner Kahn.
Florian Clauß
0:02:21–0:02:26
Ah ja, okay. Ich war in der B-Ware in Friedrichshain mit meinen Nachbarn.
0:02:27–0:02:32
Und habe mir den da angeguckt. B-Ware ist noch so einer der letzten DVD-Läden,
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wo man tatsächlich noch DVDs leihen kann. Kennst du den? Waren wir da mal zusammen?
Micz Flor
0:02:37–0:02:41
Ja, ich glaube, da war ich auch mal mit Kito. Die haben eben auch so ein ganz kleines Kino nur, oder?
Florian Clauß
0:02:41–0:02:46
Die haben drei Kinoseele, aber alle super mini, ganz heimelig so.
Micz Flor
0:02:47–0:02:50
Ja, ist interessant, dass die das dann auch im Verleih kriegen.
0:02:50–0:02:51
Keine Ahnung, wie sich das rechnet.
Florian Clauß
0:02:52–0:02:55
Ja, ich verstehe es auch nicht, aber ich glaube, das Kino ist das,
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was es halt wirklich so macht.
0:02:57–0:03:02
Und dann natürlich auch die Getränke und den Getränkeverkauf, der dahinter hängt.
0:03:02–0:03:04
Und Original, habt ihr den wahrscheinlich auch geguckt, ne?
Micz Flor
0:03:04–0:03:06
Ne, ich habe mein Deutsch gesehen.
Florian Clauß
0:03:06–0:03:08
Ein Deutsch, deswegen vielleicht fandst du ihn nicht so gut.
Micz Flor
0:03:10–0:03:11
Ja, weiß ich nicht.
Florian Clauß
0:03:11–0:03:15
Also das war in meiner Variante Original mit Untertiteln.
0:03:17–0:03:21
Ja, also Thomas Anderson, den hatten ja schon mal in Magnolia,
0:03:21–0:03:25
den Film, den ich vorgestellt habe, vor über zwei Jahren ist das, glaube ich.
0:03:25–0:03:33
Da ging es ja um Filme aus den 90ern, die mich maßgeblich rein individuell geprägt
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haben und die ich dann halt auch vorgestellt habe.
0:03:36–0:03:43
Und mit Magnolia, das war ja glaube ich der zweite Film, 99 von Thomas Anderson
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nach Boogie Nights von 97.
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Und ich bin ein ganz großer Fan von Thomas Anderson.
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Ich finde seine Filme immer sehr gut, obwohl ich festgestellt habe,
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dass ich ein paar nicht gesehen habe. Die muss ich nochmal nachholen.
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Das jetzt, The One Battle After Another, ist jetzt auch die zweite Pünchen-Verfilmung.
0:04:04–0:04:10
Nämlich als Romanvorlage diente von Thomas Pünchen, Wineland.
Micz Flor
0:04:11–0:04:15
Der Roman von Pünchenstoff verfilmt durch Anderson.
Micz Flor
0:04:16–0:04:16
Ah, echt?
Florian Clauß
0:04:17–0:04:21
Genau, der hat Inherent Vice. Da habe ich auch mit Chris drüber gesprochen.
0:04:22–0:04:25
Das ist auch eine Pünchenvorlage, die ja verfilmt wurde.
0:04:26–0:04:30
Und One Battle After Another geht eben auf Wineland zurück.
0:04:30–0:04:36
Wobei, da hast du mich noch mal drauf hingewiesen, das inspiriert nach Wineland.
Micz Flor
0:04:36–0:04:38
Ich weiß nicht genau, was der Wortlaut ist, aber es steht nicht,
0:04:38–0:04:43
es steht, glaube ich, nicht mehr drin, so based on, sondern das ja eher als
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Inspiration dann im Abspann dargestellt hat.
Florian Clauß
0:04:46–0:04:49
Es ist auch tatsächlich eine lose Anlehnung.
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Es kommen nicht ganz so viele Stränge drin vor wie in dem Roman.
0:04:55–0:04:57
Du hast den Roman damals gelesen.
Micz Flor
0:04:57–0:05:01
Ja, aber das ist jetzt halt wirklich 30 Jahre her. Also ich habe mich darauf
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gefreut, weil ich den Roman genossen habe, aber nicht mehr so richtig mich erinnern
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konnte, nur so ein paar Bilder drin hatte. Und dann das Anfangsbild aus dem
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Roman kam dann gerade so erstmal überhaupt nicht.
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Das Anfangsbild im Roman ist ja dieses durch diese Scheibe springen.
0:05:16–0:05:20
Ich weiß nicht mehr genau, wie das eingefasst ist, aber der Leonardo DiCaprio-Character
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im Buch sozusagen, der verdient entweder Geld, ich weiß nicht mehr genau,
0:05:25–0:05:28
entweder Geld durch die Show oder als...
Florian Clauß
0:05:28–0:05:33
Vom Sozialamt braucht er immer das Geld, deswegen muss er den verrückten mimen,
0:05:33–0:05:35
damit er halt seine Sozialhilfe bekommt.
Micz Flor
0:05:35–0:05:40
Ah, okay. Auf jeden Fall ist das so ein Bild, was geblieben ist und dann,
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ich kann es ja nochmal allgemein sagen.
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Ich habe das Buch gelesen und hatte mich,
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Ein bisschen darauf gefreut, mich an das Buch zu erinnern, weil ich mich erinnert
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habe, dass ich viel Spaß daran hatte.
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Aber der Film war dann irgendwie was anderes. Es kam nichts hoch und das Eingangsbild
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mit diesem durch die Scheibe springen, das war so ein Bild aus dem Buch, was so geblieben ist.
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Und als das dann irgendwie auch nach 17 Minuten nicht kam, habe ich gedacht,
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okay, ich muss mich jetzt mit dem Film empfinden.
Florian Clauß
0:06:10–0:06:17
Okay, ich verstehe. Das Buch und der Film, die haben so diese Vater-Tochter-Beziehung
0:06:17–0:06:20
auf jeden Fall so mit im Zentrum der Geschichte.
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Und es gibt dann auch diese Rücksprünge.
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Einer in dem Buch ist das die 24 FPS, also eine radikale Filmgruppe,
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was auch schon eine schöne Metareferenz ist von München, die dann eben auch
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revolutionäre Sachen macht.
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Ich weiß gar nicht, was sie macht. Und wir haben die Verbindung French 75,
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die revolutionäre Gruppe, die von der Perfidia angeleitet wird.
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Und das sind wahrscheinlich so um die 2000 hat das da gespielt,
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die dann angeleitet wird.
Micz Flor
0:06:57–0:06:58
Sind jetzt beim Film.
Florian Clauß
0:06:58–0:07:04
In dem Film, dass die zum Beispiel Migrantenbefreiung machen,
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irgendwelche Migrantinnen, die dann festgenommen sind an der mexikanischen Grenze,
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dass die befreit werden und irgendwelche Bombenanschläge.
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Also man weiß es nicht, es ist sehr willkürlich.
0:07:14–0:07:19
Das ist so die Vorgeschichte quasi, bevor dann die Hauptgeschichte,
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die dann 18 Jahre später spielt, dann losgeht.
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Ja, also auch hier wieder episodenhaft, wobei man sagen muss,
0:07:27–0:07:32
wir können ja noch mal später ein bisschen genauer so, um die Art von Pünchen Romane zu schreiben.
0:07:33–0:07:41
Pünchen gilt ja quasi als ein postmoderner Autor, der dann auch so bestimmte Merkmale geprägt hat.
0:07:42–0:07:44
Bei Wineland ist es halt das...
0:07:44–0:07:49
Ganz viel so parallel läuft und viele Dränge, die man dann halt irgendwie so
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eher so nebenbei dann lesen würde, ja, dann halt so erzählt werden.
0:07:54–0:07:57
Also es ist ein ganzes Panoptikum an irgendwelchen Vorfällen.
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Und trotzdem hat sich da so eine Geschichte quasi. Also man sagt auch,
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dass Weinland so der zugänglichste Roman von München ist, was halt davor V,
0:08:08–0:08:11
die Enden einer Parabel, ne?
0:08:12–0:08:17
Das war ja so sein Roman, wo der dann halt auch mehr oder weniger groß geworden ist.
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Also wo ich ihn zum ersten Mal wahrgenommen habe. Aber das war in den 70ern, wo er geschrieben hat.
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One Battle After Another ist ja quasi vom Titel her nichts anders als die permanente
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Revolution, wenn du es so übertragen willst auf dem Klassenkampf.
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Was die jetzt machen, ist halt One Battle After Another. Was denkst du,
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was der Battle in diesem Titel so ist?
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Der Kampf, den man dann die ganze Zeit führt für den Film.
Micz Flor
0:08:48–0:08:49
Was das bedeutet?
Florian Clauß
0:08:49–0:08:53
Ich meine genau, was soll das mit diesem one battle after another?
0:08:54–0:09:01
Was ist denn der ständige Kampf? Also warum sagt der Titel immer ein Kampf nach dem anderen?
Micz Flor
0:09:01–0:09:03
Ich habe das anders wahrgenommen.
Florian Clauß
0:09:03–0:09:04
Okay, dann sag.
Micz Flor
0:09:04–0:09:08
Ich habe das eher so wahrgenommen, so erstmal einen Kampf fertig machen,
0:09:08–0:09:09
bevor wir den nächsten anfangen.
Florian Clauß
0:09:09–0:09:09
Ah, okay.
Micz Flor
0:09:10–0:09:11
So habe ich das gelesen.
Micz Flor
0:09:11–0:09:16
Also im Sinne von eher so als Auftrag, Leute, macht es richtig,
0:09:16–0:09:19
macht es gut, macht es fertig und dann den nächsten.
Florian Clauß
0:09:19–0:09:24
Ah ja, okay, nee, ich habe es natürlich so zeitlich, wir machen jetzt den Kampf
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und danach gibt es einen anderen Kampf und einen neuen Kampf.
Micz Flor
0:09:27–0:09:27
Das hört nie auf.
Florian Clauß
0:09:27–0:09:29
Aber so wie du es sagst, ist es sicher…,
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Besser, weil, also ich glaube, es kommt mehr dem Verständnis von dem Film nah,
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weil es geht natürlich darum, sauber abzuschließen.
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Und das verrät uns eigentlich auch so ein bisschen vom Filmgenre.
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One battle after another.
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Auf der einen Seite ist es dann so ein Film, der sehr komödiantische Elemente hat.
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Ja, ein klassischer Thrillerfilm.
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Es geht um Flucht und Verfolgung und eigentlich kann es auch als einen politischen Film gesehen werden.
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Zumindest von der Gruppe, die da in der Vergangenheit quasi die Bomben gelegt
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hat und da auch für ihre Ideologie eingestanden hat.
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Also das heißt, dieser Kampf ist nicht ganz abgeschlossen in der Vergangenheit.
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Es kommen quasi die Geister der Vergangenheit, die dann halt diesen Kampf nicht
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ganz abgeschlossen, die Geister, die ich rief.
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Aber lassen Sie mal von vorne anfangen, Mitch. Wie sind dir das Profi-Team im Filmenacherzählen?
Micz Flor
0:10:36–0:10:42
Wir machen alles, aber das ist ja gut, weil bei mir ist es ein bisschen hazed and confused.
0:10:42–0:10:45
Also da muss ich gucken, ob ich das überhaupt noch in Reihe und Glied bekomme.
Florian Clauß
0:10:45–0:10:51
Aber ja, wir gucken mal. Also was wir vielleicht nochmal so als Produktionskosten
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der Filme, war der teuerste von Thomas Anderson mit, ich glaube, 168 Millionen.
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Aber auch der erfolgreichste von ihm.
Micz Flor
0:11:02–0:11:04
Echt? Ich war aber gar nicht klar, ich habe es nicht nachgeguckt.
Florian Clauß
0:11:04–0:11:05
Ja, das dachte ich auch nicht.
Micz Flor
0:11:05–0:11:08
Weil der war in Deutschland, fand ich, viel zu kurz im Kino.
Florian Clauß
0:11:08–0:11:13
Der war kurz im Kino. In Amerika, weiß ich nicht, waren auch die Kritiken gespalten.
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Aber tatsächlich hat der Film über 200 Millionen eingespielt.
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Also das heißt wirtschaftlich der erfolgreichste Film von ihm.
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Von den Kritiken her ist der vor allen Dingen auch von den echten Kritikern,
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Kinokritikern und so weiter, also Metascore und Rotten Tomatoes, hochgelobt der Film.
0:11:35–0:11:41
Also überall durchweg fast volle Punktzahl, Sternchen und so weiter,
0:11:42–0:11:44
während der beim Publikum nicht so gut ankam.
Florian Clauß
0:11:45–0:11:48
Aber trotzdem war der ja sehr lukrativ.
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In den Hauptrollen spielen auf der einen Seite Leonardo DiCaprio,
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auf der anderen Seite, wie heißt der, Benicio del Toro. Die sind auf der gleichen Seite.
0:12:00–0:12:05
Ja, ich sag nur, die sind auf der gleichen Seite. Woher kennst du den Schauspieler?
Micz Flor
0:12:05–0:12:08
Ach, von ganz vielen Sachen. Mir fällt jetzt das alles nicht so ein,
0:12:08–0:12:09
aber ich kenne den aus ganz vielen Filmen.
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Ich mag den sehr. Ich finde den wirklich einen Schauspieler,
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der irgendwie so eine zweite Ebene einzieht, dass man ihn auch richtig als Mensch kennenlernen möchte.
0:12:20–0:12:24
So ein bisschen anders als Tom Cruise, wo ich immer das Gefühl habe,
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ich finde den ja auch einen wahnsinnig guten Schauspieler.
0:12:26–0:12:30
Aber den eher deshalb, weil er immer so ein bisschen...
0:12:31–0:12:34
Nicht ganz auf der Höhe der Information zu sein scheint.
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Bei Benicio del Toro habe ich immer so das Gefühl, und das hat er in diesem
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Film halt auch ausspielen können, ist eigentlich immer zwei Schritte voraus.
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Das ist so ein Grundgefühl.
Florian Clauß
0:12:45–0:12:50
Ich mag den auch sehr gern. Und ich mag natürlich auch Leonardo DiCaprio und
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den Charakter, den er da spielt.
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Ein bisschen verspulter in der Vergangenheit als der Lover der Anführerin.
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Perfilia, so ein verspulter Typ, der Bomben bauen kann, so gut basteln kann,
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aber dann 18 Jahre später halt auch sich jetzt nicht sehr viel weiterentwickelt
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hat und am Kiffen ist und so ein bisschen so ein Newt-Typ.
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Also das war, glaube ich, auch so explizit die Vorlage, nämlich Bickel-Lebowski.
Micz Flor
0:13:20–0:13:25
Ah, okay, ja. Er hat halt auch in der Zeit, sagt er auch einmal am Telefon,
0:13:26–0:13:32
dass er sich jetzt jahrzehntelang das Gehirn weggeraucht hat und nicht mehr
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so auf der Höhe der Zeit ist.
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Also Drogenkonsum hat er selber erwähnt, dass das auch noch eine Rolle dabei
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spielt, dass er alles nicht mehr so richtig checkt.
Florian Clauß
0:13:41–0:13:45
Ja, die ist grandios, die Szene. Da können wir auch noch mal später draufzusprechen kommen.
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Ich fand auch lustig, dass in einem Artikel, Es war dann beschrieben,
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Leonardo DiCaprio bekommt wie bei jedem Film seine 20 Millionen Gage.
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Krass, er hat immer irgendwie 20 Millionen für jeden Film, wo er spielt.
0:14:00–0:14:05
Und in einer ganz großartigen Rolle, muss man sagen, wo ich dann auch erst am
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Abspann überhaupt realisiert habe, dass es dieser Schauspieler ist,
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nämlich der quasi, das ist die andere Seite.
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Lockjaw ist gespielt, also ein alternder Marineoffiziersoldat von Jean Penn.
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Großartig. Siehst du auch so, ne?
Micz Flor
0:14:24–0:14:27
Ich sehe es auch so und gleichzeitig hatte ich so das Gefühl,
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dass der von den ersten zwei Sekunden Screentime, dass er irgendwie 127 Prozent gibt.
0:14:35–0:14:40
Der zeigt gleich irgendwie alles, was so ein bisschen so, habe ich gedacht,
0:14:40–0:14:47
ein bisschen so TikTok-Style ist, dass man da gleich sich komplett zeigen muss und das nicht aufbaut.
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Also ich finde ihn auch total toll, wie er es spielt, auch wie konsistent er spielt.
0:14:52–0:14:56
Ist nur so ein bisschen das Gefühl, das Schade ist, dass du gleich alles gesehen hast.
Micz Flor
0:14:57–0:14:58
Kannst du mir das anfangen?
Florian Clauß
0:14:58–0:15:01
Nee, kann ich nicht. Ja, ja, vielleicht.
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Aber ich finde nicht, dass er das halt schon von Anfang an verheizt hat,
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sondern es kommt dieser Figur so zugute.
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Das macht die Figur so nahbar und erfühlbar. Ja, also auch das macht so eine
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Körperlichkeit in dieser Figur.
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Also deswegen fand ich das jetzt nicht unbedingt so, dass es gleich irgendwie
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so verstanden durchdrungen ist.
0:15:25–0:15:30
Und diese Revoluzzer-Gruppe wird dann,
0:15:30–0:15:34
also genau, da gibt es nochmal eine Schlüsselszene, wo wir dann auch Lockjaw
0:15:34–0:15:38
zum ersten Mal kennenlernen, nämlich in einer Befreiungsaktion von Migrantinnen
0:15:38–0:15:44
ist die Anführerin, eigentlich die Loverin von Leonardo DiCaprio.
Micz Flor
0:15:44–0:15:47
Ja, mehr als Loverin, die sind ja wirklich auch ein Partner.
Florian Clauß
0:15:47–0:15:53
Ja, aber sie ist halt auch von der Natur, sie ist halt wirklich so ungezähmt.
0:15:54–0:15:57
Also sie lässt sich halt, also sie lässt sich wahrscheinlich auch nicht in so eine Beziehung ein.
0:15:58–0:16:02
Also deswegen sage ich Loverin, weil sie verlässt ihn ja dann auch.
Micz Flor
0:16:03–0:16:06
Wie würde man das denn sagen, wenn sie ein Mann wäre?
0:16:06–0:16:11
Weil das Wort ungezähmt kommt so sehr an eine Frauenrolle ran,
0:16:11–0:16:14
was ja sagt, man hätte sie zähmen können.
Florian Clauß
0:16:14–0:16:17
Durchtrieben, durchtrieben vielleicht am ehesten. Also sie ist schon durchtrieben.
0:16:17–0:16:20
Ich finde, durchtrieben ist vielleicht das bessere Wort, weil sie begeht ja
0:16:20–0:16:23
auch Verrat an der Gruppe und das hat ja was Durchtriebenes.
0:16:24–0:16:26
Sie kriegt auch ein Kind von...
0:16:27–0:16:33
Also angeblich von Bob Ferguson, das ist die Rolle von Leonardo DiCaprio.
0:16:33–0:16:40
Und in einer Befreiungsaktion, da trifft sie auf diesen Körnel.
Micz Flor
0:16:40–0:16:47
Befreiungsaktion heißt, dass die Gruppe ein Lager hochnimmt,
0:16:47–0:16:51
sagen wir mal, und die MigrantInnen alle entlässt, rauslässt.
0:16:51–0:16:54
Und sie trifft dann eben auf diesen Lockhead.
Florian Clauß
0:16:54–0:16:58
Das ist wirklich so ein Internierungslager. Da gehen die rein,
0:16:58–0:17:03
setzen auch Bringsätze und befreien die eben, die Eingesperrten.
0:17:04–0:17:08
Der Fidia kommt in das Zimmer, wo der Körnel drin ist und sie...
0:17:09–0:17:15
Verführt ihn. Und es beginnt so eine Art von Faszination auf seiner Seite.
Micz Flor
0:17:15–0:17:17
Haben die da schon Sex in der Szene?
Florian Clauß
0:17:17–0:17:20
Nee, die haben da nicht. Nee, richtig, sie haben noch keinen Sex.
Micz Flor
0:17:21–0:17:23
Sie macht ihn im Prinzip fertig.
Florian Clauß
0:17:23–0:17:31
Ja, sie schikaniert ihn, indem er mit einem steifen Schwanz nach draußen geführt wird.
0:17:31–0:17:35
Sie reizt ihn schon sehr auf und gleichzeitig demütigt.
0:17:36–0:17:38
Die werden halt befreit, die Migranten und so weiter.
0:17:39–0:17:43
Und die Gruppe geht aber weiter und sie wird dann halt irgendwann schwanger,
0:17:43–0:17:48
weil sie sich dann halt auch öfters mal mit dem Körner, ich nehme das jetzt
0:17:48–0:17:49
diesen Plotpoint vorweg.
0:17:50–0:17:56
Also sie wird dann schwanger, wie sich herausstellt, ist das Kind aber nicht von Bob Ferguson.
0:17:57–0:18:01
Der nimmt natürlich an, er ist der Vater des Kindes und zieht es auch groß.
0:18:01–0:18:09
Der Vater ist Lockjaw, weil eben seine Perfidia dann diese Beziehung zu ihm pflegt.
0:18:09–0:18:13
Aber in einem Überfall, wo es
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auch zum Schusswechsel kommt und da wird die Gruppe gestellt, French 75.
0:18:20–0:18:25
Und Perfidia kommt in die Situation, dass sie die Namen der ganzen Bewegung
0:18:25–0:18:28
verrät für ein Zeugenschutzprogramm.
0:18:28–0:18:35
Und wo eben auch dann der Colonel ihr Immunität verspricht und da eigentlich
0:18:35–0:18:38
jetzt auf so eine Beziehung mit ihr hofft.
0:18:38–0:18:42
Aber sie dann verschwindet aus dieser Beziehung und sie hat eben dieses Kind
0:18:42–0:18:47
hinterlassen, um das sich dann eben Bob kümmert, das groß zu ziehen.
0:18:47–0:18:52
Da fängt im Prinzip dieser Zeitsprung an und wir gehen dann 18 Jahre später.
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Das Kind ist noch nicht volljährig, ich glaube sie ist 17. dann steigt da der
0:18:58–0:19:00
zweite Teil der Geschichte ein.
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Motiviert von Colonel Lockjaw. Er ist auch nicht gealtert.
0:19:07–0:19:12
Das ist so krass. Dieser Zeitsprung, da hat sich auch Thomas Anderson nicht
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die Mühe gegeben, irgendwie die SchauspielerInnen da altern zu lassen.
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Sie sehen genauso aus, wie sie da vor 18 Jahren rausgesehen haben.
0:19:21–0:19:22
Bis auf die Torster natürlich.
0:19:23–0:19:31
Der Colonel will eben in einer Gruppe, in einer rechtsextremen weißen Gruppe,
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will er dann aufgenommen werden.
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The Christians Adventures heißt diese Gruppe.
0:19:38–0:19:46
Und um da aufgenommen werden, du wirst dann wahrscheinlich ernannt in diesem Club.
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Und er ist ernannt worden, was eine große Ehre für ihn ist.
0:19:50–0:19:55
Man weiß gar nicht genau, was die für eine Macht haben, aber so wie die inszeniert
0:19:55–0:19:57
haben, haben die eine große Macht.
Micz Flor
0:19:57–0:20:01
Die haben ja, also man sieht so Szenen, wo über Architektur gezeigt wird,
0:20:01–0:20:02
Und wie viel Macht die haben.
0:20:02–0:20:06
Es ist scheinbar so ein relativ wohlhabendes Vorstadtgebiet,
0:20:06–0:20:12
in dem es halt diese klassischen, zumindest Hollywood-Darstellungen von Vororten gibt.
0:20:13–0:20:17
Mit Driveway, große Garage, schönes, großes Haus und so.
0:20:17–0:20:21
Und dann ist einer, der dann auch zuerst so ganz nett rüberkommt.
0:20:21–0:20:23
Man merkt schon, ein bisschen zu schmierig, um nett zu sein.
0:20:23–0:20:26
Und der geht dann durch irgendeine Tür in den Keller. Und dann durch eine Tür
0:20:26–0:20:30
im Keller auf einmal in so einen unterirdischen Halbkreis, unter dem dann irgendwie
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alle anderen Häuser auch scheinbar verbunden sind.
0:20:33–0:20:37
Und in diesem Halbkreis unten wiederum gibt es dann so ein Zimmer, wo er reingeht.
0:20:37–0:20:42
Und da sitzen dann eben so drei andere ältere, weiße Männer in so Poloshirts.
0:20:42–0:20:45
Einer davon, der mit ist, wohl irgendein Kriegsheld oder so,
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der kaum was sagt, aber trotzdem großen Einfluss hat.
0:20:49–0:20:52
Aber ich finde die Szene ganz schön, wie du halt in dem Moment wohl in den Keller
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runter geht und diese extra Tür aufmachst.
0:20:56–0:21:01
Du merkst, okay, das hier ist alles sehr gut strukturiert.
0:21:01–0:21:06
Es ist sehr klar, dass hier wirklich buchstäblich im Untergrund Strippen gezogen
0:21:06–0:21:13
werden. Und das Interesse darin ist vor allen Dingen arischer Natur, weißes Amerika.
Florian Clauß
0:21:14–0:21:20
Genau, und eine Bedingung, um in diesem Club aufgenommen werden zu können, ist, dass man,
0:21:21–0:21:27
bis in seine Urgroßelterngeneration nachweisen kann, dass man keinen Kontakt
0:21:27–0:21:31
zu einer nicht-weißen Frau oder Mann gehabt hat.
0:21:32–0:21:41
Und das ist natürlich für den Lockjaw der Impuls, dass dann die Beziehung zu
0:21:41–0:21:46
Perfidia, wo das Kind rausgekommen ist, das im Prinzip zu vertuschen.
0:21:46–0:21:50
Und er macht sich dann los, die Tochter zu finden.
Micz Flor
0:21:50–0:21:55
Er weiß es aber selber auch nicht, ob das Kind wirklich seins ist. Er weiß es nicht.
Florian Clauß
0:21:55–0:22:00
Genau, er weiß es nicht in dem Moment, aber allein die Vermutung,
0:22:00–0:22:04
es ist eine besessenen Aktion, da loszugehen.
0:22:04–0:22:07
Und er hat aber auch irgendwie diese Mittel, das zu machen.
0:22:07–0:22:10
Er scheint ja da irgendwie auch eine Budgetfreiheit zu haben.
0:22:11–0:22:17
Aber das ist so der Moment, wo dann eben dieses etwas spießige Leben von den
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alternden Kiffer, nämlich Leonardo DiCaprio mit seiner Tochter,
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bemüht sich dann halt auch so, dass sie dann halt auch Halt findet und so weiter.
0:22:25–0:22:29
Und die Tochter ist aber auch so in der Community ganz gut angesehen.
0:22:29–0:22:32
Also das heißt, sie hat dann auch ihre Buddies und so weiter.
0:22:33–0:22:40
Aber da geht jetzt so die Jagd los. Ja, dann fängt quasi die Flucht an.
0:22:40–0:22:44
Und es wird dann so ein Hide-and-Seek-Film.
0:22:45–0:22:48
Eigentlich, und ich würde auch sagen, das wäre eine These, die können wir auch
0:22:48–0:22:53
gerne nochmal diskutieren, es wird zu einem Roadmovie, mehr oder weniger.
0:22:53–0:23:00
Es hat so klassische Elemente des Roadmovies, also jetzt schon die zweite Überlappung
0:23:00–0:23:03
zu vorherigen Folgen, Roadmovie.
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Ich würde tatsächlich sagen, dass der Film One Battle After Another die Kriterien
0:23:08–0:23:10
eines Roadmovies entspricht.
Micz Flor
0:23:11–0:23:16
Kannst du damit jetzt ex post factum an dieser Stelle das in deine,
0:23:17–0:23:19
Sub-Serie einsortieren.
Florian Clauß
0:23:19–0:23:23
Das könnte ich machen. Habe ich mir auch schon überlegt, ob ich das so tituliere.
0:23:23–0:23:28
Aber genau, lass uns das dann noch mal so genauer untersuchen. Die Flucht beginnt.
0:23:29–0:23:35
Der Colonel rückt dann auch der Tochter sehr nahe an einem Schulball in ihrer Highschool.
Micz Flor
0:23:35–0:23:39
Also vielleicht kann ich ganz kurz was noch ergänzen, was ich wichtig finde für das Verständnis.
0:23:40–0:23:46
Also es gibt diesen Colonel Lockjaw, der ist halt sehr, sehr skrupellos und
0:23:46–0:23:49
der ist in einer Hierarchie eingebunden, das ist das Militär.
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Da hat er eine bestimmte Position und nutzt da seine Macht einfach nach Gutdünken.
0:23:55–0:23:59
Auch die Attacke auf dieses Dorf, wo er vermutet, dass die ist oder wo er es
0:23:59–0:24:05
rausgefunden hat, dass seine mögliche Tochter da ist, da wird einfach gelogen,
0:24:05–0:24:08
warum die da einfallen. Er ist völlig skrupellos.
0:24:08–0:24:12
Es geht ihm nur darum, und das ist wichtig, glaube ich, dass es diese zweite
0:24:12–0:24:19
Hierarchie gibt, neben dem Militär diese evangelisch-evangelikale arische Bund.
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In deren Hierarchie möchte er eingegliedert werden.
0:24:24–0:24:27
Und das ist seine einzige Verwundbarkeit. Er hat ja schon alles,
0:24:27–0:24:32
aber weil er das noch will, wird er da auf einmal sehr submissiv und so ein
0:24:32–0:24:34
bisschen unterwürfig und versucht Spuren zu verwischen.
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Ist da auch insofern skrupellos, als dass er lügt.
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Er will halt das alles schnell beseitigen. Sollte es wirklich seine Tochter sein?
0:24:42–0:24:45
Aber das ist so ein bisschen, finde ich, nochmal ein wichtiges Bild.
0:24:45–0:24:48
Er geht buchstäblich gerne auch über Leichen, wenn es sein muss,
0:24:48–0:24:52
und nutzt seine Macht aus. Also er hat kein Gewissen.
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Und er wird nur dann irgendwie fragil, wenn er in einer Hierarchie Widerstand
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von oben erlebt, sozusagen.
Florian Clauß
0:25:02–0:25:09
Ja, oder er dann sexuell so aktiviert wird, dass er halt auch dieses Demütige
0:25:09–0:25:12
bekommt in dieser Beziehung zu Perfidia.
0:25:12–0:25:18
Da hat er auch was extrem Demütiges und er ist dann, also das ist halt so ungreifbar in dieser Person.
Micz Flor
0:25:18–0:25:20
Ja, Devot würde man glaube ich sagen.
Florian Clauß
0:25:20–0:25:26
Devot ist das Unterwürfige. Ja, vielleicht ist Devot dann noch passender an der Stelle.
Micz Flor
0:25:26–0:25:29
Ja, aber das finde ich wichtig, weil jetzt geht es nämlich damit los,
0:25:29–0:25:36
dass er unter falschen vorgeschobenen Gründen eine ganze Stadt sozusagen lahmlegt
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und in den Notstand versetzt. Mit...
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Trainierten Militärs.
Florian Clauß
0:25:42–0:25:45
Genau, und er hat eben noch eine
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andere Aktion, nämlich diese French 75 hochzunehmen, das als Motivation.
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Und die, wie man auch erfährt, funktioniert noch als Organisation.
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Nämlich der Bob wird auch gewarnt vor denen und es beginnt diese Flucht.
0:26:05–0:26:10
Man lernt dann halt auch noch die Strukturen dieser Revolutionsgruppe kennen.
0:26:11–0:26:15
Dieses Protokoll, was eben da gemacht werden muss, um damit man sich wieder
0:26:15–0:26:19
zusammenfindet, damit man halt auch irgendwie in den Untergrund gehen kann und
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so weiter, die richtigen Kontaktpersonen trifft, auch die vertrauensvollen Kontaktpersonen.
0:26:24–0:26:29
Da gibt's noch diese andere Geschichte, das ist halt zwei Sender.
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Wenn die zusammenkommen, dann spielen die halt eine Melodie.
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Und dann wird der eine Sender, dem bekommt dann die Tochter.
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Und der andere den behält er oder
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den hat noch eine andere person aus der vergangenheit und da meint der vater
0:26:44–0:26:49
eben zu seiner tochter wenn du diese melodie hörst dann ist das eine absolut
0:26:49–0:26:54
vertrauenswürdige person also das ist ja auch dann noch mal so ein hitchcock
0:26:54–0:26:59
moment in dem film mit dieser melodie die dann halt gespielt wird dann versucht eben die,
0:27:00–0:27:03
Kontakt zu bekommen. Er weiß noch nicht genau, wo der nächste Kontakt dort ist.
0:27:04–0:27:06
Und da kommt es zu dieser Telefon.
0:27:07–0:27:11
Geschichte, die du schon erwähnt hast. Da gibt es eine ganz bestimmte Passwortabfolge.
0:27:12–0:27:16
Also die sind so irgendwelche Gedichte oder irgendwelche absurden Antworten und Fragen.
0:27:17–0:27:19
Und er kann sich dann halt bei der dritten...
Micz Flor
0:27:19–0:27:25
Das ist so ein kleiner Dialog ist das. Das heißt, er hat schon am Telefon, eine Person sagt was.
0:27:25–0:27:28
Ich weiß auch nicht mehr, was es war, aber sagt was. dann kommt die Antwort,
0:27:28–0:27:30
dann kommt wieder was, dann kommt wieder die Antwort und das hat er,
0:27:31–0:27:34
glaube ich, schon zwei Dinge hat er richtig, aber dann beim letzten fällt es ihm nicht mehr ein.
Micz Flor
0:27:35–0:27:37
Irgendwas geht es um Zeit oder irgendwas mit Zeit.
Florian Clauß
0:27:37–0:27:41
Ja, und er sagt so, nein, ich komme nicht und ich habe mir irgendwie das Gehirn
0:27:41–0:27:44
weggekifft und ich weiß es nicht mehr, es ist so lange her und der andere sagt, nope.
0:27:45–0:27:52
Er hat schon so großartige Momente dieser Filme, wo er echt lacht.
0:27:52–0:27:57
Also man lernt dann auch später den Typen kennen in der Zentrale.
0:27:57–0:28:00
Der da halt gesagt hat, nee, du kommst hier nicht weiter.
0:28:00–0:28:05
Es spricht auch für diese Organisation. Du hast ja dann auch so viele dogmatische
0:28:05–0:28:10
Leute, die dann da drin sitzen und sagen so, nö, das ist nicht nach Protokoll,
0:28:10–0:28:11
das kann ich nicht akzeptieren.
0:28:12–0:28:18
Es beginnt also eine Fluchtgeschichte, wo Bob dann mit seiner Tochter Unterschlupf sucht.
0:28:18–0:28:25
Er kommt auf den Benicio del Toro. Das ist auch einer der im Migrantenbereich,
0:28:25–0:28:31
da an der Grenze zu Mexiko, dann mehr oder weniger so eine führende Funktion hat.
0:28:31–0:28:37
Und auch so ein Netzwerk aktivieren kann, um halt auch da bei der Flucht ihm zu helfen.
0:28:37–0:28:42
Die haben auch Fluchtpläne, die können dann halt ein ganzes Einkaufszentrum,
0:28:42–0:28:45
können die dann halt auch entsprechend evakuieren.
0:28:46–0:28:49
Also sie sind auch vorbereitet, man merkt halt auch da die Strukturen.
Micz Flor
0:28:49–0:28:54
Und Benicio del Toro ist auch der Martial-Arts-Trainer der Tochter.
0:28:55–0:28:57
Also die hat von ihm gelernt zu kämpfen.
0:28:58–0:29:01
Und er ist gleichzeitig ein sehr ausgeglichener, ruhiger Mensch.
0:29:01–0:29:06
Und das ist eine, so von der Spannung zwischen den Figuren, das ist für mich
0:29:06–0:29:08
so eine der Lieblingsszenen.
0:29:09–0:29:12
Also Del Toro braucht nicht zu helfen.
0:29:13–0:29:18
Und auch dem, wie heißt der nochmal, DiCaprio braucht er eigentlich nicht zu
0:29:18–0:29:19
helfen, aber er macht es dann halt trotzdem.
0:29:19–0:29:23
Man merkt in allem, was der tut, ist, dass er überhaupt keine Eile hat.
0:29:24–0:29:31
Und ich finde, das ist halt eben auch so dieses Bild durch ihn hindurch in die
0:29:31–0:29:35
lange, lange, lange Geschichte der Vertreibung von indigenen Bevölkerung und so weiter.
0:29:35–0:29:39
Also wir kennen das schon. One battle after another passt da eigentlich auch
0:29:39–0:29:44
ganz gut, weil er zeigt halt so keinen Stress. Das passiert dauernd.
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Es ist scheiße, es wird nie aufhören. Aber wir haben jetzt unseren Weg gefunden,
0:29:49–0:29:52
wie wir dem so weit als möglich aus dem Weg gehen können. Und das ist alles
0:29:52–0:29:57
sehr banal und auch nicht martialisch, sondern eher Rückzug und Flucht.
0:29:58–0:30:00
Aber die Mechanismen greifen so.
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Und während Leonardo DiCaprio völlig überfordert ist, ist der überhaupt nicht
0:30:06–0:30:08
angefasst von dem ganzen Ding.
Florian Clauß
0:30:08–0:30:09
Ja, das ist toll.
Micz Flor
0:30:09–0:30:13
Ich finde, das spielt er sehr gut, aber das finde ich auch für die ganze Geschichte
0:30:13–0:30:18
sehr gut. Dass da irgendwas so ein bisschen drinsteht, diese Engständigkeit.
0:30:18–0:30:23
Die Amerikaner machen sich so ihren eigenen Stress die ganze Zeit, aber,
0:30:25–0:30:31
Bei ihm ist da irgendwie ein Wissen über die Jahrhunderte, dass es einfach nur
0:30:31–0:30:32
one battle after another ist.
Florian Clauß
0:30:33–0:30:37
Genau, also während Leonardo DiCaprio die ganze Zeit hyperventiliert,
0:30:37–0:30:42
ist er derjenige, der die ganze Zeit die Verbindung hält, die Sachen checkt.
0:30:42–0:30:44
Ja, es gibt dann auch so eine...
Micz Flor
0:30:44–0:30:49
Und auch ja fast hunderte, gefühlt hunderte von Leuten mitdirigiert und begleitet,
0:30:49–0:30:56
um da irgendwie einen Weg rauszufinden aus der militärischen Besatzung.
0:30:57–0:31:02
Diese eine Szene, die wurde ja auch viel rumgereicht, wo Benicio del Toro schon
0:31:02–0:31:04
fast so im Keller ist und fast weggeht.
0:31:04–0:31:10
Und dann sagt Leonardo DiCaprio so fast verzweifelt irgendwas im Sinne von Klassenkampf
0:31:10–0:31:11
oder so und hebt so die Faust.
0:31:12–0:31:17
Und der Toro, vive la revolution vielleicht, sagt er sowas.
0:31:18–0:31:22
Und Leonardo DiCaprio ist fast verzweifelt, das zu sagen.
0:31:22–0:31:27
Er braucht es irgendwie so als Aktivierung.
0:31:27–0:31:33
Und bei Nicolai Toro sagt es dann auch so, hebt so die Faust und rutscht dann
0:31:33–0:31:36
aber einfach so in diese Höhle. Dann klappt es zu und der Teppich rollt drüber.
Florian Clauß
0:31:36–0:31:41
Also man muss auch sagen, dass die Tochter extrem cool mit der Situation umgeht.
0:31:42–0:31:48
Also sie ist schon so die abgeklärte, die vernünftige in dieser Beziehung zu Leonardo DiCaprio.
0:31:48–0:31:55
Sie hat eigentlich mehr Durchblick als ihr Vater und organisiert sich halt selbst.
0:31:55–0:31:57
Also man merkt schon, dass...
Micz Flor
0:31:57–0:32:01
Nein, also ich finde, sie denkt halt, der Papa erzählt eh nie die Wahrheit.
0:32:02–0:32:06
Das weiß sie ja sowieso, spürt auch irgendwas ist da, aber es klingt alles irgendwie so mit Andeutung.
0:32:06–0:32:09
Die ist, glaube ich, von ihm ziemlich genervt und irgendwo auch ein bisschen
0:32:09–0:32:11
enttäuscht. Aber natürlich ist es ihr Vater und sie,
0:32:13–0:32:17
So habe ich das erlebt. Und sie ist eigentlich ja dann in dem Moment,
0:32:18–0:32:22
wenn das alles losgeht, irgendwie schon überfordert, wird nur an die Hand genommen,
0:32:22–0:32:28
rennt dann auch weg mit einer anderen aus der revolutionären Gruppe, die sie abholen will.
0:32:29–0:32:33
Und dann ist es ja auch so, dass sie sich dann eben in ihrem Dickkopf,
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was man ihr später auch vorwirft, weil sie eben die Tochter ihrer Mutter ist,
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die, wie hast du vorhin gesagt, durchtrieben, aber dickköpfig eben auch ist,
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dass sie gebeten wird, bitte auf jeden Fall Mobiltelefone alles wegzuschmeißen,
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macht sie es dann halt eben doch nicht.
0:32:47–0:32:53
Und das wird dann ihr nicht, aber der anderen, die sie gerettet hat, wird es zum Verhängnis.
Florian Clauß
0:32:53–0:32:57
Ja doch, ihr ja auch, weil darüber können sie sie halt orten bei den Nonnen.
Micz Flor
0:32:57–0:32:59
Nee, aber sie kommt ja zum Schluss frei.
Florian Clauß
0:32:59–0:33:01
Ja, sie kommt frei.
Micz Flor
0:33:01–0:33:05
Aber die Kollegin hat es erwischt. Die kommt und wird abgeführt vom Militär mit Tränen.
Florian Clauß
0:33:05–0:33:09
Ja, aber da passiert ja im Prinzip auch der Show dort.
0:33:10–0:33:15
Also sie kommt ja nicht wirklich frei, sondern der Lockjaw wird ja einfach aus
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dem Verkehr gezogen. Aber da kommen wir nochmal hin.
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Davor, diese andere Figur, die dann halt die Tochter mitnimmt,
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das wird dann halt auch über diese Erkennungsmelodie gepflanzt.
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Das heißt, sie hat das andere gerät und darüber passt sie halt auch Vertrauen
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zu der Person und lässt sich dann auch anleiten und geht mit ihr mit.
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Während eben Leonardo DiCaprio noch das Passwort vergessen hat und einfach total
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abgehängt wird und nicht so richtig dann halt auch zu dem Treffpunkt dann weiß als nächstes.
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Und das ist auch so eine schöne Szene.
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Das sind halt auch so Szenen, die eigentlich aus so einem Coen Brothers Film
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oder Big Lebowski und so sind, wo er dann von diesen drei langhaarigen.
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Skatertypen. Die sieht man schon vorher in der Szene, wo die dann halt mit den
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Benicio del Toro dann sprechen und die checken halt.
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Die fahren immer mit Skateboards, sehen halt auch so ein bisschen aus wie die
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Bee Gees, ja, so Surfertypen mit langen Haaren und so, aber so ganz eleganten Bewegungen, ja.
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Und die holen ihn dann halt auch ab und er muss ihnen folgen,
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also ihnen jetzt Leonardo DiCaprio. Und die sind halt unglaublich sportlich
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und du siehst die dann halt immer so im Halbschatten über die Dächer hüpfen.
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Leonardo DiCaprio hat ein paar Probleme hinterher zu kommen.
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Und dann gibt es halt so einen Absatz vom Dach, wo die dann halt drüber fliegen, fast so elegant.
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Und er hüpft und fällt einfach komplett runter.
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Also irgendwie über zehn Meter dann über so einen Baum und landet dann halt
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auf dem Asphalt. und in dem Moment kommt ein Polizist um die Ecke und tasert ihn.
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Und er ist dann halt irgendwie in Gewahrsam. Also so ein großartiger Moment,
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wo dann denkst du, hä, hä, hä?
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Weil die halt nie warten können und ihren Tempo dann weglaufen.
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Und er kommt nicht hinterher und das ist halt so, okay, jetzt nochmal andere Richtung.
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Und er wird dann auch aus diesem Gefängnis dann eben von dem anderen befreit.
0:35:15–0:35:19
Das ist auch lustig, weil du ihn dann so, er ist total die ausgelegene Figur,
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aber eigentlich will er die ganze Zeit nur Bier trinken.
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Das ist halt auch die, dass sie erst mal Bier im Auto trinken und dann halt
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weiterfahren. Also irgendwie haben die auch die Ruhe, dann noch das Bier zu trinken.
Micz Flor
0:35:30–0:35:32
Ich habe das ja auch da auf...
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Podcast-Social hochgeladenes Bild, wo links ist unser Podcast-Bild von uns beiden Essen-Suppe.
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Und da steht eigentlich drauf.
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Und rechts dann dieses Bild, wo Leonardo DiCaprio und Del Toro mit dieser Bierdose im Auto sitzen.
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Und irgendwie, das meine ich jetzt gar nicht, dass wir so cool aussehen,
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aber irgendwie erinnern die mich an uns in dem Bild. Irgendwas ist da drin.
0:35:59–0:36:02
Und da steht dann gelegentlich drauf.
Florian Clauß
0:36:02–0:36:06
Das kann ich gelegentlich, genau. Das kann ich dann auch nochmal zur Episode packen.
Micz Flor
0:36:06–0:36:09
Eigentlich gelegentlich. Ich fand es lustig.
Florian Clauß
0:36:09–0:36:10
Ja, sehr gut.
Micz Flor
0:36:10–0:36:13
Befreit ihn und packt ihn ins Auto und sie flüchten.
Florian Clauß
0:36:13–0:36:19
Die flüchten und dann eben man kann nochmal kurz Parallelen zum Buch aufmachen.
0:36:19–0:36:23
Dieser Karate-Lehrer, den gibt es auch als Figur tatsächlich.
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Das ist eine Lehrerin in Wineland, die dann die Tochter unterrichtet.
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Und es gibt.
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Dann noch so eine spirituelle Gemeinschaft, die Tanoiden oder sowas,
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die dann quasi Traumata der 68er verarbeiten.
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Aber die aber auch so eine magische, kulturelle Gemeinschaft sind.
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Es gibt in dem Film, nicht so, das ist nicht so die Parallele,
0:36:48–0:36:50
aber es gibt ein In der Wüste.
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Wir sind auch in der Wüste und das ist auch nochmal so ein ganz klassisches
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Merkmal von Roadmovies.
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Nämlich, dass sie halt im Westen von der USA spielen, in der Wüste.
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Und der ganze Showdown findet halt in der Wüste statt.
0:37:05–0:37:10
Da gibt es ein Kloster von Nonnen geführt, die aber auch der Bewegung angeschlossen,
0:37:10–0:37:11
also als vertrauenswürdig gelten.
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Und da fliehen eben Villa und die andere aus der Gruppe fliehen dahin und finden auch Unterschlupf.
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Also da haben die auf jeden Fall so ein Cover für die Tochter,
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dass sie da erstmal bleiben kann.
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Aber weil dann eben Willa das Handy mitgenommen hat, hat das mehrmals verleugnet,
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ist sie geordet und es gibt dann halt auch nur die Möglichkeit,
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dass es dieses Nonnenkloster ist, wo die unterkommen, weil weit und breit ist da halt nix.
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Die sehen dann halt, okay, hier in der Wüste wurde das Handy geordet.
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Was gibt es in der Nähe? Ah, da gibt es die linken Nonnen. Na gut,
0:37:45–0:37:49
da gehen wir halt hin. Dann brechen die das Kloster ein, finden da halt auch
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die Komplizien und überführen die Tochter.
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Und dann zwingt eben der Colonel die Tochter zum Vaterschaftstest,
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weil er dann Gewissheit haben will. Auch eine großartige Szene.
Micz Flor
0:38:02–0:38:07
Er sagt dir ganz klar, wenn alle Sachen auf einer Linie stehen bleiben,
0:38:08–0:38:10
dann bist du tot. Und wenn nicht, hast du Glück gehabt.
Florian Clauß
0:38:11–0:38:15
Genau, dann kannst du gehen. Ja, aber es bleibt, es kommt, wie es kommen muss,
0:38:15–0:38:17
und es bleibt alles auf einer Linie stehen.
0:38:17–0:38:22
Das heißt, sie muss dann halt getötet werden, damit der Colonel in seine Gemeinschaft
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da aufgenommen werden kann.
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Gleichzeitig hat dann auch Bob das Kloster gefunden.
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Weiß, wo die sind, er stellt sich dann quasi mit einem Gewehr,
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mit dem er dann vom Weiten ein Zielfeuernrohr dann da auf den Körnel zielt,
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ja, aber ihn verfehlt und er wird dann auch zu dem Gejagten.
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Also es beginnt dann eben so eine Verfolgungsjagd in der Wüste.
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Das hängt natürlich auch mit den Autos zusammen. Die Tochter wird...
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Ja, die wird im Prinzip von so einem Kurier zu so einem Auftragsmörder geführt,
0:38:57–0:39:02
die es auch alles so voll tätowierte, rechte Neonazis sind.
Micz Flor
0:39:02–0:39:07
Ja, und auch irgendwie so Soldatenmäßig. Ich hatte gedacht, dass es wirklich
0:39:07–0:39:11
auch Leute sind, die in der Armee sind und dann nebenher aber mit Mord noch
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sich was dazu verdienen.
Florian Clauß
0:39:13–0:39:16
Ja, ich hatte eher das Gefühl, es ist eine Privatarmee, wie es dann halt da
0:39:16–0:39:20
im Süden von Amerika, wie man das dann halt auch so antreffen könnte.
0:39:21–0:39:24
Also hoch militarisiert, rechte Leute.
0:39:24–0:39:30
Es kommt noch so zu einer Szene, die mich auch wieder an viele Filme aus der
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Wüste, also wie jetzt zum Beispiel Breaking Bad oder Better Call Saul oder Zabriskie
0:39:35–0:39:39
Point, wo dann halt die Tochter übergeben wird an den Kurier.
0:39:39–0:39:43
Der guckt sich das halt an, das ist auch so ein Indigener, guckt sich das halt
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an und meint also, nee, keine Kinder.
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Er hat ja schon gewisse Grundsätze, aber er meint so, du kriegst das doppelt.
Micz Flor
0:39:49–0:39:52
Das ist nicht cool, zuerst soll er sie ja umbringen direkt.
Florian Clauß
0:39:52–0:39:56
Ja, genau, er soll sie erst umbringen und dann sagt er, verneint dann,
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macht er nicht, weil er Grundsätze hat.
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Und dann soll er eben dahin fahren, zu diesen Rechten.
0:40:02–0:40:08
Und es ist halt so eine Wendung in der Geschichte, dass dann der Kurier,
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weil er selber auch eben rassistisch beleidigt wird und man merkt schon,
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es ist nicht das erste Mal, dass er so beleidigt wird,
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dass er dann halt einfach so einen Amoklauf dann alle umbringt, bis auf die Tochter.
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Also irgendwie wird er auf einmal zu einem Schützer und alle sind tot und die
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Tochter nimmt dann eben das Auto.
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Das ist halt auch so ein, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall so ein schweres Auto mit viel PS.
Micz Flor
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Ja, es sieht aus wie so ein weißer Tesla, irgendwie aber so ein neues Design,
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irgendwie so ein neues Auto.
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Jetzt kein klassisches Roadmovie-Auto, was halt irgendwie so Volvo wäre oder
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einen mit so langen Flügeln, sondern es passt irgendwie gar nicht,
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finde ich, so richtig in den Film rein.
Florian Clauß
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Ich finde schon, weil das dann wieder anfängt, auf dieser Sound-Ebene so brutal zu werden.
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Dann denkst du, du bist ja wieder hier in Mad Max, wo dann halt auch die Leinwand
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vibriert aufgrund von diesem ganzen Petroleum, was da halt irgendwie durch die
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Auspuff da gepumpt wird.
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Also es kriegt schon so eine unglaubliche Intensität.
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Also die kann halt auch Autofahren.
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Das finde ich schon toll, dass die da halt auch so diese innere Heldenreise,
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wie wir auch mal ein paar Mal schon erwähnt haben, dann auch so mitmacht und
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da auch kompetent wird und einfach auch sich verteidigen kann.
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Und es gibt dann halt diese Verfolgungsjagd. Der Colonel kriegt das mit,
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fährt hinterher und dann gibt es diesen Moment.
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Wo im Prinzip, das ist auch nochmal so die Vorgeschichte, die Christian Adventures
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kriegen schon mit, dass der Colonel gerade hier so seine Soloaktion macht und
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wissen auch warum und schicken.
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Und dann sagt der eine so, ich löse das Problem und letztendlich schießt er
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dann den Körnel auch mitten, weil die werden auch gerade von drei Autos verfolgt,
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wird der Körnel bei seiner Verfolgungsjagd, wird er dann ins Gesicht geschossen
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und ausgenockt, ja. Und...
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Der andere kriegt dann mit, okay, da ist die Tochter und es ist auch klar,
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dass er die beseitigen muss.
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Und hinten kommt der Vater. Also wir haben hier wirklich so eine Perlenkette
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an Fluchtverfolgung, wo der eine nicht weiß, dass der andere die verfolgt.
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Und wir folgen denen auf diesen großartigen Straßen.
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Da finde ich, hat der Film so eine ganz starke visuelle Kraft und einen Showdown,
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wie ich den lange nicht mehr gesehen habe. Nämlich das sind in der Wüste so
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Straßen, die dann halt immer so durch kleine Hügel, also es geht auf und ab.
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Und da wird schon ganz am Anfang dieser Verfolgungsjagd gepflanzt,
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dass man immer nicht diese Sichtachse hat, was kommt danach,
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wenn die Straße wieder abfällt.
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Und dann hast du dieses Motorengeräusch dazu und diese verschiedenen Inneneinsichten,
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wo dann halt der Vater die anderen verfolgt und diesen unterschiedlichen Motorentyp,
0:43:10–0:43:14
die dann halt die ganze Zeit rühren und die über diese Hubbelstraßen mit der
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brennenden Sonne dann halt sich gegenseitig verfolgen.
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Und das finde ich einen ganz starken Moment von dem Film.
Micz Flor
0:43:22–0:43:25
Finde ich auch. Ich fand, es wurde ein bisschen zu sehr überspielt.
0:43:25–0:43:27
Aber wie gesagt, wir haben so eine grundlegende Gegenseite.
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Können wir vielleicht nachher nach der Erzählung der Geschichte erst nochmal
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reingehen. Wir können beide übereinstimmen, dass die Geschichte,
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die wir erzählen, die gleiche ist.
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Aber die Bewertung der Geschichte können wir danach nochmal angehen.
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Aber ja, das ist faktisch richtig. Es ist eine Straße, die immer rauf und runter, rauf und runter.
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Und da fahren die Autos drüber. Und die Straße wird dann strategisch genutzt von der Tochter.
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Die Tochter fährt dann über so einen Hugel drüber, tritt voll auf die Bremse,
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rennt aus dem Auto, verschanzt sich nebenan. und im Hintergrund kommt der,
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Killer aus dieser...
Florian Clauß
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Christian Adventures.
Micz Flor
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Ja, und schafft es nicht zu bremsen und rast dann halt voll ins Auto rein.
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Überlebt aber und kommt raus, humpelt raus, sieht sie.
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Er ist nicht quasi schussbereit, er muss ihn noch schussbereit machen.
0:44:26–0:44:29
Sie zielt auf ihn mit einer Pistole, wo ich nicht mehr weiß, wo sie die hat.
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Ich glaube, vielleicht war die schon im Auto oder hat sie dann mitgenommen vorne.
Florian Clauß
0:44:33–0:44:36
Die hat sie, glaube ich, von den rechten Leuten aus dem Auto mitgenommen.
Micz Flor
0:44:37–0:44:40
Ja, weiß ich nicht mehr. Aber auf jeden Fall ist sie dann auch noch fair,
0:44:41–0:44:44
weil sie irgendwie in dieser ganzen Verwirrung jetzt nochmal deutlich macht,
0:44:44–0:44:47
dass sie eigentlich überhaupt nicht mehr weiß, was hier los ist.
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Und dann diesen Code abfragt, den ihr Vater ihr noch beigebracht hat.
0:44:52–0:44:54
Also so ein Minimal-Code, ich weiß nicht mehr genau, was es ist.
0:44:54–0:44:58
Und sie fragt dann den einen Teil dieser Passphrase.
Florian Clauß
0:44:58–0:45:03
Nee, aber das ist nicht dem anderen Typen. Und der wird erschossen.
Florian Clauß
0:45:04–0:45:09
Aber ihr Vater kommt dann hinten raus. Und da fragt sie ab, weil sie so teilt durcheinander.
Micz Flor
0:45:09–0:45:13
Nein, sie fragt bei dem Typ, der aus dem Auto kommt. Fragt sie auch.
0:45:13–0:45:18
Fragt sie, und der kann halt nicht antworten, zieht die Pistole, dann erschießt sie ihn.
0:45:19–0:45:20
Und dann kommt der Vater.
Florian Clauß
0:45:21–0:45:24
Ah ja, okay, genau. Aber da ist sie immer noch in diesem Film drin,
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weil sie auch komplett drüber, sie hat gerade jemanden umgebracht.
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Und da fragt sie auch den Code. Und sie kann es überhaupt nicht realisieren, dass es ihr Vater ist.
0:45:32–0:45:35
Aber ich finde es auch so toll, dass ihr Vater die ganze Zeit bei ihr ist.
0:45:36–0:45:39
Die Frage ist, wie kommt er dann halt irgendwie eine Minute später da hin?
Micz Flor
0:45:39–0:45:42
Er sieht ja das weiße Auto vorbeifahren, wo er hinten drin sitzt.
0:45:42–0:45:45
Und man denkt halt, oh nein, falsche Richtung.
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Gibt es doch noch irgendwie eine Szene, wo er dann auch so ganz,
0:45:50–0:45:55
so wie er halt so ein bisschen so naiv verdröppelt, dann irgendwie Leute auf
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einer Bank oder sowas fragt, in welche Richtung ist das Auto gefahren.
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Die zeigen ihm dann die richtige Richtung.
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Irgendwann kriegt er es auch zusammen im Kopf. und dann weißt du,
0:46:03–0:46:04
was Sache ist und nimmt die richtige Spur.
Florian Clauß
0:46:06–0:46:10
Und dann ist die Tochter gerettet und der Frieden wieder hergestellt.
0:46:11–0:46:16
Dann gibt es auch einen Epilog, wo dann rauskommt, dass der Körnel dann nicht
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tot ist, hat es überlebt.
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Und man sieht dann noch irgendwie, dass er zu dieser Küche...
Micz Flor
0:46:21–0:46:27
Man sieht ihn da schon wie Androiden-like mit halb zerfetztem,
0:46:27–0:46:29
blutigem Gesicht über die Straße laufen sogar.
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Also in der Wüste, das sieht man als erste Einstellung.
0:46:33–0:46:36
Der eben noch kopfüber im umgestürzten Auto, nachdem er ins Gesicht geschossen
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ist, halbe Gesicht weggefetzt.
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Er hat die Knarre umgehängt und läuft halt so klack, klack, klack,
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klack, klack, so Terminator-mäßig durch die Wüste.
Florian Clauß
0:46:46–0:46:49
Er wird dann wieder zu dieser Gruppe eingeladen.
Micz Flor
0:46:49–0:46:53
Das ist dann auch viel später. Man sieht dann, dass sein Gesicht so zusammengeklammert wurde.
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Es ist alles verheilt. Er ist im Anzug, ist nicht mehr in militärischer Uniform.
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Und hat jetzt scheinbar den Sprung geschafft und wird jetzt scheinbar in diese
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Parallelhierarchie aufgenommen,
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und wird dann eben in das, was ich vorhin meinte, dieses große Gebäude geführt,
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in dem es einen unfassbar schönen Ausblick aus irgendwelchen Büros gibt, wo man das Gefühl hat,
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wenn Leute wie der Körner in solchen Büros sitzen, wozu brauchen die überhaupt ein Büro?
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Die wissen ja eh nichts damit zu tun, aber es gibt dieses Büro und da wird er reingeführt.
Florian Clauß
0:47:25–0:47:29
Und er muss sich dann auch rechtfertigen, weil die das dann halt auch mitbekommen
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haben und er sagte, er wurde eben von der von der Schwarzen vergewaltigt, ja.
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Wird der dann halt so aufgenommen und das ist auch der emotionalste Moment der
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Figur, wo er dann halt sich eine Träne aus dem Gesicht wegwischt und in einem
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Büro überführt und dann gesagt,
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hier ist sein Büro und er setzt sich auf den Stuhl und dann wird aber in dieses
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Büro Giftgas eingeleitet und wird einfach beseitigt.
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Eine Tragikomik, finde ich auch wieder ganz stark. Das ist ja überhaupt,
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Dass er es überhaupt nochmal vorsprechen konnte und dann hat das überhaupt keine Relevanz.
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Das ist klar, er hat gegen den Kodex verstoßen.
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Er ist absolut nicht aufnahmefähig, aber wir müssen ihn beseitigen.
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Und allein, wie du sagst, diese Architektur und dass sie dann trotzdem da so
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ein Giftgas-System haben.
Micz Flor
0:48:25–0:48:28
Ja, ich finde da nochmal wichtig zu sagen, dass es auch nochmal zeigt,
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wie mächtig diese Organisation ist.
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Weil er ist in so einem Eckbüro, wo man wirklich rausgucken kann auch.
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Also es ist komplette Transparenz in gewisser Weise.
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Von außen kann man gefühlt dann eben auch reinschauen. Und trotzdem können die
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da drin einfach umbringen und entsorgen.
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Es ist gar kein logistischer Aufwand. Das ist so eine Nebensache.
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Und die müssen nichts vertuschen, müssen nichts verstecken, nichts im Geheim machen.
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Einfach wird ja da jetzt so hingesetzt, vergast, abgeschleppt.
Florian Clauß
0:48:59–0:49:04
Und dann kommen halt so Helfertypen, die dann halt in so Vollschutzanzügen sind
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und tragen ihn da raus und das ist schon sehr bitter an der Stelle.
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Willa, die die Beziehung zu ihrer Mutter auf ihr lastet, dass die sich nie gemeldet
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hat, es gibt auch dann so ein offenes Ende, der Bob übergibt ihr dann einen Brief,
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der von ihr kommt, wo ich mir nicht sicher war, ob der tatsächlich die ganze
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Zeit da war oder ob er den selber geschrieben hat.
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Das ist nicht ganz klar, um halt auch da diesen Kontakt dann wieder herzustellen
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beziehungsweise irgendwie abzuschließen, was mit der Mutter ist.
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Weil sie natürlich als Verräterin voll aus diesem ganzen Netz der Organisation geflogen ist.
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Und das bringt aber auch Villa als Personenfigur zu sich selbst mehr.
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Eine der letzten Einstellungen ist dann halt, dass sie das Auto nimmt,
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was dann auch vorher schon so ein Knackpunkt war, ob sie schon fahren darf.
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Aber sie hat quasi das Auto als Waffe eingesetzt in dieser legendären Szene.
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Und sie meinte, sie fährt jetzt zum nächsten Ort, da gibt es halt eine Demonstration,
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da würde sie sich gerne beteiligen.
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Also sie fängt dann quasi mit dem politischen Leben an an der Stelle.
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Und nimmt auch diesen Kampfgeist von ihrer Mutter mit.
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Also man merkt schon, dass sie da die Welt bewegen möchte.
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Ja, so hört der Film auf, oder?
Micz Flor
0:50:26–0:50:31
Das ist die letzte Einstellung, dass sie losfährt. Und die Frage,
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dann kommt der Abstand, weiß nicht mal, was da ist, aber die Frage,
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die sich dann eben ergibt, ist, was...
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Also gibt es was, was dieser Film uns sagen will?
Florian Clauß
0:50:41–0:50:44
Das sagst du jetzt so abschließend im Film, oder?
Micz Flor
0:50:44–0:50:47
Also es gibt, finde ich, zwei Ebenen, wie man so einen Film sich angucken kann.
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Das eine ist, unabhängig davon, wie das jetzt inszeniert und dies und jenes,
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so in der Summe gibt es her als eine Allegorie auf etwas anderes,
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verweist es auf irgendwas, gibt es uns, wie man früher sagt,
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so die Moral von der Geschichte mit?
0:51:01–0:51:03
Gibt es da eine klare Botschaft in dem Film?
Florian Clauß
0:51:03–0:51:04
Pragst du mich?
Micz Flor
0:51:04–0:51:08
Das wäre so eine Frage, die ich mir selber gestellt habe. Ich konnte sie mir nicht beantworten.
0:51:08–0:51:13
Also ich hatte, ja, also da kommen wir jetzt sozusagen in Anführungszeichen die Interpretation.
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Und da kann ich sagen, ich kann gar nicht so viel interpretieren,
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weil mir das so ein bisschen gefehlt hat, so die Botschaft.
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Und das klingt jetzt vielleicht ein bisschen platt, dass mir das so gefehlt
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hat. Ich habe es aber wirklich nicht herstellen können.
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Und dann ist die Ebene dahinter natürlich, hat mir der Film gefallen oder hat
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er was mit mir gemacht? Oder was nehme ich da von dem Film mit?
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Und da weiß ich noch, bin ich aus dem Kino gegangen, hab dann irgendwie gedacht, hm,
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Ist jetzt gerade nicht so viel. Müssen wir mal gucken, ob ich in zwei Tagen,
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manchmal dauert es ja ein bisschen, dann gibt es bestimmte Filme,
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die bleiben bei einem, aber die kommen erst so ein bisschen verzögert.
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Aber bei dem, da habe ich gar nicht mehr so viel dran gedacht,
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bis du es dann gesagt hast, dass du den nochmal angeschaut hast.
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Das ist jetzt sozusagen meine sehr emotionslose, neutrale Rücksicht.
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Aber ich möchte damit nicht dein Feuer nehmen, den Film gut zu finden,
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weil du fandst ihn ja sehr gut.
Florian Clauß
0:52:09–0:52:13
Fand ihn sehr gut, ja. Ich meine, klar, die Fragen, die du gestellt hast,
0:52:13–0:52:15
ich habe dann auch von Wolfgang M.
0:52:15–0:52:18
Schmidt die Filmanalyse dazu gehört.
Micz Flor
0:52:18–0:52:19
Wer ist das? Kenne ich den?
Florian Clauß
0:52:19–0:52:24
Den habe ich schon ein paar Mal zitiert. Also der macht die Filmanalyse,
0:52:24–0:52:29
macht auch mit dem Stefan Schulz den Podcast 29er.
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Mag ich sehr.
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In der Filmanalyse hat er dann auch sich die Frage gestellt,
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ist das ein politischer Film? Eher nein.
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Der Film wurde dann so vermarktet, als der Film, den Trump nicht sehen möchte.
0:52:44–0:52:48
Er hat so bewusst das linke Publikum von Amerika ansprechen wollen.
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Ich finde aber, es ist nicht wichtig bei dem Film.
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Ich glaube, da ist er wirklich so im Erbe der Postmoderne. Das ist halt,
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Eigentlich die Geschichte völlig willkürlich ist, dass das nicht so klar ist, was erzählt wird.
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Es sind so ganz viele Stränge, die da erzählt werden, aber es gibt nicht das
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Narrativ, das Übergeordnete und so.
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Es gibt schon so Stränge, die dann, ja, eine Aussage fehlt schon so.
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Deswegen ist man da nicht so nachhaltig bewegt aus dem Film.
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Aber ich fand das halt in seiner Art, in der Leichtigkeit, wie er dann halt
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die Erzählung macht und in die Geschichte von Vater-Tochter-Beziehung und vor
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allem diese großartige, dass man das noch machen kann,
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eine Verfolgungsjagd in der Wüste, die dann wirklich.
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In dieser Form alles zuvor Produzierte noch mal so in den Schatten stellt, ja.
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Das ist schon sehr bemerkenswert. Der Film ist in einem Format gedreht worden,
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also in 35 Millimeter Vista Vision,
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was seit den 1960er, damit wurde auch kein Film mehr gedreht,
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also über 80 Prozent der Szenen sind halt in 35 Millimeter gedreht worden in Analogfilm.
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Weil es auch ungewöhnlich ist. Aber gerade diese Wüstenszenen hat schon so eine
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ganz eigene Materialität.
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Und insofern ist das für mich ein guter Film, weil ich mich unterhalten habe.
0:54:25–0:54:32
Also ich fand, da war jetzt, wie hast du es gerade gesagt, was möchte mir der Film erzählen?
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Ich glaube auch, gerade diese Beiläufigkeit von Erzählungen,
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diese Geschichten, die dann so vor sich hin stolpern und irgendwo hinführen.
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Mehr aus Zufall als dann halt wirklich aus so einer intrinsischen Motivation heraus.
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Das ist doch genau so, wie man dann halt auch das Leben so sehen kann.
Florian Clauß
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Deswegen konnte ich da jetzt gut was mit...
Micz Flor
0:54:55–0:54:58
Ja, weiß ich nicht. Also da wäre ich, vielleicht habe ich, ich habe mich gefreut
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auf den Film. Ich war bereit, ihn zu mögen.
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Ich habe ihn, wie du gesagt hast, schon auf Deutsch gesehen, nicht auf Englisch.
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Aber ich glaube wirklich, dass das keinen großen Unterschied gemacht hat.
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Aber wenn es dann wirklich so beliebig ist und man setzt sich dann ins Kino,
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dann sagt man erst Mittag, egal was jetzt kommt, es kann ein Film sein über
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das faschistische Militär in Amerika und Roadmovie oder ein Film über das Leben
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der Maulwürfe in Brandenburg oder ein Film,
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keine Ahnung, über ein Musical über Snowboarding.
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Wenn ich die gleiche Unterhaltung rauskriege, ist es mir inhaltlich völlig egal.
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Ich glaube, das kann man, also das kann ich zumindest nicht einfach so stehen lassen.
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Da denke ich dann schon, dass ich, ich wurde gut unterhalten.
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Das kann ich nicht so einfach stehen lassen, weil ich finde es ja nicht beliebig,
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worum es geht inhaltlich.
Florian Clauß
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Nein, natürlich nicht, aber in dem Rahmen. Also diese ganzen Erwartungshaltungen,
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die man dann hat, wenn es darum geht, Das ist halt so eine linke Terrororganisation in Amerika.
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Wenn wir jetzt die anderen Filmproduktionen, die da auch zu der Zeit rausgekommen
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sind, zum Beispiel von Ari Aster
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Eddington, wo es dann halt auch so diese Dios Ex Marina Antifa kommt.
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Ja, das ist halt so. Ich glaube, das ist schon gerade auch so eine Frage in
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Amerika, was bedeutet linke Politik.
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Das finde ich schon irgendwie ganz gut gelöst, weil irgendwo kann man sich ja
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auch dann als derjenige, der dann dort lebt und auch eine andere politische
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Meinung haben, kann man sich ja da auch wieder so wiederfinden, mehr oder weniger.
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Also jetzt nicht in so einer Organisationsform, aber zumindest wird es ja dann angeboten.
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Und das Angebot kann man annehmen, aber gleichzeitig, das was ich meine mit
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der Willkürlichkeit, ist eher dieser Cone-Politik.
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Brothers-Effekt, ja.
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Dass diese Hauptfigur dann so irgendwie durch so einen Stolpern dann doch zu
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so einer Heldenfigur wird, ja.
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Also so irgendwie so reinrutscht und dann runterrutscht und dann auf einmal
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doch irgendwie mit dem Gewehr auf der Schulter dann da liegt und den Schrucken dann im Visier hat, ne.
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Also irgendwo passiert dann eine Entwicklung. Und die Tochter,
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die dann halt am Anfang eher so ein schüchternes Highschool-Mädchen ist,
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dann auf einmal so einen unglaublichen Plot hat, das Auto als diese Waffe,
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wie ich schon gesagt habe, einzusetzen.
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Das ist für mich dieser ultimative Hitchcock-Effekt.
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Und diese Mischung der Genres, also dem Thriller, dem Roadmovie,
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hin zu einer Romanverfilmung oder halt auch so ein Slapstick-Momente dabei hat.
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Ich finde diese Mischung total gut. Der Film ist recht lang.
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Ich glaube, knapp drei Stunden, 165 Minuten oder so. Und ich fand,
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ich habe die Zeit jetzt nicht so lang erlebt, als ich im Kino drin war. Also es war schon lang.
Micz Flor
0:58:03–0:58:09
Es fiel mir wirklich schwer. Ich habe keine wirkliche Beziehung zu den Personen aufbauen können.
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Ich habe das am deutlichsten gemerkt, als das Teenage-Mädchen auf dem Stuhl
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gefesselt war und ich nicht.
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Mich gefragt habe, oh Gott, wie schafft ihr es da raus? Wie kommt ihr raus im Himmelswild?
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Der Film hat nichts in mir ausgelöst, wo ich so mitgefiebert habe.
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Ich fühlte mich da wirklich nicht gut begleitet.
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Das liegt sicherlich eben an
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mir, anderen ging es anders. Aber für mich war es so, meinte ich ja vor.
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Also auf so einer Metaebene gibt es da eine Allegorie, irgendeine Botschaft oder so.
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Dann kann ich schon verstehen, dass da, nee, ich weiß nicht,
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was die Botschaft sein soll. Weil auch diese Terrorzellen-Agitation mit den Raketendingern und so.
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Also Leonardo DiCaprio kommt mir von Anfang an wie jemand vor,
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der irgendwie überfordert ist und irgendwie da auch vielleicht nur drin ist,
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weil er sich verknallt hat in die Führerin. Das wird mir nicht wirklich klar.
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Aber die brauchen ihn auf alle Fälle, weil er halt diese eine tolle Sache kann, Bomben bauen.
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Dass er dann später eben auch immer überfordert bleibt, dass er...
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Ich fand es mir teilweise zu Slapstick-mäßig. Nicht ernsthaft.
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Also auch Leonardo DiCaprio guckt die ganze Zeit irgendwie mit so aufgerissenen
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Kifferaugen und nach links und nach rechts und runter, versteck dich hoch und spring.
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Und das ist wie so, wie Tom und Jerry. Wie wenn Tom in die Enge getrieben wird
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von der Maus und dann irgendwie so rumrennt.
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Ich fand es nicht lustig. Und mit der Szene, was du meinst, mit diesem Showdown,
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mit diesen Hügeln, die Autos und rauf und runter, rauf und runter.
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Hat auf alle Fälle einen cineastischen Effekt, dass man ähnlich wie so das typische
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Bild in Horrorfilmen oder in Traumsequenzen, wenn Leute auf diesem Karussell
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mit so Pferden sitzen, die so hoch und runter gehen.
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Es wird dann gefilmt und dann kann man da ganz viel inszenieren und es macht
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was mit dem Unbewussten.
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Dann wird so eingelullt und gleichzeitig wird man hoch alarmiert.
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Das ist da auch passiert aber es war mir irgendwie zu viel das war irgendwie,
1:00:13–1:00:18
ich weiß auch nicht ich hab gedacht so, ja, I got it also ich meine.
Florian Clauß
1:00:18–1:00:22
Ja, das ist mit dem hoch und runter, es hat was total hypnotisches in dem Moment
1:00:22–1:00:27
für allen Nullen das, aber gleichzeitig bist du halt irgendwie so im klimatischen
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ganz oben, ne und ich finde, da ist es halt wieder so dieser.
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Roadmovie Aspekt dass du auf einmal oder überhaupt dieser Hitchcock dass dann
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halt auf einmal die Topographie, also das Gelände selber mit seinen Unebenheiten,
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Das wird die dramaturgische Spannung. Und das, ich finde es auf so einer Ebene,
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das, was Hitchcock halt gemacht hat, zu Genüge.
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Das ist halt so mit der unsichtbare Dritte und so weiter.
1:01:00–1:01:02
Oder Spielberg mit Duell.
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Dass du dann dieses Climax dann wieder in so einer epischen,
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topografischen Erzählung drin hast.
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Und dass dann halt der Hügel dann selber zum Cliffhanger wird.
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Zu dem Plotpoint und da, wo dann eben das Böse gestoppt werden kann.
1:01:20–1:01:27
Und das finde ich halt so großartig, dass man da nochmal so diese ganz Oldschool-Geschichten so umgesetzt hat.
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Und gleichzeitig diese cineastische Erfahrung dann auch so haben kann.
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Und das finde ich dem Film ganz toll gelungen, das muss ich sagen.
1:01:38–1:01:42
Und ja, diese Willkürlichkeit, das wollte ich auch nochmal, das ist,
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glaube ich, so diese Romanvorlage, die dann halt auch von Wineland,
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wo diese Pünschengeschichte, ist ja auch so der Lockjaw.
1:01:52–1:01:57
Also das haben wir jetzt in dem Film nicht unbedingt so. Es gibt schon so klassische
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dramaturgische Bögen, die da gespannt werden und auserzählt werden.
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Man ist bei den Figuren dabei und so weiter, aber in einem Roman in Wineland
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gibt es ja auch so einen Staatsanwalt, der dann halt die Tochter beseitigen möchte.
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Und der wird dann halt einfach so, weil ihm das Budget ausgeht, verschwindet der.
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Das heißt, mitten in dem höchsten dramaturgischen Moment ist er halt nicht mehr da.
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Das, was es halt irgendwie so eine Postmodern macht. Du kannst halt einfach
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so, nö, jetzt geht die Geschichte hier lang und es macht nichts.
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Das ist halt schon so dieser postmoderne Moment, den ich dann auch wieder bei den Filmen dann so sehe.
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Weil ja auch die Kamera, es gibt viele Dialoge, es gibt viele so Innenräume und so weiter.
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Also wie dann halt auch inszeniert wird und wie die Dialoge inszeniert.
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Das ist halt auch nicht so ein klassischer Actionfilm, sondern der ist irgendwo
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in between und wirkt dann so nach, aber auch auf so eine amüsanter Art.
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Und der hat mich halt einfach so in so eine amüsante Schwingung versetzt.
Micz Flor
1:03:04–1:03:09
Ich hatte immer das Gefühl im Film, wie wenn man auf so eine Rennradschaltung
1:03:09–1:03:16
fährt, die nicht gut eingestellt ist, man immer dann so zwischen den Ritzeln hin und her springt.
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Dass man nie so richtig endlich mal Gas geben kann. Die ganze Zeit immer so
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ein bisschen mit Vorbehalt, weil gleich wieder hinten die Kette kracht.
1:03:25–1:03:31
So habe ich den erlebt. Wenn man darf, sich das politisch anzugucken,
1:03:31–1:03:34
also ist mir jetzt nicht ganz klar, ob das nicht mehr erlaubt ist.
Florian Clauß
1:03:35–1:03:40
Da postmodern ist? Nee, klar. Ich meine, der Film will ja das.
1:03:40–1:03:44
Also der will ja schon... Weil es ist eben auch in dieser Zeit.
Micz Flor
1:03:44–1:03:49
In der Zeit, in der es martialische, militärische Mächte der Regierung irgendwie
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in Amerika auch in die Communities irgendwie einbrechen, da kann man nicht umhinder,
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irgendwie drüber nachzudenken, was das über die jetzige Zeit sagen möchte oder nicht.
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Da ist halt, wenn ich das nochmal so kurz zusammenfassen kann,
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Und es ist ja dann so, dass das Militär voll alarmiert ist, um halt diese Terrorzelle
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jetzt endlich nach 18 Jahren auszuheben.
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Die haben alle Spuren, die haben alles gefunden, die haben auch welche dann eingesperrt.
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Und Lockjaw wird dann angeschossen, überlebt. Und dann springen wir halt irgendwie
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in die Zukunft, in der verheilt ist und der alles andere ist.
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Und ich frage mich, was genau möchte ich jetzt mit diesem Ende tun?
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Also der Papa hat mit der Mama eine Terrorzelle.
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Die in Kauf genommen hat, Menschen umzubringen, die mit Bomben und Raketen und
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Waffen, geladenen Waffen, irgendwie losgerannt sind, ohne genau wissen zu können,
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ob sie das benutzen oder nicht und was passiert oder nicht, weil die politisch was bewegen wollten.
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Die Tochter muss das alles erstmal irgendwie schlucken. Und dann gibt es zum
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Schluss ein Happy End, wo der Papa und die Tochter in dem gleichen Haus wohnen,
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was alle jetzt irgendwie schon kannten.
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Und dann die Tochter sagt, oh Papa, da ist eine Demo, darf ich da hingehen?
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Na klar, hier sind die Autoschlüssel, klick.
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Und er bräuchte nur noch sagen, und sei bitte aber um 19 Uhr zum Essen wieder zurück.
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Und dann fährt sie halt so los und der Kapitalismus der protestantischen Kirche
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bringt halt diese Militärs um, weil die Widerstands irgendwie nicht geschafft hat.
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Und das kann es aber doch irgendwie nicht sein. Also es kann ja nicht sein,
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das ist doch eher so ein Matrix-Moment, dass die Leute, die aus der Maschine
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ausgebrochen sind, um was zu verändern,
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dann sich wieder eingliedern in die Maschine und die Tochter fährt wie in einer
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Volkswagen, so einem Volkswagen-Auto-Clip.
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Sich zu zeigen, um gegen Politik zu demonstrieren, die gemacht wird oder so.
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Das geht irgendwie vorne und hinten für mich nicht auf.
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Die sind diese Terrorzelle des Militärs alarmiert, aber weil der jetzt dann
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ins Gesicht geschossen bekam und dann vielleicht entlassen wurde, ist das alles weg.
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Und alle können wieder komplett mit Handy an.
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Und ich habe gerade einen Text bekommen. Ich gehe jetzt auf eine Demo.
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Das fand ich einfach so, das gehörte gar nicht mehr dazu. das fühlte sich an
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wie vier Jahre später noch nachgedreht, damit die Zuschauerzahlen hochgehen.
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Ich fand's wirklich, du merkst, ich war regelrecht empört.
Florian Clauß
1:06:37–1:06:39
Ja, ja, aber ich finde,
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Da bist du vielleicht ein bisschen streng der Geschichte gegenüber.
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Die Figuren haben halt diese Heldenreise abgeschlossen. Wenn wir jetzt wieder
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bei diesem Motiv der Heldenreise bleiben.
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Was kann die Tochter denn noch krasseres in ihrem Leben machen,
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als sich selbst eben zu befreien und dabei ihren Peiniger zu töten? Das geht ja nicht mehr.
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Und das ist so ein bisschen wie bei Herr der Ringe. halt dann...
Micz Flor
1:07:08–1:07:12
Ich wollte auch gerade sagen, so ein bisschen wie Frodo, weil der dann bei den Elfen abhängt und sagt.
Florian Clauß
1:07:12–1:07:14
Ey Leute, jetzt muss ich hier mein Buch schreiben.
Micz Flor
1:07:14–1:07:15
Das ist so langweilig.
Florian Clauß
1:07:15–1:07:18
Jetzt habe ich... Ich kann nicht mehr.
Micz Flor
1:07:18–1:07:19
Ich muss jetzt mit den Elfen aufs Boot.
Florian Clauß
1:07:19–1:07:24
Da gibt es duty-free-shopping. Er schreibt, oder wie Sam, die sind dann halt
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wieder im Auenland, die haben dann halt wieder ihre Pfeife im Mund und können
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ihre Feste feiern und können dann halt so, okay,
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so im Kleinen kannst du halt jetzt wieder so ein bisschen Politik machen. Das ist in Ordnung.
1:07:36–1:07:39
Und ich finde, das ist durchaus legitim, nach so einer hellen Reise dann halt
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auch so ein Happy End zu machen, was dann halt total langweilig ist,
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ja, von der Sache her. Also ich finde, das ist in Ordnung.
Micz Flor
1:07:48–1:07:52
Gut, also mich hat sich, das glaube ich dir.
Florian Clauß
1:07:52–1:07:56
Ich überlege, was ist vergleichbar mit Anna, aber viele Filme führen auch zu
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einem gewissen harmonischen Ende, wo man dann auch den Zuschauer so entlassen
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kann, okay, das ist alles wieder im Lot, im Gleichgewicht.
1:08:06–1:08:10
Das hatte ich dann eben empört. Das war dir einfach zu weit draußen.
Micz Flor
1:08:11–1:08:14
Es gab aber noch so eine andere Sache, da würde mich interessieren, wie das für dich war.
1:08:15–1:08:21
Als dann eben diese Nonnen mit den Maschinengewehren in diesem Kloster in der Wüste auf einmal,
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auftraten und die waren halt alle so kompletter klischeehafte Nonnenkostümen so und alles nur Frauen.
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Das war irgendwie so ein Tarantino-Moment. Also da hätte man sich vorstellen
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können, so wie die Uhr, wie die Uhr bei Pulp Fiction oder irgendwie kam auf
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einmal so was rein, wo es so völlig verquer ging und irgendwas sich öffnete.
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Das war mir dann irgendwie zu gewollt.
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Das war irgendwie zu, es war so unerwartet, dass es schon wieder erwartbar war.
1:08:52–1:08:53
Ich habe nicht erwartet, dass das jetzt so kommt.
Micz Flor
1:08:54–1:08:57
Aber es hat auch nichts mit mir gemacht. Irgendwie hatte der Film mich da scheinbar
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schon verloren. Ich fand sie nicht so glaubwürdig.
Florian Clauß
1:09:00–1:09:03
Ja, naja, glaubwürdig ist ja schwierig.
Micz Flor
1:09:03–1:09:07
Ja, genau, glaubwürdig nicht, aber glaubwürdig im Rahmen der Geschichte,
1:09:07–1:09:08
im Rahmen dieses Worldbuilding.
Florian Clauß
1:09:09–1:09:12
Ja, ich meine, das ist halt so diese Übertreibung, die dann halt aber auch schon
1:09:12–1:09:15
so die ganze Zeit dann dabei war.
Micz Flor
1:09:15–1:09:18
Wie ist das jetzt, wenn du mich so hörst, ist es so, dass du...
1:09:18–1:09:20
Den Film beschützen möchtest?
Florian Clauß
1:09:20–1:09:26
Ich glaube, es ist eine andere Position. Also das, was bei dir dann eventuell
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diese Empörung ausgelöst hat,
1:09:29–1:09:33
kann ich nur so bedingt nachvollziehen, weil der ganze Film hat für mich schon
1:09:33–1:09:35
von vornherein so eine Haltung angenommen.
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Also das war ja auch recht flachs, dass sie dann halt irgendwie so da mal einen
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Bombensatz gelegt haben und dann weiter und hier noch.
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Das war ja alles so konsequenzlos.
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Also ein bisschen auch Comic-Relief-mäßig.
Micz Flor
1:09:51–1:09:57
Ja, eben. Der eine, der so ein Piratenradio gemacht hat, der wurde dann so hochgenommen vom Militär.
1:09:57–1:10:02
Und dann sind die beiden Kinder so hin und haben dann so Warnungen über das Radio noch gesagt.
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Und der wird dann verhört und macht es halt erst mal so ganz cool.
1:10:07–1:10:11
Aber du merkst halt einfach, da ist schon ein unfassbar brutaler,
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strenger und so ein Arm des Militärs, der ihn so umklammert hat.
1:10:17–1:10:20
Ich fand das sehr brutal und sehr bedrohlich.
Florian Clauß
1:10:20–1:10:21
Dieses Film.
Micz Flor
1:10:21–1:10:25
Und jetzt nicht so, dass man sagen könnte, das Geschichtchen erzähle ich mal
1:10:25–1:10:27
hier noch ein bisschen und da noch ein bisschen.
1:10:27–1:10:30
Deshalb habe ich, glaube ich, auch das so gefühlt.
Florian Clauß
1:10:31–1:10:32
Okay, verstehe.
Micz Flor
1:10:32–1:10:36
Wir gehen jetzt hier nochmal am See lang. Magst du noch die ganze Runde laufen
1:10:36–1:10:40
oder hast du noch ein Ziel in Sicht? Weil wir kommen da nicht mehr weg da vorne.
Florian Clauß
1:10:40–1:10:44
Ich glaube, wir können auch abschließen. so, weil ich meine,
1:10:44–1:10:50
ich will jetzt nicht nochmal irgendwie so in die ganze Kriterien von postmoderner
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Literatur einsteigen, was man dann auch rausziehen kann bei Weinland.
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Das braucht man jetzt nicht unbedingt zu machen.
Micz Flor
1:10:57–1:11:00
Aber das ist was, was ich wirklich jetzt auch so mitgenommen habe von deinen
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Erzählungen, dass ich dieses, sagt jemand, dass dieses...
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Ich möchte das Buch nochmal lesen. Das habe ich irgendwie mitgenommen.
Florian Clauß
1:11:10–1:11:17
Ja, also vielleicht noch diesen Aspekt zu erwähnen, das, was dann auch Kritiken von Wineland.
1:11:18–1:11:21
Was da auch nochmal so gesagt wurde, das finde ich auch ganz interessant,
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nämlich was Pünzchen mit dem Roman macht, ist im Prinzip die Dekonstruktion so großer Erzählungen.
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Also das ist auch so ein Merkmal von postmoderner Literatur.
1:11:33–1:11:34
Große Erzählungen sind.
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Das ist eine Figur, tritt auf und sagt, okay, ich komme aus dem Sezessionskrieg.
1:11:41–1:11:46
Und dann wird auf einmal okay, oder aus der Revolution oder aus den 68ern,
1:11:46–1:11:49
dann wird auf einmal, es gibt so ein offizielles.
1:11:49–1:11:55
Narrativ, eine offizielle Geschichte, Erzählung. Wenn man damit eine Figur verknüpft,
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dann sagen alle so, okay, ich weiß, was die Figur durchlitten hat.
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Und das, was aber Pönchen macht, ist halt diese ganze 68er total zu dekonstruieren
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und diese ganzen Traumata und diese ganzen unaufgearbeiteten Beziehungen und so weiter in den 68ern,
1:12:13–1:12:18
die werden dann auch jetzt mal so zu der Hauptgeschichte gemacht.
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Deswegen diese Thanadoiten-Gesellschaft, oder wie die heißt,
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als das Verdrängte der 68er dann auch auftreten.
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Dass es nicht mehr so diese Main-Erzählung ist, wo jeder dann halt,
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ich muss es dann nur in zwei Sätzen anreißen, damit habe ich meinen ganzen Background
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der Figur, da geht er halt rein und guckt, das ist nicht mehr verlässlich,
1:12:38–1:12:40
die Erzählung, die ich da kenne.
1:12:40–1:12:45
Und das finde ich halt schon auch spürbar in der filmischen Umsetzung.
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Dass der dann so ein bisschen diese ganzen Erzählungen, die man so hat.
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Ja, so dann im Detail auflöst und dass es nicht mal so diese tragenden Sachen
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sind, auf die man sich so verlassen kann, sondern dass es dann doch anders kommt.
1:12:59–1:13:01
Und das, finde ich, bringt der Film schon rüber.
Micz Flor
1:13:02–1:13:06
Das stimmt, aber da war es dann für mich in dem Film mehr als in dem Buch,
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Eine eindeutige Positionierung von Gut und Böse.
Florian Clauß
1:13:10–1:13:10
Ja, das stimmt.
Micz Flor
1:13:10–1:13:15
Und das ist im Buch eben nicht so. Also da hast du wirklich das Gefühl,
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dass viele Grenzen durch alle Charaktere durchgehen und du nie genau weißt,
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um welchen Teil es gerade geht.
Micz Flor
1:13:23–1:13:30
Aber im Film war es so, Folge der Macht, Luke. Also es war so die gute Seite und die böse.
Florian Clauß
1:13:30–1:13:34
Das ist richtig, das habe ich auch schon beim Aussprechen.
1:13:35–1:13:39
Kannst du auch auf den Film anwenden. Musst du dir das schon im Kopf relativieren,
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weil der ja schon sehr stark nach diesen dramaturgischen Mustern funktioniert.
Micz Flor
1:13:43–1:13:46
Ja, ein Film. Ich finde es gut, dass wir den besprochen haben,
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weil irgendwie habe ich mit noch niemandem drüber gesprochen.
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Insofern war es auch mal ganz gut zu merken, dass ich da wirklich so eine Empörung
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hatte, die andersrum natürlich ein Lob an den Filmemacher ist und sein Body
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of Work, dass ich halt einfach gedacht habe,
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das wird vielleicht episch und bleibend sein.
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Das habe ich aber dann leider nicht erlebt und da war ich vielleicht ein bisschen zu sehr enttäuscht.
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Wie so das Band-Album, was einem dann nicht gefallen hat, aber man liebt die
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Band so sehr, dass man es richtig schlecht fand.
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Bei anderen Bands war es jetzt nicht so wichtig, wenn mal ein schlechtes Album
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kam. Weißt du, wie ich meine?
Florian Clauß
1:14:27–1:14:35
Nee, gut, aber Anderson macht halt teilweise großartige Filme und vielleicht andere, die man dann,
1:14:36–1:14:39
nicht so groß hat, aber es ist halt irgendwie ein Künstlerleben.
Micz Flor
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Ja, aber wenn du dann 20 Millionen ausgibst für Leonardo DiCaprio und dann aber als,
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er ist ja ein Actor-Director, er arbeitet ja gut mit SchauspielerInnen,
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aber wenn er es dann nicht schafft, dem ein zweites Gesicht zu geben,
1:14:55–1:14:58
sondern nur dieses eine überfordert, also er hatte,
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bevor wir ihn als Kiffer kennenlernen, hat er ein ähnliches Gesicht.
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Er wirkt ein bisschen überfordert, aber er ist konzentriert und fokussiert.
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Das ist dann 18 Jahre vorher. Und danach hat er nur noch dieses Gesicht von Augenbrauen hoch.
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Fert links, fert links. Also das, da hat mir einfach da war,
1:15:17–1:15:20
der hat kein Story-Development oder kein Charakter-Development erlebt.
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Der ist einfach da so durchgekifft.
Florian Clauß
1:15:22–1:15:25
Ja, muss er nicht. Ich finde, muss er nicht. Der funktioniert halt so.
1:15:25–1:15:30
Während John Penn ist halt so, auch der hat sich ja nicht großartig entwickelt.
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Die funktionieren einfach in der Mimik. Diese Präsenz und Intensität und das,
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was du sagst mit dem Eck da, Regisseur, finde ich völlig aufgelöst.
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Also finde ich total okay.
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Da kann ich nichts dazu sagen, kritisieren.
Micz Flor
1:15:49–1:15:50
Brauchen wir auch nicht.
Florian Clauß
1:15:50–1:15:55
Nee, wir sind auch jetzt ganz schön lang übers Land gegangen.
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Es ist dunkel. Ich versuche nochmal hier so eine Nachtaufnahme zu machen.
Micz Flor
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Ja, das musst du mit deiner Kamera machen.
Florian Clauß
1:16:01–1:16:06
Weil wir sind auch in verschiedenen Weihnachtsmarkten dann doch vorbeigekommen
1:16:06–1:16:09
hier, ne? Im Brandenburger Land. Oh, ich habe mir einen Blitz fotografiert.
Micz Flor
1:16:09–1:16:12
Kann auch gut aussehen, aber dann sieht es ja aus wie...
Florian Clauß
1:16:12–1:16:13
Blitz aus und Nachtmodus an.
Micz Flor
1:16:14–1:16:14
Jetzt ist es an.
Florian Clauß
1:16:15–1:16:21
Okay, ich habe still gehalten. Ja, ich hoffe, ihr habt auch ein bisschen was mitgenommen.
Micz Flor
1:16:21–1:16:25
Auch still gehalten. Ja, vielen Dank fürs Zuhören.
1:16:25–1:16:32
Die Route, die uns von Werneuchen über die Felder an den Haussee von Seefeld
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getrieben hat, die findet ihr auf eigentlich-podcast.de.
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Die Fotos, wie zum Beispiel eben das gerade, was so dunkel ist,
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dass Flo zwei Sekunden stillhalten musste.
Micz Flor
1:16:43–1:16:50
Drei sogar? Krass. Jetzt wisst ihr auch, was er für ein Telefon hat. Ja, tschüss, oder?
Florian Clauß
1:16:50–1:16:55
Ja, genau, dann sagen wir tschüss. Bis zum nächsten Mal. Ja,
1:16:55–1:16:57
in 14 Tagen. Tschüss. Tschüss.
Verwandte Episoden
Mit „One Battle After Another“ legt Anderson nun seinen teuersten und kommerziell erfolgreichsten Film vor, eine wilde, fast dreistündige Odyssee durch das amerikanische Unbewusste. Der Film präsentiert sich als Action-Thriller, Kiffer-Komödie und politisches Pamphlet zugleich, doch am Ende ist er vor allem eines: eine grandiose Verfolgungsjagd durch die Topographie der Geschichte.
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Transgenerationales Trauma als Fluchtbewegung
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Aus diesem Trauma erwächst die zentrale Bewegung des Films: die Flucht. Was als politischer Thriller beginnt, verwandelt sich unweigerlich in ein Roadmovie, das seine Figuren durch die staubigen Landschaften Kaliforniens hetzt. Doch anders als im klassischen Roadmovie geht es hier nicht um die Suche nach Freiheit, sondern um die schiere Notwendigkeit des Überlebens. Die offene Straße ist kein Versprechen, sondern eine Todeszone.
Klimax als Topographie: Die Wüste sieht dich an
Jeder große Film von Paul Thomas Anderson hat seinen Moment, in dem er über sich hinauswächst und zu reinem Kino wird – die brennende Ölquelle in „There Will Be Blood“, der Kleider-Showdown in „Der seidene Faden“. In „One Battle After Another“ ist dieser Moment eine schier atemberaubende Verfolgungsjagd durch die Hügel des Anza-Borrego Desert State Park. Gedreht von Michael Bauman in dem flirrenden, ultra-breiten VistaVision-Format, das seit den 60ern kaum mehr für Hauptaufnahmen genutzt wurde, wird die Landschaft selbst zum Protagonisten.
Drei Autos jagen über eine schmale Asphaltstraße, die sich wie eine Achterbahn über unzählige blinde Kuppen windet. Anderson und Bauman inszenieren dies nicht als reines Spektakel der Geschwindigkeit, sondern als ein brillantes Spiel mit Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Die vertikale Bildkomposition macht die Topographie zum eigentlichen Gegner. Jeder Hügel ist eine Wand, die den Blick auf das Kommende verstellt. Was verbirgt sich dahinter? Ein entgegenkommendes Fahrzeug? Eine Falle? Das Nichts? Das Sehen selbst wird zur Anstrengung. Unsere Augen, gereizt durch wechselnde Brennweiten, müssen sich entscheiden, wohin sie blicken, müssen das Bild abtasten, antizipieren, scheitern.
Trotz dieser Momente filmischer Brillanz nagt die Frage nach der politischen Substanz. Der Film greift die brennenden Themen der Gegenwart auf – die brutale Antimigrationspolitik von ICE, den Rechtsruck, die Bildung paramilitärischer Milizen –, behandelt sie jedoch als pittoreske Kulisse. Vor dem Hintergrundrauschen von institutionalisiertem Rassismus dürfen sich Stars wie DiCaprio und Penn austoben. Kein einziger der gefangenen Einwanderer erhält eine Stimme. Die politischen Ziele der Revolutionäre bleiben leere Schlagworte.
Der Staat selbst ist eine Leerstelle. Wir erfahren nichts über die Regierung, die diese Zustände ermöglicht. Stattdessen werden die Rechten als überzeichnete Karikaturen inszeniert, was es dem liberalen Zuschauer allzu leicht macht, sich zu distanzieren. Der Film kritisiert nicht die Mitte der Gesellschaft, die diese Politik toleriert oder gar fordert, sondern nur die schrillen, lauten Extremisten. Das, so könnte man sagen, ist seine eigentliche postmoderne Geste: Er ist voll von politischen Zeichen, aber die bezeichnete Realität dahinter bleibt diffus.
So ist „One Battle After Another“ ein paradoxes Werk: ein Film, der politisch sein will, aber vor der Politik flieht. Ein Film, der die Revolution im Titel trägt, aber ihr Scheitern zelebriert. Ein Film, der als Ganzes vielleicht nicht gut ist, aber Momente enthält, die zum Besten gehören, was Kino sein kann. Er endet mit einer vagen Hoffnungsschleife – Willa zieht zu einer Demonstration –, die wirkt wie ein nachträglicher Versuch, dem Ganzen doch noch einen Sinn abzuringen. Aber die eigentliche Wahrheit des Films liegt nicht in diesem angehängten Epilog, sondern im Staub der kalifornischen Wüste, in der atemlosen Hast über die Hügel, in der Erkenntnis, dass die nächste Schlacht immer schon wartet. Und die übernächste auch…
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