EGL104 Buddhismus Teil 1: Ursprung, Lehre und Praxis

OM MANI PEME HUNG

In dieser Folge sprechen wir über Buddhismus und steigen gleich praktisch mit einer kleinen Meditation in das Thema ein. Die kurzen Sätze zur Einstimmung umfassen bereits sehr zentrale Aspekte der buddhistischen Lehre. Flo ist auf das Thema gekommen, weil er zum einen selbst lange Zeit praktizierender Buddhist war und zum anderen Micz ihn mit seiner vorherigen Episode dazu angespornt hat, eine Verbindung zwischen dem Bewusstseinsbegriff nach Freud und dem Buddhismus herzustellen. Die Frage, wie sich Buddhismus zur Psychoanalyse verhält, klären wir dann in der nächsten Folge. In dieser sprechen wir zunächst über die Grundlagen des Buddhismus. Flo erzählt die Lebensgeschichte des historischen Buddha mit dem bürgerlichen Namen Siddhartha Gautama: wie er die Erfahrung von Leid mit Alter, Krankheit und Tod machte, wie er bei den Asketen nach Antworten suchte, aber keine fand, und sich schließlich unter den Bodhi-Baum setzte und gelobte, nicht eher aufzustehen, bis er die Antwort gefunden habe. Und so wurde Siddhartha zum Buddha, dem Erleuchteten, und gab in den restlichen 45 Jahren seines Lebens seine Lehren weiter. Dabei erklären wir zentrale Begriffe wie die vier edlen Wahrheiten, den achtfachen Pfad, Karma, Ich-Illusion und Mitgefühl. Die drei Fahrzeuge bezeichnen die heute noch bestehenden Schulen des Buddhismus. Der Vajrayana, der Diamantweg, ist die Schule des tibetischen Buddhismus, die verspricht, mit dem richtigen Lehrer (Lama) und der richtigen Verbindung innerhalb eines Lebens die Erleuchtung erlangen zu können. Hier spielen Methoden wie Visualisierungen, Mantren und Einweihungen eine zentrale Rolle, wie Flo aus eigener Erfahrung berichten kann, da er lange Zeit nach der tibetischen Karma-Kagyü-Schule praktizierte. Auch dieses Thema nehmen wir mit in die nächste Episode, da der tibetische Buddhismus ein umfassendes System zur Transformation von „Geistesgiften" entwickelt hat, das aus einem psychoanalytischen Blickwinkel interessant zu betrachten ist. In dieser Episode sitzen wir mehr, als dass wir wie sonst laufen. Wir starten sitzend im Körnerpark in Rixdorf und enden nicht weit entfernt auf der Thomashöhe in den Neuköllner Rollbergen.

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
Erzähler
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Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:05–0:00:10
Hallo und herzlich willkommen zu Eigentlich Podcast, der Podcast,
0:00:11–0:00:13
bei dem wir laufend reden und im Laufen reden.
0:00:14–0:00:21
Heute laufen wir gerade durch den Körner Park in Südberlin. Ist das schon Südberlin, kann man sagen?
Florian Clauß
0:00:21–0:00:22
Ja, Rixdorf.
Micz Flor
0:00:22–0:00:23
Rixdorf.
Florian Clauß
0:00:23–0:00:24
Ist das Götter schon zu Rixdorf?
Micz Flor
0:00:24–0:00:28
Ja, Leinestraße ist die U-Bahn-Station. Also, es ist sehr schön,
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es ist schönes Wetter. Wir haben die Folge 104.
Florian Clauß
0:00:32–0:00:33
104, genau.
Micz Flor
0:00:33–0:00:40
Und das ist 4 nach der N100. Wir setzen uns hier auf einen kleinen schattigen
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grünen Fleck neben einem stapelbar und wetterfesten Stuhl, der zerbrochen ist.
Florian Clauß
0:00:46–0:00:49
Ja, der ist sehr wetterfest. Ich glaube, ich würde mich nicht anlehnen.
Micz Flor
0:00:49–0:00:53
Flo hat ein Thema vorbereitet. Wir machen das mal abwechselnd.
0:00:53–0:00:58
Ich habe keine Ahnung, worum es geht. Wir sitzen jetzt hier im Park. Flo sitzt schon.
Florian Clauß
0:00:58–0:00:59
Setz dich mal hin.
Micz Flor
0:00:59–0:01:05
Ich setze mich jetzt neben ihn. Und dann hören wir vielleicht im Hintergrund
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noch ein bisschen Gitarre oder so. Frisbee fliegt.
Florian Clauß
0:01:09–0:01:14
Du wirst, das ist so ein bisschen so ein Erfahrungseinstieg in das Thema.
0:01:15–0:01:20
Du wirst es gleich erraten, ja? Also setz dich ruhig mal so hin.
Micz Flor
0:01:20–0:01:24
Kann ich nicht. Also er will, dass ich im Schneidersitz sitze, aber das kann ich nicht.
Florian Clauß
0:01:24–0:01:26
Da bin ich nicht beweglich. Dann setze ich einfach bequem hin.
Micz Flor
0:01:27–0:01:27
Genau.
Florian Clauß
0:01:27–0:01:31
Bequem hin, schließ mal die Augen. Mach nicht die Augen auf.
Micz Flor
0:01:31–0:01:33
Halt meine Tasche nebenher fest.
Florian Clauß
0:01:34–0:01:35
Wir sind ja in Neustell.
Micz Flor
0:01:35–0:01:39
Jetzt machen wir die Augen wieder auf und die Aufnahmegeräte sind weg.
Florian Clauß
0:01:40–0:01:50
So, schließ die Augen. So. Oder spüre deinen Atem an der Nasenspitze, wie er kommt und geh.
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Und lassen Gedanken und Geräusche vorbeiziehen, ohne sie zu beurteilen.
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Danach beschäftigen wir uns kurz mit den vier Grundgedanken,
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die den Geist auf Befreiung und Erleuchtung ausrichten.
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Wir erkennen unsere kostbare Möglichkeit, zahllosen Wesen mit den Mitteln eines
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Buddhas nutzen zu können, nur wenige begegnen sein lernen und noch weniger sind
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fähig, sie zu verwenden.
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Wir erinnern uns der Vergänglichkeit aller Dinge. Nur die offene,
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klare Unbegrenztheit des Geistes ist dauerhaft.
0:02:47–0:02:51
Niemand weiß, wie lange die Bedingungen bleiben werden, um dies zu erkennen.
0:02:56–0:03:01
Wir denken über Ursache und Wirkung nach, darüber, dass wir selbst bestimmen, was geschieht.
0:03:02–0:03:05
Frühere Taten, Worte und Gedanken wurden zu unserer heutigen Welt.
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Wir sehen ständig die Samen für unsere Zukunft.
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Schließlich machen wir uns klar, warum wir mit dem Geist arbeiten.
0:03:15–0:03:19
Erleuchtung ist zeitlose höchste Freude und wir können nur wenig für andere
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tun, solange wir selbst verwirrt sind oder leiden.
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Deswegen öffnen wir uns jetzt denjenigen, die das Ziel verkörpern.
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Zum Besten aller Wesen nehmen wir Zuflucht, zu Buddha, dem erleuchteten Zustand
0:03:37–0:03:40
unseres Geistes, zu den Lehren, die uns dahin führen,
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zu den Bodhisattvas, unseren Freunden auf dem Weg und vor allem zum Lama,
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der Segen, Mittel und Schutz in sich vereint. Vielen Dank.
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So Mitch, das war jetzt meine Einleitung. Die Meditation geht eigentlich noch
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weiter, aber im Prinzip ist jetzt schon alles gesagt über das Thema.
0:04:07–0:04:10
Kannst du ungefähr erraten, worum es hier geht?
Micz Flor
0:04:12–0:04:15
Also es ist interessant, ich mach jetzt die Augen wieder auf und der Park sieht
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in der Tat ein bisschen anders aus.
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Da flackert vor uns an diesem Birkenbaum ein Happy Birthday.
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Und als ich die Augen aufgemacht hab, noch so halb verschwommen,
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sah das ja aus wie diese bunten Flimpel, die auch oft so bei Hütten hängen,
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also wie aus tibetanisch heißt es.
0:04:37–0:04:44
Kann ich ja raten, worum es geht. Es geht entweder ganz allgemein um Meditation
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und den materialistischen Anteil daran.
Florian Clauß
0:04:48–0:04:49
Auch.
Micz Flor
0:04:49–0:04:56
Oder es geht um Buddhismus, der Meditationspraktiken auch beinhaltet,
0:04:56–0:05:01
aber noch mehr ist als nur Meditation, obwohl die, glaube ich,
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einen großen Stellenwert einnimmt.
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Also diese Idee von Gewahrsagen nehme ich mal an.
0:05:06–0:05:12
Oder es geht um meinen Freund Flo, der neben mir sitzt, seine Biografie,
0:05:12–0:05:15
in der er zum Buddhismus gefunden hat.
0:05:15–0:05:20
Ich dich da auch schon kannte und auch den Raum kannte, den du dafür vorgesehen
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hattest in deinem Haus, wo du deine Übungen gemacht hast und hast mir davon erzählt.
0:05:24–0:05:30
Und aber auch zumindest in meiner Erinnerung den Buddhismus,
0:05:30–0:05:33
dich vom Buddhismus wieder abgewendet hast.
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Aufgrund weltlicher Beobachtungen hatte ich so das Gefühl.
Florian Clauß
0:05:38–0:05:44
Ja, alles ist damit enthalten, alle drei Themenstränge.
0:05:45–0:05:49
Tatsächlich ist das Oberthema Buddhismus und das ist so ein bisschen so,
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als ich mich jetzt auf die Folge vorbereitet habe, dass man nicht wusste,
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welches, was für ein Thema ich nehme, aber ich bin da darauf gestoßen worden,
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weil, das war dann noch so der Klang von der letzten Folge, die du gemacht hast,
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wo du dann noch am Ende gesagt hast, alles ist Emotion, alles ist Emotion.
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Ja, und da geht es natürlich, und ich, der mich, also du hast mich ja gerade
0:06:14–0:06:20
so ein bisschen auch meine Biografie geschildert, Ich habe lange praktiziert buddhistisch,
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vor allen Dingen die Schule des tibetanischen Buddhismus, Vajrayana heißt die, und.
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Dann war die Frage, was ist Bewusstsein? Und da wollte ich so am Ende der Episode
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hin, nachdem wir mal so über Buddha, die Geschichte vom Buddha,
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die Rolle der Meditation,
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dann auch die Ausprägung der verschiedenen Janas, also diese Wege zwischen kleinem
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Fahrzeug, großem Fahrzeug und diamanten Fahrzeug, was ich dann auch dann in
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dem diamanten Fahrzeug, welcher Lehre ich da gefolgt bin.
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Und dann hin zu, was ist Bewusstsein, wie unterscheidet sich das jetzt im Vergleich mit Freud,
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der mit seinem topologischen Modell und dem Strukturmodell ja auch bestimmte
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Bewusstseinszustände und wie sich Bewusstsein entwickelt und was Bewusstsein trübt und so weiter.
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Darüber sprechen. Wir müssen mal gucken, wie lange das wird.
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Vielleicht wird es die ganze Zeit auch zwei folgen, weil das ist schon ein weiterer
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Themenbogen. Mal schauen. Genau.
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Und ich glaube auch, weil ich gerade gesagt habe, ich habe mich lange mit Buddhismus
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beschäftigt, praktiziert.
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Ich weiß nicht, ob wir jemals da so tiefer drüber geredet haben,
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ob ich dir das mal so erklärt habe oder...
Micz Flor
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Nee, ich bin da sehr... Ich war dabei, du hast mich reingelassen.
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Wir waren ja einmal zusammen im Kino um die 300 oder wie es hieß.
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Das war der, wo die muslimische Welt... Das ist Sparta.
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Da hattest du mich sogar hineingelassen, da habe ich viele deiner mit,
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deiner Community, sag ich mal.
Florian Clauß
0:07:55–0:08:00
Getroffen. Man sagt tatsächlich ganz klassisch, also auch im indischen Ausdruck,
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Sangha. Das ist Gemeinde.
Micz Flor
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Deine Gemeinde, okay. Gut, dann war ich nicht so weit weg mit Gemeinschaft.
0:08:06–0:08:08
Aber Gemeinde hat dann so eine religiöse...
Florian Clauß
0:08:09–0:08:13
Ja, genau. Es sind im Prinzip so diejenigen, die sich dann halt auch mit dir auf den Weg begeben.
Micz Flor
0:08:14–0:08:20
Und ich habe auch einen, der, da weiß ich auch nicht, was das Wort ist,
0:08:20–0:08:24
kennengelernt, der war da nämlich auch mit drin, der wollte den Film auch gucken.
Florian Clauß
0:08:24–0:08:29
Achso, ja, natürlich. Das ist Lama, Lama Ole war das.
Micz Flor
0:08:29–0:08:30
Lama Ole, genau.
Florian Clauß
0:08:30–0:08:36
Alama Ode Nidal, der dann in den 60ern seinen Kontakt da war,
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so eine Zeit, wo der tibetische Buddhismus sich auch geöffnet hat.
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Eben durch die Repression der Chinesen hatte der tibetische Buddhismus dann
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auch viele Westler eingeladen, dann die Lehre kennenzulernen.
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Und deswegen, das war die Hippie-Zeit, wo viele dann ausgezogen sind und eben
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auch das Heil und das Glück in Indien gesucht haben, beziehungsweise Himalaya.
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Und Ole ist damals auf dem 16. Kamapa, das ist ein Oberhaupt,
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einer der vier Schulen von dem tibetischen Buddhismus, der Katschi-Schule.
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Hat er den getroffen und hat quasi so die ganze Übertragung, sagt man dann auch.
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Das ist diese Verbindung, die ist im tibetischen Buddhismus unglaublich existenziell.
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Das sind die drei Wurzeln, also diese Verbindung. Es wird halt häufig von Guru
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gesprochen, die Verbindung zwischen Schüler und Lehrer, der Guru.
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Und da passiert die Übertragung tantrisch. Also es sind alles so Begriffe,
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wenn man die hört, dann zuckt man zusammen, weil die im Westen dann halt eher
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so Missbrauchsvorstellungen auslösen und auch sicher auch damit getrieben wurden.
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Aber im tibetischen Modismus ist diese Übertragung zwischen Lehrer und Schüler,
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Ganz zentral, und es wird versprochen,
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dass du innerhalb eines Lebens die Erleuchtung erlangen kannst.
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Und die Mittel dafür bereitgestellt. Und Ole ist dann mit dem Auftrag,
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in selbst ein Zentrum aufzubauen, losgezogen.
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Und hat eigentlich auf der ganzen Welt, hat er dann buddhistische Gemeinden aufgebaut.
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Ich bin tatsächlich, Ole habe ich das erste Mal, bin ich begegnet, 96.
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Dann habe ich auch die Zuflucht genommen. nennt man so, ich will nicht mit diesen
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christlichen Analogien auffahren, aber es ist im Prinzip eine Art von Paufe.
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Das heißt, auch hier wieder so eine Übertragung, in dem Moment,
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wenn du quasi so einen Wang, nennt man das im Tibetischen, also das heißt,
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jetzt mal so ganz esoterisch gesprochen, dann öffnen sich so Energiekanäle und
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dann bist du halt empfänglich für bestimmte Rituale, also Übertragung.
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Und diese Zuflucht ist erstmal sehr allgemein, dass du halt dich erstmal so
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ein bisschen auf diese Sache einstimmst und die Lehre dann halt oder das Praktizieren anfangen kannst.
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Und das Praktizieren, ich rede jetzt schon sehr speziell über diese tibetische
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Ausprägung, aber vielleicht wäre es nochmal interessant, auf den Menschen,
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auf den historischen Buddha zu schauen.
Micz Flor
0:11:07–0:11:10
Das wollte ich gerade sagen, weil die Eingangsfrage war bei dir,
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was ich denn da weiß oder nicht weiß.
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Und ich weiß nicht viel und ich habe dich auch nichts gefragt.
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Das war alles irgendwie so okay, wie es war.
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Ich sehe den Teil, mit dem ich arbeiten kann, sozusagen. Mit Arbeit meine ich
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nicht, dass wir was konstruktiv tun müssen, aber der Teil, den ich in der Welt
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verstehe von dir, den sehe ich.
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Und den anderen Teil, den werde ich dann sehen, wenn ich ihn verstehen kann.
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So ein bisschen vielleicht formuliert.
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Und ich wollte auch noch sagen, wenn wir jetzt den Raum aufmachen,
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dass die Dinge, also wir hatten ja schon auch das Religiöse oder das Spirituelle bei C.G.
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Jung, Synchronicität. Und du hast jetzt gerade ja darauf hingewiesen,
0:11:51–0:11:54
dass die letzte Folge, die ich gemacht habe, dich indirekt da so ein bisschen angestupst hat.
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Ich erinnere mich aber auch an die vorletzte Folge, wo es ja interessanterweise
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eben mit Dan Simmons, der gestorben ist, der aber dieses eine Buch,
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die Bombennibbel, geschrieben hat.
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Und da geht es ja auch um diese Proto-Nazis in den 20er Jahren,
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Himalaya, Bergbesteigung.
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Und da hattest du lustigerweise auch schon diese Öffnung aufgemacht.
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Da war das schon so ein bisschen, wo du darauf verwiesen hast,
0:12:19–0:12:21
glaube ich, in einem Brad Pitt-Film und so.
Florian Clauß
0:12:21–0:12:22
Sieben Jahre Tibet, ne?
Micz Flor
0:12:23–0:12:26
Und das fand ich ganz interessant, dass du jetzt das schon wieder vergessen hattest.
Florian Clauß
0:12:26–0:12:27
Ich habe es total vergessen.
Micz Flor
0:12:27–0:12:29
Ich habe scheinbar in zwei Folgen eine Rampe gebaut.
Florian Clauß
0:12:29–0:12:32
Und vor allen Dingen eine Folge, die ja auch jetzt nochmal so,
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wo ich mich dann eben nach diesen Parallelen von Psychoanalyse und Buddhismus
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geschaut habe, ist ganz offensichtlich, und die haben wir vor einem Jahr aufgenommen, nämlich das Rote Buch.
Micz Flor
0:12:43–0:12:44
Ja, genau.
Florian Clauß
0:12:44–0:12:49
Und C.G. Jung. Und C.G. Jung hat sich auch das Vorwort, also er hat sich nie
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zum Buddhismus so bekannt, aber er hat das Vorwort eines der zentralsten Bücher
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des tibitanischen Buddhismus geschrieben, nämlich das tibitanische Totenbuch.
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1933 hat er das Vorwort dazu geschrieben und hat lustigerweise das rote Buch enthält.
Micz Flor
0:13:06–0:13:10
Das Vorwort für eine Schweizer Ausgabe, eine deutschsprachige Ausgabe oder wo
0:13:10–0:13:11
das Vorwort geschrieben wird.
Florian Clauß
0:13:11–0:13:16
Genau. Also für eine Buchausgabe, die dann auch im Deutschen vertrieben wurde, ja.
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Und er hat in dem, das rote Buch, diese Mandalas, die er da gezeichnet hat,
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hat er ohne Wissen von diesen tibetischen Mandalas, also da kommen wir auch
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nochmal zur Visualisierung im tibetanischen Buddhismus,
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hat er gezeichnet und tatsächlich, als er dann das kennengelernt hat,
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so eine Anekdote, ich weiß nicht, wie man das jetzt irgendwie noch weiter belegen kann,
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hat er sehr genau so irgendwie Muster, er spricht ja die ganze Zeit von Archetypen,
0:13:44–0:13:50
Aber so wie die Tibeter da schon seit über tausend Jahren zeichnen und malen,
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hat er tatsächlich auch gemalt, ohne die zu kennen.
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Und das war auch nochmal so ein bisschen so ein Ringschluss.
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Weil ich auch so ein bisschen, dass du mich immer als diese säkularisierende Säule siehst.
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Du mit deinem methodischen Inkorrekt, aber lass das mal weg.
Micz Flor
0:14:05–0:14:08
Nein, nein, nein, ich sehe dich nicht als säkularisierende Säule.
Florian Clauß
0:14:08–0:14:10
Nein, aber ich meine, das war so ein bisschen, wo ich dann dachte,
0:14:11–0:14:16
vielleicht muss ich jetzt nochmal diese Seite so ein bisschen nach vorne bringen,
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weil ich ja durchaus dann spirituell aktiv war und dann noch sehr viel anbinden kann.
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Und jetzt in der Vorbereitung mit dem Thema habe ich wieder gemerkt,
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wie nah mir das ist, auch die ganze Lehre vom Buddha selbst.
0:14:31–0:14:34
Und das ist wirklich ein, ja
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ich will nicht sagen Schatz, aber der Dharma ist schon eine tolle Lehre.
Micz Flor
0:14:39–0:14:43
Weil man es wahrscheinlich nicht hört, sage ich einfach, dass du gerade sehr
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berührt bist von dem, was du gesagt hast.
0:14:45–0:14:48
Das ist spürbar und sichtbar, ich weiß nicht, ob es hörbar ist.
Florian Clauß
0:14:48–0:14:52
Ob es hörbar ist, danke für die emotionale Untermalung. Ja, also,
0:14:52–0:14:58
gucken wir mal, wer da Butter als Mensch war. Also, welcher historische Türo?
Micz Flor
0:14:58–0:15:01
Ich stelle mal ganz kurz eine Frage, weil ich einfach jetzt,
0:15:02–0:15:05
wo wir laufend reden, beim Laufen reden. Wir sitzen jetzt hier,
0:15:05–0:15:07
das fühlt sich irgendwie okay an.
Florian Clauß
0:15:07–0:15:09
Wir können aber auch gerne noch so lange haben.
Micz Flor
0:15:09–0:15:12
Aber was wäre jetzt so, weil die Frage ist ja, wo machen wir diese Veränderung
0:15:12–0:15:16
im Körper, dass wir jetzt sagen, okay, wir brechen auf, wir müssen uns dann wieder orientieren.
Florian Clauß
0:15:16–0:15:19
Ich glaube, wir können jetzt aufrechen, weil das jetzt einfach so viel Wissen
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ist und nicht immer so viel erfahren.
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Sondern wo ich dich einfach so jetzt mit den Informationen, die ich so in der
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letzten Zeit recherchiert habe, dann mit dir teilen.
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Aber ich würde dich auch bitten, wie das so bei buddhistischen Vorträgen ist,
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dass du immer Fragen stellst.
Micz Flor
0:15:38–0:15:43
Ja, meine erste Frage wäre eben, wir können gerne das auch im Sitz machen,
0:15:43–0:15:46
die Folge. Dann ist es halt ein Punkt auf der Karte, warum auch nicht.
0:15:47–0:15:50
Weil ich das Gefühl habe, dass, oder darum geht ja meine nächste Folge,
0:15:50–0:15:52
nämlich diese Folge des Bewussten und des Unbewussten.
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Was das tut, warum, welche Rolle wir mit Zonen spielen.
0:15:55–0:15:59
Also das scheint jetzt eine Miniserie zu sein, die wir von beiden Seiten wacke
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haben. Was mich auch freut.
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Und vor dem Hintergrund dessen, was dann in meiner nächsten Folge kommt,
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ist natürlich der Hinweis, dass wenn wir jetzt anfangen zu laufen,
0:16:08–0:16:13
dann wird es immer wieder Momente geben, wo du dein Bewusstsein aktivieren musst,
0:16:13–0:16:17
um zu überlegen, wo müssen wir lang oder was ist das. Und das macht es ja auch spannend.
0:16:17–0:16:20
Das hält ja irgendwie die Dinge am Leben, aber nicht so eingelassen.
0:16:20–0:16:24
Deshalb meine Frage, wenn wir jetzt einen Ort suchen, wo wir einfach sitzen
0:16:24–0:16:31
und sprechen und hören und uns unterhalten können, ist das für mich total okay.
0:16:31–0:16:34
Aber dann wäre es für mich nicht hier, weil mich der Park dann hier doch ein
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bisschen zu wuselig fordert.
0:16:36–0:16:37
Also da bin ich nicht ganz entspannt.
Florian Clauß
0:16:38–0:16:43
Okay, ich dachte gerade, dann wäre es hier. Dann wäre es nicht hier. Wir müssen aufdrehen.
Micz Flor
0:16:43–0:16:47
Ja, wir müssen uns entweder einen anderen Ort suchen oder wir müssen uns auf den Weg machen.
Florian Clauß
0:16:48–0:16:52
Okay, dann lass uns einfach laufen, aufbrechen und lass uns gucken,
0:16:52–0:16:55
ob sich die Gelegenheit anbietet, dass wir uns irgendwo hinsetzen.
Micz Flor
0:16:55–0:16:56
Ja, okay.
0:16:58–0:17:02
Ich bin jetzt sehr aufgeregt, der Psychoanalytiker würde mir sagen,
0:17:02–0:17:06
dass du mir jetzt durch projektive Identifikation, auch so ein Begriff,
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Der bedeutet, dass Dinge, die für dich vielleicht problematisch sind oder auch
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schwer auszuhalten, was ich dir nicht unterstellen möchte, aber dass du die
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quasi auf eine nonverbale Art
0:17:17–0:17:20
und Weise mir in die Schuhe schiebst und ich jetzt diese Aufregung habe,
0:17:20–0:17:24
sodass du entspannt sein kannst. Also dass Menschen sich auch helfen können.
Florian Clauß
0:17:24–0:17:26
Es ist auch eine Art von Übertragung.
Micz Flor
0:17:26–0:17:26
Genau.
Florian Clauß
0:17:26–0:17:34
Der historische Buddha mit dem bürgerlichen Namen Siddhartha Gautama,
0:17:34–0:17:44
der ist 563 vor Christi geboren und kommt aus einer reichen Adelsfamilie, Shakya.
0:17:44–0:17:48
Deswegen heißt er auch Buddha Shakya Moni.
0:17:48–0:17:53
Schon bei der Geburt hat seine Mutter Zeichen erfahren, Träume geträumt,
0:17:53–0:17:58
weißer Elefant und so weiter, wo schon sich angekündigt hat,
0:17:58–0:18:02
dass das ein außergewöhnliches Kind werden wird.
Micz Flor
0:18:02–0:18:07
Und weißer Elefant ist ein Bild, was im Buddhismus eine besondere Bedeutung hat oder war es?
Florian Clauß
0:18:07–0:18:11
Das ist eher im Hinduismus eine Bedeutung.
0:18:11–0:18:15
Aber ich will das gleich vorweg sagen. Also diese ganze Lehre,
0:18:15–0:18:19
die ganze Dharma-Lehre, die ganzen Geschichten um Buddha und so weiter,
0:18:19–0:18:23
die sind unglaublich kategorisiert.
0:18:23–0:18:31
Also es gibt immer drei Juwelen, acht Pfade, acht und es gibt immer irgendwelche
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Zahlen, die sich da so ausprägen, die bestimmte Sachen beschreiben.
0:18:35–0:18:43
Es ist eine sehr alte Lehre, 2500 Jahre, jetzt alt und dementsprechend,
0:18:43–0:18:47
sag ich mal, auch so aufgeschrieben,
0:18:48–0:18:52
weitergegeben, dass es so, also wenn du die originalen Texte liest,
0:18:52–0:18:56
die sind schon sehr formalisiert von der Sprache her.
0:18:57–0:18:59
Die sind verfasst, also alle Lehren.
0:19:00–0:19:05
Von Buddha sind verfasst in dem Pali-Kanon. Also Pali ist nochmal so eine eigene Sprache.
0:19:05–0:19:08
Es wurde dann auch beschlossen, wie schreiben wir das auf. Ja,
0:19:08–0:19:11
wir nehmen Pali, keine Ahnung, gibt es auch bestimmt Forschung dazu.
0:19:12–0:19:17
Allerdings dann so 300, 400 Jahre erst nachdem Buddha gestorben ist.
Micz Flor
0:19:17–0:19:20
Und das kommt, das wir auch mal hatten in der Folge Palimzet,
0:19:20–0:19:22
das kommt nicht damit zusammen.
Florian Clauß
0:19:22–0:19:26
Nee, ich glaube, das Pali ist wirklich eine Sprache, das ist kein griechischer
0:19:26–0:19:30
Begriff in dem Moment. Und genau, bevor ich jetzt aber vom Tod vom Buddha erzähle,
0:19:30–0:19:34
erzähle ich erst mal von dem Weg, den er da und die Lehre, wie er sie entwickelt hat.
0:19:34–0:19:39
Also er ist in diesem reichen Königshaus groß geworden.
0:19:40–0:19:43
Und genau, das wollte ich noch sagen, diese Zeichen, da kam halt ein,
0:19:43–0:19:46
wie sagt man, ein Seher? Nee, wie sagt man das?
Micz Flor
0:19:46–0:19:47
Ein Orakel.
Florian Clauß
0:19:47–0:19:51
Ein Orakel, so eine Art von Seher-Orakel. Der hat dann gesagt,
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dass der Sohn entweder ein ganz großer Mann, religiöser Mann werden,
0:19:58–0:20:00
oder er wird halt ein ganz großer König werden.
0:20:00–0:20:05
Und hat dann auch gesagt, wenn Nancy-Data mit keinem Leid konfrontiert wird,
0:20:05–0:20:06
dann wird er ein großer König.
0:20:06–0:20:11
Also hat der Vater dann halt alles Leid ausgeschlossen. Das heißt Leid, irgendwas.
0:20:11–0:20:14
Es durfte keine alten Leute geben auf dem Hof.
0:20:14–0:20:19
Er wurde dann umsorgt, hatte ein ganzes Harem, also ihm fehlte nichts.
0:20:19–0:20:22
Er konnte dann halt auch Ausbildung machen, den Bogenschützen und Schießen und
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so weiter. Er war da auch sehr gut, er hat immer alles sehr schnell und sehr gut, perfekt gelernt.
0:20:27–0:20:32
Und hatte halt so Reichtum im Überfluss, also war wirklich so versorgt,
0:20:32–0:20:34
war glücklich und so weiter.
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Bis er dann irgendwann seine vier Ausfahrten macht. Und es sind auch manchmal
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so biedere Begriffe, Ausfahrten und Geistesgifte und sowas.
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Also das sind halt so aus dieser Übersetzung.
0:20:46–0:20:51
Und in der ersten Ausfahrt, die er gemacht hat, dann hat er einen Kranken getroffen.
0:20:52–0:20:58
Bei der zweiten dann eine Tote oder ein Tod, das mit dem Tod konfrontiert wurde.
0:20:58–0:21:00
Und die dritte war dann halt mit einem...
0:21:01–0:21:04
Alten, ich weiß jetzt nicht mehr die Reihenfolge, das kann auch umgekehrt sein.
0:21:04–0:21:09
Also das war dann im Prinzip Alter, Krankheit und Tod, hat er erfahren und hat
0:21:09–0:21:11
dann gesehen, es gibt Leid.
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Es gibt einfach Leid in der Welt und es wird ausgelöst durch Alter, Krankheit, Tod.
0:21:18–0:21:23
Das ist so, dass diese grundlegenden Erfahrungen, die er gemacht hat, sind die drei Auswahl.
0:21:23–0:21:26
Und bei der vierten Auswahl hat er dann so einen Asketen kennengelernt.
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Der hat ihn dann so ein bisschen auf den Weg gebracht. vielleicht ist das die
0:21:31–0:21:35
Möglichkeit, wie man dieses Leiden der Welt bekämpfen kann.
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Er ist dann tatsächlich in der Nacht und Nebelaktion aus seinem Palast geflüchtet,
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hat dann Kind und Frau zurückgelassen und hat sich den Asketen angeschlossen.
Micz Flor
0:21:48–0:21:49
Dem oder denen?
Florian Clauß
0:21:49–0:21:58
Plural. Wir sind in Indien und es gibt auch alle möglichen Formen von Versenkung,
0:21:58–0:22:01
von meditativer Praxis, alle Ausformungen.
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Die Asketen waren dann schon so eine extreme Kasse, die das gemacht haben,
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auch entsprechend angesehen da.
0:22:10–0:22:14
Er war auch einer, hat das sechs Jahre lang praktiziert, einer,
0:22:14–0:22:19
der dann halt auch alles bis zur Meisterschaft erreicht hat.
0:22:19–0:22:26
Das war aber mit extremen Selbstkasteiungen, asketischen Fasten und sowas,
0:22:26–0:22:31
also es ging sehr stark auf den Körper und irgendwann, nach sechs Jahren,
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war es ihm dann genug und dann hat er einfach so eine Reisschale,
0:22:35–0:22:40
die ihm eine Frau dann hingestellt hat, weil die Asketen, es wird ja viel gebettet,
0:22:40–0:22:45
so leben dann halt viele religiöse Menschen, dass die halt nichts selber erwerben,
0:22:45–0:22:49
sondern, dass sie dann halt durch Gaben dann sich ernähren und dann hat er diese
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Reisschale genommen Und dann sind alle Asketen dann,
0:22:54–0:22:58
So ein bisschen enttäuscht abgezogen und dachten so, hä, was macht der denn?
0:22:59–0:23:00
Der hat doch schon die Meisterschaft erreicht.
0:23:01–0:23:04
Warum ist der das? Und seine Erkenntnis war...
Micz Flor
0:23:04–0:23:09
Aber normal wäre gewesen, die Asketen kriegen Reis hingestellt und essen den nicht.
Florian Clauß
0:23:09–0:23:14
Nee, genau. Es war genau dieser Moment, wo er dann halt zugegriffen hat und
0:23:14–0:23:16
gesagt hat, ja, okay, jetzt esse ich was.
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Und dann hat sich in diesem Moment für ihn auch, was dann maßgeblich für die
0:23:21–0:23:28
Praxis, für die Gemeinschaft und so weiter ergeben hat, dass es geht um den mittleren Weg.
0:23:28–0:23:33
Also dieses dualistische Ding, am Anfang absoluter Reichtum,
0:23:34–0:23:35
völlig, also nichts hat gefehlt.
0:23:35–0:23:42
Dann hat alles gefehlt, diese totale Verknappung und Buddha hat in dem Moment
0:23:42–0:23:48
gemerkt, dass weder das eine noch das andere dazu dient, um das Leid zu überwinden.
0:23:48–0:23:52
Also die Versenkung hat dann eine gewisse spirituelle Kraft,
0:23:52–0:23:55
aber das ist nicht so, dass dadurch das Leid weggeht.
0:23:56–0:24:01
Und er hat dann gesagt, ich werde nicht eher von diesem Baum aufstehen,
0:24:01–0:24:08
also es ist dann der Bodhi-Baum, ehe ich die Erleuchtung quasi erfahren habe.
0:24:08–0:24:13
Und dann war es ein Tag, Zeitraum X, also sechs Tage oder was.
0:24:13–0:24:17
Und in diesen Tagen hat dann Buddha quasi die Erleuchtung erfahren.
0:24:17–0:24:23
Und man sagt auch, dass dann irgendwelche negativen Kräfte ihn dann halt davon
0:24:23–0:24:28
ablenken wollten, und dass dann aus irgendwelchen Unterwelten kamen und ihn verführt haben.
0:24:29–0:24:32
Und er ist dann standhaft geblieben und war dann erleuchtet.
0:24:32–0:24:34
Und das mit 35 Jahren.
0:24:35–0:24:38
Und dann hat er 45 Jahre gelehrt und das war's.
0:24:40–0:24:46
Und er hat dann das Dharma-Rad. Das Dharma-Rad steht immer für die Lehren,
0:24:46–0:24:51
wird dann häufig auch als so ein Regalsystem dargestellt.
0:24:52–0:24:56
Ja, weil die Texte waren dann halt auch immer so gefaltet und quasi so längliche
0:24:56–0:24:59
Texte, die in so Schatullenboxen lagen.
0:24:59–0:25:01
Und deswegen ist da immer so ein Regal.
0:25:02–0:25:06
Und er hat in dieser Zeit ganz viele Belehrungen gegeben.
Micz Flor
0:25:06–0:25:08
Hier. Wo wir uns hier hinsetzen vielleicht?
Florian Clauß
0:25:08–0:25:09
Ja, kann man gerne machen.
Micz Flor
0:25:09–0:25:13
Hier ist auf alle Fälle, finde ich, entspannt.
Florian Clauß
0:25:14–0:25:15
Auf jeden Fall.
Micz Flor
0:25:15–0:25:19
Haben wir die nächsten sechs Tage Zeit hier. Hoffentlich geht die Sonne nicht
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vorher und es nicht zu kalt wird.
Florian Clauß
0:25:21–0:25:21
Vielen Dank.
0:25:22–0:25:26
Es gibt so bestimmte Kernthesen in der Lehre von Buddha.
0:25:27–0:25:32
Also das, was jetzt diese Meditation, die wir am Anfang gemacht haben mit dem
0:25:32–0:25:37
Atem, mit der Atemtechnik und dann diese vier grundlegenden Gedanken,
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wie man sagt, diese Einstellung darauf, die enthält im Prinzip schon alles.
0:25:42–0:25:49
Und das eine ist halt das Dukha, indisches Wort dafür, dass das Leben von Leid geprägt ist.
0:25:50–0:25:54
Dann Tana, die Ursache des Leids, ist die Begierde.
0:25:54–0:26:00
Also können wir auch ein bisschen auf Freud schauen. Das Leid und Begierde und so weiter.
0:26:01–0:26:06
Beziehungsweise die Anhaftung. Also Tanathos und...
Micz Flor
0:26:06–0:26:09
Genau, das wäre dann und Lacanus Begehren. Also das wäre, glaube ich,
0:26:09–0:26:13
Anhaftung. Begierde wäre es falsch und Anhaftung wäre das bessere Wort wahrscheinlich.
Florian Clauß
0:26:15–0:26:19
Im Neroda, das Leid kann überwunden werden. Also das ist wirklich so,
0:26:19–0:26:22
das ist so ein Heilsversprechen, ja.
0:26:22–0:26:25
Was ein empirisches Heilsversprechen, ja.
Micz Flor
0:26:25–0:26:28
Was meinst du mit empirisch in dem Moment?
Florian Clauß
0:26:28–0:26:32
In dem Moment heißt, dass die ganze Lehre von Buddha ist so,
0:26:32–0:26:39
dass die, es ist keine Religion oder so, weil es geht nicht darum,
0:26:39–0:26:42
irgendwie dich mit jemandem,
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Übergeordneten zu vereinigen. Religion heißt ja wieder zurückführen.
0:26:49–0:26:53
Sondern es gibt keine Übergeordneten, die Instanz, es gibt keinen Dogmen.
0:26:53–0:26:57
Es gibt nichts, was Buddha nicht verbieten würde. Er gibt nur Empfehlungen aus.
0:26:58–0:27:02
Und natürlich wird das dann in der Geschichte von Klöstern und so weiter,
0:27:02–0:27:05
Institutionalisierung, immer auch irgendwie dogmatisiert.
0:27:05–0:27:07
Aber das ist ja grundsätzlich so bei irgendwelchen Lehren.
0:27:08–0:27:13
Aber in der Ausrichtung der Lehre gibt es keine Dogmen. Es gibt Empfehlungen,
0:27:13–0:27:15
es gibt quasi Richtungen, die er da vorgibt.
0:27:16–0:27:21
Also Leid kann überwunden werden und das Mittel dafür ist der achtfache Pfad.
0:27:22–0:27:27
Der achtfache Pfad, das ist so ein Ethiksystem, die sich daraus ableitet,
0:27:28–0:27:36
die sich in verschiedenen Sektionen, kann ich gleich nochmal berichten, auffächert.
Micz Flor
0:27:36–0:27:40
Das sind jetzt alles Dinge, die Buddha nach den sechs Tagen,
0:27:41–0:27:46
nach der Erfahrung der Erleuchtung aufgeschrieben hat und dann war das fertig
0:27:46–0:27:49
oder ist das was, was sich immer wieder verändert hat?
0:27:49–0:27:52
Also das klingt jetzt so, als ob es ein System gibt, da wurde was,
0:27:53–0:27:58
eine Struktur, eine Struktur, die jetzt auch Ethik beinhaltet.
0:27:58–0:28:03
Das hat er alles nach den sechs Tagen dann gewusst und aufgeschrieben oder?
Florian Clauß
0:28:03–0:28:07
Nee, tatsächlich hat sich das innerhalb dieser 45 Jahre, also Buddha ist dann
0:28:07–0:28:13
mit 80 Jahren gestorben, in den 45 Jahren hat er das gelehrt.
0:28:13–0:28:16
Und er hat dann auch verschiedene Belehrungsstufen gegeben.
0:28:16–0:28:21
Also das Dharma Chakra, das ist das Dharma Rad und das erste Drehen des Dharma
0:28:21–0:28:25
Rads, dann hat er diese grundsätzlichen Sachen, es gibt Leid und so weiter.
0:28:25–0:28:30
Das hat er dann alles gelehrt und kommt dann immer irgendwo an und das Dharma-Rad
0:28:30–0:28:34
wird wieder gedreht und dann kommt wieder so eine Portion von Belehrung.
0:28:34–0:28:39
Er hätte dann auch, das was auch recht revolutionär zu der Zeit war, ist das Buddha.
0:28:40–0:28:43
Da auch keine Unterscheidung zwischen Kasten gemacht hat, auch keine Unterscheidung
0:28:43–0:28:47
zwischen Geschlechtern. Frauen wie Männer hat er als Anhänger aufgenommen.
0:28:48–0:28:50
Das war damals halt eigentlich in dem Kastensystem nicht so.
0:28:51–0:28:57
Der war da sehr frei in der Auswahl. Und da spiegelt halt auch seine Lehre wieder,
0:28:57–0:29:06
dass es halt wirklich keine irgendwelche Vorschriften gibt, sondern dass es immer die Frage nach,
0:29:06–0:29:11
wie können wir das Leid überwinden, dass es dann einen gewissen Pfad gibt,
0:29:12–0:29:17
gewisse Regeln oder nicht Regeln, aber so Empfehlungen, die man folgen kann
0:29:17–0:29:20
und sich damit dann auch...
0:29:21–0:29:27
Weniger, ich sag mal so, da muss man jetzt diesen Begriff Karma nochmal verwenden.
0:29:27–0:29:30
Was bedeutet Karma? Hast du ja auch schon öfters gehört.
0:29:32–0:29:37
Karma leitet sich, es ist auch eigentlich jetzt nicht eine rein buddhistische
0:29:37–0:29:40
Sache, sondern im Hinduismus gibt es auch so Karma.
0:29:41–0:29:47
Das bedeutet, dass man glaubt an Wiedergeburten. und dass je nachdem,
0:29:47–0:29:53
wie man sich verhält, dann entsprechend so einen Energieteppich aus dem vorherigen
0:29:53–0:29:56
Leben mitnimmt und dann so eine gewisse Disposition hat.
0:29:57–0:30:02
Also das ist halt so dieses Karma, was dann eben vielleicht,
0:30:03–0:30:05
wenn man in Analogie zufreut, so das Unbewusste.
0:30:06–0:30:10
Also das, was irgendwo schwelt und du weißt nicht genau, woher es kommt,
0:30:10–0:30:14
Aber es ist so eine Beeinflussung von den Sachen, die dir passieren,
0:30:14–0:30:16
die dir begegnen, wie du reagierst und so weiter.
0:30:17–0:30:22
Also wie du reagierst, ist nochmal eine andere Sache, weil das hat was mit den Geistesgiften zu tun.
0:30:23–0:30:27
In der moderneren Übersetzung sind das die Dörrgefühle.
Micz Flor
0:30:28–0:30:28
Die man hat.
Florian Clauß
0:30:28–0:30:33
Also da gibt es auch alles so sehr klassifiziert. Da baut der ganze Vajrayana
0:30:33–0:30:39
auf, also der tibetische Buddhismus, Ja, baut auf so ein System von Störgefühlen
0:30:39–0:30:42
und wie man die überwinden kann. Und da komme ich später nochmal zu.
Micz Flor
0:30:42–0:30:45
Genau, ich kann ja ganz kurz nochmal so einen Eingangsatz sagen.
0:30:45–0:30:49
Ich würde da gar nicht jetzt Freud nehmen, sondern ich würde wirklich auf meine
0:30:49–0:30:51
nächste Folge versuchen, das dann nochmal hineinzuweben.
0:30:52–0:30:56
Da können wir ja Fäden spannen zwischen den Folgen, weil diese Frage,
0:30:56–0:31:04
dieses Karma-Thema als Habe damit zu tun, dass man aus dem vergangenen Leben was mitgenommen hat,
0:31:05–0:31:09
was so eine Art Grundfärbung des jetzigen Lebens, und man kann es verändern,
0:31:09–0:31:13
aber es ist irgendwie wie so ein Rucksack, oder? So ein Handicap?
Florian Clauß
0:31:13–0:31:19
Genau, so ein Rucksack, Handicap, beziehungsweise das, was...
Micz Flor
0:31:19–0:31:21
Da würde ich das dann vielleicht nochmal irgendwie, wenn es passt,
0:31:22–0:31:24
in der nächsten Folge nochmal da mit Neurophysiologie...
0:31:26–0:31:26
Unterfüttern.
Florian Clauß
0:31:27–0:31:32
Ja, also was beim Karma nochmal so, vielleicht kann man da an dieser Stelle
0:31:32–0:31:36
nochmal so dieses Beispiel von dem Mahayana-Buddhismus.
0:31:37–0:31:42
Mahayana-Buddhismus ist der Buddhismus, der dann so, also das große Fahrzeug,
0:31:42–0:31:48
der dann im asiatischen Raum, Vietnam, Japan und so weiter, wo es dann auch
0:31:48–0:31:50
nochmal so eine Art von Übertragung gibt,
0:31:51–0:31:54
wo das Herzsutra eine ganz zentrale Rolle spielt.
0:31:54–0:31:59
Da wird ein zentraler Satz da ist, dass jedes Lebewesen war schon mal deine Mutter.
0:31:59–0:32:04
Um so halt Mitgefühl, weil das Mitgefühl mit allen Wesen, das ist so das,
0:32:05–0:32:08
was sich da antreibt. Und auch vor allem...
Micz Flor
0:32:08–0:32:11
Freud würde das Gegenteil sagen. Jetzt entspannen Sie sich mal.
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Nicht jedes Lebewesen war mal Ihre Mutter.
Florian Clauß
0:32:15–0:32:23
Ja, wir wollten lieber Freud reden. Aber es geht auch in dem Buddhismus,
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oder das ist auch wieder so eine asiatische hinduistische Vorstellung,
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dass es verschiedene Daseinsformen gibt.
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Und die Menschenwelt ist eine davon.
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Insgesamt gibt es fünf Daseinsformen. Wenn du dann nach oben schaust.
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Gibt es die Halbgötter und dann als nächste Stufe die Götter.
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Und dann gibt es halt für jede Daseinsform, also Halbgötter,
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die haben unglaubliche Fähigkeiten. Also kann man sich so ein bisschen wie die
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Superhelden vorstellen.
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Aber durch diese Fähigkeiten, das sind nicht alle die gleichen Fähigkeiten,
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gibt es eine unglaubliche Konkurrenz dazwischen.
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Also so Eifersucht ist da so das ganz prägnante Störgefühl, was sich da ausprägt.
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Und bei den Göttern ist es so, die haben eigentlich alles, sind total super
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und dem geht es gut und so weiter.
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Aber die erfahren auch Vergänglichkeit. Ja, alles ist vergänglich.
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Und da in dem Moment der Erfahrung der Vergänglichkeit wird unglaublich großes
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Leid bei denen erfahren.
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Das heißt, die kriegen es nochmal so richtig geballt, wenn du nach 20.000 Jahren
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dann irgendwann doch erstürbst. Das ist schon doof.
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Und die Menschen haben eigentlich alle Voraussetzungen,
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jetzt so Körper, es gibt dann auch so eine ganz klare Klassifizierung der Daseinsformen,
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also wie sich das dann aufteilt.
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Und die Menschen haben optimale Voraussetzungen, um dann halt auch das Dharma
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zu praktizieren und zu lernen und sie auch das dann halt auch auszusuchen.
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Ein gewisses freies Handeln, ein Körper kommt rein, eine Erkenntnis,
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im Prinzip eine Wahrnehmung und so weiter.
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Alle Bedingungen kommen für die Menschen, für die Menschenwelt,
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kommen zusammen, um das zu praktizieren.
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Dann Stufe drunter wird das Tierreich gesehen, aber da wird auch nicht unterschieden
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zwischen Wurm und Elefant.
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Alle haben dann bestimmte andere Bedingungen und so weiter.
Micz Flor
0:34:18–0:34:25
Ist das nicht so ein Ersatz für das Kastensystem? Nein, das ist ein ganz anderes.
Florian Clauß
0:34:25–0:34:28
Das Kastensystem ist ja eine soziale, innerhalb der Menschen organisiert.
Micz Flor
0:34:28–0:34:30
Das heißt, da geht es jetzt nicht darum, dass man da irgendwie...
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Auf und ab steigen kann oder doch?
Florian Clauß
0:34:33–0:34:37
Doch, also das wird immer gesagt, du kannst überall, das sind alles,
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das vergeht auch selber und jede Form, jede Lebensform, jedes fühlende Wesen,
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es wird immer von fühlenden Wesen gesprochen, ja, also diese Empfindsamkeit
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kann durch alle Stufen laufen.
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Und wenn wir dann nach unten schauen, nach dem Tierbereich, kommt dann der Hungergeisterbereich.
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Da werden halt solche Geisterformen wie unglaublichen Hunger,
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aber nur einen ganz kleinen Mund und die können nichts essen und hungern, leiden und so weiter.
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Und dann gibt es halt den Höllenbereich als sechsten Bereich.
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Da, wo halt die Hölle dann, wo hast du eine Aggression und so.
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Aber du kannst aus allen Bereichen dann quasi aufsteigen oder absteigen,
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je nachdem. Und das ist so ein bisschen auch Kana geprägt.
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Das heißt, wenn du von oben kommst, dann hast du eine bestimmte Disposition.
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Da wird es halt sehr esoterisch. Aber es wird dieses, ich sag mal so,
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in dem individuellen Erleben eines Menschen oder auch Geschehen,
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was passiert und so weiter.
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Wird dann halt diese Karma-Größe mit reingerechnet. Das heißt,
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wenn jemand dann halt dauernd Unfälle hat oder sowas, dann weiß ich nicht,
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war er vielleicht irgendwie in seinem anderen Leben dann Halbgott,
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der zu oft den anderen auf die Füße getreten hat oder sowas.
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Also solche Vorstellungen gibt es, aber es ist halt natürlich einfach schwierig,
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da so eine Kausalität abzuleiten.
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Das war dann halt auch, was mich dann halt auch in der Sangha dann halt selber
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genervt hat, ist dann halt alles, wurde dann halt, ja, ist halt Karma.
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Weggewischt, Karma. Alles war Karma. Das fand ich schon immer nicht glaubwürdig
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und es wird dann schwierig, wenn du dann solche Sachen...
Micz Flor
0:36:25–0:36:29
Dass man das dann so nutzt und dadurch Verantwortung abgibt oder des eigenen Handelns.
Florian Clauß
0:36:29–0:36:34
Ja, Verantwortung abgibt, genau. So ein bisschen Verantwortung abgibt oder auch
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weil eine gewisse Selbstverantwortung da mit drin hängt.
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Das ist auch Krankheiten darüber erklärt werden, was dann aus einer medizinischen
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Sicht auch ein bisschen schwierig wird, das dann halt irgendwie auch so aufzunehmen.
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Also dieses, ja, du hast Karma, du bist selber dafür schuld.
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Aber ich glaube, diese dualistische Denkweise, die sich dann wieder in so einer
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Betrachtung einschleicht, die ist vielleicht im asiatischen Raum gar nicht so
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präsent, weil die das jetzt nicht so dualistisch auflösen.
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Und ich glaube, das ist halt genau auch manchmal das Problem,
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Wenn dann die Lehre aus dem asiatischen Kontext, quasi im westlichen Kontext kommt und das westliche,
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Denken ja so ganz, ganz tief von den stereotypischen Denken,
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also von Dualismus geprägt ist.
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Und deswegen kommen dann halt solche Sachen. Und das will ich da,
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also ich will jetzt das nochmal so ein bisschen erklären.
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Aber ich glaube, das muss man dann nochmal so als Größe mit reinberechnen.
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Wenn man Karma hört, sollte man jetzt nicht auf diese esoterische Denkweise,
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sondern versuchen, das im asiatischen Kontext dann so zu sehen.
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Ja, also auch dieses ganze Tod und Wiedergeburt, das ist auch alles so eine
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Sache, die muss man einfach auch nicht glauben. Ja, und das ist halt auch so.
Micz Flor
0:37:49–0:37:53
Du musst nichts glauben im Buddhismus. Da hat sich nämlich die Frage mir zusammengebaut,
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die frage ich jetzt, auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich vielleicht damit
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unterbreche, weil du gerade gesagt hast, man muss nicht glauben oder so.
Florian Clauß
0:38:00–0:38:00
Ja.
Micz Flor
0:38:00–0:38:05
Ja, jetzt gibt es ja zum Beispiel in der katholischen Kirche die Oblate und den Wein.
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Und dann wird halt aus der Oblate wird halt der Leib und aus dem Wein wird das Blut.
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Und dann wird das natürlich diskutiert, wird das jetzt da wirklich draus?
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Muss ich glauben, dass das wirklich wird?
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Oder kann ich das auch einfach nur mitmachen?
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Oder warum ist es okay, wenn ich einfach nur mitmache? Wenn ich es nicht glaube,
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komme ich dann trotzdem im Himmel und Paradies und so weiter?
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Das heißt, da stecken dann immer so grundlegende Fragen drin,
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die einerseits den Glauben fordern und die aber andererseits auch über die Zeit
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hinaus sich verändern. Also man würde heute,
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Es würden sich sehr viele, glaube ich, schwer tun, zu denken,
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dass aus der Platte wirklich der Leib wird.
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Und das heißt, das, was du gerade gesagt hast, mit diesen Göttern und den Tieren
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und die Geister mit den kleinen Mündern, ist das was, was auch dann neu rezipiert
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wird, was dann vielleicht einen symbolischen,
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einen rituellen Charakter bekommt, wo man dann auf einmal sich zurückzieht und
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drauf schaut und nicht mehr sagt, was es ist, sondern was es bedeutet und wie
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wir darin werden, wenn wir teilnehmen.
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Ist es so, dass sich die Lehre verändert, um gleich zu bleiben oder verändert
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sie sich wirklich oder bleibt es bei dem, was damals schon aufgeschrieben wurde?
Florian Clauß
0:39:21–0:39:27
So diese Daseinsbereiche, das ist auch geprägt durch den tibetischen Buddhismus.
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Ich kann es dir gar nicht sagen, ob es da auch wirklich so eine Sichtweise dann
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zur Zeit Buddhas dann so war, aber wahrscheinlich ansatzweise.
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Ich weiß nicht, ob Veränderungen, das war ja die Frage danach,
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wie sich das dann verändert.
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Das ist, glaube ich, eine Form von, wir betrachten das und finden das erstmal
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jetzt als Kultursystem ungewöhnlich.
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Und ich glaube, es ist eher so die Frage mit diesem kulturellen Hintergrund
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des westlichen Abendlandes.
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Während in östlichen Traditionen und in östlichen Kulturen solche Sachen viel
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verbundener sind, der Animismus.
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Also wir haben ja auch das schon mal so im Bereich des japanischen,
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es gibt im tibetischen, die eine Erklärung, warum sich der Buddhismus da so
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gut ausgebreitet hat, ist eben, weil er diese ganze Bönn,
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also den Schamanismus, den schamanistischen Ritualen, die in Tibet damals vorgeherrscht
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haben, hat er mit transformiert.
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Und das heißt auch vieles von dem, was jetzt diese Höllenbereiche und so,
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das kommt aus so einem gewissen...
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Ich will mich jetzt nicht zu weiter erwähnen, aber ich glaube,
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es ist auch sehr schamanistisch.
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Also es gibt dann zumindest so in diesen Schützer, also es gibt im buddhistischen,
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im tibetischen Buddhismus dann die Schützer.
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Und die sind auch transformierte Geistesgifte.
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Also vorher eine Schutzenergie ist dann vorher mit sehr viel Aggression.
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Also Mörder oder irgendwelche Leute, die rumgezogen sind und andere Leute dann
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halt unterdrückt haben. Die können sich transformieren.
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Das ist halt auch wie dieses biblische Prinzip Saulus, Paulus.
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Ja, die können sich in so Schützer transformieren.
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Und das heißt, im tibetischen Buddhismus hast du dann halt so diese ganzen Bönnsch,
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also diese ganze Schutzmacht, das hast du auch im Chinesischen teilweise,
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kommst in einen Tempel rein und du siehst halt die Schützer,
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die dann erstmal auch quasi bewahren, um was draußen zu bleiben.
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Also die nicht mehr in dieser Aggression arbeiten, sondern dann ist diese Transformation
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der Aggression, ist dann spiegelgleiche Weisheit. Das heißt,
0:41:33–0:41:35
sie können ganz genau unterscheiden.
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Also sie haben nicht mehr diese Emotionen von in dem Moment spürbar,
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sondern die haben eigentlich nur noch die Qualität.
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Weil Aggression ja auch, wenn du aggressiv wirst, ich weiß nicht,
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bei dir selber kennst du wahrscheinlich gar nicht.
0:41:50–0:41:54
Aber die Aggression ist ja dann auch häufig, also ich werde aggressiv,
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wenn ich mich ungerecht behandelt fühle.
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Straßenverkehr, typische Situation, fahre mit dem Auto, blinkt nicht, schneide mir den Weg ab.
Micz Flor
0:42:01–0:42:04
Aber im Straßenverkehr ist es... Im Straßenverkehr ist das...
0:42:05–0:42:08
Perfide ja, dass alle sich ungerecht behandeln. Wenn einer hupt,
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hupten alle, weil alle haben einen Ring.
Florian Clauß
0:42:10–0:42:14
Aber es gibt ja gewisse Regeln, wo klar ist, dass es, ich bin heute auch mit
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dem Rad unterwegs gewesen, einer biegt dann rechts ab, ohne zu blinken,
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will parken, ich komme dann halt irgendwie fett schon lang, dann kriege ich schon Puls einfach.
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Und die Frage ist halt so, du erkennst in dieser Situation sehr genau,
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dass sich der andere, also der andere falsch verhält.
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Deswegen, bis du so aufbrauen und diese Qualität der Erkennung,
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was jetzt richtig und falsch ist in dem Moment, ja, wie auch immer,
0:42:40–0:42:44
das ist transformierte Energie von dem Störgefühl Aggression und es gibt dann
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halt solche Sachen, ich greife jetzt doch vor, weil das finde ich einen sehr spannenden,
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Aspekt vom tibetanischen Buddhismus, den man vielleicht auch ansatzweise in
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irgendwelchen therapeutischen Sachen umsetzen könnte oder macht sowieso.
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Störgefühle sind zum Beispiel Dummheit, ja, das ist Verblendung,
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so, dann gibt's Es gibt Eifersucht, es gibt Neid, es gibt dann die Aggression und was war das Fünfte?
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Ich habe es gerade vergessen, ich gucke gleich nochmal.
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Aber dass die sich dann halt auch so transformieren können in so verschiedene
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Aspekte. Und das hat dann halt, der ganze tibetische Buddhismus hat das dann
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halt auch in so einem System.
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Himmelsrichtung, Farben, Yiddams, also Yiddams sind Meditationsaspekte.
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Bodhisattvas sind dann halt von dieser einen Energieform, dann bestimmte Buddha-Ausstrahlungen,
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Also Buddha ist quasi immer das Ganzesvolle, aber dann gibt es halt mal Aspekte
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wie Manjoshri, der Bodhisattva des Wissens ist,
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oder Shen Resig, des Mitgefühls, oder Öpama, das grenzenlöse Licht.
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Also das sind so Aspekte, die sich dann in diesen einzelnen Ableitungen ausbringen.
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Das hat einen unglaublichen visuellen Reichtum und das ist auch die Meditationspraxis.
0:44:00–0:44:03
Aber vielleicht können wir dann nochmal, bevor wir jetzt wieder vorgreifen,
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über die Meditationspraxis, die bei Buddha dann so üblich war.
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Er hat ja, wie gesagt, die Askese, das ist ja auch eine Form von Meditation, diese Entsagung.
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Und da gibt es durchaus so spirituelle Zustände, wo man dann auch sowas erleben
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könnte wie Erleuchtung.
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Oder dass zumindest der Sinn davon ist. Also Erleuchtung hier,
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immer die Frage von Leid zu überwinden.
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Ja, das ist ja so, dass ich will nicht mehr Leid erfahren.
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Die Meditation, die Buddha gemacht hat, ist im Prinzip die Meditation,
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die wir am Anfang gemacht haben. Einfach nur atmen.
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Es war jetzt gar nicht mehr groß, irgendwas vorstellen oder sowas.
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Und nur durch lange und kurze Atmung dann entsprechend auch in so eine Versenkung
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zu kommen. Und es wird gesagt, es gibt so zwei Arten von Meditation,
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wie so zwei Flügel eines Vogels.
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Die eine ist dann so mehr oder weniger ausgerichtet auf so eine Versenkung,
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also dieses Versenken, dass du dann halt auch wirklich so eine spirituelle Erfahrung
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in der Versenkung haben kannst.
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Und die andere ist eigentlich eher so eine Form des Erkennens.
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Dass jetzt auch so, wenn du mir auch irgendwelche YouTube-Videos anschaust zur
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Meditation und so weiter, da gibt es ja auch immer so diese Gegenstandsmeditation.
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Also das ist ein extremes Bewusstsein im Raum.
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Bewusstsein für die Situation, dass du da so mit Analyse drauf bist.
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Gar nicht so versenkst, so weggehst.
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Und dann guckst halt, ah, okay, jetzt hier, das betrachten. Diese beiden Formen,
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das ist so die, die er empfiehlt, um dann das als Mittel einzusetzen,
0:45:43–0:45:45
um zur Erleuchtung zu kommen.
Micz Flor
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Und wie weiß ich als meditierende Person?
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Welche Meditationen ich gerade mache? Welche der beiden? Also wie erlebe ich den Unterschied?
Florian Clauß
0:45:56–0:45:59
Ich glaube, das ist dann angeleitet. Also ich glaube, das ist halt,
0:45:59–0:46:06
also es geht auch bei diesem achtfachen Pfad, es geht grob, also acht Teile, acht Pfade.
0:46:06–0:46:13
Und es geht um Weisheit, Ethik und quasi Sammlung im Sinne von Konzentration.
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Die Weisheit ist halt rechtes Erkennen, rechte Gesinnung. Also diese Einstellung erstmal zu haben.
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Ja, ich möchte zum Wohle aller fühlenden Wesen, möchte ich das Leid überwinden.
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Das ist so diese Einstellung. Und ich habe einen Menschenkörper und ich kann
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den nutzen und so weiter.
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Das ist halt so dieses Werkzeug und diese Einstellung, sich da weiterzuentwickeln.
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Und ich möchte halt auch entsprechend da mal lernen und lernen.
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Dann gibt es die Ethik, rechte Rede. Also da wird auch stark auf Rede Acht gegeben,
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also nicht durch seine Worte anderen schaden.
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Rechtes Handeln ist natürlich dann halt keinem auch mit seinen Handlungen zu töten und so weiter.
Micz Flor
0:46:55–0:46:59
Handlungsakt, Theorie der Frankfurter Schule.
Florian Clauß
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Dann gibt es den rechten Lebenserwerb.
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Das bedeutet, es wird nicht so gut angesehen, wenn du dann halt in einem Schlachthof arbeitest.
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Es geht aber nicht darum, dass es verboten ist, sondern es sollte vermieden werden, ja.
Micz Flor
0:47:14–0:47:17
Das ist so eine Sache, an die ich mich auch erinnere. Das hatten wir doch als
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Gespräch, dass das vegetarisch Essen,
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Keine Forderung oder so sein kann man essen, was man will, aber das Töten der
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Tiere, das wäre halt das eigentliche Problem.
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Aber wenn jemand anderes das Tier getötet hat, dann ist man da karmamäßig nicht belastet.
Florian Clauß
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Ja, und es gibt tatsächlich, also das ist zum Beispiel im tibetischen Raum sind
0:47:39–0:47:43
die Anhänger des Buddhismus nicht unbedingt Vegetarier,
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Weil einfach die Vegetation und diese, also jetzt auch wie Tibet gelegen ist,
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nicht die Möglichkeit gibt, dass man sich komplett fleischlos erlernt.
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Deswegen gibt es eine eigene Kaste auch, die dann das Leid auf sich nehmen.
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Also sie wissen, dass karmatechnisch ist es halt nicht gut zu töten.
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Aber die machen das halt für die anderen. Also das heißt, es wird also mit diesem
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Respekt voll für andere und so weiter.
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Es ist jetzt nicht so die ausgesetzten, ausgestoßenen Kasse,
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sondern die anderen wissen das total zu wertschätzen, dass die jetzt das Tier
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umbringen und sie das nicht machen müssen.
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Also es wird dann halt auch entsprechend gewertschätzt und dann spricht man
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Wünsche für die und so weiter, dass die dann halt auch ein besseres Leben bekommen.
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Also das heißt, es ist auch da nur eine Empfehlung, weil Buddha selber hat,
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also man kann ja nicht immer genau sagen, Aber es war wohl so,
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dass er dann halt schon so diesen Vegetarismus, wenn es geht,
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dann halt gesagt hat, also weil Tiere auch fühlende Wesen sind,
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sollte man halt nicht essen unbedingt.
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Aber immer so in dem Bereich, wie es halt geht, ne?
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Dann diese Konzentration, das Rechtes Bemühen, Achtsamkeit, Konzentration,
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also dass man sich halt auch keine rauschhaften Substanzen nimmt unbedingt,
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dass man halt irgendwie so auf seinen Körper achtet.
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Also es ist alles so von diesem mittleren Pfad, weil er selber diese Extreme kennengelernt hat.
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Ich weiß nicht, ob er dann so stark sich irgendwelche rauschhaften Substanzen
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eingeworfen hat, aber davon gehe ich jetzt nicht.
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Aber es geht schon so darum, alles Extreme sofort zu vermeiden und so Bedingungen
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zu schaffen, dass man da so gut in der Mitte bleibt und dann eben praktizieren kann.
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Und das Praktizieren ist dann Dharma, also 88.000 Belehrungen.
Micz Flor
0:49:35–0:49:39
So wie ich das verstehe, ganz kurz, ist dieser mittlere Weg könnte,
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also ich versuche das jetzt mal so runterzubrechen und zu sagen,
0:49:43–0:49:45
mittlere Weg heißt eigentlich in der Welt sein.
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Wenn ich ganz asketisch lebe, bin ich nicht wirklich in der Welt.
0:49:48–0:49:50
Dann bin ich in einer Randerscheinung,
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die irgendwie einen eigenen Weg verfolgt, der aber nicht zwanglos,
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sage ich mal, mit der Welt verbunden ist, sondern ich lege mir einen Zwang auf,
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um in dieser Situation, in dieser Spannung zur Welt zu bleiben.
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Und was er vorher erlebt hatte, das Reich, die Reichsfamilie,
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der Überfluss, ganz leidlos, das ist jetzt auch nicht wirklich in der Welt sein,
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sondern das ist ein Sonderweg. Ja, auch das ist wieder was anders ist, aber wenn er jetzt,
0:50:16–0:50:22
den Mittelweg geht, dann ist das der entspannteste Weg in der Berührung mit
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der Welt, wie sie ist vielleicht oder so.
Florian Clauß
0:50:24–0:50:32
Genau. Also da, wo man als Individuum wahrscheinlich am wenigsten so negative
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Energien aufbaut oder Hindernisse hat oder sowas. Also das heißt...
Micz Flor
0:50:36–0:50:38
Und sich irgendwie am besten auch entspannen kann.
Florian Clauß
0:50:39–0:50:39
Auch entspannen, genau.
Micz Flor
0:50:41–0:50:43
Wenn ich die ganze Zeit den Reis nicht will, klar, denke ich an nichts anderes.
Florian Clauß
0:50:44–0:50:48
Genau. Um dann halt seine Bedingungen dann so am besten nutzen zu können.
0:50:48–0:50:50
Ich meine, das merkt man ja selber.
0:50:50–0:50:53
Du willst ja auch nicht die ganze Zeit keine Ahnung, in so einem Stress.
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Man kann ja gucken, wie man sein Leben so organisiert, dass man halt bestimmte
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Sachen vermeidet oder wenig Stress hat.
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Zum Beispiel nicht direkt am Kotti wohnen oder sowas. Also vielleicht Anekdote
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dazu, also viele von seinen Dama-Lehren, die dann aufgeschrieben wurden,
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sind auch dann so Gleichnisse.
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Sie sind auch schön zu lesen. Ich habe noch so ein altes Buch Und die Formulierungen
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sind so ein bisschen wie so eine Bibel, wo man so eine komplizierte,
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konstruierte Sprache hat. Aber die Geschichten sind ganz schön.
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Zum Beispiel als Buddha dann lehrt, ja, und dann kommt ein Typ auf ihn zu und
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ist halt total aufgebracht und beschimpft ihn die ganze Zeit, ja.
0:51:33–0:51:36
Was er da alles irgendwie so macht und was er alles so.
0:51:36–0:51:42
Und Buddha hört sich das so recht gleichmütig an und man fragt ihn dann halt
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so, erwiesen, dass wenn du jemandem was schenken willst und,
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der es nicht annimmt, wem gehört das Geschenk? Und dann sagt der Mann so,
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der, der es mitgebracht hat, also mir gehört es dann, ja.
0:51:57–0:52:00
Und dann sagt Bruder, ja, und so ist es mit deinen Beschimpfungen.
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Das heißt, die nehme ich nicht an, die gehören dir. Mach was draus.
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Und das ist ja nicht so, dass er dann irgendwie aggressiv oder emotional darauf
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eingeht, sondern dann einfach sagt, okay, gleich mal, ich höre mir das an und
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okay, hab nichts mit mir zu tun.
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Oder eine andere Geschichte ist, ist das so ein Mörder.
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Es wird auch immer so plastisch schön beschrieben, dass der die ganzen Finger
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von seinen Opfern als Kette um den Hals trägt.
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Also wo er wirklich so ein bisschen... Und der will halt Buddha umbringen,
0:52:32–0:52:34
als dann halt Buddha dann durch den Wald geht.
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Und Buddha geht halt und dann sagt er so, hey, dann bleib stehen.
0:52:38–0:52:40
Und Buddha sagt, ich stehe schon.
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Bleib auch du stehen. Und in dem Moment ist er halt total bekehrt.
0:52:43–0:52:46
Weil in diesem Moment, ah, konnte ich ihn nicht einholen.
0:52:47–0:52:51
Aber die eigentliche Geschichte davon ist, dass dieser wird dann sofort Buddha-Anhänger,
0:52:52–0:52:55
aber er wird dann halt immer, wenn die irgendwo auftauchen, wird er dann halt
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mit Steinen beworfen und wird halt irgendwie so ein bisschen angegangen,
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weil er halt diese ganzen Leute.
Micz Flor
0:53:01–0:53:06
Das mit den Fingern und diesem Stein, vor allem habe ich so Manga-Animation,
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80er-Jahre-Ästhetik, wo er so, uh, uh, uh, und dann große Augen und bleib stehen, du stehst schon.
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Also diese große Emotion.
Florian Clauß
0:53:16–0:53:19
Ich passt, glaube ich, ganz gut rein. Aber nur, das ist halt,
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Karma wirst du nicht los, auch wenn du dann halt irgendwie sagst,
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so aber das ist ein ganz gutes Beispiel für Karma, das ist halt auch innerhalb
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von einem Leben dann passiert, jetzt nicht über die verschiedenen Lebenszeiten, sagt man auch, aber,
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wenn du halt die ganze Zeit irgendwie Leuten schräg kommst, dann,
0:53:35–0:53:39
auch wenn du dich geändert hast, irgendwann kommt das dann halt aus der Vergangenheit
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zurück und Ole hat immer gesagt, so wie es halt irgendwie aus dem Wald schallt,
0:53:44–0:53:45
ist, wie es hier reingerufen wird.
0:53:46–0:53:50
Also es ist halt irgendwie so ein Echo, das dann in irgendeiner Form zurückkommt.
0:53:51–0:53:55
Aber ja gut, das sind so alles so Weisheiten, das ist ja alles nichts Neues.
0:53:55–0:53:59
Es hat sich da, glaube ich, auch in der eigenen Kultur schon so weit breitgetreten,
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dass man da jetzt nicht irgendwie was überraschend Neues erzählt.
0:54:02–0:54:06
Aber ich finde es erstaunlich, dass es so ein Ethiksystem ist,
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was immer noch so, wenn du irgendwelche Lebenshilfebücher guckst oder YouTube-Kanäle folgst,
0:54:14–0:54:19
immer ist dann, also wenn es um so Leitvermeidung, Glück geht,
0:54:19–0:54:25
Dann kommst du zwangsläufig immer irgendwie auf so eine Form von Buddhismus,
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die da auch mit drin schwingt.
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Und das sind halt so einfache Regeln. Also diese achtfache Fahrt,
0:54:30–0:54:32
ja, damit kommt man weiter.
0:54:32–0:54:36
Und dann halt, wie gesagt, in der Kombination mit der Meditation hat man die
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Möglichkeit, da auch entsprechend die Erleuchtung zu erreichen.
Micz Flor
0:54:39–0:54:44
Ja, ich habe eine Frage dazu, weil es ist so, dass diese acht,
0:54:44–0:54:46
Wie heißt es? Achtfache Pfad?
Florian Clauß
0:54:46–0:54:46
Ja.
Micz Flor
0:54:47–0:54:51
Ähnlich wie die zehn Gebote, aber ganz anders. Aber irgendwie was ist,
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was das soziale Miteinander ja auch beschreibt.
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Also wie man sich selbst gegenüber sein soll, aber auch wie man im Umgang mit anderen sein soll.
0:55:01–0:55:05
Und der Buddhismus, die Erleuchtung, das Karma sind Sachen, die sind sehr an mir.
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Und Karma ist aber was, was auch irgendwie entsteht oder sich verändert in der
0:55:12–0:55:13
Interaktion mit anderen Menschen.
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Und mich würde jetzt interessieren, geht es im Buddhismus primär um das Individuum?
0:55:21–0:55:25
Also wenn man jetzt sagen würde, so im christlichen Ich komme in den Himmel,
0:55:25–0:55:27
bei Freud, Ich werde gesund.
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Also das ist ja kein psychischer Raum, es ist ein auratischer Raum wahrscheinlich oder so.
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Geht es um das Individuum, dass durch die Interaktion mit anderen und das Sein
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in der Welt einen Schritt weiterkommt, in Anführungszeichen,
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oder erlöst wird oder gesundet, wie auch immer man es nennen möchte.
0:55:46–0:55:50
Oder ist im Buddhismus auch so etwas angelegt wie etwas Feldhaftes der Verbindung?
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Dinge, die, weil natürlich, wenn ich eine andere Person brauche,
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um etwas tun zu können, dann ist da eine Abhängigkeit zur Person.
0:56:01–0:56:06
Aber ich meine darüber hinaus etwas Feldhaftes in der Gemeinde oder etwas,
0:56:06–0:56:10
was ich eben nicht kontrollieren kann oder was, was nicht in mir entsteht oder
0:56:10–0:56:13
in der Interaktion als Funktion zwischen zwei Menschen entsteht,
0:56:13–0:56:15
sondern eher als Gefüge,
0:56:15–0:56:18
Feld, Atmosphäre oder so entsteht. Weißt du, wie ich war?
Florian Clauß
0:56:18–0:56:22
Ja, vielleicht kann ich dazu auch eine Geschichte erzählen.
Micz Flor
0:56:22–0:56:22
Ja, gerne.
Florian Clauß
0:56:24–0:56:30
Auch eine Geschichte, die sich dann wohl so abgespielt hat, dass eine Frau,
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die ihren toten Säugling auf den Arm hat, kommt völlig verzweifelt zum Freund.
0:56:39–0:56:42
Der empfiehlt ihnen, geh mal zum Buddha, der ist gerade in der Stadt und frag ihn.
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Und sie kommt dann eben total aufgelöst und in tiefster Trauer und fragt so,
0:56:49–0:56:52
Buddha, ja, sie soll ihr Kind wiederbeleben.
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Und dann sagt Bruder, ja, bring mir doch aus dem Haus, wo kein verwandter Familienangehöriger,
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Kind oder so gestorben ist, bring mir doch einen Senfkorn.
0:57:05–0:57:10
Und dann geht sie los und fragt alle Möglichen und stellt halt fest,
0:57:10–0:57:14
dass in jedem Haus eben jemand irgendwie gestorben oder so.
0:57:14–0:57:18
Und kommt halt zurück und sagt, ich habe keinen Senfkorn.
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Und so, ja, weil alle Tod und Leid erfahren.
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Und das ist jetzt der Schritt, du hast ja gesagt, von der Ich-Erfahrung.
0:57:28–0:57:32
Buddha spricht von einer Ich-Illusion. Also es gibt kein Ich,
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weil alle Menschen irgendwo eine gleiche Erfahrung haben.
0:57:36–0:57:39
Und das ist Alter, Krankheit, Tod, Leid.
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Und das ist so eine Konstitution.
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Und das heißt, da wird es ja dann quasi überindividuell. Weil diese Erfahrungen
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machen alle. und deswegen gibt es mich als Person nicht.
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Es wird aufgelöst, weil ich diese Erfahrung genauso wie alle anderen lebenden Wesen mache.
0:57:59–0:58:02
Ja klar, ich meine natürlich hast du eine Individualität und so weiter,
0:58:02–0:58:06
aber im Buddhismus wird dann eben auch von einer Ich-Illusion gesprochen.
Micz Flor
0:58:07–0:58:10
Dann bemühe ich jetzt als Analogie oder als Illustration.
Florian Clauß
0:58:10–0:58:14
Oder lass mich noch ganz kurz sagen, weil aus dieser Erfahrung heraus,
0:58:14–0:58:17
dass alle das haben, kann ich ja mit Gefühl entwickeln.
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Und das stärkt halt die Gemeinschaft. Also da ist dann quasi die konstituierende Größe.
0:58:23–0:58:26
Und das ist ja das, was man auch bei diesen ganzen Artedokumentationen über
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irgendwelche Klöster im Himalaya, dass die alle so nett sind.
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Wenn du das so als Lebensform hast oder als Leben dann halt auch praktizierst,
0:58:40–0:58:43
dann ist es so, dass du einen unglaublich großen Respekt gegenüber anderen hast
0:58:43–0:58:45
und dementsprechend auch ein Mitgefühl.
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Und das ist natürlich total bindend und gemeinschaftsstärkend.
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Das ist so diese Sangha, die dahinter steht. Das wollte ich noch anbringen.
Micz Flor
0:58:55–0:59:01
Ich wollte jetzt noch als ein Bild von dir auch, ob ich das richtig verstanden habe.
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Vielleicht hast du dieses Bild auch so gut beschreiben können,
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weil du eben vor diesem geistigen Hintergrund die Welt gesehen hast.
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Aber du hattest mal sowas in der Art gesagt, wenn man sich halt so den Wald
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komplett vorstellt, der Wald ist das, was man vor sich hat, dann sind halt die
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Bäume nur noch die Früchte vom Wald.
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Aber jeder Baum ist nicht mehr einzeln, sondern der Wald ist das,
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was man sich anschaut. Und dann gehören Bäume dazu.
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Aber wir gucken uns nicht den Baum an, sondern die Bäume sind halt so eine Art ...
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Ja, energetische Quantenraumverdichtung oder so auch, ne?
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Und so kam mir das gerade vor, als du beschrieben hast, dass es das Ich als
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Ich-Illusion so nicht gibt.
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Also man sieht dann den Wald vor lauter Bäumen nicht.
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Und der Weg wäre dann eben, die Bäume mit den Bäumen natürlich zu sein und dahinter
0:59:47–0:59:52
aber auch mehr erleben zu können, nämlich Teil dieses Waldes zu sein, oder?
Florian Clauß
0:59:52–0:59:56
Also weil dein letzter Satz war jetzt Teil des Waldes zu sein,
0:59:56–1:00:02
also jetzt nicht ein Baum zu werden, sondern Teil des Waldes ist halt der Wald
1:00:02–1:00:05
als Struktur, als Feld quasi.
1:00:05–1:00:08
Und wenn du sagst, Teil des Waldes ist dann halt, ich bin nicht der einzelne
1:00:08–1:00:14
Baum, sondern ich bin quasi in diesem Informationsnetzwerk irgendwo mit verbunden.
Micz Flor
1:00:14–1:00:17
Ja, also wenn wir jetzt über Informationen reden, dann wäre natürlich das Bild
1:00:17–1:00:19
zu sagen, der Wald, was ist ein Wald?
1:00:19–1:00:21
Der ist nicht nur die Bäume, sondern das ist die Pilze, Myelinschichten,
1:00:21–1:00:25
die irgendwas, die da unter Mühe ziehen, Entschuldigung, was da unten so läuft.
1:00:25–1:00:27
Also alles das, was wir eigentlich gar nicht sehen können, ist der Wald.
1:00:28–1:00:31
Und das wir aber gar nicht benennen, wenn wir Wald sagen. Aber trotzdem ist
1:00:31–1:00:35
das mehr Wald als die Bäume, die wir eigentlich als Wald sehen.
1:00:35–1:00:37
Wenn wir alle Bäume gesehen haben, denken wir, wir haben den Wald gesehen.
1:00:37–1:00:41
Aber der Wald ist halt irgendwie das, was wir gar nicht sehen können.
Florian Clauß
1:00:41–1:00:45
So meinte ich das. Nee, verstehe. Ja. Das ist ein schönes Bild.
1:00:45–1:00:46
Aber ich habe das nicht gesagt.
Micz Flor
1:00:46–1:00:47
Doch, du hast das gesagt.
Florian Clauß
1:00:48–1:00:50
Echt? Ich dachte, du hättest das die ganze Zeit.
Micz Flor
1:00:50–1:00:51
Nee, du hast du hättest.
Florian Clauß
1:00:51–1:00:55
Wie ist das wirklich? Das ist voll die Illusion.
Micz Flor
1:00:55–1:00:56
Na gut, ich habe es gesagt.
Florian Clauß
1:00:57–1:00:57
Na toll.
Micz Flor
1:00:58–1:01:01
Das wäre schlecht für meinen Karma. Entschuldige, damit mache ich keine Witze.
1:01:01–1:01:02
Da vorne ist eine Pusteblume.
Florian Clauß
1:01:02–1:01:09
Ja. Wenn das jetzt für dich okay ist, würde ich dann nochmal ein bisschen so
1:01:09–1:01:14
diese historische Einordnung, warum der Buddhismus dann...
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Ja, das ist vielleicht immer ganz interessant, weil das dann so ein bisschen
1:01:18–1:01:22
auch um Schriftkultur und so weiter geht. Also Buddha ist ja zu einer Zeit geboren.
1:01:23–1:01:25
Jetzt kommen auch wieder so diese ganzen...
1:01:25–1:01:28
Diese ganzen Geschichten, die man da irgendwie glauben muss,
1:01:28–1:01:32
oder auch einfach nur als Geschichten wahrnehmen kann.
1:01:32–1:01:38
Also Buddha ist die dritte Wiedergeburt, also der Buddha Shakyamuni ist die
1:01:38–1:01:39
dritte Wiedergeburt eines Buddhas.
1:01:40–1:01:43
Es werden tausend kommen, das sind so die Prophezeiungen, er ist die dritte.
1:01:44–1:01:49
Wenn dann eine Buddha-Natur quasi in die Welt tritt, dann hat die erstmal so
1:01:49–1:01:52
ein unglaubliches Feld, so ein Kraftfeld.
1:01:52–1:01:56
Das heißt, so ist es wahrscheinlich auch zu erklären aus einer buddhistischen
1:01:56–1:02:03
Sicht, dass die Leute, die dann in der Nähe von Buddha Shakyamuni oder von Siddhartha
1:02:03–1:02:07
waren, dass die sich gar nicht groß anstrengen mussten.
1:02:07–1:02:10
Das war halt so wie so ein Jetstream im Energiefluss.
1:02:10–1:02:14
Du konntest dich einfach so dranhängen und er hat eine unglaubliche Energie
1:02:14–1:02:16
gehabt und du musstest halt auch nur noch atmen und dann warst du halt schon
1:02:16–1:02:18
so ziemlich weit in der ganzen Welt.
1:02:18–1:02:21
Also so kann man sich das vorstellen und das ist tatsächlich so,
1:02:21–1:02:25
das habe ich dann mal von so einem Rindpoche, der dann halt auch,
1:02:25–1:02:31
ich bin ja auch dann viel zu Vorträgen gegangen und Einweihung nennt man dann auch so Rituale.
1:02:32–1:02:36
Aber so ein Rinpoche hat mal erzählt, dass je weiter weg dann historisch der
1:02:36–1:02:41
Buddha ist, desto weniger lässt diese Energie nicht mehr so da.
1:02:41–1:02:47
Deswegen ist auch ein Grund, warum sich dann der tibetische Buddhismus wahrscheinlich
1:02:47–1:02:49
so ausgeprägt hat in der Visualisierung,
1:02:50–1:02:55
weil der einfach nochmal so durch diese tantrischen Konzepte der Verbindung
1:02:55–1:02:57
ist es nochmal ein bisschen schneller.
1:02:57–1:03:00
Also das ist das Versprechen vom tibetischen Buddhismus, du kannst Erleuchtung
1:03:00–1:03:01
innerhalb eines Lebens erlangen.
1:03:01–1:03:08
Wenn du dich auf diese Guru, auf das Guru-Yoga heißt es, also quasi diese Verbindung
1:03:08–1:03:11
von Lehrer, Schüler, das du einstellst, kannst du zack dadurch.
1:03:12–1:03:16
Also deswegen gibt es so ein bisschen andere Mittel. Deswegen hat sich auch
1:03:16–1:03:20
Mahayana, der sich dann eher im Japan ausgebreitet hat, der Buddhismus,
1:03:20–1:03:25
dann nochmal auch so andere Formen ausgeprägt, die dann halt nicht mehr nur
1:03:25–1:03:31
Atmen waren, sondern dann wurde diese ganze Meditation ritualisiert oder verstärkt durch.
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Der Atem ist dann im tibetischen Buddhismus so, dass du dann eine Verbindung
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aufbaust und hat nicht mehr nur diese reine Atemfunktion, sondern du hast dann ein anderes Ziel.
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Du arbeitest mit Visualisierung, dass du dir den Karmapaar vorstellst oder irgendwelche
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Jedams, irgendwelche Aspekte, Buddhas und so weiter, stellst du dir dann visuell vor.
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Es gibt dann Sachen, es gibt dann halt auch so Gesten, die sind auch alle voll
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normiert, wie dann halt irgendwie, ob dann eine Schädelschale geschalten wird
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oder ob dann die Finger zum Boden zeigen,
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ob dann bestimmte Ritualgegenstände getragen werden. Das stellst du dir alles vor.
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Und dann gibt es halt auch immer so Formen von irgendwelchen energetischen Bewegungen.
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Also Energie im Sinne von wirklich mechanisch. Also du siehst dann tatsächlich
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Sachen tropfen auf dich, durch dich durch. Du siehst strahlendes Licht,
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was dann auch in dich strahlt.
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Du hast dann irgendwelche Verkettungen, wie so eine Fahrradkette,
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wo dann halt so die Maler, genau.
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Die Maler sind im Prinzip diese Steine, wo ich dann halt meine Mantren erzähle.
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Mantren bekommen eine total starke Bedeutung. Die Mantren auch im tibetischen
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Buddhismus, die drücken dann auch bestimmte Formen von Aspekten des Geistes
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aus. Ja, OM ist dann immer so ein Öffnen.
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Das ist auch so ein öffentliches Mantra, das man sagen kann.
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Andere Mantren, die sind dann quasi eine geheime Übertragung.
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Die darf man dann nicht öffentlich machen.
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Die kannst du nur, wenn du wieder diese Einleihung bekommen hast.
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Aber was wollte ich eigentlich erzählen? Warum mache ich gerade diesen Bogen?
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Genau, ich will sagen, dass das war für mich halt nochmal eine Frage.
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Die Zeit, wo Bruder geboren wurde, ist eine Zeit, wo auch natürlich die ganzen
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griechischen Philosophen auch aktiv waren.
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Das heißt, aus einer spirituellen Weltbetrachtung heraus war es eine Zeit,
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wo eine unglaubliche, also weltweit dann halt so Erkenntnis da war.
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Also weil ja Buddha in die Welt geboren wurde. Ja, da gab es halt so,
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das kannst du dir wie gesagt, Mangamäßig vorstellen, so ein Geistesblitz,
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der dann halt über die ganze Welt...
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Und da gab es derzeit zum Beispiel Heraklit, der dann auch, man kann nicht zweimal
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in den gleichen Fluss steigen, Ja, also auch diese Vergänglichkeit dann halt
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auch so erkannt hat in der Pythagoras war da,
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also auch so die ganzen Griechischen, die ganz ähnliche Beobachtung gemacht
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haben und dann natürlich...
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Nicht in diese Empirie gegangen sind, weil bei Buddha ist es halt ein ganz starker
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Empirismus, sondern eher dann in diese Erkenntnistheorien.
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Also nicht die Frage, was ist das Ich, sondern wie substanziert sich das Ich,
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sondern bei Buddha eher die Frage, gibt es das Ich überhaupt?
1:06:21–1:06:24
Also es sind so andere Fragestellungen, die da auftauchen.
1:06:24–1:06:29
Und erst 400 Jahre später, und das ist glaube ich auch wieder mit so Weltgeschichte,
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wann entwickelt sich Schriftsysteme und so weiter, wurden die aufgeschrieben.
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Und man muss aber sagen, dadurch, dass es so eine ganz starke Übertragung war,
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also das heißt diese Lehren, die Buddha gegeben haben,
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da waren ganz viele, die das immer gehört haben und die das dann auch die ganze,
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da kommt wieder Memo-Technologie ins Spiel.
Micz Flor
1:06:49–1:06:52
Ich kann dir gerade nicht folgen, weil die Frau hinter dir ganz,
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Sie hatte seit Jahren schon dieses Gefühl, dass die Energie,
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dass sie auf die Energie wartet, bis endlich jemand sagt, los geht's.
Florian Clauß
1:07:05–1:07:06
In Englisch. Ah ja.
Micz Flor
1:07:07–1:07:08
Jetzt läuft sie weg.
Florian Clauß
1:07:08–1:07:08
Okay.
Micz Flor
1:07:08–1:07:12
Das ist hinter mir. Deshalb konnte ich da jetzt, aber das wollte ich jetzt noch
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irgendwie klären, weil jetzt hängt ja alles mit allem irgendwie auch zusammen.
Florian Clauß
1:07:15–1:07:16
Ja, jetzt muss man darauf achten.
Micz Flor
1:07:20–1:07:20
Okay.
Florian Clauß
1:07:20–1:07:25
Okay, also ich merke schon, dass es jetzt wahrscheinlich länger werden wird,
1:07:25–1:07:30
wenn ich jetzt noch diese beiden Teile, die ich jetzt noch mit dir besprechen will,
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also über Vajrayana und über was hat uns Freud und Buddha, was haben die so
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gemein und dass man da in der Psychoanalyse von Analogien findet und im Buddhismus.
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Deswegen würde ich jetzt vorschlagen mit, dass wir vielleicht jetzt hier an
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dieser Stelle eine künstliche Pause machen für unsere Zuhörerinnen,
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aber dann noch weitersprechen, weil ich glaube, das ist jetzt nochmal eine bestimmte Stunde oder so.
Micz Flor
1:07:56–1:07:59
Genau, wie Herr Klitscher sagt, wir sind in dem einen Fluss und stehen immer
1:07:59–1:08:04
noch hüfttief drin und es geht weiter. Wir brauchen nicht zweimal den gleichen Fluss steigen.
1:08:04–1:08:07
Aber ich würde auch noch dann anmelden für die nächste Folge,
1:08:08–1:08:11
dass es auch noch eine ganz große, drängende Frage von mir gibt.
1:08:13–1:08:15
Nee, das ist ja nächste Folge. Das ist ja der Cliffhanger.
Florian Clauß
1:08:16–1:08:19
Achso, spannend. Also willst du damit eröffnen, die nächste Folge?
Micz Flor
1:08:21–1:08:24
Nein, erstmal musst du wieder strukturiert ins Thema einsteigen für die,
1:08:24–1:08:28
die diese Folge jetzt noch nicht gehört haben und dann da nämlich brauchen die
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ja eine Rampung überhaupt reinzukommen, bevor wir das dann öffnen.
1:08:31–1:08:35
Aber das heißt, du fängst erst noch mal an mit didaktischen Mitteln.
Florian Clauß
1:08:35–1:08:41
Okay, alles klar. Dann würde ich sagen, wir hören uns jetzt um 14 Tage.
Micz Flor
1:08:41–1:08:44
Geht weg, wir haben nicht so viel Zeit, wir müssen gleich weitermachen, wir sind mit dem Fluss.
Florian Clauß
1:08:44–1:08:50
Ich würde auch sagen, wenn das okay für dich wäre, weil wir wechseln ja uns immer ab beim Reden,
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aber ich würde jetzt tatsächlich dann auch die 105 übernehmen und das heißt,
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dass wir jetzt direkt anschließen, also dass ich das Thema in 14 Tagen,
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dass ihr das dann weiterhören werdet.
Micz Flor
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Genau, es geht einfach in 14 Tagen weiter. Und wo wir lang gelaufen sind,
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beziehungsweise wir sitzen gerade viel in der Sonne.
Florian Clauß
1:09:10–1:09:11
Wir sind tatsächlich nicht viel gelaufen.
Micz Flor
1:09:11–1:09:13
Seht ihr auf eigentlich-podcast.de.
Florian Clauß
1:09:13–1:09:18
Eigentlich-podcast.de, Tracks und ein paar Informationen, Links und so weiter
1:09:18–1:09:19
lade ich da auch noch hoch.
1:09:19–1:09:24
Schaut auf eigentlich-podcast.de. Ansonsten machen wir auch ein bisschen Werbung für uns.
1:09:24–1:09:29
Das heißt, wenn euch der Podcast gefällt, dann gebt uns gerne Sterne in den
1:09:29–1:09:31
Podcastportalen eurer Wahl.
Micz Flor
1:09:32–1:09:36
Jetzt ist mal gut, wir binden jetzt hier ab, sonst komme ich aus dem Fluss raus. Tschüss.
Florian Clauß
1:09:37–1:09:37
Tschüss.

Der Buddhismus gehört zu den ältesten Weltreligionen und zählt heute etwa fünfhundert Millionen Anhänger. Entstanden ist er im fünften oder sechsten Jahrhundert vor Christus in Nordindien, im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Nepal und Indien. Eine klassische Religion im westlichen Sinne ist er nicht: Er kennt keinen Schöpfergott, keine bindende Offenbarung und kein Dogma. Er ist eher Lehre, Philosophie und Lebensweg, dessen Wahrheit jeder Mensch durch eigene Erfahrung prüfen soll. Sein Gründer ist Siddhartha Gautama, der später Buddha genannt wurde – der Erwachte. Damit beginnt der Buddhismus nicht mit einem Gott, sondern mit einem Menschen.

Leben und Erwachen des historischen Buddha

Siddhartha wurde um 563 vor Christus in Lumbini geboren, im heutigen Nepal, als Sohn von König Suddhodana und Königin Maya. Er stammte aus dem Adelsgeschlecht der Shakya, weshalb er später auch Shakyamuni genannt wurde – Weiser der Shakya. Eine alte Legende berichtet, seine Mutter habe von einem weißen Elefanten geträumt, ein Zeichen außergewöhnlicher Geburt. Der Seher Asita prophezeite, der Junge werde entweder ein großer König oder ein großer spiritueller Lehrer. Sein Vater entschied sich für die königliche Variante und schirmte ihn ab: drei Paläste für die Jahreszeiten, eine Heirat mit Yashodhara, ein Sohn namens Rahula, kein Anblick von Krankheit, Alter oder Tod. Bereits hier deutet sich ein zentraler Gedanke an: Wohlstand allein erfüllt nicht.

Mit etwa neunundzwanzig Jahren zerbrach dieser Schutzschild. Bei vier Ausfahrten begegnete Siddhartha einer Realität, die ihm bis dahin verborgen worden war. Er sah einen Greis und erkannte die Unausweichlichkeit des Alters, einen Kranken und die Universalität der Krankheit, einen Toten und die Allgemeinheit des Todes. Schließlich begegnete er einem Asketen – einem Menschen, der sich auf den Weg gemacht hatte, Antworten zu finden. Diese vier Begegnungen bilden später die Grundlage der Vier Edlen Wahrheiten. Zwei Begriffe gehören seither zu Buddhas Lehre: Dukkha, das Leid, und Anicca, die Vergänglichkeit.

Wie radikal das gemeint ist, illustriert die Geschichte von Kisa Gotami und dem Senfkorn. Eine junge Mutter verliert ihr einziges Kind und trägt den toten Säugling, halb wahnsinnig vor Schmerz, von Tür zu Tür. Buddha verspricht zu helfen, wenn sie ein Senfkorn aus einem Haus bringe, in dem nie jemand gestorben sei. Senfkörner gibt es überall, doch in jedem Haus wurde bereits getrauert. Allmählich erkennt Kisa, dass Tod und Verlust jeden Menschen treffen. Sie kehrt zurück, bestattet ihr Kind und wird Schülerin Buddhas. Buddha hält keine Predigt – er lässt sie selbst sehen. Heilung kommt durch Einsicht, nicht durch Verdrängung.

Was nun folgt, nennt die Tradition die große Entsagung. Siddhartha verlässt nachts heimlich Frau, Kind und Reichtum, schneidet sich die Haare ab und tauscht königliche Gewänder gegen die Robe eines Asketen. Sechs Jahre lang lernt er bei Yoga-Lehrern, vor allem bei Alara Kalama und Uddaka Ramaputta, und erreicht deren höchste Versenkungsstufen. Mit fünf Gefährten praktiziert er extremes Fasten und Selbstkasteiung. Doch er erkennt, dass auch der extreme Verzicht nicht zur Befreiung führt; er schwächt nur Geist und Körper. Als die Bäuerin Sujata ihm Reisbrei reicht und er ihn annimmt, verlassen ihn die fünf enttäuscht. Aus dieser Erfahrung wird der Mittlere Weg geboren – nicht zu verwechseln mit Mittelmaß oder Lauheit, sondern verstanden als Weisheit jenseits der Extreme: weder Hingabe an die Lust noch Abtötung des Körpers, sondern Klugheit, Mäßigung und innere Balance.

Siddhartha setzt sich unter eine Pappelfeige in Bodhgaya und gelobt, nicht aufzustehen, bevor er die Wahrheit erkannt habe. Er widersteht den Versuchungen Maras, des Dämons der Begierde, Angst und des Todes. In drei Wachen jener Nacht erinnert er sich zunächst seiner früheren Leben, erkennt dann das Gesetz von Karma und Wiedergeburt und schließlich die Vier Edlen Wahrheiten. Mit etwa fünfunddreißig Jahren erlebt er Bodhi, das Erwachen, und wird zum Buddha.

Die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad

Die Vier Edlen Wahrheiten lassen sich als alte Krankheitsmetapher fassen. Erstens: Das Leben ist von Leid geprägt – das ist die Krankheit. Zweitens: Die Ursache des Leids ist die Begierde, das Anhaften (Tanha) – das ist die Diagnose. Drittens: Das Leid kann überwunden werden (Nirodha) – das ist die Gesundheit. Viertens: Der Weg dazu ist der Edle Achtfache Pfad (Magga) – das ist die Medizin.

Der Edle Achtfache Pfad gliedert sich in drei Bereiche: Weisheit, Ethik und Sammlung. Zur Weisheit gehören die rechte Erkenntnis und die rechte Gesinnung – das Verstehen der Vier Edlen Wahrheiten und die innere Haltung von Wohlwollen und Gewaltlosigkeit. Zur Ethik gehören die rechte Rede, das rechte Handeln und der rechte Lebenserwerb. Die rechte Rede meint Wahrhaftigkeit, das Vermeiden von Verleumdung, grober Rede und leerem Gerede. Das rechte Handeln meint nicht töten, nicht stehlen und keine sexuelle Verletzung anderer. Der rechte Lebenserwerb meint, dass die Arbeit, mit der man sein Leben verdient, niemandem schaden soll – Buddha nannte ausdrücklich Handel mit Waffen, Lebewesen, Fleisch, Rauschmitteln und Giften als zu vermeiden. Zur Sammlung gehören das rechte Bemühen, die rechte Achtsamkeit und die rechte Konzentration: die Energie, mit der man heilsame Geisteszustände entwickelt, das klare Gewahrsein des gegenwärtigen Moments und die meditative Vertiefung in den Versenkungsstufen.

Leicht missverstanden wird die Struktur des Pfades: Er ist kein lineares Programm und keine Treppe mit acht Stufen, sondern ein Geflecht aus acht Aspekten eines integrierten Lebenswegs, die alle gleichzeitig kultiviert werden. Das Wort „samma“, oft mit „recht“ übersetzt, bedeutet nicht „korrekt“ im moralischen Sinn, sondern stimmig, geschickt, heilsam, weise. Der Pfad ist kein Gesetzbuch, sondern eine Kunst des Lebens.

Lehrtätigkeit, Gemeinschaft und Kernbegriffe

Buddha hält seine erste Lehrrede in Sarnath im Wildpark bei Varanasi. Sie heißt traditionell „Drehen des Rades der Lehre“ (Dharmachakra). Aus den fünf ehemaligen Asketengefährten wird die erste Sangha, die Mönchsgemeinschaft. Damit sind die Drei Juwelen des Buddhismus beisammen: Buddha als Vorbild, Dharma als Lehre, Sangha als Gemeinschaft. In den folgenden fünfundvierzig Jahren wandert Buddha durch Nordindien und lehrt Mönche und Nonnen, Könige und Bauern, Gelehrte und Räuber. Über diese lange Zeit hinweg gab er verschiedene Belehrungsstufen, die als wiederholte „Drehungen“ des Dharma-Rades verstanden werden.

Für die damalige Zeit ist seine Praxis revolutionär: Er lehnt das Kastensystem ab und nimmt Männer wie Frauen als Anhänger auf – beginnend mit seiner Stiefmutter Mahapajapati. Glauben verlangt er nicht; sein berühmter Aufruf lautet „ehi-passiko“ – „komm und sieh selbst“. In dieser Phase entfalten sich die weiteren Kernlehren: Karma als Gesetz von Ursache und Wirkung des Handelns, Samsara als Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt, Anatta als Lehre vom Nicht-Selbst, also der Einsicht, dass es kein unveränderliches Ich gibt, sondern nur einen dynamischen Prozess. Buddhas Herangehensweise war dabei stark empirisch ausgerichtet; statt der Frage, wie sich das Ich substanziert, stellte er die radikalere Frage, ob es das Ich überhaupt gibt. Hinzu kommen Anicca, die Vergänglichkeit aller Phänomene, und Nirvana, das Erlöschen von Gier, Hass und Verblendung. Karuna, das Mitgefühl, und Metta, die liebende Güte, sind keine Gebote, sondern ethische Grundhaltungen.

Aus dieser Zeit stammen zwei Anekdoten, die Buddhas Haltung illustrieren. In der ersten sucht ein wütender Mann Buddha auf und beschimpft ihn lautstark. Buddha hört ruhig zu, ohne zu reagieren. Als der Mann fertig ist, fragt Buddha: „Wenn du jemandem ein Geschenk anbietest und er nimmt es nicht an, wem gehört es dann?“ Der Mann antwortet: „Mir, denn ich habe es gebracht.“ Buddha entgegnet: „So ist es auch mit deinen Beschimpfungen. Ich nehme sie nicht an. Sie gehören dir.“ In dieser Szene steckt Upekkha, der Gleichmut: Wir bestimmen selbst, was wir annehmen, und Hass mit Hass zu beantworten verstärkt nur das Leid.

Die zweite Geschichte handelt von Angulimala, einem gefürchteten Räuber, der eine Kette aus den Fingern seiner Opfer trug. Buddha geht ihm allein und unbewaffnet in den Wald entgegen. Angulimala will ihn töten und rennt ihm nach, kann ihn aber nicht einholen, obwohl Buddha ruhig geht. Verwirrt ruft er: „Bleib stehen!“ Buddha antwortet: „Ich stehe still, Angulimala. Stehe auch du still – halte ein mit deinem Töten.“ Angulimala wirft seine Waffen weg und wird Mönch. Doch auch als Mönch muss er Beschimpfungen und Steinwürfe ertragen – das Karma seiner früheren Taten. Die Geschichte sagt zweierlei zugleich: Wandlung ist immer möglich, und kein Mensch ist verloren – und doch lassen sich die Folgen unseres Handelns nicht einfach abstreifen.

Mit etwa achtzig Jahren stirbt Buddha in Kushinagar. Seine letzten Worte sind sinngemäß überliefert: „Alle zusammengesetzten Dinge sind vergänglich. Strebt unermüdlich nach eurer Befreiung.“ Er geht in das Parinirvana ein, das endgültige Erlöschen. Auch der Buddha unterliegt der Vergänglichkeit, die er gelehrt hat. Was bleibt, ist nicht der Lehrer, sondern die Lehre.

Überlieferung und Authentizität

Ein kurzer Blick auf die Überlieferung selbst lohnt sich, denn sie ist bemerkenswert. Buddha hat zu Lebzeiten kein einziges Wort schriftlich festgehalten. Es gibt keine Originalaufzeichnungen aus seiner Zeit, und die ältesten erhaltenen Schriften stammen aus einer Periode mehrere Jahrhunderte nach seinem Tod. Dennoch gilt der Pali-Kanon heute als erstaunlich verlässliche Quelle.

Der Grund liegt in der hochentwickelten mündlichen Überlieferungstradition Indiens. Heilige Worte sollten gesprochen, nicht geschrieben werden, und vedische Texte wurden seit über tausend Jahren mündlich tradiert, mit erstaunlicher Genauigkeit. Buddha selbst lehrte in Wiederholungen, Listen und Formeln, bewusst gedächtnisfreundlich – die vielen Wiederholungen in den Sutren sind keine Stilschwäche, sondern Erinnerungshilfe. Direkt nach Buddhas Tod versammelten sich fünfhundert erleuchtete Mönche zum ersten Konzil in Rajagriha. Ananda, Buddhas persönlicher Begleiter über fünfundzwanzig Jahre, rezitierte alle Lehrreden, Upali rezitierte die Mönchsregeln. Die Versammlung prüfte und bestätigte gemeinsam jede Rezitation. Daher beginnt jede Sutra mit der Formel „Evam me sutam“ – „So habe ich gehört“. Über die Jahrhunderte spezialisierten sich Bhanaka-Gruppen auf einzelne Textsammlungen und kontrollierten sich gegenseitig. Erst etwa vierhundert Jahre später, im ersten Jahrhundert vor Christus, wurde der Pali-Kanon in Sri Lanka erstmals auf Palmblätter geschrieben. Mahayana-Sutren entstanden ab dem ersten Jahrhundert nach Christus, Vajrayana-Tantras ab dem dritten bis achten Jahrhundert; sie beanspruchen, im Geist Buddhas weitergeführt zu sein, ihre Authentizität wird mystisch begründet, nicht historisch.

Die buddhistische Haltung dazu ist im Kalama-Sutta klar formuliert: „Glaubt nichts, weil es überliefert ist. Glaubt nichts, weil es in heiligen Schriften steht. Glaubt nichts, weil ich es gesagt habe. Prüft alles selbst durch eigene Erfahrung.“ Authentizität entsteht im Buddhismus letztlich durch praktische Wirksamkeit, nicht durch historischen Beweis.

Meditation als Weg

Im Westen kursiert die Vorstellung, Meditation bedeute, den Geist zu leeren. Das ist falsch. Das Sanskrit-Wort Bhavana bedeutet kultivieren, entwickeln. Meditation ist systematische Schulung des Geistes, nicht das Aushalten von Stille um ihrer selbst willen. Sie ist die zentrale Säule neben Ethik und Weisheit, und ihr Zweck ist direkte Erkenntnis, nicht intellektuelles Verstehen. Buddhismus ohne Meditation ist undenkbar. Buddha selbst hatte zunächst bei Yoga-Lehrern wie Alara Kalama und Uddaka Ramaputta gelernt und ihre höchsten Stufen erreicht, doch er erkannte, dass diese Versenkungen nicht zur endgültigen Befreiung führen. Sie sind Werkzeuge, keine Ziele. Aus dieser Einsicht entwickelte er seinen eigenen Weg.

Im frühen Buddhismus gibt es zwei Hauptmethoden, die in einer schönen Metapher zusammengefasst werden: sie sind die zwei Flügel des Vogels, beide nötig, damit er fliegen kann. Der erste Flügel heißt Shamatha, ruhiges Verweilen. Er steht für Sammlung, Konzentration und Beruhigung; das Ziel ist ein einspitziger, klarer, stabiler Geist, und die Methode ist die Aufmerksamkeit auf ein Objekt, meistens den Atem. Der zweite Flügel heißt Vipassana, klares Sehen oder Einsicht. Hier geht es nicht um Konzentration, sondern um analytische Beobachtung der Wirklichkeit. Erkannt werden sollen die drei Daseinsmerkmale: Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und Nicht-Selbst. Ohne Sammlung gibt es keine tiefe Einsicht, und ohne Einsicht keine Befreiung.

Buddhas eigene Hauptpraxis war Anapanasati, die Achtsamkeit auf den Atem. Der Atem ist immer da, neutral und niemandem gehörend; gerade in dieser Schlichtheit liegt das Geniale. Aus dieser Atembeobachtung entfaltet sich Satipatthana, die vier Grundlagen der Achtsamkeit: Achtsamkeit auf den Körper, auf die Empfindungen, auf den Geist und auf die Geistesobjekte. Genau diese vier Grundlagen bilden bis heute das Rückgrat der westlichen Achtsamkeitsbewegung, von MBSR bis MBCT. Hinzu kommen die Brahmaviharas, die vier göttlichen Verweilungen: liebende Güte (Metta), Mitgefühl (Karuna), Mitfreude (Mudita) und Gleichmut (Upekkha). Diese werden in alle Himmelsrichtungen ausgestrahlt – an Freunde, Fremde, Gegner und alle Wesen. Wer den Pfad weit geht, gelangt in die Jhanas, die acht Versenkungsstufen, die zunehmend feiner und stiller werden – doch Buddha betonte, sie seien Werkzeuge, nicht das Endziel.

Was diese frühen Praktiken auszeichnet, ist ihr Charakter: schlicht, methodisch, beobachtend, analytisch. Sie kommen ohne komplexe Visualisationen aus, ohne Gottheiten, ohne Mantras im späteren Sinn, ohne ausgearbeitete Ritualistik. Lehrer-Schüler-Beziehungen sind wichtig, aber kein Guru-Yoga. Man könnte diese frühe Meditation eine nüchterne Wissenschaft des Geistes nennen.

Ausblick

Im tibetischen Buddhismus wird sich dieser Zugang fundamental verschieben. Statt zu beobachten, wird transformiert. Statt eines neutralen Objekts wie dem Atem tritt eine sakrale Form, ein Yidam. Der subtile Körper mit seinen Energiekanälen, Lebenswinden und Tropfen wird selbst zum Übungsfeld. Die Meditation wird in zwei Stufen aufgeteilt: eine Erzeugungsstufe der Visualisation und eine Vollendungsstufe der Energiearbeit. Diese Entwicklung über anderthalbtausend Jahre, der tibetische Vajrayana mit seinem ausgearbeiteten System zur Transformation der Geistesgifte sowie der Vergleich mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds bilden den Gegenstand des zweiten Teils.

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