Die psychologische Deutung der Sage in einem Satz: Der Tuxer Riese ist nur ein Es, das Vater spielen will – sein Nein und sein Name haben keinen Wert.

Wir setzen unsere Tuxer Sagenfolge direkt vor Ort an der Weidener Hütte fort. Zuerst geht es um den Tuxer Riesen: Aus Südtirol vertrieben, stapft er in die Tuxer Alpen und errichtet dort eine Gewaltherrschaft, um sich ein Schloss bauen zu lassen. Bis sich ihm die wilden Fräulein beherzt entgegenstellen und die Almer von seinem Joch befreien. Wir steigen in die psychologische Deutung der Sage ein: die Kratzer in der Eiswand, der frustrierte Riese, der eine Beziehung sucht, aber nur gewaltvoll kommunizieren kann. Flo lockt Micz in seiner Rolle als Psychotherapeut aus der Reserve und bekommt ein bisschen Lacan als Interpretationswerkzeug zu hören. Und das klappt sogar. Dann steigen wir auf zur nächsten und längsten unserer drei Sagen aus den Tuxer Alpen: der Frauenwand. Hier geht es um eine Heldinnengeschichte, die vom Teilen in der Not und von der Navigation bei schlechtem Wetter handelt. Das sind zwei Grundthemen, die auch heute noch in den Bergen das Überleben sichern können. Die Frauen von der Frauenwand geben denen, die es verdienen, ein Vielfaches zurück. Wer ihnen dagegen nicht gut begegnet, dem widerfährt entsprechend Übles. Begeistert stellen wir fest, dass hier die Frauen als Heldinnen aus der Geschichte hervorgehen und nicht, wie sonst so oft in Märchen, die Männerfiguren dominieren. Wir kommen zu dem Schluss, dass die Bergwelt aufgrund der rauen Bedingungen eine viel verletzlichere Gemeinschaft beherbergt, die entsprechend widerstandsfähiger und gleichberechtigter aufgebaut sein muss. Und wir werden gerade noch rechtzeitig fertig, um zum Abendessen in der Weidener Hütte am Inntaler Höhenweg einzukehren...

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
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Micz Flor

Transcript

Micz Flor
0:00:00–0:00:01
Okay, und jetzt nochmal schlagen?
Florian Clauß
0:00:01–0:00:01
Ja.
Micz Flor
0:00:02–0:00:08
Nee? Ja? Nee? Doch. Okay, hier ist eigentlich Podcast. Der Podcast,
0:00:08–0:00:12
bei dem wir laufend reden und beim Laufen reden. Und wir sind in den Tuxer Alpen.
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Und manche mögen sich erinnern, vor vier Wochen habt ihr was gehört und habt
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gesagt, Mann, wann geht es endlich weiter?
0:00:17–0:00:21
Für uns geht es jetzt gleich weiter. Wir haben nämlich gerade kurz Stopp gemacht.
0:00:22–0:00:28
Und Flo hat Sagen, Märchen, Mythen, also Sagen meintest du.
Florian Clauß
0:00:28–0:00:30
Ja, genau. Sagen, sagen, sagen.
Micz Flor
0:00:30–0:00:36
Aus den Tuxer Alpen. Und hast das schon verortet, historisch eingeleitet.
0:00:36–0:00:40
Vielleicht so viel. Es geht um den Begriff auch der Demut, der Natur,
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in den Tälern zu leben, dem Wetter ausgeliefert zu sein, davon abhängig zu sein,
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vor allen Dingen, die diese großen Mächte auch sich hier entfalten.
0:00:50–0:00:54
Und eine Sage hatten wir schon gehört, da ging es um die gefrorene Wand,
0:00:55–0:01:00
in der hochmütige Menschen auf der Alm, Almer wurden sie genannt,
0:01:01–0:01:06
die da mit der ganzen Butter und der Milch so rumgeschmissen haben und nicht
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in die Kirche gegangen sind, die wurden,
0:01:08–0:01:10
auf einmal vom Berg bestraft.
0:01:11–0:01:17
Drei Tage hat Schneid, also Schneid ist auf die Alm und danach war es gefroren
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und stand als Mahnmal in den Tuxer Alpen.
0:01:20–0:01:24
Für die anderen nicht Hochmut, sondern Demut.
Florian Clauß
0:01:24–0:01:29
Demut, genau. Ja, wir sind eigentlich Podcast, der Podcast, bei dem wir im Laufen
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stehen und Laufen stehen, in dem Regen stehen und manchmal auch wandern.
Micz Flor
0:01:33–0:01:35
Und manchmal sogar im Regen stehen oder im Regen laufen.
Florian Clauß
0:01:36–0:01:41
Und hier stehen wir gerade vor der Weidner Hütte. Das ist unsere zweite Station
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auf unserer Hüttentour, den Inntaler Höhenweg.
0:01:44–0:01:50
Und ich dachte, ich kann mich connecten mit dieser Bergwelt und konkret hier mit den Tuxer Alpen.
0:01:51–0:01:54
Und habe halt drei Sagen mitgebracht, die wir jetzt so ein bisschen durcharbeiten
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wollen, wie wir es schon in unseren anderen Märchen und Mythen mal gemacht haben.
0:01:59–0:02:02
Eigentlich Episode, wie haben wir jetzt?
Micz Flor
0:02:02–0:02:05
Jetzt sind wir 114. Eigentlich Episode 114.
Florian Clauß
0:02:05–0:02:09
Genau, ihr könnt dann mehr Infos nochmal auf eigentlich-podcast.de und auch
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den Track sehen und so weiter.
0:02:11–0:02:14
Okay, jetzt steigen wir gleich ein. Eigentlich hatte auch schon in der letzten
0:02:14–0:02:21
Episode, die Berge haben viel mit Riesen zu tun. Und wir wollen uns jetzt die
0:02:21–0:02:23
Bergsage vom Tuxer Riesen anhören.
Text2Speech
0:02:24–0:02:29
Der Tuxer Riese und die wilden Fräulein. In den alten Zeiten,
0:02:29–0:02:35
so erzählt man sich, war das Tuxertal nicht so allein und schutzlos, wie es scheinen mag.
0:02:35–0:02:41
Hoch droben in den Bergen, in den Felsen und Klüften, wohnten die wilden Fräulein.
0:02:41–0:02:46
Zarte, geheimnisvolle Wesen waren das, den Menschen von Herzen gut gesonnen.
0:02:47–0:02:52
Sie beschützten das Tal vor Unwetter, vor Bränden und vor allem Unglück.
0:02:52–0:02:57
Und mit ihrer Zauberkunst erleichterten sie den Bauern die harte Arbeit mit Vieh und Hof.
0:02:58–0:03:01
Kam ein Kalb nicht zur Welt oder verlor sich ein Schaf im Nebel,
0:03:02–0:03:06
so brauchte man nur hinaufzurufen zu den Fräulein. Und alles wurde gut.
0:03:07–0:03:12
So lebten die Tuxer sicher und geborgen unter dem wachsamen Auge ihrer Beschützerinnen.
0:03:12–0:03:15
Doch eines Tages war es mit der Ruhe vorbei.
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Über das Tuxerjoch herüber, aus dem Süden, kam eine Riese gestapft.
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In Südtirol hatten sie ihn vertrieben, weil niemand mehr seine Bosheit ertragen
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konnte, und nun suchte er sich ein neues Tal, das er unterjochen konnte.
0:03:30–0:03:36
Mit dröhnenden Schritten stieg er herab ins Tuxertal. Und die armen Dorfbewohner
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erstarrten vor Schreck, als sie den Koloss erblickten.
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Der Riese hatte scharfe, böse Augen, denen nichts entging.
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Wollte auch nur ein einziger der Talbewohner heimlich hinauf in die Berge schleichen,
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um die wilden Fräulein um Rat und Hilfe zu bitten, so war der Riese schon zur
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Stelle und bestrafte den Armen so grausam, dass es bald keiner mehr wagte.
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Und der Riese verlangte immer mehr. Alle Steine im Tal mussten die Menschen
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zusammentragen, damit er sich ein gewaltiges Schloss bauen konnte.
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Ihr mühsam erarbeitetes Brot und ihre letzten Vorräte mussten sie ihm bringen,
0:04:12–0:04:14
um seinen unersättlichen Hunger zu stillen.
0:04:14–0:04:20
Für sie selbst aber blieb kaum noch etwas übrig, und Not und Elend zogen ein
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in das einst so glückliche Tal.
0:04:22–0:04:27
Nun geschah es aber eines Tages, dass ein paar junge, wackere Burschen hinaufsteigen
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mussten zur gefrorenen Wand, um dort die letzten großen Felsbrocken für das
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Schloss des Riesen zu holen.
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Und dort oben, fern vom scharfen Blick des Ungetüms, begegneten sie den wilden Fräulein.
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Vor Erleichterung fielen die Burschen weinend auf die Knie.
0:04:44–0:04:48
Sie flehten die Fräulein an, sie mögen doch den schrecklichen Riesen wieder
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aus dem Tuxertal verjagen, ehe alle zugrunde gingen.
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Die Fräulein hörten ihnen ruhig zu. Dann sprachen sie, Tragt nur alle Blöcke
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zusammen, so wie euch befohlen wurde. Fürchtet euch nicht.
0:05:01–0:05:06
Und damit waren sie verschwunden. Einige Tage später hatte der Riese bereits
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begonnen, die schweren Blöcke aufeinander zu türmen, um endlich sein Schloss zu vollenden.
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Da, ganz plötzlich, brach ein gewaltiges Unwetter los.
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Es blitzte und donnerte, dass die Berge bebten, und ein Sturm erhob sich,
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wie ihn niemand je erlebt hatte.
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Er packte die riesigen Felsblöcke und warf sie in alle vier Himmelsrichtungen
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auseinander, als wären es Kieselsteine.
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Der Riese brüllte und fluchte, dass man es bis hinüber nach Zell und über die
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Berge bis nach Schmirn hören konnte.
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Doch es half ihm nichts.
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Am nächsten Morgen begann er von Neuem. Wieder schichtete er die Blöcke auf.
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Und wieder schickten die wilden Fräulein einen tobenden Sturm,
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der sein ganzes Werk zerschlug.
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Da bebte der Riese vor Zorn. Er schwor den kleinen Fräulein blutige Rache.
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Er stellte sich auf den höchsten Felsen, den er finden konnte, und spähte ringsum.
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Wo waren sie, diese winzigen Wesen, die es wagten, ihm zu trotzen?
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Und da entdeckte er sie. In der gefrorenen Wand aus einem Loch im Fels heraus
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schauten die Fräulein zu ihm herüber.
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Mit einem Wutgebrüll streckte der Riese seine gewaltigen Pranken aus und kratzte
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mit seinen Klauen über die Eiswand hinab, um sie zu packen.
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Doch flink wie der Wind schlüpften die wilden Fräulein zurück in ihre Höhle
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und waren in Sicherheit.
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Die Eiswand aber trägt seither die tiefen Spuren jener Klauen,
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die zahllosen Risse und Sprünge, die man noch heute in ihrem Gesicht sehen kann.
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Als der Riese endlich einsah, dass er gegen die wilden Fräulein den Kürzeren
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bezogen hatte und dieses Tal für immer beschützt blieb, da packte ihn ein finsterer Grimm.
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Er beschloss, das Tuxertal zu verlassen. Mit lauten, zornigen Schritten stapfte
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er zurück, hinauf zum Tuxerjoch und verschwand jenseits der Berge,
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dort, woher er gekommen war.
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Und wenn du heute als Wanderer über die Höhen des Tuxertals ziehst,
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dann halte einmal Ausschau am Fels.
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Denn dort, so sagt man, kann man sie noch immer erkennen.
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Die gewaltigen Riesentritte, die der Tuxer Riese auf seinem zornigen Weg über
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das Joch im Stein zurückgelassen hat.
Florian Clauß
0:07:24–0:07:30
Ja, das war jetzt der Tuxer Riese. Du bist noch ergriffen von der Geschichte.
0:07:30–0:07:33
Also was Schöne ist, dass jetzt die gefrorene Wand wieder auftaucht.
Micz Flor
0:07:33–0:07:34
Genau, ja.
Florian Clauß
0:07:34–0:07:35
Es geht ja ganz viel so um...
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Wo man sich dann niederlässt, das Niederlassen. Also der Riese kriegt dann nur
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ein Connect, wenn er sich ein Schloss baut. Das ist ja auch absurd.
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Der wurde vertrieben, weil er aus Tirol wurde vertrieben.
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Und dann unterjocht er dann quasi die Anwohner, damit sie ihm ein Schloss bauen.
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Das ist ja so ein bisschen auch dieser Shelter, dieses Ding.
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Du brauchst halt ein Haus aus Steinen, wenn du hier überleben willst.
0:08:05–0:08:08
Und dann hat sie auch diesen Kampf zwischen David und Goliath,
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zwischen diesen Riesen und den Fräulein.
0:08:11–0:08:14
Und ich muss auch sagen, bei den Sagen, das ist die nächste Sage,
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die wir uns dann auch nochmal anhören,
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da sind die Frauen quasi diejenigen, die das lösen, die dann die Heldinnen sind
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der Geschichte. Das finde ich auch hier sehr schön, dass die wilden Fräulein, was immer das ist.
Micz Flor
0:08:29–0:08:32
Ja, das fand ich auch interessant, weil auf der einen Seite kommt halt der Riese,
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so ein universeller Archetyp wahrscheinlich auch bei C.G. Jung.
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Ich weiß es nicht, wirst du mal nachgucken.
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Und auf der anderen Seite kommen die wilden Fräulein und die ist ein Plural.
0:08:42–0:08:45
Erst als ich es gehört habe, habe ich gemerkt, dass das Wort Fräulein auch im
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Plural und Singular gleich ist. Die wilden Fräulein und das ist wieder sowas,
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wo man denkt, das habe ich ja noch nie gehört.
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Ich denke, ihr habt dann eher so an Feen, Irland, irgendwie Wales oder so gedacht,
0:08:56–0:09:00
aber die wilden Fräulein. Aber die werden,
0:09:01–0:09:04
In dieser Region, ich weiß nicht, weißt du mehr über die?
Florian Clauß
0:09:05–0:09:06
Nee.
Micz Flor
0:09:06–0:09:08
Wie es erzählt wird, klingt so, als ob dann jeder hier wüsste,
0:09:08–0:09:09
die Eier, die wir in den Frähen haben.
Florian Clauß
0:09:09–0:09:12
Ja, das klingt so ein bisschen, aber ich kann es dir nicht sagen.
0:09:12–0:09:16
Vielleicht ist es tatsächlich so, dass es so ein feststehender Begriff ist und
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im Kindergarten malt man halt die Fräulein, wie sie aus der Wand kommen,
0:09:21–0:09:23
wenn das jeder kennt oder so. Weiß ich nicht, müssten wir mal so gucken.
Micz Flor
0:09:25–0:09:28
Das würde ich auf jeden Fall in deinen Shownotes nochmal klicken.
0:09:28–0:09:33
Wenn du mehr über die wilden Fräulein, Man kann es ja selber einen Wikipedia-Artikel anlegen.
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Und sonst fand ich die Geschichte so, ich hatte das Gefühl, ich kriege so keinen
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richtigen Zugang, weil irgendwie fühlte es sich so an, wenn ich nicht genau
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weiß, was die wilden Fräulein sind, dann ist es schwer zu verstehen,
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was es bedeutet, wenn die Buben dann da hinkommen und so.
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Ich fühlte mich dann in der Tat erleichtert, als die gefrorene Wand erschien.
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Und dann geschieht, ah, okay. Und dann wurden da diese Kratzer reingemacht und
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da kann man sich vorstellen, so Gletscherspalten, die man von der Ferne noch
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sieht und dann auch, wie er wieder flieht und dann diese Fußstapfen und das sind ja auch so Sachen,
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ist auch da, wo ich herkomme, Odenwald, gibt es auch das Felsenmeer,
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da gibt es auch die Riesengeschichte, wo dann der die Felsen runtergeworfen
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hat, auf was weiß ich, ich weiß nicht mehr genau, Schneiderlein oder irgendwas in der Art,
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wo dann einfach die Natur nicht nur Natur ist, sondern dann irgendwann vor vielen,
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vielen Jahren von irgendwelchen Kräften geformt wurde, hergestellt wurde.
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Das ist, glaube ich, ein wichtiges Thema.
Florian Clauß
0:10:28–0:10:33
Vielleicht noch so als dramaturgischen Bogen von der Geschichte.
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Es ist ja so, dass der Riese seine Macht dadurch initiiert, dass er so die Dorfbewohner
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unterjocht. Das heißt, er zerschlägt quasi die Gemeinschaft.
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Er sagt halt irgendwie, ihr müsst und da und hier. Und in dem Moment,
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wenn dann halt diese Gruppe von jungen Männern dann auf die Fräuleins treffen,
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Dann sind die erleichtert, weil die haben jetzt auf einmal so diese Funktion
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und das ist, glaube ich, ganz wichtig wieder bei der Schicksalsgemeinschaft,
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dass die halt so eine Gemeinschaft wiederherstellen können.
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Also das heißt, dann begreifen sich die Dorfbewohner wieder als jemand,
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die gegen jemand anders, also gegen den bösen Riesen kämpfen.
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Also die haben auf einmal wieder eine Macht und das ist, glaube ich,
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ganz wichtig für diese Identifikation in der Gemeinschaft oder sich mit der
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Gemeinschaft dann halt auch quasi die Stärke der Gemeinschaft zu spüren.
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Und also die Wilden Fräuleins, die in der Wand hausen, ja, also die Wand hat
0:11:26–0:11:31
ja auch, haben wir ja letzte Folge herausgearbeitet, dieses Mahnmal und gleichzeitig
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ist das jetzt auch der Schutz oder überhaupt diese Keimzelle der Wilden Fräuleins,
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ja, was am ehesten dann wahrscheinlich wirklich so,
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gute Berggeister sind und dann auch,
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aus einer vorchristlichen Tradition mehr oder weniger kommen, ja.
Micz Flor
0:11:46–0:11:51
Ich bin gespannt, ich werde heute hier die Hüttenwirtin und morgen sind wir
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anhoffen, hätte ich mal fragen, ob die den Begriff wilde Fräulein,
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ob die da was anfangen kann.
Florian Clauß
0:11:56–0:11:57
Okay, du fragst.
Micz Flor
0:11:57–0:11:58
Ich frage ja genau.
Florian Clauß
0:11:58–0:11:59
Ich frage ja genau.
Micz Flor
0:11:59–0:12:00
Fräulein, kennen Sie wilde Fräulein?
Florian Clauß
0:12:02–0:12:08
Ja, und ich meine, natürlich kann man da alles möglich so auch reininterpretieren.
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So jetzt der Riese quasi, also wenn du dann halt irgendwie so der Riese,
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wir hatten ja auch vorhin auf unserer Wanderung über,
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freudsche Modell, ja, der Riese ist quasi so das Es, was dann halt kommt, ja,
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was unkontrollierbar erst mal ist und das Ich ist so die Dorfgemeinschaft und
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das Über-Ich, dann halt könnten die wilden Fräulein sein.
Micz Flor
0:12:32–0:12:35
Kann man versuchen, so draus zu sagen. Ich hatte eher so dieses Bild,
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als ob das auf irgendwas sich bezieht, was mal passiert war,
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als das Tal überfallen wurde vom Süden.
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Also als ob irgendwie dann Südtirol, Italien, keine Ahnung, wie das früher aufgeteilt
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war, aber dass da irgendwie ein Überfall war und dass,
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dann hier ein Schloss gebaut wurde, als ob so ein Königreich hier sich so reinschwappte
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und das wurde dann über die Zeit, wurde daraus so ein Riese.
0:12:59–0:13:05
Aber das war eher so meine Assoziation, ob es da so den Wahrheitskern da drin
0:13:05–0:13:10
gab, dass dieses Tal mal überfallen wurde und wirklich unterjocht wurde.
Florian Clauß
0:13:10–0:13:14
Ja, vielleicht das. Oder wenn wir das halt wirklich bei den Naturereignissen
0:13:14–0:13:18
lassen, vielleicht war das ja auch irgendwie die kleine Eiszeit und im Zillertal
0:13:18–0:13:21
sind die Gletscher, siehst du ja.
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Und vielleicht sind die dann halt rübergewandert.
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Vielleicht ist es auch so zu verstehen.
Micz Flor
0:13:26–0:13:29
Ja, stimmt. Das kann auch sein. Wobei die Gletscher dann für die wilden Fräulein
0:13:29–0:13:31
auch ein Schutz sind. Die sind nicht so betrotisch.
Florian Clauß
0:13:31–0:13:33
Genau. Also da wieder die Ambivalenz.
Micz Flor
0:13:33–0:13:35
Und er geht auch wieder zurück. Genau.
Florian Clauß
0:13:36–0:13:38
Er wird wieder zurückgetrieben.
Micz Flor
0:13:38–0:13:39
Er geht wieder zurück.
Florian Clauß
0:13:39–0:13:43
Da wo er herkam. Genau. Er geht wieder nach Tirol. Ja. Das ist ja auch gut.
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Also was wollen wir denn hier mit dem Tuxer Riesen?
0:13:47–0:13:48
Aber er kriegt den lokalen Namen.
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Nach dem Tuxer Riesen. Und ich meine...
Micz Flor
0:13:52–0:13:55
Vielleicht nochmal ganz kurz zu den Tuxer Alpen, weil wir vorhin auch an so einem...
0:13:55–0:14:00
An so einer Zeichnung vorbeigekommen sind, weil es ist ja schon auch erstaunlich, dass es so,
0:14:01–0:14:04
Was ich manchmal auch ein bisschen seltsam finde, wenn man dann so mit dem Zug
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ankommt und dann ist man so ganz unten, da gibt es dann natürlich Bahnhof und
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alles und dann fährst du mit dem Taxi und mit dem Bus so hinein in die Berge
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und irgendwann hört es so auf.
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Irgendwann ist es nicht mehr erschlossen, obwohl es jetzt auch Jahrhunderte
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später nach diesem Märchen auch natürlich viel mehr erschlossen ist und auch
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Tourismus hier drin ist oder sowas.
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Und dann ist es hier aber auch so, dass das ja dann hinten raus,
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also so mittendrin ist man so bei 2000 Meter höher.
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Wir sind jetzt bei 1700, gestern waren wir glaube ich bei 2100.
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Aber nach hinten schiebt sich das wirklich hoch dann bis über 3000.
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Der große Löffler, Rauchkofel und die Napfspitz, die sind halt dann über 3000.
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Das ist natürlich schon, glaube ich, wenn du, je weiter du dann Richtung Süden
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gegangen bist, glaube ich, in den Tuxoalpen, desto höher wurde das,
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desto unwirtlicher wurde das und das war,
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Einerseits Richtung Sonne, aber andererseits wirklich geöffnet,
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auch wahrscheinlich für den Markt, für die Kirche, für der Bezug zum Rest der
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Welt, was immer das auch war damals.
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Das war alles dann irgendwie im Tal unten. Und das ist vielleicht hier dann
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nochmal anders als in Regionen, wo wirklich alles oben ist oder alles flach ist.
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Aber dieser mehrere tausend Meter Unterschied, das macht schon was,
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wenn man das mal auf dem Bild so sieht, finde ich.
Florian Clauß
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Ja, naja, also man sieht hier die Gipfel, wie sie raus, wir stehen gerade hier vor dieser Karte.
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Die Gipfel aus den Zillertaler Alpen daraus ragen, ja.
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Also kann man sich schon gut vorstellen, wie die Krise hier langstapft und einfach runtergeht.
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Aber was würdest du jetzt nochmal so um so eine, ich sag mal so eine psychologische Dimension,
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also diese Sexualität, die der Riese auch irgendwie in seiner Falle,
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Wir haben ja so einen Gegenpol zwischen den Fräulein und dem Riesen, das,
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Männliche, was dann halt bauen will, eine unglaubliche Frustration mit sich rumträgt.
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Und das Weibliche, was dann aber auch in seiner, ich sag mal so übertrieben
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in seiner Art, da auch Gemeinschaft zu bilden und miteinander zu kooperieren,
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dann auch das Männliche oder das Bedrohliche dann so besiegen kann.
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Durch das Feine, Filigrane.
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Und dann aber gleichzeitig diese Kratsch-Buh und das hat ja auch schon was extrem Penetratives.
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Wenn du halt irgendwie so diese Frust sattst und die du dann nochmal in den
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Berg reinhaust und dann wegstapst und ich finde hier keinen zum Besamen.
Micz Flor
0:16:33–0:16:36
Okay. Du öffnest jetzt so ganz viele Tücher. Und ich lädst mich ein,
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da was so durchzugehen und sage, mach mal hier irgendwas mit Libido.
0:16:41–0:16:43
Und du als Psychotherapeut.
Florian Clauß
0:16:43–0:16:45
Mach da mal dein Handwerk.
Micz Flor
0:16:45–0:16:49
Ja, das hieße, Also wenn jetzt jemand sagt, ich hatte diesen Traum,
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da müsste ich jetzt mit anfangen.
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Dann müsste ich allerdings natürlich wissen, bei welchem Hintergrund dieser
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Traum entstanden ist. Ich bin nicht C.G. Jung, der jetzt das als Archetypen
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abschließt, sondern ich würde das natürlich irgendwie so einfassen. Da fehlt mir was.
Florian Clauß
0:17:01–0:17:04
Ja, vielleicht wollen wir es eher so im narrativen Raum lassen.
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Also wie ein Storyboard schreiben. Und wir müssen jetzt nochmal so diesen ganzen Subtext entwickeln.
Micz Flor
0:17:11–0:17:14
Also ich finde es erstmal interessant, dass der Riese ist natürlich dann auf
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einmal der Herrscher hier, wildes Königs und keiner kann sich ihm entgegenstellen
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und man braucht diese wilde Fräulein.
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Aber gleichzeitig wurde er vertrieben. Also die Frage jetzt in diesem Bild,
0:17:25–0:17:28
du wolltest ja so ein bisschen so eine psychodynamische Deutung von der Dianza.
Florian Clauß
0:17:28–0:17:30
Ja, von dir vor allen Dingen.
Micz Flor
0:17:30–0:17:36
Genau und der Riese, der über die Berge drüber kommt, der kommt ja von irgendwo, wo er vertrieben wurde.
Florian Clauß
0:17:36–0:17:37
Ja, Tirol.
Micz Flor
0:17:38–0:17:43
Ja, der wurde in Tirol vertrieben, kommt über die Berge und ist dann in diesem Tal. In diesem Tal.
Florian Clauß
0:17:43–0:17:46
Im Biesental, ja nicht im Biesental bei Berlin.
Micz Flor
0:17:46–0:17:49
Gibt es ja diese Bauern, die dann wollen, dass er halt eben diese,
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die sollen die Steine für ihn zusammentragen, dass er sich so ein Schloss bauen kann.
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Und das sind die saarligen Frauen. Das heißt...
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Die weibliche Allianz mit den steinetragenden Almern da in diesem Tal,
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die vertreibt dann wieder den Riesen zurück, da wo er hergekommen war.
Florian Clauß
0:18:12–0:18:18
Ja, weil die die Macht haben, die Frauen, dieses Schloss aus den Steinen immer
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wieder auseinander fliegen zu lassen.
Micz Flor
0:18:20–0:18:26
Und was mir da jetzt so eingefallen ist, was irgendwie, also was das so anstößt,
0:18:26–0:18:29
ich weiß nicht, ob das wirklich gut dazu passt, ist dann ein bisschen Lacan.
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Weil Lacan hat ja gerne auch diese freie Assoziation, die bei Freud ja viel
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auch über Dinge geht. Man assoziiert jetzt eine Banane, ist das ein Penis,
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vielleicht eine Vase, ist das eine Gebärmutter oder eine Vulva.
0:18:44–0:18:49
Aber Lacan war viel mehr daran interessiert, weil er auch viel eben über diese
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Semiotik gegangen ist mit Klangähnlichkeiten.
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Und deshalb gibt es diese Klangähnlichkeiten. Im Französischen kann man es nicht
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genau, wenn man es sagt, unterscheiden. Heißt es der Name des Vaters oder das Nein des Vaters?
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Aber in beiden Fällen kommt der Vater vor.
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Der Name des Vaters und das Nein des Vaters, das wird immer eben von Lacan mit
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diesem ödipalen Dreieck, was Freud ja auch schon aufbaut, zusammengebracht.
0:19:20–0:19:27
Und auch die Anthropologen und Soziologen der damaligen Zeit, Lacan Mitte 20.
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Jahrhundert, hatten sich irgendwie auch darauf geeinigt, dass es sowas wie ein
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Inzestverbot gibt, was eins der wenigen Gesetze ist, die auch kulturübergreifend,
0:19:35–0:19:37
implementiert scheinen.
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Und dieses INSES-Gesetz ja irgendwie dann auch eben den Menschen von den Tieren
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abhebt und dann wirklich auch diese Idee von der Generationenfolge und dadurch
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auch die Idee von Vererbung und von Fortschritt irgendwie in der Kultur des
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Menschen implementiert.
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Lacan spricht dann eben vom Nein des Vaters. Also das Kind, der Junge,
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der Sohn, darf sich nicht mit der Mutter verbünden.
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Schon gar nicht sexuell. Der Vater hat da was dagegen. Der sagt Nein.
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Und der Name des Vaters, da könnte ich jetzt noch diese Analogie machen.
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Was ist denn der Name des Vaters in dieser Sage, die du beschrieben hast?
0:20:18–0:20:20
Und dann kam so ein Familienbild auf eben von diesem Riesen.
0:20:20–0:20:22
Der Riese war scheinbar vorher schon mal in einer Beziehung,
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die hat ihn rausgeschmissen und er kam auch schon mit schlechtem Ruf da an.
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Aber er wurde irgendwie aufgenommen als der Vater in diesem Oedipalen zwischen
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den Bauern und den saarligen Frauen.
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Und er ist dann als Vater irgendwie implementiert worden, aber das hat so überhaupt gar nicht gepasst.
Florian Clauß
0:20:41–0:20:41
Ja.
Micz Flor
0:20:41–0:20:49
Und dieses Nicht-Passen, also seine Macht, sein Name sozusagen oder sein Nein hatte keinen Wert.
Florian Clauß
0:20:49–0:20:51
Also der Riese ist der Vater.
Micz Flor
0:20:51–0:20:53
Der Riese wäre dann der Vater. Und
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was passiert ist, dass es einfach im Familiengefüge nicht geklappt hat.
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Und sein Nein und sein Name hatten keinen Wert. Die waren nicht stark,
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die waren nicht mächtig, die wurden nicht angenommen, die wurden nicht respektiert.
0:21:05–0:21:09
Und so sehr er auch das Maskuline exerzierte mit seinem Schloss und seinen Steinen,
0:21:09–0:21:16
die er brauchte, war es trotzdem so, dass dieses Gefüge, das Oedipale-Gefüge da nicht zustande kam.
0:21:16–0:21:21
Und dass halt dann, wenn man weiterdenken würde, die Alma-Bauern,
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die die Steine schleppen, dann dummerweise die Oedipale-Phase nicht abschließen können,
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und dann bei allen möglichen inneren Konflikten wieder auf diese zurückgeworfen werden.
0:21:33–0:21:37
Aber das wäre jetzt so ein Nachtrag für diese Sage noch.
Florian Clauß
0:21:37–0:21:41
Dann gehen wir weiter. Aber es kommen wieder so zwei Motive,
0:21:41–0:21:44
die wir jetzt aus den vorangegangenen Sagen schon gehört haben,
0:21:44–0:21:46
nämlich Frauen und Wand, die Frauenwand.
Micz Flor
0:21:46–0:21:47
Die Frauenwand, okay.
Florian Clauß
0:21:47–0:21:55
Das ist auch tatsächlich die längste von den drei Sagen hier. Das spiele ich jetzt ab.
Text2Speech
0:21:55–0:22:01
Die Sage von der Frauenwand. Es war zu jener Zeit, als Hintertux noch zur Gemeinde
0:22:01–0:22:06
Schmirn gehörte, und das hintere Schmirntal droben vom kleinen Kassärer herab,
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noch tief in Eis und Schnee lag.
0:22:10–0:22:15
Die Wege über die Berge waren beschwerlich und gefährlich, und mancher,
0:22:15–0:22:22
der das Tuxerjoch überqueren wollte, fand den rechten Pfad nicht und kam vom Weg ab.
0:22:23–0:22:28
In jenen Tagen lebte im Dorf eine junge Magd, die Tochter des Batzenbauern.
0:22:29–0:22:33
Den Sommer über hatte sie drüben in Matrei am Brenner in Diensten gestanden,
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hatte hart gearbeitet und sich ihren kargen Lohn verdient.
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Nun aber im Spätherbst sehnte sie sich nach Hause und so machte sie sich auf
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den langen Weg über das Tuxerjoch zurück in ihr Heimattal.
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Noch vor dem ersten Hahnenschrei brach sie auf.
0:22:51–0:22:56
Doch als sie nach Schmieren kam, lag ein so dichter Nebel über dem Tal,
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dass man die Hand nicht vor Augen sah.
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So kehrte das Mädchen bei einer Verwandten ein, aß ein wenig,
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wärmte sich und plauderte, in der Hoffnung, der Nebel möge sich heben.
0:23:09–0:23:14
Doch statt sich zu lichten, stieg der Nebel immer höher und es wurde beinahe
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finster, obwohl es noch Tag war.
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Da erzählten ihr die Verwandten mit gedämpfter Stimme eine seltsame Geschichte.
0:23:22–0:23:27
Oben in der Nähe der Schmirner Wand sollten einige Frauen hausen.
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Man hatte sie im Sommer bisweilen von Weitem gesehen, doch niemand wusste,
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wer sie waren oder woher sie kamen.
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Man erzählte sich Gutes von ihnen und auch Böses.
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Alle aber, das Gute wie das Böse, hatten großen Respekt vor den Frauen an der Wand.
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Am Nachmittag drängte die Zeit und die Magd wollte nicht länger warten,
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um noch bei Tageslicht über das Joch zu kommen.
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Sie nahm ihr Bündel, darin ihre wenigen Habseligkeiten, etwas Brot und der ganze
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Lohn ihrer Sommerarbeit und machte sich auf den Weg.
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Anfangs fand sie den Pfad noch gut. Doch dann, im dichten Nebel,
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verfehlte sie die Abzweigung hinauf zum Tuxerjoch.
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Lange irrte sie umher, und mit jedem Schritt wuchs ihre Angst.
0:24:17–0:24:22
Es begann zu regnen, und weiter oben, das wusste sie, würde der Regen zu Schnee werden.
0:24:23–0:24:27
Todmüde und verzweifelt schleppte sie sich voran, ohne zu wissen, wohin.
0:24:27–0:24:32
Da, für einen kurzen Augenblick, lichtete sich der Nebel.
0:24:33–0:24:36
Und die Magd erblickte einen großen, dunklen Stein.
0:24:37–0:24:41
Und da wusste sie mit einem Mal, wo sie war. Sie stand vor der Schmirner Wand,
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jener Wand, von der die Verwandten gesprochen hatten.
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Und im selben Moment erkannte sie im Grau die Umrisse einer Gestalt.
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Zögernd, das Herz voller Furcht und Hoffnung zugleich, ging sie darauf zu.
0:24:57–0:25:02
Und wie erleichtert war sie, als sie sah, dass es nur eine alte Frau war.
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Höflich grüßte die Magd und bat sie demütig, ob sie hier wohl eine Weile rasten dürfe.
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Die Alte nickte nur stumm. So setzte sich das Mädchen und nahm ihr Bündel auf den Schoß.
0:25:16–0:25:21
Da begann die alte Frau leise und traurig zu erzählen, sie sei drunten in Schmieren
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von Haus zu Haus gegangen und habe um ein Stück Brot gebeten.
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Doch weil sie nichts zu zahlen hatte, sei sie überall abgewiesen und fortgeschickt worden.
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Und nun bat sie das junge Mädchen um ein kleines Stück von ihrem Brot.
0:25:39–0:25:44
Die Magd besann sich keinen Augenblick. Zwar war das Brot in ihrem Bündel alles,
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was sie für den langen Heimweg hatte, doch ohne zu zögern brach sie es und teilte es mit der armen Alten.
0:25:52–0:25:58
Ja, sie entschuldigte sich sogar, dass sie ihr nicht von selbst gleich etwas angeboten hatte.
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Stillschweigend aß die alte Frau, und als sie fertig war, erhob sie sich und
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gab der Magd ein Zeichen, ihr zu folgen.
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Und nun geschah das Wunderbare.
0:26:10–0:26:16
Die alte Frau ging voran, sicher und ohne zu zögern, mitten durch den schuhtiefen
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Schnee und den dichten Nebel, als kenne sie jeden Stein und jede Wegbiegung.
0:26:21–0:26:25
Die Magd folgte ihr, und beide stiegen höher und immer höher.
0:26:26–0:26:30
Nach einer Weile standen sie oben auf dem weiten Plateau des Tuxerjochs.
0:26:30–0:26:34
Unbeirrt führte die Alte sie weiter bis hinüber zum Gatterleck.
0:26:35–0:26:40
Dort riss der Nebel auf. Und tief drunten in der Niederung sah die Magd die
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spärlichen Lichter von hinter Tux blinken.
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Die Lichter ihrer Heimat.
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Vor Freude und Dankbarkeit fiel sie der alten Frau um den Hals.
0:26:49–0:26:52
Doch da erschrak sie. Ihr Bündel!
0:26:53–0:26:57
In der Aufregung hatte sie es unten am Rastplatz vor der Schmirner Wand liegen lassen.
0:26:58–0:27:02
Ihre Habseligkeiten, ihr ganzer Lohn, alles war fort.
0:27:03–0:27:07
Was würde der Vater sagen? Wovon sollte die Familie den Winter überstehen?
0:27:08–0:27:12
Die alte Frau aber tröstete sie sanft. Mach dir keine Sorgen,
0:27:12–0:27:15
mein Kind. Niemand wird dich schelten.
0:27:16–0:27:20
Und ehe die Magd sich versah, war die Alte im Nebel verschwunden.
0:27:21–0:27:25
Schweren Herzens, doch dankbar für ihre Rettung, machte sich das Mädchen an
0:27:25–0:27:29
den letzten Abstieg und kam spät am Abend in ihrem Elternhaus an,
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wo man sie voller Freude empfing.
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Von der Müdigkeit überwältigt, schlief sie noch am Stubentisch ein.
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In jener Nacht aber setzte der Föhn ein.
0:27:40–0:27:46
Zuerst nur zaghaft, dann immer mächtiger, bis er nach Mitternacht zum tosenden Sturm anwuchs.
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Der warme Wind fegte alle Novemberwolken davon, und der neue Tag brach an,
0:27:52–0:27:57
so schön und golden, wie man es im Spätherbst kaum je erlebt.
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In den Höhen aber schmolz der Schnee, und die Wege wurden wieder frei und trocken.
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Zwei Tage danach, die Hintertuxer waren gerade dabei, die vom Sturm zerzausten
0:28:08–0:28:13
Dächer auszubessern, schickte der Batzenbauer seine ältesten Buben hinauf zum
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Leitenstall, um nach dem Dach zu sehen.
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Als die Burschen ihre Arbeit getan hatten und wieder zu Tal steigen wollten,
0:28:21–0:28:26
begegneten ihnen oberhalb von Hintertux drei vornehm gekleidete Frauen.
0:28:26–0:28:32
Sie sahen aus, als wären sie von adeligem Stand, und eine von ihnen trug ein großes Bündel.
0:28:33–0:28:38
»Wo finden wir in Hintertux den Batzenbauern?«, fragte eine der Frauen.
0:28:38–0:28:43
»Kommt mit«, antworteten die Buben verwundert, »wir zeigen euch den Weg.«.
0:28:44–0:28:48
Und gemeinsam gingen sie hinab ins Dorf. Daheim waren die Mutter und die Magd
0:28:48–0:28:53
gerade dabei, ein bescheidenes Mittagessen anzurichten, als die drei Frauen
0:28:53–0:28:55
mit den Buben in die Küche traten.
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Auch der Vater kam eben herein.
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Er betrachtete die noblen Damen und fragte, was sie wünschten.
0:29:02–0:29:04
Wir suchen den Batzenbauern, sagte eine.
0:29:05–0:29:11
Der bin ich, antwortete der Mann. Ihr habt einen weiten Weg hinter euch und seid gewiss hungrig.
0:29:12–0:29:16
Wir haben nur ein karges Mahl, doch ich bitte euch, mit uns zu essen.
0:29:17–0:29:22
Und so setzten sich alle zu Tisch, machten das Kreuzzeichen und die Mutter schöpfte
0:29:22–0:29:24
allen von der Milchsuppe aus der großen Schüssel.
0:29:25–0:29:31
Man aß schweigend. Als sie fertig waren, gingen der Vater und die drei Damen in die Stube.
0:29:32–0:29:36
Eine von ihnen legte das große Bündel auf den Tisch. Der Bauer fragte,
0:29:37–0:29:42
ob sie vielleicht zum Gefolge des Grafen von Matrei gehörten und warum sie zu
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so später Jahreszeit noch über das Joch gestiegen seien, bei Schnee und Sturm.
0:29:48–0:29:52
Guter Mann, erwiderte eine der Frauen mit einem feinen Lächeln.
0:29:52–0:29:58
Uns kann kein Wetter etwas anhaben, kein Schnee und kein Wind. Ruf uns deine Tochter.
0:29:59–0:30:03
Die Magd trat in die Stube. Und die Frauen öffneten das Bündel.
0:30:04–0:30:09
Wie staunte das Mädchen, als sie darin alle ihre verlorenen Habseligkeiten wiederfand.
0:30:10–0:30:16
Und nicht nur das, dazu legten die Frauen einen ganzen ballenfeinen Loden auf den Tisch.
0:30:16–0:30:20
Ein Wirktuch und viele nützliche Dinge mehr.
0:30:20–0:30:22
Dem Vater verschlug es die Sprache.
0:30:23–0:30:27
Endlich stammelte er. Womit habe ich das nur verdient?
0:30:27–0:30:32
Du nicht, Bauer, antwortete die Frau. Deine Tochter hat es verdient.
0:30:33–0:30:39
Sie gab mir von ihrem letzten Brot und zeigte Dankbarkeit, als ich sie im Nebel über das Joch führte.
0:30:40–0:30:41
Sie ist ein gutes Kind.
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Und sie reichten der Magd, ein glänzendes Goldstück und mahnten sie, sei sparsam damit.
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Die Brüder aber waren neugierig geworden und wollten wissen,
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wohin die drei Damen gehörten.
0:30:55–0:31:00
Sie liefen ihnen heimlich nach und versteckten sich in einer Mulde am Joch.
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Und siehe, nicht lange. Da kamen die drei Frauen über den Jochboden herangeschwebt,
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die Füße kaum den Boden berührend.
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Der Jochwind trug ihre Worte herüber, sodass die Buben alles verstehen konnten.
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Wenn jemand gut zu uns ist, sagte die eine, so soll ihm niemals ein Leid geschehen.
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Im nächsten Augenblick waren die Frauen verschwunden. Die Buben schlichen an
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den Rand des Grates und sahen gerade noch, wie die drei am Fuß des Schmirner
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Schrofens verschwanden, geradewegs in den Fels hinein.
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Sofort eilten sie heim und erzählten, was sie gesehen hatten.
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Und von jener Zeit an hörte man immer öfter von Wanderern, die auf wundersame
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Weise aus höchster Bergnot gerettet worden waren und von verirrten Tieren,
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die man auf unerklärliche Weise wiederfand.
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Und immer, so hieß es, sei eine Frau im Spiel gewesen, die zuletzt im Schmirnerschrofen verschwand.
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Von dieser Zeit an nennen die Leute jenen Schmirnerschrofen nur noch die Frauenwand.
Florian Clauß
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Ja, irgendwie hängen die auch alle zusammen, obwohl die wahrscheinlich von der
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Lokalisation nicht die gleichen gefrorene Wand, Frauenwand.
Micz Flor
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In der letzten Hütte gab es auch die graue Wand, so wie ist das Lager unten.
Florian Clauß
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Aber man könnte den Eindruck gewinnen, dass quasi diese Kalorienpumpe,
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Butter gefroren in der Wand, dann halt so diese Berggeiße erzeugt,
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die dann halt Gutes tun für die Menschen hier. Also dann noch so diesen Spirit mit verbreiten.
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Ich finde das so ganz schön, dass sich das jetzt so ergänzt,
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diese drei Geschichten.
Micz Flor
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Ja, ich fand, das macht dann nochmal was Neues auf jetzt, weil die Frage war
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ja eben noch bei der letzten, was ist so diese Riese und die Steine und dann
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ein Schloss draus machen.
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Und jetzt sind diese drei Frauen, also Frauen scheinen auch eine wichtige Rolle
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in der Regierungsführung, mal gucken.
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Und die dann so fast die Füße, fast den Boden nicht berühren,
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dann da so hoch schweben.
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Und wir stehen jetzt ja hier auch, da ist diese Tale, sind die Wolken.
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Und dann habe ich gedacht, das ist vielleicht dann doch irgendwie so eine Sache
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von die Steine, der Riese, der trampelt die Lawine.
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Und die Wolken,
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während wir hier sind, war es wieder ganz weiß, jetzt ist es wieder sichtbar.
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Ich habe ein paar Fotos gemacht, vielleicht können wir die da zulegen.
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Also das vielleicht wirklich...
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Der Bezug zur Natur ist. Dass halt diese Wolken, Fetzen, die dann irgendwie
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sich da auf einmal drüberlegen, hochdrücken oder von oben runterkommen,
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so dieses Weibliche sind und der Riese und die Steine und das,
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was dann so in Lawinen runterkommt,
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was eher destruktiv ist, das ist dann so das Männliche, wenn man das so ein
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bisschen aneinander reiben möchte.
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Und ich finde es interessant, dass da auch wieder so viele Frauen drin sind.
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Klar, bei Märchen sind es ja oft Frauen. Da gibt es immer die Schwiegermutter,
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die Königin. das Mädchen, also Rotkäppchen so.
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Männer sind da eher so marginal oft.
Florian Clauß
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Nee, nee, nee. Also du hast eigentlich immer die erlösende Rolle beim Mann.
Micz Flor
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Ja, genau. Aber der ist dann eher so.
Florian Clauß
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Also es gibt dann immer so derjenige, das heißt, Hänsel und Gretel ist ja einer
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der wenigen, wo dann halt quasi sich die Kinder ermächtigen.
Micz Flor
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Das zu machen.
Florian Clauß
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Ja, auch das Gretel einfach, was dann halt diesen Schritt macht.
Micz Flor
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Ja, Hänsel und Gretel finde ich
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es wirklich auch nochmal eine andere Art Märchen, obwohl es da immer Ja.
Florian Clauß
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Es ist nicht wahr, genau.
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Also es ist sehr ungewöhnlich, dass dann halt auch so die Frauen dann tatsächlich
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diese magische Erlösung herbeiführen.
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Man kann sich das auch als Anime dann so super vorstellen.
Micz Flor
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Ja, das stimmt.
Florian Clauß
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Das heißt, die schweben dann halt einfach über dem Boden.
Micz Flor
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Ja, oder auch wieder Anknüpfung an die allererste Geschichte in der letzten
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Folge, Episode 112, diese Kirche.
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Wo ich ja meinte, irgendwie ist diese Kirche so klein und so verletzlich und
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gleichzeitig aber auch steht der große Berg, steht zur Kirche und gefriert alles ein und es schneit.
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Dass diese heiligen drei Könige, dass das diese drei Damen sind.
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Also so ein bisschen, als ob da sich unterschiedliche Narrative miteinander verweben.
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Also ob da eben auch dann auf einmal so christliche Bilder und Geschichten irgendwie
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sich mit Naturgeschichten, die wirklich hier verortet sind, mit dem Tuxerjoch.
Florian Clauß
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Ja, das überlagert sich da. Aber was immer, glaube ich, so herausreben ist, ist, dass eben,
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Genau das, was du dann gibst, bekommst du zurück und da wirst du aber noch belohnt.
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Und der Bauer, der erst mal sagt, super, weil da muss ich das verdienen.
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Und die so, nee, nee, nee, du nicht, du hast jetzt noch nicht deine moralische
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Integrität bewiesen. Aber deine Tochter hat es getan.
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Das ist ja wieder so das ganz starke Bild der Schicksalsgemeinschaft.
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Das heißt, du gibst was, du kriegst was, du bist für andere da und du kriegst auch was zurück.
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Das ist, glaube ich, so das Sinnbild von dieser Geschichte, würde ich mal so hervorheben.
Micz Flor
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Ja, es ist so ein bisschen wie auch so Frau Holle oder so. Also das Mädchen
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macht alles richtig, holt das Brot und macht so und dann kriegt es dann Gold
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und dann kommt halt die Pechmarie und kriegt nur das Pech. Also diese...
Florian Clauß
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Genau, dieses Karma, diese Ursache, Wirkung und nur so, wie du dich...
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Also quasi so die Verstärkung von Moral. Also wenn du dich halt so gut verhältst,
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dann wird das eben belohnt.
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Das heißt da im Original auch salig, also nicht selig, sondern salig.
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Und salig ist auch nochmal so ein Wurzelwort, was dann sehr altertümlich ist.
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Also auch auf so einen vorchristlichen Kontext dann deutet, was ich darüber gelesen habe.
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Die saligen Fräuleins, die saligen Frauen, die dann halt auch.
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Und was muss ich ja erwähnen, das ist ja immer grundsätzlich bei Märchen,
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haben wir auch immer mit Konstellationen, aber Navigationssystemen.
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Das heißt, du bist in einer Situation, häufig ist ganz wichtig,
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dass du irgendwo navigieren kannst in den Bergen.
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Und wenn du die Navigation verlierst, dann bist du eigentlich lost.
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Und dann kommt sie quasi, die Alte als die Laterne, die dann halt den Weg führt.
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Und das ist dann halt auch...
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Einfach ein total wichtiges Motiv in den Bergen, nach Hause zu finden.
Micz Flor
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Also was ich mitnehme, von den drei Sagen, ich glaube, jeder einzeln für sich,
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verwundert mich so ein bisschen. Also habe ich das Gefühl, ich kann mich nicht
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so ganz mit verbinden oder anklingen. Aber,
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diese Natur auf der einen Seite, die Kirche auf der anderen Seite,
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die kommt ja irgendwie vor.
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Diese zarte Prise von christlichen Narrativen, die da so reinkommt.
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Und trotzdem aber dann auch diese große Dominanz von diesen,
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also die wilde Fräulein und jetzt die drei Frauen, also die Rolle von Frauen in diesem Ganzen.
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Die waren in der ersten Geschichte komplett abwesend. Also diese ganze Hochmut,
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das waren nur die Jungs und die Alma, die halt dann rumgeschmissen haben.
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Und dann aber in den anderen ist es so, als ob das Weibliche hier irgendwie,
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eine besondere Rolle spielt.
Florian Clauß
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Ja, ich weiß nicht, ob das jetzt diese Lektionen dieser Sagen sind,
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aber ich fand es auch schön,
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dass es dann halt wirklich diese Geschichten sind und dann auch die gut ausgehen,
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also die beiden letzten sind da, die halt irgendwie gut ausgehen, das Bewahren,
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das Kommunikative, das dann Unterstützende, das Soziale, das Element wird dann
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halt so verweiblicht, also als weiblich konnotiert dargestellt.
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Ist ja eigentlich auch genau das, was hier auch eigentlich so zum Überleben
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dann nötig ist für eine Gemeinschaft, ja.
Micz Flor
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Ist auch interessant, weil ich ja in der nächsten Folge, die ihr in zwei Wochen
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sehen könnt, äh, ja, sehe nicht, weil da geht es auch um Androgynität,
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also um dieses Thema, was sind männliche Attribute, was sind weibliche Attribute.
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Ich finde es ein sehr verwirrendes Thema, aber genau deshalb möchte ich es natürlich
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mit meinem Freund Flo diskutieren,
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Im Rahmen der Verfertigung der Gedanken beim Reden ist es immer wieder so,
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dass ich merke, dass meine Gedanken interessanter werden, wenn ich sie mit dir teile.
Florian Clauß
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Oh, schön. Das nehme ich jetzt mal als Kompliment.
Micz Flor
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Ich baue dir ein Schloss.
Florian Clauß
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Ich kann das auch zurückgeben. Du mein Verstärker mit.
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Okay, ich denke, wir sind hier also an einem Punkt angekommen,
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wo wir dann auch die Sagen vom Tuxer Land, von der Berglandschaft abschließen können.
Micz Flor
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Ja, und ich fand es ganz schön, jetzt diese Sachen zu hören,
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weil wir sind so durchgestapft, haben so Leute gesprochen, aber irgendwie ist
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es schön, so eine Tür aufzumachen in so eine Geschichte hinein.
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Also auch irgendwie nochmal zu merken, weil wir selber jetzt hier unterwegs
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sind und laufen und haben jetzt kein Video geguckt oder sonst was,
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aber dass man dann merkt, es hat auch einen großen Unterhaltungswert.
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Also es hat sowas vorgelesen zu bekommen oder vorgetragen zu bekommen.
Florian Clauß
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Wir gehen gleich auch in die Stube, gleich gibt es Essen. Dann setzen wir uns an den Ofen.
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Ja, genau. Also ihr könnt, wie gesagt, sehen, wo wir langgelaufen sind,
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auf eigentlich-podcast.de.
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Dann werde ich auch nochmal so die Links zu den Sagen und zu den Infos da in den Shownotes packen.
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Dann war das unsere Episode Eigentlich Podcast.
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114.
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Wir sagen Tschüss und ihr habt schon einen kleinen Sneak gehört.
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Dass die nächste Folge erscheint.
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Bis dahin, macht's gut. Tschüss.

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