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Um nochmal aufs Kochen zurückzukommen. Joachim Ringelnatz hat ein Gedichtband
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über seine Jugend und sein Leben geschrieben, in dem er erzählt,
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wie es war, an der alten Alster groß zu werden.
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Und da erzählt er, wie sie mit den Absätzen ihrer Schuhe Pfirsiche knacken und
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dann das Innere gegessen haben, weil es so bitter geschmeckt hat.
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Wie gesagt, kein Biologe, aber als Botaniker würde ich davon dringend abraten, weil Blausäure.
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Aber ja, Menschen und Essen ist eh faszinierend, weil Menschen essen.
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Den Bogen zu mir schließen. Nicht Menschen essen, sondern ich bin komplett farbenblind.
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Und eigentlich ist das so etwas, wo du in der Evolution keine guten Karten hast.
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Weil das, was wir essen, schon sehr davon abhängt, welche Farben es hat. Und es gibt,
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Pilze, die sehr ähnlich aussehen und die sich nur durch eine leichte Färbung
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unterscheiden und der eine macht, dass du dich den ganzen Tag erbrichst und
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der andere macht, dass du satt bist?
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Oder kann man das noch essen? Das ist eine Frage, die immer in der Menschheit relevant war.
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Und da ist es eigentlich sehr kontraintuitiv, dass man als Farbenblinder überlebt,
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außer man ist in der Lage, irgendeinen anderen Skill der Gruppe beizufügen,
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dass die Gruppe also erstmal nicht so schnell merkt, dass man nicht gut gucken
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kann und dann dir weiter mit dem Essen aushilft.
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Und das ist eine der Sachen, über die ich sehr viel nachgedacht habe,
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weil Leben schon sehr faszinierend so im Allgemeinen.
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Bei David Grabber können wir lesen.
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Er hat das Buch geschrieben, The Dawn of Everything, wie die indianischen Kulturen
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Nordamerikas funktioniert haben, als die Europäer auf sie getroffen sind.
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Und da war halt auch ein Ding, dass Alte und Behinderte, wenn sie tatsächlich
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eine zu große Last für die Gruppe waren, aussortiert wurden.
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Und ich glaube, dass das etwas ist, was eher menschheitstypisch ist.
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Das ist auch einer der Gründe, warum ich Angst habe vor Anarchie,
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aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Spaziergang.
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Dementsprechend halte ich es für sehr plausibel, dass mit einer starken Form
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von Sehbehinderung du irgendwann zu sehr außen vor bist, als dass du der Gruppe
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noch etwas beitragen kannst.
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Also das ist schwierig zu erklären, warum eine Gruppe, die ums Überleben kämpfen
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muss von 20, 30 Individuen, dann noch den Komplettblinden mitnehmen sollte,
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weil der sehr viel Aufwand bedeutet
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und vor allem jemanden, der auch seine täglichen Kalorien haben möchte.
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Irgendwo muss es diesen Grad geben von, du wirst zwar stark sehbehindert,
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aber du kannst noch gut genug an der Gruppe teilnehmen, dass du da mitmachen kannst.
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Und da fällt meine Sehbehinderung, also Akromatopsie, die komplette Farbenblindheit,
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irgendwie mehr oder weniger mit rein.
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Wir hatten im Vorfeld geschrieben und ich hatte dir gesagt, wir können gerne
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über das Thema Kochen ohne Kucken reden.
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Denn das ist so eine der Sachen, die mir passiert. Wie gesagt, ich sehe keine Farben.
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Das heißt, ich sehe nicht unbedingt, was gerade in der Pfanne passiert oder im Topf.
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Und das bedeutet dann entsprechend, dass man sich Praktiken aneignet. Und ich bin...
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Vegetarier seit jungen Jahren. Ich habe früher mal so eine sehr liberale,
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libertäre Position vertreten, von wegen, wenn ich das Tier umbringen könnte,
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dann soll ich es ja auch essen dürfen.
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Und dann ist mir aber irgendwann aufgefallen, ich bin aber nicht so wirklich
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in der Situation, ständig Tiere umzubringen. Vielleicht stört mich das schon ein bisschen.
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Also Tiere umbringen. Und dann habe ich mich mit Videos aus der ganzen Welt
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befasst von der Lebendküche in China.
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Also wenn man Fische so aufschneidet, dass sie noch Atmen, also dass es noch
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Muskelkontraktion gibt, während sie serviert werden.
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Mit Seeschlangen, die so zertrennt werden, dass sie auf dem Teller noch zucken,
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also dass die Muskeln noch so Spassmann haben.
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Und bin dann irgendwann gelandet bei Industrie-Schlachtung in Deutschland.
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So, wie sieht das eigentlich aus, wenn bei Tönnies den ganzen Tag Schweine zersägt
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werden? Was macht das mit den Menschen, die das machen?
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Und dann war mir relativ über einen Abend hinweg klar, eigentlich möchte ich kein Teil davon sein.
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Also ich möchte nicht, dass für mich irgendwelche ungelernten Hilfsarbeiter
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aus Rumänien den ganzen Tag mit der Kettensäge Schweine halbieren.
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Ja, das hat dann dazu geführt, dass ich aus einer ziemlich moralischen Abwägung
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relativ jung mich für den Vegetarismus entschieden habe.
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Und das war dann auch so eine der Entscheidungen, die ich nie bereut habe.
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Also ich habe viele Positionen über die Zeit gehabt und verworfen,
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aber der Vegetarismus ist eine der Positionen, die dann doch relativ konsequent geblieben sind.