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Für Freud sind also Emotionen immer eben auch bewusst. Das ist eine Definition.
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Du kannst keine unbewusste Freude haben, sondern du freust dich,
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aber es kann halt irgendwie sein, dass die Repräsentanz zu dieser Freude oder
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zu dieser Trauer, dass die verdrängt ist.
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Dass die nicht mehr dem Bewusstsein verfügbar ist und die Psychoanalyse versucht,
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unbewusst oder zum Vorbewussten und zum Bewussten zu machen.
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Der Traumdeutung ist ein Weg dahin.
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Also die Brücke jetzt, wollen wir mal schnell durch diesen Artikel das Unbewusste von 1915 durchgehen,
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um dann eben in der nächsten Folge auch bei der Neuropsychoanalyse und Marc
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Solms anzukommen und der Art und Weise, wie man mit dem heutigen Wissen, sage ich mal,
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diese Psychoanalyse nochmal an vielen Punkten bestätigt auch.
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Und an einigen Punkten sogar auf den Kopf stellen kann.
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Das gehen wir jetzt noch mal ganz kurz in dieses Thema der Triebe.
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Des Unbewussten oder wie Freud aufteilt Unbewusste, Vorbewusste und das Bewusstsein.
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Das Vorbewusste ist so dieser Zwischenraum, wo dann in der Psychoanalyse oder
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in der Traumdeutung auf einmal Dinge wirklich ins Bewusste geholt werden kann.
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Mit Bedeutung aufgeladen werden können und für Freud ist es so,
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dass diese Triebe, die sind einfach da.
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Das sind einfach somatische Energien, die bewirken, dass wir uns,
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ganz kurz gesagt, nicht wohlfühlen.
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Und das Lustprinzip von Freud heißt halt, der Organismus möchte dann Situationen
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herstellen, wo diese...
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Dieses Unwohlsein der Triebe, diese Energie, die da ist, abgeführt wird.
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Und dazu sucht sich dann der Organismus zum Beispiel den Apfel,
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um den Hunger zu stillen, ganz kurz gesagt. Das wird so ein körperlicher Trieb des Hungers.
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Es gibt aber auch eben andere Triebe, die dann der Sexualtrieb zum Beispiel.
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Und es gab, das hatte ich in einer anderen Folge schon mal gesagt,
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auch so eine richtige Hochzeit von Trieben, wo alles Mögliche,
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ein Reisetrieb und alles Mögliche wurde dann vor allem so postuliert.
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Und so dieser Trieb, an den bindet sich eine Emotion und die Emotion ist sozusagen das,
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was wir auch benennen können oder was in vielen Fällen in der zum Beispiel emotionsfokussierten
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Psychotherapie oder auch allgemein jetzt in der emotionalen Wende der Verhaltenstherapie
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oder eben auch in der psychodynamischen Therapie sind,
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Emotionen benennen können, Wünsche benennen zu können.
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Das ist ein ganz wichtiger Teil, weil das eben diese symbolisierte Ebene ist,
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auf der aus dem Trieb dann wirklich auch eine Richtung bekommt.
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Weil wenn wir jetzt nochmal in die kindliche Entwicklung gucken,
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so ein Kind hat ja schon Emotionen, das kann es am Anfang gar nicht regulieren,
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dann hat es Emotionen und kann mit denen irgendwie besser umgehen,
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kann die auch ein bisschen regulieren und kommt dann in der Entwicklung irgendwann
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an den Punkt, wo es nicht nur Emotionen erlebt,
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sondern dann auch sagen kann, ich habe das Gefühl in mir.
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Zu diesem Ding. Es bezieht sich auf was da draußen auch noch.
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Und dann entsteht halt eben so eine Verbindung, ein bewusstes Benennen und eine
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bewusste Wahrnehmung von einem Impuls oder von einem Bedürfnis,
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wo dann der Trieb sich eben in der Welt was sucht, womit der,
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sage ich mal, befriedet werden kann. Das ist primär das Lustprinzip.
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Und wenn das schief geht, dann ist es so, dass diese Repräsentanz,
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also der bewusste Teil, der kann verdrängt werden.
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Das heißt, du verdrängst in gewisser Weise deinen Unmut mit irgendetwas und
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das kann dann eben in der Theorie,
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aber da möchte ich jetzt gar nicht so reingehen, weil wir in Neurophysiologie
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bleiben wollen, aber es geht dann ein bisschen auch darum zu sagen,
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so entsteht zum Beispiel Psychosomatik.
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Also das direkte Ziel ist verdrängt, die Emotion ist vielleicht noch benennbar, aber wird diffus,
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der Trieb bleibt da, die Energie kann nirgendwo hin, wir fangen an uns zu verspannen
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oder wir kriegen das irgendwie, es schlägt uns buchstäblich auf den Magen, solche Sachen.
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Und was Freud eben gemacht hat, ist, weil er dieses Bewusstsein und die Wahrnehmung,
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ich hatte das ja dir auch mal gezeigt, dieses kleine topische Modell,
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das erste, wo dieser kleine,
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ich glaube es zum Hören, so ein kleiner Würfel drauf gesetzt hat auf diesem Blob.
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Weil das ist quasi der Schnitt, wo das Ich entsteht, der Schnitt zwischen der
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Außenwelt und der Innenwelt.
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Der Trieb dringt von innen, die Welt fordert von außen und diese Wahrnehmung ist ganz essentiell.
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Und er hat dann eben auch gesagt, dass das Bewusstsein muss eben irgendwo im Neokortex entstehen.
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Er hat auch so vermutet an bestimmten Stellen, weil ohne die Wahrnehmung der Außenwelt.
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Kann Bewusstsein ja nicht entstehen aus dem, was sozusagen bildlos und ohne
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Narrative ist, ohne Zeitgefühl.
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Das Triebhafte ist immer, das Triebhafte weiß nicht mal, dass es sterben muss.
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Das ist schon eine kortikale Leistung. Also das heißt.
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Er hat immer gesagt oder er hat immer das Gefühl gehabt, dass Wahrnehmung essentiell ist.
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Und die Wahrnehmung, das passiert halt, und das weiß man dann auch über die
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Aphasien oder im Zweiten Weltkrieg noch viel mehr. Da konnte man das Gehirn
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aufgrund dieser ganzen Verwundung im Krieg, konnte man halt wirklich so Karten bauen.
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Und da war dann für Freud die These, das Bewusstsein entsteht durch das Triebhafte im Kortex.
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Erst da, wenn die Wahrnehmung der Welt sich mit dem berührt.
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Da irgendwie muss es entstehen. Das konnte er so nicht genau fassen.
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Aber das war erst mal so seine Theorie.
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Und wenn wir dann die nächste Folge gehen mit Marc Solms. Ich habe jetzt so
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ein bisschen hier so durchgehuddelt.
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In der nächsten Folge mit Marisolms gucken wir dann nochmal genau auf die Punkte,
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die mit dem heutigen Stand das gleiche nochmal aufgreifen.
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Und was ich jetzt als letztes noch sagen wollte, die Parallelität eben zwischen
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dem frühen Behaviorismus und Freud, ist eigentlich verblüffend ähnlich.
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Freud hat versucht, als Nervenarzt über die Nerven damit zu arbeiten.
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Hat halt gemerkt, okay, dann bleibe ich verklebt in so Ionenkanälen und so.
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Wie kann ich da jemals irgendwie ein großes Bild machen?
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Ich muss mich trauen, das zu verlassen.
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Ich möchte trotzdem wissenschaftlich arbeiten und ich möchte immer deduktiv
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anhand von Beobachtungen, phänomenologisch arbeiten auch, gegen Übertragung
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irgendwann eben auch sich selber mit hineinrechnen. reinrechnen, was erlebe ich da?
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Ich erlebe etwas, wo kann ich das verorten?
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Hatte im Prinzip eben so ein Black-Box-Modell, wie der Behaviorismus das auch
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hatte. Die von vornherein gesagt haben, wir wollen gar nicht spekulieren.
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Wir arbeiten mit dem, was reingeht und was rauskommt.
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Und das war auf den ersten Blick anders, weil die haben mit Reiz und Reaktion gearbeitet.
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Und nicht mit Affekten und Trieben. Affekte und Triebe, das fühlt sich ja dann
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so warm und wülstig an. Und Reizreaktion ist ja eher wie so ein... Put-out, bitte. Genau.
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Aber wenn du dir diese ganz primitiven Ideen von Belohnung, Bestrafung anschaust,
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die ja in dieser Verknüpfung von so einem behavioristischen Lernen damit verbunden
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sind, die Klingel und das Essen und der Hund und der Speichelfluss... Ja, klar.
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Da nennt man das Reiz Reaktion, aber de facto geht es da ja auch um Emotionen.
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So, mh, Fleisch, sagt der Hund. Und dann fließt in das Sabber.
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Es geht auch bei Bestrafung, es geht ja um eine emotionale Reaktion auf die Welt.
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Diese Lernprozesse sind im Prinzip eigentlich auch in Emotionen gefasst.
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Und wenn du das auch noch akzeptierst, dann ist der Unterschied zwischen Psychoanalyse
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und frühem Behaviorismus. Später war das dann irgendwie, der Behaviorismus ging
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dann in so eine Welt hinein, in der man sagte, man kann den Menschen zu allem irgendwie erziehen.
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Das Blank Slate, das gibt quasi keine vorgegebenen Sachen, das ist alles nur erlerntes Verhalten.
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Wir können uns eine Gesellschaft bauen, wo die Steuerberater glücklich sind,
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weil wir sie zu Steuerberatern gezogen haben und wo die Bergkletterer brauchen wir gar nicht.
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Das war dann noch eine andere Idee von Behaviorismus.