„Von den Alpen bis zum Meer spannt sich die Kette erstarrter Männer. Wo andere Menschen ihre Haut haben, wird ihnen ein Panzer wachsen." Klaus Theweleit

Flo schenkt Micz zu Weihnachten einen Besuch des Stücks „Männerphantasien", aufgeführt am 10.01.2026 in der Box des Deutschen Theaters, der kleinsten Bühne des Hauses. Wir sind etwas aufgeregt, weil wir eigentlich noch nie zusammen ins Theater gegangen sind. Um 20 Uhr bringen wir uns vor der Box zur freien Platzwahl in Stellung und finden in der zweiten Reihe des klein bestuhlten Saals Platz. Das Stück fängt auch inmitten der Reihen an: Ein Schauspieler, als Zuschauer getarnt, rezitiert gleich zu Beginn Originaltexte aus dem Buch „Männerphantasien" von Klaus Theweleit. Wir als brave Kulturbürger versuchen, den Sätzen mit konzentriert gerunzelter Stirn zu folgen, bis der Schauspieler jäh mit den Worten unterbricht (sinngemäß): „Ich sag's nochmal einfacher. Also nicht verstehen, was da passiert ist, sondern fühlen." Es geht um die Freikorps, es geht um die Gewalt der faschistischen Prototypen, es geht um die neofaschistischen Auswüchse unserer heutigen Zeit. Große Teile des Stücks werden über Monologe getragen – Monologe, in denen eine*r des fünfköpfigen Ensembles in die Rolle einer zeitgenössischen Figur schlüpft: eine Person „aus der Pizzabox", die Andrew-Tate-Zitate spricht; eine Mutter, die zu den Vergewaltigungen ihres Sohnes emotional Stellung zu beziehen versucht; eine Frau, die vom Feminismus ins rechte Lager kippt und zuletzt ein Mann, der grillend schlechte Wortwitze reißt und sich mit seinem Nachbarn über Carports austauscht, dann aber fast im selben Atemzug die Farbgebung der Reichsflagge – Schwarz, Weiß, Rot – messerscharf analysiert. Als wir aus dem Theater kommen, werfen wir gleich unsere Aufnahmegeräte an, um uns frisch über die ersten Eindrücke auf den eisüberzogenen Straßen von Mitte auszutauschen. Micz rezitiert noch die Witze aus dem Stück: Steht ein Pilz im Wald, kommt der Hase vorbei und trinkt es aus. Warum steht da ein Pils? Weil die Tannen zapfen. Flo freut sich, dass sein Geschenk gut angekommen ist und Micz sich während des Stücks auch amüsiert hat. Wir können mit Theweleits „Männerphantasien" auch an eine unserer früheren Folgen anknüpfen: In Episode 60 zu dem Film „The Zone of Interest" referiert Micz über das Buch von Theweleit und stellt die Objektbeziehungstheorie der Psychoanalytikerin Melanie Klein vor, die eine theoretische Grundlage von „Männerphantasien" bildet. Während wir durch die Auguststraße vorbei an den Kunstwerken schlittern, gehen wir der Kernfrage nach, die sich auch in dem Stück stellt: Kann sich Geschichte wiederholen, oder sind die Freikorps der 1920er-Jahre aus einer singulären historischen Konstellation entstanden?

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
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Micz Flor

Transcript

Florian Clauß
0:00:00–0:00:03
Hitler mit seinen Ideologien und so weiter hat das alles aufgefangen,
0:00:03–0:00:06
hat das dann legitimiert und damit normalisiert.
0:00:06–0:00:09
Und wenn wir jetzt, und das war ja so ein bisschen der Ausgangspunkt,
0:00:09–0:00:13
gucken, wie skaliert sich das in so einer heutigen Zeit, dann ist es,
0:00:13–0:00:20
glaube ich, dieser Moment der Normalisierung durch eben, was es alles an Phänomenen gerade gibt,
0:00:21–0:00:24
ist, glaube ich, ein ganz starker Moment, wo das halt auch wieder möglich wird.
0:00:24–0:00:30
Und was er nach diesem Stück auch gezeigt hat in diesen einzelnen Monologen auf der Bühne.
Micz Flor
0:00:38–0:00:40
Wenn man aus dem Theater kommt, dass man anders auf Sprache,
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also sich selber auch anders zuhört, oder?
0:00:42–0:00:45
Müsste man vielleicht mal gucken, ob das, was wir heute sagen,
0:00:45–0:00:50
besser artikuliert ist, als es sonst der Fall gewesen wäre.
Florian Clauß
0:00:51–0:00:53
Genau. Betonung.
Micz Flor
0:00:53–0:00:54
Genau.
Florian Clauß
0:00:54–0:00:57
Ja, man hat die ganze Zeit jetzt so schlechte Wortwitze im Kopf,
0:00:57–0:00:58
ne, nach der letzten Sitzung.
Micz Flor
0:00:59–0:01:04
Ja, ja, ja. Steht ein Pilz im Wald, Hase kommt und trinkt aus.
0:01:04–0:01:07
Warum steht ein Pilz im Wald? Weil die Tannen zapfen.
0:01:08–0:01:10
Einer der Witze von dem Stück, was wir gerade gesehen haben,
0:01:10–0:01:12
über das wir jetzt gerade sprechen werden.
0:01:12–0:01:16
Es geht um Männerfantasien und wer, wenn nicht wir, um uns zu legitimieren,
0:01:17–0:01:23
als Cis-Männer könnten, die natürlich auf dem Spektrum genderfluide sind,
0:01:23–0:01:26
aber ziemlich cissig, könnte Männerfantasien haben.
Florian Clauß
0:01:27–0:01:36
Ja, in diesem Alter doch nicht mehr. Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast Episode 96?
Micz Flor
0:01:36–0:01:36
97.
Florian Clauß
0:01:37–0:01:43
97, wow. Eigentlich Podcast, der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend
0:01:43–0:01:45
reden und hier auch manchmal rutschen.
0:01:45–0:01:51
Wir kommen, wie Mitch gerade gesagt hat, aus dem Theater, deutschen Theater,
0:01:51–0:01:54
sind in der Reinhardtstraße, gucken gerade auf dem Bunker.
0:01:55–0:01:59
Haben auch schon vorhin darüber gesprochen, dass wir noch nicht die Sammlung
0:01:59–0:02:00
gesehen haben im Bunker, du zumindest.
Micz Flor
0:02:01–0:02:02
Ich habe sie noch nicht gesehen, nee.
Florian Clauß
0:02:02–0:02:08
Und wir haben, genau, das war mein Weihnachtsgeschenk an Mitch, nämlich Theater.
0:02:08–0:02:12
Ich glaube, wir sind nicht oft in unserem Leben gemeinsam ins Theater gegangen.
0:02:12–0:02:16
Aber ich dachte, dieses Stück können wir uns ansehen, weil das hatten wir auch
0:02:16–0:02:18
schon in einer Folge mal besprochen.
0:02:19–0:02:25
Männerfantasien von Teweleit, Klaus Teweleit, erschienen ist dieses Buch,
0:02:25–0:02:28
glaube ich, 77, 78, in den Dreh.
Micz Flor
0:02:29–0:02:31
In zwei Büchern ursprünglich, jetzt ist es ein Buch.
Florian Clauß
0:02:31–0:02:36
Genau, und du hast das bei unserer Folge, wo wir auch durch Mitte gelaufen sind,
0:02:36–0:02:41
das war über den Film Zone of Interest von Glazer.
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Das hattest du mir dann gezeigt und auch darüber berichtet.
0:02:48–0:02:52
Ich durfte es auspacken von dich bewundern, dass du so ein dickes Buch hast.
Micz Flor
0:02:52–0:02:57
Und dachte, ich hätte es dir geschenkt. Das musste ich dann zurückpfeifen.
Florian Clauß
0:02:58–0:03:01
Das war für mich. Das war ganz süß.
Micz Flor
0:03:02–0:03:07
Und jetzt läuft halt das Stück im DT Männerfantasien.
0:03:07–0:03:15
Regie führt die Theresa Thomasberger. Und es wurden Originaltexte inszeniert
0:03:15–0:03:19
sozusagen und zusätzlich wurden aber auch noch Texte geschrieben von den Dramatikerinnen
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Svenja Viola Bungarten,
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Ivanka Sokola und Gerhild Steinbuch.
0:03:25–0:03:33
Das heißt, es waren insgesamt fünf SchauspielerInnen, die Texte von Tevela direkt
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vorgetragen haben, szenisch und halt eben auch neue Texte.
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Und das Ganze, es gibt dazu das online, aber auch als Flyer,
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wer reingehen möchte, Textmaterial, wo das auch nochmal eingefasst wird.
0:03:50–0:03:56
Wie das jetzt verknüpft ist mit eher genderfluiden Konzepten und Tevelat selber
0:03:56–0:04:00
wohl auch gesagt, hätte rückblickend, dass damals zum Beispiel das Wort queer
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noch gar nicht entstanden war, noch kein Raum dafür war.
0:04:04–0:04:09
Und deshalb die Idee, da jetzt nochmal drauf zu gucken und auch Männlichkeit
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eben als Teil eines Spektrums zu sehen und insofern auch Frauen,
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Männer aufführen zu lassen.
0:04:17–0:04:20
Das wird in diesem Text nochmal kurz erklärt, dass das einfach mal,
0:04:20–0:04:23
denke ich, also das ist jetzt so ein bisschen meine Interpretation schon,
0:04:24–0:04:26
dass das ein spannender Versuch ist.
0:04:26–0:04:30
So, ich hatte das Gefühl insgesamt, deshalb sage ich es mal in der Interpretation,
0:04:30–0:04:35
das Wort Versuch klingt jetzt nicht so final oder nicht abgeschlossen,
0:04:35–0:04:36
sondern es war aber, denke ich,
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schon, ich fand es super interessant, das zu sehen und ich fand es,
0:04:41–0:04:45
glaube ich, auch gerade deshalb so interessant, weil man einfach gemerkt hat,
0:04:45–0:04:47
wie mühsam das ist, das zu tun.
0:04:48–0:04:52
Und das ist keine negative Kritik, sondern finde ich einfach eine ehrliche Transparenz
0:04:52–0:04:57
von dem Prozess, neue Texte und den alten Text und das Ganze in Szene zu setzen.
0:04:59–0:05:01
Und ja, das war mühevoll im positiven Sinne.
Florian Clauß
0:05:02–0:05:05
Und es war auch in der ganz kleinen Bühne.
0:05:05–0:05:09
Das heißt, wir hatten freien Platz, weil am Anfang war das noch so ein bisschen,
0:05:10–0:05:13
wo sitzt man? Und wir haben dann in der zweiten Reihe einen Platz gefunden.
0:05:14–0:05:17
Es waren nicht viele Plätze in dieser Bühne. Das war auch in Duffen,
0:05:18–0:05:22
finde ich, versucht ganz gut, Draft so ein bisschen, weil das hatte schon was
0:05:22–0:05:24
sehr Offenes, das Ganze.
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Das war jetzt nicht so wie im großen Haus, wo dann halt wirklich dann vorne
0:05:29–0:05:33
die Bühne Bühne läuft und das war alles eine sehr offene Situation.
0:05:33–0:05:36
Du hast auch mehrmals gelacht.
Micz Flor
0:05:36–0:05:36
Ja.
Florian Clauß
0:05:37–0:05:41
Also du hast dich amüsiert, das ist schon mal gut, das Geschenk ist gut angekommen.
Micz Flor
0:05:41–0:05:44
Ich habe die Mühen abgeschüttet, das Zuhören, so habe ich dann auch bei den
0:05:44–0:05:47
Wurstteller auch. Ich habe den Wurstteller auch bekommen.
Florian Clauß
0:05:47–0:05:50
Du hast den Wurstteller bekommen und hast das Publikum davon befreit.
Micz Flor
0:05:51–0:05:54
Nein, den habe ich nicht. Du hast den Wurstteller nicht von mir genommen und weitergereicht.
0:05:55–0:05:58
Beziehungsweise die Dame neben dir wollte den auch nicht mehr haben.
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Da musste ich ihn schweigsam riechend unter meinen Stuhl parken.
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So, dieses abgestandene Bratwurstgeruch zog so von unten hoch.
Florian Clauß
0:06:08–0:06:13
Vegane Bratwurst. Man hört so ein bisschen raus, es war viel Interaktion mit dem Publikum.
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Es war ziemlich in your face. Also man wollte nicht unbedingt, also mir ging es so,
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mit den Schauspielern auf der Bühne interagieren, weil meistens,
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wenn man dann halt interagiert hat, dann nicht für sich im Positiven,
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sondern da wurde der Name dann benutzt,
0:06:32–0:06:33
um dann halt weiter...
Micz Flor
0:06:33–0:06:37
Ja, aber auch nicht im Megativen. Aber es waren schon alle, es war eine gewisse
0:06:37–0:06:39
Komplizenschaft im positiven Sinne.
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Alle haben irgendwie auch mitgemacht. Also dieses Versuchige war da irgendwie
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drin, aber für mich war es, ich war auch froh, in der zweiten Reihe zu sitzen.
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Es wurde dann ja auch transparent gemacht, dass ein Schauspieler,
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glaube ich, dann irgendwann gesagt hatte, jetzt denken Sie wahrscheinlich,
0:06:52–0:06:54
warum musste ich in der ersten Reihe sitzen?
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Und das hat auch immer gut funktioniert. Also ich glaube, dieses Gefühl des
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Textes, wie das gerade erlebt wird im Publikum in den Momenten,
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wenn so ganz direkter Kontakt war, war es eigentlich immer ganz passend.
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Also da war es schon sehr feinfühlig.
Florian Clauß
0:07:09–0:07:13
Was man so generell sagen kann bei einem Stück ist, dass es sehr monologlastig war.
0:07:14–0:07:19
Also es gab ein Ensemble von fünf SchauspielerInnen, die auch mal zu fünft oder
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zu viert auf der Bühne waren.
0:07:21–0:07:26
Aber die Main Acts waren eigentlich immer mehr oder weniger Monologe,
0:07:26–0:07:27
die da abgehalten wurden.
Micz Flor
0:07:27–0:07:33
Und den Cast der SchauspielerInnen, den werden wir auch im Blogpost auf eigentlich-podcast aufführen.
0:07:34–0:07:37
Bloß weil wir eben beim Laufen reden und laufend reden und es jetzt inzwischen
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dunkel ist und kalt, werden wir die Namen jetzt nicht vorlesen.
Florian Clauß
0:07:41–0:07:46
Nein, wir werden die nicht vorlesen. Es ist auch rutschig, wir gucken so ein bisschen auf den Weg.
0:07:47–0:07:51
Wir wollen nicht mit gebrochenen Rippen nach Hause gehen und auch nicht aufnehmen,
0:07:51–0:07:54
wie wir es auch immer gemacht haben, mit gebrochenen Rippen.
0:07:54–0:07:58
Ich finde es gut, dass du es gesagt hast, es war wirklich so ein Versuch und
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ich selber habe mich dann halt auch so,
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gemerkt, wie ich dann so oszilliert bin zwischen, es ist mir zu viel,
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zu laut, aber gleichzeitig wieder so eine Offenheit entwickelt habe für die
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einzelnen Szenen und auch für den Versuch, da wirklich mit historischen Texten
0:08:17–0:08:21
von Teweleit, die dann szenisch umgearbeitet wurden.
Micz Flor
0:08:21–0:08:24
Zu arbeiten. Ja, und was ich nicht weiß, aber ich glaube, es waren auch Texte,
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die Teweleit wiederum selber nutzt, weil die Bücher Männerfantasien,
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die damals entstanden sind,
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entstanden auch aus unfassbar viel Textmaterial,
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was Teweleit zugespielt wurde von einem anderen Historiker, der sich mit den
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Korpsaktivitäten und deren Brutalität auseinandersetzt zwischen den Kriegen.
0:08:46–0:08:51
Der dann meinte, hier, mach mal was mit diesen Texten. Das ist so brutal.
0:08:52–0:08:56
Sowohl was da an Poetry, also Poesie, Fiktion, Belletristik,
0:08:56–0:09:00
aber eben auch an Berichten und Aktionen. Das ist so brutal,
0:09:00–0:09:01
er konnte das nicht verstehen.
0:09:01–0:09:05
Und Teweleit hat das dann einfach erstmal alles in sich aufgenommen und in sich
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reingelesen und gesammelt und gesammelt und gesammelt.
Florian Clauß
0:09:07–0:09:11
Er wollte seine Dissertation machen. Das war das Material für die Dissertation.
0:09:12–0:09:15
Es ist mehr als die Dissertation geworden. Es ist quasi ein Standardwerk.
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Männerfantasien in den 70ern mit eben auch und so stieg ja auch dieses Stück
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ein, dass es nicht nur eine historische, soziologische Betrachtung von Faschismus
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ist, sondern die Frage, wie konnte das passieren?
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Was war die Gefühlswelt dahinter?
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Und das hat das Stück, glaube ich, auch so punktuell rübergebracht.
0:09:37–0:09:43
Wie du sagst, Freikorps. Wir sind jetzt ein Freikorps, um das mal so zeitlich
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zu verorten, In den 20er Jahren, also das ist der Prototyp des SA,
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das, was sich auch da in der SA erst dann formiert hat und später auch eben
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in den institutionellen Strukturen vom Faschismus, von Nationalsozialisten, SS und so weiter.
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Aber es geht um die Generation, die dann quasi im Wilhelminischen Reich aufgewachsen ist,
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geprägt wurde durch den Ersten Weltkrieg und dann diese unfassbare Gewalt,
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die dann halt auf den Straßen in den 20er Jahren auch vorgeherrscht haben.
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Das waren so die Freikorps.
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Und das waren halt auch so die Fantasien, dieses, also ein Segment,
0:10:21–0:10:24
ein signifikantes Segment der Gesellschaft, kann man sagen.
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Also das heißt, es war nicht nur eine singuläre Gewaltfantasie von jemandem,
0:10:29–0:10:35
sondern es war wirklich signifikant, das ist ein ganzer Schnitt von Bevölkerung,
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die eben genauso gedacht und gefühlt haben.
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Und das hat Teweleit systematisch anhand dieser Aufsätze, dieser ganzen Tagebücher und Material,
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was er bekommen hat, untersucht und daraus eben bestimmte Ableitungen getroffen.
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Und die hattest du ja auch schon mal so vorgestellt in der einen Folge,
0:11:00–0:11:01
auf die wir schon referenziert haben.
Micz Flor
0:11:02–0:11:06
Ja, es war so, dass Teweleit dann auch versucht hat, es durch einen Prozess.
0:11:06–0:11:09
Also ich möchte jetzt gar nicht so weit von dem Stück weg, deshalb gehen wir
0:11:09–0:11:10
vielleicht nochmal kurz zurück.
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Es war ganz interessant, dass nämlich die erste Person, die sprach vom Cast,
0:11:16–0:11:20
die saß auch mit in der Reihe und hat dann das erste Mal gebeten,
0:11:20–0:11:23
machen wir den Ambient-Sound aus und dann ist halt so ein,
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dann wird es halt ruhig, also haben aufgehört zu reden und die Person stand
0:11:28–0:11:31
auf und hat dann erstmal, nehme ich an, ich kann es jetzt nicht proven,
0:11:31–0:11:36
wir kommen direkt daraus, aber das Teweleit-Text aufgesagt und meinte so, oh,
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Schnitt, das ist ganz schön kompliziert und irgendwie, ich versuche es jetzt
0:11:41–0:11:42
noch mal einfacher zu sagen,
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und da drin war schon, glaube ich, diese Kernessenz auch drin und auch ein bisschen
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die Aufforderung an einem Publikum dazu dran zu bleiben und mitzuerleben,
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weil er diesen Teweleiteil,
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so gesprochen hat, dass es nicht über die kognitiver Taten zu sehen ist,
0:12:01–0:12:04
sondern dass er selber das Ganze erleben musste.
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Man hat das irgendwie erleben wollen, erleben müssen.
Florian Clauß
0:12:07–0:12:10
Man hing an den Lippen, man wollte wissen und das war auch so,
0:12:10–0:12:14
wo er gefragt hat, konnt ihr mir folgen? Ich sag's nochmal einfacher.
0:12:14–0:12:18
Also man wollte auch verstehen, was er da sagt, fühlen.
Micz Flor
0:12:18–0:12:24
Ja, und das ist, also was dann dahinter steht, ist eben halt diese Körperlichkeit,
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was dann später auch nochmal in einer Szene als wirklich das Unbewusste auch nochmal benannt ist.
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Das ist die Taten, die von einem Historiker Teweleit gegeben wurden,
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genauso wie das Stück, was uns jetzt gegeben wird, dem muss man sich irgendwie hingeben.
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Da muss man irgendwie mit allen Gefühlen, die da so kommen, arbeiten und muss
0:12:42–0:12:46
dann im Anschluss daran durch diesen Versuch, sich damit zu identifizieren,
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oder so hat Tewele das zumindest gemacht,
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hatte er dann eben so eine psychodynamische Theorie aufbauend auf Melanie Kleins
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Objektbeziehungstheorie,
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gefunden, in der er über Projektion ganz kurz gefasst gesagt hat, das ist nur zu erklären,
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dass diese Unordnung, die diese Freikorpsmänner in den GewerkschafterInnen,
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aufständischen HafenarbeiterInnen sehen.
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Dass die das in sich spüren.
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Die spüren das in sich und die wissen nicht, wohin damit.
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Die projizieren das nach außen und im Außen dann können sie es vernichten.
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Und im Außen ist die Bedrohung, die eigentlich innen erlebt wird,
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aber die man in sich nicht auflösen kann.
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Und deshalb hofft sie, buchstäblich zu zermanschen und totzuschlagen,
0:13:33–0:13:36
wenn einem das Ganze auf einen zukommt.
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Und das ist so eine Sache, die die dann eben auch nochmal da in Worten,
0:13:40–0:13:45
also in eigenen Worten gesagt haben, das Ganze aktualisiert haben in unsere
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Sprache, obwohl es jetzt nur 45 Jahre her ist,
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in unsere Sprache aktualisiert und gleichzeitig aber damit eben auch das Stück,
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den gleichen Level gebracht haben.
Florian Clauß
0:13:54–0:13:57
Vielleicht sollte man doch noch mal so ein bisschen da reingehen,
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weil diese, was du gerade geschrieben hast,
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mit dieser roten Flut, also das ist noch mal so ein ganz wichtiger Begriff,
0:14:05–0:14:11
das, was fließt, was flüssig ist, was morastig ist, was moortrocken geht.
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Das waren auch diese ersten Sätze auf der Bühne. Das ist diese Sprache,
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die da auch in den Freikorps wiedergefunden wurde.
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Also alles, was fließt, stellt eine Gefahr dar und man muss sich aufrüsten,
0:14:28–0:14:29
man muss einen Panzer dagegen setzen.
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Das ist der Körperpanzer, das war diese Annehnung an Wilhelm Reich,
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die dann Teweleit übernommen hat.
0:14:36–0:14:42
Aber der Körperpanzer, der dann das Männliche schützt und alles andere Götze vernichtet.
0:14:42–0:14:47
Also deswegen finde ich auch noch diesen Aspekt, diese Trockenlegung von Sümpfen,
0:14:47–0:14:52
das ja auch immer so faschistische Projekte waren, Finde ich total interessant,
0:14:52–0:14:55
das nochmal so da zu betrachten, was der TV-Leiter rausgearbeitet hat.
0:14:56–0:15:00
Das ist die eine nach dieser Panzer und auf der anderen Seite,
0:15:00–0:15:07
das ist nochmal diese psychoanalytische Betrachtung, dass es unfertige Menschen waren.
Micz Flor
0:15:08–0:15:13
Ja, das ist dieser Teil von Margret Mahler, eine Wissenschaftlerin,
0:15:13–0:15:17
die sich eben auch mit den frühkindlichen Entwicklungsstadien auseinandergesetzt
0:15:17–0:15:21
hat und die halt eben meinte, und es ist halt auch nachvollziehbar,
0:15:21–0:15:22
dass Menschen viel zu früh geboren werden.
0:15:23–0:15:27
Also wenn du ein Pferde fohlen, da gab es auch mal so ein schönes Video, es fällt irgendwie...
0:15:28–0:15:30
Kann man einfach googeln. Das fällt irgendwie hinten raus.
Florian Clauß
0:15:30–0:15:31
Und läuft nicht.
Micz Flor
0:15:31–0:15:34
Und zehn Minuten später läuft es halt und hoppelt hin und her.
0:15:34–0:15:37
Und man hat das Gefühl, dass es Spaß an seinem Körper hat, ohne genau zu wissen,
0:15:37–0:15:38
wie der richtig funktioniert.
0:15:38–0:15:42
Aber es ist einfach so da. Und der Mensch kann so nicht sein,
0:15:42–0:15:44
sondern der Mensch muss versorgt werden.
0:15:45–0:15:49
Ja, biologisch gesehen, der Kopf darf nicht größer werden, sonst kommt er einfach
0:15:49–0:15:53
nicht mehr durch den Beckenboden durch. Das heißt, Menschen kommen viel zu früh.
0:15:54–0:15:59
Tevelat nennt es dann nicht fertig geboren. Ja, und das ist auch so ein interessantes
0:15:59–0:16:01
Wort, weil als ob man das so fertigstellen könnte.
0:16:01–0:16:06
Und ich nehme an, er hat es einfach ganz fordernd irgendwie so gesagt, nicht fertig geboren.
0:16:06–0:16:10
Finde ich einen guten Begriff, der auch irgendwie gleich die Anforderungen der
0:16:10–0:16:13
Welt an diese kleinen Kinder mitträgt.
Florian Clauß
0:16:13–0:16:17
Ja, das soziale, das familiäre Fels da quasi aktiviert.
Micz Flor
0:16:17–0:16:22
Und diese nicht fertig geborenen Söhne waren das dann bei Männerfantasien.
0:16:22–0:16:27
Die wurden dann eben in der Gesellschaft von der Mutter erst mal versorgt,
0:16:27–0:16:31
aber dann von den Männern entrissen, wie Teweleit sagte.
0:16:32–0:16:37
Und dann als Kadetten oder sowas verprügelt, also in Form geprügelt.
Florian Clauß
0:16:38–0:16:40
Wir gehen jetzt hier in die Linienstraße, oder?
Micz Flor
0:16:41–0:16:42
Ja, hier war ich genauso lange nicht mehr.
Florian Clauß
0:16:43–0:16:45
In die Auguststraße, weil wir durch die Auguststraße war.
Micz Flor
0:16:46–0:16:48
Wir haben uns in Falafel Dada getroffen, da war ich ewig nicht mehr.
0:16:48–0:16:52
Und an dieser Ecke war ich auch seit ganz, ganz, ganz langer Zeit nicht mehr.
Florian Clauß
0:16:53–0:16:54
Dann lass uns durch die Auguststraße gehen.
Micz Flor
0:16:54–0:16:55
Ja, ist doch schön.
Florian Clauß
0:16:55–0:16:58
Dann kommen wir auch an den Kunstwerken vorbei. Nochmal ein kurzer Einschub
0:16:58–0:17:02
an der Stelle. Und zwar haben wir es ja da mit einer Zeit zu tun,
0:17:02–0:17:06
wo dann die sogenannte schwarze Pädagogik auch vorgeherrscht hat,
0:17:07–0:17:09
also als diese Kinder groß geworden sind.
0:17:10–0:17:15
Da galt es auch nach wilhelminischer Tradition, dass eben ein Kind,
0:17:15–0:17:17
der Wille muss gebrochen werden.
0:17:18–0:17:24
Das Kind darf keine Schwäche zeigen, sondern ganz früh auch anfangen, Stärke zu entwickeln.
0:17:24–0:17:30
Wein, Schwäche und die Mutter, also dieses Verhältnis von Mutter und Kind oder
0:17:30–0:17:34
Sohn, war auch so, dass es halt sehr unterkühlt war, ja, es wurde auch nicht
0:17:34–0:17:38
großartig gesäugt, sondern die Mutter ist dann halt Versorgtes, ja, minimal,
0:17:39–0:17:46
aber es gibt keine richtige Mutterliebe, so in dem Sinne, Sondern es wird dann
0:17:46–0:17:48
halt durch diese Schule erstmal,
0:17:48–0:17:53
durch diese Schule der Erziehung, das geht dann halt weiter mit eben der Schule
0:17:53–0:17:57
in der Erziehungsanstalt, wo auch dann die Kinder gedrillt werden,
0:17:58–0:18:02
weiter über Kadettenschulen und dann schließlich durch den Ersten Weltkrieg,
0:18:02–0:18:04
Kriegserfahrung und so.
0:18:05–0:18:11
So entsteht quasi der Freikorps. Das ist schon sehr systematisch für die Zeit.
0:18:11–0:18:17
Das wäre halt auch die Frage an Thebeleid, ob das jetzt eine singuläre Erscheinung
0:18:17–0:18:22
ist, ob man das jetzt nur da verorten kann oder ob das Material jetzt sich da
0:18:22–0:18:24
so verdichtet hat, dass er das halt so genutzt hat.
0:18:24–0:18:28
Weil natürlich kann das auch überall anders passieren, was uns auch dann eben
0:18:28–0:18:31
das Theaterstück auch ein bisschen gezeigt hat, was zeitgenössisch ist.
Micz Flor
0:18:32–0:18:35
Ja, das war dann eben der Sprung, dann auch neue Motive reinzubringen.
0:18:36–0:18:41
Andrew Tate, die Mutter von Andrew Tate, das waren dann immer so kurze Monologe,
0:18:41–0:18:43
die dann nach vorne gehoben wurden.
0:18:43–0:18:48
Und dann wurde auch noch eine Frau, die sich dann, da wusste ich nicht,
0:18:48–0:18:49
ob das eine reale Vorlage ist oder nicht.
Florian Clauß
0:18:49–0:18:53
Das war, glaube ich, das fand ich auch mit den stärksten Monologen, muss ich sagen.
Micz Flor
0:18:53–0:18:54
Ja, der war echt gut.
Florian Clauß
0:18:54–0:18:58
Der war super. Also diese Genese von einer Frau,
0:18:58–0:19:05
das ging ja eben noch zu Pandemiezeiten, wie sie sich in feministischen Gruppen
0:19:05–0:19:10
organisiert hat und irgendwann dann infiltriert oder umgekippt ist und sich
0:19:10–0:19:16
dann mit dieser Tread-Wife-Sache identifiziert hat und dann eben zu einer ganz
0:19:16–0:19:18
rechten Figur geworden ist.
Micz Flor
0:19:18–0:19:21
Genau, ganz rechte Figur und gleichzeitig aber auch die Ermächtigung dieser
0:19:21–0:19:27
anderen Identität sehr gut dargestellt hat. Was ja wirklich ein legitimes Argument.
0:19:27–0:19:31
Ein legitimes Argument war ja immer auch zu sagen, wenn ich als Frau zu Hause
0:19:31–0:19:33
nicht arbeiten muss, mein Mann ist Geld dran.
0:19:34–0:19:39
Wo bin ich denn da benachteiligt? Also das ist ja immer dieses perfide Argument, was da mit drin steckt.
0:19:40–0:19:43
Und das ist genau, das waren solche Monologe, die da drin vorkamen,
0:19:43–0:19:54
um diese sowohl weibliche als auch männliche Form der, wie würde man sagen, Haltung.
Florian Clauß
0:19:54–0:19:58
Ja, aber auch so eine Körperlichkeit da reingebracht hat.
0:19:58–0:20:02
Also sowohl Haltung wie auch Körperlichkeit. Also es war ja so,
0:20:02–0:20:06
wie sie ja mit ihrem Körper argumentiert hat. Das war ja so nachvollziehbar.
0:20:06–0:20:09
Auf der einen Seite natürlich in einer feministischen Perspektive,
0:20:09–0:20:13
auf der anderen Seite dann halt, wie sie dann eben auch als Threadwife dann
0:20:13–0:20:16
den Körper als Reproduktionsmaschine dann legitimiert hat.
0:20:16–0:20:21
Also es war ein unglaublich guter Dialog, wie das dann halt wirklich so fühlbar war.
Micz Flor
0:20:21–0:20:21
Monolog.
Florian Clauß
0:20:22–0:20:23
Monolog, genau.
Micz Flor
0:20:23–0:20:28
Aber mit dem Publikum-Dialog, auch da wieder die Leute aus der ersten Reihe waren gefordert.
Florian Clauß
0:20:29–0:20:31
Annika wurde dann direkt angesprochen.
Micz Flor
0:20:31–0:20:34
Ja, interessant, wo du das jetzt nochmal sagst, ist es dann schon so,
0:20:34–0:20:38
dass es halt mit Andrew Tate, mit der Mutter von Andrew Tate und mit dieser
0:20:38–0:20:42
Frau, die dann sich da ins Rechte konvertiert hat, dann schon eher...
0:20:43–0:20:45
Menschen vorgeführt wurden, die sehr wohl
0:20:45–0:20:50
in die ganz klassischen männlich-weiblich-Kategorien denken und arbeiten.
0:20:50–0:20:57
Und wir hatten dann eine Person, die, nehme ich an, ein eher weiblicher Darstellerin
0:20:57–0:21:01
war, die eher männlich geschminkt war und so einen Bierbauch bekommen hat und
0:21:01–0:21:02
dann zum Schluss auf dem Grill stand.
Florian Clauß
0:21:03–0:21:03
Die Tannenzapfen.
Micz Flor
0:21:03–0:21:04
Die war so vielfältiger.
Florian Clauß
0:21:05–0:21:07
Ja, die fand ich auch sehr gut von der Figur.
Micz Flor
0:21:07–0:21:12
Und dann gab es noch diese Person, diese Engelsgleich in einem Tütü-Unterrock
0:21:12–0:21:20
aus PVC, oben ohne, mit sehr muskulösem, aber auch sanftem Körper.
Florian Clauß
0:21:20–0:21:22
Und eine unglaublich hohe Stimme hat.
Micz Flor
0:21:22–0:21:25
Arien gesungen hat, in Englisch, wo ich leider wirklich, muss ich sagen,
0:21:25–0:21:27
das war ein Problem, nichts verstanden habe.
Florian Clauß
0:21:27–0:21:30
Ich fand es auch, Swamp habe ich ja verstanden, es ging um Sümpfe,
0:21:31–0:21:32
das habe ich immer mal als Wort aufgefasst.
0:21:33–0:21:36
Aber da dachte ich auch, da fehlen die Obertitel.
Micz Flor
0:21:36–0:21:43
Ja, es war wirklich schade. Aber es hat funktioniert, finde ich.
0:21:44–0:21:45
Und dann vor allen Dingen auch
0:21:45–0:21:49
nochmal später, weil diese Person dann auch noch Texte gesprochen hat.
0:21:50–0:21:55
Ganz zum Schluss dann auch noch über Hertha BSC und die Fußballergebnisse ganz
0:21:55–0:21:56
flapsig irgendwie auf einmal dastehen.
0:21:56–0:21:59
Das fand ich ganz interessant, weil da auch so eine Vielfältigkeit so rauskam.
Florian Clauß
0:22:00–0:22:07
Sie ist ja total mystisch aufgetreten mit diesem Gesang, damit legitimiert sie ja quasi alles.
0:22:08–0:22:12
Und dann auf einmal wirklich so ganz flapsig berlinerisch dann halt die Wurst gegessen.
0:22:14–0:22:19
Also Das fand ich auch bei der anderen Figur, der am Grill stand,
0:22:19–0:22:23
auf einmal unglaublich erst mal so, ihr müsst ja mal ein Carport bauen.
0:22:23–0:22:28
Von dahin auf einmal dann halt wirklich eine Analyse über die Farben der Reichsflagge,
0:22:28–0:22:31
also schwarz-rot-weiß, gehalten hat.
0:22:31–0:22:37
Was dann halt auch wieder so viel von Teweleits Texten mitverarbeitet hatte, hatte ich das Gefühl.
0:22:37–0:22:40
Also es war wirklich sehr deep.
Micz Flor
0:22:41–0:22:44
Ja, aber das ist insofern auch wieder interessant, fand ich,
0:22:44–0:22:46
weil ich mich das wirklich gefragt habe.
0:22:46–0:22:51
Auch mit Andrew Tate hatte man das Gefühl, dass da wirklich viele Sachen ihm
0:22:51–0:22:54
in den Mund gelegt wurden, die wirklich aus seinem Mund auch kamen.
0:22:54–0:22:59
Ich weiß jetzt nicht, ob das komplett seine Texte waren, aber dieses mit Mother,
0:22:59–0:23:04
my mother, I love my mother, I retired my mother when I became a millionaire oder irgend sowas.
Florian Clauß
0:23:04–0:23:08
Also du meinst, die Figur aus der Pizzabox.
Micz Flor
0:23:08–0:23:08
Genau.
Florian Clauß
0:23:08–0:23:12
Das war auch gut, die war auch echt lustig.
Micz Flor
0:23:12–0:23:16
Genau, du hast diese Person ganz zum Schluss am Grill, die am Anfang über Carports
0:23:16–0:23:21
gesprochen hat und so, die dann angefangen hat, eben so eine Interpretation
0:23:21–0:23:26
der Farben der Reichsflagge zu machen.
0:23:27–0:23:31
Und das geknüpft mit der allerersten Szene, ich habe wirklich dann auch teilweise darüber nachgedacht.
0:23:33–0:23:38
Jetzt hat Teweleit halt so ein Ivory Tower Buch und man kann dann über die Psychodynamik
0:23:38–0:23:41
gucken, ob man das nochmal anders machen müsste, könnte heute.
0:23:42–0:23:45
Das haben die jetzt auch irgendwie versucht. Das war halt auch erfrischend und
0:23:45–0:23:47
vor allen Dingen aber auch in dem Moment.
0:23:48–0:23:54
Wirklich nochmal klar, dass es vielleicht plausibel ist, aber vielleicht in
0:23:54–0:23:57
seiner Analyse gar nicht so wirksam ist, weil es dann eben doch vielleicht so
0:23:57–0:24:00
kompliziert ist, als dass man das heute nochmal so,
0:24:00–0:24:03
weißt du, kannst du da irgendwie, also so das Gefühl?
Florian Clauß
0:24:04–0:24:09
Ich hänge dir gerade an den Lippen, weil das so ein bisschen meine Frage nochmal
0:24:09–0:24:14
aufwirft, ob das tatsächlich so eine Singularität ist, die er da beschrieben
0:24:14–0:24:17
hat, oder die Wiederholbarkeit, Also diese Frage von,
0:24:18–0:24:21
wird Faschismus wieder irgendwie so ein Mainstream-Gefühl?
0:24:22–0:24:24
Ist das da irgendwo möglich?
Micz Flor
0:24:24–0:24:28
Also er würde, ich weiß nicht, was er selber dazu sagen würde,
0:24:28–0:24:31
aber mit dem, was er damals gesagt hat, hat er, und dann nehme ich das jetzt
0:24:31–0:24:35
einfach nochmal kurz an und dekliniere es nochmal ganz kurz durch.
0:24:36–0:24:41
Melanie Kleins Objektbeziehungstheorie ist eine der ersten psychoanalytischen
0:24:41–0:24:45
Psychotherapie, die wirklich versucht, eine Interaktion darzustellen und abzubilden
0:24:45–0:24:48
und ganz speziell eben die Interaktion zwischen Mutter,
0:24:49–0:24:53
der versorgenden Person und in dem Fall aber auch der stillenden Person,
0:24:53–0:24:57
also die milchgebende versorgende Person und dem ganz kleinen Kind.
0:24:58–0:25:00
Und dieses ganz kleine Kind, da
0:25:00–0:25:03
muss ich kurz durch, sonst komme ich nicht wieder auf deine Frage zurück.
Florian Clauß
0:25:03–0:25:03
Nein, nein.
Micz Flor
0:25:03–0:25:07
Dieses ganz kleine Kind läuft nach Melanie Klein durch zwei wichtige Stadien.
0:25:08–0:25:11
Das eine Stadion nennt sie das Schizoide-Stadion, das ist das erste.
0:25:12–0:25:18
In der Zeit ist dieses, wie Tevelait sagt, nicht fertig geborene Kind nicht
0:25:18–0:25:20
in der Lage, die Welt zu verstehen, zu erfassen.
0:25:20–0:25:23
Er kann eben nicht wie ein Fohlen losrennen, sondern muss gehalten werden.
0:25:24–0:25:30
Und die Mutter hat die Rolle, das zu halten, zu stillen und dem Kind nicht,
0:25:30–0:25:34
das Kind nicht nachzumachen, seine Emotionen, aber es zu spiegeln,
0:25:34–0:25:37
damit es begleitet wird und versteht, was in ihm vorgeht.
0:25:37–0:25:41
Die Regulierung des kleinen Kindes in sich, die Emotionen regulieren.
0:25:42–0:25:48
Das ist sozusagen die Aufgabe der Mutter in diesem klassischen Melalee Klein.
0:25:48–0:25:53
Und dann merkt sie halt in der Beobachtung ihrer eigenen Kinder hauptsächlich anfangs,
0:25:54–0:25:59
dass da so eine schizoide Situation ist, weil das Kind nicht in der Lage ist,
0:25:59–0:26:03
ganze Objekte zu befassen, sondern immer nur Teilobjekte.
0:26:04–0:26:07
Und dann gibt es zum Beispiel die gute Brust und die böse Brust.
0:26:07–0:26:10
Die gute Brust stillt mich, ist warm, kann ich mich dran einschlafen.
0:26:10–0:26:15
Die böse Brust ist aber die, die mich eben nicht stellt, weil die gerade was anderes zu tun hat.
0:26:15–0:26:18
Und er ist nicht da und ich werde unglücklich und schreie und ich bin voller Wut.
0:26:19–0:26:24
Das ist das Schizoide, das Geteilte. Da gibt es nur Teilobjekte und später fügt
0:26:24–0:26:25
das Kind die Teilobjekte zusammen.
0:26:26–0:26:32
Kommt dann in eine depressive Phase nach Melanie Klein, in der auch eben eine
0:26:32–0:26:36
Angst vorherrscht, verlassen zu werden, weil man ja anfangs sich so schlecht benommen habe.
0:26:36–0:26:44
Also das klingt ja sehr erwachsen, aber das ist im Prinzip die Einfärbung dieser depressiven Phase.
Florian Clauß
0:26:44–0:26:52
Also das heißt, das Kind ist irgendwann an dem Punkt, dass diese zwei verschiedenen
0:26:52–0:26:55
Brüste doch von einer Person kommen. Also das ist halt das Ganze wahrzunehmen.
Micz Flor
0:26:56–0:27:00
Ja, und dann ist es halt eben auch auf einmal ängstlich, weil es hat vielleicht
0:27:00–0:27:04
auch mal in die Brust gebissen, weil es sauer war auf die Brust und dann könnte,
0:27:04–0:27:07
wenn das die gleiche Brust ist, die ja sie vielleicht verlassen.
0:27:09–0:27:15
Ohne das weiter auszubauen, weil jetzt kommt der springende Punkt für diese Frage von dir.
0:27:16–0:27:20
Das Kind wird der Mutter entrissen und ist nicht in der Lage,
0:27:20–0:27:24
das alles angemessen zu durchleben und zu integrieren.
0:27:24–0:27:28
Und wird dann, das war ja vorhin, wird vom Vater entrissen.
0:27:28–0:27:31
Und die Mutter hat ihre Aufgabe nicht geleistet.
0:27:31–0:27:35
Du meintest halt vielleicht auch, weil die Mutter damals unterkühlt war,
0:27:35–0:27:37
sozial gesehen, allgemein gesellschaftlich gesehen.
0:27:38–0:27:40
Oder auch, weil es einfach nicht mehr verfügbar war.
Florian Clauß
0:27:40–0:27:41
Verfügbar.
Micz Flor
0:27:41–0:27:45
Und diese Entwicklung konnte nicht durchlaufen werden.
0:27:46–0:27:49
Nicht abgeschlossen werden und bleibt es halt offen.
0:27:50–0:27:58
Und deshalb eben dieser Blick dieser Männer auf die Frauen speziell in genau
0:27:58–0:28:01
dieser schizoiden Haltung zu sagen,
0:28:01–0:28:11
das sind entweder Huren oder Mütter oder, glaube ich, sagt er irgendwie weiße Krankenschwester.
Florian Clauß
0:28:11–0:28:16
Man muss nur mal sagen, dass da in den Texten ein unglaublicher,
0:28:16–0:28:18
ich glaube, wir haben es noch nicht so explizit gesagt, aber ein unglaublicher
0:28:18–0:28:21
Frauenhast drin liegt. Also jede Form von Sexualität.
Micz Flor
0:28:21–0:28:23
Nicht direkt in Tebeletz-Texten.
Florian Clauß
0:28:23–0:28:24
Aber in den Freikorps-Texten.
Micz Flor
0:28:24–0:28:26
Die ja vorliegen.
Florian Clauß
0:28:26–0:28:29
Das ist eine Gewaltfantasien und Frau, also alles.
0:28:30–0:28:35
Und dann wird das halt auch kategorisiert in diese weiße Mutter oder weiße Frau und rote Frau.
0:28:36–0:28:42
Rote Frau steht dann für Hure, Kommunisten, Frau, ja, oder alles,
0:28:42–0:28:46
was rot ist und ist halt so das, was es zu zerstören gilt.
0:28:46–0:28:51
Und die weiße, entsexualisierte Frau ist die, die dann auch im Prinzip diejenige
0:28:51–0:28:55
ist, die dann halt auch die Aufmerksamkeit verdient und an Erkennung so.
Micz Flor
0:28:56–0:29:02
Ja, und was Teweleit dann sagt ist, dass dieses Un-, also es geht ja dann,
0:29:02–0:29:05
es geht eigentlich nicht nur um Frauen, es geht generell auch dann um,
0:29:06–0:29:09
Männer um den Krieg, Mann gegen Mann natürlich auch.
Florian Clauß
0:29:09–0:29:15
Ja, diese Männerbünde und auch diese Kompensation von Sexualität durch Blut statt Sperma.
0:29:16–0:29:21
Das ist so, das spritzt die Handgranate, wird irgendwo hingeschmissen und spritzt.
0:29:21–0:29:26
Das spritzt dann halt das Fleisch und Blut und das wird als Orgasmus,
0:29:26–0:29:29
als Höhepunkt dann halt so erlebt.
Micz Flor
0:29:29–0:29:35
Und dann sagt er, und das ist die Frage, war das nur damals möglich oder warum
0:29:35–0:29:36
ist das nicht immer möglich?
0:29:36–0:29:38
Oder welche Gesellschaft braucht es, um es möglich zu machen?
0:29:39–0:29:42
In Tevelats Theorie, nicht in Melanie Klein's Theorie.
0:29:42–0:29:45
Und ich weiß nicht, ob ich dem zustimmen würde oder nicht. Aber in seiner Theorie
0:29:45–0:29:51
ist es so, zu sagen, dass diese innere Zerrissenheit, diese Brüche der schizoiden
0:29:51–0:29:52
Phase, die Unmöglichkeit,
0:29:53–0:29:58
sich ganze harmonische Bilder zu machen, die Unmöglichkeit, Emotionen zu regulieren
0:29:58–0:30:03
und auch anderen zuzugestehen, sich regulieren zu dürfen und in Kontakt zu treten,
0:30:04–0:30:10
führt dazu, dass die diese eigenen inneren Wust eben nach außen projizieren,
0:30:10–0:30:12
um ihn, wie ich ganz am Anfang sagte, dort zu zerstören.
0:30:13–0:30:19
Und Teweleit sagte, dass Hitler und die Politik der Zeit, die Gesellschaft der
0:30:19–0:30:22
Zeit, es legitimiert haben, so zu sein.
0:30:22–0:30:26
Und deshalb durfte das auf einmal gelebt werden.
0:30:27–0:30:30
Also was Freud noch sagen würde, was auch natürlich an vielen unbewussten Impulse
0:30:30–0:30:34
werden, auch viel unterdrückt, und sorgen dann auch dafür, dass man sich schlecht fühlt.
0:30:35–0:30:39
Man muss daran auch irgendwie arbeiten oder man könnte daran arbeiten,
0:30:39–0:30:48
aber die mussten sich nicht schlecht fühlen mit ihren schizoiden Trieb- und Libido-Gewölle,
0:30:48–0:30:53
sondern die konnten wegen der Gesellschaft die raushauen, Feindbilder finden
0:30:53–0:30:56
und sich daran totschlagen.
Florian Clauß
0:30:56–0:31:02
Und da bist du bei dem Punkt der ursprünglichen Frage, nämlich das beantwortet
0:31:02–0:31:09
das, es wurde normalisiert. Und diese Normalisierung, ich meine, die Soldaten...
Micz Flor
0:31:09–0:31:11
Also Normalisierung kommt dann mit der Legitimierung.
Florian Clauß
0:31:11–0:31:16
Mit der Legitimierung. Aber diese Soldaten kamen aus dem Ersten Weltkrieg.
0:31:16–0:31:20
Und der Erste Weltkrieg war ja auch dann quasi so ein... Gewalt wurde ja quasi
0:31:20–0:31:24
als Mittel dann auch legitimiert, im Krieg anzuwenden.
0:31:24–0:31:29
Und dann, nach Ende des Krieges, waren auch diese Soldaten, die aus dem Krieg
0:31:29–0:31:33
entlassen wurden, standen da und waren auf einmal mit einer Gesellschaft konfrontiert,
0:31:33–0:31:35
wo Frauen legitimiert wurden. gleichen Rechte forderten.
0:31:35–0:31:38
Oder wo halt auch der Kommunismus stärker war.
Micz Flor
0:31:40–0:31:43
Ja, vor allen Dingen auch ganz viele Frauen waren, die die Gesellschaft,
0:31:43–0:31:45
auch die Häuser wieder aufgebaut haben.
0:31:45–0:31:48
Also dann ja auch später im Zweiten Weltkrieg natürlich auch nochmal die Frau,
0:31:48–0:31:54
dann immer in der Abwesenheit der kämpfenden Männer eben auch alles soweit möglich am Laufen hielten.
0:31:54–0:31:58
Auch wenn ihre Söne irgendwie an der Front waren, das irgendwie dann auch wieder
0:31:58–0:31:59
alles zusammengebaut haben.
0:32:00–0:32:04
Insofern wurden sie dann schon immer mütterlich. Sie haben dafür gesorgt,
0:32:04–0:32:05
dass es irgendwie so weitergeht.
0:32:05–0:32:11
Ist jetzt vielleicht ein Klischee, aber die Trümmerfrauen als Bild ist ja auch
0:32:11–0:32:12
sehr stark in unserer Gesellschaft.
Florian Clauß
0:32:12–0:32:17
Genau, aber worauf ich hinaus wollte, ist einfach so ein bisschen dieser Rambo-Moment.
0:32:17–0:32:22
Also man kommt mit einer Traumatisierung aus dem Krieg und zieht sich einer
0:32:22–0:32:26
Gesellschaft auf einmal gegenüber und nimmt die als Feind wahr,
0:32:27–0:32:31
also als Bedrohung. Das ist ja diese Bedrohung, die haben sie dann in der Gesellschaft und da...
0:32:32–0:32:36
Das ist ja das, was du beschrieben hast, dass das erstmal wirklich so ein Gefühl
0:32:36–0:32:38
ist, dagegen auch was zu tun.
0:32:39–0:32:44
Und dann kam eben auch zu dieser Zeit, war Hitler mit seinen Ideologien und
0:32:44–0:32:48
so weiter, hat das alles aufgefangen, hat das dann legitimiert und damit normalisiert.
0:32:48–0:32:51
Und wenn wir jetzt, und das war ja so ein bisschen der Ausgangspunkt,
0:32:51–0:32:55
gucken, wie skaliert sich das in so einer heutigen Zeit, dann ist es,
0:32:55–0:33:02
glaube ich, dieser Moment der Normalisierung durch eben, was es alles an Phänomenen gerade gibt,
0:33:03–0:33:07
ist, glaube ich, ein ganz starker Moment, wo das halt auch wieder möglich wird.
0:33:07–0:33:12
Und was dann auch dieses Stück auch gezeigt hat in diesen einzelnen Monologen auf der Bühne.
Micz Flor
0:33:12–0:33:15
Ja, und es ist ja dieser...
0:33:17–0:33:21
Dieser Satz, man wird ja noch mal sagen dürfen oder man wird ja mal fragen dürfen,
0:33:21–0:33:22
wie ist das denn eigentlich?
0:33:22–0:33:27
Also diese auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene, dieser Wunsch so auch
0:33:27–0:33:29
mal unbequem sein zu können.
0:33:29–0:33:34
Also sicherlich ist es möglich, aber ich glaube, wir sollten das überhaupt nicht
0:33:34–0:33:38
in so eine Diskussion über Wahrheit und Verschwörungstheorie abstürzen.
Florian Clauß
0:33:38–0:33:41
Ich glaube, das war nochmal so der Punkt,
0:33:42–0:33:49
wo die Frage oder das, was das Stück dann auch gemacht hat, eben zeitgenössische
0:33:49–0:33:54
Parallelen zu suchen und auch zu inszenieren und das aber auch immer wieder zu brechen.
0:33:54–0:34:01
Das hat gut funktioniert so im Nachhinein in der Reflexion, sage ich mal.
Micz Flor
0:34:02–0:34:06
Ja, und das war noch, glaube ich, da wichtig, auf deine Frage direkt bezogen,
0:34:06–0:34:10
diese Zeile im Stück, wo ich nicht weiß, ob die jetzt von Tevela kommt oder
0:34:10–0:34:14
jetzt reingeschrieben wurde, wo er sagte, wo sind die denn alle jetzt?
0:34:14–0:34:19
Und dann, die haben nur überwintert, die haben ihre Waffen hier überall vergraben.
0:34:19–0:34:25
Das war so ein bisschen der Moment, wo es dann eben auch darum ging,
0:34:26–0:34:31
war das jetzt nur dieser eine Moment oder ist das auch weiterhin möglich und
0:34:31–0:34:35
immer wieder möglich eben zu sagen, ja, die haben nur überwintert und ihre Waffen
0:34:35–0:34:37
vergraben. Und die sind da.
Florian Clauß
0:34:38–0:34:43
Ja, okay. Ich würde sagen, das war's, oder?
Micz Flor
0:34:44–0:34:45
Sind wir schon durch?
Florian Clauß
0:34:45–0:34:46
Ich glaube schon.
Micz Flor
0:34:47–0:34:49
Aber das wäre die kürzeste Episode, die jemals geschnitten ist.
0:34:49–0:34:52
Wenn deine Sachen rausschneiden solltest, was du gerne tust.
0:34:52–0:34:55
Warum steht Bier im Wald? Weil Tannen zapfen.
Florian Clauß
0:34:57–0:35:02
Wir haben, glaube ich, in so einem Crashkurs dann nochmal Melanie Klein,
0:35:03–0:35:04
Margit Mahler, Teweleit.
0:35:04–0:35:08
Diese ganze psychoanalytische Herleitung, ja,
0:35:08–0:35:10
dann könnte jetzt da nochmal so ein bisschen tiefer reingehen,
0:35:10–0:35:14
aber ich glaube, es ist gar nicht nötig und jetzt auch um das Stück nochmal
0:35:14–0:35:20
so quasi kontextuell in unsere Zeit einzubinden, haben wir, glaube ich,
0:35:20–0:35:21
auch ganz gut herausgearbeitet.
Micz Flor
0:35:22–0:35:25
Ja, man kann auch das, was wir jetzt gemacht haben, alignen mit dem,
0:35:25–0:35:26
was das Stück gemacht hat.
0:35:26–0:35:30
Ich kann sagen, es bleibt auch natürlich ein Versuch. Also wir haben beim Laufen
0:35:30–0:35:34
reden und laufend reden bedeutet ja auch, dass man jetzt nicht wirklich die
0:35:34–0:35:37
Dinge abarbeitet, wie man sie sich vorher in Notizen gemacht hat,
0:35:37–0:35:39
sondern ganz spontan darüber redet.
0:35:39–0:35:42
Und da entsteht vielleicht was in dem, was wir jetzt gemacht haben,
0:35:42–0:35:44
was nicht viel anders ist.
0:35:44–0:35:49
Für die, die sich das Stück angucken wollen, dieses Gefühl von Versuch und Suche
0:35:49–0:35:50
vielleicht. Das ist ja auch ein Versuch mit drin.
0:35:51–0:35:56
Versuchung nicht, aber Suchen auf jeden Fall. Hast du die Termine?
0:35:56–0:35:57
Kann man das irgendwie verlinken?
Florian Clauß
0:35:57–0:36:02
Wir können den Spielplan vom Deutschen Theater dann mit in unser Show-Netz aufnehmen.
0:36:03–0:36:09
Ich freue mich auf jeden Fall, dass das Weihnachtsgeschenk gut angekommen ist.
Micz Flor
0:36:09–0:36:10
Es ist angekommen.
Florian Clauß
0:36:11–0:36:16
Dass wir einen gemeinsamen Abend so miteinander erleben konnten.
Micz Flor
0:36:17–0:36:21
Und können den auch nicht ausklingen lassen, ohne irgendwas aufzunehmen.
Florian Clauß
0:36:21–0:36:25
Ja, das geht ja nicht. Das geht ja nicht anders. Auf jeden Fall ist das jetzt
0:36:25–0:36:27
die erste Folge im neuen Jahr.
0:36:28–0:36:33
2026, das Jahr, ist kalt und rutschig.
Micz Flor
0:36:33–0:36:35
Ja, die erste Folge, die wir gemeinsam aufnehmen.
Florian Clauß
0:36:35–0:36:36
Das stimmt, du hast ja schon eine.
Micz Flor
0:36:37–0:36:43
Richtig. Das ist eine mit Anne, die 96. Links und alles und gerne auch Kommentare
0:36:43–0:36:46
auf eigentlich-podcast.de.
0:36:46–0:36:48
Da seht ihr auch die Strecke, die wir gelaufen sind. Ups.
0:36:50–0:36:55
Und ein paar Fotos von der Strecke. Zum Beispiel vom KW, glaube ich,
0:36:55–0:36:58
hast du ein Foto gemacht. Wir rollen langsam auf die 100 zu.
0:36:58–0:37:00
Hast du da schon irgendwie dir Gedanken gemacht?
Florian Clauß
0:37:00–0:37:06
Ja, wir wollten ja eigentlich unser Podcast-Retreat nutzen, um uns über die
0:37:06–0:37:08
100 Gedanken zu machen. Aber das haben wir ja...
Micz Flor
0:37:08–0:37:09
Das ist auch schon wieder ein Monat her.
Florian Clauß
0:37:09–0:37:11
Das haben wir auch nicht wirklich geschafft.
Micz Flor
0:37:11–0:37:12
Nee.
Florian Clauß
0:37:12–0:37:18
Und ich denke, dann stecken wir nochmal unsere Köpfe zusammen, wie man so sagt, ja.
0:37:18–0:37:20
Und gucken, was wir mit der 100 machen.
Micz Flor
0:37:20–0:37:25
Aber wenn du so ein Bauchgefühl hast für die 100, ich habe mir eine Sache vorgestellt,
0:37:25–0:37:30
die man machen könnte, die wir dann eher so introspektiv, ein bisschen Nabelschaumäßig,
0:37:30–0:37:31
mal versuchen so aus dem Kopf,
0:37:31–0:37:36
ohne Vorlage aller 100 Folgen nochmal zusammen zu erinnern. Da bräuchte ich
0:37:36–0:37:37
noch einen Zettel und einen Stift.
0:37:38–0:37:40
Das wäre so was Spielerisches vielleicht.
Florian Clauß
0:37:40–0:37:42
Ja, lasst uns überraschen.
Micz Flor
0:37:42–0:37:44
Ich meine, wir überraschen.
Florian Clauß
0:37:46–0:37:52
Wir überraschen euch. So, jetzt sind wir hier an einem anderen großen Theater,
0:37:53–0:37:56
der Stadt, nämlich der Volksbühne, wo ich eigentlich öfters immer hingehe.
0:37:57–0:37:59
Weil die auch näher beim Alex ist.
Micz Flor
0:38:00–0:38:02
Bist du hier im Babylon, im Filmtheater auch ab und zu?
Florian Clauß
0:38:02–0:38:04
Nee, hier ganz selten.
0:38:05–0:38:11
Ich bin ja eher so der Friedrichshainer-Kinogänger mit Intimes und Zukunft und...
Micz Flor
0:38:11–0:38:12
B-Ware.
Florian Clauß
0:38:12–0:38:13
B-Ware, genau.
Micz Flor
0:38:14–0:38:15
Oder Beware.
Florian Clauß
0:38:15–0:38:19
Beware, ja. Das hat neulich Karin gesagt und die dachte, was meinst du?
0:38:19–0:38:21
Und das heißt auch B-Ware.
0:38:21–0:38:24
Und dann ist mir erstmal diese Doppeldeutigkeit des Namen.
Micz Flor
0:38:24–0:38:24
Gott, bewahre.
Florian Clauß
0:38:25–0:38:31
Beware. Okay, also. Das war eigentlich Episode 97.
0:38:33–0:38:37
Dann sagen wir Tschüss und bis zum nächsten Mal. Macht's gut, tschüss.

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Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

0:00:00–0:00:02
Da wollte ich das doch nicht mehr machen. Jetzt kommt Luke auch noch.
0:00:02–0:00:05
Ich bin immer weiter an den Rand gedrängt.
0:00:08–0:00:09
Ich fühle mich so anders.
0:00:13–0:00:18
Autsch. Du hast das vorgestellt, deine letzte Folge, oder?
0:00:18–0:00:21
Ja, ich habe die vorgestellt mit Luke. Ah ja, genau.
0:00:22–0:00:25
Ich habe gerade gedacht, ich wollte das gerade Hallo sagen, aber du musst das ja machen.
0:00:25–0:00:30
Ich muss es machen, ja. Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast,
0:00:31–0:00:34
der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:34–0:00:40
Eigentlich Episode 82 und wir haben es angekündigt.
0:00:40–0:00:48
Das ist ein Sequel der vorangegangenen Episode, wo ich, Flo,
0:00:49–0:01:01
den Film 28 Years Later von Danny Boyle mit Regie und Alex Garland im Drehbuch vorgestellt habe.
0:01:03–0:01:06
Und Mitch hat schon angekündigt, er hat noch was vor.
0:01:06–0:01:14
Und zwar das Motiv des Zombies in der Psychoanalyse mal näher zu betrachten.
0:01:15–0:01:17
Und ja, Mitch, ich bin gespannt.
0:01:18–0:01:20
Ja, also es geht um Zombies. Ich fange jetzt einfach mal an.
0:01:21–0:01:26
Ich sage jetzt, es geht um Zombies wieder. und ich bin kein Zombie-Experte oder...
0:01:26–0:01:27
Zombie!
0:01:28–0:01:32
Das Genre kenne ich irgendwie, aber es ist jetzt nichts, wo ich so wirklich
0:01:32–0:01:35
knietief drinstecke. Ich habe gedacht, ich mache mir jetzt mal die Mühe.
0:01:35–0:01:39
Ja, jetzt steige ich einfach mal ein und gucke mal in die...
0:01:39–0:01:41
Ups, die Stimme, wir sind unter der Brücke.
0:01:42–0:01:44
In die Psychodynamik.
0:01:45–0:01:48
Und da wollte ich mit dir ganz kurz noch zwei Sachen vorher so ein bisschen
0:01:48–0:01:54
kurz ansprechen, Weil wir dann bei dem Versuch in psychodynamischen Theorien
0:01:54–0:01:58
unterschiedlicher AutorInnen erklären, wie so ein Zombie entsteht.
0:01:58–0:02:03
Das ist ja quasi so jetzt dieser lustige Wunsch, den ich jetzt hier versuche umzusetzen.
0:02:04–0:02:07
Ist mir halt so klar geworden, dass es wirklich auch nochmal eine Frage ist.
0:02:10–0:02:15
Wer spricht. Also bestimmte Dinge, du siehst diese Zombies und gerade bei diesen
0:02:15–0:02:21
alten Romero-Filmen, dann laufen halt so Horden langsam und dröge und trotzdem
0:02:21–0:02:24
nicht aufzuhalten, einfach machen so ihr Ding.
0:02:24–0:02:27
Man versucht irgendwie rauszufinden und die sind so sehr stark,
0:02:27–0:02:33
man beobachtet die eigentlich wie Frosche oder wie, die teilen sich ja nicht mit.
0:02:33–0:02:38
Als Zuschauer ist man die Person, die versucht, deren Motivation zu ergreifen
0:02:38–0:02:42
und gleichzeitig kommt man da nie irgendwo so richtig an.
0:02:43–0:02:46
Also die haben keine Motivation, keine Kommunikation, keinen sozialen Kontakt
0:02:46–0:02:50
und das ist so ein bisschen diese Ur-Zombie-Idee.
0:02:51–0:02:57
Und dann gibt es aber, ich glaube das war bei The Walking Dead war das auch
0:02:57–0:03:02
schon so, wo dann so ein paar Zombies so clever waren und die guckten die Leute dann so an oder so.
0:03:02–0:03:07
Das war glaube ich in Ich gucke die Dinger nicht. Also fast packt es nicht mit, nicht wirklich.
0:03:07–0:03:10
Aber ich weiß noch, in der ersten Folge, da sind irgendwie so Zombies so rum und so.
0:03:10–0:03:16
Und dann waren ein paar Menschen und ein Zombie hat so die Menschen so angeschaut.
0:03:17–0:03:20
Er hat die so richtig so fixiert. Und das war was Unheimliches.
0:03:20–0:03:24
Weil das wollte man nicht. Weil Zombies sind eigentlich anders.
0:03:24–0:03:28
So diese Sachen, wenn wir über Zombies sprechen, dann sprechen wir ja immer
0:03:28–0:03:31
aus einer beobachtenden Position heraus.
0:03:31–0:03:35
Wir haben niemanden von dem, den wir betrachten, die uns helfen,
0:03:36–0:03:37
das aufzuklären. Weißt du, wie ich meine?
0:03:38–0:03:42
Also es ist nicht möglich, dass wir mit einer Hypothese über die anderen,
0:03:43–0:03:45
die Zombies sind immer die anderen und werden es auch immer bleiben,
0:03:45–0:03:48
weil wir nie mit denen irgendwie in Kommunikation treten können, so richtig.
0:03:48–0:03:54
Aber in welcher Konstellation könntest du das denn mit irgendeiner Horrorfigur?
0:03:55–0:03:59
Naja, wenn wir diesen Vampirfilm, den Chris und du beschrieben haben,
0:04:00–0:04:04
diese Figur von Dracula, oder wie heißt der nochmal?
0:04:05–0:04:07
Nosferatu. Morlock, genau.
0:04:08–0:04:15
Der ist ja auch irgendwie, über den kann man, man kann von dem was erschließen.
0:04:16–0:04:20
Also die Motivation bleibt letztendlich, aber der spricht, der kommuniziert,
0:04:20–0:04:22
der sagt, was er will oder was er nicht will.
0:04:23–0:04:26
Wir können uns vielleicht nicht ganz in eine solche Person hineinversetzen,
0:04:27–0:04:31
aber trotzdem gibt es eine Möglichkeit mit dem, sag mal, wie ist denn das eigentlich,
0:04:31–0:04:33
wenn man Vampir ist, ist es dann so und so?
0:04:34–0:04:37
Oder wie ist es denn, 300 Jahre zu leben? Also irgendwie hat man ein Gegenüber.
0:04:37–0:04:41
Ist es nicht so bei Braindead, wo die dann auch alle am Tisch sitzen?
0:04:42–0:04:46
Und da sind auch, da haben die zumindest ein Sozialläden, die Zombies.
0:04:46–0:04:47
Das ist Peter Jackson.
0:04:47–0:04:51
Ja, das war ja auch quasi der Endpunkt,
0:04:52–0:04:56
des Puppet Masters Films. Danach ging nichts mehr.
0:04:56–0:05:01
Ich glaube, der hat das ganze Kunstblut der Welt da drin verbraucht.
0:05:02–0:05:08
Sehr psychodynamisch auch. Die vereiterte Riesenmutter, die man mit dem Rasenmäher
0:05:08–0:05:12
dann wirklich so klein schnipseln muss.
0:05:12–0:05:19
Ja, diese Mutter-Sohn- Konflikte. Sehr groß ausgetragen. Okay, sorry.
0:05:19–0:05:23
Ja, jetzt sind wir schon, 0 Uhr, genau 0 Uhr, okay, jetzt geht's los.
0:05:23–0:05:28
Das Erste, was ich mit erklären muss, ist, sprechen wir bei Zombies über instinkthafte
0:05:28–0:05:30
Wesen oder über triebhafte Wesen?
0:05:30–0:05:33
Haben die überhaupt Triebe oder haben die nur Instinkte?
0:05:34–0:05:41
Und das ist, finde ich, schon wichtig, weil der Unterschied wird oft nicht verstanden.
0:05:41–0:05:45
Manchmal denken Leute auch, Triebe sind Instinkt oder es wäre irgendwie so das Gleiche.
0:05:45–0:05:48
Aber es ist ein Riesenunterschied, weil der Instinkt ist ja was,
0:05:48–0:05:53
was wirklich angeboren ist, genetisch festgelegt, wo man sich als Organismus
0:05:53–0:05:54
nicht wirklich wehren kann.
0:05:55–0:05:58
Zum Beispiel, wenn du von einer Katze mit so einem Laserpointer hin und her
0:05:58–0:06:02
machst, dann wird die wahnsinnig, weil sie kann ich nicht machen.
0:06:03–0:06:08
Das ist der Instinkt. Und der Trieb, also das Konzept des Triebes,
0:06:08–0:06:12
ist nicht, dass es genetisch vorgegeben ist, sondern das ist sozusagen eine
0:06:12–0:06:16
psychische Repräsentanz von einem somatischen Reiz.
0:06:16–0:06:21
Ja, also du kannst, also hast eine innere Unruhe und aus dieser inneren Unruhe
0:06:21–0:06:24
heraus entsteht ein Wunsch, irgendwas zu tun.
0:06:25–0:06:33
Und zum Beispiel könnte man jetzt sagen, nehmen wir mal diese 28 Years Later, diese Rage.
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Wir wissen ja nicht, was in denen vorgeht. Die sind innerlich so aufgewühlt.
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Das zeigt sich dann äußerlich in so einer Zerstörungswut, in einer großen Aggression.
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Dinge zerreißen, sich gegenseitig angreifen, Menschen angreifen und so weiter.
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Aber was innerlich in den vorgeht, ist gar nicht so klar. Und das ist so ein
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bisschen das Konzept auch des Triebes. Also wir beobachten etwas.
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Aber wir können nicht wie beim Instinkt eins zu eins zwischen dem beobachtbaren
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Verhalten und dem Auslöser was herstellen.
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Und ein Trieb ist also nichts, was sich eins zu eins in Reizreaktionen übersetzt.
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Das wäre der Instinkt, sondern es ist etwas, was aufgrund von einer inneren
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somatischen Erregung entsteht dann ein psychisches Derivat oder Abkömmling davon.
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Und der ist dann irgendwie als Symptom oder in der Welt sichtbar.
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Also die Frage ist, können Zombies, sind das instinkthafte Wesen oder sind das
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Wesen, die Triebe haben?
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Gut, das ist ja so wie deine Grundprämisse, dass wir quasi so diese Figur des
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Zombies irgendwie so zugänglich machen, mit bestimmten Methoden.
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Hier ist es so, wie ich dich jetzt beim letzten Mal zum Beispiel verstanden
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habe, eben dieses Kind, komme ich dann immer darauf zurück, das Kind,
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das dann die Situation sich anschaut und entscheidet, wegzurennen.
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In dem Moment hat man so das Gefühl, das ist nicht instinkthaft.
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Der Instinkt wäre jetzt vielleicht, wie du immer sagst, Proteine.
0:08:06–0:08:11
Sondern Aminosäureketten. Must have. Dann weiter darauf zuzugehen,
0:08:11–0:08:14
auch wenn die Chancen nicht gut stehen.
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Da wird dann entschieden, nein, ich hau ab.
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Ja, ja. Ich verstehe schon den Unterschied, aber Aber ich habe gerade,
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glaube ich, so diese Frage,
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ob sich der Zombie, ich meine gut, bei den Infizierten, dann kann man ja noch
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so das, man kann ja noch eine gewisse Zugänglichkeit schaffen,
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weil das jetzt quasi keine Zombies sind.
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Aber der Zombie als Figur, den finde ich halt so unzugänglich.
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Das ist ja genau das, was ihn so als bedrohlich und monströs erscheinen lässt,
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das er einfach komplett nicht irgendwie einordnen lässt.
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Und deswegen ist es glaube ich für mich die Frage, ob es als Trieb oder instinkthaft
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ist, ist für mich dann schwierig.
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Ich finde es fast egal, die Frage. Aber das ist, glaube ich,
0:09:10–0:09:11
jetzt nicht deine Intention.
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Also bei den Zombies habe ich das Gefühl, dass es beides gibt.
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Es gibt einmal eben diese Zombies, die dann Romero-mäßig wirklich dumm erscheinen
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oder leer erscheinen, maschinenhaft erscheinen,
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also reizreaktionsmäßig erscheinen und einfach so trotzdem in ihrer Fülle einfach
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schwer aufzuhalten sind.
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Und dann gibt es eben diese anderen. Das sind dann aber so neuere Zombies,
0:09:32–0:09:37
in Anführungszeichen, wie ich meine, mich zu erinnern bei The Walking Dead,
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manche einfach auch so smart sind und planen.
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Und da gab es auch diesen einen Film mit Will Smith, wo jetzt ein zweiter Teil
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rauskommt. Der war, glaube ich...
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I'm Legend.
0:09:47–0:09:50
Ja, I'm Legend. Omega Man war, glaube ich, auch mal so ein Film, mit welchen Stoß?
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Ja, gut, Omega Man ist nochmal eine andere Kiste.
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Ja, aber ich glaube, das war die gleiche...
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Das war die gleiche Romanvorlage.
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Und I'm Legend, da gibt es ja dann auch irgendwie sowas wie die Alphas in der
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Art. So ein paar die dann gucken und so versuchen zu lernen und zu verstehen
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und Strategien haben und sich die Sachen angucken und nicht einfach nur versuchen durchzurennen.
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Das kommt mir dann bei Freud eben, ich habe jetzt die ganzen Leute so sortiert,
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dass sie mit Jahreszahlen, also Geburtszahlen, da war Freud dann der Älteste.
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Und dann kommt auch schon Jung, über den hatten wir auch gerade gesprochen.
0:10:25–0:10:31
Und bei Freud hatte ich halt so zwei Sachen gefunden. Und das erste war halt das Unheimliche.
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Da hat Freud 1919 einen Artikel geschrieben, der heißt das Unheimliche.
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Und da gibt es ein Zitat aus diesem Artikel, den ich kurz vorlese, wo er sagt...
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Allerhöchsten gerade unheimlich erscheint vielen Menschen, was mit dem Tod,
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mit Leichen und mit der Wiederkehr der Toten, mit Geistern und Gespenstern zusammenhängt.
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Also diese Wiederkehr der Toten, das ist so irgendwie das, was ich da als Aufhänger so nehme.
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Und jetzt sind wir dann genau schon wieder an dieser Frage, wer spricht für
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wen und aus welcher Position.
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Weil ich jetzt einfach mit Freud dann irgendwie jetzt mal das bei Zombies zurechtbiege.
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Aber ich spreche im Endeffekt jetzt nur über das, was es in mir auslöst als Beobachter.
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Und sage jetzt in diesem Fall sehr wenig über das, wie entsteht das im Zombie.
0:11:32–0:11:33
Aber ich finde, es passt trotzdem einfach sehr gut.
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Also Freud hat da gesagt, das, was uns unheimlich ist. Und jetzt sind wir nicht
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der Zombie, sondern wir sind der Zuschauer sozusagen im Kino. oder vom Fernseher.
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Was bei uns unheimlich ist, ist bei ihm in der Definition das Unheimliche.
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Das ist halt so beides. Das ist das Heimelige, das Vertraute,
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aber es ist auch eben unheimelig.
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Also es ist uns nicht mehr vertraut.
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Und für ihn ist es halt so ein Beispiel, auch für das, was so verdrängt ist.
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Dinge, die uns irgendwie verdrängen, die uns irgendwie intrapsychisch zu sehr
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belasten, die wir dann wieder vergessen oder wenn die zurückkommen,
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zum Beispiel, oder halt in der Form der Zombies, wenn halt Leute zurückkommen,
0:12:18–0:12:22
die wir nicht mehr an ihrem Wesen erkennen, sondern nur noch an ihren Klamotten erkennen.
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Also das Zurückkommen von etwas eigentlich schon Abgelegtem oder Verdrängtem.
0:12:29–0:12:35
Dass das eine Sache ist beim Unheimlichen. Das fand ich, passt so beim Zombie ganz gut.
0:12:35–0:12:39
Ja, es ist im Prinzip der komplette Verlust einer Persönlichkeit.
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Wenn du ein Zombie wirst, gebissen, dann verlierst du ja komplett deine Identität
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und bist ja einfach anonym.
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Ja.
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Weil du genau die gleichen Verhaltensmuster wie alle anderen hast.
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Und vielleicht, und das ist jetzt so ein bisschen dann auf das,
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was das zweite Zitat ist für Gläser, bei den Zombies im Kaufhaus,
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gibt es dann auch nochmal die Überlegung zu gucken, es ist halt so,
0:13:01–0:13:04
dass die Sachen sind uns nicht völlig fremd,
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sondern es ist eher was, was gleichzeitig vertraut und verdrängt ist.
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Also wenn wir jetzt Zombies sehen in diesem Einkaufszentrum,
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uns geht da um so eine Konsumsache und der Zombie in seiner Rolle oder in seinem
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Verständnis von der Welt, für
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denen ist ja die Wertigkeit der Dinge im Einkaufszentrum völlig wurscht.
0:13:24–0:13:28
Er geht ja nicht ins Einkaufszentrum, um da zu konsumieren.
0:13:29–0:13:29
Doch, Menschen.
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Ja, genau. Das Kapitalistische, was drumherum aufgebaut ist,
0:13:34–0:13:37
das funktioniert ja quasi nicht mehr für den Zombie.
0:13:37–0:13:40
Das heißt, wir sehen darin Menschen, mit denen wir uns irgendwie identifizieren
0:13:40–0:13:44
können, weil die haben die Form von Menschen, die haben die Kleidung von Menschen,
0:13:45–0:13:50
die sind einem menschgemachten Raum, die sich aber völlig unerwartet bewegen.
0:13:50–0:13:54
In diesem Raum, die sich eben nicht anhand dieser kapitalistischen Idee bewegen.
0:13:54–0:13:59
Dann sehen wir beides, das Vertraute, aber auch eben das völlig Fremde.
0:13:59–0:14:01
Wie kann das sein, dass die Person,
0:14:02–0:14:06
nicht folgt dem, wofür dieses Ding gebaut wurde.
0:14:06–0:14:13
Aber ich will noch mal anmerken, dass wirklich so ein Zombie als ein singuläres
0:14:13–0:14:16
Phänomen nicht weiter bedrohlich ist.
0:14:16–0:14:19
So ein erster Zombie durch die Masse.
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Und das Pandemische, was da dahinter hängt. Das ist das, was bedrohlich wird.
0:14:25–0:14:29
Aber wenn du jetzt dir einfach einen Zombie vorstellst,
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das wäre dann eher so Peter Jackson-mäßig vielleicht eine 75-jährige englische
0:14:34–0:14:40
Großmutter aus Nordengland mit Tasche und Kostüm und völlig verrutschtem Hut
0:14:40–0:14:44
und vielleicht ist da eine Arm abgerissen und die wurde gebissen und die ist
0:14:44–0:14:46
ganz alleine im Einkaufszentrum.
0:14:46–0:14:50
In dem Moment würde dann trotzdem so ein komischer Raum entstehen, weißt du?
0:14:50–0:14:54
Das ist eben das Vertraute, das ist so die Oma einfach, aber die ist jetzt irgendwie
0:14:54–0:15:01
blutlüstern in einem Einkaufszentrum unterwegs. Es wäre gleichzeitig schrecklich und aber auch komisch.
0:15:03–0:15:10
Ja, also ich frage mich was, also du hast ja gerade mit Freud besprochen, das Unheimliche.
0:15:13–0:15:19
Aber ich finde, wenn wir Freud schon haben, dann finde ich auch diese Analogie zum Verdrängten.
0:15:19–0:15:30
Der Zombie, der in der Verdrängungslogik zu einer Masse wird und monströs wird.
0:15:31–0:15:37
Irgendwo, du hast einen Zombie im Kopf oder wie auch immer.
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Und dadurch, dass du den irgendwo im Dunkeln lässt, kann der sich vermehren
0:15:43–0:15:44
und wird dann zu einer Masse.
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Und das ist ja das, was das unheimlich macht.
0:15:47–0:15:53
Dass der halt so diese Möglichkeit hat, sich zu potenzieren.
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Ja, und das, also jetzt nochmal eine zweite Sache kurz zu Freud.
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Und auch da wieder, wir gucken da so drauf und die Frage ist ja,
0:16:01–0:16:04
warum wirkt der Zombie in uns?
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Was ist es, was der tut, was in uns etwas auslöst, was zu diesem Horror oder
0:16:10–0:16:11
diesem unheimlichen Gefühl kommt?
0:16:12–0:16:18
Und da wollte ich dann von Freud eben noch den Todestrieb mit reinnehmen und
0:16:18–0:16:19
den Wiederholungszwang.
0:16:19–0:16:24
Und das sind so zwei Dinge, die kamen relativ spät in Freuds Lehre,
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erst 1920 in dem Buch Jenseits des Lustprinzips.
0:16:29–0:16:35
Freud hatte dann irgendwie einfach auch anhand von den klinischen Realitäten
0:16:35–0:16:40
nach dem Weltkrieg, wo viele Kriegstraumatisierte auch auf einmal klinisch behandelt
0:16:40–0:16:43
wurden, musste er so ein paar Sachen von seiner Theorie revidieren.
0:16:43–0:16:50
Und das war wie so ein Effekt, wo dann eins führt zum anderen.
0:16:50–0:16:55
Er hat unglaublich viel in dieser einen Schrift umgebaut, jenseits des Lustprinzips.
0:16:55–0:17:00
Und zwar, was ihm da aufgefallen ist, vor allem ist auch, dass die Leute nicht
0:17:00–0:17:06
nach dem in Anführungszeichen Lustprinzip, was er hatte, einfach ihre Psyche organisieren.
0:17:06–0:17:12
Die Uridee war einfach, wir verdrängen Dinge, damit es uns besser geht.
0:17:12–0:17:18
Wir haben zum Beispiel Zwänge, die zwar schlimm sind, aber die eigentlichen
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Konflikte, die hinter den Zwängen liegen, die sind noch viel schlimmer.
0:17:22–0:17:27
Das heißt, wir würden lieber uns mit unseren Zwängen, das alles gerade sein
0:17:27–0:17:31
muss, auseinandersetzen, als dass wir uns mit dem eigentlichen Thema dahinter
0:17:31–0:17:32
auseinandersetzen müssen.
0:17:32–0:17:36
Also es ging immer darum, dass man Unlust vermeidet oder Lust herstellt und
0:17:36–0:17:41
dass man intrapsychisch oder mit so psychischem Apparat versucht,
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einfach mehr Lust herzustellen.
0:17:45–0:17:49
Und er hat dann aber gemerkt, dass eben zum Beispiel viele Kriegsdraumatisierte...
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Immer wieder die gleichen Träume hatten, immer wieder die gleichen Ängste hatten,
0:17:53–0:17:54
immer wieder auch die...
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Also da hat er gemerkt, das entspricht nicht dem, was er erwarten würde,
0:18:00–0:18:04
sondern es wird ihm auf einmal irgendwie klar, bei Trauma zumindest kommen die
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Dinge einfach immer wieder, nicht anders, lassen uns nicht los.
0:18:10–0:18:15
Ein bisschen dieses Bild, so was machen denn so diese wirklich entleerten Zombies,
0:18:15–0:18:19
die halt so immer wieder versuchen, jetzt zum Beispiel die gleiche Wand hochzukrabbeln
0:18:19–0:18:21
oder durch die Tür durchzugehen oder einfach so.
0:18:21–0:18:24
Warum hören die nicht auf? Im Prinzip ist es ein ähnliches Bild.
0:18:25–0:18:34
Er hat in dieser langen Ummodulierung seiner Theorie, hat er dann auch dem Eros,
0:18:34–0:18:40
also dem Libido, dem Lebenstrieb, hat er dann den Thanatos, den Todestrieb, gegenübergesetzt.
0:18:40–0:18:46
Und hat dann auch biologische Forschung aus der Zeit mit herangezogen und auch
0:18:46–0:18:52
philosophisch über die Entropie argumentiert, dass ja allem Leben auch der Tod schon inne wohnt,
0:18:52–0:18:58
also dass das Leben auch nur durch den Tod begrenzt ist und dadurch auch heraussteht,
0:18:58–0:19:00
weil es Licht und Schatten, oben und unten,
0:19:01–0:19:04
Leben und Tod, also auf einer philosophischen Ebene, aber auch so,
0:19:04–0:19:08
er hat gesagt, das ist ja quasi schon in der Materie fast mit angelegt.
0:19:08–0:19:12
Und für ihn war dieser Todestrieb dann auch so was, was auch mit so einer Form
0:19:12–0:19:14
von einer inneren Entspannung zu tun hat.
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Also der Todestrieb ist eben auch, dass wir das implizit wissen in unserem Leben,
0:19:20–0:19:25
dass alles wieder eben zurückgeht in eine unbelebte Natur.
0:19:27–0:19:34
Und dieser Todestrieb, dieses Gehenlassen, hast du ja auch ein bisschen darauf hingewiesen.
0:19:34–0:19:43
Diese Empathie mit Leben und Tod, die der Doktor da in dem Film 28 Years Later hatte.
0:19:43–0:19:48
Dass das irgendwie auch so eigentlich dann schon sehr menschliche Haltung ist dem Ganzen gegenüber.
0:19:49–0:19:54
Und Freud hat diesen Todestrieb, der eben aber auch ein Trieb nicht nur fürchterlich
0:19:54–0:19:56
ist, sondern eben auch ein Trieb der Entspannung.
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Dann kommen wir jetzt zu Carl Gustav Jung und da kann ich dann das,
0:20:03–0:20:06
was du in der einen Folge aufkommt, da so ein bisschen drin vor.
0:20:07–0:20:12
Und da habe ich dann so gedacht, Jung spricht, also während Freud ja vom Unbewussten
0:20:12–0:20:16
spricht, spricht Jung eher vom Schatten, also beim Individuum.
0:20:17–0:20:21
Unbewusste ist bei Freud eben das, was im Individuum angelegt ist,
0:20:21–0:20:23
aber was auch eine Verbindung hat mit der Umwelt.
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Aber bei Jungen ist dieses Schattenhafte potenziell über die Archetypen,
0:20:29–0:20:33
über das kollektive Unbewusste, es hat schon so eine spirituelle Dimension.
0:20:33–0:20:39
Es geht dann bei Jungen auch vielmehr darum, diese Schattenseiten nicht einfach abzulegen.
0:20:40–0:20:44
Das wäre das, was Freud vielleicht wollte, dass man das irgendwie heilt in Anfangszeichen.
0:20:45–0:20:48
Nicht ablegen, sondern sich damit auseinandersetzen, sich da richtig hinein
0:20:48–0:20:52
zu begeben und diese Schattenseiten zu integrieren.
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Die Schatten sind in gewisser Weise all das Abgespaltene von dem,
0:20:56–0:21:01
mit dem wir uns nicht auseinandersetzen wollen, was uns immer wieder auch einschränkt.
0:21:01–0:21:05
Also wir sind dann beschränkt in dem, was wir uns erlauben zu tun,
0:21:05–0:21:07
weil wir den Schatten vermeiden.
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Und Jungen wünscht sich dann, dass die Sachen integriert werden.
0:21:13–0:21:22
Und die Idee eines Zombies wäre dann zum Beispiel nur der Schatten von einem.
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Also dass du, wenn du einen Zombiefilm guckst, dass du sozusagen den Schatten,
0:21:28–0:21:33
all die Dinge, mit denen du nichts zu tun willst, in einer Person zusammengeschmolzen.
0:21:33–0:21:37
Du möchtest dich nicht mit Tod auseinandersetzen, mit Leben und Tod.
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Du möchtest dich nicht mit diesen Wiederholungen auseinandersetzen.
0:21:40–0:21:43
Du möchtest dich nicht mit diesem Entleerten auseinandersetzen.
0:21:43–0:21:47
Also alles, was irgendwie du versuchst zu vermeiden, kommt dir auf einmal da
0:21:47–0:21:49
entgegen, so als Schattenfigur.
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Und was dann eben auch noch Teil des Zombies ist, und das war das,
0:21:53–0:21:57
was du ja da in der Folge angesprochen hast, diese Individuation.
0:21:57–0:22:02
Also diese Möglichkeit, sich das zu integrieren, das durchzuarbeiten,
0:22:03–0:22:06
daran zu wachsen, dass man das integrieren kann.
0:22:06–0:22:10
Und Zombies sind halt nicht individuationsfähig, sondern sie sind quasi eingefroren
0:22:10–0:22:16
in diesem Schattendasein. Das wäre noch so ein Bild eines Zombies.
0:22:19–0:22:23
Ja, jetzt machen wir, ich glaube, wir machen noch einen, weil wir haben jetzt schon halb eins.
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Und jetzt kommen wir noch zu dem Teweleit, den können wir noch aufarbeiten und
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dann ist vielleicht auch einfach der Dampf so ein bisschen raus.
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Das ist eigentlich auch die Uhrzeit.
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So Marathon,
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Podcasten. Die nächste Person wäre nämlich Melanie Klein, 1882 in Wien geboren
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und dann aber nach London umgezogen.
0:22:49–0:22:54
Eine der sehr frühen weiblichen Psychoanalytikerinnen, die auch mit der Kinderpsychoanalyse
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an ihren eigenen Kindern begonnen hat, die auch,
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Aber das gehört jetzt nicht hierher, die auch in vielen Punkten genau aus dem
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Grund so ein bisschen fragwürdig ist, weil sie in der Analyse ihrer Kinder dann
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auch ihre Theorie über Objektbeziehungen, also diese interpersonellen Elemente entwickelt hat.
0:23:15–0:23:18
Und da kommen die Kinder nicht gut bei weg. Aber die Mutter kommt gut bei weg.
0:23:19–0:23:23
Sie war halt sozusagen die Mutter, die diese Theorie dann auch gemacht hat.
0:23:23–0:23:24
Okay.
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Aber die Theorie von Melanie Klein finde ich in vielen Punkten wirklich sehr,
0:23:31–0:23:33
sehr spannend und interessant.
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Vor allen Dingen auch vor dem Hintergrund, dass sowohl Jung als auch Freud im
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Endeffekt doch sehr stark intrapsychische Prozesse sich angeschaut haben.
0:23:43–0:23:44
Also was passiert in einer Person.
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Bei Melanie Klein mit der Objektbeziehungstheorie ging es jetzt um eine Diade,
0:23:50–0:23:51
also um zwei Personen erst mal.
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Und die hat, finde ich, schon sehr interessante Sache gebaut,
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die halt gesagt hat, dass wir in uns ein Bild von der anderen Person schaffen.
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Und diese Bilder, die wir schaffen, die sind dann auch später im Leben eben
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diese Grundlagen vielleicht von Übertragungen.
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Wenn ich dann irgendjemanden treffe und ach, du erinnerst mich an den und den.
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Also die inneren Objekte, die wir erstellen, sind quasi Konstrukte,
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die entstehen aus dem Erleben im Umgang mit anderen Menschen und mit Bildern
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über diese anderen Menschen.
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Aber, und jetzt kommen wir dann in diese frühkindliche Entwicklung und gleichzeitig
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das Zombie-Bild hinein, aber in ihrer Beobachtung.
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War es so anhand von ihren Kindern erstmal, aber dann natürlich auch in der
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Kinderanalyse bei anderen Kindern, dass in der ganz frühkindlichen Entwicklung
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ist das Kind ja sowieso zu früh auf der Welt.
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Kann auch nicht scharf sehen, kann sich nicht selbst ernähren,
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ist komplett ausgeliefert, muss sich quasi einer Vertrauensperson oder Bezugsperson,
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meistens der Mutter, hingeben oder ist davon abhängig, ohne das aber auch genau zu wissen.
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Die Welt entsteht ja erst langsam, sowohl über die Entwicklung der sensorischen
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Apparate, aber auch über die intrapsychischen Prozesse, Emotionen.
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Alles wird ja erst entdeckt im Umgang aber eben mit anderen Personen.
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Und da hat dann Melanie Klein gesagt, dass das Kind am Anfang kein ganzes Bild
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von den anderen Personen hat, sondern überhaupt nur Teilobjekte hat.
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Zum Beispiel hat es ein Teilobjekt, die gute Brust gefüttert mich.
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Da kommt Milch raus, super.
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Aber wenn es denn dann Hunger hat, dann gibt es auch eine böse Brust,
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die eben einfach nicht da ist oder die nicht füttert, die nicht versorgt.
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Und in dieser Zeit spricht sie von einer paranoidschizoiden Entwicklungsphase.
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Die frühe Entwicklungsphase ist so, dass eben nur Teilobjekte entstehen.
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Es gibt keinen zusammenhängenden Körper, kein Körperbild, keine zusammenhängenden
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Menschen. Das ist sowas, was dann auch bei Lacan später nochmal auftaucht,
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in der Spiegelphase, das hatten wir auch schon besprochen.
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Und sie sagt, dass halt in dieser frühen Paranoid-Schizoiden-Phase gibt es nur
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Teilobjekte und die sind gut oder böse.
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Und gute Objekte, mit denen kann man sich ganz gut innerlich organisieren.
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Also wir haben ja die inneren Objekte, die sind in uns und gute Objekte,
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mit denen kann man gut intrapsychisch leben.
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Aber böse Objekte sind innerlich so unangenehm, es ist zu wenig ein Wort,
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sondern das Kind kann böse Objekte nicht in sich tragen, das kann es noch nicht regulieren.
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Und deshalb in ihrer Theorie projiziert es diese abgeteilten Objekte,
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bösen Objekte nach außen. Und deshalb ist die Mutter die Böse.
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Weil das Kind ist nicht in der Lage, das Böse, was es erlebt.
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Innerlich zu verarbeiten und deshalb die Projektion, dann sieht man raus damit,
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auf andere drauf, ich werde hier böse behandelt.
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Das Böse ist nicht in mir, ich erlebe es nicht, ich bin es nicht,
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ich konstruiere es nicht, sondern es wird mir gemacht.
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Und das war halt der Punkt.
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Durch die Erfahrung der Fragmentierung der Mutter wird dann aber die entsprechende
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Emotion auf die ganze Mutter wieder übertragen.
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Die ganze Mutter wird noch nicht wahrgenommen. Es gibt dann so ein erster Moment
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der Erkenntnis, wenn es aus der ersten Phase rauskommt, kommt es in eine depressive Phase.
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In dieser depressiven Phase ist das Kind in der Lage, diese Teilobjekte zusammenzufügen.
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Und dann wird eben aus allen Teilobjekten auf einmal die Mutter.
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Und dann wird aber auch dem Kind klar, dass es sehr ambivalente Gefühle gegenüber
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dieser Mutter hat, weil es eben auch die gute Brust und die böse Brust war.
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Das heißt, in dieser depressiven Phase heißt deshalb depressive Phase,
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weil das Kind da wegen seiner Ambivalenz auch dauernd, aber auch Sorge hat,
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verlassen zu werden oder abgehängt zu werden oder diese Bezugsperson zu verlieren,
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weil es so ambivalente Gefühle hat und weil es dann implizit auch die Erkenntnis hat,
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das Böse, was ich da drauf projiziert habe, das ist gleichzeitig aber auch das Gute.
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Das heißt dann die depressive Phase. Und jetzt kommen wir eben zurück zu diesen
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Freikorpsbeobachtungen, über die Klaus Thewe, Leidens der Männerfantasien, geschrieben hat.
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Da bezieht er sich eben genau darauf. Was du auch in der letzten Folge schon
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gesagt hast, dieses militärische Drill der Freikorps Jungs, das männliche,
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das kantige, das gerade, das abgegrenzte, das weibliche ist sowieso schon ein bisschen.
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Die Mutter ist so ein bisschen außen vor, die ist auf alle Fälle nicht versorgend, anwesend.
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Und was Teweleit dann da gefunden hat in einer Erklärung dieser völlig berauschten
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und entgrenzten Gewaltfantasien und Gewalthandlung,
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war, dass er gesagt hat, dass eben genau das passiert.
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Diese Männer-Männer, die von Männern geformt und werden, die sind in dieser
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frühkindlichen Stadium, sind die stecken geblieben, die sehen die eigene,
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also das eigene, die schlechten, bösen Objekte,
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die innerlichen, die werden einfach nach außen projiziert und so wird dann eben
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auch, und das passt, finde ich, ganz gut zu dem Zombie, was Teweleit beschreibt,
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So wird eben dann aus den Demonstrationen oder den Arbeiterbewegungen,
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die da zerschlagen wurden,
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wird dann eben so eine fürchterlich bedrohliche Masse.
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Die eigene innere Gewaltbereitschaft, alles, was innen drin angelegt ist,
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wird auf die anderen projiziert und dort bekämpft.
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Also nicht in sich selbst durchgearbeitet und aufgelöst, sondern man bleibt
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einfach abgespalten auf dieser Ebene stehen.
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Und sieht nicht die Menschen als Menschen, die auf einen zukommen,
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sondern eben als diese Masse, die es dann auch zu töten gilt.
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Wenn wir jetzt im Kino sitzen oder vorm Fernseher sitzen oder vorm Screen sitzen
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und uns einen Zombiefilm anschauen,
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dann ist der Zombie eben so inszeniert,
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wie das nach Teweleits Analyse die Freikorpsmänner erlebt haben.
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Also diese Masse, die auf dich zukommt, die irgendwie dir nur Böses will.
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Also es geht ja mir so ein bisschen, das meinte ich auch ganz am Anfang,
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man kriegt im Endeffekt dann doch wieder nur eine Frage hin von,
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was wird in mir ausgelöst, wenn ich das sehe?
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Und da wäre es dann sozusagen der Zombie schafft uns die Möglichkeit,
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Lust in diesen Bullet-Time-Shots und sowas zu empfinden, wenn dieses Böse vor
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uns zerstört wird, weil es einfach nicht zu uns gehört, weil es nicht Teil von
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uns ist, es ist nicht in uns,
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sondern das Böse ist von uns losgelöst, ins Gegenüber, ne?
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Das ist, ja, das ist ein ganz schöner,
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Quist.
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Quist, ja genau, aber das war so ein bisschen...
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So ein eigentlicher Moment ist das.
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Ein eigentlicher Moment, genau. Und auch da ist es aber natürlich wieder so,
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dass der Zombie als solcher bleibt uns unerkannt.
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Wir können ihn nicht sehen, wir können nicht mit ihm sprechen,
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mit ihm nicht kommunizieren, aber in diesem Zombie erleben,
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kriegen wir ein Gefühl dafür, was nach Teveleitz-Analyse die Freikorpsleute
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erlebt haben bei den Niederschlagungen brutalsten Niederschlagungen. Zwei Sprünge.
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Das allerletzte noch, nur ganz kurz angerissen. Das fand ich nochmal ganz interessant.
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Lacan hatten wir ja schon bei Solaris, also Solaris der Planet als das Reale.
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Lacan hat ja drei Ordnungen, das Imaginäre, das Symbolische und das Reale.
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Das Imaginäre sind die Bilder, da sind wir ein bisschen bei Melanie Klein.
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Das Spiegelstadion, wann kann man irgendwie zum ersten Mal sich selbst im Spiegel
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als geschlossene Person wahrnehmen, aber auch andere geschlossene Menschen als
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geschlossene Person wahrnehmen.
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Das Symbolische ist eigentlich eine Sprache, das Signifier und das Signified, Signifikation.
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Und dann gibt es noch das Reale. Und das Reale ist alles, was außerhalb von
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Sprache und Vorstellung liegt.
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Und das war ja ein bisschen bei Solaris auch dieser Planet, der sich einfach uns nicht erschließt.
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Und auch diese Figur, die vertraut ist, die ist ja wie so ein Zombie.
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Gibt es doch den einen, der da so befragt wird, auch bei Solaris,
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der erklärt, wie er da mal so durchgeflogen ist.
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Und auf einmal kam aus Solaris heraus eben dieses Riesenbaby,
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was sich so asymmetrisch seltsam bewegt hat. Wo wir drüber gesprochen haben,
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sah ein bisschen aus wie frühe KI.
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Es ist einfach etwas, das sich komplett unserer Sprache, unserer Logik,
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Gesetze, Kultur, das entzieht sich uns komplett.
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Und die Zombies sind in vielen ja einfach nicht anders als dieses große Solaris-Baby.
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Du hast auch das Gefühl, dass die nicht fassbar sind.
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Die entziehen sich einfach unserem Verständnis, unserer Struktur,
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unseren sprachlichen Systemen oder strukturellen Systemen, die wir uns erstellt
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haben, um alles zu verstehen. Da passen die nicht mit rein.
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Die sind nicht im Einkaufszentrum, um zu kaufen. Was wollen die da?
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Was geht hier eigentlich gerade los? Was läuft so?
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Und das ist dann so was was
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dann später schick auch so ein bisschen aufgegriffen hat
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eben dieses reale die wiederkehr des realen welcome
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to the desert of the real also auch
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so ein buch von ihm und er bezieht sich
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ja immer auch implizit auf lakon weshalb er jetzt auch weniger von zombies spricht
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und oft eher von untoten also undead die sind ja beides ja die sind lebendig
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und tod und der Der Zombie ist dann nicht so ein spannendes Wort für einen Sprachwissenschaftler.
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Ja, mache ich jetzt langsam hier Schluss.
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Man möge mir verzeihen, dass wir nach Mitternacht noch aufnehmen.
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Wir kommen gerade wieder an den Ausgangspunkt, wo wir die letzte Folge gestartet
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haben zur Warschauer Straße.
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Aber wir sind auch zu einer Uhrzeit unterwegs, wo auch viele Untote hier sind.
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Ja, stimmt. Du musst auch mal gucken, wenn ich das dann mir mal anhöre.
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Das war ...
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Genau. Abbinden, bitte.
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Vielen Dank, Mitch. Also, das ist eigentlich Podcast Episode 82.
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Wir sagen Tschüss. Ist das mit deinem GEMA-Zahn.
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Wenn die nicht in 20 Sekunden vorbeigelaufen sind?
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Nein, glaube ich nicht.
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Also.
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Dann mach es gut. Vielen Dank.
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Bis dahin. Tschüss. Freu mich schön.
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Ich würde gerne diese S-Bahn nehmen. Ist das zu schnell? Aber dann muss ich dich entkabeln.

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