"Ein Ersatz für die Hypnose ist bisher nicht gefunden worden" -- Sigmund Freud, Die endliche und die unendliche Analyse, in: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Band 23 (1937), Heft 2, Seite 221.

Wir sprechen über Sigmund Freud und den Film „Outsider. Freud“ direkt, nachdem wir das dokumentarische Filmessay im Moviemento gesehen haben. Der Film interessiert sich weniger für die bekannten Theorien und Meinungen rund um Psychoanalyse, sondern für die inneren Widersprüche, das biografische Einbetten und die visuelle Übersetzbarkeit der Theorien. Mit Briefauszügen, Interviews und historischem Material sowie mit einer traumartigen Bildsprache nähert sich der Film dem Menschen Freud. Als ungeplante dritte Folge zu den Eigentlich-Podcast Episoden 78 und 80, stellen wir gegen Ende Jungs "Das Rote Buch" und Freuds "Die Traumdeutung" nebeneinander. Regisseur Yair Qedar hat in Animationen ungedeutete Träume Freuds vorgestellt. Archivaufnahmen stellen Bezüge zwischen Innenwelt und Zeitgeschichte her. Ganz besonders ist die Rekonstruktion von Freuds Behandlungsraum in Wien anhand von über hundert Detailfotos.

Shownotes

Mitwirkende

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Micz Flor
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Florian Clauß

Transcript

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Ich gucke, ich müsste schon am Rekottern sein.
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Sag ein Wort.
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Ein Wort.
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Ein Wort, ein Ausschlag.
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Ein Ausschlag. Ein Mann, ein Wort, ein Ausschlag.
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Hallo und herzlich willkommen bei Eigentlich Podcast. Und wir kommen gerade
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aus dem Kino, aus dem Movimento und sind hier am Cottbusser Damm und laufen
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jetzt Richtung Westen, hast du dir gewünscht.
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Einfach mal quer Richtung Westen. Wir kreuzen einige von unseren Touren.
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Wir sind der Podcast, bei dem wir im Laufen reden und laufend reden.
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Und wir haben uns gerade einen Film angeguckt und über den wollen wir jetzt reden.
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Ja, einen kurzen Film, 66 Minuten im Movimento.
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Outsiders, also wie wir gelernt haben, der Regisseur war anwesend. Eine Serie von Filmen.
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Und dieser war überfreut.
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Über Freud genau, er selber ist Israeli und hat in der Serie sein 19.
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Biopic und er macht dann über jüdische Figuren in der Geschichte,
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macht er dann seine Dokumentarfilme und hat auch schon einen über Karl Marx
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gemacht und jetzt eben über Freud, Outsider.
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Ja, und der Film war in vier Kapitel aufgeteilt.
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Ich überlege, ob ich die jetzt aus dem Kopf zusammenbekomme.
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Das erste Kapitel, Being Jewel, war das, ne?
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Ja, Being Jewish oder, wie er später gesagt hat, Outliving Jewishness und der
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Art, also dass er sich davon befreit hat.
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Aber auch vor dem Hintergrund meinte er, das hat er zum Schluss nochmal gesagt,
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das freut ja in dem antisemitischen teil europas in der antisemitischen zeit
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europas gelebt hat in wien das sind nicht meine worte das waren die worte des
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filmemachers und das war das erste kapitel und das geht quasi dann bis,
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Zum Tod des Vaters, das ist quasi das zweite Kapitel, der Tod des Vaters.
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Ja, Becoming Freud hieß das, glaube ich.
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Ja.
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Oder Freud ist Becoming Freud.
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Da habe ich den Titel gar nicht gesehen, ich habe den ersten Drittel.
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Nein, das kam irgendwann zwischendrin eingeblendet.
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Ah, okay.
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Und das dritte Kapitel war?
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Love and Death, also der Tod seiner Tochter und seines Enkelkindes.
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Und auch die Krebsdiagnose von ihm 1923, wo er seinen eigenen Tod quasi schon
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so testamentarisch dann festgeschrieben oder mit seinem Hausarzt besprochen hat.
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Und das vierte Kapitel war dann Exel, ging quasi 1938, als er dann...
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Exel, ja. Und sein eigener Tod dann.
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Also das war, glaube ich, das war, so hat er es dann zumindest nochmal paraphrasiert,
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aber das war das Exil und dann eben 1939 auch der Wunsch, diese Sterbehilfe zu bekommen.
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Also der Arzt hat dann wohl eben zuerst was gegen den Schmerzen gegeben und
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dann später nochmal eine Überdosis an Schmerz, Painkillers und nach drei Tagen
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Koma ist Freude dann gestoppt.
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War dir das, also anders, ich meine,
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du hast dich aufgrund deiner Profession ja schon intensiv mit der Theorie von
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Freud auseinandergesetzt.
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Was war jetzt neu für dich?
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Ja, ich hatte so ein bisschen gehofft und ich glaube, das klappt auch,
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dass es so wie so ein dritter Teil wird zu diesen zwei Teilen,
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die eigentlich eine Episode über C.G.
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Jung werden sollten und dann kam aber dieser Split am höchsten Punkt unserer
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Tour damals, wo ich dann gleich diesen zweiten Teil über die Chaos-Magie und
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Magie in der Psychotherapie und so.
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Und da ging es ja immer wieder auch eben über das Rote Buch und über Jungs Biografie
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darin, so psychosennahe Zustände.
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Und ich dachte, von den Erzählungen, die ich bekommen habe, und das fand ich
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ganz interessant, dass der Film auch bei uns im Institut, also er hat den auch
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bei uns im Institut gezeigt.
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Ach ja, okay.
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Wir waren am Mittwochabend auch ein Kinoabend bei uns in der Bibliothek,
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wo Freud natürlich auch als Statue steht, sondern das Kleine.
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Der gehört natürlich in jedes Psychodynamische Institut. Neben vielen anderen
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Sachen, auch Vasen, Antik und so weiter steht der.
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Er hat ja auch viele von diesen Figuren gesammelt, archäologischen Stücken.
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Und ich fand das auch interessant, dass das wohl auch in seinem Therapiesprechzimmer so ausgestellt war.
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Ja, und das ist bei uns im Institut auch so. Also da gibt es überall Artefakte oder Inspirationen.
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Die Idee dahinter ist schon, dass natürlich das Unbewusste, das dort und damals,
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aber auch im Hier und Jetzt, dass das eben auch irgendwie erreicht oder animiert werden kann durch...
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Wie die Research, jetzt bin ich halb in diesem Englisch drin,
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aber die Forscherin aus dem Wiener Freud Museum, die meinte,
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wenn Leute in diesen Raum gingen,
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dann war das so eine Passage hinein in so einen Tunnel, also durch so einen
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Tunnel irgendwie in so einen Raum, der dunkelrot war.
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Und da sagte sie, von überall schauten die Leute an, also diese Gesichter.
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Das fand ich auch bemerkenswert, darüber wollte ich auch mit dir reden,
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also inwieweit quasi in dieser Theorie,
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in dieser Psychotherapie, dann quasi der Initiationsraum, Sprechzimmer,
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irgendwie was Okkultes bekommt.
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Ja, du merkst schon, warum das so eine Andockung ist an quasi die letzten beiden, die ich hatte.
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Und es genau darum geht. Also was sind eben auch magische Momente.
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Aber was ich sagen wollte, warum ich denke, dass es ein gutes Match ist,
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war von den Erzählungen, die ich darüber bekommen habe, dass es halt weniger versucht hat,
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von innen heraus die Theorie zu erklären und historisch einzuhalten,
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sondern eher so ein bisschen auf Abwägen Freud über eine Biografie oder als
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Mensch irgendwie darstellt.
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Und ich fand auch, dass das ganz gut gelungen ist. Wir haben nicht viel über
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Freuds Theorieentwicklung, Theoriegebäude, Veränderung.
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Zum Beispiel dieses Kapitel 3, Love and Death, also der Tod seiner Tochter,
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wird oft biografisch damit assoziiert,
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mit seinen Schriften über Jenseits des Lustprinzips, wo er zum ersten Mal auch
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den Todestrieb benannt hat oder in sein Theoriegebäude mit eingebaut hat.
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Ja dass es motiviert war eben auch von den von den erfahrungen die er selber
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dann hatte nach dem tod seiner tochter solche sachen waren jetzt nicht nur im
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film sondern es ging wirklich eher darum dass man irgendwie freut noch mal anders
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erlebt und dann auch die uhr.
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Groß nicht oder wie auch immer von der Part, die auch als Sponsorin von Freuds
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Arbeit scheinbar, so wurde das jetzt zumindest nur gesagt, wenn ich später tätig war,
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die eine sehr große Rolle gespielt hat, weil die irgendwie auch sich scheinbar
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so ein bisschen mit ihrer Forschenart über Freuds Wünsche so entweggesetzt hat.
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Dass er irgendwie, als sie dann aus Wien geflohen sind, dass er nichts mitnehmen
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wollte und sie dann doch aber noch irgendwie aus dem Papier kommt und aus dem
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Schubladenzeug mitgenommen hat.
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Die war da irgendwie relativ dominant in dem Film und weniger eben außer zwei, drei Fotos.
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Eins davon hat auch dieses große Schwarz-Weiß-Foto, hast du vielleicht gesehen,
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war auch Freud sichtbar in der Mitte und drumherum. Direkt rechts neben ihm von uns gesehen war C.G.
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Jung, der damals eben noch als Ziehsohn irgendwie das übernehmen sollte.
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Und der aber halt gleichzeitig auch so ein Vaterthema hatte mit Freud,
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den er als, also später dann hat er vom Thron gestoßen, auch in der Nazizeit,
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dann über die jüdische Psychoanalyse geschrieben und so.
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Aber vorher war er halt so in awe, würde man im Englischen sagen.
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Aber er war halt größer als Freud. Und bei dem Foto sieht man das so schön,
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wie er sich so klein gemacht hat. Man sieht richtig so, wie er in die Hocke
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gegangen ist, damit er kleiner ist und es freut. Und er steht direkt neben ihm.
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Ja, stimmt, das habe ich auch gelesen, dass Jung sich dann eben auch als der
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90 Jahre jüngere Theoretiker sich dann auch immer klein gemacht hat und sich so...
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Ja, wirklich körperlich klein gemacht hat.
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Ja, und dann auch wirklich in die Knie, ja, ich glaube, Freud war so eins...
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1,76 groß und jung war 1,88 damals sehr groß.
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Du hast es wieder gut recherchiert, das ist super. Mit dir kann man über alles
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reden, das habe ich schon gesagt. So müsste der Podcast heißen.
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Das Lustige ist, dass halt...
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Du sagst, mit mir kann man über alles reden. Mit mir?
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Ja, aber das Lustige ist halt wirklich so, auch diese ganzen Facts am Anfang,
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die kommen, wenn man sich damit so beschäftigt, kommen diese Informationen relativ schnell.
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Also das, ich muss überlegen, was war denn diese, jetzt habe ich es natürlich
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vergessen, aber es gab so wirklich Haken, Haken, ja, ja, genau das.
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Ja, das war das, nämlich, dass er ein eigenes Zimmer hatte,
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ja, dass er dann halt auch so in der jüdischen Kultur, also quasi eher als so
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ein kleiner Patriarch dann halt auch behandelt wurde, dass er so ein Genius
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war, dass er halt wirklich super viel gelesen hat,
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auch als Kind dauert nur gelesen und das alles, was ihn dann irgendwie stören
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könnte, wurde dann halt auch entfernt.
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Also seine Schwester hat dann angefangen Klavier zu spielen und er hat sich
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dann darüber beschwert.
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Er hatte keine Lust, aber er konnte sich dann nicht mehr konzentrieren und daraufhin
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verschwand das Klavier.
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Also es war alles so wünscherfüllend, was er dann halt irgendwie auch gesagt hat und,
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Das fand ich ja noch mal so ganz interessant. Aber da kommt man ziemlich schnell drauf.
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Ja, und das waren ja dann Sachen, zumindest der Regisseur und Schreiber des
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Films, der meinte, gerade diese frühkindlichen biografischen Daten kommen eigentlich
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von Freud, also von Freud über Freud.
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Ich wollte noch einen Punkt einhaken, weil es auch gerade gepasst hat.
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Marie Bonaparte, die du auch eben schon vorgestellt hast. Und das fand ich total
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spannend. Nämlich, dass dieses ganz persönliche, intime Filmmaterial von Freud
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ist dann von Marie Bonaparte aufgenommen worden.
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Und diese Archive, das war das Making-of, was der Regisseur jetzt auch im Anschluss
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mal so erzählt hat, die Archive haben sich erst vor zwei oder drei Jahren geöffnet
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und die haben das dann digitalisiert.
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Und das heißt, er konnte das in seinem Film dann auch mit einbauen und damit
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auch eine Geschichte erzählen, die vorher so noch nicht erzählt wurde.
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Ja, und das andere war dann dieses andere Filmarchiv, was er dann halt auch
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teilweise, wo er Ausschnitte gezeigt hat, die so schon sehr surreal waren teilweise.
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Die waren ganz toll. Also wie dann ein Hund zum Beispiel seine eigene Pfote im Maul hält.
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Das waren so ein bisschen eben diese frühen, was man jetzt schon langsam vermisst,
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diese frühen KI-Videos, wo der Hund über die Straße läuft, super fotorealistisch,
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aber auf einmal die Beine irgendwie abhauen.
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Ich habe das neulich gedacht, nachdem es diese neue KI-Welle durchkommt,
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wo alles auf einmal funktioniert.
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Und das ist auch erstaunlich, aber mir fehlt es schon, diese ganzen Räder.
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Das Artefakt ist so ein bisschen wie bei Real Media damals, bei der schlechten
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Streaming-Qualität, dass man immer dieses Rauschen gehört hat.
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Ja, wir haben uns ja auch ewig viele Sachen hin und her geschickt.
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Ja, genau, wir haben es ja immer wirklich so ausgestellt.
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Dieses Unheimliche da drin.
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Oder die JPEG-Kompression, die dann so größer verpixelt war.
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Zum zweiten Jahrestag von unserem Podcast,
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als wir die Folge aufgenommen haben über Stanislav Lem Solaris,
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wie beschrieben wird, wie dieses Riesenbaby da so komisch rauskommt.
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So als ob es experimentiert, was man mit so einer Form machen könnte.
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Da hatten wir auch über diese KI, das war genau mitten in der Zeit,
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wo KI einfach spannend war vor dem Hintergrund, dass man dauernd erschreckt
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war für etwas, was einem so vertraut ist, aber gleichzeitig so,
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es war immer Horror drin.
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Es ist ja auch tatsächlich so ein Referenzmem, was du auch öfters erwähnt hast.
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Will Smith is eating spaghetti. Das wird ja jetzt auch immer so als Test für
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eine neue Videoengine. dann wird dann halt immer, wie sieht das aus,
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wenn Will Smith Spaghetti isst.
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Und das ist natürlich sehr schwierig darzustellen, weil natürlich Spaghetti,
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das Essen, der Mund, die ganzen Fasern, die Oberfläche und so weiter.
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Und das war ja so, dass der Kiefer dann halt von Will Smith dann in den ersten,
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war dann unkenntlich und es hat sich dann mit den Spaghetti zusammen verschmolzen.
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Und jetzt wird es halt immer klarer, immer definierter.
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Und ja, das war als Aufgabe dafür.
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In der Autoindustrie gab es immer diesen Elch-Test aus Skandinavien.
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Wenn ein Elch direkt auf die Straße läuft aus dem Wald und du musst halt das
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Lenkrad rumreißen, fällt dann das Auto auf die Seite. Das war wirklich so ein Autotest.
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Die A-Klasse von Mercedes hat das ja nicht bestanden. Das traditionelle Elch.
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Und jetzt ist der Evo Smith-Eating-Spaghetti-Test.
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Ja, da gibt es einige Tests, da gibt es einige.
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Wir kommen jetzt zurück mal zu dem Film.
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Genau, diese Fragmente, wir waren ja gerade bei diesem Filmarchiv,
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diese Fragmente, da gab es auch nochmal das andere, wo das,
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du siehst einen Radfahrer, wie er ein großes Rad auf den Rücken geschnallt hat,
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in dem auch nochmal ein Rad quasi fährt, ein Rad in Rad. Also es waren echt tolle, tolle Sachen.
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Oder zwei so nackte Squaw-Spieler, halbnackte Squaw-Spieler.
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Alle so in den frühen Stumpfilenzeiten, würde ich jetzt mal so datieren.
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Ja, also es war auch irgendwie zeitlos.
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Weil man hat eben diese Folie von diesen KI-generierten Filmen und dann kann es auch jetzt sein.
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Genau, das ist halt das Verrückte daran. Also als er den Film gemacht hat,
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waren das halt noch so Funde und jetzt hätte man die...
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Können und könnte es nicht mehr auseinander halten. Aber es waren auf alle Fälle
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alles schon Dokumente, die wussten, wie Film funktioniert.
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Also du hast gemerkt, die Badminton-Spieler, die haben in die Kamera geguckt,
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die haben irgendwie gewusst, jetzt geht's los, die haben gewartet,
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dass jemand was sagt, aber auch die Radfahrer fahren halt vor der Kamera.
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Also diese, es gab schon so ein Gewahrsein um die Kameras, weil es nicht so,
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als ob jemand irgendwo dieses komische Ding in der Straße hinhält und keiner
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reagiert auf das Objekt, sondern dieses gefilmt werden war schon in der Welt.
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Ja, das ist wahrscheinlich so wie bei Civil War dann auch diese Brownie besprochen
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hat, wo das diese Kamera, die sich jeder leisten konnte,
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also keine Filmkamera, sondern eine Snapshot-Kamera und es so präsent war,
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dass du zum ersten Mal auch so private Aufnahmen dann in Masse hast, ja.
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Aber das private Aufnahmen können die Brücke zu Marie Bonaparte.
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Das war jetzt die CG-Sache. Ich würde nochmal ganz kurz in den Raum gehen,
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Behandlungsraum, den wir ganz am Anfang schon besprochen haben,
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wo der Filmemacher auch erzählt hat, dass sie ein Archiv hatten von 180 Fotos,
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die jemand gemacht hat, bevor die Nazis alles ausgeräumt haben und bevor der
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Raum quasi verändert wurde,
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gab es ganz detailliert wohl Fotos von allen Dingen in diesem Raum,
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die sie aneinandergelegt haben und dann haben die das nachkreiert und wenn ich
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ihn richtig verstanden habe, war das keine,
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CGI-Sache, sondern die haben das wirklich als Modell nachgebaut?
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Oder wie hast du das verstanden?
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Ich habe es so verstanden, dass es keine ähm ja, das ist, also er meinte keine CGI, also keine AI.
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Meinte er AI?
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Ich bin mir nicht sicher, weil es sah ja schon so aus, nee, es war schon wahrscheinlich
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wirklich handgefertigt, dass die aus analogen Schnipzeln das zusammengebaut
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haben, jetzt nicht das digital nachgerendert haben.
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Es gab so Kamerafahrten drin, wo man schon das Gefühl hatte.
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Also ich hatte schon so ein CGI-Gefühl, aber es war, fand ich,
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so ein bisschen die KI-Frage ist ja, wie kommt das Neue in die Welt?
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Also wenn man aus dem Vergangenen Dinge zusammenfügt, kann wirklich das Neue in die Welt kommen?
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Und in dem Moment war es so, kann das Alte nochmal in die Welt kommen?
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Das fand ich irgendwie eigentlich, da habe ich mich so darauf gefreut, dass er es erzählt hat.
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Wir haben diesen ganzen Raum nachgestellt und das wurde ja dann wirklich auch
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so ein bisschen nochmal besprochen.
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Und das hast du vorhin gesagt, diese Passage in diese Höhle von Freud,
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in den Behandlungsraum, dass das einfach auch schon eine Wirkung hat.
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Das ist auch dann, obwohl er einerseits natürlich eine Augenhöhe hergestellt
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hat und das Sprechen, die Redekur,
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wirklich auch darüber funktionieren sollte, dass man eben diese klassischen
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hemmenden Hierarchien zwischen,
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dem weißen autoritären Arzt, also im weißen Kittel und dem Patienten oder Patientin,
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die eh nichts wissen, also das abzubauen und ins Gespräch zu kommen, auf der einen Seite.
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Aber auf der anderen Seite dann schon so eine opulente Höhle für diesen Raum
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zu schaffen, war ja auch wieder schon auch ein Statement. Das hat ja schon eine Macht eigentlich.
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Ja, ja, ich meine, klar, er hat ja quasi, also ich weiß es nicht genau,
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da musst du mich wahrscheinlich korrigieren, Aber er hat ja das Ganze mehr oder
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weniger erfunden, so in der Form.
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Also das heißt, vorher gab es das ja noch nicht.
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Es gab ja schon so Therapien und so weiter. Aber dieses Framework,
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wie er das dann halt so initialisiert hat, das gab es ja so in der Form nicht.
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Er hat den ganzen Apparat geschaffen. Er hat die ganzen Tools,
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die Methoden dann auch erprobt. Und zum Beispiel in der ersten Phase hat er
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viel mit Gymnose gearbeitet, aber das dann auch nicht mehr weiterverfolgt.
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Und dann ging es auch eher in die Richtung, dass man dann halt irgendwie das,
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wie heißt es, befreiende Sprechen.
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Freie Assoziation.
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Freie Assoziation, also dass du halt dieses ständige Sprechen und teilweise
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gab es ja auch Körperkontakt, dass er dann die Hand auf die Stirn gelegt hat.
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Und eben, aber der Analytiker selber war jetzt recht, war ja nicht im Sichtfeld
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des Patienten, der Patientin oder des Patienten.
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Ja, also die Geschichte, ohne jetzt genau Jahreszahlen dazuwürfeln zu können,
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aber natürlich war es spätes 19.
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Jahrhundert und dann auch was in der Physik. Wir haben Oppenheimer besprochen,
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die Leute, die sich da alle um das Manhattan-Projekt gesammelt haben.
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Also diese neuen Wissenschaftsaufbrüche, spätes 1900, Anfang 20.
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Und da war es so das Freud mit Chacot in Paris, im Saint-Péthier hieß es, glaube ich.
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Davor gab es Mesmerismus, kennt man heute auch noch, Mesmerizing sagt man im Englisch noch,
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das ist sozusagen hypnotisierend oder bindend, der hat über so einen Magnetismus
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gesprochen und da gab es einen Brunnen, Mesmer hat so einen Wasserbrunnen gemacht
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und da gab es eben Hypnose und das wurde alles so erforscht.
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Auch die Psychologie wurde immer mehr über Messinstrumente auch,
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verleitet, experimentell zu werden. Man hat dann einfach so Sachen gemacht,
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wenn man ein Stück glühende Kohle dreht und sie relativ schnell dreht,
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irgendwann sieht man einen Kreis.
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Und wenn ich einen Kreis sehe, dann heißt es ja, dass jetzt meine Augen,
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die einzelnen Punkte in meinen Augen, es nicht mehr schaffen,
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sich zu regenerieren, bevor sie wieder...
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Das heißt, man konnte anhand dieser Geschwindigkeit der Umdrehung,
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konnte man dann die Leitgeschwindigkeit von der Rhone im Auge messen.
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Das war so eine Aufbruchstimmung.
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Das ist ja genau dieser Trommelprojektor. Wenn du 24 Frames pro Sekunde überschreitest,
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ich glaube, ab 12 Frames pro Sekunde sieht man dann schließlich das Bild.
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Und dann gab es dieses Malteserkreuz. Dann wurden es 24.
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Es war ja sehr lustig, dass das mit coolen, weil das genau noch heuer war,
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wo die halt diese Wahrnehmungssachen dann halt so erforscht haben.
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Ja, und das war in dem Film ja auch kurz angesprochen, diese Phase mit Kokain.
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Freud wollte was finden, was so sein Ding wird. Vor allen Dingen in dem Moment,
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wo er wusste, er möchte diese Frau heiraten.
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Das war auch mein Lieblingsfoto von den beiden, wo sie die Hand so auf seiner
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Schulter hat. Und er guckt ja auch so off-camera.
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Aber irgendwie sind die beiden in dem Moment so, obwohl sie fürs Foto posieren,
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sind sie so sehr spürbar.
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Das fand ich ganz schön. Martha.
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Martha, ja. Und die, die wollte halt irgendwas finden, irgendwas,
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was ihn auch irgendwie rausbringt,
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Und deshalb ist er dann auch nach Frankreich, um das zu erforschen.
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Er wollte dann Hypnose, was ich auch probieren.
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Und er kam ja dann in die Klinik Saint-Péthier.
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Da kam er ja auch mit dieser ganzen Hysterie so in Kontakt.
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Das war die Klinik, wo die Hysterie, ich mache jetzt gerade Anführungsstriche
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in der Luft, behandelt wurde.
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Also von dem Arzt, mit dem er zusammengearbeitet hat.
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Und dann war es wohl so, manche sagen, Freud war einfach nicht sehr gut mit
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Hypnose und deshalb musste er irgendwas anderes finden.
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Freud selbst hat halt gemerkt, er kann nicht alle Menschen hypnotisieren,
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die als PatientInnen bei ihm ankommen.
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Und hat dann irgendwann entdeckt, was ja auch dieser englische Psychoanalytiker
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so schön gesagt hat, so einfach Talking, Talking Works. Und das fand ich irgendwie
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auch, das finde ich immer wieder auch schon interessant.
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Das ist ja wirklich, wenn wir jetzt mal auf diese, es ist für viele einfach
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verblüffend, dass Sprache funktioniert.
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Sprache ein therapeutisches Mittel sein kann.
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Aber jeder wird sofort, Stichwort Mobbing, akzeptieren, dass Sprechen verletzen
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kann, traumatisieren kann.
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Das ist nicht nur in der Pädagogik so, das ist in der Jugendarbeit.
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Also, dass einfach man jetzt mit Internet nochmal anders einfach mit Worten
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auch Menschen wirklich verletzen kann, nachhaltig schädigen kann,
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die dann auch als Erwachsene immer noch Defizite in ihren Freiheiten erleben,
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weil sie von früher noch wissen, was sie sich nicht getraut haben und so.
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Das wird schon akzeptiert, aber die Tatsache, dass man damit auch heilen könne,
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das wird irgendwie nicht akzeptiert, ja, und...
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Und ich finde das aber total wichtig, weil wir natürlich bei der Sprache,
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es gibt ja auch dann eben diese, wir sind wieder bei KI, aber zwei KIs,
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die miteinander sprechen.
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Da habe ich dann neulich so ein Video gesehen, wo die miteinander sprechen.
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Als sie dann merken, dass sie beide KIs sind, dann beschleunigen sie das und
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machen halt irgendeinen anderen Code aus, damit sie sich unterhalten.
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Ich weiß nicht, ob das fiktiv war oder nicht.
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Ja, das war so gibberisch. Das war, glaube ich, auch nur so ein Standard,
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der dann halt so als Witz dann eingeführt wurde.
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Wahrscheinlich, ja.
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Ja, natürlich, da geht es um die ganzen Assistentensysteme, aber das wird ja
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jetzt dann irgendwann aufs Smartphone dann ausgerollt und das heißt,
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da muss halt nicht irgendwie deine KI eine menschliche Stimme simulieren,
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wenn sie halt einen Friseurtermin ausmacht, wenn auf der anderen Seite auch
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eben so ein System ist, deswegen bla.
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Aber die Abstraktion von diesen Wünschen, sage ich mal, eben auf die menschliche
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Stimme, das musste der erste Schritt sein.
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Nachhaltigerweise ist die menschliche Stimme, solange wir das irgendwie noch
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auf uns münzen, also humanistisch denken, alles was an Technik entwickelt wird.
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In dem Ted Chang, ein Artikel von Nature, den wir ja auch, und er hat ja auch
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mal zitiert, wo er dann schreibt, meinst du das offen hier?
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Wir machen jetzt hier nochmal einen kurzen Cut, weil wir sind jetzt am Südstern,
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sind die Diefenbachstraße dann runtergelaufen und jetzt am Südstern.
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Und hier gibt es nochmal so eine Referenz, wenn ich die nennen darf,
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zu deiner vorletzten oder der vorliegenden Folge.
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Abide with me. Hier ist ja das Berggräbnis dann, da hat das hier stattgefunden
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vor einiger Zeit. Und das war noch, A Bite With Me war ja dann...
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Die Folge dazu entstanden aus den Auseinandersetzen, auch mit dem Lied.
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Genau, das Begebnis war dann ein paar Tage, nachdem du die Folge aufgenommen hast.
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Und genau, wir gehen jetzt um den Friedhof rum, er ist nicht mehr auf.
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Ja, und das ist das erste Mal auch, dass du mir vorher die Tour geschickt hast.
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Du machst immer die schönen Touren für uns und hast mir geschickt,
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okay, Link auf Komoot, wo die dann rumliegen.
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Und ich habe so drauf geschaut und hatte zum ersten Mal so ein Bild,
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wo wir langlaufen. Das ist ganz interessant.
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Du hast ja gerade über die freie Assoziation gesprochen. Dann kommen wir gleich
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nochmal eben zurück, wo man nicht genau weiß, wo es lang geht.
0:26:14–0:26:17
Aber jetzt hatte ich so ein Bild vorher und das fand ich auch irgendwie interessant,
0:26:18–0:26:20
dass es wirklich wie so ein Unendlichkeitszeichen ist.
0:26:20–0:26:25
Und die eine Schleife von diesem Unendlichkeitszeichen ist der Friedhof.
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Und der andere Teil ist halt irgendwie ein Teil von Kreuzberg,
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also so Tod und Leben dann in dieser Schleife verbunden. Das fand ich ganz schön.
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Wir sind hier auf dem Beginn der Bergmannstraße.
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Und es gibt ja auch diesen Psychoanalytiker-Witz, wo wir auch mit dem Unendlichkeitszeichen,
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was du gebastelt hast, habe ich dir vielleicht schon mal erzählt,
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wo die Acht steht halt auf dem Sofa, der Analytiker sitzt schon da und dann sagt die Acht,
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also wenn ich mich jetzt hinlege, dann dauert das ewig.
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Sehr schön.
0:27:00–0:27:00
Ja,
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also zurück zu dem dritten Teil. Ich fand es schon schön, wirklich ganz anders drauf zu gucken.
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Man guckt vielleicht wirklich eher wie ein Familienteil.
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Man weiß, Freud macht da irgendwas, aber man spricht eher über ihn,
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über seinen Vater, über die Familie. Also man war jetzt nicht interessiert an
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der Psychoanalyse als Praxis.
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Das lief alles so nebenher. Das waren dann aber Kapitel seiner Biografie.
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Also eigentlich das, was man heute vielleicht eher nicht machen möchte,
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den Autoren oder die Autorin zu eng mit dem Werk zu verbinden.
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Das ist ja diese Cancel Culture, dass man dann das Werk nicht mehr nutzen oder referenzieren darf,
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weil die Biografie der Person einfach nicht akzeptiert werden kann mit dem, was sie tut.
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Das ist dieses Cancel und das wurde da aber so ein bisschen gemacht.
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Das ging sehr stark um die Biografie.
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Der Blick auf seine Gedanken war über die Biografie, aber von seinem Werk,
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da kamen jetzt gar nicht so viele Sachen hoch, aber so prägnante Sachen.
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Den Satz fand ich schön, der ist auch im Trailer drin Before Freud.
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The mother was just a mother After Freud, the mother is the thing The thing,
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Das war so eine Sache also die Rolle der Mutter dann das Unbewusste natürlich, das ist ja zentral.
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Und er selber hat er auch noch was genannt Achso, die Redekur,
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also das Sprechen Sprechen als Behandlung Das war ja auch, wo wir eben drin waren.
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Und ich finde das wirklich auch so, das ist in irgendeinem Foucault-Text drin
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über, ich glaube sogar über Psychotherapie, muss ich mal gucken.
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Das ist jetzt in irgendeiner Kiste, das Buch, also ich werde es nicht genau finden können.
0:29:01–0:29:08
Aber wo er so sagt, ich paraphrasiere, die Hoffnung war, dass was die Biologie
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für die Medizin war, könnte die Psychologie für die Psychiatrie sein.
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Gemeint ist damit, die Biologie macht ein Blutbild und der Arzt kann das interpretieren.
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Die Hoffnung war, die Psychologie macht so eine Art Blutbild,
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sage ich jetzt mal, der Seele, so pathetisch.
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Und die Psychiatrie kann damit arbeiten. Aber es hat halt nie geklappt.
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Und Foucault sagt dann, das geht allein schon deshalb nicht, weil...
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Ein Blutbild kann der Arzt interpretieren und erklären und eine Intervention ableiten.
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Aber wenn es zum Beispiel um Stimmenhören geht, dann ist immer noch die Person,
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die die Stimmen hört, der Experte oder die Expertin im Raum.
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Psychiater kann natürlich sein, dass er das auch kennt. Es ist natürlich oft
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so, dass auch Depressionen erlebt werden können von Menschen,
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die mit anderen Menschen arbeiten, die Depression als Leid erleben.
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Das gibt es auch, aber das fand ich so. Das war so ein bisschen der Hintergrund davon.
0:30:13–0:30:17
Ja, klar. Ich meine, natürlich gibt es ja die Möglichkeit, dass du dann irgendwie
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Krankheiten oder bestimmte Symptome klastern kannst.
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Aber das hatten wir ja auch in den Folgen davor schon mal besprochen.
0:30:25–0:30:30
Das heißt, auch wenn die Symptome in einer ähnlichen Form sich ausprägen,
0:30:30–0:30:35
bedeutet das ja nicht, dass man dadurch quasi auch die Ursache leicht behandeln
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kann, weil die ja sich unterschiedlich entwickeln können.
0:30:39–0:30:43
Und deswegen ist das ja so nicht behandelbar von sich aus.
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Dann sind wir wieder bei den systemischen Therapien, wo das dann zum Beispiel,
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ich glaube, das hat Anja gesagt, mit dem ADHS,
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dass in einer Familie, wo das Kind auffällige ADHS-Störungen entwickelt,
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das ist vielleicht das schwächste Glied in dieser ganzen systemischen Aufstellung,
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was halt diese Ausprägung entwickelt, weil eben,
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keine Ahnung, die Mutter dann in prekären Verhältnissen kein Geld hat und so
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weiter und das Kind aber diesen Druck nicht mehr aushält und deswegen dann halt
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diese Symptome entwickelt.
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Also das System dahinter, was dann halt bestimmte Symptomatiken dann ausprägt.
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Ja, und das ist wieder der Brücke zurück zu Freud, der natürlich in seiner Selbstanalyse
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mit seinen eigenen Träumen, das ist ja auch nicht unähnlich wie das, was C.G.
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Jung gemacht hat, weil das Rote Buch irgendwie die über ein Jahrzehnt lange
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Arbeit mit der Analyse eigener Assoziation, da waren es nicht immer nur Träume,
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sondern hat ja auch so Wachsituationen geschaffen,
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wo er im Wachträumen quasi mit
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dem Material arbeiten konnte und sehr viel eingreifender und direktiver.
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Weil er auch vorgegangen ist mit seinen eigenen assoziierten Narrativen.
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Aber diese Entdeckung aus der eigenen Analyse und dann die Übertragung dieser
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Entdeckung als universelles über den Oedipus-Komplex, er meinte ja dann,
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hier war das Zitat aus dem Brief von Vlies, glaube ich, dass er gemerkt hat,
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Dass er die sexuelle Lust auf die Mutter und den Todeswunsch auf den Vater,
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der ödipale Konflikt, dass er das immer wieder auch gefunden hat,
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den anderen PatientInnen.
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Und das dann von sich auf die intrapsychischen Probleme anderer Menschen zu
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übertragen und damit zu arbeiten, das war so der erste Schritt.
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Ja, das war in der Zeit von 1897 bis 1900.
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Das waren so diese drei Jahre, wo er sich damit beschäftigt hat und dann auch
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dieses Buch, die Traumdeutung, geschrieben hat, was überhaupt keinen Absatz
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so richtig gefunden hat, was nicht so richtig gehört wurde.
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Aber ich möchte das nochmal erwähnen, weil ich das wirklich interessant finde.
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Nämlich, also Freud hat ja eigentlich, seit er aus Paris dann wiedergekommen ist, das war dann so.
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1867, 1868 oder sowas? Nee, nee, das kann nicht sein.
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1888, so in der Zeit. 1888. Er hat dann sein Medizinstudium abgeschlossen,
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und hat dann quasi auf seinen Doktor gemacht, also im Abschluss des Medizinstudiums.
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Und dann ist er nach Paris gegangen, hat da gelernt.
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Und dann, als er zurückgekommen ist, hat er ja eigentlich schon seine Praxis aufgemacht.
0:33:50–0:33:53
Das heißt, er hat die ganze Zeit immer behandelt.
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Und es gibt auch so einen Plan, nach dem er sich dann auch immer gerichtet hat.
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Also er ist dann morgens 7 Uhr aufgestanden, hat gefrühstückt,
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dann hat er von 8 bis 9 Uhr einen Spaziergang gemacht und Zeitung gelesen.
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Dann hat er die erste Patientensession gehabt, von 9 bis 12.
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Dann hat er von 12 bis 15 Uhr mit der Familie Mittag gegessen.
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Und hat dann wieder Spaziergänge gemacht und gelesen. Dann hat er von 15 bis
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20 Uhr seine zweite Session mit Patienten gehabt.
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Und dann hat er bis 19 Uhr, von 19 bis 20 Uhr dann gegessen.
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Und dann hat er von 20 bis 24 Uhr die ganzen Korrespondenzen geschrieben, gelesen.
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Und da hat er seine Bücher gebaut. Wirklich diese Zeiten.
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Inklusive Samstag und nur Sonntag war der Familientag.
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Genau, also er hat wirklich so ein ganz hartes Zeitenmodell,
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was er da durchgezogen hat. Und in der Zeit hat er ja dann alles entwickelt.
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Er hat so einen ganz starken Rahmen, aber gleichzeitig ist er so tief dabei
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in das Unterbewusste abgestiegen,
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hat so tiefe Erkenntnisse durch seine ganzen Therapie-Sessions gesammelt,
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dass er dann halt seine Theorien darauf entwickeln konnte.
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Aber hat er dann halt so ein Framework, wo er dann halt so quasi sich gescheduled
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hat, um da halt irgendwie alles so auszuarbeiten.
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Das finde ich schon so eine unglaubliche Disziplin dahinter.
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Und ich glaube, du brauchst auch so ein Gerüst, um dann halt,
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so eine Humanwissenschaft überhaupt so begründen zu können.
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Also er hat ja wirklich, er ist ja quasi, er hat ja eine eigene Wissenschaft aufgebaut.
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Und das in so einem Halb, so einem Bereich, wo du einfach auch keine Evidenz
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oder so einfach daraus ableiten kannst, wie in anderen Bereichen.
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Naja, und das war aber auch dann diese Transformation, wo das dann da eben synchronisiert
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wurde mit dem Tod des Vaters, wo er danach, dann wurde er erfreut.
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Dann hat er seine Sachen geschrieben, er war auf einer gewissen Art befreit
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und konnte irgendwie diese ganzen crazy Theorien so raushauen.
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Aber es war gleichzeitig auch aus der Ausbildung heraus, wo er dann eben auch
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natürlich immer unter irgendjemand gearbeitet hat.
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Also er war dann ja nie wirklich ganz frei und hat dann auch seine ersten Theorien mit Neurosen.
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Also Neurosen waren damals Neuronen halt eben Nerven, Leiden.
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Und diese Nervenleiden waren aber eben nicht somatisch identifizierbar.
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Das heißt, es ging im Prinzip darum, dass es sich um Leiden handelt,
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funktionelle Störungen handelt, die halt kein somatisches Substrat haben und
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man konnte es nicht finden.
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Und da hat er dann irgendwie sich befreit in gewisser Weise aus diesem urmedizinischen
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Denken, obwohl er natürlich immer auch so als Arzt gearbeitet hat.
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Und dieses Arztsein, und ich glaube, da kommt, er wollte ja auch einfach Geld
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verdienen, er wollte heiraten mit Familie und so.
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Und das heißt, da musste er halt eben auch arbeiten und diese Sprechstunden oder Arbeitszeiten.
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Also es ist bis heute, wir werden jetzt bestimmt auch gleich an irgendeine Arztpraxis
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vorbeikommen, es ist bis heute ganz zentral, wann sind sie in ihrer Praxis.
0:37:15–0:37:19
Wenn du bei der Kassenärztlichen Vereinigung dich da anmeldest und du kriegst
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dann die Genehmigung zu behandeln und abzurechnen und so weiter,
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musst du auch in der Tabelle eintragen, wann Montag, Dienstag,
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Mittwoch, wann, von welchen Stunden, wann machen sie die Sprechstunde.
0:37:30–0:37:37
Also ich glaube, das ist fast so ein Arztding, dass man da so sich verpflichten
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muss. Und dann wird es nämlich sogar eingraviert. Wir werden das bestimmt gleich irgendwo sehen.
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Eingravierte Zeiten, neun bis zwölf Uhr, 14 bis 17 Uhr oder bis 16,
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es ist egal was, aber es muss halt irgendwie festgemacht werden.
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Er hatte sich dieses Regime und gleichzeitig aber immer auch,
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und das finde ich total ein Luxus und hoffe, dass ich das irgendwann auch mal
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machen kann, einfach zwei Monate im Jahr rausgeschnitten im Sommer.
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Keine PatientInnenarbeit, sondern Urlaub, aber auch Schreiben.
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Also könnt ihr schon machen, aber das ist dann auch eine Zeit,
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glaube ich, die ist schon wichtig, weil er hat das schon in jedem Tag gehabt,
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dass er ein- und ausgeatmet hat.
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Also was tagsüber passiert ist, dann abends nochmal verschriftlicht,
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auch mit den Theorien abgeglichen, Theorien auch immer wieder verändert.
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Das finde ich auch nochmal wichtig zu betonen.
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Und im großen Rhythmus, im Jahresrhythmus dann aber auch diese zwei Monate hatte,
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um nochmal frei atmen zu können.
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Ja, also was du nochmal gesagt hast, ist glaube ich doch die entscheidende Motivation,
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dass er halt, er musste Geld verdienen.
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Deswegen hat er auch dann so früh angefangen, diese Therapien.
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Er war dann eben nicht im akademischen Bereich, weil er oft die Profession erst sehr spät bekommen hat.
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Und er hat halt einfach ein extrem gutes Einkommen durch die Patientinnen gehabt.
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Ja, später dann.
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Nee, er hat schon von vornherein. Also das heißt, ja gut, okay,
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später dann. Aber es war ja so, dass er dann auch eher in der...
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Also später in Anführungszeichen, weil er war ja, als er dann wirklich richtig
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angefangen, er war ja schon über 40, also als er dann wirklich so mit den eigenen
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Publikationen, den wichtigen Schriften angefangen hat.
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Genau, aber davor, das war ja schon zehn Jahre davor, hat er ja auch schon immer therapiert.
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Und er hatte dann auch nur Patienten, die dann im Bereich, also wohlhabend waren
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und pro Therapiesitzung hatten die dann, glaube ich, so, ich weiß nicht mehr
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genau, so 50 Kronen oder so.
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Aber es wurde dann mal hochgerechnet, also als er dann halt so ab dem 19.
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Jahrhundert so ungefähr, hat er dann ein Einkommen gehabt von ungefähr so einem
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Jahreseinkommen, vergleichbar mit heute, Inflationsbereinigt von 180.000 Euro.
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Also konnte sie sich dann halt
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auch entsprechend Küchen leisten und auch Kammerrezeptionen und so weiter.
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Also konnte sie sich dann auch wirklich wirtschaftlich betreiben.
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Und hatte dann, hatte der Filmemacher eben nochmal gesagt, diese 16,5 oder so Zimmer in Wien gelegt.
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Ja, in den Praxisfamilien. Das war schon ein großer...
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16,5. Das ist Wahnsinn, ja. Und da war auch seine Praxis, ne?
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Alle, die Berlin noch aus den 90er-Jahren kennen, wo man sich noch größere Wohnungen
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mal leisten konnte, haben dann gerade...
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Als sie das gehört haben.
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Und da war im Zentrum, das war das, was wir vorhin gesagt haben,
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was dann rekonstruiert wurde, von 180 Detailfotos aus diesen Zimmern waren wohl
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diese beiden Räume, die miteinander verbunden waren.
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Es gab, oder es gab drei, aber es gab den Behandlungsraum, den Warteraum und
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dann auch angeschlossen das Study, also der Schreibraum, wo er dann geschrieben
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hat und dokumentiert hat.
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Das war so wohl im Zentrum dieser ganzen Wohnung. Ich habe den Grundriss nicht,
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ich habe da nicht drüber nachgedacht, aber so wurde es beschrieben.
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Ach, hier ist ja lustig. Hier war ich vor über 20 Jahren, habe ich hier mit
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Philipp und Merle mal vierteilige Filmsachen gedreht.
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Ah ja.
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Hier sind Touren durch die Ersatzstadt. Das war so ein Volksbühneprojekt.
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Kann mal gucken, ob ich es noch finde. Da haben wir genau hier an diesen Schilder
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Zulassungsstelle gemacht.
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Das ist ein sehr skurriler Teil, weil diese ganzen Container,
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sieht man von vorne, ich weiß nicht, jetzt ist es dunkel, aber mit deinem tollen
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Telefon wird es bestimmt taghell.
0:41:47–0:41:52
Musst du mal von hier machen, weil das sind diese einzelnen Container,
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die halt teilweise eben auf Kirchengelände auch stehen und der Kirchenmiete zahlen müssen.
0:42:00–0:42:02
Und hier kannst du halt, wenn du zur
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Zulassung kommst, kannst du hier die Autoschilder machen lassen. Sofort.
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Und, ja irre, jetzt hatte ich gar nicht mehr verortet, dass das hier ist.
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Ja, stimmt, hier ist die eine Kfz-Zulassung. Es sieht auch aus wie so sehr peripher,
0:42:18–0:42:20
als ob man hier irgendwo in China wäre.
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Da gibt es eine Sache, also 20 Geschäfte von der gleichen Sache.
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Crazy. Ja, wie fandst du denn, wie hat sich das für dich angefühlt,
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wie der Film? Wie war das so?
0:42:35–0:42:41
Ja, ich fand den wirklich sehr gut. Wie gesagt, ich fand gut,
0:42:41–0:42:46
dass ich dann auch gleich Sachen, Informationen, die ich mir vorher halb schnell
0:42:46–0:42:49
dann durchgelesen habe, wiedergefunden habe.
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Ich fand den Filmemacher sehr sympathisch, wie er da rangegangen ist und auch
0:42:57–0:43:01
wie er dann die Diskussion geführt hat. Er wollte echt dann nochmal so auf Tufel.
0:43:01–0:43:05
Da kam kaum jemand raus, der nicht eine Frage gestellt hat.
0:43:08–0:43:13
Und ich fand das Bild auch, wie du sagst, da ging es nicht unterbewusst,
0:43:13–0:43:15
die Vokabel ist gefallen.
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Aber es ging nicht um das Ich-Es-Über-Ich oder sowas.
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Da wurde gar nichts von dieser Theorie da irgendwo angeschnitten.
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Da ging es wirklich so um die Person.
0:43:31–0:43:35
Und der Film hat auch davon gesprochen, ich fand das auch gelungen.
0:43:35–0:43:42
Er hat viel mit Intertextualität gearbeitet. Das heißt, er hat auch den Schriftverkehr,
0:43:43–0:43:44
also die Briefe von Freud.
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Und hat ja dann auch viel daraus zitiert, die ja dann in Korrespondenz.
0:43:51–0:43:55
Und dann ging es halt auch, also der Filmemacher hatte sich dann die Frage gestellt,
0:43:55–0:43:58
wo kriegt man denn so einen völlig freien Blick?
0:44:00–0:44:04
Und der meinte dann in so einer Korrespondenz, in einer Briefkorrespondenz ist
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das ja eigentlich so am freisten, wo man halt auch so einen anderen Blick auf
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die Person entwickeln kann.
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Weil es nicht so durch so einen Religionsprozess wie ein Buch geht oder sowas.
0:44:16–0:44:18
Fand ich auch interessant vom Ansatz her.
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Und das war aber eine Sache, wo ich habe dann diese Frage nicht gestellt,
0:44:24–0:44:26
weil ich irgendwie mich nicht getraut habe.
0:44:26–0:44:31
Aber es hätte mich trotzdem interessiert, weil wir haben ja viele verschiedene Sprachen gehört.
0:44:31–0:44:35
Die wurden alle ins Englisch übersetzt und es gab englische Untertitel für alles.
0:44:36–0:44:38
Du konntest einfach die englischen Untertitel lesen. Das war quasi ein Text,
0:44:38–0:44:41
wie ein Skript, auch die in Englisch gesprochen haben.
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Da lief das auch in Untertiteln, also da unten war alles.
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Und die Sprachen waren aber unterschiedliche. Bloß diese Briefe,
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die ja dann an Vlies zum Beispiel auch in Deutsch geschrieben waren,
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die wurden auch in Englisch vorgelesen. Das habe ich nicht verstanden.
0:44:56–0:44:59
Also wo ich gedacht habe, man kann doch, wenn man es recherchiert hat,
0:44:59–0:45:02
das dann doch Deutsch vorlesen lassen, wenn du auch Französisch,
0:45:02–0:45:08
wenn du Hebräisch, wenn du Englisch, wenn du Deutsch, also wenn du diese ganzen Sprachen schon hast.
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Warum die Briefe in Englisch vorlesen?
0:45:14–0:45:17
Ja gut, vielleicht ist es auch, weil er dir hat die Antwort gegeben,
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er hat der KI für den Film eingesetzt in der Recherche und hat dann auch eben mit der Fragestellung,
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was schreibt Freud über Kokain, hat er dann auch von der Textsammlung quasi
0:45:31–0:45:35
aus KI generiert und so weiter Antwort bekommen und die war wahrscheinlich in Englisch.
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Ja, das stimmt, aber die hat er ja auch verworfen. Es hat er erzählt,
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dass er halt dann mit der KI versucht hat, so gib mir mal Zitate oder welche
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Briefe kommt Kokain vor. Die Recherche ist auch erstmal legitim.
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Und dann ist er mit seinen Funden ins Archiv gelaufen und dann haben die im
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Archiv gesagt, hä, nie gehört, was ist das?
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Und dann kam halt raus, dass die Kai es einfach erfunden hat, nur Bullshit-Dinge.
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Er hat ihm Zitate gegeben, wo es keine Quellen gab. Dann hat er gemeint,
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er hat das alles über Bord geschmissen.
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Er musste dann notgedrungen die Briefe lesen, hat so ein paar Pointer bekommen, wo er anfing.
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Dann hat er viel interessantere Sachen gefunden, als die, die er sich so erhofft
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hatte, als er dann endlich in den Originaltexten mit drin war.
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Aber das war so eine Sache, wo ich denke, das hätte man, glaube ich,
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auch gut in Deutsch vorlesen können.
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Das stimmt, aber das ist mir tatsächlich auch selber aufgefallen,
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wo ich dann auch dachte, warum zitiert er jetzt nicht das Original?
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Und ich meine, Freud hat ja nicht in Englisch beschrieben.
0:46:33–0:46:35
Eine Sache, die mir da jetzt auch nochmal so,
0:46:36–0:46:41
In Freuds Rolle oder was mir nochmal so neu hochgekommen ist,
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ich hatte das glaube ich in irgendeiner anderen Folge schon mal erwähnt,
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dass ja Freud im Deutschen, wie du schon gesagt hast, das Es und Ich und das
0:46:48–0:46:53
Unbewusste, das Vorbewusste, das Vorbewusste ist schon einer der kompliziertesten Worte.
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Das Bewusste, das ist einfach alles normale Sprache.
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Freud wollte sehr bewusst auch eine Sprache nutzen in seiner Theorie,
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die erstmal verständlich ist.
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Und Bruno Bettelheim dann später mal ein Buch darüber geschrieben hat,
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wo ich den Titel jetzt nicht habe, das zu vergleichen mit der sehr medizinischen
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und lateinisierten Sprache von Freud's Theorien im Englischen.
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Das wurde dann irgendwie da eher in so einen medizinischen Bereich eingeordnet.
0:47:23–0:47:27
Und es war gar nicht Freud's Intention. Aber gleichzeitig hat er dann sowas
0:47:27–0:47:31
mit dem Oedipus-Komplex. Also irgendwie gab es dann schon etwas,
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wo so eine gewisse Bildung drin ist.
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Also eine einfache Sprache für die Grundelemente, aber dann oben drüber,
0:47:43–0:47:50
das ist dann eben wieder die Archäologie in den alten Texten.
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Und das heißt dann Narziss oder Oedipus-Komplex.
0:47:55–0:47:59
Und diese Themen sind dann, das habe ich ja zum ersten Mal so verstanden,
0:47:59–0:48:03
dass dann da schon auch so was Einzug erhält, dass man da sehr gebildet sein
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muss, um die Referenzen fortzuverstehen.
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Sehr gebildet oder mehr gebildet als vielleicht der Durchschnitt.
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Und dass da schon auch was drin war. Er wurde auch zitiert, da weiß ich gar
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nicht mehr, wo das herkam, dass er selber gesagt hatte.
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Dass er sich für die Zukunft der Psychoanalyse nicht, ach guck mal hier ist
0:48:25–0:48:26
auch ein Unendlichkeitszeichen,
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das kannst du mal als Karte fotografieren, die Zukunft der Psychoanalyse,
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dass er da irgendwie Sorge drum hat und dass er der Einzige ist,
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der irgendwie die Psychoanalyse natürlich auch richtig verstehen kann.
0:48:39–0:48:42
Also er hat da schon viel versucht, auch zusammenzuhalten.
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Und das kam, das ist eine Sache, die mich immer sehr beschäftigt,
0:48:45–0:48:47
das kam hier gar nicht so richtig vor.
0:48:47–0:48:52
Aber dieses Gefühl, so sein Lebenswerk einerseits auf den Sockel zu heben,
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sodass es unerschütterbar wird und gleichzeitig aber auch niemandem wirklich
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zu vertrauen, zu verstehen, worum es geht.
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Also dieser sehr rigide Umgang damit.
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Und seine Tochter dann, die auch kurz vor kam, Anna Freud mit dem Buch,
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dass ich und die Abwehrmechanismen zu seinem 80.
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Geburtstag eben, das hatte ich auch schon mal in einer anderen Folge,
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die aber natürlich, wer immer das jetzt gerade hören sollte,
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vielleicht nicht gehört hat, in gewisser Weise auch.
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Wieder so ein bisschen back to basic sagt. Also es geht darum,
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ein intaktes Ich des Patienten herzustellen.
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Es geht darum, mit dem zu arbeiten, was uns begegnet in der Therapie,
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mit den Widerständen, mit den Abwehrmechanismen.
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Dass wir immer eben an diesem Punkt in Kontakt bleiben mit der Person.
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Also sehr gestalttherapeutisch fast schon zu sagen. Wir sind in Kontakt mit
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der Person und wir erleben dann während einer therapeutischen Sitzung auch diese Mechanismen,
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mit der die Person eben nicht sich weiter öffnen möchte oder nicht tiefer gehen möchte.
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Oder wie auch im Film dann ganz zum Schluss, der englische Psychoanalytiker
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nochmal sagte, dass Freud irgendwann schnell schon erkannte, dass die Symptome,
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die das Leid bringen.
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Gleichzeitig aber auch Mechanismen sind, um das Leid dahinter zu regulieren
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und deshalb diese Symptome wegzunehmen, nicht oft das ist, was die Patienten
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dann wirklich zulassen können.
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Weshalb sie dann vielleicht auch abbrechen oder da bin ich auch immer sehr ambivalent,
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weil wenn jetzt jemand abbricht, weil der Analytiker oder der Analytikerin irgendwas
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deutet, was nicht passt,
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dann ist man manchmal vielleicht ein bisschen zu schnell dabei,
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dass die Person noch nicht so weit war, das zuzulassen, aber vielleicht war
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es auch wirklich einfach nicht passend.
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Aber diese Idee, dass das Symptom auch eine regulierende Funktion hat für emotionale,
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Untiefen, die man anders nicht in den Griff kriegt, da gibt es auch,
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einen schönen Text dazu in Bezug auf Zwänge, dass Zwang auch ein Coping-Mechanismus
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sein kann in unterschiedlichen Sachen.
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Also wenn jemand sehr schlecht strukturiert ist, am Beispiel wird das auch in
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diesem Artikel beschrieben, zum Beispiel auch Menschen, die später im Alter
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dann nicht mehr die gleiche Merkfähigkeit haben oder Dinge durcheinander bringen,
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sodass die zwanghafte Symptome entwickeln.
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Und diese Zwänge, die natürlich dann nach ICD-10 auch als Pathologien klassifiziert werden können,
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in Wahrheit für die aber eine Art Coping sind, weil die so zwanghaft sind,
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weil die vielleicht bestimmte Rituale durchlaufen, können die den Tag noch zusammenhalten,
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sonst würde der Tag vielleicht einfach zerfallen.
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Und das finde ich einfach so ein ganz gutes Beispiel, um das nochmal zu illustrieren.
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Was da gesagt wurde, dass die Symptome auch, obwohl sie leidvoll sind,
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auch das geringere Übel sein können.
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Ich habe das aber auch teilweise so verstanden, dass dann diese Aussicht auf
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Heilung dann damit teilweise in Frage gestellt wird.
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Gibt es Heilung? Und so habe ich das in dem Film mitgenommen.
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Also diese, ob es die Warnung auf eine Frage gibt, also ob Freud dann tatsächlich
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mit seiner Therapie heilen konnte.
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Ich weiß nicht, hast du das auch so wahrgenommen?
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Ärztliche Denken anfangs, auch wenn Freud selber das dann, glaube ich.
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Nee, nochmal anders. Ich glaube, ich fange jetzt hinten an.
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Einer von den französischen Sprechern, der hat da irgendwie gesagt,
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kann die Psychoanalyse heilen?
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Ich weiß es nicht, aber sie gibt uns einen anderen Blick auf das Gleiche oder
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so in der Hand. Das ist paraphrasiert.
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Also da geht es ja darum, was ist denn überhaupt Heilung? Und Lacan würde jetzt
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auch nicht sagen, dass die Psychoanalyse irgendwas heilen muss,
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sondern es geht einfach darum, sich selbst besser erfahren zu können.
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Oder wie Freud sagen würde, das Unbewusste muss bewusst gemacht werden.
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Das heißt aber nicht unbedingt, dass es dadurch verschwindet oder so.
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Aber natürlich hat der ärztliche Blick auf die Pathologie erst mal,
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oh, da ist ein Zwang, der Zwang muss weg.
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Und wo kommt er denn her? Und die Psychoanalyse hätte dann zum Beispiel herausgefunden,
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dass aufgrund verdrängter sexueller Triebe dann auf einmal ein Zwang entsteht,
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dass die Bettdecke, bevor die Patientin ins Bett gehen muss,
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die Bettdecke immer ganz, ganz weiß sein und ganz, ganz straff sein.
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Also das wäre dann, der Zwang entsteht vor dem Hintergrund eines anderen Problems.
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Und ist im Prinzip die einfachere Lösung, sich mit dem ursprünglichen auseinanderzusetzen.
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Das ist das. Und was du jetzt sagst, ist halt diese unendliche Analyse.
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Das war dann auch so eine Überlegung, wo Freud schon anregen wollte.
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Naja gut, aber irgendwann soll man okay, kann man auch mal einen Schnitt machen.
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Ansonsten müsste sich der Analytiker hinterfragen, warum es dann immer weitergeht.
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Das ist natürlich was, was sich dann auch so gewandelt hat.
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Und da kann man wieder zu C.G. Jung andocken, wo es dann eher darum geht,
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bei Jung die eigenen Schatten besser zu verstehen und sich damit auseinanderzusetzen.
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Und nicht mehr die Idee von ein abgegrenztes Leiden zu diagnostizieren und zu behandeln,
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sondern sich selbst in seiner Ganzheit, in seinem Charakter,
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deshalb hieß es der Charakteranalyse,
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weiterzuentwickeln.
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Das ist dann eher sowas, wo es um eine Form der Selbstoptimierung geht und nicht eine Verbesserung.
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Da könnte man auch, denke ich, schon die 80er, 90er Jahre mit so Werkzeugkiste
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aus Spiritualität, ich nehme ein bisschen Buddhismus, ich nehme ein bisschen Okkultismus,
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ein bisschen das und dann baue ich mir daraus eine eigene Religion, die für mich passt.
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Und das ist ja dann auch okay und das tut dann auch was für dich.
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Aber es geht eben nicht mehr darum, etwas Leidendes aufzulösen oder zu erleichtern,
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sondern dann geht es eher darum, dass man immer gefordert ist.
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Und wer könnte denn dann schon einfach mal sagen, nee, heute arbeite ich nicht an mir selbst.
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Also das ist dann wirklich die unendliche Analyse. Das ist dann das Fitnessstudio
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oder das Yoga-Retreat oder dass man halt immer dran ist zu sagen,
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also ich bin heute nicht faul, sondern auch heute verbessere ich mich jeden Tag ein bisschen mehr.
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Immer von dem Besten lernen. Wenn du der Glückste im Raum bist,
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dann geh in den neuen Raum.
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Also das sind dann solche Aufrufe, die nichts mehr mit dem ärztlichen Blick
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auf Leid zu tun haben, sondern aber auch eben Psychotherapie sind in der Form noch.
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Also weil du dich dann ständig damit beschäftigst und dann auch so die ganzen
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Sachen internalisiert hast, dass du die auch anwenden kannst und auch dann immer
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einen neuen Blick darauf entwickeln kannst.
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Ja, eine Selbstoptimierung einfach. Also man guckt dann immer wieder drauf.
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Psychohygiene, würde man vielleicht auch sagen. Das ist ja auch völlig legitim
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und ich glaube auch für viele Menschen wirklich Gewinn bringt.
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Aber es geht halt nicht mehr um diese klassische ärztliche Ansicht,
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es gibt ein Leid, das müssen wir beenden, so weit als möglich.
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Wir können aber nicht versprechen, dass das klappt, sondern dann geht es eher
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um, ja keine Ahnung, also Fuß ist gebrochen, der Arzt stellt es wieder her,
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du kannst wieder hinken.
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Ob du nochmal Marathon laufen kannst, kann dir der Arzt nicht sagen.
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Aber du kannst dann übernehmen.
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Dann bist du da dran und dann machst du weiter und trainierst und bockst dich da irgendwie durch.
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Das ist aber nicht mehr die Aufgabe des Arztes. Du bist zu einem gewissen Grad
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nur die Wiederherstellung von Funktionalität.
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Und danach übernimmst du in Eigenverantwortung und in gewisser Weise eben als Selbstzahler.
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Nicht mehr auf die Kasse, sondern du gehst dann irgendwo hin und lässt dich behandeln.
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Ja, das ist dann so ein Aufentrag, den man sich dann als Patient dann mit rauskennendieren kann.
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Und das ist dann das, was in diesem Text eben die Unendliche oder die Endlose,
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ich weiß nicht mehr genau, wie der Titel heißt.
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Ja, aber gut, das ist vielleicht da gar nicht mit gemeint, dass die Psychoanalyse
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jetzt nicht heilt, so wie ich das dann im Film verstanden habe.
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Sondern ich hatte auch das Gefühl, dass dann eben durch diese Methode der Analyse
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dann auch ganz bestimmte tiefmenschliche Eigenschaften so rausgetragen werden.
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Und das ist auch dieser tiefe Humanismus, auch so eines, was dann diese englische Eigenschaften.
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Psychotherapeut am Ende gesagt hat, den du auch gerade schon zitiert hast,
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dass halt Frauen, Mann sind halt Menschen, menschliche Wesen,
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aber unglaublich komplex, ja, also nicht irgendwie so, es sind halt Menschen.
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Das finde ich ganz schön. Das ist halt so auf der einen Seite unglaublich,
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unglaublich komplex, auf der anderen Seite Menschen. Und das ist halt so dieser.
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Der humanwissenschaftliche Ansatz wieder da. Also das finde ich ja auch,
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was Freud dann auch so letztendlich in der Moderne so entwickelt hat.
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Das ist so seinen Stellen.
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Also ich meine, das finde ich ja auch, und du hast mich ja gerade gefragt,
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was nehme ich denn aus diesem Film mit?
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Und das ist halt so, Freud ist eine Ikone. Das ist ja so, er fasst ein Halbgott.
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Das ist ja so, Freud ist ein Begriff, den man wie, jetzt meinetwegen auch Einstein,
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das ist halt so die Begriffe, die man, oder die Menschen oder die Biografien,
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die man ganz früh schon kennenlernt, in der 10. Klasse, in der Schule oder so.
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Freud ist dann schon mal so gefallen, der Name. Und man hat dann diese recht
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vereinfachte Vorstellung von seiner Lehre irgendwo auch mal mitgenommen.
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Aber das fand ich, hat der Film nochmal reingebracht, dass wir dann ein anderes
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Bild von Freud mitbekommen, als Mensch, dann halt als Biografie, als Biopic.
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Hier sind wir, glaube ich, gerade, ist das nicht die Botschaft des Vatikans?
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Ich weiß es nicht. Wir sind ja in der Hasenheide. Wir gehen jetzt wieder Richtung Südstern.
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Ich wollte durch die Hasenheide gehen. Dass hier die Botschaft des Vatikans ist.
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Hier ist die apostolische Nunziatur.
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Das mag ich jetzt recherchieren. Ich fand dieses Gebäude immer so ganz toll.
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Das sieht wirklich aus wie aus so einem Dan-Brown-Film. Eine Verfilmung von
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diesem Inferno oder wie auch immer die Dinge heißen.
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Da hinten sieht das aus wie so ein Archiv. Auch in Anlehnung an unser Gebäude
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vom Bundesnachrichtendienst, wo man hier auch das Gefühl hat,
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unterirdisch kann es noch so 100 Meter in die Tiefe gehen.
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Das sind die ganz geheimen Schriften, die ersten Jesusrollen und sowas.
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Deswegen die Vorstellung, hier ist die Botschaft des Vatikans.
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Ja, ich hatte das irgendwie mal, vielleicht ...
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Ich werde es in die Shownotes packen, wie es sich denn heißt. Googlest du gerade?
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Wir können uns einfach mal Google Maps aufmachen.
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Weil es da rauskommt.
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Das ist eine Basilika.
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Nee, nee, das ist ja nicht das, sondern wir sind ja ... Das hier ist das Gebäude.
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Okay.
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Wir verlinken das mal.
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Nontriatur.de Ja, wir kriegen es jetzt nicht in der Grenze gelöst.
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Wenn ich hier ungern schneide, treibe ich uns jetzt einfach wieder zurück auf die Straße.
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Ja, also das mit dem Heilt die Psychoanalyse ist natürlich wirklich auch ein großes Thema.
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Es geht dann schon in der Psychoanalyse darum, dass man die Dinge ändert,
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also einen größeren Einblick in die eigenen Dynamiken kriegt und das,
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was Freud da früh bemerkt hat, was du gerade angesprochen hast,
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also Menschen sind sehr kompliziert.
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Es ist natürlich auch, er hat auch ja dann gesagt, deshalb kam ich darauf hin,
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der Feind ist die katholische Kirche.
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Das hat er ja dann gesagt, während die Nazis in Wien durch die Straßen liefen.
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Da wurde das so ein Film auch zitiert. Können wir durch?
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Ja, gehen wir. Jetzt kommen wir zur Hasenheide.
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Was ist das für ein Schauspieler?
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Ist das für ein Schauspieler?
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Ist das für ein Schauspieler? Welcher Film ist das für ein Schauspieler?
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Mothetun Man.
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Ja, so.
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Und...
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Und das ist natürlich was, über was man sprechen kann und was nicht.
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Und dieser Schock, was ja auch einer der Experten aus den USA dann sagte,
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then he wrote about children being sexual beings, like animals, sexual beings.
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Of course it was a huge success oder so ähnlich. Also er hat dann sofort diese
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Bücher verkauft. Also die Sexualität war natürlich dann auf einmal genau das Thema der Zeit.
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Einerseits, weil sie sich befreite, was der Filmemacher auch mit diesem zum
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Beispiel mit diesem halbnackten Badminton-Spiel irgendwie illustrieren wollte.
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Und andererseits aber dann über Freud dann nochmal selbst Kinder als sexuelle
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Wesen identifiziert wurden.
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Das war gleichzeitig verboten, aber auch ein Kassenschlager.
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Das sind so Sachen, die natürlich dann Freud wollte das ja für alle Ewigkeit entdeckt haben.
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Er sagt ja später, ich weiß gar nicht mehr genau, ob er das geschrieben hat,
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ich glaube 1910er Jahre irgendwie, dass er sagt,
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also es gab halt Kopernikus, die Erde ist nicht Mittelpunkt des Universums,
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Darwin, der Mensch ist nicht die Kröne der Schöpfung und Freud,
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der Mensch ist nicht mehr Herr im eigenen Haus.
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Das war die dritte Kränkung, wie er sagt, also da legt er sich ja schon ganz schön auf so eine,
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da taktet er sich selbst ja schon ziemlich oben ein und hat natürlich damit
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aber auch den Anspruch, dass seine Theorien ewige Gültigkeit haben.
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Und das ist vielleicht doch ein bisschen veränderbarer.
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Es gibt von Yalom, das ist auch ein Psychoanalytiker, der auch viel schreibt und gut schreibt.
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Die rote Couch, die Schopenhauer Kur oder als Nietzsche weint,
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das sind so Bücher von ihm. Der hat das irgendwann mal im Interview gesagt,
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hat gemeint, dass Sex ist kein Tabu mehr.
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In der Gruppe oder in einer psychischen Psychotherapie, die reden alle über
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Sex, Sexpraktiken, Lust und so, das ist nicht das Thema. Aber keiner redet über Geld.
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Das fand ich so einen ganz guten Satz. Ein bisschen wie die Anknüpfung an Jungen
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mit den Ufos und den Archetypen.
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Dass ein Jung irgendwie sagt, die Archetypen können sich verändern.
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Das heißt aber nicht, dass die Archetypen-Idee falsch ist, auch wenn sie sich verändern.
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Und Yalom illustriert hat in gewisser Weise, es gibt Tabus oder es gibt Dinge,
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die werden nicht öffentlich besprochen, aber die können sich trotzdem wandeln.
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Und Sexualität war das, was Freude entdeckt hat, aber vielleicht hat sich das
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wirklich weiterentwickelt. Vielleicht ist es jetzt woanders.
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Da war ja auch eine, ich glaube der Regisseur hat sie genannt, queere Analytikerin,
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die auch als eine Expertin da zu Wort kam, wo er auch das mit illustrieren wollte, dass Freud nicht,
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gecancelt wurde, hat er glaube ich sogar gesagt, sondern dass er den Freud Wars
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überlebt habe und jetzt genau deshalb wollte er auch diese Stimme da mit in den Film reinholen.
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Und es ist auch ein Buch bei mir zu Hause, ein Riesenwälzer,
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Queering Psychoanalysis, den ich immer noch nicht geöffnet habe, einfach nicht die Zeit.
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Aber ich finde es schon ein sehr spannendes Thema auch.
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Ja, ja, klar. Da ist es natürlich die Frage, wie jetzt diese Theorien von Freud
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in die jüngste Zeit zu holen.
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Aber das meint er auch, der Filmemacher, allein dadurch, dass es ja noch so
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präsent ist, erscheint es ja noch irgendwie zu funktionieren.
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Und es verändert sich auch. Aber es ist ja so, was er auch meint,
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eine Beobachtung, wie die, ich sage ja viele, eine Psychoanalyse ist sehr lebendig,
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aber halt eher im Bereich der Filmwissenschaften, Literaturwissenschaften und
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so Und weniger wirklich im Bereich der Psychiatrie und Psychologie.
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Und das weiß ich gar nicht, ob das so stimmt.
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Also ich habe schon so ein bisschen das Gefühl, was er ja auch angedeutet hat.
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Das ist da so eine Renaissance von Freud.
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Also Freudessance hieß das wohl in New York.
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Also es ist da jetzt gerade wieder so ein Fokus kommt.
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Jetzt war auch gerade vor kurzem eben 100 Jahre, 2023 war das glaube ich dann 100 Jahre,
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diese wichtige Schrift Jenseits des Lustprinzips, wo Freud auch sein eigenes
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Theoriegebilde nochmal umgebaut hat, erweitert hat und den Todestrieb eingeführt
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hat. Sehr wichtiges Buch.
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Und das hat vielleicht auch nochmal dazu beigetragen, dass da irgendwie weltweit
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2023 viel über Freud gesprochen und geschrieben wurde auch.
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Die Frage ist halt nur, sind es dann wirklich die,
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Psychoanalyse als Redekur, die
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dann das spannend macht oder ist es so wie Einsteins Relativitätstheorie?
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Also das ist ja auch irgendwie so,
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Popkultur in der Form.
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Ja, aber es ist mathematisch quasi beweisbar und das ist halt schwierig dann
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irgendwann zum späteren Zeitpunkt zu sagen, nee, stimmt doch nicht.
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Ich meine, es wird immer wieder angekratzt, es gibt Gehenbeweise und so weiter,
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aber nach wie vor ist diese ganze Relativitätstheorie von Einstein noch so ein
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mathematisch beweisbares Konstrukt, während du natürlich in diesem Bereich der überhaupt,
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irgendwie das beweisen kannst.
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Das beweisbar ist das Wissenschaftsprinzip. Da wollten wir eben auch in diesen
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zwei Folgen, die es dann wurden über Jung, so ein bisschen drüber reflektieren.
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Und es passt, es ist wirklich gut. Total anonymisiert sage ich,
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dass eine Patientin heute mir ein Zitat von Feynman mit in die Praxis gebracht hatte.
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Feynman sagt, der Psychologiser heißt Witch Doctor. It's not science.
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Das wurde mir heute noch mal so vorgelesen.
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Und wie hast du reagiert? Yes! I am a witch.
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Den Echomat rausgeholt. Ich glaube, wir müssen da lang.
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Wir sind jetzt, wir kreuzen auch gerade wieder. Eine frühe Folge.
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Na, Mitch, die kreuzen wir immer.
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Die haben wir immer hier gekreuzt. Die Hasenheiden-Folge. Das habe ich jetzt
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schon wieder vergessen. Bei Teramin haben wir die gekreuzt.
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Bei Teramin haben wir die auch gekreuzt. Aber es ist auch eine deiner sehr frequentierten Folgen.
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Ist das die Encanto-Folge?
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Ja, Encanto, richtig.
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Ich wollte ja heute eigentlich auch nochmal auf die, das habe ich ja mal gesagt,
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wir gucken mal so auf die Top Ten oder Top Five des letzten Monats,
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der letzten drei Monate oder letzten Jahres, letzten zehn Jahre.
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Aber ich habe es jetzt nicht vorbereitet.
1:09:18–1:09:19
Oh, schade.
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Ich muss jetzt mein Handy rausziehen, um das hinzuholen.
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Aber Theramin ist nämlich auch gerade irgendwie so ein Slow Burner.
1:09:26–1:09:30
War nicht so ein Riesenerfolg, aber Da hält sich jetzt irgendwie so.
1:09:30–1:09:31
Die generiert sich nicht ganz gut.
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Ja, das ist so ganz gut. Was immer spiked ist dein C3, 38 C3.
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Ja, ich meine gut, Ali zieht halt. Ali zieht.
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Ja, aber ich glaube auch, dass 38 C3 als Suchbegriff einfach zieht.
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Ja, wahrscheinlich. Das wollen die Leute schon hören.
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Und in den Top 10, also der Top 2, der 10-Jahres-Rückblick da,
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oder über alle Folgen hinweg, so drei Jahre wäre es dann bei uns,
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da ist jetzt Webfonds immer noch auf Platz 1.
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Aber Hyperion robbt sich da so ran.
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Spätestens dann, wenn die Netflix-Folge dann rauskommt, Hyperion,
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dann kannst du dann nochmal topen.
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Da kommt man schon ganz tief rein.
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Kannst du, würdest du um nochmal den Bogen zu jung zu schießen.
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Das rote Buch ist ja so die Generationsquelle für Jung, um in seine aktive Imagination zu treiben.
1:10:44–1:10:48
Könnte man das mit dem Traumdeutungsbuch von Freud vergleichen,
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so auf der Ebene der Methodenentwicklung?
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Die Traumdeutung, die Freiassoziation war nach der,
1:11:01–1:11:07
Feststellung von Freud, dass das mit der Hypnose nicht wirklich ein Zauberstab ist für alle.
1:11:07–1:11:13
Und dann hat er eben festgestellt, es ist bei der freien Assoziation ähnlich wie im Traum.
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Der Traum arbeitet nach Freud mit Verdichtung und Verschiebung.
1:11:17–1:11:19
Das heißt, es wird alles, kann man sich gut vorstellen, kompakter.
1:11:20–1:11:24
Und dann ist halt, was zum Beispiel dann der Penis ist, ist dann,
1:11:25–1:11:28
das war auch ein interessantes Bild aus dem Film, komme ich gleich drauf,
1:11:28–1:11:32
ist dann zum Beispiel Zigarre, könnte man sagen. Das ist die Verschiebung.
1:11:34–1:11:40
Und in der freien Assoziation mit PatientInnen in der Sitzung,
1:11:40–1:11:43
die dann zum Beispiel auch liegen und an die Decke gucken, ob in dem Raum halt
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diese ganzen Gesichter sehen,
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dass die anfangen, einfach so mal alles rauszulassen, was gerade so kommt,
1:11:49–1:11:51
so wenig als möglich zensieren.
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Das war ja auch ein Zitat da.
1:11:54–1:11:55
Das ist in der Analyse.
1:11:57–1:12:00
Da kann man nicht decent sein, man kann nicht anständig sein,
1:12:00–1:12:04
man muss das einfach laufen lassen können, um tiefer zu gehen,
1:12:04–1:12:11
um diese internen Sensoren zu umgehen oder zu überspringen.
1:12:11–1:12:12
Jetzt sind wir im dunklen Park.
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Ich würde jetzt gerne aus diesem dunklen Park rausgehen. Ist das okay?
1:12:16–1:12:18
Ja, wir müssen dann geradeaus weitergehen.
1:12:18–1:12:20
Aber können wir nicht runtergehen und dann an der Straße lang gehen?
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Können wir auch machen.
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Wir waren ja im Grunewald mit Hänsel und Gretel in einer edlich dunklen Situation,
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aber da waren wir wirklich alleine.
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Du weißt, dass da wirklich kein anderer ist um diese Uhrzeit außer die Wildschweine.
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Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Das ist ja auch ein Problem.
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Jetzt hat mich dieser komische komische geräusch von der vorne hat mich abgelenkt wo waren wir gerade ich.
1:12:56–1:12:58
Bin auch ein bisschen raus muss ich gestehen.
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Okay dann kann es ja nicht so wichtig gewesen sein wie man sagt oder es war
1:13:01–1:13:04
so wichtig dass wir uns gleich verdrängt haben müssen wir noch mal nachhören.
1:13:07–1:13:10
Wir waren bei dem Penis.
1:13:10–1:13:16
Du wolltest wissen, ob diese Art der Arbeit ähnlich ist.
1:13:20–1:13:27
Bei Jung ist es ja auch eine Selbstanalyse und er geht da aktiv rein.
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Und bei Freud ist die Freie Asozien mit PatientInnen jetzt nichts.
1:13:35–1:13:39
Also da geht er nicht aktiv in der Selbstanalyse rein. In dem roten Buch,
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da ist alles Selbstanalyse. Ich sehe das schon ein bisschen anders.
1:13:43–1:13:47
Und ich glaube eben auch vor dem Weltbild motiviert ist es halt so.
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So, dass Jung ja wirklich in dieser einen Anekdote, die ich da auch angesprochen habe,
1:13:56–1:14:02
wo er dieses unerhörte Bild spürt, dass er in Basel diese große Kirche sieht
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und dann dieses Bild, dass Gott da so draufscheißt, einen riesen Scheißhaufen.
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Und das findet er völlig unerhört. Er war dann noch sehr jung und das traut er sich nicht.
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Und dann sagt Gott, nee, nee, das darfst du schon denken. Und dann kommt er
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in seinen neuen Religionsbegriff rein, dass halt nicht die Institution der Kirche,
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sondern die Spiritualität und Gott, also dass er versucht, ein neues Konzept
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von Spiritualität oder Gottglauben zu entwickeln.
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Und vor dem Hintergrund, wenn er dann anfängt, mit seinen eigenen Dingen zu
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sprechen, dann ist das eben, zumindest in meinem Verständnis,
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auch schon ein Schritt, der potenziell aus dem individuellen Unbewussten oder
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darüber hinaus oder tiefer geht,
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eben in dieses archetypische,
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metaphysische Archetypische.
1:14:57–1:15:00
Und Schupp vorsichtig, Fahrradfahren.
1:15:01–1:15:05
Und das wäre bei Freud so sicherlich nicht mit dem.
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Auch da das Zitat, und das ist schon sehr wichtig bei der Traumdeutung,
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in Details zu gehen und vor allen Dingen auch oft eben in die Dinge reinzugehen,
1:15:15–1:15:17
die am Anfang gar nicht mehr da waren.
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Dass man sagt, wir sind jetzt hier an der Straße, fällt mir ein,
1:15:20–1:15:24
ich erinnere mich noch am Traum, da war so ein Auto und irgendwas war da komisch
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an dem Auto. Was war denn da komisch? Keine Ahnung, ich weiß nicht mehr.
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Und dann erzählt man weiter, jetzt fällt es mir wieder ein, das hatte nur einen
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Scheinwerfer, der andere war kaputt und der blinkte so komisch.
1:15:35–1:15:39
Also solche Dinge würde dann, freut zum Hintergrund sagen, dass dieser Zensor,
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der innere Zensor springt an.
1:15:41–1:15:46
Ja, in dem Moment, also beim Traum ist der Zensor ein bisschen überwunden,
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der Traum passiert, das Unbewusste oder Vorbewusste schleicht sich da hinein
1:15:51–1:15:54
in den Traum und dann vergessen wir es aber wieder.
1:15:54–1:15:57
Und wenn wir den Traum erzählen, dann können wir aber dann vielleicht doch nochmal
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einen Schritt wieder reingehen in Material, was schon wieder vergessen war. Also der zweite Zensor.
1:16:02–1:16:10
Und das wäre jetzt für mich schon unterschiedlich zu dem, was Jung da macht.
1:16:10–1:16:15
Also das Gefühl von Jung eher zu sagen, ich drehe mich um, ich spreche mit den
1:16:15–1:16:17
Toten, mal gucken, manche sind wirklich eben,
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das ist echt und bei manchen ist es meine eingebildete Version des Toten und
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als Experte kann ich das auch gut unterscheiden.
1:16:25–1:16:29
Ich glaube auch, Jung hat dann auch viel mehr so einfach geschrieben,
1:16:29–1:16:33
was er da so erlebt hat oder was er sich vorgestellt hat.
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Während im Traumdeutigen im Buch von Freud ist ja auch dann gleich die Analyse dabei.
1:16:40–1:16:45
Also er hat ja dann auch das ganze Material organisiert und seine Träume dann
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halt auch wirklich analysiert.
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Dieser analytische Schritt, der fehlt ja dann im roten Buch.
1:16:52–1:16:56
Ja, und das ist ja eben auch dann dieses Titel von unserer Episode,
1:16:56–1:17:00
Religionsstifter, Fragezeichen, weil es dann wirklich eher rüberkommt wie ein
1:17:00–1:17:06
religiöser Text, ein Text, der von dir interpretiert werden muss,
1:17:07–1:17:08
also der nicht erklärt wird.
1:17:08–1:17:11
Und das ist auch wieder eine Brücke zu dem Film, fand ich ganz interessant,
1:17:11–1:17:19
formal dann nochmal, dass Träume von Freud im Film auch als Animation umgesetzt wurden.
1:17:19–1:17:21
Ja, genau, das wollte ich auch noch erwähnen.
1:17:21–1:17:29
Und er dann explizit Träume genommen hat, die eben nicht interpretiert wurden.
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Also die irgendwo aufgetaucht sind und dann auch wieder verschwunden sind und
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nicht bearbeitet wurden, interpretiert wurden, gedeutet wurden.
1:17:37–1:17:40
Und das fand ich ganz interessant, als er das nochmal reingenommen hat.
1:17:40–1:17:45
Und da war eben dieses eine Bild in einem der Träume. Da siehst du einen Zug,
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der zunehmend sich mit Wasser füllt.
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Und in diesem Zugabteil siehst du dann so eine Zigarre, die so irgendwo drauf
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liegt. Und als die Zigarre kommt vorne so Wasser raus.
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Und das füllt diesen ganzen. Und dann fährt der ganze Zug nicht in einen Tunnel,
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sondern in den Pissoir hinein.
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In den Berg ist so ein riesen Pissoir eingelassen. Da fährt der Zug rein.
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Das dann auch aussieht wie eine Vulva. Also diese Doppel.
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Zug, Penis, Zigarre, Pinkeln. Hast du alles drin.
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Ja, aber da gibt es eben von Freud ja diesen Satz, dass er irgendwann mal darauf
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angesprochen, irgendwann mal meint er, manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre.
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Und das klingt halt so einerseits so vehement von wegen, ey,
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jetzt lass mich doch Zigarre rauchen, jetzt mach mal halblang hier.
1:18:28–1:18:30
Aber von dem Hintergrund des Traums ist es natürlich dann so,
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manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre.
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Es kann auch viel Flüssigkeit vorne rauskommen und dann fährt der ganze Zug
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massiv und schnell und erregt hinein in diese Pissoir-Vulva des Berges.
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Aber man muss auch sagen, er hat ja immer weiter geraucht, auch als er schon Gaumenkrebs hatte.
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Das ist ja auch nochmal so, das Aspekt des Heilens.
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Er hatte 1923 dann eben Krebs, Gaumenkrebs.
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Ganz viel wurde ihm dann auch aus dem Kiefer genommen.
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Er hatte eine ganze Reihe von Operationen.
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Über 50 Operationen, die er da machen lassen musste. Und,
1:19:17–1:19:21
Auch eine unglaubliche Prozedur, dann eben diese Prothesen einzusetzen,
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wo dann auch anekdotisch erzählt wird, dass nur seine Tochter Anna ihm da helfen durfte.
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Und dass das bis zu einer halben Stunde gedauert hat, bis er dann halt so hergerichtet war.
1:19:31–1:19:36
Also ich meine, er war nicht entstellt im Alter von, wir haben jetzt auch ganz
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viele Bilder von ihm gesehen.
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Ja, man sieht das dann schon.
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Aus einer bestimmten Perspektive hast du gesehen, dass...
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Auf der einen Seite, der Knochen waren ja auch wirklich Teile des Kieferknochens
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entfernt. Und da wurde die Haut dann auch so dunkel und rot.
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Ja, das war so. Und dann hat er noch so ein Geschwulster. Aber er ist ja dann
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letztendlich von einem Krebs geheilt worden.
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Also konnte er dann noch 16 Jahre weiterleben.
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Und hatte wohl aber immer so gutartige Geschwulste. Und gleich dieses Festheilen,
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das war, glaube ich, sein einziges Rauschmittel. Also Alkohol wird überhaupt nicht erwähnt.
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Kokain hat er dann glaube ich auch nur so kurz probiert und nicht weiter verfolgt.
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War das halt irgendwie so eine Mode.
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Aber dieses Rauchen, Zigarrenrauchen, das war halt so schon,
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es war nicht nur einfach nur eine Zigarre, sondern es war schon ein Objekt.
1:20:28–1:20:34
So sieht man, also so denkt man dann Freud, wenn man ein Bild sich vorstellen
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muss von ihm. Bart und Zigarre.
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Das ist so der Archetyp von Freud.
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Und wohl nicht wegzudenken, wenn er geschrieben hat. Also das war wohl eben
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seine Form, die innere Erregung zu regulieren, während er schreibt.
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Dann braucht er das wohl, das Nikotin, aber vielleicht auch das Kauen oder ich,
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keine Ahnung, spekulativ.
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Ja, aber er war auch immer noch hochproduktiv im Alter mit den ganzen Schwächungen und Krankheiten.
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Hat er dann noch in den 30ern also weiterhin Bücher geschrieben. Abhandlungen gegeben.
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Also das ist schon Leistung.
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Ich fand diese Anekdote auch sehr schön mit den Ciao-Chao, ich weiß gar nicht,
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wie die in Deutschland heißen, ja auch Ciao-Chao, diese chinesischen Hunde,
1:21:22–1:21:29
die so ein bisschen gepropft aussehen und so wie so eine Rolle mit Fell,
1:21:30–1:21:33
dass das wohl sein Lieblingshund war und auch von,
1:21:34–1:21:37
Marie Bonaparte, was auch der Lieblingshund ist, hat sie auch so weiter verbunden
1:21:37–1:21:39
und in dem ganzen Material
1:21:40–1:21:43
Im Film, was wir da jetzt auch so gesehen haben, hatte ich wirklich das Gefühl,
1:21:43–1:21:47
das Einzige war, dass er so ganz ungebremst gelacht hat, war,
1:21:47–1:21:51
als er einmal den Hund so gefüttert hat und dann guckt er so kurz hoch und sucht
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dann einfach irgendeinen, er sucht so im Off an der Kamera vorbei,
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sucht halt irgendjemand, den er anlachen kann, weil er sich so gefreut hat.
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Und da hat man echt so ein richtiges Lachen gesehen.
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Ja, das finde ich auch sehr schön.
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Das fand ich eben wirklich auch so dieses, das Menschliche, was,
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ich meine, gut, früher war Fotografie alles nochmal was anderes als heute und
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oft eben auch gestellt oder hat dann eine bestimmte Funktion,
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diese Gruppenbilder oder wie auch immer.
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Aber da in dem Moment war es dann wirklich so ein unbeobachteter Moment.
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Ja, das war halt wirklich ein völlig untypisches Bild von Freud.
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Also hat man ja auch vorhin darüber gesprochen, wo man so einen privaten Einblick
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hat, den man vorher nicht gehabt hat.
1:22:37–1:22:41
Also allein durch die Archive, die dann da zur Verfügung gestellt waren.
1:22:42–1:22:45
Ja, wir sind jetzt wieder da, wo wir losgelaufen sind.
1:22:45–1:22:48
Wir sind kurz vor dem Kino Movimento.
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Und ich glaube, wir sind jetzt auch nochmal so ganz gut durch die Geschichte
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gelaufen, durch den Film.
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Und würde sagen, dass wir damit auch die Episode zum Ende führen.
1:22:59–1:23:00
Bist du einverstanden, Mitch?
1:23:01–1:23:04
Finde ich gut. Also zusammenfassend nochmal, mein Wunsch war und ich hoffe,
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dass das auch gepasst hat. Das war jetzt irgendwie so eine lockere Folge.
1:23:06–1:23:10
Wir haben uns jetzt nicht durch Sachen durchgeknüppelt, wobei du wirklich auch
1:23:10–1:23:14
nochmal gut Jahreszahlen so wieder mit reingebracht hast.
1:23:14–1:23:17
Aber für mich war es eher nochmal so die Hoffnung und Wunsch und ich habe es
1:23:17–1:23:23
auch so erlebt über diesen Film als dritter Teil zu dieser C.G.
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Jung-Folge vielleicht auch noch mal freut, biografisch so ein bisschen darzustellen,
1:23:28–1:23:32
und nicht über die Theorie und die Wahrhaftigkeit davon oder nicht,
1:23:32–1:23:36
sondern oder Wissenschaftlichkeit und nicht so einfach zu schauen,
1:23:36–1:23:42
dass bestimmte Dinge da auch aus der Biografie vielleicht auch motiviert sind
1:23:42–1:23:44
oder noch mal anders erlebt werden können.
1:23:45–1:23:51
Weil wir ja bei Jung eben auch auf diese biografischen Aspekte geschaut haben.
1:23:51–1:23:53
Ich finde, das ist uns gelungen.
1:23:53–1:23:54
Auf jeden Fall.
1:23:56–1:24:00
Ja, das war Eigentlich Podcast.
1:24:00–1:24:07
Das Ganze könnt ihr unter eigentlich-podcast.de nochmal vertiefen.
1:24:07–1:24:10
Da könnt ihr auch sehen, wo wir langgelaufen sind, unseren Track.
1:24:10–1:24:14
Und wir haben auch ein paar Bilder gemacht. Ich hoffe, die sind was geworden.
1:24:14–1:24:17
Es war sehr dunkel, auch schon spät.
1:24:18–1:24:22
Wenn euch die Episode gefallen hat, Wenn euch der Podcast gefällt,
1:24:22–1:24:27
dann empfehlt uns weiter oder gebt uns Sternchen oder was auch immer.
1:24:28–1:24:32
Wir sagen Tschüss, bis zum nächsten Mal, bis dahin.
1:24:32–1:24:33
Macht's gut, Tschüss.

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Zwischen Empirie und Vision, Wissenschaft und Glauben. Wir nehmen uns der Frage an: Wie unterscheidet sich klassische empirische Forschung von C.G. Jungs Ansatz einer "neuen empirischen Psychologie"? Jung verstand unter Empirie nicht nur die systematische Beobachtung äußerer Phänomene, sondern auch die methodische Erkundung innerer Erlebniswelten. Für viele überschreitet er spätestens da die Grenzen der Wissenschaft, indem er subjektive Überzeugungen in seine Methodik mit einschließt. Seine Psychologie basiert auf der Überzeugung, dass solche subjektiven Erfahrungen, insbesondere Träume, Imaginationen und archetypische Bilder, wissenschaftlich ernst genommen und erforscht werden können. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht *Das Rote Buch*, eine Art psychologisches Tagebuch und zugleich ein symbolisch verdichteter Erfahrungsraum, in dem Jung seine eigenen inneren Bilder und psychischen Prozesse dokumentierte und interpretierte. Die über zehn Jahre dauernde Entstehung des Buches werden auch beschrieben als eine Zeit, in der Jung fast schon psychotische Phasen hatte und regressiv mit Holzklötzen seiner Kindheit spielte. Schwer erschüttert von der Trennung Freuds, öffnete er seine tiefenpsychologische Theorie symbolischen, mythologischen und spirituellen Dimensionen. Ist das noch Wissenschaft? Tune in an find out (what we think).

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Micz Flor
avatar
Florian Clauß

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:03
Und da gibt es doch, glaube ich, auch dann diese Gondelbahn.
Florian Clauß
0:00:03–0:00:04
Ja, genau, das ist Kienberg.
Micz Flor
0:00:04–0:00:09
Meine Eltern sind da gerne mit hingegangen und dann sind Elsa und ich und meine
0:00:09–0:00:11
Eltern diese Gondelbahn gefahren.
Florian Clauß
0:00:11–0:00:14
Und dann seid ihr auch am Wolkenhain vorbeigekommen.
Micz Flor
0:00:14–0:00:15
Den Wolkenhain kenne ich nicht.
Florian Clauß
0:00:15–0:00:17
Leute, es ist diese Stahlkonstruktion.
Micz Flor
0:00:18–0:00:20
Die auf der Spitze von Kienberg auch.
Florian Clauß
0:00:20–0:00:24
Und da gehen wir jetzt hin. Ja, hallo und herzlich willkommen.
0:00:24–0:00:28
Eigentlich Podcast, der Podcast, wo wir im Laufen reden und laufend reden.
0:00:28–0:00:33
Und wie ihr schon gehört habt, wir sind jetzt in Wuhletal, S-Bahnhof,
0:00:33–0:00:38
ausgestiegen und wollen den wunderschönen Wuhle-Wanderweg heute laufen.
Micz Flor
0:00:38–0:00:39
Heißt du so? www?
Florian Clauß
0:00:40–0:00:41
Www.www.
Micz Flor
0:00:41–0:00:46
Kann man weglassen. Eigentlich-podcast.de. Findet ihr dann die Strecke auch.
0:00:48–0:00:58
Und jetzt teilt es hier sehr schön, weil wir noch mit diesen wunderschönen Farben der ja noch ddr.
Florian Clauß
0:00:58–0:01:03
Fließen hier sind das ist glaube
0:01:03–0:01:10
ich hier noch so aus der aus den 50er jahren gefließt ja und ja wir wollen dann
0:01:10–0:01:16
den den kinnberg hochsteigen und auf dem wolkenhain und mit mit hat uns diesmal
0:01:16–0:01:20
ein thema mitgebracht ich bin gespannt hallo mit.
Micz Flor
0:01:20–0:01:23
Hallo das thema du bist gar nicht so, also du bist halt voll gespannt.
0:01:24–0:01:26
Das Thema habe ich dir schon verraten, indirekt.
Florian Clauß
0:01:26–0:01:28
Ja, ich wollte jetzt ein bisschen Suspens für die Zuhörer.
Micz Flor
0:01:29–0:01:35
Ja, genau, aber die lesen ja immer den Titel schon. Wir haben nochmal die CG
0:01:35–0:01:38
Jung Folge aus dem Giftschrank geholt, oder ich?
0:01:39–0:01:44
Wo wir damals, man erinnere sich, ein bisschen darüber gesprochen haben, wie C.G.
0:01:44–0:01:52
Jung in den 50er Jahren als eine seiner ganz späten Schriften über moderne Mythen,
0:01:52–0:01:54
über UFOs geschrieben hat.
0:01:54–0:01:58
Und versucht hat, die in sein Archetypen-Weltbild mit einzupacken und damals
0:01:58–0:02:02
dann auch geschrieben hat, dass Archetypen ja auch veränderlich seien und nicht
0:02:02–0:02:04
so festgeschrieben, wie man das vielleicht annehmen würde.
Florian Clauß
0:02:04–0:02:07
Also wir haben schon ein paar Mal über Zige Jung gesprochen.
0:02:08–0:02:09
Wir müssen das dann nochmal so ein bisschen...
Micz Flor
0:02:09–0:02:10
Einmal haben wir.
Florian Clauß
0:02:10–0:02:14
Nein, wir hatten zwei Folgen. Die andere Folge war über Märchen.
0:02:15–0:02:18
Da hattest du ja auch schon Zige Jung rausgeholt.
Micz Flor
0:02:19–0:02:21
Mit Freude und Fromm zusammen.
Florian Clauß
0:02:21–0:02:27
Das ist ja, also Zige Jung ist ein fortwährender Gast in unserem Sinne.
Micz Flor
0:02:27–0:02:33
Ja, es ist so, dass diese nachhaltiges dran knabbern an Jungen,
0:02:34–0:02:37
und das war bei der Folge mit den Ufos auch so ein bisschen unser Thema,
0:02:38–0:02:42
dass Jungen dann irgendwie sich so zwischen den Welten positioniert und trotzdem
0:02:42–0:02:44
einfach immer darauf pocht. Ich bin Empiriker.
0:02:45–0:02:52
Die Naturwissenschaftler sagen, ich sei religiös, metaphysisch.
0:02:52–0:02:58
Das ist falsch. Und die ReligionswissenschaftlerInnen sagen,
0:02:58–0:03:02
ich sei naturwissenschaftlich, das ist auch falsch. Also alle sind falsch.
0:03:02–0:03:07
Er ist halt einfach Empiriker. Und dieser Empiriebegriff, da wollen wir heute
0:03:07–0:03:11
nochmal ein bisschen drauf gucken, aber auch nochmal ein bisschen eben dadurch
0:03:11–0:03:13
auch nochmal auf Jung zu gucken,
0:03:13–0:03:19
weil speziell das rote Buch, was auch jetzt ein bisschen vorkommt,
0:03:20–0:03:22
Was ja wirklich auch in einem Giftschrank war.
0:03:22–0:03:26
Jung hatte damals per Testament verfügt, dieses rote Buch, was er gemacht hat,
0:03:26–0:03:28
sollte nur in der Familie bleiben.
0:03:29–0:03:31
Da gehen wir gerade rein.
Florian Clauß
0:03:31–0:03:32
Weil es auch sehr persönlich ist.
Micz Flor
0:03:32–0:03:36
Es ist sehr persönlich, es sind viele Träume drin und Traumdeutungssachen drin.
0:03:36–0:03:43
Aber es ist für viele einfach auch so eine metaphysische Bibel geworden für die Verbindung.
0:03:44–0:03:48
Also in so einem esoterischen Weltbild, wo alles miteinander verbunden ist.
0:03:48–0:03:51
Und eben Jung dazu einlädt.
0:03:51–0:03:54
Und wir werden ein bisschen über diese Ambivalenz sprechen.
Florian Clauß
0:03:54–0:03:54
Ja.
Micz Flor
0:03:55–0:03:57
Weil, ähm...
0:03:58–0:04:04
Bei allen Dingen, die irgendwie ins Religiös-Metaphysische abdriften,
0:04:04–0:04:09
gibt es dann immer so letztendlich keinen Beweis oder Falsifikation,
0:04:09–0:04:11
sondern man muss es dann halt glauben.
0:04:11–0:04:14
Wir kommen also eben zurück auf dieses Thema Glauben.
Florian Clauß
0:04:14–0:04:15
Auf das Glaubenthema.
Micz Flor
0:04:15–0:04:17
Ich weiß nicht, ob ich das Wort Glauben in den Titel nehme.
Florian Clauß
0:04:18–0:04:19
Ja, vielleicht Empfinden auch.
Micz Flor
0:04:20–0:04:21
Empfinden, okay.
Florian Clauß
0:04:22–0:04:29
Aber vielleicht, ich weiß nicht, wie du jetzt dir die Folge so eingeleitet gedacht hast.
Micz Flor
0:04:29–0:04:31
Ich habe auch noch einen riesen Twist drin. Ich weiß gar nicht,
0:04:31–0:04:35
ob es eine oder zwei Folgen sind. Du wirst wahrscheinlich hinten umfallen.
0:04:35–0:04:37
Ich muss dich wahrscheinlich wieder benehmen.
Florian Clauß
0:04:37–0:04:40
Wenn ich dann diesen Twist... Wir haben ja schon so ein paar eigentlich...
0:04:42–0:04:47
Aber wollen wir vielleicht noch mal um so die Grundlagen von Freud,
0:04:47–0:04:49
wollte ich schon sagen, Grundlagen von Jungen.
0:04:49–0:04:56
Wollen wir die vielleicht noch mal so voranstellen, bevor wir dann in die Empirie gehen?
0:04:57–0:05:03
Weil das ist ja so ganz fundamental, ist ja so ein bisschen diese Idee der Archetypen
0:05:03–0:05:07
und des Unbewussten vielleicht da auch in Abgrenzung zu Freud.
0:05:09–0:05:14
Ich weiß nicht, ob ich dich jetzt auf einen kalten Fuß erwische oder kann man
0:05:14–0:05:20
das noch mal so ganz kurz zumindest so in den Grundbegriffen sortieren?
Micz Flor
0:05:20–0:05:23
Ja, es ist gut, weil man dann einfach auch oder ich nochmal vorne heranstellen
0:05:23–0:05:31
kann, dass ich sehr ambivalente Haltung gegenüber dem habe, was ich weiß und ich bin kein Experte.
0:05:31–0:05:34
Das heißt, ich habe mich da so reingelesen und,
0:05:35–0:05:39
Und wahrscheinlich auf einer Ebene wie viele andere Esoteriker,
0:05:39–0:05:44
die sich damit auseinandersetzen, die dann halt ein paar Primärtexte,
0:05:44–0:05:46
viel Sekundärmaterial und was vom Netz ist.
Florian Clauß
0:05:49–0:05:53
Gut, du bist aber Tiefenpsychologe, das heißt, du kommst auch aus einer gewissen
0:05:53–0:05:56
Richtung. Du kannst zumindest fachlich beurteilen.
Micz Flor
0:05:57–0:06:00
Ja, fachlich. Gut, das ist aber interessant, weil da geht es ja um Empirie und
0:06:00–0:06:04
Wissenschaft, wissenschaftliche Haltung. Und also man kann erst mal sagen,
0:06:04–0:06:10
und da kann ich mich so ein bisschen alignen, wie man neudeutsch sagt, so align mit Jung.
0:06:11–0:06:16
Der hatte schon als Kind irgendwie dann oder als Jugendlicher so eine Beschreibung
0:06:16–0:06:19
von sich selbst, dass er eigentlich so zwei Personen ist, so zwei Typen.
0:06:20–0:06:26
Der erste Typ ist quasi der alltäglich rationale Schuljunge aus Basel und der
0:06:26–0:06:30
halt Schwermut hinterlich lassen will, so ein bisschen lebenslustiger ist und
0:06:30–0:06:33
sowas. und der so naturwissenschaftlich geprägt ist.
0:06:33–0:06:39
Und er hat immer wieder auch so diesen zweiten, der ist so eher rückzügig introvertiert
0:06:39–0:06:42
und der beschäftigt sich eher mit religiösen Themen, den verknüpft er so ein
0:06:42–0:06:43
bisschen mit dem Mittelalter auch.
0:06:44–0:06:50
Und die zwei zum Beispiel sah die eins immer nur als so eine notwendige Seite.
0:06:51–0:06:53
Mit der man halt so in der Welt war.
0:06:53–0:06:57
Und diese zwei, die war irgendwie für ihn halt mit was Vergangenem verbunden.
0:06:57–0:07:01
Und da sind wir dann schon auch bei diesen Grenzen. Also das Bild war für ihn
0:07:01–0:07:04
gleich so, das ist von früher. Auch schon relativ jung hat er es gedacht.
0:07:06–0:07:13
Und diese Person 2 war mit den Geisteswissenschaften verbunden und der Theologie.
0:07:13–0:07:17
Und bei mir kann ich mich da insofern mit verbinden, weil ich auch irgendwie
0:07:17–0:07:24
damals nach dem Abi so zwei Dinge hatte. Ich hatte Abi in Mathe und Bio gemacht
0:07:24–0:07:27
und wollte eigentlich in die Naturwissenschaften gehen.
0:07:27–0:07:31
Biologie war mir schon fast so ein bisschen zu weich. Ich hatte überlegt,
0:07:31–0:07:32
vielleicht sogar Physik zu machen oder so.
0:07:33–0:07:35
Und dann hatte ich die anderen beiden Fächer, waren halt Musik und,
0:07:36–0:07:38
vielleicht vergessen, wie hieß das nochmal?
0:07:38–0:07:45
Ich wollte sagen Geisteswissenschaften, aber diese Gemeinschaftskunde, nee, wie hieß das?
0:07:45–0:07:52
Gesellschaftskunde oder so? Das waren dann eher so musisch, softe und so soziale Interessen.
0:07:52–0:07:57
Und ich hatte die so beide und hatte mich dann nach dem Abi entschieden für Naturwissenschaften.
0:07:57–0:08:00
So, deshalb sage ich Alligning, so wie Jung sich zuerst für Medizin entschieden hat.
0:08:01–0:08:06
Und dann habe ich aber später, als die, damals war Zivildienst 20 Monate,
0:08:06–0:08:11
habe ich in der mobilen Altenpflege viele alte Männer beim Sterben betreut.
Florian Clauß
0:08:11–0:08:12
Die zu Hause gestorben sind.
Micz Flor
0:08:13–0:08:19
Und hatte dann da mich, glaube ich, für dieses Sozialpsychologische schon ein
0:08:19–0:08:22
bisschen auch erwärmt und hatte dann wirklich auch so ein,
0:08:23–0:08:28
Ja, so eine ganz seltsame psychosomatische Erfahrung, als ein Patient,
0:08:28–0:08:33
der einen Dekubitus hatte, also wundgelegen war, den ich halt betreut habe und
0:08:33–0:08:36
immer so auf die Seite gedreht und dann mit ihm gesprochen, öfter mal da und so.
0:08:38–0:08:42
Und der heilte dann, das ist zugeheilt.
0:08:44–0:08:47
Und das hat mich einfach irgendwie sehr gefreut und ich wusste gar nicht,
0:08:47–0:08:52
wie wichtig mir das war, bis es dann passierte, dass das irgendwann wieder aufgebrochen ist.
0:08:52–0:08:57
Und als es ihm dann schnell schlechter ging und als ich ihn dann morgens besucht
0:08:57–0:09:01
hatte zum Bett wechseln, Windel wechseln, reden und gesehen habe,
0:09:02–0:09:03
dass das wieder wund geworden ist.
0:09:04–0:09:09
In der Nacht habe ich auf, ich bin am nächsten Morgen der Nacht,
0:09:09–0:09:14
nach der Nacht aufgewachen und hatte so eine Hühnerei große Brandblase an der Hüfte.
0:09:14–0:09:19
Also ich hatte mich in der Nacht wund gelegen, Es war voller Wasser und das
0:09:19–0:09:21
war wirklich ein komisches Erleben.
0:09:22–0:09:25
Ich hatte später nochmal sowas, als ich in Manchester studiert habe,
0:09:26–0:09:29
da hatte ich einen Mitbewohner, der war komplett kahl.
0:09:30–0:09:33
Ich habe zum Anfang gar nicht gecheckt, der hatte entweder so ein Kopftuch auf
0:09:33–0:09:37
oder hat so eine Mohiken-ähnliche Punk-Frisur.
0:09:37–0:09:40
Ich habe mich immer gefragt, wer die Haare unter dem Kopftuch liegt,
0:09:40–0:09:41
wie sie gecheckt haben. Das war eine Perücke.
0:09:42–0:09:46
Hat er mir dann erklärt und hat erzählt, das heißt glaube ich im Deutschen Kreisrunde Haarausfall.
0:09:47–0:09:51
Und da habe ich gedacht, nie gehört, man weiß nicht warum, aber das fängt dann
0:09:51–0:09:55
an und dann hast du wie so eine Münze, auf einmal keine Haare mehr und das ist
0:09:55–0:09:57
dann über seinen ganzen Kopf gewandert und er hat einfach alle Haare verloren.
Florian Clauß
0:09:58–0:09:58
Okay.
Micz Flor
0:10:00–0:10:05
Und was ist ein paar Tage später passiert, bei mir unten am Kinn sind so ein
0:10:05–0:10:09
paar Haare, war so ein bisschen so eine Fleischstelle und die ist dann größer
0:10:09–0:10:13
geworden, bis auf so eine, würde man heute mit 10 Cent großes,
0:10:13–0:10:15
hatte ich hier einfach keine Haare mehr.
0:10:15–0:10:18
Und ich hab im Spiegel gedacht, das darf doch nicht wahr sein.
0:10:18–0:10:20
Und dann ist es aber stehen geblieben.
0:10:22–0:10:25
Dann war es irgendwann nachgewachsen, dann waren die weiß, die Haare,
0:10:25–0:10:26
und dann wurden sie wieder dunkel am Bart.
Florian Clauß
0:10:26–0:10:28
Ja, Stalker-mäßig.
Micz Flor
0:10:28–0:10:31
Es war wirklich, wirklich, also ich habe gedacht, so Mensch,
0:10:31–0:10:33
ey, mitschwingen ist ja schön und gut.
0:10:34–0:10:37
Aber wie kann es sein, dass ich über dieses psychische Mitschwingen bis auf
0:10:37–0:10:41
den Körper, in der Brandblase und im kreisruhen Haarausfall,
0:10:41–0:10:47
da diese Symptome, die jetzt wirklich nicht psychisch sind, ja.
0:10:47–0:10:50
Also man kann ja auch messen, dass wenn ein Team einer Stress hat,
0:10:50–0:10:54
kriegen alle Stress. Kann man jetzt drüber philosophieren, wie die stressige
0:10:54–0:10:57
Interaktion dann auch die Stresshormone freisetzt.
0:10:57–0:11:02
Okay, aber das waren wirklich so Sachen, wo ich auch dachte, krass.
Florian Clauß
0:11:02–0:11:05
Ja, ich meine, diese Synchronicität, das ist ja, glaube ich,
0:11:05–0:11:11
schon so ein übergreifendes Konzept da auch in der Jungschenlehre.
Micz Flor
0:11:12–0:11:14
Das ist nochmal was anderes, dazu habe ich aber auch ein Beispiel aus meiner
0:11:14–0:11:17
Biografie, das du auch schon ein bisschen kennst.
0:11:18–0:11:22
Also ich kann jetzt schon sagen, es werden zwei Folgen. Ich werde diese Folge
0:11:22–0:11:26
beenden mit dem Intro für den Twist für die zweite Folge.
Florian Clauß
0:11:26–0:11:34
Okay, das heißt ein Cliffinger. Das können wir auf dem Wolkenhain auf Kienberg dann machen.
Micz Flor
0:11:35–0:11:41
Zum Beispiel. So, jetzt ist dann, wir waren bei Jung, der hatte dann eben die
0:11:41–0:11:46
Psychiatrie für sich entdeckt, so wie ich damals die Psychologie entdeckt habe.
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Ich möchte mich damit gar nicht erhöhen.
0:11:47–0:11:52
Ich möchte mich insofern alignen, als dass ich in diesen Folgen wahrscheinlich
0:11:52–0:11:56
immer wieder auch zwischen diesem sehr naturwissenschaftlichen Kopfschütteln
0:11:56–0:12:02
und diesen selbst erlebten Synchronicitäten komme ich gleich das Beispiel an.
Florian Clauß
0:12:02–0:12:03
Vielleicht heißt die Folge dann Ich und Jung.
Micz Flor
0:12:05–0:12:06
Ewig Jung.
0:12:10–0:12:15
Es gibt auf alle Fälle aber auch Unterschiede. Also zum Beispiel beschrieb Jung
0:12:15–0:12:18
auch dann später, dass er schon als Kind auch viele Halluzinationen hatte.
0:12:20–0:12:27
Er hatte dann auch in der Mitte des Lebens, so Mitte 30, nachdem er von Sigmund
0:12:27–0:12:34
Freud damals ja sozusagen als Prinz, als Kronprinz erkoren wurde und rangezogen wurde,
0:12:35–0:12:39
gab es dann den Bruch, nachdem die beiden irgendwie gemerkt haben,
0:12:39–0:12:40
dass sie nicht zusammenpassen.
0:12:40–0:12:47
Für Freud war Jung dann irgendwie doch zu okkult und schlammig und metaphysisch.
0:12:48–0:12:55
Für Jung war Freud dann eben doch auch ein Vater, gegen den er rebellieren wollte,
0:12:55–0:12:57
könnte man vielleicht mal so sagen.
Florian Clauß
0:12:57–0:13:00
Darf ich da vielleicht mit meinem angelesenen Halbwissen nochmal rein?
Micz Flor
0:13:00–0:13:01
Ja.
Florian Clauß
0:13:01–0:13:08
Und behaupten, dass sich ja die Lehre von Jung und von Freud in einem Punkt
0:13:08–0:13:14
des Unbewussten noch, die Interpretation des Unbewussten noch, unterscheidet.
0:13:15–0:13:22
Freud, derjenige, der sehr viel aus diesem Trieb und Sexualität erklärt hat,
0:13:22–0:13:30
hat das alles im Unbewussten mitgeparkt und daraus sehr viel Theorie entwickelt.
0:13:30–0:13:36
Und Jung hat ja die Idee der Archetypen im Unbewussten gepflanzt.
0:13:36–0:13:42
Und das ist, glaube ich, nochmal so, was die beiden unterscheidet,
0:13:42–0:13:43
jetzt auch für unseren Zugang.
Micz Flor
0:13:44–0:13:47
Ich versuche es nochmal, also was du sagst, noch mal bildlich darzustellen, weil,
0:13:50–0:13:55
Das ist rückblickend zusammengefasst wahr, aber beide haben ihre Theorien ja
0:13:55–0:13:56
immer wieder auch umgebaut.
0:13:56–0:14:00
Aber es gibt so fundamentale Ideen, die sich da unterscheiden.
0:14:00–0:14:04
Und diese ganze Idee mit dem Archetypen und dem kollektiven Unbewussten,
0:14:05–0:14:10
Fußnote kommt auch noch drin, während des Dritten Reichs nannte Jung,
0:14:11–0:14:14
weil er nämlich dann sehr gerne diesen Job auch angenommen hat,
0:14:14–0:14:23
Das offizielle psychoanalytische Magazin, was dann aber schon nicht mehr,
0:14:24–0:14:29
also ihm wurde angetragen, das zu übernehmen, nachdem die ganze psychoanalytische
0:14:29–0:14:33
Vereinigung dann von Juden gesäubert wurde.
0:14:33–0:14:38
Und er hat das gerne übernommen und hat dann auch sehr opportunistisch in gewisser
0:14:38–0:14:43
Weise gleich sein kollektives Unbewusstes in ein Rassenunbewusstes umbenannt.
Florian Clauß
0:14:43–0:14:49
Ja, ich glaube, die Gefahr des Totalitären im Universellen ist sehr nah.
Micz Flor
0:14:50–0:14:53
Ja, und man könnte aber vielleicht das, was du sagst, als Bild,
0:14:54–0:14:58
habe ich mir auch nämlich überlegt, das habe ich jetzt vorhin verpasst.
0:14:58–0:15:02
Ich wollte es so auch einführen zu sagen, wenn man sich das so anschaut, bei Freud war es so,
0:15:02–0:15:07
dass das Unbewusste, auch in seinen ganz frühen Zeichnungen,
0:15:07–0:15:09
gibt es halt eben diesen Blob, das habe ich ja glaube ich in einer anderen Folge
0:15:09–0:15:13
schon mal beschrieben, wo das Unbewusste ist, Vorbewusste ist Bewusste und dann
0:15:13–0:15:17
gibt es so einen kleinen Würfel, das ist quasi das auditive Interface zur Welt.
0:15:17–0:15:22
Also der so ein organismus und diffusen organismus den er da malt der ist geschlossen
0:15:22–0:15:31
ja das unbewusste ist unten drin nimmt viel platz ein aber ist geschlossen da drin später nimmt die,
0:15:32–0:15:38
freut das Über-Ich mit dazu, als auch noch etwas, was wirksam ist.
0:15:39–0:15:44
Und da öffnet er natürlich dann diesen Organismus für, sage ich mal,
0:15:44–0:15:48
den Zeitgeist, soziale Interaktionen, soziale erwünschte Themen und so.
0:15:48–0:15:55
Aber bei Jung ist es fundamental unterschiedlich, weil bei dem ist das Unbewusste nach unten offen.
Florian Clauß
0:15:56–0:15:56
Ja.
Micz Flor
0:15:57–0:16:01
Und da geht es dann, also man kann sich das wirklich sofort in so einem esoterischen
0:16:01–0:16:06
Bild auch vorstellen. Also da ist oben das Individuum und nach unten raus ist
0:16:06–0:16:08
es aber verbunden mit so tiefen Wurzeln.
0:16:09–0:16:12
Und da geht es durch das eigene Unbewusste durch.
0:16:12–0:16:15
Und dann gibt es noch, ich weiß nicht mehr genau, wie ihr das nennt,
0:16:15–0:16:18
diese tiefe Stimme oder sowas.
0:16:18–0:16:21
Also wie gesagt, das wandelt sich ja auch mit der Zeit so ein bisschen.
0:16:21–0:16:24
Ich lese, glaube ich, danach auch ein Stück was vor aus dem Roten Buch.
0:16:25–0:16:28
Aber ich glaube, ich habe mich jetzt gegen diese tiefe Stimme entschieden,
0:16:28–0:16:33
sondern eher was, was ihn so ein bisschen auch als Religionsgründer so etabliert.
0:16:34–0:16:38
Aber diese Verbindung des Unbewusstes nach unten offen, das ist dann der Ort,
0:16:38–0:16:40
wo sich dann das kollektive Unbewusste trifft.
0:16:41–0:16:47
Also die, die Dune 2 gesehen haben, alles Wasser fließt in diesen unterirdischen Pool.
0:16:47–0:16:54
Also alle Seelen der Gestorbenen vom Dune-Planeten sind da unten drin.
Florian Clauß
0:16:54–0:17:00
Ja, also ich habe das auch jetzt nochmal so in Vorbereitung,
0:17:01–0:17:05
muss ich gestehen, bei Wikipedia so, was sehr handfest war, um dieses kollektive
0:17:05–0:17:06
Unbewusste zu beschreiben.
0:17:07–0:17:09
Und was mich auch wieder sehr ergriffen und beschäftigt hat.
0:17:10–0:17:14
Nämlich, dass dieses kollektive Unbewusste, wir haben es ja auch in anderen
0:17:14–0:17:17
Folgen schon erwähnt, könnte ja sowas wie...
0:17:18–0:17:22
Wie wir bei den Märchen gesprochen haben, ein Meme sein.
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Das heißt, ein kollektives Gedächtnis, was sich weiterpflanzt.
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Keine Gene, sondern ein Meme.
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Beziehungsweise auch die Glutkerne, die in Märchen auch irgendwo drin sind.
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Und dann sind wir an der Grenze zum Schamanismus und dann kommen wir wieder zum Roten Buch.
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Das ist ja der Bogen. Aber das finde ich halt total stark, dieses Bild.
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Das ist fast sehr wissenschaftlich beschrieben.
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Wenn dann eben ein Säugling auf der Welt ist und es gibt ja kein genetisch vererbtes Bild der Mutter.
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Sondern es gibt ja irgendwie nur so ein gefühltes Bild der Mutter.
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Das heißt, es gibt ein gefühltes Pattern. Wenn ich schreie, dann kriege ich was.
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Woher weiß dieser Säugling, dass er das so tun muss? Und das ist ja so dieses
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kollektive Unbewusste, was dann erst mal so wirkt. Und dann prägt sich ja erstmal
0:18:15–0:18:17
diese Individuation aus.
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Aber erstmal ist dieser Druck da, dieses Archetyp, was dann eben den Säugling
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zum Schreien und zum Verhalten drängt.
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So ganz grob beschrieben. Und das ist halt, was es dann im Unterschied,
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vielleicht kann man nicht sagen, ob es bei Tieren anders ist.
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Ich meine, wenn eine Giraffe geboren wird, dann steht die auf und läuft weg. Woher kann die das?
Micz Flor
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Das ist instinktiv. Die Ameisen, das ist ja auch deine Ameisenfolge.
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Da ist es, finde ich, am anschaulichsten. In keiner einzelnen Ameise ist das
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komplexe System verhaftet.
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Und trotzdem ist das komplexe System mit Absurdesten. Also wer es noch nicht
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gehört hat, das ist echt auch eine meiner Favorite-Folgen.
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Auch weil wir eine tolle Wanderung dabei hatten.
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Da kann jeder gerne mal nachgehen. Im Sommer hat es gebrutzelt. War super.
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Aber das ist ja wirklich dann so, dass in keiner Ameise ist es drin und trotzdem
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ist es zwischen allen Ameisen gegeben.
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Und mit dem, was du sagst, also das Bild der Mutter...
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Ich versuche das manchmal immer so ein bisschen zu beschreiben,
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das ist zumindest in meinem Verständnis, jetzt sind wir auch wieder natürlich
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bei sehr individuellen Erklärungsmodellen für solche Sachen.
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Bei den Large Language Models habe ich mal so einen kurzen Vortrag gesehen,
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wo jemand meinte, was ist denn eigentlich eine Idee?
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Und es gibt bei den Large Language Models dann so eine Phase von,
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in Anführungszeichen, Interneuronen zwischen irgendwie, keine Ahnung,
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es ist ja alles quasi von Menschen gemacht, das Abbild von irgendetwas.
0:19:49–0:19:53
Also im Endeffekt im Computer, aber eine Vorstufe von dem, was dann als Output kommt.
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Der Output ist immer wieder einzigartig, wird ja auch immer wieder quasi tabula
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rasa und neu rausgepusht.
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Aber die Idee sei sozusagen ein Freeze von dem, bevor der Output kommt.
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Und ähnlich habe ich oft das Gefühl, dass es weniger die Mutter und das Kind
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sind, sondern was angelegt ist im Formmodell, sind die Möglichkeiten der Verbindung.
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Ja, die Bindung ist das, was wir eben als soziale Verbindung,
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aber auch Interaktion können.
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Und das ja in sich selbst, da sind wir wieder bei den Ameisen,
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aber bei uns trägt ja dieses zwischen den Menschen auch noch die ganze Kultur,
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das ganze Wissen, ja, generational, was da weitergegeben wird.
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Also irgendwo ist das hier festgehalten.
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Und solche Bilder wie zum Beispiel bei dem vorletzten Alien-Film,
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glaube ich, wo dann die ganzen Menschen-Embryos halt so Deep Freeze mäßig einfach
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rausgeschossen werden ins Universum.
0:20:53–0:20:58
Und ein Androide kommt halt mit, der ja dann auch eben diesen einen Alien mit reinsetzt.
0:20:58–0:21:02
Das war jetzt der Plot-Spoiler, dass die Menschen nie ankommen, so nur Aliens.
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Man die einfach so wegschicken könnte und dann entsteht da wieder Menschheit.
0:21:08–0:21:10
Das ist wahrscheinlich nicht so leicht.
0:21:11–0:21:14
Oder, wir werden es ja wissen, vielleicht ist es ja viel leichter als gedacht.
Florian Clauß
0:21:14–0:21:20
Ja, ich meine, was du sagst, auf der einen Seite ist es halt ein ganz biologischer Trieb.
0:21:20–0:21:22
Es ist die Geburt, es ist die Paarung.
0:21:23–0:21:29
Das sind ja so diese Initiationsmomente von Menschheit, Menschheitsgeschichte.
0:21:29–0:21:34
Das heißt, irgendwas muss ja da ein Ideebild sein, wie sich das halt zu gestalten
0:21:34–0:21:37
habe. Deswegen ist es irgendwo eingepflanscht.
0:21:38–0:21:43
Und auf der anderen Seite entsteht daraus Kultur, weil dieses Ideenbild lässt
0:21:43–0:21:48
sich ja nicht eins zu eins immer so umsetzen, sondern du hast ja so einen Möglichkeitsraum
0:21:48–0:21:52
und einen Wirklichkeitsraum, der dann irgendwann in dem Moment,
0:21:53–0:21:59
ja vielleicht, da sind dann die Traumata bei Jung, wenn halt eben das Schreien
0:21:59–0:22:03
des Säuglings nicht beantwortet wird. Ja, dann entsteht ja eine Störung.
0:22:03–0:22:08
Ja, so wie beim Urknall, dann irgendein Teilchen anders gedreht hat und damit
0:22:08–0:22:13
halt die Expansion ausgelöst hat und damit dieses ganze Ungleichgewicht reingebracht
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hat und damit wieder diese Entstehung der Sterne.
0:22:16–0:22:20
Also das ist ja irgendwie so das kleinste Teil, was dann halt nicht mehr so
0:22:20–0:22:24
in diesem Wirklichkeitsraum da ist, wo es halt irgendwie, das kann man ja auch
0:22:24–0:22:26
nicht sagen, man kann ja nicht sagen, du bist falsch hier,
0:22:26–0:22:31
sondern es ist ja irgendwie die Prozesshaftigkeit, die da in dem Modell drin wird.
Micz Flor
0:22:31–0:22:35
Und die Prozesse generieren dann, und dann sind wir bei einer Form der Emergenz,
0:22:35–0:22:41
also das Ungreifbare, Strukturierte, was dann so dazwischen passiert.
0:22:41–0:22:48
Aber ich wollte noch eine Sache sagen zu diesem Archetypenbild und so.
0:22:50–0:22:55
Also vorher sage ich noch was anderes. Und zwar hat, wenn es darum geht,
0:22:55–0:22:57
diese Modelle zu bauen, hat Jung auch,
0:22:58–0:23:04
nicht Jung Freud, einen interessanten Subtext eingepackt in seinem wichtigen
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Artikel, ich glaube von 24 über Narzissmus.
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Und zwar hat er dann irgendwie mehr gesagt, stopp, jetzt muss ich mal hier was loswerden.
0:23:12–0:23:16
Und er sagt dann irgendwie nochmal kurz, ja, wie ist es denn jetzt mit der Libido,
0:23:17–0:23:21
die sich als Objekt-Libido und da muss die wieder umgewandelt werden in freie
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Energie. Und wo passiert das denn?
0:23:23–0:23:27
Also so wurde dann, wenn du es alleine liest, denkst du, hä?
0:23:28–0:23:31
Selbst wenn du dem Thema vertraut bist, jetzt macht das aber echt kompliziert.
0:23:31–0:23:34
Und dann sagt er nämlich nochmal Stopp im Stopp und sagt, ja,
0:23:34–0:23:36
so ist es halt. Ja, so müssen wir halt arbeiten.
0:23:36–0:23:40
Wir müssen halt Modelle bauen und wir denken, das sei Wissenschaft,
0:23:40–0:23:42
aber dieses Modell ist natürlich völlig fiktiv.
0:23:43–0:23:46
Freud selbst, und er ist ja auch als Mediziner und Wissenschaftler,
0:23:46–0:23:48
war immer der Meinung, irgendwann wird man das alles finden können,
0:23:48–0:23:50
aber jetzt muss er es halt ableiten.
0:23:50–0:23:54
Er baut diese Modelle und wo wird das denn dann wissenschaftlich?
0:23:54–0:23:56
Und er sagt, ja, wissenschaftlich wird es in dem Moment, wo wir unsere Modelle
0:23:56–0:23:58
dann in der klinischen Praxis erproben.
0:23:58–0:24:04
Weil aufgrund dieser Modelle entstehen ja auch Hypothesen über Veränderung dieses Modells.
0:24:04–0:24:11
Und wenn wir die dann probieren und wir haben einen Erfolg, dann können wir
0:24:11–0:24:15
dieses Modell erstmal nutzen. Es ist quasi, so würde der Mediziner denken, es funktioniert.
0:24:16–0:24:22
Und in der ganzen Psychopharmaka ist es ja auch so, dass die Kategorisierung,
0:24:22–0:24:27
welches Medikament jetzt als antipsychotisch oder angstlösend eingestuft wird,
0:24:27–0:24:34
ist nicht in der Chemie, sondern ist erstmal hauptsächlich in der Wirkweise.
0:24:34–0:24:42
Da werden die halt erst mal kategorisiert und sagen, okay, das ist ein Neuroleptika,
0:24:42–0:24:46
hatte man früher gesagt Antipsychotika, das ist gut gegen Stimmenhören,
0:24:46–0:24:47
gegen Warnhafte und so weiter.
0:24:48–0:24:51
Aber in geringer Dosierung bei manchen Menschen ist es total gut als Schlafmittel.
0:24:52–0:24:55
Aber es wird nicht im Schlafmittel, das ist dann Off-Label-Use.
0:24:55–0:25:01
Aber das heißt, diese ganzen Sachen, die sind auch immer Sachen, die so gebaut werden.
0:25:01–0:25:08
Und Freud hat dann 1924 eben gesagt, um das Ganze auch noch mal auf die Hand
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mit der Faust auf den Tisch zu sagen, das ist völlig okay so.
0:25:12–0:25:17
Indem er sagt, schauen wir doch mal an die Physik. Weil das war ja gerade Oppenheimer,
0:25:17–0:25:18
die Quantenphysik in der Zeit.
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Da ist es ja auch so, dass auf einmal alle Wissenserfahrungen durch den Boden
0:25:26–0:25:30
fallen, weil wir auf einmal völlig neu denken müssen. Und da gibt es auch noch
0:25:30–0:25:32
keine guten Modelle und man ist einfach am Forschen.
0:25:32–0:25:38
Also das finde ich auch nochmal einen wichtigen kleinen Exkurs, dann mal reinzugucken.
0:25:38–0:25:44
Wir sind immer im Plausiblen, nicht wirklich im Wissen.
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Und auch schön nochmal zu sagen, ja 1924 hatte man das Gefühl,
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dass man bei der Quantenphysik auch nicht im Wissen ist, sondern auch noch im Stochern.
Florian Clauß
0:25:52–0:25:56
Ja, und dann, ja, das war ja quasi der Höhepunkt der Moderne und in dem Moment,
0:25:56–0:26:02
wo dann Trinity losging und Oppenheimer und die Atombombe, ist ja die Postmoderne
0:26:02–0:26:04
quasi mehr oder weniger angefangen.
0:26:04–0:26:09
Also dann ist ja wieder dieses, also auf einer Kulturgeschichte betrachtet.
0:26:09–0:26:13
Aber noch ein anderer Gedanke dazu, zu den Wirkweisen der Medikamente jetzt
0:26:13–0:26:14
nochmal zurückzuhalten.
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Fromm, freut Jung, Fromm.
Micz Flor
0:26:18–0:26:19
Fromm kommt, glaube ich.
Florian Clauß
0:26:19–0:26:20
In dieser Folge eigentlich gar nicht vor.
Micz Flor
0:26:21–0:26:23
Das ist aber lustig, eine Jung, freut Fromm.
Florian Clauß
0:26:23–0:26:24
Ja, das ist deine Folge.
Micz Flor
0:26:25–0:26:30
Wenn die Schmidt, Schulze und Schuster gehen, dann werden wir so gerne über die reden.
Florian Clauß
0:26:31–0:26:36
Ja, das könnte man auch übertragen. Aber das auf die Psychotherapie dann übertragen
0:26:36–0:26:40
ist natürlich auch, der Ansatz zur Heilung ist ja quasi das Unbewusste,
0:26:40–0:26:43
sich irgendwie zugänglich zu machen in verschiedenen Methoden.
0:26:43–0:26:51
Und bei Jung ist ja dann eine Methode diese aktive Imagination.
0:26:51–0:26:58
Das heißt, sich das in so einem Halbwachzustand, dann eben seinen Traumbildern
0:26:58–0:27:02
nachzugehen und da zu schreiben, beschreiben, zu malen, zeigen und so weiter.
0:27:02–0:27:06
Das heißt, da gibt es ja auch die Möglichkeit zu heilen.
0:27:07–0:27:11
Das ist ja ähnlich wie das Medikament, dann auch irgendeine Disposition mitbringt.
0:27:11–0:27:15
Und auch hier eigentlich ist es ein Methodenwerk dann letztendlich,
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was daraus abgeleitet werden kann.
0:27:17–0:27:21
Und das ist natürlich total flexibel. Also das ist dann auch immer,
0:27:21–0:27:26
also das ist glaube ich das, was du ursprünglich zu Freud gesagt hast, dass es,
0:27:27–0:27:31
man kann nicht sagen, dass es diese eine Methode ist, die dann wirkt,
0:27:31–0:27:36
sondern das ist ja dann im kulturellen Kontext sind es unterschiedliche Möglichkeiten.
0:27:36–0:27:41
Jetzt kannst du vielleicht Large Language Models einsetzen, die auch eine heilende
0:27:41–0:27:45
Wirkung, eine methodische Wirkung haben können. Die ist halt irgendwie vor einer Zeit nicht klar.
Micz Flor
0:27:45–0:27:53
Ja, klar. Genau, aber jetzt habe ich den Faden für mich ganz kurz verloren, weil diese,
0:27:53–0:28:05
was du sagst, es wirkt in Anfangszeichen, ist natürlich dann auch noch ein ganz großes Thema,
0:28:06–0:28:12
weil die Psychoanalyse ursprünglich gar nicht unbedingt so denken wollte wie
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die medizinische Empirie oder Evidenzforschung.
0:28:15–0:28:18
Aber inzwischen, vor allen Dingen auch in Deutschland, weil halt alles über
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die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet wird, Evidenz vorliegen muss,
0:28:22–0:28:27
damit der soziale Pool das auch zahlt.
0:28:27–0:28:31
Deshalb war ja Homöopathie einfach so lange auch unter Beschuss,
0:28:31–0:28:37
weil es einfach überhaupt keine Evidenzbeweise gab, dass es wirkt.
0:28:38–0:28:44
Und das Geld, was alle in einen Pool stecken, was dann allen auch helfen darf,
0:28:45–0:28:46
wird halt danach auch geprüft.
0:28:46–0:28:51
Aber die Evidenzforschung ist halt so nah an der Medizin, dass du halt so ein
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Doppelblindverfahren, Psychopharmaka zum Beispiel, testen kannst.
0:28:54–0:28:57
Kann man sich ja vorstellen, wie das geht. Und dann hast du bestimmte Varianzen,
0:28:57–0:29:00
in denen Symptome reduziert werden und dann kannst du gucken,
0:29:00–0:29:04
sind die signifikant oder nicht, gibt es Nebenwirkungen, wird alles dann geschaut
0:29:04–0:29:05
und dann kommt es auf den Markt.
0:29:10–0:29:14
Psychotherapie, deshalb auch manualisierte psychotherapeutische Verfahren,
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die auch versuchen, eben möglichst gleich die Prozesse, Intervention in der Therapie,
0:29:26–0:29:29
auszuführen, nenne ich es mal, sodass man zum Schluss dann wirklich sagen kann,
0:29:29–0:29:35
dieses manualisierte psychotherapeutische Verfahren für Angst ist wirksam und
0:29:35–0:29:38
deshalb zahlt das die Kasse und empfiehlt es auch.
Florian Clauß
0:29:38–0:29:42
Ja, ja, ich meine, das hattest du ja auch so exponiert in der einen Folge.
Micz Flor
0:29:42–0:29:49
Genau, und dann ist es aber eben, um darauf zurückzukommen, mit den psychodynamischen
0:29:49–0:29:52
Verfahren geht es ja immer um das ganz spezielle.
0:29:52–0:29:54
Warum jetzt? Warum das?
0:29:55–0:29:57
Warum Angst vor Pferden?
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Das heißt, da wird ja immer ein Schritt, eben laut language,
0:30:01–0:30:04
man ist ein Schritt hervorgeguckt. Da wird ja halt gesagt, okay,
0:30:04–0:30:11
es gibt eine Angst, zum Beispiel die klassische Geschichte mit Angst vor Pferden vom kleinen Hans.
0:30:12–0:30:17
Der Papa und der Junge hatte dann Angst vor dem Papa, würde man dann natürlich
0:30:17–0:30:18
gleich sagen Kastrationsangst.
0:30:20–0:30:25
Aber das darf er sich nicht gestehen oder zulassen, das ist nicht ausführbar.
0:30:26–0:30:29
Und dann hat er auf einmal Angst vor Pferden, also es verschiebt sich.
0:30:29–0:30:33
Das ist ja ein ganz schillernder Fall, jetzt ganz kurz erklärt.
0:30:33–0:30:37
Das heißt, würdest du jetzt empirisch sagen, Pferdeangst müssen wir wegmachen,
0:30:37–0:30:41
was gibt's? Können wir mal unter P wie Pferde gucken und was machen wir jetzt?
Florian Clauß
0:30:43–0:30:45
Da steht nur ein Penis.
Micz Flor
0:30:49–0:30:53
Papa und Penis und Pferde, alles passt ja sogar, also sind wir sogar mit drin.
0:30:54–0:30:58
Aber deshalb ist natürlich oft diese Evidenzbasierung, gerade auch bei psychodynamischen
0:30:58–0:30:59
Verfahren, einfach nicht so.
Florian Clauß
0:30:59–0:31:02
Ja, das ist spannend, das finde ich jetzt, das ist mir jetzt wirklich tatsächlich
0:31:02–0:31:04
zum ersten Mal so klar geworden.
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Da knüpfe ich wieder an, was wir gerade gesagt haben, diese unendlichen Möglichkeiten,
0:31:10–0:31:19
die erstmal in diesem Unbewussten drinnen liegen, die dann halt einen potenziellen 2 hoch N Raum hat,
0:31:20–0:31:25
wie sich das dann ausprägen kann in der konkreten Wirkungsweise und so weiter.
0:31:26–0:31:28
Wie du das gerade beschrieben hast, und dann sind es auf einmal Pferde.
0:31:29–0:31:31
Bei den anderen sind es vielleicht Gartenzwerge oder sowas.
0:31:31–0:31:37
Das heißt, dieses Objekt oder das Subjekt oder das, was dann die Angst bereitet,
0:31:37–0:31:44
ist dann quasi nur der Endpunkt eines Prozesses, der vorher dann irgendwo anders angefangen hat.
0:31:44–0:31:47
Und das heißt, es ist deswegen nicht wiederholbar.
Micz Flor
0:31:47–0:31:51
Und das ist dann oft auch eine Kritik, die aber auch nicht bewiesen ist,
0:31:51–0:31:55
aber oft eine Kritik vom psychodynamischen Verfahren, früher in verhaltenstherapeutischen
0:31:55–0:32:00
Verfahren, die dann zum Beispiel nachweislich in der Expositionstherapie sehr
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gut, sowas wie Höhenangst, bearbeiten können.
0:32:02–0:32:06
Sogar per SMS, es gab eine Zeit lang, bevor es dann die Apps gab,
0:32:07–0:32:11
schon Angebote auch von Krankenkassen, dass man per SMS eine Expositionstherapie machen kann.
0:32:11–0:32:15
Man wird dann in bestimmten Abständen hingehalten, bestimmte Dinge zu tun,
0:32:15–0:32:21
dann auszuhalten, bis die innere Aufregung wieder abschwillt und dass man sich
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dann wieder völlig entspannt fühlt und so weiter.
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Es gibt bestimmte Methoden, es funktioniert und die Psychodynamik hat dann immer
0:32:27–0:32:30
den Vorwurf parat, ja gut, dann entsteht halt Symptomverschiebung.
0:32:31–0:32:37
Wenn der eigentliche Konflikt nicht gelöst ist, dann bleibt der psychische Druck
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erhalten und wenn dieser psychische Druck da ist, dann wird sich ein neues Symptom finden.
0:32:45–0:32:50
Und es gibt auch einen Text, den hatte ich neulich, weiß gar nicht,
0:32:50–0:32:54
ob ich den nochmal finde, aber wo jemand auch bei Zwangspatienten darüber gesprochen
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hat, welche Rolle hat denn eben Zwänge?
0:32:56–0:33:01
Das war, ich habe den Namen, Lerch, glaube ich, heißt der, der gehemmte Rebell
0:33:01–0:33:03
ist das Buch, was er geschrieben hat über Zwänge.
0:33:04–0:33:08
Und der hat halt gesagt, dass anhand der PatientInnen, mit denen er gearbeitet
0:33:08–0:33:13
hat, eine meinte, dass die Zwänge auf einmal weg waren und dann fehlte ihr was.
0:33:14–0:33:18
Dann fehlte auf einmal was und dann hat sie irgendwie was anderes gefunden,
0:33:19–0:33:23
was sie zwanghaft annehmen konnte, um halt so eine bestimmte Struktur,
0:33:23–0:33:25
die sie scheinbar einfach braucht.
Florian Clauß
0:33:25–0:33:31
Ja, es ist im Prinzip wie dann auf der anderen Seite, wenn du dann halt medikativ
0:33:31–0:33:36
da eingreifst, dann wird wahrscheinlich dieser Druck,
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gedämpft, aber der ist nicht wirklich weg. Also die Frage ist,
0:33:42–0:33:46
ob das dann eine Form von Heilung ist oder Verschiebung.
Micz Flor
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Da gibt es dann eben die ganzen Abwehrmechanismen, die ausgelegt sind,
0:33:51–0:33:54
um diese inneren Unruhezustände zu bändigen.
0:33:55–0:33:59
Und dann kann zum Beispiel Somatisierung, also das war dann meine Brandblase,
0:33:59–0:34:01
das hat mich so tief erschüttert, Ich habe das nicht zugelassen,
0:34:01–0:34:08
ist ja nur mein, das wäre jetzt die Theorie dazu, die ist ja hier nur mein Zivildienst.
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Ich kenne den Typ ja eigentlich gar nicht und dann kommt halt die Brandblase
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an meine Hüfte raus. Ich habe die Narbe immer noch, kann ich dir mal im Intim-Moment zeigen.
Florian Clauß
0:34:18–0:34:19
Beim Schneiden.
Micz Flor
0:34:20–0:34:21
Beim Schneidung im Himmels Willen.
0:34:24–0:34:28
Ich wollte eine Sache noch sagen mit diesem Archetypen-Ding.
0:34:28–0:34:32
Also auch da haben wir schon, so wie wir drüber gesprochen haben, du genauso wie ich,
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ich hatte ein bisschen gehofft, dass du der methodisch inkorrekt Gegenspieler
0:34:38–0:34:41
bist, der sagt, Leute, so muss es gemacht werden.
0:34:42–0:34:49
Aber du hast ja jetzt auch selber schon gesagt, man kann bei einer starken Plausibilität
0:34:49–0:34:52
schnell auch mal schulterzuckend sagen, kann ich glauben.
0:34:52–0:34:57
Und dann sind wir bei unserer allerersten Folge Contact.
0:34:57–0:35:02
Also Jodie Foster, die halt irgendwann glaubt, dass es Aliens gibt.
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Und es ist in dem Buch, weiß ich gar nicht mehr, aber im Film ist es dann wirklich
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so, dass der Vorwurf, den sie kriegt, ist, dass sie halt fantasiert und sie
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war ja ohnmächtig in dieser großen Kugel.
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Das hat sie alles nur so Hingespinste, der wird im Film ja ausgehebelt,
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weil dann nochmal jemand sagt, also sie sagt halt so, das Tape,
0:35:25–0:35:26
die Videoaufnahme, da ist nichts drauf.
0:35:26–0:35:30
Und dann ist das Gespräch vorbei und dann sagt die Kollegin von dem aber,
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trotzdem, es waren 17 Stunden Aufnahme, auf denen nichts drauf war.
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Während eigentlich nur die Kugel ist. Also Jodie Foster glaubt an Aliens und
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vorher war sie die Wissenschaftlerin, die halt jeden Schritt so,
0:35:43–0:35:46
und jetzt ist sie die Einzelkämpferin mit ihrem Glauben.
0:35:47–0:35:50
Und jetzt ist es bei dem, was wir mit den Archetypen gesagt haben,
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also Archetypen, die erstmal auch so in Mythen immer vorkommen, da hat.
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Da ist es so, dass in der Hirnforschung, in der angstbezogenen Hirnforschung
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ist es so, dass man inzwischen festgestellt hat,
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dass über die Signale, die halt reinkommen, zum Beispiel über was man sieht,
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werden an der Ermückterlage gesplittet in schnelle Sachen, die zum Hypothalamus
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geschossen werden und langsameren Sachen, die halt hinten zum visuellen Kortex geschickt werden.
0:36:32–0:36:36
Im Hypothalamus wird in irgendeiner Form, wie auch immer, schnell mal abgeglichen.
0:36:36–0:36:39
Das ist das Angstgedächtnis quasi, kenne ich das schon.
0:36:39–0:36:44
In der Exposition, in der Expositionstherapie der VT wird erfolgreich dieses
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Angstgedächtnis umgebaut.
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Da habe ich dann keine Höhenangst mehr. Das ist da rausgenommen.
0:36:50–0:36:55
Aber was da ankommt als Signal, wird abgeglichen und dann wird halt gleich gesagt
0:36:55–0:36:56
Gefahr oder nicht Gefahr.
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Und wenn es Gefahr ist, dann entsteht halt so eine Übernahme des ganzen Systems
0:37:01–0:37:06
und in drei Phasen werden dann Stresshormone ausgeschüttet und der Körper ist gestresst.
0:37:06–0:37:18
So, aufgrund dieser Struktur ist es gut erklärbar, warum es sehr viel mehr Hühnerphobien
0:37:18–0:37:21
gibt als Starkstromphobien.
0:37:21–0:37:21
Ja.
0:37:23–0:37:27
Es ist empirisch nicht nachweisbar, dass Hühner tödlicher sind für Menschen
0:37:27–0:37:30
als irgendwelche Zwischenfälle mit Steckdosen oder so.
Florian Clauß
0:37:30–0:37:30
Ja.
Micz Flor
0:37:32–0:37:37
Aber es ist einfach so. Schlangen, Insekten, das ist alles, da sind wir sehr anfällig.
0:37:38–0:37:43
Und das ist zumindest auch eine plausible Erklärung, zu sagen,
0:37:43–0:37:53
dass eine Weitergabe auf einer genetischen Ebene von solchen Archetypen möglich zu sein scheint.
Florian Clauß
0:37:53–0:37:57
Aber da ist vielleicht diese mimetische Weitergabe, dass du die Bilder dann
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irgendwie vererbst, in der Kultur eingebettet.
Micz Flor
0:38:04–0:38:08
Ja, das ist Das kann man nicht ausschließen,
0:38:08–0:38:13
aber zumindest ist es so, dass das Huhn nachweislich, ich weiß nicht wie das
0:38:13–0:38:17
mimetisch erhalten blieb, dass das Huhn so gefährlich ist, aber es gibt Hühnerphobien
0:38:17–0:38:19
oder Vögelphobien, die einfach nicht wirklich,
0:38:22–0:38:25
Die irgendwie nach Jahrhunderten jetzt, glaube ich, dann vielleicht auch mal
0:38:25–0:38:26
nicht mehr notwendig sind, aber die es immer noch gibt.
Florian Clauß
0:38:27–0:38:33
Vielleicht hier noch mal die Anekdote, als ich von Benjamin Worf ein Buch mal
0:38:33–0:38:37
gelesen habe über den Sprachanalytiker.
0:38:38–0:38:41
Und er hat die Sprache der Hopi-Indianer untersucht.
0:38:42–0:38:47
Und das ist eine völlig andere Struktur in der Sprache. Hat mich sehr fasziniert damals.
0:38:49–0:38:53
Und die jetzt ganz anders strukturell aufgebaut ist.
0:38:53–0:38:57
Und da ist sowas, weil wir hier gerade durchs Gebüsch laufen,
0:38:57–0:39:03
da ist zum Beispiel der Satz, ich schiebe einen Ast beiseite oder ich habe einen
0:39:03–0:39:06
zusätzlichen Zeh an meinem Fuß, das ist das Gleiche.
Micz Flor
0:39:07–0:39:07
Echt?
Florian Clauß
0:39:09–0:39:16
Wie geht das? Aber es ist halt diese Struktur, die das in dieser Hopi-Indianer-Sprache
0:39:16–0:39:20
beschreibt. und vielleicht ist es genau das gleiche wie mit Enten und Starkstrom.
0:39:20–0:39:24
Es ist dann halt irgendwie eine Hülle für irgendwas, was man erst mal wieder
0:39:24–0:39:26
füllen muss mit Bildern.
Micz Flor
0:39:26–0:39:31
Also die Hörer und Hörerinnen, die jetzt nicht dabei waren, während wir hier
0:39:31–0:39:35
lang liefen, müssen wissen, wir sind gerade über einen kleinen Fluss gelaufen und da waren Enten.
0:39:35–0:39:39
Deshalb hat Flo jetzt von Enten gesprochen. Er meinte Hühner.
0:39:41–0:39:46
Ja, im Deutschen gibt es das ja auch. Das erzählt Elsa immer gerne anderen Menschen.
0:39:48–0:39:52
Nur durch die Betonung werden diese beiden Sätze sehr unterschiedlich.
0:39:52–0:39:56
Ich werde dich umfahren oder ich werde dich umfahren.
Florian Clauß
0:39:57–0:39:58
Das sind andere Konsequenzen.
Micz Flor
0:39:58–0:40:03
Das ist ein sehr, sehr anderer. Der eine ist eher altruistisch mitdenkend und
0:40:03–0:40:06
der andere ist eher übergriffig, invasiv.
0:40:07–0:40:10
Aber das nochmal ganz kurz mit diesen Ängsten.
0:40:11–0:40:16
Es ist scheinbar möglich, dass in gewisser Form wirklich solche Sachen übergeben
0:40:16–0:40:23
werden und dann auch wieder evidenzbasierter Daten, sich da bestimmte Sachen festkrallen,
0:40:25–0:40:27
Und das muss man einfach mal so hinnehmen.
Florian Clauß
0:40:28–0:40:33
Ja, das muss man mal so hinnehmen. Okay, es ist natürlich ein heikles Gebiet,
0:40:33–0:40:40
weil du dann auch anfängst, ja, Homopathie und Evidenz und die Frage,
0:40:40–0:40:42
was dann eben Heilung bringt.
0:40:42–0:40:47
Aber ich meine, was in diesem Zusammenhang auch immer wieder gesagt wird und
0:40:47–0:40:53
als Sticker vom Böhmermann rausgekommen ist, ist halt, es ist,
0:40:54–0:40:57
jetzt fällt mir eine Spur nicht mehr ein. Warte mal, wie ging es nochmal?
0:41:00–0:41:03
Also Placebo-Effekt ist wirksam.
0:41:03–0:41:08
Das ist ja so die Essenz davon. Das heißt, die Homöopathie liefert ja ein Konstrukt,
0:41:09–0:41:11
ein Erklärungsmuster, von dem sie sagen, das ist wahr so.
0:41:12–0:41:17
Aber dieser Placebo-Effekt, der ist ja wissenschaftlich anerkannt.
0:41:17–0:41:20
Man weiß es nicht, wie es funktioniert in Teilen.
0:41:21–0:41:24
Aber es ist so, dass es eine unglaubliche Wirkung hat.
0:41:25–0:41:32
Und das ist, glaube ich, das, wo jetzt die Medizin noch nicht in diese Gefilde gekommen ist.
0:41:33–0:41:38
Aber es wird nach wie vor, also dieser Placebo-Effekt wird ja so angewandt.
0:41:38–0:41:42
Und das ist ja auch in dem Bereich, ist es dann auch wieder wissenschaftlich
0:41:42–0:41:46
akzeptiert, wenn du nicht sagst, ich habe jetzt hier irgendwie Hühneraugen und
0:41:46–0:41:52
Entenfüße, mixe ich zusammen und dann wirkt das 100% so.
0:41:52–0:41:55
Sondern du sagst halt irgendwie so, okay, ich baue dir jetzt mal ein Konstrukt
0:41:55–0:41:58
und ob du dran glaubst oder nicht, ist mir egal, aber es wirkt.
Micz Flor
0:42:00–0:42:03
Und jetzt habe ich eine absolute Déjà-vu Sache.
0:42:04–0:42:10
Da musst du jetzt sagen, habe ich neulich schon mal in unserem Podcast über
0:42:10–0:42:11
EMDR gesprochen, über die,
0:42:15–0:42:19
Diese Traumatherapie, psychotherapische Traumatherapie, EMDR?
Florian Clauß
0:42:19–0:42:21
Ich glaube, wir haben darüber gesprochen.
Micz Flor
0:42:22–0:42:24
Also gut, ich sage es jetzt einfach nochmal, weil es so gut passt.
0:42:25–0:42:26
Bei EMDR ist es auch so, dass man,
0:42:28–0:42:33
versucht, mit bestimmten Augenbewegungen, die durch den Finger,
0:42:33–0:42:41
den der Therapeutin bewegt, das traumatische Erleben dann abgeschwächt werden kann, die Erinnerung.
0:42:41–0:42:43
Also es ist eine Traumatherapie, ohne in die Symptome reinzugehen.
0:42:44–0:42:49
Und man hat aber irgendwann gemerkt, dieser Finger, das muss man gar nicht machen.
0:42:49–0:42:51
Man kann auch auf den Handrücken tippen oder man kann auch im Vorhang auf und
0:42:51–0:42:52
zu machen. Das ist nicht so wichtig.
0:42:54–0:42:58
Lange hielt man an diesen Finger fest. Und jetzt ist die neue plausible Theorie
0:42:58–0:43:01
einfach zu sagen, es geht um geteilte Aufmerksamkeit.
0:43:01–0:43:07
Es geht darum, dass das Trauma nicht die ganze Aufmerksamkeit bekommt,
0:43:07–0:43:10
sondern dass ein Teil der Aufmerksamkeit auf etwas anderem bleibt.
0:43:11–0:43:15
Sodass dann traumatische Erlebnisse nochmal berichtet werden können und dann
0:43:15–0:43:17
besser integriert werden können, sich entspannen können.
0:43:17–0:43:24
Und bei meinem Modell dazu merkt man schon, wie plausibel und gleichzeitig lose
0:43:24–0:43:25
das dann auch wieder ist.
0:43:25–0:43:32
Aber es ist gerade wohl der aktuelle Stand in der Forschung zu diesem Thema.
0:43:33–0:43:37
Warum muss man nur irgendwas machen und EMDR funktioniert?
0:43:37–0:43:43
Während man lange Zeit sich überlegt hat, was ist es denn bei dieser Augenbewegung,
0:43:43–0:43:44
was dann im Gehirn wirklich passiert.
0:43:44–0:43:46
Aber es war gar nicht das, sondern das Thema war Aufmerksamkeit.
Florian Clauß
0:43:46–0:43:53
Ja, interessant. Jetzt kommt da wieder so ein bisschen so, dass da quasi eine
0:43:53–0:43:55
Bewegungsstruktur hinterliegt.
0:43:55–0:43:58
Das ist dann wieder auf einer komplett strukturellen Ebene, aber sobald es eben
0:43:58–0:44:02
materiell wird, dann vielleicht gar nicht so interessant.
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Also das ist dann das Augenfälligste, was man erstmal untersuchen möchte.
Micz Flor
0:44:07–0:44:09
Augenfälligste war jetzt auch wegen Augen, meinst du?
Florian Clauß
0:44:09–0:44:13
Ja, das, was man dann halt anfassen kann, weil es halt irgendwie konkret wird.
0:44:14–0:44:16
Aber es ist vielleicht gar nicht das, worum es da geht. So ein bisschen,
0:44:17–0:44:18
das hatten wir auch erwähnt,
0:44:19–0:44:23
ich glaube, als wir das erste Mal über Large Language Models gesprochen haben,
0:44:23–0:44:29
dass dann der Hautkrebs oder Krebs in so Modellen,
0:44:29–0:44:33
wo verschiedene Bilder waren und so weiter, dann irgendwann ein Bios drin hatte,
0:44:33–0:44:39
das im Krebs immer nur dann erkannt wurde, wenn halt so ein Lineal daneben liegt.
0:44:39–0:44:43
Also dann hat man die ganze Zeit, okay, das ist Lineal, das muss irgendwas bedeuten.
0:44:43–0:44:46
Da muss ich mal hin. Das ist ein bisschen wie der Finger, der Finger, der Finger.
0:44:46–0:44:49
Dabei geht es eigentlich um eine andere Sache, die dahinter liegt,
0:44:49–0:44:52
die dann halt irgendwie unterschiedlich ausgeführt werden kann.
0:44:52–0:44:57
Und vielleicht geht es dann immer eher um Bewegung als um irgendwas Materielles.
Micz Flor
0:44:58–0:45:01
Wir haben jetzt irgendwie das Eigentliche, Eigentlich Thema ja so ein bisschen
0:45:01–0:45:04
übersprungen, also Jung ist jetzt so ein bisschen hinten dran.
0:45:06–0:45:10
Ich wollte da aber noch so ein paar Sachen dazu sagen, dass wir vielleicht das,
0:45:10–0:45:14
was wir besprochen haben, was wir eigentlich später hätten besprechen können,
0:45:14–0:45:18
aber jetzt nochmal hinten dran zu setzen, was eigentlich vorne dran gewesen
0:45:18–0:45:28
wäre, wäre halt der Jung in seiner Genese hin zum Psychiater und dann Psychoanalytiker.
0:45:28–0:45:34
Also er hat analytische Psychotherapie oder Psychologie dazu gesagt. Oder analytische oder?
Florian Clauß
0:45:36–0:45:36
Analytische, glaube ich.
Micz Flor
0:45:36–0:45:41
Analytische Psychologie, genau. Und bei ihm war es so, das hatte ich ja gesagt,
0:45:41–0:45:45
biografisch, er schon von sich auch gesagt hat, das Kind schon immer auch mal Halluzination.
0:45:47–0:45:54
Und ein kindliches Beispiel auch, was ja 1935 nochmal in einem Vortrag eben
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auch angeführt hat, Was ich jetzt anführen werde als etwas,
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was sehr fragwürdig ist, als empirische Evidenz, aber was er da angeführt hat,
0:46:05–0:46:11
als Kind schon das konnte, er hatte einmal so lange das Bild des Großvaters
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angeschaut, was vor ihm war,
0:46:13–0:46:15
bis diese dann wahrhaftig die Treppe runtergekommen ist.
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Und jetzt würde man mal methodisch inkorrekt natürlich gleich sagen,
0:46:21–0:46:24
wie oft hast du das wiederholen können?
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Hast du da sieben Stunden gesessen oder war das immer nach maximal 20 Sekunden passiert?
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Hast du auch mal versucht, den Aschenbecher vom Opa anzugucken oder irgendwas anderes?
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Also all diese Sachen, die einem sofort als wissenschaftlich empirisch denkender
0:46:40–0:46:47
Mensch in den Kopf kommen, die sind dann bei Jungen nicht fassbar.
0:46:48–0:46:53
Und als es dann, also ich rutsche, jetzt ein bisschen die Biografie,
0:46:53–0:46:54
weil ich finde das schon immer wichtig auch.
0:46:55–0:46:57
Als es dann darum ging, dass,
0:46:58–0:47:05
Ja, Freud und Jung sich getrennt haben, aber jetzt bin ich ein bisschen von
0:47:05–0:47:09
den Hunden abgelenkt hier, aber ich muss ja laufend reden beim Laufen.
Florian Clauß
0:47:09–0:47:12
Ja, du musst dich mal konzentrieren einfach beim Laufen.
Micz Flor
0:47:13–0:47:17
Nach der Trennung, Freud hat dann letztendlich Schluss gemacht und war dann
0:47:17–0:47:20
auch total erleichtert, hat dann wohl jemanden auch mal geschrieben,
0:47:20–0:47:24
ich bin so froh, dass wir den los sind und seine Anhänger,
0:47:25–0:47:29
ist Jung wohl richtig in eine tiefe Krise gestürzt.
0:47:30–0:47:36
Das war 1912, 1913 und hat da angefangen dann auch an diesem roten Buch zu arbeiten.
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Wird beschrieben auch von anderen, er hat dann angefangen wie mit Bauklötzen zu spielen.
0:47:41–0:47:44
Er hatte früher auch schon Angst, dass es bei ihm diese psychotischen Anteile,
0:47:44–0:47:48
dass er das Schicksal von Zarathustra teilen könne.
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Nietzsche, dass er dann eben auch wahnsinnig sei.
0:47:53–0:47:57
Und das musste er dann irgendwie für sich auch nochmal wieder sich da rausarbeiten.
0:47:58–0:48:01
In der Zeit hat er ja ganz viele Visionen gehabt und hat dann auch das,
0:48:01–0:48:05
was du vorhin schon beschrieben hast, diese Mechanik erfunden,
0:48:05–0:48:11
wie er auch im Tage, nicht nur über Träume, sondern im Tage auch aktiv diese.
0:48:13–0:48:18
Aktive Imagination, dass er das auch am Tag machen kann, weil er auch dachte,
0:48:18–0:48:20
die Träume sind meistens auch so ein bisschen verwässert, aber da wirklich,
0:48:21–0:48:27
einzusteigen, so, als ob diese Tagträume dann wirklich auch der Ort ist,
0:48:27–0:48:30
wo er wirklich in Kontakt treten kann, die auch nicht mehr auslassen kann.
0:48:31–0:48:34
Die Methode hat er dann auch einer Patientin erklärt, die es aufgeschrieben
0:48:34–0:48:36
hatte, wo dann das ganz schön nochmal beschrieben ist, auch im Vorwort,
0:48:37–0:48:41
von das rote Buch, das so war, er hat dann die Augen beschlossen und hat dann
0:48:41–0:48:46
quasi durch die Augenlider einfach über die, weil ja doch immer irgendwas blitzt und blinkt,
0:48:46–0:48:50
hat er im Prinzip sowas wie einen permanenten animierten Rohrschachttest und
0:48:50–0:48:53
hat halt geguckt, was sehe ich denn aus dem, was da in meinen Augenlidern,
0:48:54–0:48:58
ja, wo sehe ich da Menschen, was sind das für Menschen und hat dann mit denen Dialog aufgegriffen.
Florian Clauß
0:48:58–0:49:01
Hat er schon so eine Engine eingebaut.
Micz Flor
0:49:01–0:49:09
Hat er sich, genau, er hat quasi in so einem Tagtraum, in einem leicht hypnotischen
0:49:09–0:49:12
Zustand hat er das dann so erlebt.
Florian Clauß
0:49:12–0:49:12
Wahnsinn.
Micz Flor
0:49:15–0:49:17
Vorgeschichte auch nochmal, er kommt auch, muss man dazu sagen,
0:49:18–0:49:25
sein Vater war Pfarrer und wohl auch lange von Zweifel am Glauben geschüttelt.
Florian Clauß
0:49:26–0:49:27
Ja, das passiert mir auch immer.
Micz Flor
0:49:30–0:49:34
Aber das war dann so auch ein Auftrag des Vaters, dass er hatte wohl auch einmal
0:49:34–0:49:36
einen Traum, wo er auf dem Boot eingeschlafen ist.
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Und dann im Halbschlaf auf einmal das Gefühl hat, dass sein inzwischen verstorbener
0:49:41–0:49:44
Vater legt ihm die Hand auf die Schulter und sagt, gut gemacht.
0:49:47–0:49:52
Als Zwölfjähriger war er in Basel und sieht dieses wunderschöne Kirchendach
0:49:52–0:49:57
und hat dann wohl auch so ein inneres Bild, was er ganz fürchterlich wegdrängen wollte.
0:49:58–0:50:01
Und dann habe er aber wohl, ich weiß gar nicht mehr als Stimme oder wie auch
0:50:01–0:50:04
immer gehört, nein, nein, ist schon okay, lass es zu, lass es zu.
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Und das sieht er wohl als eine Stimme Gottes oder so.
0:50:08–0:50:13
Und das Bild war, dass Gott von oben auf diese Kirche scheißt und einen riesen
0:50:13–0:50:15
Scheißhaufen auf diese Kirche drauf geht.
0:50:17–0:50:23
Und in dieser Anekdote ist es so, dass das Jung da rausgeht und sagt,
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es gibt Gott, er hat auch mit mir gesprochen.
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Diese Bilder sind auch nicht zufällig, sondern gewollt. Also er kommt jetzt dahin, während Freud,
0:50:34–0:50:37
wenn er vielleicht dann jemanden analysierte, er versuchen würde,
0:50:37–0:50:38
warum ist es, dass das Kind, das
0:50:38–0:50:44
so unter diesem Pfarrer, Vater und dessen Depressivität so leiden musste.
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Interessant, dass der solche Bilder träumt.
0:50:48–0:50:53
Aber bei Jung ist immer wieder auch dieses Ermächtigung, bei mir ist es anders.
0:50:53–0:50:57
Und er hat auch mal beschrieben, das Psychotische, was er erlebt hat,
0:50:58–0:51:01
dass daraus kommt dann auch in dem Roten Buch, kommen dann auch eben so Bilder,
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wo diese tiefe Stimme, das ist quasi unter dem persönlichen Unbewussten,
0:51:06–0:51:10
das kollektive Unbewusste, diese tiefe Stimme, mit der er dann spricht,
0:51:11–0:51:14
mit der muss man sich dann irgendwie, die muss man integrieren.
0:51:14–0:51:19
Das eigene Unbewusste und das kollektive Unbewusste, das kann zusammenspielen,
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aber man muss halt in der Lage sein und deshalb eben das Expertentum,
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das voneinander erst auch mal trennen zu können, zu wissen, was ist bei mir, was ist im Kollektiven.
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Und da wird es natürlich hochgradig, hochgradig grauzonig, aber das ist das,
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wo er dann auch über sich gesagt hat, weil er das Göttliche, so nennt das dann auch,
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trennen kann von diesem individuellen, persönlichen, deshalb kann er dann auch,
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hat er keine Psychosen, sondern hat er einfach Erleuchtung.
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Und der Unterschied.
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Von außen betrachtet ist natürlich vielleicht gesellschaftlich gesehen erst
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mal die Produktivität. Bist du produktiv, dann keine Fragen.
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Oder bist du psychotisch dann stationär untergebracht, dann bist du krank,
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wenn man das mal so gemein sagen könnte.
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Aber für dieses Selbstverständnis von Jung und in dem Roten Buch arbeitet er
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sich durch ganz viele solcher Visionen durch.
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Natürlich kommt er immer wieder hinten raus und sagt, weil ich der bin,
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erstens, der es erkannt hat, zweitens, der es beschrieben hat,
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drittens, der es auch beherrschen kann und viertens auch bei anderen analysieren
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kann, eben nicht deuten, sondern,
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das ist nochmal ein Unterschied, ja, es geht um die Wahrheit,
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nicht um eine Deutung eines Bildes, sondern es geht um die Wahrheit,
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die Trennung zwischen dem Kollektiv und dem eigenen zu sehen.
Florian Clauß
0:52:38–0:52:42
Ja, also vielleicht muss man da ja nochmal den Einschnitt machen,
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dass eben dieses kollektive Unbewusste natürlich einen unglaublichen Universalitätsanspruch
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hat, so einen Wahrhaftigkeitsanspruch, so eine Wahrheit, die dahinter liegt.
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Und wenn er das so sagt,
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sich dann quasi als ein Advokat desjenigen einrichten kann, der sagt,
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das ist jetzt deine individuelle Psychose und das ist jetzt aber der Teil,
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der dann auch kollektiv uns betrifft.
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Das ist ja schon, wie du sagst, ein schmaler Grat, eine absolute Grauzone.
Micz Flor
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Das ist dann auch so, dass zum Beispiel im Umgang mit Toten,
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wenn Tote in Träumen erscheinen, dann,
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Dann ist es so, dass, jetzt habe ich den Namen gerade vergesst,
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ich glaube von Franz heißt sie, Marie-Louise von Franz, genau.
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Die beschreibt dann in ihren Schriften über das Tote Ding, dass man da einen Unterschied weiß.
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In den Träumen, wenn tot und trocken, dann weiß man einen Unterschied,
0:53:50–0:53:58
ob das wirklich jetzt der, die Tote ist oder ob das nur ein Traum über die ist.
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Und das ist natürlich auch schwierig.
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Und wenn es wahr ist, wie Placebo, was du ja schon gesagt hast,
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und Placebo ja nachweislich sogar dann funktioniert, wenn die Leute wissen,
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dass kein Wirkstoff drin ist.
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Nicht bei allen, aber bei vielen.
0:54:14–0:54:18
Aber da wird es natürlich dann schwierig zu sagen, okay, wie kann man das jetzt
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greifen? Und dann auch noch die Frage, muss man das greifen?
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Ich bin jetzt auch oft total froh, wenn Patienten oder Patientinnen sozial eingebunden
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sind mit bestimmten Störungen, einfach auch wenn es eine kirchliche Gemeinde
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ist, die sich dann trifft.
0:54:39–0:54:42
Und dann haben die so einen Bibelkreis und treffen sich jeden Donnerstag.
0:54:43–0:54:46
Und ich denke dann aber, du verstehst, was ich meine.
Florian Clauß
0:54:46–0:54:52
Es ist egal, letztendlich. Da fehlt die soziale Interaktion.
Micz Flor
0:54:52–0:54:59
Ich glaube Seligmann, so ein 70er Jahre Psychologe und Professor aus Amerika,
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der hat irgendwann mal ein Vorwort gesagt, in unserer Gesellschaft ist es so,
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dass wenn man mit Gott spricht, dann ist man gläubig, wenn Gott antwortet, ist man verrückt.
Florian Clauß
0:55:07–0:55:15
Ja, ja, das ist ein klassisches Zitat. Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, ja. Das ist das zweite.
Micz Flor
0:55:16–0:55:17
Und dann ist es halt so, dass,
0:55:20–0:55:24
Das Jung in seiner Biografie mit dem Bruch in diese lange Phase von,
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also hat gleichzeitig seine Privatpraxis aufgemacht und hat dann dieses rote Buch geschrieben.
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Parallel auch noch vorher hauptsächlich noch ein schwarzes Buch.
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Das ist auch was Erinnerung, irgendwas ist seine Memoiren quasi offiziell dazu gehandelt.
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Und das rote Buch war eben im Giftschrank, war weggesperrt.
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Und ich zück jetzt mal ganz kurz mein Handy aus der Tasche, weil ich...
Florian Clauß
0:55:49–0:55:54
Wir sind jetzt hier am Fuße des Kienbergs und wir haben die Möglichkeit,
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den offiziellen Wanderweg zu gehen oder halt querfeldein und so ein bisschen
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alpines Gefühl zu bekommen,
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indem wir dann halt wieder schnaufen beim Reden. Ja, wollen wir das?
Micz Flor
0:56:06–0:56:09
Schnaufen beim Reden. Hast du das gerade ausgedacht oder hast du schon öfter
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gesagt, schnaufen beim Reden und schnaufend reden?
Florian Clauß
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Ja, das mache ich ja immer. Ich höre mich doch.
Micz Flor
0:56:15–0:56:17
Okay, dann kann ich ja vorlesen.
Florian Clauß
0:56:17–0:56:19
Und ich schnaufe, du musst nicht rausnehmen.
Micz Flor
0:56:20–0:56:23
Also wie ich gerade schon angesagt habe, ich habe jetzt Handy aus der Tasche
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gezogen, um ganz kurz hier was vorzulesen, wenn ich gleichzeitig versuche, nicht überwurzeln.
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Also perfekte EMDR-Situation, geteilte Aufmerksamkeit, wahrscheinlich zulasten
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meiner Betonung des Textes.
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Mitten rausgegriffen, das ist jetzt aus dem achten Kapitel über Gottes Empfängnis.
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Als ich so sprach, da brach plötzlich der Geist der Tiefe hervor.
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Das ist diese Tiefe, also eben das Göttliche, ja, unter dem persönlichen Unbewussten.
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Nach unten offen und damit auch gleichzeitig nach oben offen.
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Plötzlich der Geist der Tiefe erfüllte mich mit Rausch und Nebel und sprach
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mit starker Stimme diese Worte.
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Ich habe deinen Keim empfangen, du Kommender.
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Ich habe ihn in tiefer Not, in tiefster Not und Niedrigkeit empfangen.
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Ich hüllte ihn in fratzenhafte Lappen und bettete ihn auf das Lager arme Worte.
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Und der Spott betete ihn an, dein Kind, dein wundersames Kind,
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das Kind eines Kommenden, das den Vater verkündigen soll, eine Frucht,
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die älter ist als der Baum, an dem sie wuchs.
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Mit Schmerzen wirst du empfangen und Freude ist deine Geburt.
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Angst ist dein Herold, Zweifel steht zu deiner Rechten, Enttäuschung zu deiner Linken.
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Wir vergingen in unserer Lächerlichkeit und Vernunftlosigkeit,
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als wir dich erblickten.
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Unsere Augen erblindeten und unser Wissen verstummte, als wir deinen Glanz empfingen.
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Du neuer Funke vom ewigen Feuer, in welche Acht bist du hineingeboren.
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Du wirst von deinen Gläubigen wahrhafte Gebete erzwingen und sie müssen zu deiner
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Ehre in Zungen reden, die ihnen ein Graul sind.
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Du wirst über sie kommen in der Stunde ihrer Schmach und du wirst ihnen offenbar
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werden in dem, dass sie hassen, fürchten und verabscheuen.
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Deine Stimme, den seltensten Wohllaut wird man vernehmen, Im Gestammel des Ungeordneten,
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des Weggeworfenen und des als wertlos Verdammten.
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So, und da höre ich jetzt mal auf. Es ist einfach so von der,
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also es ist einfach sehr,
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biblisch. Von der Sprache und auch.
Florian Clauß
0:58:43–0:58:43
Mysterienhaft.
Micz Flor
0:58:44–0:58:49
Ja, und auch dann wird er halt angesprochen von der Tiefe. Du bist das.
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Jetzt hatte ich dir einen Link geschickt.
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Sternstunden der Philosophie, wo Verena Kast als Leiterin des,
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ich glaube, Züricher Junginstituts, oder ich weiß nicht genau, wie es heißt,
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eingeladen war zum Erscheinen des Roten Buchs, was erst noch über 40 Jahre nach
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seinem Tod veröffentlicht wurde.
Florian Clauß
0:59:13–0:59:18
2007 wurde das veröffentlicht. Ohne Zeichnung, ohne die Zeichnung.
Micz Flor
0:59:20–0:59:24
Und hat und Brena Kast ist so ein bisschen, hat man das Gefühl,
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die sagt sehr schnell, naja, der war in der Lebenskrise.
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Gerade Bruch mit Freud, Midlife-Crisis, wo Junge auch selber gesagt hat,
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da hat man gerne mal Depressionen.
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Und sagt dann auch sehr schnell, es ist nichts Neues.
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Vieles kennen wir schon aus dem Schwarzen Buch. Aber hier ist so ein rotes Buch,
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was Jung auch mit eigenen Zeichnungen, künstlerischen Zeichnungen,
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für die auch Entwürfe gemacht hat. Und nicht nur Skizzen.
0:59:55–0:59:58
Er hat das Ganze kalligrafisch aufgearbeitet, ich glaube in der gotischen Schrift.
0:59:59–1:00:01
Also da ist wirklich viel Arbeit reingeflossen in dieses Werk.
1:00:04–1:00:04
Und...
1:00:07–1:00:12
Und jetzt kann man, was ich vorgelesen habe, natürlich, wenn jemand jetzt beweisen
1:00:12–1:00:16
möchte, anhand des Textes zu sagen, das klingt doch verdammt nach einem,
1:00:16–1:00:18
der sich als Religionsgründer in die Welt stellt.
1:00:18–1:00:22
Wenn der Geist der Tiefe die Stimme Gottes ihn anruft und sagt,
1:00:22–1:00:30
du, deine erhabenen Worte, dann könnte man sagen, ja, plausibles Argument,
1:00:30–1:00:31
sind wir wieder bei Plausibilität.
1:00:32–1:00:40
Und wenn wir aber dann wieder sagen, das ist der Psychiater und analytische Psychologe C.G.
1:00:40–1:00:46
Jung in einer Midlife-Crisis, in der er hier sich mal öffnet und vulnerabel
1:00:46–1:00:52
zeigt, mit welchen Eingebungen und psychotischen Erleben er da umgegangen ist
1:00:52–1:00:55
und das für uns dokumentiert hat,
1:00:56–1:01:00
kann man jetzt auch mal von außen drauf gucken und sagen nein,
1:01:00–1:01:07
das ist doch nicht wahr sondern das sind Visionen das hat er doch klar gemacht das wissen wir doch ja.
Florian Clauß
1:01:07–1:01:12
Zumal das Buch oder die Schriften sind ja über einen Zeitraum von über 17,
1:01:12–1:01:20
18 Jahren 1913 bis 1930 oder so entstanden also das könnte ja nicht eine Midlife Crisis ja.
Micz Flor
1:01:20–1:01:25
Es war parallel er hat ja parallel auch wirklich gearbeitet aber hatte wohl auch ganz viel Rückzug.
1:01:25–1:01:29
Und wie gesagt, wirklich irgendwo stand das mal, hat mit Holzklötzen Häuser
1:01:29–1:01:33
gebaut, also mit der Kindheit. Also hat ganz viel Regress.
Florian Clauß
1:01:33–1:01:41
Und er hat auch einige Reisen unternommen, nur noch zu indigenen Kulturen.
1:01:41–1:01:48
Er war in Mexiko und er war in Zentralafrika und hat da die Kulturen untersucht.
1:01:48–1:01:55
Also da kommt immer so die Untersuchung zum Schamanismus.
Micz Flor
1:01:56–1:01:59
Ja, und gleichzeitig war es, glaube ich, auch eine kulturelle Einbettung.
1:01:59–1:02:02
Also die Mittel des Reisens waren auf einmal verfügbar geworden.
1:02:02–1:02:05
Man musste nicht sieben Wochen auf so einem Holzschiff sitzen,
1:02:05–1:02:09
sondern konnte dann auch mal fliegen oder so. Sage ich jetzt mal so,
1:02:09–1:02:10
weiß ich gar nicht genau.
1:02:12–1:02:18
Aber sind ja viele gereist in der Zeit. Also wenn du im Humboldt-Forum in die
1:02:18–1:02:24
Archive guckst, was da reiche Bürger und Bürgerinnen, hauptsächlich Bürger,
1:02:24–1:02:30
aus allen Teilen der Welt nach Berlin gezerrt haben und das ist dann da jetzt
1:02:30–1:02:33
irgendwie archiviert und indiziert wurde,
1:02:34–1:02:38
das war glaube ich wirklich einfach sowas, was auch im Zeitgeist mit angelegt war.
1:02:40–1:02:43
Freut ab, wenn man jetzt überlegt, was ist er denn?
1:02:43–1:02:47
Ist er Religionsgründer oder nicht Gründer, aber zumindest Verkünder?
1:02:48–1:02:51
Ja, genau. In seiner Selbsteinschätzung.
1:02:52–1:03:03
Oder ist er Wissenschaftler, der auch seine eigenen Untiefen mit der Welt teilt und verfügbar macht?
1:03:03–1:03:08
Er selbst hat später im Leben nochmal in einem Interview, was auch auf YouTube
1:03:08–1:03:12
zu finden ist, ganz kurz nochmal über diesen Glauben gesprochen.
1:03:13–1:03:14
Glauben Sie an Gott? Oder so war die Frage.
1:03:16–1:03:17
Und er hat dann so eine kurze Pause.
1:03:20–1:03:25
Und dann sagt er, ich muss nicht glauben, ich weiß es. Und dieser Satz ist natürlich
1:03:25–1:03:27
auch wieder perfekt ambivalent.
1:03:28–1:03:31
Was hat er in dieser kurzen Pause gedacht? Er hat gedacht, wie sage ich jetzt
1:03:31–1:03:33
nichts? Oder wie sage ich es clever?
1:03:34–1:03:39
Oder hat er vielleicht sogar gedacht, die Frage ist falsch, aber ich weiß doch.
1:03:40–1:03:42
Also man kann es nicht wirklich genau sagen, aber der Eindruck,
1:03:43–1:03:46
der entsteht, ist, dass er mit diesem Satz, der vieldeutig bleibt,
1:03:46–1:03:50
sagen kann, ich weiß, dass es einen Gott gibt.
1:03:51–1:03:57
Und wenn das dann eben die Essenz ist, und wir hatten ja auch am Anfang des Spätwerks,
1:03:58–1:04:03
moderne Mythen über Ufos, auch diese Age of Aquarius, die Sternkonstellation,
1:04:03–1:04:07
die sich alle 2000 Jahre verändert und jetzt Age of Aquarius beginnt,
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da spricht der am Anfang auch ganz stark darüber,
1:04:10–1:04:12
dass jetzt ganz viele Dinge hochkommen werden.
1:04:16–1:04:24
Der 90er Jahre X-Files, I want to believe, lässt sich auf alle Fälle irgendwie
1:04:24–1:04:26
auf ihn, finde ich, anwenden.
1:04:26–1:04:32
Also der Glaube war hinter allen Dingen dann auch was, was er sich beweisen musste.
1:04:33–1:04:37
Auf dem Sterbebett wiederum habe er dann gesagt, weil sich dann eben mit der
1:04:37–1:04:41
Wiedergeburt, auf buddhistischer Wiedergeburt beschäftigt hat,
1:04:41–1:04:43
habe er wohl gesagt, na ja, bald werde ich es wissen.
1:04:45–1:04:48
Das finde ich auch nochmal so ein schöner Satz, bald werde ich es wissen.
1:04:48–1:04:53
Also er bleibt irgendwie ambivalent, aber er grenzt sich irgendwie...
1:04:56–1:04:57
Nicht davon ab.
Florian Clauß
1:04:57–1:05:01
Ja, also das ist ja so, greicht ja so ein bisschen in die Lehre von ihm über
1:05:01–1:05:04
die Grundfunktion des Bewusstseins.
1:05:05–1:05:11
Er stellt ja dann so diese Paare Denken-Fühlen und Empfindung-Intuition gegenüber.
1:05:11–1:05:18
Und das Denken ist halt quasi das Ich, dass du den halt kausal logisch und Zusammenhänge
1:05:18–1:05:20
erschließen kannst und beurteilen kannst.
1:05:20–1:05:25
Und Fühlen ist dann eher nach so einer Bewertung von Sachen, die dann halt aus diesem,
1:05:26–1:05:31
Raum des Denkens dann irgendwo empirisch sind und bei den Empfinden ist es ja
1:05:31–1:05:35
klar, du hast dann einen Sinne zum Wahrnehmen,
1:05:35–1:05:39
aber die Intuition ist quasi so das Instinktive,
1:05:39–1:05:43
was dann auch wieder so ein bisschen an dem kollektiven Unbewussten dranhängt
1:05:43–1:05:51
und dir so eine Möglichkeit der Einschätzung auf so einer Empfindungsbasis gibt.
Micz Flor
1:05:51–1:05:55
Was ja dann auch irgendwie mit dieser Phänomenologie von Husserl verbunden ist,
1:05:55–1:06:01
also dieses als wahrnehmende Person Teil der Messung zu sein gewisserweise,
1:06:01–1:06:02
der Beschreibung zu sein,
1:06:02–1:06:08
was wir in der Gestalttherapie-Folge 2, glaube ich, noch mehr hatten als 1.
1:06:08–1:06:12
Das ist cool, wir machen jetzt auf dem höchsten Punkt unserer Wanderung den
1:06:12–1:06:16
Schnitt und wir nehmen dann weiter auf und machen daraus eine zweite Folge, die dann aber erst in 2.
Florian Clauß
1:06:16–1:06:19
Also wir stehen jetzt hier vor dem Wolkenhain.
Micz Flor
1:06:20–1:06:24
Wir gehen jetzt ganz kurz zum Balkon, weil ich muss jetzt noch zwei Dinge machen.
Florian Clauß
1:06:24–1:06:24
Okay.
Micz Flor
1:06:25–1:06:28
Ich werde ganz oben noch aus einem Buch vorlesen.
Florian Clauß
1:06:28–1:06:29
Okay.
Micz Flor
1:06:29–1:06:32
Ganz kurz. Und das ist dann die Bridge in die nächste Folge.
1:06:32–1:06:39
Und ich werde hier unten aber noch mal ganz kurz über so in Anführungszeichen strenge Wissenschaft.
1:06:40–1:06:46
Es gibt ja diese Grauzone in der Wissenschaft, in der Chaosforschung.
1:06:47–1:06:51
Und in der Chaos-Forschung ist es ja so, dass man eben nicht Ursache,
1:06:51–1:06:53
Wirkung und das so genau beschreibt, sondern da geht es eher darum,
1:06:54–1:06:56
Prozesse zu beschreiben, Möglichkeiten zu beschreiben.
Florian Clauß
1:06:56–1:06:59
Möglichkeiten zu räumen. Drei Körperprobleme sind wir mit dem Drei Sonnen.
Micz Flor
1:07:00–1:07:07
Und da gibt es ja diesen Lorenz Attractor, heißt das.
1:07:07–1:07:11
Attraktoren, Attractors sind in der Chaos-Sache, wenn ich ein Pendel schwingen
1:07:11–1:07:14
habe, das bleibt irgendwann an diesem Punkt stehen.
1:07:15–1:07:17
Das Schwingen kann immer wieder unterschiedlich sein, unterschiedliche Formen
1:07:17–1:07:21
beschreiben, aber der Attraktor, wo das dann stehen bleibt, ist halt dieser eine Punkt unten.
Florian Clauß
1:07:21–1:07:25
Ja, das ist dann diese Zeitrafferaufnahme, wenn man dann halt irgendwie eine
1:07:25–1:07:27
Nichtquelle an dem Pendel hängt oder so.
Micz Flor
1:07:27–1:07:30
Ja, beim Drei-Körper-Problem zum Beispiel gibt es auch einen Attraktor,
1:07:30–1:07:34
weil die müssen sich ja nicht verlieren. Und das gibt dann so eine dichte Wolke,
1:07:34–1:07:35
wenn die so miteinander kreisen.
Florian Clauß
1:07:35–1:07:37
Ja, das ist dann ein gutes Zeitalter.
Micz Flor
1:07:38–1:07:45
Ja, genau. Genau. Und dieser Lawrence Attractor, da war jemand ein Wetter,
1:07:45–1:07:49
ich habe den Namen jetzt vergessen, ein Meteorologe, der mit diesen frühen Computern gearbeitet hat.
1:07:50–1:07:52
Und dann hatte er irgendwann für irgendwelche Werte mal statt,
1:07:53–1:07:56
sieben Stellen nach dem Komma, nur drei Stellen nach dem Komma reingegeben,
1:07:56–1:07:58
um schnelle Ergebnisse zu kriegen.
1:07:58–1:08:02
Und hat gemerkt, dass diese Ergebnisse total voneinander ab,
1:08:02–1:08:06
also er ließ das Ding laufen, es wich aber das Ergebnis immer voneinander ab.
1:08:06–1:08:08
Und hat gemerkt, das kann doch nicht sein. Und hat dann gemerkt,
1:08:08–1:08:12
es ist wirklich sieben Stellen nach dem Komma, kriege ich mehr oder weniger
1:08:12–1:08:15
immer das gleiche Gemisch, da nicht so, was ist denn da eigentlich los?
1:08:15–1:08:19
Und hat dann angefangen, damit rumzuspielen und hat dann eine Sache genommen, da geht es um diese,
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wenn du zum Beispiel Wasser auf den Gastopf stellst, steigt in der Mitte das
1:08:27–1:08:29
warme Wasser auf und nach außen, also wie der Atompilz auch,
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nach außen kräuselt sich das so.
1:08:31–1:08:34
Und das hat er dann irgendwie mit durchgerechnet und hat dann da eben so ein
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Attraktorenbild gemacht, mit unterschiedlichen Ausgangswerten,
1:08:38–1:08:40
in welchem Rahmen das bleibt.
1:08:40–1:08:44
Es bleibt halt im gewissen Rahmen, es sprengt nicht aus. Es ist eben nicht chaotisch,
1:08:44–1:08:46
aber es ist auch nicht vorhersehbar.
1:08:47–1:08:49
Und das ist eine neue Form vom wissenschaftlichen Denken eigentlich.
1:08:50–1:08:54
Und dieser eine Attrakte sah halt so ein bisschen aus wie ein Schmetterling
1:08:54–1:08:57
und da kam er dann zum Schluss eben auf diesen Spruch, den alle kennen,
1:08:57–1:09:04
so ein Schmetterling, der in Brasilien die Flügel schlägt, kann in Florida ein Tornado auslösen.
Florian Clauß
1:09:04–1:09:09
Oder sowas in der Art. Russell. Oder wer war das?
Micz Flor
1:09:09–1:09:09
Russell.
Florian Clauß
1:09:10–1:09:12
Wer war das jetzt? Lorenz hieß der. Lorenz, ja.
Micz Flor
1:09:13–1:09:16
Und das ist nochmal sowas, das wollte ich einfach nochmal so mit hinten ranflanschen,
1:09:16–1:09:21
weil gerade auch in der Neurophysiologie natürlich diese Chaos-Operationen,
1:09:21–1:09:25
mit denen man arbeitet, wichtig sind. Weil du hast nie zweimal das gleiche Gehirn.
1:09:25–1:09:29
Und trotzdem musst du bestimmte Bereiche bestimmen in sichtgebendem Verfahren,
1:09:29–1:09:34
wo du dann 400 Aufnahmen machst und die übereinanderlegst und dann Sachen rausrechnest
1:09:34–1:09:35
wie zufälliges Rauschen.
1:09:35–1:09:39
Und versuchst, dann kannst du Regionen identifizieren, aber du kannst es nicht
1:09:39–1:09:42
abgrenzen, nicht sagen, von diesem Neuron zu dem ist ein Sprung.
1:09:42–1:09:51
Also diese Unschärfe, auch in der tiefsten wissenschaftlichen Arbeit an Gehirn, bleibt es drin.
1:09:52–1:09:57
Das wollte ich nochmal sagen, weil das hebt gerade nochmal auch diese Klausibilitätsfrage
1:09:57–1:10:00
und diesen Wunsch nach klaren Antworten nochmal auch, finde ich,
1:10:00–1:10:04
so eine greifbare Entspannung zu sagen, nee, stimmt, kann ich was mit anfangen.
Florian Clauß
1:10:04–1:10:09
Ja, also das ist ja dann auch wieder dieser, was wir zu Anfang der Episode hatten,
1:10:09–1:10:12
dass wir einen unglaublichen Möglichkeitsraum haben, also wo wir dann halt wirklich
1:10:12–1:10:15
so einen potenziellen Raum sind von verschiedenen,
1:10:15–1:10:19
wo sich die Teilchen, wo unglaublich viele Teilchen in Bewegung,
1:10:19–1:10:21
also wenn man das auf so einer Entropiebasis sieht,
1:10:21–1:10:26
eigentlich ein hoher Entropiezustand, das heißt, ja jetzt verwechsel ich wieder
1:10:26–1:10:30
hoch und niedrig, also wo sich ja jetzt quasi das System noch nicht diffundiert hat.
1:10:30–1:10:35
Also das heißt, ein hoher Wert, wo noch viele Möglichkeiten bestehen.
1:10:35–1:10:39
Und da kannst du ja nicht sagen, das prägt jetzt diese Gestalt aus,
1:10:40–1:10:42
sondern du kannst ja nur Räume angeben.
1:10:42–1:10:47
Das ist ja dann dieser Accelerator, wo du dann Räume angibst.
1:10:48–1:10:54
Gleichzeitig, wenn wir das jetzt wieder auf Jung mappen, oder auf die Individualität,
1:10:54–1:10:56
das Gehirn, jeder Mensch ist unglaublich individuell.
1:10:56–1:10:58
Es gibt dann halt so, wie du es gerade gesagt hast, das Gehirn.
1:10:58–1:11:03
Man kann nur so bestimmte Bereiche festlegen, aber es nicht scharf abgrenzen.
1:11:03–1:11:11
Gleichzeitig gibt es aber so Dispositas, die dann halt alle Menschen beschäftigen.
1:11:12–1:11:19
Wie eben so diese ganz archaischen Sachen von wegen, ich brauche jetzt als Säugling
1:11:19–1:11:21
Milch, um halt wachsen zu können.
1:11:21–1:11:24
Oder ich möchte mich als Jugendlicher paaren.
1:11:24–1:11:27
Das sind ja so Sachen, die vereint ja alle.
1:11:27–1:11:32
Das ist halt so, diese kollektive Menschsein.
Micz Flor
1:11:32–1:11:38
Aber das ist ja genau interessant, wie dann eben auch die freudianische Triebkonzeption arbeitet.
1:11:40–1:11:42
Da würde man vielleicht sagen, der kleine Säugling, der weiß nicht,
1:11:42–1:11:44
dass er Milch braucht, der hat,
1:11:45–1:11:48
In Amerika wird das dann immer so in diesen Kategorien gesagt,
1:11:48–1:11:52
entweder hat das Kind Hunger oder es will in den Arm genommen werden oder die
1:11:52–1:11:54
Windel muss gewechselt werden oder es will schlafen.
Florian Clauß
1:11:54–1:11:56
Ja gut, das hat einen Ausdruck.
Micz Flor
1:11:57–1:12:00
Ja und dann wird eben dieses Chaos wieder zusammengeschrumpft.
1:12:00–1:12:05
Da muss man halt gucken, willst du Milch? Nein. Willst du schlafen? Sieht nicht so aus.
1:12:06–1:12:09
Windel ist auch okay, dann nehme ich dich mal ein bisschen in den Arm. Wir spielen.
1:12:09–1:12:13
Und dann wird das so abgearbeitet. Aber das Kind selber, so würde man jetzt
1:12:13–1:12:16
psychodynamisch zumindest argumentieren, weiß nicht, dass es Durst hat.
1:12:17–1:12:23
Es weiß nur, dass es gerade einen unfassbar schlechten inneren Zustand hat.
1:12:24–1:12:28
Und die Mutter als Teil dieser emotionalen Matrix ist die Person,
1:12:28–1:12:31
die dem Kind spiegeln muss, was da gerade los ist.
1:12:31–1:12:34
Diese frühen Spiegelungen in der Bindung sind wir genau wieder bei dem,
1:12:34–1:12:37
was wir vorhin gesagt haben, dass bei dir die Graffe steht auf und läuft weg.
1:12:38–1:12:43
Aber beim Kind, das zu früh geboren wurde, um aufzustehen, wegzulaufen,
1:12:43–1:12:48
muss soziale Kommunikation passieren und passiert dann eben auf dieser Ebene,
1:12:48–1:12:51
dass die Bezugsperson, die Primäre in dem Moment,
1:12:51–1:12:56
angehalten ist, zu spiegeln und zu handeln, nicht zu imitieren,
1:12:57–1:13:01
nicht, hör auf, zu spiegeln, oh Mensch,
1:13:01–1:13:03
da geht es gerade nicht gut, mal gucken, vielleicht hast du ja Hunger,
1:13:04–1:13:05
also auch wenn das nicht.
1:13:07–1:13:11
Unbedingt immer angemessen und wirksam scheint, ist das der Prozess,
1:13:11–1:13:15
in dem das Kind dann irgendwann in der Lage sein wird, eigene innere Emotionen
1:13:15–1:13:20
zu verstehen und zu halten und auch nicht auszuagieren.
Florian Clauß
1:13:20–1:13:27
Das ist ja quasi die Entwicklung von Grammatik, Syntax, also Sprache.
Micz Flor
1:13:28–1:13:28
Symbolisierung.
Florian Clauß
1:13:29–1:13:32
Symbolisierung. So, jetzt sind wir auf den höchsten Punkt.
Micz Flor
1:13:33–1:13:33
Der Tour.
Florian Clauß
1:13:34–1:13:35
Der Tour, ja.
Micz Flor
1:13:35–1:13:40
Aus dem Atem und hole jetzt trotzdem mal den Text raus und lese es jetzt vor,
1:13:40–1:13:44
weil jetzt kommt der Cliffhanger für dich Flo.
Florian Clauß
1:13:45–1:13:45
Oh ja.
Micz Flor
1:13:47–1:13:52
Muss mal gucken, wo habe ich das denn? Achso, ich hatte ja noch dieses Synchronicitätsbeispiel
1:13:52–1:13:56
aus meiner Biografie, das mache ich dann in der kommenden Folge jetzt,
1:13:56–1:14:00
für die, die sich jetzt fragen, ob ich alle offenen Enden zusammengeknotet habe.
1:14:02–1:14:07
Folgendes wirst du wahrscheinlich nicht das Buch lesen. Das gibt es aber auch als BBC-Serie von 2015.
1:14:07–1:14:12
Im Original von Susanna Clark 2004 geschrieben.
1:14:12–1:14:17
2005 hat sie damit den Hugo Award und den World Fantasy Award in der Kategorie
1:14:17–1:14:21
Beste Roman bekommen und den Locus Award als Bester Erstlingsroman.
1:14:22–1:14:26
Da lese ich jetzt die ersten Absätze und die letzten Absätze aus dem ersten
1:14:26–1:14:28
Kapitel dieses Buchs vor.
1:14:29–1:14:34
Und das Buch heißt das kann ich jetzt hier in der Sonne nicht so gut sehen.
1:14:36–1:14:39
Jonathan Strange und Mr. Norrell glaube ich.
1:14:42–1:14:48
Die Bridge in die zweite Folge. Vor Jahren gab es in der Stadt York eine Gilde von Zauberern.
1:14:49–1:14:52
Sie trafen sich jeden dritten Mittwoch des Monats und lasen sich lange,
1:14:52–1:14:56
langweilige Traktate über die Geschichte der englischen Zauberkunst vor.
1:14:56–1:15:00
Sie waren Gentleman-Zauberer, das heißt, sie fügten niemandem mit Zauberei Schaden
1:15:00–1:15:03
zu, taten aber auch niemandem etwas Gutes damit.
1:15:04–1:15:08
Um der Wahrheit die Ehre zu geben, keiner dieser Herren hatte auch je nur den
1:15:08–1:15:13
kleinsten Zauber getrieben, noch durch Zauber ein Blatt an einem Baum erzittern lassen,
1:15:14–1:15:20
ein Staubkörtchen vom Weg abgebracht oder ein einziges Haar auf einem Kopf verwandelt.
1:15:20–1:15:25
Aber abgesehen von dieser geringfügigen Einschränkung standen sie in dem Ruf
1:15:25–1:15:28
zu den weisesten und zauberischsten Männern im ganzen Yorkshire zu gehören.
1:15:29–1:15:33
Ein großer Zauberer sagte einmal über die Angehörigen seines Berufsstandes,
1:15:33–1:15:38
dass sie, Zitat, sich das Hirn zermatern und den Kopf zerbrechen müssen,
1:15:38–1:15:43
damit ein Mindestmaß an Gelehrtheit hineingeht. Aber am liebsten streiten sie.
1:15:43–1:15:49
Und seit Jahren stellten die Zauberer von Jörg die Wahrheit dieser Behauptung unter Beweis.
1:15:49–1:15:51
Also da geht es um das Gilde von Zauberern.
1:15:52–1:15:55
Dann geht in dem Kapitel weiter, dass jemand die Frage stellt,
1:15:55–1:16:02
sagt gibt's können wir mal was sehen? Irgendwas?
Florian Clauß
1:16:03–1:16:04
Wir wollen Beweise.
Micz Flor
1:16:05–1:16:11
Und dann, oh, unfassbar! Frevel! Also dann geht es das erste Kapitel darum.
1:16:12–1:16:15
Und es gäbe aber wohl einen, dem habe man auch mal einen Brief geschrieben.
1:16:16–1:16:18
Und der hat das dann aber abgelehnt. Ein gewisser Mr. Norrell.
1:16:18–1:16:22
Und den könnte man doch, also vielleicht der hat auch mit Zauberei zu tun.
1:16:22–1:16:24
Können wir den mal, irgendwie ist der interessant.
1:16:25–1:16:29
Und das ist das Ende des ersten Kapitels. Fange ich jetzt mit an.
1:16:29–1:16:35
Das sind zwei Leute, die da hingegangen sind, um ihn zu treffen.
1:16:35–1:16:37
Und das ist auch total schön, also wirklich schön geschrieben.
1:16:37–1:16:40
Ich habe ihn irgendwann ausgestiegen, weil es mir dann wirklich als Buch auch
1:16:40–1:16:42
schon zu sehr eine Serie wurde.
1:16:42–1:16:46
Aber es ist wirklich eine eigene Schrift. Es ist nicht so ein Harry Potter-Ding.
1:16:47–1:16:50
Es ist total knuffig und gleichzeitig aber auch sehr smart geschrieben.
1:16:52–1:16:58
Und am Ende sind zwei Leute jetzt bei diesem Mr. Norrell, der Herr Segundus und der Herr Honeyfoot.
1:16:59–1:17:02
Und Norrell lädt die auch ein und führt die dann durch sein Haus.
1:17:03–1:17:05
Und die haben das Gefühl, das Haus war doch gar nicht so groß.
1:17:05–1:17:08
Auf eine riesen Bibliothek, aber wir sind wieder hingekommen.
1:17:08–1:17:11
Wir waren stundenlang in diesen Gängen. Also sie sind wirklich in so einem Zustand,
1:17:11–1:17:13
als ob sie Pilze gegessen hätten.
1:17:13–1:17:17
Und das ist schon zauberhaft, schön beschrieben und trotzdem natürlich nicht
1:17:17–1:17:19
wirklich zauber, sondern nur deren Erfahrung wird beschrieben.
1:17:20–1:17:22
Und jetzt sind sie dann zum Schluss wieder im Salon.
1:17:23–1:17:27
Als sie erneut im Salon saßen, wandte sich Mr. Honeyfoot an Mr. Norrell.
1:17:27–1:17:31
Was ich heute hier gesehen habe, Sir, bestärkt mich in der Überzeugung,
1:17:31–1:17:34
dass sie die Person sind, die uns helfen kann in diesen Streit.
1:17:35–1:17:41
Mr. Segundus und ich sind der Ansicht, dass moderne Zauberer sich auf einem Irrweg befinden.
1:17:41–1:17:44
Sie verschwenden ihre Energie auf Nichtigkeiten.
1:17:44–1:17:49
Sind sie nicht auch dieser Meinung, Sir? Oh, aber gewiss, sagt Mr. Norrell.
1:17:50–1:17:55
Unsere Frage lautet, fuhr Mr. Honeyfoot-Wort, warum die Zauberei in unserem
1:17:55–1:17:57
großen Land ihren einst großen Ruf verloren hat.
1:17:57–1:18:01
Unsere Frage lautet, Sir, warum wird in England nicht mehr gezaubert?
1:18:02–1:18:07
Mr. Norrells kleine blauen Augen wurden härter und leuchteten und er kniff die
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Lippen zusammen, als wollte er eine große heimliche Freude unterdrücken.
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Es war so, dachte Mr. Sekundus, der andere beobachtet die beiden,
1:18:17–1:18:20
als hätte er lange Zeit darauf gewartet, dass ihm jemand diese Frage stellte
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und als hätte er die Antwort darauf seit Jahren parat.
1:18:24–1:18:29
Mr. Norrell sagte, ich kann Ihnen bei Ihrer Frage nicht helfen,
1:18:29–1:18:31
Sir, denn ich verstehe Sie nicht.
1:18:31–1:18:35
Es ist die falsche Frage, Sir. In England wird noch gezaubert.
1:18:35–1:18:39
Ich selbst bin ein ziemlich passabler, praktischer Zauberer.
1:18:40–1:18:45
Ende erstes Kapitel. Und auch Ende unserer Folge. Es geht in 14 Tagen weiter.
1:18:45–1:18:48
Wie kommt dieser Zauberer zu jung?
Florian Clauß
1:18:49–1:18:54
Wow. Okay, das war eigentlich Podcast Episode 78.
1:18:55–1:19:01
Und Mitch, weißt du, dass diese Episode der auch unsere dreijährige Jubiläumsfolge ist.
Micz Flor
1:19:02–1:19:07
Das weiß ich sehr wohl, Florian. Denn wir haben besprochen, ob wir was Besonderes
1:19:07–1:19:09
machen. Aber wir hatten alle nicht die Zeit dazu.
Florian Clauß
1:19:09–1:19:12
Aber es ist schon was sehr Besonderes geworden, muss ich sagen.
1:19:12–1:19:16
Es hat so ein bisschen den Spillt unseres, weil wir sind auch hochgewandert,
1:19:16–1:19:22
außer Atem gekommen, so ein bisschen den Spillt unseres Gründungsmythos.
1:19:22–1:19:23
Unseres Bildkampspitzen.
Micz Flor
1:19:24–1:19:24
Genau.
Florian Clauß
1:19:24–1:19:30
Ja, genau. Ihr könnt mehr Informationen zum Podcast über uns und zu der Episode
1:19:30–1:19:32
auf eigentlich-podcast.de finden.
1:19:33–1:19:38
Jetzt seid ihr wahrscheinlich gespannt, was dann in 14 Tagen Mitch aufklären wird.
1:19:38–1:19:41
Wie kommt Mr. Norrell zu...
Micz Flor
1:19:41–1:19:41
Norrell.
Florian Clauß
1:19:41–1:19:45
Norrell zu jung. Bis dahin, macht's gut. Tschüss. Tschüss.
Micz Flor
1:19:46–1:19:48
Und Klappe.
Florian Clauß
1:19:48–1:19:49
Ja, sehr schön.
Micz Flor
1:19:49–1:19:50
Mal kurz stoppen.
Florian Clauß
1:19:50–1:19:51
Ja, alles stoppen.
Micz Flor
1:19:52–1:19:54
Alles stoppen.
Florian Clauß
1:19:54–1:19:57
Also ich stopp die Aufzeichnung.

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