"Sexualität bestimmt nicht das ganze Leben [...], weshalb ich den Begriff der Triebenergie durch den Begriff der Sozialenergie ersetzt habe." - Günther Ammon, 1982

In dieser Folge zeichnet Micz die Wandlung der "psychischen Energie" von einem intrapsychischen Phänomen zu interpersonellen und gruppenbezogenen Prozessen nach. Was treibt Menschen innerlich und gesellschaftlich an? Die Antwort darauf hat sich im Laufe von mehr als hundert Jahren verändert. Ausgangspunkt ist Sigmund Freuds Libidotheorie: zunächst als sexuelle Triebenergie gedacht, später erweitert zu einer allgemeinen psychischen Energie und schließlich im zweiten topischen Modell mit Ich, Es und Über-Ich neu verortet, auch im Dialog mit der Ich-Psychologie um Heinz Hartmann. Doch es bleiben Fragen offen. Der Psychiater und Psychoanalytiker Günter Ammon zieht daraus eine radikale Konsequenz und ersetzt die Triebtheorie als Motor der Psyche durch das Konzept der Sozialenergie: psychische Energie entsteht nicht primär aus inneren Trieben, sondern aus Beziehungen, Gruppen und sozialer Auseinandersetzung. Hartmut Rosa schließlich denkt Soziale Energie von der Gesellschaft her und beschreibt sie als kollektive, zirkulierende Kraft, die in Resonanz, Engagement und gemeinsamem Tun entsteht. Die Episode verbindet diese drei Denkbewegungen historisch und inhaltlich und versucht zu zeigen, wie sich der Blick vom inneren Trieb über die soziale Beziehung bis zur gesellschaftlichen Resonanz verschoben hat.

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:05
Aber könnten wir nicht einfach das Libido-Triebthema rausnehmen und sagen,
0:00:05–0:00:12
die Kraft, die Menschen als soziale Wesen vorantreibt, vor allen Dingen auch in ihrer Entwicklung,
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in ihrer Identität, ist soziale Interaktion.
Florian Clauß
0:00:25–0:00:30
Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast. Der Podcast,
0:00:30–0:00:33
bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
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Und wir haben schon vor einigen Folgen davor angekündigt, dass wir uns in eine
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Art Podcast-Retreat vor Weihnachten begeben haben und aus diesem Retreat ein
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paar Produktionen machen.
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Und dieses eine davon. Und ich muss auch ankündigen, dass Mitch sich auf eine
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Folge bezieht, die er davor aufgenommen hat.
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Und zwar handelt es sich um die Folge Soziale Energien, Folge Episode 92.
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Und er möchte hier nochmal so ein paar theoretische Sachen exponieren.
0:01:14–0:01:19
Doch, wenn ihr sehen wollt, wo wir langlaufen, weil das ist immer so die...
Micz Flor
0:01:19–0:01:20
Doch.
Florian Clauß
0:01:20–0:01:21
Doch, aber.
Micz Flor
0:01:22–0:01:28
Wenn ihr nur sehen wollt, wo wir langlaufen, dann schaltet jetzt raus und geht auf unsere Website.
0:01:28–0:01:35
Eigentlich-podcast.de denn zu jeder Episode gibt es auch einen Walk mit ganz,
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ganz wenigen Ausnahmen.
Florian Clauß
0:01:37–0:01:39
Mit einer Ausnahme nur.
Micz Flor
0:01:39–0:01:39
Glaube ich.
Florian Clauß
0:01:40–0:01:49
Wir haben schon drei oder zwei, wo wir dann tatsächlich Body Horror und einmal über die,
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Chris über den Film Nosferatu, die wir dann im Sitzen aufgenommen haben.
0:01:57–0:02:02
Genau. Nee, aber wenn ihr den Podcast mögt, wir müssen jetzt auch mal ein bisschen
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Werbung machen, dann bitte geht auf den einschlägigen Portalen und gebt uns,
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Sternchenbewertungen. Darüber würden wir uns sehr freuen.
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Ja, soziale Energie, Mitch. Da hattest du ja noch so ein bisschen dich mit beschäftigt
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und wolltest dann nochmal so Theorien nachliefern und hast mir gesagt,
0:02:22–0:02:24
ich brauche noch jemanden, mit dem ich darüber sprechen kann.
Micz Flor
0:02:25–0:02:29
Ja, ich glaube, vorgestern ist der online gegangen mit Anja.
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Wir arbeiten beide als PsychotherapeutInnen und sind irgendwie,
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hatte ich das Gefühl, rückblickend,
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zu sehr so in Themen reingerutscht, auch praktische Themen.
0:02:45–0:02:49
Mit Flo ist das nochmal anders, weil wenn ich mit Flo spreche,
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dann entsteht eine andere Geschichte und jetzt habe ich gedacht,
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ich würde gerne mit dir als Kompagnon nochmal das so ein bisschen aufrollen
0:02:57–0:03:02
und mit deinen Fragen vielleicht gucken, ob man da Lücken von der Herleitung
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nochmal schließen kann und aber auch,
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Selber wissentlich vom letzten Mal schon diese Herleitung psychische Energie,
0:03:11–0:03:13
soziale Energie, Gruppenbezogenheit.
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Das möchte ich irgendwie mal so ein bisschen doch versuchen,
0:03:17–0:03:21
gut hintereinander wegzuerklären.
Florian Clauß
0:03:22–0:03:25
Da kann man vielleicht nochmal so grundlegend kurz erklären,
0:03:25–0:03:28
weil ja, was ist denn eigentlich soziale Energie, psychische Energie?
Micz Flor
0:03:28–0:03:37
Oder für diese Folge wichtiger zwei Blicke auf diesen Begriff von Sozialenergie, den Hartmut Rosa nutzt,
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der als Soziologe darauf blickt und mit seinem Forschungshintergrund und auf
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der anderen Seite der Begriff der Sozialenergie vom Psychiater und Psychoanalytiker Günther Ammon,
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der eben als Arzt oder Psychotherapeut,
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Psychoanalytiker auf die psychische Energie blickt,
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und der dann auch eben sagt, das soziale, gruppenbezogene, die Energie, die da entsteht,
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die ist vielleicht sogar der stärkste Motor in uns.
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Und das ist bei Günther Ammann ein Sich-Weg-Bewegen vom freudianischen Libido-Konzept.
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Und bei Hartmut Rosa wiederum ist dieses interpersonelle soziale Energie,
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die zirkulär entsteht, wenn Menschen in Kontakt sind,
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eher auch ein Versuch, Lücken in seiner Theorie zu schließen,
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der angefangen hat, darüber zu reflektieren.
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Dass bei uns auf dem Planeten alles in Bewegung ist.
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Also diese Gesellschaft, die wir sind, die alles bewegt und auch Menschen immer
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mehr als Folge davon sich innerlich bewegen, Burnout-Phänomene existieren und so weiter,
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der auf einer gesellschaftlichen Ebene da drauf geschaut hat und dann später
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in der interpersonellen Beziehung in gewisser Weise auch so Konzepte von Martin
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Buber aufgegriffen hat,
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glaube ich, wo Martin Buber spricht, es gibt eine Ich-Es-Beziehung.
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Es ist eben keine Beziehung, sondern es ist ein Zustand, ich es,
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ich beschäftige mich der Welt und es gibt eine Ich-Du-Beziehung,
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ich beschäftige mich mit anderen Menschen.
0:05:14–0:05:20
Und bei Hartmut Rosa, der hat es als Resonanz beschrieben, also Menschen treten
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miteinander in Resonanz und die Resonanz ist eine Sache, die wenig fassbar ist,
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aber die auch nicht immer entsteht.
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Aber wenn sie entsteht, das kann ich jetzt nicht genau in Hartmut Rosers Worten sagen.
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Zitate dazu habe ich auf der Webseite noch. Also da kommen noch Sachen hinterher.
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Ich werde viele Sachen jetzt nur paraphrasieren können.
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Aber wenn Resonanz entsteht, dann ist die auch eingefasst in einer gewissen
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Art von Unterscheidung.
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Also wenn man sich zu ähnlich ist, passiert das nicht. Wenn man sich zu unterschiedlich
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ist, passiert das nicht.
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Man kann keine Panflöte und eine Mandoline nebeneinander stellen und schlägt
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die Mandoline an und die Panflöte fängt an zu singen.
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Aber man kann zwei Gitarre nebeneinander stellen und schlägt die an und die
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fangen irgendwie an miteinander.
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Also die Schwingungen der einen werden von der anderen quasi auch aufgenommen und bewegen sich.
0:06:18–0:06:26
Und diese Resonanztheorie, die ich eine wunderbar auch poetische Theorie finde
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für die Beziehung zwischen Menschen, wie die entstehen und wie die in Energie
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treten, also die Resonanz.
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Und da aber natürlich auch die Lücke entsteht für Hartmut Rosa.
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Woher kommt denn diese Energie für die Resonanz?
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Wir können irgendwie uns das als Bild herleiten, aber trotzdem ist ja unklar,
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woher diese Energie kommt.
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Und bei Hartmut Rosa, kurz gefasst, ist es eben das Konzept zu sagen.
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Und da geht noch einen kleinen Umweltumweg.
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Über auch eine philosophische Grundhaltung.
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Er hat festgestellt, dass der Begriff der Energie so in einer in Anführungszeichen
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westlichen Philosophiegeschichte gar nicht so sehr vorkommt,
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während in anderen Kulturkreisen die Energie sehr wohl so eine Grundlage ist
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überhaupt über philosophisches Denken usw.
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Und er vermutet, dass es hilfreich wäre, wenn wir im Westen,
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die sehr viel eben auch damit zu tun haben, dass der Planet gerade gefährdet
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ist durch das menschliche Tun,
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dass wir vielleicht gut daran täten, auch dieses Energiedenken noch mehr in
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unseren Alltag, in unsere Philosophie, in unsere ethisch-moralischen und anderen
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Entscheidungen mit reinfließen zu lassen.
Florian Clauß
0:07:45–0:07:49
Ja, aber vielleicht hier die Anmerkung, das war nämlich auch was,
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was bei dem Artikel, den du mir von Hartmut Rosa gegeben hast,
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angeklungen ist, nämlich, dass es in dieser Betrachtungsweise dann schon...
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Ins Esoterische abkippen kann. Das sieht er selber als Gefahr.
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Das ist nicht quantifizierbar, das ist jetzt erst mal nur so postulierbar.
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Und das hat mich dann so ein bisschen gestört hat, das ist halt häufig bei so
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Erklärungsmodellen, dann wird halt irgendwie drunter geschoben,
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indigene Völker, indigene Kulturen.
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Und dann hast du halt so einen Brocken von indigenen Kulturen und dann erklärst
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du halt ein Energiekonzept. Und das finde ich halt irgendwie,
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da wird ja so etwas Politisches mit verwoben.
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Und man sagt halt, das Politische ist auf einmal präsent und dann geht es zurück.
0:08:43–0:08:45
Aber das Thema geht ja nicht zurück.
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Also ich meine, das führt ja selber an, dass dieser Klimawandel und das Menschgemachte,
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dass das ja katastrophal ist und sich gerade so,
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also wie du auch gerade selber gesagt hast, dass dann halt eben von anderen
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Kulturen könnte man sich da was abschneiden, die halt einfach auch harmonischer
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mit der Umwelt umgegangen sind. Also das ist halt so.
Micz Flor
0:09:08–0:09:13
Ja, da wäre ich wie du sehr vorsichtig, weil das ist dann den Vortrag,
0:09:13–0:09:18
der da in der Zeit erschienen ist und der dann auch online in Erfurt,
0:09:19–0:09:22
auf dem Institut zu finden ist.
0:09:22–0:09:26
Den verlinke ich auch in Shownotes. Und dazu gibt es dann auch von 2024,
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glaube ich, einen Vortrag von ihm als Video auf YouTube in der UNESCO in Englisch.
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Und vor dem Hintergrund der UNESCO ist es natürlich schön, das auch globaler zu fassen.
Florian Clauß
0:09:40–0:09:41
Ah, okay, das war jetzt quasi dein Thema.
Micz Flor
0:09:41–0:09:43
Aber das war, glaube ich, nicht der Grund für den Artikel.
Florian Clauß
0:09:43–0:09:43
Okay, alles klar.
Micz Flor
0:09:43–0:09:45
Den Artikel, den du gesehen hast, der hatte...
Florian Clauß
0:09:45–0:09:48
Ja, aber dann verstehe ich das, warum man das als Beispiele so mit angeführt hat.
Micz Flor
0:09:48–0:09:51
Ja, aber das war eben der... Ich sehe es eher andersrum. Ich glaube,
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der UNESCO-Vortrag war dieser Artikel.
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Also es war zuerst da. Aber da sagt er auch nochmal explizit,
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dass er eben erstaunt ist mit diesem Burnout-Thema, dass das als Soziologe das
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irgendwie sich genau angeschaut hat, dass wohl aus aller Welt Anfragen kamen, wo er dachte,
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ich dachte, das sei so ein westeuropäisches Problem oder ein nordamerikanisches Problem,
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aber dass es wohl überall so ist.
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Und darüber hat er reflektiert. Du hast dann immer das Exotische als Beweis
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von was Lokalem und das finde ich schwierig.
Florian Clauß
0:10:23–0:10:27
Ja, und es wird dann halt häufig, es ist halt wirklich auch sehr platt dann
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zusammen gefaltet. Also er wirft dir da alles rein an die Indigene.
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Und das wird häufig gemacht, dass die Indigene so als Erklärungsschablone für die Ursprünglichen.
Micz Flor
0:10:40–0:10:45
Ups, ein Auto. Ja, wir sind jetzt wieder hier. Weißt du, in welche Richtung
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wir müssen? Ich dachte wir müssen, da geht's lang? Ja.
Florian Clauß
0:10:49–0:10:57
Wir sind jetzt hier auf einer Straße mitten in Brandenburg und jetzt sind wir
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wieder sicher vor den Jägern, aber nicht vor den Autos.
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Okay, verstehe ich, ja, kann ich akzeptieren, finde ich gut unter diesen Prämissen,
0:11:07–0:11:12
aber ich will halt gucken, also so ein bisschen wie Homöopathie,
0:11:13–0:11:14
ja, wenn man dran glaubt, dann wirkt es doch.
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Also, ja, kann man machen, ja, ist halt nur ein Gedankenkonstrukt und das hast
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du ja auch schon so angeklungen in der Folge mit Anja, ne?
0:11:24–0:11:28
Also das heißt, irgendwie funktioniert es, aber man weiß noch nicht genau wie.
Micz Flor
0:11:28–0:11:31
Ja, also nicht, dass es irgendwie funktioniert. Irgendwie passt es,
0:11:31–0:11:33
würde ich ja sagen. Irgendwie beschreibt es Prozesse.
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Und in beiden Fällen, also sowohl in der sozialen Energie bei Hartmut Rosa als
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auch in der Günther Ammannschen Sozialenergie, geht es darum, die Notwendigkeit...
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Zu erfüllen, ein Energieproblem zu erklären.
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Das Energieproblem ist halt, warum tut man eigentlich überhaupt irgendwas?
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Ich drehe es jetzt mal um. Das Soziale ist wirksam.
Florian Clauß
0:11:58–0:12:04
Ja, und das ist erfahrbar auch. Das Soziale ist erfahrbar, so jetzt rein von
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seinem eigenen Erfahrungshorizont.
Micz Flor
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Ja, ich nehme in unser Archiv bald 100. Folgeblick nach hinten die Skat-Folge,
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dass du singst in der Skat-Folge.
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Das hättest du nicht gemacht, wenn du gewusst hättest, wie viele Leute da zuhören.
0:12:18–0:12:22
Hätten wir alle ZuhörerInnen vor dich hingestellt und du hättest diese Sache
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singen sollen, dann hättest du vielleicht sowas wie Lampenfieber erlebt.
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Und vielleicht hätte es eine Möglichkeit gegeben, mit dieser Gruppe irgendwie
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zusammen sich irgendwie in eine Verfassung zu bringen, wo dann alle singen und
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dann wärst du da auch wieder frei gewesen zu singen. Aber das Soziale tut was.
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Bis hin zu, du kannst auch den Hautwiderstand messen.
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Und misst den Hautwiderstand in dem Moment, wenn du dir eine mathematische Gleichung
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gibst und nach einer Lösung fragst, ändert sich der Hautwiderstand.
0:12:50–0:12:53
Aber der Hautwiderstand ändert sich genauso, wenn du dir einen Namen rufst,
0:12:53–0:12:55
aber nicht, wenn du einen anderen Namen rufst.
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Das heißt, das Soziale angesprochen werden, angerufen zu werden, das hat einen Einfluss.
0:13:00–0:13:05
Und das ist etwas, was übers Psychische kommt und sich dann aber auch im Körperlichen manifestiert.
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Das heißt, wir haben die Notwendigkeit in einer Theorie, die versucht soziale
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oder interpersonelle Dynamiken zu erklären,
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aber auch intrapsychische Dynamiken zu erklären, psychosomatische Dinge zu erklären,
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kommen wir nicht drum rum, auch das Soziale mitzufassen,
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mitzubeschreiben.
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Das ist einfach Teil davon.
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Es wäre nicht zeitgemäß, den Mensch komplett materialistisch zu durchleuchten
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und nur auf Synapsen und Transmitterstoffe runterzubrechen.
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Das wäre, glaube ich, nicht mehr so, wie man es holistisch fassen würde.
Florian Clauß
0:13:46–0:13:48
Also ich meine, das, was du beschreibst,
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Das ist ja so quasi mehr oder weniger erstmal so, dass eine Stoffwechselfunktion im Körper messbar wird,
0:13:59–0:14:05
wenn bestimmte soziale Interaktionen ausgenöst werden.
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Das heißt, das ist ja nichts anderes als, dass irgendein Zucker verbrannt wird.
Micz Flor
0:14:14–0:14:17
Ja, aber auf das Glatteis möchte ich jetzt gar nicht drauf.
Florian Clauß
0:14:17–0:14:18
Warum Glatteis?
Micz Flor
0:14:18–0:14:22
Weil du jetzt natürlich sagst, sagst du gerade, es sei messbar in gewisser Weise?
0:14:23–0:14:25
Kann man es in Kohlenhydrate umsetzen?
Florian Clauß
0:14:25–0:14:28
Nein, nein, ich will nur darüber hinaus. Und das ist so ein bisschen das,
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was ich mir in Gedanken im Vorfeld dieser Folge gemacht habe, nämlich die Frage,
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also gerade mit dieser Energie, die halt irgendwie erstmal sozial erlebt wird.
0:14:41–0:14:45
Aber eigentlich muss es ja auch nichts anderes sein als so ein biologischer
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Prozess, der da abläuft, der dir auch irgendwie, weiß ich nicht,
0:14:49–0:14:52
bei bestimmten Sachen dann halt auch Energie braucht.
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Und den Körper, und je mehr du das trainierst, desto besser bist du da drin.
0:14:56–0:15:00
Also vielleicht ist es ja auch dann wirklich so, wenn man sich darauf einlässt,
0:15:00–0:15:05
und je öfter, dann hast du halt mehr Psychoenergie und kannst dann irgendwann den Stein bewegen.
0:15:06–0:15:09
Nein, aber ich will es nicht, ich will dich nicht so lustig machen.
0:15:09–0:15:14
Ich will nur so ein bisschen so, weil diese Form, weil eben das Wort Energie da drin steckt.
Micz Flor
0:15:15–0:15:15
Ja, genau.
Florian Clauß
0:15:15–0:15:16
Ja, das dann halt irgendwo auch.
Micz Flor
0:15:16–0:15:19
Was würdest du denn eher als Wort verwenden da drin?
Florian Clauß
0:15:20–0:15:24
Nee, Energie finde ich super. Also ich meine, Energie ist einfach eine Form von,
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Organisation und Umwandlung. Das hast du ja auch irgendwo in jeder Zelle ist
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ja ein System, was gegen die Entropie wirkt.
Micz Flor
0:15:37–0:15:42
Und dann ist es aber Hartmut Rosa, der ja dann auch sagt, aber ist es denn so,
0:15:42–0:15:47
dass wenn er sagt, ich fühle mich heute so energielos, dass da weniger Zucker
0:15:47–0:15:49
im Blut ist oder weniger Fett im Bindigen?
Florian Clauß
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Ich frage mich halt, ob das vielleicht auf einer anderen Ebene,
0:15:52–0:15:56
ob dann in bestimmten Arealen im Gehirn dann halt ein bisschen Zucker fehlt.
0:15:57–0:16:02
Ganz blöd gesprochen, aber das ist halt vielleicht auch irgendwo quasi so eine,
0:16:02–0:16:06
jetzt noch nicht so eine durchgemessene wie halt im Sportbereich,
0:16:06–0:16:10
wo du genau sagen kannst, das ist VO2 Max und so weiter.
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Vielleicht gibt es ja dann in dem anderen, weißt du, in dem anderen noch nicht
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so, da gibt es vielleicht noch keine Messapparate, aber vielleicht kann man
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das auch irgendwann sagen, okay, kein Wunder,
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weil hier, da, da hat er noch nicht, da hat er zu lange das Handy dran gehalten,
0:16:24–0:16:26
an der an der Seite vom Kopf.
Micz Flor
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Ja, natürlich kann man das wahrscheinlich immer mehr erforschen und jetzt mit
0:16:32–0:16:36
sichtgebenden Verfahren kann man ja auch schon sehen, wo Spiegelneuronen aktiv
0:16:36–0:16:39
sind, wenn ich mit einer Menschen in Kontakt trete und solche Sachen.
0:16:39–0:16:40
Das ist auf jeden Fall richtig.
0:16:41–0:16:44
Aber die Frage ist ja auch immer, was ist auf welcher Ebene hilfreich?
0:16:45–0:16:50
Hilft es mir wirklich, wenn ich auf einer neurophysiologischen Ebene irgendwelche,
0:16:51–0:16:53
kleinen Hirnareale beschaue, um da irgendwas zu verstehen?
0:16:53–0:16:58
Hilft mir das, Wenn jemand vor mir sitzt und sagt, ich fühle mich die letzten
0:16:58–0:17:01
zwei Wochen, meine Batterien sind alle und ich sage,
0:17:01–0:17:05
das sind Bilder, die benutzt werden und deshalb habe ich vorhin gefragt mit Energie,
0:17:05–0:17:10
weil dieser Energiebegriff ist natürlich jetzt auch da falsch und zum Beispiel
0:17:10–0:17:16
sagt Hartmut Rosa explizit, das funktioniert nicht wie das, was wir normalerweise
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als Energie betrachten, weil...
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Er beschreibt es dann jetzt erstmal testweise als so eine zirkuläre Energie,
0:17:23–0:17:29
die zwischen den Menschen in der Gruppe so zirkuliert und dann bleibt sie.
0:17:29–0:17:35
Und als Beispiel führt er nochmal auf, dass eben bei Corona sozialen Aktivitäten runtergingen.
0:17:35–0:17:38
Einsamkeit ist in der Gesellschaft auch generell bei uns ja schon ein großes Thema.
0:17:39–0:17:42
Es wird immer schwieriger, Kontakte zu finden, auch wenn man selber scheinbar
0:17:42–0:17:48
verliert, diese Möglichkeit, so mal ganz entspannt jemandem gegenüber zu treten.
0:17:48–0:17:52
Es gibt Menschen, die haben soziale Angststörungen. Das ist eher so ein Thema,
0:17:52–0:17:57
wo ich mich immer frage, warum wird soziale Energie denn nur positiv beschrieben?
0:17:57–0:18:01
Weil für viele Menschen ist es extrem schwierig, das auszuhalten.
0:18:02–0:18:09
Und dann geht es natürlich, wenn man in einen, sag ich mal, realen Kontakt mit
0:18:09–0:18:11
dem Menschen tritt, also resoniert.
0:18:11–0:18:14
Wenn man in einer wirklichen Beziehung ist, geht es natürlich oft um die Sorge,
0:18:14–0:18:16
bewertet zu werden, entwertet zu werden.
0:18:18–0:18:22
Es geht um Konkurrenzthemen, aber soziale Ängste sind ja auch wirksam,
0:18:22–0:18:25
wenn es einfach nur darum geht, einen Fahrstuhl zu besteigen oder in eine Tram
0:18:25–0:18:29
einzusteigen, wenn da andere Menschen drin sind oder nicht.
0:18:29–0:18:36
Und da setze ich so die Frage an, warum wird Energie da immer nur positiv konnotiert?
0:18:37–0:18:44
Bei Hartmut Rosa scheint das gerade so. Also entweder ist es nichts oder es ist positiv.
0:18:44–0:18:51
Aber es gibt in der Sozialenergie bei Günther Ammon gibt es da noch andere Konzepte,
0:18:51–0:18:54
wie das sein kann. Da komme ich dann irgendwie gleich noch drauf.
0:18:55–0:18:59
Die Frage ist jetzt, kann ich weitermachen?
0:18:59–0:19:02
Oder bist du an einem Punkt, wo du denkst, nee, das möchte ich erst für mich
0:19:02–0:19:06
nochmal klären, dass ich dann wirklich wieder offen bin, weiter zuzuhören?
Florian Clauß
0:19:06–0:19:08
Ja, vielleicht will ich noch einen,
0:19:10–0:19:13
Auch eine Überlegung, die ich im Vorfeld hatte, weil du auch gerade darüber
0:19:13–0:19:17
gesprochen hast, über soziale Ängste.
0:19:17–0:19:22
Und ich kann mich noch daran erinnern, dass es mir, also auch zur Stundenzeit
0:19:22–0:19:27
und so weiter, unglaublich dann schwer gefallen ist, vor mehreren Leuten zu sprechen.
0:19:27–0:19:32
Dass ich dann so eine Art Lampenfieber hatte oder so und dann halt auch wirklich
0:19:32–0:19:35
so körperliche Reaktionen.
0:19:35–0:19:39
Dass ich dann halt einen trockenen Mund bekommen habe, dass ich wusste,
0:19:39–0:19:45
gleich werde ich halt drangenommen, dass ich dann halt irgendwie so unglaublich geschluckt habe.
0:19:46–0:19:51
Also ich hatte wie auch auf so ein, weiß ich nicht, was man dann halt irgendwie
0:19:51–0:19:57
dehydriert oder sowas, tatsächlich so Reaktionen dann körperlich ausgeprägt habe.
0:19:57–0:20:04
Und das finde ich interessant, dass man das dann halt so erleben kann, Aufreaktion.
0:20:04–0:20:10
Ich meine, wahrscheinlich wirst du in deinem Patientinnenumfeld viele solche
0:20:10–0:20:14
Situationen haben, die dann halt berichtet werden.
0:20:14–0:20:22
Aber das gibt ja schon eine Form von, ich sage mal, Umfeld, wo man halt diese Sachen erleben kann.
Micz Flor
0:20:22–0:20:27
Ja, und wenn man das als Beispiel nimmt, dann finde ich eben interessant,
0:20:28–0:20:30
dass man traditionell dann eher,
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an die vortragende Person tritt und sagt, das müssen Sie ändern und Sie können das ändern.
0:20:40–0:20:44
Und man könnte natürlich auch andersrum rangehen, angenommen,
0:20:44–0:20:48
du bist ein Veranstalter von einem großen Event wie Republika und alle berichten.
0:20:49–0:20:53
Boah, ich bin immer so nervös bei den Vorträgen bei euch, es ist total schwierig.
0:20:53–0:20:56
Dass man dann vielleicht nochmal guckt, was ist denn da in dem Raum los,
0:20:56–0:21:01
wie wir das positioniert haben, wo ist das Pult? Also die anderen Menschen, wie sitzen die?
0:21:01–0:21:05
Ist das zu hoch, zu weit weg? Sollte das näher ran? Also dass man Parameter
0:21:05–0:21:09
auch im Raum verschieben kann, um dieses Gefühl vielleicht besser zu kontrollieren.
0:21:10–0:21:14
Damit vielleicht auch besser umgehen zu können. Also dass man eben nicht nur
0:21:14–0:21:17
in die Person hineinschaut, in so ein intrapsychisches Thema.
0:21:17–0:21:22
Das ist natürlich das, was hauptsächlich auch in die Psychotherapie kommt, sondern...
0:21:23–0:21:27
Wie kann man einen Raum herstellen, sowohl materiell,
0:21:27–0:21:32
kein Licht ins Gesicht oder wie auch immer, aber auch vielleicht im Sozialen,
0:21:32–0:21:36
dass man erstmal irgendwie vielleicht Kontakt herstellt, dass man sich selber
0:21:36–0:21:39
auch befreien kann, indem man solche Sachen macht, was ja auch viele machen.
0:21:40–0:21:43
Ich möchte erstmal wissen, wie viele von Ihnen haben schon mal Diddede und dann
0:21:43–0:21:46
heben die die Hände und irgendwie ist dann Form der Partizipation der Gruppe
0:21:46–0:21:49
und das entspannt dich auch. Du merkst, die hören mich, die reagieren auf mich,
0:21:49–0:21:50
gibt dir Selbstwert und so.
0:21:51–0:21:56
Also da passieren Dynamiken, die man jetzt nicht nur runterbrechen kann auf
0:21:56–0:22:01
intrapsychische Themen, sondern auch in der Art der Vorbereitung,
0:22:01–0:22:02
in der Art der Durchführung.
0:22:02–0:22:05
Aber jetzt sind wir natürlich wieder bei einer Person, bei dir.
0:22:05–0:22:09
Und du hast das ja dann scheinbar auch lösen können. Du bist jetzt ja auch als
0:22:09–0:22:12
Projektleiter immer gefragt, mit mehreren gleichzeitig.
0:22:13–0:22:15
Nicht nur, oh, guck mal, ein Reh.
Florian Clauß
0:22:15–0:22:17
Oh, was ist denn hier?
Micz Flor
0:22:20–0:22:26
Aber jetzt die Frage wäre an dich, wie hast du das dann in den Griff bekommen?
Florian Clauß
0:22:28–0:22:34
Ja, ich glaube, das war halt irgendwie ein Prozess einfach und mit Übung.
Micz Flor
0:22:36–0:22:37
Sich dem zu stellen auch einfach, ne?
Florian Clauß
0:22:37–0:22:46
Sich dem zu stellen, genau. Und dann auch eben, ja, sich dem jetzt nicht so
0:22:46–0:22:50
auszuliefern, sondern einfach zu machen, so ein bisschen, ne?
0:22:50–0:22:52
Also an den Aufgaben dann.
Micz Flor
0:22:52–0:22:57
Ja, auch Freud hatte das schon am Dirigenten, der ihn mal angefragt hat,
0:22:57–0:23:01
gesagt hat, das fällt ihm immer schwer zu dirigieren, er hat immer mehr Ängste da vorne.
0:23:01–0:23:05
Was soll ich tun? Und dann hat Frau Zeske, auf jeden Fall dirigieren Sie.
0:23:06–0:23:12
Also diese Exposition mit der Situation, die halt eben eine körperliche Reaktion
0:23:12–0:23:15
hat, Lampenfieber ist erwähnt, was ja auch ein wunderbares Beispiel ist,
0:23:15–0:23:16
dass das Soziale wirksam ist.
0:23:17–0:23:19
Da passiert so viel Körperliches.
0:23:20–0:23:25
Ich möchte so ein bisschen jetzt die Brücke machen hinein, aus dem Sozialen
0:23:25–0:23:30
wieder heraus eigentlich erstmal hinein in das Intrapsychische, was wir auch hatten.
0:23:30–0:23:37
Also Freud hat auch schon sehr früh versucht, psychische Energie zu erklären.
0:23:37–0:23:44
Und daher kommt halt das, was wir als Sexualtrieb, generell als Triebenergie
0:23:44–0:23:48
oder auch als Libido kennen. Das wollte ich nochmal kurz herleiten.
0:23:49–0:23:51
Und Freud hat gesagt.
0:23:52–0:23:57
Und die Sachen sind jetzt bei uns dann in dem Blogpost auf der Webseite,
0:23:57–0:23:59
da mache ich die Zitate hin und die Quellen.
0:23:59–0:24:06
Aber der hat, ich glaube es war 1895 angefangen, schon ein System zu entwerfen,
0:24:06–0:24:09
was sehr stark an dem orientiert ist, was du gerade gesagt hast.
0:24:09–0:24:12
Kann man das denn irgendwo messen? Wo fließt das denn? Und so weiter.
0:24:12–0:24:20
Und hat eine Art Teilchenstrom entwickelt für ein Teilchen, das er Kuh genannt
0:24:20–0:24:24
hat und halt überlegt, wo könnte das denn fließen, ist es vielleicht in den
0:24:24–0:24:27
Neuronen und wo könnte man das denn messen und wie,
0:24:27–0:24:31
um zu erklären, dass es da was gibt, was über den Blutzucker hinaus,
0:24:32–0:24:34
ganz banal gesagt,
0:24:35–0:24:39
diese psychische Energie ist, sich für irgendwas zu interessieren oder von irgendwas,
0:24:39–0:24:47
also das jenseits der Instinkte, das was Freud an Triebe genannt hat, Wie gehen wir damit um?
0:24:48–0:24:51
Da gehen wir eben nicht auf einer rein mechanischen Ebene um,
0:24:51–0:24:55
aber er hat trotzdem dieses mechanistische Modell genommen, Triebabfuhr.
0:24:56–0:24:59
Also wenn zu viel Trieb da ist, dann muss man quasi durch ein Ventiltrieb Abfuhr machen.
0:24:59–0:25:06
Das sind dann so Impulskontrollstörungen oder Übersprunghandlungen oder über Abwehrmechanismen.
0:25:06–0:25:11
Geht dann diese ganze sexuelle Energie, die ich nicht auslebe oder der ich mich
0:25:11–0:25:16
nicht stelle, geht dann dahin, dass ich, keine Ahnung, Romane schreibe oder Filme mache oder.
0:25:18–0:25:24
Marathon laufe, um dem zu entkommen. Also bei ihm war es sehr stark schon ein Bild, was,
0:25:26–0:25:31
noch auf solchen Kesseldruckideen aufbaute. Und das hat sich aber über die Zeit verändert.
0:25:32–0:25:38
In der ganz frühen Idee von Freud gab es halt den Sexualtrieb.
0:25:39–0:25:44
Es ging eigentlich immer um Sexualität. Libido war immer sexuell konnotiert.
0:25:44–0:25:45
Das hat sich später auch verändert.
0:25:46–0:25:51
Und da hat er zum Beispiel für Zwangsstörungen oder Angststörungen,
0:25:51–0:25:55
aber Zwangsstörungen finde ich noch besser zu sehen,
0:25:56–0:25:59
Freud hatte ein Konfliktmodell, das heißt es gibt einen inneren Konflikt,
0:25:59–0:26:07
der aufgedeckt, erkannt und gelöst werden kann oder müsste, um die Symptome zu beseitigen.
0:26:08–0:26:14
Und eine Zwangsstörung ist die Art, dass dieser Konflikt in Anführungszeichen,
0:26:14–0:26:17
Episodentitel, eigentliche Konflikt ist.
0:26:18–0:26:21
Der bleibt verdeckt und man muss sich mit dem nicht auseinandersetzen,
0:26:22–0:26:26
weil man obendrauf einen anderen Konflikt, nämlich den Zwang, generiert,
0:26:26–0:26:33
der einem erlaubt, sich nicht mit in der Uridee seinen sexuellen Themen auseinandersetzen
0:26:33–0:26:38
zu müssen, sondern diesen Zwang davor setzt.
0:26:39–0:26:43
Und ein Beispiel, was er da auch aufführt, ist eine junge Frau,
0:26:43–0:26:47
die zwanghaft ein Ritual hat, wenn sie ins Bett geht.
0:26:47–0:26:51
Und das Ritual ist, das Kissen darf das Brett oben nicht berühren.
0:26:53–0:26:57
Die Vasen müssen alle in der Mitte auf dem Tisch stehen, dass sie nicht runterfallen.
0:26:57–0:27:04
Die Uhren müssen alle aus dem Zimmer geschoben werden. Und in der Analyse mit
0:27:04–0:27:10
dieser Patientin, die war, glaube ich, 18, 19 oder 17, ich weiß nicht mehr, in dem Alter irgendwie,
0:27:13–0:27:18
da kommt Freud dann eben in der Analyse dahinter, dass es sich vielleicht um
0:27:18–0:27:19
sexuelle Themen handelt.
0:27:19–0:27:23
Das ist dann eben auch wieder in der Analyse entstehen dann natürlich auch Momente,
0:27:24–0:27:25
wo man neue Ideen bekommt.
0:27:26–0:27:30
Und bei diesem Mädchen war das so, sie hat gesagt, dass das Kissen,
0:27:30–0:27:35
darf da oben die Holzwand nicht berühren, für sie war als Kind schon immer das
0:27:35–0:27:37
Kissen die Mama und die Wand der Papa oder sowas in der Art.
0:27:37–0:27:39
Und wenn die sich berühren, hochgefährlich.
0:27:40–0:27:44
Und es stellte sich dann auch raus, die Uhren hatten eine bestimmte Symbolik
0:27:44–0:27:50
und die Vasen werden ja jetzt, glaube ich, sagt sogar Freud in dem Originaltext
0:27:50–0:27:53
fast schon sowas Zige-Jugend-mäßiges.
0:27:53–0:27:56
Wir wissen ja alle, dass Vasen der weibliche Körper sind, so in der Art.
0:27:56–0:27:58
Also so würde man es vielleicht heute nicht mehr sagen.
0:27:59–0:28:02
Aber da geht es auch darum, diesen Körper zu schützen. Der darf nicht runterfallen,
0:28:02–0:28:07
obwohl das ist bei Zwangsstörungen eigentlich immer der Fall oder muss der Fall
0:28:07–0:28:08
sein. Das ist Teil der Diagnose.
0:28:09–0:28:13
Patient oder Patientin wissen, dass das ganze Blödsinn ist, aber sie können nicht anders.
0:28:14–0:28:17
Und das wäre so ein gutes Beispiel, um.
0:28:18–0:28:25
Diese freudsche Sexualtrieb, wie kommt es zu Symptomen, so ein bisschen zu erklären.
0:28:26–0:28:33
Und was aber wichtig ist, dass die Psychoanalyse auch von Freud weiterentwickelt wurde.
0:28:33–0:28:37
Und wenn man jetzt sich irgendwas rausnimmt, dann ist man irgendwo immer auf
0:28:37–0:28:40
diesen mehreren Jahrzehnten von Entwicklungszeit.
0:28:40–0:28:44
Und diese Uridee von Triebabfuhr, Sexualtrieben,
0:28:45–0:28:50
die wurde dann vor allen Dingen auch mit einer Entwicklung hinein in die Ich-Psychologie
0:28:50–0:28:56
von Hartmann und auch von Freuds Tochter Anna Freud, die aber weniger jetzt
0:28:56–0:28:59
an solchen topischen Modellen gearbeitet hat,
0:28:59–0:29:02
aber Hartmann sehr explizit, der
0:29:02–0:29:07
parallel zu der Säuglingsforschung der damaligen Zeit in Frage stellte,
0:29:07–0:29:15
dass alles wirklich aus Konflikten zwischen dem Es und den Triebhaften und der Umwelt entstehen muss.
0:29:15–0:29:18
Gibt es nicht auch konfliktfreie Zonen?
0:29:18–0:29:24
Und die Säuglingsforschung gab ihm recht. Entstehen Dinge in der Entwicklung?
Florian Clauß
0:29:24–0:29:25
Ja, verstehe.
Micz Flor
0:29:26–0:29:29
Muss man immer alles über Konflikte sehen oder geht es auch anders?
0:29:29–0:29:37
Und in diesem Dialog, weil Freud auch von vielen Seiten Kritik bekam,
0:29:37–0:29:43
dass nicht alles psychische Geschehen sich über Sexualität erklären ließe,
0:29:43–0:29:49
hat er sich dieser Idee geöffnet und hat dann das Libido-Konzept,
0:29:51–0:29:56
Er hat dann gesagt, okay, in seiner alten Idee gibt es so etwas wie Ich-Triebe und Sexualtriebe.
0:29:56–0:29:59
Ich-Triebe sind zum Beispiel Hunger und Schlaf und solche Dinge,
0:29:59–0:30:00
die der Körper zur Erhaltung braucht.
0:30:01–0:30:05
Sexualtriebe ist das, was der Körper für die Erhaltung der Art braucht.
Florian Clauß
0:30:06–0:30:06
Sozusagen.
Micz Flor
0:30:07–0:30:11
Auch da merkst du, es ist ein einfaches Modell und gleichzeitig aber erstmal sehr griffig.
0:30:12–0:30:17
Und diese Ich-Triebe und Sexualtriebe, die sind irgendwie auch im Konflikt miteinander.
0:30:17–0:30:21
Man muss schon verdammt viel Hunger haben, wenn man nicht Sex haben will und so weiter und so fort.
0:30:22–0:30:28
Aber er hat dann irgendwann gedacht, gibt es diese Unterscheidung überhaupt?
0:30:29–0:30:33
Und das Zitat kommt auch bei uns auf die Seite mit der Quelle auch und hat dann
0:30:33–0:30:36
sinnbildlich oder paraphrasiert gesagt, Er sagt,
0:30:37–0:30:41
je mehr wir uns, wir, das ist dann er und die psychoanalytische Forschung,
0:30:41–0:30:44
aber je mehr ich, hätte er auch sagen können, mich damit auseinandergesetzt
0:30:44–0:30:48
habe, was das Ich selbst, also in seinem Konstrukt,
0:30:48–0:30:52
tut, desto mehr wurde ihm dann klar gesagt,
0:30:53–0:30:58
Das sind jetzt seine Worte oder desto mehr wurde mir klar, muss ich dann sagen,
0:30:59–0:31:03
dass man nicht einfach sagen kann, es gibt Ich-Triebe und Sexualtriebe,
0:31:04–0:31:11
sondern es ist vielmehr so, dass die Libido entweder nach außen auf Objekte geschmissen wird,
0:31:12–0:31:14
was mich da draußen interessiert.
0:31:14–0:31:17
Können andere Menschen sein, können auch Dinge in der Welt sein.
0:31:18–0:31:23
Oder ich auf mich selbst. Also die Libido wurde in gewisser Weise ein bisschen
0:31:23–0:31:27
wie eine Abstraktion von diesem Triebding, was entweder ich triebe oder Sexualtriebe waren.
0:31:28–0:31:34
Es war eine Energie, eine psychische Energie, die vielseitig eingesetzt werden konnte.
Florian Clauß
0:31:35–0:31:35
Okay.
Micz Flor
0:31:35–0:31:38
So ein bisschen wie Geld eigentlich. Geld ist ja auch sowas,
0:31:38–0:31:43
du kannst jetzt selber Tomaten anbauen, kannst ja selber eine Gitarre bauen.
0:31:43–0:31:48
Oder du erwirtschaftest irgendwie Geld, um diese Dinge zu bekommen.
0:31:48–0:31:53
Libido ist nicht gleich Geld, aber die Idee zu sagen, Libido ist eine Energie,
0:31:53–0:31:58
es gab dann für ihn auch im Ich ein Energiereservoir, was für mich im Bild immer
0:31:58–0:32:01
so ist wie in Dune 2, diese Riesenhöhle mit dem Wasser von allen,
0:32:03–0:32:07
wo diese Libido in dieses Hauptreservoir zurückfließt.
0:32:09–0:32:13
Und von dort dann entweder als Libido für draußen oder für drinnen passiert.
0:32:14–0:32:18
Hartmann hat dann auch gesagt, ja, es muss auch einen Prozess der Neutralisierung
0:32:18–0:32:21
geben, weil wie kann es denn sein, dass die psychische Spannung dann auch wieder abnimmt?
0:32:22–0:32:31
Und dann wurde aus diesem sehr einfachen, gut greifbaren Konzept,
0:32:31–0:32:38
wurde dann auf einmal ein sehr komplizierter Apparat, den Freud auch nicht wirklich gelöst hat.
0:32:38–0:32:42
Also er konnte kein Modell, in meiner Meinung, das sehen andere anders,
0:32:42–0:32:45
aber in meiner Meinung habe ich das Gefühl, dass diese Libido,
0:32:45–0:32:49
Veränderung des Libido-Konzeptes bleibt,
0:32:50–0:32:55
In seiner Lebzeit, glaube ich, für ihn ungelöst. Früher fühlte es sich besser an.
0:32:56–0:33:00
Ich triebe, Sexualtriebe, eine Erhaltung des Organismus, andere Erhaltung der Art.
0:33:01–0:33:06
Alles darf sich nicht immer gleichzeitig ausleben. Deshalb muss Triebabfuhr
0:33:06–0:33:09
über andere Kanäle passieren. Hatte man irgendwie ein griffiges Bild?
0:33:10–0:33:13
Später, hast du gerade schon gemerkt, fühlt es sich so ein bisschen an,
0:33:13–0:33:17
wie man sagt, okay, wenn wir jetzt noch diese Ajax-Ebene einziehen,
0:33:17–0:33:20
dann können wir gleichzeitig, Also wo man so merkt, da baut man sich so einen
0:33:20–0:33:24
Stack auf von unterschiedlichen Funktionalitäten und Ebenen.
0:33:27–0:33:32
Und dahinter stand immer noch dieser Wunsch eben zu sagen, ich möchte die psychische Energie,
0:33:33–0:33:37
ich fasse das jetzt in diesem Satz zusammen, um dann zu Günther Ammann zu springen
0:33:37–0:33:42
und zur Humanstrukturmodell, die psychische Energie erklären,
0:33:42–0:33:46
denn irgendwoher muss ja diese Energie kommen.
0:33:46–0:33:49
Irgendwie müssen wir die Dynamik der Energie doch fassen können.
0:33:50–0:33:57
Und das wäre jetzt so eine kurze Pause mit Fragen, bevor ich dann zur Sozialenergie
0:33:57–0:33:58
komme und wie das da reinkommt.
0:33:59–0:34:05
Was jetzt dieser Schritt in die Sozialenergie ist, wir waren jetzt quasi an dem Punkt,
0:34:05–0:34:11
das Libidomodell wurde aktualisiert, überarbeitet, wurde erweitert,
0:34:11–0:34:16
um mehrere gerechtfertigte Nachfragen zu klären.
0:34:17–0:34:22
Kamen da vielleicht nie mehr so richtig auf diese gleiche Griffigkeit wie ganz am Anfang.
0:34:23–0:34:29
Und eine Entwicklung dann, das ist eben diese Ich-Struktur oder Human-Strukturmodell,
0:34:30–0:34:35
der dynamischen Psychiatrie, wie es auch heißt, die sich über die Ich-Psychologie
0:34:35–0:34:40
gebildet hat und die anfangs, da muss ich jetzt so schnell durchspringen,
0:34:40–0:34:44
anfangs erst mal angefangen hat, so bestimmte,
0:34:45–0:34:49
freudianische Triebmodelle zu hinterfragen und umzuformulieren und dann zu prüfen,
0:34:49–0:34:54
ob die Hypothese immer noch gleichermaßen griffig ist.
0:34:54–0:34:56
Sind wir wieder am Fahrrad, aber noch gar nicht fertig.
Florian Clauß
0:34:57–0:35:01
Ja, ganz kurz eine Frage. Mein Vorschlag wäre, dass wir die Fahrräder jetzt
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mitnehmen, falls es sich zu sehr stört, und dann aber in Richtung der Neuchen gehen.
Micz Flor
0:35:07–0:35:09
Machen wir einen Stopp und lassen wir weiterlaufen.
Florian Clauß
0:35:11–0:35:13
Man kann ja gleich weitersprechen.
Micz Flor
0:35:15–0:35:18
Dann machen wir jetzt einfach mal weiter beim Fahrradschieben,
0:35:18–0:35:20
schiebend reden und beim Schieben reden.
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Also ich habe mich jetzt auch ein bisschen verheddert gehabt,
0:35:25–0:35:31
aber es ging halt noch mal kurz zu sagen, es gibt die Aggression als Weiterentwicklung
0:35:31–0:35:33
von oder Weckentwicklung von Freuds Triebkonzept,
0:35:34–0:35:40
wurde dann nicht mehr als reine Abwehr von Todestriebimpulsen gesehen,
0:35:40–0:35:43
sondern es gibt die Aggression als eine Ich-Funktion.
0:35:44–0:35:48
Also es ist einfach Teil von uns als Mensch, deshalb auch Ich-Funktion,
0:35:48–0:35:50
Ich-Struktur oder Human-Struktur-Modell.
Florian Clauß
0:35:50–0:35:52
Oder ja, um das einfach auch zu schützen.
Micz Flor
0:35:53–0:35:58
Ja, dass man Ich-Funktion, dass man sagt, es gibt konstruktive Aggressionen,
0:35:58–0:36:00
sie wollen in der Welt sein, sie wollen die Welt mitgestalten,
0:36:00–0:36:01
da müssen sie zugreifen.
0:36:02–0:36:05
Und für diesen Weg hin zur Sozialenergie ist jetzt nochmal wichtig,
0:36:06–0:36:10
dass der Begriff des Narzissmus und der Narzissmus,
0:36:11–0:36:17
das Wort oder das Konzept Narzissus, das gibt es ja schon lange.
0:36:18–0:36:20
Das ist ja ein mythologischer Begriff von einem Jungen, der sich im Spiegel
0:36:20–0:36:22
selbstverliebt anschaut.
0:36:22–0:36:27
Aber in die Psychotherapie kam es über den Umweg der Onanie,
0:36:27–0:36:28
weil es wurde Ende des 19.
0:36:29–0:36:33
Jahrhunderts, wurde Narzissmus erst mal als eine sexuelle Störung,
0:36:33–0:36:36
nämlich eine Onanie, bezeichnet.
0:36:36–0:36:39
Wo man heute weiß, dass Onanie natürlich gut für die Prostata ist.
0:36:39–0:36:42
Aber damals war ja eher so die Frage, kann man davon entblinden?
Florian Clauß
0:36:44–0:36:45
Oder was sonst?
Micz Flor
0:36:46–0:36:51
Und Freud dann gesagt hat, im Moment, Narzissmus ist nicht immer eine Störung,
0:36:51–0:36:56
sondern es ist ein notwendiger Teil der menschlichen Entwicklung in frühkindlichen Erfahrungen.
0:36:57–0:37:00
Eben die Libido, mit der ich auf die Welt komme, da sind wir schon wieder bei
0:37:00–0:37:04
der Energie, die muss ja erstmal an mir kleben, wir haben ja noch keine Welt um uns drumherum.
0:37:05–0:37:08
Und dann in der Diade, oft mit der Mutter oder mit der primären Bezugsperson,
0:37:09–0:37:14
entwickelt sich dann die Fähigkeit, diese Libido eben auch auf andere,
0:37:14–0:37:16
auf die Welt, auf Objekte zu übertragen.
Florian Clauß
0:37:16–0:37:20
Okay, dann ist die Libido so ein wabbelndes Ding, was erst einmal so zwischen
0:37:20–0:37:23
Kind und Mutter und dann wabbelt das immer weiter raus.
0:37:24–0:37:29
Und je nach Entwicklung des Kindes und der Fähigkeit, sich zu bewegen,
0:37:30–0:37:32
wabbelt es immer so weiter und wird dann zu so einem Feld.
Micz Flor
0:37:32–0:37:36
Ja, ich erlebe da eine verpackte...
0:37:37–0:37:41
Die Frage, die da heißt, muss man das alles glauben?
0:37:41–0:37:45
Aber das ist dann wieder natürlich eine Hypothese. Und wenn wir jetzt über Bindungstheorien
0:37:45–0:37:50
sprechen, ich würde sagen, frühkindliche Bindung, wie die geschieht und was da möglich ist.
0:37:51–0:37:55
Mit dem Wort Bindung würde man, glaube ich, das Ganze schneller abnicken,
0:37:55–0:37:56
würde er sagen, das verstehe ich.
0:37:57–0:38:01
Und das ist jetzt eine Fußnote für mich selbst.
0:38:01–0:38:06
Freud hat, was ich vorhin meinte mit dem Libido-Begriff, so haben wir Hauptreservoir
0:38:06–0:38:09
und ich Libido und Objekt-Libido, ist eigentlich das Gleiche.
0:38:10–0:38:14
Hat er selber irgendwann mal gesagt, man könnte den Begriff der Libido vielleicht
0:38:14–0:38:16
auch einfach fallen lassen und nur psychische Energie sagen.
0:38:17–0:38:21
Und ich finde das ganz interessant, weil Freud früher nämlich auch immer eine
0:38:21–0:38:26
sehr greifbare, einfache Sprache verwendet hat. Es gibt ein Ich und ein Es.
Florian Clauß
0:38:26–0:38:27
Ja, das hattest du auch mal in einer Folge.
Micz Flor
0:38:27–0:38:30
Das hatte ich schon mal in einer Folge. Und dieser Begriff der Libido,
0:38:30–0:38:36
auf den du gerade auch so komisch eingestiegen bist, der passt da eigentlich auch gar nicht an.
Florian Clauß
0:38:36–0:38:41
Ja, weil der halt auch irgendwie besetzt ist, Libido. Also psychische Energie
0:38:41–0:38:42
ist ja nochmal so ein bisschen neutraler.
0:38:43–0:38:48
Aber Libido ist so durch alle möglichen Werke und Referenzen.
Micz Flor
0:38:48–0:38:51
Ja, inzwischen auf alle Fälle. Das kommt ja auch gerade aus der Psychoanalyse.
0:38:52–0:38:54
Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Freud selber dachte, ich führe jetzt
0:38:54–0:38:57
hier einen Begriff ein, der ist nicht selbsterklärend damals.
0:38:57–0:39:00
Heute weiß jeder gleich was, sich darunter vorzustellen.
0:39:00–0:39:02
Und vielleicht war er auch irgendwie ein bisschen erleichtert,
0:39:03–0:39:06
den loszulassen und zu sagen, ich nenne es jetzt vielleicht einfach mal nur psychische Energie.
0:39:06–0:39:11
Dann kann ich wieder leichter eigentlich mit allen reden. Und meine Theorie
0:39:11–0:39:21
ist wieder zumindest auf so einer Ebene, quasi frei von abstrakten Wörtern.
0:39:22–0:39:23
Der Narzissmus überfreut.
0:39:25–0:39:30
Als primärer Narzissmus Teil der Entwicklung, als sekundärer Narzissmus dann
0:39:30–0:39:34
später, allerdings quasi wie eine Psychose.
0:39:34–0:39:39
In einer Psychose sind Menschen nicht in der Lage, mit der Welt Kontakt aufzubauen,
0:39:39–0:39:41
weil sie nicht in der Lage sind,
0:39:42–0:39:45
diese, sage ich mal, psychische Energie, probieren wir es mal,
0:39:45–0:39:50
auch auf die Welt da draußen zu richten, sondern alles bei sich selbst ist.
0:39:50–0:39:54
Dass wer dieser psychischen Person, psychotischen Person gegenüber sitzt,
0:39:54–0:39:56
ist jetzt gar nicht so wichtig.
0:39:56–0:40:00
Die Person kann keine Übertragungsdynamik aufbauen und ist deshalb nicht therapierbar.
0:40:00–0:40:06
Das war so ein Argument und das war dieser Narzissmusbegriff bei Freud.
0:40:07–0:40:11
Und was dann passierte bei dem humanen Strukturmodell ist eben,
0:40:12–0:40:17
dass wir haben die Ich-Funktion der Aggression, die Ich-Funktion der Angst und
0:40:17–0:40:21
der Narzissmus wurde dann auch als Ich-Funktion angeschaut.
Florian Clauß
0:40:21–0:40:21
Ja.
Micz Flor
0:40:23–0:40:24
Der Narzissmus...
0:40:25–0:40:29
Kann ja auch konstruktiv sein. Also zum Beispiel, was ich heute anhabe,
0:40:30–0:40:32
das würde ich jetzt in Berlin, glaube ich, nicht anziehen.
0:40:33–0:40:37
Aber es ist kalt und ich habe genommen, was warm ist. Ich habe es einfach so
0:40:37–0:40:39
in mehreren Schichten über mich drüber gezogen.
0:40:39–0:40:43
Und du hast vorhin gefragt bei der Jacke, weil wir sind ja im Podcast,
0:40:43–0:40:47
kann man hören, sie auf diese Flecken gezeigt hat, da gehen die nicht mehr weg.
Florian Clauß
0:40:48–0:40:54
Und du so, ich weiß nicht. Ich habe mir noch nie mit dieser Jacke im Spiegel angeguckt.
Micz Flor
0:40:56–0:40:59
Die konstruktive Narzissmus, das konstruktive, eher zu sagen,
0:40:59–0:41:02
so ein bisschen das eigene Bild von in der Welt sein. Wie möchte ich mich zeigen?
0:41:03–0:41:06
Form von Hygiene, sich um sich kümmern, aber auch reflektieren schon.
0:41:07–0:41:09
Wem begegne ich? Heute nur Flo.
0:41:10–0:41:13
Den habe ich auf meiner Seite, da kann ich anziehen, was ich will.
Florian Clauß
0:41:14–0:41:17
Okay, das hast du jetzt ziemlich aufgefächert.
Micz Flor
0:41:17–0:41:19
Das habe ich aufgefächert. So, und jetzt kommt der springende Punkt, genau.
0:41:20–0:41:26
Mit dieser Umwandlung von vielen eher triebtheoretischen Aspekten aus der freudianischen
0:41:26–0:41:34
Lehre hat Günther Ammon dann irgendwann gesagt, der Narzissmus ist einerseits eine Ich-Funktion,
0:41:35–0:41:40
aber es geht da auch mehr als bei anderen Sachen wirklich primär ums Soziale.
0:41:40–0:41:44
Das Soziale ist dann in gewisser Weise so ein Motor.
0:41:44–0:41:50
Und er hat dann gesagt, der Narzissmus ist für mich beides.
0:41:50–0:41:57
Einerseits eine Form der Ich-Struktur, aber es ist auch eine Zufuhr von gewisser Weise Energie.
0:41:57–0:42:06
Diese Aktion zwischen Kind und Bezugsperson, dieses Aufmuntern oder dieses Erklären
0:42:06–0:42:12
oder auch das Beschwichtigen, das sind alles interpersonelle Dinge, die.
0:42:13–0:42:17
Die er auch als narzisstische Zufuhr beschrieben hat.
0:42:18–0:42:24
Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen, weil er dann natürlich auch den gleichen
0:42:24–0:42:25
Begriff für zwei sehr unterschiedliche Dinge hat.
0:42:26–0:42:28
Das eine ist meine innere Struktur.
0:42:28–0:42:32
Das andere ist Energiefluss zwischen Menschen und den Gruppen.
0:42:33–0:42:39
Und da wurde dann aus diesem, so zumindest erkläre ich es mir und gerne auch
0:42:39–0:42:48
dir und anderen, Aus diesem Narzissmus als energetisches Prinzip wurde dann die Sozialenergie.
0:42:49–0:42:51
Die Sozialenergie beschreibt eigentlich etwas sehr Ähnliches.
0:42:52–0:43:00
Und die ist dann die Energie, die entsteht in gruppenbezogenen Situationen.
0:43:00–0:43:05
Günther Amon hat bei allen Dingen gemerkt, es geht beim Menschsein eigentlich
0:43:05–0:43:11
immer um mehrere Menschen als nur einen. was wir auch bei dir in der Ameisenfolge hatten.
0:43:11–0:43:17
Eine Ameise allein erklärt den Bau nicht wirklich. Und.
0:43:18–0:43:21
Da ist ja viel dran.
0:43:21–0:43:26
Zum Beispiel haben auch andere Psychoanalytiker wie Winnicott,
0:43:26–0:43:28
der hat diesen schönen Satz geprägt.
0:43:28–0:43:31
There is no such thing as an infant.
0:43:32–0:43:36
Also ein Säugling gibt es nicht. Und hat das gesagt, damit man ihm die Frage
0:43:36–0:43:38
stellt, wie meinst du das?
0:43:38–0:43:43
Und er hat gemeint, was ich damit sagen will ist, da wo ein Säugling ist,
0:43:43–0:43:45
ist immer auch ein anderer Mensch.
0:43:45–0:43:49
Da sind wir auch wieder bei Tokio Godfathers. Dieser Säugling muss versorgt
0:43:49–0:43:51
werden, sonst gibt es ihn einfach nicht mehr.
0:43:51–0:43:58
Die Menschen mehr als andere Tiere sind notwendigerweise damit beschäftigt,
0:43:58–0:44:02
ihren Nachwuchs lange zu betreuen.
0:44:03–0:44:08
Und dieses Thema Gruppenbezug, nicht nur natürlich die Mutter,
0:44:09–0:44:15
sondern die Urgruppe wäre bei Amon eben die Herkunftsfamilie.
0:44:16–0:44:20
Und er hat sich dann irgendwie darauf eingelassen, irgendwann zu sagen,
0:44:21–0:44:27
probiere ich doch mal, diese Libido-Theorie wegzulassen und sage nicht mehr,
0:44:27–0:44:31
es gibt ein Libido-Reservoir in uns, das ist diese Energie.
0:44:32–0:44:35
Ich kann dir nicht sagen, wo das Reservoir ist. Ich kann dir nicht sagen,
0:44:35–0:44:37
wie man die Energie misst.
0:44:37–0:44:39
Ich kann dir nicht sagen, wie man die Energie neutralisiert,
0:44:40–0:44:44
aber im Modell wäre das notwendig. Ich kann dir nicht sagen,
0:44:44–0:44:48
wie man die libidogene Energie von Ich auf Objekt umwandelt.
0:44:48–0:44:52
Vielleicht ist es nicht notwendig. Ich habe also viele Fragen,
0:44:52–0:44:54
du musst es trotzdem glauben, hat Amon gesagt.
0:44:55–0:45:00
Aber könnten wir nicht einfach das Libidotriebthema rausnehmen und sagen,
0:45:00–0:45:08
die Kraft, die Menschen als soziale Wesen vorantreibt, vor allen Dingen auch in ihrer Entwicklung,
0:45:08–0:45:10
in ihrer Identität,
0:45:12–0:45:19
ist soziale Interaktion, diese Energie, die da entsteht. Die ist jetzt auch
0:45:19–0:45:20
nicht direkt messbar und so weiter.
0:45:21–0:45:31
Aber wäre es nicht möglich, das anstatt der Trieb-Libido-Theorie als Motor einzusetzen
0:45:31–0:45:32
für psychische Energie?
Florian Clauß
0:45:33–0:45:37
Okay, darf ich gleich nochmal zusammenfassen, ob ich das auch so verstanden
0:45:37–0:45:45
habe, wie du das gemeint hast. Also es bedeutet, ausgehend von dem Mensch in seiner...
0:45:46–0:45:55
In seiner Entwicklung als Säugling ist extrem auf ein soziales Netz angewiesen.
0:45:56–0:46:00
Und in diesem Netz, was wir dann vorher als so diese wabbelnde Debido,
0:46:01–0:46:04
die sich dann halt so nach und nach entfaltet, weil es halt irgendwie mehr...
0:46:04–0:46:10
Aber das heißt auch umgekehrt, um den Säugling herum entsteht halt quasi so
0:46:10–0:46:18
ein Aufmerksamkeitsnetz. Und das ist irgendwo auch implementiert dann in dieser sozialen Beziehung.
0:46:19–0:46:22
Das hat sowohl das Netz wie auch der Säugling erfahren.
0:46:22–0:46:30
Und wenn man das jetzt quasi noch weiter skadiert, das heißt der Säugling wird
0:46:30–0:46:34
dann halt irgendwann zum Menschen heranwachsen und so weiter.
0:46:34–0:46:37
Aber das ist so quasi dieses Restrauschen von sozialer Energie,
0:46:38–0:46:45
die dann am Anfang extrem intensiv erlebt wird und dann aber noch so als Energie
0:46:45–0:46:50
noch immer so im Raum vorhanden ist, weil es irgendwo in dieser Phase des Säuglings gelernt wurde.
Micz Flor
0:46:50–0:46:56
Ja, die soziale Energie muss nicht nur in dieser frühkindlichen Phase so wirksam sein.
0:46:56–0:47:02
Was du beschrieben hast mit vor Menschen reden, Referate halten,
0:47:02–0:47:06
das sind alles Momente, in denen soziale Energie passiert.
0:47:07–0:47:12
Es ist schwierig, alles damit zu beschreiben, auch da kommen wir wieder an Grenzen,
0:47:12–0:47:13
weil zum Beispiel eine Mobbing-Situation,
0:47:14–0:47:21
in der eine Person ausgegrenzt wird und dadurch aber andere Personen auch Gemeinsamkeit
0:47:21–0:47:24
entwickeln und einen größeren Zusammenhalt entwickeln, wenn man das so versucht
0:47:24–0:47:26
abstrakt zu formulieren.
0:47:26–0:47:28
Auch da ist soziale Energie wirksam.
0:47:28–0:47:35
Also es entsteht sozusagen eher ein Feld, in dem, ein sozialenergetisches Feld,
0:47:35–0:47:40
in dem Dinge miteinander in Kontakt sind und das ist vielleicht eine Brücke zu Hartmut Rosa.
0:47:40–0:47:45
Man könnte vielleicht sagen, Sozialenergie als Feld ist etwas,
0:47:45–0:47:48
was diese Resonanz dann ermöglicht, in der.
0:47:51–0:47:55
In der die Menschen miteinander in Kontakt treten. Wo hilft uns das denn?
0:47:56–0:47:59
Und dann finde ich, bei ein paar Dingen ist es erstaunlich, wenn wir sagen,
0:47:59–0:48:02
die Gruppenbezogenheit als Energiereservoir,
0:48:03–0:48:10
in der wir dann konstruktive oder destruktive oder defizitäre Beziehungserfahrungen machen,
0:48:11–0:48:13
die ist zum Beispiel eine sehr
0:48:13–0:48:19
einfache Art, in der man transgenerationale Prozesse beschreiben kann.
0:48:19–0:48:23
Das hatte ich auch in der Encanto-Folge vor vielen, vielen Jahren schon mal kurz erwähnt.
0:48:24–0:48:30
Ich gebe dir da mal ein Beispiel, weil die transgenerationale oder intergenerationale
0:48:30–0:48:34
Traumata-Thematik versucht ja auch immer zu überlegen, ist das jetzt wirklich körperlich?
0:48:35–0:48:40
Ist es notwendig zu wissen, was da passiert ist der Urgroßmutter,
0:48:40–0:48:42
was ist da überhaupt direkt los.
0:48:43–0:48:51
Und im Humanstrukturmodell könnte man einfach sagen, die Weitergabe von Traumata
0:48:51–0:48:53
ist jetzt nicht das Narrativ des Traumata,
0:48:53–0:48:58
was vielleicht, weil diese Menschen ja teilweise auch alle gleichzeitig in der
0:48:58–0:49:05
Welt sind, vielleicht erzählt wird, Tja, vielleicht erzählt die Uroma, was passiert ist,
0:49:06–0:49:07
vielleicht aber auch nicht erzählt
0:49:07–0:49:11
wird und trotzdem ist es vielleicht weitergegeben. Wie passiert das?
0:49:11–0:49:19
Und mit der sozialen Energie würde man sagen, es gibt destruktive und defizitäre Dinge.
0:49:23–0:49:28
Beziehungsstrukturen in der frühen Kindheit. Die Urgroßmutter,
0:49:28–0:49:30
die was Traumatisches erlebt hat,
0:49:31–0:49:35
die ist einfach aufgrund ihres traumatischen Erlebens nicht in der Lage,
0:49:35–0:49:39
ihr eigenes Kind jetzt nicht perfekt,
0:49:39–0:49:43
das ist auch nochmal wichtig, es geht nicht um perfekt, aber sie ist nicht in
0:49:43–0:49:46
der Lage, das Kind so gut zu spiegeln, zu begleiten,
0:49:47–0:49:51
mit Frustration gut umzugehen, selber auch Dinge mal auszuhalten,
0:49:52–0:50:00
dass das Kind angemessen aufwachsen darf, sondern sie wirkt vielleicht oft depressiv, abwesend,
0:50:01–0:50:03
zurückhaltend, aufbrausend,
0:50:03–0:50:10
sodass das Kind keine guten Beziehungserfahrungen macht, da destruktive Elemente
0:50:10–0:50:14
erlebt oder defizitäre Elemente erlebt, bestimmte Dinge gar nicht Thema sind.
0:50:15–0:50:19
Zum Beispiel hatten wir vorhin gesagt, der Narzissmus vielleicht gar nicht Thema
0:50:19–0:50:22
ist, Körperhygiene oder wie man sich anzieht oder wie auch immer.
0:50:23–0:50:29
Das heißt, das Kind einer traumatisierten Person hat Defizite.
0:50:31–0:50:35
In dem eigenen frühen Beziehungserleben und ist dann vielleicht auch selber
0:50:35–0:50:41
nicht gut in der Lage, das dann in der nächsten Generation weiterzumachen.
0:50:41–0:50:47
Das heißt, diese Traumata sind nicht, dass da der Krieg, der Brand,
0:50:47–0:50:55
der Verlust des Geldes, der Tod weitergegeben wird, sondern die Schieflage in
0:50:55–0:51:00
frühen Beziehungserfahrungen über das sozial-energetische Prinzip wird quasi
0:51:00–0:51:02
von Generation zu Generation weitergegeben,
0:51:02–0:51:04
kann aber natürlich dann auch irgendwie verändert werden.
Florian Clauß
0:51:04–0:51:08
Ja, verstehe. Ja, ja, nee, ist klar. Es ist halt quasi eine Fehlstellung,
0:51:08–0:51:13
eine Fehlhaltung, Fehlstellung im Sinne, in Anführungsstrichen.
0:51:13–0:51:19
Das wird jetzt so als normal wahrgenommen von dem anderen und der übernimmt
0:51:19–0:51:27
das irgendwie mit dem defizitären Fade.
Micz Flor
0:51:27–0:51:33
Und wenn wir jetzt dann uns im Extrem wieder zurückziehen auf intrapsychische
0:51:33–0:51:38
Phänomene, dann ist transgenerational Traumata immer wie so ein kleines Wunder.
0:51:38–0:51:41
Wir wissen nicht, wie das in diesen kybernetischen Prozess reinkam,
0:51:42–0:51:44
aber irgendwie scheint es einen Einfluss zu haben.
Florian Clauß
0:51:45–0:51:47
Was meinst du mit kybernetisch?
Micz Flor
0:51:47–0:51:50
Naja, so einen intrapsychischen, physischen Prozess.
Florian Clauß
0:51:50–0:51:52
So ein Feedback-System hast du da.
Micz Flor
0:51:52–0:51:57
Ja, mein Bild sollte da sein, ein in sich geschlossener. Eine Person sitzt vor
0:51:57–0:52:02
mir und diese Person nehme ich als die ganze Welt wahr, in der wir arbeiten.
0:52:03–0:52:05
Und wie kommen da Dinge von außen rein?
0:52:06–0:52:13
Und das musste man dann irgendwie erklären, während man über diese Beziehungsbindung, Sozialenergie,
0:52:13–0:52:20
Weitergabe gar nicht notwendigerweise erklären muss, ob das jetzt eine Mitteilung
0:52:20–0:52:24
war und die Tochter genauso geschockt war wie die Mutter oder ob es nur überbindet.
0:52:24–0:52:28
Das ist nicht so wichtig, sondern die Weitergabe ist leicht zu erklären.
0:52:28–0:52:30
Ich muss gerade überlegen, ich hatte gerade noch ein anderes Beispiel.
Florian Clauß
0:52:30–0:52:31
Ich wollte gerade abmoderieren.
Micz Flor
0:52:32–0:52:33
Und das war's.
Florian Clauß
0:52:33–0:52:40
Das war ein Wege über. Nee, aber ich glaube, du bist jetzt ganz zufrieden,
0:52:40–0:52:44
dass du da so den Begriff so aufgefächert hast, oder?
Micz Flor
0:52:44–0:52:49
Also ich wollte mal ganz kurz die Brücke zwischen Hartmut Rosa und Günther Ammon
0:52:49–0:52:52
schließen, weil die kommen ja von unterschiedlichen Richtungen.
0:52:52–0:52:57
Der eine aus der Soziologie von außen, ja, über sein Reflektieren auf Gesellschaftsniveau,
0:52:58–0:53:04
überhitzte Gesellschaft, alles voller Energie. Energie dann über das Resonanzthema
0:53:04–0:53:05
und dann die Frage, wo kommt die Energie her?
0:53:07–0:53:12
Und Günther Ammon aus diesem intrapsychischen freudianischen Triebkonzept erweitert
0:53:12–0:53:14
um Sozialenergie später,
0:53:14–0:53:22
also als gruppenbezogene Dynamik, die dann auch bei Ammon natürlich in der Einzel-
0:53:22–0:53:27
und Gruppentherapie erst mal verhaftet bleibt, aber von der dann auch sagt,
0:53:27–0:53:28
das kommt auch als Zitat im Blog,
0:53:29–0:53:31
dass diese Sozialenergie.
0:53:34–0:53:38
Die Begegnung erst mal umfasst. Also ich glaube nicht nur ab drei Leute,
0:53:38–0:53:41
sondern auch einfach die Begegnung, die Gruppe.
0:53:42–0:53:48
Dann aber auch die umgebende Gruppe, die Gemeinschaft, aber auch die Gesellschaft.
0:53:48–0:53:52
Ich glaube, die Unterscheidung da ist eher so zwischen dem eher emotionalen,
0:53:52–0:53:54
aber auch dem regelhaften, strukturierten.
0:53:55–0:54:00
Und er stellt dann schon auch eine Brücke her hinein in so kulturelle Kreise, Gesellschaftskreise.
0:54:01–0:54:07
Und das ist, glaube ich, der Punkt, an dem er dann sich auch mit dieser Resonanz,
0:54:07–0:54:13
also nicht Resonanztheorie, aber mit dieser Frage, wie Resonanz entsteht und
0:54:13–0:54:18
was die soziale Energie ist, die Hartmut Rosa stellt, diese Fragen, da verbinden kann.
0:54:20–0:54:27
Das wäre jetzt mal so ein Versuch, diese Brücke von beiden Seiten in der Mitte zu schließen.
Florian Clauß
0:54:27–0:54:34
Es ist ja schon so, also ich glaube, ich weiß nicht, ob das jetzt zu methodologisch
0:54:34–0:54:39
ist, aber es ist ja schon so ein bisschen, was du aus deiner Gestalttherapieausbildung
0:54:39–0:54:41
dann mit anwenden kannst, oder?
Micz Flor
0:54:41–0:54:45
Ja, ich habe ja das Institut, wo ich die Ausbildung gemacht habe,
0:54:45–0:54:47
jetzt für die Psychodynamik, für den TP,
0:54:48–0:54:52
auch ausgesucht, gerade weil es diesen Gruppenbezug hat, den ich halt bei der
0:54:52–0:54:58
Gestalttherapieausbildung leben durfte und ich jetzt auch merke in der Praxis,
0:54:58–0:55:01
dass mir das irgendwie hilft. Ja, ich habe bestimmte Dinge,
0:55:03–0:55:08
die man jetzt nicht in der TP-Ausbildung machen würde, die ich aus der Geschalttherapie
0:55:08–0:55:15
nehme und das auch gut argumentieren kann, vor dem psychodynamischen theoretischen Gebäude dahinter,
0:55:16–0:55:20
die sehr viel aktionsbezogener sind.
0:55:21–0:55:25
Wo man gerade in der Gruppe, glaube ich, ist es auch sinnvoll,
0:55:25–0:55:29
dass man nicht nur über das da draußen spricht,
0:55:30–0:55:35
sondern wirklich auch im Hier und Jetzt aktiv ist und dann passiert was du ja
0:55:35–0:55:41
vorhin auch gesagt hast dann hat man seine Versuchsanordnung direkt vor sich
0:55:41–0:55:44
dazu gehört halt dass die Person im Hier und Jetzt ist,
0:55:46–0:55:47
und dann ist es nicht.
0:55:49–0:55:55
An irgendjemandem zu sagen das ist doch im Prinzip gerade genau das was wir
0:55:55–0:55:59
mit ihrem Bruder erlebt haben sondern da muss die Person schon selber drauf kommen,
0:56:00–0:56:04
vielleicht ist es auch eine falsche Hypothese und was geht ganz woanders hin,
0:56:04–0:56:08
aber der Konflikt, der zwischen zwei Menschen in der Gruppenpsychotherapie entsteht,
0:56:09–0:56:14
der ist in der Gruppe auch immer viel einfacher zu lösen, weil die Gruppe Menschen
0:56:14–0:56:19
sind, die sich füreinander öffnen, damit es allen irgendwie besser geht,
0:56:19–0:56:24
die bereit sind, selber daran zu lernen, dass jemand anders mit ihnen ein Problem hat.
0:56:24–0:56:30
Und solche Gruppen hast du halt in der normalen, in Anführungszeichen, Welt nicht wirklich.
0:56:30–0:56:35
Es gibt immer die Möglichkeit, Sachen auszusprechen, Sachen zu stoppen,
0:56:36–0:56:41
Sachen zu wiederholen, Sachen auszuprobieren in einem sozialen Gefüge.
0:56:42–0:56:47
Ja, und du weißt, das weiß jeder aus Erfahrung, den Luxus hätte man mancher
0:56:47–0:56:51
gerne auch, war da, keine Ahnung, Weihnachtsfest.
0:56:52–0:56:55
Können wir den Tag nochmal anfangen, bitte? Das lief alles schief,
0:56:55–0:56:57
aber können wir es nochmal anders probieren?
0:56:58–0:57:02
Und das ist halt ein unfassbares Geschenk in der Gruppenpsychotherapie,
0:57:02–0:57:04
dass so viele Menschen für einen da sind.
Florian Clauß
0:57:05–0:57:09
Ja, ich habe auch von Leuten schon gehört, die in Gruppentherapie sind,
0:57:09–0:57:14
dass sie dann halt so, oh schön, das Thema nehme ich mit und bespreche jetzt in meiner Gruppe.
0:57:17–0:57:21
Also die Gruppe dann halt schon so auch als so ein Konfliktslösungsraum.
0:57:21–0:57:30
Ja, dann und aber ja, nee, ich glaube allein, wie du sagst, dass die einzelnen
0:57:30–0:57:32
Gruppenmitglieder dann die,
0:57:33–0:57:39
Zeit sich nehmen, die Energie dahin zu kommen und dann auch auf sich nehmen
0:57:39–0:57:43
und zusammen zu kommen, das ist ja dann erstmal hast du ja dann auch das ist
0:57:43–0:57:45
dann auch, glaube ich, ganz wichtig von diesem,
0:57:46–0:57:48
Heilvertrag, ne, dass du halt irgendwie so,
0:57:48–0:57:52
dass dir schon mal so diesen Raum für sich persönlich einräumen,
0:57:52–0:57:57
um dann halt da wirken zu können.
0:57:58–0:58:04
Das ist, glaube ich, so wichtig als Voraussetzung. Da ist ja schon mal eine Grundeinstellung da.
Micz Flor
0:58:04–0:58:07
Ja, das ist schön. Wollen wir es dabei belassen?
Florian Clauß
0:58:07–0:58:16
Ja, gerne. Und ja, vielen Dank, Mitch. Also es war jetzt in der Kälte des Dezembers
0:58:16–0:58:22
auf dem Brandenburger Land, zwischen den Mindmühlen war das jetzt nochmal hier,
0:58:23–0:58:25
Recht erhellen.
Micz Flor
0:58:27–0:58:31
Die Sozialenergie ist der Glühwein für die Gruppenseele.
Florian Clauß
0:58:33–0:58:38
Ich freue mich jetzt auch schon auf die Suppe in der Neuen. Okay, das war...
Micz Flor
0:58:38–0:58:39
Steigen wir gleich auf die Räder.
Florian Clauß
0:58:40–0:58:46
Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann hinterlasst uns gerne irgendwo eine positive Bewertung.
0:58:47–0:58:51
Und wir sagen Tschüss. Bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
0:58:51–0:58:53
Ja, macht's gut. Tschüss.

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"Resonanz (als Zurück-Tönen) bezeichnet das In-Beziehung-Treten zweier Seiten oder Entitäten, die mit je eigener Frequenz schwingen, oder die, bildlich gesprochen, mit je eigener Stimme sprechen." - Hartmut Rosa (2019: 21)

Bei einem vorweihnachtlichen Spaziergang durch Charlottenburg spreche ich mit der Psychotherapeutin Anja Ulrich über „Sozialenergie“ (Günter Ammon), über „Soziale Energie“ (Hartmut Rosa) und darüber, wie sich diese Form psychischer Energie in der Gruppentherapie zeigt. Es geht also um Energie, weshalb es uns passend erscheint, dass wir die Tour vor dem ehemaligen Bewag-Abspannwerk in der Leibnizstraße, Ecke Niebuhrstraße, beginnen. Heute unter dem Namen „MetaHaus“ bekannt, versorgte das Gebäude mit Stahlskelett und roter Klinkerfassade seit den späten 1920er-Jahren Charlottenburg mit Strom. Der Begriff „Soziale Energie“ zieht, vor allem wegen der Forschung des Soziologen Hartmut Rosa, immer größere Kreise. Anja Ulrich und ich finden viele vertraute Ideen in seinen Gedanken, da unser Ausbildungsinstitut seit den 1970er-Jahren mit dem Konzept der „Sozialenergie“ der Psychoanalyse eine Weiterentwicklung bescherte. Der Psychiater, Psychoanalytiker und Mitbegründer unseres Ausbildungsinstituts, Günter Ammon, hat in seinem Theoriegebäude die Triebenergie Freuds (Libido) durch die Sozialenergie ersetzt. In den Shownotes verlinkt: ein längerer Artikel von 1982. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es auch deutliche Unterschiede. Hartmut Rosa, aufbauend auf seinem Konzept der Resonanz, beschreibt Soziale Energie als relationales Phänomen, das in Resonanzbeziehungen entsteht. Energie ist hier keine individuelle Ressource, sondern eine dynamische, zirkuläre, nicht speicherbare Qualität gelingender Interaktion, die Menschen im Kontakt belebt und transformiert. Günter Ammon versteht Sozialenergie als gruppendynamisch erzeugte psychische Kraft, die die Ich-Struktur aufbaut und Identitätsentwicklung ermöglicht. Während Rosa einen phänomenologisch-soziologischen Fokus auf Resonanz legt, betont Ammon die strukturbildende Funktion sozialer Felder im Rahmen der Dynamischen Psychiatrie. Die heutige Tour führt uns vorbei an den Läden der Wilmersdorfer Straße, zur Deutschen Oper, über den Richard-Wagner-Platz, die UdK, die Paris Bar und schließlich zum Berliner Institut der Deutschen Akademie für Psychoanalyse in der Kantstraße. Dann ist der Ofen aus.

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Anja Ulrich

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:04
Gibt es hier irgendwas? Ist das da drüben ein Kraftwerk mal gewesen oder so? Irgendwas?
Anja Ulrich
0:00:04–0:00:08
Da wurde irgendwas mit Elektrizität gemacht. Ich glaube, man kann auch noch
0:00:08–0:00:11
so was Turbinenartiges in der Mensa da sehen.
Micz Flor
0:00:12–0:00:16
Dann gehen wir da hin und können da mit dem Energiewalk anfangen.
Anja Ulrich
0:00:16–0:00:17
Ah, ja!
0:00:20–0:00:23
Wir wollen noch gucken, wie die Energie so fließt.
Micz Flor
0:00:23–0:00:23
Ja, genau.
Anja Ulrich
0:00:24–0:00:26
Hallo Michael, schön, dass wir heute wieder einen Podcast machen.
Micz Flor
0:00:26–0:00:29
Ja, Anja, ich freue mich auch total. Ich freue mich seit dem 30.
0:00:29–0:00:31
Januar, dass wir das wieder machen.
0:00:31–0:00:34
Es geht heute um Energie und deshalb haben wir...
Anja Ulrich
0:00:34–0:00:36
Das Meta-Haus.
Micz Flor
0:00:36–0:00:37
Das Meta-Haus, genau.
Anja Ulrich
0:00:37–0:00:38
In der Leibnizstraße.
Micz Flor
0:00:39–0:00:44
Wobei, Meta-Haus ist eine Untertreibung. Das ist mindestens 40 Meter hoch.
0:00:46–0:00:52
Ja, Folge 92 nehmen wir jetzt auf. Es geht um Sozialenergie oder soziale Energie.
0:00:53–0:00:57
Ich hatte das, glaube ich, sogar, da müsst ihr jetzt nochmal nachhören, damals angekündigt.
0:00:58–0:01:05
Es gibt aktuell, habe ich dir auch geschickt, den Soziologen aus Jena und der
0:01:05–0:01:09
auch in Erfurt arbeitet, der über die beschleunigte Gesellschaft,
0:01:09–0:01:14
über die Resonanz, über die Unverfügbarkeit Bücher geschrieben hat,
0:01:14–0:01:16
die auch sehr viel gelesen wurden.
0:01:16–0:01:19
Also wirklich auch spannende Konzepte dahinter.
0:01:19–0:01:21
Da kommen wir wahrscheinlich auch noch drauf im Zusammenhang mit dem,
0:01:21–0:01:22
was er jetzt gerade macht.
0:01:23–0:01:26
Er beschäftigt sich jetzt gerade mit dem Begriff soziale Energie.
0:01:27–0:01:31
Und dazu gibt es noch gar nicht so viel in Writing. Da gab es in der Zeit mal
0:01:31–0:01:34
einen längeren Artikel zu, der auch online noch einsehbar ist.
0:01:34–0:01:35
Den hatte ich dir geschickt.
0:01:35–0:01:39
Der ist über seine Erfurt-Seite mitverlinkt.
0:01:39–0:01:46
Und er hat dieses Konzept von sozialer Energie jetzt auch bei der UNESCO vorgestellt
0:01:46–0:01:51
2024 am Humboldt-Forum oder in der Humboldt-Uni, müsste ich nochmal gucken,
0:01:51–0:01:52
können wir alles dann auch unten verlinken.
0:01:52–0:02:02
Und wir beide haben am Lehr- und Forschungsinstitut LFI, der Deutschen Akademie
0:02:02–0:02:04
für Psychoanalyse, DAP.
0:02:05–0:02:13
Unsere Aus- und bei dir auch noch eine Weiterbildung gemacht in psychodynamischer Psychotherapie.
0:02:14–0:02:16
Und der Gründer des Instituts Günther Ammann,
0:02:17–0:02:22
der da seit den 60ern arbeitet, der hatte spätestens mit dem großen Artikel
0:02:22–0:02:24
von 1982 im zweiten Handbuch der
0:02:24–0:02:29
dynamischen Psychiatrie den Begriff der Sozialenergie, also als ein Wort,
0:02:29–0:02:32
bestimmt.
0:02:32–0:02:37
Und ich hatte dann irgendwie immer mal den Wunsch, diese beiden Ideen so ein
0:02:37–0:02:40
bisschen aneinander zu reiben und zu gucken, wie passt das zusammen.
0:02:40–0:02:45
Auch so als Idee, wenn jemand von in Anführungszeichen oben kommt über die Soziologie
0:02:45–0:02:50
auf den Mensch und dem gegenüber jemand von unten kommt, sage ich mal,
0:02:51–0:02:56
also als Psychiater und Arzt, dann in die Psychotherapie, Psychologie reinwächst.
0:02:56–0:02:59
Wie trifft sich das? Wie kann das miteinander umgehen?
0:03:00–0:03:05
So, das war so mein Wunsch. Und natürlich, ich hätte mir alles Mögliche ausgedacht,
0:03:05–0:03:07
nur mit dir mal wieder eine Tour zu machen.
0:03:08–0:03:10
Aber das ist doch jetzt ein naheliegendes Thema.
Anja Ulrich
0:03:14–0:03:18
Ja, also das würde mich natürlich schon sofort interessieren,
0:03:18–0:03:24
was dafür gesorgt hat, dass du geglaubt hast, ich könnte dafür eine gute Gesprächspartnerin sein.
Micz Flor
0:03:26–0:03:31
Ich dachte, der letzte Podcast war ja auch, was ist eigentlich systemische Therapie?
0:03:32–0:03:40
Da bist du ja nicht unbedingt weit entfernt von Zusammenhängen,
0:03:40–0:03:43
die über das Intrapsychische oder Interpersonelle hinausgehen.
0:03:43–0:03:46
Also Dinge ein bisschen weiter zu sehen, vernetzter zu sehen,
0:03:47–0:03:51
codependent zu sehen, interdependent zu sehen vielleicht.
0:03:52–0:04:00
Und wir haben uns auch im Rahmen der Weiterbildung zur Gruppenpsychotherapie
0:04:00–0:04:04
näher kennengelernt, also eigentlich da erst so richtig kennengelernt.
0:04:05–0:04:10
Da waren wir in der gleichen Ausbildungs-Kohorte und in Selbsterfahrung und so weiter.
0:04:11–0:04:16
Und da ist ja auch so ein bisschen dieses Thema Sozialeinergie nicht explizit benannt worden.
0:04:17–0:04:21
Unser Ausbilder dort in der Selbsterfahrung war der Herr Czuschke,
0:04:21–0:04:26
der dem alles sehr nahe steht, das auch alles gelesen hat, aber jetzt doch in
0:04:26–0:04:30
seiner eigenen Karriere, glaube ich, erst spät überhaupt darauf gestoßen ist.
0:04:31–0:04:34
Aber es war ja immer eben am Institut bei uns auch Thema. Wir sind ja,
0:04:34–0:04:37
es ist ja auch ein Schatz, ein Institut, das eine eigene historische Geschichte
0:04:37–0:04:40
hat, was psychodynamisches Denken betrifft.
0:04:40–0:04:46
Es ist also kein Weiterbildungsinstitut, wo man die Lehrbücher durchkaut,
0:04:46–0:04:49
um dann das, was so oben schwimmt, sage ich mal.
0:04:51–0:04:54
Mitzubekommen, sondern es gibt immer auch eine eigene Position,
0:04:54–0:04:56
aus der heraus man denkt.
0:04:56–0:04:59
Und da gehört die soziale Energie, finde ich, mit dazu.
0:04:59–0:05:04
Und weil mich interessiert, wie du denkst und wie du improvisierst,
0:05:05–0:05:10
habe ich gedacht, wir nehmen uns das einfach vor. Vielen Dank.
Anja Ulrich
0:05:12–0:05:20
Ja, ich finde, es ist ja ein super spannendes Thema. Du hattest mir die Hartmut-Rosa-Sachen geschickt.
0:05:21–0:05:24
Die habe ich mir ein bisschen durchgeguckt und mir Gedanken gemacht.
0:05:24–0:05:34
Und fand diesen soziologischen Zugang oder diesen Blick von Gesellschaft aus.
0:05:34–0:05:37
Also du hast es eben schon gesagt, so von oben.
0:05:38–0:05:43
Der hat mir ziemlich gut gefallen. Und ich merke aber, dass ich,
0:05:44–0:05:49
ich glaube, bei Amon ist mir das auch schon so gegangen, also Hartmut Rosa sagt
0:05:49–0:05:51
ja soziale Energie und Amon sagt Sozialenergie.
0:05:55–0:06:02
Ich merke, dass ich ein bisschen auch immer denke, ach, ist irgendwie auch ein bisschen trivial.
0:06:03–0:06:07
Und da würde ich gerne mit dir auch ein bisschen drüber sprechen heute.
Micz Flor
0:06:09–0:06:13
Ja, ich hatte, bevor wir die Aufnahmeknopf gedrückt haben, habe ich ja auch
0:06:13–0:06:16
das gesagt, dass ich dann bei solchen Sachen mich dann irgendwie einerseits
0:06:16–0:06:18
vorbereite, andererseits aber manchmal an den Punkt komme.
0:06:18–0:06:23
Und das ist vielleicht genau das, was du sagst, von oben heraus, so das ist trivial.
0:06:24–0:06:28
Und bei mir in eher so einem Gefühl von defizitärem Wissen habe ich dann das
0:06:28–0:06:32
Gefühl, ich check's nicht wirklich. Aber das Gefühl, was ich habe,
0:06:32–0:06:34
ist eigentlich das, was du gerade sagst.
0:06:34–0:06:37
Ja, aber es ist doch goes without saying, sagt man im Englischen.
0:06:38–0:06:45
Muss man eigentlich nicht drüber reden. Aber irgendwie gleichzeitig hat das eine Wirkmacht.
0:06:45–0:06:49
Es erfasst die Menschen. Also der Mann spricht da vor der UNESCO.
0:06:49–0:06:52
Natürlich, weil er auch viele tolle Sachen geleistet hat.
0:06:52–0:06:54
Aber auch dieses Thema passt irgendwie gut dazu.
Anja Ulrich
0:06:55–0:06:55
Total, ja.
Micz Flor
0:06:57–0:07:01
Und ich würde dann vielleicht mal eine kurze Einleitung machen,
0:07:01–0:07:04
oder? Und dann können wir da weitergehen.
0:07:07–0:07:10
Wir haben ja die beiden schon benannt, deshalb ganz kurz zu den Biografien.
0:07:10–0:07:16
Also Hartmut Rosa ist 65 geboren, ist Soziologe und Politikwissenschaftler,
0:07:16–0:07:20
spricht auch von soziologischer Philosophie, die er betreibt.
0:07:20–0:07:25
Er ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität
0:07:25–0:07:33
in Jena und eben auch Direktor des Max-Weber-Kollegs an der Universität Erfurt,
0:07:33–0:07:34
wo auch dieser eine Artikel verlinkt ist,
0:07:34–0:07:41
der auch in Zeitmagazin erschienen ist. Zeit am Wochenende war es, glaube ich.
0:07:42–0:07:46
Die drei Bücher, die ich benennen möchte, die er veröffentlicht hat,
0:07:46–0:07:52
waren 2013 Beschleunigung und Entfremdung, ein Entwurf einer kritischen Theorie
0:07:52–0:07:53
spätmoderner Zeitlichkeit.
0:07:54–0:07:57
Und das Wort Zeitlichkeit finde ich halt schön. Also er macht so ganz viele,
0:07:57–0:08:02
ganz viele Wortspiele auch, die er mit reinbaut, wo es dann so ein bisschen
0:08:02–0:08:07
was, ehrlich gesagt, bei mir sind es dann eher Witze, keine Konzepte,
0:08:07–0:08:08
aber ich habe da eine Affinität.
0:08:08–0:08:13
Ich mache auch gerne Wortverdreher oder Wortumdenker.
0:08:14–0:08:21
Dann hat er 2016 das Buch Resonanz, eine Soziologie der Weltbeziehung.
0:08:22–0:08:23
Also das ist auch Weltbeziehung.
0:08:24–0:08:32
Und dann 2018, das finde ich auch ein sehr schönes Konzept, das Konzept der Unverfügbarkeit.
0:08:33–0:08:35
In Klammer Unruhe bewahren.
0:08:36–0:08:40
Und da zum Beispiel habe ich auch mal ein Interview, ich weiß gar nicht mehr,
0:08:40–0:08:44
gehört oder gelesen oder gesehen, wo er über seine Katze sprach.
0:08:44–0:08:49
Wie er seine Katze ihn auf dieses Buch gebracht hat, weil die lässt sich nicht einfach so greifen.
0:08:50–0:08:55
Die ist nicht immer verfügbar, sondern gerade eine Katze ist ja auch so das Klischee der Katze.
Anja Ulrich
0:08:55–0:09:05
Weil die Katze so ist. Jetzt sind wir gerade am S-Bahnhof Charlottenburg.
Micz Flor
0:09:06–0:09:10
Stuttgarter Platz, wo wir uns vorgestern ein bisschen weiter hinten auch in
0:09:10–0:09:12
der Intervisionsgruppe getroffen haben.
0:09:12–0:09:17
Also wir sind gerade sowieso über Sozialenergiegruppen Weiterbildung miteinander verbunden.
0:09:17–0:09:23
Und ganz kurz noch zu Günther Amon, der ist 1918 geboren und 1995 verstorben,
0:09:24–0:09:28
war Psychiater und Psychoanalytiker und hat eben, wie ich schon gesagt habe,
0:09:29–0:09:36
die Deutsche Akademie für Psychoanalyse gegründet und auch das Lehr- und Forschungsinstitut,
0:09:36–0:09:39
was es heute noch gibt, in der Kantstraße.
0:09:40–0:09:46
Und der zehn Jahre lang an der Menninger Foundation Amerika geforscht hat,
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wo er dann auch 1959 sein erstes Buch veröffentlicht hat, The Theoretical Aspect of Milieutherapy.
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Milieutherapie ist auch eine
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Therapie, die immer auch eben in so einem gruppenbezogenen Denken ist.
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Also du hast keine individuelle Person, da werden wir auch später,
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glaube ich, nochmal drüber reden, weil es geht ja um Gruppenbezogenheit bei Sozialenergie.
0:10:08–0:10:13
Nicht die eine Person, die vor dir sitzt und die ein Problem hat und das gilt
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es zu bearbeiten oder die eine Störung hat und die gilt es zu lösen,
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sondern in Milieutherapie ist quasi das Setting, die Gruppe,
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die umgebende Gruppe, manchmal auch weitergefasst zusammen mit dem Team,
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zusammen mit Ärztinnen und Ärzten,
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ist ein Milieu, in dem du mitgesundest.
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Das hat er 59 geschrieben, das war Teil der Forschung der Menninger Foundation
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und dann 1970, da war dann schon in Berlin, da gab es auch schon die DAP und
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das LFI, hat er Gruppendynamik der Aggressionen geschrieben,
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72 Gruppendynamik der Kreativität, 73 Gruppen Psychotherapie,
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Beiträge zur Theorie und Technik der Schulen, einer psychoanalytischen Gruppentherapie.
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Und das war so ein bisschen auch diese Gründungszeit, wo Gruppe nämlich in der
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deutschen analytischen Gesellschaft gar kein Thema war.
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Das war nach dem Krieg sehr orthodox.
Anja Ulrich
0:11:08–0:11:15
Es wird ja auf jeden Fall in der analytischen, also wenn man bis zu Freud zurückgeht,
0:11:16–0:11:23
ist ja diese Ausrichtung auf Gruppen oder die Toleranz von Gruppen und Gruppenprozessen,
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ja, also das war ja eine schwere Geburt,
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weil Freud fand es nicht so besonders.
Micz Flor
0:11:32–0:11:33
Ja.
Anja Ulrich
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Es kommt ja von dieser Individuumszentrierung, auch Psychotherapie als 1 zu
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1 Setting und eher mit den Fantasien.
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Als mit der Vorstellung, wir sind irgendwie vernetzt, aber dann kann man die
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weitere psychoanalytische Entwicklung natürlich schon in Richtung Gruppe auch lesen.
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Also auch dieses Verstehen von Duade über Melanie Klein und die Objektbeziehungstheoretiker und so.
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Also Gut, sehr theoretisch. Aber es ist sozusagen so gewachsen,
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finde ich, von der One-on-One-Situation hin zu Mutter-Kind.
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Eigentlich ist nur das Kind wichtig.
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Ah nein, es ist auch die Mutter wichtig. Hey, wow, es ist auch die Familie wichtig.
0:12:25–0:12:29
Oh mein Gott, die Gemeinde, Levin und die Gesellschaft.
Micz Flor
0:12:29–0:12:33
Die Nachbarn, die Nachbarn, die Lehrerinnen. So wird es dann immer auch Rollen geben.
0:12:33–0:12:37
Ja, aber das wäre dann auch gleich ein Sprung zu Ammon nochmal zurück,
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zu sagen, dass zum Beispiel da die Mama-Papa-Kind-Idee mit Geschwistern und
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so, dass das dann eher sowas wie eine Urgruppe ist oder eine umgebende Gruppe.
0:12:47–0:12:50
Und das finde ich auch ganz elegant, dass man da jetzt nicht versucht,
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auf die spezifischen Rollen der Versorgung einzugehen, die ja dann auch heute
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noch gar nicht so viel anders sind, wenn man mal mit unscharfem Blick drauf guckt, glaube ich,
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welche Rolle die Frau in einem heteronormativen Paarbeziehungs-,
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wir haben ein Kind-Setting zukommt, was der Mann so macht.
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Da hat sich vielleicht gar nicht so viel geändert, aber trotzdem einfach zu
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sagen, es geht hier um eine Gruppe, eine Urgruppe.
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Und die Gruppenerfahrung darin sind dann relevant für den Rest des Lebens und
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dann eben auch potenziell Teil von therapeutischer Arbeit.
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Das ist ganz gut, das kann man da nochmal irgendwie anhängen.
0:13:30–0:13:36
Und bei Freud ist es so, dass ich glaube, also ganz kurz, wir laufen jetzt in
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Wilmersdorfer Straße lang. Das war deine Idee, weil wir ja über Sozialenergie
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sprechen und da geht es ja darum,
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Dass man in sozusagen einem zirkulären Beziehung oder einem reziproken Beziehungsverhältnis
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dann irgendwie einfach auch Energie bekommt, was erlebt.
0:13:55–0:14:00
Also was ich jetzt mit dir habe, die Wilmersdorfer Straße nehme ich jetzt gar
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nicht so sehr wahr wie dich und mich natürlich, weil ich nervös bin,
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dass wir auch alles irgendwie gut über die Bühne bringen.
Anja Ulrich
0:14:05–0:14:10
Und ich mag total gerne, dass du gesagt hast, das ist ja auch sowas Zirkuläres
0:14:10–0:14:13
und wir stehen jetzt hier gerade vor einem fantastischen Karussell,
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was auch zirkulär hier Zirkus Rallye heißt.
Micz Flor
0:14:18–0:14:20
Nicht nur das, das heißt sogar Baby Zirkus.
Anja Ulrich
0:14:23–0:14:27
Und die haben auf jeden Fall auch alle richtig gute Energie, die da auf dem Bild sind.
0:14:27–0:14:32
Der Klauen und die, was ist es da? Walross oder?
Micz Flor
0:14:32–0:14:38
Und unterschiedliche Fahrgestelle, die unterschiedliche Kompetenzen mitbringen.
0:14:38–0:14:41
Manche haben Defizite, die beiden Motorräder, die haben kein Dach.
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Die Lokomotive braucht Schienen, also irgendwie haben die auch ihre eigenen Krücken mitgebracht.
Anja Ulrich
0:14:48–0:14:49
Ja, richtig gut.
Micz Flor
0:14:49–0:14:53
In diesem Baby-Zirkus, es passt gut. Eine Sache, die ich auch,
0:14:54–0:14:55
ich weiß nicht, wie es dir da geht, aber,
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Ich wollte ganz kurz zu dem Thema auch nochmal von psychischer Energie allgemein
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was dazu sagen, weil mir ging es immer so ein bisschen, dass ich das Gefühl
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habe, das ist eigentlich durch.
0:15:10–0:15:15
Also die Idee, dass man so einen Ort oder so eine Dynamik für psychische Energie
0:15:15–0:15:19
haben muss, dass man versteht, wo kommt das denn eigentlich her?
0:15:19–0:15:23
Also das, was jetzt bei Hartmut Rosa ja auch nochmal, der sagt ja dann so,
0:15:23–0:15:26
wo kommt das denn her? Da sind wir irgendwie fix und fertig,
0:15:26–0:15:28
kommen abends nach Hause, dann klopfen die Nachbarn und sagen,
0:15:28–0:15:29
wollen wir noch Karten spielen?
0:15:29–0:15:32
Und dann ist man wieder voll belebt, auch ohne Alkohol.
0:15:32–0:15:36
Also einfach nur das Soziale bringt einen dann noch irgendwie so hoch.
0:15:38–0:15:42
Aber trotzdem hatte ich immer so das Gefühl, dass dieses psychische Energie-Ding
0:15:42–0:15:45
so, ich habe da immer ein bisschen mit gefremdelt.
Anja Ulrich
0:15:47–0:15:53
Ja, ich, das könnte ich jetzt gar nicht sagen, ob ich damit gefremdelt habe,
0:15:53–0:15:58
aber ich fand die, also diese Vorstellung, die Hartmut Roser,
0:15:59–0:16:02
die er äußert, wenn wir an Energie denken,
0:16:02–0:16:06
dann denken wir in so physikalischen Kategorien.
0:16:06–0:16:12
Also Energie ist so das Potenzial, um etwas, also so eine Art Potenzial,
0:16:12–0:16:14
damit man irgendwie was bewegen kann.
0:16:14–0:16:20
Und das, was der Energieerhaltungssatz, ja, was rausgeht, muss auch reingehen.
0:16:20–0:16:28
Und so, dass ich dachte, ob mit diesem Energiebegriff, also ob dieses Wort einfach so ein paar,
0:16:28–0:16:37
also die nicht so passende Assoziationen vorruft.
Micz Flor
0:16:38–0:16:38
Ja,
0:16:41–0:16:45
das sagt er auch selber. Wenn man die Literatur guckt, dann hat man das Gefühl,
0:16:46–0:16:50
dass bei Energie spricht man entweder über Physik oder über Esoterik.
0:16:50–0:16:53
Er hat das dann gesagt, entweder über Steine oder über Sterne.
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Und das fand ich schon wieder ganz lustig. Er kann ja gut mit Worten.
0:16:58–0:17:04
Und hat dann auch explizit benannt, dass es sich hier nicht um eine Energie
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mit Nullsummen-Spiel, Input, Output und sowas handelt. Man muss es davon abgrenzen.
0:17:09–0:17:11
Und hat, das fand ich ganz interessant,
0:17:11–0:17:20
auch diese Beobachtung aus der Corona-Zeit erzählt oder erklärt.
0:17:24–0:17:28
Da ist jemand gerade mit sich alleine im Gespräch mit jemand anderem.
0:17:30–0:17:35
Er hat erzählt, dass in der Corona-Zeit dieses Phänomen wohl auftrat,
0:17:35–0:17:41
dass zuerst alle natürlich im Lockdown voneinander getrennt waren und einen
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großen Verlust erlebt haben.
0:17:42–0:17:49
Aber als dann der Lockdown aufgehoben wurde, sich dann trotzdem nicht mehr alle
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in den Chor gegangen sind. oder dann doch nicht mehr alle das so aufgegriffen
0:17:54–0:17:56
haben, dass da irgendwie was passiert ist.
0:17:56–0:18:01
Wo er meinte, das sei vielleicht auch typisch für soziale Energie, die muss fließen.
0:18:01–0:18:04
Die ist eben kein Input-Output, die kann man nicht speichern,
0:18:04–0:18:06
sondern die muss irgendwie zirkulieren.
0:18:06–0:18:11
Und dann bringt sie auch was, dann erhält sie sich auch, aber sie kann eben
0:18:11–0:18:13
auch so wie austrocknen, kann auch verschwinden.
0:18:13–0:18:16
Und das ist schon, finde ich, eine interessante Beobachtung,
0:18:16–0:18:21
weil seit der Corona-Krise, nenne ich es jetzt,
0:18:22–0:18:29
Ich höre immer wieder von PsychotherapeutInnen, dass die Nachfrage nach Plätzen
0:18:29–0:18:31
nicht mehr runtergegangen ist.
0:18:31–0:18:34
Es ist irgendwie hochgegangen und das ist wohl generell eine große Ängstlichkeit,
0:18:34–0:18:39
ein großer Bedarf seit Corona an Psychotherapie.
0:18:40–0:18:45
Also der Energiebegriff, ich finde, das passt, weil man das alltäglich auch benutzt.
0:18:45–0:18:50
Man sagt so, heute fühle ich mich voller Energie, würde man ja auch sagen.
Anja Ulrich
0:18:50–0:18:58
Ja, und nochmal, also zu der Idee, dann komme ich abends nach Hause und dann
0:18:58–0:18:59
fühle ich mich energielos.
0:18:59–0:19:02
Und dann klingeln, wie du gesagt hast, dann klingeln die Nachbarn von Karten
0:19:02–0:19:09
spielen und zack, ist wieder Energie da. Ja, dann zu Energie und Nullsummspiel
0:19:09–0:19:14
und Corona und dann sind die Leute einfach nicht wieder losgekommen.
0:19:14–0:19:20
Und ich meine zu bemerken, dass es aber innerlich bei den Menschen trotzdem
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so ein Nullsummspiel gibt.
0:19:22–0:19:29
Also ich komme nach Hause und ich habe keine Energie und dann muss ich irgendwie
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wieder Energie reinfüllen, damit ich wieder rausgehen kann.
0:19:32–0:19:35
Das deckt sich, glaube ich, nicht immer mit der Erfahrung, weil man kann auch
0:19:35–0:19:37
sich energielos fühlen, sich dann nochmal aufraffen und feststellen,
0:19:38–0:19:41
ach, eigentlich ziemlich gut und sogar ich gehe mit mehr Energie raus, als ich,
0:19:42–0:19:46
also der Abend ist mit mehr Energie beendet, als er begonnen hat,
0:19:46–0:19:54
obwohl ich eigentlich was Anstrengendes gemacht habe oder ich in Action war
0:19:54–0:19:55
und jetzt nicht nur auf dem Sofa gechillt habe.
0:19:55–0:20:00
Und ich glaube, dass diese Verknüpfung von ich fühle mich energielos,
0:20:00–0:20:03
das heißt, ich darf auf gar keinen Fall was machen, was irgendwie mich Energie
0:20:03–0:20:06
kostet, die ist schon sehr, also die finde ich es schon sehr verbreitet.
0:20:10–0:20:18
Ja, deswegen frage ich mich schon, ob die, ob dieses, diesen Begriff Energie
0:20:18–0:20:23
und diese Vorstellung, die wir davon haben, ob die nicht doch sowas in so einer rein raus Logik ist.
0:20:23–0:20:27
Wenn man in den Urlaub fährt, ja, dann ist ja die Frage, macht man eher so einen
0:20:27–0:20:30
Aktivurlaub oder macht man eher rumliegen und chillen?
0:20:30–0:20:34
Und wenn man so ganz erschöpft ist, dann gibt es ganz oft, also gibt es so die
0:20:34–0:20:42
Vorstellung, dann liegt man da schön am Strand und tankt da voll Energie auf.
0:20:43–0:20:44
Sonnenenergie vielleicht.
Micz Flor
0:20:44–0:20:45
Indem man nichts tut.
Anja Ulrich
0:20:45–0:20:50
Wird man wieder stark. Und das hat ja auch einen gewissen Erholungsfaktor.
0:20:50–0:20:57
Wenn man aber was Aktives macht, also mir fällt umweltfeindliches Skifahren ein zum Beispiel.
0:20:57–0:21:01
Wenn man sowas macht, dann macht man eigentlich sehr viel, man verbraucht sehr
0:21:01–0:21:07
viel Energie und da ist viel los, man ist richtig erschöpft am Abend und die
0:21:07–0:21:09
Konzentration auf etwas komplett anderes,
0:21:10–0:21:14
also wenn man so wie ich es nicht so besonders gut kann, dann muss man sich
0:21:14–0:21:21
sehr konzentrieren, damit man es überhaupt überlebt und dann geht man richtig
0:21:21–0:21:24
mit so Esprit raus. Guck wie sie fließt, die Energie.
0:21:27–0:21:34
Sozialer Energie passiert eben was anderes, als wir vielleicht so vorbewusst,
0:21:34–0:21:38
du hast diese Ebenen vorhin erwähnt, als wir so vorbewusst annehmen.
Micz Flor
0:21:39–0:21:45
Ja, das wäre dann ja auch so ein freudianisches Denken.
0:21:46–0:21:50
Es ist eigentlich anders, um beim Namen des Podcasts zu sagen.
0:21:50–0:21:55
Also eigentlich ist es was anderes als das, was erstmal so naheliegend wäre.
0:21:55–0:21:59
Also dass man da physikalische Energiekonzepte hernimmt, um sein Leben zu regulieren.
0:21:59–0:22:05
Aber hier bin ich jetzt off the map. Ich glaube, hier bin ich ja nie lang gelaufen.
0:22:06–0:22:08
Nördlich der Bismarckstraße, jenseits der Oper.
Anja Ulrich
0:22:10–0:22:14
Da zum Beispiel ist die Tischlerei der Deutschen Oper.
0:22:16–0:22:21
Da werden die Kulissen gefertigt. Ich würde mich aber heute,
0:22:21–0:22:23
wenn wir hier spazieren,
0:22:23–0:22:28
auch nochmal jenseits dieser ganzen Theorien, auch nochmal so würde mich interessieren,
0:22:28–0:22:36
wo du soziale Energie, wo du das Konzept so richtig so spürst.
0:22:37–0:22:45
Ja, in welchen Zusammenhängen und was für Situationen und was,
0:22:45–0:22:47
wo es so für dich so fühlbar wird.
Micz Flor
0:22:48–0:22:51
Ja, dann kann ich das, jetzt haben wir über Hartmut Rosa gesprochen,
0:22:51–0:22:55
dann knüpfe ich das so ein bisschen an Günther Ammon auf.
0:22:55–0:22:57
Ich habe ja da auch ein paar Zitate geholt. Ich wollte ja, dass das,
0:22:58–0:23:01
das war mir irgendwie sehr wichtig, dieser Beitrag.
0:23:02–0:23:06
Sogar habe ich schon ein paar Zitate auf dem Handy, wo ich nachher welche zitieren kann.
0:23:07–0:23:14
Und eins davon ist, dass er sagt,
0:23:15–0:23:19
dass die Sozialenergie bei Amon, also diese Gruppenerfahrung,
0:23:19–0:23:23
frühe Gruppenerfahrung, dass die...
0:23:25–0:23:29
Und später einen Großteil des Unbewussten bilden.
0:23:32–0:23:36
Und damit kann ich irgendwie sehr viel anfangen. Mit dieser Idee,
0:23:36–0:23:42
dass natürlich vieles von dem, was wir später auch an Problemen erleben,
0:23:42–0:23:46
oft auch direkt oder indirekt mit anderen Menschen zu tun hat.
0:23:47–0:23:49
Muss nicht alles in Gruppen entstehen.
0:23:50–0:23:54
Aber wenn wir jetzt an so große Themen wie Einsamkeit oder so gucken,
0:23:54–0:23:55
da geht es ja ganz explizit auch um andere.
0:23:56–0:24:01
Und das heißt, diese sehr frühen Beziehungserfahrungen, wie kann ich Beziehungen
0:24:01–0:24:07
herstellen, wie wichtig bin ich in Beziehungen, wie sehr sind Beziehungen Einbahnstraßen
0:24:07–0:24:10
oder reziproke Kontexte,
0:24:10–0:24:14
was darf ich, was darf ich nicht, wie muss ich mich am besten verhalten,
0:24:14–0:24:16
also frühe Beziehungserfahrungen, Gruppenerfahrungen,
0:24:17–0:24:21
dass die dann sich lange ins Leben hinein aufrechterhalten, weil die früher
0:24:21–0:24:26
mal passten und man sehr spät vielleicht erst dran kommt, man muss nicht immer Angst haben, wenn XY.
0:24:27–0:24:32
Also da habe ich lange drüber nachgedacht, damit kann ich sehr viel anfangen.
0:24:32–0:24:35
Das finde ich gerade eben auch, wenn man Gruppenpsychotherapie macht,
0:24:35–0:24:38
so nochmal hilfreich, Dieses Konzept zu sagen,
0:24:39–0:24:43
das Zitat habe ich jetzt nicht parat, könnte ich auch nicht vorlesen,
0:24:44–0:24:48
aber diesen Satz auch von Amman, wir können in Gruppen krank werden,
0:24:49–0:24:53
kurz gesagt, deshalb können wir in Gruppen auch heilen, dass man das Ganze umdreht.
0:24:53–0:24:56
Weil oft, finde ich, in der Psychotherapie ist dieses Gefühl da,
0:24:57–0:25:01
sehr schnell kann etwas beim Mobbing kaputt gehen oder in der Familie kaputt
0:25:01–0:25:06
gehen, aber dass das jemals wieder besser wird, das kann ich mir nicht vorstellen.
0:25:06–0:25:11
Also man gibt den anderen Menschen große Macht für negative,
0:25:12–0:25:15
auch anhaltende Erlebnisse und Störungen.
0:25:16–0:25:18
Man gibt anderen aber nicht die Macht,
0:25:19–0:25:22
Dass man sich traut, was Neues zu probieren, sich erweitert und dadurch vielleicht
0:25:22–0:25:27
auch in manchen Bereichen, heilen ist ein komisches Wort, aber so verändert,
0:25:28–0:25:31
dass man wieder lebensfroher in der Welt ist.
0:25:35–0:25:43
Und du, ich frage dich mal zurück, stellst eine Frage, die du für dich beantworten könntest.
Anja Ulrich
0:25:43–0:25:51
Ja, und ich war viel mehr mit so, mit persönlicheren Sachen beschäftigt.
0:25:51–0:25:55
Jetzt sind wir hier, also wir laufen ja hier durch Berlin, viele Menschen.
0:25:58–0:26:01
Wir sind durch die Wilmausdorfer Straße gelaufen, da war so der Weihnachtsmarkt
0:26:01–0:26:06
nebendran, gerade so am Aufbahn mit dem Pfarrgeschäftszirkus.
0:26:09–0:26:13
Und ich so befasst war mit der Frage,
0:26:13–0:26:18
wo merke ich das eigentlich, also wo geht so soziale Energie dann,
0:26:18–0:26:23
wo geht die in mich rein und wo merke ich die bei anderen und wenn wir beide
0:26:23–0:26:25
so laufen heute, wie merke ich die,
0:26:25–0:26:30
also fühle ich jetzt viel davon oder du meinst jetzt der Unterschied zwischen hier oder.
Micz Flor
0:26:30–0:26:35
Wilmer Surfer Straße, mehr Menschen auf der Straße, weniger Menschen auf der Straße oder Ja.
Anja Ulrich
0:26:35–0:26:42
Und dann werden sich, also wie sich Personen verbinden und dann saß diese da
0:26:42–0:26:48
an der einen Straße, wo du gesagt hast, da redet eine Person mit jemandem,
0:26:48–0:26:49
den man aber nicht sehen kann.
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Also wenn das so aussah wie vielleicht eine obdachlose psychotische Person,
0:26:53–0:26:59
fühlt die auch eine Art von Sozialenergie oder ist das Problem,
0:26:59–0:27:04
dass sie eben gerade nicht da ist oder zu wenig oder welche Sorte fließt da?
0:27:05–0:27:08
Die die so engagiert hat werden lassen ja und.
Micz Flor
0:27:10–0:27:15
Also ich glaube, primär wäre natürlich erstmal dann zu sagen, was ist eine Gruppe?
0:27:15–0:27:21
Weil ich glaube, dass das Konzept der Sozialenergie und auch Sozialenergie davon
0:27:21–0:27:26
abhängig ist, dass überhaupt erstmal eine Gruppe entsteht, dass eine Form der Kohäsion,
0:27:27–0:27:31
ja eben diese eigene Energie passiert.
0:27:32–0:27:35
Aber diese soziale, ich meine, das würde ich jetzt mal weiter,
0:27:35–0:27:40
wir sind jetzt ein bisschen da, wo ich nicht dachte, dass wir sein werden.
0:27:40–0:27:45
Also wir reden jetzt, wir machen jetzt nichts Didaktisches mehr.
0:27:46–0:27:49
Also wir erzählen jetzt gerade nicht mehr irgendwelchen Zuhörern etwas über diese Dinge.
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Das war ein Teil davon. Vielleicht muss das irgendwie anders passieren oder
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vielleicht passiert es im Nachhinein noch mal. Und die Leute lernen jetzt ein
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bisschen mehr uns kennen.
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Aber deshalb führe ich das jetzt nochmal zurück. Es ist aber gut.
Anja Ulrich
0:28:02–0:28:08
Dass du die Klammer machst, also quasi die Sozialenergie auch zu den Zuhörenden fließen zu lassen.
Micz Flor
0:28:09–0:28:10
Über das Parasoziale.
Anja Ulrich
0:28:11–0:28:12
Über das Parasoziale.
Micz Flor
0:28:14–0:28:18
Nee, aber du machst ja auch, um über das Soziale zu sprechen,
0:28:18–0:28:23
Gruppe mit Menschen, die, ohne eine Diagnose nennen zu wollen,
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Probleme mit dem sozialen, mit sozialem Kontakt, mit sozial erwünschtem Verhalten haben.
0:28:32–0:28:36
Und du hattest mir auch schon mal gesagt, dass du erstaunt warst,
0:28:37–0:28:41
wie klar und ehrlich die auch einfach so sind. Mit sich und mit anderen.
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Also Dinge, wo man auch vielleicht was von lernen kann und sich dann auch nochmal
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anders überlegt, warum das denn nicht immer so sein kann, was ja ganz praktisch ist.
0:28:53–0:28:58
Wie würdest du denn da den Begriff der Sozialenergie anlegen?
Anja Ulrich
0:29:00–0:29:11
Ich würde denen anlegen, es sind ja mehrere, bevor diese Gruppen jeweils begannen,
0:29:12–0:29:22
es von den einzelnen Teilnehmenden überdurchschnittlich häufig Entfremdungserfahrungen gegeben hat,
0:29:22–0:29:29
über einen in bestimmter Weise über die Welt und sich nachzudenken und sich
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in Beziehung zu setzen zu anderen und eben eher Erfahrungen zu machen von,
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ich kann dies nicht so gut verstehen,
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was andere miteinander, was die so machen und warum, was die so für Dinge wollen
0:29:41–0:29:46
und wie ich darauf entsprechend reagieren kann, um in diesem sozialen Gefüge
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vielleicht zu diesem Zusammenhang,
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zu diesem Vibe oder so, dieser Resonanz, da mitzuschwingen. Ich merke,
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ich schwinge da nicht gut mit.
Micz Flor
0:29:59–0:30:04
Ja genau, das ist der Resonanzbegriff von Hartmut Rosa, der dann auch ganz schön
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gesagt hat, auch ein Zitat, was ich mitgenommen habe, dass dieser Raum,
0:30:09–0:30:12
in dem so eine Resonanz zwischen zwei Menschen entsteht,
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dass es einem erlaubt, dem anderen als anderen zu begegnen. Das finde ich irgendwie ganz schön.
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Also, dass man dem anderen begegnet, für den man dann auch ein anderer ist.
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Also, da begegnen sich zwei andere, die gleichzeitig aber über einen gemeinsamen
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Resonanzraum miteinander verbunden sind.
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Martin Buber vielleicht sagen würde, eine Ich-Du-Beziehung.
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Und in dem Raum haben die Menschen Probleme, sozusagen dieses Mitschwingen zu
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erleben, damit umzugehen oder erleben es nicht?
Anja Ulrich
0:30:52–0:30:55
Genau alles das also es ist
0:30:55–0:30:58
nicht leicht damit
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zu schwingen oder die es wird wahrgenommen die
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anderen schwingen irgendwie anders und ich kann betrachten dass
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die oder ich kann irgendwie spüren dass die so miteinander schwingen
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und miteinander in kontakt kommen und sich verbinden Und ja vielleicht wie wenn
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man auf eine Feier kommt und da kennen sich schon viele Personen vorher und
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die finden sich auch zusammen und man selber kennt aber gar keine Person.
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Und es gibt ein Fremdheitserlebnis und das kann nicht gut überbrückt werden.
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Und...
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Ja, und in den Gruppen, dadurch, dass es ein, ja, was ist, was,
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also bis hin zu Mobbing-Erfahrungen und wirklich richtig schlimmen Ausgrenzungserfahrungen,
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weil die von dir schon angesprochen, Ehrlichkeit oder so eine gewisse Direktheit,
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die sich dann eben auch nicht an diese Schwingungen, zum Beispiel mit so sozialen
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Flunkereien, die wir alle so drauf haben,
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wie, hey, guck mal, meine neue Frisur, einfach nicht zu sagen, ja, sieht scheiße aus.
0:32:13–0:32:20
Oder, nee, gefällt mir gar nicht. Das eben nicht, ja, also sich auf diese,
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gemeinsame Schwingung, auf diese Matrix aus wiederum auch ganz,
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also auch das nicht automatisch so mitbedienen.
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Und da machen wir ja, und das ist auch interessant, also das habe ich im Allgemeinen
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so Lernen über diese Themen so mitbekommen,
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dass wir sehr viel investieren in diese, ja ich würde sagen Sozialenergie,
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in dieses gemeinsame Schwingen.
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Und dass es uns große Angst macht, da auch rauszufallen und da nicht mehr mitzuschwingen
0:32:54–0:33:03
und zu erleben, hier werde ich so rausgeschubst oder ich passe nicht so richtig dazu.
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Und die so also diese solche erfahrungen teilen alle miteinander mehr oder weniger
0:33:13–0:33:18
aber die ist die teilness und die art auf die welt zu blicken oder die art auch
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auf beziehungen zu blicken die wiederum ist dann fotografiert gerade was.
Micz Flor
0:33:26–0:33:27
Das ja aber du kannst du genau das gleich.
Anja Ulrich
0:33:27–0:33:32
Mit geteilter Aufmerksamkeit deinem Blick folgen.
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Ja und es gibt diese Fremdheitserfahrung oder ich bin alleine mit dem so wie
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ich denke und wie ich mich fühle und mit dem was ich nicht verstehe und andere haben nicht,
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das können nicht so gut, weil sie es vielleicht zum Teil gar nicht wissen,
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mich da trotzdem mitnehmen oder mit beteiligen und vielleicht auch zu spüren,
0:33:58–0:34:00
eigentlich möchte ich das auch gar nicht so richtig.
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Ich bin irgendwie lieber mit einer Person oder mit anderen Dingen befasst und
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andere stören mich eher.
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Und dass das dann nun miteinander geteilt wird,
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das bringt so eine ganz schöne Verbindung untereinander,
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die die was die was sehr besonderes hat also die sehr dicht sich anfühlt und
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die auch eine besondere tiefe wieso empfinde ich es als so gruppentherapeutin
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die eine besondere tiefe im kontakt entstehen lässt die dann die die,
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Die riesig verbindend ist.
Micz Flor
0:34:44–0:34:46
Ja, interessant.
Anja Ulrich
0:34:46–0:34:54
Und das ist für alle Beteiligten einschließlich mich, auch Teil davon sein zu können.
0:34:56–0:35:03
Also wirklich berührend und immer wieder so ein richtiger Wow-Moment.
0:35:03–0:35:08
Auch weil ich ja selbst, also wir haben ja die Gruppenausbildung zusammen gemacht.
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Und das beinhaltet ja auch gruppentherapeutische Selbsterfahrung.
0:35:12–0:35:18
Und ich von mir sagen würde, ich habe eigentlich Angst vor Gruppen.
Micz Flor
0:35:19–0:35:22
Aber da muss man erst nochmal erklären für die, die es nicht wissen,
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also Selbsterfahrung bedeutet, man ist selber in der Rolle der PatientInnen.
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Also wir haben als Gruppe auch, wie viele Sitzungen waren das,
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40, 60 Sitzungen oder so?
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An einer Gruppe als PatientInnen teilgenommen.
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Aber natürlich haben wir uns auch anders
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gesehen, was ja in der Regel bei Gruppenpsychotherapie nicht der Fall ist.
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Wir kannten uns, man war vielleicht auch ein bisschen vorsichtig,
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man spricht ja mit Kollegen, Kolleginnen und da ist man natürlich noch mal auch
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im Leidensdruck anders aufgestellt, als wenn man jetzt wirklich eine Psychotherapie
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sucht und in einer Gruppe landet.
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Aber du meinst eigentlich Gruppe ist, du kannst das gut verstehen,
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weil du es auch erlebst, dass man da,
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Was macht, was machst du dann?
Anja Ulrich
0:36:17–0:36:27
Ja, ich führe sehr stark die Sorge, mich da fremd zu fühlen von anderen,
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also nicht in dieses Verbindungsgefühl, auch von den anderen mit reingenommen zu werden,
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mich selbst nicht verbunden zu fühlen, obwohl andere das mit mir herstellen wollen. und,
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da entsteht was für mich auf jeden Fall was Ängstigendes.
Micz Flor
0:36:51–0:36:55
Ängstigend, wie würdest du das weiter explorieren jetzt in der Sitzung?
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Was kann Schlimmes passieren oder was bedroht sie da?
Anja Ulrich
0:37:04–0:37:05
Ja,
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ich glaube schon, dass mit dem, so wie ich bin, nicht anerkannt zu werden oder
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nicht nicht nicht sein zu dürfen und,
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nicht Teil der Gruppe werden zu können und gleichzeitig aber auch von der Gruppe
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so eingenommen zu werden.
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Also das ist ja, ich glaube, ich sage jetzt gar nichts, was jetzt so total außergewöhnlich ist.
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Es wird ja auch in der Literatur oder wenn man in Gruppenprozesse,
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Menschen, die an Gruppenprozessen teilnehmen,
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wenn man da reinhört, dann ist es ja eine, auch das ist ja eine geteilte Erfahrung,
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mehr oder weniger in die eine oder in die andere Richtung,
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von der Gruppe verschlungen zu werden, diese Symbiose-Vorstellung,
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die ängstigt, aber eben auch nicht dazu, also ausgestoßen zu werden,
0:38:07–0:38:08
das ist vielleicht was, was.
Micz Flor
0:38:08–0:38:12
Eine der größten Ängste oft, dieses ausgeschlossen zu sein,
0:38:13–0:38:18
not in on the joke oder ich habe mal so einen schönen Comic gesehen,
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so ein Bild unten drunter stand, das sitzen alle an der Bar,
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einer hebt zu den Armen und unten drunter steht, der nächste Witz geht auf meine
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Kosten. sondern also, dass man,
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außen vor ist. Das ist ja ein bisschen, was ich vorhin meinte,
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was Rose auch über diese Corona-Erfahrung gesagt hat, was dann passiert ist,
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schon fast, dass man da so ein bisschen clumsy wird mit dem Konzept allgemein.
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Also, dass man dann beim nächsten Mal zum Chor gehen ja vielleicht sogar wirklich denkt,
0:38:47–0:38:50
wir haben es jetzt ein Jahr nicht gesehen, dann wollen die wissen,
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ob und das und dieses und man da vielleicht viele Bedenken hat,
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und Und was ich denke, was oft auch passiert, man sich selber blockiert,
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weil man mehr darüber nachdenkt, was die anderen denn von einem wollen,
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als dass man sich Abgrenzung nach innen mit seinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen
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in der Gruppe beschäftigt.
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So, also bei der Intervisionsgruppe, die hatten wir vorgestern,
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da war das so ein bisschen für mich.
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Also ich habe mich da in den ersten Intervisionsgruppen immer ein bisschen fremd gefühlt.
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Aber jetzt geht das schon einige Jahre und ich habe einfach das Gefühl,
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ich kann da wirklich mir was holen.
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Ich kann mir da was holen und manchmal heißt holen, was zu geben.
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Ja, ich möchte ein paar Sachen erzählen und sie dann auch in den Gesichtern,
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vielleicht ohne Worte sogar einfach widerspiegeln,
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irgendeinen Fall vorzustellen, irgendeine Verwunderung und einfach selber auch
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nochmal mir selber dabei zuhören zu können und auch zuhören zu können.
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Und ich glaube, das ist das Besondere an der Gruppe, wie ich das in der Gruppe erzähle.
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Natürlich ist dann jede Gruppe auch wieder anders. Wie würde ich das am Weihnachten
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der Gruppe erzählen, der umgebenden Gruppe oder wie erzähle ich das in der Intervision?
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Aber jedes Mal erleben wir uns ja auch mit unseren eigenen Gedanken,
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mit unserer eigenen Realität, wenn wir sie beschreiben in einer Gruppe,
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lernen wir gleichzeitig was über uns.
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Und da möchte ich nochmal anknüpfen, was du vorhin meintest.
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Fand ich spannend. Guck mal, so viel Kunst und Kultur. Jetzt sind wir hier.
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Wieder vor allem am Renaissance-Theater.
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Großartig. Berlin hat echt so ein Angebot.
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Du hattest vorhin gesagt, dass die Gruppe von Menschen,
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die sich selbst oft als schwierig in sozialen Situationen erleben,
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ausgegrenzt, das Gefühl haben, die checken es nicht so richtig oder so,
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dass die dann auf einmal sich in der Gruppe treffen und dann entsteht da so
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ein ganz, wie du beschrieben hast, dichtes tiefes Gefühl.
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Und das fand ich ein sehr spannendes Bild, weil dieses dichte Gefühl.
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Würde ich dann vermuten, hat damit zu tun, dass man auf einmal nicht mehr alleine ist.
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Man ist ja eher so ein bisschen ein Einhorn unter den Pferden.
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Also man ist so ein bisschen anders.
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Und jetzt triften sich dann vier Einhörner zusammen. Du hast auch sowas. Ja, Wahnsinn.
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Also da entsteht so ein Spiegelndes. Da erkenne ich mich wieder.
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Und dann ist die Gruppe natürlich einerseits ein unfassbar tiefer Raum,
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weil so tief konnte ich nie mit diesen Themen gehen, weil keiner versteht mich.
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Und gleichzeitig ein dichter Raum, weil die Bandbreite an Teilnehmenden,
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die Varianz Das ist gar nicht so groß, sondern ganz im Gegenteil,
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was es therapeutisch wirksam macht.
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In dem Fall ist ja gerade auch diese große Übereinstimmung an defizitären Erlebnissen.
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Und wie möchte man es denn?
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Verhaltensweisen oder Blindheiten, soziale Blindheiten.
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Ich weiß nicht, wie man es nennen möchte. Also mir fällt kein gutes Wort an.
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Und dem gegenüber möchte ich eine andere Gruppenkonzeption gegenüberstellen.
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Weil was du beschrieben hast, hat ja eine große Wirksamkeit,
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ein tiefes, dichtes Gruppengefühl.
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Und bei mir ist es oft so in der Zusammenstellung der Gruppe,
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wenn ich die einzelnen Personen treffe vorher, was auch immer sehr ambivalent
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ist, weil man so ein bisschen entscheiden kann, was ich dann nicht wirklich
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immer konsequent mache,
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dass man Leuten sagt, sie passen nicht in die Gruppe.
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Das könnte man vielleicht sowieso nicht so sagen. Dann geht es oft auch über
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die Art der Störung, mit der die kommen oder die Probleme, mit denen die kommen und so.
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Aber ich habe dann, und da habe ich eben auch wieder an diese Resonanztheorie
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von Hartmut Rosa gedacht, ich habe dann gemerkt, so, ah, wenn ich,
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und da bist du jetzt mit deiner Gruppe eben so eine interessante Ausnahme,
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deshalb komme ich überhaupt drauf.
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Wenn man eine Gruppe zusammenstellt, in der die Varianz zu groß ist,
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man kann sich im Extrem vorstellen, wo keine zwei Leute die gleiche,
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alle können sprechen, aber keiner spricht die gleiche Sprache,
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hat man sofort natürlich das Gefühl, dass die Varianz so groß ist,
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kann man ja auch nicht therapeutisch von profitieren.
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Aber andersrum gesehen habe ich auch das Gefühl, wenn die sich alle zu ähnlich
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sind, wie in so einer psycho-edukativen Gruppe zum Thema Substanzmissbrauch oder sowas,
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dann ist da vielleicht auch nicht genügend Resonanzraum, um wirklich mit neuer
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Identität oder neuer Differenzierung aus der Gruppe wieder sich herauszuentwickeln,
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und dass eine Gruppe irgendwie beides sein muss sie muss ein Ort sein, an dem man sich fremd ist,
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sich fremd fühlend und gleichzeitig aber auch ein Ort sein, in dem man lernen
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kann, sich dazugehörig zu fühlend.
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Es darf nicht zu groß sein, der Unterschied. Und ich,
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Das finde ich immer ganz spannend bei der Gruppenzusammenstellung.
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Deine Beschreibung, die total einleuchtend ist, war halt so eine interessante
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Ausnahme, zu merken, es gibt in der Tat auch Gruppen,
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deren Effekt gerade daherkommt, dass die Individuen sich sehr ähnlich sind.
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Das fand ich spannend.
Anja Ulrich
0:44:37–0:44:45
Ja, wobei.
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Natürlich innerhalb der Gruppe trotzdem diese Unterschiedlichkeiten auftauchen.
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Aber zunächst mal, das ist vielleicht mehr als in anderen Gruppen oder die,
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die schon von vornherein heterogener zusammenorganisiert sind.
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Also Gruppentherapie ist natürlich auch ein sehr spezifischer,
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also eine sehr spezifische Stichprobe.
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Wir sprechen über das große Thema Sozialenergie, wo sich eben genau diese miteinander
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Verbindungsresonanz, energetisierenden Prozesse abbilden.
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Also Gruppen finden sich, du hast gesagt, man stellt die ja dann zusammen,
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also als Gruppentherapeut, dann stellt man die zusammen oder überlegt,
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wer kann da reinpassen und wie mischt man die.
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Das ist ja sehr artifiziell im Grunde genommen, weil sich sonst Gruppen so nicht
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zusammenfinden, sondern die finden sich zunächst einmal zusammen im Stadtbild.
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Oder so, als wir durch die Wilmersdorfer gelaufen sind, da sind dann so drei
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Männer, drei junge Männer,
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die waren einfach alle so miteinander in Verbindung, haben laut geredet und
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hatten irgendwas da am, weiß ich nicht, verhandeln oder keine Ahnung.
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Da kommt ja keiner und sagt, nein, da muss jetzt aber noch jemand rein,
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der da ein bisschen mehr Variants reinbringt.
Micz Flor
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Ja, aber es ist gleich sehr interessant, weil das ja genau das ist.
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Die würden über das, was sie da gerade gesprochen haben,
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in einem anderen Kontext mit anderen Menschen anders sprechen.
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Also dieses sich hochschaukeln, wenn man dann irgendwie in so einem Raum ist.
Anja Ulrich
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Ja, und der erste Moment der miteinander
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spürbaren Matrixenergie oder Sozialenergie, der sozialen Energie,
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ist diese Suche nach Verbindung.
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Also häufiger zumindest, ja anders geht es auch, die Welt ist bunt,
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es gibt immer auch von allem Ausnahmen,
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aber die zunächst mal, also sowohl in den Gruppentherapien als auch eben in
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anderen Gruppen, die sich zusammenfinden,
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es entsteht erstmal Verbindung eben über das Gemeinsame.
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Also es fängt an zu fließen, festzustellen, ah, interessant,
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du interessierst dich auch für die Psychoanalyse oder ach spannend,
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wir beide mögen Motorräder oder gute Mikrofone.
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Und erst wenn es dazu wie einem gut geknüpften Teppich aus Gemeinsamkeiten,
0:47:54–0:47:57
wenn das da ist,
0:47:57–0:48:10
dann entsteht das Bedürfnis oder vielleicht auch der innere Raum für mehr Differenzierung.
0:48:10–0:48:12
Ah, interessant, das ist also bei dir anders als bei mir.
Micz Flor
0:48:14–0:48:19
Ja, wir sind jetzt eine Podcast-Episode über Gruppenpsychotherapie geworden,
0:48:19–0:48:21
was aber auch gut zum Thema passt.
0:48:22–0:48:27
Also wir machen da einfach mal weiter. Ups, jetzt ist mir mein Handy in der
0:48:27–0:48:29
Hose runtergerutscht, weil meine Tasche kaputt ist.
0:48:33–0:48:36
Weil das ist in der Gruppenpsychotherapie natürlich auch immer so ein wichtiger
0:48:36–0:48:39
Schritt. Die Leute kommen alle an und das ist gerade bei Gruppen,
0:48:39–0:48:44
wenn man immer mit allen gleichzeitig anfängt, natürlich ein ganz großes Problem,
0:48:45–0:48:47
weil keiner kann sich an irgendwem orientieren.
0:48:48–0:48:50
Während wenn in einer bestehenden Gruppe Menschen dazukommen,
0:48:50–0:48:53
dann hat die Gruppe schon so eine Kultur.
0:48:54–0:48:58
Man kann sich so ein bisschen zurücklehnen, erstmal zugucken, wie muss ich hier sein.
0:48:58–0:49:03
Aber dieser erste Wunsch, ich muss hier irgendwie ankommen dürfen,
0:49:03–0:49:11
ich muss hier sein, ich muss mich hier entspannen können, was natürlich auch wieder Ängste macht.
0:49:11–0:49:13
Menschen, die sowieso schon soziale Ängste haben, die in der Gruppe sind,
0:49:13–0:49:14
weil sie denken, das wäre gut für mich.
0:49:14–0:49:18
Die merken dann auf einmal, wie viel schlimmer das in der Gruppe ist,
0:49:18–0:49:24
zu arbeiten als im Einzelnen, wo das eigene Problem dann irgendwie doch nur da draußen passiert.
0:49:25–0:49:29
Aber jetzt passiert es auf einmal in der Gruppe. da muss man angenommen werden,
0:49:29–0:49:34
da muss man dazugehören und erstmal betonen, wo man auch ganz oft in der Kommunikation
0:49:34–0:49:38
ja, was du gerade gesagt hast da kann ich viel mit anfangen, weil,
0:49:38–0:49:41
also das ist dann immer auf die eigene Biografie wieder zurückbezogen worden
0:49:41–0:49:43
das ist ganz, ganz wichtig,
0:49:43–0:49:47
für diesen Teppich, wie du sagst von Vertrauen,
0:49:48–0:49:54
und dann in der nächsten Phase kommen dann aber langsam die Konflikte hoch so nein,
0:49:55–0:49:58
das habe ich nicht gemeint Das hast du beim letzten Mal schon gedacht,
0:49:58–0:50:02
aber nein, das war nicht so oder du erinnerst dich falsch, das habe ich so nicht gesagt.
0:50:03–0:50:08
Ach so, ich dachte, also dass auf einmal so dieser Wunsch nach Harmonie und
0:50:08–0:50:12
Gemeinsamkeit aufgebrochen wird, damit man wirklich sich auch wieder abgrenzt,
0:50:12–0:50:18
damit man sich aus diesem symbiotischen Gefüge wieder entfernen kann.
0:50:20–0:50:26
Und dann eben in der Hoffnung auch, sich differenziert und verändert zu entfernen.
0:50:26–0:50:31
Das ist ja eine Leistung, die man in der Gruppe machen kann, mehr als im Einzelnen.
Anja Ulrich
0:50:31–0:50:35
Aber würdest du nicht, also du hast gesagt, jetzt sind wir so ein Podcast über
0:50:35–0:50:39
Gruppenpsychotherapie geworden.
Micz Flor
0:50:40–0:50:41
Eine Episode.
Anja Ulrich
0:50:41–0:50:43
Eine Episode, ja, Entschuldigung, stimmt.
0:50:45–0:50:48
Podcast-Folge vielleicht, ja. Oder eine Folge.
0:50:55–0:51:01
Aber wäre nicht genau der Hintergrundprozess diese Sorte von Sozialenergie,
0:51:01–0:51:04
über die Amman spricht und über die auch Hattendrosa spricht?
0:51:06–0:51:07
Ja.
Micz Flor
0:51:13–0:51:18
Ja, das ist natürlich die Frage, wie weit man dieses Modell,
0:51:18–0:51:20
also was machen wir mit diesem Modell?
0:51:20–0:51:22
Oh, die Paris-Port, da möchte ich auch noch ein Foto machen.
0:51:22–0:51:26
Was machen wir mit diesem Modell von Sozialenergie oder Sozialenergie?
0:51:26–0:51:32
Wie passt das jetzt zu dem, was wir gerade in Gruppenpsychotherapie beschrieben haben?
0:51:32–0:51:39
Also wie zumindest du und ich scheinbar sehr ähnlich arbeiten und das versuchen
0:51:39–0:51:42
zu begleiten, was da so passieren kann in dieser Richtung.
0:51:43–0:51:48
Also und da könnte man, glaube ich, schon sagen, ja, eine Gruppe,
0:51:48–0:51:53
in der, man würde vielleicht sagen, eine konstruktive Sozialenergie spürbar ist.
0:51:53–0:51:56
Das ist ja jetzt auch nicht so, dass man die dann einfrieren und festhalten
0:51:56–0:51:58
kann, sondern nächste Woche kann schon wieder anders aussehen.
0:51:59–0:52:02
Aber dass da vielleicht dann auch irgendwie mehr Lebendigkeit,
0:52:02–0:52:05
mehr Kontaktherstellung auch nach innen passiert.
0:52:05–0:52:14
Also dass man dann, dass man da mehr Potenzial hat, wirklich auch was auszuprobieren, zu vertrauen,
0:52:15–0:52:20
sich selbst auch was zuzutrauen, als in einer Gruppenerfahrung,
0:52:20–0:52:24
in der die Sozialenergie eher destruktiv,
0:52:24–0:52:30
also leicht feindlich wäre oder in der es defizitär wäre, weil man würde auf
0:52:30–0:52:34
der Bank am Alexanderplatz,
0:52:35–0:52:38
wartend auf die S-Bahn dem Nachbarn bestimmt nicht mitteilen,
0:52:38–0:52:40
was man in einem Gruppentherapie-Setting.
0:52:40–0:52:44
Also wenn überhaupt keine Sozialenergie wirklich zustande kommt,
0:52:45–0:52:49
dann würde man das halt auch nicht machen.
0:52:49–0:52:51
Ich denke, da würde man das schon so anknüpfen.
0:52:52–0:52:58
Aber hat man dann die Sozialenergie vielleicht zu sehr aufs Pragmatische runtergebrochen?
0:52:58–0:53:00
Aufs Deskriptive runtergebrochen.
Anja Ulrich
0:53:03–0:53:09
Glaubst du denn, dass Sozialenergie, dass das ein brauchbares Konzept ist,
0:53:09–0:53:13
um das zu beschreiben, was da passiert oder nicht passiert oder sich verändert
0:53:13–0:53:17
und was eine Prognose erlaubt für...
0:53:21–0:53:31
Wie geht es weiter mit, weiß ich nicht, sozialen Prozessen, Verbindungen, Gruppen?
Micz Flor
0:53:31–0:53:34
Ja, da ist jetzt Hartmut Rosa dann vielleicht wieder interessanter,
0:53:34–0:53:40
der halt postuliert, er sagt dann mal irgendwie so Energie, mit Energie kann
0:53:40–0:53:45
man Dinge bewegen, dann kann man mit sozialer Energie soziale Dinge bewegen.
0:53:45–0:53:48
Dann ist die soziale Energie vielleicht ein mögliches Vehikel,
0:53:49–0:53:53
um Bewegungen, soziale Sachen irgendwie auf die Welt zu bringen.
0:53:53–0:53:57
Sagt auch explizit, das ist schon spannend, dass sowas wie Fridays for Future
0:53:57–0:54:03
als Bewegung unfassbar viel soziale Energie mitgebracht hat oder generiert hat.
0:54:03–0:54:06
Oder es war wirklich belebend für Leute in I-Openern, die waren involviert.
0:54:06–0:54:09
Und auf einmal ist das aber irgendwie weg. Wo ist die Energie hin?
0:54:09–0:54:11
Ist die einfach nur weg oder ist die woanders hin?
0:54:12–0:54:15
Das sind so Fragen, die er stellt. Das ist gar nicht wirklich, dass er Antworten hat.
0:54:16–0:54:22
Aber er würde sagen, und so ist auch der UNESCO-Aufhänger, dass die soziale
0:54:22–0:54:26
Energie, die es hier scheinbar gibt, man kann sie beschreiben,
0:54:26–0:54:28
auch wenn man sie nicht ganz fassen kann.
0:54:28–0:54:33
Man kann sie erleben, auch wenn man sie nicht messen kann.
0:54:35–0:54:40
Dass die vielleicht ein notwendiger Zugang ist,
0:54:42–0:54:47
um das sehr materielle Miteinander, was wir gerade so erleben,
0:54:47–0:54:51
was eben, wie er ja sagt, uns auch von innen aus brennt.
0:54:51–0:54:58
Nicht nur die Welt verbrennt, sondern auch wir sind von innen ausgebrannt und
0:54:58–0:54:59
damit kann ich was anfangen.
0:54:59–0:55:02
Ich habe natürlich bestimmte Gründe jetzt familiär, ansonsten,
0:55:02–0:55:03
dass ich viel unterwegs bin.
0:55:04–0:55:06
Auch heute bin ich schon vier, fünfmal durch die Stadt gefahren,
0:55:07–0:55:09
um Dinge zu tun, mich dann endlich mit dir zu treffen.
0:55:11–0:55:12
Soziale Energie, jetzt geht es mir wieder.
0:55:14–0:55:20
Aber dass wir über das Konzept von sozialer Energie irgendwie in einen anderen
0:55:20–0:55:24
Modus des gesellschaftlichen Miteinander kommen können,
0:55:24–0:55:31
der vielleicht Dinge voranbringt, die mal wieder etwas zum Besseren verändern.
0:55:31–0:55:34
Ein Hintergrund, den er da benennt, ist, dass er gemerkt hat,
0:55:34–0:55:40
dass er mit seinem Thema, was er gerade bespricht, eben dieses kollektive Burnout
0:55:40–0:55:42
in der Gesellschaft, dass er da wieder erwarten,
0:55:43–0:55:45
internationalen, eigentlich in allen Ländern eingeladen wird,
0:55:45–0:55:48
China, Japan, sonst scheint überall Thema zu sein.
0:55:48–0:55:52
Überall ist man da wohl interessiert, seinen Vortrag zu hören,
0:55:53–0:55:54
da diesen Anstoß zu bekommen.
0:55:55–0:56:01
Und er aber auch in seiner Forschung gesagt hat, dass er interessanterweise
0:56:01–0:56:08
diese Idee von sozialer Energie in den westlichen Philosophien oder so keine richtige Rolle spielt,
0:56:08–0:56:12
aber in anderen in allen Kulturkreisen,
0:56:13–0:56:17
die Philosophie komplett, also er zitiert, das kann ich ja nicht nachzitieren,
0:56:17–0:56:21
aber dass es da ein Konzept von Qi oder von sonst was gibt, was eben sehr stark
0:56:21–0:56:25
mit einem Energiekonzept verbunden ist und auch Philosophie komplett über,
0:56:26–0:56:29
die Energie von Begegnung als Grundlage geht.
0:56:30–0:56:35
In der Gestalttherapie würde man sagen, prozessorientiert ist und nicht produktorientiert.
0:56:35–0:56:38
Also dass der Prozess, der Weg ist das Ziel sozusagen.
0:56:40–0:56:43
Also da wäre es jetzt die soziale Energie von Amon.
0:56:44–0:56:50
Da geht es natürlich schon auch um eine Verbesserung der Beziehungsfähigkeit,
0:56:50–0:56:53
der Liebesfähigkeit, würde man vielleicht sogar sagen.
0:56:57–0:57:01
Aber auf einer gesellschaftlichen Ebene denke ich, dass er das Gebiet,
0:57:01–0:57:06
wo Hartmut Rosa sich wohlfühlt und in seiner Theorie auch besser passt.
Anja Ulrich
0:57:08–0:57:15
Wir sind jetzt hier am Kurfürstendamm, eben vor dem Cinema Paris.
0:57:17–0:57:21
Ja, und ich finde, es ist eigentlich eine gute Runde heute für das Thema,
0:57:22–0:57:32
weil es sind unterschiedliche Energien gewesen, wo wir gewesen sind.
0:57:32–0:57:38
Du hattest ja eingangs gesagt, dass du nicht so richtig weißt,
0:57:38–0:57:45
ob vielleicht du an dem Konzept der Sozialenergie oder so ein bisschen so miss
0:57:45–0:57:53
the point oder ob daran eben auch noch was ist, was man nicht so richtig verstehen kann.
0:57:53–0:57:57
Ich merke, wenn wir darüber sprechen, dass ich das, also dass ich je mehr wir
0:57:57–0:58:00
darüber sprechen, umso weniger kann ich das fassen.
0:58:01–0:58:05
Und ich bin auch nochmal bei dem Begriff trivial, weil ich, das kann man irgendwie
0:58:05–0:58:07
gar nicht richtig abgrenzen.
0:58:07–0:58:10
Und während du gesprochen hast, bin ich eben, ist meine Energie ein bisschen
0:58:10–0:58:11
woanders hingewandert.
0:58:11–0:58:14
Und ich war dann, fing an, mich damit zu beschäftigen.
0:58:15–0:58:19
Okay, also Sozialenergie, was passiert denn da im Nervensystem?
0:58:19–0:58:21
Also was, woran merkt man denn jetzt?
0:58:22–0:58:25
Also was ist denn da los?
0:58:25–0:58:33
Also was wird aktiviert und was wird, was wird aktiviert, wenn,
0:58:34–0:58:40
also wenn Sozialenergie, soziale Energie, jetzt mal synonym verwandt, wenn.
0:58:42–0:58:47
Wenn das die, eine Art von Verbindungs,
0:58:47–0:58:52
ja ist auch dann tautologisch, wenn ich Verbindungsenergie sage,
0:58:52–0:58:58
also eine Art von, ist es ein,
0:58:58–0:59:03
soziale Energie macht dann eben Energie und Bewegung für soziale Prozesse.
Micz Flor
0:59:04–0:59:08
Also jetzt gerade für die, die nicht mit uns hier laufen, die es nicht sehen
0:59:08–0:59:12
können, du machst gerade so ein bisschen, als ob du mit einem Rollator läufst oder was war das?
Anja Ulrich
0:59:12–0:59:16
Nee, wie so eine Eisenbahnbewegung. Ja, so eine Eisenbahnbewegung.
Micz Flor
0:59:16–0:59:17
Okay, es dreht sich was.
Anja Ulrich
0:59:17–0:59:19
Es dreht sich und es hat so Schub nach vorne.
0:59:23–0:59:24
Und die,
0:59:26–0:59:32
ja, also da ist das das, was uns quasi anschiebt. da
0:59:32–0:59:35
bin ich auch noch mal in richtung gefreut und
0:59:35–0:59:39
der eine andere energie als die triebfeder von allem eigentlich benannt hat
0:59:39–0:59:43
nämlich zunächst einmal die libidinöse energie die eben wieder die sehr aus
0:59:43–0:59:52
dem individuum heraus kommt und die das postulat ist ja naja soziale energie ist eigentlich,
0:59:53–0:59:55
das ist viel wichtiger. Es kommt eher die.
0:59:56–1:00:01
Und so, jetzt könnten wir zum Beispiel hier nach rechts gehen,
1:00:01–1:00:03
dann wird es auch wieder ein bisschen leiser.
Micz Flor
1:00:04–1:00:08
Das hast du jetzt ein bisschen schnell übers Knie gebrochen und dann gleich
1:00:08–1:00:12
abgelenkt, indem wir die Richtung wechselt haben, aber du hast gesagt,
1:00:13–1:00:14
die libidinöse Energie von Freud
1:00:14–1:00:18
und dann Sozialenergie ist aber viel wichtiger, oder so hast du gesagt.
1:00:18–1:00:22
Das war jetzt aber nicht dein Gedanke, sondern das war jetzt der Gedanke von Nein.
Anja Ulrich
1:00:23–1:00:26
Das ist eher was, was sich an Ammon anlehnt.
Micz Flor
1:00:26–1:00:26
Ja.
Anja Ulrich
1:00:27–1:00:30
Ah, die... Dass dieses, was so...
1:00:33–1:00:38
Nur mit einem selbst zu tun hat, also irgendwo in einem selbst wird irgendeine
1:00:38–1:00:46
Form von Energie im Sinne von Lust vielleicht generiert,
1:00:47–1:00:56
die dann zu Handlungen führt oder die dann auch zur Hinwendung zu anderen Personen führt.
1:00:56–1:01:01
Und da würde Amon ja, so wie ich es verstehe, eher sagen,
1:01:02–1:01:08
nee, es ist die Ursprungsgruppe, die Primärgruppe, die Familie,
1:01:09–1:01:12
es ist dieses, was, also quasi diese Gruppenmatrix oder das,
1:01:12–1:01:14
was eben vorher schon da ist.
1:01:14–1:01:22
Das ist das, da kommt man rein und in diesem Raum, der alles durchzieht,
1:01:22–1:01:29
könnte dann vielleicht sowas wie eine persönliche innere Energie,
1:01:30–1:01:32
Sozialenergie, libidinöse Energie entstehen.
Micz Flor
1:01:32–1:01:32
Ja.
Anja Ulrich
1:01:34–1:01:41
Also da würde ich sagen, das ist Hennei. Amon würde sagen, Sozialenergie ist first.
Micz Flor
1:01:41–1:01:46
Ja, also Amon würde sagen,
1:01:46–1:01:55
indem ich in das Zentrum der psychischen Energie, also das, was uns bewegt,
1:01:55–1:02:01
was uns innerlich bewegt, aber auch was uns berührt bewegt und was uns Kontakt bringt.
1:02:01–1:02:08
Wenn ich da die Triebtheorie, sagt ihr, mit dem Libido rausnehme,
1:02:08–1:02:15
die Freud da reingesteckt hat, und durch die Sozialenergie als Motor in gewisser Weise ersetze,
1:02:16–1:02:24
dann habe ich, und da kann man jetzt viel drüber streiten, Freudianer wird gleich
1:02:24–1:02:27
sagen, Sequat, dann habe ich das Biologische rausgenommen.
1:02:27–1:02:34
Und habe ein gruppenbezogenes Energiekonzept.
1:02:36–1:02:43
An seine Stelle gebracht. Also das war für ihn schon ein wichtiger Schritt in einer Form.
1:02:43–1:02:46
Ich glaube, danach war das Bild perfekt für Amon.
1:02:48–1:02:51
Und natürlich steht unsere Schule, ich nenne es jetzt mal unsere Schule,
1:02:52–1:02:54
oder darf ich dich da mit einbeziehen?
Anja Ulrich
1:02:54–1:02:55
Ich opponiere nicht.
Micz Flor
1:02:55–1:03:03
Du opponierst nicht. Die steht natürlich in der Geschichte der freudianischen
1:03:03–1:03:07
Psychoanalyse ist der Urboden.
1:03:08–1:03:11
Dann in der Aussplittung unterschiedlicher
1:03:11–1:03:16
Ansätze ist die Ich-Psychologie Hartmann und Anna Freud wichtig.
1:03:17–1:03:22
Wobei wir auch einen Ausbildungs-, Behandlungsraum, Winnicott-Raum haben und,
1:03:25–1:03:31
Und hat dann aber eben auch noch ein humanes Strukturmodell entwickelt und diese
1:03:31–1:03:39
Gruppenbezogenheit hineingeschrieben, sozusagen in diesen Strand.
1:03:39–1:03:47
Und mit dieser Gruppenbezogenheit, die das triebhafte Libidinöse-Modell ersetzt,
1:03:47–1:03:49
ist es dann irgendwie komplett geworden.
1:03:49–1:03:53
Ich glaube, da kann man dann wirklich sagen, okay, jetzt ist alles geschehen.
1:03:54–1:03:56
Die Psychoanalyse ist immer noch die gleiche, aber sie ist ganz umgebaut.
1:03:57–1:04:03
Und natürlich heißt dieser Umbau, dass man in der Arbeit, oder psychodynamischen
1:04:03–1:04:08
Arbeit, muss ja nicht psychoanalytisch, das sind ja auch wieder so Krankenkassenbegriffe,
1:04:08–1:04:10
analytische Psychotherapie und so weiter.
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Wenn man dann da so arbeitet und diesen Schritt mitgeht.
1:04:19–1:04:23
Dann macht das ja schon einen Unterschied, finde ich, in der Grundhaltung gegenüber
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der Person, die einem gegenüber sitzt.
1:04:26–1:04:30
Dann ist man schon auch nochmal anders darin interessiert.
1:04:30–1:04:34
Und was ich ganz, ganz toll finde an diesem gruppenbezogenen Konzept,
1:04:34–1:04:39
ist wirklich auch diese Leichtigkeit, mit der man in transgenerationale Dynamiken einsteigen kann.
1:04:40–1:04:50
Also diese Weitergabe von konstruktiven, destruktiven, defizitären Ich-Funktionen.
1:04:50–1:04:55
Also da, wo es Defizite gibt oder wo es stark ist, dass diese Transkernestahl-Weitergabe
1:04:55–1:04:59
immer wieder auch Kompetenzen oder Defizite in die nächste Generation weiterträgt,
1:04:59–1:05:02
ohne dass man da bei Melanie Klein kommst du da irgendwie nicht ran.
1:05:02–1:05:07
Da ist Säugling und Säugling bringt halt so eine Schieflage mit.
1:05:08–1:05:13
Und das geht nicht weiter durch. Und durch diese Gruppenbezogenheit ist es immer
1:05:13–1:05:18
eine Frage, ja, wie war das denn in der Zeit? Ja, war die...
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Die 17-jährige Frau, die schwanger war, war in ihrer Familie dafür gefeiert.
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Mensch, wie toll. Oder wurde sie dafür verdammt?
1:05:31–1:05:35
Was hat das Kind denn da schon als Schieflage mitbekommen, bevor es überhaupt auf der Welt war?
1:05:35–1:05:38
Das geht über diese Gruppenbezogenheit, finde ich, viel besser als über so eine
1:05:38–1:05:41
Libido-Idee. Wie gibt man sowas da weiter?
1:05:41–1:05:44
Also es macht, finde ich, schon einen großen Unterschied, das,
1:05:44–1:05:48
was Günther Amon da umgebaut hat.
1:05:49–1:05:53
Mit dem man denke ich in der Therapie auch besser arbeiten kann.
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Aber im Endeffekt bleibt es natürlich ein Modell, eine Hypothese.
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Man wird jetzt die soziale Energie nicht messen können.
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Man kann sie vielleicht irgendwie beschreiben.
1:06:03–1:06:05
Vielleicht ist sie näher an der Poesie als an der Physik.
1:06:07–1:06:13
Aber genauso wenig konnte man ja das Libido finden. Und so ist es ja.
1:06:17–1:06:20
Aber du hattest gefragt nach der Hirnphysiologie.
Anja Ulrich
1:06:20–1:06:24
Genau, genau. Dem würde ich ein bisschen widersprechen,
1:06:24–1:06:35
weil das Neurotransmittergeschehen, Also Belohnungsmechanismen,
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Aversionsangst, also Dinge, die Angst erzeugen, Dinge, die Abwehr erzeugen im
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zentralen Nervensystem.
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Die sind, finde ich, schon, die kann man gut mit dem Lust, also die kann man
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gut in so eine Lust-Unlust-Logik übersetzen.
1:06:56–1:07:04
Und letztendlich entsteht ja oder ist ja,
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Das klingt jetzt so ganz polemisch, also mein Sein in der Welt,
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also das so, wie wir jetzt beide,
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jeder für sich, wie wir hier laufen, alles, was um uns herum passiert, bildet Abbilder in uns.
1:07:25–1:07:32
Und auch die sozialen Beziehungen, also so wie wir gehen.
1:07:34–1:07:41
Das erzeugt in mir ein Bild von dir und nicht nur von mir und von dir,
1:07:41–1:07:47
sondern auch von uns beiden und auch so wie wir hier durch Berlin laufen.
Micz Flor
1:07:47–1:07:50
Aber verlässt du jetzt nicht deine Hirnphysiologie wieder in das Sack?
1:07:51–1:07:53
Oder wo finde ich dieses Bild jetzt?
Anja Ulrich
1:07:53–1:08:01
Ja, dass diese Verbindungsprozesse ja in mir physiologische Korrelate produzieren.
Micz Flor
1:08:02–1:08:08
Ja, aber dann ist es doch auch, also wenn man da versucht, ins Materielle zu
1:08:08–1:08:13
gehen, dann kann man natürlich auch sagen, hey, wie geil, Sozialenergie natürlich,
1:08:14–1:08:18
weil wir kommen ja alle vom Urknall her, es sei denn, wir sind jetzt Creationists
1:08:18–1:08:23
oder wie das heißt, aber denken wir doch einmal wissenschaftlich und der Urknall
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ist quasi Foundation von unserem Universum.
1:08:26–1:08:30
Und dann war alles in diesem super heißen Plasma, da gab es gar keine Materie,
1:08:30–1:08:31
es war alles nur Energie,
1:08:31–1:08:34
da war nur Energie, super heiß, dann wird es kalt, entstand aus dieser Energie
1:08:34–1:08:38
Materie und wie krass eigentlich, dass diese Materie ja natürlich mal Energie
1:08:38–1:08:42
war und er hat immer noch diesen inneren Drang, Energie zu sein und kein Wunder,
1:08:42–1:08:47
dass alles in Bewegung ist und auch wir dann uns da aus diesen materiellen Teilchen zusammensetzen,
1:08:48–1:08:55
die ja E gleich mc² sowieso auch nur eine Form von Energie sind, die erkaltet ist.
1:08:56–1:09:00
Und deshalb ist es doch gar nicht so verwunderlich, dass wir alle miteinander verbunden sind.
1:09:01–1:09:06
Könnte man ja spirituell ausbauen, aber du weißt, was ich meine.
1:09:06–1:09:07
Also diese Idee, was du jetzt sagst.
Anja Ulrich
1:09:07–1:09:08
Noch nicht.
Micz Flor
1:09:09–1:09:12
Noch nicht. Wenn du sagst, ja, in der Neurophysiologie, wie bildet sich das
1:09:12–1:09:14
ab, die Bilder von uns, wo ist das?
1:09:14–1:09:20
Dann ist das, glaube ich, genauso schwierig,
1:09:22–1:09:28
wirklich durchzudeklinieren, wie durchzudeklinieren, wenn doch alles mal Energie
1:09:28–1:09:29
war und gar nicht Materie.
1:09:30–1:09:32
Und jetzt sind wir Materie, da muss doch immer noch Energie sein.
1:09:32–1:09:42
Also ich glaube, man kann das nicht, du kannst nicht den Ameisenstaat erklären,
1:09:42–1:09:47
in dem du eine Ameise untersuchst, da bin ich fest von überzeugt.
1:09:48–1:09:49
Und.
1:09:54–1:10:03
Und du kannst vielleicht dann in Schwärmen und in Schwarmverhalten Algorithmen, Mechanismen finden,
1:10:03–1:10:10
die solche Bewegungen auf einmal auch simulieren können und die dir dann irgendwie
1:10:10–1:10:12
auf einmal vielleicht Hinweise geben,
1:10:13–1:10:23
dass, keine Ahnung, weil die Schwalben nur für 0,5 Millisekunden die Augen zuklippen,
1:10:23–1:10:26
Deshalb sind die Kurven nie enger als 40 Grad oder sowas in der Art.
1:10:26–1:10:29
Du kannst dann sicherlich Korrespondenzen herstellen, aber trotzdem brauchst
1:10:29–1:10:33
du dann erst mal mindestens 50 Schwalben, um so ein Schwarmverhalten herzustellen.
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Trotzdem hat die eine Schwalbe das irgendwie in sich angelegt,
1:10:36–1:10:37
aber es wird nie abgerufen.
1:10:38–1:10:41
Ein bisschen wie das, was du in der Gruppe beschrieben hast.
1:10:41–1:10:42
Die Leute, die immer alleine waren mit dir in den Gruppen.
1:10:43–1:10:46
Und auf einmal in der Gruppe gibt es diese Tief- und Dichte.
1:10:48–1:10:55
Und die kann man nicht wirklich messen. Da bin ich einfach, das ist vielleicht
1:10:55–1:10:58
so eine Form der Spiritualität, die ich in mir habe.
1:10:58–1:11:12
Ist, dass ich mich gerne hingebe dem Gedanken, dass es erst schön wird, wenn es komplex wird.
1:11:13–1:11:18
Und erst menschlich wird, wenn man es nicht mehr wirklich durchrechnen kann.
1:11:20–1:11:25
Und ich glaube, was du sagst, ist da vielleicht zumindest für mich immer eine
1:11:25–1:11:31
Falle. Weil ich wollte früher ja Biologie studieren, weil mich der Schnittstelle
1:11:31–1:11:34
zwischen Chemie und Biologie so interessiert hat.
1:11:34–1:11:38
Wann wird aus Molekülen leben?
1:11:39–1:11:44
Oder was belebt diese? Das war natürlich jetzt dann das Denken an das 17, 18-Jährige.
1:11:45–1:11:50
Eher so eine Lust als ein Wissen. Ich habe mir da nichts erarbeitet,
1:11:50–1:11:52
sondern ich hatte einfach Lust, da mehr zu arbeiten.
1:11:53–1:11:56
Ich habe dann Psychologie gewählt, aber auch irgendwie zuerst eben an dieser
1:11:56–1:12:00
Schnittstelle von Biologie und Psychologie.
1:12:00–1:12:02
Das hat mich interessiert. Also sehr stark.
1:12:03–1:12:05
Das Erste, was ich getan habe, bevor ich überhaupt studiert habe,
1:12:05–1:12:10
war, mir dann so ein Plastikgehirn zu kaufen, wo man die einzelnen Teile auseinandernehmen konnte.
1:12:10–1:12:17
Und das auf- und zuzubauen und wieder zusammenzubauen, das hat mich sehr befriedet.
1:12:17–1:12:20
Das hat mir auch eine Form von Energie gegeben.
1:12:20–1:12:26
Also ich bin damit innerlich vertraut, aber es interessiert mich jetzt gar nicht
1:12:26–1:12:29
mehr so sehr, sondern jetzt finde ich einfach dann vielleicht auch solche Sachen
1:12:29–1:12:32
wie Soziale Energie und Soziale Energie spannend, gerade deshalb,
1:12:33–1:12:37
weil sie uns einen ästhetischen,
1:12:38–1:12:41
poetischen Raum öffnen, über den wir nachdenken können.
Anja Ulrich
1:12:42–1:12:46
Also eher auf der Seite der Philosophie?
Micz Flor
1:12:47–1:12:51
Das weiß ich nicht, weil ich...
Anja Ulrich
1:12:52–1:12:55
Als auf der Seite der Energieenergie.
Micz Flor
1:12:56–1:12:57
Ach so.
1:13:03–1:13:07
Ich glaube für mich... Jetzt kommen wir langsam Richtung Institut.
1:13:07–1:13:10
Ich möchte die Frage nochmal an dich richten. Aber ich glaube,
1:13:10–1:13:17
für mich ist es nicht richtig, das Philosophie zu nennen, weil ich von Philosophie
1:13:17–1:13:20
kein wirkliches Verständnis habe, was das denn sei.
1:13:21–1:13:27
Und mich da komplett überfordert fühle, so wie, was du vorhin meintest,
1:13:27–1:13:31
wenn man in eine Gruppe reinkommt und dann irgendwie so sich unwohl fühlt.
1:13:32–1:13:37
Da fühle ich mich sofort inkompetent und angstvoll. Deshalb würde ich eher sagen,
1:13:37–1:13:41
dass es für mich was Poetisches ist, als was Philosophisches.
1:13:41–1:13:45
Wo man das dann eher auf eine ästhetische Art...
1:13:47–1:13:50
Ja, ich meine, du bist ja auch Musikerin. Du weißt ja, wie es ist,
1:13:50–1:13:53
mit Musik zu machen. Das ist unfassbar schwer.
1:13:53–1:13:57
Und ich habe bei meinen Gruppenpsychotherapien immer auch zum Schluss mache
1:13:57–1:14:00
ich einen Gong. Keiner hat mich bis jetzt gefragt, warum.
1:14:01–1:14:05
Als ich mir dann einen zulegen wollte, hatte meine Seniorpartnerin der Gemeinschaftsfraktion,
1:14:05–1:14:06
es hatte eh schon einen rumstehen.
1:14:06–1:14:09
Und zwar genau den, den ich mir gerade bei Ebay bestellt hatte.
1:14:09–1:14:11
Und jetzt nehme ich den, der eh schon da war.
1:14:12–1:14:18
Aber ich finde das einfach eine poetische Art, den Raum.
1:14:20–1:14:27
Zu schließen, weil in dem Moment, wenn dieser Gong schlägt, bewegt sich jedes Luftmolekül im Raum.
1:14:27–1:14:32
Alles wird geschüttelt, wie von jeder Stimme auch, die spricht.
1:14:32–1:14:36
Jedes Molekül bewegt sich, Teile des Menschen bewegen sich auch.
1:14:36–1:14:41
Und dieser Gong wird dann immer leiser und das heißt ja auch,
1:14:41–1:14:43
die Luft kommt langsam wieder in Ruhe lang.
1:14:43–1:14:51
Und wenn der Gong dann wirklich aufgehört hat, dann ist der Raum rein.
1:14:53–1:14:57
Und für mich, sage ich jetzt mal so als poetisches Wort dafür,
1:14:57–1:14:58
nicht als messbares Wort.
1:14:59–1:15:04
Und für mich ist dann die Sitzung auch erst geschlossen. Dann können alle gehen.
1:15:04–1:15:09
Dann ist irgendwas passiert, was alle nochmal vereint, was wortlos ist.
1:15:09–1:15:16
Was gleichzeitig den Raum erfüllt und dann wieder verschwindet und dann ist
1:15:16–1:15:20
die Sitzung vorbei und das ist eher so mein Zugang zu,
1:15:21–1:15:25
Zu manchen Themen. Also philosophisch möchte ich nicht sagen,
1:15:26–1:15:27
poetisch trifft es vielleicht eher.
1:15:29–1:15:30
Und ästhetisch.
Anja Ulrich
1:15:30–1:15:35
Und mit dem Gong passiert dann was mit der Sozialenergie?
Micz Flor
1:15:37–1:15:43
Das ist doch mal eine gute Frage. Das ist doch mal eine gute Frage.
1:15:44–1:15:46
Punkt. Nicht mal eine gute Frage. Das ist eine gute Frage.
1:15:49–1:15:59
Es ist interessant, weil ich hatte da nie dran gedacht, aber irgendwann wollte
1:15:59–1:16:01
jemand auch mal einen Gong schlagen.
1:16:02–1:16:07
Und weil die Person dann vor drei Wochen Geburtstag hatte, habe ich gedacht,
1:16:07–1:16:09
na gut, sie hatten ja gerade Geburtstag, warum nicht?
1:16:09–1:16:13
Also ich musste das irgendwie rationalisieren, dass sie das jetzt darf vor allen
1:16:13–1:16:14
anderen. die hat das spontan gefunden.
1:16:15–1:16:19
Und als sie dann in der Mitte stand, war die ganz aufgeregt mit diesem Gong.
1:16:20–1:16:26
Und drumherum waren alle auch aufgeregt. Und später hat dann jemand anders nach
1:16:26–1:16:28
seinem Geburtstag gefragt, ob er das auch mal machen darf.
1:16:29–1:16:31
Und dann habe ich auch gemerkt, dass es schon in dem Moment,
1:16:32–1:16:36
wenn ich mich da immer in die Mitte stelle mit dem Gong und diesen Gong schlage,
1:16:36–1:16:39
dann habe ich natürlich auch eine gewisse Macht.
1:16:39–1:16:47
Aber diese Macht ist eher eine Wirksamkeit die Dinge entstehen zu lassen und
1:16:47–1:16:48
auch wieder verschwinden zu lassen.
1:16:49–1:16:52
Und das ist vielleicht das, was mit der Sozialenergie da passiert.
1:16:53–1:16:58
Also in dem Moment saugt sich das irgendwie so raus und man kann wieder gut den Raum verlassen.
1:17:00–1:17:03
Manchmal ist es ja auch einfach gut, wenn etwas vorbei ist.
1:17:04–1:17:08
Und gerade bei Gruppenprozessen ist es manchmal schwierig, ein Ende zu finden
1:17:08–1:17:11
und einen Abschluss zu finden.
1:17:13–1:17:16
Jetzt möchte ich auch noch eine abschließende Frage an dich stellen,
1:17:16–1:17:20
aber mir fällt keine gute Einheit. Was könnte ich dich denn Gutes fragen?
Anja Ulrich
1:17:20–1:17:25
Boah, das ist ja, kann ich dir nicht beantworten.
1:17:25–1:17:40
Ich merke, dass ich so einen energetischen, sehr vielfältigen Gefühle heute hatte.
1:17:40–1:17:48
Und von Energie fließt und fließt nicht und fließt und fließt nicht,
1:17:48–1:17:53
es einen faszinierenden Strom gegeben hat.
1:17:56–1:18:03
Und der mit, also du siehst, ich weiß gar nicht so richtig gut,
1:18:03–1:18:05
wie ich das flüssig ausdrücken kann.
Micz Flor
1:18:06–1:18:07
Wie fühlst du dich denn jetzt?
Anja Ulrich
1:18:12–1:18:13
Durcheinander.
Micz Flor
1:18:13–1:18:16
Okay, und das ist ein Euphemismus für was?
Anja Ulrich
1:18:23–1:18:29
Nee, ist gar kein Euphemismus, sondern es ist ein Durcheinanderzustand,
1:18:29–1:18:38
der hat mit dem Thema zu tun und mit den Perspektiven, die damit einhergehen,
1:18:39–1:18:41
während wir hier gelaufen sind.
1:18:41–1:18:45
Weil so viel gleichzeitig passiert ist.
1:18:45–1:18:47
Und das wiederum ist ein super Close-up
1:18:47–1:18:54
für Sozialenergie, weil ich ungewöhnlicherweise, anders als sonst,
1:18:54–1:18:59
beschäftigt war mit der Energie, die ich habe, die du hast, die wir beide hier
1:18:59–1:19:02
zusammen haben und die wir beim Laufen mit den anderen Menschen.
1:19:02–1:19:11
Und dann noch die Vorstellung, dass es ja auch noch eine community gibt die
1:19:11–1:19:18
die die uns zuhört und dass all das das ist das ist,
1:19:19–1:19:26
also dass eine soziale energie gibt die all das verbindet und dies für mich
1:19:26–1:19:32
sehr unübersichtlich gemacht hat in dieser gleichzeitigkeit und das und eigentlich
1:19:32–1:19:35
ist es aber ja was was sowieso permanent gleichzeitig passiert.
1:19:35–1:19:45
Also weil es immer ganz unterschiedliche, simultan wirkende Verbündungen gibt.
1:19:45–1:19:51
Und dann noch die Räume, also die sozialen Räume, über die wir gesprochen haben.
1:19:53–1:19:57
Da würde ich einfach sagen, das war sehr viel und sehr verwirrend.
1:19:57–1:20:01
Und ich könnte mir vorstellen, wenn ich jetzt so im Schnelldurchlauf einmal
1:20:01–1:20:07
das, worüber wir heute gesprochen haben, so durch, so fast forward,
1:20:09–1:20:12
dann würde ich mir vorstellen, dass wer dann zuhört, auch ein bisschen verwirrt.
Micz Flor
1:20:12–1:20:18
Ja, ich bin gespannt. Das kann sein. Also man hat vielleicht so das Gefühl, man war immer gleich.
1:20:18–1:20:22
Aber von außen betrachtet war man das nicht so, wie ich gerade gedacht habe.
1:20:22–1:20:27
Auch dieser Weg, den wir gegangen sind, weil ich das ja nicht,
1:20:27–1:20:30
weil du es gerade erwähnt hast, den habe ich ja gar nicht aufgezeichnet, wie Flo das immer macht.
1:20:30–1:20:33
Das heißt, ich muss den dann aus dem Kopf nochmal so nachzeichnen.
1:20:33–1:20:35
Ich weiß gar nicht, ob ich das gut hinkriege.
1:20:35–1:20:37
Vielleicht ein bisschen anhand der Foto. Wo war das denn?
1:20:38–1:20:43
Aber es wirklich so ist, dass man innerlich natürlich irgendwie immer geradeaus geht.
1:20:43–1:20:46
Aber in Wahrheit sind wir in uns hineingefaltet mit der Tour.
1:20:48–1:20:53
Ja, mir geht es so, dass ich jetzt auch das Gefühl habe, so zum Ende hin,
1:20:54–1:20:58
habe ich so irgendwie den Wunsch, dass wir uns noch mal mehr miteinander verbunden
1:20:58–1:21:02
fühlen, weil für mich ist gerade so, dass da so ein bisschen Distanz entstanden ist.
1:21:02–1:21:05
Ich weiß nicht genau, woran das lag.
1:21:05–1:21:13
Ich habe überlegt vielleicht daran, dass ich irgendwie.
1:21:19–1:21:25
Wenn wir beide über eins sprechen, in so einer Art Banter,
1:21:25–1:21:32
das diskutieren oder reflektieren, ist es anders als zum Beispiel beim letzten
1:21:32–1:21:35
Mal, wo du warst quasi der Experte und ich habe Fragen gestellt,
1:21:35–1:21:36
immer wieder was angemerkt.
1:21:36–1:21:39
Jetzt müssen wir uns dann so gegenseitig irgendwie zeigen.
1:21:40–1:21:43
Und dann sind wir mal zum Beispiel, wenn wir mit der Gruppen-Syni-Theorie gesprochen
1:21:43–1:21:44
haben, fand ich es sehr gut verbunden.
1:21:44–1:21:48
Und dann hat sich das, finde ich, so richtig ergänzt, sodass immer wieder neue
1:21:48–1:21:50
Ideen kamen. und ich fand es total spannend.
1:21:50–1:21:55
Und jetzt gerade zum Schluss, wo ich dann dachte, da hört mir doch keiner zu,
1:21:55–1:21:57
wenn ich über Poesie und Ästhetik spreche, was ist ein Quark so?
Anja Ulrich
1:21:58–1:21:58
Oh, im Gegenteil.
Micz Flor
1:21:58–1:22:02
Nein, nein, aber das war so mein Gefühl. Da fühlte ich mich sehr alleine,
1:22:02–1:22:06
weil ich dann auch, weil du mir eine Frage gestellt hast und ich das Gefühl
1:22:06–1:22:08
habe, okay, das kann ich jetzt nicht beantworten.
1:22:08–1:22:10
Dann hast du nachgefragt mit Philosophie. Ich habe gesagt, oh nee,
1:22:10–1:22:11
da sehe ich mich irgendwie gar nicht.
1:22:11–1:22:17
Und dann fühlte ich mich auf einmal so ein bisschen nicht greifbar oder nicht verstanden.
1:22:17–1:22:23
Und das zu sagen ändert es natürlich wieder ein bisschen, aber das war glaube
1:22:23–1:22:31
ich jetzt auf den letzten Metern so mein Gefühl und auch noch irgendwie der Wunsch,
1:22:34–1:22:36
Aber vielleicht mache ich das dann einfach mit Flow, weißt du,
1:22:36–1:22:38
meine ganzen Notizen so mit Libido entwickeln.
1:22:39–1:22:43
Ich hatte was anderes im Kopf und am Anfang habe ich ein bisschen festgehalten.
1:22:44–1:22:49
Und dann habe ich losgelassen und dann wurde es total harmonisch und eben sozial energetisch wirksam.
1:22:49–1:22:54
Dann konnten wir auf dieser Welle reiten, erst nachdem ich losgelassen habe.
Anja Ulrich
1:22:56–1:22:58
Wie spannend, was das für Bewegungen macht.
Micz Flor
1:22:58–1:23:02
Ja, und das ist so wenig natürlich, so wenig subtil, was da irgendwie passiert.
Anja Ulrich
1:23:02–1:23:04
So wenig subtil?
Micz Flor
1:23:04–1:23:09
Nein, es ist so wenig, es bewirkt so viel, obwohl es so wenig spürbar ist.
1:23:09–1:23:13
Man muss irgendwie genau aufpassen oder hingucken und das auch nochmal sich
1:23:13–1:23:17
vergegenwärtigen, um das dann auch gut sein zu lassen.
Anja Ulrich
1:23:17–1:23:26
Spannend. Weil für mich war ganz klar ein Eye-Opener, dass du gesagt hast,
1:23:26–1:23:28
es ist mehr Poesie und Ästhetik.
1:23:29–1:23:31
Das war für mich sehr wertvoll.
1:23:32–1:23:36
Weil es von dem vielleicht, was du als materialistisch, nee,
1:23:36–1:23:38
du hast es nicht materialistisch genannt, aber so von diesem,
1:23:39–1:23:42
ne, auch vielleicht so, ah, wo entsteht denn jetzt die Energie und so.
Micz Flor
1:23:42–1:23:45
Ich glaube, ich habe es materialistisch genannt, ja. Das kann ich schon sagen.
Anja Ulrich
1:23:45–1:23:50
War jedenfalls, ne, da habe ich irgendwie gemerkt, so, ah, da ist so ein Frieden entstanden.
Micz Flor
1:23:50–1:23:51
Mhm.
Anja Ulrich
1:23:51–1:23:55
Ach so, ah ja, stimmt, okay. Auch spannend, das als Opa-Begriff zu nehmen oder
1:23:55–1:23:57
die beiden als Opa-Begriffe zu wählen.
1:23:57–1:24:01
Das nehme ich, uff, das nehme ich auf jeden Fall, ähm.
Micz Flor
1:24:04–1:24:08
Das freut mich. Ja, das freut mich. Also ich fühle mich jetzt auf einmal ganz
1:24:08–1:24:13
klein und glücklich, so als ob mein Weihnachtsgeschenk wusste,
1:24:13–1:24:17
was ich in der Hosentasche hatte, ganz gut angekommen wäre.
Anja Ulrich
1:24:17–1:24:23
Dann sagen wir es jetzt der Moment, wo wir Tschüssi sagen, ohne dass die Energie abreißt.
Micz Flor
1:24:23–1:24:29
Und wenden uns an unsere ZuhörerInnen. Schön, dass wir heute wieder eingeschaltet
1:24:29–1:24:31
haben und immer noch bei uns sind.
1:24:31–1:24:37
Wir stehen jetzt in der Cannstrasse 120 vor unserem Aus- und Weiterbildungsinstitut,
1:24:37–1:24:44
beenden diese Episode und wir sagen jetzt tschüss.
Anja Ulrich
1:24:45–1:24:50
Wir sagen tschüss. Danke für eure Aufmerksamkeit. Danke dir.
Micz Flor
1:24:50–1:24:54
Nein, nein, das ist sehr schwierig. Es ist so lustig, weil ich jetzt auch gerade
1:24:54–1:24:56
schon denke, lass uns jetzt tschüss sagen, können wir noch ein bisschen weiter quatschen.
1:24:59–1:25:01
Also tschüss!

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Hier noch die Quelle zum obigen Zitat:

„Resonanz (als Zurück-Tönen) bezeichnet das In-Beziehung-Treten zweier Seiten oder Entitäten, die mit je eigener Frequenz schwingen, oder die, bildlich gesprochen, mit je eigener Stimme sprechen.“

Rosa, Hartmut (2019). Resonanz als Schlüsselbegriff der Sozialtheorie. In J.-P. Wils (Hrsg.), Resonanz: Im interdisziplinären Gespräch mit Hartmut Rosa (S. 21). Nomos.