„Diese Traumphantasien veranlaßten in Ihrem Bewußtsein die krankhafte Abneigung, ein Messer zu berühren." Pawel Pawlow – Psychoanalytiker

Es ist wieder Berlinale-Zeit! Es ist immer noch tief unter null Grad und wir haben unsere langen Unterhosen angezogen, um unseren Podcast bei einem Spaziergang entlang des Spreebogens aufzunehmen. Wir starten mit der Aufnahme direkt vor dem Haus der Kulturen der Welt, wo im Rahmen der Berlinale-Retrospektive Georg Wilhelm Pabsts Stummfilm Geheimnisse einer Seele aus dem Jahr 1926 in einer aufwendig neurestaurierten 4K-Fassung aufgeführt wird. Der Film, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, gilt als der erste bedeutende Spielfilm, der die Freudsche Psychoanalyse ernsthaft zum Gegenstand macht. Freuds Schüler Karl Abraham und Hanns Sachs trugen zur Umsetzung beratend bei. Die Berlinale-Aufführung ist eine dreifache Premiere: Die Restaurierung speist sich aus drei verschiedenen Filmkopien, begleitet wird sie von einer Neukomposition des Südkoreaners Yongbom Lee, live gespielt vom Ensemble Broken Frames Syndicate, wobei die Gehirnströme der Bratschistin in Echtzeit erfasst werden, um Synthieklänge und eine Lichtinstallation zu steuern. Micz ordnet als ausgebildeter Psychotherapeut die im Film dargestellten Konzepte ein – Traumdeutung, Verdrängung, Kastrationsangst, ödipale Konstellation. Gemeinsam diskutieren wir den Male Gaze, den männlichen Blick im Film, der die Rolle der Frau weitestgehend als reines Projektionsobjekt darstellt. Der rätselhafte Epilog des Films löst bei uns Verwirrung und Ambivalenz aus, was aber wunderbar durch die experimentelle Musik untermalt wird. Ein produktiver Versprecher von Micz, der Karl Abraham mit Alfred Adler verwechselt, führt zu einem Exkurs über die Rivalitäten innerhalb der psychoanalytischen Bewegung und die Frage, ob der Film unbewusst auch davon erzählt. Auf unserer Route passieren wir das Hansaviertel, die Akademie der Künste und die Schwangere Auster und streifen dabei die Geschichte der Bauausstellung Interbau 1957 als architektonische Antwort des Westens auf die Stalinallee. Teil zwei des Podcasts folgt in vierzehn Tagen mit mehr über G.W. Pabst, seine filmtechnischen Innovationen und die Fortsetzung der Route durch Charlottenburg.

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
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Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:03
Er wieder wie eine Traumsequenz und der Epilog erzählte dann keine Geschichte,
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sondern war dann auch wieder nur die Bilder zu einer Geschichte,
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die wir eben nicht sehen.
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Und dann wäre es natürlich so, wenn wir vorher gelernt haben,
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dass das Wasser ja das ist, wo die Kinder rauskommen und er dann die Fische
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fängt, dann ist das ja, sag ich nur, sperr mal die Augen auf.
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Die Fische schwimmen da so lang, er fängt sie endlich, tut sie alle in den Eimer
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rein und alle Zutaten da und voila, da ist meine Frau mit dem Kind und der Berg
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und das Archaisch und sowas.
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Hallo und willkommen zur Episode 98, unseres Eigentlich-Podcasts.
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Wir sind gerade am Hauptbahnhof und laufen hier gleich über,
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ist das jetzt die Spree oder Spree-Kanal?
Florian Clauß
0:00:48–0:00:48
Spree?
Micz Flor
0:00:48–0:00:54
Über die Spree in Richtung des Hauses der Kulturen der Welt.
Florian Clauß
0:00:54–0:00:57
Haus der Kulturen der Welt, des Hauses der Kulturen der Welt.
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So viel gibt es hier, die lange nicht mehr komprimiert auf einer Seite.
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Es ist wieder Berlinale-Zeit. Ihr kennt unsere Specials aus den Jahren davor.
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Berlinale, das ist, wo wir quasi unsere langen Unterhosen anziehen und rausgehen
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und nach dem Film uns darüber unterhalten.
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Und auch dieses Mal haben wir uns einen retrospektiven Film rausgesucht.
Micz Flor
0:01:25–0:01:26
Wir? Du hast den rausgesucht?
Florian Clauß
0:01:26–0:01:27
Ich habe den rausgesucht.
Micz Flor
0:01:27–0:01:30
Stimmt. Ich habe mich so gefreut, weil ich gar nichts mit Berlinale am Hut hatte
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dieses Jahr. Und dann kommt Flo um die Ecke und sagt, hey, ich hätte einen Film,
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machst du Lust? Und ich habe mich noch richtig drauf geguckt.
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Du hast den Link gekickt. Ich habe den Link gekickt, aber so ein Bild mit so
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einem Messer in schwarz-weiß.
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Ich habe gedacht, irgendein experimenteller, neuer Film, noir,
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irgendwas. Das war großartig.
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Aber nein, gleich sehen wir im HKW den Film Geheimnisse der Seele.
Florian Clauß
0:01:52–0:01:53
Geheimnisse einer Seele, ja.
Micz Flor
0:01:53–0:01:57
Einer Seele, okay. Geheimnisse einer Seele, dann stell du dir mal besser vor.
Florian Clauß
0:01:57–0:02:01
Ich habe den rausgesucht, weil ich dachte, das passt super.
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Der erste psychoanalytische Film von Georg Wilhelm Papst, Geheimnisse einer Seele.
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Der wird dieses Jahr tatsächlich 100 Jahre alt.
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Auch so ein bisschen der Anlass für die Retrospektive. Der Film ist restauriert worden.
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G.W. Papst hat den Film 1926 gedreht.
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Jetzt wird der im Haus der Kulturen aufgeführt. Der Haus der Kulturen ist eigentlich
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ein Aufführungsort der Berlinale, wo die Generationsfilme aufgeführt werden.
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Da war ich auch gestern in einen, 14+. Da habe ich einen brasilianischen Film,
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Quattro Meninas, gesehen.
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War sehr beeindruckend, der Film. War toll mit Crew und so weiter.
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Das ist ja das Tolle an der Berlinale.
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Du siehst dann halt wirklich die Schauspielerin, du siehst die Regisseurin da.
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Ganz toll und deswegen war ich jetzt etwas überrascht, dass hier ein Retrofilm läuft, Retrospektive.
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Der ganze Film wird auch begleitet, von live begleitet. Ich weiß gar nicht, ein Orchester...
Micz Flor
0:03:01–0:03:03
Du musst dazu sagen, es war wirklich eben einfach auch noch ein Stummfilm.
Florian Clauß
0:03:04–0:03:04
Ach genau, natürlich.
Micz Flor
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Dazu gehört dann natürlich immer Musik, weil ganz ohne geht es nicht.
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Nur Chipstüten wäre jetzt auch schwierig.
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Und da haben die sich was einfallen lassen. Das ist schon, wenn ich es richtig
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verstanden habe, klassische in Anführungszeichen Instrumente,
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also Bratsche und so weiter.
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Und eine der Personen, die da mit Musik macht, live zum Film,
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der werden die Hirnströme abgegriffen und die haben dann irgendeinen Einfluss auf die,
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Klänge, die da gespielt werden. Das müssen wir uns aber erstmal anhören,
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das wissen wir noch nicht.
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Wer allerdings den Film sehen möchte, kann das einfach auf YouTube machen.
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Da gibt es den auch komplett, allerdings dann eben natürlich noch mit einer
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alten Musik, wie man sich das so vorstellt.
Florian Clauß
0:03:51–0:03:54
Genau, du hast mir nochmal die Aufgabe mitgegeben, ich sollte zum Vergleich
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mir nochmal den Film kurz mal so rein skippen, um einen Eindruck zu bekommen von der Musik.
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Und das ist so klassisch Stummfilm. viel mit Karierbegleitung und so weiter.
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Deswegen bin ich jetzt auch wirklich gespannt auf die Umsetzung.
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Und ich fand das auch bei den YouTube, das ist mir auch aufgefallen,
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das ist halt irgendwie wie so ein alter Stummfilm.
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Das ist wahre schlechte Qualität.
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Und es hat mich wirklich Spaß gemacht, den zu sehen in dieser Qualität.
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Ich merke das nur, wenn ich restaurierte Stummfilme gucke.
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Denn wenn dann quasi die Figuren wirklich für eine echte, ich sag mal so,
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viel natürlicher wären, weil die nachbearbeitet wurden.
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Dann hat man einen viel besseren Zugang zu diesem Film.
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Sonst ist es immer so ein bisschen das Kuriositäten-Kabinett,
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was man sich da anschaut, wie früher aus der Kamera Obscura,
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so schnell bewegten Figuren.
Micz Flor
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Also das Internet ist ja inzwischen voll von irgendwelchen Filmen.
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Französische Soldaten im Ersten Weltkrieg koloriert und nachbearbeitet.
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Also diese Idee von Restaurierung, die dann gleichzeitig aber das Ganze,
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uns näher bringt, weil eben diese mechanischen Hürden überwunden werden.
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Und auf einmal das Ganze fließend.
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Das ist, glaube ich, 4K-Restaurierung, die da jetzt gemacht wurde.
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Und ich finde es immer auch ein bisschen schwierig.
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Da ist so ein bisschen was dabei, wenn man sich überlegt, dass ja damals viel,
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also das war jetzt nicht ganz früh in der Filmgeschichte, bewegte Bildergeschichte,
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aber viel war ja immer so dieser Schock und dieser Schreck.
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Und so, als ob die Zukunft hineinbricht in die, ja, ein neues Medium einfach.
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Das heißt, das, was damals irgendwie mit einem handgedrehten Projektor,
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der da mit zwölf Bildern so durchtackert, das war eine überwältigende Zukunftsvision,
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die dann irgendwie auf die Leute einrasselte.
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Und jetzt, wenn wir es halt im dritten Programm irgendwie gesehen haben,
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irgendwie als Zwölfjähriger, dazu passt ja der Sonntag auch.
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Sonntag um 12 Uhr auf HR3 läuft dann halt so ein Film.
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Der hat uns einfach nicht mehr berührt. Und das war sicherlich keine Zukunftsvision,
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die uns erschüttern kann. Das heißt, jetzt wird dann irgendwie...
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Der Film ist hinter uns zurückgefallen und war ganz viel Vergangenheit und wird
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jetzt wieder mit der Ristorien so hineingeholt in die Gegenwart.
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Also er wird uns wieder angeglichen, sodass wir überhaupt ihn noch als etwas
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erleben, was mit uns direkt im Bezug steht.
Florian Clauß
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Ja, das ist halt so ähnlich wie mit der 3D-Entwicklung im Spielebereich.
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Diese Sehgewohnheiten, die gleichen sich so schnell wieder an,
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dass man dann erst mal das Gefühl hat, als sie den damals Film gesehen haben,
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die Menschen, behaupte ich mal. dass es für die total realistisch war.
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Wow! Und dann natürlich hast du die technischen Innovationen,
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die Sehgewohnheit und so weiter, gleicht sich an.
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Das ist halt so wie bei Super Mario N64, wo ich dann dachte,
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das ist 3D, das ist ja Wahnsinn.
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Und wenn du jetzt diese Polygone, die dann halt in dieser total niedrigen Auflösung
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siehst, das ist ja dann überhaupt nichts mehr mit dem zu tun, was heute 3D kann.
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Und ich glaube, so wie du das beschreibst, dann ist es ja nur gerechtfertigt,
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wenn man das dann halt so restauriert, um so ein bisschen so das Seherlebnis
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von damals wiederherzustellen.
Micz Flor
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Ja, das ist eben diese Überlegung. Ich weiß das noch vom Hessischen Landesmuseum.
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Da gibt es ja oben den Beuys-Block.
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Das hatten die auch restauriert und hatten dann lange überlegt,
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wie machen wir das denn jetzt, wo das Fett die Wand berührt?
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Die Wand mit der Tapete ist jetzt vergilbt, die gehört nicht mehr.
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Das ist jetzt ein hypothetisches Beispiel. Aber die Grundfrage war halt,
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was genau dürfen wir jetzt hier noch restaurieren?
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Gerade wenn es bei Beuys dann auch darum geht, dass die Dinge zerfallen.
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Die Blutwurst in der Vitrine wird man nicht ersetzen, sondern sagen,
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hol mal eine neue Blutwurst.
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Aber an manchen Punkten gibt es so Fragestellungen, der Boden,
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der Teppich, der ist abgelaufen.
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Die Leute laufen über den Teppich jahrzehntelang um diese Kupferplatten drumherum.
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Dann siehst du das auf dem Teppich und darf man den Teppich jetzt ersetzen?
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Sollte man den ersetzen oder nicht? Also all diese Fragen kamen dann damals so auf.
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Und das finde ich schon immer auch relevante Fragen. Das HKW selbst wurde ja
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restauriert, war ja lange geschlossen.
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Der Film ist restauriert. Und ich finde schon immer die Frage,
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wie stellt man das Alte wieder her?
Florian Clauß
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Ja, und inwieweit man Erosion dann quasi als Konzept in der Kunsterfahrung mit einschließt.
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Weil diese Fragen stellen sich ja nur bei analogen Märkten.
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Wir bewegen uns ja nach und mehr in digitale Archive. Und da hast du ja diese Abnutzung nicht.
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Ich meine, das ist ja die Frage auch, wie restaurierst du?
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Quasi als wir dann aktiv waren damals, irgendwie in den 90ern.
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Wir hätten damals mit ganz wenig Bandbreite dann auch gestreamt, unser Internetradio.
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Ja, das war unser Fingerprint. Also wir hatten das schon damals bewusst ausgestellt.
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Das war ja irgendwie Medium is the message. Also das heißt, diese verpixelten
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Soundklänge, das war halt irgendwie genau die Zeit.
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Genauso wie dann halt die ersten Wachstafeln, wo dann halt das Chamophon abgespielt hat.
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Ja, das hatte ja auch diese Extreme. Das war ja das Medium.
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Und jetzt ist es ja eigentlich in so einer nicht wahrnehmbaren Schwelle mehr,
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weil mittlerweile ist halt die Auflösung von allen digitalen Geräten so hoch,
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die Kapazität ist so hoch, dass man es nicht mehr wahrnehmen kann.
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Aber es ist ja genau das Interessante, an dieser Schwelle zu arbeiten,
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wo es genauso von den 12 Frames in einer Sekunde zu den 24 wird.
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Deswegen diese Langsamkeit der Bewegung, das war ja die Anfänge des Films,
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wo man sich dann irgendwann geeinigt hat, okay, 24 Frames per Second oder 30 in Amerika,
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im amerikanischen Markt, wo dann halt eine fließende Bewegung quasi dann wahrnimmt.
Micz Flor
0:09:35–0:09:38
Das Malteserkreuz auf dem Malteser Falken.
Florian Clauß
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Das Malteser, genau. Und das Maschinengewehr, was dann die Bilder auf die Netzhaut projiziert.
Micz Flor
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Für diesen Film ist es spannend, dann zu gucken, was das tut,
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wenn es wieder vermenschlicht wird.
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Also sozusagen war der Film die Zukunft, dann ist dieser Film irgendwie von
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den Sehgewohnheiten her in die Vergangenheit gedrängt worden.
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Jetzt wird er wieder auf uns zurückgepitcht, sage ich mal.
Florian Clauß
0:10:02–0:10:02
Ja.
Micz Flor
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Und es geht ja um psychodynamische Erwachsenen.
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Um Prozesse, um psychische Störungen, um, es war ein Film, der sehr didaktisch
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auch darstellen sollte, wie so eine Psychoanalyse überhaupt funktioniert.
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Und das finde ich dann schon spannend zu sehen. Ich sagte vorhin so ganz ketzerisch,
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naja, hessischer Rundfunk, dritte Programme, Sonntagnachmittag um 14 Uhr,
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da läuft dann irgendein Schwarz-Weiß-Film.
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Und mal gucken, was das jetzt ist auf dem großen Screen auf der Berlinale,
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4K restauriert und so angeglichen, dass vielleicht wirklich das Ganze auch uns mehr wieder berührt.
Florian Clauß
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Ja, vielleicht. Das war ja so ein bisschen der Einstiegspunkt,
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nämlich dass eben die Gehirnströme der Pratschisten abgenommen werden und darüber
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noch ein Soundteppich und ein visueller Teppich.
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Also visuell, das heißt irgendwelche Listinstallationen, so war es im Programm
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angekündigt, gesteuert werden. Und das ist natürlich nochmal so,
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okay, wir haben nicht nur diesen 100 Jahre alten Film, sondern wir haben die
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neuste Technologie. Wir werden machen was.
Micz Flor
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Ich bin jetzt mal wieder ketzerisch und sage, wir machen da jetzt was drauf
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und nehmen das auf und in 100 Jahren werden die es wieder rausrechnen wollen.
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Und werden sich Gedanken machen, was restaurieren wir hier eigentlich?
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Die Bratschistin oder den Film?
Florian Clauß
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Die Gehirnströme. Ja, aber dann kommt quasi nochmal so eine Chaos-Ebene rein,
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die jetzt quasi in der Didaktik des Films vielleicht so nicht angelegt war.
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Der Film war so quasi der erste Lehrfilm für Psychoanalyse, wo es darum ging,
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das Konzept der Psychoanalyse wirklich der breiten Masse dann halt zugänglich zu machen.
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Wir nehmen schon ein bisschen was vorweg. Wir haben jetzt das Haus der Kulturen
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im Blick. Ja, und bevor wir da reingehen, wir haben noch eine halbe Stunde Zeit,
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bis der Film anfängt und ich schlage jetzt vor, wir,
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Nehmen wir mal unsere ersten Eindrücke auf, dann direkt nach dem Film.
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Jetzt war das so ein bisschen so ein Einstieg in das Seerlebnis der Berlinale.
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Vielleicht nochmal zum Haus der Kulturen. Der Welt. Ja, des Hauses der Kulturen der Welt.
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Das wurde ja, das war mir auch nicht klar, das führt uns dann auch nachher die Route, die wir da haben.
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Das wurde ja 1957 auf der Messe Interbau. Hast du von der schon mal gehört?
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1957 in Berlin gebaut, ja.
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1957 wurde das ganze Hansa-Viertel, die Akademie der Künste.
Micz Flor
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Genau, das ist diese ganzen Skyrises, die damals gebaut wurden.
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Ja, und auch das, wo ich mal gewohnt hatte, war in der gleichen Zeit,
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auch wenn es, ich weiß gar nicht, ob es offiziell Teil war davon,
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dieses Halbrund am Halleschen Tor.
Florian Clauß
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Ach, das wurde auch zu der Zeit gehört. Das wird auch mit dazu gehören.
0:12:43–0:12:49
Nämlich ganz renommierte Architekten, 53 aus irgendwie, ich weiß nicht wie viele
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Ländern, 30 Ländern, wurden hier eingeladen zu der Messe.
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Der Baubeginn der einzelnen Projekte war dann irgendwie schon 52,
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53, aber das heißt schon, das ist extrem knapp, also für eine Messe,
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dass die dann halt 52 angefangen haben und dass die ganzen Sachen dann hier
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57, wurden dann noch fertiggestellt,
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aber 57 stand das dann soweit.
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Also das ist schon eine enorme Leistung.
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Architektonisch und das Ganze, das war quasi ein amerikanisches Projekt,
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was dann halt auch die Amerikaner der Stadt Berlin geschenkt haben.
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Dieses ganze Interbau war mehr oder weniger dann eine Antwort auf die Stalinallee.
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Also es war wirklich so ein ideologisch teilweise getriebenes Projekt.
Micz Flor
0:13:29–0:13:30
Das wusste ich nicht.
Florian Clauß
0:13:30–0:13:32
Ja, das fand ich auch total krass.
Micz Flor
0:13:32–0:13:34
Also es war nicht Innovation, sondern Reaktion.
Florian Clauß
0:13:34–0:13:40
Das war auch eine Reaktion und es sollte hier auch ein Bollwerk der freien Sprache,
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der Free Speech, sollte das HKW darstellen.
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Und deswegen ist es so, dass quasi das HKW ein Veranstaltungsort,
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wo das Wort quasi dann auch so tragend ist.
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Und die sogenannte Schwangere Auster, wir stehen jetzt auch direkt davor und
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sehen diese geschwungene Dachkonstruktion. Und das ganze Dach ist 1980 eingebrochen.
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Ich glaube, es war 1980. Wurde dann wieder aufgebaut und 1987 dann eingeweiht.
Micz Flor
0:14:11–0:14:15
Das ist jetzt gefährliches Halbwissen. Ich war nicht vorbereitet auf den Teil
0:14:15–0:14:16
des Hauses der Kultur in der Welt.
0:14:17–0:14:22
Auch wohl aber eingebrochen, wenn ich mich recht erinnere, weil einfach die Materialien...
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Nicht alle verfügbar waren und deshalb die Mischung zwischen Sand und Kies und
0:14:27–0:14:33
Beton war dann die Zukunft, aber die Zukunft mit zu wenig Zement und ist dann halt eingebrochen.
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Das finde ich schon auch nochmal irgendwie Interessantes, ja,
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es ist so dieses brutalistische von wir rammen das jetzt hier nach West-Berlin
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rein, aber das Brutale ist dann gleichzeitig verletzlich.
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Es ist dann einfach nicht für die Ewigkeit, sondern es fällt dann in sich zusammen,
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weil es musste schnell passieren.
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Also das finde ich auch manchmal so, wie Politik funktionieren kann.
Florian Clauß
0:14:57–0:15:01
Ja, aber auf der anderen Seite, wenn du guckst, was im Rahmen dieser Interbau
0:15:01–0:15:04
dann geschaffen wurde, ja, Akademie der Künste, Haus der Kultur,
0:15:05–0:15:10
das ganze Hansa-Viertel, das, wo du da jetzt gewohnt hast, das sind ja unglaublich
0:15:10–0:15:13
repräsentative Architektur.
Micz Flor
0:15:14–0:15:16
Ja, ei, ei, ei.
0:15:19–0:15:20
Ist das schon die Schlange?
Florian Clauß
0:15:20–0:15:21
Ja, ich glaube.
Micz Flor
0:15:22–0:15:25
Okay, wir sind jetzt im Haus der Kultur in der Welt und stellen uns hinten an
0:15:25–0:15:29
der Schlange an. Und würde sagen, wir machen dann das ja einfach mal Stopp.
0:15:31–0:15:35
Und kommen raus, wie wir das ja manchmal machen, und fangen einfach an zu reden.
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Und ich bin jetzt gespannt, wie wir das strukturieren, weil es gibt viel über den Regisseur zu sagen.
0:15:41–0:15:44
Es gibt viel über die Geschichte des Films, die Hintergründe des Films zu sagen.
0:15:44–0:15:46
Wir haben den Film selbst auch gesehen.
0:15:46–0:15:50
Ein Film, der sich mit Psychoanalyse beschäftigt und vor allen Dingen in einer
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Form, dass die Deutung so fast schon ein didaktischer Teil darin ist.
0:15:54–0:15:57
Das heißt, der deutet sich einerseits schon wieder selbst, aber andererseits
0:15:57–0:16:00
können wir ihn jetzt auch nochmal deuten, wenn man ihn heute sieht.
0:16:00–0:16:05
Weil immer wenn halt dann irgendwie so Bilder sehr inszeniert wirkten,
0:16:05–0:16:08
um die Psychoanalyse zu verdeutlichen, musste das ganze Publikum,
0:16:08–0:16:11
das war im großen Auditorium, so ein bisschen schmunzeln.
0:16:11–0:16:16
Und man hat das so gehört, bei sexuellen Sachen war es ein bisschen lauter,
0:16:16–0:16:20
bei anderen Sachen, und wenn dann irgendwie so ein Durchbruch kam,
0:16:20–0:16:24
das war irgendwie fast schon leicht zynisch, also wenn dann der Patient im Film
0:16:24–0:16:27
glücklich schien für einen Moment, dann haben alle so richtig.
Florian Clauß
0:16:28–0:16:31
Vielleicht müssen wir das, um das nochmal zu kontextualisieren.
Micz Flor
0:16:31–0:16:36
Jetzt übergebe ich damit an mich, ich habe quasi den Trailer vorneweg gemacht,
0:16:37–0:16:38
worum geht es jetzt eigentlich?
Florian Clauß
0:16:39–0:16:43
Ich glaube, um das zu verstehen, wir kommen aus der Retrospektive und wir haben
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gerade einen 100 Jahre alten Film gesehen.
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Retrospektive ist auch bei uns ein schon mal gesehenes Format der Berlinale.
0:16:53–0:16:55
Also die Berlinale teilt sich ja in verschiedene Sektoren auf.
0:16:56–0:16:59
Retrospektive, wir hatten letztes Jahr über Rocker gesprochen.
0:16:59–0:17:03
Hattest du berichtet, Mensch. Und dachte ich, das passt, das passt.
0:17:04–0:17:08
Und zwar haben wir Geheimnisse einer Seele von Georg Wilhelm Papst geguckt,
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der 1925 gedreht und 1926 dann zum ersten Mal uraufgeführt wurde.
0:17:15–0:17:21
Und diese Performance hier von diesem Film ist zum einen, es ist wie bei der
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Einleitung gesagt worden, eine dreifache Premiere.
0:17:24–0:17:28
Weil nämlich ganz viel Restaurationsarbeiten in dieser Kopie stecken.
0:17:28–0:17:32
Das heißt, die haben sich aus drei Quellen aggregiert.
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Das eine ist eine 16-Millimeter-Kopie aus Amerika gewesen, das andere eine Negativ-Kopie
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auf 35 Millimeter und dann noch eine weitere Kopie in 35 Millimeter.
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Und die haben dann aber, glaube ich, die amerikanische als diejenige genommen,
0:17:49–0:17:52
die dann halt die Urfassung mehr oder weniger abgebildet haben.
0:17:52–0:17:59
Dann wurde das Ganze begleitet von einem musikalischen Ensemble live von fünf Personen.
Micz Flor
0:18:00–0:18:04
Das war so zum Thema hin, das war ganz schön ein interessanter Thema.
0:18:05–0:18:07
Freudscher Versprecher würde man sagen von dir, weil du hast gesagt,
0:18:07–0:18:10
wir haben diese Performance hier gesehen und ich glaube, du dachtest dabei schon
0:18:10–0:18:13
an die Musik-Performance, weil der Film war ja eine Aufführung,
0:18:13–0:18:15
aber es war eben auch eine Performance dabei.
0:18:16–0:18:18
Da wolltest du, um bei dem Bild zu bleiben, gleich verdichten.
0:18:19–0:18:21
Du hast quasi in einen Satz gleich zwei Dinge mit reingepackt.
Florian Clauß
0:18:21–0:18:25
Ja, für mich hatte es auf jeden Fall Aspekte einer Performance,
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weil der Film war nicht nur vom Visuellen auf die Leinwand begrenzt,
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sondern tatsächlich waren noch so vertikale Leuchtstoffröhren,
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die angetrieben durch die Hirnfrequenzen der Bratschisten dann Signale gegeben haben.
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Also eine visuelle Untermalung noch zusätzlich zu der auditiven Untermalung, also der Begleitung.
0:18:49–0:18:51
Das wurde groß angekündigt.
0:18:51–0:19:00
Die Musik, um das vorwegzustellen, war experimentell, aber gandistisch. Was kann man dazu sagen?
0:19:00–0:19:05
Wie würdest du das einordnen? Es waren klassische Instrumente,
0:19:05–0:19:07
die aber sehr experimentell gespielt wurden.
Micz Flor
0:19:07–0:19:15
Die Gehirnströme der Bratschistin haben synthetische Töne mit reingemischt und
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auch diese Lichteffekte subtil im Umfeld mit reingemischt.
0:19:20–0:19:23
Geholt, was so ein bisschen war wie diese großen LED-Fernseher,
0:19:23–0:19:27
die man manchmal so sieht, wo dann hinten raus irgendwie noch so Licht.
Florian Clauß
0:19:27–0:19:32
Den Raum mit. Wo man das AliExpress-Modul noch anmelden kann.
Micz Flor
0:19:33–0:19:35
Genau, ja. Damit will ich das jetzt gar nicht kleiner machen.
0:19:35–0:19:38
Ich fand es ehrlich gesagt ganz angenehm und ich würde es so sagen,
0:19:39–0:19:40
es war ja experimentell.
0:19:40–0:19:44
Und gleichzeitig sind das die 19, 20er Jahre ja auch nicht Zeiten,
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in denen mit den italienischen Futuristen, Also es waren ja auch ganz,
0:19:47–0:19:53
ganz viele Soundexperimente, neue Instrumente erfunden und Formen der Komposition.
0:19:53–0:19:56
Also es war jetzt nicht so, dass man das Gefühl hat, das passt nicht.
0:19:57–0:20:01
Und vor allen Dingen, und das meine ich jetzt positiv, ist es irgendwann auch verschwunden.
0:20:01–0:20:02
Das war irgendwann nicht mehr
0:20:02–0:20:05
im Vordergrund, sondern es war dann wirklich irgendwann die Filmmusik.
0:20:05–0:20:08
Allerdings natürlich auch mit den Sachen, die man von Filmmusik,
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von Stummfilm schon aus dem...
0:20:11–0:20:14
Aus dem dritten Programm der ARD kennt, an einem Sonntagnachmittag,
0:20:15–0:20:20
dass manchmal irgendwie dann was so, bei so einem Bild, ja, das ist nicht immer
0:20:20–0:20:23
Musik und Bild im Film haben immer nicht die gleichen Geschwindigkeiten.
0:20:24–0:20:26
Manchmal hängt sich das dann so ein bisschen gefühlt auf.
Florian Clauß
0:20:26–0:20:26
Ja.
Micz Flor
0:20:27–0:20:29
Das gab es auch, aber auch das fühlte sich irgendwie authentisch an.
Florian Clauß
0:20:29–0:20:33
Ich fand, es war durchaus programmatisch, sage ich mal.
0:20:33–0:20:37
Ich denke, es war auch gewollt, dann halt so eine Bildtonschere zu erzeugen
0:20:37–0:20:41
und nicht das zu kommentieren, was auf der Leinwand zu sehen war.
0:20:41–0:20:45
Also ich denke, das war sicher von dem Komponisten, der war auch dann anwesend.
0:20:46–0:20:49
Also insofern war das auch die Premiere des Stückes.
0:20:49–0:20:52
Also supported von Arte und CDF.
0:20:52–0:20:56
Und das Ganze wird im Mai, kann man diese Version, die wir heute geguckt haben,
0:20:57–0:20:58
kann man dann auch auf Arte sehen.
Micz Flor
0:20:59–0:21:03
Meinst du, die nehmen die Tonspur? Die meinten, das wird halt mit dieser neuen Vertonung aufgeführt?
Florian Clauß
0:21:03–0:21:07
Tatsächlich, ich vermute mal, und deswegen haben sie auch diese Leuchtstoffröhren
0:21:07–0:21:11
aufgestellt, das wird tatsächlich Bilder des ganzen Raumes.
Micz Flor
0:21:11–0:21:12
Ah, okay.
Florian Clauß
0:21:12–0:21:15
Und deswegen, die brauchten noch mehr irgendwie, genau, die brauchten noch mehr.
Micz Flor
0:21:15–0:21:18
Nicht der 4 zu 3 Film, sondern rechts und links ist jetzt auch was los.
0:21:18–0:21:21
Also dann ist es ja wirklich wie, wer dann noch einen großen LED hat,
0:21:21–0:21:26
der im Hintergrund selbst auch nochmal leuchtet, dann sind da mehrere Generationen
0:21:26–0:21:28
technische Innovationen eingefasst.
Florian Clauß
0:21:28–0:21:29
Ja, genau, ja.
Micz Flor
0:21:29–0:21:35
Es wäre interessant, weil es lief einmal dieser ganz klassische iPhone-Klingelton
0:21:35–0:21:40
im Raum und rechts neben mir öfter mal so ein Bing, Bing.
0:21:40–0:21:43
Also das war auf der anderen Seite des Gangs.
0:21:43–0:21:45
Aber das iPhone-Ding hast du gehört.
Florian Clauß
0:21:46–0:21:49
Oder? Ich habe das nur am Anfang gehört, aber dann auch nicht mehr.
0:21:50–0:21:52
Aber das finde ich immer ganz schlimm, obwohl man muss sagen,
0:21:53–0:21:56
das Berlinale-Publikum ist sehr diszipliniert. Also das ist wirklich,
0:21:57–0:22:01
wir sitzen ja dazu, ich weiß nicht, 3.000, 4.000 gehen ja mindestens in den Saal rein.
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Du sitzt da und es ist kein Geräusch, weil der Film noch nicht angefangen hat
0:22:07–0:22:10
und du hörst nichts außer Husten vereinzelt.
0:22:10–0:22:14
Und das finde ich immer wieder faszinierend, dass alle Kinogängerinnen,
0:22:14–0:22:20
sich da so dran halten und dass das halt so der Fiktionsvertrag ist oder der Festivalvertrag.
Micz Flor
0:22:20–0:22:22
Und interessanterweise auch gar nicht mehr von, weißt du, es ist fast schon
0:22:22–0:22:24
verpönt, das vorher nochmal zu sagen.
0:22:24–0:22:30
Es waren drei verantwortliche Frauen, die da mit quasi das in der Präsentation
0:22:30–0:22:33
verankert waren, die alle drei hätten gesagt können, machen Sie doch bitte auch
0:22:33–0:22:34
jetzt Ihr Handy ausgesucht.
0:22:34–0:22:37
Aber das geht halt nicht, das ist wahrscheinlich schon verpönt.
Florian Clauß
0:22:37–0:22:38
Nee, das ist schon einfach.
Micz Flor
0:22:38–0:22:42
Man muss wissen, wo man, um wieder zum Film zu kommen, Gabel links,
0:22:42–0:22:45
Messer rechts, das muss man wissen. und von außen nach innen essen.
0:22:45–0:22:52
Aber ich habe jetzt eine Frage oder Vorschlag, weil im Vorfeld hatte ich auf
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deine Anregungen hin so ein bisschen darüber nachgedacht über,
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Interpretation, Deutung, also das ganze Thema so. Das wird jetzt im Film halt
0:23:00–0:23:02
in sich selbst schon so gemacht.
0:23:02–0:23:04
Also man muss ganz kurz vielleicht, ich möchte nur ganz kurz die Geschichte
0:23:04–0:23:06
sagen, wegen keiner Plot-Spoiler.
Florian Clauß
0:23:07–0:23:09
Ja, wir erzählen den Film sowieso nach.
Micz Flor
0:23:09–0:23:13
Und wenn wir über den Film sprechen, wie du schon sagst, wir sind berühmt dafür,
0:23:13–0:23:17
dass wir manchmal länger über Filme erzählen, als es die Filme sind.
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Und dass wir aber auch keinen Plot-Spoiler auslassen, sondern vielleicht sogar
0:23:23–0:23:25
noch welche erinnern, die es gar nicht gab.
0:23:25–0:23:29
Aber in diesem Film fände ich es interessant, ich würde, das ist jetzt ein Vorgriff
0:23:29–0:23:33
auf etwas, was vielleicht später kommt, was nämlich auch mit der Entstehung des Films zu tun hat,
0:23:33–0:23:40
auch nochmal gucken, in der Entstehung des Films, der sich mit der Psychoanalyse beschäftigt,
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wenn man jetzt 1899 oder 1900 mit dem Erscheinen von Freuds Traumdeutung als
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Ursprung der Psychoanalyse verbinden möchte.
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Kann man also sagen, ein Vierteljahrhundert schon danach.
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Das ist nicht wenig. Das ist so, wie wenn jetzt irgendwas 2000 hier in die Welt
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gekommen ist und jetzt gucken wir heute zurück.
0:24:00–0:24:07
Und es war ein Film, der das didaktisch zeigen wollte, wie eine Störung entstehen
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könnte, eine psychische Störung und wie die behandelt werden könnte.
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Das Ganze schon auch auf einer filmischen Ebene mit ganz tollen Montage- und
0:24:17–0:24:20
Überblendungstechniken gebaut wurde, um das zu verdeutlichen,
0:24:20–0:24:25
also das Fantasievolle, nicht Lineare, nicht Zeitbasierte, nicht Sinnhafte.
0:24:27–0:24:32
Und auf der anderen Seite aber eben auch diese Geschichte von einer Ehe erzählte,
0:24:32–0:24:39
in der der Mann dann eben einen zwanghaften Wunsch, seine Frau umzubringen, entwickelt hat.
0:24:39–0:24:45
Und die Therapie in Anfangszeichen ging dann eben darum, dem auf die Spur zu kommen.
Florian Clauß
0:24:45–0:24:49
Also eigentlich Podcast, das ist ja der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
0:24:50–0:24:54
Und wir laufen gerade am Schloss Bellevue, also auf das Schloss Bellevue zu.
0:24:54–0:24:57
Und ich wollte jetzt hier auch noch mal so ein bisschen auf der Route,
0:24:57–0:25:00
auf der Spreyroute mitnehmen.
0:25:00–0:25:05
Weil meistens plane ich die Tracks und Mitch ist immer, wenn er sich umdreht,
0:25:05–0:25:08
verwundert, wo bin ich hier? Ist das noch Berlin?
Micz Flor
0:25:09–0:25:13
Ist klar, du meinstens die Tracks manchmal, wenn ich einfach loslaufe,
0:25:13–0:25:16
im besten Fall komme ich an den gleichen Momenten.
Florian Clauß
0:25:17–0:25:23
Genau. Und wir kommen jetzt tatsächlich in Richtung Moabit, wo wir noch nicht so oft waren.
0:25:24–0:25:28
Und das Prinzip von unserem Podcast ist ja immer, dass einer dann meistens eine
0:25:28–0:25:32
Geschichte mitbringt und der andere hört zu und kommentiert.
0:25:32–0:25:35
Aber wir haben jetzt in letzter Zeit so ein Event-Podcast geworden.
0:25:36–0:25:44
Letztes Mal sind wir ja auch aus dem deutschen Theater gekommen und haben direkt danach aufgenommen.
0:25:44–0:25:51
Und wir können jetzt auch auf einen relativ großen Fundus zurückgreifen an Episoden,
0:25:51–0:25:52
die wir schon mal aufgenommen haben.
0:25:53–0:25:56
Und hier würde ich auch sagen, können wir durchaus das Freud,
0:25:57–0:26:01
Freud Outsider, da sind wir auch aus dem Kino gekommen, den hast du im letzten
0:26:01–0:26:06
Sommer präsentiert, also hast du mich animiert in den Filmen.
Micz Flor
0:26:06–0:26:07
Mitzukommen und drüber zu sprechen.
Florian Clauß
0:26:07–0:26:10
Und der wurde jetzt auch vor kurzem auf Arte gezeigt.
Micz Flor
0:26:10–0:26:11
Hab ich auch gesehen, ja.
Florian Clauß
0:26:11–0:26:17
Toll, ne? Aber weißt du, was da gefehlt hat? Da haben nämlich von Marien Bonaparte
0:26:17–0:26:20
diese persönlichen Filmaufnahmen gefehlt.
Micz Flor
0:26:20–0:26:20
Echt?
Florian Clauß
0:26:20–0:26:23
Ja, die gab es dann nicht in dem Film. Und meine Vermutung ist,
0:26:23–0:26:25
weil das war ja, wir sind ja beide aus dem Kino rausgekommen,
0:26:25–0:26:29
und das war ja super, also da habe ich so ein Freund zum ersten Mal Lachen gesehen,
0:26:29–0:26:32
und das war ja sehr nahe Aufnahmen, und die sind da nicht vorgekommen.
0:26:32–0:26:35
Und ich vermute mal, der hat keine Rechte bekommen fürs Fernsehen.
Micz Flor
0:26:35–0:26:38
Ja, fürs Fernsehen, das denke ich auch. Und er hat ja noch gesagt, dass das wirklich auch,
0:26:38–0:26:42
in dieser Filmvorstellung das erste Mal ist, dass die Sachen überhaupt gezeigt werden.
0:26:42–0:26:44
Die aus dem Archiv. Und ja, wahrscheinlich
0:26:44–0:26:47
hat er die Rechte einfach fürs Fernsehen nicht bekommen oder...
Florian Clauß
0:26:47–0:26:50
Ja, ich denke mal, das wird der Grund sein, weil das waren wirklich ganz tolle
0:26:50–0:26:53
Aufnahmen und die haben uns ja beide sehr berührt.
Micz Flor
0:26:53–0:26:58
Wenn dann Sigmund Freud später in London sitzt und mit so Hunden spielt und
0:26:58–0:27:02
dann so lachen muss über den Hund und so rumguckt, ob andere mit ihm mitlachen
0:27:02–0:27:05
und so. Das waren wirklich sehr berührende Momente.
Florian Clauß
0:27:05–0:27:09
Die kennt man aus dem gestellten Foto. Man kriegt ja, man hat nur dieses stoische
0:27:09–0:27:14
Foto von Freud, was jeder quasi bei der Geburt eingeprägt bekommt,
0:27:14–0:27:20
wo er da mit der Zigarre steht und so in die Kamera schaut. Das ist Freud, wie wir ihn kennen.
0:27:22–0:27:28
Und ja, du hattest ja auch gerade gesagt, dass Freud hat ja schon vor diesem
0:27:28–0:27:30
Film einige Bücher rausgebracht. gebracht, ja.
0:27:30–0:27:34
Und wir wissen auch, jetzt durch Outsider, kann jeder gerne nachhören,
0:27:34–0:27:39
das war ja in Zwanzigern, als sich Freud, als dieses Ganze mit der Traumdeutung
0:27:39–0:27:42
und so weiter, hat er durchexerziert und irgendwie hat er gemerkt,
0:27:43–0:27:47
richtig sauber ist es noch nicht. Ich mache jetzt mal den Tod mit rein.
0:27:48–0:27:52
Da kam ja dieses Buch mit dem Todestrieb. Wie heißt es noch, Mensch?
Micz Flor
0:27:53–0:27:55
Jenseits des Lustprinzips.
Florian Clauß
0:27:55–0:28:01
Jenseits des Lustprinzips, genau. Das war jetzt mehr oder weniger ein Lehrfilm der Psychoanalyse.
0:28:01–0:28:05
So wurde er auch eingeleitet von einer der drei Moderatoren,
0:28:05–0:28:08
die den Film jetzt gerade nochmal so eingeführt haben.
0:28:09–0:28:11
Lehrfilm, finde ich, trifft es ganz gut.
Micz Flor
0:28:11–0:28:16
Also es war einerseits ein Lehrfilm, wurde gesagt und gleichzeitig meinte die,
0:28:17–0:28:21
dann wurde da aber auch ein Spielfilm draus und das ist halt, was Papst kann.
Florian Clauß
0:28:21–0:28:27
Also er hatte versucht, Freud selber für diesen Film mit, dass er als Berater
0:28:27–0:28:30
der da tätig wird, Freud war aber nicht sehr begeistert.
0:28:31–0:28:36
Dann waren zwei seiner Schüler da mit drin. Der eine, Karl Abraham,
0:28:36–0:28:39
es wären wohl während der Dreharbeiten dann gestorben.
0:28:39–0:28:42
Und der andere, Hans Sachs.
Micz Flor
0:28:43–0:28:47
Hans Sachs ist einer der ersten, oder der erste, glaube ich,
0:28:48–0:28:50
Laien-Psychoanalytiker, wie es heißt.
0:28:50–0:28:57
Also der ist kein Mediziner, der hat Jura studiert und kam auch so über Bande irgendwie dazu.
0:28:57–0:29:04
Es gab so eine Gesellschaft, in der die alle saßen und da hatte er 1911 einen
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Vortrag gehalten über die, ich weiß den genauen Titel nicht,
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aber die Anwendung von Psychoanalyse in der Deutung von Lichtkunst.
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Also er hat quasi geguckt, was könnte man denn da noch in andere Medien nehmen,
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in künstlerische Tätigkeit nehmen.
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Insofern fand ich es auch ganz passend in diese Idee von Vermittlung,
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dass er dann auch einsteigt mit in diese Filmberatung.
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Das ist was, wo es ihn wahrscheinlich auf zwei Ebenen interessiert.
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Das eine ist die Psychoanalyse, der sich angenommen hat auch,
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der sich verschrieben hat, zu verbreiten und andererseits aber auch in den Medien
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Film arbeiten zu können.
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Also das war so eine Spekulation, wir können ihn nicht fragen,
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aber ich bin mir sicher, dass er da immer auf zwei Seiten geguckt hat bei dem Film machen.
Florian Clauß
0:29:43–0:29:49
Und er war selber, glaube ich, in der Berliner Vereinigung der Psychoanalytiker
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tätig oder hatte da in Berlin irgendwie so eine lokale Rolle.
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Ja, man muss ja auch sagen, dass Papst als österreichischer Regisseur natürlich
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auch in Wien aufgewachsen, also nicht natürlich, aber in Wien aufgewachsen,
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da auch eine Verbindung zu Freud hat, eben durch die Lokalität.
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Papst, das machen wir dann in der nächsten Episode, erzähle ich ein bisschen mehr drüber.
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Der ist ja dann nach Berlin gezogen, hat dann in der Weimarer Republik einige
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prägende Filme gedreht.
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Ich fand es auch erstaunlich, wie gut die Bilder noch funktionieren.
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Also erstmal muss man nochmal sagen, eine restaurierte Fassung und es ist auch
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so eine Werksfassung, man sieht,
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Man sieht, wie die Körnigkeit umspringt. Man sieht den Wechsel teilweise von
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der 16-Millimeter-Kopie zu den 35-Millimeter.
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Also die 16 wesentlich verschneiter in der Auflösung, wesentlich verschwommener.
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Und die 35-Millimeter sticht dann wieder so raus.
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Manchmal siehst du, dass das Frame quasi versetzt ist, das untere Sechzehntel
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nach oben gerutscht ist, wie auch immer.
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Aber ich fand, das hatte so eine Werkschau.
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Und die hat mir auch am Anfang nochmal gezeigt, was Archivarbeit bedeutet.
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Weil die eine Vorsitzende von der Monarch-Stiftung, oder war das die Monarch-Stiftung?
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Also auf jeden Fall hat sie erzählt, wie aufwendig das ist, diese Kopien zusammenzutragen.
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Und dass das eine weltweite Koordinationsaufgabe ist, in so einer Fassung dann
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wieder zu schneiden und zu restaurieren.
Micz Flor
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Und das war interessant, weil die Stiftung Kinemathek war ja irgendwie auch
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involviert zumindest. Ich weiß nicht genau, welche Rolle die da spielt.
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Aber mit denen hatte ich mal, das ist jetzt 10, 15 Jahre schon her,
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aber auch über dieses Thema gesprochen. Und das war interessant,
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wie die meinten, was das Internet dann auch noch mal getan hat.
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Also, dass du halt einfach teilweise nur einzelne Rollen irgendwo finden kannst.
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Dass dann also Lücken entstehen im Prinzip wie so eine DNA-Analyse,
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wird dann halt so in die ganzen Lücken aufgefüllt.
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Und dass sie damals auch angefangen haben, natürlich dann,
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über diese Blu-Ray-Technik unterschiedliche Schnittfassungen mit dem gleichen
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Originalmaterial herstellen zu können.
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Weil die meinten jetzt, die haben hier die Uraufführung, 25.
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Januar 2026 stand da, die haben sie wieder hergestellt.
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Und diese Urfassung oder die Schnittfassung, die halt die Urfassung ist.
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Keine Ahnung, wenn man das jetzt bei Blade Runner machen würde,
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würden viele Blade Runner-Fans halt auf die Varrikaden gehen und sagen,
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Ihr könnt auch nicht das als Einzige so hinstellen.
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Aber das war interessant damals zu erleben, dass diese Suche über Internet wirklich
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dann Rollen zusammenzukriegen, die Digitalisierung und dann die Bereitstellung
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des Materials auf Blu-ray fast so im Rohmaterial, was dann aber auf einer Metaebene
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unterschiedliche Schnittfassung auch widerspiegeln kann.
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Das fand ich total spannend, weil da Film auf einmal so lebendig wurde auch.
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Dann war es halt wirklich jede einzelne Rolle und die Rolle haben wir von da, die haben wir von da.
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Ist das bestimmt total spannende Aufgabe.
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Und vor allen Dingen dann eben auch immer die Suche, welche Fassung stellen wir,
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Herr, das kennst du vielleicht auch, es gab ja auch von der Wüstenplanet,
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von Lynch, gab es ja auch später mal so eine VHS-Fassung, wo rausgeschnittenes
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Szenen drin waren. Hast du die mal gesehen?
Florian Clauß
0:33:05–0:33:05
Ich glaube ja.
Micz Flor
0:33:06–0:33:07
Ich habe die noch, wenn du sie willst.
Florian Clauß
0:33:08–0:33:11
Ja, VHS, da bilden wir das ab, wie mir juckt.
Micz Flor
0:33:11–0:33:15
Und da ist es auch so, die wurden korrekt reingeschnitten, aber der Sprung der
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Qualität war halt so krass, dass du dir das nicht als zusammenhängenden Film angucken konntest.
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Sowohl Ton und Bild waren halt irgendwie unterirdisch.
Florian Clauß
0:33:22–0:33:26
Die Wahrnehmung von Stummfilmen, die wir heute haben.
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Heute ist es, wenn man auf YouTube guckt, dann sind die Fassungen meistens sehr schlecht.
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Es kommt dann halt so mehr oder weniger generische Musik dazu.
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Aber die sind noch da. Die Filme sind alle, die kann man da gucken.
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Das hatten wir jetzt auch in der Vorbereitung zu der Folge.
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Die Papstfilme kannst du auf YouTube gucken. Das Gleiche habe ich auch auf Archive.org.
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Da liegen die auch alle rum.
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Und da haben die teilweise nur 47 Views. wo ich dann denke, so what?
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Ich meine, das sind dann halt mit Greta Garbo und Louis Brooks Filme,
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die dann halt irgendwie so eine minimale Klickrate haben.
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Da ist natürlich YouTube der
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viel größere Aggregator. Man kann nie da gucken und das ist schon enorm.
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Ich habe so ein bisschen noch mal vorher reingeguckt in Geheimnis einer Seele,
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aber das fand ich schon so schlecht, dass ich es mir gar nicht mehr so richtig antun wollte.
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Jetzt war es auch keine Folge? Ja, du hattest ja noch mal gesagt,
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guck dir wegen der Filmmusik, dass wir dann noch mal so einen Vergleich haben,
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wie ist die jetzt, wie ist sie auf YouTube.
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Aber das fand ich dann halt nicht so überzeugend.
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Deswegen habe ich es auch gleich wieder ausgemacht, weil die wirklich sehr schlecht war auf YouTube.
Micz Flor
0:34:33–0:34:34
Das stimmt, ja.
Florian Clauß
0:34:34–0:34:40
Aber klar, du hast in analogen Zeiten von Bibliothek und Archiv,
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hast du ganz andere Anforderungen.
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Das Digitale zeichnet sich ja durch eine verlustfreie Kopie aus.
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Das kann man vom Analogen ja nicht behaupten, oder?
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Gerade was jetzt irgendwie Filmen anbelangt, das aufzubewahren,
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gibt es ja einige Anforderungen.
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So, genau, also Geheimnisse einer Seele. Es ist ein Lehrfilm.
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Wir lernen die Figur des Fellmanns kennen, ein Chemiker, hat ein gutes Haus, bürgerlich.
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Es ist wohl recht wohlhabend.
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Seine Frau ist, also man erfährt ziemlich schnell, dass sie kinderlos sind.
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Aber führen doch ein harmonisches Leben, bis dann eben die Nachricht kommt,
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dass sein Vetter, sein Vetter aus Indien, der hat eine tropische Weltreise gemacht,
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der war in den Tropen und will sie besuchen auf dem Rückweg.
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Und wie wir dann auch später erfahren, ist tatsächlich der Vetter,
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gemeinsam sind sie als Kinder aufgewachsen, mit auch der Frau von Herrn Fellmann.
Micz Flor
0:35:50–0:35:54
Genau, er kennt seine Frau schon immer. Der Vetter ist Cousin.
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Der Cousin, Vetter ist so ein Wort.
Florian Clauß
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Was man eigentlich sagt. Ja, ich hätte auch überlegt, das ist ein Cousin. Ein Cousin seiner Frau.
Micz Flor
0:36:01–0:36:06
Das ist dann auch so, weil es eben um eine mögliche sexuelle Beziehung zwischen
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der Frau und diesem Cousin geht.
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Ich glaube, ich wurde der auch nochmal so angedockt, als der ist Familie, das ist verboten.
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Das ist ein Inzisten. Ich glaube, das war einfach nochmal auf so einer Ebene
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zu klären, nee, nee, aber es ist bestimmt nichts passiert. Während das irgendwie,
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finde ich, oft trotzdem auch angedeutet wird.
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Aber natürlich wird es deshalb auch angedeutet, weil wir sollen es ja durch
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die Augen des Mannes sehen, der damit einen großen Konflikt hat,
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einen inneren Konflikt.
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Die kennen sich seit Kindheit und er spricht auch von diesem Cousin als seinen
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besten Freund, mit dem eigentlich alles immer gut war sozusagen.
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Und das ist dann auch schon eine Sache, die...
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Wahrscheinlich dann implizit, nicht explizit benannt wird, aber die Verdrängung.
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Die Verdrängung von möglichen Eifersüchteleien, dass er die einfach gar nicht
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wahrnimmt, weil das passt nicht in die Art, wie er sich selber sehen wollen würde.
Florian Clauß
0:36:58–0:37:02
Aber bevor wir jetzt schon in die Interpretation, in die Analyse des Filmes
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einsteigen, würde ich sagen, erzählen wir noch mal grob den Bogen nach.
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Der Film beginnt mit einem Mord im Nachbarhaus, wo eben der Fellmann,
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als er gerade seine Frau so einen Haaransatz wegrasieren möchte.
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Auch ganz süß inszeniert. Sie guckt dann, nee, da habe ich noch Haar,
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mach mal weg. Und er rasiert sich gerade.
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Und in dem Moment hören sie Hilferufe aus dem Nachbarnhaus. Und die Frau schreckt
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hoch und dabei wird sie halt geschnitten von dem Messer.
Micz Flor
0:37:31–0:37:32
Weil es so ein altes Rasiermesser ist.
Florian Clauß
0:37:32–0:37:36
Ja, so ein altes, genau. So ein altes, wo man das so betzen muss mit dem Lederband.
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Und dann stellt sich heraus, dass in einem Nachbarhaus ein Mann seine Frau mit
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dem Rasiermesser abgestochen hat.
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Und in dem Moment entwickelt und gleichzeitig mit dieser Nachricht von dem Ankunft
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des Vätters entwickelt,
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der Chemiker eine Phobie vor Messern. Er kann kein Messer mehr anfassen.
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Das wird ihm dann auch zum Verhängnis. Der Vetter trifft ein und er sagt dann,
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ich kann nicht mit euch essen und flüchtet dann aus dem Haus,
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und geht dann in die Kneipe und dort findet er auch jemanden,
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der ihm eventuell helfen könnte.
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Nämlich er lässt seinen Schlüssel liegen in der Kneipe und kommt dann wieder
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so sehr aufgewühlt nach Hause und derjenige, der der dann eben in dieser Kneipe
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den Schlüssel nimmt und meint so, sie haben ja einen Schlüssel vergessen, der folgt ihm.
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Ist ein bisschen creepy, die Szene. Ja, da wusste man.
Micz Flor
0:38:29–0:38:35
Dass das in Anführungszeichen der Gute ist, der Gandalf in dem Film,
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den hat man nicht so am Anfang glauben wollen.
Florian Clauß
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Es hat einen methodischen Charakter, weil es geht darum, dass derjenige,
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der Doktor, ein Psychoanalytiker, wie sich das später herausstellt,
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dass er dann halt sagt, sie tun ja alles, um nicht in ihr Haus zu müssen.
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Und dann, woher wissen Sie das?
Micz Flor
0:38:52–0:38:52
Ja, genau.
Florian Clauß
0:38:53–0:38:55
Und dann, ja, es gehört zu meinem Beruf.
Micz Flor
0:38:55–0:38:59
Sie scheinen das nicht zu wollen. Sie scheinen nicht in Ihr Haus zu wollen oder
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irgendetwas in der Art. Ja, stimmt.
Florian Clauß
0:39:01–0:39:04
Damit ist jetzt schon mal so die Verbindung hergestellt, Haus.
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Also es kommen so diese ganzen Archetypen der Psychoanalyse in diesem Film vor,
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werden wunderbar inszeniert.
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Man muss noch sagen, da gibt es eine Traumsequenz, die geht so 15 Minuten und
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die hat sehr viele Trick-Elemente.
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Und die ist auch wirklich toll. Und das wollte ich vorhin sagen,
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der Film ist von den Bildern, die er schafft, ist ja noch so zeitgemäß.
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Also es macht wirklich Spaß, den anzuschauen.
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Und das ist auch sicher eine Kunst des Regisseurs, von Papst,
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der solche Filme noch schafft, die noch so natürlich sind, wo man noch eine
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Verbindung zu den Figuren hat.
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Ich finde die auch, also man kennt das ja aus der Sturmfilmzeit,
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dass die teilweise so overacted sind, aber bei Papst sind die so ein bisschen,
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die sind nicht ganz so over.
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Also da komme ich nochmal später drauf.
Micz Flor
0:39:52–0:39:54
Da weißt du mir erst nicht.
Florian Clauß
0:39:54–0:39:59
Was er da, welche Methoden er da angewendet hat. Aber man kennt es also von
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Fritz Lang mit Hopelis, das ist ja so, teilweise schreit es dir entgegen.
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Also das ist dann so expressiv, weil wir sind ja auch im Expressionismus,
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in Zeiten des Expressionismus, wo das halt sehr überstrahlt ist. Und das hat der Film...
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Also man kriegt schon mit, dass der Herr Fellmann eine sehr emotionale Figur
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ist. Finde ich aber auch gut gespielt.
Micz Flor
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Der spielt das sehr gut, aber ich wollte auch noch zu diesem Kontrast zwischen
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der Traumsequenz und dem Rest des Films in Anführungszeichen.
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Also fand ich ganz gut gemacht.
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Ich hatte am Anfang auch mal versucht, darauf zu achten, weil man ja gerade
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wenn es um Schnitt geht, auch schnell wieder blind wird und nicht mehr darauf achtet.
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Und da ist es so, dass diese Sequenz, wo der Mann reinkommt in sein Chemielabor,
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dann kommt er rein, die Tür geht auf, er dreht sich um, er hängt seine Jacke
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hin, zieht den Chemikermantel an, schlüpft da rein und setzt sich dann an den Tisch und macht was.
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Und das sind, glaube ich, vier oder fünf Schnitte, die halt wirklich so,
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wenn du nochmal drauf gehst, so flüssig geschnitten sind, dass er halt von hinten
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gefilmt wird, wie er den Mantel hochnimmt und dann mit einer Hand anfängt reinzugehen,
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dann steht die Kamera zur Seite und filmt, Also er filmt dann wirklich,
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es ist so geschnitten, dass es in der Bewegung weitergeht.
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Das fand ich sehr, sehr enorm flüssig gemacht und dem gegenüber steht dann halt
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diese Montagetechnik, die halt...
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Wo gerade der Schnitt eben auch ein Effekt ist, weil er sichtbar wird und nicht unsichtbar bleibt.
Florian Clauß
0:41:23–0:41:28
Ja, das ist genau der Punkt, den ich auch bei Papst so herausarbeiten wollte,
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die filmtechnischen Errungenschaften, die Papst auch so mitgetrieben hat.
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Nämlich Papst ist so der Meister oder auch mit quasi der Begründer des Continuity-Editings,
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den unsichtbaren Schnitt.
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Das war nämlich nicht üblich und das hat Papst perfekt sonniert.
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Aber da wollte ich jetzt die nächste Episode drüber sprechen.
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Aber ich finde es total super, dass ihr so aufgefallen ist, weil das wirklich
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damals in der Schnittfassung nicht so üblich war.
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Da war noch viel von dem russischen Montage, also von Sergej Eisenstein,
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der dann eben auch den Schnitt als politischen Moment genutzt hat.
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Ja, aber Papst hat den unsichtbaren Schnitt, also ist da quasi der Begründer
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und das war auch sicher, das gab es schon vorher, aber ich rede ja.
Micz Flor
0:42:18–0:42:23
Da kommen wir danach nochmal spannend, weil ich fand, das wusste ich nicht,
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ich hatte glaube ich das irgendwann mal erwähnt mit Continuity oder der unsichtbare
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Schnitt, hattest du gesagt genau, ich dachte,
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du meintest diese Hitchcock Sache, wo die Kamera dann irgendwie so auf eine
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Wand zuläuft und von der Wand wieder wegläuft, sodass man,
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die Spule, die Filmrolle austauschen konnte und den Schnitt verschleiern konnte.
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Aber du meintest die Continuity zwischen den...
Florian Clauß
0:42:44–0:42:50
Genau, es geht um den erzählerischen Raum, der dann in sich abgeschlossene Filmregeln
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hatte und die dann halt auch so als Kontinuum wahrgenommen hat.
Micz Flor
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Und in dem Traum sind natürlich inhaltlich die Motive da, da ist...
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Ein Kind, da ist seine Frau, da ist der Vetter, da ist der Tropenhelm,
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der Abenteurer, da kommt der Dolch vor, also er entwickelt dann den Zwang.
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Oder er hat das Gefühl, er muss sich dauernd zurückreißen, damit er seine Frau nicht umbringt.
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Er beschreibt es als Zwang, seine Frau umzubringen.
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Diese Elemente kommen vor, auch sein Chemielabor, seine Assistentin im Chemielabor.
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Und da ist es eben, dass manche mit dem Schnitt, da versuchen die dann deutlich
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zu machen als Traumsequenz.
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Dass Bilder übereinandergelegt werden. Das ist das eine.
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Da kannst du sicherlich auch gleich noch mehr zu sagen. Aber diese Bilder übereinanderlegen,
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so als eine Form von Verdichtung.
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Das ist eins von Freuds Hinweisen. In Träumen verdichten sich die Themen.
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Es wird bildlich gesprochen, überlagern die sich. Und das haben die auch da
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mit Überblendung gemacht.
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Entschuldigung, Überlagerung. Oder wie heißt das Überblendung?
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Das ist doch von einem zum anderen.
Florian Clauß
0:44:01–0:44:04
Ja, es ist eine Doppelbelichtung.
Micz Flor
0:44:04–0:44:06
Eine Doppelbelichtung oder sogar Mehrfachbelichtung mit den Zügen.
Florian Clauß
0:44:07–0:44:11
Ja, mehrfachbelichtung und wo er dann auch durch die Statue springen kann.
Micz Flor
0:44:11–0:44:16
Ja, solche Sachen, genau. Und eben der Schnitt, der Sprung, also das ist auch
0:44:16–0:44:19
so eine Sache, das halt so ein Traum ein Narrativ erzählt.
0:44:20–0:44:23
Aber es gibt dann bei solchen Schnitten, die sind dann nicht politisch motiviert,
0:44:23–0:44:27
wie was du gerade meintest, Sondern da könnte man sagen, okay,
0:44:27–0:44:30
hier ist vielleicht auch diese Verdrängung, diese Zensur,
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dass das unbewusste Material nicht ungefiltert raus kann, dass die auch im Traum noch passiert.
0:44:37–0:44:40
So, da können wir auch später nochmal drüber reden, wie das so beschrieben wird,
0:44:40–0:44:44
welche Rolle der Traum spielt in der Psychoanalysen der Deutung.
Florian Clauß
0:44:44–0:44:45
Eine Schlüsselrolle.
Micz Flor
0:44:45–0:44:46
Eine Schlüsselrolle, genau.
Florian Clauß
0:44:46–0:44:51
In jedem Lehrfall, es geht keine Psychoanalyse ohne einen Traum.
0:44:51–0:44:56
Das können wir auch gerne noch in deiner Praxis besprechen, wie du deine Erfahrungen so...
Micz Flor
0:44:56–0:44:57
Ja, ich bin ja kein Psychoanalytiker.
Florian Clauß
0:44:57–0:45:01
Muss ich dazu sagen. Ja, du bist Psychoanalytiker, aber du kommst aus der Schule.
Micz Flor
0:45:02–0:45:07
Ich hab da nur theoretisch keine praktischen Erfahrungen in der hochfrequensten langen Arbeit.
Florian Clauß
0:45:07–0:45:08
Du musst dich jetzt nicht verteidigen.
Micz Flor
0:45:09–0:45:12
Genau, ich versichere mich nur ab, dass ich Fehler machen darf.
0:45:14–0:45:19
Ja, und diese Schnitte, da war zum Beispiel eben sowas, wo der Cousin auf dem,
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Baum sitzt und so künstlich satanisch lacht und die Hände hochhält und dann
0:45:27–0:45:31
macht sie auf einmal Pop und dann hat er so eine kleine Kinderstole in der Hand
0:45:31–0:45:34
und schießt damit eben auf den Hauptdarsteller. Das war dann so ein Schnitt.
Florian Clauß
0:45:34–0:45:39
Der dann quasi so im Traum fliegt. Also wie so ein Vogel dann hochfliegen.
Micz Flor
0:45:40–0:45:45
Und das ist schon spannend, also wie diese unterschiedlichen Mechanismen im
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Traum nachfreut, wie die dann da filmisch umgesetzt wurden mit Filmtechnik.
Florian Clauß
0:45:49–0:45:54
Ja, und du hast auch diese starken Großaufnahmen. Du hast bestimmte Szenen,
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die dann erstmal so wie zum Beispiel in dem Labor, wo dann halt eine Mutter
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mit ihrem Kind reinkommt und der Fellmann sich dann freut und dem Kind eine Süßigkeit gibt.
0:46:04–0:46:09
Das hast du dann später nochmal so in der Analyse, wo er dann halt in dem Prozessieren
0:46:09–0:46:12
des Geschehenen oder des Traumas ist,
0:46:12–0:46:17
hast du dann diese Aufnahmen nochmal, diese Situation hinter so einer weißen
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Leinwand, also es war wie so ausgestellt nochmal.
Micz Flor
0:46:20–0:46:23
Ja, das hat der Papst, glaube ich, von Matrix abgeguckt.
Florian Clauß
0:46:24–0:46:27
Dieser weiße Raum. Das war richtig schön. Das war richtig schön,
0:46:27–0:46:32
was Surreales dadurch schafft in der Bildkomposition.
Micz Flor
0:46:32–0:46:36
Auch das ist wichtig in der analytischen Arbeit, in der Traumdeutung,
0:46:36–0:46:41
dass man vielleicht die wichtigsten Dinge im ersten Erzählen auch verdrängt
0:46:41–0:46:44
hat schon oder die dann erst später wiederkommen. Ach nee, Quatsch,
0:46:44–0:46:46
dann war ja noch das und das noch.
Florian Clauß
0:46:46–0:46:46
Ja.
Micz Flor
0:46:47–0:46:52
Dadurch, dass die das nochmal gefilmt haben vor einer weißen Wand oder einer
0:46:52–0:46:56
weißen Box, hattest du auch immer nur das Gefühl, du siehst einen Ausschnitt,
0:46:56–0:46:58
du siehst nur einen Teil der Narration, du siehst jetzt nicht im Hintergrund
0:46:58–0:47:01
die Polizei, du siehst jetzt nicht dieses Fenster.
0:47:02–0:47:05
Und das fand ich eigentlich auch wieder eine sehr gute bildliche Darstellung
0:47:05–0:47:10
von der Art, wie ein Traum erzählt wird und wie er erst nach und nach dann auch
0:47:10–0:47:13
mit Sinn gefüllt wird, mit Erkenntnis und Sinn gefüllt wird.
Florian Clauß
0:47:13–0:47:18
Ich fand den wirklich von den Bildern sehr faszinierend. Auch die Aufnahmen
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der Gesichter, das waren teilweise so große Aufnahmen, wo dann Emotionen dargestellt wurden.
0:47:24–0:47:30
Es gab natürlich diese Schlüsselelemente wie Zug, haben wir ja auch bei Outsider, Zug.
0:47:30–0:47:38
Das ist der Moment der Elektrifizierung, der Bewegung des Phallus durch den Tunnel.
0:47:38–0:47:41
Da haben wir alles, da haben wir den Turm. Der Turm, der wächst.
0:47:41–0:47:48
Das war wirklich so eine tolle Trick-Animation, wo dann halt so lauter Häuser aus dem Grund wachsen.
0:47:48–0:47:51
Und dann haben wir so einen Wasserturm, der dann rauswächst mit einer Wendeltreppe.
0:47:51–0:47:56
Und oben in diesem Turm sind Glocken. Und die Glocken werden dann aus dem Glocken
0:47:56–0:48:01
Frauenköpfe montiert, die dann halt alles so diese Schlüsselfrauenfiguren in
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der Geschichte von dem Fellmann sind.
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Also das sind halt irgendwie so ganz verdichtete Bilder, die dann halt hier
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auch inszeniert werden. Und die auch, und das muss man auch sagen,
0:48:13–0:48:15
und da können wir uns vielleicht nochmal drüber unterhalten,
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es gibt eine Geschichte.
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Der Filme, die eben Träume dann auch mit inszenieren, beziehungsweise des Psycho-Analytischen.
0:48:25–0:48:29
Ich denke dann eben auch an Hitchcock, haben wir schon erwähnt.
Micz Flor
0:48:29–0:48:30
Spellbound.
Florian Clauß
0:48:31–0:48:37
Spellbound, genau. Dieses Trauma, auch diesmal eine Gabel, Spellbound.
0:48:37–0:48:41
Das war dieses Trauma, dass eben die Hauptperson,
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wo er beim Essen dann diese Gabel, wie die Gabel, sich in einem weißen Tischtuch
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Furchen zieht und auf einmal dann halt dieser Kontrast zwischen den Furchen
0:48:52–0:48:55
und der weißen Tischtecke ihn dann zu so einem...
0:48:55–0:48:59
Angstzustand versetzt hat. Traumatisch. Kannst du dich daran erinnern?
Micz Flor
0:48:59–0:49:02
Ich habe den vor wahrscheinlich 25 Jahren gesehen.
Florian Clauß
0:49:02–0:49:08
Ja, und dann war aber die Auflösung war halt, dass diese Struktur,
0:49:08–0:49:12
das Trauma, was er erlebt hat, war eben im Ski. Und das waren die Skispuren.
0:49:13–0:49:17
Und dann wurde auch so eine Übertragung eben stattgefunden hat.
0:49:18–0:49:22
Da haben wir das auch. Und bei Mani, wir haben das auch bei Vertigo natürlich.
0:49:23–0:49:29
Und dann später kommt eben Cronenberg, der auch ganz viel mit solchen Traumsachen
0:49:29–0:49:31
hat, der hat ja auch dieses eine, ich habe den glaube ich nie gesehen,
0:49:31–0:49:35
aber diese Verfilmung Dangerous Mind, überfreut.
Micz Flor
0:49:35–0:49:38
Ach nee, habe ich nicht gesehen, Entschuldigung, ich verwechsel es gerade.
Florian Clauß
0:49:38–0:49:42
Dangerous Mind, der hieß doch von 2012.
Micz Flor
0:49:42–0:49:45
Ja, ich glaube ja, der war auch mit Viggo Mortensen oder so.
0:49:46–0:49:50
Und ich habe nämlich an den Viggo Mortensen gedacht und dann an den anderen
0:49:50–0:49:52
Film von ihm, wo ich jetzt drüber vergessen habe, wie der hieß.
0:49:53–0:49:57
Aber da wusste ich auch nicht, also von Kronenberg jetzt Traumsequenzen ansonsten
0:49:57–0:49:59
von dem, was ich gesehen habe, fällt mir gar nicht so ein.
Florian Clauß
0:49:59–0:50:06
Ja, also ich glaube, es geht um die Dynamik des Filmes. Es geht um die Dynamik des Filmes.
0:50:07–0:50:11
Also es geht eher so darum, dass Dramaturgien genutzt werden,
0:50:11–0:50:13
die sonst aus dem Traum kommen.
0:50:13–0:50:17
Und das ist so bei Lynch, jetzt auch bei Ari Aster,
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wo ich mit Chris drüber gesprochen habe, Bo is Afraid, da kommt auch ganz schön
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so diese Auch diese Verurteilstätigung, weil das wäre jetzt auch eine Sache,
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die wir bei Geheimnis einer Seele hatten,
0:50:30–0:50:34
dass er sich selber, Fellmann, in dieser Gerichtsverhandlung sieht,
0:50:34–0:50:36
er sich selber verurteilt, den Traum.
0:50:37–0:50:42
Und der Analytiker, das dann auch gleich deutet, ja, sie haben sich dafür,
0:50:42–0:50:47
haben sie sich dann halt auch für den Zwang, ihre Frau umbringen zu wollen,
0:50:47–0:50:49
haben sie sich gleich verurteilt.
0:50:49–0:50:52
Und da haben wir ja natürlich diese klassische Ich-Ass,
0:50:53–0:50:58
Und über ich, dass das über ich dann quasi die Gerichtsverhandlung ist,
0:50:58–0:51:01
die dann eben den Trieb, das S,
0:51:01–0:51:07
dann seine Frau mit dem Messer umzubringen, dass das verurteilt wird und das
0:51:07–0:51:08
Ich dazwischen hin und her gerissen ist.
0:51:09–0:51:11
So ganz platt psychologisiert.
Micz Flor
0:51:12–0:51:15
Ja, das stimmt. Und das ist bei Ari Aster, den habe ich nicht gesehen.
Florian Clauß
0:51:15–0:51:16
Das kommt hinten.
Micz Flor
0:51:17–0:51:18
Ich habe die Folge gehört natürlich.
Florian Clauß
0:51:19–0:51:23
Ja, mit Joachim Phoenix in der Gerichtsverhandlung kommt das auch vor,
0:51:24–0:51:28
Und das fand ich auch schön, weil Geheimnisse einer Seele wurde dann halt diese
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Gerichtsverhandlung tatsächlich in so, die Richter saßen dann in Reagenzgläsern,
0:51:33–0:51:35
auch so eine Doppelbelichtung.
0:51:35–0:51:36
Ist das auch aufgefallen?
Micz Flor
0:51:37–0:51:37
Ja, ja.
Florian Clauß
0:51:37–0:51:41
In so Erlenmeierkolben, dann hinten hattest du das gekriegt und so Trommel.
0:51:41–0:51:44
Also du hattest sehr visuelle Elemente, um das darzustellen.
0:51:45–0:51:49
Also ich fand es sehr stark. Ja, und das, was der Film letztendlich dann auch
0:51:49–0:51:55
erzählt, ist, der Heilungsprozess dauert lange, also mehrere Monate.
0:51:55–0:52:01
Er hat dann eben zu diesem Therapeuten, nee, das ist kein Therapeuten,
0:52:01–0:52:05
das ist ja ein Analytiker, liegt er auf der Couch, klassisch nach den Methoden
0:52:05–0:52:09
der Psychoanalyse, wird analysiert, die machen Fortschritte.
0:52:09–0:52:13
Er wohnt in der Zeit nicht mehr in seinem Haus, der Vetter ist auch aus dem
0:52:13–0:52:19
Haus ausgezogen. die frau ist dann sozusagen alleine was auch dann sie schützt dann sozusagen ja.
Micz Flor
0:52:19–0:52:22
Wobei sie auch sehr unzufrieden wirkt in der zeit also.
Florian Clauß
0:52:22–0:52:30
Das ist nicht das leben klar das ist halt irgendwie alles sehr emotional zugefroren
0:52:30–0:52:36
so wirkt es und sie kommen aber so an die an die schlüssel szenen der kindheit
0:52:36–0:52:39
es wird dann herausgefunden dass es gab,
0:52:39–0:52:46
Die Ehe ist immer kinderlos geblieben. Diese Kinderliebe, jetzt im positiven
0:52:46–0:52:51
Sinne, hat man ja auch bei Fellmann am Anfang mit diesem Kind gemerkt.
0:52:51–0:52:56
Er fühlt sich da den Kindern, also er findet Kinder super und wahrscheinlich
0:52:56–0:52:57
hätte er auch gerne Kinder.
0:52:57–0:53:00
Und dann wurde herausgefunden, dass eben in dem Kindesalter,
0:53:01–0:53:04
als dann die beiden, also Vetter und er,
0:53:05–0:53:11
mit ihr gespielt haben, hat dann eben seine Frau, also als Kind,
0:53:11–0:53:14
die Puppe, die dann mehr oder weniger das Kind symbolisiert,
0:53:15–0:53:16
dem Vetter gegeben und nicht ihm.
0:53:16–0:53:20
Und das hat ihn dann halt so maßgeblich betroffen, traumatisiert.
Micz Flor
0:53:20–0:53:21
Unsere Puppe, hat er gesagt.
Florian Clauß
0:53:21–0:53:22
Unsere Puppe, genau.
Micz Flor
0:53:22–0:53:23
Die gehörte den beiden.
Florian Clauß
0:53:23–0:53:35
Genau, während sie dann zwischen dem Modellzug saß, hat sie dem Vetter die Puppe gegeben.
0:53:35–0:53:39
Und in dem Traum kam halt auch eine Sequenz, wo dann diese Puppe aus dem dunklen
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Wasser, was dann so mit Blumen, mit Seerosen bedeckt war.
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Und dann kam eben der Vetter mit der Frau in einem Boot und er konnte dann halt
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auch nur durch ein Gitter sie dann sehen, ja, von oben herab.
0:53:55–0:54:00
Und aus diesem Wasser kam auf einmal so die Puppe und sie hatte sie auf dem Arm.
0:54:00–0:54:04
Dann hat sie ihm den Vetter gegeben und die haben beide gewunken.
0:54:04–0:54:10
Also ganz klar, in dieser Dreierkonstellation hat er sich sexuell ausgeschlossen
0:54:10–0:54:14
gefühlt, er ist kastriert, er kann nicht den Kinderwunsch erfüllen.
0:54:15–0:54:17
Also diese ganzen Traumatisierungen sind da zusammengekommen.
Micz Flor
0:54:19–0:54:22
Ja, wir haben in dem Film, aber auch ganz am Anfang geht es ja auch los,
0:54:22–0:54:25
wir lernen ja als erstes, dass sie in getrennten Schlafzimmern schlafen.
Florian Clauß
0:54:25–0:54:26
Ja, das fand ich auch interessant.
Micz Flor
0:54:27–0:54:29
Also irgendwie ist das ein interessanter Anfang, da sind die entspannt,
0:54:29–0:54:32
aber man hat irgendwie gleich irgendwie das Gefühl, da gibt es eine Tür zwischen
0:54:32–0:54:36
den beiden, aber die ist sehr praktisch, machen wir mal die Haare schön so und
0:54:36–0:54:38
dann geht das irgendwie los.
Florian Clauß
0:54:38–0:54:41
Stimmt, es gibt eine Körperlichkeit, aber dann, wenn sie dann ins Bett gehen,
0:54:42–0:54:46
sie hat dann noch irgendwie das Anzügigste, du siehst die nackte Schulter,
0:54:46–0:54:50
Also irgendwie ist eine Form von Sexualität da, aber da ist die Wand dazwischen.
0:54:50–0:54:54
Er schläft dann getrennt und hat dann in dieser Nacht auch diesen Traum.
Micz Flor
0:54:54–0:55:00
Und das ist, finde ich, auch nochmal interessant, darüber nachzudenken, was wir da sehen.
0:55:00–0:55:03
Weil wenn ich nur auf die Bilder gucke, dann hatte ich das Gefühl,
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dass die Frau sehr wohl große Lust hätte.
0:55:07–0:55:11
Und dann geht es nicht nur eben um ein Kind zu haben. Das wird so ein bisschen
0:55:11–0:55:17
gezeigt, weil dann eine Hündin wohl Welpen geworfen hat. Und da kuschelt sie gerne mit den Welpen.
0:55:17–0:55:22
Sondern die ist schon, also es gibt diese eine Szene, wo die dann am Abend in
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getrennte Zimmer gehen.
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Und er legt sich hin und sieht irgendwie ein bisschen resigniert aus,
0:55:27–0:55:29
ohne dass es einen Grund dafür gab.
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Und sie wartet und hört noch an der Tür, ob er vielleicht durch die Tür jetzt zu ihr kommt.
0:55:33–0:55:38
Also das wird schon so inszeniert, als ob sie da einfach sich auch ein bisschen
0:55:38–0:55:43
mehr ganz banal Sex, Zärtlichkeit näher wünscht.
0:55:45–0:55:48
Das sind die Bilder, aber interessant wäre jetzt zu überlegen,
0:55:48–0:55:52
sehen wir da die Objektivität, weil wir sehen natürlich, wenn wir im Zimmer
0:55:52–0:55:56
sind mit ihr, wie sie an der Tür lauscht, da ist ja er nicht dabei.
0:55:56–0:55:59
Das heißt, wir können das ja nicht durch die Augen des Mannes,
0:55:59–0:56:04
also des Protagonisten, dessen sehen, der diese ganzen Probleme in sich anhäuft.
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Oder sehen wir da den Film schon als Abbild dessen,
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wie der in Anführungszeichen Kranke seine Welt sieht.
0:56:14–0:56:17
Also ist die Szenierung, die wir sehen, eine objektive? Oder ist es so,
0:56:17–0:56:21
dass wir da schon eine Frau erleben, der der Mann zuschreibt,
0:56:21–0:56:26
dass die viel mehr Sex will und diese Forderung dann auch schon in Anführungszeichen kastriert?
0:56:26–0:56:29
Die will was von mir und in dem Moment geht gar nichts mehr.
Florian Clauß
0:56:29–0:56:33
Also das ist eine interessante Frage. Ich würde sie auch so beantworten,
0:56:33–0:56:38
dass es dieser Male Gaze ist, der männliche Blick, der da so implementiert ist,
0:56:38–0:56:42
was dann halt auch später in der feministischen Filmforschung dem Film vorgeworfen wurde.
0:56:43–0:56:49
Gleichzeitig ist der so dermaßen implementiert auf diese Methode des Psychoanalytikers,
0:56:49–0:56:54
dass das als fundamentaler Erklärungsbaustand dazugehört.
0:56:54–0:56:57
Also das heißt, ich würde sagen, es ist einfach auch in dieser...
0:56:58–0:57:03
Methode so angelegt. Und deswegen, ja, es ist auf jeden Fall,
0:57:03–0:57:06
dass die Frau ist nur Objekt in diesem Film.
0:57:06–0:57:09
Sie ist komplette Konstruktion des männlichen Blickes.
0:57:10–0:57:15
Diese ganze Erlösung. Sie hat ja überhaupt nichts, was sie wünscht oder will.
0:57:15–0:57:19
Sie ist ja nur Erfüllungskandidat für den Mann.
0:57:19–0:57:22
In dem Moment, dass sie dann tatsächlich irgendeine Form von,
0:57:23–0:57:27
also das wird ja auch rein projiziert, dass eben die Frau ihrem Cousin dann
0:57:27–0:57:28
irgendeine Beziehung eingeht.
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Das gibt es ja nicht. Es wird eine gewisse Nähe inszeniert.
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Sie umarmen sich, aber das ist eine familiäre.
0:57:37–0:57:38
Das ist keine sexuelle Nähe.
Micz Flor
0:57:39–0:57:40
Es gibt so Andeutungen.
Florian Clauß
0:57:41–0:57:46
Es gibt so Andeutungen, wo dann in der Hochzeitsnacht, als sich der Vetter verabschiedet,
0:57:46–0:57:51
um in die Tropen zu gehen, ihr noch so ein weißes Gewand anlegt. So einen weißen Schal.
0:57:51–0:57:56
Das ist ja auch wieder so eine Übergriffigkeit, die er dann sieht. Aber sie ist nicht da.
0:57:58–0:58:04
Genau, ich würde sagen, es ist schon, wie du beschreibst, es ist nicht die objektive Kamera,
0:58:05–0:58:10
sondern da wird eine gewisse Konnotation aufgebaut, ein Framing aufgebaut und
0:58:10–0:58:14
das betrifft eben auch die Rolle der Frau.
Micz Flor
0:58:14–0:58:19
Ja, jetzt habe ich zwei Wege, also ich gehe erst mal diese Fußnote dazu,
0:58:19–0:58:23
weil mich das nämlich auch erinnert hat an unsere Solaris Trilogie,
0:58:24–0:58:28
die wir gemacht hatten, wo wir zuerst den Tarkovsky.
Florian Clauß
0:58:29–0:58:33
Also den Roman, wo wir erst den Roman besprochen haben, dann den Tarkovsky Film
0:58:33–0:58:34
und dann den Soderbergh.
Micz Flor
0:58:34–0:58:40
Genau, beim Soderbergh Film eben auch, dass passiert, dass es im Vergleich zu
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Tarkovsky, wo halt die Frau auf der Station ist.
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Nicht wirklich eine eigene Identität entwickelt, aber bei Soderbergh das dann
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schon so ist, auch wenn ich den Film nicht gut finde, aber ich finde das von ihm gut inszeniert,
0:58:52–0:58:58
dass die Frau einen Erkenntnisprozess durchläuft, indem sie irgendwann immer
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anwesender wird und dann auch immer mehr Rückblenden auf Szenen kommen,
0:59:03–0:59:06
die nur sie erlebt haben konnte,
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die, und das ist der springende Unterschied,
0:59:09–0:59:12
aber auch sie als Charakter weiterentwickeln im Film.
0:59:12–0:59:14
Während die Szenen, die wir jetzt hier bei Papst gesehen haben,
0:59:14–0:59:20
von der Frau, entwickeln die Frau nicht weiter, sondern entwickeln den Protagonist,
0:59:20–0:59:21
den Mann, den wir verfolgen.
0:59:21–0:59:25
Also es ist nichts dabei, dass die Frau, also vielleicht außerdem,
0:59:25–0:59:28
was eben auch so ein bisschen Bruch ist, wo sie dann hört, dass ihr Mann jetzt
0:59:28–0:59:30
weg ist, da ist sie tief enttäuscht.
0:59:30–0:59:32
Ja, dass jetzt mehrere Monate nicht da ist, da merkt man so,
0:59:32–0:59:35
und das war auch so ein Moment, der springt so ein bisschen raus,
0:59:35–0:59:39
weil man dann auf einmal ein Gefühl genuin in der Frau erlebt.
0:59:40–0:59:44
Vorher tut man das nicht wirklich, finde ich. Das ist der einzige Punkt, wo ich verwirrt war.
Florian Clauß
0:59:45–0:59:46
Sag doch mal, wo?
Micz Flor
0:59:47–0:59:50
Wo der Psychoanalytiker anruft und sagt, ich werde Ihren Mann behandeln.
0:59:51–0:59:55
Er bleibt jetzt drei Monate bei ihr und dann fällt sie so kurz in sich zusammen.
0:59:55–0:59:59
Das sollte vielleicht irgendwie für uns ZuschauerInnen zeigen,
1:00:00–1:00:05
dass sie in der Tat ihren Mann vermissen wird und dass sie da in Liebe verbunden
1:00:05–1:00:10
ist, obwohl wir gerade eben eine ambivalentere Inszenierung gesehen haben.
1:00:10–1:00:12
Und insofern fiel das für mich so ein bisschen raus.
1:00:12–1:00:16
Und gleichzeitig bestärkt das für mich dadurch auch nochmal,
1:00:16–1:00:21
dass wir die Frau immer nur inszeniert gesehen haben in Dingen,
1:00:21–1:00:26
die relevant waren für das Fortschreiten oder die Weiterentwicklung des Protagonisten.
Florian Clauß
1:00:26–1:00:31
Richtig. Oder zur Erklärung des Protagonisten, also um die Konditionierung des
1:00:31–1:00:32
Protagonisten zu beleuchten.
Micz Flor
1:00:32–1:00:37
Das war die eine Fußung. Und das Zweite ist halt diese Sache,
1:00:37–1:00:41
man guckt sich das so an, auch mit so einem, sag ich mal, sehr kognitiv-analytischen Blick.
1:00:41–1:00:43
Das waren ja auch die Lacher, die wir im Publikum erlebt haben.
Florian Clauß
1:00:43–1:00:43
Ja, stimmt.
Micz Flor
1:00:44–1:00:48
Und deshalb diese Filmmusik und diese Inszenierung.
1:00:49–1:00:54
Weil wenn wir den Film erleben, also wenn wir den erleben, dann erleben wir
1:00:54–1:00:57
in der Inszenierung eben die Frau, wie du schon gesagt hast.
1:00:57–1:00:59
Sagst du, naja, so ganz sauber ist das aber nicht.
1:01:00–1:01:03
Da könnte man, also muss ich schon, also da.
1:01:04–1:01:08
Also es gibt, wenn du das zulässt, die Inszenierung der Frau zu erleben,
1:01:08–1:01:14
dann erlebst du diese ganz subtile Unklarheit in ihrem Mann.
1:01:15–1:01:18
Will die mich überhaupt oder nicht oder muss ich hier performen,
1:01:18–1:01:21
was mache ich falsch also das war so ein bisschen das Gefühl und da gehört für
1:01:21–1:01:28
mich eben auch die Musik zu die Musik diese emotionale Ebene auch so macht verstehe, ja stimmt,
1:01:29–1:01:33
das fände ich total spannend das auch nochmal ganz anders anzugehen diesen Film,
1:01:33–1:01:38
besonders in Bezug und da kommen wir gleich bestimmt noch drauf auf die Schlussszene,
1:01:38–1:01:43
den Epilog den fand ich nämlich der hat mich sehr verwirrt weil ich vorher nur
1:01:43–1:01:45
drüber gelesen hatte Und jetzt habe ich ihn gesehen und ich glaube,
1:01:45–1:01:47
es war die Musik, die mich da durcheinander gebracht hat.
1:01:49–1:01:52
Aber das, ja, jetzt mache ich hier eine Klammer zu.
Florian Clauß
1:01:52–1:01:55
Ich weiß gar nicht, wir stehen hier an der Brücke, kommen wir da drunter durch?
Micz Flor
1:01:56–1:01:57
Nee, ich glaube, da muss man zu.
Florian Clauß
1:01:57–1:01:59
Aber da ist eine Treppe.
Micz Flor
1:01:59–1:02:00
Ah ja, doch.
Florian Clauß
1:02:02–1:02:06
Also ich wollte jetzt gerne noch auf der Nordseite des Ufers bleiben und erst
1:02:06–1:02:08
später zur Südseite rüber wechseln.
1:02:11–1:02:17
Genau also ich glaube da sind wir uns jetzt einig so die Position was ja wichtig
1:02:17–1:02:20
ist was ja auch nicht oft vorkommt,
1:02:21–1:02:26
das sehe ich anders siehst du die Treppe.
Micz Flor
1:02:26–1:02:29
Ja da waren wir es gibt so ein paar Sachen die dann immer so,
1:02:31–1:02:35
sehr, wie du schon gesagt hast archetypisch oder symbolisch gesehen werden wird
1:02:35–1:02:40
auf einmal explizit gesagt das Wasser ist immer auch ein Zeichen für eine nahende
1:02:40–1:02:45
und oder gewünscht, ich weiß gar nicht mehr, wie es geschrieben hat, Geburt.
1:02:46–1:02:50
Und ob das heute noch so zutrifft, wissen wir nicht. Und auch die Treppe als
1:02:50–1:02:58
Fallische, die Arbeit zum Koitus und sowas wissen, das sind so Dinge und,
1:02:59–1:03:03
Da komme ich jetzt vielleicht auf meine freudsche Fehlwahrnehmung.
Florian Clauß
1:03:04–1:03:05
Fehlwahrnehmung?
Micz Flor
1:03:05–1:03:13
Ja, ich habe es ja, die wissenschaftlichen Berater von diesem Film waren Karl Abraham und Hans Sachs.
1:03:13–1:03:22
Und ich habe aus einem Grund, den wir deuten müssen, aus Karl Abraham, Alfred Adler gemacht.
1:03:23–1:03:28
Und da müssen wir drüber sprechen, weil das fand ich total interessant.
Florian Clauß
1:03:28–1:03:30
Du hast deine ganze Vorbereitung zu dem Film auf...
Micz Flor
1:03:30–1:03:32
Ich habe das völlig anders, weil...
Florian Clauß
1:03:32–1:03:33
Du hast Schritt Adler gebaut.
Micz Flor
1:03:34–1:03:34
Genau.
Florian Clauß
1:03:34–1:03:36
Und es hat so gut geklappt.
Micz Flor
1:03:36–1:03:39
Ja, und das ist halt das Spannende, weil ich dann nämlich auch merke,
1:03:40–1:03:45
dass das für mich erlaubt, das kann ich ja noch mal sagen, wie ich das jetzt
1:03:45–1:03:49
für mich deute, aber dass ich diesen Sprung gemacht habe, erlaubt mir irgendwie,
1:03:49–1:03:55
mich auch von dem Film zu distanzieren und den von vornherein auch auf einer Metaebene zu sehen.
Florian Clauß
1:03:55–1:04:02
Was hat das denn bei dir bewirkt, dass es eben mit Alfred Adler dann nicht so war?
Micz Flor
1:04:02–1:04:08
Es gibt ja immer so das Gefühl, so die Psychoanalyse. Und wenn dich jetzt von hinten freut...
1:04:09–1:04:12
Genau, Freud, die Freundschaftsjournalise, aber wir wissen ja schon aus anderen
1:04:12–1:04:17
Episoden, die wir gemacht haben, dass zum Beispiel jemand wie Jung,
1:04:17–1:04:21
Karl Gustav Jung, zwischenzeitlich mal so als der Kronprinz gehandelt wurde,
1:04:21–1:04:23
aber dann gechasst würde.
1:04:23–1:04:27
Und ich habe auch neulich von Freud in der Vorlesung, mal gucken,
1:04:27–1:04:31
ob ich es noch finde, aber diesen Nebensatz gelesen, Jung sagte,
1:04:32–1:04:36
Komma, in der Art, bevor er sich als Religionsgründer verstand, Komma.
1:04:36–1:04:39
Also in irgendeinem Vortrag hat das mal so gesagt und es wurde auch so reagiert.
1:04:40–1:04:45
Das hatte Freud. Also da sind Leute irgendwie auch, da gab es Brüche und ein
1:04:45–1:04:48
Bruch war eben auch mit Alfred Adler, nicht aber mit Karl Abraham.
1:04:49–1:04:56
Und Freud selbst hat es abgelehnt und dann wusste ich, Karl Abraham und Hans
1:04:56–1:05:03
Sachs haben als wissenschaftliche Berater mitgewirkt und ich habe dann aus Abraham Adler gemacht.
Florian Clauß
1:05:03–1:05:06
Ja, du wolltest den Bruch quasi schon wieder.
Micz Flor
1:05:06–1:05:11
Ja, weil dieser Bruch mit Adler ist der Begründer der Individualpsychologie.
1:05:12–1:05:15
Und ein, ja, der auch...
Florian Clauß
1:05:15–1:05:18
Sagt das mal in einem Satz, so wie ich das sonst immer prompte.
1:05:20–1:05:21
Was ist Individualpsychologie?
Micz Flor
1:05:22–1:05:24
Individualpsychologie, also das, und das ist der springende Punkt.
1:05:24–1:05:27
Ich habe, da komme ich jetzt drauf. Karl-Güßdorf Jung, Erich Fromm.
1:05:27–1:05:29
Über den haben wir auch mal gesprochen.
1:05:30–1:05:35
Humanistische, genau. Da ging es eben auch um Traum. Das war die Folge über Träumen, Märchen.
Florian Clauß
1:05:35–1:05:37
Genau, als wir Rotkäppchen auseinandergenommen haben.
Micz Flor
1:05:39–1:05:43
Alfred Adler Er hat die Individualpsychologie begründet, war vorher aber bei
1:05:43–1:05:46
Freud ganz tief involviert,
1:05:46–1:05:52
Redakteur der Publikation von dieser psychoanalytischen Gesellschaft,
1:05:53–1:05:56
Organisator, der war irgendwie ganz gut unterwegs,
1:05:57–1:06:03
konnte wohl richtig gut mit anpacken und kam dann aber immer mehr auch wie fromm,
1:06:03–1:06:08
wie jung in Konflikt mit dieser Rolle der Sexualität bei Freud.
Florian Clauß
1:06:08–1:06:12
Okay, weil die so alles treibt. Libido haben wir ja gelernt.
1:06:12–1:06:16
Libido ist quasi das Mitochondrien der Psychoanalyse.
Micz Flor
1:06:16–1:06:21
Eine treibende Kraft, genau. Und um auf unsere From-Folge zurückzuverweisen,
1:06:21–1:06:23
da haben wir das nochmal ein bisschen rausgearbeitet, dass sowohl fromm als
1:06:23–1:06:28
auch jung, zu dem man auch stehen kann, wie man will, das ist jetzt nicht so relevant,
1:06:29–1:06:31
den haben wir aber auch durchgekaut öfters.
1:06:31–1:06:38
Die haben beide gesagt, warum muss alles immer nach hinten gewandt sein?
1:06:38–1:06:42
Warum bezieht sich immer alles auf die Vergangenheit und nichts im Traum darf
1:06:42–1:06:47
konstruktiv, visionär, nach vorne gerichtet sein?
1:06:47–1:06:53
Es geht halt um diese permanente Zensur in uns, das Eigentliche,
1:06:53–1:06:57
nicht zulassen zu dürfen, nicht mal benennen zu dürfen und so weiter.
1:06:58–1:07:02
Und diesen humanistischen Ansatz, den hat eben auch Alfred Adler mitgebracht.
1:07:02–1:07:09
Und der hatte aufgrund seiner eigenen Biografie, wo er als Kind organbezogene
1:07:09–1:07:11
Probleme hatte, auch, hat er so ein,
1:07:12–1:07:16
Paper einfach auch mal geschrieben zur, ich glaube es hieß Organminderwertigkeit
1:07:16–1:07:19
und hat ein anderes System aufgebaut.
1:07:19–1:07:24
Er hat nicht gesagt, Sexualität ist die treibende Kraft, sondern was die treibende
1:07:24–1:07:29
Kraft ist in der Entwicklung ist das Minderwertigkeitsgefühl des Kindes.
Florian Clauß
1:07:29–1:07:30
Okay.
Micz Flor
1:07:31–1:07:35
Versucht man zu kompensieren durch eine Machtergreifung, durch ein,
1:07:35–1:07:39
durch, ja Kontrolle wäre jetzt zu pathologisch, aber,
1:07:40–1:07:44
Man kann, man versucht, sein Leben lang dem entgegenzuwirken.
1:07:45–1:07:47
Und wenn man das gesund macht, dann ist man einfach gut in der Welt.
1:07:47–1:07:49
Aber wenn man das pathologisch macht,
1:07:49–1:07:55
dann ist diese Form der Macht und der Struktur und des Zwangs vielleicht,
1:07:55–1:08:00
also dann ist es nicht gut und dann muss es analytisch behandelt werden.
1:08:01–1:08:07
Und es gibt dann in Träumen bei Adler auch immer so eine Frage der Zielgerichtetheit, der Finalität.
1:08:07–1:08:09
Wo geht das hin? Was ist der Lebensentwurf?
1:08:10–1:08:15
Und Adler hat dann eine komplett andere eigene Psychoanalyse beschrieben.
Florian Clauß
1:08:15–1:08:20
Also er entsexualisiert quasi den Oedipus-Komplex. Mit der Macht,
1:08:20–1:08:24
diese Ohnmächtigkeit des Kindes, das haben wir ja in Oedipus-Komplex bei Frauen.
1:08:25–1:08:30
Und dann eben sagt er so, nee, das hat jetzt nichts mit Sexualität zu tun,
1:08:30–1:08:36
sondern das ist jetzt quasi so ein ständiger Zustand, der auch im Erwachsenen eine Rolle spielt.
Micz Flor
1:08:36–1:08:38
Ja, das kann ich jetzt nicht genau
1:08:38–1:08:42
sagen, weil ich mich mit Individualpsychologie nicht so gut auskenne.
1:08:42–1:08:47
Aber ich könnte vermuten, dass von dem, was ich darüber weiß,
1:08:47–1:08:49
Adler sehr viel inklusiver und offener war.
1:08:50–1:08:54
Und deshalb schon in der Lage gewesen wäre, in seinen Theorien sowas wie die
1:08:54–1:08:57
Sexualität natürlich auch vorkommen zu lassen, weil darin sich sicherlich auch,
1:08:57–1:09:02
gerade wie jetzt in dem Film, eben auch Themen der Minderwertigkeit abspielen.
1:09:02–1:09:07
Aber bei Freud war es einfach nicht möglich. Und der interessante Punkt ist
1:09:07–1:09:14
halt, dass meine Hypothese über den Film war, als ich dann Abraham mit Adler ausgetauscht hatte.
1:09:14–1:09:18
Weil Hans Sachs kommt nicht von der Ärzte. Und das gab nämlich dann,
1:09:18–1:09:26
nachdem Abraham 1911 ausgetreten ist und seine eigene Vereinigung gegründet hat,
1:09:26–1:09:30
bei der auch Frauen zum Beispiel zugegen waren bei den Diskussionen und nicht
1:09:30–1:09:33
nur Männer, die bei Freud abgetreten sind.
1:09:35–1:09:38
Und Sachs war immer bei Freud geblieben, aber der kam irgendwie so ein bisschen
1:09:38–1:09:42
eben über diese Schiene in Jura und dann reingekommen, Liebe zur Kunst,
1:09:42–1:09:48
Vermittlung, Analyse, Psychoanalyse auch als kulturelle Deutungswerkzeuge und so.
1:09:48–1:09:52
Dass der in diesem Film das vielleicht so ein bisschen abgebildet hat,
1:09:53–1:09:59
dass Adler, der zu der damaligen Zeit schon mehr Bücher verkauft hat als Sigmund Freud.
1:10:00–1:10:04
Er hat nämlich diesen Coup gelandet, dass er ein Buch geschrieben hat,
1:10:04–1:10:05
das heißt Der Sinn des Lebens.
1:10:06–1:10:10
Und meine Hypothese die ganze Zeit zum Film war halt, dass Sachs irgendwie versuchte,
1:10:10–1:10:12
integrativ diese Sachen zusammenzubringen.
1:10:13–1:10:17
Der sexy Vetter, der irgendwie aus Indien kommt, das ist halt irgendwie der Jüngere, der andere.
1:10:18–1:10:22
Und das dann irgendwie aber schafft zum Schluss, dass das alles dann doch irgendwie...
Florian Clauß
1:10:22–1:10:22
Ach, okay.
Micz Flor
1:10:23–1:10:24
Das war so meine Fantasie zu dem Ganzen.
Florian Clauß
1:10:24–1:10:30
Also das heißt, er hat dann so quasi den Ratgeber, den lebensnahen Ratgeber
1:10:30–1:10:31
zur Psychoanalyse veröffentlicht.
Micz Flor
1:10:32–1:10:40
Ja, der Hans Sachs und auch, aber wir haben beide auch in der geheimen,
1:10:40–1:10:42
wie heißt das immer, geheime Gemeinschaft.
1:10:42–1:10:45
Ich weiß nicht mehr genau, wie es hieß, müssen wir verlinken.
1:10:45–1:10:47
Ich weiß gar nicht, ob es dazu eine Wikipedia-Page gibt.
Florian Clauß
1:10:47–1:10:54
Okay, sicher. Wenn nicht Wikipedia, dann halluziniert uns Knot was. Das kriegen wir hin.
Micz Flor
1:10:55–1:11:00
Weil da ist es nochmal wichtig zu wissen, dass nämlich Freud wirklich auch nach
1:11:00–1:11:03
1911, 1912 dann diese geheime Gesellschaft gegründet hat,
1:11:03–1:11:08
in der auch Karl Abraham und Hans Sachs und ich glaube Ernest Jones,
1:11:08–1:11:11
der dann auch eine große Freud-Biografie geschrieben hat, war mit der Erste drin,
1:11:13–1:11:20
die wirklich geheim bleiben sollte, um das freudianische Trieb-Libido-Thema zu schützen.
1:11:21–1:11:26
Ach krass, okay. Und das hat Freud gegründet, ein Jahr nachdem Alfred Adler
1:11:26–1:11:31
selber aus der anderen Psychologischen Vereinigung ausgetreten ist.
Florian Clauß
1:11:31–1:11:31
Okay.
Micz Flor
1:11:32–1:11:34
Und das ist schon irgendwie...
Florian Clauß
1:11:34–1:11:42
Aber das sind jetzt alles so ein bisschen Auseinandersetzungen in dieser Riege.
1:11:43–1:11:48
Die dann halt hinter der Theorie stehen. Also wo es ja um Feinheiten geht,
1:11:48–1:11:51
die jüdische Volksfront und die Volksfront von Judäa.
Micz Flor
1:11:53–1:11:55
Das Leben ist Brian oder der lebendige Brian.
Florian Clauß
1:11:56–1:12:00
Wenn man sich damit beschäftigt, wie du, da ist man ja dann noch mehr in diesen
1:12:00–1:12:04
Strömungen drin und weiß dann so die Akzentuierung und vielleicht auch die ganz
1:12:04–1:12:06
anderen neuen theoretischen Ansätze dahinter.
1:12:07–1:12:11
Aber dieser Punkt, wo du es jetzt nochmal auf den Film übertragen hast,
1:12:11–1:12:13
Wie hast du denn den Film jetzt angenommen?
Micz Flor
1:12:14–1:12:16
Genau, das war der Punkt, das habe ich glaube ich noch nicht so gut gesagt,
1:12:16–1:12:21
aber meine Idee war, dass Hans Sachs, der vielleicht natürlich bei Freud dabei
1:12:21–1:12:24
war, aber gleichzeitig als, sagen wir mal,
1:12:25–1:12:30
Jurist und Kulturtheoretiker mit psychoanalytischen Fähigkeiten der Deutung,
1:12:31–1:12:35
jetzt auch in der Lage war, ein eher, würde man heute sagen, humanistisches,
1:12:37–1:12:40
zielgerichtetes, durch Lebensentwürfe geprägtes Bild.
Florian Clauß
1:12:40–1:12:41
Ja, verstehe.
Micz Flor
1:12:41–1:12:43
Da irgendwie zu denken, ey, da ist doch so viel, guck mal hier,
1:12:43–1:12:47
der Sinn des Lebens verkauft sich wie geschnitten Brot und wir hängen hier rum
1:12:47–1:12:50
mit Dreierpandlung zur Sexualtheorie oder so.
1:12:50–1:12:55
Und irgendwie so das Gefühl, als ob da ein Film entsteht, in eben diese Rivalität,
1:12:55–1:13:03
diese Eifersucht verarbeitet wird, die sich eben auch in diesen Gefügen psychoanalytischer
1:13:03–1:13:06
Ärzte und eben eines Juristen abbildet.
1:13:06–1:13:08
Und Sachs dann eben sagte, wisst
1:13:08–1:13:13
ihr was, habe ich eben statt Karl Abraham Adler zu früh sterben lassen.
1:13:15–1:13:19
Aber das war so meine Idee, dass im Film das vielleicht sogar,
1:13:20–1:13:25
unwissentlich oder vorbewusst durch Hans Sachs inszeniert wurde,
1:13:25–1:13:27
dass der Ältere, der sich da irgendwie schon,
1:13:28–1:13:31
länger hingibt, bei dem alles um Sexualität geht und dann kommt der Andere,
1:13:31–1:13:34
der kommt aus anderen Kulturen und bringt einen Dolch mit und erzählt von der
1:13:34–1:13:37
Welt, dass man die irgendwie zusammenbringen kann.
1:13:37–1:13:41
Das war so diese abstruse Fantasie.
Florian Clauß
1:13:41–1:13:45
Das ist entspannt, aber ich meine, wir leben ja in postmodernen Zeiten und wir
1:13:45–1:13:49
könnten nichts besser als teleologische Filmanalyse und sagen,
1:13:49–1:13:51
Das war doch schon so angelegt.
1:13:51–1:13:54
Also das hat doch Papst so gar nicht mitbekommen.
Micz Flor
1:13:55–1:14:00
Papst hat das einfach nur runtergedreht. Wusste gar nicht, was Sachs da ausleben durfte.
1:14:01–1:14:05
Und jetzt macht es auch erst Sinn, dass Sachs ihm dann zwölf Rosen geschickt
1:14:05–1:14:09
hat und gesagt hat, danke, ich brauchte diesen Film mehr als du.
Florian Clauß
1:14:09–1:14:13
Wir sind hier in so einer völlig neuen Stadt, oder?
1:14:13–1:14:20
Oh, wow. Es ist so ein bisschen wie Lissabon, die Urgelder von sonst was hier verbaut hat.
Micz Flor
1:14:21–1:14:24
Aber es ist auch interessant. Du kannst dich vielleicht auch noch erinnern,
1:14:25–1:14:29
hier steht einfach immer so viel Space to Rent, so viele Gewerbeflächen,
1:14:30–1:14:31
die gerade so frei stehen.
1:14:31–1:14:34
Du kannst dich bestimmt noch erinnern, als diese...
1:14:35–1:14:40
Ganzen Shopping-Arkaden überall aufmachen. So in den 80er, 90er Jahren früher
1:14:40–1:14:42
entwickelt und dann um die Nullerjahre gebaut.
1:14:42–1:14:47
Am Potsdamer Platz auch, die jetzt alle leer stehen. Und hier ist es auch so,
1:14:47–1:14:54
du merkst halt, dass die hier so eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen vielleicht schaffen wollten, aber,
1:14:55–1:14:58
das steht einfach gerade überall so viel leer.
Florian Clauß
1:14:58–1:15:04
Aber gleichzeitig gibt es so eine hohe Wohnungsnot in Berlin und immer mehr
1:15:04–1:15:05
Leute leben auf der Straße.
1:15:06–1:15:09
Das ist also diese Schere der Ungerechtigkeit.
Micz Flor
1:15:09–1:15:12
Aber die Frage, was machst du mit diesen ganzen Gewerbesachen jetzt leer stehen?
1:15:13–1:15:17
Es ist jetzt auch nicht so, als ob die Gewerbemieten runtergegangen wären, im Gegenteil.
Florian Clauß
1:15:17–1:15:21
Das ist verrückt. Wir gehen nochmal durch das Gebiet.
1:15:21–1:15:25
Aber lass uns nochmal so zu der, also weil ich glaube so explizit hatten wir
1:15:25–1:15:32
es noch nicht gesagt, die Auflösung des Films, der Epilog, der uns nachhaltig
1:15:32–1:15:35
etwas verwirrt hat, Der Epilog, also das geht ja so, dass,
1:15:35–1:15:40
Eben in der Analyse, in den Sitzungen mit dem Psychoanalytiker,
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dann eben diese Alleinstellungen-Szenen haben, wo dann halt nochmal die durchgelebt werden.
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Diese Freistellungsszenen, wo wir quasi schon gesehen ist, mit weißem Hintergrund
1:15:51–1:15:53
dann nochmal inszeniert haben.
1:15:53–1:15:58
Ja, und dann gibt es halt auch die Auflösung. Es gibt dann halt so eine fast
1:15:58–1:16:03
ekstatische Szene, wo dann eben Fellmann in der Durchlebung,
1:16:04–1:16:07
dass er seine Frau dann eben mit dem Messer stechen wollte,
1:16:08–1:16:13
dann das Messer, den Brieföffner des Analytikers, der auf dem Schreibtisch lag,
1:16:13–1:16:20
er springt von der Couch und sticht dann wieder so wie im Traum in die Luft hinein.
1:16:21–1:16:25
Und in dem Moment sagt der Analytiker, du bist geheilt, guck mal,
1:16:26–1:16:29
du kannst dein Messer wieder in die Hand nehmen. Und er sieht das Messer und kann...
Micz Flor
1:16:29–1:16:31
Nee, das sagt er selber, das sagt der Analytiker nicht.
Florian Clauß
1:16:31–1:16:32
Achso, ja, stimmt.
Micz Flor
1:16:32–1:16:36
Die Situation ist eher, man muss dazu sagen, das Messer, dieses Messerstechen
1:16:36–1:16:37
ist quasi so von unten nach oben.
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Die Klingel zeigt oben raus und der holt so Schwung so auf Hüfthöhe und sticht
1:16:42–1:16:43
dann von unten nach oben.
1:16:44–1:16:47
Das ist eigentlich irgendwie auch, finde ich, ein sehr un...
1:16:47–1:16:49
Also es wirkt fast ungelenk.
Florian Clauß
1:16:49–1:16:51
Ja, es ist wie so ein Strampeln.
Micz Flor
1:16:51–1:16:55
Und dann siehst du die Kameraeinstellung, wie er das macht, mit so einem Close-up.
1:16:55–1:17:00
Und natürlich filmt dann die Kamera gleichzeitig Faust und Messer und die Hose.
1:17:00–1:17:01
Also den Penis, den wir nicht sehen.
1:17:02–1:17:06
Und dann habe ich gedacht, ah ja, okay. Das war dann eigentlich wieder so ein
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Schmunzelmoment für das Publikum.
1:17:08–1:17:11
Okay, das ist natürlich in dieser Bewegung der Penis.
1:17:11–1:17:16
Diese Kastrationsangst, die er gleichzeitig so... Und dann sagt der Analytiker, sagt...
1:17:16–1:17:23
Sehen Sie, was Sie in der Hand halten. Und dann war das, als ob es so ein Unani-Ding ist.
1:17:23–1:17:27
Und dann erst, als er sagt, ich kann wieder ein Messer anfassen,
1:17:27–1:17:30
ich bin geheilt. Nee, jetzt glaube ich daran, dass ich geheilt werden kann.
1:17:31–1:17:34
Das hat mich dann wieder rausgenommen aus der Fantasie.
1:17:34–1:17:37
Das ist hier wirklich einfach, wir wissen schon, also das hat jetzt auch der
1:17:37–1:17:40
Patient quasi schon fast, dass es sich hier um seinen Penis geht.
1:17:41–1:17:43
Aber es geht immer noch nur um den Dolch.
1:17:43–1:17:49
Aber in solchen Schritten wird es dann abgebildet, Ein Vorwurf von der Rezeption
1:17:49–1:17:52
des Films war wohl am Anfang auch, dass die gesagt haben, das geht doch alles
1:17:52–1:17:54
viel zu schnell, so einfach ist das alles nicht und so.
1:17:55–1:17:58
Aber es wird ganz am Anfang ja gesagt, das dauert viele Monate.
Florian Clauß
1:17:58–1:18:04
Ja und wir haben ein Bild der Zeitachse. Ist dir das aufgefallen?
Micz Flor
1:18:04–1:18:05
Nee.
Florian Clauß
1:18:05–1:18:11
Das ist super. Nämlich am Anfang, wenn die die Freitreppe in ihrem Haus runterlaufen,
1:18:12–1:18:16
wie Fellmanns, dann liegt ja diese Hündin mit ihren Welpen im Korb.
1:18:17–1:18:21
Und dann während der Behandlung siehst du dann halt die Hausangestellte mit
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der Hündin und den Welpen spielen. Und die Welpen sind halt groß geworden.
1:18:25–1:18:31
Die sind junge Hunde. Und das ist eine schöne Versinnbildlichung nach der Zeit.
Micz Flor
1:18:32–1:18:33
Das sind wir nicht aufgepasst.
Florian Clauß
1:18:33–1:18:39
Dann, ja, es gibt ein Versprechen der Heilung, der kompletten Heilung.
1:18:39–1:18:44
Die Heilung, die dann letztendlich hinten rausfällt. Wir erleben ja im Epilog des Filmes.
1:18:45–1:18:50
Also wir müssen auch sagen, in dem Moment, wenn eben der Psychoanalytiker diese
1:18:50–1:18:58
Szene dann ihn wieder entlässt und er geht nach Hause zurück zu seiner Frau und kann sie umarmen,
1:18:58–1:19:01
kann sein Vetter umarmen, hat wieder so eine innige Beziehung.
1:19:02–1:19:07
Also das heißt, die Beziehung, die Familie, die Ehe ist wiederhergestellt,
1:19:08–1:19:15
Und dann sehen wir Bergaufnahmen. Dann sehen wir die Frau.
1:19:15–1:19:18
Ich finde es schade, dass ich jetzt den Namen nicht von dieser Figur sage.
Micz Flor
1:19:20–1:19:23
Das ist ja von der Szenierung her passend.
Florian Clauß
1:19:23–1:19:27
Wir sehen dann, dass sie vor einer Berghütte sitzt, mit einem Stift in der Hand.
1:19:28–1:19:36
Und er ist dann fischen in einem See, holt Forellen raus, gibt sich da große
1:19:36–1:19:40
Mühe und fängt dann die Forellen. Wir sehen wieder Wasser, wir sehen Fisch, was kann das bedeuten?
1:19:41–1:19:47
Und dann fängt er mit den Kescher ein und auf einmal, wenn er wieder zurückläuft,
1:19:47–1:19:52
über den Waldweg, über die kleine Brücke, kommt seine Frau raus und hat ein Kind auf dem Arm.
1:19:53–1:19:56
Und in dem Moment ist es so, als ob er das zum ersten Mal sieht.
Micz Flor
1:19:57–1:19:58
Ja, das ist ein bisschen sinnvoll.
Florian Clauß
1:19:59–1:20:03
Diesen Eimer mit den Forellen, die er in der Hand hat. Der ist so freudig erregt,
1:20:04–1:20:06
dass er diesen Eimer einfach wegschmeißt, ihn wieder zurück.
1:20:06–1:20:11
Also das heißt, ins Wasser, die Forellen können wieder ausbüxen.
1:20:11–1:20:18
Und er rennt auf seine Frau einen steilen Abhang hoch und nimmt dieses Kind
1:20:18–1:20:21
in den Arm und ist so voller Freude.
1:20:21–1:20:25
Und es ist auf einmal so diese komplette Wiederherstellung der Familie mit Kind.
1:20:26–1:20:29
Also das heißt, diese kinderlose Familie hat dann ein Kind.
1:20:29–1:20:34
Wie auch immer dieses Kind da hingekommen ist, warum wir das jetzt zum ersten
1:20:34–1:20:38
Mal sehen. Aber ich glaube, das war so übertrieben, das ist halt irgendwie so,
1:20:38–1:20:40
dann nochmal so in your face.
1:20:40–1:20:46
Also man musste den Koitis nicht zeigen, sondern man musste ihn inszenieren, so darstellen.
Micz Flor
1:20:48–1:20:53
Fand ich insofern für mich interessant, weil mich da die Musik total verwirrt hat.
1:20:53–1:20:56
Die Musik war dann wirklich sehr experimentell, wie in so einem,
1:20:56–1:21:01
also die Musik machte das für mich zu einem flirrigen Traumfilm.
1:21:01–1:21:04
Und die hätte anders sein können, die hätte versöhnlich sein,
1:21:05–1:21:06
romantisch sein können.
Florian Clauß
1:21:06–1:21:06
Genau.
Micz Flor
1:21:06–1:21:10
Aber die war irgendwie vielleicht so auf der Spitze der Abstraktion.
Florian Clauß
1:21:10–1:21:14
Ja, fand ich auch. Aber das fand ich super. Aber das war das.
Micz Flor
1:21:15–1:21:18
Ja, aber dadurch wurde das dann eben dann eher wieder wie eine Traumsequenz
1:21:18–1:21:21
und der Epilog erzählte dann keine Geschichte, sondern war dann auch wieder
1:21:21–1:21:23
nur die Bilder zu einer Geschichte, die wir eben nicht sehen.
1:21:24–1:21:26
Und dann wäre es natürlich so, wenn wir vorher gelernt haben,
1:21:26–1:21:29
dass das Wasser ja das ist, wo die Kinder rauskommen und er dann die Fische
1:21:29–1:21:33
fängt, dann ist das ja, sag ich nur, sperr mal die Augen auf.
1:21:34–1:21:39
Die Fische schwimmen da so lang, er fängt sie endlich, tut sie alle in den Eimer
1:21:39–1:21:44
rein und alle Zutaten da und voila, da ist meine Frau mit dem Kind und der Berg
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und das Archaisch und sowas.
1:21:46–1:21:51
Also das Das wirkte durch die Musik, fand ich, wie eine Traumontage wieder.
1:21:51–1:21:56
Also dieses Sperma in den Eimer und dann kontrolliert er das auch,
1:21:56–1:21:58
das Wilde und Zaubertrick.
Florian Clauß
1:21:58–1:22:02
Ja klar, genau. Und dann kann es fließen, dann kann er auch...
1:22:02–1:22:08
Dieses Fließen ist immer Sexualität, weibliche Sexualität haben wir auch bei den Freikorps gemerkt.
Micz Flor
1:22:08–1:22:11
Deshalb hier in Berlin, wir laufen gerade hier am Flusslang,
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hier fließt gerade gar nichts mehr.
1:22:12–1:22:14
Hier ist einfach nur Stillstand.
Florian Clauß
1:22:14–1:22:19
Ja, aber immerhin ist es nicht gefroren. Also da haben wir schon mal quasi den
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Rippenbruchschutz heute auf unserer Tour.
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Ja, hier ist es auch leer. Hier ist kaum jemand. Wir sind wieder so abgelegen.
1:22:27–1:22:32
Aber das ist moabit, wie ich es noch vor 30 Jahren kenne. Peripher und leer.
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Aber ja, man hat das Messer, was auf der einen Seite der Phallus ist,
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die Angst vor der Kastration. aber auch gleichzeitig die Aggression darstellt.
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Also das heißt, der Mordgegenstand.
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Dann gibt es die ganzen Bilder für Sexualität, das Wasser, die Glocken.
1:22:54–1:22:57
Dann natürlich der Turm wieder, die Treppen, das Gitter.
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Also das Gitter, immer das Ausgesperrtsein. Es gibt diese Konstellation,
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ich meine, wir haben ja schon gerade Oedipal, ist das ja auch Dreierkonstellation.
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Er geht ja auch dann zu seiner Mutter. Also während er quasi dann behandelt wird,
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lebt er bei seiner Mutter und die Mutter schneidet ihm das Fleisch klein und
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dann die Hausangestellte muss ganz schnell das Messer unter die Schürze verstecken, auch großartig.
1:23:22–1:23:27
Und er freut sich, dass er in Rosenkohlen das kleingeschnittene Fleisch dann von seiner Mutter,
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er wird nicht gefüttert, das kann er noch mal leiden, aber er ist in so einer
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Kindsituation drin, in so einer verletzlichen und ist gleichzeitig halt in diesem
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ödipalen Dreieck da gefangen, in dieser Konstellation.
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Er ist so das Kind, das ist dann halt eben dieses Verlangen,
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der Vetter ist so der Unerreichbare, seine Frau zur Statue, Also dieses Überhöhte,
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also diese Sexualität nicht ausleben können.
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Ja, das wird ja alles in diesen Symbolen so, kann man ja wunderbar,
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kann man ja wirklich die Lehre da so aufhalten.
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Das wurde auch in den Texten, wurde es auch nie so explizit.
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Also ich meine, aber es ist halt in den Bildern so explizit.
1:24:12–1:24:17
Kastration, Coitus, diese ganzen Symbole der Psychoanalyse sind so deutlich,
1:24:18–1:24:21
dass ich finde ich schon auch so ein Aufklärungsfilm ist.
Micz Flor
1:24:21–1:24:25
Das finde ich funktioniert wirklich gut, ja. Ich finde auch,
1:24:25–1:24:28
wir haben ja vorhin schon mal beide festgehalten, wo du meintest,
1:24:28–1:24:32
da sind wir an der Meinung, dass es der männliche Blick auf die Frau und die
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Geschichte ist, den wir sehen und natürlich am Traum, im Traum noch am meisten.
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Und da finde ich, dass der Film es aber trotzdem auch geschafft hat,
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Ambivalenzen zu schaffen, die dann auch bestehen dürfen und die vielleicht auch
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ein Unbehagen in den ZuschauerInnen ausrufen,
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weil das nicht alles gedeutet und gelöst werden kann.
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Und ich finde diese Turmszene mit den Glocken oben so spannend,
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weil da sind drei Frauen abgebildet.
1:24:59–1:25:04
Zuerst das Gesicht seiner Frau, dann das der, wie sagt man, Marktbediensteten,
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keine Ahnung, also die Hausangestellte.
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Und dann das dritte ist die Assistentin, also ich vermute es ist die Assistentin.
1:25:12–1:25:15
Könnte natürlich auch seine Chefin sein aus dem Labor.
Florian Clauß
1:25:15–1:25:18
Nee, absolut, die ist die Assistentin. Ja, natürlich.
Micz Flor
1:25:18–1:25:23
Und das wird gedeutet eben, weil die auch sieht, wie er dann das Kind mit einer
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Schokolade versorgt und so, dass die dann aber drüber schmunzeln muss,
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weil er selber ja keine Kinder hat.
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Also dass das eine Demütigung sein kann.
Florian Clauß
1:25:32–1:25:34
Die Frauen. Ja, genau, die das lächerlich machen. Also sie lachen über ihn,
1:25:35–1:25:37
wo er sich schämt halt quasi.
Micz Flor
1:25:37–1:25:41
Und das fand ich interessant, dass man da aber andersrum auch einen Schritt
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weitergehen könnte, Weil wie der die Treppe hochrennt mit dem Dings,
1:25:45–1:25:46
da ist er wirklich irgendwie auch wütend.
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Und dass oben dann diese Glockenklingeln, diese drei Frauen Glockenklingeln.
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Das hat, finde ich, auch gleichzeitig irgendwie was.
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Es geht auf alle Fälle um Koitus, so wird es irgendwie inszeniert.
1:25:58–1:26:01
Aber es hat schon auch was, was er vielleicht auch Lust auf alle drei Frauen hat.
Florian Clauß
1:26:01–1:26:02
Ja, naja.
Micz Flor
1:26:02–1:26:04
Also es schwingt so ein bisschen mit.
Florian Clauß
1:26:04–1:26:09
Ich meine, die haben alle so eine gewisse Sexiness, wird auch allen irgendwie
1:26:09–1:26:15
so aninszeniert. Würde ich auch sagen, die sind jetzt nicht unattraktiv dargestellt in dem Film.
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Also ich kann mir auch vorstellen, dass es allgemein geht um Sexualität.
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Es ist halt auch sein Koitus, seine Penetration, indem er den Turm da hochläuft.
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Das sind ja so, jetzt platt gesprochen, einfach die Wichsvorlagen,
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die er da irgendwie Leuten sieht.
Micz Flor
1:26:37–1:26:42
Ich habe Ja gesagt, damit wir schnell Schluss machen mit solchen unedlen Worten.
Florian Clauß
1:26:43–1:26:48
Aber ich glaube, jetzt sind wir so an einem Punkt, wo wir die erste Folge abschließen.
1:26:49–1:26:53
Wo wir das eigentlich ganz gut so nochmal durchgegangen sind, den Film.
Micz Flor
1:26:53–1:26:57
Was ich machen werde, ich werde mir nochmal diesen Epilog auf YouTube angucken,
1:26:58–1:26:59
mit schlechten Bildern, aber
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interessiert einfach, ob eine andere Musik was anderes in mir auslöst.
Florian Clauß
1:27:03–1:27:08
Ja, aber lass uns nochmal da einen kurzen Abstand machen, weil ich fand da wirklich,
1:27:08–1:27:13
also wir haben es am Anfang schon gesagt, diese Musik fand ich sehr bereichernd,
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sehr, sehr bereichernd zu dem Film.
Micz Flor
1:27:15–1:27:15
Die neue Komposition.
Florian Clauß
1:27:15–1:27:19
Die neue Komposition. Ich hatte das halt auf YouTube gesehen,
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da gab es halt so lustige Klaviermusik, die dann halt noch irgendwie,
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und das hat es dann aber so erklärbar gemacht. Das hat mich dann emotional so geführt.
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Ich sollte die Auflösung nehmen und dann zack und der Traum wird dann dramatisch
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mit untermalt und so weiter.
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Aber diese Musik hat dann die einzelnen Zustände,
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des Patienten oder der Figur. Ob sie jetzt in der Analyse ist oder im Traum
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oder halt im normalen Leben, hat das dann so ein bisschen verwischt.
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Es war nicht mehr so klar zuordnbar, weil sie immer sehr ähnlich war.
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Und es war halt auch dieses Creepiness, diese Feindlichkeit am Ende, dieses Epilogs.
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Das hat das halt dann nicht so richtig aufgelöst.
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Nicht so diesem Stempel gelungen.
Micz Flor
1:28:04–1:28:04
Genau.
Florian Clauß
1:28:05–1:28:10
Hat gefehlt. Ich weiß, worauf du ansprichst. Moment, und dann wischst du so
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den Stempel und dann auf einmal ist der weg und das ist die Tinte.
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Und dann willst du das abwischen und das Papier geht und das ist wichtiger.
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Es zerfließt so ein bisschen.
Micz Flor
1:28:21–1:28:28
Ja, und wenn man aber dies komponiert, dann hat man ja auch diese emotionale Keule in der Hand.
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Und dann ist es natürlich auch eine bewusste Entscheidung des Komponisten,
1:28:33–1:28:34
den Film so zu interpretieren.
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Er sieht den Film ganz ohne Musik oder mit Musik, das wisst ihr nicht,
1:28:40–1:28:43
oder beides. Er komponiert neue Musik dazu.
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Und in seiner Wahrnehmung des Filmes verstärkt er seine Wahrnehmung des Filmes
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durch seine emotionale Musik.
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Und das ist natürlich wieder auch ein bisschen perfide, dass man diese Macht
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auf einmal hat, dass man den gleichen Film völlig emotional,
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völlig neu erzählen kann, wenn man die Musikkeule in der Hand hat.
Florian Clauß
1:29:03–1:29:09
Ja gut, aber ist es denn nichts anderes, als wenn du einem Patienten Medikation
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gibst, damit er bestimmte Gefühle nicht mehr hat?
1:29:12–1:29:14
Weil da leidest du ja auch ganz eindeutig.
Micz Flor
1:29:14–1:29:16
Wie kommst du jetzt auf ein Medikament?
Florian Clauß
1:29:16–1:29:21
Naja, ich meine, es ist halt immer irgendeine Frage von, wie beeinflusse ich
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irgendeine emotionale Situation.
1:29:24–1:29:28
Und das ist letztendlich nur Chemie, die dann halt im Körper passiert.
Micz Flor
1:29:28–1:29:32
Ja, das ist immer dein materialistischer, redaktionistischer Moment.
Florian Clauß
1:29:33–1:29:34
Das ist immer dein.
Micz Flor
1:29:34–1:29:37
Nicht so jetzt. Du kommst damit immer um die Ecke.
Florian Clauß
1:29:38–1:29:38
Don't get me bored.
Micz Flor
1:29:38–1:29:40
Man muss es irgendwann messen können.
Florian Clauß
1:29:41–1:29:41
Ja.
Micz Flor
1:29:41–1:29:48
Verdammt und zugenäht. was ich denke ist halt, in der Psychoanalyse spricht
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man, oder in der psychodynamischen Arbeit spricht man immer auch von der,
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korrigierenden emotionalen Erfahrung, also Emotion ist ein Teil der halt eben
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nicht über diese, wie heißen die nochmal, diese Paletten, also die Bilder, wo der Text drauf steht,
1:30:03–1:30:06
Zwischentitel Zwischentitel, genau, das kann nicht über die Sprache erklärt
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werden, das wird ein bisschen auch emotional natürlich über das Acting gemacht
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aber die Musik hat da glaube ich, weil sie weil sie einfach eher passiert,
1:30:13–1:30:14
man kann es sich immer hingeben.
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Musik ist eher wie Schnitt und weniger wie Gesichtsausdruck.
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Und deshalb finde ich, ist es total wichtig, da drauf zu gucken,
1:30:22–1:30:25
wenn man sich diesen Film anschaut,
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Weil die Emotion in der psychodynamischen Arbeit eigentlich den Schlüssel darstellt,
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den wir da kurz sehen, als er den auf den Tisch verliert und hinterhergetragen hat.
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Nein, nicht diesen Schlüssel, sondern die Emotion ist in der psychotherapeutischen
1:30:43–1:30:45
Arbeit psychodynamisch ganz wichtig.
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Und das wird ja auch in den Bildern inszeniert, wenn er auf der Couch liegt.
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Er hat dann eher so Ausbrüche, Ausbrüche als Emotionen.
Florian Clauß
1:30:54–1:30:58
Er will ja auch bestimmte Informationen nicht rausgeben.
1:30:58–1:31:02
Das ist ja auch quasi, dass der Film zeigen wollte. Und dann dieser Prozess
1:31:02–1:31:05
zwischen Therapeut oder Analytiker und Patient.
Micz Flor
1:31:08–1:31:13
Mir ging es darum zu sagen, dass die Musik zum Film in vielen Teilen unbewusst
1:31:13–1:31:17
bleibt, wenn man versucht, dem Film Kopf und den Worten zu folgen.
1:31:17–1:31:23
Aber eben genau der Teil ist, der in der psychodynamischen Arbeit auch eine
1:31:23–1:31:25
essentielle Relevanz hat.
1:31:25–1:31:30
Nicht die Erkenntnis, sondern das Durcharbeiten, die korrigieren der emotionalen
1:31:30–1:31:36
Erfahrungen, die ist in der Analyse das, was letztendlich eine nachhaltige Veränderung bewirkt.
1:31:37–1:31:39
Ansonsten könnte man ja alles mit ChatGPT lösen.
Florian Clauß
1:31:40–1:31:43
Ja, gut, aber ich meine, so eine Vorstufe geht ja schon.
Micz Flor
1:31:44–1:31:47
Ja, das ist der Teil der Erkenntnis. Das ist der wichtige Teil,
1:31:47–1:31:50
dass man diese Dinge abtrennen kann und benennen kann.
Florian Clauß
1:31:50–1:31:54
Ja, okay, aber ich verstehe, was du sagst und sehe das auch so.
1:31:55–1:31:58
Jetzt möchte ich aber nochmal zu der Eingangsfrage kommen, nämlich,
1:31:58–1:32:04
was hat uns das EEG der Bratschistin für die Musik gebracht?
1:32:05–1:32:08
Ich glaube, es war halt, es ist halt, also meine Sache ist halt,
1:32:08–1:32:13
ich fand es halt irgendwie, es war so ein ganz guter Marketing-Gag, sag ich mal.
1:32:13–1:32:19
Ja, es war so, sie hatte dann so eine Badekappe auf mit vielen Kabeln und dann
1:32:19–1:32:25
wurde nicht nur über EEG, sondern auch Ultraschall, da gab es so Nahaufnahme,
1:32:25–1:32:27
keine Ahnung. Das wurde jetzt quasi genutzt.
Micz Flor
1:32:27–1:32:30
Der Infrarot, die Blutung wurde, glaube ich, noch genutzt.
Florian Clauß
1:32:30–1:32:33
Wie auch immer, oder elektrisches Feld dann noch gemacht.
1:32:34–1:32:38
Aber es ist ja nichts anderes als irgendwie so ein Random-Midi-Signal,
1:32:38–1:32:41
was du dann halt noch mit in die Mischung bekommst. Und es war,
1:32:41–1:32:45
so habe ich es wahrgenommen, vor allen Dingen dafür da, dass man dann so einen
1:32:45–1:32:47
Teppich hatte, so einen düsteren Teppich.
1:32:47–1:32:52
Also was dann nicht so rhythmisch war, sondern eher so eine Soundkulisse,
1:32:52–1:32:55
wie dann halt so ein atmosphärisches Bild.
1:32:55–1:33:00
Fand ich ganz gut eingeladen, als das Gewitter kam, also diesen Soundteppich.
1:33:00–1:33:04
Aber es war das, was sie da, also es war ja nicht, es ist eigentlich total random,
1:33:05–1:33:07
oder? Es war völlig egal, aber es war halt so ganz gut.
1:33:08–1:33:10
Es waren gute Erzählungen, die das dann halt auch so mitnehmen.
Micz Flor
1:33:10–1:33:13
Ja, da gebe ich dir recht. Also es hatte so was MacGuffin-mäßiges und hatte
1:33:13–1:33:18
auch so diesen Moment, wo man vielleicht denkt so, naja, wenn gerade mal gar
1:33:18–1:33:23
nichts los ist, dann kann ich ja nur, ach ja, da war ja auch noch diese Frau mit dieser Mütze.
1:33:24–1:33:28
Ich habe da manchmal so drauf geachtet. Aber manchmal haben so ein paar purzelnde
1:33:28–1:33:31
Elektrogeräusche einen überfallen. Ach ja, stimmt, die gibt es ja auch noch.
1:33:31–1:33:34
Also sie hat auf alle Fälle irgendwie zum Narrativ beigetragen,
1:33:35–1:33:40
War sie auch Stand-in für uns alle, könnte man jetzt pathetisch formulieren.
1:33:40–1:33:45
Sie war die erste Zuschauerin, die erste teilnehmende Zuschauerin vor uns allen,
1:33:46–1:33:51
also deren Körper auch Einfluss auf die Wahrnehmung des Filmes hat, für uns alle.
1:33:51–1:33:55
Ist das nicht etwas, was wir alle tun, wenn wir Zuschauer sind?
1:33:56–1:34:02
So in der Art. Aber es war sowas, was sie auch eher als schönes Sprenkelchen
1:34:02–1:34:03
im Narrativ wahrgenommen hat.
Florian Clauß
1:34:03–1:34:08
Die Moderatorin fand ich schon ganz lustig. Wir sehen nur, was sie heute denken wird.
1:34:08–1:34:13
Und das nächste Mal wird sie ganz anderes denken. Eine ganz andere Aufführung.
1:34:14–1:34:20
Aber ich glaube, das haben alle so mitgenommen und halt auch alle so wohlmeinend
1:34:20–1:34:22
zur Kenntnis genommen. Okay.
Micz Flor
1:34:23–1:34:26
Ich habe noch zwei Dinge, was die Texttafel angeht.
1:34:26–1:34:33
Das eine ist, dass ich mir wünsche, dass wir auch als Episode die Gedankenstrich-Episode verlinken.
Florian Clauß
1:34:33–1:34:34
Wieso brauchst du wieder mehr Klicks?
Micz Flor
1:34:35–1:34:38
Nein, die Gedankenstriche wird nie in die Top Ten laufen.
1:34:38–1:34:42
Aber es war interessant, fand ich, wie da Gedankenstriche in lange Gedankenstriche
1:34:42–1:34:47
als Pausen, also die wurden wirklich ja eben eingesetzt, um die Sprache auch zu erklären.
1:34:47–1:34:50
Manchmal war es in Gedankenstrichen, es war eine Pause, dann gab es manchmal
1:34:50–1:34:53
auch so Minus, Minus, Minus, Fragezeichen am Ende.
1:34:54–1:34:57
Ganz unterschiedliche Längen, vor dem Punkt, nach dem Punkt.
1:34:57–1:35:02
Also es war wirklich der Gedankenstrich, wer möchte, like, wer es noch kennt,
1:35:02–1:35:03
unsere Gedankenstrich-Folge.
1:35:04–1:35:05
Und das andere...
Florian Clauß
1:35:05–1:35:07
Wer kann nicht anders, Herr Schnoor.
Micz Flor
1:35:07–1:35:12
Das andere mit den Texttafeln war, ich war halt so, so fokussiert am Anfang,
1:35:12–1:35:15
dass ich gleich einen, glaube ich, Rechtschreibfehler gefunden habe in einer
1:35:15–1:35:19
Texttafel, wo man von der UFA, ich weiß nicht mehr,
1:35:21–1:35:25
Kulturabteilung oder Bildungsabteilung, irgendwas, auf jeden Fall war da Abteilung, Point,
1:35:26–1:35:29
Die haben das mit Doppel-T geschrieben, Abteilung.
Florian Clauß
1:35:29–1:35:31
Achso, war das mit Trenner oder?
Micz Flor
1:35:31–1:35:35
Ohne Trenner, einfach Abteilung in einem Wort durchgeschrieben.
1:35:35–1:35:38
Und ich muss nochmal auf YouTube gucken, ob das wirklich so war oder ob ich
1:35:38–1:35:40
mir das eingebildet habe, weil ich irgendwas sehen wollte.
Florian Clauß
1:35:41–1:35:43
Weil du da schon den Adler vermiedst.
Micz Flor
1:35:43–1:35:43
Genau.
Florian Clauß
1:35:44–1:35:45
Den Abt, der wurde geteilt.
Micz Flor
1:35:46–1:35:51
Mit meinen Adleraugen habe ich da drauf geguckt. Das ist jetzt auch wieder eine
1:35:51–1:35:52
freie Assoziation natürlich.
Florian Clauß
1:35:53–1:35:54
Noch eine abschließende Frage.
1:35:57–1:36:01
Diese Traumanalyse, ist das irgendwie noch ein methodischer Baustein,
1:36:01–1:36:04
den man heutzutage irgendwie ernsthaft anwendet?
1:36:04–1:36:07
Oder träume noch so eine Bedeutung?
Micz Flor
1:36:07–1:36:11
Ja, aber es funktioniert nicht immer. Ich finde auch, das ist sehr unterschiedlich,
1:36:11–1:36:13
wie Menschen damit umgehen können.
1:36:13–1:36:18
Manchmal erlebe ich auch so eine Analogie zu den Störungsthemen.
1:36:35–1:36:39
Sondern da muss Deutung immer sehr deduktiv sein.
Florian Clauß
1:36:39–1:36:42
Ja, also deduktiv im Sinne von...
Micz Flor
1:36:42–1:36:45
Ableiten, also dann wirklich eher so, das bedeutet das, das bedeutet das so.
1:36:45–1:36:47
Da finde ich es ja nicht so produktiv.
Florian Clauß
1:36:47–1:36:50
Aber es muss jetzt nicht so eindeutig sein, sondern...
Micz Flor
1:36:50–1:36:53
Für diese Menschen ist es so oft, habe ich das Gefühl, dass es wichtig ist,
1:36:53–1:36:58
dass man da wirklich eine entspricht zeichnet und ansonsten ist auch bei meiner
1:36:58–1:37:04
Lehrtherapie während der Ausbildung sowohl Gestalttherapie vor allen Dingen
1:37:04–1:37:12
aber jetzt auch psychodynamisch waren Träume auch für mich als ja wie soll ich sagen Modellpatient,
1:37:12–1:37:15
weil ich war ja auch in Ausbildung waren die wichtig und,
1:37:17–1:37:21
Ja, aber es ist, glaube ich, immer auch was, was die Leute, wenn sie es mitbringen,
1:37:22–1:37:24
selber schon mal durchdacht haben. Man weiß jetzt, dass es sowas gibt.
1:37:25–1:37:28
Vor 100 Jahren war das bestimmt eher noch für manche so, ah ja, interessant.
1:37:29–1:37:33
Jetzt ergibt das Sinn. Aber wenn jetzt Menschen mit Träumen ankommen,
1:37:33–1:37:37
dann wollen die da auch gemeinsam drauf gucken, haben sich vorher schon Gedanken gemacht.
1:37:37–1:37:39
Aber es ist auf alle Fälle etwas,
1:37:40–1:37:44
was zentral sein kann, wenn die PatientInnen das auch so wahrnehmen.
Florian Clauß
1:37:44–1:37:48
Und macht das hier Spaß, weil das ist so ein bisschen Detektivarbeit ja auch.
1:37:48–1:37:52
Das, was Psychoanalyse verspricht oder das, was wir aus dem Film gelernt haben,
1:37:52–1:37:57
ist ja auch so, ha, dann nehmen wir dieses Puzzleteil, das, das und wenn wir
1:37:57–1:38:00
das da anlegen, dann steht da Heilung.
Micz Flor
1:38:01–1:38:03
Ja, ich mache das ein bisschen anders. Das ist auch in der Erich Fromm.
1:38:04–1:38:08
Also ich mache das eher eben wie in der Gestalttherapie, dass man nicht davon
1:38:08–1:38:10
ausgeht, dass es Archetypen gibt, die was bedeuten.
1:38:11–1:38:14
Und wenn es sowas gäbe, dann wären das Menschen in meinem Bild,
1:38:15–1:38:18
die halt das für sich so herstellen. Da kann ich was damit anfangen. Vase ist immer Frau.
1:38:19–1:38:23
Zwei Tage später träumen sie von einer Vase und wollen über Frauen reden. Das kann auch sein.
1:38:24–1:38:28
Aber dass die Idee, und da ist man ein bisschen wieder bei Adler vielleicht
1:38:28–1:38:35
sogar mehr, oder eben bei der Gestalttherapie, bei Pearls, dass die Narrative
1:38:35–1:38:38
und die Bilder erstellt werden. Das ist ein aktiver, kreativer Akt.
1:38:39–1:38:45
Das ist nicht der Rest von was Gecanceltem, sondern es ist ein aktiver Entwurf,
1:38:46–1:38:48
damit er wie Erich Fromm auch zielgerichtet.
1:38:48–1:38:53
Also bei mir ist es schon so, dass ich oft und dann, die Arbeit ist eben oft
1:38:53–1:38:59
und das ist Gestalttherapie auch, dann bestimmten Traumanteilen eine Stimme zu geben.
Florian Clauß
1:38:59–1:38:59
Ja.
Micz Flor
1:39:00–1:39:03
Das ist auch in der Körpertherapie manchmal so. Und das wäre jetzt,
1:39:03–1:39:06
wenn man es auf den Film überträgt, hält mir jetzt nichts.
1:39:06–1:39:09
Jetzt habe ich nur dieses Messer, sozusagen Sie sind das Messer.
1:39:10–1:39:12
Warum nicht? Könnte man sagen, Sie sind das Messer.
Florian Clauß
1:39:12–1:39:12
Okay.
Micz Flor
1:39:12–1:39:16
Was sagt das Messer dann? Was will das denn sagen? Denken Sie sich drüber nach.
1:39:16–1:39:20
Was fällt Ihnen sofort ein, wenn Sie einfach sagen, ich bin das Messer, ich.
1:39:21–1:39:27
Und dann kommen in diesen Momenten wirklich auch manchmal erstaunliche Sätze hoch.
1:39:27–1:39:30
Auch manchmal Sätze, und das finde ich dann wiederum interessant,
1:39:30–1:39:33
die konträr zu dem sind, was ich mir vorstelle.
Florian Clauß
1:39:33–1:39:33
Ach, ich?
Micz Flor
1:39:33–1:39:37
Das ist eher die Art, wie ich denke, wie man auch mit Träumen arbeiten kann,
1:39:37–1:39:42
dass man den Dingen in den Träumen nicht anhand von Symbolik oder von Plausibilität,
1:39:42–1:39:46
sondern denen wirklich diesen emotionalen Anteil gibt und sagt, okay, sag doch mal was.
Florian Clauß
1:39:47–1:39:53
Ja, ja, also ins Gestaltungsraum quasi benutzt und nicht als Interpretationshoheit.
Micz Flor
1:39:53–1:39:57
Als etwas, was generiert wurde und insofern Abkömmling ist von einem Wunsch
1:39:57–1:39:59
oder von einem Bedürfnis.
Florian Clauß
1:39:59–1:40:03
Ja, ja, ich glaube, das hat sich tatsächlich komplett geändert im Jahr.
1:40:03–1:40:08
Und wenn man das jetzt nochmal zu den Beginn der Psychoanalyse oder Beginn der
1:40:08–1:40:11
Verbreitung der Psychoanalyse in der Bevölkerung, dass man da jetzt nicht mehr
1:40:11–1:40:14
so von statischen Symbolen ausgehen kann,
1:40:14–1:40:19
sondern dass sich das dann halt auch in der Dynamik die Erklärung ergibt.
Micz Flor
1:40:20–1:40:23
Genau, aber selbst C.G. Jung, der Meister der Archetypen, hat ja,
1:40:23–1:40:30
wie wir erarbeitet haben in seinem Spätwerk, das UFO als Archetypen zugelassen
1:40:30–1:40:33
und damit auch angeregt,
1:40:33–1:40:36
selbst seine sehr festgemauerte,
1:40:37–1:40:43
Äquivalenz von Objekt und Bedeutung ein bisschen zu erschüttern und flexibler zu machen.
1:40:43–1:40:46
Also da selbst bei Jungen hat sich das verändern dürfen.
Florian Clauß
1:40:47–1:40:49
Willst du noch mehr Klicks generieren auf deine Folgen?
Micz Flor
1:40:49–1:40:52
Wenn man Jungen schreibt. Wir haben alle verlinkt.
Florian Clauß
1:40:53–1:40:58
Okay, ich denke, jetzt sind wir ganz gut angekommen. Wir sind immer noch an
1:40:58–1:40:59
der Spree in einem Bogen.
1:40:59–1:41:03
Ja, wir haben ja schon angekündigt, wir werden jetzt gleich weiter anschließen.
1:41:03–1:41:08
Die Folge wird ja dann in 14 Tagen, dann werde ich ein bisschen mehr über Papst erzählen.
1:41:08–1:41:10
Wir werden aber auf jeden Fall die Route hier fortsetzen.
1:41:11–1:41:14
Also das heißt, wir werden dann in Charlottenburg weiter wandern.
1:41:15–1:41:18
Aber hier noch sind wir, ich weiß gar nicht, sind wir noch im Moabit?
1:41:19–1:41:20
Das könnte sein, ne?
Micz Flor
1:41:21–1:41:22
Die Kirchenschifffahrt.
Florian Clauß
1:41:22–1:41:27
Müssen wir dann nachher nochmal recherchieren. Die ganzen Fotos,
1:41:27–1:41:33
die wir auf unserer Tour gemacht haben, die könnt ihr dann auf eigentlich-podcast.de sehen.
1:41:33–1:41:38
Ich habe auch einige Bilder von der Stage im Haus der Kulturen,
1:41:38–1:41:44
also wo dann das Ensemble sich dann nochmal präsentiert, habe ich auch noch gemacht.
1:41:44–1:41:47
Das könnt ihr auch da sehen. Auch die Texte, die wir im Vorfeld geschrieben
1:41:47–1:41:50
haben, Könnt ihr da auch angucken.
1:41:51–1:41:56
Und dann möchte ich noch euch bitten, wenn euch eigentlich Podcast gefällt,
1:41:56–1:42:00
dann gebt uns doch eine Bewertung, Sternchen oder was auch immer,
1:42:00–1:42:04
auf der Plattform eurer Wahl. Empfiehlt uns weiter.
1:42:05–1:42:08
Ich sage jetzt Tschüss, bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
1:42:08–1:42:15
Und ich sage Baba, wie man in Wien sagt. Passend zur Folge. In 14 Tagen geht es für euch weiter.
1:42:15–1:42:17
Und jetzt gleich geht es für uns weiter. Macht's gut.
Florian Clauß
1:42:17–1:42:18
Ciao.
Micz Flor
1:42:18–1:42:19
Tschüss.

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"London calling to the faraway towns / Now war is declared and battle come down / London calling to the underworld / Come out of the cupboard, you boys and girls" The Clash, 1979

Flo hat in letzter Zeit viele Serien geschaut, die in London spielen: MobLand, I May Destroy You, Fleabag, Disclaimer, The Agency, Industry, Slow Horses, Ted Lasso, The Capture und Gangs of London. London steht als Spielort für Serien auf Platz drei hinter L. A. und New York City. In dieser Folge ist Flo der Frage nachgegangen, warum sich London in der Serienproduktion so hervorgetan hat, zumal der Brexit England doch wirtschaftlich zurückgeworfen hat. Doch England war in der Filmindustrie schon immer präsenter als seine europäischen Nachbarländer. Allein durch die Sprache können sich englische Produktionen größere Märkte erschließen, wohingegen deutsche und französische Produktionen auf Sprachbarrieren im internationalen Raum stoßen. Auch die großen Streamingdienste haben sich in den letzten Jahren in Londoner Studios eingemietet. Serien wie „Game of Thrones” und die „Harry Potter”-Filme trugen maßgeblich dazu bei, dass sich in den ersten Dekaden der 2000er eine starke Infrastruktur in der Filmindustrie in London ausbauen konnte. Gerade im Bereich der visuellen Effekte (VFX) sind viele kleine Studios entstanden, die auf dem Weltmarkt eine führende Position eingenommen haben. Dies erklärt zum Teil, warum so viele Serien in London spielen. Ein weiterer Grund ist, dass viel Geld aus dubiosen Quellen nach London geflossen ist, welches neben der Finanzierung von Großbauprojekten wie The Shard oder One Hyde Park auch viele Schattenproduktionen in der Filmbranche finanziert hat. London ist als Geldwäscheanlage bekannt. In dieser Episode tauschen wir uns über solche Geschichten und Gerüchte aus und können viele eigene London-Erlebnisse einbringen. Flo ist fasziniert davon, wie sich die Skyline von London in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Micz kann von seiner Zeit in den 90ern berichten, als er in London lebte und die Gentrifizierung des Stadtteils Shoreditch miterlebte. London ist vielseitig und unberechenbar, wie sich die Stadt auch in den Serien spiegelt. Hinter der glatten Fassade lauern Abgründe, aber auch Chancen...

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
Erzähler
avatar
Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:03
Dann hatte ich ja dieses Drum-Ding da gebastelt, was man einfach so drauflegen kann.
0:00:04–0:00:07
Und dann war es ja damals noch so, dass es diesen Moment gibt,
0:00:07–0:00:08
wo dieses Klatschen rein soll.
0:00:09–0:00:12
Und das haben wir dann aber, glaube ich, du schneidest das, glaube ich,
0:00:12–0:00:13
gar nicht mehr so. Du schmeißt es einfach drauf.
Florian Clauß
0:00:15–0:00:19
Ich habe den Zimmer in irgendeiner rhythmischen Pause, wie ich den dann drauf.
Micz Flor
0:00:19–0:00:20
Dann klatschen wir mal.
Florian Clauß
0:00:21–0:00:22
Liest du, hörst du, oder?
Micz Flor
0:00:22–0:00:23
Ach, auf jeden Fall.
Florian Clauß
0:00:23–0:00:23
Hörst du jetzt.
Micz Flor
0:00:24–0:00:31
Achso, ich bin jetzt schon im finalen Edit. Hallo, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen und Zuhörende.
0:00:31–0:00:34
Wir kommen jetzt mit dem eigentlichen Podcast schon zur Folge 83.
0:00:35–0:00:39
Und die Zahl 83 ist ja magisch aufgeladen. Das werdet ihr heute noch später
0:00:39–0:00:41
erleben, wenn ihr das Thema von Flo hört.
0:00:42–0:00:47
Wir, das sind Flo und ich, Mitch. Und alle zwei Wochen ist etwas,
0:00:47–0:00:50
was wir beim Laufen aufgenommen haben, auf unseren Podcast drauf.
0:00:50–0:00:54
Die Idee kam halt eben ursprünglich so ein bisschen von den Corona-Walks,
0:00:54–0:00:56
wo man sich dann treffen durfte, aber nur draußen.
0:00:56–0:00:58
Da haben wir einfach so viel gesprochen, irgendwann Aufnahmen gedrückt.
0:00:59–0:01:02
Wo wir langlaufen, ist dann irgendwie auch immer Teil von dem,
0:01:02–0:01:06
was wir erzählen, weil man dann manchmal doch stehen bleibt und über was spricht,
0:01:06–0:01:08
was gerade vor der Nase ist.
0:01:09–0:01:13
Diese Touren könnt ihr dann auch immer auf der Webseite sehen von eigentlich-podcast.de.
0:01:14–0:01:16
Für die, die jetzt zum ersten Mal hören, die denken vielleicht,
0:01:17–0:01:20
ich erkläre das immer so gut und ausführlich, aber ich mache das jetzt mal extra
0:01:20–0:01:24
so, weil Flo, glaube ich, immer hofft, dass man das noch mal so alles so ausführlich
0:01:24–0:01:26
vorher erklärt, bevor es dann losgeht.
0:01:26–0:01:30
Und das geht jetzt nämlich los mit Flo's Thema. Ich habe keine Ahnung, worum es geht.
0:01:31–0:01:35
Deshalb habe ich das von Magie gesagt. Aber du wirst mich jetzt eines Besseren belehren.
Florian Clauß
0:01:35–0:01:40
Ja, du wirst sicher dazu was beitragen können. Da bin ich mir auf jeden Fall sicher.
0:01:40–0:01:45
Ich wollte noch ein, zwei Sätze zur Tour sagen.
0:01:45–0:01:48
Und zwar, du hast mich vorhin gefragt, hast du eine Tour? Und ich meinte so,
0:01:48–0:01:54
ja. Ja, aber die ist so ein bisschen, wie soll man sagen, die schlägt so ein paar Haken.
0:01:54–0:02:00
Nämlich, ich habe als Tourplanung Tool, habe ich Square Dats genommen. Also Square Dats.
Micz Flor
0:02:00–0:02:01
Das könnte ich ja nicht mal aussprechen.
Florian Clauß
0:02:02–0:02:03
Ja, das kann ich auch schwer aussprechen.
Micz Flor
0:02:03–0:02:05
Square wie das Quadrat und Dats wie die Punkte.
Florian Clauß
0:02:05–0:02:13
Dats, D-A-T-S, Dotcom. Das ist im Prinzip ein Add-on für verschiedene andere
0:02:13–0:02:16
Tracking-Tools wie Strava oder Komoot.
0:02:17–0:02:19
Teilt die Welt in Quadrate ein.
0:02:20–0:02:23
Und du kannst dann automatisch da eine Tour, in die du gefahren,
0:02:23–0:02:26
gelaufen, also alles, was mit Muskelkraft geht, gemacht hast,
0:02:26–0:02:31
lädt dann auf diese Seite hoch und markiert dann quasi die Quadrate, die du abgelaufen bist.
0:02:31–0:02:35
Und dann gibt es halt ein Square, ist dann halt quasi so eine Meile ungefähr.
0:02:36–0:02:41
Und das wird aber, kann beliebig tief unterteilt werden in diese sogenannten,
0:02:42–0:02:45
jetzt kriege ich den, da muss ich es wieder aussprechen, Square.
Micz Flor
0:02:47–0:02:48
So heißt es nicht?
Florian Clauß
0:02:48–0:02:49
Ja, die kleinen.
0:02:52–0:02:57
Dieser große Bereich wird dann nochmal in 64,1, also Länge wie Breite, dann unterteilt.
0:02:58–0:03:02
Das Ganze ist eine Spielerei, weil du siehst dann halt, wo du lang gelaufen
0:03:02–0:03:06
bist, du siehst dann halt so in den Farbtönen, wenn du öfters so ein Quadrat
0:03:06–0:03:10
passiert hast, dann kriegt das nochmal eine dunklere Farbe.
0:03:10–0:03:13
Und dann siehst du auch die Teile, wo du noch nie so lang gelaufen bist.
0:03:14–0:03:16
Zumindest nicht, wo du mal aufgezeichnet hast.
0:03:17–0:03:20
Und das ist halt so ein ganz nettes Tool, um halt, wenn du irgendwo läufst,
0:03:20–0:03:23
um so eine Tourplanung zu machen oder Fahrrad fährst.
0:03:23–0:03:25
Dann fährst du halt dann mal Wege, die du sonst nicht so fährst.
0:03:26–0:03:29
Und das habe ich jetzt gemacht bei uns. Und ich wusste ja, dass wir hier wieder
0:03:29–0:03:35
im Epizentrum von Berlin starten, Oranienplatz, und habe mir dann noch mal so
0:03:35–0:03:39
ein paar Quadrate rausgesucht, die ich noch bisher noch nicht mit...
Micz Flor
0:03:39–0:03:42
Also, dass ich es verstehe, wir haben eine Meile mal eine Meile oder Kilo,
0:03:42–0:03:47
das wissen wir nicht genau. Und das ist dann nochmal in quasi 64 Bits unterteilt.
Florian Clauß
0:03:47–0:03:48
Also genau, in Nummer 64.
Micz Flor
0:03:49–0:03:53
Und das sind diese kleinen Squad. Also wir könnten jetzt also auch programmieren,
0:03:53–0:04:00
indem wir diese Bits so ablaufen, dass die einzelnen Nullen dann als Programm laufen könnten.
Florian Clauß
0:04:00–0:04:04
Ja, wir könnten auch jetzt eine Tour laufen und dann hätten wir wieder irgendwelche
0:04:04–0:04:09
Schriftzeichen in die Stadt reingeimpft mit unseren Wegen. Aber das machen wir nicht mit.
Micz Flor
0:04:09–0:04:12
Na gut, ich dachte nur, wir könnten einen Assembler-Code schreiben.
Florian Clauß
0:04:12–0:04:14
Achso, ja, okay.
Micz Flor
0:04:14–0:04:15
Der sinkt dann zum Beispiel.
Florian Clauß
0:04:15–0:04:18
Da müssen wir quasi über ein so ein kleines Quadrat drüber hüpfen.
0:04:19–0:04:22
Aber das ist schon zu breit zum Hüpfen.
0:04:23–0:04:27
Too far to jump. Jump, jump, genau.
0:04:27–0:04:33
Und mit mein Thema. Ich bin irgendwie auf mein Thema gestoßen worden von mir selber.
0:04:34–0:04:36
Okay, das heißt Idee.
0:04:37–0:04:39
Ich habe da so viele Spränge.
Micz Flor
0:04:39–0:04:45
Das klingt so, als ob du fast erschüttert warst, dass etwas ohne Chat-GPT eine Idee wurde.
Florian Clauß
0:04:46–0:04:51
Naja, ja, das nicht unbedingt. Also Chat-GPT hat mich da auch gut beraten,
0:04:51–0:04:54
wobei ich ja immer von Antrofic dann...
Micz Flor
0:04:54–0:04:55
Antrofic, Entschuldigung.
Florian Clauß
0:04:55–0:04:59
Hat mich auf jeden Fall, hat mich bei der Recherche unterstützt.
0:05:00–0:05:03
Aber was mir aufgefallen ist, das war wirklich so ein Thema,
0:05:03–0:05:09
was ich dann halt so aufgedrungen hatte. Nämlich, es geht auch wieder um Filme, es geht um Serien.
0:05:10–0:05:12
Du weißt, ich gucke sehr viel Serien, ne?
Micz Flor
0:05:12–0:05:12
Ja, ja.
Florian Clauß
0:05:12–0:05:14
Meine Kinder sind ja ...
Micz Flor
0:05:14–0:05:14
Aus dem Haus.
Florian Clauß
0:05:16–0:05:19
Deswegen, wenn du mir immer sagst, woher nimmst du diese Zeit?
Micz Flor
0:05:20–0:05:25
Die wurde mir gegeben, das ist negative Energie der Abwesenheit meiner Kinder.
Florian Clauß
0:05:25–0:05:29
Deswegen komme ich in den Genuss, viel Serien zu schauen, ich bin auch echt
0:05:29–0:05:32
ein großer Serienferien. Und mir ist aufgefallen.
0:05:33–0:05:37
Oder ich fange anders an. Allgemein in Filmen. Frage an dich.
0:05:38–0:05:45
Inwieweit ist denn jetzt so der Ort in einem Film oder in einer Serie eine maßgebliche Bedeutung?
0:05:46–0:05:55
Der Ort als wie auch immer gefasst, als echter Ort, als Stadt,
0:05:56–0:06:03
als narrativer Raum, als quasi Eigenschaftsraum oder sowas. Was fällt dir da spontan ein?
Micz Flor
0:06:03–0:06:06
Also wenn ich jetzt Serie und Film denke, dann denke ich bei Filmen sofort an
0:06:06–0:06:09
James Bond, weil das war dann immer so ein Ding früher, auch in der Werbung
0:06:09–0:06:16
vorneweg, die waren in den Meteoraklöstern und in Rom und der Showdown ist in San Francisco.
0:06:17–0:06:18
Also das waren ja immer Orte, die wurden angepriesen.
0:06:19–0:06:22
Ein anderer Classic, jetzt aus der Serienvorabend, der in Sachen ist Friends,
0:06:23–0:06:27
was mir einfällt, wo es ja dieses Kaffee, Coffee Perk oder wie das heißt,
0:06:28–0:06:29
gab, wo die sich immer wieder treffen.
0:06:29–0:06:33
Also das war quasi der Ort, es gab natürlich auch die Wohnung und sowas,
0:06:33–0:06:36
aber der Ort, der jetzt nicht privat war, war eben dieses Kaffee,
0:06:36–0:06:40
wo man sich immer wieder getroffen hat. Das fällt mir jetzt spontan dazu ein.
Florian Clauß
0:06:40–0:06:44
Ja, also man könnte es auch weiterfassen, wenn du dann halt irgendwie so Ort
0:06:44–0:06:47
im Sinne von quasi als Protagonist siehst.
0:06:48–0:06:50
Dann könnte Shining natürlich das Hotel als Ort.
Micz Flor
0:06:51–0:06:51
Ja, okay.
Florian Clauß
0:06:51–0:06:57
Oder bei Tschernobyl dann halt die Atomkraftanlage als Ort und so weiter.
0:06:57–0:07:02
Oder du kannst es halt so ganz konkret auffassen wie Emily in Paris,
0:07:03–0:07:06
also Paris als Ort, als Kulisse.
0:07:08–0:07:13
Oder Sex in the City, wo natürlich New York City der dreht.
Micz Flor
0:07:13–0:07:15
Oh, das ist New York. Ich hatte gesagt, das ist Tübingen.
Florian Clauß
0:07:18–0:07:23
Und dann habe ich mal auch so geguckt und mich gefragt, was meinst du,
0:07:23–0:07:30
wie das Top Ranking in Serien ist, die Orte, wo sie stattfinden.
0:07:31–0:07:33
Und Städte vor allen Dingen.
Micz Flor
0:07:33–0:07:37
Also bei Serien weiß ich, weil ich das neulich irgendwo Social Media-mäßig gesehen
0:07:37–0:07:42
habe, so dieses Manhattan, New York Map, King of Queens, Friends,
0:07:42–0:07:44
Seinfeld, Sex in the City hat er schon gesagt.
0:07:44–0:07:47
Also da wurde das quasi auf die Karte auch draufgeschrieben.
0:07:47–0:07:51
Man könnte da dann interessanterweise wirklich auch so Podcast-Walks machen,
0:07:51–0:07:53
wo man dann sich immer in diesen Vierteln aufhält.
0:07:54–0:07:56
Gibt es ja, da gibt es natürlich so City-Walks.
Florian Clauß
0:07:56–0:07:58
Wo da die Serien-Schauplätze abgelaufen werden.
Micz Flor
0:07:59–0:08:00
Also das, denke ich, ist die Nummer 1.
Florian Clauß
0:08:00–0:08:01
Platz 1.
Micz Flor
0:08:01–0:08:06
Dann würde ich sagen, Paris ist Platz 2. 3 ist London. 4 ist Rom.
Florian Clauß
0:08:07–0:08:11
Ja, 3 ist richtig. Paris kommt ein bisschen später. 2 ist LA.
Micz Flor
0:08:12–0:08:15
Ah, klar. Okay, Amerika. Man muss es, glaube ich, amerikanisch denken.
0:08:16–0:08:20
Und wahrscheinlich ist im Endeffekt Kanada auf Nummer 1, weil da alles gedreht wurde.
Florian Clauß
0:08:20–0:08:24
Und dann kommt Seoul und die asiatischen Länder und so weiter.
0:08:24–0:08:28
Aber tatsächlich ist 3 mein Thema. London.
Micz Flor
0:08:28–0:08:28
London.
Florian Clauß
0:08:28–0:08:30
Ja, London is calling.
Micz Flor
0:08:32–0:08:34
London calling, da müssen wir jetzt das Gema zeigen.
Florian Clauß
0:08:35–0:08:36
Ja, nicht, wenn du das singst.
Micz Flor
0:08:37–0:08:39
Nee, er kennt keine KI.
Florian Clauß
0:08:40–0:08:43
London, mir ist nämlich aufgefallen bei den ganzen Serien, die ich in der letzten
0:08:43–0:08:46
Zeit geguckt habe, dass die alle in London spielen.
0:08:46–0:08:51
Und das sind echt gute Serien. Also das sind wirklich, wirklich gute Serien,
0:08:51–0:08:55
die ich alle, ja, mehr oder weniger ausnahmslos empfehlen kann.
0:08:55–0:08:58
Ich gehe die gleich nochmal so durch, weil du wahrscheinlich keine davon kennst.
Micz Flor
0:08:59–0:09:02
Die einzige, die ich ja auch mal rumgeschickt hatte mit Chris auch im Chat,
0:09:02–0:09:05
war ja die Black Doves. Das war auf Netflix eine Serie.
0:09:05–0:09:08
Die fand ich wirklich ziemlich toll. Die spielt auch in London.
0:09:09–0:09:10
Black? Doves, Tauben.
Florian Clauß
0:09:11–0:09:12
Schwarze Tauben. Die habe ich noch gar nicht gesehen.
Micz Flor
0:09:12–0:09:16
Siehst du, das ist das beste Film. Hältst du dir auch für zuletzt eine zweite
0:09:16–0:09:18
Folge machen zu dieser Episode?
Florian Clauß
0:09:18–0:09:21
Ja, unbedingt. Nein, das geht halt auch zu den Serien, die in der letzten Zeit
0:09:21–0:09:22
quasi auch gedreht wurden.
0:09:23–0:09:27
Und die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Da geht es ja zeitnah, gucke.
0:09:27–0:09:33
Ganz aktuell steige ich gleich mit einer der hier ein, ist Mobland,
0:09:33–0:09:39
wo Guy Ritchie einige Folgen gedreht hat, also eigentlich eine Guy Ritchie-Folge, kann man so sagen,
0:09:40–0:09:44
und Tom Hardy die Hauptrolle spielt neben Pierce Brosnan.
0:09:45–0:09:47
Und da geht es um eine...
Micz Flor
0:09:47–0:09:52
Darf man sagen, welche Sender oder welche Webseite, welche URL?
Florian Clauß
0:09:52–0:09:57
Das ist Paramount Plus, hat das gedreht. Paramount ist jetzt evil,
0:09:58–0:10:00
also darf man nicht mehr uneingeschenkt empfehlen.
Micz Flor
0:10:00–0:10:01
Warum? Was ist bei Paramount?
Florian Clauß
0:10:01–0:10:05
Bei Paramount hat er die Colbert Show abgesetzt und bietet sich gerade Trump
0:10:05–0:10:10
an, um diesen einen Deal dann halt über die Bühne zu bringen.
0:10:10–0:10:11
Die wollen doch irgendwie merchen.
0:10:11–0:10:15
Mit wem habe ich vergessen. Aber deswegen ist gerade Paramount.
0:10:16–0:10:21
Gut angesagt. Es geht um eine super reichen Familie, die dann auch im Drogen-Business
0:10:21–0:10:25
ist, was bei vielen Serien in London vorkommt.
0:10:25–0:10:30
Drogen, Gangster und der Harrigan, der Patriarch der Familie,
0:10:30–0:10:33
gespielt von Pierce Brosnan in einer unglaublich guten Rolle,
0:10:34–0:10:38
der dreht ein bisschen frei und seine Frau auch, eine Patriarchin,
0:10:39–0:10:41
die so eine Hidden Agenda verfolgt.
0:10:41–0:10:44
Und Tom Hardy ist halt so ein Typ, der ist halt so straight.
0:10:44–0:10:46
Also wirklich, es macht Spaß, diese Serie zu gucken.
0:10:47–0:10:51
Ja, weil der ist so der Cleaner-Typ. Der muss halt ständig hinter denen herrollen.
0:10:51–0:10:54
Und es wird immer katastrophaler, so ein typischer Guy-Ritchie-Plot.
0:10:55–0:10:57
Also Guy-Ritchie ist ja so ein bisschen...
Micz Flor
0:10:57–0:11:00
Und das ist jetzt aber dann innerhalb von einer Episode oder über die ganze Art?
Florian Clauß
0:11:00–0:11:02
Nein, nein, das ist so der Bogen, das ist so der Einstieg. Also ich erzähle
0:11:02–0:11:04
nicht, ich spoil nicht so viel wie sonst.
0:11:06–0:11:09
Ich erzähle nicht Szene für Szene wie bei 28 Days Later.
0:11:12–0:11:19
Was mich dann immer so fasziniert London, wie kann London ist so eine Stadt die halt,
0:11:19–0:11:25
wo du jede Drehsekunde wahrscheinlich dann halt irgendwie 10.000 Pfund kostet,
0:11:25–0:11:30
ja, wie, warum ist das dann halt so ein Margant gerade für so Serienproduktion
0:11:30–0:11:32
und da habe ich halt so ein bisschen nachgedacht und recherchiert,
0:11:33–0:11:36
dass der Punkt ist, dass, wir haben ja bei London so verschiedene,
0:11:36–0:11:40
ich sage mal Strömungen, die gerade abgegangen sind. Brexit ist eine.
0:11:41–0:11:47
Brexit ist ja auch so mit dem Versprechen dann gekoppelt, quasi so ein Offshore-Gelände in London.
0:11:47–0:11:52
So ein bisschen wie Malaysia oder sowas. Oder Singapur, wo du dann halt dein
0:11:52–0:11:55
ganzes Business machen kannst, ohne groß Steuern zu zahlen.
Micz Flor
0:11:55–0:11:57
So eine Schweiz oder wie?
Florian Clauß
0:11:57–0:12:01
So eine kleine Schweiz, hat aber nicht funktioniert. Es ist tatsächlich eher
0:12:01–0:12:06
das Gegenteil, dass viele Leute eben abwandern, gerade in den ganzen Care-Bereich,
0:12:06–0:12:10
NHAs oder National Health Service, NHS,
0:12:11–0:12:15
genau, dass der davon stark betroffen ist vom Brexit, dass du auch die ganzen
0:12:15–0:12:18
Servicekräfte und so weiter wandern ab.
0:12:18–0:12:23
Es sind ja so in den 2000ern ganz viele osteuropäische Bürgerinnen und Bürger
0:12:23–0:12:29
nach England ausgewandert, haben da halt auch polnische Mitbürger,
0:12:29–0:12:32
die haben dann auch viel so in den Handwerksbereich und so weiter gearbeitet.
0:12:32–0:12:38
Das ist alles weg mit dem Brexit und eigentlich ist es so eine Verarmung gleichzeitig.
0:12:38–0:12:46
Finden wir aber einen Zuwachs an Produktion und in diesem ganzen Cultural Business
0:12:46–0:12:49
sozusagen, wo dann auch Film ein Teil davon ist,
0:12:49–0:12:53
hat es tatsächlich Zuwachs in London. Also die machen Plus.
0:12:54–0:12:59
Also ich habe dann auch mal geguckt, wie sieht dann quasi der Anteil vom Proto-Inlandsprodukt,
0:12:59–0:13:00
wir müssen jetzt hier links.
0:13:01–0:13:05
Hier waren wir schon. Hier haben wir doch die erste Stromgitarrenfolge aufgenommen.
Micz Flor
0:13:05–0:13:10
Ja, und hier habe ich auch eine der Folgen mit Chris aufgenommen, auch in Summono.
Florian Clauß
0:13:10–0:13:14
Ja, ja, die ist schon viel belaufen. Es ist schon dunkelgrau, das Quadrat hier.
0:13:15–0:13:20
Ich habe mal geguckt, was dann so vom Bruttoinlandsprodukt, wenn du verschiedene
0:13:20–0:13:25
westliche Länder miteinander vergleichst, was dann der Filmbereich ausmacht.
0:13:25–0:13:31
Und das ist so, dass natürlich Amerika ganz oben liegt mit 1,3 oder so Prozent
0:13:31–0:13:34
vom Bruttoinlandsprodukt, was die Filmwirtschaft dazu beiträgt.
0:13:34–0:13:39
Filmwirtschaft im breiteren Sinne, also alles, was dann quasi die Produktion
0:13:39–0:13:42
und so weiter, das ganze Catering und Business drumherum.
0:13:42–0:13:47
Und dann auch die Verwertung durch Tourismus oder sowas, dass du halt irgendwie
0:13:47–0:13:51
so Studios hast, wo dann die Zuschauerinnen das besichtigen können.
0:13:51–0:13:56
Also das nimmt man da alles mit rein. Ja, Amerika ganz oben und für Europa ist
0:13:56–0:14:01
tatsächlich England mit 0,8 Prozent oder 0,9.
Micz Flor
0:14:01–0:14:03
Ja, und Amerika ist wie viel?
Florian Clauß
0:14:03–0:14:06
1,3, 1,4, aber ist ja nicht weiter verwunderlich.
0:14:06–0:14:10
Deutschland liegt hinten im Vergleich, Frankreich kommt mit,
0:14:10–0:14:13
ich glaube, 0,8 Prozent und Deutschland bei 0,6.
Micz Flor
0:14:14–0:14:17
Also das ist aber England und Frankreich auf gleicher Ebene.
Florian Clauß
0:14:17–0:14:21
Ja, wobei natürlich, wenn du dann wieder pro Kopf umrechnest und so weiter.
0:14:22–0:14:27
Also England hat ein bisschen weniger Einwohner, Einwohnerinnen als Frankreich.
0:14:27–0:14:31
Also insofern ist das doch ein hoher, aber es ist ja schon gelevelt mehr oder
0:14:31–0:14:33
weniger durch das Bruttoinlandsprodukt.
0:14:33–0:14:36
Ich wollte nur mal so einen Umriss geben und es war ja auch schon immer so,
0:14:36–0:14:40
dass England so einen unglaublichen popkulturellen Ausfluss.
0:14:40–0:14:42
Die wissen einfach, wie man Shows macht.
0:14:42–0:14:46
Die können einfach gut produzieren und die können auch Fernsehserien machen und so weiter.
Micz Flor
0:14:46–0:14:50
Es ist eben auch, finde ich, die englische Sprache, so komisch,
0:14:50–0:14:55
dass das klingt, Aber durch die englische Sprache steigst du immer von oben ein.
0:14:56–0:14:59
Du steigst immer von oben ein, du wirst dann in Frankreich irgendwie Alan Parsons
0:14:59–0:15:05
Project heißen, da zwar On Unpare son Projet, aber abgesehen davon singt dann
0:15:05–0:15:06
doch jeder irgendwie mit.
0:15:07–0:15:12
Und meine Tochter ist jetzt elf und schreibt sich auch schon die Texte raus,
0:15:12–0:15:15
wenn sie englische Lieder hört und was wir ja alle irgendwie auch gemacht haben.
0:15:15–0:15:19
Ich glaube, das ist auch so eben, während du in Deutschland so ein Glas-Sealing
0:15:19–0:15:22
hast, das weiß ich nicht, in den 90er Jahren gab es halt so Sachen wie Blumenfeld,
0:15:22–0:15:25
wo ich halt ein großer Fan war, Gitarrenmusik sowieso. Und dann habe ich wirklich
0:15:25–0:15:30
dann gemerkt, gerade Blumenfeld, da kommst du halt nicht durch diese Glasdecke durch.
0:15:30–0:15:35
Gerade wenn du dann irgendwie auch intellektuell entweder bewusst oder zufällig
0:15:35–0:15:38
Sachen verwebst, da will keiner mehr zuhören.
0:15:38–0:15:42
Und das ist halt England, glaube ich, schon ein Riesending und die Sälen können
0:15:42–0:15:44
einfach immer überall laufen.
Florian Clauß
0:15:44–0:15:49
Auf jeden Fall. Also diese Sprachbarriere, die Frankreich und Deutschland hatten,
0:15:49–0:15:53
allein dadurch eben sich bestimmte Märkte nicht zu erschließen.
Micz Flor
0:15:53–0:16:01
Und England hat den absoluten Top-Hit erfunden, das wirklich in jedem Land laufen
0:16:01–0:16:06
kann, obwohl die schon englische Sprache haben überhaupt.
0:16:06–0:16:11
Aber das absolute globale Produkt, was überall laufen kann, fällt mir gerade
0:16:11–0:16:12
ein, ist schon das Schaf.
0:16:13–0:16:15
Da kommt keine Sprache.
Florian Clauß
0:16:15–0:16:17
Aber Sesamstraße. Achso, da kommt ja eine Stimme.
Micz Flor
0:16:18–0:16:24
Da kommt keine Sprache. und dann halt so super englisches Stage irgendwie, ne, alles und,
0:16:27–0:16:28
der Bauer.
Florian Clauß
0:16:28–0:16:33
Der dann tecken wird. Das macht man mit ins Charakter, weil ich schaue in der
0:16:33–0:16:35
Schaf. Ja, richtig, also.
Micz Flor
0:16:35–0:16:36
Auch eine Serie.
Florian Clauß
0:16:37–0:16:43
So, also wir haben eben da England auf Platz 1 in den europäischen Ländern,
0:16:43–0:16:49
was jetzt eben so diese Ausgabenbereich von Film- und Fernsehproduktionen anbelangt,
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was natürlich da auch mit reinragt.
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Wie du sagst, diese Sprache hindert jetzt erstmal auch nicht,
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dass du halt entsprechend Schauspielerinnen und Schauspielern,
0:16:59–0:17:02
die dann auch in amerikanischen Produktionen, das ist ja auch sehr verbreitet,
0:17:03–0:17:07
also schau dir diese Game of Thrones Serienproduktion an, wo dann eigentlich
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auch, das ist ja eine amerikanische Serienproduktion, aber eigentlich komplett
0:17:11–0:17:14
mit englischen Schauspielern und Schauspielerinnen besetzt.
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Also das heißt, Es gibt da so einen Riesenteppich an Produktionsbedingungen,
0:17:20–0:17:24
die dann auch England in diesem Feld so prädestiniert.
0:17:24–0:17:28
Und das war halt auch so, die Vorläufer, um halt dieses ganze ...
0:17:29–0:17:32
Diese ganze Industrie aufzubauen, ist halt natürlich Game of Thrones.
0:17:32–0:17:40
Ich rede jetzt von den 2000er Jahren, 2010er Jahren, Game of Thrones und natürlich welche...
Micz Flor
0:17:40–0:17:43
Sopranos. Achso, du meinst jetzt Englische.
Florian Clauß
0:17:43–0:17:47
Englische, ja. Was dann halt so zu dieser Infrastruktur in London dann geführt
0:17:47–0:17:50
hat, dass es halt so verbreitet ist.
Micz Flor
0:17:50–0:17:52
Also eine London-basierte Serie.
Florian Clauß
0:17:52–0:17:57
Nicht nur London-basierte, sondern allgemein irgendwelche britischen Seen.
Micz Flor
0:17:57–0:18:01
Wie heißt das? Stingens Blinding Sneakers? Das ist diese Birmingham-Serie auf Netflix.
Florian Clauß
0:18:01–0:18:03
Ja, diese Speaky...
Micz Flor
0:18:03–0:18:04
Queaky Squeaking Blinders.
Florian Clauß
0:18:05–0:18:09
Die auch Kilian Murphy in der Hauptrolle.
Micz Flor
0:18:09–0:18:10
Silian oder Kilian?
Florian Clauß
0:18:11–0:18:14
Kilian. Ich habe jetzt nochmal einen Podcast gehört, die haben explizit gedacht,
0:18:14–0:18:16
alle sagen Silian, aber er ist Kilian.
0:18:17–0:18:23
Kilian von der Kita. Aber es ist Kilian Murphy, Großge... Natürlich, das ist er.
0:18:24–0:18:28
Aber eine Kinoproduktion, die auch durch alles durchgegangen ist.
Micz Flor
0:18:28–0:18:29
Mission Impossible.
Florian Clauß
0:18:29–0:18:32
Das ist eine amerikanische Produktion.
Micz Flor
0:18:32–0:18:33
Aber in London.
Florian Clauß
0:18:33–0:18:34
Auch in London.
Micz Flor
0:18:34–0:18:37
James Bond sicher nicht, das habe ich ja vorhin schon erwähnt.
Florian Clauß
0:18:37–0:18:41
Genau, James Bond hat auch damit zum Teil beigetragen, weil das natürlich urbritisch ist.
Micz Flor
0:18:41–0:18:44
Ach so, hier Jason Bourne, oder? Bourne Identity.
Florian Clauß
0:18:44–0:18:48
Bourne kam auch noch dazu, aber ich meine, ich meine jetzt die Serie,
0:18:49–0:18:53
wo es sieben, acht Teile gibt von Kinoteilen. Harry Potter.
Micz Flor
0:18:53–0:18:54
Ah, Harry Potter.
Florian Clauß
0:18:54–0:18:58
Harry Potter, die haben ein ganzes, Meine Schwester war neulich mit ihrer Familie
0:18:58–0:19:00
auch in London, hat London besucht.
0:19:00–0:19:06
Und die waren in diesen Studios, wo die sämtlichen Harry-Potter-Gegenstände
0:19:06–0:19:09
ausgestellt sind. Und sie war ganz begeistert.
0:19:10–0:19:13
Also das heißt, Harry Potter hat so diese Infrastruktur getankt.
Micz Flor
0:19:13–0:19:15
Genau, und in Frankreich Harry Potter.
Florian Clauß
0:19:17–0:19:20
Und in Deutschland Harald Töpfer.
Micz Flor
0:19:20–0:19:21
Harald Töpfer.
Florian Clauß
0:19:21–0:19:24
Ja gut, den Witz haben wir jetzt nicht liegen gelassen. konnten wir nicht.
Micz Flor
0:19:24–0:19:28
Und es gab sogar eine Referenz in Friends mal.
Florian Clauß
0:19:28–0:19:29
Über?
Micz Flor
0:19:29–0:19:31
Über Harry Potter. Echt?
Florian Clauß
0:19:31–0:19:33
Ich dachte, Friends wäre in den 90ern.
Micz Flor
0:19:33–0:19:36
Die waren nämlich ja auch in England. Die haben ja damals irgendwie auch so
0:19:36–0:19:42
ein Bier als Product Placement, haben die so ein Bier total in England hochgepusht.
0:19:42–0:19:43
Ich habe jetzt vergessen, welches.
0:19:44–0:19:50
Aber da war es dann auch so, dass Joey auf seiner Rechnung ganz viele Pornofilme gesehen hat.
0:19:50–0:19:53
Und der eine hieß Dr. Doomy a Little.
0:19:54–0:19:56
Und der andere hieß Harry Potter.
Florian Clauß
0:19:57–0:19:57
Ja, oh nein.
Micz Flor
0:20:00–0:20:01
Mit Snoop Doggy Dog.
Florian Clauß
0:20:01–0:20:03
Das war doch eine Produktions-
Micz Flor
0:20:03–0:20:05
Manche Sachen kann ich leider nicht vergessen.
Florian Clauß
0:20:07–0:20:12
Das ist so der Bereich, wo sich diese britischen Studios dann auch so profiliert
0:20:12–0:20:15
haben. Und jetzt diese ganzen Serien, die auch entstanden sind.
0:20:15–0:20:20
Gerade die großen Streaming-Dienste haben alle Deport-Dancen in London aufgebaut.
0:20:21–0:20:28
Also Apple TV und Netflix und MGM Prime, also Amazon.
0:20:28–0:20:32
Die haben jetzt auch da große Studios natürlich angemietet.
0:20:33–0:20:37
Es wird auch im Studio-Gelände, also es werden überall so Sachen ausgebaut.
0:20:37–0:20:40
Also die Infrastruktur wird immer weiter aufgebaut.
0:20:40–0:20:46
Und was auch nochmal ist, ist, dass sich durch diese hochgradigen Produktionen.
0:20:46–0:20:53
Da auch total starke Visual Effects, also das VFX,
0:20:54–0:20:58
diesen Bereich, also für die Pre-Production, für die Post-Production vor allen
0:20:58–0:21:04
Dingen, CGI-Rending und so weiter, dass sich da auch ganz viele kleine Studios
0:21:04–0:21:07
entwickelt haben, bis hin zu großen Firmen, die das dann halt auch anbieten können.
0:21:07–0:21:12
Da ist auch London wirklich ein Pflaster, was diesen Bereich total gut abdecken kann.
0:21:13–0:21:17
Also nochmal da im Gegensatz, die Special Effects sind ja alles Sachen,
0:21:17–0:21:19
die dann beim Dreh aufgebaut werden.
0:21:19–0:21:23
Alles, was dann so Green Box, Blue Box, bla bla, alles drumherum,
0:21:23–0:21:28
alle diese ganzen Visual Effects, die werden ja dann später auch in der Postproduktion gemacht.
0:21:29–0:21:33
Beziehungsweise auch beim Dreh, es gibt ja Mandalorian, der auch dann halt diese
0:21:33–0:21:37
Green Box beim Live-Dray dann halt auch gleich mit verwertet hat.
0:21:37–0:21:40
Hatten wir ja so ein bisschen gesprochen, also es wird so eine kleine Metafolge.
0:21:41–0:21:45
Also hatten wir ja auch vor einem Jahr war die, glaube ich, rausgekommen.
Micz Flor
0:21:45–0:21:47
You have my full attention.
Florian Clauß
0:21:47–0:21:49
KI in der Filmwirtschaft.
Micz Flor
0:21:50–0:21:52
Das ist ja genau, das ist jetzt die Anbindung.
Florian Clauß
0:21:52–0:21:55
So ein bisschen, ja, so ein bisschen. Also ich will so ein bisschen so ein Drehkreuz
0:21:55–0:21:58
da machen. Also da habe ich ja jetzt schon gesprochen.
0:21:59–0:22:05
Aber es ist halt so eine Faszination, die mir dann halt auch dieses Phänomen
0:22:05–0:22:06
überhaupt erklären konnten.
0:22:06–0:22:13
Okay, England hat da was aufgebaut, was jetzt hier jemand, Berlin hat jetzt
0:22:13–0:22:16
nicht, oder wenn du Berlin als die Hauptstadt dann vergleichst,
0:22:16–0:22:19
gibt es auch einige Serien, Dogs of Berlin,
0:22:20–0:22:24
Cleo, wie heißt diese von Dominic Graf, die Serie, im Angesicht des Verbrechens?
Micz Flor
0:22:24–0:22:26
Ja, aber das ist ja auch schon 20 Jahre her.
Florian Clauß
0:22:26–0:22:28
Ich sag nur, es gibt dann halt so ein paar...
Micz Flor
0:22:28–0:22:31
Es gibt auf Netflix eine ganze Reihe von deutschen Serien, deren Namen mir jetzt
0:22:31–0:22:32
aber nicht einfallen und,
0:22:33–0:22:36
Und es ist interessant, weil wenn ich deutsche Serien auf Netflix, ich gucke ja wenig.
0:22:36–0:22:39
Wir können ja allgemein auch nochmal drüber reden, was sind Serien,
0:22:39–0:22:41
was sind Filme und was bedeuten die uns.
Florian Clauß
0:22:41–0:22:43
Wir müssen jetzt hier nochmal über die Brüse.
Micz Flor
0:22:43–0:22:47
Und es ist aber immer so, wenn da deutsche Serien sind, dann gehe ich da so rein.
0:22:48–0:22:51
Zum Beispiel ist es allen jetzt ja auch verfilmt worden, achtsam morden.
Florian Clauß
0:22:52–0:22:52
Ja, ja.
Micz Flor
0:22:52–0:22:54
Also es macht auch Spaß.
Florian Clauß
0:22:54–0:22:55
Ja, mit Tom Schilling.
Micz Flor
0:22:55–0:22:58
Ja, und es fühlt sich aber immer auch so irgendwie deutsch an.
0:22:58–0:23:01
Und ich habe dann immer so die Frage, ob wenn Dänen deutsche Serien gucken,
0:23:02–0:23:05
ob für die das so wirkt, wie wenn ich dänische Serien gucke,
0:23:05–0:23:08
die dann immer irgendwie so ein bisschen cooler scheinen als die Deutschen.
Florian Clauß
0:23:08–0:23:13
Ich glaube, also ich finde, das Gefühl hat sich da doch irgendwie,
0:23:13–0:23:15
ist besser geworden, sag ich
0:23:15–0:23:18
mal, dass man da auch schon diesen Coolness-Faktor und dieses irgendwie,
0:23:19–0:23:22
das war dann in den, weiß ich nicht, vor 20 Jahren war es mal anders,
0:23:22–0:23:26
aber diese hochgradigen Produktionen durch die Streaming-Dienste und so weiter,
0:23:27–0:23:31
ich glaube, da ist schon jetzt viel Braindrain hingeflossen,
0:23:31–0:23:34
dass das halt auch jetzt so von Deutschen so gemacht werden kann,
0:23:34–0:23:35
würde ich mal behaupten.
0:23:35–0:23:39
Aber ich will nur sagen, da sind schon andere Ligen, sag ich mal,
0:23:40–0:23:42
von Serienproduktionen.
Micz Flor
0:23:43–0:23:46
Ja, ich meine, London allgemein so als Ort, weil du das jetzt so hochgehoben
0:23:46–0:23:49
hast, London, also nicht England, allgemein so in der Ort, da habe ich ja auch
0:23:49–0:23:52
eine Zeit lang gewohnt und ich weiß lange nicht mehr da.
0:23:52–0:23:55
Ich kriege es aber immer noch so mit von Erzählungen und teilweise eben auch
0:23:55–0:23:57
von Fotomaterial oder See.
0:23:57–0:24:02
Und ich habe so dieses Gefühl, dass London so ein bisschen diese ewige Stadt
0:24:02–0:24:05
wird, die Rom irgendwann mal ablöst, Weil das Verrückte ist,
0:24:05–0:24:11
glaube ich, entweder England hat viel Geld, dann investieren die in die City of London und bauen auf.
0:24:11–0:24:16
Oder nach dem Brexit wird das Pfund irgendwie total schwach erst mal.
0:24:17–0:24:20
Und die Leute, die sowieso schon Steaks in der Stadt haben, kaufen sich noch
0:24:20–0:24:23
mehr da rein und die Stadt wird aufgebaut.
0:24:23–0:24:27
Also egal, ob das Pfund hoch ist oder niedrig, irgendwie funktioniert das da
0:24:27–0:24:29
und es geht einfach immer höher.
0:24:30–0:24:32
Also entweder ist es das Geld von außen, was baut, was drin.
0:24:32–0:24:35
Und wenn du jetzt diese Serien auch guckst, zum Beispiel Black Doves.
0:24:36–0:24:39
Das sind dann halt eben so Teile in London, die man irgendwie auch so kennt.
0:24:39–0:24:43
Und ich glaube nicht, dass es an der Post-Production so gepinselt wurde,
0:24:43–0:24:46
sondern das ist alles so super clean geworden.
0:24:47–0:24:51
Es ist Wahnsinn, wo du das Gefühl hast, das ist jeder Stein,
0:24:52–0:24:56
der da irgendwie so in diesen Bürgersteig reingehämmert wurde,
0:24:56–0:24:58
kostet halt irgendwie 20 Pfund.
0:24:58–0:25:03
Und wurde mit der Wasserwaage von irgendwelchen MaurerInnen,
0:25:03–0:25:08
die zwei PhDs haben müssen, bevor sie arbeiten dürfen, reingemacht.
0:25:08–0:25:14
Also das ist wirklich einfach unfassbar, wie poliert das ist und wie teuer das sein muss.
Florian Clauß
0:25:14–0:25:17
Ich wollte ja auch so ein bisschen drauf hinaus, aber auch auf deine Erfahrung.
0:25:18–0:25:23
Du hast ja da wirklich mehrere Jahre oder mindestens ein Jahr da gewohnt.
0:25:23–0:25:29
Du warst auch, ich habe dich damals besucht, das war ja in Shoreditch hast du
0:25:29–0:25:30
in dem Bezirk auch gewohnt.
Micz Flor
0:25:30–0:25:35
In den 90er Jahren war das, das war 94, 95 96, so um die Zeit echt.
Florian Clauß
0:25:36–0:25:37
94, 95?
Micz Flor
0:25:37–0:25:42
Da war ich in Manchester aber, nee, Ende, 97 97.
Florian Clauß
0:25:42–0:25:48
Genau, also wir haben uns ja so 95 kennengelernt und dann gemeinsam 95 bin.
Micz Flor
0:25:48–0:25:52
Ich nach Berlin gekommen, haben uns kennengelernt dann bin ich abgehauen aber
0:25:52–0:25:54
du wolltest nicht anders, als mir hinterher zu schnüffeln.
Florian Clauß
0:25:55–0:26:01
Ich muss sagen, London ist die Stadt, die ich am meisten besucht habe in meinem
0:26:01–0:26:03
Leben. Gerade wird es abgelöst ein bisschen durch Paris.
0:26:04–0:26:06
Aber man gönnt sich ja sonst nicht.
0:26:07–0:26:14
Du Armer. London habe ich schon damals in den 80ern, wo wir den Ferienaustausch gemacht haben.
0:26:14–0:26:18
Ich war ja immer in Bournemouth oder Hastings oder Isle of Wight und habe da
0:26:18–0:26:20
meine Sommerschule gemacht.
Micz Flor
0:26:20–0:26:21
Das wusste ich gar nicht.
Florian Clauß
0:26:21–0:26:26
Ja doch, ich war immer da und mit 13 das erste Mal habe ich auch mit dem Rauchen
0:26:26–0:26:29
angefangen, weil ich so geil fand, das ist ein Doppeldecker-Bus,
0:26:29–0:26:30
dass man oben rauchen konnte.
Micz Flor
0:26:32–0:26:33
Du hast auch Gedichte geschrieben.
Florian Clauß
0:26:34–0:26:38
Ich bin immer rauchen, ein Doppeldecker-Bus mit den anderen und wir sind dann
0:26:38–0:26:42
halt immer nach London gefahren, das war dann immer so ein Tag,
0:26:42–0:26:46
wo man dann halt irgendwie mit dem Zug, es war alles gut angebunden und wir
0:26:46–0:26:48
haben da Carnaby Street besucht.
Micz Flor
0:26:48–0:26:53
Aber in London musste man gefühlterweise schon immer damals 20 Pfund,
0:26:53–0:26:57
jetzt wahrscheinlich 50 Pfund in der Tasche haben, bevor man das Haus verlässt.
Florian Clauß
0:26:57–0:27:01
Genau, sobald du über die Straße gequert hast, hast du alles verloren.
Micz Flor
0:27:01–0:27:03
Das muss ja damals auch schon ein Thema gewesen sein, als Jugendlicher.
Florian Clauß
0:27:04–0:27:07
Das war alles Schweine und vor allen Dingen war das Pfund jetzt ganz anders.
0:27:07–0:27:10
Das ist nämlich noch der andere Effekt von Brexit und warum man halt so viel
0:27:10–0:27:15
Invest hat in der Business, in der Filmbranche, ist einfach,
0:27:15–0:27:19
dass der Pfund halt gerade für alle anderen so gut steht und für die Briten nicht so gut.
0:27:19–0:27:24
Also das ist halt so. Aber, was du schon gedacht hast, das letzte Mal war ich
0:27:24–0:27:27
jetzt vor Covid in London.
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Und was mich da wirklich erschlagen hat, ist, dass London komplett die Skyline
0:27:34–0:27:37
sich absolut verändert hat. Das ist Wahnsinn.
0:27:37–0:27:42
Und es sind ja, also einer meiner Lieblingsplätze, das habe ich auch mit Ali
0:27:42–0:27:48
darüber kurz besprochen, nämlich ist es die Tate Modern. Und die Tate Modern hat einen Anbau.
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Auch jetzt dann, ich glaube in den 2010er Jahren ist der fertig geworden.
0:27:52–0:27:55
Das ist so ein kleiner Tower mit Aussichtsplattform.
0:27:56–0:28:02
Und ich war auch in den 2000ern ziemlich häufig in London, da hat Tupes gewohnt.
Micz Flor
0:28:02–0:28:02
Ja.
Florian Clauß
0:28:04–0:28:08
Die habe ich auch oft besucht, dann mit Kindern zusammen und die haben auch
0:28:08–0:28:10
in Shoreditch gewohnt und die waren dann quasi in Shoreditch,
0:28:10–0:28:16
muss man auch sagen, das Viertel, was dann an der City of London grenzt und was so das,
0:28:16–0:28:21
wo dann die Gentrifizierung glaube ich am sichtbarsten durchgelaufen ist.
0:28:22–0:28:24
Bei dir war das noch so ein pakistanisches Viertel?
Micz Flor
0:28:24–0:28:28
Ja, ich kann das noch gar nicht wirklich sagen, weil damals war es schon irgendwie,
0:28:28–0:28:33
es war einerseits, wenn man es Berlin vergleicht, vielleicht mit Neukölln in
0:28:33–0:28:36
den 80ern, keine Ahnung, das wurde mir von ein paar Leuten mal erzählt,
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die dann da in der Schule oder im Studium dann halt nach Neukölln gingen,
0:28:41–0:28:43
aber immer in Dreiergruppen sein sollten, das sei so gefährlich und sowas.
0:28:44–0:28:49
Aber Schordisch war damals schon so, dass halt Huxon Square und Brick Lane und
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so, das war zwar alles noch irgendwie so Milieu.
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Also man ging da hin und war irgendwie auch ein bisschen fremd in der eigenen
0:28:56–0:28:59
Stadt, aber es war schon so entwickelt.
0:28:59–0:29:03
Und auch damals war die YBA, so Young British Artist Szene, war auch da.
0:29:03–0:29:06
Da waren schon Galerien, da haben Leute Reihenhäuser gekauft.
0:29:06–0:29:08
Also die Gentrification war da enorm.
0:29:08–0:29:12
Und die, die dann da irgendwie gekauft hatten, irgendwelche neureiche Künstler.
0:29:13–0:29:14
Die haben das irgendwie alles auch schön gemacht.
0:29:14–0:29:17
Also es war trotzdem immer so, dass es dann auch noch so diese Sache gab von
0:29:17–0:29:21
wegen, boah, schon ein bisschen unheimlich hier, dich zu besuchen.
0:29:21–0:29:22
Also es kam auch noch irgendwie so ein bisschen dazu.
0:29:23–0:29:26
Also das, was wir in der Folge über Drood hatten, dieses East London,
0:29:26–0:29:31
das war halt eben dieses Charles Dickens Dickensian East London war halt eben
0:29:31–0:29:37
das der Säufer der Huren, der Opiumhöhlen so und wo Leute einfach quasi in den
0:29:37–0:29:40
Fluss geschmissen werden und keiner schreit mir danach.
0:29:41–0:29:48
Die Stimmen Gewirre der ganzen Welt über Seemänner meistens und Huren irgendwie. Also so dieses Bild.
0:29:48–0:29:51
Das ist glaube ich sowas, was East was ich in London lange hatte.
0:29:51–0:29:54
Und ich weiß jetzt auch nicht mehr, wie es ist. Als ich da gewohnt habe,
0:29:54–0:29:56
war das in der Nähe von diesem Roundabout.
0:29:57–0:30:03
Ich glaube Anfang 20. Jahrhundert gebaute Brickhäuser, die ziemlich hoch waren.
0:30:04–0:30:06
Und es war ganz interessant, weil.
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Da gab es dann irgendwie so mal eine Ausstellung dazu, wie halt vor 100 Jahren
0:30:10–0:30:11
das alles verslampt war.
0:30:11–0:30:15
Und in diesen Zwei-Zimmer-Wohnungen wohnten dann halt fünf Leute drin oder so.
0:30:16–0:30:22
Und wir wohnten zu dritt, Pärchen, ich mit meiner Freundin und noch eine andere
0:30:22–0:30:24
Freundin, wohnten auch irgendwie so auf so engem Raum.
Florian Clauß
0:30:24–0:30:30
Stimmt, ich kann mich noch daran erinnern, das waren auch so diese roten Backsteine.
Micz Flor
0:30:30–0:30:34
Ja, ja, aber die waren halt ziemlich hoch, so klein. Wie es die auch in Berlin
0:30:34–0:30:37
manchmal so gibt, wo man immer sagt, so Arbeiterviertel oder so.
0:30:37–0:30:40
Ich weiß nicht, ob es das da war, aber ich habe damals schon irgendwie gedacht, ach interessant.
0:30:41–0:30:44
Und in Berlin ist es jetzt ja auch so ein bisschen so, der Wohnraum in Berlin
0:30:44–0:30:49
ist so knapp, dass da halt diese Zille-Bilder von jeder hat ein Zimmer gemietet.
0:30:50–0:30:53
Das ist jetzt ja gar nicht so weit weg wie die Realität. Und trotzdem kommt
0:30:53–0:30:55
es dann wie so Vergangenheit vor.
0:30:56–0:30:59
Also ich hatte das Gefühl, dass Wohnraum in London schon immer ein Problem war.
0:31:00–0:31:03
Anders als zum Beispiel Manchester, wo ich ja studiert hatte zwei Jahre und
0:31:03–0:31:07
wo es halt rückblickend Wahnsinn war, dass es direkt in der Innenstadt dann
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teilweise so Straßenbereiche gab, die halt wirklich einfach komplett leer waren.
0:31:12–0:31:16
Die wurden nicht entleert, weil da gebaut wurde oder sowas, die waren einfach
0:31:16–0:31:19
leer, da wollte keiner wohnen. Und da verfielen die Häuser so.
0:31:19–0:31:25
Und in dem Books of Blood von, wie heißt der nochmal der, der auch Hellraiser
0:31:25–0:31:28
geschrieben hat. Okay, der Auto von Hellraiser.
0:31:28–0:31:32
Man möge uns verzeihen. Der hat auch eine Geschichte, die da dann irgendwie
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so spielt. Der war ja aus Liverpool ursprünglich.
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Und da ist halt so ein Mann, der hat so eine Frau einsperrt,
0:31:38–0:31:40
um ihr Ich zu zerbrechen so ein bisschen.
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Und die ist halt einfach in einem so einem Reihenhaus eingesperrt und keiner
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hört sie, weil da niemand mehr wohnt. Das ist mitten in der Stadt.
0:31:46–0:31:48
Und das gab es in London, glaube ich, in der Form nie.
Florian Clauß
0:31:48–0:31:54
Also man muss ja auch sagen, dass in den 80ern ist ja auch London und auch überhaupt
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die ganze Countryside von England ziemlich verarmt.
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Das war ja diese Thatcher-Area, die dann halt auch angefangen hat,
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wo dann diese schonungslose Privatisierung von allem, was dann auch zu einer
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Deregulation der ganzen Finanzmärkte geführt hat.
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Das ist ja auch das, was dann letztendlich City of London als das Finanzarea
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dann groß gemacht hat, beziehungsweise Canary Wharf, Isle of Dog hinten.
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Das war ja diese Reform, die, ich glaube, am 25.10.1986 dann durchgeführt wurde.
Micz Flor
0:32:33–0:32:39
Das ist aber jetzt mal dein Datenschiff. Ich glaube, da bist du aber vom Wissen,
0:32:39–0:32:42
bist du ein bisschen abgedrückt, wolltest dich sichern. Aber okay,
0:32:42–0:32:45
dieser Datenpfeil heimert sich gerade ins Bullseil.
Florian Clauß
0:32:45–0:32:50
Das ist voll ins Bullseil. Nein, aber da hat sich dann eben durch diese Deregulation,
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hat sich ja da der komplette Finanzmarkt umgekrempelt.
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Es ging ja so weit, dass dann tatsächlich die ganzen Amerikaner auch große...
0:33:03–0:33:09
Und Brokers und so weiter in London aufgebaut haben aufgrund dessen,
0:33:09–0:33:12
ja, und dass dann hier diese ganze Juppie-Kultur so reingekommen ist,
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na, das war ja dann in den 80ern.
0:33:15–0:33:19
Und was auch total spannend ist, was mir dann auch erst mal so klar geworden ist,
0:33:20–0:33:26
warum diese Wolkenkratzer jetzt überall da sind auf einmal und vor allen Dingen
0:33:26–0:33:28
in diesen Finanzvierteln,
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ja, Weil die natürlich dahin gehören auf der einen Seite, aber auf der anderen
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Seite haben wir mit dem District City of London.
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Ja, das ist ja so ein ganz geschichtsträchtiger Bereich von London.
Micz Flor
0:33:45–0:33:49
The City of London. What? The City of London. City of London.
0:33:49–0:33:52
Das ist im Prinzip eine Square Mile.
Florian Clauß
0:33:52–0:33:58
Also da sind wir wieder bei Squadrats, eine Square Mile, die dann vom Uwe der Temsel um St.
0:33:58–0:34:02
Pauls rumgeht, wo dann auch Shortage anschließt und im Norden ist dann auch
0:34:02–0:34:04
Barbican dran und so weiter.
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Das ist so im Prinzip dieses ganze Bankierviertel. Und es geht,
0:34:08–0:34:14
dieser Bereich ist immer noch ein unabhängiger Verwaltungsbereich und nicht
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direkt eine eigene Grafschaft und eine eigene Polizei hat.
Micz Flor
0:34:18–0:34:22
Das heißt, das ist das Berlin und der Rest von London ist wie Brandenburg.
Florian Clauß
0:34:22–0:34:26
Nee, ich würde eher sagen, das ist das Kowloon. Das ist so das Kowloon City.
0:34:26–0:34:28
Das ist wirklich so ein Wohlwolle.
Micz Flor
0:34:28–0:34:31
Jetzt ziehst du aber, die, die es nicht kennen, jetzt ziehst du aber so eine kriminellen Karte.
Florian Clauß
0:34:32–0:34:33
Ja, ist auch so.
Micz Flor
0:34:33–0:34:37
Du machst jetzt quasi Kiki Blind, das heißt jetzt. Jetzt machst du so eine neue Serie auf.
Florian Clauß
0:34:37–0:34:40
Wirklich. Also ich komme gleich nochmal zu diesen Serienstoffen,
0:34:40–0:34:43
die dann halt auch diese Thematik verwursten.
0:34:44–0:34:52
Aber Kowloon City, nur um das nochmal zu erklären, Das war ein Fort in der Nähe von Hongkong.
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Also auf jeden Fall in China, was dann die Briten installiert hatten,
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schon irgendwie bei dem Opiumkriegen, glaube ich, dann rausgefallen.
0:35:01–0:35:05
Ja, was dann auch so Sonderrechte hatte und ganz lange diese Sonderrechte behalten hat.
0:35:05–0:35:08
Und letztendlich war das so ein eigenes, es war wirklich ein Ford,
0:35:09–0:35:12
was nicht größer als ein Kilometer oder noch weniger war.
0:35:13–0:35:17
Was im Prinzip dazu geführt hat, dass das komplett selbstverwaltet war.
0:35:17–0:35:23
Und dieser ganze Bereich wurde so zugebaut, dass quasi da kein Blatt mehr dazwischen gegangen ist.
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Und die haben dann überall in die Höhe gebaut, nur um diese wirtschaftliche
0:35:28–0:35:30
Sonderzone komplett auszunutzen.
0:35:30–0:35:34
Und da gab es keine, also das wurde alles komplett selbst reguliert.
0:35:34–0:35:36
Es waren dann halt also Banden geführt und so weiter.
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Also die haben eigene Infrastruktur, eigene Health Service, eigene Polizei und so weiter aufgebaut.
0:35:41–0:35:48
Und das war so die Vorlage. Ich glaube, es wurde so 2004 oder 2005 abgerissen.
0:35:48–0:35:51
Das war so die Vorlage für ganz viele Filme.
Micz Flor
0:35:51–0:35:52
Unter anderem Dread, oder?
Florian Clauß
0:35:52–0:35:56
Dread, genau. Dread geht auch. Ja, da musste ich auch dran denken.
0:35:56–0:36:02
Dread, aber auch vor allen Dingen, die sind dann Leute mit Laser-Vermessungsinstrumenten
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sind durch, haben das ausgemessen und dann wurde das ja zu so einem Spiele auch verwurstet.
0:36:07–0:36:12
Also das heißt, ich dachte, du hättest mir das erzählt. Aber es gibt tatsächlich
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so 1-zu-1-Architektur aus dem Kowloon-City, die dann halt in irgendwelchen Spielen
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drin vorkommen und dann das ganze Szenario dann aufbauen.
0:36:21–0:36:25
Also das ist so ein bisschen, macht City of London nichts anderes,
0:36:25–0:36:30
mit diesen ganzen Skyscrapern einfach in die Höhe zu gehen, um Platz möglichst
0:36:30–0:36:35
da auszunutzen, weil da ist nicht viel Platz. Und der Platz City of London hat
0:36:35–0:36:36
eben diese Sonderrechte.
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Es wird ja auch davon gesprochen, dass eben London eine große Gäste,
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Anlage ist. Ganz viel, aber ich begebe mich jetzt so ein bisschen auf Halbwissen, aber ich...
Micz Flor
0:36:49–0:36:50
Und Glatteis. ...lässt.
Florian Clauß
0:36:50–0:36:52
Mich gut erzählen. Das ist eine gute Geschichte.
Micz Flor
0:36:53–0:36:57
Wir machen ja, wir machen gerade einen neuen Sälenpitch.
Florian Clauß
0:36:57–0:37:07
Dass ganz viel dieser Bauten auch von eben vom Ausland finanziert wurden.
0:37:07–0:37:13
Also ich glaube, der Schad, die Scherbe, das ist so dieses Das Pyramidenförmige,
0:37:13–0:37:16
was sich auf der anderen Seite von der Thamse befindet.
0:37:17–0:37:20
Also die City of London ist nördlich, Schad ist südlich.
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Das ist komplett von irgendwelchen arabischen Finanziers aufgebaut worden.
0:37:28–0:37:32
Es gibt ganz viel sogenannte Oligarchitektur.
0:37:32–0:37:34
Also quasi von Oligarchen.
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Oligarchitektur. Oligarchitektur. Also das heißt, ganz viel aus Russland ist
0:37:42–0:37:43
an Geldern da reingeflossen.
Micz Flor
0:37:44–0:37:47
Ja, auch in die Fußballclubs zum Beispiel. Da waren ja auch,
0:37:47–0:37:51
glaube ich, eine Reihe von russischen Investoren. Zumindest war das nicht bei Arsenal?
0:37:51–0:37:54
Ich weiß nicht mehr. Das ist jetzt bei mir ein dünnes Angst.
Florian Clauß
0:37:54–0:37:56
Ja, nee, aber passt, passt.
Micz Flor
0:37:56–0:37:57
Würde passen, genau.
Florian Clauß
0:37:57–0:37:58
Passt ins Narrativ.
Micz Flor
0:37:59–0:38:01
Zweite Folge in der dritten Staffel.
Florian Clauß
0:38:01–0:38:06
Ganz viele Immobilien wurden da auch eben aufgebaut, aufgekauft und so weiter.
0:38:06–0:38:13
Und wirklich dieser Startschuss, dass City of London eben so viele Wolkenkratzer
0:38:13–0:38:16
hat, weil das ist ja nicht groß, war ja auch diese, wie ich schon erwähnt habe
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von Michael Thatcher, diese Deregulation.
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Und dann ist natürlich die Frage, woher kommen die Grundstücke?
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Weil du bist in London und das wollte ich noch sagen, warum hat City of London diese eigenen Gesetze?
0:38:28–0:38:34
Das geht auf William the Conqueror zurück, der nach der Schlacht von Hastings
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diesen Bereich, war 1066...
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Da war dieser Bereich von London eigentlich die ganze Stadt.
0:38:42–0:38:45
Und die haben mich halt, alle anderen sind drumherum gefeilen,
0:38:45–0:38:46
die ganzen Grafschaften haben aufgegeben.
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Aber die haben halt so tapfer weitergekämpft, dass dann halt der William the
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Conqueror den Bewohnern von City of London diese Sonderrechte eingestanden hat.
0:38:56–0:39:01
Und die gehen halt so weit zurück und jeder, so dieses Gentleman Agreement ist
0:39:01–0:39:02
halt immer, ja wir schweigen da.
0:39:02–0:39:06
Es geht halt um so tausend Jahre Tradition. Das ist halt irgendwie nichts,
0:39:06–0:39:08
nichts hat mehr Bestand.
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Kannst du halt in Amerika auch nicht sagen so.
Micz Flor
0:39:11–0:39:11
Wusste ich auch nicht.
Florian Clauß
0:39:12–0:39:15
Verrückt, dass das halt wirklich so immer noch in dieser Bestandslinie liegt,
0:39:16–0:39:19
obwohl das, glaube ich, ein bisschen mystisch ist als dann tatsächlich real.
Micz Flor
0:39:19–0:39:22
Naja, ich weiß nicht, man ist ja auch in der Gesetzgebung so,
0:39:22–0:39:29
dass es halt eine andere Gesetzgebung ist, als wenn du zum Beispiel Scheidung in der EU machst.
0:39:29–0:39:31
Dann gibt es halt irgendwie Recht in eine Richtung.
0:39:31–0:39:34
In Amerika und England ist es eben anders.
0:39:34–0:39:37
Und ich weiß nicht mehr genau, was da der Unterschied ist. Also alles,
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was man vorher irgendwie schriftlich festgehalten hat und sowas,
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das spielt alles keine Rolle.
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Das liegt im Endeffekt nur daran, was der Richter so mittags gegessen hat,
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dass er danach nach dem Mittag eine gute oder schlechte Laune hatte.
0:39:48–0:39:50
Ja, egal. Aber insofern, ich glaube schon, dass diese Gesetzgebung auch eben
0:39:50–0:39:52
eine sehr andere ist. Und da kenne ich mich nicht wirklich aus.
Florian Clauß
0:39:52–0:39:59
Zumal führt es eben dazu, dass dieser District dann besondere Möglichkeiten hat, sage ich mal.
0:40:00–0:40:04
Und mit dieser, also ein smuggles Hatcher dann quasi das Go gegeben hat für
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diese Deregulierung. dann sind halt auch über Dekaden haben sich dann Leute,
0:40:08–0:40:13
dann Investoren immer so Grundstücke, so puzzelmäßig zusammengekauft.
0:40:13–0:40:16
Und du brauchst ja für den Skyscraper jetzt kein großes Grundstück,
0:40:16–0:40:19
aber dann gab es halt irgendwie so Arrangements, okay, wir lassen die Fassade
0:40:19–0:40:21
stehen und machen dahinter die Form.
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Oder wir machen dann, keine Ahnung, eine öffentliche Aussichtsplattform,
0:40:25–0:40:26
dass jeder hochgehen kann.
0:40:26–0:40:30
Also ein bisschen so wieder so Pseudo der Gemeinschaft was zurückgeben,
0:40:30–0:40:34
um dann halt das Bauprojekt dann halt so zu verwirklichen, um dann halt so eine
0:40:34–0:40:39
soziale Komponente einzulösen, was natürlich überhaupt nicht da zusammenpasst in dem Moment.
0:40:40–0:40:43
Und die erste, ich glaube, das hast du auch noch mitbekommen,
0:40:43–0:40:47
den Fosterbau, die Gurkens, die Gurke.
0:40:47–0:40:51
Aber eigentlich sollte es der Schwanz heißen. Aber wir haben dann alle gesagt,
0:40:51–0:40:52
nee, nee, das ist die Gurke.
0:40:53–0:40:57
Und dieses Ding, was dann halt auch so Bischops Alley ist das,
0:40:58–0:41:02
glaube ich, dieser Turm, den hast du auch noch mitbekommen, oder den Bau?
0:41:03–0:41:07
Das war doch der Anfang, dass sich die Skyline geändert hat.
Micz Flor
0:41:08–0:41:10
Aber das erinnert mich schon auch so ein bisschen an Berlin.
0:41:10–0:41:15
Ich meine, wir gehen jetzt gerade hier durch die Grenze, das ist das grenznahe
0:41:15–0:41:18
West-Berlin, wo auch alles voller Sozialbauten ziemlich hoch gebaut ist,
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verglichen mit anderen Bauregulierungen, die es in der Stadt gibt, auch jetzt wieder gibt,
0:41:22–0:41:26
wo viel gebaut wird, so wie in Wedding ja auch. Hier hat sich wenig verändert.
0:41:27–0:41:31
Dem Fall der Mauer, aber dann solche Gebiete, wenn du zum Beispiel im Ostkreuz
0:41:31–0:41:36
stehst und schaust über den Ostbahnhof Richtung Alex, dass es da hochgeschossen ist, das ist Wahnsinn.
Florian Clauß
0:41:37–0:41:37
Das stimmt.
Micz Flor
0:41:39–0:41:42
Ich würde jetzt gar nicht sagen in 20 Jahren, sondern in 15 Jahren oder so.
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Und der andere Punkt ist halt eben, wenn du im KDW oben rausguckst und schaust
0:41:47–0:41:51
dann Richtung dieser Kirchruine, wie heißt denn mal Friedenskirche oder so,
0:41:52–0:41:54
die hinter dem Europacenter ist?
Florian Clauß
0:41:54–0:41:54
Gedächtniskirche.
Micz Flor
0:41:55–0:42:00
Gedächtniskirche. und dann siehst du dahinter jetzt auch so neue Skyscraper, die da drin sind.
Florian Clauß
0:42:00–0:42:02
Aber es sind ja keine richtigen Skyscaper.
Micz Flor
0:42:03–0:42:07
Nee, das ist klar, aber dieses wie schnell sich die Skyline verändern kann,
0:42:07–0:42:09
das spürt man, finde ich gerade hier schon enorm.
Florian Clauß
0:42:09–0:42:11
Das spürt man so ein bisschen, aber nichts ist gegen London.
0:42:11–0:42:14
Also ich glaube, dieser Blick, den man dann hatte, also früher,
0:42:14–0:42:19
wenn man auf der Tate Gallery war, da war wirklich so dieses Foster-Gebäude,
0:42:19–0:42:22
das einzig Signifikante da, weit und bald neben St. Paul.
0:42:22–0:42:26
Wenn du jetzt da stehst, hast du eine unglaubliche, eine unglaubliche Skyline.
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Das ist halt so wirklich, als ob du irgendwie so in Amerika bist.
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Und das finde ich auch, diese Schichten von Geschichte, also von historischen
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Gebäuden, die sich dann in London, das ist anders als in Paris.
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Weißt du, in Paris hast du dann eine Sichtachse und dann sind da alte Gebäude
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und dann war da irgendwie Hausmann, der hat dann die Chance über die See da
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reingehauen, hat ein paar so Grand Palais und so weiter gemacht und es gibt
0:42:50–0:42:52
dann halt so neuere Gebäude.
0:42:52–0:42:55
Und dann gibt es vorhinteren Pompidou. Das ist halt das Neueste.
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Da siehst du halt Inside Out. Okay, verstanden.
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Da passiert nicht viel. Aber in London hast du dann einen Pub,
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was dann im Vordergrund ist, was dann halt irgendwie so von 1603 gebaut worden ist.
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Im Hintergrund kommt dann halt irgendwie der Skyscraper raus.
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Du hast diese Schichten von Architektur, die sich da irgendwie so aufbaden.
0:43:15–0:43:17
Das ist schon einzigartig in dieser Stadt.
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Und dass die halt so lebendig ist. Weil Paris hat ja auch so eine Bausubstanz.
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Aber die wird nicht verändert. In London schaffen die das irgendwie ständig zu verändern.
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Gab es dann, und das ist nochmal der andere Impuls, der mit reinkam, in London,
0:43:30–0:43:33
die IAA, die dann halt auch diese Riesenanschläge gemacht haben,
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wo die dann halt irgendwie eine Fünf-Tonnen-Bombe an den LKW dann irgendwo,
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das war auch in Bishops Alley, das ist nämlich das Grundstück,
0:43:42–0:43:45
worauf die Gurke gebaut wurde, haben die quasi weggebombt.
Micz Flor
0:43:46–0:43:49
Freigemacht. Das war, als ich in Manchester studiert habe auch,
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da hat die IA hinter Trafford Center was in die Luft gejagt und das war wirklich das Ende.
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Ich kam wirklich an, ich habe so ein Manchester kennengelernt,
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was noch sehr Gothic war und wirklich so, also ich habe sowas noch nie gesehen.
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Da gab es also Corn Exchange und solche Bereiche, die waren...
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Corn Exchange, also der Mais...
Florian Clauß
0:44:08–0:44:09
Also, okay, Corn Exchange.
Micz Flor
0:44:10–0:44:15
Also solche Gebäude, wo du reingegangen bist und dann war das halt so alles
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noch so das Holz irgendwie von, keine Ahnung, 19.
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Jahrhundert oder so. Du konntest da rumgehen und dann gab es dann so kleine
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Läden, wo Star Wars Figuren verkauft wurden und du konntest dich überall hinsetzen
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und dann gab es halt Kartoffeln mit Coleslaw.
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Und ich bin da reingegangen, es war wirklich nicht wie bei Harry Potter,
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aber England verleiht ja vielem so ein Harry Potter Feeling.
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Es ist alles sehr nischig und so.
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Und da war es dann, Mensch, das ist ja auch so, dass die Bombe losgegangen ist.
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Danach wurden die Dinge alle irgendwie aufgekauft, entwickelt und weg, weg kamen.
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Aber ich glaube, es gibt auch eine Sache, da kenne ich mich aber auch nicht
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aus, müsste man vielleicht noch mal Shownoten.
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Zum Beispiel ist es so, dass in Glasgow, mehr noch als in Edinburgh,
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aber in Glasgow gibt es eben so eher auch so deutsche Architektur.
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Also so Apartments, wie es in Paris ja auch gibt.
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Und in London sind diese Terrace-Housing, diese schmalen Häuser,
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die alle irgendwie auch gleich aussehen.
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Und du weißt dann immer, es ist Victorian oder Edwardian oder das wissen dann
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alle immer gleich, das sehen die an den Fenstern vorne.
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Und da gab es wohl auch so ein gesetzliches Thema dahinter, dass irgendwie es
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nicht sein konnte, dass eine Person mehr als ein Stück Land besitzt oder mehrere
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Personen das gleiche Stück Land besitzen.
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Das heißt, so war es irgendwie, müsst ihr nochmal nachgucken,
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aber in London hat jeder sein Haus und Apartments ging nicht.
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Also ein gemeinsamer Grund, auf dem viele EigentümerInnen sind.
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Und das führt halt dazu, ich hatte das einzige Mal so was für einen klaustrophobischen
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Anfall an einem sehr schlechten Tag in London, wo ich, glaube ich,
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in Fulham war und ich guckte halt so rum und ich habe halt irgendwie gesagt,
0:45:46–0:45:48
oh, ich muss jetzt echt mal weg von allem, hast du so ein Gefühl?
0:45:49–0:45:53
Und dann guckst du halt in London irgendwo hin und du siehst keinen Horizont.
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Also es gibt keinen Horizont, weil diese geschwungenen Straßen, alles so kleinteilig.
0:45:58–0:46:02
Und das ist ja dann noch okay, aber ich war so mies drauf, dass ich dann irgendwie
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auf einmal so Atemnot fast schon bekommen hätte, dass ich gemerkt habe,
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ich muss jetzt mindestens eine Dreiviertelstunde irgendwie fahren,
0:46:10–0:46:12
um Horizont zu sehen. Ich bin einfach gefangen.
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Und das hast du, glaube ich, in London mehr als in vielen anderen Städten.
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Wie du sagst, diese Sichtachse und so.
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London ist oft so eine Stadt, finde ich, wo man um eine Ecke geht und wow, da siehst du was.
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Das überfällt dich so. Ganz selten, dass du halt St. Pauls oder sowas mal aus
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unterschiedlichen Winkeln siehst. Oft ist es wirklich so eine kurze Offenbarung.
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Und abgesehen von diesen Skyscrapern in der Innenstadt ist es jetzt ja auch
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nicht so, dass da wirklich viel große Gebäude sind.
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Weil die andere Seite von London war auch, ich weiß nicht, aus den 90er Jahren,
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da war der Bruder meiner Freundin, der ist, denke ich, immer noch Architekt,
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war damals halt auch Architekt.
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Und er hat gemeint, ja, es ist halt so, wenn man Architektur studiert,
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dann macht man in der Regel Küchenausbauten oder Wintergärten.
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Das waren die einzigen Sachen in diesem Terrace Housing, das hat hinten jemand
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einen Wintergarten reingebaut oder die Küche umgebaut hat.
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Also es wurde nicht so viel neu gebaut, außer halt irgendwelche Happy Eaters
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am Motorway oder so Sozialbauten.
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Aber diese Idee von Architektur ist einerseits so gigantomanisch,
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Oligarchitektur, wie du sagst.
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Und das andere ist aber eben dann auch dieses komplett Kleine,
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was aber auch gut funktioniert.
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Ich fand das in England im Terrace Housing immer schon toll,
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wie viel Liebe zum Detail da reinging in irgendwelche Metall-Elektrokabel-Fassungen,
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die halt dann über den Putz verlegt wurden und ein samtenes,
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mattes, dunkelgrün statt Tapete.
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Also irgendwas an London, was ja auch in jeder Serie irgendwann irgendwo vorkommt,
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ist schon toll, viel Wertigkeit auf kleinstem Raum herzustellen.
Florian Clauß
0:47:51–0:48:00
Ja, das ist halt, glaube ich, so dieses Arbeiterhaus, was dann halt so das grundarchaische
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Eigentum bei dieser ganzen Working Class von England ist.
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Dass jeder so sein kleines Häuschen hat, zwei Etagen und du hast halt diesen
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Vorgarten und so weiter.
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Das ist auch eine absurde Sache, die ich dann, ich glaube, das war irgendwo
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bei Shoreditch, dann mal gesehen hat, das war tatsächlich so ein Hochhaus.
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Was heißt Hochhaus? Es war dann irgendwie sechsstöckig oder sowas.
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Und diese sechs Stockwerke waren jeweils aufgeteilt in drei,
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wo dann halt so Häuser drin waren.
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Die dann halt übernommen, also quasi dieses normale, wie heißt das Haus?
Micz Flor
0:48:33–0:48:33
Terrace Housing.
Florian Clauß
0:48:33–0:48:37
Terrace House, das du dann halt aber so als so ein Hochhaus dann übereinander
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gestapelt hast. Jeder hatte dann halt so die zwei Stockwerke.
Micz Flor
0:48:41–0:48:46
So ein bisschen wie San Francisco, auch wo die Holländer irgendwie diese schmalen
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Häuser gebaut haben, wie sie die halt von zu Hause gewohnt waren.
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Aber es gab gar keinen Grund, die so schmal zu bauen. Aber man bringt es halt
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so mit. Da fühlt man sich dann halt zu Hause.
Florian Clauß
0:48:55–0:48:58
Ja, ich meine, ein Grund, weswegen London auch im Vergleich zu Paris,
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wie wir das gerade den Vergleich gezogen haben, London wurde ja zerstört auch
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im Ersten Weltkrieg, also im Zweiten Weltkrieg.
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The Blitz, das ist dann diese Bomber, die dann irgendwann aufgrund von eben
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Fehlinformationen, V2, Können wir alles nachlesen von Thomas Bündchen,
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wo dann halt auch dann eben die Einschlagstellen der V2-Raketen mehr oder weniger,
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weil man den Kot geknackt hat, gefälscht wurden.
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Und dann sind die halt immer weiter nördlich von London eingeschlagen und haben
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dann nicht mal London als Stadt zerstört.
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Aber 4041 waren schon massive Einschläge in London.
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Da kommen wir nämlich auch zu einem Bereich, wo wir auch schon länger darüber
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berichtet haben. wir vor längerem darüber berichtet haben, da geht es nämlich um das Barbican.
Micz Flor
0:49:44–0:49:45
Ja.
Florian Clauß
0:49:45–0:49:54
Das Barbican ist quasi so eines der Gebäude, also der Prestigebauten des Brutalismus,
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die dann in den, ich glaube 1966 ist die Bauphase angefangen und wurde dann
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in den 80ern eingeweiht, 16 Jahre später wurde das eingeweiht.
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Und Barbican ist ja Brutalismus pur.
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Das war halt auch die Phase, wo ...
Micz Flor
0:50:13–0:50:17
Ich möchte es weiterhören, aber können wir kurz gerade auslaufen?
0:50:17–0:50:22
Ich möchte zu dem Hau, das ist Hau 1, da möchte ich kurz was fragen.
Florian Clauß
0:50:23–0:50:30
Ah ja, gerne. Damals nach dem Krieg war eben auch Beton das Billigste, womit man bauen konnte.
0:50:30–0:50:36
Und diese ganzen Ideen von Architektur, die dann im Brutalismus stecken,
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die dann halt auf Le Corbusier mit aufbauen, also aus einer Bauhaustradition
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kommen, wo eben Ornament ist Verbrechen, wo Beton,
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das ist die neue Ehrlichkeit, das muss nach draußen.
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Wo dann eben auch versucht wurde, durch Architektur eine soziale Gleichheit
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herzustellen. Alle wohnen im Gleichen und so weiter.
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Das wurde ja weltweit. Brasilien, die Hauptstadt von Brasilien,
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die wurde ja auch so durchstrukturiert mit viel diesen brutalistischen Gebäuden.
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Und in Barbican, muss man sagen, ist jetzt eine der teuersten Wohngebäudeanlagen,
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die man so haben kann. Also diese ganzen Hochhäuser, die Fußgängerzonen.
0:51:22–0:51:26
Es gibt dann eben so drei Hochhäuser, die so dreieckig auch geformt sind.
0:51:26–0:51:30
Das ist nämlich dann, ich komme jetzt wieder zu meiner Serie zurück,
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The Agency, ist auch eine Paramount Plus-Serie mit Michael Fassbinder von 2024.
Micz Flor
0:51:36–0:51:37
Den habe ich lange nicht mehr was gesehen.
Florian Clauß
0:51:38–0:51:43
Ja, die ist auch toll. The Agency, da geht es um ein, also im Prinzip ist es eine,
0:51:44–0:51:50
Außenstelle des CIAs in Nondon und es geht um Michael Fassbinder,
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der so ein CIA-Undercover-Agent ist.
Micz Flor
0:51:54–0:51:58
Aber ist der Heil wieder zurückgekommen? Da war doch der Android,
0:51:59–0:52:00
der mit den Aliens weggeflogen ist.
Florian Clauß
0:52:01–0:52:08
Dessen Cover ist aufgeflogen. Und der hat halt eine Wohnung in Barbican Es wird
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auch sehr exponiert in dieser Serie dann ausgestellt.
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Aber auch ein Beispiel dafür, dass eben so das amerikanische CIA dann eben abseitig
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vom MR5 da eben eine Präsenz aufbaut.
Micz Flor
0:52:22–0:52:27
Ja, es war ja so diese Gegend. Es gab dieses Attack the Block, hast du das gesehen?
0:52:27–0:52:30
So ein englischer Spielfilm aus den Nullerjahren mit so einer Alien-Attacke
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und so ein paar Jugendliche, die halt dann irgendwie da rumhängen in ihrem Kiez,
0:52:35–0:52:39
die dann mit diesen Aliens konfrontiert werden. Das ist ziemlich gut gemacht.
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Also der ist so ein bisschen wie Cloverfield oder so.
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Also dieses Gefühl, dass alles so drumherum passiert und es bleibt alles irgendwie
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so heimelig und trotzdem ist es halt total durchlöchert.
Florian Clauß
0:52:50–0:52:52
Also eine immersive Kameraführung.
Micz Flor
0:52:52–0:52:54
Ja, genau. Und das ist, glaube ich, noch so eine Zeit, dass wir es nicht im
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Barbeken, aber es ist so drumherum.
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Das ist eine Zeit, wo das immer noch eben so die Sozialwohnungen waren.
Florian Clauß
0:53:00–0:53:03
So, wir stehen jetzt vor dem Hau und machen...
Micz Flor
0:53:03–0:53:05
Ja, beim Hau, ich wollte das mal erzählen, weil das ist was,
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wo ich lange nicht mehr dran gedacht habe. Und das ist auch bestimmt schon 20 Jahre her.
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Also es gab mal eine wunderbare Kunstinstallation hier im Hau,
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wo wir gerade davorstehen, Hau 1.
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Und zwar kamst du da rein, du musstest dann dein Ticket kaufen und sowas.
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Ich muss mal kurz um die Ecke gucken, dann zeige ich dir was.
0:53:26–0:53:31
Und dann hast du gewartet und hattest keine Ahnung, was passiert.
0:53:31–0:53:32
Es wurde nicht viel erklärt. Und
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irgendwann hast du halt so einen Mini-DV-Camcorder in die Hand bekommen.
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Mit Kopfhörern hast du dir reingesteckt und dann hat einer Play gedrückt und nichts gesagt.
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Und du hattest dann so einen Camcorder, Display aufgefaltet,
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Kopfhörer drin und der lief so weg. Oder die lief so weg.
0:53:47–0:53:49
Und du denkst, was ist los? Und dann siehst du auf einmal im Bild,
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du siehst, dass das genau das ist, was vor dir ist.
0:53:51–0:53:55
Und dann läuft das Bild so los und du läufst dann einfach automatisch mit.
0:53:55–0:54:00
Und dann hörst du halt so Geschichten, es war halt, es ging auch um die Geschichte dieses Gebäudes.
0:54:01–0:54:05
Und dann liefst du auch wirklich in diese ganz abgelegenen Sachen da hoch.
0:54:05–0:54:09
Und das war wirklich völlig kurios, dieses Augmented Reality Feeling,
0:54:09–0:54:11
bevor es Augmented Reality wirklich gab.
Florian Clauß
0:54:11–0:54:11
Ja, toll.
Micz Flor
0:54:11–0:54:16
Wo du dann, dann bist du irgendwo oben in die Loge reingelaufen und gucktes unten.
0:54:16–0:54:19
Und unten lief gerade jemand mit so einer Kamera wie so ein Zombie vorbei und
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bliebst du vorm Klavier stehen.
0:54:20–0:54:24
Und du wusstest, irgendwann werde ich da auch noch sein. Aber du weißt nicht, wie du da hinkommst.
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Und dann gab es auch so ein paar Sachen, die waren da wirklich echt unheimlich.
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Zum Beispiel, wusstest du, okay, da wird gesprochen.
0:54:31–0:54:34
Und dann war so eine Toilette und dann stehst du vor der Toilette und guckst
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dann so in dieses Bild rein.
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Und dann hörst du auf einmal jemanden duschen und pfeifen.
0:54:40–0:54:44
Auf in deinem Kopfhörer, bevor dir ist die Toilette. Und du gehst davon aus,
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da wird jetzt niemand drin sein.
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Aber es entsteht so eine komische Angst. Was wird jetzt hier inszeniert,
0:54:48–0:54:50
was jetzt vielleicht wirklich noch passieren kann?
0:54:50–0:54:53
Das war ja ganz toll. Und da gab es, hier ist es, glaube ich.
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Ich glaube, irgendwo gibt es nämlich Glasfenster und diese Glasfenster,
0:54:59–0:55:02
so war zumindest die Erzählung, vielleicht sind das aber die.
Florian Clauß
0:55:03–0:55:07
Das sind Fliesen. Aber die sind aber durchgefließt, das sind keine Glasbausteine.
Micz Flor
0:55:07–0:55:10
Es sieht aus wie Glasbausteine, ich weiß jetzt gerade nicht,
0:55:10–0:55:14
wo es ist und das war wohl kaputt, auch im Zweiten Weltkrieg.
0:55:15–0:55:18
Und die haben das mit leeren Whiskyflaschen wohl nachgebaut,
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also aus Whiskyflaschen wurden quasi diese Glassteine ersetzt.
0:55:21–0:55:25
So zumindest die Erzählung, die nicht wirklich als Quelle dient,
0:55:25–0:55:26
aber die Erinnerung ist hängen geblieben.
Florian Clauß
0:55:27–0:55:31
Wir haben ja nichts außer Whisky. Aber es klingt so ein bisschen nach so einer
0:55:31–0:55:34
sozialen Plastik wie von Tino
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Segal, obwohl der da wahrscheinlich mehr so performancemäßig da reingeht.
Micz Flor
0:55:38–0:55:41
Nee, nee, das war, glaube ich, eine Shot in der es gemacht hat,
0:55:41–0:55:42
aber ich habe den Namen vergessen.
Florian Clauß
0:55:42–0:55:43
Okay, spannend.
0:55:44–0:55:47
Wir müssen laut meiner Navigation jetzt zurück.
Micz Flor
0:55:47–0:55:49
Okay, wir haben jetzt eine Mirzülle über YouTube gemacht.
Florian Clauß
0:55:49–0:55:55
Ja, ja. Den haben wir noch mitgenommen. Den Squadrinio.
0:55:57–0:56:03
Barbican. Barbican, genau. Das war The Agency. Damit haben wir das gestriffen, das Barbican.
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Nach wie vor, wo ich auch ein Tipp, wenn man in London ist, hat die größte Konzerthalle.
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Das London Symphony Orchestra ist da beheimatet. Und die zweitgrößte Bibliothek
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von, ich mache jetzt gerade so vollen Stadtbären.
Micz Flor
0:56:16–0:56:17
Ja, genau.
Florian Clauß
0:56:17–0:56:22
Die zweitgrößte Bibliothek von UK. Öffentliche Bibliothek ist da beheimatet.
Micz Flor
0:56:22–0:56:23
Nein.
Florian Clauß
0:56:23–0:56:24
Es gibt drei Kinoseele.
Micz Flor
0:56:24–0:56:27
Nein. Wahnsinn.
Florian Clauß
0:56:27–0:56:33
Und es gibt auch viele Ateliers und Galerien, die man sich dort auch anschauen kann. Also Barbican.
0:56:33–0:56:39
Und es gibt halt diese komplette Fußgängerwegstadt.
Micz Flor
0:56:39–0:56:43
Die in dem zweiten Teil von Born Identity auch eine Rolle spielen,
0:56:43–0:56:44
wo er flüchtet. Da sieht man ganz viel davon.
Florian Clauß
0:56:45–0:56:49
Ja, stimmt. Ja, sehr gut. Also London hat großartige Schauplätze,
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aber London tritt ja auch immer als eine, ja, wie soll man sagen,
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das ist so eine ambivalente Stadt.
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Also vielleicht kann ich da diesen Schwenk machen zu einer anderen Serie,
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die ich jetzt vor kurzem gesehen habe, wo ich aber in der zweiten Staffel drin
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stecken geblieben bin und dann nicht mehr weiterverfolgt habe.
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Aber die ist auch ganz toll eigentlich die heißt Industry ist von HBO produziert
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und es geht um diese ganzen Banker und Broker und die spielt dann in City of
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London und in Connery Wharf wie heißt die?
Micz Flor
0:57:26–0:57:35
Industry Agency, Industry, Mob City also Y hinten ist gerade ganz groß beim Probekom das habe.
Florian Clauß
0:57:35–0:57:40
Ich mir gar nicht aufgefallen Ja, und da geht es eben um so Abgänger von einer
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Business-Schule, die dann alle jetzt in Pirmand, das ist so ein Broker-Verein,
0:57:46–0:57:51
also eine Bank, die dann diese Neulinge quasi so aufbricht.
0:57:52–0:57:57
Erstmal so ins Leben rauslässt, ins Bankerleben. Aber es ist halt eine unglaublich korrupte Sache.
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Man verliert die ganzen Protagonistinnen, verlieren ihre Moral.
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Es ist halt irgendwie auch so total Sex und Skandal und Drogen durchdrängt. Alle sind immer drauf.
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Es gibt dann halt diese harte Seite, dass die halt irgendwie so 20 Stunden am
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Tag arbeiten und dann halt nur Party machen, teilweise durch.
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Es hat einen ganz tollen Soundtrack. Die Serie ist halt wirklich wie so ein,
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also teilweise wie so Musikvideo manchmal,
0:58:22–0:58:28
läuft die durch und die Hauptdarstellerin heißt, oder die Hauptfigur heißt Harperstern
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und das ist eben so eine, ich habe auch weswegen ich ausgestiegen bin,
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ist auch, dass ich es nicht mehr verstanden habe.
0:58:35–0:58:39
Also das Englische war da auch wirklich so, wo ich dann teilweise Stopp machen
0:58:39–0:58:43
musste und ins Dictionary gucken musste, was heißt das jetzt eigentlich?
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Und dann aber auch so rein, was die dann eben gemacht haben,
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Also was die da für Deals die ganze Zeit gemacht haben.
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Aber es zeigt dann eben so diese ganze skrupellose, korrupte Seite des Banking-Wesens,
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was dann halt irgendwie so Millionen, Milliarden teilweise auch dann in Sekunden verticken.
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Also völlig immense Summen. Und dann wurde das dann eben so,
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also die Industrie, die dann halt wirklich nur so von so ganz kleinen,
0:59:13–0:59:17
also von so wenig Leuten getragen wird, wo die dann halt irgendwie nur noch
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so einen Klick am Mausklick machen müssen, dann sind auf einmal drei Milliarden weg.
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Oder anders. Und 20 Sekunden später wird der Deal halt gebraucht,
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habe ich alles nicht ganz verstanden, aber hat eine gewisse Faszination gehabt.
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Also kann ich auch empfehlen. Das ist so ein bisschen diese Banking-Seite von
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London und vor allen Dingen auch diese ganzen Skyscapers.
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Wir gucken jetzt gerade hier auf das Tempodrom. Das ist eine schöne Sicht,
0:59:45–0:59:48
aber eine totale Gegenwende.
Micz Flor
0:59:48–0:59:50
Die wir haben.
Florian Clauß
0:59:50–0:59:52
Sorry, ich muss kurz hier ausweichen.
Micz Flor
0:59:53–0:59:53
Okay.
Florian Clauß
0:59:54–0:59:59
Wir waren ja schon bei den IRA-Anschlägen in London.
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Es gab dann, der hat sich jetzt auch zum, dieser Anschlag ist 20 Jahre jetzt her,
1:00:06–1:00:11
7-7 wird der ja genannt, nach 9-11, der auch traumatisiert diese Nullerjahre,
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wo große Städte und Paris, London und so weiter, dann auch Madrid,
1:00:16–1:00:17
der diese Terroranschläge erlebt haben.
1:00:17–1:00:22
Das 7-7, das war 7.07.2005 damals,
1:00:22–1:00:27
als eben vier Selbstmordattentäter mit Bomben im Rucksack,
1:00:27–1:00:31
drei davon in der U-Bahn, die gezündet haben, fast zeitgleich,
1:00:31–1:00:37
und einer in einem Doppeldecker-Bus, wo 52 oder 54 Menschen ums Leben kamen
1:00:37–1:00:38
und auch eben diese vier Attentäter.
1:00:39–1:00:42
Was dann aber auch dazu geführt hat, dass London,
1:00:44–1:00:50
Jetzt mittlerweile, eine der, also wie soll man sagen, die Dichte an Kameras
1:00:50–1:00:53
in London ist höher als in Beijing.
Micz Flor
1:00:53–1:00:55
Ja, das ist unfassbar.
Florian Clauß
1:00:55–1:01:00
Das ist unfassbar, dieses ganze CCTV. Also ich glaube, es ist wirklich unvergleichbar.
Micz Flor
1:01:00–1:01:02
Das war in den 90er Jahren aber auch schon ein Riesenthema.
Florian Clauß
1:01:02–1:01:06
Das war genau, dieser Ring of Steel war in den 90er Jahren.
1:01:06–1:01:12
Das ging eben auch eben mit diesem Attentat seit Bischofsgate, also Ende 80er.
1:01:12–1:01:18
Es fing noch vorher, Ende 80er, das war dieser Brand, der in einer U-Bahn-Station
1:01:18–1:01:25
hat sich so ein ganz, ganz übler Brand entwickelt, der auch ganz viele Menschen,
1:01:25–1:01:26
Menschenleben gefordert hat.
Micz Flor
1:01:26–1:01:27
Also kein schöner Brand.
Florian Clauß
1:01:27–1:01:32
Es war ein übler Brand im Sinne von, die haben dann ein neues Phänomen,
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wie sich Feuer ausbreiten kann, danach benannt, weil die das vorher noch nie
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dieses Phänomen hatten. die Rolltreppen noch aus Holz waren.
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Und als man noch selbst zündende, das fand ich immer so toll, früher in den 80ern.
Micz Flor
1:01:45–1:01:45
Das war Feuerzeuger.
Florian Clauß
1:01:46–1:01:49
Das war ja die Sicherheitsholzer.
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Die waren immer so langweilig in Deutschland. Die Zündhölzer waren Sicherheitsholzer.
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Die konntest du nur mit dieser einen Reibefläche anzünden. Aber in England gab
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es ja diese Streichhölzer, die konntest du überall so zack am Stein und es hat gebrannt.
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Ich meine, klar, ich war 13, habe angefangen mit dem Rauchen.
Micz Flor
1:02:07–1:02:09
Genau, oben im Doppeldeckerbus.
Florian Clauß
1:02:10–1:02:11
Ich war frei.
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Ja, also das hat eine gewisse Faszination und das hat sich eben in diese Rillen
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von einer Rolltreppe hat sich dann eben auch so ein Fett- und Teigfilm gebildet
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und dann eben so eine Zigarette und so ein selbst anzündendes Streichholz haben
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dann so einen Schwellbrand ausgelöst,
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haben diesen üblen Brand dann verursacht, der dann nicht zu löschen war mehr
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und war auch viel an Raucher.
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Aber auf jeden Fall, das war auch der Grund, warum wir dann diese U-Bahn-Überwachung angefangen haben.
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Also das heißt, dass eben da schon CCTV angefangen wurde, in U-Bahn, in der Tube aufzubauen.
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Und das hat sich dann weitergetragen in den 90ern, der Ring of Steel,
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das ist quasi der Überwachungsring um City of London.
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Der war dann halt nach dem IAA, also so 1992, 1993.
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Und eben mit diesen Anschlägen, da wurden dann auch immens viele Kameras verbaut. Also in den 2000ern.
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Und das ist wirklich so, dass der normale Durchschnitts-Londoner pro Tag über
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300 Mal von verschiedenen Kameras gefilmt wird.
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Dass sich eine unglaubliche Industrie auf dieser Überwachung aufgebaut hat.
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Dass es wirklich so weltführend ist,
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also wenn du pro Kopf, also die Kameras pro Kopf, ich glaube eine Kamera hat
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dann in London für 16 EinwohnerInnen, während in Beijing dann halt irgendwie eine für 40 oder 50.
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Also man denkt immer so, die Überwachungsdichte wäre in China so groß,
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aber nein, London, kannst du davon ausgehen, da wirst du überall überwachen.
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Ja, wobei auch viele eben ausgefallen sind, kaputt sind und so weiter, Kameras.
1:04:00–1:04:04
Aber, und dann komme ich jetzt zu meiner noch eine Serie, die ich zuletzt geguckt
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habe und die fand ich sehr gut, The Capture.
Micz Flor
1:04:07–1:04:08
Capture-y.
Florian Clauß
1:04:08–1:04:13
Nee, Capture. Da geht es um das panoptische London.
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Panoptische London, also über diese CCTV-Überwachung, dass nämlich ein Mord
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quasi einem Soldaten nachgestellt wird,
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der anscheinend auf Video dann gezeigt oder aufgenommen wurde auf so eine CCTV-Überwachungskamera
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an einer Bushaltestelle, das aber dann komplett gefälscht wurde.
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Und dann geht es um diese ganze Maschinerie hinter diesen CCTV,
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dass dann halt auch bestimmte Einheiten des Geheimdienstes in der Lage sind.
Micz Flor
1:04:43–1:04:45
In Echtzeit dann halt auch Bilder zu fälschen.
Florian Clauß
1:04:45–1:04:51
Und das ist ein ziemlich genialer Plot, der natürlich dann in London sehr gut aufgehoben ist.
Micz Flor
1:04:52–1:04:54
Ja, das ist lustig, weil ich habe da ewig nicht mehr dran gedacht.
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In den 90er Jahren weiß ich halt deshalb, das ist schon ein Thema,
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weil ich hatte ja damals als Kurator dieses Revolting-Projekt in Manchester
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bei ISEA 98 war es, glaube ich.
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Das war so ein, ja, wie soll ich sagen, so Revolting, Revolution hieß das große,
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Revolting war so ein bisschen mehr so dran kratzen an diesem shiny Wort Revolution.
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Und da waren halt viele Leute eingeladen, unter anderem auch eben welche,
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glaube ich, aus Manchester, die so Psycho-Geographic, ich habe vergessen,
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wie die Organisation hieß, so Psycho-Geographic Walks machen.
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Das war so ein Künstlerkollektiv.
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Und diese Psycho-Geographic Walks ist halt eben, du läufst zum Beispiel durch
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Paris mit der Karte von London.
Florian Clauß
1:05:32–1:05:34
Ach so.
Micz Flor
1:05:34–1:05:39
Das heißt, under the pavement, the beach. Das ist diese Sache.
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Und da waren dann eben ein paar da und wir hatten dann auch darüber gesprochen,
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wie halt diese Idee mit der Karte von einer Stadt in eine andere Stadt laufen,
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ist halt natürlich diese Idee, dass man die Stadt irgendwie neu erleben muss,
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weil man anders da durchgeführt wird und dann irgendwann auch nicht mehr weiter kann.
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Also eine andere Form, die gleiche Stadt zu sehen.
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Und dann kamen wir auf diese Idee im Rahmen von Revolting, wir könnten doch
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auch so eine Art Demo machen, weil damals gab es schon das Demonstrationsrecht,
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glaube ich, dass man unangemeldet nicht mehr als drei Leute zusammenstehen durften. Also was ganz Absurdes.
1:06:11–1:06:13
Versammlungsrecht wurde da, glaube ich, damals gerade umgebaut.
1:06:13–1:06:18
Das heißt, jede Gruppe von mehr als drei Leuten konnte theoretisch von der Polizei
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auseinandergeschoben werden.
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Ich weiß nicht, ob die Zahl stimmt, aber das war das Thema. Ich bin da jetzt, das ist auch lange her.
1:06:23–1:06:27
Aber dann kam halt so die Idee, dass wir quasi eine Demo machen gegen CCTV.
1:06:27–1:06:32
In dem jeder mit einem Schild vor einer CCTV-Kamera steht und irgendwo gibt
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es dann halt in diesem Kabelnetz so einen Typ, der dann wie im Film immer diese
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20 Bildschirme vor sich hat und überall, also der sieht dann quasi eine Demo,
1:06:40–1:06:44
die aber im öffentlichen Raum keine Demo sein kann, aber bei dem im Control
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Room sieht der halt dann quasi so diese massive Anforderungen.
Florian Clauß
1:06:48–1:06:49
Aber den Shot habt ihr dann nicht bekommen?
Micz Flor
1:06:49–1:06:52
Nee, wir haben das, glaube ich, gar nicht. Also ich kann mich nicht erinnern,
1:06:52–1:06:55
dass wir es durchgemacht haben. Aber einfach diese Idee zu spielen,
1:06:55–1:06:56
was heißt das denn mit einer Kamera?
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Man sieht es ja auch jetzt in diesem, wie ist denn immer diese Netflix-Vierteiler,
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wo jede Folge so ein Shot war, nicht Education.
Florian Clauß
1:07:03–1:07:03
Adolescence.
Micz Flor
1:07:04–1:07:07
Adolescence, genau. Weil da geht es ja auch darum, dass man wirklich diese lückenlose
1:07:07–1:07:10
Verfolgung der Person in der Stadt machen kann.
Florian Clauß
1:07:10–1:07:11
Ich habe das seitdem noch nicht geguckt.
Micz Flor
1:07:12–1:07:13
Ach so, okay, du hast nur drüber geschrieben.
Florian Clauß
1:07:13–1:07:14
Da bist du mir voraus.
Micz Flor
1:07:14–1:07:18
Ja, nee, also ich habe auch nur zwei Folgen geguckt und können wir,
1:07:18–1:07:19
ja, wir sind ja kein Filmpodcast.
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Aber das sind halt so diese klassischen Sachen, die man auch kennt,
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wo halt so Spuren verfolgt werden.
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Dann wird zurückgesumt und, oh, guck mal da im Hintergrund, da ist doch der
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und so. Das kommt doch so ein bisschen vor.
Florian Clauß
1:07:30–1:07:31
Ein bisschen Blow-up-mäßig.
Micz Flor
1:07:32–1:07:36
Und da geht es aber immer genau darum, dass man eben den Pfad des Menschen in der Stadt macht.
1:07:37–1:07:38
Und diese Idee, dass aber natürlich
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da, wo diese Signale gesammelt werden und wo die Monitor abguckt,
1:07:42–1:07:45
dass da eben auch eine Präsenz von diesen Orten ist.
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Also eine zweite Stadt, welche Abteilung guckt sich welche Teile an und so weiter.
1:07:51–1:07:53
Das fand ich schon nochmal interessant, sich zu überlegen, wie halt so.
1:07:53–1:07:57
Wahrscheinlich war es damals genauso, als zum ersten Mal bezahlte Postkutschen
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erlaubt, Menschen erlaubt haben,
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quer durch die Stadt zu fahren und dann irgendwann die Metro und so.
1:08:01–1:08:04
Also diese Idee, dass die Stadt sich so verformt, passiert, glaube ich,
1:08:04–1:08:09
über CCTV eben auch, aber nur in der Art, wie sie auch erfasst wird,
1:08:09–1:08:11
in der Regel im Geheimen erfasst wird.
1:08:12–1:08:14
Und wir sehen halt immer nur diese Kameras an den ganzen.
Florian Clauß
1:08:14–1:08:21
Das stimmt. Ja, also die Kameras haben schon Auswirkungen auf die Verbrechensrate, muss man sagen.
1:08:21–1:08:27
Dass dann halt auch bei Morden und so weiter, dass häufig dann Spuren über CCTV
1:08:27–1:08:30
nachverfolgt werden können.
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Dass zum Beispiel auch Übergriffe oder so, wo dann halt CCTV ist,
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also sexuelle Übergriffe oder sowas, dass die dann nicht so passieren,
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dass das ein Rückgang zu verzeichnen ist.
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Aber das ist nicht so, dass es dann halt weg ist, sondern es gibt dann halt
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so diese Schattenbereiche, wo sich das hinverlagert, wo halt nicht CCTV hinkommt.
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Und dann ist es halt auch so wie dieses Watchmen, also wer schaut die,
1:08:59–1:09:02
die dann halt irgendwie schauen, die das auswerten.
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Und es verlagert sich jetzt nach, also jetzt natürlich zeitgemäß,
1:09:05–1:09:10
immer mehr in Richtung KI-Auswertung, dass du halt keine Ahnung,
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so eine Weapon Recognition hast, dass die KI dann anspringt.
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Okay, das ist zu 99% ein Messer.
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Und dann wird natürlich da die Aufmerksamkeit. Also sowas passiert da in dem Bereich.
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Wir sind jetzt auf der Stresemannstraße und ich kann mich noch daran erinnern,
1:09:28–1:09:31
hier hat doch mal Silber in dem Gebäude gewohnt, oder?
Micz Flor
1:09:32–1:09:35
Ja, das ist schon irre. Das ist so ein bisschen wie Attack the Block,
1:09:35–1:09:36
was ich vorhin gemeint habe.
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Guck dir den mal an, der macht dir Spaß. Also mir hat er nicht Spaß gemacht,
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als ich ihn gesehen habe. Aber ich habe ihn nicht vergessen.
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Also war schon irgendwie, irgendwas daran hat mich einfach, ist bei mir geblieben.
Florian Clauß
1:09:47–1:09:51
Wir kommen jetzt hier wirklich an Ecken, wo wir noch nicht so lang gelaufen sind.
Micz Flor
1:09:51–1:09:53
Das hast du ja auch ausgesucht. Das hast du ja sehr gut ausgesucht.
1:09:53–1:09:56
Seit wir jetzt diese tolle Extra-Karte, für die, die auf die Webseite gehen,
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gibt es jetzt einen Link, wo man draufklicken kann. Da sieht man alle Touren,
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die wir schon gelaufen sind.
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Und von dort kann man sich dann auch in die entsprechende Episode wieder reinklicken.
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Das ist eigentlich auch eine Form von Psycho Geographic Walk,
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weil die Tour dann irgendwie doch nicht so viel mit dem Thema zu tun hat.
Florian Clauß
1:10:13–1:10:17
Im Prinzip sind das jetzt so die großen Themen, die ich jetzt irgendwie mit dir noch wälzen wollte.
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Ich auch wusste, dass du jetzt auch eine ganz besondere Verbindung zu London
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hast und aus dieser Zeit dann auch erzählen kannst.
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Und dann auch nochmal so, also mich würde es natürlich interessieren,
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wenn du wieder zurück nach London kommst.
Micz Flor
1:10:30–1:10:30
Müsstest.
Florian Clauß
1:10:30–1:10:33
Ja, wie du das wahrnimmst, diese Stadtveränderung.
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Also wie gesagt, ich war 2018 war das, glaube ich.
1:10:40–1:10:44
Oder nee, 2019 waren wir da. Da habe ich mir auch extra in Schorlitz,
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da war so ein neuer Tower, der gebaut wurde. Da hatten wir uns dann ein Apartment gemietet.
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Ich war wirklich geflasht von der Skyline, von wie sich das verändert hat in der Zeit.
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Aber gleichzeitig, wenn man durch Schorlitz geht, riecht es die ganze Zeit nach
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gegrilltem Fleisch wie noch vor den 90ern.
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Es riecht immer so nach, ja.
Micz Flor
1:11:03–1:11:06
Aber es ist ja auch immer das Paradox, was man wirklich sehen will.
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Also was mich geflasht hat an London oder Manchester oder Glasgow oder so,
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Also es sind halt die Fisch'n'Chip-Shop, diese Sachen, die so eher so Streetfood-mäßig anders waren.
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Diese Greasy-Spoon-Cafés in Busstops, wo man sich dann hinsetzen konnte.
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Das ist alles irgendwie eben genau, so komisch das ist, oder durch die Thatcher-Era
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verarmte Norden, so, ne, Mensch, das ist der Liverpool.
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Dass es halt dadurch eben auch noch so Sachen gab, wo ich gar nicht,
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ich wusste das nicht, außer dem Film halt mein wunderbarer Waschsalon,
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wo halt irgendwie auch so ein bisschen dieser Kiez dargestellt wurde.
Florian Clauß
1:11:40–1:11:42
Auch ein detailprägender Film für mich.
Micz Flor
1:11:42–1:11:45
Der hat so diese Facetten, finde ich, ganz gut.
Florian Clauß
1:11:45–1:11:50
Ja, also einmal dieses Immigrant-Thema, dann noch das Queerness,
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Schwule, das damals war 80er, ich weiß nicht, 87, 86 wurde der,
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glaube ich, gedreht. Den habe ich auch echt,
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gern geguckt.
Micz Flor
1:12:00–1:12:04
Und das ist irgendwie das, wo man dann, ja, wo bleibt man denn dann hängen?
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Also wenn man jetzt nach New York, die UDL-Filme, die bleiben dann auch hängen in dem Italienischen.
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Die gibt es zwar immer die Skyline hinterher und dann passieren tut alles dann
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irgendwie an dieser karierten roten Tischdecke beim Italiener.
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Und in England fand ich auch immer, dass das, was einen dann wirklich packt,
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sind halt immer diese Orte, die, ja, so Streetfood-Style irgendwie sind.
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Also das English Breakfast, Damals habe ich das geliebt und nicht darüber nachgedacht,
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dass ich da Tiere esse, sondern es war halt Breakfast.
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Breakfast war immer ohne Fleisch, Marmelade und Brötchen. Aber da ist es halt
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irgendwie alles 100 Prozent fast Fleisch.
Florian Clauß
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Ja, sehr schön.
Micz Flor
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Und deshalb finde ich so diese Skyline, wenn man nach London geht,
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dann hat man wahrscheinlich schon diesen Wow-Effekt.
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Aber ich hätte eher Sorge, dass alles so super geputzt ist, dass es halt eben
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diesen Greasy Spoon gar nicht mehr gibt. und dass du halt dann im besten Fall
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irgendwie zu McDonalds essen gehst, weil du dir das richtig leisten kannst.
Florian Clauß
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Ja, ich glaube, ja, also ich meine, es gibt immer so dieses,
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was in Paris der Kaffee ist, ja, der immer unter zwei Euro kostet meistens,
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also zwei, ist es halt, in England ist es der Tee, ja.
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Das heißt, du kriegst überall für ein, zwei Pfund kriegst du überall so Cup of Tea.
Micz Flor
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Jetzt habe ich ein Déjà-vu, weil genau das hast du nämlich damals,
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Kunsthandwerk-Museum am Potsdamer Platz gesagt.
Florian Clauß
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Ja, stimmt, das war nochmal so.
Micz Flor
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Das ist ja auch so, ich meine, das passt jetzt auch hierher.
Florian Clauß
1:13:30–1:13:34
Ja, das ist halt so die Erfahrung, dass dieses Pub, das Öffentliche,
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die Form von Öffentlichkeit, die hat in England eine andere Kultur als in Deutschland.
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Und ich glaube, das ist das, was man, wenn man hier so sozialisiert ist,
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vielleicht dann gar nicht so nachempfinden kann. Aber das ist nochmal so dieses
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Gemeinde, Gemeinschaftliche in einem Pub zusammen sein und Sport gucken.
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Das ist so der Identifier, den man da halt zusammenträgt. Aber es gibt halt
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auch dieses schmutzige London.
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Da will ich jetzt auch nochmal so einhaken mit den Serien. Es gibt eine großartige
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Serie, die ist von Apple TV Plus produziert und zwar Slow Horses.
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Das geht jetzt schon in die dritte Staffel. Und ich meine, das ist halt so das,
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was wir auch gesagt haben zu 28 Days Later.
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Dass Danny Boy Szenen drehen kann, wie zum Beispiel, dass Zombie-Kinder dann
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getötet werden, die du halt in Amerika nie so drehen könntest,
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weil das einfach total, es geht gar nicht.
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Dass Kinder irgendwo getötet werden, das darf man nicht zeigen.
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Und bei Slow Horses ist der Hauptcharakter Gary Oldman, der im Prinzip auch
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so ein abgestellter MI5-Agent ist.
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Und die sind alle, die werden geparkt in den Slow House.
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Das ist quasi so eine Schatteneinheit von dem MI5, wo die ganzen Versager und
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die ganzen, Die dann halt irgendwie so irgendwas gemacht haben und aus dem Dienst
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nicht suspendiert werden können, aber irgendwie abgestellt werden.
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Und das ist so eine Einheit von so fünf, sechs Leuten, die Gary Oldman ist der, der...
Micz Flor
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Die Expendables auf Britisch.
Florian Clauß
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Ja, der ist halt wirklich so...
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Gary Oldman ist halt wirklich so ein Charakter, der die ganze Zeit irgendwie
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so raucht, die ganze Zeit säuft, rumfurzt und total brachial ist,
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aber dann immer wieder so geniale Kniffe hat.
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Also wo er dann halt irgendwie so, du denkst halt, er ist ein totales Arschloch,
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aber im Prinzip ist er dann doch total real zu seinen Leuten.
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Macht die aber immer so total fertig.
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Es ist sehr gut, also es macht sehr viel Spaß, wenn du dann irgendwie mal Zeit
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hast. Die kann ich dir sehr empfehlen.
Micz Flor
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Ja, ich bin ja auch ein großer Gary Oldman-Fan. Und du müsstest dann mal gucken,
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auch für die Shownotes, es gibt ein wunderbares, da war er irgendwo im Interview
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und da ging es auch um ihn und Furzen und irgendwas.
Florian Clauß
1:15:52–1:15:54
Ja, das war bestimmt die Serie da.
Micz Flor
1:15:54–1:15:57
Ja, und dann wurde er im Interview gefragt, wie das ist, wenn da mal ein Furz ist oder nicht.
1:15:57–1:16:01
Ich weiß nicht mehr genau, was war. Auf jeden Fall musste er einfach sowas von
1:16:01–1:16:03
lachen. Es ist sehr, sehr, sehr charmant.
Florian Clauß
1:16:03–1:16:07
Also man sagt ja auch, Gary Oldman ist so ähnlich wie Willem Dafoe.
1:16:07–1:16:11
Oder es gibt so Schauspieler, die dann so nahbar sind. und mit denen man dann
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auch gerne irgendwie so, die nicht so völlig abgedreht sind wie andere Schauspieler.
Micz Flor
1:16:16–1:16:19
Wie zum Beispiel William D.V. Ach nee, stopp.
Florian Clauß
1:16:20–1:16:25
Also Apple TV Plus produziert viele Serien. Andere Serie, ich weiß nicht,
1:16:25–1:16:27
ob du die geschaut hast, ist Ted Lasso.
Micz Flor
1:16:28–1:16:30
Nee, aber der Name ist mir mal untergegangen.
Florian Clauß
1:16:30–1:16:33
Der Name ist bekannt. Es ist, glaube ich, so eine der größten Vielgutsserien,
1:16:33–1:16:35
die in den letzten Jahren produziert wurden.
1:16:36–1:16:40
Also es geht im Prinzip um so einen Amerikaner, Da trifft sich so amerikanisches,
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totaler, naiver Optimismus auf so einen Zynismus in Großbritannien.
1:16:47–1:16:50
Also Ted Lasso ist ein Football-Trainer in Amerika.
1:16:51–1:16:57
Der sucht ein neues Betätigungsfeld und wird dann gecastet von einem Fußballverein,
1:16:57–1:17:03
den er dann quasi auch in London, einem Stadtbezirk von London, trainieren darf.
Micz Flor
1:17:04–1:17:06
Ah ja, das habe ich in den Trailer mal gesehen.
Florian Clauß
1:17:06–1:17:10
Ja, das ist super. Und er hat keine Ahnung von Fußball. Also er muss sich das
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dann auch selber anlernen.
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Das ist so ein bisschen, diese toxische Maskulinität trifft auf diesen amerikanischen
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Optimismus und die ganzen Protagonistinnen und Protagonisten.
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Die erste Staffel ist eine Anvereinigung und dann nähern sie sich alle an und
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dann wird es halt so eine ganz große Vielgutserie, wo man selten so nach jeder
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Folge denkt, die Welt ist so gut.
1:17:36–1:17:41
Es war auch eine unglaublich erfolgreiche Serie und eigentlich ist die in der
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dritten Staffel abgeschlossen, aber die produzieren jetzt eine Viertelstaffel.
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Ich bin gespannt, was die da noch hinterher schieben können.
1:17:47–1:17:50
Gangs of London Capture habe ich schon erwähnt, die beiden Serien.
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Und jetzt habe ich hier so zwei Säen oder drei, ich könnte noch eine dritte
1:17:55–1:18:00
dazunehmen, die, ich sag mal so, diesen neuen Feminismus so mit,
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aufgenommen haben, nämlich einmal ist Fleabag.
Micz Flor
1:18:05–1:18:06
Was ist der neue Feminismus?
Florian Clauß
1:18:06–1:18:08
Darf ich das fragen? Naja, im Prinzip, also dann muss ich dir anwenden,
1:18:09–1:18:10
das ist I Will Destroy You.
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I Will Destroy You geht um eine Autorin, die auf Twitter,
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so Kurzgeschichten schreibt und einen Buchvertrag bekommt und eigentlich geht
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es um so eine Nacht, wo sie dann halt mit K.O.-Tropfen verabreicht bekommt und
1:18:23–1:18:26
sexuell vergewaltigt wird.
1:18:26–1:18:30
Und sie kann sich an nichts erinnern. Sie versucht dann über Episoden,
1:18:30–1:18:35
die dann sehr ... Also es ist halt so eine neue Vokeness, so eine Schrillheit.
1:18:36–1:18:42
Die Protagonistin ist schwarz. Sie ist in so einem kulturellen Umfeld,
1:18:42–1:18:45
das halt so grell ist. Das ist halt irgendwie so erzählt.
1:18:45–1:18:49
Also Kunst und Kultur in dem Literaturbereich. ja
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auch viel mit london auf der straße und so weiter den
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den ich jetzt so nicht so kenne ja es ist auch mit einer unglaublichen selbstsicherheit
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erzählt die darstellerin heißt michael kohl jetzt selber diese erfahrung gemacht
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eben von vergewaltigung auf k.o. tropfen.
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Komödiantin, hat diese Serie Chewing Gum, also es ist auch eine BBC-Coproduktion von HBO und BBC.
1:19:19–1:19:24
Chewing Gum hat sie geschrieben, da ist sie Schauspielerin und hat Drehbuch
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geschrieben und zu dieser Serie hat sie auch das Drehbuch geschrieben,
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also es ist ihre Geschichte mehr oder weniger und dann auch die Hauptdarstellerin geactet.
1:19:34–1:19:41
Es ist eine tolle Serie und die driftet auch so ins Surreale teilweise ab.
1:19:41–1:19:47
Und es ist so dieser Grat zwischen so zwischen, wie soll man das sagen,
1:19:48–1:19:50
der wird immer wieder neu verhandelt.
1:19:50–1:19:54
In verschiedenen Konstellationen zwischen den Figuren, zwischen ihren Freundinnen
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und Freunden, zwischen eben auch ihren,
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Gegnerinnen. Und es geht immer so ein bisschen, ab wann es quasi so eine lustvolle
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Verbindung ist und ab wann das übergriffig wird.
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Es wird immer so ein bisschen ausgewogen.
1:20:09–1:20:12
Es wird so in verschiedenen Facetten dann auch erzählt.
1:20:13–1:20:15
Also eine ziemlich starke Erzählung.
1:20:16–1:20:19
Und Fleabag, da geht es auch um eine, also im Prinzip...
Micz Flor
1:20:19–1:20:21
Fleabag, fliehe zurück?
Florian Clauß
1:20:21–1:20:23
Also, nee, B-A-G, Fleabag.
Micz Flor
1:20:24–1:20:26
Also Flo-Tasche.
Florian Clauß
1:20:26–1:20:28
Also F-L-E-A Back.
Micz Flor
1:20:29–1:20:31
Eine Tasche voller Fleur.
Florian Clauß
1:20:31–1:20:36
Fleabag, ja. Da geht es um die Protagonistin. Es ist eine Familiengeschichte,
1:20:36–1:20:43
die ist so ein bisschen bei der Gentrifizierung auf der Strecke geblieben.
1:20:43–1:20:47
Ihre beste Freundin hat sich umgebracht oder ist von Auto überfahren worden.
1:20:48–1:20:49
Das wird nicht so explizit gesagt.
1:20:49–1:20:53
Sie ist auch so ein Comedian. Kommt aus der Comedian-Ecke.
1:20:54–1:20:57
Sie ist so ein bisschen, sie sucht dann ihre Position in diesem Engel.
1:20:57–1:21:00
Das Lustige ist an dieser, das ist so ein bisschen wie die Piep-Show.
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Ich weiß nicht, ob die Piep-Show die Serie kennt. Da spielt auch die Sophie,
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von Piep Show spielt dann ihre Stiefmutter.
1:21:11–1:21:12
Auch großartig, die ist so gut.
Micz Flor
1:21:12–1:21:13
Die ist super, ja.
Florian Clauß
1:21:13–1:21:17
Ich glaube, Piep Show hat das auch gemacht, dass dann quasi die vierte Wand
1:21:17–1:21:24
immer wieder durchbrochen wird, dass dann halt direkt die Protagonistin mit den Zuschauern redet.
Micz Flor
1:21:24–1:21:28
Ja, bei der Piep Show war es nicht so, sondern die haben quasi in Dialogen in
1:21:28–1:21:30
die Kamera gesprochen, aber die waren miteinander. Es gab keine Zuschauer,
1:21:31–1:21:32
aber trotzdem war die Wand durchbrochen.
1:21:32–1:21:36
Dann wurde es direkt angesprochen, Aber der Dialog ging weiter, auch ohne deine ...
Florian Clauß
1:21:37–1:21:44
Also auch eine absolute Empfehlung. Die ist jetzt aber schon ein bisschen älter. Die ist von 2017.
1:21:44–1:21:48
Und es gibt zwei Staffeln davon. Die zweite ist auch ein bisschen anders als
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die erste. Die erste ist sehr zynisch-anekdotisch.
1:21:52–1:21:55
Und die zweite wird dann so ein bisschen, ich sag mal, deeper.
1:21:55–1:22:05
Genau. Dann auch eine aktuelle Serie, die von Alfonso Curason gedreht wurde.
1:22:05–1:22:10
Das ist die teuerste Apple-TV-Serie, die jemals gedreht wurde.
1:22:11–1:22:19
Und obwohl, ich habe mich gefragt, warum, weil ich zum Beispiel Severance ist
1:22:19–1:22:24
auch von Apple-TV und das hat ja eine visuelle Qualität, dass ich dachte,
1:22:24–1:22:25
da kommt nicht viel drüber.
1:22:26–1:22:30
Alfonso Corazon, der hat auch den dritten Teil von Harry Potter und vor allen
1:22:30–1:22:33
Dingen einer meiner Lieblingsfilme, Children of Man gedreht.
1:22:33–1:22:37
Und der hat halt Disclaimer.
Micz Flor
1:22:37–1:22:39
Und Gravity hat er auch gemacht.
Florian Clauß
1:22:39–1:22:39
Gravity, genau.
1:22:41–1:22:47
Das ist auch erklärbar, warum die so teuer war, weil im Prinzip hat der auf Kino-Niveau gedreht.
1:22:47–1:22:51
Und dann halt jede Folge, dann sind acht Folgen.
1:22:52–1:22:59
Und dann die Gesamtkosten waren dann, glaube ich, pro Folge über 15.000, 15.000.000.
1:22:59–1:23:00
Also dann bist du halt irgendwie bei 100.
Micz Flor
1:23:00–1:23:04
120.000. Ja, das ist lustig, oder? 28 Years Later wird halt,
1:23:05–1:23:10
die haben das auf iPhones gedreht und dann Apple TV, das ist wie eine Kinosache gedreht.
1:23:10–1:23:17
Wie das dann sich gegenseitig übertrifft in der Cheapo oder in der High Production
1:23:17–1:23:18
Marge. Weißt du, ich meine.
Florian Clauß
1:23:18–1:23:21
Das ist komisch. Ja, das ist halt irgendwie, ja klar, ich glaube,
1:23:21–1:23:28
das ist die Herangehensweise des Regisseurs, die Auswahl der Produzenten und
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natürlich auch der Cast.
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Kate Blanchard spielt die Hauptrolle, die auch entsprechend teuer ist.
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Bei Severance gibt es als Hauptcast den Adam Scott, aber da gibt es nicht viel mehr.
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Das zahlt sich dann auch nochmal aus, ob das Budget teuer da was ist.
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Obwohl Cate Blanchett, da frage ich mich jetzt wirklich, weil die jetzt auch
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mit Ostermeyer ein Stück gemacht hat, die Möwe, auch in London.
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Also was da die Gagen sind, das ist nochmal was anderes, wenn du ein Theater machst oder einen Film.
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Auf jeden Fall bei Disclaimer geht es um Cate Blanchett, die sind auch eine
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sehr erfolgreiche Autorin ist und die auf einmal von ihrer Vergangenheit eingeholt
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wird. Ich will jetzt auch nicht viel darüber erzählen, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.
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Und auf einmal, die ist halt in so einem politisch korrekten Umwelt, alle stehen zu ihr.
Micz Flor
1:24:16–1:24:20
Auf einmal kippt halt alles um und sie wird die Ausgegrenzte.
Florian Clauß
1:24:20–1:24:26
Sie wird diejenigen Personen, auf die alle mit den Finger zeigen und alles geht gegen sie auf.
1:24:27–1:24:32
Das ist auch eine ganz, also eine ziemlich starke Serie, die auch viele verschiedene,
1:24:33–1:24:37
Du wirst da echt geschmissen von der Serie. Du wirst dann von einer Sache in
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die nächste geschmissen. Du denkst so, wow, okay, das war's.
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Und dann gibt es wieder einen Eins.
Micz Flor
1:24:44–1:24:48
Es kann nichts mehr schief gehen. Die Standesbeamtin hat gekündigt.
Florian Clauß
1:24:49–1:24:53
Genau, also im Prinzip habe ich jetzt meine ganzen Serien.
Micz Flor
1:24:53–1:24:55
Kürzer Blick hier mal rein. Wir sind jetzt gleich am Potsdamer Platz.
1:24:56–1:25:01
An einem Gebäude, was glaube ich auch aus dieser WeWork-Klitsche kommt.
1:25:02–1:25:05
Und da ist es so, das ist mir neulich schon mal aufgefallen,
1:25:05–1:25:07
bei, wo ist das am besten, das Foto?
1:25:07–1:25:14
Da bin ich auch am Ostbahnhof so durchgemeandert und bin dann halt so ein paar Bürogebäude.
1:25:14–1:25:17
Was da an Leerstand gerade ist in diesen Office-Spaces, unglaublich.
1:25:18–1:25:22
Also da wurde ja vor Corona noch richtig reingebuttert. Dann kam Homeoffice
1:25:22–1:25:26
und irgendwie, der Leerstand ist enorm.
1:25:26–1:25:30
Also es ist krass, du kannst dir diese ganzen Neubauten, so wie hier halt auch, es ist leer.
Florian Clauß
1:25:32–1:25:37
Ja, das ist schon krass, dass ich das dann so tragen kann irgendwie.
Micz Flor
1:25:38–1:25:40
Ja, oder nicht. Das sind wahrscheinlich einfach Abschreibprojekte.
Florian Clauß
1:25:41–1:25:45
Also das ist auch nochmal so ein Punkt, den kann ich jetzt am Ende nochmal so schließen.
Micz Flor
1:25:46–1:25:49
Das ist so ein bisschen, ehrlich gesagt, wie Mensch aus den 90ern,
1:25:49–1:25:53
wo nichts mehr geht, so ökonomisch.
Florian Clauß
1:25:53–1:26:01
Das Geld für die ganzen Bauten, das Geld für die ganzen Skyscraper,
1:26:01–1:26:03
für die Bauten usw., woher kommt das?
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Das kommt wahrscheinlich aus dunklen Kanälen, aus Osteuropa,
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aus dem arabischen Bereich.
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Das gleiche konnte man halt irgendwie so von Filmproduktionen behaupten.
1:26:13–1:26:18
Deswegen ist es so diese wachsende Industrie, dass da ganz viel an Geld reingelaufen
1:26:18–1:26:22
ist, aber viele Produktionen dann gar nicht fertig geworden sind.
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Dass das halt auch so quasi so verwischt die Spuren von Geld,
1:26:26–1:26:31
ja, und dass damit halt auch quasi so der ganze Bereich sich aufbauen konnte.
1:26:31–1:26:36
Also ich glaube dann über, zur Corona-Zeit waren das halt 40 Prozent der Produktionen,
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die nicht fertiggestellt wurden.
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Also es gibt dann halt schon so komische Zahlen, die das halt so ein bisschen
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mysteriös erscheinen lassen.
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Ja, nee, soweit. Ich kann auch andere denen nennen, ich meine,
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Sherlock und so weiter, das sind die aus den 2010er Jahren.
1:26:53–1:26:57
Aber das waren jetzt so, ich habe versucht, da so ein bisschen dann noch,
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also man könnte jetzt mal gucken,
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was spielt London als Stadt in den einzelnen Serien für eine Rolle.
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Und häufig ist es halt so, also bei Gangs of London ist es halt,
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die ist auch ultrabrutal, die ist ein bisschen so ein John Wick-Stahl.
1:27:11–1:27:13
Ich habe die dritte Staffel, die ist jetzt gerade rausgekommen,
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die habe ich nicht mal weiter geguckt, weil es total langweilig und banal geworden ist.
1:27:17–1:27:20
Aber die ersten beiden sind schon ultra brutal.
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Und spielt halt in diesen ganzen, also ein bisschen wie Eastern Promises,
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in diesem ganzen drogenreichen Milieu, genauso wie Mobland.
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Wo dann halt aber auch viel zu dieser Land sitzt, was halt häufig das Thema bei Guy Ritchie ist.
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Bei The Gentleman hat das ja auch schon so das Adlige, das Reiche, das Gentleman-like.
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Das wird dann halt fantastiert durch dieses Fußvolk, was dann halt irgendwie
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so diese ganzen Drogenkriege führt und was dann halt abgeballert wird.
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Da sind auch Außenaufnahmen, wo du dann denkst, wow, ich habe mir dann auch
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eine Seite tatsächlich so angeguckt.
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Da gibt es so einen Policy Guide of Filming.
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Diese Infrastruktur ist gut organisiert. Also das heißt, wenn du da irgendwie
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eine Kranfahrt machen willst, du kannst dich da anmelden, kriegst du dann halt
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deinen Kran. Und das ist halt auch schweinteuer, weil die müssen halt irgendwie,
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sobald du irgendwo Straßen sperrst in London, ist ja sowieso überall, ne?
1:28:13–1:28:17
Dann kostet es halt enorm viel Geld. Aber es ist halt eben gut organisiert und
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es ist halt auch die Infrastruktur da.
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Das war das, was dann halt irgendwie so auch mir die Frage beantwortet hat,
1:28:26–1:28:29
warum so viele Serien in London spielen.
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Und wenn ich jetzt da noch, also ich meine, man kann das wirklich,
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wie ich es schon sagte, dann gucken, wie London auftritt, was für ein Gesicht
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da gezeichnet wird von London.
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Aber es ist immer wieder so ein Ort, den ich immer wieder so gerne sehe.
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So ein bisschen wie wenn Berlin eine Serie spielt, dann freut man sich auch, da war ich neulich.
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Aus London, auch so wow, okay, ah, Barbican, wie geil also du hast dann so Spots
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wo ich auch emotional einfach was verbinde, ja, ich wollte dir jetzt nochmal
1:28:58–1:29:00
so diese, wenn du mal Zeit hast,
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britischen Serien empfehlen ja, also gerne, kannst du so, das war jetzt, das war mein eigentlich.
Micz Flor
1:29:08–1:29:13
I'm loving it Aber worum geht es denn eigentlich bei diesem London?
1:29:13–1:29:16
Wenn du es erzählst und du lässt die Frage jetzt unbeantwortet,
1:29:16–1:29:18
du musst dir über London schon ein bisschen nachgedacht haben.
Florian Clauß
1:29:18–1:29:22
Na, ich habe ja schon so ein bisschen angerissen. Aber gleichzeitig habe ich
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gemerkt, dass ich jetzt, sobald ich da irgendwie so einen Teppich knüpfe,
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dass das, glaube ich, zu lose ist, um dann halt wirklich so eine Fläche zu bieten.
1:29:30–1:29:33
Du kannst es nicht, es ist zu unterschiedlich. Es sind diese Facetten von der
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Stadt, die sich da widerspiegeln.
Micz Flor
1:29:35–1:29:37
Also ich würde...
Florian Clauß
1:29:37–1:29:41
Es war nur dieser Moment, wo ich halt mich gefragt habe, warum spielt jetzt
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auf einmal alles in London, was ich gucke?
1:29:44–1:29:49
Diese Verdichtung, die mich dann halt so stutzig gemacht hat und der ich dann
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halt irgendwie auf die Spur kommen wollte.
1:29:51–1:29:57
Dann eben so ein paar Antworten gefunden hat in der Geldwäscheanlage von London.
Micz Flor
1:29:58–1:30:02
Aber das meine ich auch. Ich habe neulich in Social Media irgendwo so ein Bild
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gesehen, zweigeteilt oben siehst du halt so junge Männer irgendwie mit weißen
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Hemden, weißen Anzügen.
1:30:07–1:30:12
Irgendeinem Skyrise-Blick über die Stadt London, so Anwälte- oder Banker-Typen.
Florian Clauß
1:30:12–1:30:12
Ja.
Micz Flor
1:30:13–1:30:16
Und da steht daneben How the Americans see the British.
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Und unten drunter siehst du halt irgendwie so ein Manchester,
1:30:20–1:30:23
irgendwie so ein klassisches Bild, was auch mal so als Witz durch die Social
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Media ging, weil man da so diesen goldenen Schnitt so gut zeigen konnte,
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wo so einer besoffen da liegt, die Polizei zieht ihn so hoch.
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Rechts hängt auch einer gegen den Mann, einen halben Kebab in der Hand.
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Irgendwie alles so dieses versiffte, alkoholisierte.
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How the rest of Europe see the British.
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Und das ist so beides irgendwie auch wahr. Und da hatte ich so ein bisschen
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das Gefühl, dass das bei London auch mit den Sendungen, beschrieben was zu Agency,
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es gibt halt immer, diese Stadt ist so picobello, aber es gibt dann da immer was Verstecktes drin.
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Oder dann, es gibt dann wie bei Peaky Blinders, das ist natürlich noch offen,
1:30:56–1:30:59
weil ich habe da auch nur zwei Folgen gesehen und gemerkt, Serien habe ich irgendwie,
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macht mir gerade keinen Spaß, aber das ist relativ offen, obwohl es so geheime
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Banden sind, weil alle wissen es.
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Aber London ist ja irgendwie so clean, du läufst da durch und bist dann in dieser
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absoluten Parallelwelt und dann gehst du um die Ecke und da ist dann Gary Oldman und raucht,
1:31:14–1:31:18
oder Michael Fassbender und in Agency, also aber immer solche Themen,
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aber das kann natürlich auch einfach deine Lust sein, das ist vielleicht deine
1:31:22–1:31:26
Linse, wie du drauf guckst, aber bei allem irgendwie eine Stadt, die integer,
1:31:26–1:31:31
erwachsen, entwickelt und intakt wirkt, aber dahinter ist was,
1:31:31–1:31:34
das ging ja irgendwie mit James Bond schon los, mit Harry Potter,
1:31:34–1:31:36
wo man dann, also da auch durch diese.
Florian Clauß
1:31:36–1:31:38
Durch dieses Gleis dann.
Micz Flor
1:31:38–1:31:39
Durch das halbe Gleis muss.
Florian Clauß
1:31:40–1:31:43
Du kommst immer wieder in so Zwischenbereiche. Das ist, glaube ich, der Punkt, ja.
Micz Flor
1:31:44–1:31:48
Und irgendwie ist es egal, wie viel die da oben drauf so glatt schmirgeln.
1:31:49–1:31:52
Es gilt immer noch das, was vor tausend Jahren passiert ist.
1:31:52–1:31:55
Ja, stimmt. Das hatte ich so ein bisschen das Gefühl. Und wenn du es vergleichst,
1:31:55–1:31:58
weil du sagst Gangs of London und dann eben Gangs of New York,
1:31:58–1:32:03
der Film, da ist es ja so, dass es wirklich so ein historisches Fenster in der Entwicklung war.
1:32:03–1:32:07
Das ist ja, das Buffer daran war ja irgendwie, wow, das ist gar nicht so lange her.
1:32:08–1:32:11
Aber bei London ist alles so lange her, wie die ewige Stadt Rom.
1:32:12–1:32:17
Ob das jetzt vor 1000 oder 1200 Jahren, dass irgendwie da jemand hingepinkelt
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hat und deshalb darf da heute immer noch kein Haus gebaut werden.
1:32:19–1:32:23
Man hat das Gefühl, es gibt so viel Geschichte, die die ganze Zeit versucht
1:32:23–1:32:25
wird wegzubetonieren, aber das bricht immer durch.
1:32:26–1:32:29
Das wäre dann schon so ein psychodynamisches Thema auch. Es kommt immer wieder
1:32:29–1:32:33
was durch die Stadt durch, dass man sofort glaubt, dass alles ganz anders ist,
1:32:33–1:32:37
als es scheint, wie bei Cate Blanchett auch. Es ist immer genau das Gegenteil
1:32:37–1:32:39
von dem, was ich gerade dachte, es war.
1:32:39–1:32:44
Und im Endeffekt stimmt immer beides. Und dass das vielleicht London auch so
1:32:44–1:32:48
anzieht, weil wenn du jetzt andere Sachen vergleichst, zum Beispiel deutsche
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Serien, das ist dann entweder, nicht Serien, aber ich meine auch so dieses Bild von den Nazis,
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dann ist halt irgendwie Harrison Ford fährt nach Berlin und da brennt alles,
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Bücher werden verbrannt, die Flaggen an der Wand, das sind halt solche Bilder,
1:33:01–1:33:03
das ist alles out in the open.
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DDR-Serie 1980 oder so hieß es doch, wo dann auch irgendwie alles immer dargestellt wird.
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Aber es gibt nicht wirklich was Verstecktes, selbst wenn man weiß,
1:33:13–1:33:17
dass es diese versteckten Verhörzellen gibt und Folterzellen und sowas.
1:33:17–1:33:22
Aber irgendwie ist es immer auch gleich sichtbar. Und in London ist es so,
1:33:22–1:33:26
als ob wir jetzt hier rechts da hochgehen und dann links an die Tür reingehen
1:33:26–1:33:31
und dann an den Blicken der Menschen sehen würden, dass wir jetzt gerade im falschen Gebäude sind.
1:33:31–1:33:34
Und dann geht der Fehler, lässt uns dann drei Staffeln nicht mehr los.
1:33:35–1:33:38
Also das verbinde ich so ein bisschen mit London und ich finde eine Tour ziemlich
1:33:38–1:33:40
genial, weil wir haben so viel, oder ich habe viele Fotos gemacht,
1:33:41–1:33:45
wo wir sind, wo ich eins zu eins sagen könnte, das hätte man auch in London fotografieren können.
1:33:45–1:33:49
Also gerade jetzt richtigen Potsdamer Platz. Ich liebe ja auch diesen Grünstreit.
Florian Clauß
1:33:50–1:33:54
Ich meine, mir ging es dann halt auch so in London, das ist vielleicht so ein
1:33:54–1:33:55
bisschen auch wie unsere Tour.
1:33:55–1:34:03
Man ist im öffentlichen Raum, man kann sich den öffentlichen Raum als Fußgänger dann so aneignen.
1:34:03–1:34:07
Man kann dann zu Plätzen gehen, wo man dann sagt, wow,
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aber gleichzeitig ist es halt öffentlich und dann in der nächsten Ecke ist dann
1:34:14–1:34:17
aber was total Verstecktes, da ist dann halt irgendwie sowas,
1:34:18–1:34:22
wie du sagst, was total Verschmiertes, Unheimliches, was dich da so ein bisschen
1:34:22–1:34:26
in die Gosse zieht, dieses Periphere, was dann passieren kann in der nächsten Korne.
Micz Flor
1:34:26–1:34:29
Aber das sind ja auch mal die London-Motive. Jack the Ripper,
1:34:30–1:34:31
Jekyll and Hyde und sowas.
1:34:31–1:34:35
Das sind ja irgendwie diese Motive aus der Zeit, die immer eben auch diesen
1:34:35–1:34:38
Underbelly mitbringen.
1:34:38–1:34:41
Die Geschichte passiert eigentlich in dem, wo man nicht drüber sprechen darf.
Florian Clauß
1:34:41–1:34:46
Ja, und du hast natürlich, ich meine, The Crown ist auch eine ganz erfolgreiche
1:34:46–1:34:49
Serie, die habe ich jetzt nicht geguckt, aber du hast das Monarchische,
1:34:49–1:34:54
als noch was drüberliegen, was dir dann immer auch vermittelt,
1:34:54–1:34:57
das ist auch dieses Gentleman Agreement, das ist dann auch,
1:34:58–1:35:01
das Adlige, was dann halt wirklich so ein Gewicht,
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verleiht, ohne, allein das ist halt eine Kultur und das ist halt so ein Titel
1:35:07–1:35:10
hat, aber ohne sich dann halt so zu beweisen Und das ist halt so,
1:35:11–1:35:13
das ist bei, das hatte ich ja schon erwähnt, bei Guy Ritchie,
1:35:14–1:35:20
diese unglaubliche Brutalität, das Brachial, das Primitive, was dann rausbricht,
1:35:20–1:35:22
ja, bei diesen ganzen artigen Titeln, ja.
1:35:22–1:35:25
Und das ist halt so dieser Kontrast, der da aufgebaut wird.
1:35:25–1:35:29
Man sieht es dann halt irgendwie in der Fassade, aber letztendlich hat das überhaupt
1:35:29–1:35:34
keine moralische Wirkung, sondern es ist einfach nur so, weil es in dieser Tradition
1:35:34–1:35:38
steht, bekommt es eine gewisse Relevanz, aber nur deswegen, ja.
1:35:38–1:35:43
Und das ist halt so, was dann so funktioniert, also als Kulisse.
1:35:43–1:35:46
Na, ich meine, natürlich ist es auch, wenn du jetzt so weitergehst,
1:35:47–1:35:51
der ganze britische Humor, der dann so dieses absolut trockene,
1:35:51–1:35:55
aber absurde Moment, was da auch mitschwingt.
1:35:55–1:35:57
Das hast du auch in vielen Serien so.
Micz Flor
1:35:58–1:36:04
Ja, ich fände es interessant, aber wir kommen, glaube ich, jetzt auch zeitlich ans Ende dieser Folge.
1:36:04–1:36:07
Aber ich fände es irgendwie auch interessant, wirklich nochmal über Serien generell
1:36:07–1:36:10
zu, weil als du es am Anfang angeschnitten hast, fand ich schon so,
1:36:10–1:36:11
dass sich das für mich wieder sehr gedreht hat.
1:36:12–1:36:16
Also zum Beispiel das letzte Mal, dass ich wirklich so ein, müsste man halt
1:36:16–1:36:20
schon sagen, so ein Filmvergnügen hatte, muss ich jetzt dummerweise zugeben,
1:36:20–1:36:23
aber wirklich halt bei Maverick mit Tom Cruise, weißt du, so irgendwie so.
1:36:24–1:36:28
Natürlich, ja, es ist halt irgendwie sowohl von der Farbgebung,
1:36:28–1:36:30
auch von der Länge der Schnitte, von dem, was da ist.
Florian Clauß
1:36:30–1:36:32
Es ist einfach so, 80er, ja.
Micz Flor
1:36:32–1:36:37
Es ist so wirklich nicht, es ist retro, es ist super retro, aber es tut irgendwie
1:36:37–1:36:41
insofern gut, als dass man so das Gefühl hat, ich spiele ja auch gerne Gitarre,
1:36:41–1:36:46
also nicht von ungefähr mache ich immer ein, zwei Folgen über Gitarren im Sommerloch.
1:36:46–1:36:48
Aber diese Sache, das...
Florian Clauß
1:36:48–1:36:49
Welches Sommerloch?
Micz Flor
1:36:49–1:36:52
Ja, unseres hier, guckt euch die Fotos an auf dem Blogpost.
1:36:54–1:36:56
Und jetzt habe ich vergessen, was ich sagen wollte. Aber ich wollte mit dir
1:36:56–1:36:59
da hinten hin. Ist es okay? Nee, ich würde gerne was essen.
Florian Clauß
1:36:59–1:37:01
Ja, gerne. Nee, das finde ich super.
Micz Flor
1:37:01–1:37:04
Okay, dann gehen wir da mal hin. Weil wir sprechen hier über die Sachen,
1:37:04–1:37:08
die sich dann irgendwie alle wegentwickelt haben und alles irgendwie versiegelt ist.
1:37:08–1:37:14
Und vorne vorbeigehen habe ich gesehen, dass es diese Pizzeria noch gibt. Ja, die Pizzeria.
Florian Clauß
1:37:14–1:37:15
Die mag ich auch.
Micz Flor
1:37:15–1:37:20
Ich weiß gar nicht mehr wann. Ich glaube, das war zur Premiere von Philipp Scheffners
1:37:20–1:37:22
Der Tag der Spatzen oder sowas.
1:37:22–1:37:29
Da war ich dann mit Merle und Philipp und der Crew und sowas da essen und das
1:37:29–1:37:32
ist im Prinzip genau das, wo ich vorhin sagte, das hat London bestimmt nicht mehr.
1:37:32–1:37:35
Irgendwas, was eine Geschichte hat von vor 15 Jahren.
1:37:35–1:37:40
Bis abgesehen von irgendwelchen Pubs, wo dann ein Guinness 12,50 kostet,
1:37:40–1:37:42
weil der Tisch von 1404 ist.
1:37:43–1:37:47
Okay, genug. Vielen Dank, Flo. Ich fand es total super. Ich wusste gar nicht,
1:37:47–1:37:48
was mich dann so erwartet.
1:37:48–1:37:51
Und ein bisschen war das jetzt das erste Mal wieder seit langem,
1:37:51–1:37:53
dass ich wirklich das Gefühl hatte, es war wie auf den Wanderungen.
1:37:53–1:37:57
Weil wir einfach so über ein Thema reden, wir hätten jetzt auch noch eine Stunde weiter reden können.
Florian Clauß
1:37:58–1:38:03
Ich wusste auch, dass du da total andocken kannst. Einfach aufgrund deiner Geschichte mit London.
Micz Flor
1:38:04–1:38:09
Ja, und das war irgendwie total schön. Aber auch einfach dieses Geplauder, was dann so entsteht.
1:38:09–1:38:13
Und du bist natürlich immer sehr gut recherchiert mit was, wann, wo, wie und so.
1:38:13–1:38:17
Das kommt auch mit rein, aber es hat mir total Spaß gemacht jetzt auch. Das freut mich.
Florian Clauß
1:38:18–1:38:24
Super. Ja, prima. Gut, dann würde ich sagen, das war eigentlich Episode 83.
1:38:24–1:38:30
Das Ganze könnt ihr auf eigentlich-podcast.de nachschauen, wo wir langgelaufen sind.
1:38:30–1:38:35
Da könnt ihr noch ein paar Links, Diktionelle, Episoden über die einzelnen Serien
1:38:35–1:38:39
und mehr und was ich so zusammengetragen habe, nachschauen.
1:38:40–1:38:44
Genau, dann Dann sag ich tschüss und bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
1:38:45–1:38:45
Bis zum nächsten Mal.
Florian Clauß
1:38:46–1:38:46
Tschüss.
Micz Flor
1:38:47–1:38:53
Und wir gucken jetzt noch mal, ob die Pizzeria noch gibt und wir sie uns noch
1:38:53–1:38:55
leisten können. Oder ob es sie einfach nur noch gibt.

Mehr

Peter Behrens praktische Anwendung seiner Prinzipien aus der Schrift "Vom sparsamen Bauen"

Peter Behrens gilt als Erfinder des Corporate Designs und als Vorreiter des Industriedesigns. Bei AEG wurde er 1907 zum künstlerischen Beirat berufen und gestaltete vom Briefpapier über das Logo bis hin zu Fabrik- und Verwaltungsgebäuden. Besondere Bedeutung erlangte das von ihm geführte Architekturbüro, dort arbeiteten 1908 unter anderem Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier quasi gleichzeitig. Peter Behrens war eigentlich Künstler und Architekt. Die gesellschaftliche Rolle von Architektur reflektierte er zur Zeit des endenden 1. Weltkrieges in seiner Schrift "Vom sparsamen Bauen". Dort entwickelte er eine Antwort auf die soziale Frage im Wohnungsbau. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt der Bau von Arbeiterwohnungen bei renommierten Architekten nicht viel. Aber das sich veränderte Stadtbild im Zuge der Industrialisierung brachte eine Reihe von Problemen mit sich, die auf politischer und gesellschaftlicher Ebene Antworten erwarteten. Teilweise waren in einigen Gebieten Berlins über 80% der Arbeiter:innen an Tuberkulose erkrankt aufgrund der schlechten Lebens- und Wohnbedingungen. Mit dem Ende des 1. Weltkriegs kommen die enormen wirtschaftlichen und durch den Geburtenrückgang und die hohe Zahl an Opfern und Invaliden gesellschaftlichen Belastungen hinzu. Mit der sich bereits 1917 abzeichnenden und 1920 umgesetzten Erweiterung des Stadtgebietes "Groß-Berlin" wächst Berlin um das 10-fache seiner bisherigen Fläche und ist nach London und New York mit knapp 4 Millionen die bevölkerungsreichste Stadt der Welt. In diesem Zuge sind zahlreiche Siedlungsprojekte entstanden, um Infrastruktur und Wohngebiete zu entwickeln. Peter Behrens Schrift "Vom sparsamen Bauen" von 1918 fasst seine Erfahrungen aus den bisherigen Wohnbausiedlungen zusammen und entwickelt Ideen, um möglichst hochwertigen, kostengünstigen und sozial verträglichen Siedlungsbau zu betreiben. Die erste praktische Anwendung nach Veröffentlichung der Schrift findet sich in der Waldsiedlung Lichtenberg in der Wuhlheide zwischen der Köpenicker Chaussee und Karlshorst gelegen. Hier entstanden in den Jahren von 1919 bis 1920 117 Wohnungen, die sich auf schlichte, einfache Einfamilienreihenhäuser und Vierfamilienhäuser mit Gärten und kleinen Stallgebäuden verteilten. In dieser Eigentlich-Episode besuchen wir die noch heute gut erhaltene Waldsiedlung Lichtenberg und schauen uns die Prinzipien des sparsamen Bauens direkt vor Ort an.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
Erzähler
avatar
Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:04–0:00:04
Wie ich starte.
Florian Clauß
0:00:05–0:00:06
Nein. Soll ich dir die Einleitung.
Micz Flor
0:00:06–0:00:12
Ach so, nee, die Einleitung. Ähm. Die Einleitung also.
0:00:14–0:00:27
Hallo, Wir sind wieder unterwegs. Wir reden beim Laufen und sind laufend am Reden. Flo rechts neben mir. Ich bin mit und Flo hat ein Thema mitgebracht, das ortsbezogen ist.
0:00:28–0:00:38
Er nimmt den GPS Track auf, jedes Mal und diesmal könnte man gucken auf eigentlich das Podcast D Ganz oben Blogposts gibt es immer, auch die Karten, wo wir lang laufen.
0:00:40–0:00:50
Also ich weiß nicht, worum es geht. Ich weiß nur, dass Flo sich noch extra 15 Minuten rausgegraben hat, weil er meint, es unglaublich viel vorzubereiten.
0:00:51–0:00:53
Flo What's what's what's up?
Florian Clauß
0:00:54–0:00:59
Ja, Hallo von mir, herzlich willkommen bei eigentlich 17!
0:01:00–0:01:07
Wir erscheinen alle zwei Wochen meistens am Donnerstag und am Donnerstag, aber eigentlich immer am Donnerstag.
0:01:07–0:01:12
Bisher haben wir dann noch keinen kein Donnerstag ausgelassen.
0:01:13–0:01:14
Alle 14 Tage natürlich.
0:01:16–0:01:21
Ja, ich muss sagen, der. Das Thema, was ich dir mitgebracht habe.
0:01:23–0:01:36
Hat mich schon etwas länger beschäftigt und reiht sich vielleicht ganz gut in die anderen Themen ein, die ich zuletzt in meinen letzten Folgen gesprochen habe.
0:01:37–0:01:40
Ja, also ich habe zuletzt.
0:01:41–0:01:47
Über Kuhle Wampe auch gesprochen? Ich hörte Nein, Steps. Es ist die Zeit.
0:01:48–0:01:51
Ja Ferdinand Steps vielleicht. Inhaltlich.
0:01:54–0:01:59
Setzt es auch da ein. Oder geschichtlich? Wo?
0:02:01–0:02:07
Wo? Für den einen Steps die Romanvorlage erzählt nämlich Erster Weltkrieg.
0:02:08–0:02:18
Und der örtliche Bezug ist, wie schon erwähnt hat, hier auch gegeben. Wir sind, jetzt muss ich gestehen, auch gar nicht mehr so weit weg von unserer.
0:02:19–0:02:28
Einer der ersten Folgen, die wir gemacht haben, da haben wir nämlich hier sind wir auch lang gelaufen in die Wuhlheide. Wir laufen gerade parallel zur Wuhlheide.
0:02:29–0:02:42
Ich hoffe, wir können bald einbiegen und sind so ein bisschen abseits der Straße, weil jetzt hört ihr wahrscheinlich ganz viele laute Geräusche neben uns.
Micz Flor
0:02:43–0:02:54
Vielleicht können wir ja einfach bis zur Abbiegung sozusagen einen Jumpcut machen, um den Lärm hinter uns zu lassen und machen einfach weiter, wenn wir hier wegkommen.
Florian Clauß
0:02:55–0:02:56
Ja, Lass uns das machen.
Micz Flor
0:02:56–0:02:57
Okay.
Florian Clauß
0:02:59–0:03:12
Wir sind jetzt. In auf einen Waldweg, der übrigens auch zum Europa Radweg R1 gehört, wo wir auch schon mal drauf waren. Hey.
Micz Flor
0:02:59–0:03:00
Wir sind.
0:03:13–0:03:17
Ach, stimmt. Es war doch. Bei der Gitarrenfolge.
Florian Clauß
0:03:16–0:03:20
Das war auch Kuhle Wampe. Ähm, ja, wir sind hier nämlich auf den Radweg.
0:03:20–0:03:29
Er eins, der hättest ihn in die Richtung stadteinwärts laufen wir und mit.
0:03:29–0:03:35
Also ich hatte ja schon angekündigt, das Thema hat mich schon länger beschäftigt.
0:03:35–0:03:38
Es ist 111 geschichtliches Thema.
0:03:39–0:03:46
Es ist und man muss ja sagen, je älter man wird, desto greifbarer wird Geschichte.
0:03:46–0:03:57
Einmal ein einfach weil man auch selber eine eigene Lebensgeschichte hat und dann besser versteht, was Dekaden sein können. Von dem Ausmaß, von den zeitlichen aber auch.
0:03:59–0:04:07
Dass Geschichte so ja das ist so gelebte Geschichte ist so alltägliche Geschichte, die Geschichte quasi von unten.
0:04:07–0:04:22
Und dann ist es nicht mehr so eine irgendwie, wie man in der Schule beide beigebracht bekommen hat, was jetzt die Römer gemacht haben, zu welchen Zeiten, zu welchen Zeitdaten, sondern das ist halt wirklich, was sich bewegt hat.
0:04:22–0:04:26
Und ich bin ja mit der Berliner Geschichte auch sehr verknüpft.
0:04:27–0:04:35
Und ja, wir gehen jetzt quasi auf die auf den Ort zu, den ich hier auch präsentieren möchte.
0:04:36–0:04:45
Es ist die Geschichte, die fängt eigentlich auch im wilhelminischen Reich noch an, also vor der Jahrhundertwende,
0:04:46–0:04:52
also so um das 19. ausgehenden 19. Jahrhundert.
0:04:52–0:05:06
Und in dieser Zeit passiert ja mit Berlin und auch überhaupt mit Deutschland ein unglaublicher Wandel, nämlich einen Wandel von.
0:05:08–0:05:19
Von der Industrialisierung. Die Industrialisierung setzt in Deutschland ungefähr ein Vierteljahrhundert später ein als in England, aber dafür umso krachende.
0:05:19–0:05:28
Also da, da entstehen die ganzen großen Industrien auch in der Stadt.
0:05:28–0:05:38
Also man hat jetzt nicht diese peripheren Lagen, sondern teilweise aus irgendeinem Hinterhof heraus wachsen dann die Industrieanlagen und.
0:05:42–0:05:45
Und es ist unglaublich viel in Bewegung.
0:05:45–0:05:51
Diese ganze Dynamik, das kriegt man jetzt so ein bisschen mit. Durch diese nach kolorierten.
0:05:54–0:06:08
Historischen Filmchen, die halt auch mit Krieger bearbeitet, auf einmal so eine Brillanz von 4K entwickeln und so ganz so ganz vertraut wirken, wenn die alt koloriert sind. Dann ist es nämlich nicht mehr so!
Micz Flor
0:06:08–0:06:19
Warum bin. Ich finde den Unterschied auch kaum fassbar. Also es ist wirklich erstaunlich, was Man weiß es im Kopf, aber es entsteht nichts.
0:06:19–0:06:31
Man sieht das Schwarz Weiß Bild, man weiß, das waren Farben, es entsteht nichts und man sieht es in Farbe und es bewegt sich und die Geschwindigkeiten wurden angepasst und die Bilder verbessert. Und auf einmal trittst du wirklich in Resonanz mit den Leuten.
Florian Clauß
0:06:32–0:06:47
Ja, die werden viel vertrauter und das ist, glaube ich auch hier so dieser Ort, denn es wird einfach eine gewisse Vertrautheit baut sich auch, weil halt irgendwie eine Nachvollziehbarkeit da ist und nicht mehr nur so ein ausgeglichenes Bild.
0:06:47–0:07:00
Und zu dieser Industrialisierung passiert natürlich auch eine sehr, sehr starker Bevölkerungswachstum, das heißt Fabriken entstehen.
0:07:01–0:07:09
Die Arbeiter und Arbeiterinnen kommen dann halt auch in die Stadt oder finden sich da ein.
0:07:09–0:07:18
Das heißt, ein ganz hoher Bedarf an Wohnungen entsteht auch und in der Zeit wurden halt so Mietskasernen gebaut.
0:07:19–0:07:22
Es wurde halt einfach eins nach dem anderen hochgezogen.
0:07:24–0:07:33
Man kennt da diese typischen. Dritter, vierter Berliner Hinterhof, wo dann halt irgendwelche Arbeiterfamilien dann halt mehrfach im Jahr umgezogen sind,
0:07:34–0:07:40
weil die einfach auch in diesen Mietskasernen dann teilweise Miete gespart haben, um die trocken zu wohnen.
0:07:40–0:07:42
Das ist das Trockenwohnen, kennst du auch, oder?
0:07:42–0:07:53
Das heißt, wenn die halt frisch gebaut sind, diese Häuser, dann dünsten die halt extremst viele Schadstoffe aus und eigentlich kann da keiner drin wohnen.
0:07:53–0:08:07
Aber das wurde halt an an diesen mittellosen Familien dann halt untervermietet, damit die halt in der Zeit zu einer vergünstigten Miete da auch eben wohnen können.
0:08:07–0:08:21
Und sobald dann eben das, ich glaube das waren dann halt so ein paar Monate, sobald das dann halt durch war, konnten die das halt irgendwie normal vermieten oder etwas angepasster, dass diese Mietskasernen entstehen.
0:08:21–0:08:35
Und ja, und es entsteht halt eigentlich Deutschland wird zu einer Industrienation, kann man so sagen. Und in Berlin ist das vor allen Dingen Siemens, Siemensstadt und AEG.
0:08:36–0:08:43
All gehe es dann auch durch die beginnende Elektrifizierung usw. als Konzern.
0:08:44–0:08:49
Ich glaube, der sitzt dann in Moabit im heutigen.
0:08:51–0:08:57
Und ich springe jetzt ein bisschen vor. Ich will auch über denjenigen sprechen, der AEG maßgeblich geprägt hat,
0:08:58–0:09:08
ihn als Künstler, aber auch der Erfinder von dem Industriedesign und des Corporate Designs. Ja.
Micz Flor
0:09:09–0:09:11
Jetzt bin ich aber gespannt. Der.
Florian Clauß
0:09:11–0:09:22
Der ja, also das ist natürlich. Und deswegen sage ich, ich musste mich viel vorbereiten, weil natürlich unglaublich viele Arbeiten und Geschichte schon von von diesem Mann geschrieben wurden,
0:09:22–0:09:26
weil er ja sehr viel bewirkt hat. Es geht um Peter Behrens.
Micz Flor
0:09:26–0:09:31
Ah, okay. Ja. Das ist der Anfang.
Florian Clauß
0:09:27–0:09:33
Ja. Peter Behrens, der Anfang des 19.
0:09:33–0:09:40
Des 20. Jahrhunderts bei der AEG AEG angestellt war, der und das ist finde ich auch so unglaublich er hatte.
Micz Flor
0:09:40–0:09:48
Doppelt gespannt wie wir jetzt. Wenn Peter ist. Peter Behrens der Gegenstand der. Gegenstand dieser Folge.
Florian Clauß
0:09:45–0:09:51
Der Peter Behrens ist, ne? Es geht um. Um. Um das. Was er da. Was er. Gewirkt hat.
Micz Flor
0:09:51–0:10:00
Okay, weil ich jetzt gerade dachte, dieser Weg, auf dem wir jetzt gerade so schnurstracks laufen, der so ins Nichts führt und dann jetzt dieser Name, habe ich gesagt. Wie kommt das jetzt zusammen? Okay, ich bin gespannt.
Florian Clauß
0:10:00–0:10:06
Es kommt gleich zusammen am Ende des Weges, nämlich, weil auch Peter Behrens als Architekt tätig war.
0:10:07–0:10:13
Und er hatte ihn. Er war künstlerischer Leiter, quasi von AEG zu einem gewissen Zeitpunkt.
0:10:14–0:10:17
Peter Behrens hat auch die Industrienormen usw. sehr gefördert.
0:10:18–0:10:26
Künstlerische Leiter, wo er dann vom Briefpapier bis zum Fabrikgebäude alles inszeniert, gestaltet und auch als Architekt tätig war.
0:10:27–0:10:35
Er war ein unglaublich präziser Mann. Ich will gar nicht so viel Biographie, weil ich mich auch nicht wirklich mit der Biographie beschäftigt habe von Peter Behrens. Ich will aber nur noch.
0:10:38–0:10:47
Die Anmerkung machen, dass er hatte dann halt im Anfang des 20. Jahrhunderts ein Büro, wo dann teilweise als Praktikanten, teilweise als Angestellte.
0:10:48–0:10:55
In diesem Büro haben Walter Gropius, Corbusier, Mies van der Rohe alle da gearbeitet, die waren halt schon.
0:10:56–0:11:09
Es ist schon unglaublich. Hast du schon die geballte, die geballte Bauhauskultur? Alles, was dann halt später dann. Und Peter Behrens war quasi so ein Schmelztiegel. Und ich nicht nur.
0:11:09–0:11:15
Also ich will jetzt ja nicht so diese, diese Individualgeschichte dann halt beschreiben, sondern es geht halt immer um.
0:11:15–0:11:19
Es war ein Zeitgeist. Alles was da passiert ist.
0:11:19–0:11:26
Ich meine natürlich, du hast ja ähnliche ähnliche Architekten, die zu der Zeit in Berlin gewirkt haben.
0:11:27–0:11:33
Max und Bruno Taut zum Beispiel, die sehr ähnliche Projekte gemacht haben wie Peter Behrens und.
0:11:35–0:11:49
Ich will jetzt noch mal, bevor ich jetzt weiter über Peter Bernd erzähle, noch ein einen Punkt erwähnen, der dann diese diese Grundlage gelegt hat, in dem dann Peter Behrens weiter gegangen ist.
0:11:49–0:11:54
Es geht um die Zusammenlegung von Groß Berlin.
0:11:54–0:12:02
Berlin war lange Zeit quasi mehr oder weniger eine Zweigstelle, die einander grenzten.
0:12:02–0:12:13
Köln also mit Colöln und Berlin. Und die Stadtgrenze verlief da in der Höhe des Doms in der Nähe da.
0:12:15–0:12:20
Ich glaube, das war sogar in diesem nicht Märkisches Viertel, sondern dieses wie heißt das Viertel?
0:12:21–0:12:27
Also auf jeden Fall ist dort die Stadtgrenze langgelaufen. Nikolai Viertel Genau. Nikolai führt das.
Micz Flor
0:12:24–0:12:26
Nicolas Nikolai.
Florian Clauß
0:12:27–0:12:33
Ja, genau. Und da ist die Stadtgrenze langgelaufen? Dann ja.
0:12:33–0:12:39
Berlin war lange Zeit quasi mehr oder weniger so eine Exerzierstadt, also so eine Übung Stadt für Militär.
0:12:39–0:12:46
Und hat sich dann halt auch erst so im 18. Jahrhundert und 19. Jahrhundert richtig entwickelt.
0:12:46–0:12:51
Und in Berlin ist dann halt quasi angewachsen und es gibt so zentrale.
0:12:53–0:13:04
Zentrale Bezirke. Und dann gab es diese Bezirksreform, die sich schon 1915, also während des Ersten Weltkrieges, angedeutet hat und dann 1920, Ende 1919 umgesetzt wurde.
0:13:04–0:13:13
Das Großberlin und da wurden halt ganz viele Bezirke eingemeindet, eingemeindet zum Großberlin und das ist zum Beispiel hier auch Wuhlheide Köpenick.
0:13:14–0:13:21
Und dann haben wir auch auf der anderen Seite Charlottenburg war noch vorher eine Stadt. Charlottenburg wurde dann halt auch mit eingemauert.
0:13:21–0:13:26
Also es stieg also es hat dann auch einen enormen Bevölkerungswachstum.
0:13:26–0:13:31
Berlin hatte mehr Einwohner als heute, also knapp.
0:13:32–0:13:36
Also jetzt, damals zu der Einigung hatten die glaube ich 3,8 Millionen.
0:13:36–0:13:47
Es wuchs dann während der Weimarer Republik auf 4,1 Millionen an und jetzt ist dümpelt Berlin immer so um 3,7 bis 3,8 Millionen Einwohner. Also, das heißt, das war.
0:13:48–0:13:54
Es war die drittgrößte Stadt der Welt und die größte Industriestadt in Europa.
0:13:55–0:14:08
Mit dieser Eingemeindung, ähm, was natürlich dann aufgrund der aufgrund der Fläche zu dem Ja zu dieser Frage führt Wie besiedeln wir die Flächen?
0:14:08–0:14:15
Und es gab die sogenannten Siedlungsprojekte, ganz viele Wohnungsbau, Hausbau, Geschichten waren halt.
0:14:18–0:14:25
Häuser erst mal gebaut werden mussten und dementsprechend auch Programme dafür vorgelegt werden mussten. Es war halt,
0:14:27–0:14:37
auch eine Frage des kostengünstigen Bauens, der Erschließung durch Infrastruktur, also Elektrifizierung usw.
0:14:37–0:14:44
Und das gab es halt hier in ganz Berlin, also in Berlin, in diesem Ostberlin, hier Wuhlheide.
0:14:44–0:14:55
Aber wenn man ein bisschen höher gehen und dann gucken, dann Richtung Karlshorst, dann kommt noch Hoppegarten, kommt das ganze Areal bis hin nach Strausberg.
0:14:55–0:15:02
Das ist zum Beispiel das größte Gebiet von Einfamilienhäusern der Welt.
0:15:02–0:15:10
Also es gibt hier, das gibt wirklich also diese Einfamilienhäuser, das ist halt so ein Teppich von gleichen Häusern,
0:15:11–0:15:19
oder ich weiß nicht, ob es der Welt ist oder Europas, aber es ist auf jeden Fall eine Dimension, wo ich dachte, auch das kann ich mir kaum vorstellen.
0:15:20–0:15:33
So, und jetzt sind wir eigentlich bei dem eigentlichen Thema angekommen. Wir sind nämlich am Hagemeister weg und hier hat Peter Behrens einige Häuser gebaut.
0:15:33–0:15:36
Wir stehen jetzt hier, zum Beispiel vor diesem Haus ist von Peter Behrens.
0:15:36–0:15:40
Es gibt hier eine Siedlung, die sogenannte Waldsiedlung.
Micz Flor
0:15:40–0:15:48
Für die Hausnummer 46, Haus Nummer 46, die wir verlinken. Nochmal diese ganzen Hausnummer. Es gibt.
Florian Clauß
0:15:43–0:15:46
Im Haus Nummer 46 die Wahl. Wir verlinken noch mal diese ganzen Hausnummer.
0:15:47–0:15:55
Es gibt. Es gibt eine Waldsiedlung Lichtenberg und das ist so eine.
0:15:55–0:16:00
Eine Siedlung, wo Peter Behrens das 1918 also diese Siedlung ist 1919 entstanden.
Micz Flor
0:15:55–0:15:57
Siedlungen wohl. Peter Behrens das.
Florian Clauß
0:16:00–0:16:05
1918 hat er das Buch vom sparsamen Bauern geschrieben und.
Micz Flor
0:16:00–0:16:04
Unter den 18 hat er das Buch vom sparsamen Bauern geschrieben.
0:16:04–0:16:10
Ja, und lustig war ich glaub davon hast du vor Jahren schon mal erzählen, weil ich dachte, ich hatte mal hier.
Florian Clauß
0:16:08–0:16:10
Ja, ja, genau. Weil ich. Ich hatte mal hier.
Micz Flor
0:16:10–0:16:20
Zum Tag des offenen Denkmals war mal hier so eine Begehung und ein Historiker hat dann halt hier von dieser Sache berichtet und das hat mich schon total fasziniert.
Florian Clauß
0:16:13–0:16:18
Hier ist eine Begehung und ein Historiker hat dann hier von dieser Sache berichtet.
0:16:18–0:16:26
Und das hat mich schon total fasziniert. Wo ich dann immer dachte Oh, geiles Thema, würde ich gerne mehr und Siedlungsgeschichte.
Micz Flor
0:16:20–0:16:25
Wo ich dann immer dachte oh, geiles Thema, würd ich gern damit und Siedlungs.
Florian Clauß
0:16:26–0:16:32
Und ich habe dann eine eine Dissertationsarbeit im Netz gefunden von Regine Broich, die,
0:16:33–0:16:43
Peter Behrens Siedlungsprojekt oder Wohnungsbauprojekte von 1910 bis 1920 geschrieben hat und da diesen Wandel dokumentiert hat anhand von verschiedenen Projekten.
Micz Flor
0:16:42–0:16:46
Verschiedenen Projekten. Peter Behrens hat dann, bevor er hier ist.
Florian Clauß
0:16:43–0:16:49
Also Peter Behrens hat dann, bevor er hier das war das Letzte, was er glaube ich, so in Berlin gemacht hat.
Micz Flor
0:16:48–0:16:59
Eine machte. Davor hatte er. In Oberschöneweide ist ein Industrieareal entstanden, wo dann noch die AEG hingezogen ist, wo er dann quasi auch für die Arbeiter dort bestimmte.
Florian Clauß
0:17:17–0:17:19
Berühmten Architektur,
0:17:21–0:17:31
schaffen von ihm, wo er die Turbinenhalle in der Voltastraße in Moabit gebaut hat, die jetzt so dieses ganz, dieses etwas epische.
Micz Flor
0:18:13–0:18:16
Während des Ersten Weltkrieges. Heraus kam die Frage nach.
0:18:19–0:18:23
Dass ein quasi ein lebenswürdiges,
0:18:25–0:18:34
also liebenswürdige Wohnungen für Arbeiter, weil die und das war hier, was wir jetzt gerade sind, das war eine Arbeitersiedlung.
0:18:34–0:18:36
Es war so konzipiert, dass es für.
0:18:37–0:18:46
Also ich komme noch mal darauf zurück, weil es gibt verschiedene Häusertypen, die entworfen hat, es gibt bestimmte Bauweisen, die er damit auch formuliert hat und,
0:18:48–0:18:58
und es war so angelegt und das ist nun mal glaube ich, diesen diesen Bogen würde ich gerne noch mal aufmachen, weil es war natürlich eine unglaubliche Traumatisierung durch die.
0:19:00–0:19:08
Für für die Heimkehrenden. Da es eine hohe Invalidenquote ist, musste quasi.
0:19:08–0:19:21
Es war dieser Friedensvertrag oder einfach der Vertrag, der geschlossen wurde, der, den das Ende des ersten Weltkrieges eingeleitet hat, was extreme Reparationskosten für Deutschland aufgelegt hat.
0:19:22–0:19:28
Was halt auch glaube ich, dieses Selbstbewusstsein der Industrienation total zurückgefahren.
Florian Clauß
0:19:27–0:19:31
Total zurückgefahren hat. Sie mussten einfach gucken Wie kriegen die das jetzt hin?
Micz Flor
0:19:30–0:19:33
Können. Finde das jetzt hin. Und deswegen gab es überall solche.
0:19:33–0:19:39
Und dann halt irgendwie auch um. Um. Um was zu bieten. Um.
0:19:39–0:19:50
Und diese soziale Frage war ganz massiv diskutiert worden. Die war vorher. Dann war es relativ im wilhelminischen Reich, was relativ egal. Aber dann kam schon und es wurde von der Architektur nicht beachtet.
0:19:50–0:20:02
Dann haben die namhaften Architekten haben sich halt immer an den bürgerlichen Häusern versucht, aber es war nie dann halt ne Frage von wie kann ich irgendwie Gestaltung, Wohnraum oder Wohnraum gestalten, der für Arbeiter,
0:20:02–0:20:06
innen dann halt auch bewohnt wird. Und das kam aber so ins.
Florian Clauß
0:21:01–0:21:06
Stimmt dann nicht mehr. Quasi weitergebaut worden.
0:21:06–0:21:10
Es sind 115 und 117 Wohneinheiten wurden hier gebaut. Es gab.
0:21:11–0:21:19
In dem sparsamen Baumbauen hat der Peter Behrens genau beschrieben, was er für Häusertypen dann entwickelt.
0:21:19–0:21:27
Die Häusertypen sind aus und das muss man, glaube ich, auch so verstehen. Es ging nicht darum, billig zu bauen, sondern der Peter Behrens war halt Künstler.
0:21:27–0:21:31
Also er wollte halt eine möglichst günstige Bauweise,
0:21:32–0:21:44
mit einer ganz hohen Ästhetik, also dieser, diese, diese, dieser Anspruch da halt auch auf einem ganz hohen, auf einer ganz hohen Qualität von Ästhetik zu arbeiten, das war ihm halt sehr wichtig.
0:21:44–0:21:48
Und deswegen sind also diese sind halt hier auch Kulturerbe.
0:21:48–0:21:55
Die Häuser sind in 1990 sind die dann größtenteils in privaten Besitz zurückgefallen.
0:21:55–0:22:03
Es wurde 950, also wurde es wieder auch, aber weil aufgebaut, weil einige Häuser im zweiten Weltkrieg dann zerstört wurden.
0:22:04–0:22:18
Und 1990 haben sich halt auch die Leute, die hier wir gehen jetzt mal hier rein in die Straße, also wir sind jetzt Wegemeister weg und gehen jetzt in den Drosselstieg und das ist, glaube ich, so der Kern der,
0:22:20–0:22:22
Siedlung hier und wo.
Micz Flor
0:22:22–0:22:29
Ich beschreibe mal ganz kurz, was man so sieht oder was für ein Gefühl ist, weil es ist irgendwie schon sehr schlicht.
0:22:29–0:22:32
Also die Häuser haben jetzt keine.
0:22:34–0:22:38
Keine Verzierungen, kein Stuck oder so.
0:22:38–0:22:42
Es gibt aber so Erkerchen und kleine Vorbauten. Ist alles so ein bisschen verschachtelt.
0:22:43–0:22:53
Das hat so ein bisschen was von Legohaus, würde ich so sagen. Früher Lego, das heißt, die hat schon das Gefühl, dass zum Beispiel die Dachelemente alle sehr ähnlich sind. Als ob es da immer die gleichen Winkel gibt.
0:22:54–0:23:03
Jetzt aber nicht einfach stupide runtergerechnet wurden, sondern die dann so versetzt aufgebaut wurden, so dass das halt alles auch sehr verwinkelt wirkt,
0:23:04–0:23:18
sondern wie es jetzt auch schon so ein bisschen dunkler, das heißt, das Licht gibt dem jetzt hier auch so ein bisschen, was sehr, sehr heimelig ist und man hat so ein Gefühl, ich sage ein sehr schwieriges Gefühl von Heimat.
0:23:18–0:23:28
Ja, das ist irgendwie so, so was, was glaube ich in so einer großen Stadt wie Berlin oder wie du sagst, die Stadt war damals ja noch größer als heute, dass man wirklich so ein Gefühl von.
0:23:30–0:23:36
Also wenn man sich vorstellt, hier gehörte einem so ein Haus, das ist heute sicherlich keine Arbeitersiedlung mehr hier.
0:23:37–0:23:51
Also ich glaube, diese Häuser sind eher so Prime Property, wenn die überhaupt noch verkauft werden oder wenn man da einfach drauf sitzen bleibt. So, es hat auch so eine Spur von England kann ich mir so eine Materialien aber einfach weil die zweigeschossig sind.
0:23:52–0:23:57
Es ist ja auch so, dass du halt dann wirklich das Gefühl kriegst von diesen englischen Reihenhäusern so ein bisschen,
0:23:58–0:24:08
und ähm, ich nehme mal an, dass hier nämlich wir waren vor über zehn Jahren mal zusammen in der taut Siedlung da im Süden, wo wir diesen Badeofen abgeholt haben.
0:24:09–0:24:15
Der hatten wir über Ebay, so ein Badeofen, wo man mit Feuer Wasser warm machen kann und einer hat diesen,
0:24:16–0:24:27
das Ding entkernt und umgebaut und musste dann irgendwie die ganzen alten Kohleöfen wo taut, wo wirklich die Farbe für jeden einzelnen Ofen sich ausgedacht hat.
0:24:27–0:24:32
Die wurden einfach so rausgerupft und die wollte keiner auf ebay kaufen und wir hatten nicht genug Ladefläche.
Florian Clauß
0:24:33–0:24:38
Ja genau. Aber es ist, was du beschreibst, nämlich, dass es so ein ähnliches Gefühl.
Micz Flor
0:24:33–0:24:44
Aber das was du beschreibst, nämlich dass es so die Gärten, da war ich eigentlich nur, weil da unten hat man die Gärten sehr gesehen. Hier habe ich noch nicht gesehen. Das gehen wir mal hier vom Weg ab.
Florian Clauß
0:24:44–0:24:56
Ich will deswegen hier erst mal nach hinten in den Garten gehen, weil das war jetzt auch ein ganz prägendes, prägendes Element von diesen Typen Häusern,
0:24:56–0:25:02
dass man pro Parzelle mehr oder weniger pro Haustyp auch ein Gartengrundstück hat.
0:25:03–0:25:08
Einfach mit dem Ziel, dass die jeweiligen Familien sich selbst versorgen können, also die Garten.
0:25:09–0:25:12
Die Gärten sind so zwischen 100 bis 300 Quadratmeter groß.
0:25:13–0:25:25
Es gab dann auch immer eine kleine Bestallung, die vorgesehen werden wurde und es gab tatsächlich also einen Garten um um sich selbst zu versorgen, um Tiere auch dann zu haben und jetzt auch nochmal so ein.
0:25:25–0:25:37
Das, was du beschrieben hast, dieses gestaffelte, das ist das Mäandern, also es ist auch so, so ein architektonischer Begriff, das kommt ja, dieses Mäandern ist halt dieses, dieses Muster, dass sich das,
0:25:38–0:25:43
nicht so geradlinig durchzieht, sondern dass sich die Front auch sehr zurückzieht, dass wir dann auch eine.
0:25:43–0:25:48
Also es geht auch in diesem sparsamen Bauen dann halt natürlich diese Siedlungsfrage, diese.
0:25:49–0:26:00
Frage von Erschließung des Grundstückes, das heißt, der ganze Straßenbau, diese ganze Legung von Infos, von Elektrizität und von fließendem Wasser war auch immer eine Frage von Ressourcen.
0:26:00–0:26:07
Das heißt, die haben so effektiv wie möglich dann halt gebaut, damit die nicht dann irgendwelche unnötigen Wege haben.
0:26:07–0:26:20
Also alles was unnötig war, wurde dann so wenig wie möglich. Es wurde vermieden, aber gleichzeitig wurde sehr stark Wert gelegt, dass es nicht zu sehr in so einer, in so einer Flucht dann endet, sondern dass es sich sehr auf sprengt.
0:26:20–0:26:26
Und es gibt hier verschiedene Wohnungsstypen und Ziel war auch das gibt halt irgendwie eine.
0:26:27–0:26:32
Hier in dieser Siedlung wohnen Wohnungen, wo halt dann auch tatsächlich ein eigenes Bad drin war.
0:26:32–0:26:40
Und es gab dann auch die Ausbaupläne haben vorgesehen, dass es dann halt hier einen Marktplatz gibt, dass es eine Schule gibt, dass es dann halt eine Bäckerei usw.
0:26:40–0:26:48
Also das war mit diesem ganzen Social Wedding, mit den Social und Economy Embedding war hier auch vorgesehen, dass.
Micz Flor
0:26:48–0:26:52
Das war jetzt von Behrens geplant. Was war Gebäude? Es war.
Florian Clauß
0:26:51–0:26:55
Was ist davon? B.. Es wurde von Gaye ausgefüllt. Führt es?
Micz Flor
0:26:55–0:27:00
Ich musste ganz kurz zu Fuß oder so ein bisschen schmunzeln, weil ich dachte dann, weil du vorhin sagtest, Corbusier auch,
0:27:00–0:27:11
als Schüler oder sowas damit involviert war in dieses Denken, der dann später diese Wohnmaschinen gebaut hat, wo im Prinzip die Kita und alles im Haus drin war. Also nicht so, der Garten war weg.
0:27:11–0:27:22
Ja, aber das Ganze war dann auf einmal nach innen gekehrt, was von außen einfach nur ein Block, der natürlich auch ästhetisch ansprechend gestaltet war, auch so mit zweistöckigen Wohneinheiten.
0:27:22–0:27:32
Aber innen drin war dann eben diese ganze Kita. Und dieses Gefühl von sozialem Funktionieren wurde dann auch ins Haus gelegt und hier war es dann noch außerhalb.
Florian Clauß
0:27:33–0:27:36
Ich kenne ihn Architekturgeschichte nicht aus. Ich.
0:27:36–0:27:43
Aber es ist halt ganz viele Impulse, Ideologien oder oder oder. Visionen kommen halt irgendwie aus diesem Umfeld.
0:27:43–0:27:46
Bauhaus hat bestimmte Sachen ausprobiert.
0:27:47–0:27:54
Ja, natürlich hier und andere. Und es hat sich immer weiterentwickelt. Es ging dann halt so in diese neuen Wohnungsbau.
0:27:54–0:27:59
Wie kann man das noch gestalten? Was also sicher war maßgeblich dann irgendwann das Auto.
0:27:59–0:28:11
Hier hat es noch keine große Rolle gespielt, aber dann halt die Frage, wie sich dann halt Stadtplanung auf Mitauto dann auf den die Wohnungstypen haben wir zum Beispiel in Kreuzberg usw.
0:28:11–0:28:22
Gibt es ja auch so einige Ecken wo von dieser Autostadt Berlin dann geträumt wurde und alles quasi mit Autobahnen zugepflastert werden sollte. Auch ein spannendes Thema.
0:28:22–0:28:25
Aber ich wollte noch mal sagen, es gibt.
0:28:25–0:28:37
Es gibt Typen von Häusern. Die vier Grundtypen sind so geplant worden, wo dann halt so, dass so ein bisschen gestaffelt auf ein Arbeiter Pärchen oder ein Pärchen, die dann halt,
0:28:39–0:28:41
ist, eine gemeinsame Wohnküche mit anderen haben.
0:28:41–0:28:56
Es gibt Mehrfamilienhäusern, Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser waren auch teilweise Wohnküchen geplant und es war dann halt auch so, dass so eine quasi Spülküche dann als Durchgang zum Garten eingerichtet wurde.
0:28:56–0:29:07
Das dann halt genau mit dem Ziel, also auch sehr pragmatisch kommst rein, hast du ein ganzes Obst und Gemüse und jetzt haben wir die Spülküche und richtet also so und dann wurden es aber auch so größere Wohnküchen dann später mal.
0:29:07–0:29:12
Also das hat sich dann halt so entwickelt und.
Micz Flor
0:29:13–0:29:22
Ja gut. Ich denke, dass die Küche, da ich keine Ahnung bin, jetzt gerade hier ist erstmal kein Blick da rein. Aber natürlich die Versorgung durch Leiten zu Wasser, Abwasser.
0:29:22–0:29:30
Scheinbar hatten die auch schon Toiletten im Haus und so was. Und gleichzeitig war es wahrscheinlich trotzdem so, dass die Küche natürlich der Ort war, an dem die Hitze entstand.
0:29:30–0:29:38
Ständig gab es eigene Öfen, aber wahrscheinlich wurde doch noch das Kochen irgendwie über Holzkohle oder sowas gemacht. Ja genau.
Florian Clauß
0:29:38–0:29:41
Ja, genau. Also genau diese. Diese Aspekte. Einmal.
0:29:41–0:29:47
Einmal ist es auch einer der ersten Siedlungen, die hier elektrifiziert waren. Also 1919.
0:29:48–0:30:02
Dann war eben alles auf Sparsamkeit und auf Optimierung ausgelegt. Das heißt, es wurde so gebaut, dass es nicht nur günstig, sondern auch, dass das Heizen dann halt auch nicht so teuer war.
0:30:02–0:30:08
Und den Aspekt, den du. Ich weiß jetzt nicht, wie das im Einzelnen dann im Detail sich da ableitet.
0:30:09–0:30:14
Aber es gibt noch ein paar andere Prinzipien vom,
0:30:15–0:30:25
sparsamen Bauen, nämlich wenn man jetzt hier zum Beispiel diese wir haben ganz viele Bilder, die würden wir dann halt auch entsprechend verlinken. Aber man sieht hier so ein,
0:30:28–0:30:36
wie nennt man das, ein Dachfenster, die aus dem Dach ragen, das Auge eine Gaube. Ja, genau.
Micz Flor
0:30:33–0:30:34
Doch Gaube.
Florian Clauß
0:30:36–0:30:46
Und diese Gaube ist zum Beispiel so angelegt, dass die nicht auf dem Dach eines Grundstücks liegt, sondern immer an der Trennlinie von einem Dach.
Micz Flor
0:30:45–0:30:47
Also interessant ist.
Florian Clauß
0:30:46–0:30:51
Das heißt, hier spart man also hier hat man natürlich den Vorteil der Gaube,
0:30:52–0:31:02
aber man hat es nur pro Grundstück oder pro Hauseinheit, dann halt auf einer Seite und spart dann halt auch so wieder Aufwand und Material.
Micz Flor
0:31:03–0:31:17
Sehr interessant, weil die Gaube gleichzeitig so, ähm so klein ist, das Gefühl habe, dass sie weniger Wohnraum und eher so ein Licht für für einen Dachboden hatte. Ja.
Florian Clauß
0:31:18–0:31:22
Und hier eigentlich auch sehr klassische Elemente von der Attika.
0:31:22–0:31:33
Das ist nämlich dieser Bereich, der dann über das Dach herausgeführt wird, dass du halt so eine Vertiefung oder so eine Verblendung von dem Dach hast.
0:31:33–0:31:44
Auch so ganz klassische Elemente, die hier verwendet wurden und vor allen Dingen also was, was ein ganz großer Schritt, als man erst mal vor Ort diese Erschließung ganz großer Schritt für die,
0:31:45–0:31:55
für die Sparsamkeit oder für die Effektivität es ist eigentlich nur das ist, wie so ein Unternehmensberater da reinkommt, wie können wir das verbessern und sieht dann halt das und das und das und das, das verbessert und eine ist halt,
0:31:56–0:32:09
dass hier quasi mit Baumaterial gearbeitet wird, mit der sogenannten Schlacke, die aus der Verbrennung von von Koks oder Kohle entstanden ist.
0:32:09–0:32:14
Das war ein Material, das ist halt so ein leicht Beton, der wurde immer als Müll gesehen.
0:32:15–0:32:18
Wird heute glaube ich auch noch auf den Straßen als Streugut verwendet.
0:32:18–0:32:29
Diese Schlacke hat auch deren schon in einer seiner erste einer früheren Bauprojekte dann auch als Baumaterial eingesetzt, weil es billig verfügbar war usw. Das war ein Ding.
0:32:29–0:32:33
Damit hat er dann quasi auch die den ganzen Innenausbau an die Wände gemacht.
Micz Flor
0:32:34–0:32:36
Heute wird er mit Plastikmüll arbeiten. Wahrscheinlich sind.
Florian Clauß
0:32:38–0:32:40
Genau. Und das andere? Was?
Micz Flor
0:32:40–0:32:43
Was ja auch gut isoliert, also sehr viel Luft drin. Man kann seine.
Florian Clauß
0:32:43–0:32:49
Ja, ja, kann man. Verboten, muss man ausprobieren, denn die Materialerfahrung wurde dann später,
0:32:50–0:33:02
dafür auch kritisiert, weil das halt ein sehr leicht also weil das was waren die Punkte es war halt nicht sehr gut gedämmt tatsächlich also erst mal dann halt Akustik und Hitze. So,
0:33:04–0:33:11
auch die die grundsätzliche Bauform der der Typen war so dass die schlecht belüftet also diese ganze Luft.
0:33:11–0:33:15
Also du hast natürlich eine Auflage von Sachen die wir dann später so aber er hatte erst mal so,
0:33:16–0:33:27
und einen ganz großen Schritt den er auch als Industriedesigner jetzt quasi so also er hat nicht das Industriedesign erfunden aber er war also einer er was auch dann auch wieder dem Zeitgeist entsprochen hat.
0:33:27–0:33:41
1917 hat sich DIN also das Deutsche Institut für Normierung entwickelt, gegründet und früher war das so, dass du quasi wenn du gebaut hast, hast du alles vor Ort gebaut.
0:33:41–0:33:52
Also das heißt, die Türen wurden, dann kamen die halt, die Handwerker mit ihren Rohmaterialien haben dann die Tür dann halt vor Ort, dann vermessen gebaut usw.
0:33:52–0:34:04
Und er hat dann halt insofern wir diesen Industriealisierungsgedanken aufgegriffen, indem er dann halt auch die, die in der Fabrik gefertigt haben, Also du brauchst eine Normierung natürlich von Hausbau.
0:34:05–0:34:09
Weil du nicht mehr so auf Unregelmäßigkeiten vor Ort reagieren kannst.
0:34:09–0:34:23
Deswegen muss der extrem normiert werden, der eigentliche, die eigentliche Bau Ausführung vor Ort, aber halt gleichzeitig ein Vorteil, dass du halt die Türen industriell dann halt in den Schreiner rein usw. dann fertigen konntest und musste nur noch ausliefern.
0:34:23–0:34:32
Also halt hier auch eine Verkürzung von Bauzeit, die dann und und dann halt natürlich eine Kosten Materialkosten gespart werden konnten und Aufwands kosten.
0:34:32–0:34:47
Das war so, das war auch nochmal so ein Punkt, der dazu geführt hat, das muss man auch noch sagen, es gab noch quasi mehr oder weniger die Doktrin bei den Architekten früher, bevor das dann halt losging mit.
0:34:47–0:34:51
Mit der Bewegung um Taut und und um Behrens usw.
0:34:51–0:34:59
Dass die Materialien, die gebaut wurden, immer auch so die Naturfarbe behalten. Das Baumaterial bleibt so, wie es halt ist.
0:34:59–0:35:09
Und dann kam zum Ersten Mal wirklich der Aufruf zur Farbgebung rein, das heißt, das hat sich auch unterschiedlich ausgeprägt. Da waren halt irgendwie Taut viel verspielter.
0:35:10–0:35:22
Die die Taut Siedlung ist ja ganz bunt und du hast dann irgendwelche Ornamente, Embleme dann halt ausgewählt und hier hat er ganz klassisch, also er hat alle Fenster und Türen, Fensterläden und Türen sind halt blau, sind auch hier, das muss man sagen.
0:35:22–0:35:35
Die wurden 1990, dann gab es halt die Auflage, die dann halt auch mit den Bewohnern oder Besitzern zusammen gemacht wurden, dass die sich verpflichtet haben, das in dem Stil von Berens, wie es damals gebaut wurde, zu restaurieren.
0:35:36–0:35:49
Also da sind auch einige Gelder um das dann halt auch in dieser Form also das heißt es ist wirklich historisch sehr wertvoll hier diese Siedlung weil die auch so diesen Zustand von damals auch ganz gut zeigt.
Micz Flor
0:35:49–0:35:55
Einziger Punkt, der mit Sicherheit nicht Teil dieser Vorschrift war, waren die Briefkästen. Wenn ich mir diese.
Florian Clauß
0:35:57–0:36:02
Genau, in Parkplätze natürlich auch nicht. Parkplätze wurden später eingeführt, das geht auch immer so.
0:36:02–0:36:11
Das war auch wichtig, dass die Straßen auch möglichst eng und schmal waren, um halt auch wirklich so eine gewisse Ruhe dann halt zu geben. Und andere,
0:36:13–0:36:20
haben einfach eine andere, andere Lebensqualität, auch in dem in dem Viertel dann halt aufzubauen.
Micz Flor
0:36:20–0:36:26
Ich habe so einen Gedanken, auch weil hier entsteht auch so ein Gefühl, dass es langsam dunkel wird.
0:36:26–0:36:40
Man ist im Studio von der Lindenstraße, also diese Uraltserie, die glaube ich, inzwischen abgestellt wurde, die in München gedreht wurde, wo halt ein kompletter Straßenzug nachgebaut wurde, wo man Tag und Nacht dann einfach so regulieren konnte.
0:36:40–0:36:45
Und es fühlt sich ja auch auf eine gewisse Art, finde ich, so künstlich an.
0:36:47–0:36:52
Die Straßen würde man heute halt anders machen. Alles sehr schmal, eng, klein, total schön.
0:36:52–0:37:00
Das Künstliche ist ja vielleicht auch, weil es gerade so schön ist, so gut wiederhergestellt, ist aber nicht ganz neu, das merkt man schon.
0:37:00–0:37:11
Also es wurde, wie du gesagt hast, wahrscheinlich dann wirklich so vor 30 Jahren restauriert, aber total liebevoll gemacht und dann entsteht schon auch so was Unheimliches.
0:37:12–0:37:16
Also wirklich sehr unheimlich im Sinne von es ist total heimelig.
0:37:17–0:37:28
Also in jedes Haus denkt man auch, da würde ich jetzt aber gerne reingehen, an den Gästezimmer davon hier klopfen, aber sagen, es ist bald Weihnachten, ich muss wegen der Volkszählung hier sein.
0:37:28–0:37:40
Darf ich in ihr Gästezimmer oder so was in der Artikel Und gleichzeitig ist aber auch unheimlich, weil es fühlt sich so ein bisschen. Ich weiß nicht, wie sich damals angefühlt hätte, weil eine Arbeitersiedlung da waren die bestimmt schon auch.
0:37:41–0:37:44
Stolz drauf. Was ganz Neues. Es war.
0:37:44–0:37:51
Aber das Gefühl ist jetzt so süß, so zuckersüß an manchen Ecken das, dass es auch unheimlich wird.
0:37:52–0:38:02
Ja, ich verstehe. Das ist ein bisschen wie Ich denke jetzt gerade an die Mitsommer. Folge davon Chris und Irene über den Horrorfilm. Also es hat so einen Horror. Es könnte auch so.
0:38:05–0:38:08
Kann. Also ein früher Peter Jackson.
Florian Clauß
0:38:09–0:38:12
Spätestens wenn wir hier die Weihnachtsbeleuchtung mitbekommen.
0:38:14–0:38:18
Also wir sind jetzt durch den Drosselstieg gelaufen. Das ist so das Kernviertel.
0:38:18–0:38:26
Wir kommen jetzt zum Glei weg und hier ist nochmal eine Gedenktafel, also eine Denkmaltafel.
0:38:26–0:38:34
Und hier sieht man auch ganz gut, wie das. Also das war die ursprüngliche, das ist dieses Trapez hier, das war die geplante.
0:38:34–0:38:44
Hier sieht man auch, dann gab es einen Spielplatz usw. Das war die Siedlung und dieser Bereich, der jetzt so ein bisschen hier hervorgehoben ist, das ist das, was dann tatsächlich gebaut wurden.
0:38:45–0:38:51
Und hier steht dann halt auch noch mal so, was jetzt wichtig war und,
0:38:53–0:38:58
ich habe mir auch tatsächlich dann das Buch vom Sparsamen bauen, das werde ich auch verlinken, habe ich,
0:38:58–0:39:08
quasi einzeln die Seiten runtergeladen, wenn man zu PDF zusammengebunden und das können wir dann auch in den Shownotes dann mit verlinken. Da habe ich das.
0:39:08–0:39:11
Ich habe mir nicht alles durchgelesen. Nein oder.
0:39:14–0:39:19
Nein. Ich habe dann. Ich habe dann das Vorwort gelesen. Das ist von.
0:39:20–0:39:28
Also es ist schon echt spannend, weil das so diese diese diese Verknüpfung von wie.
0:39:29–0:39:32
Also es gibt glaube ich einen ganz guten Einblick wie das. Wie.
0:39:33–0:39:37
Wie das Bild oder wie sich die Zeit dann so geprägt hat. Es war dann.
0:39:38–0:39:45
Vor allen Dingen. Die soziale Frage. War sehr eindringlich und es war ein Ich habe den Namen vergessen. Es ist im Prinzip einer von.
0:39:46–0:39:50
Also ein schon so ja liberaler Politiker.
0:39:50–0:39:59
Und wenn man überlegt, dass zu der Zeit einfach auch ein viel höherer Gewalt grad in den Straßen waren.
0:39:59–0:40:08
Ich meine da sind die SA Truppen durchgezogen haben und es gab tatsächlich so Straßenkämpfe die dann bürgerkriegsähnliche waren.
0:40:09–0:40:13
Es wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg getötet von Freikorps.
0:40:14–0:40:19
Es war also an eine viel höhere Gewalterfahrung in der Stadt.
0:40:21–0:40:25
Und und und. Dann ging es natürlich auch.
0:40:25–0:40:33
Du merkst diese soziale Verantwortung, diese Fragen, die sich dann aufwerfen, wie können wir das dann halt irgendwie auch irgendwie, Wie können wir dem entgegenwirken?
0:40:33–0:40:47
Wie können wir eine gewisse Qualität dann halt auch reinbringen, gleichzeitig mit diesen ganzen, mit dem, mit der Schwierigkeit, dass Deutschland als Industrienation erst mal komplett runtergefahren war und sich erst mal aufbauen, aber nicht so richtig aufbauen konnte.
0:40:47–0:40:50
Dann kam die kommt ja die ganze Weimarer Republik.
0:40:50–0:41:00
Was ist dann letztendlich eine Inflation, dann also weltweit. Aber wo dann diese Verwundbarkeit dieser jungen Republik dann halt auch schon irgendwo mit in die Wiege gelegt war.
0:41:00–0:41:07
Das kennt man ja immer noch aus der Schule, der ja, das ist der Versailler Vertrag. Oder wie hieß der?
0:41:09–0:41:17
Ich weiß es nicht mehr, aber auf jeden Fall ist es sehr spannend, das Buch.
0:41:17–0:41:28
Und für so einen tieferen Einblick dann diese Dissertation, die auch sehr genau dann nochmal in diese ganzen Planungen Also man sieht hier, dieses,
0:41:30–0:41:35
hier ist der Fuchsbau und das zieht sich jetzt glaube ich.
0:41:36–0:41:39
Ich glaube, da kommen wir gar nicht rein, weil das hier privat ist.
0:41:43–0:41:55
Doch hier. Genau da können wir. Genau da gehen wir nun mal! Da gehen wir noch mal weiter. Das ist jetzt dieser Bauabschnitt, der noch hier ist. Quasi ein Haus, wodurch man drunter durchgehen kann und ein Durchgang geschaffen ist. Das ist hier zum Fuchsbau.
0:41:56–0:42:01
Hier gibt es auch dann noch diese Mehrfamilienhäuser, die dann mit gebaut wurden und.
0:42:04–0:42:08
Und es wurde auch hier.
0:42:08–0:42:12
Es war dann immer die Frage, auch natürlich für wenn du, wenn du hier arbeite hast.
0:42:13–0:42:18
Die müssen ja auch irgendwo auch ihren Weg bestreiten können, das heißt die infrastrukturelle Anschluss.
0:42:19–0:42:23
Der Anschluss war nochmal eine Frage, eine wichtige Frage, wie das dann?
0:42:26–0:42:29
Wie das hier sich gestaltet hat. Und da gab es.
0:42:38–0:42:44
Da gab es hier eine Straßenbahnhaltestelle, die ist denn da vorne.
0:42:45–0:42:48
Also das ist dann da, wo wir vorhin lang gefahren sind.
0:42:50–0:42:55
Er hat sich dann auch eine Straßenbahn, die dann halt auch dieses Gebiet versorgt hat, mit Feuerholz, mit Kartoffeln usw.
0:42:56–0:43:03
Also hier sind diese, diese mäandernden Mehrfamilienhäuser.
0:43:05–0:43:11
Da sieht man auch, es ist fast so eine klassische Bauweise, wie wir hier einmal vor und zurückversetzt sind.
0:43:15–0:43:26
Und weißt du, was mir jetzt hier einfällt? Dass ich hier in einzelnen Häusern das war nämlich auch von etwas längerer Zeit, da kann ich dieses Gebiet gar nicht, obwohl ich hier in der Nähe wohne und oft vorbeigefahren bin.
0:43:26–0:43:31
Man muss dann halt von dieser Hauptstraße rund einbiegen und auf einmal ist man in diesem Gebiet völlig fasziniert.
0:43:32–0:43:35
Und weißt du, was ich hier über Ebay Kleinanzeigen gekauft habe?
0:43:37–0:43:45
Das ist wie der Badeofen, nämlich die Spülmaschine, die du von mir. Die habe ich dann halt hier. Also Haushälter war ich ja.
Micz Flor
0:43:45–0:43:49
Die ist von AEG. Da schließt sich der Kreis. Ist sie das wirklich?
Florian Clauß
0:43:52–0:43:57
Ja, genau. Also das war so, ich habe natürlich viel mehr Informationen noch.
0:43:57–0:44:10
Aber wie gesagt, ich bin kein Historiker, ich bin kein Architekt. Ich kann das, glaube ich, nur so an der Oberfläche kratzen, was da so alles für Baugeschichte und was da für eine Geschichte überhaupt dahintersteckt.
0:44:11–0:44:17
Aber das wollte ich dir gerne zeigen, weil mir das wirklich immer wieder so, wenn ich hier vorbeigehe oder fahre.
0:44:17–0:44:28
Nein, dann denke ich halt immer wieder hier an diese Siedlung. Hier ist so eine kleine Perle und ich bin total gerne gehe ich auch hier durch oder fahre mit dem Fahrrad hier lang oder jogge hierhin, weil das einfach ein wirklich ein tolle,
0:44:30–0:44:38
ein tolles Kleinod ist und so diese diese diese Weltgeschichte dann auch gleichzeitig mit Peter Behrens hat als Person.
Micz Flor
0:44:39–0:44:46
Ja, ich finde es auch total spannend, weil das ist glaube ich das dritte Mal, dass sie so was Siedlungsähnliches hat in den Touren, die du raus suchst.
0:44:46–0:44:54
Also das erste Mal war da unten beim Flughafen neben dem parallel zum Flughafen waren wir in so einem Siedlungsgefüge drin.
Florian Clauß
0:44:54–0:45:00
Das waren die. Das waren die wir essen. Die Piloten nichts. Genau. Das war auch so eine.
Micz Flor
0:45:00–0:45:07
Und das war sehr ähnlich wie hier. Also das Gefühl, man geht durch Tore und kommt halt irgendwie so eine Harry Potter Schneise an oder so.
0:45:08–0:45:16
Dann war es eine neue Siedlung, die aber irgendwie sich danach angefühlt hat. Über nördlich vom Hauptbahnhof. Bei der Folge über die Zone.
Florian Clauß
0:45:16–0:45:19
Ja, das war die Europacity.
Micz Flor
0:45:19–0:45:25
Ja, und da gab es ja auch so ein Gefühl von Einfamilienhäusern, also wo es so klein gebaut wurde.
0:45:26–0:45:37
Und jetzt haben wir hier wieder so eine Perle. Also scheint, scheint dich das irgendwie und du selbst wohnst ja auch in einem Einfamilienhaus. Ja, ich meine diese, die ist nicht so viel anders. Deine Siedlung.
Florian Clauß
0:45:35–0:45:46
Diese, diese, diese Reihenhäuser, also ich, überhaupt diese, diese, dieses Konzept, das leitet sich jetzt mal so ganz, ganz grob überspannt auch aus solchen ersten Siedlungshäusern ab.
0:45:46–0:45:56
Also es war ja auch so eine Townhaus sieht ist immer eine andere Dimension sicher aber es geht halt natürlich in die Richtung, da siehst du noch mal hier dieses zurückgestuft.
0:45:56–0:46:02
Es war also auch mal wichtig, dass es halt wirklich auch keine Konformität hat.
0:46:02–0:46:04
Also es ging auch immer darum, dann halt.
0:46:04–0:46:14
Also es gibt keine Individualisierung in der Bauweise, also darauf wurde ganz strikt Wert gelegt, aber es wird auch keine Konformität. Deswegen dieses Mäandern.
0:46:15–0:46:24
Die Attika, die diese hochgezogenen Kante hier also so ganz klassische Bauelemente da über die Dachkante hochgezogene Stufen.
Micz Flor
0:46:25–0:46:36
Ähm, das sieht dann auch irgendwie kurz nach der Wende bei vielen Jugendlichen in weißen Latzhosen mit Haargel nachgebaut wurde. Also einfach die Haare vorne einfach hoch.
0:46:37–0:46:39
Ich glaube, das Gute ist der einzige, das heute noch macht.
Florian Clauß
0:46:39–0:46:42
Genau das. Das ist meine eigentliche Geschichte hier.
0:46:43–0:46:48
Ich kann kann sehr empfehlen, hier mal einen Spaziergang hin zu machen.
Micz Flor
0:46:47–0:46:51
Wie würdest du das jetzt? Meine eigentliche Frage an dich eigentlich.
0:46:51–0:46:56
Würdest du eigentlich lieber in so einem Haus wohnen als in deinem Haus? Okay.
Florian Clauß
0:46:56–0:47:05
Nein, ich will es nicht, weil ich glaube einfach, die Nachbarschaft bei uns ist halt so wertvoll und man wächst zusammen.
0:47:05–0:47:11
Ich glaube, hier ist es dann halt wirklich so, wenn er wieder nach Hause geht und da wird ein Haus frei, kommt jemand rein.
0:47:11–0:47:18
Du bist dann halt in so einem sozialen Umfeld, was sehr gefestigt ist und ich finde das halt als Objekt finde ich die ganz toll, die Häuser.
0:47:18–0:47:28
Aber ich glaube auch tatsächlich und ich habe das mal auch in in so den Taut Haus da gibt es einen Taut Haus was dann ein Museum ist eine Ausstellung eine Galerie ist,
0:47:30–0:47:38
da war ich mal drin und dann sieht man das halt irgendwie wie das. Die haben das auch so belassen wie damals und es ist schon so ein bisschen verjährt.
0:47:38–0:47:45
Also es gibt dann so bestimmte Sachen, die würde man nicht mehr so bauen und wie jetzt halt mit der Lüftung usw.
0:47:45–0:47:58
Das sind so Sachen, die kommt man natürlich später dann halt auch auf bestimmte Punkte, die sich dann halt natürlich wieder so in der Baugeschichte dann halt als Normen dann irgendwo eingeflossen sind und da ist schon ganz gut, wenn man dann halt,
0:47:59–0:48:01
nicht nicht in so alten Dingern dann.
Micz Flor
0:48:02–0:48:12
Das andere, was ich hier interessant finde, so diese was besagt das? Es sollte nicht normiert sein, aber auch nicht individuell und dadurch entstehen halt solche Räume, wo die Sachen verschoben sind.
0:48:12–0:48:21
Genau. Und jetzt ist es ja ein großes Thema in Berlin, dass diese Nachverdichtung wird es ja genannt, also alle möglichen Bauflächen, die man so irgendwie rausschneiden könnte,
0:48:22–0:48:28
Hinterhöfe, die neu bebaut werden, wo es im Krieg zerstört ist und nie irgendwie ersetzt wurde, wird jetzt ersetzt.
0:48:28–0:48:40
Aber auch bei solchen Grundstücken das Gefühl, ist es gerade an so einer Grenze, wo dann wirklich Flächen entstehen, die einfach so damals fast schon luxuriös dazugegeben wurden, um es ein bisschen entspannter zu machen.
0:48:41–0:48:44
Und die würde man heute schon fast wieder als Baugrund sehen.
Florian Clauß
0:48:44–0:48:52
Nee, das ist genau das ist genau diese optimierte Flächen Auswahl. Das ist ziemlich gut beschrieben in diesem vom sparsamen bauen. Warum die das so gemacht haben?
0:48:52–0:49:00
Es war natürlich auch so, erst mal um eine Auflockerung zu machen, klar, aber es ist jetzt hier um diese Vorgarten.
0:49:00–0:49:07
Also das ging jetzt nicht darum, dass wir jetzt im Vorgarten hast wo du da irgendwie so Zierpflanzen einsetzen und dann den Vorgarten auch wieder nutzen kannst.
0:49:07–0:49:10
Das heißt es wird sich auch den quasi die Gartenfläche dann wieder auf.
Micz Flor
0:49:10–0:49:15
Ja, genau. Ich nehme auch an, dass die Häuser zurückgesetzt sind und hinten weniger Gärten als die.
Florian Clauß
0:49:15–0:49:22
Genau. Genau. Wir können diese Fläche noch nutzen und dadurch ergibt sich dann nochmal so ein anderer Aufteilung von den Wohnräumen.
0:49:22–0:49:27
Also diese Wohnküche war immer so eine und es gab auch bewusst.
0:49:27–0:49:36
Es gab bewusst auch einen Haustyp. Vier Der Haustyp für war halt für besser oder Mittel, also für bürgerliche Leute dann auch gedacht.
0:49:36–0:49:51
Und dieser soziale Gedanke war auch so, dass dann halt die ganzen Haustypen gemischt sind in einer Siedlung, das sich dann halt auch nicht irgendwie so eine Klassengesellschaft bilden kann, sondern dass halt alle zusammen sind und alle zusammen die gleichen,
0:49:52–0:49:55
Einrichtungen und öffentlichen Einrichtungen benutzen.
0:49:55–0:49:59
Also das war auch schon so angelegt, was ja auch damals dann wieder so eine.
Micz Flor
0:50:01–0:50:13
Ja, ist auch interessant, möchte ich mal sagen, denn man sieht sie ja natürlich nicht im Podcast. Aber wenn man durch die Straßen läuft, durch dieses Mäandern, was du beschrieben hast, diese leicht versetzten Elemente, entsteht halt so ein Gefühl für die Häuser.
0:50:13–0:50:20
Also man orientiert sich beim Laufen eben an dem, was man sieht und nicht an dem, was man sich herleiten könnte.
0:50:20–0:50:30
Was man zum Beispiel bei dieser Tafel sieht, wo man dann wirklich diese Grundstücke als lange Streifen sieht und da dann sieht, ah, okay oder zentral erschlossen wurde halt vorher geplant, wo liegen die Anschlüsse?
0:50:31–0:50:36
Und mit dem musste man dann wahrscheinlich mit diesen Schicht Kuchen an einzelnen Grundstücken.
0:50:36–0:50:45
Hat Peter Behrens dann hier was gebaut? Was irgendwie, dass diese Grundriss gar nicht so verrät, sondern der bleibt verborgen. Das finde ich echt sehr angenehm. Ja.
Florian Clauß
0:50:46–0:50:51
Genau. Die Grundrisse sind dann auch entsprechend in den Material.
0:50:52–0:50:57
Da kann man sich das auch nochmal genauer angucken. Wir müssen jetzt können hier wieder zurück, wenn das okay ist.
0:50:59–0:51:10
Also genau. Also es gibt viel Material, was ich verlinken werde, wo man sich das noch mal so, wo man ein bisschen tiefer einsteigen kann, wenn man.
0:51:10–0:51:14
Wenn man Lust hat, sich damit weiter zu beschäftigen.
0:51:18–0:51:18
Gut.
Micz Flor
0:51:18–0:51:21
Gut. Total schöne Tour. Ich danke dir.
0:51:21–0:51:32
Hat auch wirklich was sehr märchenhaftes. Nicht nur wegen der Architektur, sondern auch weil wir kamen halt von dieser fetten Straße mit dem ganzen Lärm, sind dann irgendwie durch zwei, drei Bäume gelaufen, kleinen Weg.
0:51:33–0:51:43
Auf einmal war Ruhe und dann öffnet sich das. So wie sich das halt so gehört, endet jetzt der Traum und wir stehen wieder vor nicht erschlossenen Baugrund.
0:51:44–0:51:47
Fette Straße, viele Autos und.
0:51:49–0:51:51
Vier Schritte weiter sind wir schon wieder mitten in Berlin.
Florian Clauß
0:51:51–0:52:00
Ja, wir können aber hier an der Seite lang gehen, dann kommen wir auch wieder. So ein bisschen können wir durch den Wald zurückgehen und haben nicht diesen ganzen Straßenlärm an der Seite.
0:52:01–0:52:10
Okay, das war die Episode eigentlich Podcast, eigentlich minus Podcast Punkt D Numero 17.
0:52:11–0:52:18
Ich hoffe, es hat euch gefallen und ich sage Tschüss, bis zum nächsten Mal und.

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