"Was mich wie die anderen gemacht hat, ist zerstört worden. Ich war wie alle anderen mit vielen Fehlern. Du hast mich anders gemacht, indem du mich aus der natürlichen Ordnung der Dinge herausgenommen hast." Pietros Geständnis

Es ist Februar, es ist Berlinale Zeit. Auch in diesem Jahr wollen wir einen Film von der Berlinale besprechen: "The Visitor" von Bruce LaBruce. Eigentlich wollten Flo und Micz den gemeinsam sehen und frisch mit den Eindrücken aus dem Kino den Film besprechen, das hat aber nicht geklappt. Insofern treffen wir uns eine Woche später vor dem Berlinale Palast, um die nicht mehr ganz so frischen Eindrücke zu verarbeiten. Flo hat den Film auch ausgesucht, weil er damit auch weiter über sein Lieblingsthema erzählen kann: über die Nouvelle Vague. Denn "The Visitor" ist ein Remake des Filmes "Teorema - Geometrie der Liebe" von 1968 von Pierre Paolo Pasolini. Pasolini gilt wohl als einer der streitbarsten und konsequentesten Regisseure des neuen italienischen Films. Pasolini ist 1975 nach seinem Skandalauslösenden Film "Salo - die 120 Tage von Sodom" ermordet worden. Pasolini war Autor, Kommunist und Filmemacher, lebte offen seine schwule Sexualität aus und inszenierte tabuisierte Themen in einer eigenen Filmsprache. Auch Bruce LaBruce bricht mit seinen Filmen gerne gesellschaftliche Tabus, so auch in seinem diesjährigen Berlinale Beitrag "The Visitor". Hier werden explizite pornographische Szenen gezeigt. LaBruce gilt als Erfinder und Vertreter des Queer Cinemas, dreht mit wenig Budget genreübergreifende Low-Budget-Filme, die internationales Aufsehen auslösen. Dabei steht auch seine politische Haltung im Vordergrund. Mit "The Visitor" macht er auf die Situation und Zuschreibungen von Flüchtlingen aufmerksam. Für ihn bedeutet Auslebung der Sexualität eine Art von Befreiung aus den bürgerlichen Denkmustern. Bei Pasolinis Film "Teorema" steht auch die Zerstörung der bürgerlichen Familie im Vordergrund. Von der Struktur hat sich LaBruce sehr dicht am Original orientiert: eine großbürgerliche Familie wird in ihren konsumistischen Verhalten präsentiert, ein Gast trifft ein, der eine unwiderstehliche sinnliche Anziehungskraft auf alle Familienmitglieder ausübt. Modellhaft werden alle Stationen absolviert und durchgespielt: Zunächst die Verführungen durch den Gast, dann die Geständnisse oder Bekenntnisse und am Ende die Transformationen der Protagonist:innen. Wir steigen in dieser Episode am Berlinale-Palast mit "The Visitor" ein, schweifen im Tierpark immer wieder in Richtung Pasolini ab, vergleichen die beiden Filme und die politische Haltungen der Regisseure, sprechen dann ausführlicher über Pasolinis Biografie und Filmsprache, über die geheimnisvolle Figur des Gastes und den Schicksalen der einzelnen Figuren in "Teorema".

Shownotes

Mitwirkende

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Florian Clauß
Erzähler
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Micz Flor

Transcript

Florian Clauß
0:00:03–0:00:05
Also Folge 46.
Micz Flor
0:00:06–0:00:09
Mal klatschen.
0:00:12–0:00:12
Gut,
0:00:16–0:00:24
hallo, willkommen zu Eigentlich Podcast, dem Podcast, bei dem wir laufend reden
0:00:24–0:00:25
und beim Laufen reden. reden.
0:00:25–0:00:30
Rechts neben mir ist Flo und links neben Flo ist Mitch.
0:00:31–0:00:41
Und wir sind hier direkt am Potsdamer Platz und stehen vor dem Berlinale Palast
0:00:41–0:00:43
oder laufen gerade noch auf dem Berlinale Palast zu.
0:00:44–0:00:53
Diese Episode ist die Episode Nummer 46 und Flo wird uns mit einem Thema beglücken,
0:00:54–0:00:57
vielleicht sogar fordern, vielleicht fördern.
0:00:57–0:01:01
Auf jeden Fall hat er das bestimmt pädagogisch gut aufgearbeitet. Ich bin sehr gespannt.
0:01:01–0:01:05
Ich weiß ja schon, was es ist diesmal und bin trotzdem sehr gespannt,
0:01:05–0:01:07
weil ich wenig darüber weiß.
0:01:07–0:01:13
Und soviel kann ich vielleicht sagen. Ich habe das ganze Suchvorlauf mir noch reingezogen.
Florian Clauß
0:01:14–0:01:19
Ja, also das heißt, du hast es angekündigt, es geht um einen Film,
0:01:19–0:01:22
passend zum Berlinale und das
0:01:22–0:01:26
Ganze und die ganze Episode wollte ja auch einen anderen Anfang nehmen.
0:01:26–0:01:29
Vielleicht willst du da noch mal kurz drüber erzählen?
Micz Flor
0:01:29–0:01:33
Der Anfang war, wir wollten zusammen in einen Film gehen in der Berlinale,
0:01:33–0:01:40
der eben sich an diesen Film anlehnt oder den irgendwie Nachspiel von Bruce LaBruce, The Visitor.
0:01:41–0:01:45
Und das ging dann aber wegen Krankheit in der Familie, konnte ich das nicht machen.
0:01:45–0:01:49
Wir haben das verpasst. Wir hatten es ja einmal schon bei Oppenheimer gemacht.
0:01:49–0:01:52
Es war irgendwie so ganz schön, weil man fühlt sich auch so ein bisschen überfordert
0:01:52–0:01:56
und es macht aber auch Spaß, mal so ohne Badehose ins Wasser zu steigen.
0:01:57–0:01:58
Im übertragenen Sinne natürlich.
0:02:00–0:02:07
Aber jetzt musst du aus der Konserve heraus nochmal einsteigen.
0:02:07–0:02:08
Fängst du mit dem Film an?
Florian Clauß
0:02:08–0:02:13
Ja, ich fange mit dem Film an und passe ja zu dem roten Teppich hinter uns.
0:02:14–0:02:18
Wir werden, also das nochmal vorab, wir sind der Podcast, bei dem wir im Laufen
0:02:18–0:02:20
reden und laufend reden, ja.
0:02:20–0:02:24
Und werden jetzt eine Strecke wahrscheinlich durch den Tiergarten gehen.
0:02:24–0:02:31
Und die ganzen Strecken-Tracks könnt ihr dann auf unserer Webseite eigentlich-podcast.de
0:02:31–0:02:35
sehen und auch Zusatzinformationen. Wir haben recht ausführliche Texte,
0:02:35–0:02:37
wir nehmen uns sehr viel Zeit für die Texte.
0:02:38–0:02:43
Epische Zusammenfassungen, die manchmal irgendwie von einer generativen EI unterstützt werden.
Micz Flor
0:02:44–0:02:47
Ja, manchmal ist es so. Inzwischen ist es so.
Florian Clauß
0:02:47–0:02:55
Und das ganze Transkript findet ihr auch auf der Seite oder auf den Podcast-Player eures Vertrauen.
0:02:55–0:02:59
Podcast-Catcher sozusagen. Okay, also du hast es schon gesagt.
Micz Flor
0:02:59–0:03:02
Aber ich muss jetzt noch eine Fußnote machen mit der KI, mit den Texten.
0:03:02–0:03:05
Das stimmt so. Ich versuche das so wenig wie möglich zu machen.
0:03:05–0:03:09
Manchmal schmeiße ich Stichpunkte rein. Es fühlt sich immer scheiße an.
0:03:09–0:03:10
Ich finde, man riecht es sofort.
0:03:10–0:03:13
Man will es eigentlich gar nicht lesen. Es fühlt sich an wie Zuckerwatte.
0:03:14–0:03:17
Die ersten Texte, zumindest bei mir, die sind immer ich.
0:03:18–0:03:22
Ich weiß nicht, ob das bei dir so ist, aber irgendwann trailt es dann so off in mir.
Florian Clauß
0:03:22–0:03:27
Ne, das merkt man schon vom Stil her. Also immer wenn gleichmäßige Absätze erscheinen
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und Zwischenüberschriften, dann ist das ChatGPT.
Micz Flor
0:03:31–0:03:33
Und Emoticons wie Sektflaschen.
Florian Clauß
0:03:36–0:03:40
Okay, du hast es schon erwähnt, The Visitor, Bruce LaBruce.
0:03:41–0:03:47
Und anders war so ein bisschen, ja ich meine, das ist ein Wagnis,
0:03:47–0:03:53
dann aus einem Film von der Berlinale frisch mit Eindrücken eine Rezeption zu schreiben.
0:03:53–0:03:57
Erstmal, ob der Film überhaupt gut ist, ob es sich lohnt, darüber eine Episode zu machen.
0:03:57–0:04:03
Und dann das Ganze auch so glückt.
0:04:03–0:04:05
Deswegen habe ich mir schon von Anfang an eine Brücke gebaut,
0:04:06–0:04:10
weil ich werde diesen diesen Film als Einstieg zu meinem Thema wählen, nämlich,
0:04:12–0:04:14
The Visitor ist ein Remake.
Micz Flor
0:04:14–0:04:16
Ich habe ein Foto von der Brücke gemacht, auf der du gesagt hast,
0:04:16–0:04:20
Brücke gebaut. Die hängt dann unten auch auf dem Block in der Galeriethe.
Florian Clauß
0:04:21–0:04:28
The Visitor ist ein Remake. Und der Regisseur passt dann wieder sehr gut in
0:04:28–0:04:29
meine Reihe. Novel Vague.
0:04:30–0:04:39
Man kann ihn so als weiteren Vertreter im weiteren Sinne, im weiteren Kreise der Novel Vague sehen.
Micz Flor
0:04:39–0:04:43
Das finde ich jetzt aber interessant, weil du hattest ja diese 90er Jahre Sache.
0:04:43–0:04:46
Und das fand ich auch interessant, dass ich zuerst dachte, das ist wieder eine
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Folge, wo es die 90er Jahre Strömungen, die dich so im Positiven geformt und erwischt haben.
0:04:53–0:05:01
Und da passt jetzt The Visitor natürlich in dem Anführungszeichen Remake nicht rein, weil es jetzt ist.
0:05:01–0:05:06
Aber auch die Herkunft ist ja deutlich vor den 90er Jahren. Aber war es vielleicht
0:05:06–0:05:10
etwas, was in den 90er Jahren nochmal einen neuen Aufhänger bekommen hat und du es.
Florian Clauß
0:05:10–0:05:14
Deshalb erlebt hast? Wenn du mir auf meinen Folgen zugehört hättest,
0:05:14–0:05:20
wovon ich natürlich ausgehe, weißt du, dass ich auch zuletzt immer wieder die
0:05:20–0:05:23
Nouvelle Vague als Referenz angeführt habe.
Micz Flor
0:05:23–0:05:27
Ja, du hast sie ja sogar vorgelesen. Trotzdem war da eine Reihe,
0:05:27–0:05:30
die du gemeint hast, weil du gesagt hast, Nouvelle Vague-Reihe.
0:05:30–0:05:33
Die Reihe war ja die 90er Jahre-Referenz. Ja, das war ein Aufhänger.
Florian Clauß
0:05:33–0:05:35
Ghost in the Shell war ja auch im
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Prinzip, wie sich die Nouvelle Vague im asiatischen Raum ausgeprägt hat.
0:05:38–0:05:41
Jetzt ist es Pier Paolo Pasolini.
0:05:42–0:05:49
Das ist der legendäre Regisseur, der 1922 geboren ist und ermordet wurde 1965.
0:05:51–0:05:54
Und da gibt es, glaube ich, auch von mir und von dir...
Micz Flor
0:05:54–0:05:54
75.
Florian Clauß
0:05:55–0:05:58
75, habe ich 65 gesagt? Richtig, 75.
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Da gibt es von mir und von dir eine Lieblingsszene aus einem Film,
0:06:03–0:06:05
und den haben wir uns, glaube ich, gegenseitig erzählt, ein 90er-Jahre-Film.
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Ich weiß nicht, ob du dich noch daran erinnerst, und zwar wie,
0:06:09–0:06:13
so ein bisschen halb dokumentarisch, halb erzählerisch, dieser Film,
0:06:13–0:06:14
ein italienischer Regisseur.
Micz Flor
0:06:15–0:06:17
Mein liebes Tagebuch.
Florian Clauß
0:06:17–0:06:18
Wie der mit der Vespa rumfährt.
Micz Flor
0:06:18–0:06:20
Mein liebes Tagebuch. Mein liebes Tagebuch.
Florian Clauß
0:06:20–0:06:21
Willst du die Szene kurz erzählen?
Micz Flor
0:06:21–0:06:25
Die Szene ist, also das ist der, mein Liebes, das ist ein ganz toller Film.
0:06:25–0:06:28
Das ist ein Filmkritiker, glaube ich, der aber eben auch Filme gemacht hat.
0:06:28–0:06:30
Ich habe den Namen jetzt nicht abrufbereit.
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Aber der hat einen Episodenfilm, möchte ich sagen, drei Episoden gemacht.
0:06:35–0:06:39
Und ich glaube schon der erste ist das, wo der mit der Vespa rumfährt. Oder der dritte?
0:06:40–0:06:42
Zweite ist aber das mit den Inseln.
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Aber ich weiß nicht mehr. Aber auf jeden Fall fährt er einfach durch,
0:06:46–0:06:51
die Kamera folgt ihm, wie er auf einer Vespa durchfährt und der monologisiert oben drüber.
0:06:51–0:06:57
Und er kommt zum Schluss, wie heißt das denn, Ostria?
Florian Clauß
0:06:57–0:07:04
Ostia. Ostia, das ist ein Vorort von Rom, der an der Mündung,
0:07:04–0:07:11
deswegen Ostia, das ist dann auch so Mündung des Tibers, liegt der dann ins Meer, mündet.
Micz Flor
0:07:11–0:07:17
Und endet dann eben auch damit, dass dort Pasolini wohl irgendwie eine Falle
0:07:17–0:07:20
gestellt oder wurde dahin Und man weiß es bis heute nicht.
0:07:20–0:07:24
Es gibt Vermutungen und es wurde auch wieder aufgegriffen. Es wurde dann in
0:07:24–0:07:26
irgendwelche rechten Gruppierungen.
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Zugeschrieben. Ich habe das nicht wirklich, aber er wurde brutal.
Florian Clauß
0:07:34–0:07:39
Ja, da gibt es ganz viele Gerüchte drumrum und Spekulationen.
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Es gibt eine Art Dokumentation, die das nochmal aufgerollt hat.
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Es gibt einen Zeitzeugen, der aber auch in den 2000ern gestorben ist.
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Also das kreuzt sich über Stricherjunge, Strichermilieu,
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rechte Schlägertruppen, dann aber auch Pasolini, der angeblich dann für eine
0:07:55–0:08:03
Recherche von dem national national eigenem Erdölkonzern EPI dann Dokumente übergeben sollte,
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wo dann irgendwelche Korruptionsskandale nachgewiesen wurden,
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wo er gerade einen Artikel darüber geschrieben hat. Alles überläuft sich.
0:08:11–0:08:14
Deswegen will ich da auch gar nicht mehr dran aufregen. Aber ich fand das so
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ganz leise erzählt in dem Liebes-Tagebuch, wo er einfach so rumfährt und dann
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siehst du, wie er dann wendet. Und dann, hier wurde Pasolini erworben.
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So ganz aus dem Off. Und so dieses Periphere, das periphere Rom,
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das spielt bei Pasolini in seinen Filmen immer eine ganz tragende Rolle.
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Zumindest in den ersten. Pasolini hat eine Zeit lang auch in Friul,
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das ist dann in dem ostnördlichen Teil von Italien, das Landleben.
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Da haben seine Großeltern gewohnt, hat er dann immer in den Ferien mitbekommen.
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Und er hatte immer so eine Liebe zum Land, zu den einfachen Leuten,
0:08:52–0:08:57
zu den Proletariern. Die hat er entwickelt und seine ersten Filme handeln vor
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allen Dingen von dieser peripheren Sicht.
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Bevor wir jetzt aber in Pasolini da reingehen mit seiner Geschichte,
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mit seinem Leben, möchte ich nochmal kurz zu Bruce LaBruce und der Rezeption,
0:09:10–0:09:12
weil Bruce LaBruce mit The Visitor.
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Referenziert den Film. Also es ist explizit ein Remake von Theorema.
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Theorema hat übrigens den Untertitel Die Geometrie der Liebe.
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Und wir können auch nochmal ein bisschen nachher über was ist ein Theorem sprechen.
0:09:28–0:09:30
Ja, Geometrie der Liebe.
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Und es gibt jetzt noch ein zweites Remake. Das habe ich mir aber leider nicht
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angeguckt. Ich weiß nicht, ob du das gesehen hast.
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Das ist ein japanisches Remake von Takeshi Miike.
0:09:43–0:09:49
Visitor Q. was auch so eine recht verstörende Verfilmung ist.
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Ich hätte die, glaube ich, gerne gesehen.
Micz Flor
0:09:51–0:09:52
Du hast sie gesehen?
Florian Clauß
0:09:52–0:09:54
Nee, habe ich nicht gesehen. Das habe ich erst nachher erfahren.
0:09:55–0:09:57
Bruce LaBruce, ich war alleine.
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Mein Platz neben mir war frei. Nein, es war völlig überfüllt.
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Es war ausverkauft, weil Bruce LaBruce ist wirklich ein kanadischer Regisseur, der schon,
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also ich glaube, der ist in den 60ern geboren, hat in den 80ern eine Filmhochschule,
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seine Ausbildung fertig gemacht und hat vor allen Dingen das ganze Queer- und
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Gay-Independent-Cinema so mitgegründet und aufgebaut.
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Also in den 80ern waren seine ersten Filme, ist quasi so ein Punk unter den Filmemacherinnen.
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Das heißt, er hat eine sehr punkige Attitüde, bricht Tabus,
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ist auch immer sehr low budget seine Filme, arbeitet mit Laiendarstellern und
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Darstellerinnen, ist auch eine sehr charismatische Figur, also es ist einfach ein cooler Typ.
Micz Flor
0:10:43–0:10:43
War jetzt da auch?
Florian Clauß
0:10:44–0:10:47
Der war da, genau. Und die Handlung
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ist das können wir auch mehrfach durchgehen ja
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die handlung ist es kommt ein visitor ein
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besucher von außen in eine großbürgerliche familie
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es geht um das bourgeoisie es geht um diese und ein
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reichtum ja und fängt mit jeder mit ihrem familienmitglied und auch mit angestellten
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des hauses also eine angestellten ein liebesverhältnis an und verlässt dann
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schlagartig die Familie und darauf beginnt die Familie,
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die einzelnen Mitglieder, so auseinanderzufallen.
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Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Es gibt erstmal Geständnis gegenüber,
0:11:28–0:11:30
dass jetzt was passiert ist, als er weg ist.
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Das Gestehen und dann aber auch der Zusammenbruch, die Zerstörung,
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die Zerstörung der Institution Familie bzw.
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Des Bourgeoisen Großbürgertum. Der Film von Bruce LaBruce setzt andere Schwerpunkte als der von.
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Pasolini. Bruce LaBruce, dem geht es vor allen Dingen auch um einen politischen Aspekt.
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Man sieht am Anfang die Hauptrolle, der Besucher, wird gespielt von Bishop Black.
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Das ist ein gebürtiger Engländer, in London groß geworden, ein Schwarzer,
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der hier in Berlin wohnt und eigentlich ein Performance-Künstler ist und ein Pornodarsteller.
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Und ab und zu in dem Ballhaus in der Naunienstraße auftritt und auch hier schon
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eine relativ große Kultfigur ist in Berlin.
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Und auch als Pornodarsteller ist er einer der renommiertesten Pornodarsteller
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in dem ganzen schwulen Milieu. Der spielt die Hauptrolle.
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Der Film ist sehr explizit. Also natürlich setzt Bruce LaBruce auf explizite Sex-Szenen.
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Was ich so in dieser Form im Kino mit anderen noch nicht so geguckt habe.
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War schon ein bisschen, hat sich komisch angefühlt, aber hat auch ganz gut funktioniert,
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weil der hat viel Humor, der Film.
0:12:57–0:13:00
Also der macht sich sehr lustig über sich selber,
0:13:00–0:13:08
über die ganzen Zuschreibungen und hat Momente, die sind dann auch ein bisschen
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schwer zu ertragen, aber ist doch irgendwie unterhaltsam in seiner Leichtfüßigkeit.
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Also er stellt tatsächlich, hatte ich ja schon gesagt, Szenen eins zu eins nach
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und auch die Abfolgen der Szenen, wie die Figuren sich bewegen.
0:13:25–0:13:28
Aber man macht das nur mit so einem Augenzwinkern. In einem Interview,
0:13:28–0:13:30
wo ich es dann noch gehört habe.
Micz Flor
0:13:31–0:13:36
Dieses Augenzwinkern mit dem nachstellenden Augenzwinkern, das würde mich jetzt interessieren.
0:13:37–0:13:39
Augenzwinkern gegenüber denen, die das Original kennen.
Florian Clauß
0:13:40–0:13:45
Ja, aber es wirkt auch für sich als Slapstick. Also ich will eine Szene nacherzählen,
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wo der Gast, also der wird in dem Theorema-Film, wird er von Terrence Stamp gespielt.
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Der Gast sitzt in einem Gartenstuhl im Garten dieses Hauses, was dann halt in dem...
Micz Flor
0:13:58–0:13:59
Großartiges Haus, oder?
Florian Clauß
0:13:59–0:14:03
Ja, das Haus, das ist toll. Also in einem italienischen Film ist das wirklich
0:14:03–0:14:06
so eine Villa, ein Riesengarten.
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Und sitzt der so manspreading, sitzt der halt so da.
0:14:10–0:14:15
Und du siehst die Hausangestellte, wie sie die ganze Zeit um ihn rumschleicht.
0:14:15–0:14:17
Erstmal schneidet sie halt irgendwelche Sachen.
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Und dann schleicht sie um ihn rum und geht dann, rennt ins Haus wieder zurück und rennt wieder raus.
0:14:22–0:14:25
Macht irgendwas im Haus, hat ständig so Überschwung. Man merkt,
0:14:25–0:14:29
dass diesen Charme, dieses Charisma von der Figur total unterliegt.
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Weiß damit nicht, sich umzugehen. Und das ist im anderen, in dem Bruce-La-Bruce-Film,
0:14:35–0:14:38
The Visitor, da ist auch so ein, aber alles viel moderner.
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Da hast du auch so eine Villa, die aber dann britisch-modern aufgezogen ist.
0:14:42–0:14:47
Dann siehst du, wie er dann halt auch dieses Manspreading total überhöht. Also das ist klar so.
0:14:48–0:14:54
Und dann rennt die Angestellte, die von einem Mann gespielt wird,
0:14:54–0:15:00
der rennt dann wieder rein. Nein, wird dann aber so in schneller abgedreht.
Micz Flor
0:15:00–0:15:01
So Bloody Hill mäßig, oder?
Florian Clauß
0:15:02–0:15:07
Ja, genau so. Und er rennt wieder raus, rennt wieder rein, macht irgendwas, geißelt sich dann, ja.
0:15:07–0:15:11
Er geißelt sich, dann zieht sich aus, also macht dann halt so eine Sadomaso-Action.
0:15:12–0:15:18
Und dann kommt eben der Besucher und das muss man ja sagen, es ist ein,
0:15:18–0:15:22
also ein Wesen nicht von dieser Welt, ja.
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Also es wird in verschiedenen Repetitionen, auch jetzt im Alten,
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wird dann gesagt, es ist halt ein Gott.
0:15:28–0:15:33
Es könnte etwas Göttliches sein, es könnte ein Held sein. Er hat eine unglaubliche Anziehungskraft.
0:15:34–0:15:39
Was ich in dem Originalfilm auch echt gut umgesetzt finde.
0:15:39–0:15:44
In dem anderen, in Bruce LaBruce, ist es dann so, dass es dann in so eine Sexualität
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abgleitet, wo er dann aus seinen Augen, die werden so weiß, milchig weiß von dem Besucher.
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Und das heißt, dann hat er diesen sexuellen Körper angenommen und es wird dann
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eben Geschlechtsverkehr.
Micz Flor
0:16:01–0:16:02
Ah, okay, interessant. Interessant.
Florian Clauß
0:16:02–0:16:05
Ja, also das ist das Sexuelle.
Micz Flor
0:16:05–0:16:07
Also da wird dann wirklich der Körper verändert sich.
Florian Clauß
0:16:07–0:16:10
Der Körper, also das heißt, die Augen von ihm verändern sich,
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werden dann eben so explizite Szenen gezeigt werden, kommen auch immer so Zwischentitel,
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es kommt eine ziemlich starke Technomusik dazu und Zwischentitel wie zum Beispiel,
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Kolonialisiere den Kolonialisierer, also Colonizer.
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Und solche Zwischentitel werden eingeblendet mit so einem, also das meine ich
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mit Augenzwinkern, Oder es dann wieder so ein bisschen gebrochen wird in dieser Explicitität.
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Also das heißt, das ist eigentlich ertragbar. Und das fand ich irgendwie so
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ganz interessant als Beobachtung. Das ist natürlich.
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Und es geht auch jetzt nicht um diese klassischen Porno, sondern es sind schon andere Darstellungen,
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die dann in diesem ganzen queeren Umfeld und so weiter als Ausdrucksformen,
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wo ich mich halt jetzt nicht so auskenne, aber so als Ausdrucksformen entwickelt wurden.
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Und wie gesagt, der hat eine unglaubliche Authentizität, in dem Bereich und auch ein Auftreten.
0:17:04–0:17:09
Und ja, also es ist halt schon trashig, das muss man sagen. Es ist trashig,
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es sind Leihendarsteller, merkt man schon.
0:17:12–0:17:17
Aber es war jetzt doch nicht so, wo ich dann dachte, oh, das war jetzt vertane Zeit.
Micz Flor
0:17:17–0:17:20
Das hattest du eine Befürchtung?
Florian Clauß
0:17:20–0:17:23
Ich hatte so ein bisschen. Ich meine, du hattest es ja auch so.
Micz Flor
0:17:23–0:17:27
Ich hatte das irgendwie auch gedacht. Ich muss auch zugeben,
0:17:27–0:17:29
dass ich schon dann auch dachte, Ich dachte, es wird schwer,
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darüber zu sprechen, weil, wie du auch schon sagst, der Diskursraum,
0:17:35–0:17:40
Einfach etwas ist, in dem ich mich nicht gut bewegen kann.
Florian Clauß
0:17:40–0:17:48
Ja, also wir als alte, alte weiße Männer bemächtigen uns dann jetzt zu einem Diskurs.
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Ja, aber irgendwie finde ich das auch legitim, da einfach sich in dem Raum zu
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bewegen und das sich anzugucken und auch die Darstellungsformen einfach auch so wahrzunehmen.
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So ganz objektiv gesprochen. Also der Busler Bus hat eben seit 80er Jahren immer
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wieder Filme gemacht, auch war glaube ich viermal auf der Berlinale als ein
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gern gesehener Gast im Panorama.
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Tritt jetzt natürlich mit diesem Film in einem Teddy Award an,
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also dem schwulen Film im Bereich der Berlinale.
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Sein letzter Film ging es um eine feministische Utopie, heißt von 2017 The Misan
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Driss. ist die Frage auch bei dem Film, diese Befreiung der Figuren durch Sexualität.
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Das ist halt die Zerstörung durch den Gast, die Befreiung, Zerstörung.
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Das sind so ein Gegensatzpaar, was dann bei dem The Visitors Film,
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bei dem jetzigen dann eher in Richtung Utopie entschieden wird.
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Also es geht um wirklich eine utopische Darstellung der Situation.
0:18:51–0:18:57
Und das wird sich so ein bisschen abheben von Pasolini. Also das,
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was Bruce LaBruce auch mit seinen Szenen, mit dem Sex, mit der Sexualität so
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zeigen will, ist auch so eine Befreiung.
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Er sucht dann auch nicht den perfekten Körper, sondern er stellt einfach so dar.
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In der Form, wie sich Menschen, also wie sich vielleicht diese Charaktere,
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die Figuren vor laufender Kamera auch zeigen möchten. Also ich glaube.
Micz Flor
0:19:23–0:19:27
Kann ich kurz da einhaken, so Gedanken, die bei mir gerade dann auftauchen,
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einfach nur so kurze Bullet-Points-Ideen, weil das eine ist eben,
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dass die Augen sich da so verfärben, das hat mich sehr irritiert,
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weil das natürlich in dem Pasolini-Film gar nicht der Fall ist.
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Ist also der Körper des Visitors ändert sich nicht.
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Und da ändert er sich aber scheinbar. Da passiert was mit den Augen.
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Da habe ich gedacht, was macht das mit mir, wenn ich das denke?
0:19:53–0:19:53
Die Augen verändern sich.
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Die Assoziation, die ich dann habe, ist natürlich andererseits der Blick der
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Begierde, also der Blick auf das Andere, wo dann der andere Körper auch zum Objekt werden kann.
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Und auf der einen Seite, dass das nicht zugelassen wird, dass das ein Objekt
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ist, an dem man sich, dass man begehrt, sondern dadurch, dass die Augen durch
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die Blindheit, gibt es den Blick nicht.
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Das ist das eine. Das andere ist aber auch dann die Frage Blindheit gegenüber.
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Dem anderen, also dass Diversität dort als Konzept gar nicht diskutiert werden muss,
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weil in der Blindheit wird das andere jetzt nicht erkannt.
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Weißt du, was ich meine? Also dass die Blindheit auch dafür sorgt,
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dass diese Lust, diese Begierde so Darkroom-mäßig passiert. Das ist ja im Dunkeln
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insofern einfach wirklich das Körperliche steht dann über dem,
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was dann eben das Politische wäre.
Florian Clauß
0:20:53–0:20:57
Ja, also tatsächlich hat auch der Bischof Black in diesem Interview dann gesagt,
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dass er als schwarzer Traum zu einer Projektionsfläche wird im Akt.
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Das heißt, es würde so ein bisschen so, er ist Objekt in der,
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aber gleichzeitig ist er sehr progressiv in dem, wie er fortschreitet.
0:21:13–0:21:18
Ja, er wird erstmal so aufgenommen in die Familie, aber er wird dann überhaupt
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nicht in Frage gestellt.
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Also es gibt auch eine Szene, die dann ja so ein bisschen von Salo entnommen wird.
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Und das ist die erste Szene, nämlich wenn er reinkommt, wird er von der Markt
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empfangen, von der Hausangestellten.
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Und das erste, was er macht, er pisst in die Suppe und kackt auf den Teller.
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Und das wird der Familie dann zu essen gegeben.
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Und in dem Moment, also bei Salo ist es ja auch so, dass dann die,
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also Salo muss man ja vorweg sagen, es ist, glaube ich, einer der umstrittensten
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Filme der Filmgeschichte.
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Die Pasolini hat den 1975 gedreht und Salo soll, hebt die Erzählung von Marquis de Sade aus dem 18.
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Jahrhundert faschistische Republik, die sich gegründet hat in den 40ern und
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es wird eine Diktatur ausgeübt.
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Also es ist dann auch so eine uniformierte Männer und Frauen,
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die dann junge auch Männer und Frauen gefangen halten und foltern.
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Also es wird auch sehr explizit dargestellt in dem Film und da gibt es auch
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eben die Szene, wo dann die Gefangenen eben ihre eigenen Instrumente essen müssen.
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Auch alles so dargestellt.
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Und es war damals, war der Film, er ist noch heute in einigen Ländern verboten.
0:22:43–0:22:48
Also auch hier hat sich Bruce LaBruce am Original orientiert.
0:22:48–0:22:54
Also das ist jetzt nicht, dass er dann die Explizität, hat auch Pasolini schon
0:22:54–0:22:55
immer in seinen Filmen gehabt.
Micz Flor
0:22:55–0:23:01
Aber dann im Original im Sinne von der Haltung und nicht vom Film per se, meinst du.
0:23:01–0:23:04
Also im Original am Autoren Pasolini.
Florian Clauß
0:23:07–0:23:13
Autor am Film, also direkt an den Bildern auch. Also die Bilder eins zu eins
0:23:13–0:23:15
übernommen. Oder was war jetzt der Punkt?
Micz Flor
0:23:15–0:23:19
Mit dem Kacken auf den Teller, das ist jetzt ja nicht in Theorema, sondern das ist...
Florian Clauß
0:23:19–0:23:20
Nee, das ist aber in Salo.
Micz Flor
0:23:20–0:23:25
Genau, also das heißt, der hat das Werk, Pasolinis Werk übernommen in seiner
0:23:25–0:23:28
Gänze und sich nicht nur an das...
Florian Clauß
0:23:28–0:23:33
Aber es geht darum, dass diese Explizität auch bei Pasolini so vorkommt.
0:23:33–0:23:40
Das war dann nämlich eine Frage aus dem Publikum nach dem Film und wo eine Zuschauerin
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dann sagte, ja, soweit sie sich erinnert, war das jetzt nicht so explizit bei Pasolini.
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Aber es gibt auch genau die Szene, wo dann der Sohn des Hauses,
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nachdem er eben der Gast die Familie verlassen hat und er sich dann in diesem
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Zustand der Findung, dieser Verwirkungsphase, wird er Künstler.
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Und er malt ein Bild in Blau und dann pisst er auf das Bild.
0:24:05–0:24:09
Und das war auch in dem Film so. Und das war schon so, wow, wow.
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Das heißt, Pasolini hat uns da auch nichts erspart.
0:24:14–0:24:19
Und insofern finde ich das durchaus konsequent, den Film in so einer Form dann halt auch zu drehen.
Micz Flor
0:24:19–0:24:23
Ja, und ich finde aber auch natürlich die Frage, ob es das Gleiche ist.
0:24:23–0:24:25
Das ist natürlich auch nochmal interessant, wie der kulturelle Hintergrund sich
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verändert hat, sodass das Gleiche im Vordergrund, vor dem kulturellen Hintergrund
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dann vielleicht doch vergleichbar ist. Weißt du, was ich meine?
Florian Clauß
0:24:34–0:24:39
Ja, aber es ist eine ganz andere Filmsprache, es ist eine ganz andere Herangehensweise.
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Ich meine, natürlich hat Pasolini durch seine Art zu ästhetisieren und auch eine eigene Sprache.
0:24:45–0:24:50
Er hat das Buch, das Kino und die Poesie geschrieben.
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Er ist überhaupt ein sehr schriftstellerisch veranlagter Mensch.
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Also es gibt auch ein Buch, Theorema, das er dann geschrieben hat,
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ich glaube sogar im Nachhinein, wo er dann auch einige Sachen mehr aus- und
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erklärt hat, als es im Film ausgeführt ist.
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Er hat eine eigene Filmsprache entwickelt. Das hebt ihn, glaube ich,
0:25:13–0:25:15
auch nochmal so besonders hervor.
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Und das ist zu der Zeit, deswegen sagte ich ja im weiteren Kreis der Nouvelle Vague.
0:25:20–0:25:24
Und ich weiß nicht, ob dir das jetzt bei dem Film, bei dem Schnelldurchlauf
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gucken von Theorema aufgefallen ist.
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Was ich absolut faszinierend finde, auch von Pasolini schon immer,
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ist, dass er so ganz straight erzählt.
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Er hat so eine Art von Stationstheater, wo ganz genau klar ist,
0:25:40–0:25:49
jede Figur handelt in einem ganz geradlinigen Weg und es ist so ein modellhaftes
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Durchspielen von etwas.
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Aber ich krieg das was Künstlerisches. Oder was Künstlische.
0:25:54–0:25:58
Künstlerisches, weißt du, was ich meine? Also es ist auch sehr frontal immer gefilmt.
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Das heißt, dieses Zögern und Zaudern sind alles so Gesten und Mimiken,
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die jetzt nicht zwischen den Figuren passieren,
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sondern in der Figur selber so durchgespielt wird und sehr geradlinige,
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zielweise Struktur daraus ableitet.
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Was dann auch immer mit so einem Schuss, Gegenschuss, fast so in die Kamera
0:26:20–0:26:23
guckend, was wir ja schon gelernt haben, was verboten ist,
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in dem Kino, in dem Hollywood-Kino, wo ein kohärenter Raum geschaffen wird.
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Also das ist auch nochmal so bezugnehmend. Es gibt eine Hausarbeit, die sich mit.
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Der Filmsprache von Pasolini auseinandersetzt und die in Beziehung setzt,
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Buch, das Bewegungsbild und das Zeitbild.
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Ich weiß nicht, ob du die Abhandlung kennst.
Micz Flor
0:26:49–0:26:49
Nee.
Florian Clauß
0:26:50–0:26:58
Das Bewegungsbild ist eine Beschreibung, die das zeitgenössische Hollywood-Kino angeguckt.
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Und das geht so ein bisschen wie dieses, was wir in der Episode von Das Fest
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hatten, nämlich die mise en scène.
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Man schafft einen kohärenten Raum, der für den Zuschauer so dargestellt ist
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in den Blickachsen, in der Aktion-Reaktion, also deswegen das Bewegungsbild,
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dass es als echt wahrgenommen wird.
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Dass dieser Raum quasi ein fiktionaler Raum ist, wo eine echte Physik herrscht,
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die ich auch, also jetzt Physik auch im Sinne von sozialem Zusammenspiel,
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die ich auch übertragen kann auf mein Jetzt.
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Und dann gibt es halt so diese Action-Szenen und so weiter, die dann eben als
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als authentisch wahrgenommen werden, weil es keine Brüche gibt innerhalb der
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Kausalität von Raum, die auf der Leinwand erschaffen werden.
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Und er setzt dagegen das Zeitbild, was dann genau diese Brüche,
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was die Nouvelle Vague eingeführt hat.
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Das heißt, die Zeit springt auf einmal. Es gibt andere Blickachsen der Kamera und so weiter.
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Und diese Brüche hat Pasolini auch in seinen Filmen drin. Und er hat in seiner
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theoretischen Schrift das Kino und die Poesie auch seine Filmsprache beschrieben.
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Und die geht von sogenannten, aber ich kriege das jetzt nicht so zusammen,
0:28:17–0:28:22
es gibt so IM-Zeichen, also IM-Zeichen und es gibt dann auch eine gewisse Symiotik.
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Also er leitet auch so einen literarischen Konzept von, also Poesie,
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leitet er eben auch seine Bildsprache ab, die aber gleichzeitig auch so ein
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bisschen mit Archetypen arbeitet. Also das haben wir ja auch bei...
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Jung, die Archetypen. Das heißt, es gibt Zeichen, die sich dann eher durch Träume
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und so erschließen, die aber nicht so erklärbar sind.
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Da gibt es zum Beispiel bei La Ricotta, das hatten wir auch schon mal erwähnt,
0:28:49–0:28:53
den Film, der Weichkäse-Kurzwilm von Pasolini, wo es um eine Kreuzigung geht.
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Ich finde den Film großartig.
Micz Flor
0:28:55–0:28:56
Haben wir den erwähnt?
Florian Clauß
0:28:56–0:29:00
Wir haben den in einer der ersten Folgen, ich glaube, ich habe den tatsächlich
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bei meiner ersten Folge erwähnt, als ich über über Gurusawa gesprochen habe,
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wo dann ein Laiendarsteller, es war eine Kreuzigungsszene, Orson Welles ist
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der Regisseur, es soll eine Kreuzigungsszene nachgestellt werden und die,
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rekrutieren lauter Landschauspieler und die haben halt kein Geld und der eine
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hat halt so Hunger und hat dann so einen riesen Ricotta,
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das findet der auf so einem Buffet und stopft da sich halt wie blöde rein und
0:29:27–0:29:33
dann fängt aber der Dreh an und dann wird der halt ans Kreuz gehangen,
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Ja, und da verschluckt er sich so, weil er sich so schnell gegessen hat und
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stirbt dann tatsächlich in dem Kreuz.
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Und dann passiert auf einmal eine echte Kreuzigung.
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Und da ist halt einer der frühen Filme, wo er auch viel mit kleinen Darstellern,
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Pasolini arbeitet, also so mit diesen italienischen Landbauern und dem Proletariat,
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ja, wo er auch so eine ganz emotionale Verbindung hat, ja.
0:29:59–0:30:04
Ja, also Pasolini geht in so eine Schicht rein, ja, und er hat auch so eine
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Abneigung gegen das Bourgeoisie, ja.
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Er hat eine absolute Abneigung gegen die Konsumgesellschaft, ja.
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Er lässt sich da überhaupt nicht einordnen, ne. Das ist ein absoluter Freigeist.
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Ich habe leider nicht die Biografie gelesen, aber es wäre total interessant,
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weil der sich da wirklich in keine Schublade ein...
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Und ich glaube, der hat sich auch nichts sagen lassen von irgendjemandem und
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hat dadurch aber auch so eine Freiheit in der Filmsprache entwickelt,
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entwickelt, wie halt nur wenige Regisseure dann halt das auch entwickeln konnten.
Micz Flor
0:30:32–0:30:36
Ja, ich denke jetzt so ein bisschen an Schlingensief Theater und da wird das
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so schön was mit Laiendarstellern, die dann eben eine eigene Kraft und eine eigene Ästhetik auch,
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auf die Leinwand oder auf die Bühne bringen, da muss ich jetzt irgendwie assoziativ
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dran denken. Ich weiß nicht, ob das...
Florian Clauß
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Naja, nee, Schlingensieb ist
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ja auch so ein, der dann gleichzeitig von so einer Religiosität erzählt,
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weil er selber ein Katholik und sehr religiös aufgewachsen ist,
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aber auch total der Heretiker ist und Atheist, ja, und Pasolini genauso.
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Also es gibt immer wieder dieses, dieser Bezug.
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Ich glaube, du bist in Italien unausweichlich mit der Geschichte der Kirche konfrontiert.
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Also in keinem anderen Land ist das ja so verflochten.
Micz Flor
0:31:20–0:31:23
Ja, das ist eben auch was, was ich meinte, halt der kulturelle Hintergrund,
0:31:23–0:31:26
vor dem du Bilder entwirfst, dass die Bilder eine Wirkung haben,
0:31:26–0:31:29
die man wirklich nur vor dem Hintergrund, glaube ich, gänzlich umfassen kann
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und das erleben kann und dann auch wieder jeder andere.
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Und wenn du dann das Gleiche erzeugen möchtest in einer anderen Kultur,
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von einem anderen kulturellen Hintergrund, musst du den Vordergrund anders assoziieren.
0:31:41–0:31:46
So meinte ich dann auch über die Jahrzehnte hinaus, dass der Film jetzt in der
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Tat wahrscheinlich ganz anders war bei Bruce Laboose, aber dann eben trotzdem,
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das Erleben weiter inszeniert hat.
Florian Clauß
0:31:56–0:32:01
Also was bei Bruce Laboose sehr wichtig ist, dass er sehr politisch sein möchte.
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Er möchte, der Film fängt an, dass ein Koffer an der Themse,
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am Themseufer angeschwemmt wird.
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Und aus diesem Koffer kommt dann The Visitor, Bishop Black und der macht dann
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halt auch so eine Tanz-Performance, also wie er sich dann aus diesem Koffer
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schält, das ist schon beeindruckend.
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Und dann siehst du halt auch an anderen Orten von London, wie dann halt dieser Koffer da ist.
Micz Flor
0:32:21–0:32:24
Das wollte ich sagen, das ist auch nochmal ein großer Unterschied von dem,
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was ich gelesen habe, dass bei Bruce LaBouche The Visitor ein Phänomen ist und nicht nur eine Person.
0:32:30–0:32:32
Also es heißt ja nicht The Visitors, also es ist kein Plural,
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dass jeder Einzelne ist ein Visitor, sondern...
0:32:37–0:32:42
The Visitor ist eher ein Phänomen, was aber dann ganz viel gleichzeitig auftritt.
Florian Clauß
0:32:42–0:32:48
Genau. Und er will explizit da auf die Refugee-Situation hinweisen.
0:32:48–0:32:52
Also hat er gesagt, Refugees sind Flüchtlinge, die suchen hier.
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Und es ist ihm ganz wichtig, dass die dann auch integriert werden in die bürgerliche
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Familie. Und dass die auch so ein Selbstbewusstsein bekommen.
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Also das ist ja auch das, was er dann so entwickelt. Also er will politische
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Akzente setzen. Und bei dem Original-Theorema 1968 spielt es zu der Hochzeit
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der Studentenbewegung, also wo sich dann eh die Gesellschaft so politisiert hat.
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Gleichzeitig ist es aber eher eine dystopische Sicht von, also es ist keine
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utopische Sicht, es ist eher eine dystopische Sicht.
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Und da möchte ich dir nochmal eine Passage von Pasolini aus dem Buch Theorema
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vorlesen, wo ein bisschen klarer wird, wie er diese revolutionäre Potenzial
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von den Studenten und Studentenbewegungen ansieht.
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Und er schreibt da, diese Bürgerkinder seien mäßig mürrische Demokraten,
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überzeugt, dass nur die wahre Demokratie die Falsch zerstört.
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Anarchistische blonde Jungen, die treuherzig das Dynamit mit ihrem guten Sperma
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verwechseln und als Störenfriede haufenweise mit großen Gitarren durch Straßen
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ziehen, die falsch wie Kulissen sind.
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Piros der Hochschule, die das Auditorium Maximum besetzen und die Macht fordern,
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statt ein für alle Mal darauf zu verzichten.
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Revolutionäre mitsamt ihren Revolutionärinnen, die beschlossen haben,
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dass Schwarze sind wie Weiße, aber Weiße vielleicht doch nicht sind wie Schwarze.
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Sie alle, alle bereiten nichts anderes vor, als die Ankunft eines neuen Gottes
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der Ausrottung, sind in Unschuld gezeichnet mit dem Hakenkreuz.
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Und werden doch die Ersten sein, die mit den echten Krankheiten und echten Lumpen
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am Leib in die Gaskammer kommen. Ist nicht das, was sie wollen?
0:34:38–0:34:44
Da sieht man schon, also ein bisschen merkt man das Salo auch dahinter,
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weil die Gefangenen sehen auch aus wie eben so Studentinnen und Studenten aus dieser Bewegung.
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Und es werden wahrscheinlich auch, wird dann referenziert, die,
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die dann eben sich auf die Barrikaden setzen und dann von den Anhängern des
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Faschismus eingenommen werden, ja.
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Und gleichzeitig ist es auch die bürgerliche Familie, weil es gibt ja auch bei
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Theorema dann eben der Sohn, der studiert, ne.
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Und da merkst du auch so ein bisschen diese Studentenkulisse dahinter.
0:35:13–0:35:14
Die Tochter ist noch eine Schülerin.
Micz Flor
0:35:15–0:35:16
Ja.
Florian Clauß
0:35:16–0:35:22
Aber da merkt man so die Richtung, in die Pasolini da einschlägt, ne.
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Und das ist halt so der Freigeld, also er hat schon so diese...
0:35:28–0:35:32
Dieses revolutionäre Potenzial, vielleicht muss man nochmal einen Schritt so
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ein bisschen in die Biografie zurück von Pasolini, um auch zu verstehen,
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warum er da so eine gewisse Frustration aufgebaut hat.
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Aufgebaut hat, das ist so, dass er war dann während des Krieges in dieser friolischen
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Gemeinde Lehrer geworden. Und er war wohl ein sehr guter Lehrer.
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Ich glaube, er war durchweg so ein total sympathischer Typ, der dann auch eben
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in der Didaktik mit seiner Authentizität,
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mit seiner Direktheit dann auch die Kinder so begeistern konnte.
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Da wird auch so, wird dann in einem Absatz beschrieben, die Konzepte,
0:36:10–0:36:12
die er da so angewandt hat,
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also Kinder selbst zu ermutigen, Sachen zu schaffen und dann halt auch wirklich
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so zu moderieren, dass das eher so in den 70ern, also 15 Jahre später,
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20 Jahre später dann in der Pädagogik diese Konzepte Einzug gehalten haben.
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Und die hat er schon praktiziert so.
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Und er war auch offen schwul. Also er hat das dann halt auch jetzt nicht irgendwie
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versucht zu verheimlichen.
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Und er wurde dann von drei Schülern angeklagt, dass das sehr übergriffig geworden
0:36:39–0:36:43
ist, was ihm aber nicht stimmte, sondern das war dann halt ein Coup gegen ihn,
0:36:43–0:36:45
um ihn da rauszuhaben aus der Schule.
0:36:45–0:36:48
Und er wurde dann auch aus seiner aus
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der kommunistischen partei ausgeschlossen später auch gerade
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deswegen also er war halt einfach nicht einordnbar und er war dann irgendwie
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ein totaler outlaw der gesellschaft und zusammen mit seiner mutter ist er dann
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also er ist in bologna geboren eher in norditalien ist dann nach rom gezogen
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das war dann so 1950 und hat dann da Da müsste man wirklich,
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glaube ich, mal seine Biografie lesen, weil mich das echt,
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also weil mich schon interessiert, wie er so als.
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In dieser Gesellschaft überlebt hat. Er hat dann halt viele,
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er hat dann so seine literarischen Ambitionen weiter ausgebildet,
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hat einen Roman geschrieben,
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hat Bücher geschrieben, hat dann auch in der Peripherie von Rom dann seine Figuren
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aufgebaut, die Mama Roma hatte.
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Das ist dann ein Film von 1962, einer der ersten Filme, die er gedreht hat.
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Er hat Artikel geschrieben, hat dann auch bei Drehbüchern mitgeschrieben.
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Zum Beispiel auch von Luis Trenker und Fellini.
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Also das sind so die anderen großen Regisseure, also einmaligen Regisseure.
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Federico Fellini und Antonioni und Pasolini, das sind glaube ich so diese großen
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Regisseure, die man da der Nouvelle Vague anrechnen könnte.
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Die das Kino in den 50ern und 60ern so maßgeblich in Italien geprägt haben und
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in den 70ern. Und in dem Oeuvre, also irgendwann, kam dann Pasolini zum Filmemachen.
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Das frage ich mich auch, wie ist das dann irgendwie so, mache ich jetzt Filme?
0:38:24–0:38:28
Er hat, glaube ich, dann versucht, auch dass Fellini seine Filme mitproduziert,
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aber das hat nicht geklappt oder er wollte nicht.
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Also deswegen sage ich, man müsste nochmal die Biografie lesen und gucken, was da passiert ist.
0:38:35–0:38:42
Er hat mit relativ wenig Budget, es kamen, glaube ich, 61 Akatone raus oder
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60 und dann 61 oder 62 der Mama Roma,
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die auch, also das ist auch wieder so archaische Filme, so authentisch archaisch
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und spielende Milieu sind es ja auch wirklich so.
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Und das ist diese Unmittelbarkeit von Aktionen, die dann halt wahrscheinlich
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in der höchsten Ausbreitung von Sexualität auf der Leinwand dargestellt wird.
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Was gibt es denn Expressiveres, als das so darzustellen?
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Aber so eine Archark da reingebracht in seinen Bildern, die,
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glaube ich, kein anderer als Pasolini so entwickelt hat als Filmsprache.
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Und das merkt man seinen Film an.
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Ich habe das ja so ein bisschen versucht zu beschreiben, gerade wie er den Gast
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aufgebaut hat, diese unglaubliche Anziehungskraft,
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die jetzt, ich weiß nicht, wie du das erlebt hast bei dem Film,
0:39:41–0:39:46
als der Gast ankommt und alle sich so, er ist so ein Magnet,
0:39:46–0:39:52
er muss nicht viel machen, er ist dann halt so ein unglaubliches Objekt der Begierde.
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Also irgendwas, es ist so ein Kraftwerk,
0:39:56–0:40:04
wo alle drumherum so aufschmelzen und nicht anders können, als mit ihm in Verbindung einzugehen.
0:40:05–0:40:09
Ja, wie so ein Gott eben, so ein bisschen wie bei Ilium, dass die Götter einfach
0:40:09–0:40:11
dann machen können, sie sind da,
0:40:12–0:40:15
und drumherum sind alle anderen wie Marionetten und sie können sich dann halt
0:40:15–0:40:20
einfach so frei durch den Äther bewegen und alles richtet sich nach denen aus.
0:40:21–0:40:24
Und so wird der auch eingeführt und dargestellt.
Micz Flor
0:40:24–0:40:29
Ich finde es, gerade in Bezug auf Ilium, ich finde es halt schon total anders eigentlich.
0:40:29–0:40:33
Ich kann es verstehen, weil es ist was Machtvolles dabei, was Machtvolles.
0:40:33–0:40:37
Aber in Ilium, die Götter sind ja eigentlich eher welche, die sich im Kleinen
0:40:37–0:40:39
und Kleinen miteinander verzanken und ausspüren.
0:40:39–0:40:43
Die sind nicht einfach mal sich entspannen in ihrer Macht.
Florian Clauß
0:40:43–0:40:47
Ja, das stimmt. Nicht ganz der Vergleich. Aber das wollte ich sagen.
Micz Flor
0:40:47–0:40:52
Das ist genau diese Macht, die dieser Visitor bei dem Pasolini-Film mitbringt.
0:40:52–0:40:54
Ist, dass er einfach total entspannt ist.
0:40:54–0:40:59
Und wenn er entspannt ist, alle anderen gehen ja durch absolut absurde,
0:40:59–0:41:00
komische Übersprunghandlungen.
0:41:00–0:41:04
Das Erste, die Haushalte, wie gesagt, die um ihn rum, glaube ich,
0:41:04–0:41:07
zusammenrechten, dann zu ihm hingeht und ihm dann so kurz an der Hose was wischt
0:41:07–0:41:10
und dann rennt sie das erste Mal rein, hat ihn aber schon berührt,
0:41:10–0:41:13
dann raus und dann nochmal rein, dann will sie sich gleich umbringen, dann kommt er rein.
0:41:14–0:41:19
Und das ist jetzt eine Assoziation, die ich hatte, die würde ich jetzt einfach
0:41:19–0:41:27
mal sagen, wenn der Visitor dann bei allen eigentlich, bevor die sich dann sexuell vereinen.
0:41:29–0:41:32
Ist da immer so ein Blick, so von, hey, es ist okay, es ist okay,
0:41:32–0:41:34
entspann dich, es ist so gut.
Florian Clauß
0:41:34–0:41:40
Das ist für die Mercury. Da habe ich nämlich das Zitat.
Micz Flor
0:41:40–0:41:41
Da hatte ich es schon mal.
Florian Clauß
0:41:41–0:41:42
Da hatte ich es schon mal erwähnt.
Micz Flor
0:41:42–0:41:46
Wo er einem das ausstrahlt, dass da jetzt so etwas absolut weirdes auf der Bühne
0:41:46–0:41:50
passiert, aber es gibt einem das Gefühl, es ist okay, mach einfach mit und dann befreit das.
0:41:50–0:41:55
Und woran ich denken musste, und ich weiß nicht, wie das zusammenhängt,
0:41:55–0:41:58
ist die Szene aus Drive, kannst du dich an den Film noch erinnern?
Florian Clauß
0:41:59–0:42:00
Ja, ja, mit Ryan Gosling.
Micz Flor
0:42:01–0:42:04
Genau, und Ryan Gosling und der Typ in der Werkstatt, die haben ja diesen Kampf.
0:42:05–0:42:08
Und er schneidet dem ja dann die Pulsadern durch. Ja.
0:42:09–0:42:12
Und er schneidet ihm die Pulsadern durch, dann hält er ihm die Hände fest und sagt so, es ist vorbei.
0:42:13–0:42:15
Ja. Kannst du dich an die Szene erinnern?
Florian Clauß
0:42:15–0:42:15
Nicht mehr so richtig.
Micz Flor
0:42:15–0:42:20
Es gibt diese sehr brutale Szene mit dem Schädel zertreten. Da ist so richtig brutale Zerstörung.
0:42:20–0:42:25
Und mit diesen Pulsadern, da ist nicht mal Schmerz, aber der wird jetzt verbluten. Es ist vorbei.
0:42:25–0:42:29
Und er sagt ihm das auf so eine Art, die wirklich beschwichtigend auch ist.
0:42:29–0:42:36
Und die diese ganze Dramatik und dieses Todesnahe auch irgendwie so weich macht.
0:42:36–0:42:43
Und das fand ich irgendwie von der Haltung ähnlich wie diese Sexualität oder, sag ich mal, Erotik.
0:42:43–0:42:46
Also jetzt nicht Sexualität, also reiner Körperakt.
0:42:46–0:42:53
Wie der Visitor das irgendwie diesen Raum öffnet, sagt, jetzt gib dich hin, also diese Hingabe.
0:42:53–0:42:56
Und das passt ja dann auch ein bisschen zu dem Text, den du gerade vorgelesen
0:42:56–0:43:01
hast, wo es immer um Grenzen geht. Die Revolution, also die Antwort auf etwas,
0:43:01–0:43:04
das Umstrukturieren, das schon Bestehende. Da geht es immer um die Grenzen,
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die schon da sind, die Hierarchien, die schon da sind.
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Man muss das irgendwie umdrehen, aber es ist wie so ein Nullsummenspiel.
0:43:09–0:43:11
Es bleibt immer verkrampft und
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das zeigen alle in dem Film, die dann irgendwie von ihm angezogen sind.
0:43:17–0:43:21
Und in dem Moment, wenn sie sich da einmal loslassen und sich da hingeben,
0:43:22–0:43:25
danach hat sich deren Leben irgendwie verändert.
0:43:25–0:43:27
Das ganze Zusammenleben ist nicht mehr möglich. Es ist irgendwie absurd,
0:43:27–0:43:29
dass dann alle individuell miteinander,
0:43:30–0:43:34
also in sich wachsen, also alle verändern sich innerlich, aber in der Kommunikation
0:43:34–0:43:38
mit anderen, in der Verbindung mit anderen sind sie abgeschnitten,
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ganz komisch. Das habe ich nicht so richtig verstanden.
Florian Clauß
0:43:40–0:43:46
Das stimmt. Also ich möchte nochmal, was du gesagt hast, richtig,
0:43:46–0:43:50
also diese Götter bei Elium, die sind ja in ihren Kriegen dann mit drin,
0:43:50–0:43:54
aber diese Widerstandslosigkeit, ich glaube, das ist, was dieses Feld erzeugt.
0:43:55–0:44:00
Widerstandslosigkeit ist erstmal, wenn du quasi in so Machtgefälle als derjenige,
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der diese Macht inne hat, als so ein Feld, dann schmilzt halt alles in diesem
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Feld dahin und das ist erstmal so durchwartbar, ohne dass man dann großen Widerstand spürt.
0:44:10–0:44:13
Und das finde ich so ganz schön inszeniert bei Theorema.
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Dieses dahin und ja, wie du sagst, alles ist okay, wir können es machen und
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hier habe ich nochmal ein Zitat.
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Aus einer Kritik, die ein Satz, wo ich glaube ich nochmal,
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dass die Verbindung ganz gut hergestellt wird, nämlich das Sexuelle als gesellschaftliche
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Triebfeder lässt eben keine Theoreme im Sinne von Normen, Regeln und Konventionen zu.
0:44:37–0:44:39
Trotz aller Jahrhunderte alten Doppelmoral.
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Also dieses Sexuelle, was in dem Moment der Sexualität passiert,
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ist halt jenseits von einem.
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Das ist halt so dieses total Erfüllende, was nicht mehr irgendwie gedeckelt
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werden kann oder irgendwie ausge... Und das ist, glaube ich,
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der Zugang, den sie auch nur so erfahren.
0:44:57–0:45:05
Diese unglaubliche Selbstzerrüttung, dieses Geständnis und dann Transformation, die dann passiert.
0:45:05–0:45:10
Das kann nur durch eine sexuelle Handlung von ihm ausgelöst werden,
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weil damit fliegt das ganze Konstrukt auseinander.
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Und das ist ja das, was er auch inszenieren wollte, die bourgeoise Familie als
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eine Familie, die in bestimmten Riten und Strukturen lebt, die aber total hohl sind.
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Einfach nur Fassade, alles ist da relative Fassade. Also auch wie der Gast sich
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dann bewegt, ist ja auch nicht weiter irgendwie erklärt.
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Der hat einen relativ freien Zugang.
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Es ist dann irgendwie egal, wenn Vater und Tochter draußen sitzen,
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dann flirtet der mit beiden so.
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Also es wird auch diese Aufbegehren sagen, das geht nicht.
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Keiner macht das in seiner Anwesenheit. Und keiner verteidigt dann noch das
0:45:57–0:46:03
bourgeoise Regelwerk, sondern das fliegt einfach so, es faltet sich so zusammen.
0:46:04–0:46:07
Und das ist, glaube ich, ganz interessant, was am Anfang des Filmes passiert.
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Ich weiß nicht, ob du das so mitbekommen hast, dieser Patriarch.
Micz Flor
0:46:11–0:46:12
Das Interview, wo die Interviewszene...
Florian Clauß
0:46:12–0:46:16
Genau, die Interviewszene. Und du hast den aber original geguckt,
0:46:16–0:46:18
oder hast du dann doch dir die...
Micz Flor
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Ich habe die Untertitel runtergeladen, wollte überlegen, mir die noch als Text
0:46:23–0:46:26
durchzulesen oder zu überfliegen, weil so viel Text ist ja da gar nicht in der
0:46:26–0:46:30
Summe. Das habe ich dann aber nicht mehr gemacht, beziehungsweise nicht mehr
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gemacht, war jetzt ein bisschen Selbstdefamierung.
0:46:32–0:46:34
Ich habe es nicht mehr geschafft zeitlich.
Florian Clauß
0:46:34–0:46:40
Nee, alles gut. Also das, was da passiert ist, dass der Patriarch des Hauses,
0:46:40–0:46:49
der Fabrikbesitzer, der heißt Paolo, der schenkt den Arbeitern seine Fabrik.
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Also er heißt, das, was dann halt auch eben den Kapitalismus so ausmacht, die Produktionsmittel,
0:46:59–0:47:05
Aber dann zurückgegeben. Das heißt, er nimmt damit auch die ganze revolutionäre
0:47:05–0:47:07
Kraft des Arbeitertums.
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Das heißt, das nimmt ihn weg. Und das ist so der Einstieg in den Film,
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wo man natürlich sich fragen kann, nur weil er eben diesen Schritt gegangen
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ist und dann halt so sein Mittel des Kapitalereigners dann aufgegeben hat,
0:47:21–0:47:24
dass dann erst überhaupt der Gast ankommen kann.
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Das ist erst so der spirituelle Teppich gelegt ist, damit der Gast überhaupt empfangen werden kann.
Micz Flor
0:47:33–0:47:37
In einer Villa, die auf generationsübergreifenden Wohlstand hindeutet.
0:47:40–0:47:42
Er gibt ja nicht alles weg.
Florian Clauß
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Ja, natürlich. Das heißt, er gibt nicht alles auf, sondern es ist halt eine Geste.
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Aber die erstmal diese ganze, ich glaube, es ist auch wieder so ein zeitgenössischer Kommentar.
0:47:54–0:47:59
Dass eben diese revolutionären Ambitionen der 68er dann halt irgendwie für den Arsch sind.
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Ja, das ist halt so, ja, okay, dann verpufft es halt einfach in dieser Geste.
0:48:06–0:48:08
Und das finde ich halt auch irgendwie auch so einen guten Einstieg.
0:48:08–0:48:13
Und die großbürgerliche Familie wird gesprengt durch seine Präsenz, ja.
0:48:13–0:48:19
Und nach und nach erliegen eben alle Familienmitglieder seiner sinnlichen Faszination.
0:48:19–0:48:24
Als erstes hast du schon beschrieben, Emilia, das Hausmädchen,
0:48:24–0:48:30
dann der Sohn Pietro und schließlich die Frau des Hauses, Lucia.
0:48:31–0:48:36
Und am Ende Paolo, der Patriarch. Und dann, so wie der Gast beim Essen,
0:48:37–0:48:38
also das ist halt auch wieder so,
0:48:38–0:48:44
die höchst rituellen Formen des sozialen Zusammenlegens, das ist immer der Tisch,
0:48:44–0:48:47
der Essenstisch, da kommt am Anfang, kommt dann eben,
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die Einladung, ein Gast kommt vorbei, das ist ein Telegramm und genau in der Hälfte des Filmes,
0:48:56–0:49:00
das ist wirklich, ich hab nochmal auf die Minuten geguckt, Genau in der Hälfte
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des Filmes bekommt dann eben der Gast das Telegramm, das er abreisen muss.
Micz Flor
0:49:06–0:49:08
Morgen, ich muss gehen. Morgen.
Florian Clauß
0:49:09–0:49:15
Das heißt, diese Erfüllung, die er in allen Familienmitgliedern ausgelöst hat,
0:49:17–0:49:23
die verpufft da auch in dem Moment, wo er diese Information bekommt und hinterlässt
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halt so eine Leere, wo dann auch erstmal alle dann gestehen,
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das ist die Phase des Geständnisses,
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dass jetzt was passiert ist.
0:49:32–0:49:37
Und das durch ihn, oder es ist jetzt nicht nur verbal, sondern auch nonverbal.
0:49:38–0:49:41
Also du siehst die Tochter zum Beispiel, wie sie dann eben diese Bilder,
0:49:41–0:49:45
die sie von ihm gemacht hat, im Garten.
Micz Flor
0:49:46–0:49:50
Sie vermisst ja auch den Garten, aber sie versucht irgendwie mit dem Maßstab
0:49:50–0:49:53
auch fast nochmal berechnend zu verstehen, was da passiert ist.
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Das ist dann diese Geometrie der Liebe sozusagen aus exerziert.
Florian Clauß
0:49:58–0:50:03
Die versucht dann irgendwie, also die holt einen Zollstock und misst dann im
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Garten die Abstände der Liegestühle, wo er zuletzt gesessen hat.
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Und nach diesem Geständnis, das dann auch jedes Familienmitglied für sich individuell
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dann verfasst, gibt es diese Transformation.
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Die Transformation der Figur, die dann aber in einem Zustand der...
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Das nicht mehr sozial oder diskonform gilt.
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Das heißt, die Tochter fällt in eine Stache.
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Da hast du auch noch mal dieses Bild Fotografie. Sie wird selber zu einem Foto.
0:50:35–0:50:41
Sie fällt in einer Depression, hat die eine Hand immer zusammengedrückt zur
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Faust und wird dann letztendlich abgeholt und in die Psychiatrie verlagert.
Micz Flor
0:50:46–0:50:48
Aber es ist keine Faust zum Schlagen. Es ist eher so eine Faust,
0:50:49–0:50:50
als ob sie was umklammert.
Florian Clauß
0:50:50–0:50:54
Ja, genau so. Also als ob wir was festhalten. Das stimmt. Also eine unglaubliche
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Verkrampfung. Sie ist nicht mehr ansprechbar.
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Sie verweigert das Essen. Sie wird dann abgeholt. Das ist ihre Transformation.
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Diese Verführungsszene von der Lucia, der Frau des Hauses.
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Auch von der Ästhetik ist dieser Film ja so großartig.
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Also sie mit ihren unglaublich ausschweifenden Lidschatten gemalt,
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die auch nie verwischen. Ja, auch wenn sie gerade aus dem Bett steigt,
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hat sie diese Lidschatten immer wie so eine Maske.
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Auch so eine ganz, ja, man hat am Anfang das Gefühl, dass sie so die ordnungsliebende Hausfrau ist.
0:51:30–0:51:35
Aber nach der Begegnung mit ihm, wo sie auch komplett auszieht und er auch im
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Garten mit dem Hund spielt, ja, nur mit Unterhose angekleidet und dann gibt sie sich halt eben hin.
0:51:41–0:51:47
Und mit dem Punkt der Hingabe, also was sie dann nach ihrer Transformation,
0:51:48–0:51:56
sie wird dann immer irgendwelche Liebesverhältnisse mit fremden Männern eingeben.
Micz Flor
0:51:56–0:51:57
Jungen fremden Männern.
Florian Clauß
0:51:57–0:52:02
Jungs, genau. Sie sucht dann irgendwo auf der Straße, zwinkert einen zu und
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die gehen dann in irgend so ein abgelegenes Haus.
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Also es wird sehr ausufernd, es wird das sehr, sehr dargestellt.
0:52:12–0:52:19
Odetta war übrigens die Tochter. Der Sohn Pietro hat mir auch schon angedeutet,
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der ist Student und er sucht dann seine Erfüllung in der Kunst,
0:52:22–0:52:24
die er aber auch nicht so richtig findet.
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Er fängt dann an, so wie Pollock, blind rumzuspritzen, auf seine Bilder zu pissen
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und dann irgendwelche Strukturen auf Plexiglas durchsichtig zu malen,
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die dann über mehrere Schichten übereinander zu legen.
0:52:38–0:52:40
Aber er geht in so eine Sinnkrise rein.
0:52:41–0:52:46
Und das ist so, was ihn auch da so ein bisschen zerrüttet zurücklässt.
Micz Flor
0:52:47–0:52:50
Und der Patriarch, also der Paum.
Florian Clauß
0:52:50–0:52:53
Da gibt es diese Verführungsszene am Ufer.
0:52:53–0:52:57
Ich glaube, das ist schon auch der, spielt der in Rom?
0:52:58–0:53:01
Nee, der spielt, glaube ich, gar nicht in Rom. Der spielt in Mailand,
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der Film. Also es muss irgendein männländischer Fluss sein.
0:53:05–0:53:14
Da beginnt ja am Ufer dann auch eben diese sinnliche Hingabe mit dem Gast.
0:53:16–0:53:20
Und was interessant ist, es gibt dann immer so Schwarz-Weiß-Szenen,
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die dann zwischengeschnitten sind.
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Der Film ist Farbe, aber die ersten Szenen in der Fabrik ist Schwarz-Weiß.
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Kriegt dann so fast einen dokumentarischen Wert noch durch diese Schwarz-Weiß-Memorei.
0:53:32–0:53:37
Und was aber auch während der Gast schon da ist, immer wieder als Motiv dazu
0:53:37–0:53:45
kommt, ist die Wüste, eine Darstellung von der Wüstenlandschaft.
0:53:45–0:53:52
Und Paolo am Ende seiner Transformation sieht so aus, dass er an einem Bahnhof,
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wahrscheinlich in Mailand,
0:53:54–0:54:00
dann fängt er sich an auszuziehen und einfach nackt dazustehen und schnitt und
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du siehst ihn nackt durch die Wüste rennen,
0:54:03–0:54:10
also wie so ein Eremit und dann kommt auch so ein archaischer Schrei und damit ist der Film zu Ende.
0:54:11–0:54:16
Also es ist so, die Familie ist eben zerrüttet, zersplittert, aufgelöst.
Micz Flor
0:54:16–0:54:19
Ein archaischer Schrei, aber es kommt auch dieser Wind von vorne.
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Also er läuft auch irgendwie so, er läuft auf etwas zu, so leicht bergauf in
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so eine Düne oder so hinein.
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Also ich habe schon das Gefühl, dass es nicht nur ein archaischer Schrei ist,
0:54:30–0:54:33
sondern er wird von etwas angezogen. Oder er weiß genau, wo er hinläuft.
0:54:33–0:54:37
Das vermittelt, finde ich, zumindest seine Körpersprache, dass für ihn jetzt
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alles klar ist und er weiß, was sein Weg ist.
Florian Clauß
0:54:39–0:54:48
Ja, ich weiß nicht, aber es ist für mich auch so ein gewisses Bild der Hilflosigkeit.
0:54:48–0:54:55
Also die Wüste als Motiv hat ja auch eine gewisse Tradition bei dem,
0:54:57–0:55:02
Bei den italienischen Regisseuren. Also ganz, ganz, ganz spontan,
0:55:02–0:55:07
eben Zabriski Point von Antonioni ist ja auch in Death Valley das Ende.
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Ich weiß nicht, ob du das noch im Kopf hast.
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Großartig, ja. Da fängt in der Wüste auch, fängt dann alles an so so eine Explosion.
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Und du siehst dann halt so die lauter Konsumgüter, wie die dann so in Zeitlupe
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brennen, dann durch die Wüste fliehen.
Micz Flor
0:55:24–0:55:26
Ach doch, genau. Auch hier die Villa und alles.
Florian Clauß
0:55:26–0:55:30
Ich weiß nicht, ob eine Villa, aber ich habe immer noch so Bücher oder Puppen
0:55:30–0:55:33
oder irgendwas, also alles, was so Konsum repräsentiert.
0:55:33–0:55:37
Und das ist, glaube ich, so ein bisschen die Wüste oder Dali,
0:55:37–0:55:42
Buñuel, auch immer wieder die Surrealisten, die die Wüste als einen Projektionsraum
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für das Void, für das Nichts, nehmen.
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Und das ist auch in der philosophischen Betrachtung
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die Wüste ist quasi die ist kein Raum
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mehr der irgendwie mit der Natur verbunden ist
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sondern das ist einfach ein Leerraum das ist einfach
0:55:57–0:56:01
ein Leerraum wo Projektionsfläche ist und wo nichts mehr ist und deswegen auch
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immer dieses Suchen nach nichts ist dann immer so bei Eremiten die Wüste die
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Wüste spielt dann auch das muss man auch nochmal sagen in der Filmgeschichte
0:56:14–0:56:15
in dem Filmschaffen von Pasolini.
0:56:16–0:56:19
Er hat das Matthäus-Evangelium verfilmt.
0:56:19–0:56:27
Und es ist einer der 45 Filme, die vom Vatikan als eine repräsentative Darstellung
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der Bibel ins Archiv aufgenommen wurden.
0:56:31–0:56:37
Während Theorema anfangs von einem katholischen Filmdienst eben auch als besonders
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sehenswert ausgelobt wurde, hat dann der Papst persönlich gesagt,
0:56:41–0:56:43
nee, nehmt den weg, der darf nicht.
0:56:44–0:56:49
Also das heißt, diese Ambivalenz von dem Schaffen von Pasolini ist auch total
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schwankend und auch in der Rezeption, in der Küche. Siehst du ja auch selber.
0:56:54–0:56:58
Die interessanteste Transformation in dem Film, würde ich fest sagen,
0:56:58–0:57:04
die auch jenseits von irgendwelchen realen Darstellungen ist,
0:57:04–0:57:06
ist dann die Hausfrau Emilia.
0:57:06–0:57:10
Die erst mal so dann auch ihn nicht gehen lassen will, dann zusammen mit ihm
0:57:10–0:57:16
den Koffer, den Gast, wenn er abgeholt wird vom Taxi, schleppt sie dann so den Koffer mit.
0:57:16–0:57:19
Und sie geht dann zurück, und das ist glaube ich auch nochmal so,
0:57:19–0:57:21
sie geht dann zurück in das Dorf,
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wo sie geboren wurde und bleibt auch draußen,
0:57:25–0:57:33
und setzt sich auf eine Bank und wird von allen anderen Dorfbewohnern so immer
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beobachtet, aber auch als eine Art Heilige wahrgenommen.
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Wir fangen dann an, Brennnesseln nur noch zu essen.
0:57:41–0:57:43
Und schafft dann Wunder. Also sie bringen dann halt so ein Kind,
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das Kind hat lauter irgendwie so einen Ausschlag und dann gibt es irgendwie
0:57:48–0:57:51
Schnitt, Gegenschnitt, Schnitt, Gegenschnitt und immer weniger Ausschlag.
0:57:51–0:57:53
Du siehst sie dann halt als Bild und dann siehst du den Jungen,
0:57:53–0:57:58
wie er immer weniger Pickel oder Ausschlag hat und dann ist es so ein heilendes Kind.
0:57:58–0:58:02
Das ist halt ja auch der Brusler-Brus in einer Szene mit so einem Kind,
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was im Rollstuhl sitzt und was sich dann halt auch dann so auf diese Hausangestellte,
0:58:07–0:58:13
die dann schwebt, ja, in dem Original, Das sehen wir dann halt in einem anderen Film von Pasolini.
0:58:13–0:58:16
Es ist auch so, dass sie dann irgendwie morgens stehen, die Dorfbewohner auf,
0:58:16–0:58:21
und dann schwebt die Auslandgestellte über ein Dach, über ein Haus.
0:58:21–0:58:26
Und am Ende, und das ist, glaube ich, so die mehrtürerischste Rolle,
0:58:26–0:58:31
die Frage ist, was geben denn die einen Personen dann der Gesellschaft wieder zurück?
0:58:31–0:58:36
Ja, dann macht keiner was. Also der eine ist weg, die andere vergnügt sich,
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und die dritte ist eben in der Anstalt.
0:58:39–0:58:44
Und der Sohn, also die bewegen sich ja außerhalb von gesellschaftlichem Raum,
0:58:44–0:58:45
wo dann wieder irgendwie was...
0:58:45–0:58:54
Und sie als Heilige wird dann lebendig begraben und während sie begraben wird.
0:58:55–0:58:58
Entspringt aus ihren Augen, weil sie weint, ein Fluss.
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Also sie bringt quasi der Stadt den Fluss.
0:59:01–0:59:05
So, das ist so ihre Position. Und das ist auch wieder so diese Besetzung des
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Subproletariats, also des Periferen mit einer Heiligkeit,
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die dann in dem Film wieder so, diese Anerkennung von Pasolini,
0:59:16–0:59:19
die sich da in dem Film auch wiederfindet, in dem Spiel.
0:59:19–0:59:22
Und das finde ich auch ein tolles Bild, einfach wirklich großartig.
Micz Flor
0:59:25–0:59:32
Ja, und diese andere alte Frau, die auch so Wortcharakter, die sie dann ja zubuddelt.
Florian Clauß
0:59:32–0:59:32
Genau.
Micz Flor
0:59:33–0:59:35
Ja, das ist auch so eine komische Allianz zwischen den beiden.
Florian Clauß
0:59:35–0:59:39
Ja, das ist wieder das Modellhaft. Das wird durchgespielt.
0:59:39–0:59:44
Es wird dann vielleicht in Frage gestellt, aber es ist klar, wir machen das jetzt so.
0:59:44–0:59:49
Das ist halt so dieses absolute Straight, was sich einfach von A nach B bewegt,
0:59:49–0:59:51
ohne abgelenkt zu werden, weil das ist so.
0:59:52–0:59:57
Und das finde ich halt diese starke Kraft. Es ist kein Zweifeln in der Sprache
0:59:57–1:00:01
oder in der Handlung, sondern es ist einfach so ein Durchgehen.
1:00:02–1:00:09
Und damit auch, ich will nicht sagen, was parabelhaft ist, aber da kommen wir zu dem Titel Theorema.
1:00:12–1:00:16
Theorem, da gibt es ja verschiedene Bedeutungen von Theorem.
1:00:17–1:00:23
Man kennt es aus der Mathematik, dass du einfach eine klar gesetzte Annahme
1:00:23–1:00:26
schaffst und auf der du was aufbaust an Beweisen.
1:00:27–1:00:34
In der Philosophie kann der Begriff allgemein für eine begründete Meinung oder
1:00:34–1:00:38
Hypothese stehen, die durch Überlegungen und Untersuchungen bestätigt wird.
1:00:39–1:00:46
Und im allgemeinen Gebrauch ist es eher so, dass der Begriff Theorema als Synonym
1:00:46–1:00:51
für eine gründlich durchdachte Meinung, Ansicht oder Erklärung verwendet wird.
1:00:51–1:00:58
Also das ist ein Theorem. Und was würdest du sagen, ist das Theorem oder das
1:00:58–1:01:00
Theorema in diesem Film?
Micz Flor
1:01:01–1:01:04
Also es ist, ich habe jetzt deine Frage nicht ganz verstanden,
1:01:04–1:01:05
weil wir gerade von rechts...
Florian Clauß
1:01:06–1:01:07
Also ich wiederhole sie nochmal.
Micz Flor
1:01:07–1:01:11
Ich wollte nur ganz kurz noch sagen, dass ich allerdings den Begriff des Theorems,
1:01:12–1:01:16
so allgemein ganz selten höre, so an Bushaltestellen oder sowas.
1:01:17–1:01:21
Dem Theorem nach ist dieser Bus jetzt sieben Minuten zu spät oder so.
1:01:21–1:01:24
Ich finde das schon ein sehr spezieller Begriff, wenn man sagt,
1:01:24–1:01:27
das ist ein allgemeiner Begriff.
1:01:28–1:01:30
Okay, aber frag noch mal.
Florian Clauß
1:01:31–1:01:35
Also du willst nur, dass ich jetzt gerade verwendet habe im allgemeinen Sprachgebrauch.
1:01:35–1:01:39
Also zweifelst, dass der im allgemeinen Sprachgebrauch angewendet wird.
1:01:39–1:01:43
Naja, gut, vielleicht kann man das jetzt im intellektuellen allgemeinen Sprachgebrauch.
1:01:43–1:01:48
Es ging ja erstmal darum, dass das Theorem aus der Mathematik da als gesetzter Begriff kommt.
1:01:48–1:01:52
In der Philosophie und das allgemeine Sprachgebrauch ist nicht vielleicht die
1:01:52–1:01:56
Bushaltestelle, sondern das ist eher so, wenn du dann deine Hausarbeit schreibst
1:01:56–1:01:57
und da Theorem verwendest.
1:01:57–1:02:00
Also so muss man das, glaube ich, kontextualisieren. Meine Frage war,
1:02:00–1:02:06
was meinst du, ist das Theorem oder Theorema in dem Film?
Micz Flor
1:02:07–1:02:11
Also was die Sätze sind sozusagen, die...
1:02:13–1:02:18
Was da gebaut wird, also die Hypothese, wenn ich bei dem Philosophen bleibe,
1:02:18–1:02:21
die plausible, begründete Hypothese.
1:02:25–1:02:30
Also ich sehe das als, was ich ja vorhin schon ein bisschen auch angedeutet
1:02:30–1:02:34
habe, die werden alle dann sehr individualisiert, also erreichen eine Form der
1:02:34–1:02:37
Autonomie, die sie aber gleichzeitig auch sehr einsam erscheinen lassen,
1:02:37–1:02:41
nachdem sie diese Erfahrung mit dem Besucher hatten.
1:02:41–1:02:51
Und vorher waren sie in diesem kleinen Universum der reichbürgerlichen Familie eingefangen.
1:02:51–1:02:53
Also entschuldige mich, ich fasse das jetzt nochmal zusammen.
1:02:53–1:02:56
Aber das ist ja quasi im Theorie Herleitung sehr notwendig.
1:02:56–1:03:00
Und wie du schon gesagt hast, gab es mitten im Film diesen Bruch.
1:03:00–1:03:04
Ich bin da, jetzt bin ich weg. Und danach gab es diese Offenbarung.
1:03:04–1:03:09
Also kurz bevor der gegangen ist, gab es irgendwie eine qualitative Verbesserung
1:03:09–1:03:15
dieses reichbürgerlichen Familienkonzepts oder als kleinen Sandkasten eines
1:03:15–1:03:16
Gesellschaftskonzepts,
1:03:16–1:03:20
in dem Sexualität gelebt wurde, aber verschwiegen wurde.
1:03:20–1:03:23
Und da war irgendwie alles so befriedet. Aber in dem Moment,
1:03:24–1:03:30
wenn dann der Mensch geht, so wie du es auch beschrieben hast,
1:03:30–1:03:33
gibt es diese Offenbarung oder diese Öffnung oder diese Wahrheit.
1:03:33–1:03:40
Also man zeigt sich dann auch damit und da zerfällt dann alles.
1:03:40–1:03:45
Und insofern hat es für mich schon was mit einem gesellschaftlichen Verstrickung
1:03:45–1:03:48
und Interdependenzen zu tun.
1:03:48–1:03:54
Und für mich ist es irgendwie nicht so klar, da habe ich keine richtige Theorie,
1:03:54–1:03:56
Theorem, Theo, Tralala dazu.
1:03:58–1:04:01
Also für mich ist der Besucher...
1:04:05–1:04:08
Ist eine Hingabe, ja, da entsteht eine Hingabe.
1:04:08–1:04:12
Und es ist eine Form, glaube ich, der Selbsterkenntnis, also eine Form,
1:04:12–1:04:15
nach innen sich auch hinzugeben. Nicht nur eben nach außen, dem anderen gegenüber.
1:04:16–1:04:20
Ich habe schon gesagt, ich habe die Sachen jetzt nicht durchweg in Suchverlauf geguckt.
1:04:20–1:04:24
Aber dieser Benny-Hill-Moment, der ja scheinbar in dem Neuen eingebaut ist,
1:04:24–1:04:26
den Benny-Hill-Moment hatte ich bei manchen Szenen schon.
1:04:26–1:04:30
Zum Beispiel die Szene, wo die Frau des Hauses, nenne ich es jetzt mal, die Hosen findet.
1:04:30–1:04:33
Der spielt mit dem Hund, sie zieht sich da nach und nach aus.
1:04:33–1:04:37
Das habe ich im Suchvorlauf so geguckt. Das ist ja auch einfach ein langer Zeitraum,
1:04:37–1:04:38
in dem das alles passiert.
1:04:38–1:04:41
Und da war das wirklich interessant, so zusammengestampft zu sehen.
1:04:43–1:04:47
Wie die, es fühlte sich alles an wie Übersprungshand. Jetzt gehe ich ziemlich
1:04:47–1:04:49
aus, dann schmeiße ich das runter, jetzt lege ich mich hin. Jetzt stehe ich
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auf, jetzt kommt er. Oh, jetzt hat der Hund, der Hund ist hier.
1:04:50–1:04:53
Also die war die ganze Zeit in so einer, in dem Suchvorlauf in so einer inneren
1:04:53–1:04:56
Panik, bis er dann irgendwie gesagt, hey, ist das gut?
1:04:57–1:05:02
Komm, alles gut, ja. Und danach entsteht dann eben so eine Entdeckung nach innen.
1:05:02–1:05:05
Aber diese Entdeckung nach Indien muss halt dann geheim gehalten werden,
1:05:05–1:05:09
weil sonst führt es dazu, dass sie scheinbar komplett individualisiert werden.
1:05:10–1:05:14
Und gleichzeitig aber auch dieses Geheimnis, man hat nicht das Gefühl,
1:05:14–1:05:16
dass es nachhaltig gelebt werden könnte.
1:05:16–1:05:20
Dass der geht, ist auch stimmig, weil man muss noch einen Schritt weiter gehen.
1:05:21–1:05:25
Also da vorher mein Theorem, ich kann es nicht genau fassen,
1:05:25–1:05:33
wie Körper und Sexualität da oder Erotik auch zusammengehen,
1:05:33–1:05:40
aber dass die Gesellschaft in so einem Pendel steckt zwischen selbst,
1:05:40–1:05:45
ich benutze jetzt bewusst falsch den Begriff Kastration, also man muss sich
1:05:45–1:05:49
irgendwie immer in Anteilen zurückhalten, kann sich nicht ganz ausleben,
1:05:49–1:05:53
das ist notwendig in der Gesellschaft in einem Gefüge, damit das funktionieren kann.
1:05:53–1:05:57
Und wenn man entscheidet, sich ganz auszuleben, führt das auch dazu,
1:05:57–1:06:02
dass man so weit individualisiert oder Individuation durchläuft,
1:06:02–1:06:07
dass man auch zwar autonom,
1:06:07–1:06:09
aber auch alleine ist, vielleicht sogar einsam ist.
Florian Clauß
1:06:10–1:06:14
Und was wäre jetzt dann eben die begründete Annahme?
Micz Flor
1:06:14–1:06:20
Die begründete Annahme wäre, dass die Gesellschaft, der Film würde zeigen,
1:06:20–1:06:22
dass die Gesellschaft versucht,
1:06:23–1:06:30
diesen Balance herzustellen zwischen dem Ausleben eigener, oft eigener Wünsche,
1:06:30–1:06:36
die aber im größeren gesellschaftlichen Kontext alle auch geheim gehalten werden müssen.
Florian Clauß
1:06:36–1:06:40
Okay, könnte man so in dieser Form...
1:06:42–1:06:43
Explizieren, aber...
Micz Flor
1:06:43–1:06:45
Ich finde es jetzt auch nicht wirklich schlüssig.
Florian Clauß
1:06:45–1:06:50
Dass man mich so fragt. Ich glaube, das ist jetzt so, wenn man dann wirklich
1:06:50–1:06:55
den allgemeinen Sprachgebrauch nimmt von begründeter Annahme, also was Gesetztes, ja.
1:06:55–1:06:58
Das Gesetzte. Das Gesetzte ist ja das Bourgeoisie.
1:06:59–1:07:04
Das Bourgeoisie ist eigentlich das Theorema. Und das ist keine Begründung.
1:07:04–1:07:08
Das ist kein Fundament, was dieses Gesetzte irgendwie liefert.
1:07:08–1:07:12
Das ist ja diese Zersetzung, die passiert. Und Theorema ist eigentlich diese
1:07:12–1:07:16
bourgeoise Fassade, die zusammenbricht.
1:07:16–1:07:18
Und das ist das Theorem in dem Film.
1:07:19–1:07:23
So würde ich es zumindest interpretieren, beziehungsweise habe ich gelesen.
1:07:25–1:07:30
Und deswegen ist wieder dieser Titel Theorema, Geometrie der Liebe also das
1:07:30–1:07:35
Theorem ist halt auch durch Mathematik und so weiter, aber das Geometrische,
1:07:35–1:07:39
das Gesetzte das Aufgebaute, die Fassade das Herrschaftshaus,
1:07:39–1:07:43
was da gezeigt wird, ist ja eine unglaubliche Architektur,
1:07:45–1:07:51
das die Liebe ist ja genau der Akt der Liebe beziehungsweise der Sexualität
1:07:51–1:07:55
ist ja das was überhaupt nicht mehr das Theorem ist, sondern das ist ja quasi
1:07:55–1:07:59
diese Infragestellung, das Zusammenbrechen des Theorems.
Micz Flor
1:08:00–1:08:04
Jein, weil ich glaube natürlich ist der Akt auch notwendig, um überhaupt diese
1:08:04–1:08:08
transgenerationale Weitergabe am Laufen zu halten.
1:08:08–1:08:12
Also du brauchst ja Kinder, die dann wiederum Eltern und Großeltern werden,
1:08:12–1:08:14
damit das immer so weiterläuft.
Florian Clauß
1:08:14–1:08:21
Ja, aber das Theorem ist ja nicht die Geometrie der Liebe, sondern die Annahme
1:08:21–1:08:28
im Film ist ja, genau durch diesen subversiven Akt wird das Theorem ja zerstückelt.
1:08:29–1:08:35
Das ist ja so der Punkt. Natürlich im weiteren Bedeutungsbogen ist diese transgenerationale
1:08:35–1:08:38
Weitergabe und die Fortpflanzung und die Sexualität und so weiter.
1:08:39–1:08:41
Ja, das ist natürlich in einem anderen Kontext.
1:08:41–1:08:45
Damit die Kindererbe reich, Kinderbereich.
1:08:47–1:08:51
Das heißt, wir müssen natürlich das Bourgeoisie fortpflanzen,
1:08:51–1:08:54
damit es weiter bestehen bleibt. So, das ist ja das.
1:08:55–1:09:01
Ich glaube, es ist einfach auch offen, wie das interpretiert werden kann.
1:09:01–1:09:04
Aber es ist immer wieder so der deutsche Titel, der dann so ein bisschen daneben
1:09:04–1:09:06
liegt, meiner Ansicht nach.
Micz Flor
1:09:07–1:09:09
Ich fand es auch lustig, Geometrie der Liebe. Also ich fand,
1:09:09–1:09:12
da musste ich halt eben dann lachen, als sie einen Zollstock rausgeholt hat,
1:09:12–1:09:17
der natürlich dann immer auch so auf das fallische Hinweis, wenn man ihn so aufklappt.
1:09:17–1:09:24
Und sie vermisst ihn dann in der Landkarte und gleichzeitig vermisst sie auch irgendwie das... Ja.
Florian Clauß
1:09:28–1:09:35
Ja, wir sind jetzt hier am Berlin-Pavillon, dem berühmten Burger King.
1:09:35–1:09:40
Immer wenn man hier mit dem Fahrrad langfährt, kriegt man dann irgendwann so
1:09:40–1:09:45
einen ekeligen Fleischgeruch in die Nase, der nur so von so Fastfood-Ketten
1:09:45–1:09:47
fabriziert werden kann. Kennst du das?
Micz Flor
1:09:48–1:09:53
Nee, aber das kann ich mir gut vorstellen. Das passt jetzt irgendwie auch so zu diesem Film.
Florian Clauß
1:09:53–1:09:57
Ja, also ich glaube, das, was wir nochmal so akzentuieren können,
1:09:57–1:10:01
ist, dass Pasolini eben ein großer Gegner der Konsumgesellschaft war.
1:10:01–1:10:05
Also ich glaube, das ist halt auch das, was dann halt so das, ne, es gibt kein Leben.
Micz Flor
1:10:05–1:10:08
Das fand ich auch in der Bildsprache, das war was, was mich so begeistert hat,
1:10:08–1:10:14
war eben dieses Stadtbild, was er auch da gemalt hat in den 60er Jahren,
1:10:14–1:10:17
wo diese Bahnhöfe, es ist alles so leer, ja, auch als in Deutschland.
1:10:17–1:10:20
Es ist so leer und es ist so beruhigend für die Seele, finde ich.
1:10:20–1:10:22
Also diese Abwesenheit von Menschen meine ich jetzt nicht so,
1:10:22–1:10:25
oh Gott sei Dank ist da niemand. man, aber es war einfach so wenig,
1:10:25–1:10:29
auch die Szene am Bahnhof zum Schluss, wo der sich dann auszieht und wenn er
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weggeht, das ist einfach, man möchte an diesem Bahnhof sein,
1:10:31–1:10:34
weil man denkt, so, so, so wäre es schön.
1:10:35–1:10:39
Und demgegenüber man natürlich auch in seiner eigenen Lebenszeit mitbekommen
1:10:39–1:10:43
hat, wie bestimmte Bahnhöfe vollgepackt werden mit Automaten,
1:10:43–1:10:46
wo man sich dann irgendwie seine Cola noch schnell ziehen kann oder diese kleinen,
1:10:48–1:10:52
Kaffee, Cappuccino und belgische Waffelläden, weißt du, also diese Diese,
1:10:52–1:10:57
gerade die Bahnhöfe, die sind ja inzwischen so vollgepackt einfach mit Orten,
1:10:57–1:11:00
an denen man konsumieren kann, damit man dann hinten noch einen Kaffee trinken
1:11:00–1:11:03
kann, wenn man eine letzte Zigarette raucht, bevor man in den Zug steigt.
1:11:03–1:11:08
Das ist alles so überladen und das fand ich total schön, einfach da so ein bisschen
1:11:08–1:11:15
fest ist, dass man die menschliche Infrastruktur auf das Wesentliche reduziert.
1:11:15–1:11:18
Das fand ich total hübsch. Nicht hübsch, schuldigen Blödes.
Florian Clauß
1:11:18–1:11:21
Niedlichen Wortes. Es hat mich sehr beruhigt.
Micz Flor
1:11:21–1:11:26
Ich habe gemerkt, dass es Seilbei, Balsam, ne Balsam, vielleicht auch Seilbei für meine Seele war.
Florian Clauß
1:11:26–1:11:28
Seilbei und Balsam für die Seele.
Micz Flor
1:11:29–1:11:30
Seilbahn für meine Seele.
Florian Clauß
1:11:31–1:11:34
Einmal in die Höhenmeter von einem Kopf hochfahren.
1:11:36–1:11:41
Okay, ich überlege nochmal so, um so einen zeitgenössischen Link zu machen, dass vielleicht,
1:11:41–1:11:44
es gibt gerade eine,
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es wäre vielleicht auch eine eigene eigentlich folge
1:11:48–1:11:51
eigentlich es gibt gerade so einige serien und
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filme die so dieses motiv der
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super reichen aber das hatte ich glaube ich auch schon mal erwähnten anderen
1:11:58–1:12:06
folgen also das heißt die super reichen als eine kaste von figuren ensemble
1:12:06–1:12:12
wo wo so ein bisschen diese Eat the Rich Fantasien ausgelebt werden.
1:12:12–1:12:16
Und vor allen Dingen, was vom Titel her auch vielleicht so ein bisschen da mit
1:12:16–1:12:24
reinragt, ist der Film vor zwei Jahren, hat glaube ich irgendwas gewonnen, Triangle of Sadness.
1:12:25–1:12:30
Der ist großartig, wo es dann halt auch so eine Schiffsreise geht,
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die dann strandet und auf einmal sich das ganze Gesellschaftsbild so umdreht
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in eine völlig andere Richtung.
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Nämlich, dass dann halt die ganzen Bediensteten und so, die auf dem Schiff dann
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eben auch Migrantinnen sind, dann das Sagen übernehmen auf der Insel.
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Und sich dann die Herrschaftsverhältnisse umkehren.
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Toller Film, große Empfehlung. Dann gibt es diese auch großartige Serie White Lotus in zwei Staffeln,
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wo es um Superreiche geht, die dann sich auf so einen Sparurlaub einmal in Hawaii
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und einmal irgendwo da, wo du neulich warst, Capri, auf dieser Insel.
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Und da auch wieder so die Herrschaftsverhältnisse werden so ein bisschen zerrüttet,
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aber jedes Mal aus diesem Urlaub kommen die halt als völlig neu aufgebaute und
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wieder voll etablierte Figuren raus.
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Oder The Menu, ich weiß nicht, ob du das gesehen hast.
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The Menu, das ist auch so eine Einladung zu einem Menü, was dann halt so einer
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existenziellen Horror, nicht Horror, sondern eher so ein Slasher Plot funktioniert.
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Auch großartig im Setting.
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Und The Glass Onion kam auch nett.
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Jahr Weihnachten oder vorletztes Jahr Weihnachten gelaufen, ist auch so eine
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super reichen, also es gibt so dieses Eat the Riches gerade,
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glaube ich, so und das fand ich halt auch wieder der,
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um da nochmal jetzt zum Anfang zu kommen, The Visitors, glaube ich,
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auch ganz gut draufgeschlagen, einfach diese Zerstörung und ich glaube, das ist so eine,
1:14:15–1:14:19
allgemeine Stimmung gerade, das ist gerade so ein Mindset, man will halt irgendwie
1:14:19–1:14:22
so, die Welt, zwei Deutsche besitzen,
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so viel Geld wie die 45 Millionen Deutsche.
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Das ist halt so dieses Ungleichgewicht von Reichtum, was dann eben auch zu diesen
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Schere führt und auch zu diesem Gerechtigkeitssinn.
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Warum kann man das nicht für alle gut verteilen?
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Und warum kann man dann nicht solche Themen wie Klimawandel und warum kann man
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dann nicht Projekte fördern, die dagegen angehen?
1:14:45–1:14:50
Also das ist so ein bisschen der Schrei nach Gerechtigkeit, der sich dann auch
1:14:50–1:14:52
in solchen Filmen dann vielleicht wieder zeigt.
Micz Flor
1:14:54–1:14:56
Jetzt sind wir dann bei Utopie wieder.
Florian Clauß
1:14:56–1:15:01
Ja, Utopie, Utopie, aber vielleicht muss man auch was zerstören,
1:15:01–1:15:05
um was dann halt wieder neu aufbauen zu können, weil, also ich finde das halt
1:15:05–1:15:11
schon bemerkenswert, dass Pasolini als letzten Film so eine Dystopie entworfen hat,
1:15:11–1:15:16
danach umgebracht wurde, irgendwie wo sich dann wieder das künstlerische Schaffen
1:15:16–1:15:20
mit seinem realen Leben so auf so eine magische Weise verwoben hat,
1:15:20–1:15:25
ja, das ist schon echt auch teilweise ein bisschen erschreckend.
1:15:28–1:15:29
Gut, Mitch, also ich glaube.
Micz Flor
1:15:29–1:15:31
Ich habe noch so.
Florian Clauß
1:15:31–1:15:35
Wie du vielleicht in einer Episode schon mal erwähnt hast, man hat das Gefühl,
1:15:35–1:15:40
man redet die ganze Zeit und denkt, mehr als die Hälfte dazu noch mehr Sachen.
1:15:40–1:15:43
Und habe das Gefühl, irgendwas ausgelassen zu haben. Aber ich glaube,
1:15:43–1:15:46
das ist jetzt erstmal so ein ganz guter Roundwork.
Micz Flor
1:15:46–1:15:53
Ich finde es total super. Es ist so viel auch im positiven Sinne. Vielfältig.
Florian Clauß
1:15:55–1:15:56
Vielfältig, ja.
Micz Flor
1:15:56–1:15:59
Ich möchte eine Sache noch ablegen, einfach bevor, weil ich nicht weiß,
1:15:59–1:16:01
ob ich es hier mal überlegen kann.
1:16:01–1:16:06
Diese Tatsache, dass da Sätze eingeblendet waren in den Bruce-La-Bruce-Filmen,
1:16:06–1:16:12
das fand ich ganz interessant, weil das dann so Kopfkino ist.
1:16:12–1:16:16
Also in dem Moment, wenn der Körper sich dem hingibt, sich da irgendwie erfassen
1:16:16–1:16:22
zu lassen von Erotik und Sexualität, Wenn dann so was kommt, was man lesen muss,
1:16:22–1:16:27
dann ist das, und das kann ich noch ganz kurz erzählen, ich musste einmal so
1:16:27–1:16:30
ein Seminar halten, war super schlecht vorbereitet, wusste aber,
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es wird schon irgendwie gut gehen, weil es so einen Moment gab,
1:16:32–1:16:36
der einfach enorm umwerfend ist.
1:16:36–1:16:39
Es ging um Biofeedback und diese uralt Biofeedback-Dinge, die man so um den
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Finger gewickelt hat, die dann eben den Hautwiderstand gemessen haben. Ja.
1:16:43–1:16:47
Und mein Aha-Moment für alle war halt, dass ich relativ am Anfang in meinem
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schlecht vorbereiteten Seminar einfach jemand aus dem Seminar hat sich dann
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hingesetzt und die hat dann das Ding um den Finger gewickelt.
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Und dann habe ich einfach ihr so ein paar Sachen vorgelesen,
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so ein paar Fragen gestellt.
1:17:00–1:17:02
Und dann habe ich sie gefragt, was ist 17 mal 3?
1:17:03–1:17:07
Und alle außer ihr haben gesehen, dass ihr Hautwiderstand komplett.
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Also sich einfach komplett verändert hat. Also in dem Moment,
1:17:11–1:17:16
wenn du kognitive Leistung machst, wird das Blut abgezogen, ändert dein Hartwirkstand.
1:17:16–1:17:21
Und da musste ich jetzt gerade nochmal dran denken, dass so eine Idee von so
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einem Film, der eben auch so körperlich mit den Säften arbeitet,
1:17:24–1:17:29
dann auf einmal so was zu lesen ist, dass der eine ja auch komplett raushauen muss.
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Und warum das, oder ob das so gedacht war oder nicht.
Florian Clauß
1:17:33–1:17:37
Ja, ich glaube, das ist ein schöner Vergleich. weil ich glaube,
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es ist tatsächlich, also jetzt nicht so gedacht,
1:17:39–1:17:45
aber schon so bewusst durchbrochen, um auch so ein bisschen Respekt,
1:17:45–1:17:50
es geht halt nicht um diesen Porn-Aspekt dabei, sondern es geht halt um die Darstellung,
1:17:50–1:17:52
aber es geht jetzt nicht ums Pornografische.
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Es ist auch ein Bruch in der Erzählweise
1:17:56–1:18:00
und gleichzeitig eine neue Informationsebene, die da reinkommt.
1:18:00–1:18:04
Und es ist vor allen Dingen auch immer ganz gut gemacht, also der war von Sounddesign,
1:18:04–1:18:07
war der auch toll, Weil es fing dann immer so, du wusstest an,
1:18:07–1:18:11
du wusstest, sobald dann halt so eine bestimmte Melodie, so eine Techno-Melodie,
1:18:12–1:18:16
ein bisschen wie der Darkroom im Club, da kommt immer diese Bum,
1:18:16–1:18:21
Bum, Bum und dann geht's los und dann geht's halt, ja zack, dann geht's halt rein und los.
1:18:21–1:18:26
Und ich meine, da haben nicht nur das eben alle mit dem Visitor geschlafen,
1:18:27–1:18:31
die haben dann auch alle untereinander dann halt ein großes Gruppensex-Erlebnis gehabt.
1:18:31–1:18:34
Also das heißt, die Familie, die sich selber halt irgendwie...
1:18:34–1:18:38
Ja, und da waren halt diese Zwischensitel, das war halt auch lustig.
1:18:38–1:18:43
Wurde schon gelacht im Kino. Und dann später wurde auch in der Abmoderation
1:18:43–1:18:50
gesagt, ja, wir hatten andere Bruce-la-Bruce-Filme, wo viel mehr Leute aus dem Kino gegangen sind.
1:18:50–1:18:54
Und ich glaube, die haben unter Publikum ganz gut erzogen, was die da eben erwartet.
1:18:54–1:18:58
Und ja, also es war auf jeden Fall Erlebnis.
1:19:01–1:19:05
Ja, und nicht unbedingt empfehlenswert. Okay, aber das ist, glaube ich,
1:19:05–1:19:09
so der Punkt, wo wir aus der Geschichte aussteigen können, aus der Episode.
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Eigentlich 46 mit ganz frisch kriegen wir das auch auf die Spur.
1:19:15–1:19:17
Eine Woche nach der Berlinale werden wir veröffentlicht.
Micz Flor
1:19:18–1:19:24
Wahnsinn. Das machen wir doch alles selber. Werden wir veröffentlicht. I like it. I like it.
Florian Clauß
1:19:24–1:19:25
I like it, genau.
Micz Flor
1:19:25–1:19:30
Sie veröffentlichen uns die alle. Vielen Dank, dass ihr zugehört habt.
1:19:30–1:19:32
Unsere Tour, die so ein bisschen durcheinander ist.
1:19:32–1:19:36
Ich weiß jetzt, wo wir sind, aber ich weiß nicht mehr, wie wir gelaufen sind. Aber so soll es sein.
1:19:37–1:19:42
Ist alles auch auf unserer Webseite eigentlich-podcast.de zu finden.
1:19:44–1:19:47
Und immer noch denke ich, dass wir irgendwann mal eine Karte machen,
1:19:47–1:19:48
wo wir alle draufschmeißen.
1:19:48–1:19:51
Dass wir selber auch noch mal blinde Flecken finden, wo wir mal hinfahren können,
1:19:51–1:19:54
um die Stadt zu erkunden. Ja, macht's gut.
1:19:55–1:19:58
Und letzter Hinweis für die, die immer noch jetzt zuhören.
1:19:58–1:20:05
Das, was Flo vorgelesen hatte mit diesen Revolutionen aus diesem Buch von Pasolini
1:20:05–1:20:07
hat mich erinnert an das Shrike,
1:20:07–1:20:11
an diesen neuen Gott der Zerstörung, der alles nochmal so tabula rasa mäßig
1:20:11–1:20:18
hinmacht und das, was das genau bedeutet, könnt ihr in der nächsten Folge erfahren, wenn ich,
1:20:18–1:20:20
erzähle und Flo hinterfrag Oh.
Florian Clauß
1:20:21–1:20:26
Ihr spürt den eisigen Wind am Rande des Cliffs Ja, das ist ein Cliffhanger selten
1:20:26–1:20:29
so gut vorgebaut von Mitch wie anderswo.
1:20:31–1:20:33
Also macht's gut und bis zum nächsten Mal.
Micz Flor
1:20:34–1:20:34
Tschüss.

Mehr

Ein kleiner, zufälliger Ausschnitt vom zeitgenössischen chinesisch-sprachigen Film.

Die Berlinale bietet immer auch die Gelegenheit Filme sehen zu können, die sonst nicht das Licht der Welt erblicken, weil sich kein Verleiher im Westen findet. Allein deswegen lohnt sich der Besuch. Flo freut sich seit jeher auf die 10 Festivaltage im Februar besonders auf die asiatischen Filme, weil hier immer viel Alltag und Essen im Arthouse-Stil inszeniert ist. Ein kleiner Urlaub im Kino, das zu dieser Zeit von Gleichgesinnten standesgemäß besucht wird, d.h. absolute Stille und kein Handyleuchten sobald die ersten Akkorde des Berlinale-Trailers erklingen. Dieses Jahr hat sich Flo drei chinesisch-sprachige Filme ausgesucht, die er Micz in dieser Episode vorstellt: THE SHADOWLESS TOWER von Zhang Lü, TOMORROW IS A LONG TIME von Jow Zhi Wei und ART COLLAGE 1994 von Liu Jian. Alle drei haben einiges gemein: sie sind lang und manchmal langweilig, aber beeindrucken durch die langsame Photographie und starken Charaktere. Bei zwei Filmen steht auch ein ähnlicher Konflikt im Mittelpunkt: die Vater-Sohn-Beziehung, bei der der Sohn auf unterschiedlichen Wegen auf der Suche nach sich selbst ist und sich dann auch irgendwie findet, was für ihn als Art sanfter Befreiung erlebt wird. Die Filme erzählen keine dramatische Geschichte, obwohl alle Zutaten des Dramas enthalten sind. Die Filme möchten einen anderen Fokus setzen, auf die Stärke der Menschlichkeit und der Zwischenmenschlichkeit.

Shownotes

Mitwirkende

avatar
Florian Clauß
Erzähler
avatar
Micz Flor

Transcript

Florian Clauß
0:00:02–0:00:07
So jetzt eigentlich Podcast. Wir sind in Vorbereitung.
0:00:07–0:00:12
Ich habe mit eben den Standortgeschickt wo wir uns treffen.
Micz Flor
0:00:15–0:00:21
Ich bin am Ostbahnhof. Aufnahme läuft. Mal kucken, wo Flo ist.
0:00:22–0:00:24
Indem. Also das.
0:00:27–0:00:34
Ist das erste Mal. Dass ich die Einleitung ohne Vorbehalt macht, gleich Pech werde.
0:00:35–0:00:43
Willkommen zur eigentlich Podcastfolge 22 Diese Folge wird euch präsentiert von Flo.
Florian Clauß
0:00:43–0:00:47
Heute bin ich an der Reihe. Präsentieren.
Micz Flor
0:00:44–0:00:46
Eigentlich. Podcast bedeutet.
0:00:47–0:00:53
Die Reden beim Laufen und laufend reden. Früher waren wir wandern und haben
0:00:53–0:00:56
einfach immer uns die Dinge hin und her geworfen, weil.
0:00:58–0:01:00
Und dann haben wir irgendwann während Corona entschieden.
Florian Clauß
0:01:01–0:01:03
Da kommt er. Jetzt ist er da. Und.
Micz Flor
0:01:03–0:01:07
Und das sehe ich auch schon. Flo. Mal gucken, ob seine Aufnahme auch schon läuft.
Florian Clauß
0:01:07–0:01:10
Jetzt bin ich gespannt, mit wem er geredet. Aber wir haben ja gesagt,
0:01:10–0:01:16
wir kommen zusammen und jetzt gibt es ein Yeah!
0:01:17–0:01:20
So, du hast die Einleitung schon gemacht. Okay.
Micz Flor
0:01:19–0:01:21
Ich habe die Einleitung schon gemacht. Wir stehen jetzt hier gerade.
0:01:22–0:01:25
By Joe. Deutsche Küche. Pizza. Pasta, Cocktails.
Florian Clauß
0:01:25–0:01:28
Ich dachte, hier kommt aus dem Geldautomaten die Musik raus,
0:01:29–0:01:31
was ich dann schon advanced gefunden hätte.
0:01:32–0:01:35
Aber das ist, glaube ich hier so der Geld oder der letzte Geldautomat vor dem
0:01:35–0:01:40
Berghain, wo wir auch jetzt schon bei unserer Lokalisation wären.
0:01:41–0:01:44
Ich habe nämlich erzählt, dass ich dir über OpenStreetMap den Link geschickt
0:01:44–0:01:46
habe. Ja, ich bin auch mal gespannt.
Micz Flor
0:01:45–0:01:48
Ja, ich bin noch mal gespannt. Wir haben ja einen. Notgedrungen,
0:01:48–0:01:53
weil wir gedacht haben, ganz spontan, wir treffen uns jetzt den Ostbahnhof festgelegt.
0:01:53–0:01:56
Und dann ist es natürlich so, dass du wahrscheinlich nochmal ein bisschen überlegt hast, was.
Florian Clauß
0:01:57–0:02:04
Ja die Tour. Ostbahnhof ist eine gute guter Startort, weil wir können dann in
0:02:04–0:02:09
etwas kleineren Straßen Richtung Volkspark Friedrichshain gehen und.
Micz Flor
0:02:08–0:02:11
Und jetzt geht's wirklich los.
Florian Clauß
0:02:11–0:02:14
Also, hier stehen wir vor dem Gebäude. Ich habe das früher geliebt.
0:02:14–0:02:15
Dieses Gebäude. Hier war ich noch nie drin.
0:02:15–0:02:21
Das war nämlich die, ich wollte schon sagen, Horten. Aber es war Kaufhof.
0:02:22–0:02:27
Die Kaufhof am Kaufhof am Ostbahnhof. Ich weiß nicht, ob du da jemals drin weißt.
Micz Flor
0:02:28–0:02:33
Du? Ich war da öfters drin, als du glaubst. Ich war sowieso in dem Ding selber
0:02:33–0:02:35
drin, weil das war so was von absurd trashig.
0:02:35–0:02:41
Das war so ein bisschen wie Prag 1992 oder so vor ein paar Jahren.
Florian Clauß
0:02:37–0:02:38
Für.
Micz Flor
0:02:41–0:02:43
Und dann war ich aber auch ganz oben.
0:02:44–0:02:48
Es gab nämlich oben und fast oben gab es eine Bowlingbahn, und ganz oben gab.
Florian Clauß
0:02:47–0:02:52
Ja, stimmt. Ja. Äh. Ja, das ist natürlich.
Micz Flor
0:02:48–0:02:51
Es so ein Kartrennbahn. Da waren wir einmal Weihnachtsfeier mit Kathrin.
Florian Clauß
0:02:52–0:02:56
Das ist natürlich der Klassiker für jede IT Firma in den Nullerjahren.
Micz Flor
0:02:56–0:02:59
Ja, ja, genau. Und wir sind dann auch in den Quatschen. Ich mir.
0:02:59–0:03:01
Aber ich bin dann auch als ich alleine reingegangen.
0:03:01–0:03:05
Wenn du die Treppen hochgefahren bist, die Rolltreppen, dann wurden erstens
0:03:05–0:03:08
immer mehr Rolltreppen abgestellt und oben war dann wirklich so.
0:03:08–0:03:09
Der Flur war so halb leer.
0:03:10–0:03:12
Dann war da wirklich noch so ein bisschen Faschingszeug aufgebaut.
0:03:13–0:03:15
Was hätte vor vier Wochen schon abgebaut sein müssen?
Florian Clauß
0:03:15–0:03:18
Ja, ich kann mich auch erinnern. Ich weiß auch noch das als wir mal zusammen
0:03:18–0:03:23
in Prag waren, da hattest du mir auch ein. So ein ehemaliges Einkaufszentrum.
Micz Flor
0:03:23–0:03:24
Ja, das habe ich geliebt.
Florian Clauß
0:03:23–0:03:29
Was dann? Das war toll, weil das war auch was dann tatsächlich so die Historie
0:03:29–0:03:33
von diesen Einkaufszentren sind das ist erst mal so ein loser Verband von Einzelhändlern
0:03:33–0:03:37
ist und die sich unter einem Dach dann halt finden,
0:03:37–0:03:41
und teilweise noch Flächen frei sind, die vermietet werden können.
0:03:41–0:03:45
Und da ist es. In Prag ist dieses Einkaufszentrum wieder dahin generiert.
Micz Flor
0:03:46–0:03:50
Rota hieß das Das war. Das war. Nee, das war relativ früh nach der Wende.
0:03:50–0:03:52
Ich weiß nicht, wie es früher war, aber es gab es schon vorher.
0:03:52–0:03:58
Natürlich war so ein 70er futuristischer Space,
0:04:00–0:04:05
Bau und da war es wirklich so, dass was, was man jetzt hier immer öfter sieht,
0:04:05–0:04:08
dass halt bestimmte Brands bestimmte Stände bespielen,
0:04:09–0:04:12
was glaube ich, früher in Berlin hauptsächlich so beim KaDeWe war.
0:04:12–0:04:15
Wenn man unten reinkam, dann gab es halt die unterschiedlichen Brands für uhren
0:04:15–0:04:17
oder Parfüm, die halt so eigene hat.
0:04:17–0:04:19
Das war da schon so drin. Und da hast du
0:04:19–0:04:26
dann wirklich so obskure kleine Spielzeughersteller so irgendwie gehabt.
0:04:28–0:04:31
Nee, das Ding hier ist umgebaut. Ich hatte irgendwie noch mal im Kopf,
0:04:31–0:04:37
dass das Lieferando oder irgendwie aufgekauft hatte und dann haben die das eben
0:04:37–0:04:40
nicht abgerissen, sondern die haben es abgetragen und angebaut,
0:04:40–0:04:42
Also die haben die Struktur behalten.
Florian Clauß
0:04:41–0:04:45
Aber das ist noch das die im Kern ist noch das alte.
Micz Flor
0:04:44–0:04:47
Ne, teilweise ja. Also was du vorne, wenn du dir vorstellst,
0:04:47–0:04:49
dieses V, was so reingeschnitten ist, was hier eigentlich dann,
0:04:49–0:04:52
wenn es wirklich abgetragen. Also es wurde nie abgerissen, neu aufgebaut.
Florian Clauß
0:04:50–0:04:51
Aha.
Micz Flor
0:04:52–0:04:55
Sondern im Kern erhalten.
Florian Clauß
0:04:54–0:04:57
Ach interessant kann man auch mal ne Episode zu machen.
Micz Flor
0:04:58–0:05:01
Ja, weiß ich nicht. Mehr weiß ich dazu gar nicht. Alles was?
Florian Clauß
0:05:00–0:05:05
Na ja, wir können ja mal einen Gastbeitrag und einen Architekten einladen oder so.
Micz Flor
0:05:04–0:05:07
Und sie hatten damals die Kartrennbahn aufgemacht.
Florian Clauß
0:05:10–0:05:13
War das kompatibel das System zu dem man noch.
Micz Flor
0:05:12–0:05:15
Ach, das hieß dann auch Karstadt. Bloß mit C verstehen.
Florian Clauß
0:05:17–0:05:21
Okay. Du hast mich schon eingeleitet.
Micz Flor
0:05:21–0:05:24
Ich habe gesagt Ich weiß. Ich habe gar nicht zum Thema gesagt, weil das weiß ich nicht.
Florian Clauß
0:05:25–0:05:25
Das weißt du.
Micz Flor
0:05:25–0:05:29
Ich bin sehr gespannt. Ich habe also ich weiß nicht genug, dass ich es wirklich
0:05:29–0:05:32
einleiten konnte, während ich alleine so vor mich hin gestottert habe.
0:05:32–0:05:37
Aber was ich weiß, es geht um drei chinesische Filme, die du auf der diesjährigen
0:05:37–0:05:39
Berlinale gesehen hast.
Florian Clauß
0:05:39–0:05:43
Genau. Also ich vielleicht noch einmal dieser kleine Seiten,
0:05:44–0:05:46
wie soll ich sagen? Seitenbogen.
0:05:46–0:05:53
Berlinale. Du weißt, ich bin auch immer ein ein passionierter Berlinalegänger,
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obwohl ich das so in den letzten fünf Jahren, sag ich mal, ein bisschen mehr aufgelöst hat.
0:05:58–0:06:02
Früher war ich wirklich da, habe ich mich in die Schlange eingereiht und habe
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dann Tickets versucht zu bekommen.
0:06:04–0:06:09
Und das war es war schon ein Happening, das allein das Schlangestehen,
0:06:09–0:06:13
um Tickets zu bekommen, es ist der ist die Berlinale wert.
0:06:13–0:06:17
Und auch alle Regisseure, die dann in der Berlinale sind, die sagen auch dann
0:06:17–0:06:20
jedes Mal, das es dann auch ein bisschen langweilig, wenn man das jetzt bei
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jedem Film immer von jedem Regisseur oder Regisseurin hört.
0:06:25–0:06:29
Es ist ein unglaubliches Festival ist, weil es so toll ist, das Feedback zu
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bekommen, weil das ist das einzige Festival, wo auch Audience da ist.
Micz Flor
0:06:33–0:06:36
Es ist das größte Publikumsfestival. Ich von diesen A.
Florian Clauß
0:06:37–0:06:41
Genau von den europäischen. Ich weiß gar nicht, wie im amerikanischen Bereich
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ist, aber von was haben wir da wir haben kann.
0:06:44–0:06:51
Wir haben Lozano, Venedig und ja, es gibt so ein paar, aber das ist tatsächlich bei den anderen.
0:06:51–0:06:57
Gerade in Cannes kann hat, glaube ich, so die breiteste Wirkung sage ich mal,
0:06:57–0:07:04
also reinen Film von den Filmen her gesehen ist aber rein akkreditiert,
0:07:04–0:07:08
also ein reiner Verleih aus diese ganze Verleihmaschinerie, die da im Hintergrund läuft.
0:07:08–0:07:13
Und das Tolle an den an der Berlinale oder überhaupt an, also das war für mich
0:07:13–0:07:16
dann auch immer so eine so eine Auszeit, das, dass,
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man sich in den Film setzen konnte und da ist auch der herrscht einfach ein
0:07:22–0:07:26
ordentliches Set sobald das ist wirklich so, sobald das Licht aus ist und der
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Trailer anfängt du hörst keinen Mucks mehr und das ist wirklich egal, wie voll das Kino ist.
Micz Flor
0:07:31–0:07:32
Keine Chipstüten.
Florian Clauß
0:07:32–0:07:37
Nichts. Also die Leute, die da hingehen, wissen, wie man sich ordentlich im Kino verhält.
0:07:37–0:07:42
Es ist wirklich mucksmäuschenstill. Du siehst auch keine Handys, die leuchten.
0:07:42–0:07:46
Also das macht es dann halt auch nochmal extra wert, denn es gibt.
Micz Flor
0:07:45–0:07:50
Gut. Aber da muss ich jetzt eine Sache sagen. Die darfst du rausschneiden, wenn du willst.
Florian Clauß
0:07:50–0:07:52
Wenn du schon so anfängst.
Micz Flor
0:07:52–0:07:55
Wir waren den Film Hero gucken im Kino.
Florian Clauß
0:07:55–0:08:00
Ja, aber das war jetzt, äh, das war kein Berlinale Film. Ja.
Micz Flor
0:07:57–0:08:00
Freizeit. Okay, das war Freizeit.
Florian Clauß
0:08:00–0:08:02
Du kannst es gerne nochmal sagen.
Micz Flor
0:08:04–0:08:11
Und in diesem Film hatten wir Chips dabei und es gab Kampfszenen und quasi romantische
0:08:11–0:08:12
Szenen oder Dialogszenen.
0:08:13–0:08:19
Immer bei der Kampfszene hattest du wie eingefroren die Chips vor dem offenen Mund schweben.
0:08:19–0:08:23
Dann war die Kampfszene vorbei und dann die letzten 15 Meter,
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während gesprochen wurde. Oder?
0:08:26–0:08:30
Und dann die nächste Kampfszene wieder eingefroren. Da musste ich gerade dran denken.
Florian Clauß
0:08:30–0:08:35
Ja, ich weiß. Ich weiß auch, dass du sehr empfindlich bist gegenüber Geräuschen im Kino.
0:08:35–0:08:40
Wir waren auch mal im Kino und saßen ungefähr drei Reihen weiter hinten und
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irgendwie 18 Sitze weiter rechts neben.
0:08:44–0:08:48
Hinter uns war halt so eine Gruppe von Jugendlichen, die Popcorn gegessen haben.
0:08:49–0:08:54
Und irgendwann, wir sind im Film aufgestanden und du bist zu dem gegangen,
0:08:54–0:08:57
hast gesagt, wir sitzen da hinten und wir haben euch immer noch.
Micz Flor
0:08:56–0:08:57
Und wir alle. Immer.
0:08:59–0:09:01
Ja, Ich kann mich nicht erinnern, aber es klingt nach mir.
Florian Clauß
0:09:01–0:09:06
Ja, das also. Ich bin aber auch so, ich magister diese Stille im Kino und ich
0:09:06–0:09:07
magister auch die Filme.
0:09:07–0:09:11
Und vor allen Dingen bei der Berlinale magister ich, dass ich diese ganzen Filme,
0:09:11–0:09:13
die man eigentlich nie zu sehen bekommt,
0:09:14–0:09:19
weil kein anderer Verleih außer irgendwann fünf Jahre später Arte oder jetzt
0:09:19–0:09:25
auch Mubi Movie, auch viele ARD Cinema Filme im Streamingangebot,
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die man nicht so oft zu sehen bekommt.
0:09:28–0:09:30
Ich mache jetzt keine Werbung für Ruhe. Das klingt so.
Micz Flor
0:09:31–0:09:34
Ähm, du. Ich krieg von den Nieren nur noch den Newsletter.
0:09:34–0:09:38
Ich habe mich ja wieder abgemeldet. Aber das klingt wirklich immer schön.
0:09:38–0:09:39
Ich glaube, das ist wirklich schön gemacht.
Florian Clauß
0:09:39–0:09:42
Ja, die sind gut kuratiert. Wir müssen jetzt drüber reden.
Micz Flor
0:09:41–0:09:47
Keine Werbung, aber Jobs, ein Auto. Aber es ist ja so, dass mit diesen ganzen
0:09:47–0:09:52
Streamingdiensten erstmal die Illusion entstand Kohle kann man alles immer überall gucken.
0:09:52–0:09:56
Aber in Wahrheit entsteht eher, so finde ich ein absoluter Shift,
0:09:57–0:10:01
dass halt viele Sachen, die halt so früher klassischerweise DVD Verleih oder
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vorher noch VHS Verleih, dann doch in irgendeinem obskuren Regal noch zu haben waren.
0:10:06–0:10:09
Die finden jetzt einfach keinen. Kein Streamingdienst.
Florian Clauß
0:10:08–0:10:12
Das stimmt. Das stimmt. Das kann ich. Kann ich bestätigen. Das ist wirklich
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so, und da segmentiert sich der ganze Filmmarkt auch nach Kontinenten.
0:10:16–0:10:20
Also, dass im asiatischen Bereich. Viele Filme kriegt man hier einfach nicht.
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Und ich hätte tatsächlich eine Videothek, wo,
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die am Boxhagener Platz, wo dann der die Betreiber so auch zu filmen sind die
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ersten Enthusiasten waren, die auch regelmäßig nach Asien gefahren sind.
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Und da die Filme sich gekauft haben und deswegen hatten die ein wesentlich besseres
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Angebot als irgendwo anders an asiatischen Filmen.
Micz Flor
0:10:44–0:10:48
Ja, und ich habe das irgendwo mal gelesen. Ich weiß nicht, ob es stimmt,
0:10:48–0:10:50
insofern bin ich da keine Quelle für.
0:10:50–0:10:55
Aber ich hatte gehört, dass das bei Disney auch gezielt eingesetzt wird,
0:10:55–0:10:58
dass halt bestimmte Sachen dann einfach irgendwann laufen.
0:10:58–0:11:01
Die könnten ja immer laufen, tun sie aber nicht. Und ich weiß nicht,
0:11:01–0:11:05
was die Strategie dahinter ist und warum. Aber dass diese Scarcity dann wirklich
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auch eingesetzt wird, um das Publikum in gewisser Weise zu lenken, keine Ahnung.
Florian Clauß
0:11:10–0:11:13
Ja, vielleicht. Also das wäre auch nochmal so eine andere, andere,
0:11:13–0:11:16
anderes Thema, was da reinkommt. Aber was?
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Diese Art von Filmen, die ich dann auch bei der Berlinale besuche,
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sind dann meistens diese Independentfilme, Arthouse Filme, was auch immer. Slow Cinema.
0:11:29–0:11:33
Ich weiß nicht, ob du das den Begriff kennst.
Micz Flor
0:11:33–0:11:34
Ich kann es mir vorstellen.
Florian Clauß
0:11:33–0:11:37
Das glaube ich schon immer. Ja, kann man. Kann man vielleicht nachher nochmal
0:11:37–0:11:41
ein bisschen ausführlicher drüber sprechen, weil tatsächlich die Filme,
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die ich gesehen habe, mehr oder weniger explizit diesem Genre zuzuordnen sind.
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Also sehr langsame Filme. Und das ist deswegen auch so ein kleiner Urlaub dann
0:11:53–0:11:58
im Kino, weil ich gucke mir, wie ich schon sagte, extra auch sehr viel die asiatischen Filme an..
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Jetzt dieses Jahr habe ich drei
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chinesische Filme gesehen und ich Normalerweise bin ich auch nicht oft.
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Die Berlinale ist ja in verschiedenen Sektionen gegliedert.
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Es ist die offizielle, die dann halt um diese Goldenen Bären,
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also um diese Preise, konkurrieren. Das ist der Wettbewerb.
0:12:21–0:12:28
Dann gibt es das Panorama, was so ein bisschen, was auch sich aufsplittet in
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einem Dokument, Dokumentationsteil und ein Spielfilm Fiction Teil.
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Es gibt den Generation, die sich auch wieder aufstellte, die Sektion in 14,
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also für ne, für Generation 14 und K plus.
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Also alles, was dann halt so adoleszenz und jugendlich ist. K 14 über 14-jährige
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und darunter gibt es halt die Kinderfilme.
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Ich bin auch immer gerne mit den Kindern zur Berlinale gegangen in Friedrichshain,
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die Screen auch regelmäßig.
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Neben dem Panorama Generation Wettbewerb gibt es dann noch das Forum.
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Das Forum hat sich damals. Deswegen heißt es dann auch mal im Untertitel Die 73.
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Berlinale und das 49 oder 50. Forum. Keine Ahnung.
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Die laufen von der von der Jahreszahl auseinander, weil das Forum sich tatsächlich
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in den 60er als Gegenveranstaltung gegründet hat.
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Forum hat damals eben so eine Art von.
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Ja, anderes Kino.
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Es war mit der Studentenbewegung, das war auch gegen Mainstream usw.
0:13:40–0:13:45
Ist dann aber irgendwann später eben von der Berlinale von der ihn ja nicht
0:13:45–0:13:50
geschluckt aber hat sich dann halt zu einem hat sich dann zusammengefügt.
0:13:50–0:13:53
Also ein Forum gibt es auch immer sehr interessante Filme zu sehen.
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Okay, also lange lange Einleitung über die Sektion auf jeden Fall.
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Was auch ungewöhnlich ist, ist, dass sich zwei Filme dieses Jahr im Wettbewerb gesehen haben.
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Ich habe tatsächlich nicht meinen Länderfilter angeschaltet,
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bei dem Programm gesucht, was gibt und an chinesischen Filmen,
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weil ich mir das mehr oder weniger ein bisschen vorgenommen habe.
0:14:13–0:14:15
Und zwei davon sind im Wettbewerb gelaufen.
Micz Flor
0:14:16–0:14:18
Warum hast du dir das vorgenommen? Was war der Ausgangspunkt?
Florian Clauß
0:14:19–0:14:24
Ich war so, war so eine kleine Eingebung, weil ich eben. Ich dachte halt auch,
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das kann ich gut mit so einer Scott Podcast Episode verknüpfen.
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Und ich war halt gespannt, was passiert gerade in China, weil ich,
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äh, ja, ich bin jetzt nicht so tief in dem chinesischen Film drin,
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aber ich gucke immer mal wieder gerne so aus aus dem Land. Die Filme, die sind auch.
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Also China ist auch eines der asiatischen Länder, die so eine unglaublich cineastische
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Erzählkunst entwickelt haben, wie Korea meinetwegen auch.
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Also es gibt einige, die eine ganz eigene Filmsprache mit entwickelt haben.
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Deswegen magister ich die Filme sehr und war gespannt. Was gibt es denn jetzt so Zeitgenössisches?
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Weil ich meine, das Bild von China, das ist ja so ein bisschen geprägt,
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eben auch nicht gerade zum Positiven durch die ganzen politischen Entwicklungen in jüngster Zeit.
0:15:20–0:15:24
Man hat auch immer so das Gefühl, China ist so ein Überwachungsstaat,
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die Leute sind unfrei, die im.
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Ähm, äh, ich glaube, wenn man vor Ort ist, ist das sieht das anders aus.
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Klar gibt es da bestimmte Sachen, die man dann halt nicht machen kann,
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wie hier im freien westlichen Land.
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Aber man liest auch viel, eben von, ähm ja, von von Zensur.
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Und ich glaube, und das war auch so eine Rezension, eine Kritik,
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die ich über den Film gelesen habe.
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Ich gehe jetzt auch chronologisch vor, also chronologisch im Sinne von die habe
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ich auch nacheinander im Kino geguckt.
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Der erste Film lief am Samstag im ersten Samstag.
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Also die Berlinale geht über zehn Tage, zwei Wochenenden, fängt immer am Donnerstag
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an und das erste Wochenende war tatsächlich im Berlinale Palast Weltpremiere.
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Von dem Film ist auch super übers Internet die Karten gekauft und dann kriegt
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es auch noch ne vierte und fünfte Loge.
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Guckt dann wirklich so steil, aber das macht nichts. Also im Nachhinein ist
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es auch immer wieder faszinierend.
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Man kann in den Filmen, je nachdem, wie man halt irgendwie emotional in diese
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Geschichte einsteigen kann und auch in die Bilder, dann ist es fast egal, ob du jetzt wirklich so,
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in der dritten Reihe in der hintersten Loge links gesessen hast oder ob du das
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halt irgendwie auf VHS in 273 Pixeln meinst.
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Das ist wirklich so eine Erinnerung. Ist der Film irgendwo anders abgespeichert
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und kriegt dann halt auch diese diese Cinemascope Bilder, dann muss man nicht immer.
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Also es gibt so eine Studie darüber, die das finde ich ganz interessant aber.
Micz Flor
0:16:55–0:17:00
Wir kennen das auch noch als Fußnote dazu, weil als man früher zum Ersten Mal
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im Internet so Filme runterladen konnte, waren die relativ klein,
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und teilweise noch so real Mediacodec und ich habe irgendwas Blade II oder so was runtergeladen und,
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das Bild waren wahrscheinlich keine Ahnung 200 auf 160 Pixel,
0:17:16–0:17:19
aber der Sound war ziemlich gut und ich habe im Kopfhörer hab ich diesen Film
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gesehen, aber diese Pixel.
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Und dann habe ich in dem Moment gemerkt, mir ist, glaube ich,
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in der Summe für die Erfahrung der Ton fast wichtiger als das Bild.
Florian Clauß
0:17:28–0:17:33
Das ist. Ja, das ist also der, der, der der Gründungs Gründungs testimonial
0:17:33–0:17:35
von George Lucas zu Terra X.
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70 % oder 80 % eines Filmes werden von Photonen gemacht.
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Und. Und ich muss mich auch wieder daran erinnern, als wir die erste von der
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Hüttentour wiedergekommen sind und in das uns in dieses ICE on Board.
Micz Flor
0:17:52–0:17:52
Hm.
Florian Clauß
0:17:53–0:17:59
Portal eingelinkt haben und dann den Film Mount Everest hieß,
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dass wir Everest geguckt haben und wir haben beide auf diesen kleinen Handymonitor gestarrt.
0:18:05–0:18:10
Aber ich glaube, ich war auch emotional durch unsere ganze Tour so involviert
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in diesem Film, dass ich auch das Gefühl hatte, ich habe den auf Leinwand geguckt. Also es funktioniert.
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Und der,
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Regisseur von dem ersten Film, den ich geguckt habe, das ist,
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ich sage jetzt nicht die chinesischen Titel, weil ich die eh nicht zusammenbekomme.
0:18:30–0:18:41
Der heißt Shadows Shadowless Tower und ist von Wang Li ein ein Regisseur,
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der schon einige Filme realisiert hat.
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Es ist ein er kommt aus einer koreanischen koreanischen Gemeinde.
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Es gibt tatsächlich so eine.
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Es gibt so Kreisstädte in China, die dann so. Also weißt du, wo Beijing Peking ist?
Micz Flor
0:18:59–0:19:03
Ist. Ich war nie dort. Ich kenne mich auch geographisch nicht so gut aus.
Florian Clauß
0:19:03–0:19:07
Also Peking ist so im Norden des Landes.
0:19:07–0:19:12
Dann kommt irgendwann Shanghai, das ist so Mitte bis südlich und unten Hong
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Kong und Cheng usw. usw. Diese ganze das ist dann halt im Süden und ganz als
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Insel südliche, also wo dann tropisches Klima ist, ist dann Taiwan.
Micz Flor
0:19:22–0:19:25
Wann? Ich. Warum guckst du?
0:19:26–0:19:31
Weil die Frage, wo Taiwan hingehört, Jetzt? Was ist jetzt in China eingemeindet?
Florian Clauß
0:19:30–0:19:37
Ja, ich habe ja. Aber zu dem Konflikt kommen wir auch noch. Das ist natürlich ein Land, zwei Systeme.
0:19:38–0:19:40
Diese Frage will man nicht aufbrechen.
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An Hongkong hat man ja gesehen, dass es gescheitert ist.
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Aber diese, dieser Rechtsanspruch an China gegenüber Taiwan,
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der hat auch die, also die hat auch die Geschichte.
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Ich sage das deswegen, weil der zweite Film, den ich geguckt habe,
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der spielt teilweise in Taiwan.
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Und dann wollte ich auch nochmal so ein bisschen was über die Geschichte erzählen.
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Ein Teil spielt in dem Dschungel von Taiwan. Peking ist so nordnordöstlich.
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Ist es überhaupt diese ganze Bauch?
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Der östliche Bereich von China, der besiedelt ist.
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Wenn man dann weiter nach Westen geht, dann kommt sowieso das Himalaya Gebirge
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und darüber die Mongolei, was dann halt eine Wüste Gobi, was dann halt auch menschenleer ist.
0:20:25–0:20:29
Also wenn man sich das mal auf Gobi Gobi anguckt, Google anguckt,
0:20:30–0:20:35
auf Maps anguckt, dann siehst du, das ist halt einfach so ein ein Bereich,
0:20:35–0:20:36
der wo auch kaum Infrastruktur ist.
0:20:36–0:20:40
Aber da wo sich das verdichtet ist halt dieser ganze Streifen an der Küste und
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auch das Landesinnere, so ungefähr 3 bis 500 Kilometer oder noch weiter.
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Dann heißt es noch Chengdu ist dann so an der Grenze zu Himalaya am.
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Und im im Osten weiter, dann auf der Höhe von Peking ungefähr kommt dann ein
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Stückchen weiter, kommt dann auch irgendwann Korea und Korea hat eben diese.
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Es gibt eine sino koreanische Gemeinde und da kommt auch dieser Regisseur her,
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die nur für Chinesisch, also in seinen Filmen spielen auch häufiger.
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Es kommen auch immer wieder Koreaner dann vor und der,
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Regisseur selber wird auch aus Korea mit unterstützt. Das heißt der.
Micz Flor
0:21:32–0:21:36
Ganz kurz hier. Denn wir sind jetzt ja ein bisschen zufällig gelaufen,
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vom Ostbahnhof in die Straße der Pariser Commune lang, oder?
Florian Clauß
0:21:37–0:21:42
Nein, wir sind nicht zufällig. Das wollte ich schon. Ich wollte das schon so laufen.
Micz Flor
0:21:41–0:21:43
Und dann hier hinten.
Florian Clauß
0:21:43–0:21:45
Das ist toll. Ich wollte jetzt auch zeigen, da müssen wir nicht unbedingt hoch.
0:21:45–0:21:47
Aber ich finde es super. Sieht aus wie.
Micz Flor
0:21:46–0:21:49
Das ist meine Lieblingstreppe in Berlin. Da sind wir zufälligerweise also für
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mich zufälligerweise gerade vorbeigekommen.
Florian Clauß
0:21:51–0:21:54
Ja, nee, da wollte ich auch. Die wollte ich auch mit dir. Die wollte ich nicht
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mit dir besteigen. Wir müssen nicht. Ich dachte, wir gehen jetzt eher hier.
Micz Flor
0:21:57–0:22:00
Das kann man machen. Aber das Schöne bei der Treppe ist, wenn man sie von unten sieht.
0:22:01–0:22:03
Jetzt sieht sie von hier nicht so gigantisch, dass man denkt,
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das geht hinten wieder runter. Aber das Krasse ist halt, es ist oben ebenerdig
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und das hast du total selten in Berlin, was ja relativ flach ist,
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dass so ein Höhenunterschied das sind. Was wird das sein? 30 Meter?
Florian Clauß
0:22:15–0:22:17
Ja, ja, ungefähr 20 für dich. Und.
Micz Flor
0:22:17–0:22:22
Dass da so ein Höhenunterschied so senkrecht, dann oben, dann wieder auf einer
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Ebene ankommt. Was zum Beispiel in der Stadt Glasgow hat dass überall,
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weil die ist halt so bergig und dann bist du halt immer oben, unten, rechts, links.
Florian Clauß
0:22:28–0:22:32
Ich dachte an Lissabon, Lissabon und auch ganz viel. Diese Treppen.
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Und hier ist es tatsächlich. Dieser eine. Das ist der Mann mit dem Fahrrad.
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Das ist dieser Höhenunterschied, Prenzlauer Berg. Also im Prinzip ist das der
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Prenzlauer Berg, also visualisiert in einer einer Dichte.
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Ja, man kann so ein bisschen später wieder runter fahren, Aber das ist der Weg
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zwischen Friedrichshain und Prenzlauer Berg.
Micz Flor
0:22:51–0:22:54
Ja, Also Korea, China.
Florian Clauß
0:22:52–0:22:57
Ja, ich wollte nochmal genau kurier. Ich werde nur so kurz weil ich so abgebogen bin.
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Das wegen Meinungsfreiheit und Förderung von Filmen ist natürlich auch schwierig
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für so Independent Arts Regisseure, Filme, Filmemacherinnen da auch die Finanzierung aufzutreiben.
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Und der hat ja der Lois Tower hat ein.
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Man merkt es bei beim beim Einstieg von dem Film.
0:23:20–0:23:24
Du siehst diese ganzen Produzentenfirmen, die produzieren die dann halt mit
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an den Film gewirkt haben.
0:23:25–0:23:28
Du siehst, dass ganz viele da was gemacht haben.
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Also der Film wird schon sehr supportet und dann gemeint hat,
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das spricht für den Regisseur, dass er halt auch entsprechendes Netzwerk hat
0:23:34–0:23:39
und ich geh jetzt mal, ich erzähle mal so die Geschichte von dem Film.
Micz Flor
0:23:39–0:23:39
Wir.
Florian Clauß
0:23:40–0:23:48
Äh, ich habe schon den Protagonisten erwähnt, Es ist ein gescheiterter Dichter,
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der so in seiner Lebensmitte.
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Gerade recht erfolgreich in dem anderen Bereich, wo er arbeitet,
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nämlich er macht einen Food Block und geht dann immer essen und bloggt dann
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darüber und ist da wohl recht erfolgreich.
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Er wird gelesen und er beginnt eine Art von Beziehung. Aber es ist jetzt keine,
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ja keine körperliche Beziehung, sondern eher so eine geistige Beziehung. Ne, aber schon sehr.
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Mit seiner Fotografin, die 20 Jahre jünger ist als er.
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Er ist nun in den Vierzigern, Mitte 40, und sie ist so Anfang 20,
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und er ist so ein bisschen auf der Suche.
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Er ist so ein bisschen in diesem, ja, so in diesem Findungsphase. Was mache ich noch?
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Seine Der ganze Film fängt auch an auf dem Friedhof,
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Seine Mutter ist gestorben und er geht mit seiner zusammen mit seiner Schwester
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und seiner Tochter und dem Schwager zusammen zu dem Grab seiner Mutter.
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Und wenn, dann halt in diesem aus diesem Grab einen frischen,
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frischer Blumenstrauß arrangiert ist, wo sie erst mal nicht wissen,
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wo von wem der ist, noch so der zu dieser Familienkonstellationen.
0:25:15–0:25:20
Seine Frau. Er hat sich dann scheiden lassen von seiner Frau.
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Vor zwei Jahren hat das aber auch seinen engsten Freund nicht so richtig erzählt.
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Also es ist ein sehr in sich gekehrt der Typ. So hat er mal so eine ganz.
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Freundliche Ausstrahlung. Und seine Tochter wohnt bei seiner Schwester,
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weil er kann sich für sie sorgen oder er fühlt sich nicht so bereit.
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Oder man wird nicht so richtig aufgeklärt. Oder die Schwester von ihm möchte,
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hat einen unerfüllten Kinderwunsch und.
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Und die haben dann halt diesen Deal gemacht, dass dann die Tochter bei ihm aufwächst.
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Aber sie haben trotzdem ein sehr herzliches Verhältnis.
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Also es klingt alles so ein bisschen zerrüttet, aber ist in so einer menschlichen
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Art sehr geht es einem sehr nahe und es ist auch sehr freundlich.
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Also das sind so generell die asiatischen, also viele chinesische Filme,
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die sind die Folgen so individuellen Geschichten und eigentlich eine unglaubliche
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Tragik in den Geschichten, aber trotzdem so eine,
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so eine Menschlichkeit, die da, die da mit erzählt wird und mit in den in den
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ganzen Schicksalen verwoben ist, die es dann wieder so nahbar machen.
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Und das ist für mich auch so, dieses Gefühl von so chinesischen Filmen sage ich mal.
Micz Flor
0:26:36–0:26:38
Und das ist schon.
Florian Clauß
0:26:42–0:26:47
Diese Menschlichkeit, die dann in den zwischenmenschlichen Beziehungen auftaucht
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und die Güte und und diese Charaktere, die so höchst individuell sind,
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ja, aber gleichzeitig auch wahrscheinlich so eine,
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so eine Schicksalsgemeinschaft Geschichte erzählen, weil viele durch die Ein
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Kind Politik gibt es dann halt nicht so viele Kinder die, die den Kinderwunsch
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haben, die konnten damals keine Kinder kriegen,
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weil es verboten war. Und jetzt ist es so, dass halt sehr wenige.
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China ist eines der Länder, wo ganz wenige, wo die Geburtenrate so abgesackt
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ist, mit der ganzen, mit dem,
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mit der ganzen, mit dem ganzen Kapitalismus, mit dem ganzen Wirtschaftsaufschwung
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will da auch keiner, keiner Kinder haben, weil das ist einfach so teuer ist,
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und und auch die Zeit also China ist gerade auch das ist für China ein massives Problem gerade,
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dass die wahrscheinlich schneller altern, als sie reich werden oder als sie
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sich als Nation gerade so stabilisieren können.
Micz Flor
0:27:45–0:27:45
Und.
Florian Clauß
0:27:45–0:27:52
Ja, man könnte sagen, der Film ist auch ein sehr poetischer Film.
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Das, was die so Unnahbarkeit von den Charakter, von dem Hauptdarsteller wird
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auch aufgefangen durch so eine, durch den Ort, durch den Raum drum herum,
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durch so eine gewisse Filmisch ist ja auch sehr gerade.
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Das heißt, du hast sehr lange Kameraeinstellungen, ziemlich ruhig gefilmt und
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das haben übrigens alle drei Filme, die ich geguckt habe, überraschenderweise
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so gemein, dass sie sehr ähnlich von der Kamera Arbeit sind.
Micz Flor
0:28:19–0:28:24
Aber ist das Lovefilm. Also ist das, was du. Gehört es dazu? Formaler Ebene?
Florian Clauß
0:28:24–0:28:32
Ja, auf kommunaler Ebene würde man dieses Kriterium dem dem Genre so zuordnen.
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Aber es gibt noch andere andere Charakteristika, die das zu summenlose Cinema Genre einordnen.
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Aber ich würde es jetzt gefühlt also eine ist halt natürlich lange Einstellungen, kaum Narration,
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also viel viel zwischenmenschliche Interaktion die auch weniger dann halt Action,
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Handlung oder so was die da erzählt wird.
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Insofern könnte man das dem Slow Cinema zuordnen. Der zweite Film,
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der war viel eindeutiger diesem Genre zuzuordnen.
Micz Flor
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Sind wir nicht. Wir sind es mit dem Friedrichshain. Hast du hier die Tour absichtlich
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auf vorbei geführt? Am Freiluftkino?
Florian Clauß
0:29:13–0:29:19
Naja, also ich wusste, dass wir jetzt da auch mit dran vorbeigehen.
Micz Flor
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Und das Lustige ist ja, dass von der Berlinale erzählt und als Corona war,
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hat die Berlinale ja viel dann irgendwie ins Außen gelagert und ich glaube,
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das war eine der Location von der Corona Berlinale. Das stimmt.
Florian Clauß
0:29:28–0:29:29
Ja, das stimmt genau.
Micz Flor
0:29:29–0:29:33
Und da habe ich gedacht, das war jetzt Plan bei dir, Aber das war jetzt einfach
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Das Universum hat uns einen schönen Zufall beschert.
Florian Clauß
0:29:36–0:29:44
Das Universum hat, hat uns ja der Scheduler Shadowless Tower bezeichnet.
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1111 Ort in Peking in der alten Stadt, also Peking ist in so mehreren.
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So, wenn man das von oben aus sich anschaut, ist es wirklich wie so eine Zwiebel
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aufgebaut. Ein sehr geometrisch symmetrisch in der Mitte ist dann halt die verbotene Stadt.
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Dieser alte Kaiserpalast und drumherum sind diese,
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alten Stadtmauern, die sich drei, vier Sektionen, die sich nach außen ziehen
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und dann kommt quasi der Bereich, der auch neu bebaut werden konnte.
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Aber innendrin, in dieser alten, in diesem ganzen Areal ist ja wirklich noch
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so die alte Bausubstanz.
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Das ist eh krass, wie China sich dann umgebaut hat, wie viel eingerissen wurde.
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Davon erzählt auch ein anderer Film, den ich sehr, sehr empfehle,
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Der von Ende 90er heißt Schauer und der ist von Zhang.
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Der hat auch nicht ohne meine Leiche, den hatte ich.
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2007 hatte ich den auch auf der Berlinale gesehen.
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Da geht es um einen Wanderarbeiter, dem sein Kollege stirbt.
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Und dieser Kollege hat den letzten Wunsch. Das heißt, es ist auch sehr traditionell,
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dass du in der Gegend begraben werden willst, wo du geboren bist.
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Sonst sind die Seelen auf Wanderschaft.
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So ist, so denkt man dann halt spirituell und man müsste die Seelen wieder dorthin
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bringen, wo die geboren wurden.
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Und er geht dann quasi mit seinem Kollegen, der tot ist und tarnt ihn die ganze
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Zeit als Lebenden und bringt ihn dann halt in so einer Busreise wieder zu.
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Versucht ihn zurück nach Hause zu bringen, hat zum Teil absurde,
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slapstickartige Momente.
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Das ist ein toller Film also, den die anschauen. Und schau, er geht um diesen
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Abriss in einer eines Viertels in Beijing, das halt den Alten,
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den Neubauten weichen muss.
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Und das ist die Badeanstalt, wo dann die ganzen Charaktere zusammenkommen zum
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täglichen wöchentlichen Bad.
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Und erzählst du die so ein bisschen episodenhaft die Geschichten von denen,
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die da baden, auch ganz toll. Also wirklich ein toller Film.
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Und der Shadow Tower ist im Prinzip eine ein. Ein buddhistische Pagode ist das
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chinesische Wort für so einen spirituellen Turm.
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StuPa ist das buddhistische Wort dafür. Also StuPa ist quasi so ein Gebäude
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oder ein Bau, wo dann so so sagt man im Buddhismus dann so bestimmte spirituelle,
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Aspekte dann da geparkt sind und eine gewisse Kraft ausstrahlen,
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so eine gewisse Spiritualität.
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Und dieser Shadow Tower, den sagt man, dass der keinen Schatten wirft,
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sondern eigentlich nur so,
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wenn man dann einen Schatten sieht, dann von ganz weit weg aus Tibet kann man
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diesen Schatten sehen und,
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es kommt tatsächlich zu so einer leicht mystischen Szene, wo dann der Hauptdarsteller,
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und die seine Fotografin in der Nacht dann in der Nähe man sieht und man sieht
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die StuPa im Hintergrund und,
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sie werfen wie Kriege haben tatsächlich keine Schatten.
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Also man weiß nicht, ob das jetzt Bildbearbeitung ist, man sieht das nicht so
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richtig, aber da wird dieses Jahr wir haben keine Schatten und.
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Und die Frage ist natürlich warum keine Schatten. Also dieses Motiv des Schattens ist.
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Ist natürlich vieldeutig interpretierbar, aber das, was augenfällig ist es diese,
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Verbindung zur Vergangenheit, über die über die Vorfahren.
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Und eigentlich geht es bei dem Film um um eine Vatersuche, weil der Vater von
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dem Hauptdarsteller ist.
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Irgendwann, in der war eher fünf oder sechs,
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ist er verurteilt worden, weil er eine Frau in einem Bus sexuell übergriffig gewesen sein soll,
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was er dann nicht so also der Vater behauptet, es sei nicht so gewesen,
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aber die Frau hat es fest behauptet, es wird nicht so richtig aufgelöst,
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ob das tatsächlich passiert ist?
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Der Vater wurde auf jeden Fall vertrieben und er hat ihn, den Vater,
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seit 40 Jahren nicht mehr gesehen.
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Und dieser frische Blumenstrauß an dem Grab ist auch von dem Vater,
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also quasi von einem Mann, der der seiner seiner Mutter und zu denen er auch
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die ganze Zeit keinen Kontakt gehabt hat.
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Es geht um eine Vater Sohn Geschichte, um eine Vatersuche von ihm und.
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Die junge Frau kommt aus einer Gegend aus einem Badeort, ungefähr 300 Kilometer von Beijing entfernt.
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Es ist bei drei oder so ähnlich. Bei.
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Bei DH heißt dieser Ort und dort haben die damals die englischen Besatzer auch
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die ersten Kurorte gegründet, um baden zu können.
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Weil in China ist es so, dass Badekultur ist nicht unüblich,
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aber irgendwie hat sich das dann halt übertragen und sie kommt aus diesem Ort
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und sie gesteht dann halt auch,
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dem Blogger, dass sie im Waisenheim groß geworden ist. Also sie hat auch keine
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Familie und ist mit fünf Jahren dann in eine Familie gekommen und wurde da aufgesucht.
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Also ein bisschen. Wenn du da jetzt diese Schattenlosen übertragen willst,
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dann ist so ein bisschen diese Suche nach der Familie oder dieses Fehlen von
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Familienverbindungen und.
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Chatten ist aber auch immer eine,
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spirituelle, asiatische Sicht. Aber darauf Der Schatten ist auch immer ein Sinnbild der Seele.
Micz Flor
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Ich fand es interessant mit dem,
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Turm ohne Schatten, weil du das vorhin über diese wilde Bebauung die dann auch
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so wirklich eher teilweise wo riesen Skyscraper es halt so alte,
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ja alte Gebiete umschlossen haben die durften nicht abgerissen werden teilweise
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wurden dann so umschlossen und ich hatte dann wirklich so das Bild vom Charles Tower, dass das halt,
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eine Gegebenheit ist heute, dass dieser Turm keinen Schatten mehr habe,
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weil einfach die Skyscraper, das direkte Licht, dass es nur indirekte Beleuchtung gibt in diesem alten,
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heiligen Ort, der Halt, der quasi geschützt ist, nicht eingerichtet.
Florian Clauß
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Ja, Ja, ja.
Micz Flor
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Nicht eingerissen wurde, aber trotzdem so umbaut wurde, dass die Sonne da nie
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wieder direkt drauf scheint, sondern nur indirekt, eben über Spiegelung.
Florian Clauß
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Er. Jeder sehe ich. Ist dieses Gebiet von Beijing, was dann noch in den inneren
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Stadtmauern liegt, nicht höher als die Traufhöhe ist? Dann also drei vier Stockwerke.
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Wir sind auch alle sehr niedrige. Und da wohnt er auch. Er wohnt in dem Haus
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von seiner Mutter, dass er dann weiter auch nach ihrem Tod bewohnt.
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Und er hat das Haus unter vermietet an einen an einen angehenden Model,
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das aber keinen Auftrag bekommen, der,
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gleichzeitig mit der Miete im Rückstand ist und er dann aber auch so ja nee,
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dann ist kein Problem, kann es noch weiter wohnen bleiben?
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Also er ist dann halt so gütig und lässt ihn dann halt auch weiter drin wohnen.
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Das ist auch so ein rührender Moment. Und dieser Kontrast da,
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wo seine Schwester wohnt, wo auch seine Tochter in der Familie,
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das ist so dieses Beijing, was dann dann neu gebaut, Du siehst diese Neubauten,
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die haben ein Auto, die haben halt dieses, diese Wohnung in den Neubauten.
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Wenn er dann mit seinem Schwager zusammen rausgeht und raucht,
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es ist Rauchen ist auch Wahnsinn. Ich glaube, es gibt kaum.
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Ja, es gibt wenig Filme, wo so viel geraucht wird wie in den chinesischen Filmen,
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weil der ist die ganze Zeit am Rauchen und normalerweise kann ich jetzt ich
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mache ja auch asiatische Filme deswegen so gerne, weil halt Essen immer sehr
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schön inszeniert wird bei dir.
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Er ist zwar ein Foodblogger, aber dieses Essen spielt gar nicht so eine wichtige.
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Narrative Rolle und auch keine bildgebende Rolle.
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Man sieht das nicht so eine so wie bei Ang Lee Men Ring, wo man.
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Wo man halt diese unglaublich pompösen Zubereitungsorgien des Kochs sieht,
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ist das überhaupt nicht total zurückgenommen, sondern man sieht ihn eher rauchen und saufen.
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Aber so er mit seinen Freunden zusammenhängt, dann sind die die ganze Zeit am Schnaps trinken.
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Es ist eigentlich ist er auch ständig abends betrunken.
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Er trifft sich dann immer und die raucht und säuft und versucht so ein bisschen zu verdrängen.
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Und die Frage ist auch bei den Filmen von Louis und hat ihn noch von so Sehnsuchtsorten
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es gibt dann Sehnsuchtsorte, also als Rückzug oder so als.
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Und dieses alte Beijing, wo er seine Wohnung hat, also die von seiner Mutter
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übernommen, das ist auch so ein Sehnsuchtsort.
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Und es gibt noch eine andere Leier, die man, glaube ich, als wenn man da nicht
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so tief drin ist, in der Kultur gar nicht so entschlüsseln kann ist es gibt eine ganz so eine.
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Es werden immer so dicht Gedichte zitiert von einem chinesischen Dichter,
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der dann auch immer so ein Loblied auf auf Beijing gedichtet hat und auch so
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traditionelle Gedichte sind.
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Und das liegt auch noch mal so als Schicht darüber.
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Also es ist sehr viel Poesie in dem Film drin auf, auf einer ganz gestalterischen
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Ebene, aber auch auf so einer textuellen Ebene.
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Ja, er ist eben auf der Suche nach seinem Vater und er bekommt dann von dem
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Schwager bekommt er auch die Nummer von ihm, von seinem Vater.
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Der hat irgendwie diese Verbindung zu dem Vater aufrecht gehalten.
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Und er sagt okay, melde dich mal.
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Aber lass es nicht deine Schwester wissen, weil die würde dich sonst umbringen.
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Also das die ist noch so ganz sauer auf den Vater und das, was ich eben erzählt
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habe. Dieser Badeort da wo das Waisenhaus von seiner Fotografin auch ist,
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da ist da, wo der Vater wohnt.
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Ich weiß nicht, ob ich das immer erzählt habe, aber es sind so 300 Kilometer von Peking entfernt.
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Und es ist wohl auch so, dass der Vater dann zu dem Geburtstag von ihm,
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und seiner Schwester jedes Mal so auch nach Peking fährt und die von weitem
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beobachtet, sich aber nicht einmischt und aber bei den Geburtstag von dem von
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seinen Kindern irgendwo anwesend ist.
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Aber er fährt nicht nur einfach so nach Peking, sondern er nimmt das Rad,
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weil er keinen anderen Verkehrsmittel vertraut.
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Und das ist ein sehr alter Mann und man hat schon das Gefühl,
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dass er weiß, dass sein Sohn gerade so versucht, Kontakt aufzunehmen.
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Da gibt es dann eine Szene, dann will der die Nummer, die er von seinem Schwager
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bekommen hat, irgendwann nachts, als er mit der Fotografin aus einer Kneipe
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gestolpert ist und sagt aber nix.
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Während sein Vater auch so ganz lange redet Ja, hier bin ich.
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Ich lege jetzt auf. Also irgendwo ist dann dieser Hörer dann da.
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Die Verbindung ist dann auch gelegt und es kommt zu einer Annäherung.
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Und er sieht dann, er geht dann halt in diesen Badeort, weiß,
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dass sein Vater dann am Strand den Drachen steigen lässt zu einer bestimmten
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uhrzeit, setzt sich dann da,
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in die Wohnung von seinem Vater, knackt die auf, setzt sich hin,
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raucht die ganze Zeit und guckt sich irgendwelche alten Tanzfilme an,
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weil sein Vater früher mal so Tänzer war,
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und mit der er mit der Mutter zusammen dann halt,
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in so einem Amateurbereich westeuropäisch, also Tango oder irgendwas getanzt hat. So, und.
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Guckt sich diese Videos an, geht aber weg, ohne ihn tatsächlich zu begrüßen
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oder mit ihm zu sprechen.
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Das wiederholt sich dann wieder. Als der Vater merkt, dass sein Sohn anwesend
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ist, sieht er diese Zigaretten und die haben auch so Analogien.
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Also zum Beispiel ist es so, dass der Sohn auch dann so einen Baum hat,
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der unter dem also so ein Zimmerpflanze die unter dem Schreibtisch ist und der
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hat die gleichen Rituale wie sein Vater, die zu gießen. Das sieht man nur so in diesem.
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Das ist vielleicht auch nochmal so ein Charakteristikum von Slow Cinema,
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dass man sehr alltägliche Szenen miterlebt und dann, wie das gegossen wird mit
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so einem Blecheimer gießt diesen Baum hat genau die gleichen Gesten wie sein Vater.
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Und auch als dann der Vater zurückkommt in seine Wohnung sieht,
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der die Zigaretten sieht, aber auch, dass der Baum gegossen ist also und.
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Und er kauft, dann geht ein extra Laden.
Micz Flor
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Vater raucht auch.
Florian Clauß
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Nee, das hat er auch nicht. Aber er geht in seinen Laden, guckt sich an,
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welches Zigarettenlabel das ist und kauft dann diese Zigaretten und legt dann
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die Schachtel mit so einem, mit so einem Aschenbecher hin, so als Einladung, dass er wiederkommt.
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Und als er das nächste Mal dann wiederkommt, kommt es dann halt auch.
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Also es ist auch gar nicht so dramatisch. Man denkt dann, da stehen sich Vater und Sohn gegenüber.
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Nein, es ist halt so eine Annäherung und es ist aber auch ein ganz toller Moment,
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wo sie dann in dem Zimmer zusammen sind von dem Vater.
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Und im Hintergrund läuft dann dieses Tanzvideo und sein Sohn fragt ihn Wollen
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wir tanzen und dann tanzen?
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Und das ist auch einer der wenigen Szenen, wo tatsächlich so eine Körperlichkeit,
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wo er dann Vater in den Armen, die beginnen zu tanzen. Er ist ein sehr alter
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Mann, also sehr alt, hat einen langen Bart, wie man sich das aus dem Bilderbuch vorstellt.
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Graue Haare, langer Bart, alter Mann.
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Und die tanzen dann zu diesem Video, das im Hintergrund läuft.
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Und gleichzeitig macht er ihm alle Vorwürfe und sagt Ja, warum hast du uns verlassen?
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Warum hast du das gemacht?
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Und Aber in so einer ganzen, in so einer ganz in seiner ganzen nahen Szene,
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in einer ganz in seiner Körperlichkeit, ohne jetzt eine Aggressivität zu haben oder so was.
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Und das ist so ein Kontrast, der da in dem Bild entsteht.
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Das ist eine, ist eine tolle Szene.
Micz Flor
0:44:48–0:44:48
War.
Florian Clauß
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Um ihn in seiner in seiner tragischen Tiefe nochmal so ein bisschen zu untermauern.
Micz Flor
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Das ist das Ende des Films. Das ist nicht.
Florian Clauß
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Nee, es ist nicht das Ende. Ich habe auch. Das ist auch komisch.
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Ich habe überlegt, Wie ist der Film ausgegangen? Ich kann mich nicht mehr dran erinnern.
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Es ist dann. Das hat mich so ein bisschen geärgert.
Micz Flor
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Also das kumuliert sich gerade in dieser, in dieser Vereinigungsszene so ein bisschen.
Florian Clauß
0:45:12–0:45:16
Ja, aber es ist gar nicht so, erst dann halt auch so ausgelaufen.
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Es ist nicht so ein Film, wo du.
Micz Flor
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Nun verändert sich nach dem Tanz die Beziehung zu seiner Tochter.
Florian Clauß
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Eigentlich nicht wirklich. Seine Tochter ist sehr aufgeweckt,
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ist mathematisch sehr begabt.
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Aber nicht wirklich. Nein, die Beziehung ändert sich ja eigentlich nicht wirklich.
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Sie bleiben sehr herzlich zueinander, aber es ist klar, dass sie dann halt bei
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ihm wohnen, also bei ihr, bei ihr, bei seiner Schwester wohnen.
Micz Flor
0:45:42–0:45:42
Montag.
Florian Clauß
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Und Aber das Dramatische ist halt von ihm. Seine Mutter ist gestorben,
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der Vater hat ihn verlassen oder musste sie verlassen, je nachdem.
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Er beteuert seine Unschuld, aber so ganz kann er es dann auch nicht widerlegen,
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weil er auch früher immer viel gesoffen hat und nicht genau wusste, was da war.
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Ja, also. Aber gleichzeitig kam dann nochmal wurde das in der Polizei alte Polizeiakte
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aufgeräumt und dann gab es eine Zeugin, die ist aber dann gestorben, bla bla bla.
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Wahrscheinlich ist es nicht so passiert, sondern er wurde dann halt dieser Gesichtsverlust.
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Er wurde dann vom Hof verjagt und konnte dann nicht wieder kommen,
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konnte das auch nicht die Beziehung wieder aufbauen.
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Dann ist seine Exfrau also die Mutter von seiner Tochter, Die hat auch den Kontakt.
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Sie hat sich nie in der Lage gefühlt, das Kind dann halt auch mit mit zu erziehen
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und hat dann die ganze Erziehung dann an ihn abgegeben und er das auch nicht.
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Deswegen seine Schwester und sie.
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Sie haben aber auch noch so ein Verhältnis, dass sie. Sie liegt im Sterben,
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hat im Endstadium Krebs und er besucht sie im Krankenhaus.
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Es kommt alles so verdichtet und dann gibt es als anderen Sehnsuchtsort.
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Gibt es immer so Paris Paris auch. Kommt auch in diesem Film.
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Da gibt es einen alten Freund, der dahin gewandert ist. Immer wenn die.
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Wenn er mit seinen Freunden in Saufgelage ist, wird er dann halt per Skype zugeschaltet
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und trinkt dann mit. Aber der bringt sich dann auch um, also hat so so ein ach,
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es ist alles nicht so dramatisch. Also es wird sehr sanft erzählt und die Beziehung zu seiner.
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Es ist gar nicht so, obwohl das im Film sehr tragend ist dieses am Anfang dann,
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die zu seiner Fotografin sie gehen dann auch wollen dann halt zusammen aufs
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Hotel wir wollten ein Hotelzimmer mieten aber so es kommt überhaupt nicht zu einer Annäherung.
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Sie liegen dann zusammen da und kauen Kaugummi und gehen dann wieder aus dem
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Hotelzimmer. Es ist dann halt so, dass es verläuft sich dann auch so und dann
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irgendwann ruft dann ihr Exfreund an, er ist wieder aus Paris,
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hat sich von seiner anderen Freundin getrennt.
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Ob sie jetzt starten können? Dann meinte okay, machen wir nochmal weiter.
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Also das ist es fängt dann wieder so an, es geht auch sehr.
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Ja, es geht sehr undramatisch weiter alles und das ist sehr toll an dem Film.
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Also es ist sehr schön erzählt, das ist so der Eindruck, der dann auch so, so so hängenbleibt.
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Es ist sehr lang, lang, langsam, manchmal langweilig. Aber ich finde,
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das gehört auch zu solchen Storys in dem Film dazu, dass man sich langweilt.
Micz Flor
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Zeit nimmt. Also ich habe ja erzählt, dann ist.
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Ich finde es total eine spannende Geschichte, wenn man das so auf so eine intrapsychische,
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Bühne stellt. Also da geht es, finde ich so.
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Du hast drei Generationen Frauen und zwei Generationen Männer.
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Der Hauptdarsteller ist ein Mann, der selber seine eigene Tochter nicht großziehen kann.
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Also er ist kein Vater und er hat auch keinen Vater.
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Also er sucht so in sich diese Väterlichkeit und die passiert ja dann über diese.
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Also das ist ja alles sehr realistisch auf eine gewisse Art,
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aber dieses komische beim Papa einbrechen und da rauchen, so was,
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das ist irgendwie so ein bisschen unrealistisch, finde ich.
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Das ist etwas Besonderes, wenn du das erzählst. Und dann hatte ich auch so ein
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Bild davon, dass in dem Moment es irgendwie darum geht, wie kann sich der junge
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Mann, der halt sauf, säuft und raucht und wie kann der sich dem Vater in sich annähern?
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Also so ein Bild von Vater, was er hat, aber der war der Vater in seiner intra
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psychischen Bühne, der wurde ja nie verwirklicht, weil er selber ist das ja,
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er muss das ja irgendwie werden, er muss sich mit ihm verbinden und dann kommt es zu dieser Tanzszene.
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Und deswegen habe ich gefragt auch, ob danach sich die Beziehung zur Tochter
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geändert hat, ob diese Berührung mit Väterlichkeit, also buchstäblich,
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aber auch symbolische Berührungen mit Väterlichkeit dazu geführt hat,
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dass er so in sich etwas Männliches entdeckt hat, was halt,
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transgenerationale arbeiten kann.
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Du hast halt nämlich drei, drei Generationen Frauen, zwei Generationen Männer.
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So ein bisschen asymmetrisch. Die Frauen sind auch nicht glücklich.
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Also die sind mit ihren Männern nicht glücklich. Die Männer leisten irgendwas nicht.
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Also weder ist ein guter Vater, noch ist ein guter Bruder, noch ist der Vater
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ein guter Vater gewesen. Also die Großmutter oder die Oma liegt im Sterben.
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Da fand ich einfach so auf dieser symbolischen Ebene, dass diese Analogie von,
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aus dem Junge wird ein Mann, der auch ein Vater ist, dass das vielleicht so ein Motiv ist, das.
Florian Clauß
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Ja, auf jeden Fall. Also das ist, glaube ich, ein zentrales Motiv von dem Film
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ist, dass ihm wird immer wieder diese,
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diese diese Eigenschaft nachgesagt, dass er sehr höflich ist und dann erzählt
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ihm aber ein Freund, dass Höflichkeit die Menschen auf Distanz halte.
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Und das, finde ich, ist auch so eine Weisheit.
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Höflich. Du hast dann halt so einen Film um dich herum, so Schmierseife und
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du bist trittst dann halt nicht wirklich in Konflikt zu der Außenwelt.
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Gleichzeitig steigst du auch nicht tiefer ein, weil die anderen prallen immer
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an dieser Höflichkeit ab und haben irgendwie nichts zum Greifen da.
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Und diese Höflichkeit, die bleibt zwar so als Charakterzug bestehen,
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gleichzeitig kommt er aber in Interaktion mit seiner Welt, mit der Welt um ihn herum.
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Also er geht dann halt auch rein. Und ich glaube, das ist so diese,
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diese, diese Hybris, die ja dann halt in diesem auf dieser Vatersuche auflöst,
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dass er dann alles so an sich abperlen lässt, sondern auch diese Schritte zu
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körperlich, diese Umarmung, auch so kleine Schritte, diese
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diese Annäherung und das ist so eine Art von Befreiung.
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Es wird schon eine Befreiungsgeschichte erzählt, aber nicht dramatisch.
Micz Flor
0:51:30–0:51:35
Natürlich auch eine Geschichte von so einer fordernden Aggression, die er dann auslebt.
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Also zuerst bricht der ein und und raucht ihm die Bude voll.
Florian Clauß
0:51:39–0:51:41
Ich hat mich auch schon sehr.
Micz Flor
0:51:39–0:51:44
Das ist ja irgendwie auch schon sehr eine Form von Ich bin hier,
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man kann mich nicht übersehen. Auch wenn ich nachher weg bin, riecht man mich noch.
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Ja, und dann gibt es dann wirklich diese körperliche Ebene des Tanzens,
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in dem man aber dann auch gleichzeitig auch diese Nähe nutzt,
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um seiner Wut Ausdruck zu verleihen.
Florian Clauß
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Genau. Ich glaube auch das ist so eine unterschwellige Wut, die dann auch durch
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dieses Rauchen kompensiert wird, die durch das Trinken irgendwo kompensiert
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wird, aber die auch gleichzeitig zu so einer Belanglosigkeit führt.
Micz Flor
0:52:12–0:52:16
Und das, denke ich, ist auch die Tatsache, dass das mit der Fotografin sich
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gar nicht so weiter entwickelt. Würde für mich auch nochmal so ein Indiz sein,
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dass es halt wirklich um intra psychische Prozesse geht, weil es geht nicht
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um Beziehungsfähigkeit mit Frauen. Er hat ja irgendwie, er hat ja irgendwie eine Tochter.
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Aber es geht nicht wirklich darum, dass er jetzt eine Liebesgeschichte hat.
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Es geht nicht um die Liebesgeschichte zwischen diesen beiden Menschen.
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Die Fotografin bleibt ja auch so ein bisschen unsichtbar, die ist ja was,
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ein bisschen geisterhaft in der Erzählung, die hat ja auch keine.
Florian Clauß
0:52:41–0:52:44
In meiner Erzählung, aber die ist doch sehr präsent, wie sie ist.
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Sie spiegelt auch einen sehr,
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emanzipierten Frauentyp, nicht also den, dem man so trifft in China. Also sie ist sehr.
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Sie nimmt die Sachen bei der Hand, Sie ist sehr, sehr forsch auf.
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Ähm, ja. Und es ist eine starke Frau, auch so an sich.
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Das ist schon auch ein guter Charakter, der da gestellt wird.
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Und wer auch in der Geschichte, rein von der Zeit her, da wird viel, viel Zeit.
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Ich hab's jetzt nicht so breit erzählt, aber es passiert trotzdem viel Zeit mit ihr.
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Ja, okay. Der zweite Film lief im Rahmen von Generation.
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Also Witze? Nee, nee, Generation 40, Ich springe immer mit K plus durcheinander.
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Und heißt Tomorrow is A.
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Long Time nach dem hatte, hat sich bewusst nach dem Liedtitel von Bob Dylan benannt.
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Ähm, der Film ist auch ist wirklich, weil der sehr gut dem anderen passt.
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Es geht um eine Vater Sohn Geschichte. Es geht um Erfindungsgeschichte.
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Es ist vom Genre her eines meiner Lieblingsgenres Coming of Age,
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also ein Film über einen Heranwachsenden.
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Wang heißt der Charakter, der mit zusammen mit seinem Vater,
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die auch wieder frauenlos aufwachsen.
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Das heißt, die Mutter ist gestorben.
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Es gibt noch eine Großmutter in der Familie, die Großmutter.
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Ist im Krankenhaus, liegt auch im Sterben. Wenn ich ein dramatisches hätte,
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das ist wesentlich dramatischer.
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Vielleicht nochmal zur Einordnung Der Film spielt. Und jetzt,
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weil du mich vorhin so angeguckt hat Taiwan.
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Also der Film spielt in Singapur.
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Die erste Hälfte des Filmes ist tatsächlich und es war mir gar nicht so bewusst.
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Ich weiß nicht, ob du das wusstest, aber Singapur ist ja wirklich so ein bisschen wie Hongkong.
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Auch so eine, so eine Stadt, die im Rahmen von Kolonialkonflikten so auf dem
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Reißbrett aufgezogen wurde.
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Also Singapur ist eines der zwei Länder der Welt, oder Singapur ist ja quasi
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111 Stadt Land, die Mandarin als Amtssprache haben.
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Ja, Singapur ist auf halbem Weg zwischen China und Indien und.
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Zu 80 % oder 90 % sind chinesische Einwohner da, die Mandarin sprechen und Mandarin.
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Also nicht dieses simplify Chinese. Das wird ja dann im Norden des Landes gesprochen.
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Mandarin ist das traditionelle Chinesische, was auch in Taiwan quasi,
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da kommt ja die Verbindung her.
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Also Taiwan hat auch als Amtssprache, Mandarin ist auch also voll traditionell.
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Chinesisch liegt so ein bisschen in dieser in der Geschichte von Taiwan begründet.
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Das nehme ich als die Kulturrevolution wahr, die der letzte konservative Führer von denen.
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Ich habe den Namen vergessen, der wurde dann zurückgedrängt und ist nach Taiwan geflogen, geflohen.
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Und es hieß immer sowohl von den Kommunisten, also von den Maoisten wie auch
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von den konservativen Kräften, dass China ein Land sei.
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Deswegen kommt dieses ein Land. Deswegen ist es so schwierig,
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dass Taiwan halt als eigenständiges Land dann auch zu sehen,
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weil sowohl die Kommunisten wie auch diese Konservativen, da kommt auch dieser ganze,
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diese ganze Tradition, dieses Kulturbewusstsein von Taiwan her,
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das war ja damals in den 70er dann halt so die die Bastion, die von den Amerikanern mit.
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Wurde, wo auch ganz viel Sweatshops usw., wo ganz viel produziert wurde.
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Taiwan Made in Taiwan war ja dann alles mögliche.
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Das war ja so, das war ja fast so ein amerikanisches Symbol.
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Die ganzen Jeans, die ganzen Chips und alles kam aus Taiwan oder Singapur,
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das sind ja diese fünf Tigers,
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nee, die asiatischen Produktionsstaaten von dem Wohlstand und Kulturgütern,
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die dann im Westen so begehrt waren.
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Das ist so diese Verbindung. Und Singapur, um den Bogen da nochmal zu schließen.
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Singapur wurde von von der East India Company von mit quasi um.
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Um den Opiumkrieg anzufeuern, wurde Singapur als Hafen als Handelszone dann aufgebaut.
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Deswegen kommen dann halt. So sind so viele chinesische Einwanderer nach Singapur
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gekommen und deswegen ist Singapur sehr chinesisch.
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Also war mir gar nicht so klar, weil ich die ganze Zeit gefragt habe warum wird
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der Film in Singapur und Taiwan, das ist die Verbindung.
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Und dann bin ich erst mal so ein bisschen über Wikipedia Artikel dann dahin
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gekommen und diese Verbindung gefunden weil das wurde auch alles so ich war schon fast bei der.
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Bei dem Film wollte ich schon fast die Frage stellen, wenn ich weiß,
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was hat Taiwan mit Singapur zu tun und ich hätte mich alle so angeguckt,
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wie wenn ich gefragt hätte Was hat Hamburg mit München zu tun? Nein, ich.
Micz Flor
0:58:16–0:58:17
Was hat Hamburg mit Hamburgern zu tun?
Florian Clauß
0:58:19–0:58:22
Oder Frankfurt mit Frankfurtern. Das wollte ich nochmal so ein bisschen,
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als weil wir auch immer ein bisschen Kolonialgeschichte behandeln ist in der kommen wir nie.
Micz Flor
0:58:26–0:58:26
Wie er.
Florian Clauß
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Also diese Brutalität des Kolonialismus, die sich da wieder zeigt,
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und der Opiumkrieg, der dann eben China dazu gezwungen hat, dann Handel mit den mit den,
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westlichen Besatzern zu machen, weil das hatten wir ja auch,
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glaube ich, in einer Folge mal behandelt.
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Okay. Also Vater, Sohn, der Vater, das ist auch ganz interessant, weil der.
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Regisseur hat sich Orte in Singapur rausgesucht, die überhaupt nicht repräsentativ für Singapur sind,
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nämlich nur so diese peripheren Orte. Es gibt so vorgelagerte Inseln.
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Da hat er gefilmt, Der Vater hat als Job quasi in der Schädlingsbekämpfung.
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Also du siehst ihn die ganze Zeit mit so einem, mit so einem Ding auf den Rücken
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geschnallt, so einen kleinen Motor
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und so in so einer Tube, wo dann dieses Insektizide rausgepustet werden,
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also diese ganzen toxischen Chemikalien,
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die dann so ganze Fabrikhallen.
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Also es ist wirklich so, diese Orte, die der Film da auftreibt,
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die sind echt so rein, so ganz toll von der von der Peripherie.
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Also er ist dann die ganze Zeit irgendwie an diesem irgendwelche alten Schiffswerke dann halt an,
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sterilisieren oder oder irgendeine alte Schule irgendein altes,
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Gebäude und der Film wurde auch tatsächlich zurzeit von Corona gedreht und das
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war auch der Grund dafür, dass die halt nur da die Drehgenehmigung bekommen haben.
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Hat der da erzählt, im Nachhinein in diesen diesen Inseln, weil die konnten
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man sieht dann auch kaum Menschen, man konnte da nur drehen und.
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Der Vater bekommt durch seinen Beruf auch das Problem, dass er,
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dass er auch krank wird.
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Also er hustet und alle in seiner in seiner Gruppe sind von dem gleichen Husten
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befallen, von der Schlaflosigkeit.
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Also es ist tatsächlich so, dass die halt nicht schlafen können,
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weil die ganze Zeit wach gehalten werden durch die Chemikalien und viele,
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viele Arbeiten auch völlig übertaktet.
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Das heißt, sie werden immer wieder auf neue Schichten eingebucht,
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ohne dass sie gefragt werden.
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Sind auch Illegale da? Das heißt, es gibt einen Arbeitsunfall von Kollegen von
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ihm und er will erst den Krankenwagen rufen, Dann sagt ein anderer Kollege Bist du verrückt?
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Wir sind illegal, und dann liefern die den irgendwo ab. Und das ist so desaströs.
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Die sind Wissen, die liefern die ihnen jetzt gerade in den Tod,
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können aber nichts machen. Also eine unlösbare Situation für die.
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Und der Vater frisst alles so in sich rein.
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Sein Sohn versucht dann immer wieder so.
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Unglaublich gut gespielt. Der Sohn meinte die meiste Zeit der Regisseur meinen
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die meiste Zeit für den Film hat er wirklich nach den Hauptdarsteller gesucht und er hat sich über 300,
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Darsteller angeschaut und irgendwann ist es der durch Zufall geworden.
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Und er ist ein ganz sensibler. Also er spielt dann halt so einen sensiblen,
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introvertierten Jungen, der.
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In der Schule wird er gemobbt, Er muss sich dann diesen ganzen Mobbingaktionen
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von seinen Mitschülern aussetzen, muss dann halt bestimmte Mutproben machen,
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um dann auch dazuzugehören.
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Also er leidet drunter, muss dann aber auch für sich dann irgendwann diese Gewalt
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mit akzeptieren, um Anerkennung zu finden.
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Gleichzeitig sieht er, dass sein Vater immer mehr zerfällt. Das ist die 1.
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01. Geschichte, der erste Teil von dem Film.
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Und der endet damit, dass er dann, dass sein Vater tatsächlich stirbt und er
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in der Schule sich aufgrund dieser.
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Er hat sich. Bei einer Aktion hat er dann auch einen Mitschüler so geschlagen,
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dass der dann von der Schule verwiesen wird und sich der Armee verpflichtet
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hat. Das ist so der Bruch.
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Und das, was der Film erzählt, ist jetzt.
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Also der Regisseur meinte dann auch im Anschluss Eigentlich kann ich einen Film
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erzählen, ein Drama, wo dann eben
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Trauer und Wut sind, die die treibenden Elemente von jedem Drama sind.
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Das ist steckt da alles drin in der Geschichte, aber es wird nicht so ausgebreitet.
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Der Film beschreibt vielmehr die Suche von dem Jungen nach sich selbst und dann
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vor allen Dingen im zweiten Teil, wo er in die Armee geht.
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Also er du hast einen harten Cut in dem Film, siehst dann, wie der Bild davor
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war, die der der Leichnam deines Vaters.
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Wie er davor dann in Tränen aufgelöst ist, hat es schwarz Binde und dann siehst
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du ihn, wie er im Dschungel ist.
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Von Taiwan, wo die dann einen Außeneinsatz haben mit einer Gruppe von Soldaten,
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die aber auch so unterschiedlich unterschiedlicher Ethnie sind.
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Also es gibt glaube ich einen Pakistani oder einen Inder und ein Amerikaner.
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Also das ist, sie sprechen alle Englisch und die gehen durch den Dschungel,
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haben da eine bestimmte Mission.
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Genau. Also die Mission ist nicht
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weiter erklärt und es passiert dann ein Attentat in diesem Dschungel.
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Man weiß nicht genau, ob das Selbstschussanlagen waren oder irgendwelche Rebellen,
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die sich da in den Gebüsch verschanzt haben. Es wird.
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Es wird. Der Pakistani wird verletzt und dann suchen die nach jemanden,
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der dann mit ihm zurückbleibt.
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Ihn, weil er nicht in der Lage ist, weil der nächste die nächste Stadt ist,
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dann zwei drei Tagesmärsche entfernt und das schafft er nicht.
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Und dann erklärt sich Weng bereit, dass er dann zurückbleibt mit ihm und ihn
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versorgt und wartet, dass die anderen kommen.
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Und während er mit ihm wartet in der Nacht.
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Als er am nächsten Morgen aufwacht, verschwindet der Verletzte und er macht
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es sich zu seiner Mission, ihn zu finden.
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Und das ist dann dieses dieser Weg durch den Dschungel, dieses verzweifelte
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Suchen und dieses Festhalten, dass er unbedingt ihn finden möchte,
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ist sehr eindrücklich geschrieben.
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Und er findet ihn dann tatsächlich. Nachdem er so einen Bachlauf gefolgt ist,
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findet er ihn dann auf einem Stein am Wasser und stützt ihn.
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Zusammen schaffen die das dann ins nächste Dorf und dort werden sie dann von
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den Einheimischen dann versorgt.
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Und es gibt eine letzte Einstellung von dem Film, wo er von einem Kind quasi geführt wird.
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Hier, wir wollen dir was zeigen und da ist so ein riesen alter Baum und du siehst
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dann halt wirklich so wie auf diesem Baum. Steigt also weg.
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Und diese Verbindung zu dem Baum sucht und dann gibt es einen Schwenk,
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der bestimmt drei vier Minuten ist und dann so einmal im Kreis durch den ganzen Baum geht.
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Und dann, wenn ihn dann wieder so liegend auf dem auf dem Dschungelboden einfängt,
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also schläft und auch wieder so bei sich so angekommen zu sein scheint.
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Und der Regisseur hat gesagt, dass es halt ein bisschen mehr Spiritualität,
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weil der Film selber wenn man den auf so einer sozialkritischen Ebene sieht, sind diese,
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Konflikte eigentlich nicht so ausgeprägt unausgelastet, dass sie tatsächlich
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so Geschichten treiben werden, sondern es werden auch alles angerissen,
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es wird nicht richtig aufgelöst.
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Die Geschichte ist sehr wirklich so, diese Geschichte auf der Suche nach sich selbst und den Frieden.
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Und der zweite Teil der Geschichte ist, das hat dann auch der Regisseur im Anschluss
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gesagt zu dem Film, dass der zweite Teil zeigt eigentlich,
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den Jungen, so wie sein Vater ihn möchte,
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ihn sich gewünscht hat, dass er Verantwortung übernimmt, dass er für eine Sache
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einsteht, dass er da auch mit Einsatz dabei ist und einen moralischen Wertekompass
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hat der, der ihn dann trägt. Ähm.
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Film. Der Film ist, wie gesagt nicht nur thematisch ähnlich zu dem anderen durch
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diese Vater Sohn Geschichte, aber auch von den Kameraeinstellungen,
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von der Perspektive, von der Erzählweise, von der Langsamkeit ist er sehr vergleichbar.
Micz Flor
1:07:26–1:07:30
Hm? Ich kann dir nicht so richtig greifen. Von deiner Erzählung habe ich so
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keine inneren Bilder, die da bei mir entstehen. Gerade.
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Ich weiß nicht, woran das liegt. So, weil das hier gut erzählt.
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Aber es kommt mir so ein bisschen so vor, als ob diese Vatergeschichte und die
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Sohngeschichte so irgendwie voneinander entkoppelt sind. Die sind vielleicht
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parallel, aber irgendwie nicht miteinander verwoben. Habe ich so das Gefühl von deiner Erzählung?
Florian Clauß
1:07:52–1:07:55
Ja, das trifft vielleicht zu.
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Es gibt Momente, wo Vater und Sohn zusammen sind, wo du auch so dieses.
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Diese Beziehung. Also wo dann?
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Die Beziehung wird gesucht, die wird nicht so richtig gefunden.
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Es ist immer so eine Annäherung, aber nie so eine richtige.
1:08:11–1:08:17
Also nie so, dass die sich wirklich so Auge in Auge gegenübersitzen und miteinander
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agieren, sondern das ist immer so ein Zurückziehen.
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Dann geht der Sohn mal so an der Baustelle, wo dein Vater gerade die Insektizide
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wieder pumpt, geht er vorbei, guckt von weitem.
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Der Vater sieht dann auch, guckt dann auch in die Richtung, dann ist er aber weg.
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Also es ist immer so eine Parallelwelt. Oder sie sind.
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Haben Sie diesen Ahnenaltar, der auch ja überall verbreitet ist,
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wo dann die den Verstorbenen gedenken und das ist also der der Vater von seinem Vater sein Opa wird.
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Da gibt es dann jeden Jahres Todestag wird an ihn gedacht und da fragt Weng
1:08:58–1:09:00
dann seinen Vater wie war der denn eigentlich so?
1:09:01–1:09:03
Und dann will er aber auch nicht so richtig antworten. Ja, dann macht wieder.
1:09:04–1:09:06
Sie sind in diesem Alltag verfangen.
1:09:07–1:09:14
Sie schaffen es nicht mehr, die anzunähern, aber erst durch seine Abwesenheit von dem Vater kriegt.
1:09:15–1:09:18
Der Junge dann diese Vollständigkeit.
Micz Flor
1:09:18–1:09:19
Ja, okay.
Florian Clauß
1:09:21–1:09:28
Noch abschließend zu dem Film was ganz was so auch als ein Symbol also es kommen.
1:09:28–1:09:33
Es wird stark über eine gewisse Spiritualität auch erzählt von den Pflanzen,
1:09:33–1:09:39
aber es tritt auch ein Tier auf, nämlich ein Tapier und der Tag hier gilt eigentlich
1:09:39–1:09:40
als ausgestorben in Taiwan,
1:09:43–1:09:47
ist aber so jetzt in den letzten Jahren gesichtet worden.
1:09:47–1:09:51
Das heißt, das Tier kommt zurück und so ein bisschen so ein Hoffnungsschimmer.
1:09:51–1:09:57
Und der Regisseur meinte auch, dass dann so der Tapia sicher als so ein Tier
1:09:57–1:10:01
gesehen werden kann, dass es wieder seinen Platz sucht in dieser Welt.
1:10:01–1:10:06
Und der Tag hier tritt auf in so einer Todesvision oder in eine Todeseinstellung
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von seinem Vater, wo er dann Vater ist.
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Es soll den Tod quasi symbolisieren, sein Sterben, wo er dann in so einem kleinen Bambuswald,
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so halb nackt reingeht und auf einmal kommt halt so ein Schnaufen und du siehst
1:10:23–1:10:27
dann diesen Tapie dann im Hintergrund, der ihn dann abholt.
1:10:27–1:10:31
Und das zweite Mal, wo der Tapir auftritt, ist, als der,
1:10:33–1:10:38
als Rang mit seinen verletzten Soldatenkamerad in der Höhle liegt und er hört
1:10:38–1:10:42
auch wieder so ein Schnauben und auf einmal kommt dann Papi aus dieser Höhle raus.
1:10:42–1:10:48
Also irgendwie so symbolisch, sehr stark aufgeladen und ich hatte schon einen
1:10:48–1:10:49
schönen Moment, dieser Film.
Micz Flor
1:10:49–1:10:53
Ja, das hatte ich auch so bei deiner Erzählung. Diese Rolle der Natur in dem
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Film. Es gibt halt den Vater, der die Natur so zurücktreibt mit diesen Giften.
1:10:57–1:11:02
Und der Sohn, der über diese Militärsituation in dem Dschungel drin ist,
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aber halt irgendwie entfremdet von dem Dschungel.
1:11:05–1:11:08
Und dann allerdings hast du es erzählt, dass wir dem Flusslauf folgt.
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Da hatte ich ja so das Gefühl, dass es auch so eine Beziehung zur Natur gibt.
1:11:12–1:11:16
Und dieser Tab hier, der wäre ja dann auch auf so einer symbolischen Ebene eben
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so eine Rückkehr von Rückkehr von dem Urtümlichen, dem Natürlichen steht da für was.
1:11:23–1:11:26
Aber das ist so ein bisschen das, was ich bei dem Sohn wahrgenommen habe,
1:11:26–1:11:31
dass es im Militär Sache ist, zwar seine Entscheidung, aber nicht ganz seine
1:11:31–1:11:36
Entscheidung, aber gleichzeitig auch irgendwie etwas, was wirklich aus der Elterngeneration kommt.
1:11:36–1:11:43
Und dann flüchtet er. Über diese Suche des dieses Kollegen flüchtet er dann am Fluss entlang aus.
Florian Clauß
1:11:43–1:11:47
Ich würde unterschwellig in einer Kritik an dem Film kritisiert,
1:11:47–1:11:51
dass das Militär jetzt gar nicht so weit ist.
1:11:51–1:11:57
Es will gar nicht so kritisch hinterfragt wird, sondern dass es eher in dieser
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Struktur, mit dieser Machtstruktur machtgefüge.
1:12:01–1:12:05
Das ist eher da denke ich, eher dienlich zu dieser Findungsphase für den Jungen
1:12:05–1:12:08
läuft und damit halt nicht kritisch betrachtet wird.
1:12:09–1:12:13
Das ist so eine Kritik, die auch, aber das deckt sich ja ungefähr mit deiner Einschätzung.
Micz Flor
1:12:13–1:12:16
Ja, ich hätte es gefühlt schon. Das ist jetzt nicht kritisch.
1:12:16–1:12:19
Es ist einfach gesetzt. Es ist halt einfach da.
1:12:19–1:12:24
Und er muss sich aus dem befreien. Er hinterfragt das in dem Moment, wo er auf die Suche geht.
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Und dann könnte man ja auch wieder sagen, dass die Suche nach dieser anderen
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Person natürlich auch eine Suche nach dem eigenen Wesenskern sein.
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Und dass er dann vielleicht.
1:12:36–1:12:41
Dass er das durch diese Suche sich davon entfernt, weil er sich gleichzeitig findet.
Florian Clauß
1:12:36–1:12:37
Ja.
1:12:42–1:12:49
Ja, ja, also der. Also auch wirklich ein sehenswerter Film. Ähm.
Micz Flor
1:12:49–1:12:52
Und kommt Bob Dylan drin vor, läuft das Lied oder ist es nur der Titel?
Florian Clauß
1:12:51–1:12:57
Nee, nee, nee, es ist nur der Titel. Und es geht genau dieses Tomorrow so long time.
Micz Flor
1:12:56–1:13:01
Und das ist ein Titel, der quasi für den Verleih jetzt im Westen gefunden wurde oder auch in.
Florian Clauß
1:12:59–1:13:05
Nee, der ist tatsächlich auch im. Ich weiß jetzt nicht, ob der Original quasi
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die Schriftzeichen genau das gleiche beschreiben den Song.
1:13:10–1:13:15
Es geht eigentlich auch dieses. Dieses Erwachsenwerden.
1:13:15–1:13:19
Das ist ja Tomorrow is a long time. Also dieses diesen Zustand.
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Man ist ein heranwachsender Jugendlicher und kann sich ein Erwachsensein nicht
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vorstellen, weil man einfach diese Dramatik der Konflikte so intensiv erlebt,
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dass es einfach kein Morgen gibt in dieser, in dieser Welt.
1:13:37–1:13:41
Ja das vielleicht abschließend zu dem Film. Dann können wir jetzt auch über
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den letzten sprechen. Das ist tatsächlich auch der Film, der am langweiligsten.
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Aber von der Ästhetik her wieder sehr stark ist ein Film gewesen, der im Wettbewerb lief.
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Art College 1994 heißt er, und es ist ein animierter Film und.
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Ist er eigentlich auch so ein Alter Ego Film, das heißt, der ist mehr oder weniger
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ganz viel autobiografisch autobiographisch, erzählt von dem Regisseur,
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weil er selber in den 90er seinen Abschluss in Kunst gemacht hat und,
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der ich finde ihn von dem Zeichenstil finde ich den total schön,
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der ist sehr, sehr einfach gehalten.
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Das heißt sehr flächige Zeichnung, sehr detaillierte Hintergründe.
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Die Charaktere sind auch alle eher so wenig animiert, das heißt,
1:14:42–1:14:48
der Regisseur hat im letzten Film auf der Berlinale dann auch komplett selber
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produziert und gemalt und gemacht.
1:14:50–1:14:53
Und den hat er aber zusammen mit seinem Kunststudenten.
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Er leitet eine eigene Kunstklasse, also auf einer relativ renommierten Kunstschule in Wien, in China.
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Und die Geschichte erzählt eben ihn als Studenten in einer Zeit,
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wo eben auch so ein gewisser Umbruch in China passiert ist.
1:15:16–1:15:24
94 Das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens 89 ist eine Weile her.
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Hier 94, wo sie auch die Globalisierung von China, die diese Phase dieses Jahr,
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dass sich die Weltwirtschaft dann oder China sich für die Weltwirtschaft öffnet ist da so im Beginn,
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gleichzeitig diese Auslotung zwischen den,
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zwischen den zwischen der Tradition und der Moderne, die dann natürlich im Kunstbereich
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ganz intensiv auch verarbeitet wird.
1:15:50–1:15:56
Diese Schule, es ist mehr oder weniger von einer Gruppe von Studentinnen und
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Studenten werden sie die einzelnen Geschichten erzählt.
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Einer steht im Mittelpunkt. Das ist dann so mehr oder weniger.
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Er mit seinem Freund Rabbit heißt er als Spitzname.
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Und es ist eigentlich ziemlich banal.
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Es werden halt teilweise so die Perspektiven, Also was passiert mit uns, wo ist unsere Karriere?
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Oder ich mache das ja nur, damit ich später dann geheiratet werden kann, so was.
1:16:25–1:16:29
Also die Studentinnen der Musik, des Fachs Musik, Dann.
1:16:31–1:16:36
Ist jeder Versuch, der jetzt auch irgendwie eine Form von Performancekunst oder
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so, diese neue Kunstrichtung dann auch dort quasi zu praktizieren,
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wird dann relativ stark abgeblockt.
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Das heißt, 94 ist ja auch die Zeit, wo Ai Weiwei dann zurück nach China,
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der hat ja vorher in New York gelebt,
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dass er zurück nach China kommt.
1:16:59–1:17:04
Ich glaube, Ai Weiwei winkt wegen seines Vaters, weil sein Vater dann krank
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geworden ist zu der Zeit. Und er baut dieses Riesenatelier auf in der Nähe von
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so einem äußeren Bezirk von Beijing.
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Ich denke es einen ganz tollen Dokumentarfilm von diesem. Ich weiß nicht, ob du den kennst,
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aber er zeigt so diese Zeit und diesen Clash zwischen moderner und und Tradition. Also.
1:17:29–1:17:32
Aber der Film war wirklich langweilig.
Micz Flor
1:17:34–1:17:39
Erklingt es besessen vom Setting her. Ganz spannend ist er dann auch immer.
1:17:39–1:17:44
Schön, wenn man so viele herausstehende einzelne Protagonistinnen hat,
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die da immer wieder sich miteinander irgendwie kreuzen können in der Story und
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so. Aber war langweilig.
Florian Clauß
1:17:53–1:17:59
Ja, war langweilig, aber war einfach schön anzusehen. Und weswegen ich den schön langweilig.
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Weswegen ich den vielleicht noch mal so ein bisschen für uns interessant finde.
1:18:03–1:18:10
Ist jetzt auch so unsere Geschichte in den 90er in Berlin, wo wir auch diesen
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Aufbruch von Kunst ganz so erlebt haben. Das war ja auch sehr prägend auch für dich.
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Du hast ja damals da auch in diesem Bereich gearbeitet und es war diese, diese Form von.
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Ja, ich meine, Malerei ist tot, dieser Diskurs, wo dann neue Kunstformen oder Praktiken,
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in irgendeiner Form so rentabel wurden, dass sie halt im freien Markt angeboten
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und Geld gebracht haben. Das ist ja so!
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Ähm, es ist ja auch die Zeit, oder? Wo dann diese Young British Artist wohl,
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Tracey Emin und Damien Hirst und diese ganzen jungen britischen Künstler so groß geworden sind.
1:18:52–1:18:59
Und und auch die chinesische, die chinesische Kunst dann hier in Berlin angekommen
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ist. Und damals war ja Berlin gerade so der.
1:19:03–1:19:08
Der Schmelztiegel von so einer neuen Kunstszene. Und dann dachte ich,
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vielleicht kannst du dann nochmal so deine Eindrücke von damals aus dem Bereich.
Micz Flor
1:19:12–1:19:13
Berlin oder was jetzt?
Florian Clauß
1:19:13–1:19:17
Ja, ja, aus Berlin, aus was du das so.
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Ja also diese Umbruchsphase wo quasi das war auch sehr wo dann halt der Walkman
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durch die Minidisc abgelöst wurde wo.
Micz Flor
1:19:27–1:19:27
Und.
Florian Clauß
1:19:28–1:19:33
Das kommt in dem Film in Art College auch vor wo dann Nirvana der Song ist Sänger
1:19:33–1:19:35
Kurt Cobain sich umgebracht hat.
1:19:36–1:19:41
Ja, auch so ein prägendes internationales Ereignis, das ganz viele geschockt
1:19:41–1:19:46
hat, wo dann halt auch so westliche Kultur in China dann präsent war und so was.
Micz Flor
1:19:47–1:19:50
Ich glaube, das kann ich nicht. Aber ich kann es ein bisschen versuchen.
1:19:50–1:19:53
Und hätte ich gewusst, hätte ich vielleicht noch mal den Artikel.
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Ich glaube, der heißt Internet ist completely over oder so, finde ich vor einigen
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Jahren mal geschrieben habe zu der Rolle von Medien und Internet in dieser Zeit.
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Das war ein Zitat von Prince.
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Also gerne verlinke ich meinen Artikel und lese ihn dann auch nochmal.
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Und die 90er Jahre waren sicherlich eine Zeit, wo unglaublich viel medienmäßig
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passiert ist. Also die Digitalisierung und die Vernetzung.
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Also 80er Jahre war die Digitalisierung 90er Jahre über Internet wurde die vernetzt.
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Das heißt, auf einmal wurden Sachen ausgetauscht und dann halt eben diese,
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diese ganzen neuen Bilder auch generiert.
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Eben die globalen Dörfer, die die Interessengruppen, die sich da finden konnten
1:20:33–1:20:37
durch Internet, die nicht örtlich verbunden waren, die teilweise natürlich auch
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sprachlich nicht verbunden waren, aber die gleiche Interessen hatten.
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Diese Idee von Andy Warhol 15 Minuten Fame,
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die hat sich dann so ein bisschen umgedreht, dass halt nicht jeder 15 Minuten
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Fame hatte wie in der TV Zeit, sondern jeder hatte 15, also war Famous für 15 Leute.
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Also es gab immer für alles gab es dann irgendwie ein Publikum von 15 Leuten,
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und das andere war aber auch was den Kunstraum direkt betrifft dass da wohl.
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Da war ich nicht lange genug drin. Aber so wird es zumindest.
1:21:14–1:21:17
Äh berichtet oder beschrieben.
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Ist halt, dass da so ein bisschen eine Sinn, aber auch eine finanzielle Krise
1:21:20–1:21:26
war, weshalb gerne eben diese ganzen neuen Kunstformen aufgenommen wurden,
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die so workshopmäßig waren, die an Inhalten gearbeitet haben, nicht an Form.
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Und das, über das der Kunstmarkt oder der Kunstraum sich so versucht hat, eine Rolle zu finden.
1:21:40–1:21:43
Und da wurde dann halt Internet auch gerne mit Incorporated,
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weil man dann auf einmal hier in Berlin auch viel mit diesen nach 89 zu tun hatte.
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Das ist der halt über Internet, über Mailinglisten so kulturelle Räume aufgestellt
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haben, die aber auch nicht apolitisch waren da.
1:21:59–1:22:02
Wieder politisch, was halt irgendwie ein bisschen verloren gegangen ist.
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Und das waren so diese 90er Jahre, die dann irgendwann eben auch damit ausliefen,
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dass in der Tat so was wie Viva dann wieder einen Markt hergestellt hat und
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auf einmal kam wieder Geld rein und dann hat man diese ganzen,
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Feel Good Projekte so ein bisschen fallen lassen, sage ich mal.
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Und so wie der Zug jetzt gerade abfährt, war der Zug abgefahren.
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Und die 90er Jahre. Das war natürlich schon insofern spannend, weil.
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Weil nicht nur Medien abgelöst wurden, sondern auch Wirtschaftsräume abgelöst.
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Geschäftsräume und Medienräume, Inhalte, Kultur, Politik. Das hat sich alles
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auf eine neue Art vermengt.
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Und für mich als Westdeutschen war das dann eben in Ostberlin oder auch in den
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sogenannten neuen Bundesländern total spannend, so dieses Wild West Gefühl zu entwickeln.
1:23:00–1:23:05
Man hatte wirklich so ein Grundgefühl in diesen ganzen Zwischennutzungsgalerien
1:23:05–1:23:08
und Projekträumen, in dem Leerstand. Was, So war das?
1:23:09–1:23:13
Man konnte sich die Zeit nehmen, weil es die Räume dafür gab.
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Jetzt kann man sich immer noch Zeit nehmen, hat aber die Räume nicht mehr und
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muss das alles dann in den Rechner setzen. Also der Laptop ist jetzt quasi der
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Raum, der ist schon sehr alleine drin.
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Aber früher waren es halt wirklich so diese großen Räume, die dann auch verfügbar waren.
1:23:27–1:23:30
Ich denke, das hat zumindest hier für den Raum Berlin eine große Rolle gespielt,
1:23:31–1:23:34
weil die gab es zum Beispiel in Paris natürlich gar nicht mehr und in London
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dann noch im Osten vielleicht so.
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Das wurde aber auch alles sehr schnell geschlossen und es ist jetzt auch wieder
1:23:40–1:23:43
irre, dass es halt in Berlin gerade so ein riesen Bauboom losgeht.
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Diese diese Skyritze, die jetzt überall gebaut werden.
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Die wurden ja im Prinzip auch in den 90er Jahren schon konzipiert.
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Da gab es diese Stadt, Bebauungspläne am Alexanderplatz und so,
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aber die wurden halt dann schon, glaube ich, verkauft.
1:23:57–1:24:00
Die Baugenehmigungen lagen wohl auch vor, genau weiß ich es aber nicht.
1:24:00–1:24:02
Es wurde aber nie gebaut, weil es sich nicht gelohnt hat.
1:24:03–1:24:07
Und jetzt hat es sich gelohnt. Eine Zeit lang. Jetzt wiederum nicht wegen Kredite
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und Krieg und Energiepreise und Rohstoffpreise.
1:24:09–1:24:13
Aber in diese, in diesem kurzen Fenster, wo sich es dann gelohnt hat,
1:24:13–1:24:16
wurde auf einmal hier in Berlin dann diese Dinger hochgezogen wie,
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dieser komische UFO Block da an der Warschauer Straße oder alles was da Mercedes
1:24:22–1:24:27
Benz Arena drum herum per Auto Arena oder am Alex, jetzt wo eben diese eine Riesenturm
1:24:27–1:24:32
dann wirklich symbolisch eben so diese Stadt in Grund und Boden drückt, dass die
1:24:32–1:24:36
die U2 ja gerade mehr nach Norden gar nicht fahren darf, weil sich da irgendwie
1:24:36–1:24:41
die Kanäle fest das ist wirklich so, wo du merkst okay, da hat der Kapitalismus
1:24:41–1:24:43
jetzt so auf Berlin drauf geflanscht das.
1:24:45–1:24:49
Der Blutkreislauf, das Lebendige, der Kreislauf, die diese Vernetzung,
1:24:49–1:24:53
die Ubahn nicht mehr fahren kann. Es wird wirklich buchstäblich erdrückt.
Florian Clauß
1:24:54–1:24:58
Apropos Urban Ich sehe gerade hier eine U Bahn Anzeige. Jetzt kommt eine in
1:24:58–1:25:00
einer Minute nächsten zwölf Minuten.
Micz Flor
1:25:00–1:25:04
Okay, nehmt in einer Minute. Es ist also nicht.
Florian Clauß
1:25:01–1:25:06
Das heißt, wir machen jetzt die Abmoderation. Also ich danke dir nochmal für die Eindrücke.
1:25:06–1:25:10
Das ist wirklich ein spannendes, spannendes Thema, was du da mit reingebracht
1:25:10–1:25:14
hast. Es klingt jetzt wieder für mich. Dann müssten wir nochmal eine Episode machen.
Micz Flor
1:25:14–1:25:17
Ja, aber ich bin froh, dass ich es nur so kurz machen musste,
1:25:17–1:25:21
weil ich glaube, dann habe ich aber immer so Quellen Angst, dass ich.
1:25:21–1:25:24
Habe ich da Quellen verkannt? Anekdotisch kann man das glaub ich gut reinbringen.
1:25:24–1:25:30
Okay, Flo, ich fand es total spannend, wie du die Absurdität der Musik im Hintergrund.
1:25:30–1:25:33
Wir haben mit Musik angefangen, jetzt sind wir hier mit Musik wieder.
1:25:34–1:25:36
Das waren total schöne Folge. Also auch dieses,
1:25:39–1:25:44
Mal. Ich habe Slow Film gesagt, ich glaube, das habe ich so gespürt.
1:25:44–1:25:49
Als wir dann auf einmal so kumulativ oben auf diesem Berg mit einem Friedrichshain standen.
1:25:49–1:25:53
Ich bin sehr gespannt über diese Folge davon oben noch mal drauf zu schauen,
1:25:53–1:25:57
weil die Kreise im Friedrichshain, das hat immer auch diese Sternwarte,
1:25:57–1:26:02
die wir dann auch gerne in sie stimmt's also in alle Folge.
1:26:03–1:26:10
Danke dir sehr gerne und eigentlich das Podcast kann man kommentieren.
1:26:10–1:26:11
Wir haben lange keine Kommentare mehr bekommen.
1:26:11–1:26:13
Vielleicht weil wir sie abgestellt haben. Weiß ich gar nicht.
1:26:14–1:26:15
Jetzt kommt meine U Bahn.
Florian Clauß
1:26:15–1:26:19
Also gut. Was gut ist. Sehr schön. Und.
Micz Flor
1:26:16–1:26:21
Mach's gut. Gut. Gute weiterhin. Und? Soll ich das noch mitnehmen?
Florian Clauß
1:26:22–1:26:24
Ach so, ja, wenn wir jetzt noch.
Micz Flor
1:26:24–1:26:24
Man.

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