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Es ist lange her. So lange, dass keiner mehr den Namen jener Menschen kennt, die damals lebten.
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Doch die Alten erzählen es ihren Kindern noch heute.
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Und die Kinder erzählen es weiter.
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Denn der Berg, um den es geht, steht ja noch immer da.
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Man muss nur hinaufschauen. Versteckt im hintersten Winkel des Tuxertals,
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dort, wo heute das Spannadelhaus in den Wind gestellt ist, lag einst die schönste
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und größte Alm des ganzen Tales.
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Wer sie sah, wem ging das Herz auf. Die Wiesen leuchteten so saftig grün,
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dass es in den Augen schmerzte.
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Und das Vieh war so wohlgenährt, wie man es nirgends sonst gesehen hatte.
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Wenn die Alma am Abend ihre Kühe melkten, da floss die Milch nicht dünn und
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bläulich in die Kübel, wie es bei armen Leuten der Fun ist.
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Nein, sie floss dick und gelb wie der reinste Rahm aus den Eutern.
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Und der Duft von frischer Butter lag über der ganzen Alm. Niemand musste hungern in jenen Tagen.
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Bis weit hinaus ins Zillertal wurden die Menschen mit Butter,
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Käse und Milch von dieser einen Ein versorgt und man nannte sie glücklich,
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die dort oben ihr Viehhüten durften.
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Doch wie es so geht, wenn der Mensch es allzu gut hat, die Alma wurden übermütig.
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Sie wurden faul und sie wurden hochmütig. Und schließlich vergaßen sie sogar
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den lieben Herrgott, dem sie all ihren Reichtum zu verdanken hatten.
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Es war an einem Sonntagmorgen. Unten im Dorf läuteten die Kirchenglocken zur Heiligen Messe.
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Hell und klar stieg ihr Klang die Berge herauf.
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Doch die Almer lagen faul auf ihren Strohbetten, gähnten und streckten sich
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und dachten gar nicht daran, den weiten Weg hinunter ins Dörflein zu gehen,
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um dem Herrgott für seine Güte zu danken.
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Was brauchen wir in die Kirche, Bien, sagte einer, der gottloseste von allen,
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und lachte, wo wir doch hier oben mehr zu essen haben, als wir je verbrauchen können.
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Und ein schallendes Gelächter erhob sich, das von der Alm bis hinunter ins Dorf zu hören war.
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Nur zwei von ihnen besannen sich noch rechtzeitig. Sie erschraken über die frevelhaften
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Worte, sprangen auf und liefen, so schnell sie ihre Beine trugen,
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den Berg hinab zur Kirche,
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um die Messe nicht zu versäumen.
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Die anderen aber riefen ihnen höhnisch nach, »Bet, Brüder! Bet,
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Brüder!« Und wir hatten vor Lachen.
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Dann standen sie auf von ihren Strohbetten und weil ihnen langweilig war,
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fingen sie mit teuflischem Übermut an, die großen, fetten Butterkugeln herumzuwerfen.
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Jauchzend und mit gottverlassener Freude schleuderten sie die Butter über die
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grünen Wiesen, bis die Kugeln an den Baumstämmen zerplatzten.
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Als ihnen auch das noch zu langweilig wurde, da rollten sie die kostbaren Butterkugeln
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den Hang hinunter, dem Dorf entgegen,
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und zielten geradewegs auf das kleine Kirchlein, in dem eben die Messe gefeiert wurde.
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Die erste Kugel traf die Kirchentür, und im selben Augenblick zerwiss ein furchtbarer Donner den Himmel.
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Es krachte, als bräche die Welt entzwei.
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Ein Blitz nach dem anderen schlug in den Boden, und schwarze Wolken,
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wie man sie noch nie gesehen hatte, wälzten sich über die Alm und hüllten sie ein.
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Zuerst kam der Hägen in Strömen, dann kam der Schnee, und der Schnee hörte nicht mehr auf.
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Drei Tage und drei Nächte schneite es ohne Unterlass, und als es am dritten
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Tag endlich still wurde und der Schnee aufhörte zu fallen, da war die Alm verschwunden.
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Wo eben noch das saftige Grün bis ins Tal geleuchtet hatte, lag nun eine meterhohe
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weiße, tote Decke aus Eis und Schnee.
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Darunter aber, für immer begaben, lagen die frevelhaften Alma mit all ihrem Übermut.
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Der Berg war erstarrt, und von jenem Tag an nennen ihn die Leute nur noch die gefrorene Wand.
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Und wenn du heute hinaufschaust zu ihr, zu dem grauen Eis, das dort oben liegt,
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wo einst die schönste Alm des Tales war, dann denke an die Almer,
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die vergaßen, wem sie zu danken hatten.
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Der Berg hat es nicht vergessen.