EGL110 Scherbenland – Xbergs Identity Property
In dieser Sommerfolge machen wir es uns vermeintlich leicht: keine große Vorbereitung, einfach zusammen ins Kino und danach beim Laufen reden. Wir sehen im Kino Zukunft den Dokumentarfilm „Scherbenland“ an und stolpern prompt in einen Metaclash, als wir merken, dass ein Interview des Films direkt vor der Tür dieses Kinos aufgenommen wurde. Anschließend spazieren wir Flos alte Laufroute nach entlang der Rummelsburger Bucht und Alt-Stralau. Dabei versuchen herauszufinden, was dieser Film eigentlich mit uns gemacht hat. „Scherbenland“ ist weniger die erhoffte historische Ton-Steine-Scherben-Doku als vielmehr eine Liebeserklärung an Kreuzberg – ein Heimatfilm, dessen Schauplatz auf ein bis zwei Quadratkilometer schrumpft. Drei Musik-Perspektiven werden verwoben: das Rap-Trio RAPK mit ihrer Kiez-Attitüde und ihrem Lebensgefühl „Land Kreuzberg“, die Liedermacherin Maike Rosa Vogel mit ihrer klaren, ergreifenden Stimme und ihren Songs um soziale und ökolgische Ungerechtigkeiten, sowie der starken Stimme von Rio Reiser mit Ton Stein und Scherben. Micz ist skeptisch, ja fast empört: ihm fehlt die Einordnungen, das Thema, der rote Faden. Er hat das Gefühl, in die Irre geführt zu werden. Besonders bei der Frage, ob verschnittenes Wasserwerfer-Material und ein Rio-Reiser-Konzert zeitlich und örtlich (DDR? West-Berlin? Mainzer Straße 1990?) überhaupt zusammenpassen. Flo hält dagegen: Der Film schaffe ein Gefühl, ein Lebensgefühl, auch wenn die Collage nicht ganz zusammenklebt. Den meisten Raum im Film nimmt RAPK ein. Das Rap-Trio wird ausführlich porträtiert, mit vielen Songs, Konzertmitschnitten aus der Columbiahalle und intimen Momenten in Hinterhöfen, Kinderzimmern und auf Kreuzberger Dächern. In diesen Passagen bekommen wir das Gefühl einem Promotionvideo der Band zu folgen. Dennoch vermittelt sich ein Bezug; RAPK sind keine Zugezogenen mit einem ungelösten Konflikt oder auf Suche nach einer neuen Heimat, sondern die Einheimischen, die einfach geblieben sind, hineingewachsen in den Kiez wie Fische ins Meer. Ihr Widerstand ist weniger Parole als Lebensgefühl. Wir tauchen auch in die Stadtgeschichte und linke Tradition von Kreuzberg ein: das von der Mauer umschlossene Insel-Kreuzberg mit seinen toten Ecken, billigem Wohnraum, hohem Migrationsanteil, „Fahnenflüchtigen“ und der queeren Szene. Wir sprechen über die Hausbesetzerbewegung, den Schwenk zum „Das Private ist das Politische“ und die Autonomen-Szene. Es geht auch um die Räumungen von der Mainzer bis zur Liebigstraße und um den ritualisierten, fast sportlichen revolutionären 1. Mai. Am Ende bleibt Ambivalenz: ein Film, der vor allem ein Gefühl transportiert, dem aber der rote Faden und die politische Dringlichkeit fehlen. Muss man sehen? Möchte man gesehen haben, wenn man Kreuzberg liebt!
Shownotes
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Scherbenland – Wikipedia
- Scherbenland / Salzgeber
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Rio Reiser – Wikipedia
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Maike Rosa Vogel – Wikipedia
- Home - Maike Rosa Vogel
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Mainzer Straße (Berlin-Friedrichshain) – Wikipedia
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Lola rennt – Wikipedia
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Keine Macht für Niemand – Wikipedia
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Otto Schily – Wikipedia
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Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte – Wikipedia
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Fanzine – Wikipedia
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Internationale Bauausstellung 1987 – Wikipedia
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Erster Mai in Kreuzberg – Wikipedia
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Herr Lehmann – Wikipedia
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Schwarzer Block – Wikipedia
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Babo – Die Haftbefehl-Story – Wikipedia
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