0:02:07–0:02:14
Ja, in der 103, da hatte ich ja versucht, ganz kurz noch mal Freud als Nervenarzt
0:02:14–0:02:18
oder als jemanden vorzustellen, der nach 20 Jahren wissenschaftlicher Arbeit
0:02:18–0:02:20
und Forschung sich entschieden hat,
0:02:21–0:02:24
die Psychoanalyse zu begründen.
0:02:25–0:02:27
Ohne da jetzt nochmal ins Detail reingehen zu wollen, ist mir jetzt einfach
0:02:27–0:02:32
nur wichtig zu sagen, das war jetzt keine Erfindung, sondern das war von ihm ein Versuch,
0:02:33–0:02:40
Worte zu finden, Begriffe zu finden und vor allen Dingen auch Prozesse zu beschreiben
0:02:40–0:02:45
und damit irgendwie einem wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden.
0:02:45–0:02:49
Nach 20 Jahren wirklich wissenschaftlicher Forschung, wie man sie einfach damit
0:02:49–0:02:52
auch betrieben hat, mit Skalpell und Schneiden und so.
0:02:53–0:02:58
Und hat viele Dinge benannt und vermutet, die man nicht wirklich beweisen konnte.
0:02:58–0:03:01
Er wollte eben auch, dass die Biologie irgendwann die Worte dazu gibt.
0:03:01–0:03:06
Das habe ich auch im Blogpost auf der 103 mit reingenommen, ein paar Zitate dazu.
0:03:07–0:03:11
Und war sehr daran interessiert, wie das in der Zukunft wohl sein wird,
0:03:11–0:03:15
dass man das, was er versucht zu beschreiben, besser beschreiben kann und wie
0:03:15–0:03:18
viel davon, wie er sagte, umgepustet wird oder umgeweht wird.
0:03:19–0:03:24
So, und jetzt kommt eben der Sprung zu Mark Solms und der Neuropsychoanalyse.
0:03:24–0:03:30
Also Mark Solms ist 1961 geboren und ich werde ihn jetzt einerseits vielleicht
0:03:30–0:03:34
biografisch manche mit ranziehen für seine Motivation, warum er das macht,
0:03:34–0:03:36
was er macht, weil er schon sehr auch versucht,
0:03:36–0:03:42
diese freudianischen Gedanken noch mal anhand von.
0:03:44–0:03:49
Wissenschaftlicher, empirischer Forschung mit neuen, sichtgebenden Verfahren der letzten 30 Jahre.
0:03:51–0:03:57
Zu korrigieren, Vorschläge zu machen oder eben auch zu belegen,
0:03:57–0:03:59
dass er sich auch da abbilden lässt.
0:04:00–0:04:05
Und ich werde aber eben auch über seine Biografie vielleicht ein bisschen sprechen,
0:04:05–0:04:09
von dem, was ich aus seinen eigenen Worten weiß, aus Interviews,
0:04:09–0:04:12
die er gegeben hat, was seine Motivation war, weil ich das finde,
0:04:12–0:04:13
finde ich auch ganz interessant.
0:04:13–0:04:21
Er hat Psychologie und Neuropsychologie studiert in Johannesburg und vielleicht
0:04:21–0:04:23
erst mal zu seiner Biografie,
0:04:23–0:04:27
weil er das in dem Buch The Hidden Spring, das ist eins der Quellen,
0:04:27–0:04:29
ist auch verlinkt jetzt auf unserem Blogpost.
0:04:30–0:04:34
Das zweite Buch, was jetzt ein bisschen aktuell ist, das heißt The Only Cure,
0:04:34–0:04:38
will ich da auch verlinken. Da geht es explizit um evidenzbasierte Forschung
0:04:38–0:04:41
für die Wirksamkeit von psychoanalytischen Verfahren.
0:04:43–0:04:48
Und dann habe ich noch zwei, drei Artikel, die ich auch verlinke im Blogpost als Quelle.
0:04:49–0:04:54
Und in The Hidden Spring, in dem Buch, fängt er auch an, mit seiner Motivation
0:04:54–0:04:55
in dieses Feld hineinzugehen.
0:04:56–0:05:00
Und zwar war er vier Jahre alt, als sein älterer Bruder einen Unfall hatte,
0:05:01–0:05:02
von einem Haus gefallen ist.
0:05:02–0:05:06
Und danach, wie er es beschreibt, für das kleine Kind, das er damals war,
0:05:06–0:05:09
kam er aus dem Krankenhaus zurück. Und er sah halt immer noch aus wie sein Bruder,
0:05:09–0:05:10
aber er war ein ganz anderer Mensch.
0:05:11–0:05:15
Also er war einfach, hatte Schädigungen im Gehirn, das weiß ich jetzt nicht genau was.
0:05:15–0:05:21
Was aber den Kleinen dazu geführt hat, dass er auf einmal seinen Bruder nicht
0:05:21–0:05:22
wiedererkannte, aber es war immer noch sein Bruder.
0:05:22–0:05:25
Es war wohl, wie er es beschreibt, so ein bisschen was Unheimliches.
0:05:25–0:05:28
Was Vertrautes und gleichzeitig Fremdes.
0:05:29–0:05:35
Und er beschreibt dann eben auch immer, dass er sehr bald schon irgendwie auch
0:05:35–0:05:39
als Kind schon so eine gewisse Sterblichkeit, Depression, depressives Erleben
0:05:39–0:05:42
hatte und irgendwie merkte, wenn man nur so kurz auf dieser Welt ist,
0:05:42–0:05:47
dann muss man sich doch irgendwie damit befassen, was das psychische,
0:05:47–0:05:51
also das subjektive Erleben, was dieses Erleben am Leben zu sein,
0:05:51–0:05:53
ja was das ist, das war so sein Forschungsdrang.
0:05:53–0:05:57
Und so kam er dann eben in die Neuropsychologie
0:05:57–0:06:00
oder in diesen Bereich der neurophysiologischen Forschung rein.
0:06:01–0:06:05
Und war dann aber erst mal sehr enttäuscht, weil er meinte,
0:06:05–0:06:10
dass halt eben nach Freud und dann nach dem Krieg und am Beginn des Behaviorismus,
0:06:10–0:06:14
da sprach man halt nicht über das subjektive Erleben, über die Psyche,
0:06:14–0:06:17
sondern man sprach eben immer nur über diese messbaren Dinge,
0:06:17–0:06:25
diese Kartografien, aber auch eben Prozesse, die da entdeckt wurden im Kortex hauptsächlich.
0:06:25–0:06:29
40 Prozent des Cortex beschäftigt sich mit dem visuellen System und er wollte
0:06:29–0:06:36
aber nicht diese Werkzeuge oder diese kognitiven Fähigkeiten erforschen,
0:06:36–0:06:37
sondern wirklich die Psyche erforschen.
0:06:38–0:06:42
Zuerst hat er angefangen mit seiner Doktorarbeit, wo er sich mit Traum beschäftigt hat.
0:06:42–0:06:49
Und das war so eine Schnittstelle, meint er. Das ist eine Schnittstelle zwischen diesen kognitiven,
0:06:49–0:06:53
strukturellen und teilweise funktionalen Prozessen im Gehirn,
0:06:53–0:06:58
die halt mit REM-Schlaf, gerade auch so seit den 50er Jahren auch bekannt waren
0:06:58–0:07:02
und weiter erforscht wurden und gleichzeitig aber natürlich der Traum ist ja
0:07:02–0:07:05
mit das Subjektivste, was man eigentlich erleben kann.
0:07:05–0:07:08
Also der Stand der Traumforschung damals.
0:07:10–0:07:15
Aus diesem Beobachten aus einer dritten Instanz heraus in das Hirn hinein war
0:07:15–0:07:22
halt das REM-Schlaf, den kannte man seit 1953 und wurde mit EEG gemessen und
0:07:22–0:07:25
das wurde halt untersucht.
0:07:25–0:07:32
Und man wusste auch, dass REM-Schlaf und Träumen scheinbar zusammenhängt.
0:07:33–0:07:39
Und es gab dann dieses Activation Synthesis Model von Alan Hobson,
0:07:39–0:07:45
in dem das Träumen dann bewiesenermaßen, in Anführungszeichen,
0:07:45–0:07:48
so eine Art Nebenprodukt von diesem REM-Schlaf ist.
0:07:48–0:07:52
Und der RM-Schlaf wird im Stammhirn in einem Bereich ausgelöst,
0:07:52–0:07:57
der jetzt überhaupt nichts irgendwie mit Gefühlen oder Emotionen zu tun hat.
0:07:57–0:08:03
Und es wurde dann halt irgendwie gesagt, dass das freudsche Idee von Traum als
0:08:03–0:08:07
Wunscherfüllung und das Unbewusstsein jetzt widerlegt, weil man weiß jetzt,
0:08:07–0:08:11
RM ist halt was, was im Gehirn irgendwie angeschaltet wird und nebenher entstehen
0:08:11–0:08:14
Träume und die sind eher Nebenprodukte.
0:08:14–0:08:18
Ja, und in den 90er Jahren kenne ich das auch noch, dass halt irgendwie damals
0:08:18–0:08:22
dann gesagt wurde, dass zum Beispiel der Körper muss halt manchmal wach werden,
0:08:23–0:08:26
damit man gucken kann, ob jetzt die Kerntemperatur noch stimmt und zu gucken,
0:08:26–0:08:27
dass man halt nicht erfriert oder sowas.
0:08:28–0:08:31
Und um wach zu werden, muss man halt das Gehirn anschmeißen und so wie man halt
0:08:31–0:08:36
im Auspuff im Auto kommt halt hinten Dampf raus, genauso kommen halt dann Träume raus.
0:08:37–0:08:41
Und das sei so ein Nebenprodukt von dem Versuch, dass der Körper feststellen
0:08:41–0:08:45
kann, ob er noch warm genug ist oder nicht zu heiß wird. Also das war dieser
0:08:45–0:08:48
Blick auf Träume und Marc Solms hat dann.
0:08:49–0:08:53
In einer sehr, sehr weiten Studie einfach viele Menschen auch getroffen,
0:08:53–0:08:59
die träumten, aber keinen REM-Schlaf hatten, weil diese Stelle im Hirnstamm,
0:08:59–0:09:02
in dem der REM-Schlaf gesteuert wird, die war kaputt.
0:09:04–0:09:05
Und umgekehrt gab es aber auch Menschen, die...